Abendblatt bw Krairksttvtrr Leitung.
S Deremder 1905. Ur. 311
Arankftrrler Angelegen-eiten. -
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Regierung an Bord. Ahr Wert wurde auf 1 Million Pst geschützt. Nach mehreren aufregenden Reisen lag das Schiff Monate» im Hafen von Saigon.
Angelegenheiten annehmen werde. .Daily3Zem8" versichert, daß der Gesundheitszustand Bannennan'S es diesem gestatte» werde, die Führung im llnterhause zu behalten.
Orgeönisse der Aolkszäölung.
* Berlin. Auch der Vorort Wilmersdorf hat sehr stark zugenommen. Die Einwohnerzahl ist 63.475 gegen 32,804 im Jahre 1900. Die Zunahme beträgt also 106,6 Prozent.
m Posen. Die Einwohnerzahl unserer Stadt beträgt 135,743 gegen 117,033 in 1900, die Zunahme also 15,98 Prozent.
g BreSlau. Grünberg zählt 26,631 Einwohner (20,983 i. I. 1900); Waldenburg 16,500 (15,106); Sauban 14,622 (13,790); Sagan 14,207 (13,370); Landeshut 13,116 (13,324); 9 t e ib ii tfl 9752 (9913); Z i eg en h a l s.9342 (8241); Gold- berg 6807 (6618). Landeshut und Freiburg weisen demnach eine Abnahme auf.
8 Lennep. Nach der Volkszählung betrug die Einwohnerzahl 10,423; gegen daS Jahr 1900 bedeutet das eine Zunahme von 620 Personen oder rund 6 Prozent. — In Langenberg ist die Einwohnerzahl seit 1900 von 9827 auf 9533 zurückgegangen.
# Hirschberg (Schles.). In Hirschberg wurden gezählt 9270 männliche und 10.048 weibliche, zusammen 19,318 Einwohner. 1900 betrug die Einwohnerzahl 17,867.
kl Emden. Die hiesige Einwohnerzahl beträgt 20,728 Köpfe (1895: 14,485); sie ist in den letzten 10 Jahren um nahezu 33,s Prozent und seit 5 Jahren um 27,6 Prozent oder 4498 Personen angewachsen.
. s M.-Gladbach. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember ist die Einwohnerzahl unserer Stadt in den letzten fünf Jahren von 58.023 aus 60,313 gestiegen, also nur um rund 4 Prozent, in den Landgc- meinden dagegen infolge Zuströmen- von Arbeitern von 15,631 auf 19,633.
* Hildesheim. Nach der vorläufigen Zusammenstellung deS Er- gebnifies der Volkszählung hatte die Stadt 46,922 Einwohner, 3949 (9.1g pCt.) mehr als 1900.
* Erfurt. Die Bevölkerungsziffer ist 98,640 gegen 85,191 vor fünf Jahren.
* Gera. Die Volkszählung brachte hier eine Zunahme um 4'/z Prozent. Die Einwohnerzahl stieg von 45,369 auf 47,455 Personen.
= Harburg. Hier hat die Bevölkernngszunahmr 6 Prozent betragen. Es wurden 55,659 Personen gezählt gegen 49,153 vor fünf Jahren.
w Gotha. Die Zählung ergibt sur Gotha 36,718 Personen gegen 34,648 im Jahre 1900.
+ Aus Sachsen. Unter den sächsischen Mittelstädten folgen nach der Volkszählung neben Zwickau und Zittau, deren Ziffern schon mitgeteilt wurden, Meißen mit 32,175(Zuwachs 741 oder L.zpCt.), Freiberg mit30,869 (Zuwachs 694 oder2.3 pEt.) und Bautzen mit 29,371 Einwohnern (Zuwachs 3346 oder 12 , pCt ). Die letzte unter den Städten mit mehr als 25,000 Einnwohnern ist di« Fabrik- stadt Glauchau mit 25,328 Einwohnern, wo bemerkenswerter Weise seit dem Jahre 1900 ein Rückgang um 439 Einwohner, d. h. 1.7 pEt. zu verzeichnen war.
# Koblenz. Die Volkszählung ergab 54,000 Einwohner einschließlich ungefähr 4500 Militärpersonen. 1900 waren eS 44,975 Personen. Die Zunahme ist zum Teil Eingemeindungenzuzu- schreiben.
m Köln. Nach den behördlichen Feststellungen ergab die diesjährige Volkszählung eine Eiwohnerzahl von 425,944, d. i. gegen die Volkszählung von 1900 eine Zunahme um 53,415 oder 14,3 Prozent.
m Mülheim a. Rh, 9. Dezbr. Die Volkszählung ergab 50,738 Einwohner gegen 45,085 im Jahre 1900, also eine Zunahme von 12.M Prozent.
* Bremen. Die Stadt Bremen hat eine Gesamtbevölkerung von 214,953 Personen (106,118 männliche und 108,835 weibliche). Seit 1900 ist eine Zunahme um 32,035 Personen zu verzeichnen.
r Heidelberg. Die Einwohnerzahl beträgt 49,151 gegen 44,001 im Jahre 1900, die Zunahme also 5,150 oder 11,70 Prozent.
Vermischtes.
❖ Hanau, 9. Dezbr. Der in der Hirschstraße wohnende 50iährig« Fabrikarbeiter August Mutz tötete sich durch Einatmen von Kohlengas. Er schloß während der Abwesenheit seiner Frau die Abzugsklappe des Ofens und erwartete auf einem bet dem Ofen stehenden Seffel fitzend den Tod. Als feine Frau gestern Abend zurückkehrte, fand sie ihren Mann als Leiche vor. In einem hinterlaffenen Briese gab er als Motiv des Selbstmordes Nahrungssorgen an. Seine Stelle war ihm gekündigt worden.
