Schsnnd-ttiMer Jahrgang
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IravKfurlerAeilvng
und Handelsblatt.
(Neue Traakfurter Zeitung.)
(Frankfurter Nandeleaeitung.)
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Politische Uebersicht.
ist nicht schwer zu begreifen, daß man in dem nativnal- Meralen Lager Badens gegenwärtig auf die demokratisch- twifintW Gruppe der Kammer ganz besonders schlecht zu Drechen ist. An Gründen hiefür, die theils bei den National- Weralen selbst, theils auf der anderen Seite liegen, fehlt es «irklich nicht. Während die Altersschwäche der nationallibe- ralcn Partei, besonders gewisser Führer derselben, fast mit stdem Tage drastischer zu Tage tritt, erringt sich das demo- datisch'freisinnige Häuflein eine immer bedeutsamere Stell- Wg in der Kanimer, Angesichts deren auch der optimistischste 'Nationalliberale sich kaum der Befürchtung wird entschlagen daß bei den nächsten Kammerwahlen der national- iliberalen Partei ein noch schlimmeres Schicksal bevorstehe, iols ihr im Herbst vorigen Jahres zu Theil geworden ist. Kn der That können die Erfolge der jugendfrisch-kräftig auf- iftetenden demokratisch-freisinnigen Gruppe von Niemanden, 'der sehen will, verkannt werden; der drastischste, wenn auch 'vielleicht nicht der werthvollste, ist der, daß sich wohl oder Wel sogar die Nationalliberalen für die Einführung des sdirekten Wahlsystems bei den Landtagswahlen aussprechen Wußten. Einen mehr materiellen Erfolg, der allerdings erst sm der nächsten Landtagssession liquidirt werden wird, beideutet die Behandlung der demokratisch-freisinnigen Anträge '^etr. das Beamtengesetz, die Gehaltsordnung und den Ge- altstarif sowohl seitens der Kammer, wie seitens der Re- jerung. Der demokratisch - freisinnige Antrag bezweckt im wesentlichen eine Abänderung deL Beamtengesetzes von 1888 t der Richtung der Neuordnung bczw. besseren Regelung :r Beamtengehälter und bedeutet daher alles Andere eher, Is eine Anerkennung für die Väter dieses Gesetzes, die Na- onalliberalen und, zum Theil wenigstens, die Regierung. )ie M.ßstiinmnng über den gegenwärtigen Zustand ist indeß „,i den in Frage kommenden Kreisen so allgemein und tief- lgehend, daß auch der Nationalliberalismus nicht umhin kann, 'kinzugestehen, daß im Jahre 1888 „Fehler gemacht" worden lstnd und sich ebenso wie die Regierung mit citier Revision des Beamtengesetzes im nächsten Landtag einverstanden erklärt hat. Daß dies ein unzweifelhafter Erfolg der demo- ikratisch-freisinnigen Fraktion ist, geht zunächst aus der Thatsache hervor , daß die Antragsteller selbst sich mit dem Anträge der Kommission, „das in dem Muscr- lschen Initiativantrag und in dessen Begründung sowie 'in den Petitionen niedergeleate Material der Großh. Re- .giernng behnfs Bearbeitung und Verwerthung bei der be- 'vorstehenden allgemeinen Neuordnung der Beamtengehälter zur Kenntnißnahme zu überweisen", einverstanden erklärt haben. Ein noch untrüglicherer Beweis aber für die Richtigkeit und den Erfolg des Vorgehens der Demokratisch-Freisin- : lügen sind die thörichten Anzapfungen, denen dieselben wegen /ihrer Anträge von Seiten der nationalliberalen Presie ausgesetzt sind. Sic sollen dadurch dieSession in gänzlich überflüssiger Weise verlängert haben — diesen Verwarf macht den demokratisch-freisinnigen Kammermitgliedern die Presse derjenigen Partei, deren Führer durch ihre provokantes Auftreten, durch ihre fortwährenden kulturkämpferischen Ergüsse die überflüssigsten Debatten hervorgerufen und dadurch in der That eine, aus verschiedenen Gründen zu beklagende Verschleppung der Geschäftserledigung herbeigeführt haben. Tie nationalliberale Presse muß dem Ende ihres Lateins schon sehr nahe gekommen sein, daß sie gegen die ihr so unbequeme demokratisch-freisinnigcFraktion einen solchenTrumpf auszuspielen sucht, den am allerwenigsten die Beamten gelten -lassen werden, welchen durch das energische Vorgehen der Demokratisch-Freisimugen eine Besserung