ir. 341. XbHtbblatt

Jamstag, ». Dezember 1905.

ementsprels:

durchdrungen sein zum Wohle des ganzen Landes!

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Kleines Feuilleton.

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, zenz, Wirkungen des ultravioletten Limtcs, elektrische Eine! schäften des Wismuts, Elektrizität der Wasserfälle, Kathode!

3t».

Ayl 12. d. M., also kommenden Dienstag, erfolgt die Eröff­nung des badischen Landtags. Da die Zeit bis zu den Weihnachtsseiertagen nnr sehr kurz ist, so wird der neugewählten Kammer für eigentliche gesetzgeberische Arbeiten zunächst kein sehr großer Spielraum bleiben. Aber auch so durfte sich schon Gele­genheit genug zu grundsätzlicher Aussprache bieten, die nach allem, was während der Wahlen und nach dmfelben sich zugetragen hat, recht lebhaft zu werden verspricht. Gleich bei Konstituierung der Kammer ‘ wird die Gruppierung und das Stärkeverhältnis der

en und Konfessionsschulen in ganz unzulässiger Weise operiert, it Volksschulen mit Lehrkräften von nur einer Konfession sind Halb doch noch keine Konfessionsschulen. Wo besteht denn eine gliche Vorschrift, welche es hindert — wenn wir von Mdervorschriften einiger Landesteile absehen — daß in Äulkn mit überwiegend evangelischen Schülern katholische

Frankfurt, 9. Dezember.

wäre der größte Fehler, aus dem Umstände, daß der l'gesetzentwurf das alleinseligmachende KonfesfionS- ,ip nicht allen Volksschulen aufzwingen, sondern noch einen m Rest von Simultanschule» gnädig übrig lassen will, nun ilaern, daß hier ein annehmbares Entgegenkommen vor- ■J daS dem Schulwesen eine gewisse Freiheit auch in der ist verbürge. Wer, wie manche nationalliberale Blätter, solchen Argumenten kommt, der weiß nicht oder verschweigt stich, wie gewaltig die im Entwurf vorgeschlagene Ord- «a des Volksschulwesens seine gesamte rechtliche Grundlage Uzt. ES wird behauptet, der Simultanschule, welche er nur von der Willkür der Verwaltung abhing, werde jetzt RechtSboden gegeben. DaS Umgekehrte ist richtig.

nwltanschule — daS ist an die Spitze aller Betrach- zu stellest — hat in Preußen den allerbesten RechtS- fie ist die eigentlich im Allgemeinen Preußischen Land- elegte Form der Volksschule. Wenn die Verwalt ungS- S diese Lage geändert und das Simultanschulwesen immer eingeengt hat, so ist daS nicht im Einklang, sondern im Widerspruch mit den Rechtsgrundsätzen geschehen, die Mann wie Gneist mit zwingender Logik nachgewiesen hat. V seinem Geist ist in der jetzigen nationalliberalen Landes- tretung leider nur wenig zu verspüren.

Etz ist merkwürdig, daß die Begründung des Schulgesetzes, 'so viel Nebensächliches anführt, aus dem Allgemeinen Land- nur die eine Bestimmung erwähnt, daß bei Vorhandensein ulen für Einwohner eines bestimmten GlaubenSbekennt- S an einem Ort jeder Einwohner nur zur Erhaltung des illlehrerS von seiner Religionspartei verbunden ist. DaS i- nicht etwa eine allgemeine Anerkennung der Konfessions- sonvern nur ihre Duldung in Ausnahmefällen und ihre Erzwingung. DaS Allgemeine Landrecht igt den Begriff der konfessionellen Schulen überhaupt es macht für die Unterhaltung und den Besuch Volksschulen keinen konfessionellen Unterschied und ! nur konfessionellen Religionsunterricht vor Diese ndauffassung kam auch in späteren VerwaltungSverord- ngen zum Ausdruck, in denen ausdrücklich der simultane ratter deS Unterrichts betont und z. B. vorgeschrieben daß Lehrbücher gewählt werden sollten, die nichts von sUnterscheidungSIehren der einen ober der anderen Religion ent- fkn, und die ferner zum Ausdruck brachten, daß eS auf die fron des Lehrers nicht ankomme. So war eS vor hundert . Vergleicht man damit den jetzigen Entwurf, so sieht wie ungeheuer der Rückschritt ist, den einige national» wie Blätter schon als liberale Errungenschaft hinzustellen DaS Recht der Simultanschule, das heißt eines Schul- lndeS, den Gneist einst dahin definiert hat, daß in der ule nichts konfessionell zu gestalten ist außer dem Religions» «richt, soll mit einem Federstrich vernichtet und zu einer von äukratischem Belieben zum großen Teil abhängigen Aus- Wre gemacht werden, deren Entwicklungsmöglichkeit so ver- iert wird, daß die Redensarten von der Weiterentrmckv- Simultanschule wie greller Hohn wirken. Mit einem Miitelchen soll man doch nicht auf etnflhaft denkende inzuwirken suchen.

