24» Sepie« d-r 190* yr. so«
jmtttvOulu Mv JtuUHjUntt AOUUNA.
s Seite. 24. September 1904.
ro jeft. Es wird beschlossen, den ruffischm n bei der Verbreitung von Druckschriften, so«
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Sozialdemokratischer Parteitag
IX.
Verwischtes
in*
I» und um Port Arthur.
Wolff? teIe<»t. Corresv.-Bureatt.)
bet tote bie Seeschlange breit getreten wurde....Aber auch bet Kammerdemokrat erheiterte einmal bei bet Waldsireu- bebatte seine Kolleqen mit bet kühnen Redewendung: „Um aber wieder auf meine Streu zurückzukommen."
— fDenkmäler für gefallene Pferde.s Aus Mannheim schreibt un? ein Leser: Zur Ergänzung bet in Nr. 250 bet .Frankfurter Zeitung" erschienenen Notiz „Ein Denkmal für gefallene Pferde" möchie ich Ihnen mitteilen, daß ein ähnliche? Denkmal schon seit dem Jahre 1785, im Taunus auf der Streck
wären, dm russischen Schergen auszuliefern. Ich hoffe, daß Württemberg, wo das relativ grüßte Maß bürgerlicher Freiheit besteht, noch Rückgrat genug hat, das nicht zu tun.
Dornholzhausen - Wildpark in der Nähe deS Gotisch e n Hause? existiert. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um ein künstlerische? Monument, sondern um ein schlichter Erinnerungszeichen an einen einzelnen tapferen Kampfgenossen, dessen Besitzer Landgraf F r i e d r r ch II. von Hessen war. Bei einem scharfen Ritte durch da? WaldeSdickicht, als dem Landgrafen höchste Eike nottat, setzte da? Pferd seine letzte Kraft ein, bis es plötzlich tot unter seinem Reiter zusammenbrach. An der Stelle, teo das treue Tier verendet, schaufelte man ihm sein Grab, und Landgraf Friedrich ließ alS Zeichen feiner Dankbarkeit für fein gute? Leib- pferd eine Gedenktafel über bet Stelle errichten, die folgenden Spruch trägt und sich bi? zum heutigen Tage noch ziemlich gut erhalten hat:
JerKrleg zwischen Ku ßkand und Japan.
Vom Kriegsschauplätze.
Berlin, 24. Seplbr. Der „Beri. Lokalanz." meldet aus Mulden: Eine offensive Tendenz der Japaner macht sich jetzt allgemein bemerkbar. Auch General M is ch ts ch en ko war gestern wieder angegriffen worden. Hier steigt täglich ein russischer Fesselballon auf zur Beobachtimg de? Geländes. Am 22. Septbr. tourbm neun Tschuntschilsenführer hingerichtet, wobei die russische Militärbehörde vertretenwar.
iteueen, 24. Septbr. Die „Times" veröffentlicht über die S ch l a ch t bei L i a u j a n g den amtlichen Bericht General Oku’ 8. Es heißt darin in Bezug auf den letzten Angriff Oku 'S auf Liaujang, daß die Russen den Widerstand am 3. September noch hartnäckig sortsetzten. Die japanische Artillerie ging darauf bis auf Gewehr- schußweite an die russischen Stellungen heran, um Breschen zu schießen und die Maschinengewehre zum Schweigen zu bringen. Da? Feuer schien bei einem Teil deS Feindes Unordnung anzurichterr. welcher aber trotzdem seine Stellung nicht räumte. Die japanische Artillerie konzentrierte deshalb abermals ihr Feuer auf die feindliche Stellung. Die Infanterie war inzwischen bis auf 200 m an die russischen Truppen herangekrochen. Am Abend eröffnete die japanische Artillerie daS Schnellfeuer, während die Infanterie auf der ganzen Linie zum Sturm vorging. Hierauf entbrannte ein Kampf, der bis in die Nacht hinein dauerte. Um 12'/r Uhr Nachts
berget Prozeß. Es wird be*
Parteigenossen bei bet Verbreitung r
fern sie nicht gegen deutsche Gesetze versuchen, gefällig zu sein und sie der Staatsregierung ausdrücklich bekannt zu machen. Dazu kommt ein Antrag Betnstein-Bebel, der lautet:
Hier liegt da? beste Pferd begraben, DaS alle Tugenden vereint.
Könnt' man mit Tieren Freundschaft haben, So läge hier mein Freund.
r fReneS Von der Kaiserin Von China.) Au? Schanghai, Mitte August, wird uns geschrieben: Der Kaiserin-Witwe wurde oft nachgesagt, sie sehe immer tu erster Linie auf ihren persönlichen Vorteil und bann erst auf den ihres Volkes. Welche Berechtigung dieser Vorteil im allgemeinen haben mag, bleibe dahingestellt. Jedenfalls beweist die alte Dame jetzt, wo ihr siebzigster Geburtstag heranuaht, daß sie auch ander? zu handeln versteht. Weil bie Kaiserin nämlich recht gut weiß, baß die kostbaren Geschenke für sie am letzten Ende von dem Volke und keineswegs von den freundlichen Gebern, den hohen Provinzial- Mandarinen, bezahlt werden, hat sie diesen Beamten die Weitung zukommen lassen, von solchen Geschenken abzuseheu. Sie wollte damit da? ohnehin schon stark belastete Volk schonen. Aber die meisten Genetalgouverneure, Gouverneure und Tartaren generale haben sich trotzdem nicht abhalten lassen, Gold und Silber, sowie Juwelen und Perlen nach Peking zu schicken. Die Kaiserin- Witwe hat nun befohlen, olle diese Geschenke, bie den Wert von einer halben Million Mark übersteigen, für das neu zu schaffende kaiserliche Heerzu verwenden.