ihrer Verhältnisse lin nahe Aussicht gestellt ist. Womöglich noch weniger Glück wird die nationalliberalc Preffe mit ihren Angriffen und Verdächtigungen gegen die Temokratisch-Freisinigen wegen ihrer Stellungnahme zu Gunsten des Ordensantrages des Zentrums haben, trotzdem der Nationalliberalismus auch in diesem Falle wieder in der glücklichen Lage ist, Succurs von einem schweizerisch-republikanischen Blatte zu erhalten, welches dem badischen Nationalliberalismus in seinem Kampfe gegen den entschiedenen Liberalismus eifrige, aber unwirksam ge- bliebene Dienste geleistet hat. Daß die Zulassung der Orden
eine Gefahr für den Staat bedeute, das lassen sich, to*.e letzten Wahlen gezeigt haben, die Wähler selbst buJ-$ “ie hitzigsten Kulturpaukereien des Herrn Kiefer nicht me9r em= reden, und daß die Nichtzulaffung der Orden einen schädlichen Ausnahmegesetz-Zustand bedeute, das laffen sie sich durch die spitzfindigsten Rechtsdeduktionen des Herrn Lamay nicht mehr ausreden und auch die entgegenstehende Ansicht der „gut demokratischen" „Basler Nachr.", die bei der nationalliberalen Presse Badens hier und da zu so bedenklichen Ehren gelangen, dürfte die Badischen Wähler kaum von diesem Standpunkte abbringen. Vollends nicht das Ammenmärchen von der „Verbrüderung" u. dgl. der Demokratisch-Freisinnigen mit dem Centrum, das natürlich auch bei dieser Gelegenheit wieder in allen Tonarten variirt wird. Die badischen Wähler sind eben keine Kinder mehr.
Die Deputation der ungarischen und siebenbür- gischen Rumänen, welche gegenwärtig in Wien weilt, scheint in ganz hervorragendem Maße an jener „Welt unkundc" zu leiden, von welcher wir bereits gestern an dieser Stelle gesprochen haben. Die Deputation hat in Wien mit den österreichischen und den deutschen Antisemiten förmlich fraternisirt. Sie hielt Montag in einem Wiener Gasthause eine Versammlung ab, bei welcher die Wiener Antisemiten die Honneurs machten, den Vorsitz innehatten, das große Wort führten und die Berliner Antisemiten durch „Drahtgrüße" vertreten waren. Die Rumänen kämpfen gegen die Magyaren, und diese sind den Antisemiten verhaßt, weil gerade bei den Magyaren der offene Antisemitismus so rasch abgewirthschaftet hat und der heimliche Antisemitismus, ganz anders als in anderen Ländern, in die Beamtenschaft und die Regierungsbureaux überhaupt keinen Eingang gefunden hat. Die Wiener und Berliner Antisemiten benützen die Anwesenheit der rumänischen Nationalisten in Wien, um wieder einmal weidlich gegen die Ungarn losziehen zu können. Daß sie sich in Wien an die Rumänen hängen, ist also agitatorisch begreiflich. Aber welcher Weg führt die Rumänen in das antisemitische Lager? Die Juden sinds doch nicht, welche das ungarische Nationalitätengesetz geschaffen und es durchführen, die hebräische Sprache ist es nicht, welche die rumänische verdrängt. Nur der Unsinn vermochte den Rumänen den Weg in das antisemitische Lager zu bahnen. Der Vicepräsident der Deputation, ein gewiffcr Herr Brote, hat dabei seinen Landsleuten den Weg gewiesen, indem er in der Montagsversammlung sagte: „Wir sind gekommenem beim Kaiser um Schutz vor Denen zu bitten, die uns unsere Muttersprache rauben wollen: wir bitten um Schutz vor jener ungarisch-jüdischen Raffe, die uns unterdrückt." Die Erfindung einer „ungarisch-jüdischen Raffe" kann nur dazu beitragen, die „Wissenschaftlichkeit" der Raffentheorie zu erhöhen. Wir halten die rein-nationalen Beschwerden der Rumänen für beachtenswerth. Wir sind auch der Meinung, daß es unrecht war vom österreichischen Hofe, der Deputation die Audienz beim Kaiser zu verweigern, weil sie kein staatsrechtliches „Mandat" hatte, ihr Volk zu vertreten. Aber ein Mandat müssen die politischen Wortführer eines Volkes haben, wenn sie wirken wollen: das Mandat des Intellekts, des gesunden Menschenverstands. Das scheint den Führern der Rumänen-Deputation zu fehlen, und deswegen ist ihre Mission zu einer antisemitischen Farce herabgesunken.