Aber, so wird geltend gemacht, die Simultanschulen sind ja, man von den Ostmarken und dem Regierungsbezirk MeS- absieht, so gering an Zahl, daß sie kaum in Betracht en. Gemach ! Hier wird wieder einmal bewiesen, daß mit Zahlm alles machen kann. Zunächst wird die Tat» e verschwiegen, daß wir weit mehr unzweifelhafte Simultan» ken gehabt haben, denen die Verwaltung den Garaus gemacht . verschwiegen aber auch, daß der Besuch der vorhandenen tgnschulm ein stetig zunehmender ist, ein klarer Beweis r baS Bedürfnis nach ihnen, verschwiegen endlich ihre fegens» . die konfessionelle Zwietracht mildernde Wirkung in den faden, roo man ihnen freie Entfaltung läßt, wie in Hessen und Sen. Dann aber wird auch mit dem Begriff der Simultan-

tzen, welche er anderen für Kompositionen von sehr bestritte, item Wert so bereitwillig öffnet?

Frankfurt a. M., 8. Dezember 1905.

Bernhard Scholz.

♦ ;* *

wähl sein: Preußen in Deutschland voran! Will der Reichs» kanzker diesen seinen Ausspruch vielleicht auch auf den Schul- gesetzentwurf anwenden? Nicht voran, sondern unendlich zu» rück würde« Preußen bringen, sein ganzes Kulturniveau herab­drücken und damit seine Zukunft gefährdm. Um diese Gefahr abzuwendea, gilt es noch in letzt« Stunde alle Kräfte aufzu- bicten.

Hard Scholz und die Frankfurter Museumsgesellschaft.

&4Bir werden um Veröffentlichung der nachfolgenden Zu­rrst ersucht:

Herr Redakteur 1

2-Wenn ich in eigener Sache an die Presse und durch sie an Je O e ffentlichkeit appelliere, so geschieht es der Not hend, nicht dem eignen Triebe; ich habe lange genug iegen.

Ich bin als einer der wenigen bekannt, die Front machen die Dissonanzschwelger. Da diese Herren zur Zeit einen eschlossenen Ring, eine Genoffenschaft zu Schutz und Trutz . wie dies bei den Musikfesten des Allgemeinen Deut- Tonkünstlervereins klar zutage tritt, so darf ich nicht beklagen, wenn sie mir auswärts die Konzert, sperren. Hier aber, in Frankfurt, wo ich seit 22 Jah- nicht ohne Anerkennung wirke, bin ich dazu berechtigt. Musikdirektor Karl Müller die Museumskonzerte lei» und auch in der ersten Zeit der Aera Kogel wurden ' Optionen von mir dem Publikum vorgeführt. Seit einer - von Jahren aber sehe ich mich von den Programmen Museumsgesellschaft, sowohl in den Orchester- wie in den —_ nermusikkonzerten vollständig ausgeschlossen. An» 'Mitch meines 70. Geburtstages fühlte sich der Vorstand aller- 'Wüs bewogen, mir die Aufführung eines Werkes anzubie- 7^r. Nachdem ich jedoch während nahezu eines Dezenniums Aw demselben Vorstand in rücksichtslosester Weise ignoriert sWDen war, mutzte ich für diese Art von „Feier" danken, •“^n ich mich nicht selbst zum musikalischen Almosenempfän» M« herabwürdigen wollte.

LJReine Kompositionen sind hier von Publikum und Kritik ^« freundlich ausgenommen worden; keinesfalls haben sie je Signal zu einer förmlichen Flucht aus dem Konzertsaal WSeben oder gar scharfe Opposition herausgefordert, wie wiederholt bei Werken, durch welche das Repertoire im : jrde dieses Winters und der jüngstverslossenen Jahre bcrei- worden ist, der Fall war.

