s. Sette. Nr. 153,

Frage für zuständig. 2. Die Großh. Regierung ist zu er­suchen, zum Behuf« d«r gesetzlichen Regelung dieser Frage dem nächsten Landtage einen Gesetzentwurf vorzulegen. 3. Die Ent­schädigung hat in allen JV.j.h einzutreten, in welchen die Schuld­losigkeit nachgewiesen ist. 4. Ueber die Ausdehnung der Ent­schädigung auf andere Fälle, fvwieüber die fakultative Entschädigung, ferner über den Einfluß der Strafausschließungsgründe, der An­wendung eines milderen Strafgesetzes, der Rcalkonkurreuz. des mangelnden Strafantrags, der Verjährung und dergleichen und endlich über das Verfahren zur Erlangung der Entschädigung hat nach Ansicht der Kommission vorläufig der zu erwartende Gesetz­entwurf Bestimmungen zu treffen/ Hiernach stellt die Kommission den Antrag:Zweite Kammer wolle beschließen, die Großh. Re­gierung sei um Vorlage eines Gesetzentwurfs für den nächsten Land­tag zu ersuchen, in welchem dem Antrag der Abgeordneten Muser und Gcnoffen unter Wahrung der oben unter Ziffer 3 genannten Voraussetzung eutsvrochen wird/ Abg. Birkenmeyer be­gründet in einstündiger Rede den Antrag, worauf die Sitzung nach 1 Uhr abgebrochen wird.

8 Stuttgart, 30. Mai. Gestern fand die Hauptversammlung derwürttembergischenWeinbaugesellschaft statt, der mehr als ICO Vcreinsmitglieder beiwohnten. Das Hauptinteresse konzeutrirte sich auf einen Vortrag des Reichstagsabg. Siegle- Stuttgart über die neuen WeinzäIle und das Weingesetz. Der Redner beleuchtete die für wider beide Gesetze vorgebrachten Gründe und sprach anr Schluffe im Großen und Ganzen seine Zu» stkumung zu ihnen aus. Er sprach sich sodann an der Hand einer von Prof. Huber herausgegebenen Publikationfür genossen­schaftliche Organisation des Traubeuanfkaufs aus, wie sie in der Schweiz mit Erfolg eingeführt worden sei. Der Vortrag fand reichen Beifall. Die neuen Statuten des Vereins wurden ge- nehniigt, auch wurde über den gegenwärtigen Stand der Weinberge referirt; ans vielen Lagen kommen günstige Meldungen, aber auch wenig befriedigende Nachrichten liegen vor.

Italien.

Mr. Rom, 30. Mai. Schönere Blüthen, als in diesem Augenblick, hat die politische Heuchelei in Italien wohlnoch nie getrieben. Die Linke, welche den Schmerz erfährt, ihre durch Gewalt und Kunst zu neuem Leben erweckte Partei wieder aus­einanderfallen zu sehen, bezichtigt die Rechte, die Vorrechte der Krone anzutasten, weil die um R u d i n i ihre Giümüthigkeit nicht so weit treiben, das Messer zur eigenen Abschlachtung selbst zu schärfen. G i o l i t t i und die Linke haben ein Interesse daran, den Zwischenraum zwischen der Auflösung der Kammer und den Neuwahlen möglichst auszudehnen, um die letzteren bestens zu organisiren; das Interesse der Opposition ist das Gegentheil, sie muß danach streben, der Regierung die Zeit der Vorbereitung möglichst abzukürzen. Deshalb verweigert sie das provisorische Budget für ein halbes Jahr und will dasselbe nur auf vier bis sechs Wochen bewilligen. Das ist nicht nur ihr Jnteresic, sondern auch ihr unbestreitbares Recht. Das provisorische Budget kann für längere Zeit nur einem Ministerium zugestauden werden, das sich des Vertrauens einer großen Majorität erfreut. Herr G i o - litti hat jedoch unter der Pression Zanar delli's keine feste Majorität zusammenzubringen vermocht, und well er ein Kabinet bildete, das nicht die Gruppirung des 5. Mai berücksichtigt hat, ist er am 26. Mai kaum mit einem blauen Auge davongekommen und hat am Sonnabend den Schmerz erlebt, daß bei den Wahlen in die Budgetkommission nicht nur seine Kandidaten stark in der Minorität blieben, sondern auch daß derjenige seiner Gegner die größte Stimmenzahl erhielt, der zwei Tage vorher ein unbe­dingtes Mißtrauensvotum gegen das Kabinet beantragt hatte. Das ist doch deutlich, aber Herr Giolitti, der am 5. Mai die von Rudini geforderte Vollmacht für die Verwaltungsreform ablehnte, iveil man einer so schwachen Regierung keine Voll­machten geben dürfe, glaubt in viel zerrütteterem Zustande eine bei weitem wichtigere Vollmacht in Anspruch nehmen zu dürfen. Er wird sich nicht beklagen können, wenn sie ihm versagt wird. Nun bestreitet aber die Linke, daß die Kammer berechtigt ist, so zu verfahren: sie gelangt zu dieser Meinung jedoch lediglich durch falsche Interpretation der Verfasiung, welche einen Zeitraum bis zu vier Monaten zwischen Auflösung und Neuwahl für zulässig hält, aber selbstverständlich nicht fordert, daß vier Monate zwischen jener und dieser verstreichen müssen. Die Verfassung gibt nur die äußerste Grenze an, bis zu welcher der Termin für die Neu­wahlen erstreckt werden kann. Wahrscheinlich hat man dabei an diejenigen Fälle gedacht, in denen der Etat bereits ordnungs­mäßig bewilligt ist, so daß, wennschon der bedenkliche Zustand ein- trill, das Land vier Monate ohne Kammer zu lasten, nicht auch für diefe Dauer ein provisorisches Budget zugestanden werden müßte. Ein nothwendigrr Zusammenhang zwischen diesem und der Kainmerauflösung besteht also gar nicht, und es kann deshalb auch nicht stillschweigende Voraussetzung jenes Verfasfungs- artikels gewesen sein, daß die Volksvertretung für den Zeitraum zwischen Auflösung und Neuwahl auf ihr Budgetrecht verzichte. Diefe Auffassung hat nie bestanden und im Jahre 1880 hat die von Crispi und Zanardelli geführte Linke dem Kabinet Cairoli-Depretis das provisorische Budget sogar für vier Wochen verweigert. Indem die Linke heute in ihrem Parteiintcresse diesen Standpunkt verläßt und sich einem widerwärtigen Byzantinismus ergibt, begeht sie einen verhängniß- Vollen Fehler, für den sie am wenigsten den Dank der Krone zu er­warten hat. Die Krone hat bisher eine völlig korrekte Haltung beobachtet und wartet mit der Emanation des Dekrets, das die Auflösung der Kammer und den Termin für die Neuwahlen be­stimmt, bis sich die Volksvertretung über die Dauer des provi­sorischen Budgets geäußert hat. Die Rechte ist also, ohne den Respekt vor Entschlüssen der Krone zu verletzen, in ihrer Stellung­nahme frei und ungehindert und wie in taufend anderen Fällen ist sie auch diesmal korrekter und sympathischer in ihrer Haltung, olrbie Linke, welche gegen jeden Brauch die Krone in die Dis­kussion zieht, weil dies ihren Parteiinteresfen dienlich ist. Aber selbst wenn zwischen den Absichten der Krone und den Auf­fassungen der Rechten ein Gegensatz bestände, so sollte die Linke zu allerletzt die loyale Austragung Desselben zu verhindern suchen. Es würde die Rechte nur ehren, wenn sie in einem solchen Falle mit ihrer Austastung das höchste Recht der Volksvertretung mannhaft vertheidigte, wie man es der Linken nie vergessen würde, wenn sic sich in einem Konflikt zwischen den Prärogativen der Krone und denen der Volksvertretung aus Parteifanatismus zur Streiterin für die ersteren machte, obwohl fehr vielen von ihnen die Krone nur wenig bedeutet. Aber die Parteiwuth macht blind, so blind, daß einige sogenannte Liberale es der Rechten verargen, weil sie in Herrn Giolitti noch immer nicht den Messias sieht, obwohl doch der Träger der Krone am 27. Mai dessen Demission zurückgewiesen hat. Heuchelei oder Byzantinismus tertium non datur.

