Erstes Morgeir-latt der Krankfurler Zeitung

»2. August 1892

2. Sette. Nr. 22S.

von Kaiharina's Gesandten weiter, die dem Land und König

zum Trotz zur alten Macht hatten erheben wollen. Die Unduld­samkeit der Polen hatte ihr dann im Bunde mit Friedr-.ch dem

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Großen, Gelegenheit gegeben, unter dem Beifall Europas für die und dffen Staatsrath, die Gesetzgebung zwei Kammer«, der der

Berechtigung der Dissidenten gewaltsam einzutrettn und die auf das geltende Recht und alte Herkommen bestehenden Katholiken wie auch den König durch die Conföderation von Radom zu demüthigen. Sie hatte die sich in der Conföderation von Bar für den Glauben und die Nationalität Erhebenden unter den furchtbarsten Gräueln durch ihre Heere bekämpfen und nieder­werfen, und ihre Gesandten in dein Lande wie in einem feindlich ei oberten schalten lassen. Im Jahre 1877 einten sich Rußland, Preußen und Oesterreich über die Beute, und es wurde dem ge- sch'.vüchten in den Augen der Welt herabgewürdigten Reich ein Drittel feines Gebiets durch die erste Theilung entrissen.

Nach Einrichtung desbeständigen Raths", der zum größten

ten. Als nun ein Staatsmann von dem w.iten Blick des schon lange unter Friedrich dem Großen thätigen Herzberg eine Allianz Preußens, Englands, Schwedens, Polens und der Pforte dem Umsichgreifen Rußlands und Oesterreichs entgegen­stellen wollte, Rußlands Streitkrajte aber durch Kriege mit der Türkei und Schweden gebunden waren, hielt eine zahlreiche pa­triotische, die Hebung der ganzen Nation, selbst mit Ausgabe der Adelsvorrechte erstrebende, von Preußen und ande en Staaten unterstützte Partei es an der Zeit, die Sache der Reform in die Hand zu nehmen. Da wurde denn 1791 durch den Reichstag das Bündniß mit Preußen geschlossen, der immerwährende Rath aufgehoben und nach langen vielfach von den Gegnern gehemm­ten Berathungen in einer stürmischen Versammlung vielleicht nicht ganz gesetzmäßiger Weife eine neue Verfassung durchgejetzt, die, wäre ihr längere Wirksamkeit vergönnt gewesen, die Schäden des Landes wohl hätte heilen können. Nach dieser sollte Polen ein Erdreich werden, und nach Stanislaus Tode dem sächsischen Erbprinzen zufallen; die vollziehende Gewalt sollte dem König

form nur zu bald und wandtm sich um die Erhaltung der alte»

Verfassung und Freiheit der Republik wieder a« bie

Wiederabdruck der mit bezeichneten Artikel, sowie der Privatdepeechen ist nur nut Quellenangabe gestattet.

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Abgeordneten und des Senats zustehen, das Unwesen des liberum i veto und der Konföderationen abgeschafft, den Dissidenten im "l Ganzen Gleichstellung gewährt, die Rechte des Bürger- und Z Bauernstandes verstärkt und erhöht, dem Adel noch immerhin - manche Vorrechte gewahrt werden. Eine edle Begeisterung fchie» die ganze Nation wie auch den König erfaßt zu haben. Gleich­wohl regten sich die Feinde und verrätherischen Freunde der Re-

war ich im Begriff, Ihnen zu schreiben, um Ihnen zu Ihrer An­kunft Glück zu wünschen und Sie in einem Lande zu bewill­kommnen, dem Sie bei der Begründung seiner Freiheit hülfreich gewesen sind, da erhielt ich Ihren Brief, für den ich bestens danke. Ich bitte Sie überzeugt zu sein, daß Niemand eine höhere Achtung und Verehrung für Sie haben kann als ich, und während Sie den harten Kampf für die Freiheit und Ihr Vaterland kämpften, hat gewiß Keiner inniger und aufrichtiger als ich gewünscht, der schönste Erfolg möchte Ihre edlen Bestrebungen krönen. Aber die Wege der Vorsehung sind unerforschlich, und wir miiffen uns in Demuth unterwerfen. Seien Sie versichert, daß zu jeder Zeit und in allen Verhältniffen es mich beglücken wird. Sie in tll

meinem Hause zu sehen, von dem ich mich nie mehr zu trennen Theil auS russischen Kreaturen bestand, dauerte die Herrschaft gedenke." Dem Katharinas Gesandten weiter, die dem Land und Könia

Nach Falkcnstein erhoben die Vertreter des Landes Kosciusco ihren Willen auszwangen, die Mißbräuche erhielten, Reformen

zum Dank für seine treuen ehrenvollen Dienste zum Brigade- verhinderten. Aber bitter wurde der Druck von dem größten

general, verliehen ihm das Ehrenbürgerrecht, gewährten ihm eine an- und achtunaswürdigsten Theil dec Nation empfunden und rief

sehnlichePension und beschenkten ihn mit einemLandgute, desjenEin- unter dem warmen belebenden Hauch des Jahrhunderts bei sehr

fünfte er verzehren durfte, wo er wollte. Ein Anderer hätte nun Vielen das Verlangen nach auch eigene Opfer erheischenden Re-

vielleicht das Leben genießen oder in ehrenvoller Stellung unan- formen wach. Noch manche Umstände Ivirkten in dieser Bezieh­gestrengt in angenehmen Beschäftigungen verbringen mögen; aber ung günstig ein: der derKunst und Wissenschaft sich zuneigende,