^Danach glaube ich fragen zu dürfen: Ist es in der Ctb« Mssl» dass die Programme der Museumskonzerte lediglich Mch bte Willkür und den Geschmack Einzelner bestimmt wer» ES .Ist der Vorstand berechtigt, mir die Türen zu verschlie-i

Parteien zürn deutlichen Ausdruck kommen. Mit stiller Wehmut im H«zeu muß das Zentrum sich gesotten lassen, daß wiederum der nationalliberale Herr Gönner, den man vergebens durch die „neu­trale" Kandidatur Beuttenmiiller zu Fall hatte bringen wollen, den Sitz de? 1. Präsidenten einnimmt. Daß diese Ehre diesmal dem Zentrum zufallen werde, war das mindeste, was seine Führer er­wartet batten. Und auch diese Hoffnung mit rauher Hand zerstört! Kvampfhaft hatte das Zentrum in der Presse und in Reden nachzu­weisen versucht, daß ihm als der stärlsten Partei diese Ehre zu­komme. Man wird zugebm müssen, daß unter ander« Umständen als den gegebenen dieser Anspruch berechtigt gewesen wäre — dann nämlich, wenn der Block wirklich nur eine wahltaktische Vereinigung gewesen wäre, die auf gehört hätte, als die Wahlschlacht vorüber war. Dent ist aber nicht so. Der sog. Block besteht weiter auch im Parlöckent. Die vereinigten Parteien wollen auch dort einheitlich vorgehen, um ihren Aktionen ein größtmögliches Maß von Geschlossenheit zu verleihen. Das gibt dem Anspruch des Blocks auf Besetzung der L Präsidentenstelle neben der durch die ganze Sachlage von vornherein vorhanden gewesenen materiellen nunmehr auch die formale Berechtigung. Wenn da? führende konservative Blatt Preußens seinen Lesern damit gruselig zu machen sucht, daß die Nationalliberalen, um den Präst- dentensitz beanspruchen zu sönnen, bereits die Sozialdemokraten sich zuzählen und die Zentrumspresse diese Ergüsse staatsmännischer Ueberweisheit schmunzelnd nachdruckt, so weiß jeder Kenner der Dinge, daß Bosheit oder Unverstand ober beides zusammen dabei die Feder führen. Der Block zählt 29 Mandate und ist daher stärker als das Zentrum. Die sozialdemokratischen Abgeordneten geben allerdings den Ausschlag, aber wenn sie für den vom Block präsentierten Kandidaten stimmen, so wiederholen sie im Grunde nur das, was ihre Wähler bereits bei ber Stichwahl getan haben. Wichtiger aber als all bieS erscheint uns die Frage, inwieweit der ehrliche Wille im neuen Landtag vorhanderr ist. nützliche Arbeit zu vollbringen. Die Wahlen haben gezeigt, daß das badische Volk eine entschieden freiheitlich gerichtete Politik wünscht. Nur aus dieser Hoffnung und Erwartung ließ sich die Begeisterung erklären, mit der das „liberale" Baden in den Wahlkampf ging. Die starke Betonung der Unantastbarkeit staatsbürgerlicher Rechte und die in den letzten Tagen erfolgten Besprechungen über ein gemeinsames Vorgehen bei der parlamentarischen Arbeit sind gute Vorzeichen.

Er ist eigentlich selbstverständlich, dieser Fall, und man kann ihn leicht erklären, wenn auch schwer entschuldigen. Bern­hard Scholz wird von den Konzert-Instituten vernachlässigt. Warum? Weil der Geschmack der meisten Konzertleiter hoch­modern ist und Scholz zu den Hochmodernen nicht zählt. Nun ja: Gibt dieser Komponist den Konzertbesuchern poetische Programmzettel in die Hand, die all das enthalten, was seine Musik angeblich ausdrückt? Nein! . . . Hascht er nach raffi­nierten, noch nicht dagewesenen Klangeffekten? Nein! . . . Weisen seine Harmonien all jene Hässlichkeiten auf, von welchen sich ein Musikerohr des zwanzigsten Jahr­hunderts so sehr geschmeichelt fühlt? Nein! . . . Be­seitigt er die Klarheit und die Einfachheit, um Platz zu schaffen für Kompliziertes und Unverständliches? Nein! . . Verzichtet er auf thematische Entwicklung zu Gunsten der Formlosigkeit? Nein!.. Will er mit jedem seiner Werke eine neue Epoche begründen? Nein!.. Du lieber Himmel, wenn er das alles nicht will und nicht kann, wie soll ein hochmoder­ner Konzert-Dirigent sich eigentlich für ihn interessieren? Gibt es doch unter diesen Dirigenten solche, denen die Kom­positionen Schumanns, Mendelssohns und Volk- mann? gleichgültig geworden sind! Musikwerke dieser Art sind eben — bergltet. Wohlgemerkt, veraltet I Dem Publikum freilich gefallen „diese Sachen" ganz gut. Doch was will das besagen? Es steht einmal fest: Kunstwerke sind veraltet, wenn sie einem modernen Publikum gefallen — und sind nur dann wirklich modern, wenn ein modernes Publikum sich von ihnen gelangweilt und abgestotzen fühlt. Denn das moderne Kunstwerk repräsentiert nicht etwa den Geschmack der Gegen­wart, sondern den der Zukunft. Darin eben besteht der künst­lerische Fortschritt!