I£ Aus Obcrhrffen, 8. Dezbr. Dem Freibieruuwesen, das bei allen Gemeinde-Wahlen inOberheffen gang und gebe ist, treten die Behörden unserer Provinz fetzt mit unnachgiebiger Strenge entgegen, mehrere Wahlen wurden in letzter Zeit auf gehoben. Die Gemeinderatswahl inNieder-Ohmen wurde sogar zweimal vom Kreisausschuß und vom Provinzialausschuß für ungiltig erklärt und muß jetzt zum drittenmale vorgenommen werden.
x Eschweiler, 9. Dezbr. Die Zahl der durch schlagende Wetter aus dem Schacht NothbergGetöteten beträgt bereit? vier.
# Bocholt, 5. Dezbr. Ein hiesiger Fabrikant ist dieser Tage in ebenso seltsamer als unangenehmer Weife davon überzeugt worden, daß man in Bocholt nicht ohne Gefahr für seine Freiheit — den Bart stehen lassen kann. Ein Polizeibeamter hatte bemerkt, wie der betreffende Fabrikant, den er für einen „Fechtbruder" hielt', vor einigen Schaufenstern stehen blieb und einige Geschäftslokale betrat. Dies im Bunde mit dem nichts weniger als adoniSmäßigen Aussehen schien der Beamte für genügende Gründe zu halten, um den vermeintlichen Fechtbruder am Kragen nehmen zu können. In dem Geschäftslokale klärte sich natürlich die Sachlage auf, aber der Mißgriff war geschehen. Da man sich aber gegenseitig beleidigt hatte, wird das Gericht wohl noch darüber zu entscheiden haben, ob ein beginnender Vollbart ein besonderes Merkmal der Fechtbrüder ist.
F Zwickau, 9. Dez. Obers«kreiär von Wollsser Sdorsf, der an der hiesigen Landesstrafanstalt angestellt war, erschoß sich, nachdem kurz zuvor ein Revisor zur Kaffenrevision einge- troffen war.
K München, 7. Dezbr. Das k. b. Kriegsministerium hat verfügt, daß mit Rücksicht aus daS geringe Qualitätsgewicht des H a s e r S der Ernte 1905 genehmigt wird, daß in der gegenwärtigen Ankonfsperiode auch Hafer bis zum Mindestgewicht von 105 r fiir % 1 nach dem Getreideprober von Landwirten und landwirtschast- lichen Genoffenschaften usw. abgenommen werde, wenn er sonst den vorgeschriebenen Bedingungen entspricht. Die Abnahme darf jedoch nur in dem Umfange erfolgen, daß es den Proviantämtern noch möglich ist, den angekauften minderwertigen Hafer mit vorhandenen schwereren Qualitäten derart zu vermengen, daß der an die Truppen verabreichte Hafer möglichst ein Oualitätsgewicht von 115,5 g für das Viertelliter erreicht oder doch nicht wesentlich ha gegen zurücksteht, jedenfalls darfderHaserunter 112 gViertelliter-Gcwicht nicht zurVer- auSgabung kommen. — Woher stammen die schwereren Qualitäten?
K München, 9. Dezbr. Der Staat hat, wie seinerzeit mitgeteilt, diesen Sommer aus der Landstraße Tölz - Lenggries (10 Kilometer), Tölz-Bichl (14 g Kilon,) und Sonthofen - Hindelang (7.« Kilon,.) statt der Postomnibuffe versuchsweise Automobile in den Dienst gestellt. Dadurch ist eine Mehrung des Personverkehrs um 700 bis lOOO Prozent erzielt worden.
c Grötzingen (Baden), 9. Dezbr. Gestern Nachmittag gab der 32 Jahre alte Maler R e u s ch, der mit seiner Ehefrau in schlechtem Einvernehmen lebte, auf sie zwei Schüffe ab. Einer traf die Frau am Rücken und verletztest« schwer, aber nicht lebensgefährlich. Darauf tötete sich Keusch durch einen Schuß in den Kops.
* London, 8. Dezbr. Lloyds Korrespondent in S a i g 0 n meldet, daß dort an Bord de? englischen Dampfer?,Carlisle" eine Dhnamitexplosion stattgefunden hat und man befürchtete, daß die Mannschaft dabei zugrunde gegangen. Die .Carlisle" hatte 2500 Tonnen Waffen, Munition und Dynamit für die rusfische
die Werte der Gebäude, fingiert Warenbestände und präsentiert „fchönfrifierte" Bilanzen, die Mitglieder damit in den Glauben versetzend, daß alles gut und schön sei. Man gründet eine Fleischerei, die schon im ersten Vierteljahr 9000 Mark Verluste zeigt —, trotzdem errichtet man immer neue Verkaufsstellen und engagiert einen Mann als Leiter dieses Zweiges, der nach der Meinung des SmAerständigen, Obermeisters Nietzschmann, in keinem bürgerlichen Betriebe an einer verantwortlichen Stelle plaziert würde. Wenn die Ziffern nicht stimmen, ändert man diese und schafft sich so mit einem Schlage 50,000 Mark vom Halse — kurzum ein Treiben, das dem Worte des Sachverständigen, Bücherrevisors Kramer, Recht gibt: „Die Buchführung ist lächerlich kindisch und raffiniert zuAeich. Wer sie auch gemacht hat — ihn hat der liebe.Gott im Zorn zum Buchhalter gemacht!" Mehrere Konten bezeichnete derselbe Sachverständige als eine Ungeheuerlichkeit. Und in diesem Musterbetriebe herrschte der Geschäftsleiter Bock, sozialdemokratischer. Stadtverordneter, unbeschränkt. Er duldete keinen Widerspruch, hielt in Vereinen Vorträge Über Buchführung und richtete selbst in diesen die Bücher ein. Die schüchternen Einwände in den Sitzungen des Auffichtsrates erstickte er mit dem Strome glühender Beredtfamkeit und war schließlich bestrebt, durch Bauspekulationen sich unabhängig zu machen, da nach seiner ausgesprochenen Meinung „der Arbeiter der schlechteste Arbeitgeber sei". Ein nie versagender Optimismus hilft ihm über alles hinweg, bis die Flut über ihn hereinbricht, die Dividenden der Mitglieder pro 1904 und 50 Prozent der Gläubigerforderungen und daS ganze Unternehmen verschlingend. In den Verhandlungen vor dem Schwurgericht räumt er die Verschleierungen der Bilanzen glatt ein, ebenso die Herabsetzung der Kreditoren und die lieber» schatzung der Bestände, im übrigen aber will er „seine Leute" gehabt und von Buchhaltung gar nichts verstanden haben — lrotz der Vorträge Über dieselbe! — Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Dr. Weber, hielt in seinem Plaidoher die An- klage wegen der Bilanzverschleierung, der Untreue und des be- trüglichen Bankerotts aufrecht und bat die Geschworenen, von der Zubilligung mildernder Umstände abzusehen.
