ToErStSg, 2R. FuN 1925

Wölttsmbergrfcher Loudkag.

ES Stuttgart, 22. Juli. (Priv.-Tel.) Der Württembergische Sanbtag hat heute gegen bzw. ohne die Stimmen der Demo­kraten, Sozialdemokraten, Nationalsozialisten und Kommu­nisten den Haushaltsplan und das Finanzgesetz für daS Jahr 1925 angenommen.

Im Namen der Demokratischen Partei gab Abg. Schees fol­gend« Erklärung ab: Zur Ausgleichung der StaatShaushaltez ist von bet Regierung und txn hinter ihr stehenden Parteien di« auf den Gemeinden liegende finanziell« Last mittels Aenderung des Schullafiengesetzer wesentlich erschwert worden, war zu einer er- hcblichen kulturellen Gefährdung des Landes und zu tinanzieller Ueberlastung der Gemeinden führt. An- «verftit» ist durch wesentlich« Erhöhung der Gebäude-Snischul- dungssteuer, di« ihrerseits auf den reinen Wohngebäuden sowie den getoerblichen Gebäuden lastet, «in« stark« inner« Ungerechtigkeit in der Heranziehung zu den öffentlichen Lasten eingeführt und damit dersozialeGedanke einer gleichmäßigen Lastenvcrteilung ver­letzt worden. Um di« auch nach unserer Auffassung unbedingt zu gewährleistend« Fortführung unserer StaaiSftnanzen zu «rmöglichen, Haden tvir uns ausdrücklich bereit erklärt, an einer den von uns ange- Scken Gesichtspunkten Rechnung tragenden Vereinfachung

Verbilligung der Staatsverwaltung und an der Aufbringung der erforderlichen SJHttel mitzuarbeiten. Hierauf «in. zugehen ist von der Regierung und den Regierungsparteien ab* gelehnt worden. In der Fürsorge für den Wohnungsbau ist Notz unserer unablässigen Bemühungen da» Notwendig« nicht «r- reicht. Di« Grundeinftellung der würtienibcrglfchen Regierung trägt d«n wirtschaftlichen Bedürfnisien Wetter Kreis« der Bevölkerung sowie der württembergischen verarbeitend«» Industrie und der ge- werbllchen Mittelstandes nicht In genügender Weis« Rechnung. Mr sind dieser Haltung der Regierung auf dem uns allein möglichen Weg« der parlamentarischen Arbeit mahnend und warnend em- gegengetteden, leider erfolglos. Unter diesen Umständen halten wir «8 für notwendig, vor dieser Entwickftmg nochmals eindringlich zu warnen, und haben uns zu diesem Zweck entschlossen, d e m Staatshaushaltsplan nicht, uzustimmen, uns viel- mehr der Stimme zu enthalten.

Auch der Vertreter der Nationalsozialisten erklärte, wegen des Sch:'.Hafkr.gc!etzes und der GebäudeentschuldungLsteuer sich der Ettmnu zu enibalien. So war e« nur eine knappe Mehr- h t i t, di« sich für den St-rt auSsprach. DaS Schullastcngeietz war sogar einige Zett in Frage gestellt. Da die Regierungsparteien sehr ungeschickt operierten, konnte eS nur durch einen glatten Bruch der GrschäfftSordnung gerettet werden. Der Landtag war vom Präsi­denten schon zur Abstlmmimg Über dieses Gesetz aufgciufcn, und dir Jasager waren schon aufgcftanbn, als die Regierungsparteien merkten, daß st« in der Minderheit waren. Der ZentrumSadgeord- net« Bock erbat und erhielt nun mitten tu der Abstimmung das Dort zu einer VerlegenheilSrede, di« «r so lang« hinzog, bis einige Abgeordnete, deren Zug Verspätung hatte, angekommen waren. Dt» Opposition war loyal genug, daS hingehcn zu lassen, hielt aber den McmaWen Vorgang immerhin im Protokoll fest

Bemerkenswert find noch einig« Anträge, die angenommen wur­de» So wurde die Regivmng beauftragt, beim Reich« zu bean­tragen, daß Mädchen unter 15 Jahren nicht In F a- brikeu beschäftigt werden dürfen, und daß die Wohnung». zwaflgSwirtschaft aufgehoben werden soll. Ein Antrag auf Mshekning der WdhnungSzwangswirtschaft In den Gemeinden zwei- ter und dritter Klaffe, für die die LandeSrcglcrung zuständig ist, würd« ebenfalls angenommen. Endlich war am letzten Samstag bei bet zweiten Lesung ein Antrag angenommen worden, sofort die lO.OprojfnHge FriedenSmiet, zu gewähren. Dieser Antrag wurde aber heute wieder rückgängig gemacht und besPossen, Im Finanzausschuß diese Sache nochmals zu beraten.