Kosciuscos edle Seele verschmähte, was gemeinen nahe liegt und die Bildung befördernde Sinn des Königs, der Sturz der Ze­rr zog es vor, sich mit Aufbietung aller Kräfte und schweren suiten, die Verwendung des größten Theils ihrer Schütze auf den

Mühen in den Dienst des unglücklichen Vaterlandes zu stellen. Unterricht und die Mehrung und Verbreitung des Wissens. Wohl

Bei seinen Leistungen im Ausland gern ivieder in die Armee auf- mochte man daher an eine bessere Ordnung der Dinge denken,

genommen, arbeitete er treu in deren Dienst, und, wie sich zur wenn sich die politischen Verhältuiffe irgend freundlicher qestalte-

Zeit ausweisen sollte, nicht vergeblich. ' «... ..... - ' ~ a -

Bereits in Kosciuskos Kinder- und Jünglingsjahren hatte Polen im höchsten Maß die Bitterniß erproben müssen, welche die Einmischung des Auslands einem Reich« zu kosten geben kann. Schon unter den Königen aus dem sächsischen Haufe hcülen die mächtigen Nachbarstaaten Rußland, Oesterreich und Preußen darin oft ihres Vortheils wegen ganz nach Willkür ver­fahren. Im Verein mit der mächtigen, einflußreichen Familie der Fürsten Czartoriski, welche mit der Einführung eines absoluten Königthums zugleich die der so nöthigen Reformen anstrebte, hatte Katharina, die Zweite, dem Lande in Stanislaus Ponja­towski, ihrem einstigen Günstling, dem Neffen jener Fürsten, gewaltsam einen Herrscher ausgenöthigt, dessen Charakterschwäche bei sonst vielfach schönen Eigenscha ten die völlige Abhängigkeit von Rußland sicherte und die Absichten seiner Oheime vereitelte, die nach Stärkung des Reichs durch die Reform es dem Ausland

Kaiserin von Rußland, die eine Zeit lang, vom Kampf 1 mit der Türkei und Schweden in Anspruch genommen, : Polen sich selbst überlasten hatte, und traten, von dieser ermuthigt, c in der T a r g o w i tz e r Konföderation rücksichtslos der Ein- -1 führung jeder Verbesserung entgegen. Als sich nach glücklicher 1 Beendigung des Kriegs mit jenen beiden Mächten russische Heer« 1 wieder gegen Polen heranwälzten, in Preußen das System Herz- berg's ausgegeben und an die eigene Vergrößerung durch weitere» | Raub an dem schwachen Nachbarn gedacht ward, verlor der ] schwanke König den Muth und machte der Czarin die demüthigste» 3 Anerbietungen, die diese zurückwies, weil sie lieber als Vertreter« i des durch die Targowitzer Konföderation ausgesprochenen Na- j tionalwillens erscheinen wollte. Wenn Stanislaus kurz vorher tn der Begeisterung versprochen hatte, sich an die Spitze der Armee J zu stellen, so überließ er jetzt in Wirklichkeit deren Befehl seine» 3 im Krieg noch völlig unerprobten Neffen, dem späteren französt- ; scheu Marschall Josef Poniatowski, und zwar mit der strenge» | Weisung, sich gegen die Russen durchaus defensiv zu verhalten, j Die Truppen dieser waren schon von vornherein an Zahl über- .1 legen und wurden durch ihre Parteigänger, die Freunde de» 4 Alten, und Ueberläufer verstärkt, und doch fochten die Polen, wie 1 sehr auch durch die königlichen Befehle gehemmt und auf' den J Rückzug hingewiesen, nicht unrühmlich. Namentlich bestand 1 Kosciusco mit seinem Corps bei Dubienka (17. Juli 1792), 1 obwohl er nur kurze Zeit gehabt sich zu verschanzen, den Angriff : einer weit zahlreicheren, mit einer überlegenen Artillerie versehene» A russischen Hecrcsabtheilung, behauptete seine Stellung und brachte 1 bei geringem eigenen Verlust den Gegnern einen sehr bedeutende« e bei. Dieser Sieg verschaffte Kosciusco nicht nur die höchste Ach- 1 tung und Liebe in der Heimath, sondern auch europäischen Rus, | und er wurde seitdem ost der Leonidas Polens genannt. Dr» | Lande selbst konnte das glückliche Treffen wenig Helse» J Der vom König gebotene Rückzug der Armee lieferte dasselbe i» | Rußlands Hand. Stanislaus, wähnend, dadurch Polen vor | schlimmerem Unheil zu bewahren, würdigte sich herab, auf alle ; Forderung« der Targowitzer Conföderation einzugehe», und «B |

gerathenen Schiffe können, wenn sie unbeschädigt geblieben sind, wieder abgebracht werden; sie geben dann einen Theil ihrer Lad­ung an kleine Flußfahrzeuge ab und werden, nachdem so ihr Tief­gang verringert ist, bei Hochwasser durch Schleppdampfer abge- vracht. Aber natürlich sind die Kosten groß und noch viel mehr fällt die Störung ins Gewicht, wie man sie vor einigen Tagen wieder erlebt hat. Die Nothwendigkeit einer großartigen, plan­mäßigen Correction springt daher in die Augen. Bis jetzt hat man immer nur mit Baggern gearbeitet. Fortan wird man die ganzen Hülfsmittel der neuzeitlichen Flußcorrectionen anwenden müssen.

