.-x Abendblatt der Frankfurter Zeitung

werde« würde«.

zogen

waren, wurden heute von der Strafkammer

lütte flej

Der kommandircnde General, gcz. Georg, H. z. S.

weil Du Deriporrung in der Werk! der Begriff der Oeffentlichkeit fehle.

Schlägen ist. Wahre Disziplin und Mannszucht soll sich bei aller Strenge und Energie auf Gottesfurcht, auf Erziehung, Belehrung, auf Jndividualisirung und Entwickelung des Ehrgefühls gründen. Die Beobachtung dieser Grundlagen des militärischen Lebens soll dem Soldaten nicht verleidet werden durch fortgesetzte Miß- handlungen und gewohnheitsmäßige Quälereien; sie soll ihm erleichtert werden durch erwachendes Verständniß vom Wesen des Dienstes, durch Lust und Liebe zum militärischen Leben und besten disziplinellen und sonstigen Anforderungen, vor allem durch Ach­tung vor den Persönlichkeiten der Vorgesetzten; sie soll gefördert und gehoben werden durch das Beispiel, welches in erster Linie die Offiziere zu geben haben. Daß aber auch in dieser Beziehung schwere Verschuldung vorliegt, beweisen die Strafen, welche gegen Offiziere haben erkannt werden muffen. Wenn bei den Offi­zieren, sogar bis hinauf zu den Kompagniechefs, die Grundlage, ans der allein wahre Disziplin und Mannszucht groß­gezogen werden kann, sich derart verschiebt, wie die eingeleiteten Untersuchungen haben erkennen laffen, können Ausschreitungen, welche der auf einer niedrigen Bildungsstufe stehende Unteroffizier fich zu Schulden kommen läßt, wahrlich nicht überraschen.

Eine Aenderung dieser Zustände muß unter allen Umständen herbeigesührt werden. Schlechte Unteroffiziere müssen rücksichtslos entfernt und dürfen mit solchen Elementen, die fich in nennens- werther Weise einer Mißhandlung Untergebener schuldig gemacht haben, Kapitulationen nicht abgeschloffen werden. Die wegen Mißhandlung verhängte« Strafen müssen allgemein be­kannt gegeben werden, die Beaufsichtigung der Untergebenen wird sich ganz besonders während der Nckruten-Ausbildung nicht allein auf die Dienststunden, sondern auch auf die übrigen Tages­und Abendstunden zu erstrecken haben, und müssen die Feldwebel K. hierbei mit zugezogen werden. Nachexerzieren darf keinesfalls von Unteroffizieren angeordnet werden; daffelbe ist stets von Offizieren zu beaufsichtigen und dürfen nur solche Unteroffiziere zur Abhaltung desselben verwendet werden, welche durch anderweite Diensterleich­terung möglichst frisch und in der Lage find, solche Nachübungen für die soldatische Ausbildung thunlichst förderlich zu gestalten. Vor allen Dingen ist an das Ehr- und Standesgefühl der Unter­offiziere zu appilliren; eingehende Belehrung, ernste, aber anstän­dige Behandlung des Unteroffizierkorps werden nicht verfehlen, den besseren Theil desselben vor Ausschreitungen zu bewahren und ihn zu einer brauchbaren und zuverläjsigen Stütze bei der Erfüllung jener hohen Aufgaben werden zu lassen, die dem soldatischen Berufe gestellt sind.

Ich möchte schließlich noch eines Umstandes Erwähnung thun, der sich mir vielfach bei den Untersuchungen über körperliche Miß­handlungen ausgedrängt hat. Es will zuweilen scheinen, als ob seitens d er Vorgesetzten vonHaus aus für de «Angeklagten und gegen den, welcher mißhandelt worden zu sein angiebt, Partei genommen werde. Wie bei allen Vergehen und Verbrechen muß aber auch bei Miß- handlnugsfüllen, so lange durch die Untersuchung nicht Klarheit geschaffen ist, volle Objektivität walten. Der Unteroffizier, welcher angeklagt ist, darf dem Vorgesetzten in diesem Falle nicht näher stehen, wie der Soldat, welcher eine ihm widerfahrene vorschrifts­widrige Behandlung zur Meldung bringt. Strengste Gerechtigkeit bleibt eilte Hauptstütze für richtige und gedeihliche Handhabung der Disziplin.

Die Herren Regiments- rc. Kommandeure werden zweifellos mit ihrem ganzen Können und ihrer ganzen Energie bestrebt s ein, die gerügten Uebelstände auszurotten und ihre Untergebenen aller Grade anzuhalten, körperlichen Diißhandlungen vorzubeugen, vor­gekommene aber unnachsichtlich zur Meldung zu bringen. Ich hege das feste Zutrauen, daß die Herren Kommandeure in diesem ihrem Streben nicht nachlassen und durch persönliches Eingreifen und mit Unterstützung ihrer Offizierkorps, insonderheit ihrer Kompagnie- re. Chefs auch Abhilfe schaffen werden.