Afrika.

* Es war zu erwarten, daß der Kampf, welcher in Uganda zwischen Katholiken und Protestanten in blutiger Weise ausgefochten wird, eine Fortsetzung in der beiderseittgen Presse in Europa finden werde. Die Veröffentlichung des Berichtes vom Vikar Hirth hat einen Berichterstatter des Bureau Reuter veran­laßt, die Ansichten der Leiter derBritisch-Ostafrikanischen Gesellschaft zu erforschen, deren Vertreter in Uganda, Capi- tain Lugard, bekanntlich gegen die Katholischen Partei ergreifen, soll. DieBeamten" der genannten Gesellschaft scheinen die Katholiken für den Ausbruch des Religionskrieaes verantwortlich zu machen. So habe der Pastor Baskerville in "einem Briefe vom 4. Dezember v. I. gemeldet, daß Melondo, der bedeutendste protestantische Häuptling, habe fliehen müssen, weil die Katholiken seine Wohnung zerstört hätten. Der König Mwanga und die Katholiken hätten vier katholische Häuptlinge ausgesandt, um Melondo zu tobten.Sollte er getobtes werben", so fügte Pastor Baskerville hinzu,so wirb ein Krieg bie Folge sein und die Katholiken werden aus dem Lande vertrieben werden, denn Capitain Williams wird den Protestanten und der geschädigten Partei helfen". Die Beamten der Britisch-Ostaftikanifchen Ge- sellschast sind der Ansicht, daß der kürzliche Conflikt beschleunigt durch die offenen Feindseligkeiten der Katholiken. Die Gesellschaft habe die Mittheilung erhalten, daß später, nach den w" -oaskerville geschilderten Vorgängen der König und die Katholiken sich von. Buddu zurückgezogen und auf ihrem Marsche

o ^rtwnnnt und verwüstet hätten. Wahrscheinlich sei darauf Alle, wieder ruhig geworden. Die Beamten der Gefellschaft er- wahnen auch, daß sich schon mehrere Geschichten, welche Bischof Hirth nach Europa geschickt habe, als falfch ober übertrieben her- ausgestellt hätten. Die katholische Partei sei dreimal so stark wie die protestantische in Uganda und deßhalb sei es allein schon nicht

«vendblatt der Frankfurter Zeitung.

