JSTr. »2. Avendblskt

SchsmOrchiM» WkM-

Äifaj» 1. April 1^93,

FravKfurler Zeitung

(Frankfurter Handelaeeitung.)

(Neue Frankfurter Zeitung.)

Politische Uebersicht.

gut aufgehoben glaubten.

Kleines Feuilleton

Chile und Brasilien nicht daran denken, sich von der nord­amerikanischen Union ins Schlepptau nehmen zu laffen.

Sie mich ihm in Erinnerung. Ich werde trachten, in Bälde jtt schreiben.

genommen hat, hat man offenbar dem Herzog von Cumberland Abzüge gemacht und es existirt noch so eine Art Restverwaltung, wenn man auch nie mehr etwas von ihr hören wirb. Herr Richter verlangte daher Vorlegung des Vertrages mit dem Herzog und stimmte schließlich, da dies abgelehnt wurde, gegen das ganze Gesetz. Mißtrauen ist eine politische Tugend. Jin Herren- h a n s e ist es heute nicht zu den großen Debatten gekommen, die angesagt waren. Eine sogenannte Judendebatte würde der Präsi­dent Herzog von Ratibor nicht zugelassen haben. 9iur über das Volksschulgesetz wurde noch etwas geplänkelt nnd der Prinz Heinrich zu Schönaich-Carolath drückte im Gegensatz zum Grafen Hohenthal den Wunsch aus, daß man mit Majestätsbeleidigungs­prozessen gegen Zeitungen recht sparsam und vorsichtig fein möge. Der Etat ist fertig geworden, aber gerade beim Beginn des Etatsjahrs. z '

* Aachen, 31. März. DerRat. 31g." wird von hier gemeldet:In Folge einer Denunziation ist gegen die Ver­waltung des Zeitungs-Museums eine Untersuchung wegen Majestätsbeleidigung eingeleitet worden, angeb­lich begangen durch im Lesesaale des Museums aufgelegte amerikanische Zeitungen.

K München, 31. März. Die KammerderAbge- o r d n e t e n hat heute die erste Abendsitzung. Es werden nun wohl viele Doppelsitzungen folgen, da das Kammerpräsidium versuchen will, ob nicht doch bis Mitte Mai mit der Arbeit auf­geräumt werden kann. Den end- und zahllosen Kirchthurmsreden hat der Minister heute bei der Lokalbahnvorlage dadurch vorge­beugt, daß er eine Ausdehnung der Vorlage für nutzlos erklärte. Auf gleiche Weise wurden jüngst beim Postulat die Reden über eine Reihe von Lokalpetitionen unterdrückt. An neuen Vorlagen sind noch eine Position für die Chikagoer Weltausstellung und eine solche für die Vorarbeiten für ein neues Nationalmuseum, eventuell die Einräumung eines weitgehenden Pouvoirs zu er­warten.

