s. Sette. Rr. 103.

Adenddlatt der Frankfurter Zeitung.

12. April 1898

todt Zorniger Klarheit gebracht als der erste. Und trotz allen ora- fonschen Kraftaufwandes ist die Situation dieselbe geblieben : das Land weiß nach wie vor nicht, woran es ist, und die Re- gieruaa behalt sich vor, im Stillen ihren eigenen Weg zu gehen.

* Paris, 11. April. Das Jonne- Departement hatte gestern den Nachfolger des Bonapartisten Oscar de Vallee, der lebenslängliches Mitglied des Senats gewesen war, zu ernennen. Um den Sitz bewarben sich nur zwei Republikanern der radikale Abgeordnete D e t h o u und der Gemäßigte Dr. Ducht. Ersterer drang mit 658 gegen 201 Stimmen durch. Im Departement Haute - Garonne iArrondissement Mnret) wurde der ge­mäßigte Republikaner Pierre de Remusat ohne Mitbewerber nahezu eimnüthig zum Nachfolger des verstorbenen opportunisti­schen Germain zum Abgeordneten ernannt. Herr de Remusat er­zielte 18,990 von 18,997 gültigen Stimmen. InLyon wiederum bewarben sich vier Eandidateu um den Sitz des früheren Justizmi­nisters Thevenet in der Kammer, der neulich in den Senat gewählt worden war. Die Betheiligung der Wähler an der Abstimmung war eine äußerst geringe, so daß der Radikale Cla pot, dessen Anhänger sich sehr rührig zeigten, mit nur 3304 Stimmen gewühlt wurde. Die übrigen Eandidaten erzielten zwilchen 1377 und 730 Stimmen, welch letztere Zahl auf den Arbeiter Chanel entfielen.

S Paris, 11. April. DemGaulois" wird aus Saint- Etienne gemeldet:Wenn ich mehreren Personen glaube, die in den hiesigen Polizeiangelegenheiten Bescheid wissen, so hätte die Polizei ein Interesse daran, daßRavachol noch einmal aus irgend eine Weise der Justiz entwischte. Man hat hier vielfach die Ueber­zeugung. daß der wahre Ravachol nicht verhaftet ist und die Pariser Polizei sich wider Willen irgend eines anderen Anarchisten bemäch­tigt hat. A ls Herr B e u a d, der Chef der hiesigen Sicherheitsbe­hörde, Ravachol als Mörder des Einsiedlers von CH am bl es fest- nehmev ließ, ließen die Agenten ihn entschlüpfen. Ravachol hat, was auch feine Kameraden sagen mögen, stets in Beziehungen zur Polizei gestanden. Es ist Thatsache, daß er ihr bei dem Ausstand der Färber imJahre 1887 als Angeber diente, und er entledigte sich seiner Aufgabe so gut, daß der Ausstand nicht lange dauerte. Hier­für wurde er ohne Zweifel reichlich bezahlt. Ravachol soll später zu öfteren Malen mit den Sicherheitsagenten gemeinsam gearbeitet haben. Wird man diese Thatsachen in's Klare ziehen ?"

Spanien.

* Madrid, 10. April. Es ist richtig der Anarchist Munoz, den d e Polizei gefaßt hat. Philipp Munoz, dessen Name in den letzten Tagen so häufig genannt wurde, saß gerade in einer Wirth­schaft bei einem Glase Wein, als die Polizei ihn verhaftete und ins Gefängniß brachte. Er wurde sofort einem langen Verhör unter­worfen, in welchem er behauptete, er sei nur das Werk Anderer ge­wesen, welche dcn Cortcspalast und andere Skaatsgebäude in die Luft sprengen wollten. Auf Grund seiner Aussagen sind zahlreiche Verhaftsbefehle erlassen worden. Munoz wurde darauf mit zahl­reichen höheren und niederen Polizeibeamten konfroutirt. Ueber die weiteren Ergebnifle der Untersuchung wird strenges Geheimniß be­wahrt, woraus man schließt, daß es sich um wichtige Dinge handelt. Inzwischen dauern die A t t e n t a ts - Ver s u ch e fort. In der verflossenen Nacht fand man in der Nähe der Invaliden - Kaserne einen Sack mit zwei großen und fünf kleineren Bomben und drei Granaten. Nach Aussage der Sachverständigen sollen sie von Anarchisten gestohlen sein. ES ist eine Untersuchung angeordnet. InSantiago wurde in einer Kirche eine Bombe gesunden: mitten unter den Andächtigen, die der Predigt eines Jesuiten zu­hörten. Der Fund verursachte große Erregung und die Gläubigen stoben nach allen Richtungen aus der Kirche hinaus. Mehrere ver­dächtige Anarchisten wurden in Haft genommen. Ein Telegramm aus Linares meldet, daß aus dem Magazin der dortigen Minen eine große Quantität Dynamit gestohlen worden ist. Man ver­muthet, daß Anarchisten den Diebstahl begangen haben.

Großbritannien.