Allerdings, es gibt auch noch einige minder moderne Kon­zert-Dirigenten. Diese sagen nun: „Scholz' Werke sind nicht „genial!" Zugegeben. Was folgt nun daraus?.. Seit wann tot denn das Konzert-Repertoire von lauter Genies? Seit wann leben die Gemälde-Ausstellungen von lauter Genies? Seit wann leben die Schauspielhäuser von lauter Genies? War diese Zeit je da und wird sie je kommen?.. Und über­dies: die Kunst bedarf ja auch der Talente, bedarf ihrer sogar sehr, namentlich jener Talente, die frei sind von aller Charlatanerie, — die eine gute Tradition hochhalten, — die das Handwerk ihrer Kunst von Grund aus verstehn. Zu jenen Talenten zählt Scholz zweifellos; und er hat umsomehr Recht, sich über Vernachlässigung zu Beilagen, als Musiker sei- nes Schlags heutzutage zu den Ausnahme-Erscheinungen zäh­len. Jawohl! Talente, die kein Genie haben, sind jetzt in der Kunst seltener, als Genies, die kein Talent habenl

Die P f o r t e hat vor einigen Sagen die Vorschläge der Mächte wegen Einsetzung einer Finanzkontrolle in Maze-' honten „im Prinzip" angenommen, aber mit Bezug auf das von ben Finanzbelegierten ausgearbeitete Finanzreglement so viele Abänberungen vorgeschlagen, baß bie Mächte, wenn sie sich nicht selbst lächerlich machen wollen, auf biese.Zugestänbnisse" des Sultans hin bie Flottenbemonstration nicht beenbigen können. Die Ant­wort ber Botschafter in Konstantinopel auf bie Anerbietungen der Pforte ist gestern dieser übergeben worben, aber bet Inhalt der Antwort ist im einzelnen noch nicht bekannt, doch kann man wohl ünnehmen, daß vom Sultan weitere Zugeständnisse verlangt wer-1 den. Die Forderung der Pforte, daß in der Kontrollkommission neben dem Generalinspektor Hilmi Pascha noch ein türkisches Mitglied sitzen sott, scheint nicht unannehmbar, dagegen! würden die Mächte ihren ganzen Reformplan vernich­ten, wenn sie sich dem Wunsche des Sultans entsprechend dazu verständen, die Beschlüsse der Finanzdelegierten erst dann als bindend anzuerkennen, wenn der Sultan seine Zustimmung zu den-! selben durch ein Stabe gegeben habe. Damit würden alle Be­schlüsse ber Kontrollkommission wertlos. Daß bie Mächte hierzu! ihre Zustimmung geben werben, ist kaum anzunehmen, vielleicht mit' Ausnahme der deutschen Regierung, die ängstlich bemüht ist, sich1 daS Wohlwollen des Sultans Abdul Hamid zu erhalten. Sn ber Thronrede des Kaisers Wilhelm bei Eröffnung des Reichstages ist weder die Flottendemonstration noch bie mazebonische Aktion | überhaupt erwähnt worben und auch Fürst Bülow hat in seiner Rede im Reichstage, in ber er über alles Mögliche gesprochen hat, der türkischen Angelegenheit mit keinem Worte gedacht. Vermutlich sollte damit angedeutet werden, daß die ganze Frage das deutsche Reich nichts angehe. Dabei sitzt ein Vertreter Deutschlands in bet mazedonischen Finanzdelegation unb bet deutsche Botschafter in Konstantinopel soll mit seinen Ratschlägen zur Losung des Konflikts nicht zurückhalten ! Man kann nicht sagen, daß dieses Äersteckensspiel j einen guten Eindruck macht, vielmehr ist es geeignet, denjenigen, welche der deutschen Politik Zweideutigkeit vonversen, neuen Anlaß zur Begründung ihrer Beschuldigungen zu gewähren.

I r [6in neuer (tontet.] Unser astronomischer Mitarbeiter schreibt un3: Eben ist ber Komet Schaer, ber am 17. November entdeckt Würbe, in raschem Enteilen begriffen und nur noch in großen Fern­rohren sichtbar, ba kommt ein Ersatz für ihn in einer in Nrzza ge­machten neuen Entdeckung. Giaeobini fand dort nm 5 Uhr Morgens am 7. Dezember einen anderen Kometen im Sternbilde be8 Bootes in 14Std. 22Min.Rektascension unb 20° 59' Deklination.Der Komet bewegte sich nach Osten täglich um 4l/3 Minuten unb nach ©üben um 26 Minuten. Seine Helligkeit war bie eines Sternes 8. Größe, er ist also einstweilen nur in kleinen Fernrohren sichtbar. Wie sich sein Laus gestalten wird, läßt sich nicht sagen; nur soviel ist wahrscheinlich, baß er keine so rasch vorübergehenbe Erscheinung sein wirb, wie ber Komet Schaer.