Die Geschworenen verneinlen die Frage bezüglich des betrügerischen Bankerott?, ebenso der Untreue in einem Fall, bejahten das letztere Delikt in zwei Fällen und die Fragen bezüglich der Verschleierung. Mildernde Umstände wurden dem Angeklagten allenthalben zugebilligt. Der Gerichtshof erkannte auf ein Jahrzwei Monate Gefängnis. Neun Monate der Untersuchungshaft wurde von der Strafe als verbüßt erachtet und der Verurteilte vorläufig auf freien Fuß gesetzt.
Gerichtszettnng.
■1 Darmstadt, 9. Dezbr. Zwei junge Arbeiter aus Offenbach, der 19jährige Franz Dorn und der 18jährige Michael Fenchel standen gestern wegen Totschlagsvers u ches in mehreren Fällen, Widerstands und Bedrohung vor dem htesigen Schwurgericht. Als im Oktober d. I. etn Freund der beiden Angeklagten verhaftet werden sollte, feuerten sie auf die Schutzleute aus nächster Nähe, aber ohne zu treffen, Revolverschüsse ab, sodaß es dem dritten gelang zu entkommen. In der Nacht daraus stießen Fenchel und Dorn mit einer Schutzmannspatrouille zusammen und entzogen sich der eigenen Verhaftung, indem sie wieder ein Feuer auf die Beamten eröffneten. Ein Schutzmann wurde dabei von einem Schuß in die Magengegend getroffen, doch prallte die Kugel, ohne zu verletzen, an einer Brieftasche ab. Die Burschen entflohen. Als sie aber ‘einige Tage später entdeckt wurden und verhaftet werden sollten, leisteten sie wiederum mit der Waffe Widerstand. Die Verhandlung währte bis zum späten Abend. Das Urteil lautete unter Berücksichtigung der zahlreichen Vorstrafen, die beide schon zu verzeichnen haben, gegen Fenchel auf 5 Jahre 4 Monate und gegen Dorn auf 4 Jahre 4 Monate Zuchthaus.
v Rostock, 9. Dezbr. (Telegr.) Das Schwurgericht in G ü st r 0 w verurteilte den Schnitter Teske wegen Ermordung einer Schnitterin zum Tode. Der Verurteilte leugnete die Schuld.
-n- Leipzig, 9. Dezbr. Der Zusammenbruch des Konsumvereins Leipzig-Connewitz hat das Schwurgericht volle 10 Tage beschäftigt. Die Verhandlungen boten ein typisches Bild einmal für die Vertrauensseligkeit, welche man in dem durchaus von Arbeitern geleiteten Unter» nehmen dem Geschäftsführer Bock entgegenbrachte, bann aber auch von einer totalen Unkenntnis der leitenden Personen des Unternehmens selbst der elementarsten Regeln der kaufmännischen Buchführung. Man nimmt einen Markthelfer, steckt ihn, weil er schöne Reden halten kann, vier Wochen lang in eine kaufmännische „Presse" und der „Buchhalter" für ein Unternehmen mit mehr als zwei Millionen Mark jährlichem Umsatz ist fertig! So lange man bezahlen kann, geht es, dann aber kommen nur die Hälfte der Kreditoren in die Bücher, man pumpt, um 9prozentige Dividenden zahlen zu können, einfach die dazu erforderlichen Gelder, man „erhöht"
— Keine Sonntagsruhe in den Apotheken. Das FranW Apothekergremium und der Verband konditio» renderApotheker hatten eine gemischte Kommission/ aus je drei Mitgliedern des Gremiums und der Gehilfen zusaM gesetzt war, beauftragt, die nötigen Schritte zur Einführung der Ei tagsruhe in den Frankfurter Apotheken zu tun. Da sich aber) Apothekenbesitzer weigerten, der Sonntagsruhe zuzustimmen, fl bisher nicht möglich gewesen, die Sonntagsruhe in den H surter Apotheken einzuführen.
— Bertha von Suttner. Wir machen nochmals daraus aufj sam, daß aus Einladung des Frankfurter Fried en sv eres Frau Baronin Bertha von Suttner Dienstag den 12. Dezq! abends 8 Uhr, im Saal der Frankfurt Loge, Eschersheimer « straße 27, einen Vortrag über „Persönliche Erinnerungen auW Friedensbewegung" halten wird. Eintrittskarten find bei B. g berg, Schillerstraße 20, zu haben.