* London, 11. April. Allmälig beginnen auch die großen Schiffswerften von Hartlepool den ©tritt der Berg­leute von Durham empfindlich zu fpüreit. Auf derWerfte von Sir William Gray geht der Stahl- und Eifenvorrath schon auf die Neige. Die Zahl der Arbeitslosen in Hartlepool ist so groß, daß milde Gaben kaum ausreichcn. In den Minendistrik­ten sollen schon viele Leute Nahrungsmangel leiden. Auf der letz­ten Samstag in Trimdon abgehaltenen Konferenz derDelegirten der Bergleute von Durham wurde einstimmig der Beschluß ge­faßt, weiter zu striken. Der Versammlung wohnten Vertreter des Londoner Kohlenträger- und des britischen Seemanns-Vereins bei. Die Letzteren riethen, der Getverkverein der Bergleute solle sich mit dem der Eisenbahn-Angestellten in engste Verbindung setzen; sie ihrerseits wären bereit, den Londoner Hafen zu sper­ren, wenn es nöthig wäre, damit die Bergleute von Durham den ©trift gewännen. Die Bergleute haben bis jetzt gezögert, den Vorschlag anzuuehmen. Sämmtliche Bergleute in Süd- Wales und Monmouthshire, etwa 100,000 an der Zahl, haben sich am Samstag bei der Lohnzahlung gemäß der gleitenden Skala einen mit dem 1. April in Kraft getretenen Abzug von 3$/t pCt. gefallen lasten müssen.

Rußland.

* Aus Petersburg, 10. April wird derKöln. Z.' gemeldet: Dort verlaute, daß die schlimme Wendung in der KrankheitWyschnegradskis schon während seines Vortrages in Gatschina eingetreten sei. Der Minister hatte in­folge der Grippe bereits tags vorher Ohnmachtsanfälle gehabt und deshalb seinen Hausarzt Dr. Berthels nach Gatschina mit­genommen. Der Kaiser bemerkte, daß der Minister schwer litt und sich nur mit größter Mühe aufrechterhaltin konnte. Er wollte deshalb den Vortrag verschieben. Wie erzählt wird, ent­gegnete Wyschnegradski, es tvären bereits Minister v. Giers und Geheimrath Bunge krank, da dürfte er nicht auch noch aus- fpannen; seine Füße trügen ihn auch noch ganz gut. Während er so sprach, übermannte ihn bereits die zunehmende Schwäche. Der Kaiser ließ nun sofort den Leibarzt holen, der mit Dr. Berthels sich bemühte, den Blutandrang nach dem Kopf abzu­leiten. Als der Minister sich etwas erholt hatte, brachten ihn Geheimrath Kobeko und Dr. Berthels nach Petersburg. Der Nervenarzt Sacharjin, der telegraphisch aus Moskau herbei- genifen wurde, soll Wyschnegradski bereits im vorigen Jahre Vor Ueberarbeitung g:warnt haben, die bei seiner Körperbe­schaffenheit die schlimmsten Folgen haben müßte. Es scheint ein richtiger Schlaganfall gewesen zu sein. Die Börse vom 9. April war anfänglich fehr aufgeregt. Dort wurden bereits die Namen etwaiger Nachfolger, Geheimrath Nikolajetv, Kobeko, Körner, ge­nannt. Der Kaiser ließ sich wiederholt telegraphisch über den Zustand des Erkrankten berichten. Charakteristisch ist, daß sich dir russische Presse sofort mit der Erkrankung Wyschnegradski's beschäftigt, während sie in der vorigen Woche die schwere Er­krankung des Herrn v. Giers anfangs kaum beachtete. Die Landschaften des K a u k a s u s haben der deutschenPet. Z." zufolge den Kornkauf eingestellt, was beweise, daß die noth­wendigen Vorräthe beschafft seien. Die Kornproduzenten und -Hälchler seien wegen mangelnder Nachfrage in großer Verlegen­heit. Gegen hundert füdrufsischer Kornhändler haben um Auf­hebung des Ausfuhrverbots petitionirt.

Schweden und Norwegen.

B Stockholm, 9. April. In Norwegen werden die Angriffe gegen die Union immer stärker. So haben der radikale Vizepräsident des ©torthings, U l l m a n n, und der Redakteur d«8 offiziösen OrgansDagbladet", Holst, imStorthing einen Antrag tingebrachi, der in Wirklichkeit darauf ausgeht, die Un ion aufzulösen. Es wird nämlich vorgeschlagen, die norwegische Staatsrathabtheilung in Stockholm aufzuheben und während des Aufenthalts des Königs in Schweden sollen mir Sachen, tvelche beide Reiche betreffen, dem Könige vorgelegt werden dürsen, d. h. die norwegischen Staatsrüthe würden während des Aufenthaltes des Königs in Schweden unabhängig die Regierung führen. Ob das Storthing diesen Vorschlag an­nehmen wirb, ist jedoch fraglich. Uebrigens sind es jetzt nicht nur die radikalen Blätter, welche die Union angreifen. Auch das offiziöfe Organ der norwegischen RegierungDagbladet" er­klärt, daß die Union niemals Nutzen gebracht, sondern stets Anlaß zu Streitigkeiten geboten habe.

Türkei.

