LechsiMlchiM MW.

jfr. ISS Drittes Morgenirlcrtt.

Sonnksgj 1. Ml«i 18SS^

JranKfurler Zeitung

und Handelsblatt.

(Frtnkfnrter Hindelmitnng.)

(Neue frankfurter Zeitung.)

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auch Graf Caprivi füllt nicht leicht ins Gewicht.

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Dann verlaßt er jenes Ziminer durch diese

schließt sie die Schachtel wieder und wartet. Ich sehe meinen theuren Melstane zurückkommen, sie sprechen noch weiter, küssen einander und nehmen Abschied. Ich eilte weg vom Fenster. Und als ich durch die Thüre in das Zimmer trat, war die Dame

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So stehen wir nach dreitägiger Debatte genau auf den Stand­punkt, wo Belgien sich vor einem Jahre befand.

Nicht leicht ist es unter diesen Umständen, Vorauszusagen, wie sich die Revisionsangelegenheit gestalten wird. Unwahr­scheinlich ist jedensfalls, daß das Prinzip der Revision vor dem 1. Mai angenommen sein wird, wenn es überhaupt zur Annahme gelangt. (Wie telegraphisch gemeldet, hat sich die Kammer bis Dienstag vertagt, ohne einen Beschluß zu fassen. Red.) Gewiß ist, daß das schroffe Auftreten Jrere-Orbans gegen die Mitglieder seiner eigenen Partei, gegen die Fortschrittler, die er fast wie Revolutionäre behandelte, nicht dazu angethan ist, ver­söhnend auf die demokratische Partei zu wirken; und sicherlich wird dieses Auftreten einen nachhaltigen Einfluß haben, Mißbe- hagen hervorbringen, Verdächtigungen unter den vermeintlich vereinigten Liberalen Hervorrufen, jedenfalls auch Agitationen veranlassen, während es doch so dringend geboten wäre, alles Aufregende zu vermeiden. Hier bewährte sich wieder einmal das alte deutsche Sprichwort:Alter schützt vor Thorheit nicht!"

Zweck und dcrFehlerder Regierungsvorlage. Die Re­gierung verlangt von der sterbenden, verurtheillen Volksver­tretung, daß sie der neuen vorarbeite, ja bindend ein Reform- Programm vorschreibe. Daß aus diesem Wege kein günstiges Resultat zu erlangen sei, war vorauszusehen, und die drei ersten Sitzungen, welche das Haus der Erörterung dieser wichtigen An­gelegenheit totbmete, haben klar bewiesen, wie sehr das einge­schlagene Verfahren ein verfehlte" gewesen ist. In dieser De­batte mußten nothwendiger Weise -ie alten und veralteten Par-' feien mit der ganzen Engherzigkeit und Kurzsichtigkeit auftreten, die eben eine gründliche Umgestaltung der Wahlberechtigung als wünschenswer'th und dringend haben erscheinen lassen. Es sollte der G e i st der Volksvertretung verändert und erneuert werden durch das Eingreifen neuer Bevölkerungs-Klassen, die das be­deutendste Element des modernenLebens bilden, und diese Umge­staltung verlangte die Regierung gerade von der Volksvertretung, der man mit Recht den Vorwurf machen muß, daß sie das Auf­kommen jener neuen Klassen weder vorgesehen, noch verstanden hat und auch jetzt noch nicht recht begreift. Kein Wunder, wenn die Debatte bis jetzt zu Nichts geführt hat als eben dazu, die

gründliche Unfähigkeit der Kammer in dieser Frage blos zu stellen.

