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Schsiiiddreißl-Att IahkM-

Holland

11.8.25

(THLnkfurter Hxndelaaeitung.)

mit dem Marschall Floriano. Hatte derselbe zuerst durch eine wohlwollende und zustimmende Haltung, ohne direkten Eingriff, der Revolution Vorschub geleistet und die neue Negierung bereit­willig anerkannt, so mußte er jetzt, da ein Theil der Bundes- marine rebellirte, entschieden interveniren. Er gab dem General Vosques unbeschränkte Vollmacht. Mittwoch und Donnerstag verhielt sich derMarajo" ruhig, nur daß er ein Dampferchen kaperte, das täglich vom Schlachthaus in Pedras Biancas die mit Fleisch beladenen Boote nach der Stadt herüber schleppt. Freitag, den 24. Ium, richtete der Kommandant desMarajo" an den Führer des DampfersMercedes" (Eigenthum des Brasilianischen Lloyd) die Aufforderung, sich ihm zur Ver­fügung zu stellen, widrigenfalls die Stadt bombardirt würde. Wirklich machte er gegen 1 Uhr Ernst und über­schüttete die Stadt, indem er den Strand entlang sich bewegte, mit Geschossen, allermeist aus den Mitraillensen, doch feuerten auch die größeren Geschütze einige Granaten ab, die glücklicher­weise nicht explodirten. Ueberhaupt war der von der halbstündigen Schießerei angerichtete Schaden wunderbar gering; sehr viele Häuser wurden getroffen, doch keines zerstört. Getödtet wurde ein Mann der Guarda Civia, verwundet 2 Bürger. Vom Lande aus wurde das Feuer lebhaft aus den aufgefahrenen Kanonen und von einer dem Strand entlang gebildeten Schützenkette er­widert. DerMarajo" erhielt ein paar Treffer, auch sind zwei Mann an Bord verwundet worden. Nachdem die Kanonade

2 Stunde gedauert hatte, dampfte das Kanonenboot nach Süden und hat sich anderen Tags in Rio Grande ergeben. Der Kom­mandant Bara und die übrigen Offiziere, sowie die an Bord be­findlichen Civilpersonen wurden verhaftet. Baras Cassal war nicht unter ihnen, er hat sich unterwegs an Land setzen lassen, und man weiß nicht, wo er sich befindet, wie man auch nicht recht weiß, wie die Dinge in B a g e, dem Sitze der Gegenregiernng, stehen und ob der General Ioca Tavares den Widerstand fortzu- setzen versucht. Die Republikaner haben ihren Gegnern mit den­selben Mitteln vergolten, mit denen sie von ihnen im November v. I. geschlagen wurden. Sie haben Freiwillige aufgeboten und bewaffnet. Sie gebieten, wie es heißt, in der Campanha über 6000 Mann, die sich konzentrisch gegen Bage in Bewegung setzen. Ueberall sonst ist der Umschwung erfolgreich durchgeführt, an einigen Orten ist es nicht ohne Blutvergießen abgegangen. In Sant Anna do Libramento hat der Kainpf 13 Todte gekostet. In allen Grenzstädten, in Pelotas und Rio Grande, nicht minder in den Hauptorten der Kolonieregion ist die alte Ordnung wieder hergestellt. Es ist eine vollständige Restauration. Die Behörden, die bis zum November v. I. fungirten, treten wieder in Thätig­keit. Die gewählten Gemeindervertretungen, die bei Seite ge­schoben waren, nehmen die Gemeindeverwaltung in die Hand. Das erste Dekret, das Viktorino Mouteiro erließ, stürzte die von Barreto Leite dekretirten Justizorganisationen um und berief die früheren Richter wieder ins Amt.