Zweikampf anker Soldaten.

" «g DerNu, 22. JuN. (Prto.-T«l.) Im RechtSauSschuß de» Reichstages hatten bei der Beratung des Gesetzentwürfe» zur Vereinfachung de» Milit är stra fr «ch t S die Abg. Dr. Rosen, selb und Lands berg (>) scharf, Strafbestimmungen gegen die Herausforderung zum Zweikamps, die Annahme der Herausforderung, das Kartelltragen und die Mitwirkung Im Ehrenrat beantragt Nach eingehender Beratung In fünf Aus- fchuMtzungeu wurde bet sozialdemokratisch« Antrag zunächst arge, frommen, In bet Gesamtabstimmung aber abgelehnt zu Gunsten «Inez vom Zentrum «stellten und nunmehr angenommenen An- trag», näs welchem bestraft wird: der Zweikampf unter Soldaten mit Freiheitsstrafen nicht unter 6 Monaten, die Herausforderung und die Annahme einer Herausforderung mit Freiheitsstrafen von zwei Monaten bi, zu einem Jahre Ein Vorgesetzter, bet einen Untergebenen zum Zweikampf zu besinn- men unternimmt, soff mit Freiheitsstrafen bi» zu einem Jahr bestosst werden.

DU Einnahmen des Reichs im Juni.

' Berlin, B. Juli. (Priv.-Tel.) Nach der Uebersicht Über die Einnahmen de» Reiche» an Steuern, Zöllen und Abgaben im Juni 1925 sind in diesem Monat an fortlaufenden Besitz-undVer- kehtSsteuern im ganzen 898.3 Millionen Mark Angegangen. Auf di, Einkommensteuer au» Lohnabzügen entfallen davon 132.0 Millionen, auf den Steuerabzug nmn Kapitalertrag 13.6 Millionen, auf ander, Einkommen 32.1 "Millionen. Die KörpcrfchaslSsteuer erbracht« 7btt Vermbgcnsteuer 13.7, die allgemeine Umsatz­steuer 117.7, die erhöht« Umsatzsteuer 8.9 Millionen Mark. Aus den KavitalcitragSsteucrn gingen 10-9 Millionen Mark ein, auS der Wechselsteucr 7.8, au» der BcsördcrungSsteuer 28.7 MMonen. Die ObNgattonensteuer erbrachte 1.4 Millionen. Von den verpfändeten Verbrauchsabgaben erbrachten di« Zölle.37.2, die Tabaksteuer 53.7, die Zuckersteucr 22.1, bi, Biersteuer 28.2, das 'Branntweinmonopol 9,2 Millionen, zusammen 150.3 Millionen. Die übrigen Verbrauchs- abgaben erbrachten 10.2 Millionen Mark. Die Gesamtein­nahmen au3 Steuern. Zöllen und Abgaben im Juni ergaben fomn 5613 Millionen Mark.

Die Friedrich.Eberk.vüsts.

r Berlin, 22. Juli. (Priv.-Tel.) Der AuSschmückungS- a u » s ch u ß de» Reichrtag» hat beschlossen, die von Prof. Kolbe gefertigt« Büste de» verstorbenen Reichspräsidenten Ebert in der vorliegenden Ausführung nicht anzunehmen. Er will übet ein, anbei, Büst« mit Prost Kolbe oder anderen Küm'tlern d:r- handAn. Auch ®et ben Platz für btt Ausstellung der Büst« will man sich noch wett« unterhalten.

Der flonffift in der Textilindustrie beendet.