— Aus Armenien. Sin interessanter Redner stellte fidß Donnerstag dem Frankfurter Publikum in der Person f amerikanischen Missionars Dr. Rahnolds aus Wan in menien vor. Er sprach vor einer sehr zahlreich erschienenen? fammtung im großen Börsensaal im Namen und zu Gmz des Hilfsbundes für christliches Siebes tot i m Orient. Der Redner hat über 36 Jahre in Armez gelebt. Die Unruhen sind nach feiner Meinung von der i kischen Regierung provoziert. Dr. Rahnolds glaubt, daß eSi europäischen Mächten am liebsten ist, wenn nicht zu viel 28d über die Sage der Armenier nach Europa kommt. Das Chris tum der Armenier ist, wie der Redner ausführte — fein j lischer Vortrag ward gleich ins Deutsche übertragen — ein deres als das unsere, insbesondere unterscheiden sich ihre Gr» lehren von den unseren. Sie halten ihr Christentum für älteste der Welt; besonders streng sind ihre Fastenvorschri^ Die Armenier genießen keine Gleichberechtigung mit den Mll männern; vor Gericht dürfen sie nicht als Zeugen austretenZ türkische Regierung gewährt ihnen keinerlei Schutz gegen Einfälle des räuberischen Bergvolkes der Kurden. Vor unges zehn Jahren konzentrierte die Regierung größere Truppenmck in der Gegennd von Musch; von da an datiert die Seii>en| ter Armenier. Die Soldateska beging unerhörte Graus keilen,und es herrscht jetzt ein ununterbrochenesSäbelregimeH dem unglücklichen Land. Es gibt zwar auch Agitatoren, die Absicht die türkische Regierung reizen, weil sie das für' einzige Art halten, Europa wach zu rütteln, allein das | sympathisiert nicht mit diesen fanatischen Revolutionären. 1 Tätigkeit ter christlichen Mission in Armenien erstreckt sich besonderen auf die Erziehung von Waisenkindern. Wan genießen die Kinder in dem Waisenhaus nicht nur Sä unterricht, sondern sie erlernen auch irgend ein Handwerk, j sie werten zu Lehrern ausgebildet. Deutsche und amerikam Missionare wirken gemeinschaftlich in Wan. Kurz vor Sch des Vortrags traf ein in herzlichen Worten gehaltn. ___
ßungstelegramm des bekannten ÄrmenierfforscherS Dr. Wc mar Belck aus Frankfurt ein, der zur Zeit in Danzig w In einem kurzen Schlußwort gedachte Pfarrer S 0 h m a n n segensreichen Missionstätigkeit und forderte zu Spenden ar
— Eine Mark Schreibgebühr. Ein Berichterstatter bereichert Kapitel vom Bureaukratismus heute durch folgenden Beitrag: ' Gerichtsdiätar, der täglich von Homburg nach Frankfurt fährt, j eines Tages feine Monatskarte vergessen nnd mußte, eine Rückfahrikarte dritter Klaffe für 1 20 Pfg. lösen. Er weü
sich sofort an den Stationsvorsteher und schließlich an die Eisenb« Behörde um Rückerstattung des Betrags. Von dem Vorstand' Eisenbahn-Verkehrsinspektion zu Gießen erhielt re am 5 Dezev folgenden Brief: „Aus da? gefällige Schreiben vom 24. Nove» 1905 teile ich ergebens! mit, daß die Fahrkartenkaffe in Homburgs Weisung erhalten hat, aus die zugelöste Rückfahrkarte dritter KI Homburg-Frankfurt — Monatskarte nicht zur Stelle — nach | zug von einer Mark Schreibgebühr den Betrag 1 20 Pfennig an Sie zu zahlen. Der Betrag kann bei der genau; Kaffe abgehoben werden. Sollte er binnen acht Tage nicht abgehs fein, so erfolgt die Zusendung durch die Post ans Ihre Kosten, s
--- Vom Tage. Die von der Firma Holzmann u. Co., G. m. hier hergestellten Um- und Anbauten des Baukgebäudes der Del scheu Vereinsbank eine in denselben nach den neuesten teq scheu Erfahrungen hergestellte feuer- und diebesstchree StahlkoM mit verschließbaren, schmiedeeisernen Schrankfächern, sowie toe| neue feuer- und diebessichere Tresors, alles im Erdgeschoß Jun« straße 11, find nunmehr vollendet. — Wegen späten Geschästssch ist der Ansang de? zweiten Volksnnterhaltungs-Abetz Sonntag den 17. Dezember aus abends acht Uhr festgesetzt^ Im Kunstsalon Bangel, Kaiserstraße 66. ist eine | Kollektion von neun Genrebildern des in München lebe? Frankfurters Th. Rikoff neu ausgestellt. — Der gestern 1 Bischofsweg in der Nähe des Stadtwalds erhängt aufgefuui
--- Frankfurt, 9. Detzj
-= Goethemuseum. Unter den neuen dem Museum zu teil « denen Bereicherungen ist besonders ein großes Oelgemälde von $ Hamel hervorzuheben, das den Beschauer in die Zeit befl bau? des Goethehauses, in? Jahr 1755 zurückversetzt. Es (M Legung des Schlußsteins im Keller des kleinen NebenhauW getreu der hübschen Schilderung folgend, die der achtjähriges gang in seinen „Lahores juveniles“ von diesem Vorgang gibit.1 interessante Bild ist ein Geschenk von Frau Dr. E. L u c iu ?,) verstorbenem Mann das Museum bei eit? so vielfache tatkräftig derung verdankt. Auch die von Frau Dr. A. von B r ü »s gestiftete herrliche Marmorbüste des jugendlichen Herzogs zw August,«» Werk von Prof. Johannes Goetz in Berlin, jj kurzem im Museum ausgestellt. Da? Schillerporträt ®e*f vonKügelgen ist zur Zeit nur durch eine verkleinerte Koptz treten, da das Original, auf den Wunsch der AusstellungSkommg zur Jahihundert-Äusstellung nach Berlin gesandt worden ist. -
— Zustizperfonulien. Wie wir dem „Justiz -Ministerial-M entnehmen, wurden zu Handelsrichtern beim Landgericht Fratz wiederernaunt der Bankier Otto Hauck und der Kaufmann ) Rosenthal, zum Stellvertreter der Direktor Zacharias Hj schild. Zu Gerichtsaffefforen im Bezirk de? Oberlandesgeß Frankfurt wurden die Referendare Schwabe und Salo, ernannt.