So hat denn Rio Grande do Sol seit November v. I. einen vollständigen revolutionären Kreislauf vollendet und befindet sich wieder auf dem alten Flecke. Die Rechnung über die Kosten wird später schon gelegt werden. Die im November aufgebotenenPatrioten" haben Summen verschlungen, über welche fabelhafte Angaben im Umlauf sind, und die republikanischen Freiwilligen jetzt werden die Sache auch nicht umsonst gemacht haben. Der Humor der Geschichte liegt aber in der Unter­st. ützun g betneue ft en Umw äl zu.n g srite n sder Bundesregierung. Marschall Floriano mußte die­jenige Partei stürzen helfen, deren Erhebung im November v. I. die erste Staffel zu feinem eigenen Aufsteigen zum Platze des ersten Beamten der Republik bildete, und er mußte derjenigen Partei förderlich sein, die im November gestürzt wurde, weil sie nicht sofort Front gegen den Staatsstreich Deodoro's machte, also aus demselben Grunde, aus welchem rundum die Präsidenten oder Governadore fast aller Staaten haben weichen inüssen. Allerdings hat Julio do Castilhos die Regierung formell abge­geben, aber thatsächlich ist er der Chef der regierenden Partei. Was hat nun sie und den Marschall Floriano wieder zusammen- gesührt? Darauf gibt es keine andere Antwort als die: der Ver­dacht und das Mißtrauen gegen die monarchischen Hintergedanken einer Partei, die Silveira Martins zum Chef und den General JoeaTavares zum künftigen Präsidenten von Rio Grande do Sul proklamirt hat.

Was ist das? Ist es wohl der keusche Winter, Der mit dem Schneeglanz Deine Flecken sauber Gemacht hat, daß Du strahlst als wie die Lilien?

O nein! Ein Quell ist das, aus Himmeln rinnt er. Der trägt von Ewigkeit in sich den Zauber, Daß er kaun ird'scher Schönheit Flecken tilgen.

Außer der Bezeichnung Sommersproffen oder Sommerflecken gibt es noch eine ganze Menge von Lokalnamen, von denen ich die wichtigeren hier bringen will. Bei Simrock finden wir Sprussen schlechtweg. Hier und dort hört man von Laubflecken. Der Baier, auch der Tiroler, sagt Merl, Mörl, Summermerl, Sommermietl, Zanpser verzeichnet Sommermirl; eine mit Som­mersprossen behaftete Person heißt summermerlet, summermörlt. Die Eigeldaum-Briefe haben den Ausdruck Sommermiedel; merken bedeutet mit Pünktchen versehen, somerket" man z. B. die Ostereier, indem man sie nach der Härtung in einen Ameisen­haufen,legi. Landbirnen mit sommerfprossenähnlichen Punften heißen Merlbirnen. Ein bayerisches Schnaderhüpfl sagt;

Moanst allweil. Du bist schö, Js aber nit wahr.

Bist tüpflt und gmerlt Und hast o roths Haar.

Im tirolischen Stanzerthale hört man den Ausdruck Roslen (ältere Sprache der rösim=lentigo infacie). Ein Vokabular von 1663 hat rieseln. Merzenrieseln hört inan in Vorarlberg; auch Twinger und Pictorius haben Risel. Dem Vorarlbergischen Märzeutieseln entsprechen die Schweizer Märzflecken. Sind die Flecken recht klein, so heißt man sie in Hertseld Maienblümlein;*) die großen Flecken nennt manRoßmuyken". So heißen sie auch in Schwaben, Bayern, im Eichstädtischen rc.; in Franken hört man nach Schmeller auch Losmugken. In Tirol hört man auch die Bezeichnung Fechen vom altdeutschen seh; er ist sehet unter dem Gesicht, schreibt schon ein Glossator des 16. Jahrhun­derts. Bei Schmeller findet sich auch Sprinz, Sprinzel verzeich­net ; die Gotscheer sagen sprinzat. In Ertingen sagt man Kuh- pflätter, im fränkischen Ries der Tatz, das Tätzle, das an das italienische la taccia, das französische tache erinnert; taches de rousseur, lentilles, bräns de Judas, marques de Judas.

Sehr häufig ist in Bayern die Bezeichnung Gugkerscheyken, Guckgucksscheyken; in Niederösterreich hört man Gugascheggn; mitunter sagt man auch blos Gnckitzer. In Niederösterreich glaubt man nämlich, man bekomme Sommersprossen, wenn man dem

*) Thau auf Maiblumen gefunden wird al« Gegenmittel gebraucht.

Deutsche» Reich.

K Bom Rheitt, 30. Juli. Durch die königl. Staats­regierung ist einer Reihe von fog. bischöflichenPfarreien, welche bisher des Staatsgehaltes entbehrten, dasselbe verliehen worden. Aus den von den Regierungen dem bischöflichen General- Vikariat in Trier zugegangenen Zusammenstellungen ist ersichtlich, daß die Gewährung dieses dauernden Staatsgehaltes von Einfluß auf anderweitige Leistungen des Staates, nicht aber der Gemein-

Friedeus-Bemne.