Sollten indessen Vorgesetzte, gleichgiltig welchen Grades, wider Erwarten es sich nicht angelegen sein lassen, für die Erreichung des angedeuteten Zieles mit ganzer Kraft einzutreten, vielleicht sogar vorgekommene Mißhandlungen unter irgend welchem Vorwande zu verbergen suchen, so will ich keinen Zweifel darüber lassen, daß solche Vorgesetzte unnachfichtlich zur strengsten Verantwortung ge-

brikviertel) abzielte, gestellt und befürwortet hatten, die folgende, im Wortlaut wiedergegebene Petition an den preußi­schen Eisenbahnminister an:Die unterzeichneten Be­wohner, Haus- uud Grundbesitzer des Nordendes von Frank­furt a. M. und des Stadttheils Bornheim erlauben fich. Eurer Excellenz gehorsamst Folgendes zu unterbreiten : Wie verlautet, soll die sowohl für Oberheflen, als auch für mehrere ehemals kur­hessische Gemeinden, sowie für Franksurt a. M. so wichtige direkte Eisenbahnverbindung Frankfurt a. M. - Stock- heim endlich zur Ausführung gebracht werden. Es wird damit einem lang gehegten Wunsche und dringenden Bedürfniß der Be­wohner jener industriellen Gegenden Rechnung getragen. Durch Herstellung dieser Bahnstrecke werden nicht mir Wetterau und Vo­gelsberg dem Verkehr mit unserer Stadt aufs Ausgiebigste erschlos­sen, sondern es wird auch die Fahrzeit nach Stockheim, Nidda und Schotten, ja sogar, sobald die Bahn bis zum Hauptbahnhof Frankfurt weitergeführt sein wird, die nach Berlin beträchtlich ver­kürzt. Auch in strategischer Beziehung dürste diese Bahn, wen« als Vollbahn ausgebaut, von nicht zu unterschätzender Bedeutung fein. Die Verbindung unserer Stadt mit den obenerwähnten Ge­genden gewinnt indessen nur bann einen ganz besonderen Werth, wen« der für Franksurt a. M. in Aussicht genommene Bahnhof so gelegt wird, daß auch unsere Stadttheile (Nordend und Bornheim) endlich in den Eisenbahnverkehr unmittelbar angeschloffen werden. Eine geeignete Baustelle zu einem Bahnhof dürfte auf dem vormals v. Rothschild'scheu Befitzthum vor der Güuthersburg an der Friedberger Landstraße zu finden sein. Das Gelände ist noch Ackerfeld und verhältnißrnäßig billig zu erwerben. Technische ober finanzielle Schwierigkeiten stehen bet Verwirklichung unserer Wünsche kaum entgegen. Wir bürfen also hoffen, daß biefen um­somehr Rechnung getragen toerbe, da unsere beiden Stadttheile schon heute nahezu 50,000 Seelen zähle« uud fortwährend in sichtlichem Wachsthum begriffen sind. Kein anderer Stadtbezirk hat für fort­gesetzte Erweiterung so günstige Raum und Bodenverhältnisse wie unser Stadttheil, sodaß in absehbarer Zeit die Einwohnerzahl des­selben leicht das Doppelte von heute betragen dürfte. Wir er­suchen desalb Eure Exzellenz, den Bau der Frankfurt-Stockheimer Bahn baldthunlichst in Angriff nehmen laffen, die Errichtung des für Frankfurt nothwendigen Bahnhofs auf dem von uns erwähnten Terrain gütigst befürworte« und die Weiterführung der Bahn in den Hauptbahnhof in Aussicht nehmen zu wollen." Diese Petition wird von einer Anzahl Interessenten persönlich bei der Bürgetschast in Umlauf gesetzt werden.

cm Bei der gestrigen Pfa rrw ah l im Pau l s - Spren g el wurde Herr Pfarrer Dr. theol. PaulMartin Rade von Schönbach mit 68 von 80 Stimmen als zweiter Geistlicher für die Paulskirche gewählt. Der neue Pfarrer ist geboren am 4. April 1857 in Rennersdorf bei Herrnhut als einziger Sohn des dortigen Pfarrers, besuchte das Gymnasium in Zittau und von 1875 bis 1878 die Universität in Leipzig. Von 1878 bis 1881 wirkte er als Hauslehrer in Leipzig und genügte dann seiner Militärpflicht beim 3. Garde-Regiment zu Fuß in Berlin. Im Herbst 1882 folgte Herr Rade einem Rufe als Pfarrer nach Schönbach, nachdem er sich den Grad eines lic. theol. erworben hatte. Herr Rade war auch schriftstellerisch thätig. De« Grad einesDr. theol. erlangte er in diesem Jahr.

3*5 Nach dem neuen Regulativ über das r g e rr e ch t s- gelb, welches cer Magistrat soeben zur Kenntniß bringt, beträgt das Bürgerrechtsgeld bei Einkommen von 12001800 10 M.,

18002400 X 15, 24003000 X 17.50, 3000-3600 .Ä 25, 36004500 .//. 35, 45005000 45, 50005500 JL 55,

550)6000 uK 65, 60007500 75, 75009500 M. 85, über

9500 JL 100.

R Der Mai« ist in den letzten Tagen erheblich gestiegen. Seit gestern ist das Ufer am Obermainthor vor der englischen Gas- fabrik Überfluthet, doch ist eine Ueberfchwemmungsgefahr für die niedrig gelegene« Stadttheile vorerst nicht zu befürchten.

A In einem großen Saale unserer Stadt soll Ende dieser Woche eine öffentlicheVersammlung stattfinden, die, von Mit­gliedern sämtlicher hiesiger kaufmännischer Korporationen, sowohl Prinzipale wie Gehilfen, angeregt, sich mit den auf die sauf» münnischeSonntagsruhe bezüglichenBefchlüsse der kürzlich in derBörse" versammelten Ladenbesitzer und selbstständigen Ge­werbetreibenden beschäftigen soll. Es soll u. A. nachgewiesen wer­den, daß die Durchführung einer kurze« Sonntagsruhe hurchaus keine Schwierigkeit bietet, in jedem Falle aber eine Beschränkung der Sonntagsarbeit auf die Zeit vor dem Gottesdienst zu erstreben fei. Die Betheiligung aus den intereffirten Kreisen wird voraus­sichtlich eine sehr lebhafte werden. In dieser Versammlung werden

Vermischter.