* DemPester Lloyd" wird aus Konstantinopel ge­schrieben, daß der Einfluß des Dreibundes aus die türkischen Machthaber abgenommen und derjenige des russisch-fran­zösischen Bundes zugenommen habe und zwar deshalb, well die Türken den letzteren für stärker hielten. Als Abdul Hamid gehört habe, daß Rußland in 19 Tagen 2l/z Millionen Man« aufstellen könne, hätten ihm diese Zahlen sehr impontrt. Dazu komme, daß die Politik des Dreibunds im Orient der

Einheitlichkeit und Solidarität entbehr«. Oesterreich-Ungarn be­finde sich der Türkei gegenüber durch die Occupatio» Bosniens in einer eigenthümlichen Stellung, Italien durch seine Colonie- gründung am Rothen Meere, überdies schreibe man jenem Erobe­rungsabsichten auf der Balkanhalbinsel, diesem Gelüste auf Tripolis zu. Deutschland habe kein lokales Jntereffe in der Türkei, seine Diplomatie sei deshalb in Konstantinopel zwar sozusagen unab­hängig, aber auch minder einflußreich, als die französische und russische. Seinen Höhepunkt habe das deutsche Ansehen in der Türkei in der Zeit etwa von 1882 bis 1889, bis zur Orientreise Kaiser Wilhelms behauptet, seitdem sei der französische Einfluß wieder gewachsen. Ein gewesener langjähriger Botschafter in Peters­burg habe nach seiner vor einem Jahre erfolgten Rückkehr nach Konstantinopel dem Sultan eine Denkschrift vorgelegt, in welcher er mit großer Wärme für den unbedingten Anschluß an Ruß­land pladirte. Seine Meinung, daß die Türkei nur in diesem Falle lebensfähig bleiben könne, habe er mit einem geschichtlichen Rückblick zu erweisen versucht, in welchem er sich bemühte, zu zeigen, daß wenn die Türkei mit den Rußland feindlichen Mächten ging, sie stets den Kürzeren gezogen habe. Es sei leider eine unleugbare Thatsache, daß beinahe alle türkischen attiven Staatsmänner und sonstige bei Hose einflußreiche Persönlich­keiten entweder russisch ober französisch gesinnt seien. Man könnte kaum zwei oder drei Persönlichkeiten nennen, auf welche sich der Dreibund verlassen könne. Deutschland habe bei Hofe der in Konstantinopel die Hauptrolle spielt überhaupt nur eint ein­zige Person von Bedeutung, auf die es rechnen könne. Wenn man aber bedenke, daß dieser Hofwürdenträger nur einzig und allein deshalb deutsch gesinnt sei, well er bei ver­schiedenen großen Regierungslieferungen aus Deutschland un­glaublich hohe Suinmen verdiene, so werde man den Werth einer solchen Freundschaft zu würdigen wissen. Den einzigen wirklich aufrichtigen Freund soll Deutschland und der Dreibund überhaupt nur in der Person des S u l t a n s besitzen, aber auch Abdul Hamid könne nach und nach durch die mächtige russisch- französische Partei beeinflußt werden und sich den beiden Mächten in die Arme tverfen. Diese Ausführung beruht wohl zum größten Theil auf Uebertreibung, denn der Sultan weiß zu genau, was ihm von der russischenFreundschaft" droht und die türkischen Staatsmänner mögen sich derselben zu verschiedenen Zwecken be­dienen, allein im entscheidenden Augenblicke würden sie doch wohl gegen Rußland Front machen.

Argentinien.

* Aus Buenos Aires wird derTimes" telegraphirt, daß der Kriegsminister auf Befehl des Präsidenten der Republik sich geweigert hat, einem Befehl des Bundesgerichtes wegen Auslieferung des Senators Alem und des Deputirten Molina nachzukommen und zwar unter dem Vorwande, daß weder die Legislative noch sonst eine Körperschaft eine Immunität gegen j einen vom Präsidenten während des Belagerungszustandes er­lassenen Befehl besitze! Am Sonntag war der Belagerungs­zustand während der Stunden aufgehoben, in welchen die Wahl­männer für die Wahl des Präsidenten und Vizepräsidenten er­wählt wurden, allein die Blätter scheuten sich natürlich ihre An­sichten offen auszusprechen. In Buenos Aires verliefen die Wahlen ruhig. Von den erkorenen Wahlmännern hat Francisco Uriburu die meisten Stimmen erhalten. Als Kandidaten für | die am 12. Juni zu vollziehende Wahl eines Präsidenten und Vizepräsidenten der Republik gelten nach immer Dr. Luiz Saenz Pena und Dr. Jose Uriburu. Die Radikalen wollten, ehe sie zur Stimmenthaltung gezwungen wurden, als ihren Kandidaten den Obersten Jrigoyen und Dr. Alem aufstellen.

Vermischtes.

* (^erfoHatten.) Der Konsul Alexander Robertson in Petcrhead (Schottland) ist gestorben.

* MrNn, 11. April. (V o n de r M a ri n e.) Das Kanonen­bootWolf", Kommandant Korvetten-Kapitän Hellhoff, beab­sichtigt am 12. April d. I. von Shanghai nach Nagasaki in See zu gehen.

M Dcntsch-Evlau, 12. April. (Priv.-Tel.) Der Kassirer des hiesigen Kreditvereins, Posthalter Gaul, hat bedeutende Unter­schlagungen gemacht. Der bisher ermittelte Fehlbetrag stellt sich aus 52M0 Mark.

Mremen, 12. April. (Tel.) Die Seifenfabrikationsgebäude der Behrenschen chemischen Fabrik in Hemelingen 1 wurden heute Vormittag durch Brand zerstört. i

# Aus Sachsen , 11. April. Wie daS Pirnaer Amtsblatt ; ! meldet, mußten diesmal im dortigen Bezirk nicht weniger als 13 \ Konfirmandenbezw. Konfirmandinnen wegen vorausgegange- ! ner Vergehengegendas 6. und 7. Gebot theils von der ' Konfirmation als zur Zeit unwürdig z u ckgew ie sen, ! , theils unter Ausschluß von der öffentlichen Konfirmation privalim konfirmirt werden. In dem Forstrevier Tbammenhain bei Wurzen wurde gestern Nacht der 28jährige Forstgeh ilfe Gebet von Wilddieben erschossen.

ft Dresden, 11. April. Auf Grund einer vom Stadiralh aus- gearbeiteten Denkschrift beziffert sich der zur Durchführung städtischerBauten benöthigte Geldbedarf auf 3 0 M i l l i o- n e n M a r k. Die Summe soll, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten, durch eine Anleihe beschafft werden.