W Wir bringen in Erinnerung, daß die beiden Friedens­kongresse vom 22. bis 30. August in 33 c r n stattfinden. Der allgemeine Kongreß, an welchem außer den Delegirten der Friedens- Vereine Jedermann theilnehmen sonn, beginnt am 22. und ihm folgt bann die Konferenz der Mitglieder aller Parlamente. Die günstige Lage Berns und die ohnehin starke Reiselust in die Schweiz lassen einen zahlreichen Besuch beider Kongresse erwarten.

In R o m Überragten die italienischen Mitglieder die ausländi­schen, in Bern wird es wohl umgekehrt sein. In Rom kam dazu, daß die Friedensbewegung in Italien eine ganz außerordentliche Ausdehnung gewonnen hat, gegen die wir noch sehr zurückstchen. Eine ganze Reihe vonFriedensvereinen [gegen 30] besteht itl streit Töailor, ßuiibc», unb Qf- * i c b cn 93c i l a 11 g r n ylbi es nicht nur in Rom, Mailand unb Turin, sondern auch in Sizi­lien, wobei auch noch die Tagespreise für alle Kundgebungen der Friedensvereine offen steht, in Mailand z. B. das größte dortige Blatt31 Secolo", welches sich der Friedenssache mit großem Eifer annimmt.La Liberia e la Pace" in Palermo brachte schon vor einiger Zeit einen interessanten Aussatz von Frau Fi scher-Lette Über die Erziehung zum Frieden. Die Preisausschreibung des lombardischen Frtedensbnndes für ein gutes Werk über den Frieden wurde von der gesummten italienischen Presse ausführlich bespro­chen und ebenso werden alle anderen Kundgebungen der Friedeus- Vropuganda von der Presse berücksichtigt. Die Theilnahme der Frauen an der Friedensbewegung wird in Italien scheints in ganz anderem Lichte betrachtet als bei uns. Dort sind es gerade die höherstehenden Klaffen, welche sich betheiligen, bei uns gilt es noch für etwas weniger Ernsthaftes.

Auch in der S ch w e i z ist man viel eifriger in Friedenssachen als bei uns. Fast kein Tag vergeht, an dem nicht Schweizer Blätter Mittheilungen über Friedensangelegenheiten bringen. Auf Anregung Molk en bo er's, der inzwischen von Bonn nach Berlin übergesiedelt ist, hat sich auch in der Schweiz eine Sektion der internationalen Bereinigung gebildet, welche auf vernünftige Erziehung der Jugend zum Frieden hinarbeiten will. Diese Sektion hat allein in St. Gallen 100 Mitglieder, und es ist ihr die Wochenschrift für einheitliche Jugenderziehung und Volksbildung" in St. Gallen bereitwillig für ihre Zwecke zur Verfügung gestellt worden. In S p u nie» unb P ort» g a l haben sich Friedensver-

Iemlleton.

Kuckuck, da er schreit, nachspottet. Im steirischen Ermsthal heißt es, jene Kinder erhielten Kuckucksflecken, die in den Monaten, wo der Kuckuck schreit, also im Mai, Juni oder Juli entwöhnt werden. Mannhart sagt, als Lebensspender verleihe der Kuckuck dem Körper wohl auch Schönheit, habe aber ebenso die Macht, ihn zu verunzieren. Sein weichlicher Bauch ist mit feinen, dichten schwarzen Wellen und fein schwarzer Schwanz nebst Schwingen wieder mit weißen Flecken gezeichnet. Unsere rothe Varietät na­mentlich hat auf Kopf und Hals weiße und braunrothe Flecken und über Rücken unb Schwanz rothgelbe unb dunkelbraune Ouer- binden. Dieses scheckige Bunt überträgt der Vogel auf die Bien- scheu. Daher meint man in Bayern, der Kuckuck habe Sommer­sprossigen ins Gesicht gelacht. In Preußen sagt man, bunt aussehen, wie ein Kuckuck, was immerhin liebenswürdiger ist, als das Wienerische: ausschauen wie a Krot am Bauch. Pater Koglgruber hat den Einfluß des Kuckucks in schönen Reimen be­sungen. Ein Bauernbursch, erzählt er, habe einen Tannenbaum bestiegen und von demselbengugatzt", d. i. den Kuckucksruf aus- gestoßen, um seine auf der benachbarten Wiese mähende Lies zu foppen. Sie that, als ob sie nichts höre und ärgerlich darüber, steigt er vom Baum herunter:

Grad tn dem Augenblick Hass wolln mei Mißgeschick, Daß in ganz oagner Art Mir über's Gsicht öpp's fahrt. Dort und da tupft und sticht Und z'glei der Äst abbricht. Auf dem i gftanben bi, Daß's kracht hat fürchterli. Ich bin auf d' Erd herplumpft, O weh! Niederkunft!