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k Aus Bayern, 6. Dezbr. Die Grenzen müssen bekanntlich abge» sperrt Bleiben, damit keine Seuchengefohr hereinkommt. Nur in Oberfranken ist Ende November ohne Einschleppung aus dem Ausland die Maul» und Klauenseuche ausgebrochen, allerdings erst tu einer Gemeinde und in einem Gehöfte. Die Schweiueseuche Besteht zur Zeit in Schwaben in 21 Gemeinden, in Oberbayern in 17, tu der Oberpfalz in 3, in Niederbayern, Oberfranken und Mittel» ifwnteu in je 1 Gemeinde. Man sieht, es geht auch ohne das Ausland.
Italien.
; * Die Annahme des Trennungsgesetzes durch den französischen Senat hat im Vatikan, wie dem „Corriere della Sera" be- richtet wird, einen tiefen Eindruck gemacht. Man sei zwar auf die ^Annahme bereits gefaßt gewesen, aber doch habe der Augenblick, da ibie historische Verbindung zwischen der Kirche und ihrer ältesten Tochter zerschnitten wurde, schmerzliche Empfindungen und Klagen ihervorgerufkn. Rach der „Jtalie" wurden am Mittwoch Abend, als i die Schlußabstimmung des Senats bevorstand, von allen Kardinälen ! Andachten abgehalten, bei denen für den glücklichen Ausgang der Abstimmung der Rosenkranz gebetet wurde; ein paar Stunden später traf das Telegramm ein, das die Annahme des Gesetzes meldete. ^Das heiße Gebet der Kirchenfürsten war nicht erhört worden. iDer Papst soll, als ihm das Telegramm mitgeteilt wurde, zuerst ■einen Augenglick still gewesen sein; dann habe er mit vor Tränen erstickter Stimme gesagt: „Wir waren darauf vorbereitet ; nun vertrauen wir auf die Weisheit und Einigkeit der französischen Katholiken!" Ueber das, was jetzt der Papst tun wird, gehen die Meinungen auseinander. Tatsache ist, daß wie unter den Klerikalen Frankreichs selbst, so auch in der Kurie zwei Strömungen bestehen: !die eine will das Gesetz ablehnen und den Religionskrieg beginnen, die andere will sich dem Gesetz anbequemen und es so viel als möglich für die Kirche nutzbar machen. Der Papst soll sich vorerst da» hin entschieden haben, daß er im nächsten Konsistorium nur im allgemeinen die Trennung beklagen und die Schuld an der Aufhebung ! des Konkordats dem französischen Ministerium zuschieben wird; ^praktische Ratschläge sollen erst gegeben werden, wenn die Vollzugs- Verordnung zum Gesetz erschienen sein wird. Für diese ist bekannt» lich eine Frist von drei Monaten gesetzt.
Die Revolution in Hlußlaud.
Petersburg, 8. Dez. (W. B.) Gerüchte über eine geplante Gegenrevolution durchschwirren in den letzten Tagen besonders hartnäckig die Residenz. Die militärischen Behörden sind energisch bemüht, die Truppen durch die Militärgeistlichkeit an ihre Pflichten erinnern zu lassen. Das Wort „2)ii- litärdiktatur" wird immer häufiger vernommen. Die Lage Wittes ist anscheinend bis jetzt unverändert. Die Stunde seines Rücktrittes hat trotz gegenteiliger Versicherungen noch ; nicht geschlagen. Ter „Ruß" meldet heute sogar, zwischen Witte und dem Minister des Innern, D ur n 0 w 0, seienMein- ' ungsverschiedenheiten wegen des Post- undTelegraphenbeamten- ausstandes entstanden. Witte habe gestern beabsichtigt, beim Kaiser die Entlassung Durnowos anzuregen. Der Ausstand flaut sichtlich ab; der telegraphische Dienst, auch im Innern, versagt noch. In der Provinz scheinen sich unterdessen wichtige Ereignisse abzuspielen. Die Nachrichten - darüber sind spärlich und unzuverlässig; klar ist nur, daß die -Meuterei der Truppen fortschreitet. Gestem wären . beinahe unter den Mannschaften der hiesigen 1 4. und 1 8. Flottenequipage, die nach Kronstadt gebracht werden sollten, Unruhen ausgebrochen. Die Matrosen weigerten sich ^kategorisch, solange Kronstadt sich im Kriegszustand befinde, ibem Befehle nachzukommen. Der Zwischenfall endete mit der ! Zurückziehung der die Kasernen umgebenden Truppen. Die Matrosen Hieben in Petersburg. Nach Blättermeldungen ! waren in Riga bei den Regimentern Wjasma und ■ Jskwrsk Unruhen ausgebrochen. Die Forderungen der i Struppen um Verbesserung ihrer Lage wurden gewährt.
Stockholm, 8. Dezbr. Das Schwedische Telegraphenbureau ^meldet aus H apar and, daß in Finland der Eisenbahn- ibetrieb vollständig wieder ausgenommen worden ist.
Wie man un? mitteilt, veranstaltet der unter dem Protektorat de? Kaiser? Wilhelm stehende erste MännetgesangvereiN Aachens, die „Concordia" am 17. Dezember ein große? Wohltätigkeitskonzert zum Besten der r u s j i s ch e n ! notleidenden I u d e n.
Die Neubildung des englischen Kabinetts.
i O London, 9. Dezember, 8.55 V. (Priv.-Tel.) In dem neue« englischen Kabinett wird Sir Robert Reid Lordkanzler, ^ASquith Schatzkanzler, Morley erhält da? Indische Amt, Lord E l g i n das Kolonialamt. Halda ne.der Rosebery nahestehtnnd teffen Eintritt in da? Kabinett unsicher war, übernimmt da? Krieg?- Ministerium. Erster Lord der Admiralität wird wahrscheinlich Lord i £ in e e b m o.u t b, der zugleich die Regiernng im Ober Hause ver- treten wird, Lord Aberdeen, der 1886 untre Gladstone Vize- jkönigvonJrland war, wird wahrscheinlich diesen Posten wieder ; erhalten. Bryce wird wahrscheinlich Sekretär für Irland.