Mainz, 12. April. Auf das Gesuch einer Anzahl älterer hiesiger Vottsschullehrer um Regelung ihrer Eehalts- v erh ä l t n i f s e bat der städtische Schulansschuß beschlossen, den Petenten bei der Ausmessung ihres Gehaltes von der, von den Lehrern außerhalb Mainz verbrachten Dienstzeit, 15 Jahre in An­rechnung zu bringen. Bei der Ende vorigen Jahres vorgenommenen allgemeinen Gehaltsregulirung der Lehrer war nur eine Anrechnung von 10 Jahren auswärts verbrachter Dienstzeit, beschlossen worden.

X Mainz, 11. April. Die hiesige Perrü ckenmacher- und Friseur-Innung beschloß, daß ihre Mitgliederbis zum Eintritt gesetzlicher Bestimungen", die Geschäfte an Sonn- und Feiertagen um 3 Uhr Nachmittags zu schließen hätten. Das ist doch wenigstens Etwas. Schade, daß sich nicht auch die vielenkleinen" Barbiere zu einer solchen, sie gewiß nicht schädigenden Maßregel zu entschließen vermögen. Nächstens dürs­ten sich auch die Tabak- und Cigarrenhändler, die bekanntlich Sonntags nicht weniger denn 10Stunden beanspruchen, über ihre weiteren Schritte schlüssig mache». Sie, wie die Metz­ger, bei denen die Sonntagsarbeit um 4 U h r früh beginnen und Abends^enden soll, versuchen nach Kräften die Stadtverwaltung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Hoffentlich vergebens!

d Karlsruhe, 11. April. Wie telegraphisch bereits gemeldet wurde, ist Oberbürgermeister Wilhelm Lauter heute Nacht nach kurzem Kranksein an einem Herzschlag plötzlich aus dem Leben geschieden. Lauter war seit 1869 Oberbürgermeister und man darf ihm das Zeugniß ausstellen, daß er mit großen! Er­folg bemüht gewesen ist, die Stadt auf die wirthschaftliche Höhe zu bringen, deren sie sich jetzt erfreut. Die großen städtischen Anlagen, die geschaffen wurden Kanalisation, städtisches Schlachthaus, Stadtgarten. Festhalle, Luisenhaus u. a. m. verdankt die Stadt der Initiative des Oberbürgermeisters, dessen Beerdigung kommen­den Mittwoch aus städtische Kosten erfolgen wird. Zum Nachfol­ger dürfte Herr erster Bürgermeister Schnetzler erwählt werden, der als tüchtige Arbeitskraft seit Jahren in der städtischen Verwaltung geschätzt wird.

§ Aschaffenburg, 12. April. Herr Kommerzienrath Theodor Nees, Chef der Buntpapiersabrik A. Nees u. Cie. hier, hat sich gestern Abend in feinem Schlafzimmer erschossen. Der Ver­storbene war 1839 zu Offenbach geboten und gründete 1862 im Verein mit feinem 1874 verlebten Bruder Albert die Buntpapier­fabrik. Er war 12 Jahre lang Mitglied der städtischen Kollegien. Ein seit mehreren Jahren bestehendes Herzleiden, sowie innere Fa- inilienverhältniffe hatten in letzter Zeit tiefe Melancholie über den Mann gebracht; in dieser Stimmung dürfte er auch die Waffe gegen sich gerichtet haben.

b Tuzern, 12. April. (Priv.-Telegr.) Das Dorf C h a l a i s bei Siders (im Rhonethal, Kanton Wallis) ist abgebrannt. Ueber 100 Gebäude sind eingeäschert. Der Brand wurde durch Kinder entzündet, die mit Feuer spielten.

Sitten, 12.April. (Tel.) Seit gestern brennt das Dorf C h a l e q, Kanton Wallis. 120 Firsten find eingeäschert, 500 Menschen obdachlos.

* 5?ari5, 11. Slpril. Eine in Ausarbeitung befindliche S t a- tistik enthält sehr intereffante Aufschlüffe über die Resultate, welche die Verbefferung der Kloaken, die Erweiterung der Straßen, die Errichtung öffentlicher Gärten u. s. w. aus die Leben«- dauer hatten. Unter Ludwig XIV. betrug die Sterblichkeit«, ziffer 1 auf 28 Einwohner, 1830 nur mehr 1 auf 36. 1853 wieder auf 37 und gegenwärtig 1 auf 41 Einwohner. Die Departements, in denen man am längsten lebt, find: Calvada«, Eure-et-Lott. Orne, Sarthe, Eure, Lot. Lot-ei-Garönne, Deux Sevres u. a. m. Die hingegen, in denen die kürzeste Lebenszeit erreicht wird, die Seine (Pari«), die Laude«, Mnisttre, Rh ne (Lyon- und Bouche»- du-Rhöne (Marseille).

Frankfurter Angelegenheiten,

vom Tose.

Frankfurt a. M.. 12. April.