Wie i so baglegn bin. Ganz z'schunden, Halbs schon hin Und um a Hilf a plär, Kimmt gtei mei Lies daher, Di aber hat nur gelacht Und mir no Vorwurf gemacht. Hat gsagt sogar zu mir: Schau, bas bergunn i Dir. Weil'S Di wallst ganz verstölln. Und gar Dei Dirndl prölln, Weilst hast ön Guggru g'spott' Hat Di hiatzt gfiraft sehn Gott. Mit Schecken löbenklang Auf Stirn und Ras' und Wang' Da, da, da, leck, leck, leck!

Adieu Gühkerscheck!

Unzweifelhaft besaß der Vogel nicht allgemein die Eigenschaft,

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Gr. Eschenheimerstr. K

zu thun Übrig? Soll er Homerule ganz Über Bord werfen und das übrige liberale Programm in Angriff nehmen? Damit wäre den Iren selbst doch gewiß nicht gedient, sie würden sich auch auf die Dauer kaum in geduldiges Warten auf bessere Zeiten schicken. Die Gefahr ist vorhanden, daß das Jniereffe des Wächters für Homerule an Stärke verliert, und bei Gladstone's hohem Alter müffen die Irländer auch mit dem Umstande rechnen, daß sie plötzlich ihres eifrigsten und erfolgreichsten Fürsprechers beraubt werden könnten. Unter solchen Umständen wäre darum ein neuer sofortiger Appell an das Volk nothwendig, und um in diesem Wahl­kampf den Sieg der Liberalen gewiß zu machen, räth Labouchere zu gleicher Zeit mit Homerule die bereits mitgetheilten Reformen an. Der Vomahme einer solchen Reform zusammen mit Homerule in einer und derselben Session steht gewiß nichts ent­gegen. Zwei oder drei große Gesetze werden ja fast immer nebeneinander durchberathen. Ein solches Gesetz würde auch jedenfalls weniger Zeit in Anspruch nehmen als eine Homerule Äill und daher, wenn auch gleichzeitig mit jener eingebracht, rascher dem Oberhause unterbreitet werden können. Das würde nun allerdings Gladstone dem Vorwurf aussetzen, seine wieder­holt und so bestimmt gegebene Versicherung, er wolle unbedingt erst Homerule erledigen, nicht erfüllt zu haben. Allein wenn unter den veränderten Umständen selbst die irischen Abgeord­neten eine Verzögerung in der Einbringung der Homerulebill für wünschenswerth erachten sollten und dahin haben sich auch einige von ihnen schon ausgesprochen so wäre ein solches Vorgehen wohl schließlich gerechtfertigt. Indessen der Plan hat doch ein Häkchen und zwar besonders für die Irländer. Der obigen Wahlreform haben die Tories bereits selbst zum großen Theil zugestimmt, allein sie verlangen und man kann ihrer Forderung eine ziemlich große Berechtigung nicht absprechen, daß, wenn das PrinzipEin Mann, Eine Stimme" zur gesetz­lichen Geltung kommen solle, man auch zu gleicher Zeit eine neue gerechtere Vertheilung der Wahlkreise im Verhältniß zur Bevölkerung vornehmen müsse. Eine derartige Neuauftreibung des Landes würde, abgesehen von lokalen Verschiebungen, Schott­land, Wales und den größten Theil der englischen Städte und Grafschaften in Bezug auf ihre Gefammtrepräsentation fast un­berührt lassen. Aber Irland, und gerade das Homerule - ver­langende Irland würde 2025 Mandate abgeben müssen, die fast sämmtlich auf London und die umliegenden, erzkonserva­tiven, Grafschaften zur Bertheilung kamen. Die Liberalen wür­den allenfalls dieser Vorlage, ohne sich besonders dafür zu be­geistern, beistimmen, die Irländer indessen bekämpfen sie mit offener Feindseligkeit. Also dürfte schon aus diesem Grunde die augenblicklich so viel von sich reden machende Abweichung von dem Gladstonischen Programm schwerlich ausgeführt werden.

n.