W Mainz, 1. Febr. Gestern Abend gerade an seinem 47. Geburtstage verstarb, nachdem er sich von seinem ersten Ohnmachts­falle in derStabthallewieber erholt hatte, infolge eines erneuteiiSchlag- aufalls der Dirigent bes hiesigen GesangvereinsEinigkeit", Herr WilhelmHomburg. Durch ben Tob dieses Mannes verliert der z. Z. in hoher Blüthe stehende Verein, hegen hervorragende Leistungen zum großen Theil das Verdienst Homburgs gewesen, seinen bewährtesten Leiter, die ihm Nüherstehenden einen guten Freund und angenehmen Gesellschafter.

"IomAheiu, 1. Febr., schreibt man uns:Das gefammte Rhederei- und Kohlen-Geschäst der Firma Johann Faber zu Duisburg ist durch Ankauf in den Besitz der Firma Gebrüder Kannengießer zu Mülheim a. b. Ruhr über­gegangen.

* Varis, 31. Jan. Ans Rouen wirb gemeldet, baß in dem benachbarten Dorfe Notre-D ame-de-B oube ville ein seit Langem gelähmter Mann, Namens Tougarb, lebendig be­graben wurde. Letzten Montag glaubte seine Mutter, et fei seinen Leide« erlegen und auch der Leichenschauer theilte diese An­sicht, indem er den Todtenschein ausstellte. Tags darauf fand die Beerdigung statt. Als die Todtengräber den Sarg in das Grab Hinabgelaffen hatten und schon Erde darauf warfen, glaubten die Umstehenden Stöhnen zu veruehmeu und ein anwesender Adjunkt des Maires ließ im Beisein von etwa fünfzig Personen den Sarg wieder auSgrabe«. Der Deckel desselben war eingedrückt und die Erde ringsum aufgewühlt! Tougard hatte versucht sich Lust zu verschaffen. Seine Gesichtszüge ließen furchtbare Schmerzen ver­rathen, seine Hände waren geballt und an mehreren Stellen aufge« schunden. Als man ihn an die Oberfläche brachte, war es leider schon zu spät, da Tougard im Sarge erstickt war.

* Varis, 31. Ja«. Das Schloß La Preugue im Cher- Departement war dieser Tage der Schauplatz eines heutzutage glück­licherweise seltenen Räuberstückes. Es war acht Uhr Abends; der Schloßherr be la Preugne wohnte in bet Küche bem Abendessen seiner Dienstboten bei: ba ertönten plötzlich Droh rufe unb Revolver- schüsse vor der Küchenthüre. Die erschreckten Dienstboten schoben schleunigst den Riegel vor unb stemmten sich aus Leibeskräften gegen bie Thüre. Dies wünschten bie Uebelthäter gerade. Sie banden die Thüre mit festen Riemen zu, stellten Schildwachen vor die Fenster unb plünberten hierauf bas ganze Schloß, wobei sie fort» fuhren, zu schießen unb Drohungen anszustoßen. Um ein Uhr Morgens würbe es ruhig, allein in bei Küche wagte sich Niemanb zn rühren. Erst um acht Uhr. als ber Tag angebrochen war, ge­trauten fich bie Schloßbewohner, bie Thüre soweit es ging zu öffnen unb bie Riemen zu durchschneiden. Alle Möbel waren geöffnet, 2000 Fr. und einige Schmuckfachen entwendet. Seine Werthpapiere hatte Herr de la Preugne zum Glücke einige Tage zuvor nach Paris geschickt. Der verwegene Einbruch dürfte schwerlich unbestraft bleiben, denn bei Schloßheir vermochte durch das Schlüsselloch einen der Uebelthäter zu erkeuuen. Herr de la Preugne ist ein bejahrter Sonderling. Er besitzt zahlreiche Gäter, die er auf Halbpacht be­wirthschaften läßt. Seit 1847 läßt er seine Ernte« auf seinen Speichern verfaulen, da er beharrlich seinen Weizen nicht unter dem Marktpreise von 1847 verkaufen will. Im Jahr 1884 überfielen die von der schrecklichsten Noth heimgesuchten Halbpächter das Schloß und nahmen soviel Weizen weg, als sie zur Aussaat und zum Leben brauchten. Das Schwurgericht des Cher sprach sie frei.

B .London, 30. Jan. Die Südweststürme, welche feit gestern die britischen Küsten umtosen, haben durch das plötzliche Schmelzen des Schnees in den schottischen Gebirgslanden ver­heerende Hochflnthen verursacht. Seit fünfzig Jahren haben in den Grafschaften von Sutherland und Roß die Flüffe nicht einen so hohen Wasserstand erreicht. Viele Häuser sind über­schwemmt und bereits 3 Eisenbahnbrücken von den Fluthen fortge­rissen worden. Auch der Verlust an Pferden und Schafen ist ein beträchtlicher.

Frankfurter Angelegenheiten.

Frankfurt <u M», 1. Februar. Bom Tage.