* Au- Thüringen, 9. Ang., schreibt man uns: Ein son­derbares Werk überDie Lebensversicherung i n D e u ts ch l a n d " st eh t i n A u s s i ch t. Herr Adolf Lippvld in Leipzig will gegen Ende dieses Jahres unter solchem Titel ein Buch von 2025 Bogen erscheinen lasten, das dazu bestimmt sein soll, .Gesellschaften, Behörden, Zeitungsredaktioneii und sonstigen Interessenten als ein höchst wichtiges, bis jetzt fehlendes (?), eine allgemeine Uebersicht über die Materie des Lebensverstchernngs- wesens in Deutschland bietendes Nachschlage- und Jnformations- buch zu dienen." Auffällig ist aber, daß nur diejenigen Anstalten ausführlich besprochen werden sollen, die Herrn Lippold bis zum 31. August 1892 ein sogenanntesAufnahmehonvrar" ' von 15 0^ zugehenlassen. Gesellschaften, die das nicht bewilligen, können nach dem Rundschreiben des Herrn Lippold nur einfach mit Namen, Domizil und Geschäftsbasis Aufnahme finden. Warum das nicht anders fein kann, wird Herr Lippold schwerlich sachlich zu begründen vermögen; denn das Buch taugt doch nichts, wenn nicht sämmtliche Anstalten mit gleichem Maße gemessen wer­ben. Hoffentlich wird keine der von Herrn Lippold angesprochenen Gesellschaften auf seinen eigenartigen Erwerbsverfuch hereinfallen.

Br. Bochum, 10. Aug. Im Jndustriebezirk ist eine Be­wegung bemerkbar, die darauf ahzieli, eine Verlegung des Lohntages durchzufetzen. Die Arbeiterfrauen empfinden cs nämlich als ganz besonders drückend, daß ihnen in Folge der Be­schränkung des Handelsverkehrs an den Sonntagen nicht genug Zett bleibt, um ihre Einkäufe von dem Gelde zu machen, das der Mann am Samstag Abend beimbringt. Da die Lebensrnittel am Sonntag und auch am Montag nicht auf dm Markt kommen, so sind die Frauen gezwungen, entweder noch am Samstag» Abend einzukaufen, was bei der Ueberfüllung der Läden die Auswahl und Prüfung behindert und sie daher schädigt, oder am Sonntag in den freigelassenen Stunden die Geschäfte aufzusnchen, die die verlangten Waaren erst aus dritter oder vierter Hand erhalten und dementsprechend theurer verkaufen, wodurch den Frauen, die mit sehr wenig zu rechnen haben, ein nicht unbedeutender Schaden erwächst. Diese Beschwerden sind als nicht unbegründet zu be­zeichnen. Am sichersten würde ihnen abgeholfen werden, wenn, wie dies inKngland Sitte ist, die Wochenarbeit am Frühnach­mittag des Samstag schließen würde. Daran ist bei dem Einfluß, den die Großindustriellen bei uns aus die Gesetzgebung haben, natürlich nicht zu denken. Auch gegen eine Verlegung des Lohn­tages, mit der nur den Frauen geholfen wäre, die nicht selbst im Fabrikbetriebe thätig sind, werden dieHerreu wohl Einwendungen erheben, weil daraus vor der Hand vielleicht einige Unbequem­lichkeiten erstehen könnten. Und so wird es dann aller Wahr­scheinlichkeit nach bei dem Alten bleiben, trotzdem dieses unzuläng­lich ist.

Großbritanien.

B London, 10. Aug. In der Erwartung, daß Glad­stone in der Adreßdebatte das Wort ergreifen würde, hatte sich gestern das Unterhaus bis auf den letzteu Platz gefüllt, und da das Parlament zur Zeit des Baues des Sitzungsaales eine viel geringere Zahl von Abgeordneten besaß als jetzt, so mußte sich mancher würdevolle Volksvertreter sogar mit einem Sitze auf den Treppenstufen begnügen. Gleich nachdem die Tische entfernt Waren, an denen noch einige verspätete Abgeordnete den Eid der Treue geleistet, betrat der zukünftige Premierminister, die ge­wohnte Rose im Knopfloch, kräftigen Schritts den Saal, um so­fort die Debatte zu eröffnen. Seine 70 Minuten währende Rede war fast ausschließlich eine Antwort auf den von den Jr- ländern ausgesprochenen Wunsch nach einer abermaligen Bestätig­ung, daß Homerule den Vorrang im liberalen Programme be haupten solle. Nicht schwer fiel es Gladstone, sie darüber mit dem Hinweis auf seine häufigen desbezüglichen Aeußer­ungen zu beruhigen. Allerdings enthielte, so meinte er, die Erbschaft, weiche die Liberalen von der Regierung zu übernehmen hätten, auch eine andere drückende Schuld, die seit sechs Jahren verschobmm oder verstümmelten Reformen, die Großbritannien immer gebieterischer fordert. Groß wie ihre Zahl, und schwer wie bie Arbeit fei bie liberale Partei würde sie in Angriff nehmen. Indessen in erster Linie verdiene doch Irland gehört zu werden. Die Entfernung der Zwangs-Bill aus dem Gesetz- bnche des Reichs hinge nur davon ab, wann das Parlament da­für die Zeit übrig, haben würde, die Zuchthausstrafen einiger Wegen Bombenattentaten verurtheilten Irländer könnten und Würden sie es? von dem jeweiligen Minister des Innern allein Verkürzt werben, und wasHomerule selbst beträfe :Ist bie irische Frage nicht in der That alles für mich? Welches auch meine Pflichten im öffentlichen Leben sein mögen, ich werde versuchen, sie zu erfüllen, so lange ich einen Sitz im Unterhause inne habe. Ab« ich darf sagen, daß diese irische Frage beinahe, wenn nicht ganz und gar, das einzige Band ist, welches mich mit dem öffent­lichen Leben verknüpft." Im Parlamente sei nunmehr eiueWefjr» hett für Homerule gesichert. Jedoch die Lords solltm nach den Behauptungen aller Minister entschlossen fein, jede Homernle- Bill zu verwerfen. Allein ein liberales Kabine! von heute würde sich nicht mit solcher Verwerfung oder irgendwelcher Verstümme­lung zufrieden geben.Das Haus der Lords wird niemals einen Wichtigeren Gegenstand vor sich gehabt haben, sowohl was das Reich betrifft als auch sie selbst," ein nicht mißzuverstehen- ber Hinweis, daß btt Reformen des Hauses der Lords dann