K München, 31. März. JnderKammerderReichS- räthe war es interessant zu hören, wie der Justizminister gegen­über den Klagen des Herrn v. Poschinger über nilzuhäufiges Heranziehen von Nechtspraktikanten zu schwurgerichtlichen Offizial­vertheidigungen sich äußerte. Es hörte sich das (siehe die Depesche im Donnerstagabcndblatt) so an, als billige er die große Ausdehn­ung der Beiziehung von Rechtspraktikanten auch nicht und schiebe er die Verantwortung den Gerichtsvorsitzenben zu. Nun besteht aber ein Regierungserlaß, der die Gerichtsvorstände eben im Interesse der Kosteiiersparmig auf die Heranziehung der Rechts- praktikanten aufmerksam macht und fit ihnen nach Thunlichkeit empfiehlt. Diesen Erlaß, in dessen Verfolg erst die übermäßige und im Interesse des allgemeinen gleichen Rechtsschutzes nicht erfreuliche Heranziehung von Rechtspraktikanten sich' ausgebildet hat, scheint der Referent v. Poschinger gekannt zu haben, und dann war es seine Ironie, als er die Bitte nach einem Regierungserlaß an die Gerichtsvorstände aussprach, daß Sparsamkeit im Punkte der Offizialvertheidigung nicht von derRegierung gewünscht werde. Nun wissen es wenigstens die auf ihren Takt vcrwiefenen Gerichts­vorstände, daß es aus die Dauer doch nicht Rosen bringt, wenn man dort, wo man selber unabhängig ist, momentanen Verwalt­ungsintentionen zu sehr nachgibt. Thatsächlich sind die Gerichts­vorstände im beregten Punkte unabhängig und hätten überhaupt gar nicht durch einen Erlaß beeinflußt werden sollen. § 144 der Strafprozeßordnung verlangt in erster Linie die Bestellung aus An­waltskreisen und sagt erst in zweiter Linie, daß auch Rechtsprakti- kauten genommen werden können. Bei uns ist vielfach das Letztere Regel geworden, daß ein Rechtspraktikant nicht leicht die Gewohnheit und Umsicht, jedenfalls nicht die Unabhängigkeit gegenüber Staats­anwalt und Gerichtsvorstand besitzt wie der Anwalt, versteht sich von selbst.' Die auf Morgen bereits in Aussicht genommene Fort­setzung der Sitzung wurdeauf Wunsch höchster und hoher Herren, behufs des morgigen Pferdemarktes", wie sich der Präsident zu all­gemeiner Heiterkeit ausdrückte, auf Samstag vertagt. Man ver­muthet, daß Prinz Ludwig zur Mainkettensrage sprechen werde. Im Ausschuß ist es bereits geschehen. Fürst zu Löwenstein bezeich­nete dort die Einführung der Kettcnschleppschisffahrt als dringend nöthig. Die Errichtung eines Floßhafens bei Würzburg habe aber der Einführung der Kette voranszugehen, welche jedenfalls bis Wertheim, am besten bis Würzburg zu legen sei! Prinz Ludwig erklärte, er wolle sich der Einrichtung der Mainkettenschifffahrt nicht widersetzen, halte aber dafür, daß die Wirkungen derselben überschätzt würden. Der Prinz erwähnte die zwischen Mainz und Frankfurt ausgeführte Kanalisation und äußerte sich dahin, daß eine Ausführung dergleichen Arbeiten auf bayerischem Gebiete mit der Zeit unbedingt nöthig sein werde. Minister v. Crailsheim er­klärte, er sei gleichfalls der Ansicht, daß die Wirkung der Ketten- fchifsfahrt überschätzt werde. Eine Kanalisiruug des Mains ober­halb Aschaffenburg könne schon der enormen Kosten halber nicht in Aussicht genommen werden, doch sei die Regierung der Legung der Kette bis Würzburg keineswegs entgegen. Es werde vielmehr über Legung der Kette auf Staatskosten bis Würzburg voraussichtlich eine Vorlage schon an den nächsten Landtag gelangen. Der Mi­nister des Innern erklärte, daß die Regierung stets bestrebt gewesen sei, eine Besserung der Wafferverhältnisse auf dem Main herbei- zuführern^E^nüss^zunäch^zugefehei^vcrdeiyo^di^or^er

mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß cs in London und zwar gegen Ende des Jahres 18-57 abgefaßt worden ist. Denn gerade um jene Zeit war es, wo Mazzini sich in der Themsestadt an Le dr u- Ro llin und Kossuth anfchloß, ein Bündniß, das der nachstehende Brief des großen Agitators ausdrücklich betont.

Bruder!