Von Richard v. Strele.

Laßt sie nicht in die Sonne gehen. Hamlet.

In der Münchener Hof- und Staatsbibliothek befindet sich ein äußerst umfangreichem Papiermanuscript, das von dem Mün­chener Licentiaten Müller anno 1580 für den Herog Wilhelm V. von Bayern geschrieben wurde undBefehle und Verordnungen für die hohe Frohnleichnamsprozefsion" enthält. Müller gibt unter Anderm auch an, wie Vertrauensmänner namentlich zu den Eingän­gen der verschiedenen Kirchen verordnet werden sollen, welchetaug­liche Jungfrauen" für Madonnen und andere Heilige zu wählen hätten, und prägt der geistlichen Assentkommission nachdrücklichst ein, die Jungfrauen zu bereden,daß sie sich bis auf bett Um­gang so viel Inen zuelässig vnd thunlich der Sannen enthalten."

Der gute Licentiat muß genau ben bösen Einfluß bes Tagge­stirnes auf bie Haut der Münchener Schönheiten gekannt haben, namentlich die Wirkungen der Frühlingssonne, welche nicht nur das zarte Weiß in Braun verwandelt, fondern auch jene merk­würdigen Erscheinungen hervorruft, welche man gemeiniglich Sommersprossen, Sommerflecken zu benennen pflegt.

> Die Sommerflecken sind jene bräunlichen Tupfen oder Flecken, welche im Sommer so manches schöne unb unschöne Ant­litz bebecken. Sie bilben sich bekanntlich unter dem Einflüsse der Sonnenstrahlen in der Schleimschichte der Oberhaut, in den Epidermiszellen und kommen gewöhnlich nur an unbedeckten Hauptstellen vor. Sie erscheinen mit dem Sommer und ver­schwinden meistens gänzlich mit demselben. Vater Rückert gedenkt Vieser Erscheinnng in einem Sonett seines Liebesftühlings:

Im Sommer draußen, als durch Busch und Hecken Auf Deinen Fußtritt meiner sich erpichte. Beklagt' ich Deine Schönheit, daß zunichte Daran ein Theilchen ward durch Sommerflecken.

Jetzt, wie Dich die Erinnerungen wecken

Vor meinem Geiste, staun' ich, wie im Lichte Du dastehst mit so reinem Angesichte, Daß ich kein einz'geS Fleckchen kann entdecken.

den ist. Die Regierungs-Hauptkassen sind mitAnweisung versehen worden, die bewilligten Beträge an die Inhaber der betr. Pfarreien vom 1. April d. I. ab zu zahlen. Im Regierungs­bezirk erhalten diese Zulagen 12 Pfarreien mit im Ganzen 4800 Mark, im Regierungsbezirk Trier 34 Pfarreien mit 13,295.24 Mark.