Vermischtes.

* Aromverg, 9. August. Wie derBolksztg." gemeldet Wird, find im Korf« Trzeciewnica bei Rakel 22 Gebäude mit großen Erntcvorräthen niedergebrannt. Der Schaden ist ganz bedeutend. Mau vermuthet, daß das Feuer von einem betteln­den Individuum angelegt worden ist.

# Kassenbuch b. Boppard, 9. Aug. Auf eine schreckliche Weise kam heute ein Einwohner ans Beulich zu Tode. Der Monn hatte auf dem hiesigen Viehmarkte einen Stier gekauft, den er an die Gemeinde Salzig abliefern wollte. Unterwegs scheute das Thier, rieh sich von dem Strick los, stürzte sich auf den Führer und schlitzte ihm mit einem Horn den Leib auf. Im Hospital zu Boppard starb der Mann. Ein Metzger aus St. Goar fesselte mtt Hülfe von 3 Leuten das wüthende Thier.

# Aus Sachsen, 9. August. Dem vormaligen Amtsrichter Conrad aus Elsterberg i. B., der am 7. Januar bs. IS. wegen eines schweren Sittlichkeitsverbrechens zu 2 Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde, und von dieser Strafe ein halbes Jahr verbüßt hat, ist der Rest im Gnadenweg erlassen worden.

* Menwieb, 9. Aug. Ueber ein Konkurrenztreiben unter denMetzgern wird demR. C." gemeldet:Bis vor kurzem kostete hier das Pfund Ochsenfleisch 70 Pfg., das Pfund Rindfleisch 60 Pfg. Vorige Woche nun machten zwei hiesige Metzger bekannt, daß sie das Rindfleisch zu 50 Pfg. abgeben. Tags darauf schon boten andere Metzger das Rindfleisch zu 45 Pfg. und Ochsen­fleisch erster Güte zu 50 Pfg. an. Wieder andere Metzger machten Preisunterschiede für mageres, mittelmäßiges und fettes Fleisch. Daraufhin errichteten mehrere hiesige Metzger in einem gemeinschaft­lich gemietheten Hause eine Verkaufsstelle und gaben seitdem das Pfund Rindfleisch erster Güte zu 35 Pfg. ab. Auch die Wurst wird (entgegen dem bisherigen Steife von 50 Pfg.) zu 25 Pfg. das Pfund abgegeben. Ein ganzer Ochse und sieben Kühe find aus diese Weise heute Morgen von 8 dis 11 Uhr ausverkauft worden. Der Andrang heute Morgen war so stark, daß die Polizei die Ordnung unter den vor dem Verkaufsräume angesammelten Weibern aufrecht er­halten mußte. Eine Frau, die mit ihrem Korbe nach links und rechts Hiebe führte, um sich Zugang zürn Laden zu verschaffen, wurde von der Polizei zurückgeführt. Als der Laden die Leute nicht mehr zu fassen vermochte, wurden 2 Fenster nach der Straße eingeschlagen und durch die so geschaffene Oeffnung das Fleisch an die Menge abgegeben. Heute Nachmittag werden 12 Stück Rind­vieh geschlachtet und gelangen morgen früh zum Verkaufe. Dieser billige Fleischverkauf, zu welchem Unternehmen die betreffenden Metzger als Verlust je 400 M. beigesteuert haben sollen, soll nut bezwecken, den Metzgern, die zuerst den Fleischpreis drückten, das Drücken heimzuleuchten.'

# Darmstadt, 10. Aug. In dem abgelaufenen Quartale hat der Großherzog abermals eine stattliche Anzahl von Stiftungen und Schenkungen genehmigt; die Gesammtsumme beläuft sich auf 86,280 ^l 75 Pfg.; davon entfallen auf die katholische Kirche und deren Einrichtungen 40,634< 60 Pfg., die evangelische Kirche 5456// und auf Wohlthätigkeitsanstalten 40,190 15 Pfg,;

in der letzten Summe befinden sich 20,000 -Z als Vermächtnis; des Herrn G. H. N a g e I an die Stadt Offenbach.