Wenn ich nicht schreibe, so ist's, um in Anderen keine Mißstim­mung wachzurufen, voilä tont ! Ich lebe darum nicht weniger der Aktion, überwachend, anspornend. Leider bleibt die Hauptfrage das Geld. Damit meine ich nicht jene größere Summe mit welcher man, wenn sie da wäre, in Italien handeln könnte, aller feigen Opposition zum Trotz, sondern ich spreche von dem Wenigen, das hinreicheil würde um durch ein reifendes Mitglied die Einheitlich­keit der Partei aufrechtzuhalten und int Interesse Aller, gewisse entscheidende Thatsachen zu veranlassen. Kossuth arbeitet um zu leben. Ledru Rolli» er und ich. sehen uns unvermeidlicher Aus­gaben Willen fortwährend genöthigt, untereinander und auch sonst Schulden zu machen, die wir pünktlich wiederznhlen. Allein diese Schulden erschöpfen uns, insbesondere mich. Niemand von Euch draußen wird ahnen daß ich vergangenen Monat an's Versetzen schreiten mußte, um durchzukommen. Und da fand sich noch ein italienischer Arbeiter aus Tessin, ein gewisser Benzoni, der ich in meiner italienischen Schule großgezogen habe. der. als er dem Alten begegnete, welcher meine Effekten ia'd Leiham: trug, ganz aufge­bracht wurde und mich bitten ließ fünf Lire von ihm anzunehmen. Ich that es auch und zahlte sie zwei Wochen später wieder zurück. Ein Hauptfehler unserer Partei ist, daß sie von einem einzigen Individuum erbeischt.die Thätigkeit der Partei zu repräsentiren. Es ist dringlich auf Mittel der Abhül fe zu sinnen. Gleichviel ob auf breiter oder beschränkter Basis. Jeder der Unserigen muß an den Lasten betheiligt werden und jeder der Unserigen kann es, vorausgesetzt, daß er will. Wir müssen zu den alten Mitteln zurückkehren. Wenn auch vom Anfang das Resultat gleich Null ist, so kann, von Mann zu Mann und bei einiger Hartnäckigkeit,' doch allmälig et­was Beträchtliches zu Stande kommen. Unter allen Umständen ist das Pflicht. Ich schließe einige Zeilen bei, die Sie Cal., Bram., Bene., Mose. tc. mittheilen sollen. Setzen Sie Ihren Franc da­runter. ich nehme an. daß Sie mehr zu leisten nicht im Stande sind, er mag als Beispiel dienen, aber diese Quoten haben monat­liche und pünktliche zu sein. Dasselbe müßte bei Franzosen und Anderen durchgeführt werden, welche es für zweckdienlich halten Terrain zu gewinnen und Vertrauen in mich, meine Ehrlichkeit nnd meinen Eifer, oder aber in den der Anderen, setzen. Es handelt sich um Geschehnisse , welche europäische Bedeutung verlangen können. Wenn Jene glauben, daß ich die Entschlossenheit besitze, auf das Wagniß einzugehen, mögen sie mir helfen. Ein Fond von etlichen tausend Francs, der sich kleinweise immer wieder er­gänzt, kann hinreichen. Es trage Jeder das ©einige und regel­mäßig bei und wir werden dahin gelangen. Unterdessen lastet das Beispiel von uns ausgeht». Ich las eintu Aussatz von Ginnet. Schön! Nicht wahr ? Ließ er diesem noch weitere folgen ? Bringen

Frankfurt, 1. April.

Ihren Gefühlen über die Wahlniederlagen, von denen die konservative Partei seit Jahr und Tag heimgesucht wird, macht dieKreuzztg." heute nach dem trefflichen Muster jenes Knaben Luft, der seine erfrorenen Hände mit den Worten bejam­merte:Das geschieht meinem Vater schon recht; warum hat er mir auch keine Handschuhe gekauft!" Doch hören wir sie selbst:Im vorigen Jahre drängte die Handelspolitik der verbündeten Regierungen Alles nach links; in diesem Jahre war es der plötzliche Umschwung inPrtußen. Die konservativen Wähler können sich einer solchen Einwirkung aber nicht ohne weiteres entziehen, weil für fi t die Obrigkeit eben noch die Anto­ri tät bedeutet." Und da wollen die Herren noch behaupten, ihre Vertretung in den Parlamenten habe einejanbere Grundlage, als die Autorität, die von der Obrigkeit für ihre Wahl eingesetzt wurde 1 Aber vielleicht wollte dieKreuzztg." den Ton auf daseben noch" legen und damit drohend andeuten, daß die konservative Wählerschaft fich in Zukunft der Einwirkung der Regierung ent­ziehen werde. Die Probe könnte übel bekommen.

Stelle seiner Rede selbst erklärte, daß die zur Debatte stehende Vorlage einer in Beamten- und anderen Kreisen herrschenden Strömung Rechnung zu tragen bestimmt sei. Die Regierung ist also über die in Beamtenkreisen vielfach herr­schende Unzufriedenheit und über deren wirkliche Gründe hinlänglich unterrichtet und es ist nicht gerade ein löbliches Thun, wenn sie trotz dieser Kenntniß die Parteien und ihre angebliche Agitation für den ihr unliebsamen Zustand ver­antwortlich macht. Am unglücklichsten aber war Herr Ell- pätter mit seiner Enthüllung über den Grund, welcher die Regierung zu der Einbringung ihrer Steuerermäßigungs­dorlage veranlaßt hat.Ausdrücklich" erklärte der Minister, er habe mit dieser Vorlage das Land überraschen wollen, um