Y Die gestern Vormittag imScheffeleck" unter dem Vorsitz des Herrn Stadtverordneten Hartherz tagende Versammlung von Jn- tereffenten eines FrankfurterNordbahnhofs" nahm nach einem Referat des Herrn Fehl und nachdem die Herren Krahle unb Hettler vergeblich einen Erweiterungsantrag, ber auf btr$etonuug bet Vorzüge be* äußersten Nordendes für industrielle Bauten (Fa­

Jlriuat-$l<yt[rijfu der jfriuilifurltr Teilung.

N Berlin, 1. Febr., 1.25 N. Die Commission des Abgeordnetenhauses für das V o l k s s ch u l g e s e tz wählte zum Vorsitzenden den konservativen GrafenClairon d'Haussonville, zum Stellvertreter den frei­konservativen Wessel.

3p Mainz, 1. Februar, 1.10 bl. Schueibermeister Hinze und Rebakteur Sprenger (Volkszeitung), angeklagt wegen Be­leidigung des Gouverneurs von Reibnitz wurden heute von der Strafkammer freigefprochen. Das Schöffengericht hatte beide zu 50 resp. 25 Mark Geldbuße ver urtheilt.

SB Wien 1. Febr., 11.50 V. Schmeykal, der hier mit Parteigenoffen und Ministern konferirt, bemüht fich, zu verhindern, daß P len er ein Staatsamt übernehme. Man spricht auch von einem Nationalgeschenk von einer Viertel Million für P len er. Nach Meldungen

Largo von Händel, Ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Liszt, Ouver­türe zuTannhäuser", Zfgeunerweifm für Violine von Sarasate (Herr Concertmeister Neumann), Phantasie ausCavalleria Rusti- caua", Ouvertüre zuTell", Träumerei von Schumann, Gavotte- Serenade von Hartog, Flirtatiou von Steck, Vorspiel zuLohen- grin", Festmarsch aus bemMilben Jäger" von Schulz.

A Der zweite Dom Laudwirthschaftlicheu Verein veranstaltete Saatenmarkt fanb heute im Palais-Restaurant statt. 22Firmen, barunter bie Großh. Hofmeierei in Darinstabt, bie Samen Hand­lungen Hch. Keller-Darmstadt, B. Marxsohn uud Gg. Andreas hier, hatten den Ptarkt beschickt.

A Der frühere Holzhändler B. ist am Samstag Abend wegen eines Veebrechens im Sinne des § 176 des Strafgesetzbuches ver­haftet worden. Vor drei Jahren stand er wegen eines gleiche« Verbrechens in Untersuchung.

Vcrcitte.

DerFrankfurter Bichcle-Klub" veranstaltete am Samstag im Palmengarten ein Saalfahren, das den Beweis lieferte, daß bet Verein nicht nur ben Renn- und Tourensport mit in ganz Deutschland unübertroffenem Erfolge pflegt, sondern auch bie mehr für bas Auge berechneten Abarten des Rabfahrens nicht vernachlässigt. Eine Polonaise von den acht Mitgliebern: Hein- müller, Wämser, Hesse, Wagner, Kilian, Drehdel, W. und C. Otto, sattelfest unb in hübschem Stil gefahren, leitete das Programm ein. Dieselben Herren führten ferner noch ein Reigenfahren aus, das sich ebenfalls in sehr gefälligen Figuren bewegte. Geradezu Verblüffen des aber leistete das Vereiiismitglied Herr Albrecht als Kunst fahler auf bem Hochrabe. Er ist ber Cirkusreiter bes Fahrrades. Rücklings, nur mit einem Fuß im Tretaügel, ohne Steuerung, nimmt er bie schärfsten Kurven unb Wendungen mit eleganter Sicherheit. Das Merkwürdigste bietet feine Produktion auf bem Einrab, einem bloßen Vorberrade ohne Hinterrad, ohne Sitz, ohne Griff, lebiglich auf den beiden Tretbügeln balancireub, treibt er das Rad energisch, rasch und gewandt geradeaus unb im Kreise. Dies hervorragende equilibristische Kunststücklein erfuhr denn auch den stürmischsten Beifall. Einkomisches Intermezzo" zweier Clonns auf dem Zweirad, der Herren Dörr und Dreidel, schloß die Dar­bietungen des Abends, soweit das Stahlrad mitspielte, ab. Für Abwechselung hatten Concertnummern unb Gesaugsvorträge von Frau Schmidt-Papeumühle unb Herrn Wämser gesorgt. Noch vor Mitternacht begann ber Ball.

Cerichtszeitnng.

D.-B.H. Kaiserslautern, 1. Febr. Die Eisenbahn- Weikstätten-Arbeiter, bavon 2 katholisch, welche wegen Beschimpfung ber katholischen Kirche (Verspottung bes heiligen Rockes in Trier durch Nachahmung einer Prozession ) angeklagt

auch die Gegner anstandslos zu Wort kommen.

Das Programm des Benefiz-Concertes für Herrn Iwan Schulz, des Dirigenten der Coneerthaus-Capelle, welches gesprochen, ! Jtl Mittwoch, 3. Februar, stattfindet, enthält bie folgenden 31 um« |ei und deshalb metn: Ouvertüre zuOberon, Tobtentanz von Riemenschneiber,

Telegraphische Depeschen.

(Nachdruck, telearophifche ober le!epbo»i!che Verbreitung »b«« Vereinbarung untersagt.)

Mokff's Ikiegrnphisrhrs CorrespouSrn;-Bnrran.

(Wieberholt.)