wahrscheinlich, daß die Protestanten die Angreifer gewesen feien. Die bloße Thatsache, daß Capitain Lugard den Protestantm gegen die Katholiken beigestanden habe, beweise, daß bie Katho­liken die ersten Friedensstörer gewesen seien. Capttain Lugard habe sicherlich nicht deshalb bie Partei bet Protestanten ergriffen, well sie Protestanten waren. Das fei leicht zu ersehen aus den bitterm Klagen, welche die mglische Kirchen - Missionsgesellschast im letzten Dezember gegen die Capitaine Lugard und Williams erhoben habe, weil sie die Katholiken bevorzugt hätten. Die Britisch-Ostafrikanische Gesellschaft werde deshalb das Eintreffen genauer Nachrichten über die kürzlichen Ruhcstömngen abwarten, sei aber völlig überzeugt, daß ihre Beamten gerecht und billig gegen beide Konfessionen verfahren haben. Am Schluffe des Berichtes von Hirth über die Wirren in Uganda wurde mitge­theilt, daß s e ch s M i f s i o n a r e sich als Gefangene im e n g- lischen Fort befanden. Nun liegt derKöln. Volksztg/ ein mit Bleistift geschriebenes Billet vor, das einer der Gefange­nen, P. Guillcrmain, an seinen Bischof richtete. Dasselbe lautet:

Fort Kampala, 31. Januar 1892. Wir befinden uns Alle im Fort. Wir find gesund und gerettet. Wir sahen den Tod wieder­holt vor uns. Gott hat uns Alle gerettet. Jetzt find wir die Ge­fangenen dieser Herren von Kampala (der Agenten der Brittsch- Ostaftikanischen Gesellschaft). Wir find vom allem entblößt. Die Mitbrüder sagen Ihnen ehrfurchtsvollen Gruß. Hier find viele von unseren Ehristen als Gefangene. Arme Frauen! Arme Kinder! Es ist zum Herzbrechen. In Bulingugwe wurden uns unsere Hüte (durch die Wegnahme der Hüte setzt man unter der Gluthsonne Aequatorial.» Afrikas Europäer der größten Todesgefahr durch Sonnenstich aus. Anm. der Red. der K. V.) sowie die wenigen Gegenstände weggenommen, die toir gerettet hatten. Wir mußten in den See springen, bis zur Brust durch's Waffer waten, und dann in diesem Zustande die zwölf Kilometer bis Kampala zurücklegen. Beten Sie für uns und befreien Sie uns sobald wie möglich. A. Euillermam/

Dem britischm Colonialamt ist aus Lagos (Westaftika) ge­meldet worben, daß der Gouverneur von Lagos unbelästigt am 26. Mai in Jebuode, dem Hauptorte der Zebus, eingetroffen fei. Die Zustände kämen allmählich in§ alte Geleise. Die verwundeten Offiziere seien wieder genesen und die Heilung der Leute mache gute Fortschritte.

Gerichtszeitnrlg.

8 Frankfurt, 1. Juni. (Schöffengericht.) Der am letzten Märztag« vom Schöffengericht wegen einer Annonce verur- theilte Kaufmann Emanuel Aron stein ließ am Tage nachdem Urtheil in zwei hiesigen Blättern eine neue Reklame-An­nonce vom Stapel. Er erinnerte sich am 1. April des Wortes: Nach Canoffa gehen wir nicht!' und wählte dies zur Spitzmarke eines Inserats, dasBeleidigungengegendasSchöffen- geriet und grob« n Unfug enthalten soll. Es hieß darin: Es werde dunkel, und es ward dunkel" , anscheinend auf seine Konkurrenz bezogen. Es ist weiter vomKautschukparagraphen" die Rede. In beiden Wendungen sieht man eine Beleidigung des Gerichts und in der Stelle:Es werde dunkel" rc. eine Verletzung der religiösen Gefühle und dahergroben Unfug/ Der Verthei­diger, R.-A. Dr. Casparh, stellt beides in Abrede. Der unter dem Vorsitz des Amtsrichters Dorn berathende Gerichtshof erkennt auf 150 X. Geldstrafe und Urtheilspublikation in den betreffenden Blättern. Der St.-A. Schulte hatte 200 X beantragt. Das Ge­richt erkannte, daß die neue Annonce durch ihren marktschreierischen Ton, in welchem ein Bibelwort zur Reklame benutzt wird, Anstoß erregt habe; durch die Stelle:Es werde dunkel, und es ward dunkel' sei offenbar dem Schöffengericht der Vorwurf derBornirt- heit" gemacht. Dieser Ausdruck der Geringschätzung fei strafbar, und eine Steigerung der Strafe geboten, da Angeklagter durch bie frühere nicht gewarnt worden fei. Mildernd komme tn Betracht, daß Angeklagter über feine Verurtheilung am Tage zuvor aufge­bracht war.

* Berti«, 31. Mai. In dem Prozeß wider ben Pastor Harder beschloß die zweite Strafkammer de? Landgerichts II gestern Nachmittag die Vertagung, um den Angeklagten auf feinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Der Staatsanwalt Schulze II. hatte zwölf Jahre Zuchthaus beanhagt. Die Verhandlung war um 6 % Uhr zu Ende. Es waren etwa 120 Zeugen geladen. Bei der Auszahlung der Zeugengebühren trat der Fall ein, daß dem Kasfirer das Geld auSging. Unter den Be­lastungszeugen befanden sich zjtva 60 junge Burschen, die auf den Gängen allerlei Unfug trieben, so daß die Gerichtsbeamten nur mit Müh« die Ordnung aufrecht erhalten konnten.

* Xanten, 31. Mai. DerKöln. Volksztg." zufolge hat die Staatsanwaltschaft gegen den Beschluß des Landgerichts Clev«, durch den F r a u und T o ch t e r des Metzgers B u s ch o f f außer Ver­folgung gefetzt werden, Beschwerde erhoben.