Trotz aller Ableugnungen scheint es richtig zu sein, daß der Sultan Abdul Hamid in Folge verschiedener Vorgänge in der T ü r k e i Anlaß zu Auftegimgen gehabt hat. Man hat die Verbreitung der falschen Nachrichten über die Erkrankung des Sultans auf russische Intriguen zurückgeführt, und wohl nicht mit Unrecht, allein es hat doch den Anschein, als ob der Unmuth des Sultans mehr durch die Thätigkeit einiger Türken als russischer Jntriguanten veranlaßt worden ist. Die Absetzung des Redakteurs des tiirkischen Amtsblattes ist noch immer nicht ganz aufgeklärt, und neuerdings sind auch wieder Gerüchte über eine lebhaftere Thätigkeit der türkischen Reformpartei verbreitet. So wird der „Daily News" gemeldet, daß diese Partei eine große Anzahl Abdrücke der Verfassung von 1876 habe verbreiten lassen, deren sofortige Beschlagnahme und Vernichtung der Sultan anbefohlen, was wiederum eine große Erregung hervorgerufen habe; insbesondere in den Kreisen der Ulemas mache sich
eine Bewegung zu Gunsten Rcschad Effendi's bemerkbar. Der frühere Großvezier Kiamil Pascha werde durch Palast- Spione genau beobachtet, er erhalte auch nicht mehr Zahlungen aus der Staatskaffe, und ein Versuch desselben, Konstantinopel zu verlaffen und nach Westeuropa zu reisen, sei in Folge Einmischung der Polizei mißglückt. Die türkischen Stadtviertel von Konstantinopel stünden unter scharfer polizeilicher Aufficht und die Spionage habe eine solche Ausdehnung angenommen, daß einzelne Türken sich scheuten, ihre Nachbarn zu besuchen, weil sie fürchteten, daß sie als Verschwörer angezeigt werden könnten. Das sind wohl Uebertreibungen. -Von russischer Seite wird jede Verantwortung für die Verbreitung der Nachrichten, welche den Sultan so aufgeregt haben, abgelehnt und es herrscht dort das Bestreben vor, den Türken selbst die ganze Schuld aufzuladen. Richtig scheint allerdings zu sein, daß die Palast-Clique, welche durch Vorspiegelung von Verschwörungen Einfluß auf den Sultan zu gewinnen sucht, in der letzten Zeit außerordentlich thätig gewesen ist.
Teutsches Reich.
* Berlin, 31. Mai. Ahlwardt betreibt sein Ver- läumdergewerbe mit den „Judenflinten" augenblicklich unter gehörigem Zulauf — 30 Pf. Eintrittsgeld — in Sachsen. Wie sein Größenwahn und damit seine Frechheit gestiegen ist, ersehen wir aus einem Bericht des „Zwickauer Tageblatts" über einen Ahlwardtschen Vortrag. Das nationalliberäle Blatt erklärt „als unparteiischer Chronist" über die Rede „streng wahrheitsgemäß berichten zu wollen, unter Weglaffung einiger häßlicher Ausdrücke". In Bezug auf letztere ist das „Zwickauer Tageblatt" nicht allzu wählerisch versah, en. Denn es berichtet beispielsweise folgende Stelle aus Ahlwardts Rede: „Gegen Locwe undKühne sind Schind erhannes und Rinaldini wahre Waisenknaben." Ferner bramarbasirte der „Rektor": „Gestern und vorgestern haben Kühne und Loewe das Thatsächliche in meinen Broschüren zugestauden. Nur wollen sie damit nicht zu Vaterlandsverräthern geworden sein, wie ich sie nenne. Ich werde aber eine Anklage anstrengen, daß die Beiden wider besseres Wiffen die Beschlagnahme meiner Broschüre herbeigeführt haben." Als neueste Lüge fügte Ahlwardt hinzu: Von großer Wichtigkeit ist, daß gestern endlich in Berlin die Loeweschen Bücher mit Beschlag belegt worden sind. In seiner Lügenphantasie versteigt sich jetzt Ahlwardt soweit, daß er berichtet, die „Alliance israelite" habe den Untergang Kaiser Wilhelms 1. beschlossen gehabt und unter Theilnahme des Abg. Loewe in Berlin das Attentat von Nobiling angestiftct. Ahlwardt schilderte dann im Einzelnen, wie die Juden hätten den alten Kaiser Wilhelm umbringen wollen, und brgmarbasirte dann: „M i r thut KeinerElwas". Während Ahlwardt wegen frecher Verleumdung des Berliner Magistrats verurtheilt worden ist, erzählte er in Zwickau: „Ich bewies meine Behauptungen, aber man sagte: die Form ist beleidigend und verurtheilte mich. Nun glaubte die Judenschast mich tot gemacht zu haben und wollte mir mein Amt nehmen. Es ist ihr das aber nicht gelungen. I ch werdemeinAmtmirauchnichtnehmenlassen, sondern cs behalten. Der Magistrat muß sehen, wie er mit mir fertig wird."