Die abtretenbe Regierung hat wie üblich eine Anzahl i ihrer Anhänger mit Titein und Orden versorgt, darunter erhielt Hicksbeachden Titel Viscount, Ritchie wurde Baron, auch der erst 40jährige Sir Alfred Harmsworth, Verleger von „Daily - Mail" nnd vielen anderen Blättern, erhielt als Baron einen Sitz im ■ Obrehause.
■ London, 9. Dezbr. Das Zögern Sir Edward G r e y' S, !in das Kabinett Campbell Bannerman einzutreten, < wird auf die S ch w i e r i g k e i t zurückgeführt, die bezüglich ’ der Haltung Bannerman's in der H 0 m e r u I e f t a g e von Irland besteht. Die „Times" erklärt, sie habe allen Grund zu glauben, daß Grey das Portefeuille der auswärtigen
Sen, sowie verwandte Gegenstände der Optik und Elek- ttslehrr; sie sind meistens in DrudeS (früher Wiede- i mannS) „Annalen der Physik" veröffentlicht. Im Jahre 1894 gab Lenard den wissenschaftlichen Nachlaß von Heinrich Hertz heraus, dessen drei Bande u. a. auch zuerst die „Prinzipien der Mechanik" (mit dem schönen Vorworte von H. v. Helm- Holtz) anS Licht brachten. Im ersten Bande dieser gesammelten Abhandlungen findet sich auch jene kleine Experimentalstudie über Kathodenstrahlen vor, die beinahe zur Entdeckung der späteren Röntgenstrahlen führte. Hätte Lenard mcht die Durchlässigkeit dünner Metallschichten (Gold oder Alumrnium) für in einer hochevakuierten Crookesschen Röhre erzeugte Kathodenstrahlen dargetan, so Ware Röntgens i Entdeckung vielleicht einer wett spateren Periode Vorbehalten j «wesen. Ebenso muß eS als ein merkwürdiger Zufall gelten, daß eS nicht Lenard vergönnt war, die einmal aus der ! Röhre ins Freie ausgetretenen Kathodenstrahlen hinsichtlich jührer Eigenschaften weiterzuberfolgen und ihre Verwandlung (in eine völlig „Neue Art von Strahlen" (die X-Strahlen ; Röntgens) zu beobachten. Jedenfalls ist aber der Name Phi- 1 lipp Lenards durch die Kathodenstrahlen so innig mit der j modernen Radiologie und Elektronik verknüpft, daß ihm die ) Anerkennung für feine grundlegenden Arbeiten auf diesem i interessanten Gebiete in Gestalt des Nobelpreises jetzt mit -Recht zuteil geworden ist."
; -1- (Alpine Winterchrouik.) Man schreibt nn? an? der S ch we iz: । Der milde Verlaus de? W i n t e r ? hat bisher in den Niederungen junb in den Vorbergen noch wenig Gelegenheit zu Wintervergnügungen iunb winterlichem Sport geboten. Im Gebirge ist? ander?; dort haben totr feit Wochen auf den Höhen über 1'200 Meter weiße Wintrelandlchaft und reichlich Gelegenheit zur Ausübung des er« frischenden Winterspo r-ts. Die Zahl der Leute, die finden, daß das Gebirge im Winter seine ganz besonderen Schönheiten habe, ist mächtig im Wachsen; jeden Herbst richten sich neue BerggasthSuser ffür den Winterbetrieb ein, und weitschaoeude Leute prophezeien be» reit?, daß in nicht allzuferner Zeit die „Winterfrische" ebenso . Mode sein werde wie das Sommerfrischeln in der warmen Jahreszeit. ■ Der Zug nach dem winterlichen Hochgebirge ist sicherlich ein ganz ' modernes Sehnen ; aber wer einmal einen Blick getan hat in die ■ glitzernde Winterpracht des Hochgebirgs mit ihren blanken Herrlichkeiten, der begreift diesen modernen Zug und er folgt ihm auch. Die frische, trockeneLuftdes BergwinterS tut miß- . handelten Nerven unsäglich wohl und der warme Sonnenschein, der auch dem ärgsten Stubenhocker das Manteltragen abgewöhnt, wirkt : wie ein Wunder auf den ganzen Organismus. Die Bahnbrecher find , auch hier die Engländer gewesen; sie liefern auch heute noch das ; Hauptkontingent der Wintersrischler in bet Schweiz. Den Beweis ; mag die Tatsache bilden, daß diesen Winter jeden Dienstag und Freitag um 11 Uhr vormittags im Viktonabahnhof in London ein
1 Expreß zug Loudon-Engadin absährt. In Calais nimmt die Paffagiere ein Zug aus, der am nächsten Tage um 12 Uhr 25 Min. in Davos - Platz und 2 Uhr 07 Min. in St. Moritz ankommt. In Graubünden find neben dem Engadin und Davos auch Aro sa und die Lenzer Heide in die Reihe der Winterkurorte getreten. Im B e r n e r 0 b e r l a n d find Adelboden, Grindelwald, Kandersteg. Murren und Zweisimmen für den Winterbetrieb eingerichtet, im Waadtland Caux, Korbeyrier, Mont Pelerin,Chäteau d'Oex, Leysin, Les Avant-, Le Pont, Sie. Croix, im Wallis
Eiders, Montana, Champex und neuesten? in der Zentral- f ch w e i z Rigi-Kaltbad und Engelberg. Aus dem Rigi sind die Hotel? „Bellevue"-Kaltbad und „Schwert" im Klösterli geöffnet. Die Arth-Rigibahn wird im Laufe dieses Winters aus der Strecke Arih-Goldau-Rigi-Klösterli für elektrischen Betrieb umgebaut, und nun die Bahn für Materialzüge freigehalten werden muß, läßt die Direktion jeden Sonntag bei Bestellung einer genügenden Anzahl von Fahrkarten einen Personenzug nach dem Rigi abgehen. Nächsten Winter aber gedenkt die Arth-Rigibahn einen regelmäßigen Winterbetrieb einzurichten. Der Rigi wird wohl bald ein Wintersportsplatz erster Ordnung werden; denn re bietet dem Skifahrer geradezu ideales Gelände für zahme und verwegene Fahrten. Diese Woche hat auf dem Rigi die Delegiertenversammlung de? neu- gegründeten schweizerischen SkiverbandeS, der 24 Sektionen mit 1200 Mitgliedern zählt, stattgefunden.