Heute Vormittag in der zehnten Stunde erfolgte die Be­erdigung des langjährigen FactorS derFrankfurter Zeitung", Herrn Christian Holzapfel. Ein großes Trauergefolge geleitete ihn zur letzten Ruhestätte, besonders zahlreich waren natür­lich die Angehörigen der Frankfurter Sozietätsdruckerei unter den Leidtragenden vertreten. Am Grabe, nachdem die Geistlichkeit Ein- fegnung und letztes Gebet verrichtet hatte, legte Herr Leopold Sonnemann im Namen der Sozietätsdruckerei einen Lorbeerkranz nieder und widmete dem Verblichenen einen ehrenden Nachruf. Christian Holzapfel, der durch 33 Jahre einer der treuesten und un­ermüdlichsten Mitarbeiter der Sozietätsdruckerei gewesen, trug den Kommandostab schon im Felleisen, als -r noch, nach überstandener Lehre, ein schlichter Arbeiter, auf die Wanderschaft ging. Sein Or­ganisationstalent zeigte fich bei der ersten sich bietenden Gelegenhett. Er verstand es, jeden an seinen Platz zu stellen und einen großen, lebendigen, vielköpfigen Organismus, wie das technische Per­sonal einer Zeitung ihn darstetlt, gleich einem Uhrwerk im Gang zu erhalten. Auch geistig war er von den Zielen durch­drungen, die zu fördern er technisch mithalf. Andernfalls hätte er in den schweren Zeiten, die das Unternehmen durchmachte, bei der gezwungenen Uebersiedlung nach Stuttgart, in den Kriegs­zeiten und in der Periode der häufigen Konfiskationen, nicht Spannkraft unb, guten Humor dauernd bewahren können. Nicht nur der geschäftliche Beruf, sondern der höhere Gedanke er­füllte auch ihn. Wenn man Kriegsjahre im Leben eines Kämpfers doppelt rechnen darf, so könnte Holzapfel wohl auf 100 Jahre opfer­williger Thätigkeit zurückschauen.Nun hast du ansgestritten. du ganzer Mann. Wir werden dein Andenken hoch in Ehren hatten. Ganz bist du nicht gestorben: du bist ein Theil der Sozietätsdruckerei, und für immer ist dein Name mit ihrem Entstehen und Wachsthum innig verknüpft. Möge dir die Erde leicht sein!" Mit der Bitte, die Liebe zu dem Verstorbenen auch auf besten Familie zu übertragen, widmete dann ein Freund des Todten einen Kranz. Herr Otto Hörth legte Namens der Redaktion derFrankfurter Zeitung" einen Kranz mit schwarz-roth-goldener Schleife auf das Grab desver­storbenen Mitarbeiters, ja Freundes" ; ein Vorstandsmitglied des GesangvereinsEdelstein", dessen Ehrenmitglied der Verblichene war, legte ebenfalls einen Kranz nieder. Unter den zahlreichen Blumenspenden, die den Hügel verdecken, befand sich auch ein Kranz derAllgemeinen Frankfurter Kranken- und Sterbekaffe" und son­stiger Vereine. Ein Gesang desEdelstein" leitete den Trauerakt ein, ein Gesang des VereinsGutenberg" beschloß die Beerdigungs­feier gegen 10 Uhr.

Prinzregent Albrecht von Braunschweig trifft heute Nachmittag von Wiesbaden aus zu mehrstündigem Besuch bei der Frau Landgräfin von Heffen hier ein. Von hier wird er nach Braunschweig zurückreisen.

Lm Herrn Direktor Chr. St. Pa ul in Frankfurt a. M., seit 15 Jahren Vorfitzender des Verein s zur Wahrung der Rhein- schifffahrtSinteressen. wurde bei der Niederlegung dieses Amtes vor Kurzem eine Adresse überreicht, worin er zum Ehren­präsidenten des Vereins ernannt wird. Die künstlerische Ausfertig­ung, die unmittelbar an den Frankfurter Hafen und an das Ge­bäude der Frankfurter Aktiengesellschaft für Rhein- und Main­schifffahrt anknüpst, ist in vorzüglicher Weise von Herrn Ernst Häberle, Professor der Bangewerkschule in Karlsruhe, ausgeführt.

* In der öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag, 14. April, stehen u. A. folgende Punkte ans der Tagesordnung: Nachbewilligung auf den Etat des Pfand­hauses für 1891/92; Neubau eines Dienstwohngebäudes für die Petersschule; Abänderung des Statutes über die Benutzung der Wasserleitung: Ankauf eines Grundstückes; Baugesuche; Flucht­linienplan für die verlängerte Klickerbahn; Pflasterung des Grüne­burgweges; Bericht des gemischten Alignements-und Bau-Aus- schuffes über die Revision der Fluchttinienpläne; die Linel'sche Sammlung. In der daranschließenden nichtöffentlichen Sitzung wird die Wahl eines besoldeten Magistrats-Mitgliedes er­folgen.