Kaum hatte Minister Beernaert die Regierungsvorlage auseinandergesetzt, da erhob sich der Führer der äußersten Rechten, Woeste, nm dieselbe zu bekämpfen, nicht aus Gründen, die der Sache selbst entnommen waten, sondern geradezu aus reinem Parteiintcresse. Für Woeste ist der einzige Maßstab der Beur- _ theilung der, daß der Erzbischof von Mecheln der wirkliche und alleinige Rathgeber der Krone bleiben muß. Deshalb verwirft er auch das von der Regierung vorgeschlagene Referendum des Königs. Mit einer Erweiterung der Wahlberechtigung wäre er schon einverstanden, allein mit dem Census will er nicht ganz brechen. Am liebsten wäre ihm die Herabsetzung der Wahlrechts- Steuer,Ziffer auf 15 oder 10 Franes. Das würde, dem Wähler- corps sämmtliche dem Pfarrer unterjochten Bauern zuführen. Um die ihm befreundete klerikale Regierung aber nicht kurzweg umzustürzen, läßt er sich das von Beernaert vorgeschlagene System der Okkupation gefallen, eine Nachahmung des englischen household suffrage. Davon will aber wieder Frerc- Orban nichts wissen. Der greife, seit dem 24. April 80 Jahre alte Staatsmann erhob sich in einer merkwürdig heftigen und markigen Rede nicht nur gegen das allgemeine Wahlrecht, welches ihm ein Greuel ist, da er das suffrage universal nicht anders begreifen kann als wie es das Napoleonische Kaiserreich hand­habte, sondern auch gegen das Okkupationswahlrecht. Er bleibt bei dem durch ihn 1883 für die Gemeindewahlen eingeführten System der Kapazität. Wähler soll darnach nur derjenige werden, welcher lesen und schreiben, sowie über einen gewissen Bildungsgrad Rechenschaft geben kann. Das wäre schon nicht so übel, wenn eben dieses System in der jetzigen Lage nicht ein ungenügendes Zugeständnis? wäre und den groben Fehler hätte, einen direkten Druck der Parteien auf die Wählerschaft zu er­möglichen. Noch weniger will Frere-Orban von einer Umge­staltung des Senates wissen; von dem königlichen Referendum, ' gegen welches er in der Kommission stimmte, fprach er kein Wort.

Auf die Einzelheiten der Revisionsdebatte, welche die belgische Sammer soeben begonnen hat, zurückzukommen, würde zu sehr weitgehenden Erörterungen führen, zumal trotz Allem, was in den Berathungen der Kommissionen über die Neugestaltung der Ver- kasiung gesagt wurde, die öffentliche Diskussion der Frage bis iekt eigentlich nichts Neues zu Tage brachte. Die Rede, mit wel- ätr der Ministerpräsident Beernaert die Debatte eröffnete, war weiter nichts als eine Befürwortung der verschiedenen An­träge der Regierung. Zunächst handelt es sich darum, das Cen- fu^Wahlsystem abzuschaffen; über diesen Punkt scheint Einstim­migkeit erzielt zu sein. Die Meinungsverschiedenheiten fangen erst da an, wo es sich darum handelt festzustellen, welche Wahl­art an die Stelle des Censussystems zu setzen ist.

Als die Frage der Revision vor zwei Jahren durch einen An- trng des fortschrittlichen Abgeordneten Janson aufgeworfen wurde, verlangte zunächst die Regierung und mit ihr die nam­haftesten Männer aller Parteien eine vorläufige Verständigung über die Art, wie dem veralteten Wahlsystem abgeholsen werden solle. Allein diese Verständigung ist nicht zu erlangen gewesen. - Sie wissen, wie seit zwei Jahren über die ganze Frage hin und ' her geredet und geschrieben worden ist. Schließlich zeigte es sich, daß die erwünschte und erhoffte Verständigung geradezu unmög- ä lich sei. Dieses negative Resultat aller Bemühungen müßte zu­nächst der Minister Beernaert eiugestehen, und er gab auch deshalb die zuerst gestellte Vorbedingung zur Revision gänzlich auf. Revidirt wird aber doch die Verfassung nicht werden, ohne daß das jctzigeParlament der später zu erwählenden koustituiren- deii Versammlung eine Vorschrift hinterläßt. Das ist eben der

S t o ck e r a u wird berichtet: Unter dem Verdachte der Thäter­schaft des an der Hausbesitzerin Marie Schuster in Wallersdorf verübten Raubmordes wurde heute Nachmittag der eigene Bruder d e r E r m o r d e t e n , der 48jährige angesehene und wohlhabende Hausbesitzer Karl Schuster, der Vater von fünf erwachsenen Kindern ist, gerade vom L e i ch e n z u g e der Ermordeten weg verhaftet.

* Hriest, 28. April. Die arbeitslose Dalmatiner Matrosen, welche sich gegen Mitternacht Aus­schreitungen zu Schulden kommen ließen, widersetzten sich thätlich einer einschreitenden Sicherheitswach - Patrouille. Zur eigenen Vertheidigung machten die S i ch e r h e i t s w a ch m ä n n e r von der blanken Waffe Gebrauch. Hierbei wurde einer der Matrosen nm Oberschenkel gefährlich verwundet; derselbe st a r b bald darauf. Ein zweiter Matrose wurde verhaftet. Die Sicherheitswachmänner wurden arg zugerichtet. Eine Gerichts - Kommission hat den That­bestand ausgenommen.