(Brüssel, 1. Febr. Eine Feuersbrunst in Chimay bebrohte bie halbe Stabt. Es gelang mit Beihülfe ber Feuerwehren von Charleroi unb Binche Mons, bereu Bemühungen burch starken Regen unterstützt würbe, bem Feuer Einhalt zu thun. Ein ganzes Stabtviertel würbe inbeß ein Raub bet Flammen. Ernstlich ge= fährbei waren auch das Palais des Fürsten von Chimay unb die Kirche, deren Glockenthurm bereits Feuer gefangen.

2. Seite. Rr. 32.__

und ließ das Strecken so lange fortsetzen, bis der Napf herunterfiel unb ber heiße Kaffee dem Hunger über Gesicht unb Körper lief.

Der Obergefreite H o ffmann (1. Kompagnie Fnß-Ar- tillerie-Regimeuts Nr. 12) ließ bem Kanonier Dosiert fast täglich mit bem Stiefeischast ober mit dem Säbelkoppel, und zwar stets in Gemeinschaft mit einem anderen Gefreiten, Hiebe, öfters bis zu 100 unb 150 verabfolgen unb wiederholt langdauernde Gewehrübungen machen. Als er einmal eine solche Uebung unter lautem Zählen 1889 mal hatte wiederhole« lassen, fiel Dobert in Ohnmacht und mußte vom Lazarethgehilfen in Behandlung genommen werden.

Un t ero s s izi er W ei s e (1. Kompagnie Fuß-Artillerie-Re- giments Nr. 12) befahl eines Tages dem Kanonier Lorenz, sich we­gen Unachtsamkeit beim Exerzieren über ben Schemel zu legen. Auf bessert Bitte, erst einmal austreten zu dürfen, versetzte er ihm mit der Aeußerung,erst müsse et seine Schläge haben", vermittelst des Leibriemens 30 Schläge auf das Gesäß, ließ ihn, als er nicht länger liegen blieb, durch andere Leute wieder auf ben Schemel legen unb ben Munb zuhalten, gab ihm, ba er nicht ordentlich lag, einen Fuß­tritt und setzte bann das Schlagen fort. Infolge dieser Behandlung erkrankte Latenz an einem Blasenleiden, welches feine Aufnahme in das Lazareth nothwendig machte.

Unteroffizier Zehme (1. Kompagnie Fuß-Arlilletie- Regiments Nr. 12) ließ im Januar 1890 sämmtliche Mannschaften seiner Korporalschast in der Stacht aufstehen und mit Helm und Seitengeivehr, sonst nur mit bem Hemd bekleidet, eine halbe Stunde lang Laufschritt üben. Derselbe Unteroffizier ließ die ihm untergebenen Rekruten sich Cigarren anzünde« und mit ben btennenben Cigarren im Munbe so lange Laufschritt ausführen, bis er langsam bis 50 gezählt hatte, verlangend, daß bann die Cigarren aufgeräumt fein müßten. An einem Abenb mußten, als Zehme bei seinem Abenb- brob saß, seine sämmtlichen Mannschaften 1800 mal Kniebeuge mit gleichzeitigem Schemelstrecke« machen.

Der EefreiteLiebing, ebenfalls ber 1. Kompagnie Fuß- Aitillerie-Regiments 9lr. 12, befahl eines Morgens, selbst noch im Bette tiegenb, demRekrutBischof, vor ihm Schemel zu strecken, gab ihm, als es zu langsam ging, mehrere starke Ohrfeigen unb setzte, nachbem die Uebung etwa eine Stunbe gedauert hatte und Bischof bereits im höchsten Grade ermattet war, einen zweiten Schemel auf ben ersten mit bem Verlangen, baß Bischof beide Schemel weiter strecken solle. Da dieser aber infolge ber großen Anstrengung hierzu körperlich nicht mehr im Staube und in starken Schweiß gerathen war, über­goß Lieding ben Bischof mit einem Krug kalten Wassers, schlug ihn mit bem Leibriemen über ben Kopf, daß blutige Verletzungen ent­standen. unb bearbeitete ihn schließlich so lange mit ber Klopfpeitsche, bis bieselbe zerbrochen, Bischofs Beine angeschwollen unb mit Schwielen bedeckt waren. Infolge dieser Behandlung war Bischof am Nachmittag noch so schwach, daß er umfiel und fiebernd ins La­zareth gebracht werden mußte.

Unteroffizier Lohel (4. Kompagnie 105. Regiments) schlug dem Soldat Neubert infolge eines Fehlers beim Griffernachen bas Gewehr so stark auf bie linke Schulter, baß bas linke Schlüffel- beiii eine Fraktur, verbunden mit einer sehr schmerzhaften, den Ge­brauch des linken Zirmes auf lange Zeit hindernden Knochenan- fchwellung, erlitt. Lohel verhinderte dann mehrere Tage hindurch bie Krankeiimelbung Neubert's, machte, um sich ber vorauszusehenben Strafe zn entziehen, einen Selbstmordversuch unb gab schließlich, obwohl selbst schwer verwunbet, bem Lazarethgehilfen Ritter, wel­cher bie Mißhaublung Neubert's entdeckt und gemeldet hatte, noch Faustschläge ins Gesicht.