# Wie wir hören, hat fich die nenngliedrige Sta dtv erord- n eten-Kom mifsion zur Prüfung des vom Magistrat vor- gelegten Ortsstatnts für d i e Sonntagsruhe im Handelsgewerbe mit den in diesem Statut gemachten Vor­schlägen nicht einverstanden erklärt. Sie schlägt dagegen vor, die Sonntagsarbeit in Groß- und Bankgeschäften auf die Zeit don 10 bis 12, in den Detailgeschäften auf die Zeit von 10 bis 1 Uhr fest­zusetzen. Zu diesem Zwecke erscheint es allerdings nothwendig, daß die Zeit des Hauptgottesdienstes, die bis jetzt auf 10 und 11 Uhr fiel, allgemein auf 9 Uhr Vormittags verlegt wird. In öffent­lichen Versammlungen haben verschiedene Geistliche erklärt, daß fi« im Interesse der Sonntagsruhe gerne zu Konzessionen bereit feien. Die Konimission hat beschlossen, mit der Geistlichkeit im angedeu­teten Sinn in Verhandlungen zu treten. Die Verhandlungen sür die Kommission sühri Herr Stadtverordneter Sonnenberg, von dem auch der Vorschlag ansgeht.

* Wir entnehmen dem Berichte eines auswärtigen Blattes über eine Probefahrt des neuen Blitzzuges Berlin-Thürin- gen-Frankfurt, daß die für diesen neuen Zug in Aussicht ge­nommene große Fahrgeschwindigkeit nicht im geplanten Maße durchgeführt lverden kann, wenn nicht eine Gefährdung des Zuges eintreteu soll. Nach dem enbgUtigen Sommerfahrplan wird deshalb der Zug unter Beibehaltung der geplanten Aufenthalts­zeiten in Halle, Naumburg, Weimar, Erfurt, Gotha, Fröttstädt und Eisenach, sowie der Ankunftszeit in Bebra, 20 Minuten früher in Berlin abgelassen, nämlich schon Morgens 7 Uhr 10 Min., anstatt 7 Uhr 30 Min, Diese 20 Minuten »er­theilen sich zur Vergrößerung der Fährzeit mit 13 Minuten auf die Strecke Berlin - Halle und mit 7 Minuten auf die Strecke Halle- Bebra.

* Wir werden ersucht, im Interesse der Ostertouristen darauf hinzuweisen, daß der Unterschied von Mitteleuro­päischer und Ortszeit geeignet ist, in den Fahrplärien der Eisenbahnen speziell in Süddeutschland Mißverständnisse wegen der Anschlüsse an Ueberga ngsstationen hervorzurufen. Es emvfiehlt sich deinnach, bei der Aufstellung von Tourenplänen auf diesen Umstand zu achten.

4- Nach neuester Verordnung sind dieSchaffner der T a u n u s- bahn angewiesen worden, das Coupiren der Fahrkarten von jetzt au nicht mehr wahrend der Fahrt, sondern während des Haltens auf den Stationen auszuführen.

In dem Prozeß der Wasch- und B a d e - An­st a l t gegen die Stadt Frankfurt und die Waldbahn wegen Heranziehung eiges längs deren Grundstücks Hinlausenden Grabens (Wichs) zu der Schweizerstraßc erging heute um 12 Uhr auf der Zivilkammer I Urtheil. Die Klägerin wurde mit ihrer Klage auf Herstellung des früheren Zustandes oder Entschädigung abge­wiesen. Gegenüber einer öffentlichen Straße gebe es überhaupt keinen Wich. Die Wasch- und Bade-Anstalt hat sämmtliche Kosten zu trogen. Ferner wurde das Urtheil in Sachen der katholischen Kirchengemeinde gegen die Stadt Frankfurt verkündigt. Darnach hat die Gemeinde 19,950 X. an die Stadt heranszuzahlen, im klebrigen wird die Klage abgewiesen. Das Urtheil beruhte darauf, daß ein Minderwerth für das Grund­stück der katholischen Kirchengemeinde, das nun, nach der Enteig­nung, in zwei Straßen, Schillerstraße und Große Eschenheimer- gaffe, liege, nicht vorhanden fei, im Gegentheil sei es dadurch werth- voller geworden. Für die Schule sei ebenfalls keine Entschädigung zu beanspruchen.

R Die Freiwillige Feuerwehr veranstaltete am Samstag Abend imStorch" einen großen Kommers zu Ehren der seit 10 Jahren im Dienst stehenden Mitglieder des Korps, die bei dieser Gelegenheit mit Diplomen ausgezeichnet wurden.

K Einem hiesigen Kriegerverein wurde das Inventar, das sich in dem Vereinslokal, einer in der Brönnerstraße belegenen Wirthschaft, befand, darunter die Büsten Kaiser Friedrichs und Kaiser Wilhelms, durch Gerichtsvollzieher gepfändet.

ß Auf dem Holzmarkt lagern namhafte Borräthe. Wegen der bevorstehenden Feiertage ist es im Verkaufe stille geworden, und die Lager gehen eben langsam ab. Die Preise find: sür Buchen­scheitholz erster Klaffe X< 9.50, zweiter Klaffe X 8. dritter Klaffe X 7, für Tannenscheitholz erster Klaffe X 7.50, zweiter Klasse X 6 per Raummeter.

In der Woche vom 3. bis 9. April einschließlich sind in Frankfurt o. M., Sachsenhausen und Bornheim, außer 6 todtgedorenen Kindern, 3 männlichen und 3 weiblichen Ge­schlechts, 91 Todesfälle vorgekommen. Davon sind 37 Kinder unter 15 Jahren und 54 Erwachsene. Von den 54 erwachsenen Personen hatten 34 das 50. und von diesen 21 das 60. Lebensjahr überschritten. Von den 91 Verstorbenen waren 50 männlichen und 41 weiblichen Geschlechts. Die Sterblichkeits-Verhält- n i ß z a h l. pro Tausend Lebende auf das Jahr berechnet, beträgt zu Frankfurt a. M. für die Woche vom 3. bis 9. d. MtS.: 25,8.