— (Das Feuer in der Schutzhütte.f In der Deutschen Alpenzeitung (Verlag von Gustav Säumers in München) schildert Richard Scheid- München mit anziehender Lebendrgkeit eine Besteigung des P l a n k e n st e i n S. Er gelangt, um zu übernachten, an die Holzhütte, die neben der neuen, nicht geöffneten Plankensteinalm steht, und etzählt nun: „Wir treten ein; nicht eben geräuschlos. Auf der weit in den Raum hineinragenden Herdstatt glimmt noch Span und Asche. Rechts im Dunkeln Bewegung. Wir grüßen vernehmlich. Rechts im Heu liegen zwei Holzknechte. Der eine brummt freundlich Antwort, ter andere flucht. Wir nehmen Besitz von den Bänken um die Herdstatt, kochen mit Spiritus, nachtmahlen. Nebenbei mache ich mit großer Hingabe ein rechtschaffenes Feuer; eS ist so kalt in der Nacht. Der Rauch fährt durchs Dach. Durch daS Feuer und zwei Kerzen ist die primitive Hütte leidlich erhellt. Es zieht sakrisch durch die Wände. Auf der einen Sette daS Heulager. Leiter besetzt. Der Rest ist nicht sehr einladend. Allmählich rüsten wir ab. Ich lasse das Feuer kleiner werden. Das Dunkel kriecht wieder aus den Ecken. Wir versuchen, unS den Bänken, der Herdstatt anzupassen. Es gibt freundlichere Schlafgelegenheiten. Es wird bedenklich kalt. An Schlaf ist überhaupt nicht zu denken. Wenigstens so liegen zu können, daß eS nicht schmerzt. Ich unterhalte ein ganz kleines Feuer. Manchmal zuckt die Flamme höher; dann huschen phantastische Schatten im Raum. Das Feuer, klein, kaum noch erwär. wend, nimmt mich ganz gefangen. Aus kleinem, rotglühendem Aschekrater steigt durch ein Dreieck übereinantergelegter Scheitlein, sie anscheinend nicht versehrend, die Flamme und gestaltet sich zur Form ter Menschenhand. Es ist eine unglückliche, gequälte Hand; die Finger zucken unaufhörlich. Man müßte Mitleid haben mit der Hand. Das Dreieck stürzt ein; fd^on ist die Form ter Flamme verändert. Ein immerwährendes Wechselspiel von steigenden und fallenden, sehnenden, verzagep. den, trotzigen und feigen, hoffenden und schmeichelnden Linien und Bewegungen kürzt mir die schlimme Nacht. Ich denke, daß in dem unbeachteten Leben dieser Flamme alle Linien und Fa rben sind, die nur je von der Kunst gefunden worden sind und werden können; daß auch alle Gefühle ter Men. schen darin eine verwandte Linie haben: Symbole des Haffes, des Neides, der Verachtung, des Schmerzes, der Trauer und der Verzweiflung, — der Liebe, Zärtlichkeit, Freude, Inbrunst, Lust, Hingebung, Hinopferung; jeglichen Uoberfchwangs des starken Levens wie deS verzagten, — und daß das alles schon
von Anbeginn an darin ist. Ich wäre bereit, in dieser Stunde, daS Feuer als Symbol des Lebens hinauSzutragen unter die frierende Menge. Es ist mir ganz selbstverständlich, daß sehr begabte Völker eS mit göttlichem Nimbus umgeben konnten. Ich bedenke den chemischen Prozeß; ich begrüße die freundliche Glut am Anfang der Geschichte, begleite sie von der freien Waldstatt an durch alle Kulturen. Sie hat ihr Wesen nie verleugnet. Ich werte warm auS Verehrung. Da fallen die Späne auseinander; sie sind auf der einen Seite rotglühend geschuppt. Aber sie entzünden sich nicht wieder selbständig. Allgemeine Unlust. Kleine, blaue Flämmchen laufen ängstlich noch ein paarmal hin und her. Dann verzagen auch sie; kleine, weiße Rauchkügelchen puffen-aus, zergehen und ziehen als feine Linien zum Dach. Jetzt wäre ich eingeträumt. Aber gegen 3 Uhr lief, ohne ersichtlichen Zweck, dafür mit umso größerer Ausdauer ein Wecker ab . . ."
= (Frankfurter Konzerte.) Im Saal des Instituts, worin sie ihre ersten Lehrjahre zugebracht und wo sie sich schon wiederholt als Werdende hören ließen, gaben gestern dre Brüder Herren Boris und Jan Hambourg ein Konzert, das von recht ersprießlicher ForisÄung der beiderseitigen Studien zeugte. Besonders schöne Entwickelung hat das Violoncellspiel von Boris Hanöbourg erfahren. Der in Stücken gesangsmaßi- gen Charakters fast feminin zarte Ton, der beinahe etwas zu träumerisch in sich gekehrte Vortrag übte in Nummern, wie in der F»moll=Aria von Tenaglia, in R. Schu. manns Andante aus op. 129, ober in NerudaS Wiegenlied- chen (von etwas parfümierter slavischer Volkstümlichkeit) große Anziehung, und die Hexenmeisterei in der Wiedergabe von Poppers „Spinnlied" mußte unfehlbar das da capo nach sich ziehen. Auch für Jan Hambourgs Geigerkunst, die anfangs im ersten Satz des Konzertes op. 102 von Brahms zugleich mit dem Violoncell des Bruders erklungen war, et- wärmten sich die Hörer im Verlaufe der gewandt und geschmackvoll gespielten Solo-Piecen derart, daß dem Programm eine Nummer zugegeben ward. Frl. Helene Schultze bewährte sich als sichere und diskrete Begleiterin am Kla- vier. — H. P.