— ^Berliner Theater.s Man berichtet un? au? B erlin d. 23. bB.: Karl Strecker — bie alten Griechen hätten ihn Prokruste? genannt — hat Renan? „Aebtissin von 3ouatre* in ba? Folterbett feiner Dramatik gespannt. Recht prokrusteisch ist er mit blefer Renanschen Dichtung verfahren, der
zweite Beweis für Holls Tätigkeit in Main, wird hergeleitet aus ein Redner seinen Vortrag : „Der Vorwurf de? Abg. Dr. v. Daller, man schon unrecht tut, wenn man sie Drama der Lücke ,n seiner Selbstbiographie zwischen l 630 bis 1632, wo *-—•- •- - - - -- - - - -
der Künstler infolge der Religionswirrnisse Stellung und Heimat verlassen mußte. Den dritten Schluß zieht Dr. Schneider aus den Verschiedenheiten in bet Behandlung baulicher Einzelheiten, die in dem genannten Zeitabschnitt entstanden sind und bie bas Eingreifen einer bcbeutenben künstlerischen Leitung augenfällig ergeben. Die Stubie bietet eine Fülle scharfer Beobachtungen, die zu übet» zeugenden Schlußfolgerungen führen.
«sDaS Radium und die Zollbehörden.f An? London wird berichtet: Die Zollbehörden bet Vereinigten Staaten stehen, wie bet Daily Grapbic bemerkt, unschlüssig vor bet Frage, wie sie bas Radium bei dem Import behandeln sollen. AIS im Jahre 1897 bet Dingley-Tatif in Kraft trat, war das Radium
noch nicht entdeckt worden und deshalb fehlt natürlich eine Bestimmung übet den Zoll, den eS zu zahlen hat. Nach den allgemeinen Bestimmungen des Tarifes müßte e? 25% ad valorem zahlen, wenn es als chemische Komposition betrachtet toirb. Ist es aber ein Nohmineral, so hat es nichts zu zahlen. In reinem Zustande ist Radium aber noch nicht gewonnen worden. Die Importeure behaupten, daß es lediglich als ein Salz gefunden werde und deshalb zollfrei bleiben muffe. Verschiedene Sachverständige sind zu Rate gezogen worden, um hei der Lösung der Frage zu helfen. Zu einer Entscheidung muß man kommen, aber ob diese Entscheidung von der wissenschaftlichen Welt anerkannt werden wird, das ist. wie der Daily Graphic meint, sehr fraglich, denn die amerikanischen Zollbehörden haben eine merkwürdige Art, Dinge zu rubrizieren. So hat man beispielsweise den Frosch in dieselbe Tarifklafle mit Geflügel gesetzt, und dieser Vorgang erweckt natürlich den Verdacht, daß auch bie Rabiunifrage in etwas leichter Art erlebigt werben bürste.
v fRcdeblüten aus bet bayerischen flammet.] An? einer Sammlung schiefer oder belustigender Worte, die während der letzten Kammersefiion gefallen sind, bringt da? Würzburger Journal einige nette Proben. Als einmal die Güte derbayeri- s ch e n S t a a t s h e ri g st e mit „ausländischen" in Vergleich gezogen wurde, erwiderte ein Herr vorn Regierungstisch, der den mit seiner Stelle erblich verbundenen Beinamen „Roßoler" führt: „Mit Oldenburg dürfen Sie uns nicht vergleichen. In Oldenburg wird schon seit 100Jahren gezüchtet, wir sind dagegen noch eine ganz junge Zucht." Ein Abgeordneter schleuderte dem Zen- trumssührer Dr. Pichler die Donnerworte entgegen: „Was Cie hier auS denFingern sau gen, das hängt noch viel mehr in der Lust, als meine Behauptungen!" Um die Verlängerung der M a ink eite bis Schweinfurt bat ein Abgeordneter den Derkehrsminister, indem er schmeichelte: „Ich möchte den Verkehrsminister bitten, die Verlängerung bet Kette bis Schweinfurt warm imAugezu behalten." Ein bekannter mittelfränkischer Bündlet und Antisemit erklärte treuherzig: „Ich will eS ja dem Finanzminister glauben, aber moralisch glaubt man es dran R * n nicht!" Von der äußersten Linken begann
Maßgebend für die Wahl Stuttgarts war auch der Umstand, daß man das Schwabenland erreichen kann, ohne einen anderen deutschen Bundesstaat berühren zu müssen. Die deutschen Genossen haben also 1907 die ehrenvolle Aufgabe, die internationalen Freunde würdig zu empfangen. (Lebhafter Beifall.)