Der badische Finanzminister Herr Ellstätter war in der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer bei der Berathung des Gesetzentwurfs betr. den Wohnungstarif für die fünfte und sechste Dienstklaffc offenbar sehr übler Laune, was um so merkwürdiger erscheint, als dieser Entwurf, durch welchen einem Theil der unteren Beamten eine von der Regierungselbst mit der Lebensmitteltheuerung motivirte geringe Einkommens- anfbefferung gewährt werden soll, ans allen Seiten des Hauses beifällig begrüßt und, wie wir gemeldet haben, schließlich apch einstimmig angenommen wurde. Durch diesen Entwurf und die darüber gepflogene Debatte kann also die gereizte Stimmung des Herrn Finanzininisters, die ihn sogar zu einem bemerkenswerthen, aber nicht gerade erfreulichen Ge- ständniß in Bezug auf die Steuerermüßigungsvorlage ver­leitete, nicht hervorgerufen worden , die Gründe derselben muffen anderswo zu suchen sein. Es sind bekanntlich jüngst Gerüchte durch die Presse gegangen, wonach Herr Ellstätter beabsichtigen sollte, zurückzutreten. Möglicherweise wollte der Herr Minister durch seinschneidiges" Auftreten diese Gerüchte zum Schweigen bringen, denn man kann dem Centrums - Abgeordneten Wacker nicht Unrecht geben, wenn er meinte, ein Minister, der in solcher Weise gegen die Kammer auftrete, müsse einen sehr festen Boden unter den Füßen haben, oder, fügen wir hinzu, wenigstens zu haben glauben. Aber die Sache kann eben so gut umge­kehrt liegen, und derKarlsr. Bcob." kann Recht haben, wenn er meint,der Finanzminister gedenke sich bald procul negotiis einzig und allein dem edlen Waidwerk zu toibmen und habe vordem noch vor seinem Scheiden allen Denen, die ihn schon geärgert und wer hätte ihn noch nicht geärgert noch einen kleinen Hieb versetzen wollen." Daß zu diesen Missethätern,- lie des Herrn Ellstätter gute Laune manchmal gestört, in erster Reihe die Presse gehört und daß diese daher auch ihr Theil abekam, versteht sich ganz von selbst, ist es doch nach den in hohen Regionen heutzutage herrschenden Anschauungen ebenso Pflicht wie Kennzeichen desgroßen Mannes" underleuchteten Staatsmannes", sich über dieZeitungsschreiber" zu moquiren. Und warum sollte Herr Ellstätter nicht auch einmal die Rolle des großen Mannes spielen. Auch die Parteien ohne Ausnahme kamen schlecht weg. Der Herr Finanzminister wirft ihnen vor, daß sie sich den Beamten allzusehrgenähert" .hätten, d. h. eine unzulässige Agitation bei den Beamten getrieben hätten. Dieser Vorwurf, gegen welche die Vertreter aller Parteien mit seltener Einmüthigkeit - Protest einlegten, erscheint im Munde eines badischen Regierungsvertreters um so merk­würdiger, als vor noch nicht langer Zeit ein Kollege des Herrn Ellstätter vom nämlichen Platze aus in Betreff der Pflichten der Beamten bei Wahlen Anschauungen an den Tag gelegt hat, die sehr stark an den verfloffeuen preußischen Wahlminister Herrn v. Puttkamer und seine berühmten In­struktionen und Kammerreden erinnerten. Im klebrigen könnte der badische Finanzminister wissen, daß in Wirklich­keit die Sache eher umgekehrt liegt, daß nicht die Parteien zu den Beamten, sondern die Beamten zu den Parteien, und vielfach zu den Oppositionsparteien gekommen sind, weil sie

Ihr Giuseppe."

Wie aus diesem Briefe hervorgeht, war Mazziui nicht der Einzige -unter den berühmten Verbannten in London, welche mit Noth zu kämpfen hatten. Kossuth und Ledru-Rollin, die damals gerade einen international-demvkratischen Pakt geschlossen hatten, dessen Zweck war, die revolutionäre Bewegung in Europa wach zu er­halten, befanden sich in keiner besseren Lage als der große Ita­liener.

c. fZur Geschichte des Cigurrenrnuchen j Nach einer vielverbreiteten Annahme wurde die Cigarre in Deutschland zu Anfang des 18. Jahrhunderts durch die französischen Heere bekannt und um 1796 in Hamburg Mode, nachdem dort S chlottmann acht Jahre früher eine Cigarrenfabrik angelegt hatte. Dem Intermediaire des chercheurs et curieux zufolge wäre aber in Frankreich selbst das Cigarrenrauchen erst durch die 1823 aus Spanien zurückkehrenden französischen Truppen eingebürgert worden. Das Blatt führt als Beweis folgende Stelle aus den inedirten Denkwürdigkeiten des Schauspielers Hippolyte Anger an:Unsere Rückreise nach Paris erfolgte über Orleans. Unter­wegs begegneten wir öfters Offizieren, die aus Spanien heimkehrten. Sie trugen verwegen die Cigarre im Munde, eine neue Sitte, die seit dem allgemein geworden ist. In dieser Hinsicht hatte der Feldzug von 1828 die gute finanzielle Wirkung, eine freiwillige Steuer zu schaffen."