8 Stuttgart, 9. Aug. Trotz des vielfach regnerischen Wetters erzielte das Stuttgarter Schwimmbad im Juli eine Frequenz von 40,428 Bädern (gegen 39.248 im Juni). Volks­und Schüler Bäder waren darunter 15,225. Während der Vor­sitzende des Aufsicht-raths auf einer größeren Reise zum Zweck des Besuchs der hervorragenden Bäder Oesterreichs begriffen ist, schrei­ten die Bauten rüstig voran. Die überaus schwierigen und um­fangreichen Erdarbeiten sind endlich vollendet.

8 Stuttgart, 10 Aug. In der Liederhalle begannen heute die Verhandlungen der 6 0. Generalversammlung des Homöopathischen C e n t r a l v e r ei n s Deutsch­lands. Der Ehrenvorsitzende, Obermedizinalrath Dr. v. Sick- Stuttgart, hielt den ersten Vortrag über die E n sw i ck e l u n g der Homöopathie in Wür ttemb erg;es folgte ein Vortrag des Dr. Kröner-Potsdam über Herzkrankheiten, worauf Dr. Schlegel-Tübingen über Homöopathie und Weltanschauung sprach. Den Schluß der heutigen Sitzung bildete eine Rede von Dr. Göhrung -Stuttgart über die prophylaktischeM ethode. Nach her Verhandlung folgte ein Festessen, später eine Fahrt nach Degerloch.

Wien 11. August. (Privat-Tel.) Der Bahnwächter, wel­cher dadurch, daß er fälschlichStrecke frei" sigiialifirte, das U n glück bei Höflein herbeiführte, wurde verhaftet.

sorizusetzen. Es erfolgte eine Entführung, die beim Nachsetzen überlegener Verfolger mit der schweren Verwundung Kosciuscos und der erzwungenen Heimkehr der jungen Gräfin in's elterliche Haus endigte. Die Liebe zu der Gräfin Sochnowsky, die sich später mit dem Fürsten LubomirSki verheiralhett, war mächtig genug, um Kosciuscos ganzes Leben zu durchdauern. Zwar hat er sie nach jener gewaltsamen Trennung nur noch ein­mal kurz vor feinem Tode gesehen, doch schrieb er ihr öfter, und konnte er immer nur mit großer Erregung von ihr reden. Ein Taschentuch, das sie bei jenem unglücklichen Vorgang in seinen Händen gelaffen, trug er immer auf dem Herzen, und man mußte es ihm in den Sarg legen. Aus der polnischen Armee nahm er sofort feine Entlassung und bemühte sich in einer aufregenden Thätigkeit im Dienst einer so guten Sache wie des Befreiungs­kampfes der Nordamerikanischen Freistaaten Beruhigung für fern Herz zu finden. So lautet der möglicherweise mehrfach auSgeschmückke Bericht über einen Theil von des Helden Leben, der noch nicht gehörig durchforscht wurde. Es ist nicht unwahr­scheinlich, daß Thatendurst, der Drang nach weiterer militärischer Ausbildung, die Absicht in der Folge dem schwer leidenden Va­terland besser dienen zu können, bei ihm mit auf den Entschluß einwirkten, sich der Sache der Vereinigten Staaten hinzngeben. Ohne alle äußere Hilfsmittel aber von angesehenen polnischen Generälen und durch die eigenen Persönlichen Vorzüge empfohlen nahm ihn Graf D ' Estaing als Offizier bei der Erpedition auf, bie Frankreich eben zur Unterstützung Nordamerikas vorbe- reitde. Manches von dem, was Falkenstein, Kosciuscos Biograph, über dessen dortiges Thun und Wirken vorbringt, ist Wohl von der Forschung noch nicht bestätigt. Sicher ist, daß Kosciusco, einen General wie Washington vor Augen, eine treff­liche praktische Kriegsschule durchmachte, daß er sich alsJugenienr- oberft bei der Anlegung von Befestigungen auszeichnete, daß er zttletzt unter G r ee n e bei der Führung ondererTruppenabtheil- ungen rühmlich thätig war, und daß er ehrenvoll und wohlbe- lohnt das amerikanische Heer verließ. In einem Brief an den Generalmajor Gates sagt Washington, der den fremden Offizie- rm im Ganzen durchaus nicht zugethan war, über ihn:Ich schreibe Ihnen gelegentlich durch den Obersten Kosciusco, bett o ,un£trn,öon wir lasse, da sein ganzes Benehmen meine höchste Zufriedenheit, erwarb und sein Eifer und seine Thätigkeit bei dem ihm anvertrauten Bau der Festungswerke zu Westpoint «ns viel genützt hat." Bei seinem zweiten Besuch der Vereinigten Staaten nach der bedeutenden Rolle, die er m Baterlande gespielt, schreibt ihm Washington: 'Nachdem tch erfahren, daß Stt glücklich in Amerika angekommen,