Der Parteitag ersucht die sozialdemokratische Reichstagsfraktion einen Gesetzentwurf einzubringen zur Schaffung eines der modernen Kultur entsprechenden Rechtes der Fremden im Deutschen Reiche und besonders zur Sicherung von Ausländern gegen 6te seit längerer Zeit erfolgte und neuerdings verschärfte, verwerfliche Praxis der Austoanbererpolizci, sie durch Nötigung zum Lösen von Fochrkarten nach bestimmten Ländern bestimmten Reedern in die Hände zu spielen und sie im Falle der Weigerung ihrem Heimatlande auszuliefern.
Zum Ort des nächsten Parteitages wild Jena gewählt. Beworben hatten sich auch Mannheim, Nürnberg und Stettin.
Abgeordneter Dietz spricht das Schlußworts Die Helgoländer Affäre habe wieder gezeigt daß Seewasser beruhigt. (Stürmische Heiterkeit.) Der Fall Schippe! sei nun wohl erledigt. Schippel werde es sich hinter die Ohren schreiben, daß es in der Zollfrage keinen Mittelweg gebe und künftig vorsichtiger fein. Die bürgerlichen Parteien, die gemeint haben, daß es hier recht interessant werden könnte, seien nicht auf ihre Rechnung gekommen.
»Hoch die internationale Sozialdemokratie I", und der Pa rte: tag ist g e s ch I o f f e n.*
Auf dem Parteitag ist es, wie im Sitzungsbericht mitgeteilt, zu Entrüstungsszenen gegen den Genossen Mehring von der „Leipziger Volkszeitung" gekommen, der in seinem Organ den Abg. Südekum persönlich angegriffen hakte. Wir tragen zum Verständnis dieses Zwischenfalles nach, was Mehring über Südekum geschrieben hatte:
Bürger Albert Südekum, Volksvertreter und Ritter hoher Prinzessinnen, scheint sich aufGrund seiner neuesten Heldentaten bereits als angehender H o f m ar- schal l des Zukunftsstaates zu fühlen. Auf dem Parteitage gebärdete er sich als kundiger Zeremonienmeister der Parteisitten und deS „guten Tones" und machte eine kleine Anleihe an die bonmots von Dresden. Er meckerte etwa? über — äh, äh — „psychologische Rätsel", deren wir — äh, äh — „noch mehrere in der Partei haben". Pikant, Was? Fabelhaft patent! Beinahe Serenissimus! „Psychologische Rätsel" find ja nur in plebejischen Regionen zu finden, wo die Wonnen des Lackstiefels und KraWattensports aufhören und man sich nicht immer strebend bemüht, sich von einer Märchenfec erlösen zu taffen, um nachher selbst als moderne: Dornröschenprinz politisch zu debütieren; wo man auch mit kargem Pfunde nicht zu wuchern versteht und wo den Weltmann alles rätselhaft, rrnheimlich, unpshchvlogisch berührt. Erst in den höheren und höchsten Sphären der Menschheit fängt das psychologische Verständnis des Bürger? Südekum zu funktionieren an. Da droben auf den verklärten Höhen der Gesellschaft ist alles durchsichtig Helle, „unb um fein ganzes Wesen wird's unaussprechlich klar". Kein Wunder, daß ihm auch Schippel immer unheimlicher Wird. Der Mann ist offenbar „gebildet", ein moderner Mensch und kein „Prolet". Aber äußerlich sieht man ihm das gar nicht an. Er sieht aus, wie ein Ausschnitt aus einem Modejournal von vor 40 Jahren, kleidet sich Wie ein Landpfarrer in schwarzem Gehrock und Papierkragen. Ein psychologisches Rätsel! Es wird Zeit, daß die internationale Revolution der Stehkragen, Gigerlwesten und Schnabelschuhe blutigrot am Horizont aufsteigt und Bürger Südekum Generalgarderobier des Zukunftsstaates wird: sonst gibt ihm die Partei Noch Weitere „psychologische Rätsel" auf.
Abg. Südekum war bekanntlich bet der Flucht der Prinzessin Luise von Koburg beteiligt; er hat die Prinzessin in seiner Wohnung in Berlin verborgen. Es ist gewiß bemerkenswert, daß der Parteitag sich — ein Jähr nach Dresden — über derartige persönliche Ausfälle auf Parteigenossen sittlich entrüstet. Der Ton. den die „Leipz. Volksztg." in der obigen Stilblüte anschlägt, wird also künftig nur noch gegen „Bürgerliche" gestattet sein. Er findet sich in der „Leipz. Volksztg." nicht eben selten.
m Darmstadt, 24. Septbr. Der Großherz dg begtot f heute vom Manövergeläabe nach Schloß WolfSgarien, wo einige Zeit verweilen wirb.