S. B. Aopenl-agen, 26. April. Das SegelschiffSel- k i r k" hat die Fahrt von Baltimore hierher in 21 Tagen zuriickgelegt. Das ist die schnellste Fahrt, die jemals von einem Segelschiff gemacht worden ist. Das Schiff hatte als Ladung 79,705 Centner Mais. Eine fo große Ladung ist hier noch nie mit einem Segelschiff eingetroffen, und aus Baltimore ist nie zuvor eine so große Eetreideladung mit einem Segelschiffe abgegangen.

Augenblick deine Ehre vergessen und den Name» jenes Weibes aussprcchen."

Welches Weibes?"

Eh, Mousienr, Sie sind erstaunt? Ist es nicht seltsam? Hören Sie mich an, ich werde Ihnen Alles sagen, was ich über Den Tod meines Freundes weiß."

Aber Sie wollen mir doch nicht etwa sagen, eine Dame habe ihn ermordet?"

Guinaud steckte die linke Hand in feine Westentasche und er­hob feierlich die Rechte.

Monsieur! Es gehen schreckliche Dinge vor in dieser Welt! Das Herz des Mannes ist nicht gut, aber das Herz des Weibes ah! Wer kann feine Tiefen ergründen? Sticht einmal unser Balsac, der tiessinnigste und"

Genug gepredigt! Reden Sie vernünftig weiter."

Monsieur Judas lächelte und ließ sein pathetisches Wesen fallen, erzählteaber doch seine kleine Geschichte in hochdramatischer Form.

Gut, ich werde offen sprechen, Monsieur. Die Sache war so: Am Abend, ehe mein theurer Freund nach Jarlchester ging, war er in diesem Zimmer und ich bei ihm. Wir sprechen, wir

Der Beginn der belgischen Revisionsdebatte. ff Brüssel, 28. April.

Gericht aberbilligte demAngeklagten mildernde Umstünde zuund ließ es bei einem Jahr Gefängniß bewenden. Die in dem . Prozeß vernommenen Zeugen waren meist Mörder, Räuber und Einbrecher, die unter starker Bedeckung aus dem Zuchthause dem Gericht vorgeführt wurden.

& Dresden, 28. April. Ein interessanter Beleidigungs» Prozeß, den 40 Mitglieder des Militärvereins zu S i e b e n l e h n gegen den Präsidenten A. Tanner vom sächsischen Militärvereinsbund anhängig gemacht hatten, gelangte kürzlich vor dem hiesigen Amtsgericht zur Entscheidung. Der erwähnte Militär­verein ist nämlich aus dem Bunde sächsischer Militärvereine schimpflich ausgestoßen" worden, weil er sich weigerte, einige angeblichen Sozialdemokraten, darunter den Vorsitzenden des deutsch-freisinnigen Vereins zu Siebenlehn, auszuschließen. In jenerschimpflichen Ausstoßung" erblickten 40 Mitglieder des Vereins eine Beleidigung. Der Gerichtshof erkannle auf kostenlose Freisprechung des Bundespräsidenten Tanner. Allerdings sei der Ausdruckschimpflich" beleidigeud, jedoch habe Tanner in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt.

C Aus Baden, 28. April. Die Strafsache gegen den früheren LandtagsabgevrdnetenGsell (Waldkirch-Emmendingen) wird nun, nachdem die ärztliche Beobachtung in der Jrrenklimk keine Bean­standung des Geisteszustands des Jnkulpaten ergeben hat, am 30. April in nicht-öffentlicher Sitzung der Strafkammer in Freiburg verhandelt werden.

Gerichtszeitung.

Köln, 27. April. Eine vollständige Corruption im Z u ch t h a u f e nannte in der gestrigen Strafkammer-Verhandlung der Rechtsanwalt das Treiben des Arresthausaufsehers D r e w k e, der seit langen Jahren in der hiesigen Strafanstalt angestellt, sein Amt dazu benutzte, den Zwischenträger zwischen verurtheilten Ver­brechern und deren Angehörigen zn spielen und für jene Eßwaaren und Tabak einzuschmuggeln, wofür er von je 10 Mark 3 Mark, von je 5 Mark 2 Mark in feine Tasche steckte, wenn er die Betrüge nicht ganz unterschlug. Tie Gefangenen, mit denen der pflichtver­gessene Beamte solche Geschäfte machte, wurden von ihm in auf­fälliger Weise bevorzugt, die ihm nichts einbrachten, behandelte er schlechter. Der Staatsanwalt beantragte 4 Jahre Zuchthaus, das

Vermischter.