* Cassel, 30. Mai. Der Deutsche Tabak-Verein versendet folgende Mitcheilung: Der aus dem „Verein deutscher Tabak-Fabrikanten und Händler" und der „Vereinigung deutscher Tabak- und Cigarren - Industrieller" hervorgcgangene „deutsche Tabak-Verein", welcher, in engem Anschluß an die Tabak-Berufsgenossenschaft Organist rt, bereits über 500 größere Firmen der Tabak- und Cigarren-Jndustrie mit ca. 75,000 Arbeitern zu seinen Mitgliedern zählt, hat in seiner vorgestrigen aus allen Gegenden Deutschlands stark besuchten Hauptversammlung in der Steuer - und Zollfrage einstimmig nachstehende Erklärung zum Beschluß erhoben: „Die Versammlung anerkennt „dankend die Thätigkeit der in Berlin zur Abwehr des Antrages „Menzer aus Erhöhung des Eingangszolles auf Tabak anwesend „gewesenen Mitglieder des Vereins und erklärt: „1) daß der „Tabak-Industrie vor Allem Stetigkeit und Ruhe dringend nöthig „ist unter Festhaltung an den heutigen Zoll- und Steuersätzen. „2) Daß die Verdächtigungen gegen den Verein und einzelne „Mitglieder desselben, welche in einigen Blättern Aufnahme fan- „ben und gerade das Gegentheil von dem behaupten, was ge- „schehen ist, böswillig erfunden ist. „3) Daß die durch diese Ver- „öffentlichungen immer wiederkehrende unnöthige Aufrollung der „Tabaksteuerfrage die Tabak - Industrie aufs Tiefste schädigen „muß." — Die sich über das ganze deutsche Reich erstreckende Tabakberufsgenossenschaft, mit 4708 Betrieben
und 109,997 versicherten Personen, hielt am Montag, 30. Mai, ihre diesjährige ordentliche Genoffcnschaftsversammlung in Kassel in Schirmers Hotel unter dem Vorsitze des Herrn F. L. Biermann-Bremen ab. Der Besuch war, wie wir dem Bericht der „WeserMg." entnehmen, zahlreich aus allen Theilen Deutschlands, Es waren 44 Mitglieder anwesend, welche 1075 Betriebe mit 3762 Stimmen vertraten, die ziemlich reichhaltige Tagesordnung fand in drei Stunden ihre Erledigung. Die nach den Statuten ausfcheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Biermann, Schmidt, Rasfow, Böninger, Schöning und Then, wurden einstimmig wieder gewählt, an Stelle des verstorbenen Herrn Lucan-Hanau wurde Herr Otto Hosse-Hanau neu in den Vorstand gewählt, zu Ersatzmännern die Herren F. Toms- Ratibor, G. Carstanjen-Duisburg, Carl Muhle sen.-Hamburg, Mamczinsky-Dresden, Franz Heinz Thorbecke-Kassel. Bei dem wichtigsten Gegenstände der Tagesordnung, der Revision des Gesahrcntarifes, wurde gegen die durch zahlreichere entschädigungspflichtige Unfälle belasteten Industriezweige in loyalster Weise verfahren. Die Veranlagung der Cigarrettmfabriken mit Motoren wurde von 50 auf 30, diejenige der Tabakfabriken ohne Motoren von 100 auf 70 und die der Rohkabakhandlungeu von 200 auf 150 ermäßigt, nur bezüglich der Fuhrwerk führenden Personen mußte eine Erhöhung von 200 auf 300 Platz greifen. Es wurde allgemein anerkannt, daß die Verwaltungskostcn nicht, wie bei anderen Berufsgenossenschaften, von Jahr zu Jahr steigen, sondern sich verringern. So betrugen dieselben pro 1891 nur 13 Pfg. per Kopf der versicherten Perfonen, gegen 15 Pfg. im Vorjahre. Auch das prozentuale Verhältniß zu den an und für sich für die Höhe der Verwaltungskostcn allerdings nicht maßgebenden Aufwendungen für Unfallentschädigungen, wird, ungeachtet der geringen Unfallgcfahr der Tabakindustrie, von Jahr zu Jahr ein günstigeres; während dasselbe sich im Jahre 1885/86 noch auf 834,27 pCt. stellte, ist es im Jahre 1891 schon auf 56,27 pCt. herunter gegangen und darf mit Sicherheit angenommen werden, daß in absehbarer Zeit die Verwaltungskosten nur noch 25 pCt. der Aufwendungen für Unfallentschüdigungen ausmachen. — Die „Freis. Ztg." hatte letzthin die Nachricht gebracht, „es werde in der nach Kassel einberufenen Versammlung von Tabackindustriellen geplant, in Vorschlag zu bringen, unter Beibehaltung des jetzigen Eingangszolles für Tabak eine allgemeine Bcsteuernng für Fabrikate einzuführen, die besondere Steuer für den inländischen Tabakbau aber zu beseitigen." Diese Nachricht, welche wir, weil sie unwahrscheinlich schien, nicht übernommen haben, wird nunmehr von dem Vorsitzenden des Tabakvereins Com.-R. Collenbusch in der „Freis. Ztg." preßgesetzlich dementirt.