F Zwickau, 23. Septbr. Der telegraphisch gemeldete Auto mobilnnfalt ereignete sich heute früh 2*/9 Uhr. Der Inhal eine? hier bestehenden Gasanlagengeschäfts, Franz, sein ni bas Gymnasium besuchender Sohn, Bierderleger G e r b e r hi Bahnaffiflent Schubert und Bahnhofswirt Clan? a MilkaU fuhren in schnellem Lauf im Vorort Haßlan um ei Kurve. Dabei schlug ba? Automobil um nnb wurde zertrümme Franz Jen., der Lenker des Fahrzeuge? und Gerber erlitt SchäbelbrÜche unb sofortigen Tob, Franz jun, schwe Claus unb Schubert leichtere Verletzungen.
B ßobnrg, 22 Septbr. Ein schweres SittlichkeitSder brechen hat sich ein Kanonier Wolff von beut in Naurnbm garmsonierenben 55. Artillerie-Regiment während des Maud v e r S in hiesiger Gegend zu schulbm kommen lassen. Er bet- toältigte ein Mädchen aus Beuerfeld, während zwei Kamerai basselbe/hielten. Heute würbe er in Immelborn in Hast । nommen.
kl Aurich, 24. Septbr. Der Zimmermann Haß an? Ditz» derlaat wurde wegen Blutschande an seinen drei Töchk« verhaftet.
= München, 24. Septbr. Um Mitternacht gab, wie die Marge blätter melden, infolge einer Eifersuchtsszene ein ztoanzh jährige? Mädchen drei Revolverschüsse auf ihren en fliehenden Liebhaber ab. Als dieser schrie: „Ich bin getroffen1 schoß sich daS Mädchen eine vierte Kugel in die Schläfe. @i war sofort tot. Der Liebhaber ist nur leicht verwundet.
K Bayreuth, 24. Septbr. Im Fichtelgebirge fiel geffei Nachmittag der erste Schnee.
8 Straßburg, 24. Septbr. Dem „Matin" zufolge sind zwische der Vermögensverwaltung de? deutschen Kronprinz« unb der Verwaltung der Familie von Hunolstein Verhau! langen im Gange wegen Verkauf de? lothringer Schloss Homburg-Redungen, da? von großartigem Park- un Waldbesitz umgeben ist.
-1- Amsterdam, 21. Septbr. In Leiden geriet eine Waschanstalt in Brand. Eine Familie konnte sich durch das Fenster
Bernstein bestätigt die Darstellung Bebels gegenüber Guard und beklagt den ungerechten Berfassungsmodus. Maier - Franssurt a. M. plädiert auf mildernde Umstände für Ouarck. Das mündliche Referat Ouarcks habe nicht so gehässig geklungen, wie der Bericht in der „Volksstimme" aussehe, sondern einen ruhigen Eindruck gemacht. Er billige nicht die geschmacklose Aeußerung Ouarcks, aber er bedauere doch, daß Bebel hier von der „Volksstimme" als von einer Zeitung gesprochen habe, die er nicht lese. Das werde bei den Frankfurter Genossen «inen schlechten Eindruck machen. Habicht erklärt, daß Ouarck noch mehr gesagt habe, als in der „Volksstimme" stehe. Wie es seine Gewohnheit sei, habe er nicht persönlich werden wollen, sei es aber dann doch geworden, sodaß in der Versammlung Widerspruch entstand. Die Frankfurter seien stolz auf ihren Ouarck, aber sie lassen sich von ihm nichts vorschreiben und es liege nur an ber „Volksstimme", daß die Meinung der Frankfurter Parteigenossen nicht zum Ausdruck kam.
Bömelburg wünscht, daß auf dem nächsten internationalen Kongreß einmal die Frage der gewerkschaftlichen internationalen Solidari- t ä t gründlich erörtert werde. Die englischen Gewerkschaf- ten erheben riesige Eintrittsgelder, die Gewerkschaften in St. Louis haben vor der Weltausstellung ihre Mitgliederlisten geschlossen, sodaß keine Zugewanderten mehr eintreten konnten. Die deutsche Bauarbeiterorganisation müsse Hundert- tausende ausgeben, weil ausländische Arbeiter, die zu Hause großenteils organisiert sind, in Deutschland Streikbrecher- dienste leisten. Das sind Zustände, die geklärt werben müssen. Denn das ist die internationale Frage, die uns Ge- wersschafter vor allen anderen interessiert. (Sehr richtig und Beifall.)
Im Schlußwort bemerkt Bebel, es sei interessant, daß die beiden Frankfurter Delegierten hier sich schnur- sttacks betreffs des Referates von Ouarck widersprechen. (Sehr richtig!) Und habe denn Ouarck keinen Einfluß auf die „Volksstimme"? Es sei doch nicht anzunehmen, daß Ouarck den Bericht über sein Referat nicht vorher gelesen habe. Habicht erklärte ja, daß Ouarck noch mehr gesagt habe. Dann sei es gut, daß nicht mehr erschienen ist, denn er (Bebel) habe gerade genug darüber sagen müssen.