# Mainz, 30. April. Der städtische Finanzausschuß hat soeben Bericht über den Haushalts-Voranschlag 1892/93 er­stattet und darin u. A. empfohlen, die Ausgabe zur Restauration des vormaligen Karmeliterklo st ers bis zur Bestimmung über dessen künftigeVerwendung zu streichen; ebenso-//-10,000 durch Reduktion der allzu ausgiebigen Straßenbeleuchtung in den breiten Straßen der Neustadt. Die Aufnahme eines Ein- guartierungskatasters soll nur in viel beschränkterem Maße ausgeführt werden, als dies von dem neuen statistischen Bureau der Stadt beantragt wurde. Die Regierung soll dringend darum angegangen werden, für die Unter bring ung v erw a hr- losterKinder auf Grund des Gesetzes vom 11.Juni 1887 eine Staatsan st alt in Rheinhessen zu errichten, da die bestehenden zwei Privatanstalten nicht geeignet erscheinen. Der Umlage- Koefficient soll auf 30 Pfg. für die Mark Steuerkapilal (seither 25,8 Pfg.) erhöht werden.

P -Ludwigshafen a. Ah., 29. April. Die von der Pfälzisch« Handels- und Gewerbekammer wiederholt beantragte Verbesserung der S ch n e l lzugv erb i n d un g d er Pfa lz m i t d em rechts­rheinischen Bayern durch Einlegung zweier neuer Züge ist für den diesjährigen Sommerfahrplan abermals abgelehnt worden.

b Aus Hirol, 27. April. Es gibt noch alte Seute hierzu­lande. In ben letzten Tagen sind zwei Greisinnen gestorben, deren jede über hundert Jahre alt war: in Heinzenberg im Zillerthal Anna Lackner, welche ein Alter von 103 Jahren erreicht und sich hierbei noch einer seltenenlküstigkeit erfreute, und im Stadtspital in Trient die Wittwe Mathilde Ravagni, welche 104 Jahre alt wurde. Vorgestern Abend fuhren 2 Offiziere aus Riva von Tvrbole mit einem Diener in einer Barke über den Gardasee heim. Der See war stürmisch und alles rieth ihnen von der Fahrt ab. Ungefähr 100 Nieter vom Ufer kippte das Fahrzeug um und alle drei lagen im Wasser. Zwei Torbolauer fuhren sofort in einer Barke zur Rettung hinaus. Finanzwachleute in einer zweiten. Es glücke ihnen auch, die beiden Offiziere zu retten; der Bursche dagegen, ein Brixner Brauerssohn, ertrank und konnte bisher nicht gefunden werden.

* Wien, 28. April. Aus Karlsbad wird gemeldet: Der Reichskanzler Graf Caprivi hat Dienstag seine Kur begonnen. Dienstag Morgen trank Herr v. Caprivi bereits seinen Markt- brunnen und ließ dann auf deralten Wiese" in der Lösse'schen Waagehalle sein Körpergewicht sestsiellen. Dasselbe betrug 98,2 Kilogramm. Fürst Bismarck war bekanntlich noch schwerer, aber

Deutsches Reich.

s Ans Württemberg, 29. April. Ihr Korrespondent berichtete in No. 114 (1. Morgenblatt) nach dem ultramontanen Deutschen Volksbl.", daß die Regierung an der Schule zu Dietingen Lehrschwestern zugelassen habe. Als eine Konzession an die Katholiken wird diese Zulassung jedenfalls aufzufasseu sein, wenn auch, wie jetzt dasD. V." mittheilt, der Fall der Zulassung seit 1875 schon einige Male vorgekommeu ist. Jene Korrespondenz hat nun der BerlinerGermania" anscheinend willkommene Gelegenheit gegeben, ihrem Zorn über dieFrankfurter Ztg." Lust zu machen. Sie druckt die Korre- fpondenz ab und sagt dann:

Also neben der H e tz e gegen die Ordensschwestern eine Denunziation der Regierung bei der liberalen resp, protestan­tischen Bevölkerung des Landes und eine Aufreizung der letzte­ren zum Fanatismus gegenüber den Katholiken ! Das nimmt sich jaPrächtig" aus in einem Blatte, das für unumschränkte bürgerliche und Gewissensfreiheit zu kämpfen vorgibt! Uns aller­dings wundert es nicht, daß auch in diesem Falle dieFrkf. Ztg." wieder einmal ihr wahres Antlitz zeigt, das sie ja auch in der Frage der Zulassung von Münnerorden in Württemberg, aller Logik und Konsequenz zum Hohn, wiederholt in so abschreckender Gestalt ent­hüllt hat."