= sAus tet Geschichte von Groß-Umstadt.] Die Stadt G r o ß- U m st a d t im hessischen Odenwald feiert gegenwärtig die dreihundert- jährige Wiederkehr der Einweihung ihres Rathauses. Aus diesem1 Anlaß wirb ein Bühnenfestspiel von L. Reisenberg aufgeführt, 1 bas Donnerstag zum erstenmale mit Erfolg über bie Bretter ging.1 Pfarrer Bickelhanpt berichtet barüber im Odenwälder Boten:: „Die erste Abteilung beginnt mit einem wirksamen Enfemblespiel. Auf bem fahnengefchmückten Marktplatz mit dem Rathausportale im Hinter- gründ wogt die Bolksmenge in der kleidsamen Tracht jener Zeit; ein Bürger unterhält sich mit feinem Sohne über die Schönheit deS Hauses. Während des Gesprächs erscheint der Festzug. Die feierliche Einweihung wird vorgenommen. Das war im Jahre 1605, am Bor­abend desdreißigjährigenKrieges. Ueber dem Städtchen schien ewiger Sonnenschein zu lagern. Man wird in bie Jahre 1634 und 1635 versetzt. Unheimliche Gestalten nahen: Krieg, Hungers-, not, Pest; wie in einer Vision kündigen sie sich dem Schutzgeist Umstadts an und wir sehen sie mit ihm aus dem Dunkel austauchen. Den dramatischen Höhepunkt bildet die Trauerbotschaft, die ber Klein- Umstädter Pfarrer feinem Grvß-UmstädterKollegen bringt: sein Weib fei au ber Leiche eines Pestkranken zusammeugesunken und verschieden. DaS Jahr 1905 zeigt uns ein frohes Bild. Gemen und Vertreterinnen ber Stäube grüßen die Stadt Umstadt und bringen ihre Wünsche zum Feste bar. Ein Zug anmutiger Gestalten nach bem anderen zieht herab und schließlich sammelt sich da? Ganze zu einer feierlichen Schlußgruppe. Mit bem ^hebenden Chorgesang „Stolze Heimat meiner Väter" ist das Festspiel zu Ende' Das Fest'piel wird noch

» Solingen, 9. Dez. Wegen Aufhebung des amerikanischen Kon­sulats beschloß die Handelskammer abzuwarten, wie sich ber Verkehr mit bem Düsseldorfer Konsulat gestaltet. Das — r-..----------------------ö-; - „ ,, Reichspostamt verbat sich bie Versendung einzelner Solinger

Möge die gemeinsame Arbeit von Wahrhaft freiheitlichem Geiste Artikel mit bem Handelswert als Muster ohne Wert. Die Kammer ~~ '' ‘ ” L *! will hiergegen eventuell beim Weltpostverein vorgehen, ba bte

' E । Anregung des Verbots vom Ausland kommt.

einige Male aufgeführt werden. Um die Inszenierung haben sich ins­besondere bi* Herren Stummel-Darmstadt unb Reallehrer Frey (Groß-Umstadt! verdient gemacht.

= [2>er Robelvrr's für Physik.] Wie bereits gemelbct, ist der Nobelpr-rs für Physik bem Professor an der Uni­versität Kiel Dr. Philipp Lenard (geboren 1862 zu Pretz- burg) zugefallen. Ueber bie wissenschaftliche Bedeutung Lenards lesen wir in der Chemikerzeitung (Herausgeber Prof. Dr. G. Krause-Cöthen): „Lenards Arbeiten, die teilweise in Gemeinschaft mit dem Astronomen M. W o l f - Heidelberg abgefatzt ivurden, beziehen sich auf Kapillarität, Phosphores­zenz, Wirkungen des ultravioletten Lichtes, elektrische Eigen-

Franksurt, 9. Dezember.