o-o Karlsruhe, 31. Mai. In der heutigen 89. Sitzung der zweiten Kammer wurde in der Berathung derAntrüge M u f e r, das B e a m t e n g e s e tz betreffend, fortgefahren. Abg. Kiefer betont, daß bei der Beamtengesetzgebung Regierung wie Kammer Fehler gemacht haben. Für den nächsten Landtag sei die Hauptaufgabe der Regierung, eine reichere Ausstattung der Gehälter der niederen Beamten vorzunchmcn. Redner plädirt vor Allem für eine Besserstellung der Gensdarmerie und der staatlichen Schutzmannschaft, die zur besten Beauitung des Staates gehöre. Mmisterialdirector Seubert betont, gegenüber den gestern unk heute vorgebrachten Klagen über die niederen Gehalte der Mittel» schnlprofessoren, daß dieselben eine ziemlich bedeutende Verbesserung erfahren hätten und zwar betrage dieselbe im Durchschnitt 250 Mt. Abg. Muser erklärt fich durch einige Ausfälle des Finanzministers gezwungen, heute nochmals das Wort zu nehmen. Derselbe habe es nicht vermocht, die vorgebrachten Thatsachen zu bestreiten. Er habe nicht einmal den Versuch gemacht, die in dem Antrag vorgebrachten Beispiele zu entkräften. Die Anträge der Freisinnigen seien eine Zusammenfassung von Beschwerden über die Rechtsverhältnisse und das Fortkommen der Beamten. „Kleinigkeiten", wie Finanzminister Ellstätter gestern gemeint, seien das doch wahrlich nicht und Ellstätter dürste in dieser Bkeinung in diesem Hause wie im Lande draußen allein stehen. Im Jahre 1888 habe Jeder geglaubt, daß eine abschließende Gesetzgebung geschaffen werden solle; mit keiner Silbe sei damals gesagt worden, daß dieser Entwurf nur eine erste Etappe sein sollte. Auch 1890 sei davon keine Rede gewesen, ja Finanzminister Ellstätter habe damals klar ausgesprochen, daß eine Aenderung des Gesetzes unmöglich sei. Nicht einmal eine Vollzugsbestimmung sei geschaffen worden, obschon die Regierung eine solche in Aussicht gestellt habe. Heute stelle sich die Negierung auf den Standpunkt des Antrags, gehe also von ihrem feit Jahren schroff eingenommenen Standpunkt ab, weil sie selbst eingesehen, daß im Jahre 1888 eine Aufbesserung der Beamten, wie sie behaupte, thatsächlich nicht geschehen sei. Die weitere Debatte bewegt sich in Detailfrageu. Nach einem Schlußwort des Berichterstatters Wilckens wird der Kommis- sionsantrag angenommen. Es folgt hierauf die Berathung deS Antrags Muser und Gen., die staatliche Entschädigung außer Verfolgung gefetzter Angeschuldigte« und frei gesprochener Angeklagten betr. Die Kommission, Berichterstatter Abgeordneter B i r k e n m e y e r, ist zu folgendem Beschluß in ihrer Majorität gelangt: „1. Die Kommission hält die Landesqesetzgebung zur Entscheidung vbiaer
Aleines feuillctou.
Frankfurt, 1. Juni.
— (Vandalismus im Taunus.) Man schreibt uns aus ,F a l k e n st e i n, 30. Mai: In einem interessanten Aufsatze über den Taunus wurde s. Zt. die Vermuthung aufgestellt, daß in einigen Ueberresten im Ruthartshain (in der Nähe des Bürgels) die in einem Register des Stadtpfarrers Fr. Ritsert -zu Darmstadt erwähnte Antoniuskapelle, und ferner in einer dort in der Nähe liegenden Ouarzitplatte von 125 Cm. Breite und ;130 Cm. Länge das sogenannte „r o t h e H e r z" zu erblicken fei. Bei einem Spaziergange kam ich nun heute durch genannten Forstort und sah zu meinem größten Bedauern, wie das „rothe Herz" | ßerabe von Wegearbeitern unwissender Weise zerschlagen und ! die Stücke zur Verbesserung des nahen Fahrwegs verwendet waren. ^Ebenso war die Steinumwalluug der sieben alten Fichten schon .theilweise zerstört und abgegraben. Es that mir sehr leid, nicht etwas früher zurStelle gekommen zu sein, um das heilige Symbol der Hertha retten zu können. Die Leute hatten natürlich kein Verständniß für meine Klagen; die Forstverwaltung (Cronberg) hätte aber Wohl eüvas darauf achten können, daß ein fo uralter Op ferste in erhalten bliebe, zumal da an anderen weiß Gott kein Mangel war. Hoffentlich entgeht die Antoniuskapelle der vollständigen Zerstörung ! Achtungsvoll A b e r c r o n."