In dieser Tonart geht es weiter. Was hat nun in der Korrespondenz gestanden? Lediglich, daß die Gewährung der Männerklöster vielleicht eine weniger bedenkliche Konzession an die Kirche gewesen wäre, als die Zulassung der Lehrschwestern. Trotz derGermania" erlauben wir uns der Meinung zu sein, daß ble Schule von staatlich gebildeten Lehrkräften geleitet tverden soll und können in der Zulassung von Ordensschwestern zu Lehr­stellen keinerlei erfreuliches Zeichen erblicken. Der Vorwurf aber, dieFranks. Ztg." wolle gegen die Ordensschwestern hetzen, die Regierung bei den Protestanten deuunziren und letztere gegen die Katholiken aufreizen, ist beinahe zu einfältig, um perfid zu sein. Er wird natürlich auch nur erhoben, weil man darauf baut, daß der Leserkreis derGerm." die Verdrehungen und unlauter» Jllterpretationen, die sich das Blatt erlaubt, nicht wahrnehme.

S Zittau, 28 April. Die hiesige Händels - und Ge­werbe k a m m e r hat in ihrer letzten Sitzung den Beschluß ge­faßt, bei der sächsischen Regierung die gänzliche Aushebung, nicht etwa gegebenen Falls auch die Herabsetzung, der sächsischen S ch l a ch t st euer zu b-sürworten. Begründet wird dieser Antrag nicht allein durch Hinweis auf die mißliche Lage der F l e i s ch e r in den Grenzbezirken, sondern vornehmlich unter Bezugnahme auf die Nothwendigkeit der Beschaffung billigerer Lebensmittel. Mit Recht wird seitens der Kammer hervorgehoben, daß die Schlacht­steuer veraltet sei und daß dieselbe als Staatssteuer nur noch ver­einzelt in Deutschland vorkomme. Im Jahre 1890 hat die sächsische Schlachtsteuer einen Ertrag von 4,462,762 .X. ergeben, der sich aber in der Folge um etwa 700,000 X. vermindern dürste, weil in­zwischen vom Landtage eine Herabsetznng der Schlachtsteuer für Schweine von 3 auf 2 JL beschlossen worden ist. Die übrigen säch­sischen Handelskammern sollen ersucht werden, dem erwähnten An­träge beizutreten.

Oesterreich-Nngarn.

*838ien, 29. April. Minister-Präsident Graf Taaffe hat als Leiter des Ministerin ms des Innern dem Reichsrathe den Bericht überdie Gebahrung der nach dem Kranken- versicherungsgefetzeeingerichteten Krankenkassen imJahre 1890" vorgelegt. Nach demselben waren im Berichtsjahre 2740 Kassen mit 1,548,826 Mitgliedern in Thätigkeit. Die Leistungen der Kassen für ihre Mitglieder erreichten den Betrag von 10,096,740 fl., das ist 87,9 Percent der Kassenbeiträge per 11,489,862 st. Die Reservefonds stiegen von 4,028,789 ft. auf 5,047,805 fl., das ist um 8.87 Perccnt der Kasseubeiträge. Es erkrankten im Jahre 1890 603,245 Personen in 770,903 Fällen mit 11,719,438 Kranlhuts- tagen, und es starben 15,925 Personen. Die Kosten eines Krank- heitstages stellten sich im Durchschnitte aller Kaffenkategorien auf

0'79 fl., wovon 0'15 fl. auf ärztliche Hilfe und 0'11 fl. auf Medi­kamente entfallen. Die Mortalitätsverhältnifse waren wegen der in den ersten Monaten des Berichtsjahres noch herrschenden Influ­enza-Epidemie ziemlich ungünstige. Von den Leistungen der Kaffen für ihre Mitglieder per 10,096,740 fl. entfallen auf Krankengeld 6,144,113fl., ärztlicheHilfe 1,800,023 fl., Medikamente 1,374,528 fl., Spitalverpflegung 444,322 fl., Beerdigungskosten 333,754 fl.

* Budapest, 29. April.Budapesti Hirlap" bringt eine Enthüllung, indem er erzählt, der H o n v e d m i n i st e r hatte einen geheimen Reservatbefehl an alle ihm unterstehenden Kriegskommandanten in Ungarn gerichtet, in welchem denselben der Wunsch nahegelegt worden sei, daß jedes Kriegs­kommando durch eine Deputation bei der Radetzky-Feier vertreten sei. Da sich nur wenige freiwillig meldeten, mußten die Uebrigen zur Theilnahme an der Euthüllungsfeier kommandirt werden. Da aber nur die subalternen Offiziere die Kosten vergütet bekamen, hätten sich die Generale und Stabsoffiziere geweigert, auf eigene Kosten nach Wien zu reifen und Reisevorschüsse verlangt, welche ihnen aber verweigert worden feien. Diese angeblicheEnthüllung" dürste nunmehr zum Gegenstände einer Interpellation im Abgeord- netmhause gemacht werden.