k sDer „Bürgerschinder" von Würzburg.] Man schreibt uns aus Würzburg: Die für bie Reichsfinanzreform vor­geschlagenen Verkehrs steuern können ihren „mittelalter­lichen" Charakter nicht verleugnen. Gerade bie Geschichte des Hochstifts Würzburg im Mittelalter gibt treffende Ana­logien zum „Frachturkunden-Stempel", den das Genie des Reichsschatzsekretärs entdeckte. In der Periode der heftigsten Inneren Stürme führte der Würzburger Fürstbischof Gerhard v. S ch w a r z b u r g, der in der Würzburger Lokalacschichte den bezeichnenden Beinamen „der Bürger schinde r" führt, mit Bestätigung der Kaiser und Könige vom böhmischen Stamme, Karl IV. unb Wenzel, zuerst anno 1373 und später wiederholt einen „T a tz", d. i. eine Abgabe auf zahl­reiche Verkehrsgüter ein, so von jeder Fuhr Wein, von jedem Schiff mit, «Äsen unb Kaufmannsgütern, von jeder Salz- und Gewandfracht, von jedem Fuder Heu, Stroh usw. über Land, von Getreidefuhren, Holzkarren, Flößen usw. Gegen diese drückenden Verkehrssteuern wehrten sich aber die in Zünfte bereinigten Handwerker und Kaufleute der Stadt mit allen Kräften; es folgte Aufruhr um Aufruhr, endlich der Krieg des fränkischen „Elf-Städie-Bunds" gegen den Fürstbischof, der aber in der blutigen Schlacht von Bergtheim im Jahre 1400 end­gültig obsiegte. Aber auch nach dieser furchtbaren Niederlage unterwarfen sich bie vornehmen Bürgergeschlechter Würzburgs ben Steuern des Fürstbischofs nicht. Lieber schüttelten sie den Staub von ihren Füften unb zogen nach der benachbarten freien Reichsstadt Nürnberg. Seit diesem Zuzug der besten würz» burgischen Kaufmannsfamilien schwang sich Nürnberg wirt- schastlich rasch empor.

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bem KonfessionaliSmuS zu tun hat. Was man hier gelegent­lich auf dem Gebiete der konfessionellen Absonderung getan hat, war durchaus widerrechtlich, weil es der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung widersprach, so die Zurücksetzung jüdischer Lehrkräfte und dergleichen. Und gerade so willkürlich und widerrechtlich ist es, wenn man in dem jetzigen Entwurf immer nur von Schulen mit Lehrern verschiedener Bekenntnisse „auf Grund ihrer besonderen Verfassung" spricht. Es bedarf dazu keiner „besonderen Verfassung", sondern die Zulässigkeit der KonfeflionSverschiedenheit der Lehrer ist allgemein Rechtens.

Dieses Recht will man aber jetzt aufheben und in Wider­spruch damit die reine Konfessionsschule zum gesetzliche» Prinzip erheben. So offen sagt manS freilich nicht, selbst die Worte Simultan- und Konfessionsschule werden vermieden, und alles wird so bureaumäßig eingehüllt, daß oberflächliche Beurteiler auf den ersten Blick getäuscht werden könnten. Aber über die Tragweite deS Geforderten kann kein Zweifel bestehen. Es ist ein so ungeheuerer Rückschritt darin enthaltm, daß alle Reaktio­näre ihre Helle Freude daran haben müssen, wenn fie jetzt auch noch so tun, als beschieden sie sich nur widerwillig. Hier auch nur von einer Gleichberechtigung beider Schularten zu reden, ist die reinste Farce. An Schulen, wo nur Lehrer eines Bekennt­nisses wirken, soll nur dieses Bekenntnis vertreten bleiben, wenn nicht die Schüler des anderen Bekenntnisses zwei Drittel der Gesamtzahl bilde«; die nicht vertretene Konfesfion kann eine eigene Konfessionsschule verlangen, wenn für 60 Schüler auf dem Lande, für 120 Schüler in den Städten ein entsprechender Antrag gestellt wird. Demnach soll hier die bis­herige Verwaltungswillkür zum Gesetz erhoben und eine simul­tane Entwickelung für die meiste» Orte ausgeschlossen werden. Aber ganz auf einmal will man die Simultanschulen nicht be­seitigen. Wo sie bestehen, will man sie gnädigst noch weiter dulden — wenn nicht der Schulverband eS anders will, und man kennt ja die Mittel, um auf Schulverbände „einzuwirken". Ja sogar neue Konfession-schulen „können" an solchen Orten errichtet werden. DaS „kann" ist überhaupt hervorstechend für die Simultanschulen, das „soll" iür die KonfeffionSschulen. Ein ganz besonderes Entgegenkommen soll darin liegen, daß auch an Orten, wo bisher Simultanschulen — d. h. was die Regiemng darunter versteht — nicht bestanden, solche „aus besonderen Gründen" errichtet werden können. Aber Kreis- oder Bezirksausschuß haben erst darüber zu befinden und an letzter Stelle der Provinzialrat und die Schulaufsichts­behörde, und was dabei meist herauskommt, kann man sich denken, und gleichzeitig müssen dann bei genügender Anzahl auf Antrag auch konfessionelle Schulen errichtet roetben, sodaß die Gemeinde gleich tief in den Säckel greifen muß. Daß dabei ihre Leistungsfähigkeit und das Bedürfnis der Schule nicht in Be­tracht kommen soll, ist wohl das Stärkste, was man bisher in einem Gesetz auszusprechen gewagt hat.