In- das internationale Komitee werden
Forderung nicht entsprachen, wurden sie auf Grund des Vereinsgesetzes angeklagt, aber vom Landgericht steige* isprochen, da keine Versammlung im Sinne des VereinS- mefehes dorliege; eS fehle jeder Anhalt dafür, daß die "im Lokal anwesenden Personen zusammengekommen waren, mm die aufgelöste Versammlung etwa fortzusetzen. Da? sKammergericht wies die Revision der Staatsanwaltschaft ‘bis unbegründet zurück, da die Vorentscheidung ohne Rechts- Irrtum ergangen sei. In Uebereinstimmung mit dem Reichsgericht ist daS Kammergericht der Ansicht, daß eine Versammlung eine gewisse, nicht allzu klein an Zahl bemessene, äußerlich irgendwie vereinigte Personenmehrheit ist. welche auf gemeinsamen, bewußten Zwecken und Zielen beruht.
RrchlanÄ.
DaS Attentat auf den General Neidhardt.
* Wie bereits mitgeteilt, wurde am Donnerstag früh ein Mordversuch auf den Polizeichef von Odessa, Stadthaupt- inannn General Neidhardt, gemacht. Das Attentat sand auf dem Boulevard Nicolas statt, in der Nähe des Puschkindenkmals. Neidhardt besichtigte in Gesellschaft deS kaiserlichen Adjutanten Fürsten Obolenski einige neue Gebäude, als sich ihm ein junger Mann, der eine blaue Binse trug, näherte. In sechs Schritt Entfernung von dem Polizeichef feuerte der junge Mensch einen Revolver auf ihn ab. Die Kugel pfiff ohne Schaden zu tun an Neidhardt vorbei. Als der Angreifer zum zweiten Male feuern wollte, packte ihn Fürst Obolenski bei der Hand, so daß er die Waffe fallen ließ. Nun warf sich auch der General Neidhardt auf den Attentäter und wurde in dem darauf folgenden Ringen an der Hand mit einem Dolche verwundet. Der junge Mensch wurde bann gefesselt unb der Polizei überleben. Er weigert sich, Angaben über seine Person zu machen.
worben War, noch ein Kreuz gesetzt Werben, Weil deutsche Touristen sich schontest batüber beschwert hatten, daß man achtlos an dem Stein mit der bronzenen Gedenktafel vorübergehe. Der D. und Oe. Akpenverein, dessen Mitglieder die verunglückten Skifahrer waren, nahm sich der Sache an unb stiftete ba? Eisenkreuz, bas sich beim Ausstieg zur Sustenpaßhöhe Wie eine feine Filigranarbeit am Himmel abhebt und nun bem Wanderer nicht mehr entgehen kann. — Ans Mainz wird un? vom 23. d?. berichtet: Gestern Wurde im hiesigen Stadttheate . ' •
rusticana' und „Bajazzo" gegeben. Fräulein Saldi (Eanluya) , Herr van Manoff (Tonio) und Herr Mark (Sanio) fanden Beifall. In bet Operette „Gasparone", die heute zur Aufführung gelangte, lieft ein Teil bet neugewonnenen Kräfte unbefriedigt. Am besten gefielen Frl. Matt (Sora) n ' Sri. Austerlitz in der kleinen Rolle derZenobia. — M schreibt un? ausKöln vom 23. b?.: Die Stadt Köln gibt f bie Kunstausstellung be? Verein? der Kun' freunbe in ben Ländern am Rhein ba-Gelände am Kail garten unentgeltlich her, beteiligt sich an bem Garantiefond, i bie Höhe von 240,000 VZ erreicht hat, mit 100,000 JL und za ferner 75,000 unter ber Bedingung, daß die Gebäulichkeit für die mindesten? 200,000 JL verwendet Werden müssen, » Schluß ber Ausstellung in ba? Eigentum ber Stadt Übergehen. - Aus Düsseldorf Wird uns vom 23. b?. geschrieben: DaS Lu, spiel „Madame de Pompadour" von Thilo v. Troth erlitt bei seiner gestrigen Aufführung im hiesigen Stab' i Heater einen totalen Mißerfolg. Der mäßige Beifall fr' einzig ber vorzüglichen Darstellung. — Der Umbau Herzogi. HostheaterS in Braunschweig, bal 1. Oktober nach langer Pause wieder eröffnet wird, kostet, wie1 un? mitteilt, insgesamt 1 Million 600,000 Mark. Davon t ber Regent be? Herzogtums 625,000 Mark unb da? Land B« schweig 975,000 Mark. 200,000 Mark hatten den Regenten Bau be? JnterimS'Hoftheaters gekostet. — In Bezug auf Notiz „Schwerin" („Frankfurter Zeitung" Nr. 264 ZWi Morgenblatt) Wird un? geschrieben: Der Herr Verfasser der 31. befindet sich im Irrtum, wenn er ba? Schloß Chambord ba? 11 f er ber Soire »erlegt. Chamborb liegt vielmehr, wie von 1870 her weiß, 5 Kilometer südlich von St. $iä Loire nnb 15 Kilometer nordöstlich von Bloi? an t kleinen Bache, Coffon genannt, im Pare de Chambord. Dem Autor bet Notiz „Au? bem Fürstentum Liecht stein" in No. 265 ist. Wie uns mitgeteilt toirb, ein kleines sehen unterlaufen: Die Linie Feldkirch-Buch? hat nämlich Stationen im liechtensteinischen Gebiet: Schaan-Vaduz (n offiziell heißt», Hendeln unb Schaanvald. Ferner ist | Johann II. souveräner Fürst und Senior de? Hause? von m Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägemdorf unb Gr Rietberg. Die Grasen von Schellenberg sind längst ausgesto
Bebel und Singer gewählt.