--- [eine spiritistische Hochzeitsreise.) DerPall Mall Gazette" zufolge ist der Gründer und Prophet jener Spiritisten- Secte, zu deren eifrigsten Aposteln Lawrence Oliphant gehörte, Thomas Lake Harris, in dem kleinen californischen Flecken Santa Rosa zum zweiten Mal in den Stand der Ehe getreten. Die von ihm Begnadete ist ein langjähriges Medium, die bereits int 64. Lebensjahr stehende Miß Janet Waring. Das junge Paar trat nach der Trauung sofort eine Reise nach dem Süden an und wird möglicherweise auch nach Europa kommen.

[Kleine Mittheilungen. j Georg Ebers ist mit seiner Familie in Di ailand eingetroffen. Prof, finden von der Universität Gießen hielt gestern und vorgestern im Mailänder Deutschen Sprachverein zwei Vorträge über Moltke und Ca­vour. Das Wachsfiguren-Kabinet der Madame T u s s a u d in London hat die Villa Dein harn bei Liverpool, wo der Mörder D e e m i n g feine Frau und seine Kinder ermordete, ange­kauft, um das Häuschen zur schau zu stellen. Im L o n d one r Zoologischen Garten starb Sckntag die letzte der vier 1835 unter der Obhutvon Nubiern nach London gebrachten Giraffen. Der Pianist PadercwSki kommt mit derTrave" von Amerika zurück, wo er in einer 16wöchentlichen Rundreise 75,000 Dollars »B«ommen hat.

ungefähr 300 zurückgewiesen, unter denen noch immer manche find, welche die toleranteren Preisrichter früherer Jahre gewiß hätten pafsiren lassen. Aber man wollte nur das Beste des viel Geprüften behalten. Vorstand und Vorstandstellvertreter, Architekt Roth und Bildhauer W e y r, deren Amtsthätigkeit mit kommendem Herbste abläuft, fetzten ihre Ehre darin, wie im Vorjahre so auch heuer, eine Elitcausstellung zu bieten. Neben Oesterreich ist D e u tsch- land in hervorragender Weise betheiligt nnb zwar hauptsächlich die Städte: München, Karlsruhe und Düsseldorf. Berlin, welches seine große Ausstellung lange vor Schluß der Wiener eröffnet, ist deshalb schwach vertreten. Von Ausländern bemerke ich nur die Franzosen Roty mit seinen trefflichen Medaillen und Tissaut; den Belgier Courtens; die Spanier Padilha und Parlade; den Nor­weger Normann. Neber die P l a st i k einen lieberblick zu gewin­ne», war bei dem chaotischen Zustande, in dem sich die Säle gestern noch befanden, unmöglich. Von Mün ch nein sind Kaulbach mit 16, Trübiier mit 5, Zügel mit 4, Holmberg mit 2, Paul Müller mit 3, Lenbach, Defregger, Grützncr, Echtler, Petzelburg mit je einem Bilde vertreten. Die Gemälde, welche die P i n a k o t h e k bet Ausstellung überließ, darunter Gabriel MaxAffenjury" find noch unterwegs. Von Düsseldorfern betheiligen sich die Brüder Achenbach mit je zwei, Munte mit fünf, Mühlich mit 3, Oeder mit 4, Cannal mit 2, Vockelmann und Wach­mann. Jernberg, Kröner und Jutz mit einem Bilde. Aus Karls­ruhe ist vor Allem Kallmorgen zu nennen. Oesterreich glänzt durch seine trefflichsten Namen: Schindler mit seinen besten Schü­lern Tina Blau nnd Carl Moll; Robert Ruß, Charlemont, Huber, Veith, Daruaut, Bernatzik, Goltz, Payer, Pros. Schönn, RudolfAlt, Lichtenkels, I. Blaus, Stauffer und Adjukicwic. Eines der, neben des Spaniers PadilhaProzession" voraussichtlich meist­bewunderten Bilder dürfte B e n e s K n np f e r' s, eines derzeit in R o m lebenden jnngen Prager Künstlers, Bild:N ymphe und Triton" werden. Es ist eine Art Böcklin in's Nordische übertragen. Statt der warmen, gesättigten, leuchtenden Meeres­wogenpracht, die Böcklin's Fabclgestalten umgibt, .schmiegen fich die grau-grünlichen, kaltschäumenden Nordseewellen um den spielenden Triton und die am Felsen lehnende Nymphe. Das Bild ist tief empfunden, sein beobachtet und gewissenhaft gemacht. Otto Friedrich stellte sich mit zwei großen Gemälden ein, und mit ihm Viele, die noch nichtgehängt" sind und neben- und Übereinander lehnend bis jetzt nicht registrirt und gewürdigt werden konnte»! Es wird noch tüchtig gearbeitet werden müssen im Künstlcrhauje, um bis Freitag fertig zu werden. Aber unsre Künstler sind es gewöhnt, sei's zum tollen Scherz oder ernster Arbeit die Nacht zu Hülfe zu nehmen und das Trifolium der Häiigekommisfion, die Maler Felix, Kerode nnd Hirschel versichern, daß uns um die prompte glückliche Eröffnung keineswegs bange zu sein braucht."