' k» Brr««, 22. Juli. (PrtS.-Tel.) Der Arbeiirkonflltt In bet schlesischen $^ttfini>ufttti ist heute nach schwierigen Verhand» lungen durch Bemühungen de» Schlichter», Obcrpräsidcnten z. D. Philipp beigelegt worden. SS würd« eine Einigung in bet Lohn frage erzielt, die bi« Spitz cnlöhn« mit 44 bi» 45 Pfg. pro Stünde fesilegi. Dt« gegenwärtig In Gang befindlichen Teil- strekkS und Teilaursperiungen werden sofort beendet. Mahre- gelungen finden nicht mehr statt und werden zurückge- flammen, soweit stt bereit« ausgesprochen wurden. Die Neu. ttgehtng gilt bi» End« November ds. I». Di« beiden Parteien erklärten sich zur Annahm« de» Schiedssprüche» prinzipiell bereit.

P K-rlSruhe, 22. Jrill. (Priv.-Tel.) Da» R « ich S a rb «i t »- ministe rlum hatte di« Entscheidung über die Lohnstreitfrage in der badischen Textilindustrie nach Baden znrückverwiesen. Rach dreistündiger Verhandlung würd, heut« bet Schiedsspruch Vom 26. Juni für allgemein verbindlich erklärt. Der Gefamt- tofri erhöht sich danach um 9 bi» 11 Prozent.

Die Spritschieber.

ich Berlin, 93. Julst (Priv.-Tel.) In der großen Sprftfchieber- affäro hat man vor einigen Tagen neueVerhaftung«« dorgenommen. Zunächst wurde bet Kaufmann Emanuel Matz unter dem Verdacht verhaftet, sich gegenüber btt ReichSmonopost (rertoaltung ba Urkundenfälschung und de» Betrug» schuldig gemacht zu haben. Et wurde allerdings gegen Stellung einer Kaution von 25 000 Mark wieder auf freien Fuß gesetzt. Vor­her wurden die in seinem Besitz befindlichen Vermögenswerte von dm Behörden stchrrgestellt. In Zusammenhang mit dem Vorgehen «gen Marr scheint bttLuSpendierungvondteiAnge- ftelttin bet Monopol»etwaltung zu stehen, btt mit Marr In Verbindung gestanden hatten. Di« Ermittlungen In dieser Xngewgenhett sind zur Zelt nicht abgeschlossen.

Der Steueranfett Badens.

P Sarttruh«, 21. Juli. (Priv.-Tel.) In einem dem Land­tag »»gegangenen SteuerverteilungSgefetz wird die Beteiligung de» Lande», bet Kreis, und der Gemeinden am Er- trag der Reichssteuern neu geregelt. Für die erste Halste des Rechnungsjahre» 1925 wird die Verteilungsmasse für Land und Gemeinden auf 35.595 Millionen Mark geschätzt, ffir die zweit« Hälft« deS Rechnungsjahres 1925 fehlt es noch an jeder gesetzlichen unterlag«, da der enbgültige Finanzausgleich mit dem Reich noch nicht erfolgt ist. Man nimmt aber an, dag da» finanzielle Er­gebnis sich dem deS ersten Rechnungsjahres anpaßt, so daß für 1935 aus Anteilen und Ueberweisungen (abgesehen von dem An­teil an der Grunderwerbsteuer) für daS Land und seine Gemeinden Stt 190 000 Mark zur Verfügung stehen. Gegenüber dem Jahr M4 ergibt sich somit ein Ausfall an Ueberweisungen von AvaS über 20 Millionen Mmck.

kwendblatt vei MStakfürkK Z-ikMA

Shlua.

Loudon, 23- Juli. (Europapreß) Der »Daily Telegraph" «r- sährt, daß abgesehen von den Verhandlungen, bi« im Augenblick zwischen London, Washington und Tokio hinsichtlich Schanghai gepflogen werden, die Frag« erwogen werd, der chinesischen Re­gierung eine gemeinsame Erklärung zu überreichen. Jedes auswärtige Amt der betreffenden drei Staaten habe einen Antwort- entwurf geliefert. Für den endgültigen Text herrsche bereits voll­ständige Uebereinstimmung. Die Erklärung werde er­neut auf die Bereitschaft der Mächte Hinweisen, China bei der Ver­wirklichung vernünftiger nationaler Wünsche zu unterstützen. Dies« Erklärung werd« aber gleichzeitig auf di« unhaltbar« Sage der Fremden Hinweisen und di« Warnung auSsprcchen, daß bi« Fortdauer solcher Verhältnisse die Sympathie der Mächte für China beeinträchtigen müßt«. Ez bleibt noch zu regeln, ob diese Erklärung nur im Namen der drei Mächte oder auch im Namen aller übrigen Vertmgsstaaten zu überreichen fei.