In der Tat, die Gemeindefinanzen und daS Schulbedürfnis sind wohl nie so verächtlich behandelt worden, wie durch diesen Entwurf, von dessen Ausführung eine überaus bedenkliche Herab­drückung der Schule zu befürchten ist, Die Vermehrung der Schulklassen Wd damit die Wweiterüng der Ziele der Schule wird gewaltig erschwert und so die Schulbildung nieder» gehalten Dazu kommt die Zurückdrängung der Selbstverwaltung auf dem Schulgebiet. Man sprach vorher von einer stärkeren Heranziehung der Kommunen zur Entscheidung über die Schulform; aber davon ist keine Rede, sie haben nicht über die Schulgestaltung zu bestimmen, auch in Bezug auf die Lehrerberufung werden ihnen wichtige Rechte genommen. Die bevorzugte Stellung, welche dem Geistlichen im Schul­vorstand gegeben wird,. zeigt am deutlichsten, worauf es abgesehen ist. Die Kirch« soll über die Schulentwickelung bestimmen und zwar die evangelische und katholische Kirche unter Ausschluß der abweichenden Glaubensvereinigungen. Das Kirchenregiment wird damit über die Schule gesetzt, und der

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Deutsches Reich.

* Berlin, 9. Dezbr. Mit der Ueberschnst „Deutschlands j auswärtige Politik" bringt die neueste Nummer der „Nation" über i die ReichStags-Rede des Fürsten Bülow einen Artikel, in dem eS I u. a. heißt:

„Die gesamte Bülowsche Rede ist auf den splendid isolation- Ton gestimmt. So etwas llingj immer äußerst mmnhaft und löst viel Beifall auS. Aber diese splendid Isolation ist keine ge-: Wollte, sondern ist, wie die Thronrede bereits ausgeführt hat, „auS der Verkennung deutscher Sinnesart" hervorgegangen. Die Ver­kennung deutscher Absichten spielte denn auch in der Bülowschen i Klarlegung der Marokkopolitik keine geringe Rolle. Der Leiter der auswärtigen Politik Deutschlands hat bei dieser Gelegenheit einen Grundsatz ausgesprochen, der es einigermaßen erklärlich erscheinen läßt, weshalb in anderen Ländern daS Verständnis für die deutschen Absichten in so bedauerlicher Weise zurückgeht. Dieser Grundsatz ist in einem Schreiben an den deutschen Botschafter in London uiedergelegt und lautet:

Wir treten nur für nufere eigenen berechtigten Interessen ein. Die Frage nach der Größe dieser Interessen.ist dabei gleichgültig. Der, dem Geld auS der,Tasche ge- nommen werden soll, ist tonnet aufgebracht betrübet, oH B sich dabei um 5 Mark oder um 100 (im Urtext sind es 5000. D. Red.) Mark handelt.

Wir haben bisher angenommen, die Frage, wie nachdrücklich! man nationale Interessen vertritt, hänge gew .wefonllichMnHer Größe dieser Interessen ab. Selbst ein PrwätMättn ptß sich, wenn ihm Geld aus der Tasche genommen wird, zu dieser unbe-! quemen Tatsache sehr verschieden, je nachdem eS sich um eine! Lumperei oder um ein Vermögen handelt. Verliert er ein paar | Mark, so wird er nicht die gesamte Polizei in Aufruhr bringen, j Der Leiter einer auswärtigen Politik, die Kleines wie Großes be­handelt, kann leicht in den Ruf eines Querulanten kommen. Wir müßten uns sehr täuschen, wenn nicht gerade dieser in einem offi­ziellen Aktenstück des deutschen Auswärtigen AmteS niedergelegte Grundsatz allen Gegnern Deutschlands im Auslande als ein sehr ‘ erwünschtes Zugeständnis erscheinen wird.

Hoffentlich wird dieser Grundsatz nicht auch in die Jnstruk-' Honen des deutschen Vertreters auf der Marokkokonferenz ausge­nommen. Das landschaftlich so reizende Algeciras mit seinem komfortablen Hotel Reina Christina wird schon ohnedies für den deutschen Konserenzbevottmächtigten kein allzu behaglicher Aufenthalt. Werden. Ist er genötigt, sich obendrein auf den fünf Mark- Standpunkt zu stellen, so könnten die Verhandlungen recht erbau- j lich Werden." ■

Tages-Rundschau.