Luxemburg.

E Luxemburg, 27. April. Zu Anfang der diesjährige» Kammersession war vom früheren Staatsminister von B l o - chausen ein die Ermäßigung des Wahlcensus von 30 auf 10 Franken bezweckendes Gesetzesprojekt eingebracht worden. Nach dem ^amm erregtem ent muß jede aus parlamen­tarischer Initiative hervorgegangcne Vorlage, nachdem deren Lesung von der Kammer in den Sektionen gutgeheißen worben, vor jeder weiteren Berathung dem S t a a t s r a t h zur Begut­achtung unterbreitet tverden. Dieses Gutachten liegt jetzt vor unb Nichts hindert bie Kammer, die Angelegenheit noch in der laufen­den Session zu erledigen. Im nächste» Jahr findet die Eriieuer- ung der Kammer znr Hülste statt und wenn man ernstlich an die Herabsetzung des Census gehen will, muß es jedensalls »och in dieser Session geschehen, sollen die neuen Wahllisten für das nächste Jahr fertig sein. Der Staatsrath stellt in seinem Gut­achten fest, daß seit 1860 von keiner Seite die Ermäßigung des Census begehrt worden sei, weder gelegentlich der Verfassungs­revision von 1868, noch bei der Berathung des Wahlgesetzes im Jahre 1884; daß der Vorschlag des Herrn von Blochausen auch heute die Bevölkerung absolut gleichgiltig gelassen habe; daß nur in der Stadt Luxemburg der Anfang einer Agitation zu Gunsten des allgemeinen Stiminrechts sich bemerkbar gemacht habe, daß man mithin geneigt sein könne, ben status quo beizubehalten. Nichtsdestoweniger hält der Staatsrath es für vorsichtig, an eine Reduktion des Wahlceusus, die sich augenblicklich ohne Gefahr vornehmen lasse, herauzutrete», und so in den Tagen der Ruhe eine Frage zu erledigen, die in unruhigen Zeiten einen aufregen­den Charakter annehmen könnte. Der Staatsrath geht jedoch nicht soweit wie Herr von Blochausen, sondern schlägt als Ueber- gang eine Ermäßigung des Census auf 20 Frs. vor. Es werbe nicht nöthig, durch diese Reduktion an der Verfassung etwas zu ändern, die für den Census ein Maximum von 30 Frs. und ein Minimum von 10 Frs. vorsieht. Diese Neuerung könne ohne Erschütterung eingeführt werden; man brauche nicht einmal zu der Auflösung der Kammer z» schreiten. Durch diese Maßregel würde die Zahl der. Wähler von 6600 auf 10,900 oder ein Wühler auf 18 Einwohner gebracht, während heute ein Kammer- wühler auf 30 Einwohner kommt. Durch die Reduktion aus 10 Frs. würde die Zahl der Stimmberechtigten auf 18,245 an­wachsen, während sie bei der Einführung des allgemeinen Stimm­rechts 54,725 betragen würde. Ter Staatsrath empfiehlt, mit Vorsicht z» handeln; man dürfe nicht vergessen, daß bei uns nicht wie in anderen Ländern der Deputirtenkammer durch einen Senat oder Erste Kammer das Gleichgewicht gehalten werde. Das müsse bei der Zusammensetzung einer einzigen parlamen­tarischen Körperschaft berücksichtigt werden. Die Negierung hat in der Frage noch nicht Stellung genommen und es ist auch »och nicht z» ersehen, welche Ansicht in der Kammer durchbringen wird. Ob die Regierung diesmal wieder wie sie es in der letzten Zeit verschiedentlich gethan hat abwarten wird, bis sie weif;, woher der Wind bläst ?