Schiffsstreik von Chinesen.

Tokio, 22. Just. (Wolff.) Bei Ankunft deS DampfersEm- Preß of austrafia* In Uokohama find 200 Chinesen von der Be­satzung in den Streik getreten. Sie wurden durch 200 Japa­ner ersetzt. Der Rest der chinesischen Besatzung, der die Absicht bat bei der Ankunft in Kobe in Streik zu treten, wird gleich­falls durch japanisch« Seeleute ersetzt werden.

Gandhi.

London, 23. Juli. (Europapreß.) Nach einer Meldung aus Kalkutta hat Gandhi einen weiteren Schritt in seinem Rück­zug au» dem politischen Leben getan. In einem Brief an Den gegenwärtigen Führer der Swarajpartei erklärt Gandhi, daß et ans dem politischen Leben zurücktrete, um seinen Tribut für den T o d v o n D a s zu zahlen und für die Sage, die dadurch geschaffen worden fet Er hat beschlossen, die Swarajisten von allen Verpflichtungen aus dem sechsjährigen Abkommen zu entbinden.

Ein Swarajist in einem indischen RegierrmgSansschuß.

London, 22. Jult (Wolfs.) Reuter meldet au» Sim la: Der Führer der Swarajisienpartei Motttal Nehm hat einen Sitz im Regierungsausschuß angenommen dessen Vor­sitzender der Generalstabschef General S k e e n ist Skeen wünsche die Möglichkeit zu untersuchen, befähigte junge Inder für den H« eresdienst zu gewinnen und ihnen eine militärische Erzie­hung zuteil werden zu lassen. Dies fei der erste Fall, daß ein Mitglied der Swarajistenpartei einen Sitz im Regienmgrausschuß angenommen hab«.

London, 23. Jult (Europapreß.) Lord Reading verläßt heute London, um nach Indien zurückzukehren.

Paschttsch reist ab. Radiisch kommt an.

Belgrad, 22. Juli. (Priv.-Tel.) Um Mitternacht reiste Pasch iifch zu Schiff nach Preßburg ab. Die Weiterfahrt findet mit der Eisenbahn nach Karlsbad statt.

Heute vormittag 7 Uhr traf Stefan Radiisch auf dem Bahnhof ein, wo er von Abgeordneten seiner Partei begrüßt wurde. Er besuchte vormittags im Parlament seinen Klub, so­wie den Radikalklub, nachmittags den Journalistenverein. Die plötzliche Abreise Paschitschs Im Augenblick der Ankunft Radiischs wird in sehr verschiedener Meise komentlert

Griechisches Mißtrauen gegen Südflawien.

r Wien, 22. Juli. (Priv.-Tel.) Nach einet Meldung der Neuen Freien Presse" ans Athen verlautet dort, die südfla- wische Regierung beabsichtige in allernächster Zeit große Manö­ver bei Uesküb abzuhalten. Von Regierungsseite wurde mitgeteilt, daß keine offizielle Mitteilung hierüber vorliege, ba jedoch die militärischen Behörden In den letzten Tagen lang- dauernde Beratungen abhielten, hält man die Meldung für richtig. (Die Belgrader Regierung läßt diese Meldungen dementieren. Red.)

Die THiniffetfrife in Portugal.

Paris, 22 Juli. (Wolff.) HavaS meldet an» Lissabon: De.t Präsident der Republik hat zwecks Lösung der M i n i st e t fr i j e gestern die Delegierten der demokratischen Partei und die der Partei der republikanischen Aktion empfangen, die chm den Rat gaben, ein außerhalb der Parteien stehend: s Kabinett unter dem Vorsitz einer unabhängigen, republikanischen hochstehenden Per­sönlichkeit zu bilden. Hierfür werden Bernardo M a ch a d o, ehe­maliger Präsident der Republik und ehemaliger Minister oder der ehemalige Ministerpräsident Jose Castro, der Vater des Führers der Republikanischen Mion, Alfaro Castro, vorgeschlagen. Die nationalfftische Partei habe erstatt, sie könne allein regieren, wolle jedoch die Auflösung des Parlaments. Bis jetzt habe der Präsi­dent der Republik feine Entscheidung getroffen.