Sergeant Pflug (7. Kompagnie 104. Regiments) gehört zu denjenigen Unteroffizieren, die in ganz besonders unwürdiger unb strafbarer Weife ihre Untergebenen zu mißhandeln suchten. Die Rekruten wurden während der ganzen Ansbildungsperiode beinahe täglich in und außer Dienst theils von ihm selbst, theils auf seinen Befehl von anderen Untergebenen geohrfeigt, mit bem blauten Seitengewehr, mit Holzstücken, Stuhlbeine«, Säbelkoppeln, mit einer besonders dazu präparirten Klopfpeitsche über alle Theile des Körpers, Kopf, Rücken, Gesäß. Kniekehlen geschlagen und inißhan- belt, bisweilen auch an ber Brust erfaßt unb mit bem Kopf gegen bie Wanb geworfen. Bisweilen mußten bie Rekruten auf die Schränke klettern, oben Kniebeugen machen und erhielten, wenn sie nicht schnell genug hinaufkamen, Schläge. Bei einem Appell wur­den ihnen bie zu fett geschmierten Stiefel im Gesicht herumgerieben; ein anderes Mal mußten sie bie vorgezeigten schmutzigen Socken an ben Zehenenden 45 Minuten lang auskauen. Das Unmenschlichste hat Pflug aber geleistet, als er bie Rekruten, welche beim Exerziern bie Knie nicht ordentlich durchgebrückt hatten, derart über je zwei Stühle sich legen ließ, daß die Knie hohl lagen, unb sich dann etwa 10 Minuten lang auf bie Knie setzte unb sie durchwuchtete. Als bie Leute vor Schmerz laut aufschrieen, hielt er ihnen mit ber einen Hand ben Mund zu, während ei sie mit der anderen heftig ins Gesicht schlug.

Unteroffizier ©eilgborf (5. Kompagnie 133.Regiments) ^Vj-gynitch wie Der vorgenannte Pflug jetne Untergebenen gewohn­heitsmäßig mißhandelt. Sein Verfahren war sogar derartig von ihm festgeregelt, daß er 4 Hiebe ein Pfund Wurst nannte und nun halbe, ganze, ja bis zu 5 Pfund Wurst ertheilte, deren Empfang die Sehnten in einem Ouittungsbuche dankend bekenne« mußte«. Rekruten, die nicht sofort das von Geilsdorf Gewünschte, wie Waschwasser, Streichhölzer unb dergleichen zur Stelle schafften, wurden befehligt, in der Stube ober auf den Schränken bis zur Eischöpsmig Kniebeuge zn machen, einmal 900ma(, so daß ber Fußboben von bem niebergeronnenen Schweiß naß würbe unb bie Rekruten nur noch hin unb her zu taumeln vermochten. Sehr häufig erhielten sie, wenn sie währenb des Kniebeugens und Schentelsireckens ermüdeten, Schläge mit einem Rohrstock über Handgelenk und Rücke». Dabei schämte sich Geilsdorf nicht, sich Butterschnitten vom Brod ber Rekruten, Weihnachtsstollen und eine Lampe von seiner Korporalschaft schenken zu lassen. Gelb von Unter­gebenen zu borgen, unb bie ihm seitens eines Rekruten zur Abliefe­rung an bie Kompagnie auoertrauten 24 Mk. nicht abzugeben, son­dern 12 davon im eigenen Nutzen zu verwenden.

Unteroffizier Kujan (1.Kompagnie 105.Regiments) hatte unter feinen Rekruten einen äußerst beschränkten, körperlich unge­wandten Mau«, namens Schwabe. Kujan hieb nun diesen Schwabe nicht nur selber mit Stieselschaft, Halsbinde und andere» Gegen­ständen über ben Kopf, fonbern forberte auch feine Untergebenen fast täglich auf, den pp. Schwabe wegen mangelhaften Exerzierens durch Schäfte« zu züchtigen. Als Schwabe, wahrscheinlich, ans Angst, seine große Nothdurft einmal in die Hofe gelassen hatte, befahl Kujan bem Schwabe seinen eigenen Unrath zu essen unb ließ denselben, damit er besser schmecken sollte, durch einen anderen Re­kruten vorher mit Salz bestreuen. Nachdem Kujan schließlich doch zur Meldung gebracht worden war, bedrohte er seine Mannschaften, sie würde« ihr eigenes Tobesnrtheil unterschreiben, wenn sie über die vorgekommenen Mißhandlungen etwas aussagten.

Es versteht sich, daß nach den Ansthauuilgen, bie unserem Reichs- Strafgesetzbuch unb unserem Militär-Strafgesetzbuch zu ©ninbe liegen, derartige Mißhandlungen von den empfindltchsten Folgen für die betreffenden Unteroffiziere begleitet fein müssen. Obwohl die Richter der zur Aburtheilung derartiger Vergehen berufenen Spruch­gerichte oft nur zu sehr geneigt sind, strafmindernde Rücksichten zu- zulaffen, auch in einzelnen der vorliegenden Fälle die Strafe« milder bestimmt haben, als dieselben von den Auditeuren beantragt waren, so sind doch beispielsweise bestraft worden :

Unteroffizier Weise mit 2 Jahren Gefängniß und Degradation, Obergefreiter Liebing mit 2 Jahren Gefängniß.

Obergefreiter Hoffmann mit 2 Jahren und 3 Monaten Ge­fängniß.

Unteroffizier Zehme mit 3 Jahren Gefängniß unb Segrabation.

Unteroffizier Geilsdorf mit 4% Jahren Gefängniß unb Degra­dation.

Sergeant Pflug mit 5 Jahren Gefängniß.