lachen, wir meinen zum Abschied. Plötzlich wird an das Fenster dort geklopft, welches sich wie eine Thür auf den schönen Rasen öffnet. Wir sehen uns um und ich sehe die Kleidung, die Gestalt einer Dame, aber nicht ihr Gesicht. Mein Freund Sebastian jagt:Geh, mein Freund, ich habe mit einem reizen­den Engel zu sprechen, du bist ein Ehrenmann und wirst unser Rendezvous nicht stören." Was sollte ich machen? Ich ging und mein Freund Sebastian schloß die Thür. Das verdroß mich.Er traut mir nicht," dachte ich.Sehr gut. Du glaubst, ich feigem Spion? Gut, dann sei es so, ich werde horchen!" Bedenken Sie selbst, Monsieur, wie schnöbe ich beurtheilt worden bin. Jin Zorn trat ich von außen an dieses Fenster. Es stand ein wenig offen und ich hörte Alles Alles. Sebastian sprach mit der Dame. Sie sprachen mit heftigen Geberden und zornigen Worten. O, es war schrecklich! Sie fragte ihn etwas unb er antwortete:Ja, es ist für Dich." Daun verlaßt er jenes Zimmer durch diese Thür. Sie bleibt allein zurück dieses reizende Wesen. Sie tritt an den Tisch hier, auf welchem die Pillenschachtel meines Freun­des liegt, sie öffnet die Pillenschachtel und ich sehe mit eigenen Augen, wie sie etwas hineinlegt, ich weiß nicht was. Dann

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Gr. Eschenheimerstr. Ä

Ich werde Sie nicht wegen Mords verhafte», sondern weil Sie diese Briefe gestohlen haben."

Judas fuhr zusanmicn. Er kannte das englische Gesetz nicht. Obgleich er wußte, daß Fanks es nicht wage» würbe, ihn auf Grunb der vorliegenden Anzeichen unter der Beschuldigung des Mords zu verhaften, fühlte er sich doch keineswegs sicher in Be­zug auf die Angelegenheit mit den Briesen. Er dachte einen Augenblick nach.

Sie wollen mich verhaften wegen Diebstahls einer Sache, von der Sie gar nicht wissen, daß ich sie gesehen habe."

__Was ich weiß, oder nicht weiß, ist gleichgültig. Ich werde Sie verhaften, sobald ich einen Verhastsbesehl erlangen kann. Wenn Sie einmal in den Klauen des englischen Gesetzes sich be­finden, werden Sie nicht mehr herauskommen, bis Sie Alles ge­sagt haben, was Sie über diesen Fall wissen."

Das war nur ein Schreckschuß von Seiten Fanks, welcher sich auf die Unwissenheit des Franzosen über das englische Gesetz verließ, um das Spiel zu gewinnen. Aber er halte Erfolg, da Guinaud nicht wußte, wie weit der Arm der Gerechtigkeit in England reicht und glaubte, er könne wegen des Diebstahls der Briefe verhaftet werden. Das wäre für seine Pläne verhängniß- voll gewesen, da er die Oeffentlichkeit in jeder Beziehung zu ver­meiden wünschte und eine Verhaftung jetzt sein sorgfältig ge­bautes Kartenhaus zerstören mußte.

Nachdem er seine Lage rasch überschaut hatte, beschloß er, sich durch Aufopferung einer anderen Person zu retten unb erwählte Jubith als Opfer, welche versucht hatte, feine Pläne zu durch­kreuzen. In dieser Absicht forderte er Fanks höflich auf, nochmals Platz zu nehmen. Fanks folgte dieser Einladung mit dem Gefiihl großer Erleichterung, da er in einem verzweifelten Spiel seine letzte Karte ausgespielt hatte und froh war, daß sie sich als Trumpf erwiesen hatte.

Der Detektiv nahm also nochmals Platz. Aber Judas, der eine schöne Gelegenheit zur Entfaltung seines Rednertalents vor- aussah, blieb stehen und begleitete seine Reden mit theatralischen Bewegungen in erhabenem Stil.

Monsieur," sagte er in anscheinender Betrübniß ,Sie sehen vor sich einen Manu von Ehre. Es ist alles, was ich be­sitze, die Ehre meiner Vorfahren und ich möchte sie nicht für den Reichthum von Monte - Christo verkaufen. Aber dieses ist ein Crinnnalfall. Wenn ich schweige, so fällt der Verdacht eines schrecklichen Verbrechens auf mich und mein Name liegt im Staube. Kaun ich ihn dort liegen lassen? Nein, nein, das ist unmöglich! Deshalb sagte ich mir selbst, Du mußt für einen

fort, auch Sebastian war fort, unb das Fenster war zugemachk, aber nicht verschlossen. Ich öffnete es und schaute hinaus und auf dem Rasen vor demselben erblickte ich ein Taschentuch. Dieses ist jetzt in meinem Besitz, und gezeichnet mit dem Namen der Dame, welche die Pillen in die Schachtel legte, der Dame, welche meinen Freund gelobtet hat."

Unb dieser Name ihr Name?" rief Fanks, indem er im Zustand der höchstenErregnng anfsprang.Sagen Sie mir ihren Namen."

Rasch wie ein Gedanke zog Guinaud ein weißes Taschentuch ans feiner Brusttafche unb warf es Fanks zu. .Der Detektiv er­griff es unb laß den Namen in einer Ecke:

Judith."