An einer Bestimmung, wonach etwa aus Oesterreich emittirte Inhaberpapiere wegen dieser ihrer Beschaffenheit steuerlich als Kapitalforderungen eines durch das Patent ge­troffenen Eigenthümers erachtet werden sollten, fehlt es; dem 8 23 des Patents kann daher gegenüber dem 8 3 nur dann eine über die Grenzen des letzteren hinausgehende Wirkung beigemessen werden, wenn der darin gestattete Abzug einen anderen Charakter als den der Einziehung einer dem Gläubiger auferlegten Steuer oder der Erstattung für die Zahlung einer dem Gläubiger gegen den Staat obliegen­den Steuerschuld hat. Soll trotz 8 3 das Patent dahin aus­zulegen sein, daß der österreichische Gewerbsuntemehmer bei V ersteuerung des Ertrages seines Unternehmens von diesem Ertrage auch die Zinsen von Kapitalsschulden an im Aus­lande Wohnhafte nicht soll abziehen dürfen und daß das ihm nach § 23 des Patentes seinem Gläubiger gegenüber ge­währte Abzugsrecht auch gegen die im Auslande wohnenden Gläubiger gelten soll, so ist dies nur von dem Gesichtspunkte aus möglich, daß zum Mindesten in Rücksicht auf die Ausländern zu stehenden Kapitalien der österreichische Gewerbsunternehmer als der ausschließlich Steuerpflichtige im rechtlichen Sinne erachtet wird, der die Steuerpflicht in Höhe des ganzen Ertrages seines Unternehmens ohne Abzug der Zinsen für die darin angelegten ausländischen Kapitalien hat, daß ihm aber im Interesse seiner Erleichterung und thatsächlicher Ueberwälzung der Steuer der österreichische Staat mittelst Eingriffs in die Privatrechte der Gläubiger das Recht hat verleihen wollen, sich von seinen Zinsschulden

Gladstones nächste reformatorische Thätigkett bilde» würd«. Dieser Angriff auf das Oberhaus hatte Glaostone z» dem sein« Reden eigenen Feuer erwärmt; die kurze Paus«, welch« er vor den beiden letzten Worten machte, und der überaus ernste, fast prophetische Ton, in dem er sie sprach, übtet darum eine um so größere Wirkung aus. Es erregte die Liberalen zur Begeiste­rung uud machte die Tories nachdenklich, daß doch am Ende diese letzte Schanze gegen Homerule sich nicht als so sicher erweisen dürste, wie sie geglaubt und wie es ihnen Balfour in seiner Ant­wort auf Gladstone's Rede wieder glaubhaft machen wollt«.

durch seiner eigenen Steuerzahlung entsprechende ge Zahlungen zu befreien. Die Beklagte hat alsdann i Steuerschuld, nicht die des Klägers bezahlt. Sie zieht mittdi des Abzuges nicht an Stelle des österreichischen Staates ew von diesem dem Kläger auferlegte Steuer ein. Sie will mehr von einem durch österreichisches Gesetz in Oesterrei«^ wohnenden und steuerpflichtigen Schuldnern im InteresS ihrer Steuererleichterung verliehenen Recht, durch «38 sprechend geringere Zahlungen ihre Schulden zu tilgen brauch machen. Es handelt sich daher, sofern der §23 übe»?' haupt auf im Auslande wohnende Kapitalsgläubiger zu be ­ziehen ist, bei der Entscheidung, ob diese Wirkung auf die6 in Folge der Wahl des Klägers in Deutschland tehlbaree^ Zinsschulden anzuerkennen ist, nichtum dieGrenz e es der Steuerhoheit des österreichische*^ Staates, sondern um Grundsätze des so-! genannten internationalen Privatrechte* Diese Grundsätze aber, gleichviel ob man nach denselben dem' Rechte des Erfüllungsortes an sich eine subsidiär maßgebende Bedeutung, in vollem oder begrenztem Umfange, beimißt oder unter Leugnung solcher Alles auf den muthmaßlichen Willen der Kontrahenten oder an ihrer Stelle gedachter treuer Männer in Betreff des anzuwendenden Rechts über- i haupt oder des einzelnen in Frage kommenden Rechtssatzee t für sich allein stellt, führenzurVerneinung der Wirksamkeit jenes Alizugsrechts bei? Geltendmachung des Rechts auf Zahlung außerhalb Oesterreichs.

Das Reichsgericht beruft sich sodann für seine Auf ­fassung auf eine Reihe ausländischer Autoritäten und' führt weiter aus, daß auch bei der Wahl des deutsche»1 Zahlortes es darauf abgesehen war,die Schuldverschrei- - bungen für das fremde Währungsgebiet als überhaupt ] der Vorzüge einheimischer theilhaftig erscheinen zu las- ] sen und insbesondere die Bewirkung der Zahlung | als, nach Befugniß der Gläubiger denjenigen Einschränk* I ungen und Hinderungen entzogen zu kennzeichnen, j welche der österreichische Staat ihnen vermöge seiner Herrschaft im Domizil des Schuldners auferlegen lasse» | möchte und zur Wirkung zu bringen die Macht haben würde, wenn die Gläubiger zur Geltendmachung ihrer ! Forderungen dem Schuldner in sein Domicil folgen! müßten. Hätte wirklich der österreichische Staat die i Absicht gehabt, seine Gesetzgebungsgewalt aus einem 1 lediglich fiskalischen bezw. die wirthschaftliche Schonung | seiner Angehörigen und Besteuerten bezweckenden In* | teresse zu verwenden, so steht ihm die geschilderte Ten­denz der Stellung der Währung und Zahlungen auf | außerösterreichisefiem Gebiet entgegen.Gerade die An-1 Wendung des hier in Rede stehenden Abzugsrechts wäre4 aber, so schließt das Urtheil,auch unter dem G e*5 Sichtspunkte von Treu und Glauben noch? besonders zurückzuweisen, da die Beklagte in] den Schuldverschreibungen und Zinscoupons die v o 1 - J 1 e n Zinserträge als Gegenstand der Zahlung bezeichnet! hat, ohne von der Existenz der Abzugsbewillirang-I Kenntniß zu geben, obwohl bereits zur Zeit der frag- liehen Emission das Patent von 1849 in Oesterreich in j Wirksamkeit war. Daraufhin hat das Reichsgericht da- < mals die von der Elisabetbahn eingelegte Revision ver*l worfen, so daß die schuldnerische Gesellschaft verpflich- > tet wurde, die eingeklagten Zinscoupons nicht nur in | deutscher Währung, sondern auch ohne Abzug der ; Einkommensteuer zu bezahlen.