Der Ministerialdirektor im preußischen Landwirtschaftsmini­sterium Dr. T h iel hat durch einige Aeußerungen den Zorn der Mittelständler erregt, und sie habm. wie schon berichtet wurde, in einer Versammlung zu Berlin böse Worte gesprochen. Geheimrat Thiel hat da die alte Erfahrung machen müssen, daß es nicht genügt, auf einem Gebiete wirtschaftlich reaktionären Anschauungen zu huldigen, um vor den „Stützen der Gesellschaft" Gnade zu finden; man muß sich ganz der Reaktion verschreiben oder gar nicht. Ge­heimrat Thiel steht auf agrar-politischem Gebiet in einer Reihe mit den erprobtesten Agrariern. Er vertritt die Ansicht, daß Deutschland seinen Bedarf an Lebensmitteln selbst produzieren könne und solle, und da dies — angenommen, cs sei überhaupt möglich — nur bet exorbitanten Preisen, also bei ebensolchen Schutzzöllen zu erzielen wäre, muß er natürlich auch der neuen deutschen Handelspolitik juftimmen. Sm Gegensatz zu diesem Protektionismus steht seine Ansicht, daß man nichts tun solle, gewisse Mittelstands-Existenzen in Gewerbe, Handel und Verkehr künstlich zu konservieren, da ihre Zeit eben vorbei fei Darin liegt offenbar ein Widerspruch. Wenn man ein so unnatürliches, künstliches Gebilde anstrebt, wie es ein Deutsch­land, das feinen Nährnngsmitteibedarf selbst produziert, heule fein würde, so kann man es eigentlich nicht ablehnen, z. B. einen Hand- WerkSzweig, der den Boden verloren hat, durch allerhand Zwangs­mittel wieder in die Hohe zu bringen. Das Richtige wird wohl fein: man lehnt BeideSab. Aber das Eine bejahen, das Andere verneinen — das kann niemanden befriedigen.

ganze Schulunterricht hat sich ihm anzupaffen, wofür denn auch offenbar durch passende Lehrerauswahl nach dem Willen der von der Kirche geführten Regierung vorgesorgt werden soll. Für die Geistesfreiheit wird da nur herzlich wenig Raum bleiben, noch weniger für die konfessionelle Duldung, und der religiöse Gewissenszwang, unter dem jetzt schon sehr viele leiden, wird zum Schulsystem erhoben werden. Die geistliche Schulaufsicht wird verewigt; wie e8 -»— — überwiegend evangelischen Schülern katholische dabei den Lehrern ergeht, hat der Stolper Schulprozeß gezeigt;

chrer wirken und umgekehrt? Alle diese Schulen find demnach der dort so gekennzeichnete Geistliche verficht unseres Wissens

chflich simultaner Art, weil es auf die Religion der Lehrer noch heute sein Amt als Ortsschulinspektor. Nicht die Fähig»

W ankommen darf und auch der Schulunterricht nichts mit leis, sondern die Strebsamkeit wird der Maßstab für die Aus-

— [Bugen Albrecht.] Wie wir hören, hat ber Direktor der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt Dr. Eugen Albrecht einen Ruf auf ben durch ben Tod Ernst Zieglers freigeworbenen Lehrstuhl für Pathologie und pathologische Anatomie an ber Universität Freiburg i. B. erhalten. Diese Nachricht wird von ben wissenschaftlichen, ins- besonbere ben ärztlichen Kreisen unserer Stabt, in der sich "ber Nachfolger Weigerts durch sein Wirken wie durch seine persönlichen Eigenschaften die lebhaftesten Sympathien erwor­ben hat, mit gemischten Gefühlen ausgenommen werden. Man wird zwar dem verdienten Gelehrten die Auszeichnung dieser Berufung gönnen, wird aber zugleich den aufrichtigen Wunsch hegen, daß es gelingen möge, diese für das wissenschaftliche Leben Frankfurts so bedeutsame Kraft hier festzuhalten. Hoffentlich sind wir bald in der Sage, mitzuteilen, daß Eugen Albrecht, der sich in unserer Stadt wohlfühlt unb jie liebt, , I den Rus nach Freiburg abgelchnt habe, - ,

Frankfurt er 3e i tunst

(Frankfurter Handelszeitung.) (Neue Frankfurter Zeitung.)

Megrürröet von Leopotö Konrrsrnarrrr.

Agantoron «A 8.25 . u«9.—

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