O Mainz, 1. Juni. Das Ehepaar Jacob Weber von Kempten bei Bingen stand gestern vor der Strafkammer des Landgerichts, wegen barbarif cher Mi ßh andlung und des dadurch veran­laßten Todes seines vier Monat« alten Kindes. Di« Obduktion der Kindesleiche hat ergeben, daß das Kind buchstäblich dem Hungertod« erlegen war, außerdem trug dasselbe schwere Wunden am Körper, darunter eine auf dem Rücken, die augenscheinlich davon herrührte, daß der Körper des armen Kindes so lange über ein brennendes Licht gehalten worden ist, bis baS Fleisch auf bem Rücken angebrannt war. Das schändliche Paar wurde zu je 1H Jahren Gefängniß vemrtheilt.

Vermischtes.

* Merlin, 30. Mai. Ueber einen Unfall bei der Wagen­fahrt des Kaisers nach Pröckelwitz wird derKolb. Volksztg." von bestunterrichteter Seite Folgendes geschrieben: Der Kaiser hatte gelegentlich feines vorjährigen Besuches beim Grafen Dohna den Wunsch geäußert, bei feinem diesjährigen Besuche eine Fahrt mit dem Viererzuge der prächtigen Rappen des Grafen Dohna zu machen. Graf Dohna hatte in Folge dessen vier edle Thiere ausgesucht und im vergangenen Winter selbst eingefahren; der Graf ist bekanntlich einer der ausgezeichnetsten Herrenfahrer der Monarchie. Die Thiere waren so eingefahren, daß sie der leisesten Parade gehorchten. Auf bem Wege nach Pröckelwitz würbe eine kleine Ortschaft passtrt, an bereu Eingang sich bie Bewohner so aus­gestellt hatten, daß sie von bem herankommenben Gefährt, in bem sich ber Kaiser befanb, nicht sofort wahrgenommen worden konnten. Als dieses in die Dorsstraße einbog, schrieen bie Leute Hurrah, außerbem würbe eine Fahne in ben deutschen Farben hin und her geschwenkt. Das kam den Vorderpferden so überraschend, daß sie auf der Stelle parierten und kerzengrade in die Höhe stiegen. Hier­bei sprang das Onerstück, mit bem bie Sielen ber Vorderpferde an ber Deichsel des Wagens befestigt waren, ans dem Haken und schlug ben Vorberpferben auf bie Fesselgelenke. Die geängstigten Thiere würben nun erst recht wild und stürzten nach vorne, um das Ouer- stück los zu werden; sie hätten unfehlbar die dicht vor den Wagen gespannten Rappen mitgeriffen, wenn eS dem Grafen Dohna im kritischsten Momente nicht gelungen wäre, die Seine der Vorder­pferde zu lösen und durchgleiten zu lassen. Nichtsdestoweniger wollten nun auch die beiden Stangenpferde den davonrasenden Vorderpferden Nacheilen. Graf Dohna ließ sie eine Weile rennen, Parierte dann und brachte bie Köpfe glücklich herum. Ueber zwei Gräben und durch einen Staketenzaun hindurch ging dann noch die wilde Fahrt erst ttirz vor einigen Eggen mit nach oben gerichte­ten Zinken vermochte Graf Dohna die Kraft der Rappen zu brechen und das Gefähtt zum Stillstand zu bringen. Kaiser Wilhelm verlor während der grauenvollen Fahrt keinenMoment feine Ruhe. Bleich und mit zufammengekiiiffenen Lippen faß er auf bem Bock neben bem Grafen Dohna. Auch nachbem bas Gefährt hielt, sprach ber Kaiser kein Wort, er bankte bem Grafen Dohna für seine Geistes­gegenwart unb Geschicklichkeit durch einen stummen Händedruck. Der Rest der Fahrt bis Pröckelwitz wurde im Schritt zurückgelegt. Nach seiner Ankunft zog sich der Kaiser sofort in feine Gemächer zurück. Das Diner sand in kleinem Kreise statt, bei demselben wurde kein Wort gewechselt; der Kaiser verhielt sich vollkommen theilnahmslos und sprach auch den Gerichten der Tafel nur wenig zu. Theilnehmer an dem Diner bezeichnen die Situation bei Tisch als eine geradezu beänftigenbe. Der Eindruck des Geschehnisses lastete auf allen Gemüthern und so war es für alle eine Erlösung, als bei Kaiser das Zeichen zum Aufbruch von ber Tafel gab und fich zur Ruhe in sein Schlafgemach zurückzog. Am anderen Morgen hatte fich der Kaffer von den Eindrücken ber Gefahr, in ber er sich befunben hatte, sichtlich erholt unb sprach toieber freundlich, als Wenn nichts gewesen, mit feiner Umgebung.

* Merlin, 31. Mai. Der Antisemitenführer B o d e ck wurde in der am Freitag abgehaltenen Mitglieder-Versammlung der antisemitischen Volkspartei aus der Partei aus­geschlossen. Die Gründe dieser Maßregelung liegen, wie die Berl. Ztg." hört, aus finanziellem Gebiete. Bodeck war einer ber lautesten Heprufer im Streite.