Vorn Geldmarkt. Unser Drahtbericht ühgg die i heutige Lage des Lr ndoner Geld-Markte» be- - zeichnet den Diskont als etwas steifer. Die ganie Be- i festigung beschränkt sich aber darauf, daß der Satx für feine Dreimonats-Wechsel, der vor einer Woche 13/is bis % gewesen war, heute mit 15/is Prozent zu notiren ist; vereinzelt wurde in den letzten i Tagen sogar schon 1 Prozent gemacht, doch waren - bisher feinste Wechsel auch zu hs Prozent anzubringen. Selbst wenn diese leise Versteifung, wie bei dem Herannahen des Herbstes sehr leicht geschehen kann, - weiter andauern, und sogar etwas zunehmen sollte, so fallen doch diese Bewegungen wenig ins Gewicht bei : einem derartig niedrigen Zinsniveau. Vor einem Jahre, ' als in London ebenfalls über große Geldabundani geklagt wurde, stand der Diskontsatz doch J/2 pGt j höher als jetzt, und vor 2 Jahren war er beinahe S 4mal so hoch gewesen. Tägliches Gold wird uns auch heute als leicht berichtet, 1% pGt., und für Börsen- Prolongationen erwartet man keinen höheren Satz als das i letzte Mal, wo zu 1% pGt. prolongirt worden ist. Bei der Bank von England zeigen die Aenderungen des heute vorliegenden Wochenausweises noch kein Symp­tom vermehrten Bedarfs. Der Wechselbestand hat um ? weitere Lst. 59,000 abgenommen, und den Privat- \ depositen, sind Lst. 689,000 zugeflosssen. Darauf konnte eine Entnahme des Staatsschatzes mit Lst | 486.000 gedekt werden, und da ferner die Bank ihren Bestand an Regierungs - Sicherheiten um weitere Lst 5 106,000 vermindert hat, so ist der Notenumlauf um Lst | 362,000 zurückgegangen, die Totalreserve hat sich sogar um Lst. 405,000 erhöht. Der Metallwerth nahm noch ein wenig j zu, um Lst. 43,000. Vom Auslande sind der Bank per Saldo j diese Woche nur Lst. 5000 eingegangen, doch wird für die Mitte dieses Monats mit dem Dampfer Victoria aus dem Osten l eine,Sendung von Lstr. 297,000 erwartet, wovon der größere j Theil in Sovereiges besteht. Die gesammten Verbindlich- j keilen sind jetzt mit 45.52 pGt. gedeckt gegen 44.70 pGt . der Vorwoche und gegen 44.22 pGt. vor einem Jahre. i Bei der Bank von Frankreich ist der Wechsel- bestand, der vorige Woche um fast 100 Millionen ge­sunken war, nur noch um Fr. 12.48 Mill, zurückgegangen, die Ueberschüsse auf Werthpapiere und Edelmetall um i Fr. 5.93 Mill. Ueberdies haben die Privatdepositen - Fr. 11.69 Mill. Zuwachs erhalten, die Regierungs-Einlagen Fr. 14.92 Mill. In Folge dessen ging der Notenumlauf um Fr. 36.es Mill, zurück, und hat der Goldvorrath \ weiter Fr. 25.41 Mill, gewonnen. Die Deckung der Noten ' erhöhte sich von 94 auf 95.25 pGt., während sie vor einem - Jahre nur 88.12 pCt betragen hatte.

* Der österreichische Steuerabzug vor dem Reichsgericht.