Eine so unwürdige, ebenso jedem Gesetz und jeder Vorschrift wie jeder Menschlichkeit hohusprechende Behandlungsweise, wie sie sich in den oben angeführten Beispielen und sonstigen Mißhandlungen zu erkennen gibt, ein derartiger die Uniform und das Standesbe­wußtsein beschimpfender Terrorismus aber kann unmöglich bie Früchte zeitigen, welche im Heere großgezogen werben sollen; auf diese Weise wird der Geist treuer hingebender Pflichterfüllung, wie wir in ernsten Zeiten ihn brauchen, nun und nimmermehr geweckt. Die Vorgesetzteli, welche sich selbst überlassen, so ihre Gewalt miß­brauchen, werden selbst stets zu Exzesseu geneigt sein; und sollen die Untergebenen, welche so behandelt werden, ihren Vorgesetzten etwa mit Liebe unb Vertrauen folgen ? werden sie solche Vorgesetzte über­haupt achten? Anstatt.datzdasHeer den zersetzen­de uLehrenderSozialdemokratieentgegen ar­beitet, wird ihr diirch so lch e B e h andlungsw eise Vorschub geleistet.

Diese Vorkommniffe beweisen aber, daß es bei der Wahl des Aus- bildungspersonals und ganz besonders bei dessen Ueberwachung an der nothwendigen Sorgfalt und dem nöthigen Eifer gefehlt hat. Die Akten ergeben, daß unter den der Mißhandlung angellagten In­struktoren sich mehrere befinden, bie wegen vorschriftswidriger Be­handlung Untergebener vorbestraft gewesen, unb als im Besitze eines hitzigen Temperaments geschildert werden. Solche Leute dür­fe« entweder nicht als Instruktoren verwendet werden ober ftnb bann wenigstens auf das Schärfste zu überwachen.

Wie schon früher durch die Allerhöchste Kabinets-Ordre Seiner Majestät des Kaisers von 6. II. 90 A. V. Bl. pro 1890, Seite 29 ausgesprochen worden ist, so kann ich auch diesen überaus ernsten Borkommniffen gegenüber nur wiederholen, daß wahre Disziplin «ld MannSzucht nicht gleichbedeutend mit einer Befehls- unb Dienst-

Mung find, deren Triebfeder die Furcht vor Mißhandlnng unb

___________________L Februar 1892« » aus Budapest wurden inCsikszereba während der vorgestrige»' Wahl vier Personen getobtes und zehn schwer verletzt. Der Verlust der Regierungspartei wird 23 Mandate be­tragen. Die Kapläne entwickelten eine unerhörte Agitation gegen die Regierungspartei. In Fiume unterlag Tisza'» Intimus, Csernatony, gegen den Günstling Szaparh'3, den Grafen B athyany. In Prag wurde eine Ver­sammlung internationaler Sozialisten, in der Redner gegen das Wehrgesetz und von einer furchtbaren Vergeltung sprachen, aufgelöst. Eine Versammlung czechischer So­zialisten, die sehr stürmisch war, beschloß Petitionen um Beschäftigung Arbeitsloser, Verkürzung der Arbeitszeit und Errichtung von Arbeiterbörsen behufs unentgeltlicher Arbeits­vermittlung.

# Bern, 1. Februar, 1.10 N. Heute Vormittag 1012 Uhr ist im Konferenzzimmer des Ständeraths da» Schiedsgericht betreffend den De l a g o a st r e it zur Beweis- abnahme zusammengetreten.

v Zürich, 1. Febr., 11.35 V. Alohs von Greift, Pro­fessor ber Staatswissenschaft an der hiesigen Hochschule, Mitglied bes völkerrechtliche« Instituts unb bes Kuratoriums ber Bluntjchli» Stiftung, ist heute, 65 Jahre alt, gestorben.

B Lugano, 31. Jan., 8.55 N. Solbaii's WirthschaftS- Gesetz würbe heule mit über 4000 Stimmen Mehrheit in bet Volksabstimmung verworfen.

G Paris, 31. Jan., 2.50 N. Das Amtsblatt publi- zirt heute, wie angekündigt, den Bericht des auswärtigen Amtes und des Handelsministers an den Präsidenten der Republik über die H a n d e l s p o l i t i k Frankreichs. Mit Schweden wurde der Handelsvertrag theilweise verlängert, namentlich auch die Meistbegünstigungsklausel, vorbehaltlich der einjährigen Kündigung. Ebenso wurden die Verträge über Schifffahrt und literarisches Eigenthum verlängert. Mit Holland und Belgien wurde auf Grund be» Minimaltarifs ein Modus vivendi vereinbart, den jede der betheiligten Regierungen aufheben sann, wann sie will. Mit der Schweiz drohte die Gefahr des kommerziellm Bruches; schließlich kam ein Modus vivendi zu Stande; die Regierung beabsichtigt aber, die Reklamationen der Schweiz gegen den französischen Minimaltarif der Aufmerk­samkeit des Parlaments zu empfehlen. Bezüglich Spanien» konnte die Regierung nicht in die Verlängerung des bestehen­den Vertrages willigen. Auch der spanische Minimaltarif mußte abgelehnt werden, weil in Spanien für andere Län­der ein noch niedrigerer Konventionaltarif besteht. Frankreich schlug beiderseits die Bewilligung der niedrigsten bestehenden Tarife vor; dies wurde von Spanien abgelehnt, daher der Bruch erfolgte, für welchen die Regierung die Verantwortung ablehne und der in völligem Widerspruch zu den Gefühlen beider Völker stehe. Der Bruch mit" Portugalsei dadurch hervorgerufen worden, daß dieses die Bewilligung der Meist­begünstigung prinzipiell verweigerte. Mit Griechenland wurde das bestehende Regime bis zum 31. Juli 1892 ver­längert.