Köln, 1. Juni. (Priv.-Dep.) Der P v ckenfall auf einer Ziegelei am Zollstock ist nicht vereinzelt geblieben. Ein F u hr- k n e ch t aus bemfelben Vorort ist jetzt ebenfalls an ben schwarzen Pocken erkrankt unb bem Hülfskrankenhans übergeben worben. Nach dem ersten Fall wurden sämmtliche in der Nähe Wohnenden vor­sichtshalber geimpft, nur nicht der jetzt erkrankte Fuhrmann, der gerade abwesend toar-

Z St. Johann a. S., 31. Mai. Die kaum begonnene B a d e s a i s o n hat in unsern Saarstädten schon 3 Opfer gekostet. Am Freitag ertrani in der Saar ein elfjähriger Junge aus Malstatt-Burbach. In ber Badeanstalt in Saarbrücken verletzte fich am Samstag Nachmittag ein Soldat beim Hineinspringen ins Waffer so schwer, daß er in bedenklichem Zustande im Spital liegt Endlich fand gestern Abend beim öffentlichen Badeplatz dahier ein 22jähriger Schriftsetzer der Schaede schen Buchdruckerei einen jähen Tod. Infolge eingetretenen Krampfes ober Schlaganfalls versank er beim Schwimmen in ber freien Saar plötzlich vor ben Augen seiner fiameraben; obgleich sofort Hilfe zur Stelle war unb man ben Versunkenen rasch ans Laub gebracht hatte, blieben bie ärztlichen Wieberbelebungsversuche ohne Erfolg.

G Hpkaden, 1. Juni. (Priv.-Tel.) Gestern Abend 7 Uhr flog ein Gebäude der hiesigen Dynamitsabrik unter heftiger De­tonation in die Luft. In dem Gebäude waren Rückstände aufbe­wahrt. Niemand wurde verletzt.

D.B.Hd. Kaiserslautern, 1. Juni. In Kleinkarlbach (Rhein- pfalz) richtete ein gestern Abend niedergegangener Wolken­bruch große Verwüstungen an, indem große Waffermassen infolge eines Dammbruches viele Häuser unb Brücken Wegriffen. Mehrere Fabriken find eingestürzt.

J Innsbruck, 1. Juni. (Priv.-Tel.) Auf der A r l b e r g- b a h n wurde ber Bahndamm bei Telfs durch den infolge eines Wolkenbruchs ausgetretenen Bach durchbrochen. Die Passa­giere müssen umsteigen. Der Verkehr ist für fünf Tage gestört.

* Hdiuburg, 26. Mai. Ein kurz vor bem Tode gemachtes G e- st ä n d n i ß einer vor einigen Tagen in Dundee gestorbenen Frau verursacht augenblicklich große Aufregung und rührt eine T r a g ö b i e auf, bie sich vor 30 Jahren in Glasgow abspielte. Ein Dienstmädchen, so erzählt bieKöln. Ztg.", würbe 1862 in Dundee angeklagt, eine Freundin, deren Besuch sie regelmäßig empfing, ermordet zu haben. Nach einer sehr eingehendenUntersuch- ung wurde die Angeklagte zum Tode verurtheilt und nach einer bis­her nie dagewesenen zweiten Untersuchung die Strafe in lebensläng­liches Zuchthaus verwandelt. Die Vernrtheilte betheuerte immer ihre Unschuld. Sie wurde 1877 nach Verbüßung von 16 Jahren Zuchthaus entlassen und verließ das Land. Vor ein paar Tagen nun bekannte in Dundee eine Frau kurz vor ihrem Tode, daß sie den Mord begangen habe. Vor dem Geständnis; wurde sie von fürchterlicher, den Anwesenden unerklärlicher Aufregung ergriffen. Das Erscheinen des Pfarrers beruhigte sie einigermassen, aber wäh­rend seines Gebetes schrie sie auf:Halt ein!" Als der Pfarrer das Zimmer verlassen hatte, girieth sie wieder in große Aufregung, unb mit ben Fäusten in bie Luft schlagend, schrie sie:So habe ich's gemacht! Gott, erbarme Dich meiner!" Fünf Minuten vor ihrem Tobe gab sie einer Nachbarin einen Kasten, ber nebst Klei­dungsstücken einen Ohrring, welcher der Verurtheilten gehört hatte, und einen Zeitungsausschnitt aus bem Jahre 1862 enthielt In bet Zeitung wurde die Verurtheilung der vermeintlichen Mörderin mitgetheilt. Der Prokurator in Dundee hat bie Untersuchung ber Angelegenheit ausgenommen.

Frankfurter Angelegenheiten.

Frankfurt a. M., 1. Juni.

Stern Tage.

* Der aus ber Jager'sch en Defraudation herrüh- renbe, bei bet Wittwe Eetloff Borgefunbene Geldbetrag soll im Laufe des gestrigen Nachmittags, wie dasJnt.-Bl." meldet, um Weitere X 30,000 vermehrt worden sein, welche Summe zwei Kti- minalschuhleute in den Umschlag einer Mufikmappe eingetlebt fan­den. Unser nic-Reportet behauptet, daß der vorgefundene Be­trag, einschließlich der verbrannten und anderweitig vernichteten Kassenscheine, die Höhe von etwa X 800,000 (?) erreichen soll. In bet Nachbarschaft des gründlich abgesnchten Hauses erzählt man fich. Wie unser StzL-Berichtetstatter meldet, daß die aufgesundenen unversehrten Baarbestände X 40,000 nicht übersteigen; das zer­störte Papiergeld sei auf rund X 100,000 zu schätzen. Diese An­gaben stützen fich vermuthlich auf die Mittheilungen der Arbeits­leute (eines PumpenmacherS und eines Schlossers ans Geschäften in ber Fichatdstraße), bie mit bem Aufbrechen des Klosets unb ber Schlösser beauftragt waren. Auch ber Kanal vom Hause Fichard- straß-16 bis zum nächsten Schacht würbe durch Arbeiter des Tief­bauamts sofort einer Durchsuchung unterworfen, über beten Resul­tat nichts Zuverlässiges bekannt würbe. Die Behörden schweigen wie im ganzen Verlauf bet Untersuchung des Falles Jäger mit be­sonderer Beharrlichkeit.