*

-» »

Auszug aus dem Notizbuch des Detektivs.

Ich habe Judas gesprochen und er hat ein seltsames Geständ­nis; gemacht. Er hat wirklich die Person^gesehen, welche das Ver­brechen beging unb die Pillen in die schachtel legte.... Ich war kaum mehr erstaunt über den Namen . .. Ich hatte Miß Barlins für schuldig gehalten, aber kaum geglaubt, daß mein Verdacht so bald bestätigt werden sollte.... Armer Roger! Es wird ein schrecklicher Schlag für ihn fein, zu erfahren, daß das Wesen, das et liebt, eines so grausigen Verbrechens schuldig ist! .. . . Ich glaube nicht, daß sie Roger jemals geliebt hat. Ihre Leidenschaft war nur auf Melstane gerichtet.... Er muß ein wunderbar bezaubernder Strolch gewesen sein .... Ich weiß nicht, warum ich Judith Barlins bemitleiden sollte. . . . Sie hat schändlich an Roger gehandelt.... Unb auch nicht minder an Florry Morson, denn sie behauptete, den Einen zu lieben und töbtete den Liebhaber der Anveren .... Ihr Taschentuch hat sie verrathen. Sie muß eine schlaue Person sein, wenn sie sich her- answinben will .... Das Taschentuch und die Aussage von Judas sind überwältigende Beweise.

Notiz: An Marson zu schreiben und eine Unterredung zu erbitten.

Ich werde Judas und Roger mit mir nehmen, wenn ich sie des Verbrechens übersühren werde.... Es wird ein entsetzlicher Schmerz < für den armen Jungen sein, aber es ist immer noch besser, als daß er eine Mörderin heirathet.... Das war also der Grund, warum sie sich weigerte, mich die Briese sehen zu lassen.... Es mußten einige von ihr dabei sein, welche ihre siindhaste Leidenschaft verrathen konnte». Sie hat ein doppeltes Spiel gespielt. Aber jetzt endlich ist ihre Stunde gekommen .... Sie muß ein Weib mit eisernen Nerven sein .... Ihre Cousine.

k JeuMeton.

! Mtonsteuv Juhas.

Roman von Fergus Hume.

(etutorifiilc Urbersetzung aus dem Englischen.)

(Fortsetzung.) 17

Fanks erröthcte zornig. Er wußte, daß er sich schon zwei oder drei Mal während dieses Falls arg getäuscht hatte, und es war keinesfalls angenehm, von einem hohnlächelnden Gegner dafür verhöhnt zn werden.

.©ie_ haben mich auf den Glauben gebracht, daß Axton schuldig sei," sagte Fanks etwas kleinlaut.

Ich? O, darin irren Sie sich. Ich habe nur gesagt, was ich Wte. Es ist nicht meine Schuld, wenn die Anzeichen auf Mon- mur Roger deuteten."

.M "®^en ich Sie verhafte» kann unter dem Verdacht

Wirklich? Dann thun Sie es doch, ich bin bereit."

|.. Fanks biß in ohnmächtiger Wuth auf die Lippen, da er sich Mem Menschen gegenüber ganz ohnmächtig fühlte. Er konnte chu »ichs verhaften, weil er keine genügenden Beweise dafür hatte, - tu ch" nicht nöthigen, zu sprechen, da er keine Mittel hatte, dchorsam von ihm zu erzwingen. Er war Judas gegenüber in Mr Beziehung ohnmächtig. Judas sah dies und lächelte spöttisch.

Kann ich dem Herrn noch ettvas sagen?"

| ^3um Teufel, Herr, Sie haben mir ja noch gar nichts ge» Eh, eben darum, weil ich nichts weiß."

M», .»Das ist falsch, Guinaud! Ich glaube, Sie kennen das ganze «eheimniß dieses Falls."

Monsieur erweist mir zu viel Ehre."

Es war sehr ärgerlich für Fanks. Er sah die Nutzlosigkeit t Aperer Worte ein und wollte eben gehen, als ihm plötzlich noch | p1 Gedanke in den Kops kam.

; .Jedenfalls, Monsieur Guinaud," sagte er gemächlich,wer- . N Sie vor einem Richter weniger zuversichtlich sein, so kalt - | Wütig Sie auch jetzt sein mögen."

,Ah, Sie wolle» mich verhaften wegen Mord? Es ist gut, Herr, wenn es Ihnen Vergnügen macht, ich warte nur - j^QUJ- Pah, ich bin fein Kind, das man mit dergleichen schrecken