Man schreitet zum vorletzten Punkt der Tagesordnung: „Sonstige Anträge". Hier wird alles untergebracht, was sonst nicht unterzubringen ist, also auch die Angelegenheit der „Leipziger Volkszeitung". Es ist inzwischen von ihr ein Telegramm eingelaufen, worin erklärt wirb, die beanstandete Notiz stamme von einem einzelnen Redakteur, der nach reiflicher Ueberlegung einsieht, zu weit gegangen zu fein. Er nimmt die Notiz nach Form und Inhalt mit Bedauern zurück, und dem schließt sich die Redaktion der „Leipziger Volkszeitung" an. (Bravo!) 116 Delegierte hatten eine Resolution eingebracht, worin der „Leipziger Volkszeitung" Entrüstung über ihre Polemik ausgesprochen wird. Indem der Parteitag diese Resolution und bie Entrüstung der „Volkszeitung" zur Kenntnis nimmt, ist diese Sache erledigt. Eine Resolution Katzen st ein, 5$ o Ilm a r, Bebel, die sich energisch gegen die Soldatenmißhandlungen richtet, wird einstimmig angenommen. Der alte Vorstand wird wieder gewählt. Molkenbuhr tritt neu ein. Die Gehälter der Geschäftsführer und des Kassierers werden um je 600 Mark pro Hahr erhöht.
Eine Resolution Z e t k i n verdient ihrer Originalität wegen wiedergegeben zu werden. Sie lautet:
Gemäß ber sozialdemokratischen Forderung auf Weltlichkeit der Schule erklärt der Parteitag sowohl gegenüber den VerfaffungSbeftrebuugen der vereinigten Konservativen, Ultramontancn und Nationalliberalen als auch gegenüber der einseitigen liberalen Agitation für die Simultanschule, daß pädagogische, ethische und politische Gründe die völlige Trennung bet Schule von der Kirche und damit die Beseitigung des Religionsunterrichts aus der Volksschule verlangen. Der Parteitag erklärt ferner, ba die Volksschulen wie das ganze Erziehungswesen über die Regelung der religiösen Frage hinaus einer grundsätzlichen Reform an Haupt und Gliedern burdj ein Reichsschulgeseh bedarf und zwar auf dem Wege, auf den die vom Bürgertum verleugneten revolutionären Pädagogen des Bürgertums, insbesondere ComeniuS und Pestalozzi, ferner Goethe und Karl Marx hingewiesen haben. Der Parteitag erklärt endlich, daß keine Partei ein unmittelbares und uneigennütziges Interesse an der Volksschule habe. Befreiung der Volksschule au? ihrer heutigen unwürdigen Stellung als Magd der herrschenden Klasse und der Kirche kann nur das Werk der Arbeiterklasse durch den Klaffenkampf sein.
.Die Resolution wird angenommen. Eine Resolution Michels - Koutsky beglückwünscht die italienischen Genossen zu ihrem politischen Massenstr e i k.
Antrick und einige Genossen protestieren nachträglich gegen die Gehaltserhöhung der Parteibeamten, werben aber entschieden zurückgewiesen. Zwei Resolutionen befassen sich mit dem Zarismus im Anschluß an den Königs-
man schon unrecht tut, Wenn man sie Drama heißt. Philosophische Dialoge sind eS. die Renan geboten hat, Gespräche voll elegischen Zauber? unb milder Welkheit, nur leise geknüpft durch ein lose? Band ber Handlung. Im RevolutionSgesängniS, angesichts be? sickeren Todes, ergibt sich bie Aebtissin von Joüarre ihrem unglücklichen Freunde und Jugendgefährten, bem MarquiS d'Arcys um sich bann, nach den kurzen Stunden einer Liebesnacht, allein unb von ihm getrennt bem Leben ausgespart zu sehen. Au? elegischer Resignation ersteht ein leidenschaftlicher, doch gleichfalls philosophischer Protest gegen Entsagung unb für Lebensgenuß, um aus jener Resignation des Sterbens in bie schwerere des Leben? hinüberzuleiten. Dem Silbe einer blutlos bleichen, aber schönen Frau, ber bie gepflückten Blumen Welt au? ben müden Händen gleiten, könnte man diese Renansche Dichtung vergleichen; sie geht ihre einsame, von allem TageSstreit fern abführende Straße; Prokruste? aber lauerte am Wege. Er hat sie zunächst in ba? Streckbett geworfen unb ihr einen „vorbereitenden" ersten Akt voll abgestandener Theatralik angefügt, über ben ich ben Vorhang be? Schweigens senke ; et hat sie von ba in das Hockbett befördert unb ihr bie Füße, will sagen ben Schluß, gekürzt. Hat ihr auch sonst bie „überflüssigen" philosophischen Betrachtungen genommen. So ist es ihm gelungen, au? Renans undramatischer unb untheatralischer Dichtung ein sehr schlechte- Theaterstück zu machen. Dabei hat er diese Mordtat offenbar in lyrischer Weihestimmung verübt. Denn als eint Hauptgestalt führte er in Renans Dechtuug einen Dichter ein, der von sich bekennt, baß er bie Hölle im Buten trage, der sehr dämonisch unb dabei höchst edel ist. Nach seinem Bilde, denk' ich, schuf er ihn. Unb doch unterscheidet dieser Theater-Dichter sich vorteilhaft von Strecker, bem Theaterbichter, benn er macht selbst Verse unb vergreift sich nicht an ben Werken anderer ... Die „leftten ©tun» ben', so hat Strecker „fein' Drama benannt, fanden im Ber - linerTheater bie Aufführung, die sie verdienten. Falsches Pathos und kalte Deklamation bestimmten den Ton. Herr W e i- gert War in bet Rolle be? Marquis b'Arcy unzureichend, Frl. Hruby ließ die Aebtissin seelenlos erscheinen oder vermochte doch zum mindesten kein Mitempfinden zu erzwingen, Herr M i f ch k e kehrte als Dichter schlimme Bühnengewohnheiten hervor. Dagegen schuf Herr L ' A! I e m a n b au« ber Figur be? Abbi Clement eine menschlich echte, sympathische Erscheinung, Herr E o n n a t b durfte in ber Rolle be? verkommenen heiseren Schm spielet? Pelletier (von Streckers Gnaden) interelftetei. E. H.