— (Teutsch - amerikanischer Schriftstcllcrtaq.s Der Rational-Verband deutsch-amerikanischer Journalisten und Schriftsteller, der 330 Mitglieder zählt, hielt am 18. und 19. v. M. m New-Uork seine fünfte National-Convention ab. Zu dersel- hen hatten die deutsch - amerikanischen Preß - Clubs in New - Jork, Milwaukee, Chicago, Philadelphia, St. Louis, Cincinnati, Pitts- Nrg und Newark Delegaten entsandt. Die unter der Leitung des «erbands-Präfidenten Dr. Joseph Senner gepflogenen Verhandlungen bezogen fich zum größten Theil auf interne Vcrbands-Ange- «genheiten, namentlich die Vervollständigung der Kranken - Unter- stützungs-, Sterbekaffe- und Stellenvermittlungsfrage. In Angriff genommen wurde die Gründung eines nationalen Penfionsfonds, stir welchen eine Anzahl Freunde und Gönner der deutsch ■ amerikanischen Journalisten- und Schriftsteller Beiträge theils bereits ge- ^ichnet, theils in sichere Aussicht gestellt haben, als erster Herr Henry Villard, welcher als Grundstock für den zu creirendcn Fond die Summe von Doll. 10,000 subscripirt hat. Herr G. W. "hilds. Herausgeber des Philadelphia „Ledger", will einen hleichen Betrag widmen; fernere große Schenkungen find von den Herren Oswald O t t e n d o r f e r, Jakob S ch i f s von der Banquiers- Nrma Kuhn, Loeb L Co., Georg Ehret u. A. zugesagt worben. Die Wittwe des im vorigen Herbst verstorbenen früheren Verbands-Präsidenten Gustav S tein hat dem Verband die ihr Uvch dem Todx ihres Gatten statutengemäß zustehende Somme von Doll. 330 als Geschenk überwiesen. Als Vorort wurde für die Uächsten zwei Jahre wieder New-Iork bestimmt und der seitherige
Bundes-Vorstand mit Dr. I. S e n n e r an der Spitze wieder er- | wählt. Die nächste National-Convention wird wahrscheinlich während der Welt-Ausstellung in Chicago stattfiudcn. — Das vom Pensionsfonds unabhängige Vereinsvermögen beläuft sich aus rund Doll. 4000. — Den Berathungen des Verbands ging ein glänzendes F e st e f s e n im prachtvoll dekorirten Saale des „Deutschen Liederkranzes" voraus, an welchem außer den Journalisten auch die hervorragendsten politischen, geschäftlichen und gesellschaftlichen Vertreter Deutschamerikas theilnahmen und auf welchem Reden von Dr. I. Senner. Will. Steinway, Osw. Ottendorfer, Karl Schurz. Henri V i l l a r d, einem Vertreter der englisch-amerikanischen Presse Mr. Charles A. Dana u. A. gehalten wurden. Schurz hielt eine sehr bemerkenswerthe Rede, aus der wir nach der Staatszeitung folgende Stellen anfübren: „Ich habe die Erfahrung gewonnen, daß der eingeborene Amerikaner im Ganzen und Großen die Deutschen gerecht und sogar wohlwollend beurtheilt. Natürlich gibt es Ausnahmen. .. Aber die große Mehrheit der Eingeborenen, die aus verständigen und großherzigen Menschen besteht, ist den Deutschen nicht nur gerecht, sondern ihnen wahrhaft freundschaftlich gesinnt. (Beifall.) Wir haben davon gerade in unsern Tagen ein schlagendes Beispiel... Laut ertönt der Ruf, daß die Einwanderung beschränkt werden müsse. Aber wenn der Amerikaner, der um die Zukunft der Nationalität besorgt ist, die Elemente der Einwanderung aufzählt, deren Ausschließung Wünschenswerth sei, so rechnet er niemals die Deutschen dazu. Der Deutsche bleibt willkommen, wie er es immer war, — etwa mit Ausnahme der wenigen Anarchisten. Warum? Weil der Amerikaner die Deutschen für fleißige Leute hält, die zur Entwicklung des Nationalreichthums ihren vollen Antheil beigetragen haben; für friedliche, ordnungsliebende, ehrliche Leute, die auf den Feldern ersprießlicher Arbeit und auch an Orten des Vergnügens in Massen zu finden sind, aber unter den Tramps und in den Zuchthäusern wenig; für patriotische Leute, die, wenn ihr neues Vaterland in Gefahr ist, mehr als ihre Quote in die Reihen seiner Vertheidiger stellen; für durchweg intelligente und bildsame