Stärkere militärische Besetzung Südtirols.

Wien, 22. Juli. (Wolff.) DI« Jnnsbriicker Blätter melden, auf Grund von Gerüchten über eine beabsichtigte Verlegung der Präfektur und dez Divisionskommando» von Trient nach Bozen habe der Trienter Gemeinderat dagegen Verwahrung eingelegt. Darauf fei amtlich erklärt worden, von einer solchen Slbsicht sei nicht» bekannt, aber ez fei doch möglich, daß Mussolini an eine stärkere militärische B e f e tz u n g Südtirols denke. In diesem Fall« würde entweder in Trient ein neues Korpskommando geschossen erbe« das Korpskommando, das sich gegenwärtig in Verona befindet, werde nach Trient tiettegt werden.

Die Tiroler Automobilunfälle.

r Wien, 22. Juli. (Priv.-Tel.) DaS gemeldete Auto­mobilunglück auf dem Fernpaß, wobei der Pressewagen der Batschatt-Fahrt mit einem der Tiroler Landesregierung gehöri­gen Kraftwagen zusammenstieß, ist ausschließlich darauf zurück- zuführen, daß in Oesterreich im Gegensatz zu Deutschland links gefahren wird. Auch hatte der Chauffeur des Landesauto­mobils keine Ahnung von dem Stattfinden des Batschari-Ren- nens. Zwischen Naffereit und Fernsteig kam das Presseautö- mobil dem Dienstautomobil auf der falschen Seite entgegen. Der Chauffeur des letzteren wollte ausweichen. Offenbar scheint auch der Chauffeur des PressewagenS sich im gleichen Augenblick be­wußt geworden zu sein, daß er auf der falschen Seite fahre, er riß seinen Wagen herum und fuhr in der Mitte der Straße in daS ausweichende Landesautomobil.

Die Innsbrucker Handelskammer verlangte heut« aus Anlaß der verschiedenen Automobilunfälle von der Landesregie- rung neuerlich die Abänderung der Fahrvorschriften. Die Innsbrucker Zeitungen sprechen sich für das Verbot der Ab­haltung von Automobilrennen während deS Sommers aus. Die Tiroler Straßen seien bei dem erhöhten Verkehr solchen Veran- ftaltungen nicht gewachsen.

r Wien, 22. Juli. (Priv.-Tel.) Ebenfalls wegen der Unter­schiedes In den Fahrvorschriften ist der Münchener Motor­radfahrer Geisler, einer der bekanntesten Rennfahrer Deutsch­lands, bei Ehrwald mit einem Automobil zusammengestoßen und tödlich verunglückt. Er würd« sterbend nach Partenftrchen gebracht.

Erleichterungen Im kleinen Grenzverkehr Baden-Schweiz.

vrg Zürich, 22. Juli. (Priv.-Tel.) We da» Eidgenössische Justiz, und Posizridepartement mitteilt, tritt vom 1. August ab ttn Kleinen Grenzverkehr zwischen der Schweiz und Baden ein« wesentlich« Erleichterung ein. Der Dauerpas fier, schein mit Photographie für btt in der Grenzzone wohnhafte Bevöllerung ist nunmehr ohn« Anerk«nnung»v«rmerk b«» Ein reif «land«» gültig, fall» kein« Arbeitsaufnahme beabsichtigt wirb. Die sich vorübergehend in der Grenzzone auf. haltenden Personen erhalten di« Bewilligung wie bisher zum ein­maligen Grenzeintritt oder di« neu« AiiSflugSdauerbewilligung zum beliebigen Grenz übertritt innerhalb «Ine» Monat». M« Bewilligungen berechtigen zu einem Aufenthalt von je drei Tagen im Einreiseland. Di« Bewilligungen im Kleinen Grenzverkehr können von bet Amtsstelle de» AuSreifelandeS auch durch Ein- tragung eine» Sichtvermerks in dem Paß erteilt werden. Die Dauerbewilligung für di« Gr«nzbewohner gilt auch für 93Art» temderg und Bayern, während über di« anderen De- wilftgungen bisher kein« Einigung mit Württemberg und Bayern erzielt werden tonnte. Die Schweiz fetzt jedoch btt Verhand­lungen fort.