B London, 1. Febr., 8.33 V. Wie der ministerielle Standard" meldet, wird die Regierung sofort- nach Eröff­nung der S e s s i o n die irische Verwaltungsbill vorlegen, aber erst nach Ostern zur Durchberathung bringen, damit die Nation sich völlig damit vertraut machen und darüber äußern könne. Die Bill zur Herstellung von kleinen Gütern soll dagegen sofort in Berathung genommen, eine Bill wegen Einführung von Pfunduoten nach dem Vorschläge Goschen» überhaupt nicht eingebracht werden. Nach diesem Plane wür­den die Neuwahlen nicht vor dem Sommer stattfinden.

B London, 1. Febr., 8.33 V. In Mentone ist gestern Spur» geon gestorben. Durch feinen Tob verlieren bie Baptisten ihren bekanntesten Führer unb bie Engländer im Allgemeinen ihren populärsten Prebiger. Sein Metropolitan Tabernacle war gestern den ganzen Tag mit Mitgliedern ber verschiedensten Konfessionen gefüllt.

Molff's telegraphisches Corrrspon-rnj-Dnrran.

Wien, 1. Februar. Der Kaiser verlieh bem HanbelSMinister Bacquehem baS Großkreuz bes LeopolborbenS.

Venedig, 1. Febr. Die wichtigsten Ergebnisse der Sani­täts-Konferenz sind: die Abänderung des österreichisch- englischen Protokolls, betreffend die Suezkanal-Durchfahrt wah­rend der Quarantäne im Sinne des französischen Amendements, wobei England blos Vorbehalte wegen der praktischen Anwend­ung auf Truppentransportschiffe machte; die Abänderung der Zusammensetzung des Sanitätsraths von Alexandrien, wonach die Zahl der egyptischen Delegirten desselben von 9 auf 4 herab­gesetzt wird, um diesem Rathe einen ausgesprochenen internationa­len europäischen Charakter zu geben, wogegen die englischen De­legirten die Reduttion auf blos fünf verlangten. Weitere Abände­rungen betreffen die zur Mitgliedschaft des egyptischen Sanitäts- raths unerläßlichen Eigenschaften, die sanitären Reglements, Cho­lerareglements, Pilgerreglement rc. Die Konferenz beschloß die Errichtung eines Sanitätswachkorps für die Ueberwachung bet Durchfahrt während der Quarantäne. Die Zustimmung Eng­lands, Schwedens, Dänemarks und der Türkei, welche die Kon­vention noch nicht unterzeichneten, scheint gleichwohl gesichert zu sein.

Paris, 1. Febr. Der spanische Botschafter über­reichte dem Minister des Ausivärtigen eine Verbalnote mit einem Proteste gegen die Auffassung der Rolle des spanischen Kabinets, die in dem Berichte R i b o t 's an den Präsidenten der Republik zum Ausdruck kommt.

Paris, 31. Jan. Nach einer Meldung ans Cerbereist der letzte Waareuzugnrn5 Uhr Nachmittags ohne Zwischenfall nach ber spanischen Grenze abgegangen.

London, 1. Febr. (Lloybdepesche.) Der Dampfer be» norddeutschen LloydEider" auf Fahrt von New-York nach Sternen strandete gestern Abend bei dichtem Nebel auf bem Felsen Hetfield Sebge. Ein Rettungsschiff begab fich an bie Unfall- stelle, um bie nothwendige Hülfe zu bringen. Voraussichtlich wird dieEider" bei ber Hochfluth mit Hülfe eines Remorqueurs wie­der flott.

Malta, 31. Jan. Das britische PanzerschiffVik­toria" s ch e i t e r t e am Freitag in der Nähe von Miffolonghi, an der Westküste Griechenlands. Hilfe ist abgesandt und man hofft, das Schiff morgen flottmachen zu können.

Petersburg, 1. Febr.. Zu dem gestrigen Frühstücke ft» Anitschkowpalais warm, bemRegierungsbote»" zu Folge, außer dem schwedischen Kronprinzen unb dessen Gefolge noch die zur Be­erdigung des Großfürsten Konstantin erschienene« Bevollmächtigt« ausländischer Mächte geladen.

Konstantinopel, 1. Febr. Der Delegirte ber deutschen Bond? Holders Dr. K. Ferit ist am Typhus gestorben.

Belgrad, 1. Febr. Der radikale Klub sprach feint Mißbilligung dem Sabines Pasic wegen seiner pro- grammwidrigen Haltung aus und verlangte eine Vervollständig­ung bezw. Neubildung des Kabinets. Heute findet die Wahl eine» engeren Klubcmsschnfles zur Berathung der Kabinetsfrage statt.

Santiago, 31. Jan. (,,Times"meldung.) Der Kongreß nahm gestern den Gesetzentwurf betreffend die Aufnahme einer A n l e i h e von 25 Millionen Dollars zur Einziehung der von Balmaceda ausgcgebenen Billets an. Außerdem sind Veranstal­tungen gestossen zur Zurückziehung eines größeren Theiles des im Umlauf befindlichen überzähligen Papiergeldes.

Deprschrn-BnrrauHerold".

Paris, 1. Febr. Der englische ® elegirte auf be» Konferenz zu Venedig hat die fnranzösischen Vorschläge in sani­tären Maßnahmen füt Egypten angenommen.

Paris, 1. Febr. Die Lage in Bilbao hat sich ge­bessert. Die Ausständigen sind ohne Hilfsmittel unb bettel* um Brod. Die Polizei verhaftete 30 Individuen, welche ft» Verdacht eines anarchistischen Komplottes stehen. 18 DynatMP Patronen wurden entdeckt.