K München, 28. Juli. Die schon mehrfach von Ge­meinderäthen im vorigen Jahre beanstandete Zunahme der Aus­gaben für Ehrungen und Repräsentation ist im ab­gelaufenen Rechnungsjahr noch weiter gewachsen, der betreffende Posten beträgt für 1891 95,039 JC., um 46,300 JL mehr als der Voranschlag. Eine große Stadt hat allerdings große Re­präsentationsverpflichtungen, aber fast 100,000 X auf 350,000 «ft. Einwohner ist doch viel, auch wenn, wie im Vorjahr, die Re­präsentation vor dem Kaiser dazu kommt. Da darf der jüngste Spar - Erlaß des Ministers bes Innern schon einige Wirkung thun. Auch nach mancher anderer Seite darf er das. Was den Erlaß des Ministers betrifft, fo ist es eigentlich eine Auffrischung eines ähnlichen Erlasses, mit dem der Minister Anfangs der 80er Jahre ins Amt trat. Damals war namentlich unter dem Druck von oben viel zu viel in sog. Schulpalästen auf dem Lande ge­schehen, wodurch die Abneigung der Landleute gegen die Schule nur vergrößert wurde. Der Erlaß hat damals in der That einen Halt in der Steigerung der Gemeinbeausgaben geschaffen, was längere Zeit nachgewirkt, bis seit einigen Jahren roieber eine Auswärtsbewegung wahrnehmbar geworben. Man bars allerdings nicht alle Mehrausgaben als überstürtzte betrachten, denn manche ©emeinben haben eben wirklich Versäumtes nachzuholen, auch gibt es Ausgaben, bie lukrativen Zwecken bienen. Dckgegen kommt es ba unb bork und zwar nicht gar selten, in großen und kleinen Gemeinden vor, daß ans Vettern- und Basenwirthschaft, ans Partei- und anderen Rücksichten Einrichtungen beschlossen, d. h. Ausgaben gemacht werden. Hier darf schon eingedämmt werden, daß die Gemeinden gerade in einer ganz bestimmten Richtung, gewissermaßen in einer Art Mode Ausgaben machten, ist nicht wahrzunehmen. Sehr dankenswerth ist es, daß der Minister nicht bei der Ermahnung der Gemeinden stehen geblie­ben, sondern auch die Kreisregierungen und Bezirksämter in den Ring seines Erlasses gezogen. Mancher Verwalinngsbeamte hat sein eigenes ganz absonderliches Steckenpferd und er sucht dann die Gemeinden mit mehr oder minder gelindem bureaukratischen Drucke zur Verwirklichung seiner Lieblingsibeen zu bringen. Hier kann durch den Erlaß mindestens ebenso viel Ersprießliches ge­schaffen werben, wie durch die Ermahnung an die Gemeinden, die nun wissen, daß sie beim Minister Rückhalt gegen Ansinnen haben, bie ihnen aus praktischen Grünben nicht konveniren.

Holland.

k! Amsterdam, 23. Juli. Die zweite Kammer hat heute ben Einkommen-Steuer-Entwurf bes Finanz- ministers Pieison mit 62 gegen 33 Stimmen angenommen. Die lieberalen unb einige Mitglieder der katholischen Partei stimmten für, die Anti-Revolutionären und die übrigen Katholiken gegen den Entwurf. Der Anttag auf Herabsetzung der Accise für Seife und Alkohol wurde ebenfalls angenommen, allein dem Widerstande des Ministers zu Trotz wurde die Salz-Accife nicht, wie die Regierung vorschlug, auf 4°fl. pro 100 K., sondern auf 3 st. festgestellt. Am nächsten Dienstag wird die endgültige Ab­stimmung über sämmtliche Gesetzentwürfe stattfinden. Hoffentlich wird die Annahme der niedrigeren Salzaccise, welche der Finanz- minister für unannehmbar erklärte, das Zustandekommen der übrigen Reformen nicht verhindern. Die Kammer erklärte sich mit dem Anträge des Ministers, daß fammnicye öeptmmuiigcn am L Mai 1893 in Kraft treten, einverstanden.

Großbritannien.

B London, 29. Juli. Die Abhängigkeit Gl ad - ftoneS von den irischen Stimmen auf der einen und den Exttem-Radikalen auf der anderen Seite scheint es zu erheischen, daß noch vor dem thatsächlichen Sturze des gegenwär­tigen und der Bildung des gladstonischen Kabinets die liberalen Parteiführer zu einem Entschlüsse kommen über die zunächst in Angriff zu nehmenden Gesetzesarbeiten. Man hat bereits mehrere Fühler ausgestreckt, um die augenblickliche Stimmung unter den Iren zu erforschen. So sucht z. B. Labouchere die Irländer davon zu überzeugen, daß es in ihrem eigensten Interesse läge, nicht auf einer absoluten Bevorzugung Homerule's vor jeder anderen Re­formbestrebung zu bestehen. Auf den ersten Blick scheint dieser Vorschlag den Iren eine Gutmüthigkeit zuzumuthen, die bisheriger Erfahrung gemäß gerade keine ihrer Schwächen ist und zugleich auch den von Gladstone mit so großer Entschiedenheit gemachten Aeußerungen gegenüber aller Rechtfertigung zu entbehren. Allein Labouchere's Plan hat von feinem Parteistandpunkte doch Vieles für sich. Die Verwerfung jedwede die Iren einigermaßen zu­friedenstellende Homerule's Seitens des Oberhauses kann man als ausgemachte Sache betrachten. Was bliebe dann Gladstone

Die Beschießung von Porto Alegre.

W.S. Porto Alegre, 29. Juni.