Der in seinem Wortlaut veröffentlichte Bericht der Staatsbahn - Verwaltung führt zur Rechtfertigung des Steuerabzugs u. A. aus, daß nicht nur die Südbahn- Gesellschaft unter dem Drucke einer Nothlage den Abzug thatsächlich vorgenommen habe, sondern daß dies von sämmtlichen österreichischen Eisenbahngesellschaften ge­schehen sei, insoweit sie nicht durch den Text der be­treffenden Obligationen auf diesen Abzug ausdrücklich verzichtet hatten. Das Recht der Staatsbahn-Gesellschaft zur Kürzung der Zinsen um den Steuerbetrag sei von der Regierung wie vom Verwaltungsgericht anerkannt und dabei ausgesprochen worden,daß diesbezüglich nach österreichischem Rechte ein Unterschied zwischen dem inländischen und ausländischen Prioritätenhesitzer nicht bestehe. Das trifft aber, wie dieFranks. Ztg. wiederholt erwähnte, eben nur für die Auffassung des Verwaltungsgerichts von dem ö sterreichischen Rechte zu; in Deutschland wenigstens steht die Recht­sprechung auf dem Standpunkte, daß, wenn ein Staat die Abwälzung einer Steuer durch den Schuldner auf den Gläubiger zuläßt, diese Ueberwälzung wie jede andere Steuerlast ausschließlich die Angehörigen dieses Staates treffen kann. Die Verwaltung der Staatshahn-Gesellschaft führt mehrere andere österreichische Bahngesellschaiten auf, welche gleichfalls die Einkommensteuer von den Zinsen der ausländischen Obligationäre ganz ebenso wie von denen der inländischen gekürzt haben. Nun liegt bekanntlich ein sehr wichtiger Unterschied in dem Ver- : halten jener Gesellschaften und dem jetzigen Vorgehen der Staatsbahn darin, daß jene den Steuerabzug von Anfang an vorgenommen hatten, der Obligationär also nicht zweifelhaft war, daß die Auszahlung zu dem zuge- sicherten Zins - Nominalbeträge nur unter Abzug der Steuer erfolge; die Staatsbahn-Gesellschaft dagegen hat umgekehrt, indem sie das Beibehalten der bisher unver­kürzt erfolgten Zinsauszahlung für eine Ehrensache erklärte, die Obligationäre in den Glauben versetzt, sie I i hätten auf die Fortdauer der unverkürzten Zahlung zu ' rechnen.

Aber auch von den rein juristischen Gesichtspunkten aus erscheint die Behauptung, daß der ausländische Obli­gationär ganz ebenso dem Steuerabzug unterliege wie der österreichische, keineswegs so einwandsfrei, wie die Staatsbahnverwaltung dies hinstellt. Der Bericht der Staatsbahn führt als ein Beispiel für das jetzt von ihr I eingeschlagene Verhalten die Elisabeth-W estbahn an. Es wird deshalb von Interesse sein, zu erinnern, daß gerade bei dieser die Frage des Steuerabzugs schon i einmal vor das Reichsgericht gebracht worden ist, und i gegen den Schuldner entschieden wurde. Das am ' 4. Oktober 1882 verkündete Urtheil des I. Civil - Senats i verdient in mehrfacher Hinsicht Beachtung. Es wird darin ausgeführt, daß die eingeklagten Zinscoupons weder solche sind, für welche zur Auszahlung österreichische landesfürstliche Kassen berufen sind, noch gehören sie zu Staatsschuldentiteln. Für die Frage der Einkommen­steuerpflicht komme daher weder die österreichische Ver­ordnung vom 28. April 1859 in Anwendung, noch das österreichische Gesetz vom 20. Juni 1868, welche aller­dings den Steuerabzugohne Rücksicht auf die Eigen­schaft des Besitzers vorschreiben, aber dies nur für die von den landesfürstlichen oder Staatskassen einzuheben­den Zinscoupons, von Staats-, öffentlichen Fonds und ständischen Schuldverschreibungen. Vielmehr kommt für diese Zinscoupons von österreichischen Gesetzen ledig­lich das Einkommensteuerpatent vom 2 9. Oktober 1 849 in Betracht, da die Gesetze vom 19. Dezember 1862 und vom 26. Juni 1868 sich auf die Verordnung von Zuschlägen beschränken. Das Reichs­gericht führt nun weiter aus, daß dieses 1849er Patent in§ 3 ausdrücklich von demjenigen Einkommen spricht, das die Bewohner der unter dem gegen­wärtigen provisorischen Gesetze begriffe­nen Länder beziehen, sodaß hier deutlich der Wirkungskreis des Patentes dahin beschränkt ist, daß als Steuersubjekte lediglich die Bewohner der österreichischen Kronländer erachtet wurden, wie dies auch durch Mini- steriälerlaß von 1851 und 1853 bestätigt wird. Dann fährt das Urtheil fort:

* H'reßburg, 9. August. Der Phylloxera- Kommissar Vetter wurde heute Vormittag, als er mit der behördlichen Kom­mission in das verseuchte Weingebiet kam, von ca. 100 Weingarten- . besitzern, welche eine drohende Haltung einnahmen, in die F l u ch t gejagt. Nachmittags besetzten 100 Honveds die Weingärten. Gelegentlich der Jnspizirung durch den General-Kavallerie-Jn- spektor Eagern in Parndorf erschoß sich, derD. Z." zufolge, gestern früh der Husar Georg Hintermayer vor der Ausrückung. Hintermaher hatte sich vorher gegen den diensthabenden Korporal renitent benommen und wurde von diesem geohrfeigt, worauf er sich erschoß.

E Waltend, 10. Aug. In dem Dorf C e s a (Caserta), ist am Sonntag während der Feierlichkeiten zu Ehren des Schutzpatrons eine mit Dynamit gefüllte Petarde explodirt Elf Personen blieben todt, sechsunddreißig sind schwer verwundet. Die Verwundeten sind gräßlich verstümmelt. Aus Caltanisetta wird ge­meldet, daß in der vergangenen Nacht in einer Höhle in der Nähe von Castrogiovanni der verbrannteLeichnam des kürzlich von Banditen gefangen genommenen reichen Gutsbe­sitzers B i l l 0 t t i aufgesundkii wurde. Die Banditen hatten ein Lösegeld von % Million Le verlangt gehabt.