Schwere Unwetter in Frankreich.

I. St Pari», 23. Juli. (Priv.-Tel.) Ueber ganz Frankreich sind gestern auxerordentlich schwere Gewitter niederge­gangen, die in einzelnen Departements beträchtlichen Schaden angerichtei haben. In Paris selbst Hai der Blitz mehrfach ein« geschlagen. Im Departement der Unteren Pyrenäen hat ein von einem Erdbeben begleiteter Wolkenbruch die gesamte Ernte vernichtet. In ba Gegend von Toulouse und Dor» deaur hai der Hages in den Weinbergen einen in die Millio» «twt pheudrn bchrdve ......

Das ZoNomprouritz.

Opposition des Landbundes. Die parlamentarische »Erledigung-.

ch- Berlin, 22. Juli. (Priv.-Tel.) Die großagrarische Be­arbeitung der öffenllichen Melimng beweist ihre Vottrefflichleit auch beim Zollkompromiß. An sich können die agrarischen Interessenten zwar nicht im Sinne einer wohlverstandenen WirtschastSpoliffk, aber im Sinne ihres kurzsichtigen Protektio­nismus wohl zu frieden sein mit dem, was sie im Zollkompro­miß erreicht haben. Wer man ist viel zu klug, das «inzuge- stehen, weil man damit ja dar Kompromiß in den Augen deren, die mit Mühe dafür gewonnen werden konnten, diskreditieren könnt«. Mso fühlt sich derLandb und berufen, in einer Er­klärung, dievon parteipolitischen Rücksichten geführten Kom­promiß Verhandlungen zu tadeln, weil in ihm das Prinzip eines geschlossenen und ausreichenden Zollschutzes aller bandwirt­schaftlichen Produkte dem Kouzessionsbcdürsniz der Parteipoli­tik geopfert worden sei. Die Preisgabe der erforderlichen Siche­rung des Getreidebaues lasse befürchten, daß dadurch die Jnten- siverung der landwirtschaftlichen Produktion gefährdet werde; der Reichslandbund werde den Kampf um die Sicherung der landwirtschaftlichen Produktionsmöglichen auf allen Gebieten fortsetzen, um die vorhandenen Mängel zu beseitigen. So geht die Demagogie weiter ins Land; dre ZentrumSabgeord- neien, die wegen ihrer Arbeiterwähler mit schwerem Herzen daS Kompromiß mitmachen, werden sich vermuflich die Er- klärung des Landbundes nicht entgehen lassen, wenn sie ihre Haltung beim Zollkompromiß verteidigen. Er ist also beiden Teilen geholfen.

Inzwischen bemüht man sich im Reichstag um di« parla­mentarische Erledigung des Kompromisses. Man will bis zum 1. August fertig werden trotz der Fülle deS Stoffes. Das ist natürlich nur möglich, wenn man im Plenum die Debatten auf das Aeußerste einschränkt. Daß die Opposition sich mit den zur Verfügung stehenden parlamentarischen Mitteln gegen eine Durchpeitschung wehren wird, steht außer Zweifel. Wird derZollblock daS Maß von Brutalität wagen, daS er braucht, um selbst die sachliche Kritik der Opposition mib die Stellung von Abänderrmgsanträgen unmöglich zu machen? Wir hören, daß auS den Reihen der Regierungsparteien neuerdings zu den D e m o k r a t e n Fühlung gesucht worden ist, anscheinend um sie zum Anschluß an die Mehrheit zu bestimmen; wir könnten uns denken, daß dem Zentrum eine solch« Rücken­deckung erwünscht ioäre, wenn es das Zollkompromiß vor seinen Wählern vertreten soll. Aber wir halten es für aus­geschlossen, daß sich die Demokraten auf solche Anbie­derungsversuche in letzter Stund« einlassen. Ihr Vertreter im Handelspolitischen Ausschuß, der Abgeordnete Meyer- Berlin, hat dem Zollblock immer wieder angekündigt, daß es seiner Fraktion unmöglich gemacht werde, für die Zollvorlage zu stimmen, wenn alle MänderungSanträge niedergestimmt würden. Die Regierungsparteien haben sich an diese War­nungen nicht gekehrt, sondern alle Anträge ohne Ausnahme abgelehnt, die von den Demokraten kamen. Es ergibt sich daraus von selbst, daß die Demokraten ihre Hand nicht dazu bieten werden, bei der Verabschiedung der Vorlage im Ple­num mitzuwirken. Die Parteien, die trotz aller Warnungen dem deutschen Volk« die Last der Zölle auferlegen wollen, müssen dafiir allein die Verantwortung übernehmen.