P [Ein Brief Mazzini's.j I» der Universitätsbibliothek zu Genua >vird ein Brief Giuseppe M az z i n i' S aufbewahrt. An wen das Schreiben gerichtet war, geht aus demselben nicht hervor, auch trägt cs kein Satin». Allein man glaubt, aus dessen Inhalt

insbesondere im Hinblick auf das letzte Beamtengesetz ihre Interessen in best Händen der Regierung nicht hinreichend ' . Der Herr Minister hätte sich dies

um so mehr sagen muffen, als er gestern an einer anderen

Deutscher Reich.

L Berlin, 31. Märzp Bei dem großen allgemeinen Häude- schütleln, mit dem sich am Schluffe der Session auch die politischen Widersacher freundlich zu verabschieden Pflegen, konnte man heute so recht erkennen, wie unerträglich diese lange Session nachgerade allen Betheiligten geworden war, und wie unmöglich es gewesen sein würde, sie über Ostern hinaus fortzusetzen. Ein allgemeines Aufathmen der Erleichterung gab, als mit den üb­lichen Hochrufen der Schluß erfolgt war, zu erkennen, wie froh die Volksvertreter, d. h. die Minderheit, die wirklich dauernd arbeitet, darüber sind, daß sie jetzt einige Monate den Reichstag und die schönen noch bet Berathung harrenden Gesetzentwürfe gegen die öffentliche Unsittlichkeit nnd gegen die Spione hinter sich lassen. Mit den Abendzügen hat der große Auszug aus Berlin stattgefunden, nur wenige gönnen sich noch einige Tage hier, und es ist rührend, wenn man hört, daß'einer oder der andere fleißige Mann, der seit Monaten in Kommissionen und im Plenum gearbeitet hat, noch einige Tage zurückbleibt, um sich einmal Berlin anzusehen. Denn außer dem Theile, der zwischen seinem Hotel und dem Reichstage liegt, kennt er davon wenig. Man hat int Allgemeinen doch keine richtige Vorstellung, welches große Maß treuer Arbeit und Pflichterfüllung die­jenigen Abgeordneten bewähren, die wirklich an der Gesetzgebung nicht nur in einzelnen Reden im Plenum, sondern in Kommissionen und Fraktionen mitarbeiten. Ein aus der Initiative des Reichstages entsprungenes nothwendiges und segensreiches Gesetz, das über die Unterstützung der Familien der zu Friedensübungen einberufenen Landwehr­leute und Reservisten, wird leider nicht zu Stande kommen. Es ist das ein ganz merkwürdiges Schauspiel, das sich heute noch in dev-letzten Sitzung dargeboten hat. Die Regierung hat den Ge­setzentwurf auf Drängen des Reichstages cingcbracht; dem Reichs­tage hat das darin gewährte Maß der Unterstühnng nicht genügt, er hat es erweitert und vor allen Dingen der Unterstützung den Charakter des Almosens benommen dadurch, daß sie nicht nur Bedürftigen, sondern Allen gewährt werden muß. So ist das Gesetz praktisch und nützlich und so ist es ein sehr seltener Fall von allen Parteien angenommen worden; es stimmten thatsächlich nur zwei Herren von der Reichspartei dagegen. Auch der Regierung gefällt es, aber es ist zu theuer es würde jährlich 3l/ä Millionen kosten und deshalb erklärt Herr von Bötticher mit vielem Bedauern, daß der Bundesrath es wahr­scheinlich ablehnen, aber im nächsten Jahre einen vermittelnden Vorschlag machen werde. Das ist wirklich schwer verständlich und es haben heute Vertreter aller Parteien den Bundesrath dringend vor der Ablehnung gewarnt. Wenn der Reichs­tag, der doch sonst auf Sparsamkeit gegenüber den Regierungen und namentlich in militärischen Dingen halten muß, geradezu einstimmig und mit offenkundiger Genugthuung ein solches Gesetz votirt, so kann die Ablehnung vom Bundesrath aus Sparsamkeitsrücksichten nur böses Blut machen. Das Abgeordnetenhaus hat heute auch beinahe einstimmig ein Gesetz angenommen, das über die Aufhebung der Beschlag­nahme des Welfen fand s, und die Genugthuung, daß dieser Fonds schmählichen Andenkens nun aufhört, kam auch aus allen Parteien zum 'Ausdruck. Ganz glatt ist die Sache immer noch nicht; für gewisse Verpflichtungen, die der Welfeufonds auf sich