»mmuttaUS»

Die MagistratSwahlkomm ission hat gestern Abend mit 5 gegen 4 Stimmen beschlossen, Herrn Stadtrath Toop auä Danzig für die Stelle eines besoldeten hiesigen Stadtraths vor­zuschlagen. 4 Stimmen fielen auf Herrn Stadtrath Zitelmann.

--- Die Finanzkvmmission hat in Bezug auf die durch den Tod des Herrn Michael Ltnrl disponibel gewordenen Marl 100,000 beschloffen, diese Summe nunmehr zur Vermehrung und Erweiterung der städtischen Sammlungen, insbe­

sondere in kunstgewerblicher Richtung, zu verwenden mch die Verfügung darüber dem Magistrate anheim zu geben.

Verein«.

# Gestern Abend um halb 7 Uhr fand die Generalversammlung der Aktionäre der Neuen Zoologischen Gesellschaft im Kleinen Saale des Gesellschaftshauses statt. Dem bei dieser Gele» genhett erstatteten Bericht des Verwaltungsraths entnehmen wir, daß im abgelaufenen Jahr der enorme Fremdenzuzug, den die elek­trische Ausstellung mit sich brachte, auch auf die Einnahmen de» Gartens überaus fördernd wirkte. Die Gesammteinnahme betrug X 238,278.36, die GesammtauSgabe X 217,476.63. Die Zahl der Besucher des Gartens auf Tageskarten erreichte die Höhe von 209,929 und brachte eine Einnahme von X 145,005, wovon nach Abzug der Kosten besonderer Veranstaltungen X 112,029.41 al» Netto-Einnahmen übrig bleiben, X 22,000 mehr als veranschlagt. Das Abonnement-Konto wuchs um X. 10,000, der Nutzen am Wein- und Bierkonsum um über X. 2000. Gehälter- und Thier­fütterungskonti erforderten eine Erhöhung von X. 6900 gegen den Voranschlag, die Bau-Unterhaltung X. 18,000. Das Aquarium hatte einen Ueberschuß von X 3600. Der Verkauf von Thieren einschließlich Geldzuwendungen brachte X 16,473 ein, darunter allein 13,852.14, also über 84 pCt. der Gesarnrntsurnrne, für Thiere eigener Zucht, die bis jetzt größte Jahreseinnahme für selbst» gezogene Thiere. Diese hohe Einnahme ermöglichte es, für den An­kauf von neuen Thieren X 21,968 abzugeben. Die Ausgaben be­trugen u. A. für Gehälter35,558.92, Fütterung X 45,321.40, Musik X 35,492.. Garten - Unterhaltung X. 5748.20, Bau- Unterhaltung X. 33,092.47. Dem Verwaltungsrath wurde sodann Decharge ertheilt. Auszuscheiden hatten ans dem VerwaltungSrath die Herren Dr. Caspari, Major Dr. v. Heyden, Maaß und Dr. Stiebet aus dem Aufsichtsrath die Herren Fritz Drexel, Hermann Hausier und F. Steyert, die sämmtlich wiedergewählt wurden.

Telegraphische Depesche».

(Nachdruck, telegtrt>6iii6e ober telephonische Verbreitung Am Vereinbarung unterlagt.)

Nrinaf-Deprschrn drr /rnnhftirftr JeihntfJ

© Berlin, 12. April, 10.40 V. Der Reichskommissar für die W e ltausstellung in Chicago beruft auf den 25. d. M. nach dem Reichstagsgebäude eine Versamm­lung von Dclegirten der deutschen Handelskammer» zur Constituirung eines ständigen Ausschussesbe» Hufs einheitlicher Organisation der deutschen Abtheilung in Chicago.

A Freiburg i. B., 12. Avril., 12.20 N. Der LandtagSabg«- ordnete Heinrich Fischer (dem Centrum angehörig) ist in ver­gangener Nacht gestorben.

# Bern, 12. April, 8.5 V. Der Vorstand des eidgenössischen Justiz- und Polizei-Departements hat den Bundesanwalt unter Zustellung der neueren auswärtigen Anarchisten-GesetzS beauftragt, die Frage zu studiren, ob nicht der Besitz von D y n a« mit zu rechtswidrigen Zwecken bundesgefetzlich bestraft werden solle.

G Paris, 12. April, 12.37 N. Im Ministerrath legte Jamais eine Depesche des Gouverneurs am Senegal vor, welche den Gcsundheitsstand in den Kolonien als so un­günstig bezeichnet, daß die Ordre, Truppen nach dem Sene­gal abzusenden, suspeudirt wurde.

B London, 12. April, 8.29 V. DerTimes" wird aus Kairo gemeldet, daß die egyptische Regierung Akaba und alle militärischen Stationen, welche die Egypter bisher an der arabischen Küste des Rothen Meeres besetzt hielten, der Türkei übergeben habe. Der englische Acker­bau-Minister Chaplin empfing gestern Abend eine Deputa­tion von Landwirthen, Viehhändlern und Fleischern, welche um eine Milderung der für die Klauenseuche bestehenden Vorschriften ersuchte. Der Minister versprach gelindere Ver­ordnungen zu erlaßen, falls in den nächsten Tagen nicht ein neuer Ausbruch der Krankheit festgestellt werde.