«■ [Äleine MitteiltM-enZ Auf dem Kapitol von D u g g a tn Nordafrika haben die Franzosen, Wie uns geschrieben wird, einen Tempel des NumiderkSnigS Maf ittissa, jenes au? Livius und Sallust wohlbekannten Römerfreunde?, gest. 148 v. Chr., aufgedeckt. Der König hatte nach feinem Tode göttliche Ehren erhalten. Die lhbisch und panisch abgesagte Weihinschrift gibt wichtige Aufschlüsse über die Ahnen de? Herrschers. — Man schreibt un? ans der Schweiz : In den letzten Tagen ist auf dem Gedenkstein, der den am Sustenpaß verunglückten deutschen Ekifahtern Dr. Ellert und Dr. Mönnich «richtet
Paris, 24. Septbr. Der „Matin" berichtet aus Peter- burg, die Japaner hätten gestern von drei Setten ehe Gesamtangriff auf Port Arthur unt und bie Geschwader der Admirale Togo unb Kami« denselben durch ei« heftiges Bombardement unterMtzt. Petersburg herrsche ledhafte Besorgnis wegen deS A Angriffs.
London, 24. Septbr. Dem Reuter'schen Bureau t aus Tsingtau vom 24. dS. gemeldet, ein dort russischer Marineoffizier habe die offizielle Nachricht Auftretender Cholera inPortArthur erhalten, zum 19. ds. Mts. seien nur wenige Fälle zu verzeichnn wesen, aber man fürchte sehr, daß dieKraulheitepidemisch
London, 24. Septbr. Dem „Daily Expreß" wird ap Kobe vom 23. September gemeldet: Die Japans fingen den englischen Dampfer „Crusater", we&ti von Portland nach Wladiwostok unterwegs w$ in der Sungarustraße ab. Der Dampfer wurde nach H k o d a t e gebracht. Demselben Blatte wird aus T ot berichtet, daß die Japaner den Versuch, die Festunaswi von Port Arthur zu unterminieren, als t möglich aufgegeben haben.
(PrivaLLelegr. ber „Franks. Zig.")
A Sternen, 24. Septbr., 10.38 V. Die „Wesetzeitw meldet an? D ortmnnd, daß große Sendungen Kohlen» der EmSmündung abgeben. In Emden liegen schon meh, mitenglischenKohlen für ein rn ss i sche s Geschto der beladene Dampfer. Angeblich sind weitere achtzig Dump gemietet, Was jedoch übertrieben zu fein scheint.
(Wolffs telegr. Corresp.-Bureau.)
London, 24. Septbr. „Daily Telegraph" me det aus Söul vom 22. September: Die Japaner fai den Hamheung von den Russen geräumt. D Eisenbahnbau Söul - Fasan hat derartige Fortschrit gemacht, daß man wahrscheinlich noch im September d ganze Strecke wird in Gebrauch nehmen können.
London, 24. Septbr. Die „Times" meldet aus T o k i o vom 23. September: Der englische Marineaitach6, G neral N i c o l s o n, trete auf das entschiedenste der Behar tung von schlechter Behandlung der Korresponde t e n und der A t t a ch 6 s durch die Japaner entgegen. 2 Japaner hätten nicht zuvorkommender sein, nicht mehr 8 trauen zeigen können, als ste taten. Der General spricht I höchste Bewunderung über bie Leistungen der russisch Pioniere aus und bezeichnet es als außerordentlich, daß d Japaner die Schanzen bei L i a u j a n g zu stürmen ve mochten.
wurden die Stellungen derRussen mtfberl Linie unter brausendem Jubelgeschrri der Japaner gen men. Am 4. Septbr. um 2 Uhr morgens besetzte edrH Armee Okus die Station vor Liaujang; ein anbeter Tei zur Belagerung der nordwestlichen Stadt vor. D« setzte hinter sich die Brücke in Brand, ben die Japaners löschen vermochten, weil bie Russen die Brücke unt« Feuer hielten. '■
London, 24. Septbr. „Daily Chronicle" meldet , Liaujang vom 20. September: Kälte und wetter sind eingetreten. Die japanischen T« haben keine Pelze und leiden sehr unter der Witterung, Verluste der Japaner vom 25. August bis tember werden amtsich auf 21,000 Mann angegeben.