Leute, die sich unschwer in das amerikanische Wesen einstigen und im Ganzen und Großen in der Ausübung ihrer politischen Rechte die Interessen des Landes zu sördern suchen ; — mit einem Wort, für Leute, die gute amerikanische Bürger find oder gute amerikanische Bürger zu werden versprechen. (Beifall.) ... Von den Politikern beider Parteien habe ich zuweilen den Deutschen ein Kompliment machen hören, — ein unwillkürliches, nicht selten mit einer leisenVerwünschung verbundenes Kompliment, das meinem deutschen Herzen äußerst wohl that und es stolz machte. Wenn die Parteipolitiker auf der einen oder der anderen Seite etwas besonderes Nichtsnutziges oder Tolles vorhatten, dann erscholl nicht selten der Warnungsruf: „Halt, das geht nicht. Thun wir das, so sind wir unserer Deutschen nicht sicher. Das machen unsere Deutschen nicht mit." — Meine Herren, suchen wir dieses Kompliment konsequent zu verdienen. Der Ruf, daß es manche Dinge gibt, welche die Deutfchen nie mitmachen werden, verschafft uns viel mehr Achtung und Einfluß in dieser Republik, als der treueste Parteidienst. (Großer Beifall.) Leider muß ich hinzusetzen, daß ich
zuweilen auch von amerikanischen Politikern Bemerkungen gehört, | die meinem deutschen Herzen nicht wohl thaten. Es ist meines Wissens vorgekommen, daß bei ähnlichen Gelegenheiten, wenn Schlimmes geplant wurde, der Politiker sagte: „Vielleicht machen unsere Deutschen doch mit. Setzen wir nur einen kräftigen Spruch über die Trinkfrage in unsere Platsorm, das wird unsere Deutschen schon festhalten." Wenn ich Aehnliches hörte, so empörte sich etwas in diesem deutschen Herzen. (Beifall.) ... Es ist das Zeichen eines intelligenten Bürgers, daß er in der Politik das Wichtigere von dem minder Wichtigen zu unterscheiden weiß. Es ist das Zeichen eines guten, patriotischen Bürgers, daß er das Minder- Wichtige dem Wichtigen unterordnet. Nun bin ich, wie Jeder von Ihnen, sehr für einen heiteren, vernünftigen Lebensgenuß und Alles, was dazu gehört. Bier ist au und für sich gut — das heißt, wenn es gutes Bier ist. Aber ich erkläre feierlich: Bier ist nicht das höchste Erzeugniß des germanischen Geistes. (Donnernder Beifall.) Und Biertrinken ist nicht das edelste Ziel germanischen Strebens. (Großer Beifall.) — Ich bin sehr für „persönliche Freiheit" und gegen alle willkürlichen und engherzigen Beschränkungen. Ich erkenne daher durchaus die Berechtigung der Trinkfrage auf ihren Platz in unserem öffentlichen Wesen au. Aber es gibt politische Fragen, die an Wichtigkeit vor der Trinkfrage entschieden den Vorrang verdienen,"
K IAllerlei aus Australien.) Man berichtet uns aus Sydney, 22. April: Seitens des der letzten Elderschen Forschungsexpedition als Feldmesser zugelheilten Herrn Wells ist jetzt ein Telegramm in Adelaide eingetrosfen. Herr Wells theilt in demselben mit, daß er seit der Rückkehr in das Lager weitere Vermessungsarbeiten vorgenommen und somit gleichzeitig den Zweck seines kürzlich in östlicher Richtung unternommenen Abstechers er- ftillt habe. Die Nachricht von der durch Sir Thomas Elder beschlossenen Auflösung der Expedition bedauert er aufs Lebhafteste, da die Jahreszeit sich gerade jetzt, nach Aufhören der Trockenheit, als besonders günstig für Erreichung der Ziele, die sich Lindsay gesteckt hatte, erwiesen haben würde. Speziell die Planaufnahmen könnten, nachdem alles Nöthige an Ort und Stelle geschafft worden ist, binnen zwölf Monaten zu Ende geführt werden. Herr Wells, welcher s. Zt. zum zweiten Expeditionschef ernannt worden war, hat ausführliche Berichte an das Comite der kgl. Geographischen Gesellschaft in Adelaide abgesandt. — Das Opernhaus in Melbourne, in welchem gegenwärtig die bekannte englische Schauspielerin Frau Bernard-Beere gastirt, scheint am gestrigen zweiten Osterseiertage Zeuge von geradezu