Z Semliu, 12. April, 11 V. Die S kn ps ch t in < in Belgrad bewilligte heute in geheimer Sitzung in zweiter Lesung einen sechszehn Prozentigen Steuerzuschlag für die Bedürfnisse der Heeresrüstung. Der Kriegsminister Ginric betonte vorher, daß es dringend geboten sei, hundert­tausend Repetirgewehre? zu beschaffen und die Belatzerungs- und Fetdartillerie zti ergänzen. Heute Nachmittag wird die Seffion durch eine Botschaft des Regenten geschloßen.

iöolfPs telegraphisches Corrrspondrnr-Kurean.

Dirschau, 12. April. Bei den fortgesetzten Nachgrab­ung e n in Zeisgendorf wurden gestern Nachmittag weitere 6000 Mark anfgefunden. Bis jetzt wurden vier Verhaftungen vorge­nommen. Der Konkurs der K r e d i t - G e f e l l s ch a f t würd« vor­läufig vom Gerichte abgelehnt. Die Liquidation ist beschlosien.

Wien, 12. April. Der ungarische Minister Wekerle traf heute hier ein und hatte bereits eine mehrstündige Besprech­ung mit dem Minister Steinbach.

Toulo«^12. April. In den letzten vier Nächten brach, fast zur gleichen Stunde, Feuer in bewohnten Häusern aus. In zwei Häusern wohnten Richter. TerPlatin" meldet, die Bevölkerung sei beunruhigt, da man die Brände anarchistischen Anschlägen zuschreibe.

London, 11. April. Im Unterhanse erklärte der Schatz­kanzler Goschen im Verlauf« seiner Budgetrede, daß Spanien den Handelsvertrag von 1886 gekündigt habe. Man dürfe sich indeß in Spanien und anderwärts nicht dem Eindrücke hingeben, daß Spanien, wenn es das befriedigende Arrangement von 1886 zurückziehe, die damals erlangten Vortheile behalte; e8 gebe starke fiskalische Gründe, welche für die Erhöhung des Alkoholzolle» sprächen. Er wolle bie8^ nicht Vorschlägen, könne aber nicht umhin, in völlig freuudlichein Sinne zu erklären, daß wenn Spanien feine Zugeständnisse zurückziehe, auch England freie Hand erhalt«. Er hoff«, daß die Unterhandlungen zu einem für beide Theile befriedi­genden Abschluß führen würden. Der Regiernngsvorschlag, betref­fend die Einführung eines gleichmäßigen Schaumwein­zoll «s wurde angenommen und die Budgetdebatte dann vertagt, Lowther erklärte daS Gerücht, daß England sich den Hafen von San Ouintin (Mexiko, Nieder-Calofornien, am Stilen Ocean. Red.) als Kohlenstation zu sichern beabsichtige, für unbe­gründet.

London, 12. April. Reuter'S Bureau meldet aus Hoko- Hama, 12. April: Nach weiteren Berichten aus Tokio find butifr die Feuersbrunst gegen 6000 Häuser zerstört und ist ein« grö­ßere Anzahl Menschen in den Flammen umgekommen.

Petersburg, 12 April. Nach den heutigen Mittheilungen wird sich Wyschnegradski nach dem nunmehr als gehoben zu betrachtenden Unwohlsein eine Zeit laug Ruhe gönnen müssen. DerRowoje Wremja" zufolge beabsichtigt er im Sommer eine Erholungsreise ins Ausland.

Rew-Nork, 11. April. Das Gericht in Trenton im Staate New-Jersey legte dem Agenten der Hamburg-Ame­rikanischen Packetfahrt-Gesellschaft, Cortts, eine Geldstr ase von dreihundert Dollars auf, well er sich weigerte, vier aus Hamburg hierhergekommene und zur Grubenarbeit i« Birginim bestimmte Einwanderer nach Europa zurückzuschicken.

Washington, 11. April. Im Repräsentantenhaus« brachte Coombs den Antrag ein, den Zoll aus deutsches Spiegelglas aufzuhcben.

Rio de Janeiro, 11. April. In der Nacht von gestern auf heute fand eine Kundgebung zu Gunsten des früheren Präsidenten Fonseca statt. Die Manifestanten durchzogen die Straßen unter Rufen gegen den jetzigen Präsidenten Peixoto. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommeu und der Belage­rungszustand erklärt. Die Mehrheit der Bevölkerung ist mit dem Vorgehen der Regierung einverstanoen und scheint geneigt zu fein, dieselbe thatkräftig zu unterstützen.

W asaerstanda-N achrichten.

(Privattelegramme der JFrankt Ztg. Nachdruck verboten! Offenbach, 12. April, Mrgns. Main 1.36 gef. &03. Frankfurt, 12. April, Mtgs. Main 2.14 gef. 0.04.

Wassertieie im kaualisiit n 5Lin und bei Kostheim iM, Kaub, 12. April, Mrgns. Bhein 132 gef. 0.03.

Mainz, 12. April Btaatsp. 1.58 gef. 1102, Fahrp. 130 get 04» Maxau, 12. April. Bhein 4,21 gef. 0.01 Ludwigshafen, 12 p il Rhein 4.11 geh 0.07.

Koblenz, 11 April, Mrgns. Rhein 151 gef. 04& Köln, 11 April, Mrgs. Bhein 170 gef. 0.01

Mannheim, 1L April. Bhein 4.14 gef. 104. frier, IL April, Mtgs. Mosel 182 gef. M2. inhrort, UL April, Mrgns. Bhein 120 get (KOI Emmerich. U. April, Mrgns. Bheia 107 get 04»