Dr. Bremen, 24. Septbr., 12.45 N.
Die Debatte über die Kommunalpolitik wurde Itemlich übers Knie gebrochen. Nach der Geschäftslage eitet allerdings nichts anderes übrig, wenn man nicht das Ganze nochmals einer Kommission überweisen wollte, und das wollte man in der Tat nicht, und so wurde die R e • Solution Lindemann glatt angenommen, mit der einzigen Aenderung, daß nicht nur den städtischen Arbeitern, sondern auch den Beamten das Koalitionsrecht gewährt «erden solle. Diese Resolution ist also, wie hier betont wurde, nicht als eigentliches Aktionsprogramm, sondern gleichsam als Entwurf zu einem solchen aufzufassen.
Darauf referiert Bebel über den A m st e r d a m e r Kongreß: Die Verhandlungen in Amsterdam waren sehr ^befriedigend; es war allseitig der Wille vorhanden, Koy- Jlifte zu vermeiden. Auch das Aeußere des Kongresses war glänzend. Während auf den früheren Kongressen die Deutschen am stärksten vertreten waren, standen sie diesmal an dritter Stelle. Die meisten Delegierten hatte England gesandt, und es war besonders erfreulich, daß die Trabe Nnions stark vertreten gewesen sind. Man hat sich bemüht, einen gerechteren Abstimmungsmodus zu finden; aber es gelang nicht, und so blieb der bisher gültige Modus, bei ja 5n der Tat sehr mangelhaft ist. Die Vorbereitungen des Kongresses, soweit das internationale Komitee in Brüssel in Betracht kommt, ließen auch zu wünschen übrig, was darauf zurückzuführen ist, daß der internationale Sekretär nur bie französische Sprache beherrscht. In einer Drucksache z. B. ist unser liebes, gutes Deutsch entsetzlich mißhandelt worden. Daß die Taktikfrage zuerst in der Kommission geregelt wurde, geschah deshalb, um die Geister, besonders die französischen, erst einmal sich abkühlen zu lassen. So konnte man nicht voraussehen, daß es zu einem heftigen Disput Bar nicht kommen werde; weil man es aber erwartete, stellten wir den Antrag auf Kommissionsberatung unter der Zustimmung des Genossen Ouarck, der bann in einem Referat über Den Kongreß bie Sache so barfteflte, als ob bie Hauptleute ber Partei hinter verschlossenen Türen bie Suppe kochen wollten, bie bem Plenum vorgesetzt würde. Ich verstehe nicht, wie Ouarck, ber dabei war, zu einer solchen Darstellung kommen konnte. Auch in ber Schilderung, die Ouarck von ben Vorgängen in ber Delegation gegeben habe, ist Wahres, und Falsches in ber wunderbarsten Weise durcheinanbergemischt. Gleichzeitig hatte Ouarck von mir als „verdientem alten Führer" gesprochen. Das soll wohl ein Pflästerchen sein für meinen Unwillen, aber ich wäre gar nicht unwillig, wenn Ouarck bie Wahrheit gesagt hätte, und ich verbitte mir solchen Personenkultus, ber übrigens gerade /von denen am meisten betrieben wirb, bie sonst am meisten dagegen wettern. (Sehr richtig!) Ich bin fast auf ben Rücken gefallen, als ich las, was Ouarck erzählte. Viel umworben war ber Japaner Katayama, ba seine Stimme das Zünglein an ber Wage war. Man hat bem armen Katayama so zugesetzt, baß er schließlich aus lauter Scheu, obzwar er eigentlich kein Wort deutsch kann, in bentscher 'Sprache abstimmte. (Heiterkeit.) Mit Vergnügen konstatiere ich, daß Jaurtzs einer Verstänbigung mit seinen feinb- 'lichen Brüdern zustrebt. Ich richte an bie deutschen Parteifreunde bie Mahnung, nichts zu schreiben, was biefe beginnende Einigung stören könnte. Von Oktober ab wird eine französische Revue erscheinen: „Sa nie Soeialiste", die dieser Verständigung dienen soll unb von Präsentier herausgegeben werben wirb. Ich empfehle Ihnen, sie zu abonnieren. Der nächste internationale Sozialistenkongreß soll in Stuttgart ftattfinben. Wir konnten bisher unsere Freunbe nicht nach Deutschlanb laben, weil Der größte deutsche Bundesstaat im Rrissenkurs steuert unb wohl imstande gewesen wäre, Männer, bie unserer Einladung gefolgt