die Kammer zu veranlassen, in kurzer Zeit ihre Entscheidung zu treffen; hätte er vorher eine Andeutung hierüber gemacht, so wäre im ganzen Lande ein großer Streit über die Art der Steuerermäßigung ausgebrochen. Die Politik der Ueber- raschungen ist bekanntlich eine der charakteristischsten, aber auch der schlimmsten Seiten derAera Bismarck", die Er­fahrungen, die das deutsche Volk mit derselben gemacht hat, sind nach jeder Richtung hin sehr trübselige. Derneue Kurs" hat denn auch in verschiedenen Füllen diese, haupt­sächlich aus allzugroßem , bis zum Unfehlbarkeits- dünkel gesteigerten Selbstbewußtsein entspringende Poli­tik aufgegeben und durch frühzeitige Veröffentlichung der Gesetzentwürfe der öffentlichen Meinung die Möglichkeit gewährt, sich zu äußern, mehrfach ist es bekanntlich sogar offiziell als der Zweck der Veröffentlichung bezeichnet worden, das Urtheil der Oeffentlichkeit zu hören. Der Finanzminister Badens scheint es leider in dieser Beziehung noch mit der Bismarck'schen Schule und es für bedenklich ober mindestens unnöthig zu halten, die öffentliche Meinung zu hören. Im Interesse des Landes wäre aber dringend zu wünschen, daß Herr Ellstätter aus der gestrigen Debatte eine Lehre ziehen und 'für die Zeit, die er noch das Finanzwesen Badens zu leiten haben wird, sich auf einen anderen, moderneren und in den Rahmen eines konstitutionellen Staatswesens beffer hineinpassenden Standpunkt stellen möchte.

Dem amerikanischen Staatssekretär Blaine sind schon wiederholt die seltsamsten Pläne zur Herstellung einer Art Oberherrschaft derVer. Staaten von Amerika über die übrigen Reiche des Kontinents zugeschrieben wor­den, allein was derselbe auch bisher in dieser Beziehung ver­sucht hat, ist mißglückt, wenn man nicht etwa die Gegenseitig­keitsverträge mit einigen kleinen mittelamerikanischen Staaten als wichtige Erfolge bezeichnen wsll. Ebenso dürften auch die Verhandlungen, welche Herr Blaine nach dem bereits er­wähnten Berichte des Times "-Korresppndenten in Buenos Aires mit Argentinien eingeleitet haben soll, int Sande verlaufen. In der Presse von Buenos Aires, so meldet der erwähnte Berichterstatter, sei vor Kurzem eine aus einem der Ministerien stammende Notiz erspielten, des Inhalts, daß der Ver. Staaten-Admiral Walker Ueberbringerglücklicher Vorschläge" sei, durch welche alle zwischen Argentinien und den Ver. Staaten von Amerika schwebenden Fragen geregelt würden. Tischreden des amerikanischen Gesandten, des Se­kretärs der Gesandtschaft und einiger amerikanischer Offiziere hätten den Eindruck hervorgerufen, als wenn an der Sache etwas wäre, trotz offizieller Dementis. DerTimes "-Bericht­erstatter behauptet nun, auf Grund eingehender Nachforsch­ungen zu dem Schluffe gekommen zu sein, daß die argen­tinische Regierung es zuerst abgelehnt habe, ihre Kriegsschiffe zur Verfügung der Vereinigten Staaten zu halten, jetzt aberim Prinzip" dashochherzige" Anerbieten des Admirals Walker angenommen habe, wonach die Ver. Staaten die Argentinische Republik nicht nur in etwaigen Grenzstreitigkeiten mit Chile und Brasilien schützen, sondern ihr auch beispringen würden,gegen fremde Einmischung, falls die Argentinische Republik ihre europäische Verpflicht­ungen anfzuheben (cancel) versucht." Daß Herr Blaine eine Vermischung von Politik und Spekulation nicht unter allen Umständen von sich abweist, hat die Geschichte seines ersten Stnatssekretariats gelehrt, als Beschützer von Bankerot­teuren ist er aber unseres Wiffens noch nicht aufgetreten. Brasilien, welches den unter nichterfüllten Versprechungen erlangten Gegenseitigkeitsvertrag mit den Ver. Staaten auf- zuhebcn wünscht, ist nach der Behauptung des Gewährs­mannes derTimes" von der großen Schwester-Republik im Norden über Bord geworfen worden ; Chile könnte durch Argentinien angegriffen werden und Peru sollen Vor­schüsse gemacht werden, um es in den Stand zu setzen, die Tacna-Arica-Entschädigung an Chile zu zahlen, wofür die Ver. Staaten den vortrefflichen Hafen von Chimbote er­halten würden. Auf diese Weise hoffe Herr Blaine dm europäischen Einfluß in Süd-Amerika zu zerstören,um sich eine gute Karte für die Präsidentschaftswahl zu sichern.'" Was Herr Blaine hofft und zu welchen Concessionen die gegenwärtige schwächliche Regierung Argentiniens bereit wäre, wiffen wir nicht, allein sicher ist, daß Staaten wie