[ So überraschend leicht der U ms chw u n g , von dem ich in meinem letzten Schreiben vom 18.d. berichtete, sich Hierselbst voll­zog, so bange Tage folgten diesem Ereignisse für unsere Stadt, «nd um es sogleich zu sagen, die revolutionirende Partei kann sich ' heute noch nicht ihres Sieges ohne Sorgen erfreuen. Es ist in der Campansa noch nicht Alles richtig, aber die Mittheilungen darüber werden fo spärlich uns zugemesseu, daß man dem Frieden eben nicht traut. Außer dem republikanischen Parteiorgan haben die landessprachlichen Tagesblätter ihr Erscheinen in vergangener Woche eingestellt, und nur zwei derselben werden seit Sonntag wieder ausgegeben. Die anderen striken noch, weil der Polizei­chef die Redaktionen ersucht hat, keine alarmirenden Nachrichten zu verbreiten. Der Telegraphenverkehr wird kontrollirt, und Posten und Dampfer konnten bis Samstag den 25. d. nicht aus­gehen, weil die Stadt in B l o k a d e z u st a n d sich befand. Wie ich in meinem letzten Berichte bemerkte, hatten die hier liegenden zwei Kanonenboote den Umschwung ruhig geschehen lassen. Indessen gelang es leider Herrn BarrosCassal,den Kom­mandanten des größeren der beiden Kriegsfahrzeuge, Capitün- Lieutenant CandidoBara, dahin umzustimmen, daß er die Hand zum Versuch einer Gegenrevolution bot. Barros Cassal und ein anderer Führer der Dissidenten, Lieutenant Irnobal Cardoso, Lehrer an der Militürschule, übrigens von ihrem eigenen Anhang so ziemlich verlassen, hatten sich an Bord des von Bara befehligten KanonenbootesMarajo" zurückge­zogen. Dasselbe hat etwas über 30 Mann Besatzung und ist

. mit einem Armstrong-Geschütz, einer Revolverkanone und zwei Nordenfeld'schen Mitrailleusen armirt. Am 21. Juni, Vormit­tags, wurde auf offener Straße ein Herr Paire verhaftet, eine 's. geliebte Persönlichkeit und eifriger Gasparist, der bei der De­monstration am 12. November v. I., durch die der damalige Präsident Julio de Castilhos zur Abdankung anfgefordert wurde, den Fähnchenführer gemacht hatte. Er zog durch feine exaltirten Reden gegen die neue Regierung die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich, indem er den Verdacht erregte, daß er Elemente zum Widerstande sammelte und eine ähnliche Demonstration in Scene setzen wollte, wie ihm im November gelungen war. Man sagt, daß Barros Cassal und Paiva auf die Mitwirkung der M i - litärschüler gerechnet haben, einerseits zum Demonstriren auf­gelegten Schaar. Doch verhielten sich diese während der ganzen

- Zeit durchaus ruhig, obwohl es sie tief gekränkt haben soll, daß der Marschall Floriano Peixoto sie in einem seiner Telegramme ÜN den General Vasqnes, den Kommandeur des Militärdistrikts, Kinder" nannte, welche zu verführen Cassal und Cardoso den Versuch gemacht hätten. Bei seiner Verhaftung nun zeigte Herr Paiva sich widersetzlich, so daß der verhaftende Delegado sich berechtigt glaubte, zu schießen. Die Kugel, aus einem Revol­ver, riß Herrn Paiva ein Auge aus, und obwohl er am Leben erhalten bleibt, wird er auch auf dem anderen Auge erblinden. S Die Verwundung rief ein peinliches Aussehen, eine Art Panik hervor, die gesteigert wurde durch ein von Cassal in das Publi­kum geworfenes aufteizeudes Flugbatt. Es hatte die Form eines offenen Briefes an den General Vasqnes, dem er wüthende Porwürfe darüber macht, daß er den Castilhisten beim Umsturz zur Seite gestanden hat. Caffal beschuldigte den General der Ueberfchreitung seiner Machtbefugnisse, der falschen Auslegung her ihm vom Marschall Floriano ertheilten Instruktionen, machte ihn für das vergossene Blut verantwortlich und forderte ihn schließlich unter Androhung eines Bombardements der Stadt auf, sein Kommando niederzulegen. Um seiner Forderung Nachdruck zu geben, gab derMarajo" einige Schöffe ab, die trfteit blind, die letzten zwei scharf. Sie richteten keinen Schaden an, aber der Schrecken war dennoch groß und allgemein. Sämmt­liche Geschäfte schlossen, der Verkehr war wie abgeschnitten, viele Familien flüchteten aus der Stadt. Kein Schiff konnte auslaufen, doch wurden einlaufende Schiffe, nachdem die Rebellen sich über­zeugt hatten, daß keine Truppen an Bord waren, in ben Hafen gelassen. Das andere Kanonenboot, derCamocim", zog es vor, davon zu dampfen, und stellte sich in Rio Grande zur Verfügung der Bundesregierung. Es ist ein altersschwacher Kasten.und konnte gegen denMarajo" nichts ausrichten, der nun die ganze Hauptstadt Porto Alegre mit ihrer Besatzung von 3 Ba­taillonen und dem starken bewaffneten Polizeikorps in Schach igelt. Außerdem stellten sich sehr viele Freiwillige der Re­gierung zur Verfügung, die in der Eile bewaffnet und organi- irt wurden. Auch hatte man sechs Kanonen im Arsenal. Aber mdurch ließen sich die kecken Rebellen auf demMarajo" nicht vertreiben, sie hatten nicht einmal Respekt vor den fulminanten Telegrammen, in denen Marschall FlorianaPeixotosie in die Acht erklärte, sie hielten dieselben für gefälscht. Der Vicc- präsident Dr. V i c t o r i n o Monteiro und der General Vosques waren in fortwährender telegraphischer Verbindung