Die verkehrsrvissenschafttiche Woche in München.

G München, 22. Juli. (Priv.-Tel.) Der dritte Tag der ver- fehrswissenschastlichen Woche galt in der Hauptfach« der Eisen­bahn. Prof. Halter (München) sprach über die W e t i b e - werbSsähigkeit der Lastkraftwagen mit den Eisenbahnen. Der Vortragende betont«, baß SaftTrajttragen der Eisenbahn schon «ine recht fühlbar« Einbuße brächten. Auf wette Strecken sei btt Eisenbahn den Krastivagen hinsichtlich ter Beförderungskosten jedoch wesentlich überlegen, sodaß es zweck­mäßig sei, bi« ungefähre wirtschaftlich« Grenz« der Heiden Trans­portmittel festzustellen. Im E i l g ü t« r v e r k e h r fei der Straft» Wagentransport dem Eisenbahntransport auf ziemlich weite Strecken wirtschaftlich überlegen, wenn es gelinge die Wagen entsprechend auszulastcn. Bei F r a ch t g ü t e r v e r c e h r sei der Eisenbahn­transport auch bei den teuersten Tarifllassen den Lastwagen schon bei Entfernungen von 25 bis 30 Km. überlegen. Dabei seien aller­dings bei dem Krastwagenverkehr die Kosten für den Bau und die Unterhaltung der Straßen nicht miteingerechnet. Es sei wirtschaft­lich nicht berechtigt, Sraßen für schwere Lasckrafwagen zu bauen, wenn der Eisenbahnraiisport billiger sei. Es genüge, wenn in der Umgebung der Städte und Industriezentren enffprechende Straßen für Eiflastkraftwagen gebaut würden. Stadtbaurat Dr. Scheuermann, der Vorstand, de? städtischen Straßenbauamtes Wiesbaden berichtete über den Bau, die Unterhaltung und die Er­neuerung von schmalen Fahrbahnen mit Straßenbahn- gesdsen. Er schilderte die Anforderungen, die an solche Straßen gestellt werden und die Schwierigkeiten, ihnen zu genügen. Er zeigt« in Lichtbildern, wie es in Wiesbaden gelungen sei, dies« <r*''jiei'igfeiten zu überwinden. Geheimrat Prof. Cau«r- Charlottenburg gab Darlegungen zur Ausführung von größeren Personenbahnhöfen, wobei er sich gegen bi« Kopchahn. Höfe und für die Auswirkung von Durchgangsbahnhöfen aussprach. Schiießlich hielt Prof. Blum (Hannover) einen Vortrag über Eisenbahn u_n b Städtebau. Er betonte, daß der Ver­kehr der größt« Städtebauer sei. Er teilte mit, daß demnächst ein Städtebaugesetz erscheinen werde, wonach Generalbebau- ungspläne für die einzelnen Städte vorzulegen feien. Diesen müß­ten aber auch Generalverkehrspläne vorausgehen. Es müßten in ben Bebauungsplänen sogenannte Verkehrsbänder fest­gelegt werben, bie der Ausnahme deS Verkehrs zu bienen hätten und in denen daher Hochbauten nicht aufgeführt werden dürsten. Vor allem fei bei ben Generalbebauungsplänen auch Platz für bie großen Dahnhofsanlagen fteizuhalten. Der Vorteil solcher Gene- ralverkehrz- unb Bebauungspläne fei der, daß keine großen Sum­men für vorsorgenden Grunderwerh ausgegeben werden müßten und bie Spekulation verhindert würde.