unglaublichen Szenen gewesen zu sein. Man gab „Fedora", wobei die Darsteller des Grafen Loris Spanoff und des Siring ihre Rollen so wenig im Kopfe hatten, daß die Vorstellung, trotzdem Frau Bernard-Beere mit sehr vernehmlicher Stimme den Souffleur machte, immer bedenklicher ins Stocken ge- rieth und schließlich mitten im vierten Akte abgebrochen werden mußte. Fran Bernard-Beere, die an die Rampe vortretend dem Publikum mit thränenerstickter Stimme mittheilte, sie könne unter solchen Umständen nicht weiter spielen, wurde eine wahre Ovation zu Theil. Der Darsteller des Spanoff soll angeblich von einem
plötzlichen Unwohlsein befallen gewesen sein. — Max O' Rell (Paul Blomt) ist mit Frau und Tochter heute Morgen auf dem Postdampfer „Monorar" in Auckland eingetroffen, wird demnach etwa am Dienstag hier anlangeu und schon am nächsten Abend seine ; Vorlesungen eröffnen. Sein Aufenthalt in Australien ist auf neun i bis zehn Monate bemessen; woher aber die Zuhörer für die 250 \ uud etliche Vorlesungen, welche der geplagte Mann zu absolviren sich verpflichtet hat, alle Herkommen sollen, das wird wohl nur der brave Jmpressariv Smythe zu sage» wissen. Sein Pseudonym hat der französische Humorist bekanntlich seinen Großeltern entlehnt, insofern der Großvater, ein französischer Dragonerkapitän Maxime Blomt, der in englische Kriegsgefangenschaft gerathen war, eine junge Irländerin, Frl. O'Rell, geheirathet hat. — Eine eigenthümliche Bestattungsweise hat sich eine dieser Tage in Neu-Seeland gestorbene junge Dame ausgewählt. Sie wollte nämlich ihren letztwilligen Verfügungen gemäß verbrannt oder aber ins Meer versenkt werden. Die erstere Absicht ließ sich, da sich in ganz Australien keine Feuerbestattungseinrichtung befindet und die Regierung die Genehmigung zur Errichtung eines L>cheiterhaufms versagte, nicht aussührcn. Dafür ist die Leiche bann drei Tage nach dem Tode in einen Sack genäht und ein paar Meilen weit ins offene Meer hinausgefahren worden, wo derselbe unter dem üblichen Zeremoniell in die Wellen hinabgesenkt wurde.
— (Frankfurter Ttadttstcatcr.) Die diesjährigen Sommerferien in beiden Theatern werden, wie uns die Intendanz bekannt gibt, so eingetheilt werden, daß die Opern-Vorstellungeu etwa am 20. Juni schließen und am 17. Juli wieder eröffnet werden, während die Schauspiel-Vorstellungen bis in die ersten Tage desJuli fortgesetzt und gleichfalls nach vierwöchentlicher Pause An» fangsAugustwieder ausgenommen werden. In der zweiten Hälfte dcü MonatsJuniwird E r n st P o s s ar t an einigen Abenden alsGast auf- treteu. Das Gastspiel der italienischen Schauspielerin Düse und ihrer Gesellschaft wird nicht im Sommer, sondern im Spätherbst oder zu Anfang des Wintes stattftnden. Die finanziellen Forderungen der Künstlerin find so bedeutende, daß der endgültige Ver» trags-Abschluß noch nicht vollzogen werven konnte.
--- (Kleine Mittheilungen.) Wie man uns aus Von« meldet, feiert der Chemiker Prof. Dr. K e k u l e heute den Gedenktag feiner 25jährigen Lehrthätigkeit an der dortigen Universität. Ihm zu Ehre» findet Morgens ünFestakius im chemischen Institut und Abends ein Fackelzug der Studentenschaft statt. — Der29jäh- rigeSchriftsteller und Theateragent Paul Rahmig in Berlin wurde im Bade von einem Schlaganfall getroffen, der den Tod zur Folge hatte. Rahmig, zu Plauen i. V. geboren, hat mehrere Schauspiele verfaßt. — Der Psychiater Prof. Th. M e y n e r t in Wien ist gestorben. — Einer der populärsten deutschen Bürger im Südwesten der Union, Hermann Dietzel, Herausgeber der „Texas Post" in Galvestou, Tex., ist am 14. d. während des Badens ertrunken. Dietzel hatte die „Texas Post" in Victoria gegründet und später nach Galveston verlegt. Er war im ganzen Süden und Südwesten seines stets schlagfertigen Humors halber bekannt und beliebt.