--- lMatemifche Nachrichten.) Au? Gießen wird uu? Be- richtet: Da? soeben erschienene Person al Verzeichnis der hiesigen llniverfität weist 1043 immatrikulierte Studenten, 1 Hospitantin, außerdem 47 Hörer nnd 31 Hörerinnen ans. Die Zahl der immatrikulierten Studenten verteilt sich ans die einzelnen Fakultäten in folgender Weise : Die eingeschloffenen Ziffern gehen auf da? Wintersemester 1904 05 nnd da? Sommersemester 1905: Theologische Fakultät 66 (76, 72), juristische Fakultät 168 (163, 164), medizinische Fakultät 275 (328, 298), philosophische Fakultät 544 (552,544); Gesamtsumme 1043 (1069, 1078). Der Rückgang der Frequenz ist fast ganz auf da? Nachlassen bei medizinischen Studium? zurückzusühren, und zwar de? veterinärmedizinischen. Die Zahlte» Vetreinirmedizinre istvon 149 auf 181 nnd 117 zurückgegangen. — Der Professor dreNationalökonomie an der Universität Bonn, Dr. iur. et phil. H. Dietzel, hat einen Ruf an die Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin erhalten und wird ihm Folge leisten. — Weiter berichtet man uns an? B 0 nn: Die Anzahl dre I Studierenden an der hiesigen Universität beträgt in diesem I Winter 2908. Hiervon entfallen ans die evangelisch-theologische 1
Fakultät 80, auf die katholisch-theologische 808, auf die juristische auf die medizinische 184, sowie auf die philosophische 1476 Studien Die Zahl der Hospitanten beträgt 246, darunter 180 Da» Demnach beträgt die Gesamtzahl der znm Hören von Borlesm Berechtigten 3154, nahezu 400 mehr al? im vorigen Wintei Wie man un? mitteilt, feiert heute Profeffor Adolf Schill - 25jährige Jubiläum seiner Lehrtätigkeit an der D Ü s f e l d 0 r Kunstakademie.— Wie die Leipziger Neuesten Nachrichten mitteileq sich Profeffor Dr. Ulrich Wilcken in Halle nun doch entschlo den an ihn ergangenen Ruf al? Profeffor dre alten Geschichte ® Universität Leipzig anzunehmen. — Dre 0. Profeffor an Universität Zürich Dr. H. F. Hitzig hat einen Ruf auf Lehrstuhl für römisches Recht an die Breslauer Universttß halten. — Dr. I. Steinberger aus Frankfurt, zur Zeit H arbeitet am Deutschen Archäologischen Institut in Rom, wird, man nn? mitteilt, am 1. Januar Bibliothekar beS Preußisch Hiff schen Instituts in Rom.
= (Kleine Mitteilungen.) In dem Referat über die gestrige | stellung inderFrankfurterOper (Zweites Samstag-Dtoy blatt) muß es auf Zeile 17/18 heißen: „zwar recht klangvoll,! minder eindringlich". — Aus M a i n,z wird uns vom 8. dk schrieben: Byron's „Manfred" mit Schumanns Musik gelch heute untre Mitwirkung Ernst v. Possarts, zahlreicher Bü» Mitglieder und der städtischen Kapelle untre Herrn E. Stein» Leitung im Stadttheater sehr wirkungsvoll zur Wieders Aufgehobene? Abonnement und erhöhte Preise waren wohl die Hw urfache, daß der Besuch de? Hauses nicht sonderlich gut war. —1 Wiesbaden v. 8. ds. berichtet man uns: Im sechsten Z y klz ton jette, da? unter solistischer Mitwirkung von Pablo Sarasate stattfand, brachte Herr Afferni als NovitW zweite Sinfonie (D-dur) von I. Sibelius. Die äußerst tempenM volle Wiedergabe be? hochinteressanten schwierigen Werke? befl scheu Komponisten verdiente uneingeschränktes Lob. — Man schtz uns an? Friedberg: Bachs Weihnacht?-OratorD bildete das Programm des zweiten Konzerts des hiesigen M ffI Vereins. Erfreulich wie die Leistungen des von S F. Hf inger wohlgeschulten Chors waten die J Solisten: Frau A. Kaempfert-Franksurt, Frau E. Trapp-Fried« Herr Pichler-Frankfurt und Herr Heint. Appunn - Hanau. U Klavierbegleitung (Herr Dr. K. Schmidt) war mustergültig. —*a Festsaal bet Realschule in Kreuznach hielt Herr Henri C o iÄ ans Frankfurt vor einer großen Zuhörerschaft und mit lebhaftem S| einen französischen Vortrag über.La chahson populaire en Fratj zu dessen Illustration ein Chor, der sich au? den FranzöfiunW hiesigen Pensionate und Damen bet Stadt zusammensetzte, franjM Volkslieder sang. — Die Kunstfirma G. Helbing in MüNW bringt am 14. d?. eine Sammlung von Antiquitäten, KunstW ständen, Oelgemälden alter Meister, Handzeichnungen, Kupferstichs au? dem Nachlasse de? Herrn F. H e-t m e ? b 0 r f f ans ÄettraN Holland, sowie ans anderem Besitz zur Versteigerung. — Wie | geschrieben wird, fand in Turin am 5. Dezember mit große« folge die erste Aufführung der Oper „Christus beim Puki feste" von Gianetti statt. DaS Werk ist aus dem gleichnaW Drama von Giovanni B 0 v i 0. entstanden, wobei Maestro GW Sorge trug, alles zu Antiklerikale zu streichen oder zu mildem.-U