sein Danaergeschenk wieder zurücknehmen zu können, wie ein Reim in Simrock's Kinderbuch beweist:

Kukuk, ich hör dich rufen, Abwäsche meine Sprussen, Daß se dich bestehn Und mich begehn.

Zu Erbstett in Schwaben hält man dafür, daß bie Sommer­sprossen vomMillthan" herrühren, einem Gifte, bas vom Himmel falle, wenn es bei Sonnenschein regnet. Man sagt baher:Bhuet bi Gott vaer em Millbau, daß de nit gscheckt weerst!"

Sehr allgemein verbreitet ist die Ansicht, daß die Kinder, welche man vor dem zweiten Jahre in ben Regen bringt, sommer- fleckig werben. Auch in bie Sonne soll man einjährige Kinder nicht tragen, wenn man sie vor Sommerftecken bewahren will. Am gefährlichsten ist für kleine Kinder der Strahl der Sommer- sonnwenb-Sonne. Für Erwachsene ist bie Märzensonne ge­fährlich, baher bie Bezeichnungen: Märzenflecken, Märzeuriesel. In Sarbinien heißt es: Die Märzensonne brückt ihre Zeichen auf. Das gibt bannjene überreifen Nacken, worin purpurne Pünktchen, als hätten lüsterne Vögel baran gepickt", von benen Heine in Trient fchwärmte.

Therefe von Arbter schreibt in einem Gedichte dem Neide bie Entstehung ber Sommersprossen zu. Er

.... schöpfet aus dem Quell Zwei Tropfen, wandelt sie mit Gifte Zu einer gelben Aetzung schnell. Und fprützt sie freudig durch die Lüfte. Er hat sich nicht zuviel vertraut!

Wohin ein Tropfen sich vergossen, Da haftet auf der Schwanenhaut Untilgbar nun ein Sommersprossen.

Was konnte ber Neid der Schönheit Aergere^ anthun! In Stadt und Land gelten die Flecken als arge Schönheitsfehler, namentlich die großen ockerfarbigen. Bei Schilderung von Häß­lichen fehlen die Sommerstecken selten. Dem jungell Stelzhamm begegnet dasWaldfräuerl", es istsurnmaschecklai und hübsch braun". Der Jnderhcld in Chaucers Canterburygeschichten wird geschildert mit

Lippen rund, die Nase hochgebaut, Citronensarb die Augen, roth die Haut, Mit Sommersprossen etwas übersprengt.

Abraham a S. Clara sagt von einer Frau, sie habe em übelgestaltes vnd gar ungeschaffenes Gesicht bekommen, ein Fell, ganz Brannauerisch, über und über getüpfelt in dem Angesicht

IrankfurlerZeilMg

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Montag. 1. Buru» 180»

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oder b. A. Siegle, 30, Lime Street E. C., London; Aug. Ammei, Strassburg;

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