Der gestern dahier verstorbene Rentner A. K n h n war Mit- begrünber des bekannten Newyorker Bankhauses Kuhn. Löb u. Co. und wat vor einigen Iahten noch stiller Theilhaber desselben. Herr K. hinterläßt ein bedeutendes Vermögen und eine umfangreiche und sehr werthvolle Bildergalletie. Ein Theil derselben wat während der Elektrischen Ausstellung in ber Kunsthalle ausgestellt.

* Eine in scheinbar offiziösen Formen gehaltene Notiz der gestrigen Nummer eines hiesigen Blattes behauptete, eS sei bezüglich detF t a n k- furt-Stockheimer Bahn weder die Errichtung eines Notd- bahnhofeS, noch die Einmündung in den Ostbahnhof geplant, son­dern als ausführbar gelte nur, daß die Bahn mit lleberbrürfung des Maines oberhalb Frankfurt auf der Linie Offenbach-Frankfurt in den Hauptbahnhof geleitet werde. Da dieses letztere Projekt in­deß Millionen kosten würde, so sei überhaupt'in diesem Jahr­hundert schwerlich Aussicht auf den ersten Spatenstich/ Diese Auslassungen entbehren, wie unser Y-ällitatbeitcr erfährt, jedweden authentischen Charakters. Wir sind in der Sage, mit vollster Be­stimmtheit zu versichern, daß bei den maßgebenden Kreisen eine Umführung um das Nordende von Frankfurt mit Ein­mündung in die Main-Weser-Bahn keineswegsundenk- b a r" ist, vielmehr gerade so gut in Frage kommt, wie das Pro­jekt einer südlichen Umführung mit Ucberbriitfung des Main- flusses und Einmündung in den Hauptbahnhof. Es steht durchaus noch nicht fest, welchem von beiden Plänen der Vorzug aus Betriebs- unb Billigkeitsrücksichten zuerkannt werben muß. Die Freunde beS Nordbahnhof-Gedankens haben keinen Anlaß, sich übermäßig zu beunruhigen. In letzter Instanz wirb der Eisenbahnminister ausschlaggebend entscheiden. Jin Falle ber Verstaatlichung ber Hessischen Ludwigsbahn Würbe sich allerdings vielleicht die Frage nach bem Endpunkt der von der hessischen Regierung eifrigst geförderten Linie Stockheim-Frankfurt um so einfacher lösen, als auch Laien Misten, daß ein Erweiterungs- Umbau des Ostbahnhofs auf die Dauer nicht vermieden Werden kann. Bis dahin jedoch hat natürlich die hiesige Eisenbahndirektion lediglich die Ausgabe die Linie mitAnschlußandieStaats- bahn zu projektiren.

Während der morgen, Donnerstag, stattfindenden Forst­haus-Rundfahrt wird bei günstiger Witterung die Kapelle beS 13. Husaren - Regiments an der Fotsthausstraße, sog. Kaffee­küche, konzertiren.

nie Die Restauration in den BlitzzÜgen Frankfurt- Berlin wurde den Traiteuren der Restauration desHauptbahnhoses, Gebrüdern Steinbach, übertragen. Die Preise für Speisen und Getränke sind von dem Königlichen Eisenbahn-Betriebsamt Frank- futt am Main festgesetzt. Die Restaurationswagen wurden mit bem heutigen Tage in Dienst gestellt.

Die Stadt hat wieder einen drohenden Vorgarten- Prozeß auf dem Grüneburgweg verglichen; sie einigte sich nämlich mit Herrn Breul auf Zahlung von 36,000 X Auch in diesem Falle war früher Bauerlaubniß gegeben worden, ohne daß sich die Stadt das Recht des Widerrufs vorbehaltNYHatte.

Das Schottenfels'sche Reisebüreau erinnert daran, daß man sich für P fin g st a u S f l üg e bereits Tags zu­vor im Bürean mit Bahn- und Dampferfahrkarten versehen kann.

= Von beteiligter Seite geht uns nachträglich der folgende Bericht über einen Zusammenstoß zwischen Feuerwehr­leuten und einem Förster in der Nachbarschaft zu:Am Himmelfahrtstag wurde der städtische Förster Köhler in Ausübung seines Berufs, als er gegen ein Mitglied der freiwilligen Feuerwehr zu Oberrad, das mit seinem Beile einen jungen Fichtenbanm abgehauen hatte, einschritt, von diesem sowie einer großen Anzahl weiterer Feuerwehrleute angegriffen und mit Holzstücken und anderen Werkzeugen erheblich körperlich mißhandelt; auch wurde ihm seine geladene Büchsflinte entrissen. Gegen diese ist seitens der Forstbehörde auf Grund der §§ 117, 118 und 119 des Strafgesetz­buchs, Worin Strafen bis zu fünfzehn Jahren Zuchthaus angedroht find, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden."

* Der heutige P o liz eib er i ch t meldet u. A.: Nach Ver- fügung des Landrathamts zuHanau werden zu dem am 12. und 13. Juni daselbst stattfindenden Larnboyfeste hiefig« Droschkm- halter und Droschkenbefitzer nicht mehr zugelaffen Werben, wenn sie nicht mit einem für den Regierungsbezirk Kassel gültigen W an ber­ge werbefchein versehen finb. Heute Morgen 7>/i Uhr goß eine Köchin, in der Göthestraße, Petroleum in das Feuer im Herb. Die Pettoleumkann« exp lodir te, Wobei die Köchin sich lebensgefährliche Branbwunben zuzog.