Frankfurt, 1. April.

** [Altes Volksfest.) Aus Worms, 29. März wirb und geschrieben: Alljährlich wirb am letzten Sonntag im März in bem nahen Orte Horchheim bas sogenannte t a b a :i i f t ft von Jung unb Alt gefeiert. Es ist bics eine von Alters her überkommene Feier des Früh­lingsanfangs. Die Kinder tragen an bicfcm Tage an einem mit buntem Papier gezierten Stecken eine Vretzel mit einem bar- T- über befindlichen Apfel. Nachmittags sammelt sich bic ganze Schul­jugend jn einem Umzüge durch den Ort. Ist diese Art Prozession vorbei, so bildet der freie Platz vvr bem Gemcindchaufe bin Ver­sammlungsort von Alt und Jung, unb alsbald beginnt ein luftiges Treiben, an welchem fich auch die zahlreichen Gäste uns dcnNuchbur- onfäajten, besonders iui5 Worms, betheiligen. Der Ecmeinderath Hai sich im Gnneindehcusr versammelt unb beginnt ein ungefähr» lichcs Bombardement auf die untenstehcndc Menge. Die Geschosse bilden kleineWecke" und Bretzeln. Alles hascht nach denselben, kotei cr natürlich drüb-r unb drunter geht. Die Kinder singen da­bei beständig die VerSche»:Stab (Staub) ans. Stab aus, blas - . »em Winter die Angen aus!" unbNa, Ni, Na, der Sommer ist nun da," Es ist dies einer von den wenigenVolksgebräuchen, welche sich in der hiesigen Gegend erhalten haben. Auch in Worms nnd m anderen beim »batten Ortschaften tragen die Kinder am letzten - Sonntag im Marz Stäbe der oben bezeichneten Art, aber das eigentliche Volksfest wird ausdrücklich in Horchheim ge­feiert.

= [Von der Bühne in ein Herzogsschloß.j Der Her- i3S- welcher nach unserem gestrigen zweiten Morgenblatt Fräulein Clara H e c s e vom Münchener Hoftheater auf fein Schloß heim- f führen soll, ist der 61jährige Herzog L » d w i g in Bayern, ältester Sruber der Kaiserin von Oesterreich. Derselbe war bereits in -erster Ehe mit Henriette Mendel, welche später den Namen Baronin von Wallersee erhielt, morganatisch vermählt, unb dieser Ehe tfl eine Tochter entsprossen, bic Gräfin Laris ch-Wallersee. ~'e Gattin des Herzogs Lubwig starb erst vor kurzer Zeit, am 12. November 1891. Frl. Klara Hccse hatte bis vor acht Jahren am Wiener Burgtheater gewirkt unb wußte am Münchener Hof- tpeater fich halb eine hervorragende Position zu schaffen. Frl. Heese ist um fast dreißig Jahre jünger als der Herzog Ludwig. Jn Wien bezweifelt man übrigens noch die Richtigkeit der Meldung.

**» [Wiener Brief s Aus Wien, 30. März wird uns ge- fchneben:Die diesjährige Jahres ans stelln» g im Künst­le r h a u f e wird am 1. April im Beisein des Kaisers, der Erz­herzoge unb Minister eröffnet werden. Nach bem Werthe ber ex- fwnirten Maler- u. Bilbhuuerwerke dürfte siezn ben besten gehören, - Welche bisher in Wien veranstaltet würben. Von ben 1700 größeren | Cbjeftcn, welche zur Ausnahme cmgesciidet würben, hat bic Jury

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