> Sport.r

* Wie«, 31. Mai. Rennen. Parsifal- Handicap. Preis 3000 fl. bem Sieger, 500 fl. bem zweiten Pferde. Dist. 1600 Mir. 1) Gr. M. Estcrhüzy'SLilinokalani"; 2) Gr. A. Apponyi'S Advance Flag"; 3) A. Ritt. v. MySlowSki fen.'SSzerenh".

* London, 30. Mai. Bei ber jährlichen Wettfahrt beS New Thames Jacht Club hat die Jacht beS deutschen Kaisers.

1. ZUNi 1899j

Prognose für Frankfurt, deSgl. für Mittel« «Hl

V

,M eteor", gesiegt. 20 engt. Meilen Weit war ihr erst die Jo» voran, darauf aber segelte derMeteor" so glänzend daß er maß seine Aussichten verlor. Die kmserl. Yacht kam 1J$ M-ü, früher als jede andere am Ziel an. " '

Telegraphische Depesche«.

Privat-Deprschen der Frankfurter Zeitung. )

? Bochum, 1. Juni, 2.05 ff. Gegen Baare und bie gtnicure Dering und Julius Gramme ist Anklage erhoE wegen Urkundenfälschung und Betrugs. Die Verhandlung (n^ andern 17 Angeklagten) findet, am 12. Juli statt.

K München, 1. Juni, 12.10 N. JnternationmM Kunstausstellung. Der Prinzregent erschien ^3 allen Prinzen und Prinzessinen präcis 11 Uhr. Er stellte fich "ntcrW dem Thronhimmel im Vestibül auf, wo sämmtliche Gesandtschaft^^ Konsulate, Minister, die Spitzen der Behörden und der Gesellschch^, die Vertreter der ausländischen Abtheilungen versammelt Waren/® Der Vorsitzende der Künstlergenossenschaft, S t i e l e r, sagte der Ansprache, in der er einen Rückblick auf sämmtliche ungen gab:WaS diese vier Jahre der Kunstentwickelung eut»M Hallen, ist Fortschritt, ist gesunde Lebenskraft. Freilich ist Fortschritt ohne Kampf, kein Werbeprozeß ohne Wiberspruch uzchM ohne Irrthum ; aber- wo dem Kampfe und bem Ringen ber nach einem gleichen hohen Ziele entsprungen unb bas Bewußts^M ^eiliger Pflicht gegen bie Heimath unb bas Vaterland lebendig ijhj da bricht wieder bie Sonne bes Friedens durch. Möge MüncheuW nie so altern, baß es von ber Vergangenheit leben anstatt ber Gegenwart unb der Zukunft zu vertraue«.W Der Glaube an Münchens Lebenskraft unb Lebensrecht hat um beul Sieg ihres Kunstschaffens die sümpfen ben Nationen in MünchenGW gastliche Arena geführt, wo ihnen allezeit ein herzliches bereit ist. Der Prinzregent bankte für bie patriotischenA Worte. Er fei überzeugt, baß die Ausstellung würbig ben Vorgän-W gerinnen sich anreihe, unb er sei fest Überzeugt, baß München seinenW altbewährten Ruf einer Kunststabt bewähren Werbe. Er erkläre bieW Ausstellung für eröffnet. Der zweite Vorsitzende Schmidt brachteW das Hoch auf den Regenten aus. Darauf folgte Cercle und Rund»W gang. Nur ein kleiner Theil der Bilder fehlt noch, nämlich ausH Japan, die auf der Reise befindlichen aus Oesterreich, ein Theil M aus England unb Frankreich, Welche nach ben borligen Ausstellun-M gen kommen.

F Prag, 1. Juni, 9.55 V. Bisher wurden 20 Todt« ansM bem Silberfchacht herausbefördert, über 30 Betäubte zumM Leben gebracht, die Brandgasse ist in andere Schächte gedrungen. A Viele Bergleute fehlen noch.

# Bern, 1. Juni, 11.20 V. Die Antwort der frau-W zösische n R eg i eru ng auf die schweizerischen Forderungen A bezüglich der Handelsbezieh-ungen mit Frankreichs ist absolut unannehmbar. Der Bundesrath hat dem Ministers Lardy und dem Delegirten Cramer-Frey neue Jnstruktionen-I ertheilt. Ter Bnndesrath ist bestrebt, während der Bundes-W Versammlung die ganze Frage, wenn irgend möglich, zur Er-M ledigung zu bringen.

M Nom, 1. Juni, 11.20 V. Bis jetzt ist das MontagA eingebrachte Etat-Provisorium noch nicht vertheiltW worden, um deffen Berathung in der Budgetkommission H möglichst hinanszuschiebcn, weil die Regierung noch immer 3 hofft, mit einem Theile der Rechten zu einer Berstündigung zu gelangen. Sie will nicht nur mit einem Dritteljahr sich 3 begnügen, sondern auch zu einer möglichst frühzeitigen An- j setzung des Wahltermins sich verpflichten. Bisher zeigte sich Z die Rechte nicht gewillt, ihren Standpunkt zu verlassen. | Jedenfalls ist die Diskussion nicht vor Anfang der nächsten Woche zu erwarten.

Z Sofia, 1. Juni, 8.50 V. Bei einem vorgestern in Z Gouroubleni vom Sofiaer Offizierkorps zu Ehren der Mi- - nister gegebenen Banquetle hielt S t a m b u l o w eine Rede, | in der er sagte: Wir haben gegen Niemanden kriegerische 1 Absichten, Bulgarien will ruhig das Werk des Fortschritts I und der Civilisation verfolgen. Sollten wir aber provocirt -j werden und in die Nothwendigkeit kommen, unser friedliches -| Werk zu vertheidigen, so zweifle ich nicht, jeder von Ihnen -1 wird seine Pflicht wissen. (Stürmischer Beifall.) Der Fi- | nanzminister gab Ordre, daß der rumeliotische Tribut | an die Pforte angewiesen werde. __ J

Dolff's telegraphisches CorrrsponLen;-Bnrernt. 1

Berlin, 1. Juni. DasDeutsche Kolonialblatt" meldet: | Zum Kurator der schwarzen Arbeiter in Kamerun wurde ein H besonderer Beamter bestellt, welchem es obliegt, die Beschwerden H über ungerechte Bchaudluiig eittgegenzunehmen, dieselben zu | untersuchen und der Regierung mitzntheilen.

Potsdam, 1. Juni. Bei bem Zapfenstreich des ganzen ch Garbecorps auf bem Vorplatze desNeuen Palais" erstrahlten bie 1 Gebäude roth-weiß-blau in bengalischem Feuer. Der Kaiser, bie D Kaiserin, bie Königin-Negenlin und bie junge Königin ber Nieder- 4 lande hörten auf bem Mittelbalkon bie holländische NationalhymneM an. Nachmittags War große KinberGesellschaft.

' Potsdam, 1. Juni. Der Kaiser hielt vormittags eine 1 Parade ber Potsdamer Garnison ab. Die Kaiserin, bie J Königin Wilhelmine, bie Königin-Regentin wohnten ihr in offenen 1 Vierspännern bei. Der Kaiser kommaiidirte. Der Kronprinz und 1 bie Söhne bes Prinzen Albrecht stauben im Gliebe. Die Prösen- j tation erfolgte unter ber holländischen Nationalhymne. Bei bem a zweimaligen Vorbeimarsch führte der Kaiser persönlich bas Garbe- 1 bucorps-Regiment vor.

Mei;, 1. Juni. Ser Statthalter ist auf ber Reise nach Lothringen in Forbach eingettosfen. Er wurde von ber Bevölkerung lebhaft begrüßt. Di« Stadt ist festlich in ben deutschen Farben 3 geschmückt.

Wien, 1. Juni. Ter Führer der r u m ä n i s ch e n \ Deputation, Rätin, überreichte Mittags dem Chef A der Kabiuetskanzlei, Braun, ein deutsch, ungarisch und rumänisch J abgesagtes Memorandum über die Beschiverden der Rumänen.

Paris, 1. Juni. Der Konig von Schwedens z Welcher heute hier erwartet wird, besucht am Freitag C a r n o t im Elysee und dejeuuirt voraussichtlich am Samstag bei dem- / selben. Am L-amstag Abend gedenkt der König Paris wieder zu verlassen.

Kopenhagen, 1. Juni. Dem Vernehmen nach findet am - 7 Juni die Begegnung des Czaren mit Kaiser Wilhelm i in Kiel statt. Ersterer wird von da nach Kopenhagen zurück- ' kehren.

Kopenhagen, 1. Juni. Der König von Griechen» land reift Sonntag ab.

Lüddentschland für dm 2. Juni.

" (Nachdruck verboten.)

Em Minimum nordwestlich von Schottland übt einigen Einfluß bis nach Deutschland, im fiebrigen ist ber Luftdruck ziemlich gleich­mäßig vertheilt. Auch der morgende Tag steht unter dem Einfluß lokaler Wetter bei warmer unb meist heiterer Lust. Niederschlag strichweise. ________

3) Windrichtung: 31. Mai Mittags 12 Uhr O schwach), ging Nach» J mittags langiam über S nach W herum, behielt vorhr^rschens diese unb i wechselnd LW-Richtung. bekam gegen Mittag NW-Richtung. WindstLrk« schwach bis leicht nnb ist am 1. Juni Mittags 12 Uhr NW (schwach). eM

4) Relativ« Kevchtigkeit: 31. Mai Mittags 2 Uhr 39 %. Abend» 10 Uhr «.=. %, 1. Juni Morgens 6 Uhr 92 %.

5) ®etod»«»g um» Niederschlag: 31. Mai Mittag« 12Uhi heiter bezog »ch Nachmittags mätzig und Abends ganz, blieb dann im Allgemeine» stark bewölkt nnb ist am 1. Juni Mittags 12 Uhr bedeckt. Abends Wetter­leuchten und Bormitteruacht zwischen 10 und 11 Uhr Gewitter mit unbede»- tendem Regen, Morgens srllh Regem

Wetterberichte der Frankfurter Zeitung.

Mittheilungen der meteorologischen Station bes Physikalfichen Bereins tu Frankfurt a. M.

1) Tas Barometer (auf 0» und den Meeresspiegel reduzirt) stand a« 31. Mai Mittags 12 Uhr aus 761.11 Mm., fiel bis Abends nm tn. :: 'JJluu. stieg dann wieder langsam und steht am 1. Juni Mittags 12 Uhr auf 760.18 Mm.

2) DaS Thermometer (Celsius) stand am 31. Mai Mittags 12 Ule auf 4-27.4°, stieg bis Nachmittags 2% Uhr auf 30.3°, fiel dann bis Mor­gens 5 Uhr ans +17.1», stieg wieder und steht am 1. Juni Mittag» 12 Uhr auf +22.81.