Rom, 22. Juli. (SBolff.) In Neapel ist im Mer von 85 Jahren der Archäologe Senator Giulio dePetra gestorben. Er war Direktor der neapolitanischen Museen unb seit mehr als 40 Jahren Professor der Archäologie an der Universität in Neapel.

Irankfurier Angelegenheiten.

= Große Tabakmess« in Frankfurt a. M. Wie wir hören, bat der Hamburgische Verband Deutscher Zigarrenlaben-Jnhaber sich burch seine Geschäftsstelle in Frankfurt dafür eingesetzt, daß eine umsaffend« Beschickung der nächsten Frankfurter Tabakmesse, bie im Rahmen der allgemeinen Her bst mess« vom 4. bis 7. Oktober abaehalten werden wird, zustande fonrmt._ Man ist in diesen Kressen der Ueberzeugung, daß die alten berühmten Frank­furter Messen auch den tabakoerarbeitenden Industrien bie gün­stigsten Voraussetzungen bieten, und dies umsomehr, als Frankfurt schon an und für sich ein wichtiges Zentrum dieses Gewerbes ist In der Tat hat di« letzte Franffurter Frühjahrsmesse dies erneut bewiesen, da Ihr geschäftliche» Ergebnis die Umsätze auf anderen allgemeinen Messen weit überflügelt hat

= Bon be» Universität. Der Direktorenrat de» Instituts für Wirtschaftswissenschaft hat einstimmig beschlossen, Herrn Direktor H. M «l tz n « r , Berlin, in Würdigung seiner Verdienste um die Förderung der kaufmännischen Organisation und des Treuhand- wesens zum Ehrenmitglied de» Institut» zu ernennen.

Wetterberichte vom 23. Juli.

(Von der WstterdlenstabtellBog de» Unlv.-hat. für Meteor, and Geophysik)

Dio TiefdruckstörunKen über West- und Mitteleuropa werden bis morgen die Witterung Westdeutschland mit Gewittern be­einflussen. Die eintretende Abkühlung wird aber nicht durch­greifen und nur vorübergehend sein. Au! Ostdeutschland dehnt sich die Gewittertätigkeit zunächst nicht aus. Vorhersage für Frankfurt a. M. und Westdeutschland: Heiter bis wolkig. Gewit­terneigung, Temperatur nur wenig verändert, südöstliche und zeitweise auch südwestliche Winde. > Göttliche« Deutschland: Heiter, trocken, warm, östliche Winde.

Wetterbeobachtungen von. 8 Uhr vormittags.

Stttioa

Baro- | Kieler

Wild

Wetter

Tcnipc* ratur

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Stätten

Baro­meter

Wind

Wetter

Tempe-1 1 ratur 1

Nieder-

1 schlag l|

B ertöte .... Hamburg Frankfurt - München.... Swiaefflünde Berlin-----

Dresden Meail Brcsian .... Wien

+ 700

62.2

63.7

59.3

5S.6

65.0

63.8

62.9

67.5

64.1

62.8

s 11

0 4

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NNO 2 0 2

ONO 2 50 1 0 2

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Mter klar klar heiter heiter heiter beiter klar beiter wolkig in Meer

+22 +23 +23 +20 + 20 +25 +2< +24 +21 +19 eshOh

1 1 1 1 1 1 1 1 1 1

London Parts Warschau .. Kopenhagen . Haparanda . Stockholm bergen .

Zürich .... Geaf _

Lugano.

58.8

60.8 65.0

66.1

640 64.4 60.4

60.7

SO 11 wolkig

SO 2t wolkig

NO II heiter

SO 2iklar

- klar WSW 1 'klar WSW 6; bedeck» W 1'bedeckt S 1| wollig

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_______ RttötÄ« 543 Seite 2

Frankfurter Handelsblatti

Wledwvsbe und drahtliche Verbreitung dar Artikel rott » und Privatdepeschen nur mit genauer Quellenangabe »Frkt Ztg* gestatte»

Bankinteressen des Michael-Konzerns. Nachdem der Michael-Konzern vor einer Reihe von Monaten sein be­deutendes Paket an Aktien der Mitteldeutschen Creditbank abgestoßen hat, ist er, wie bekannt, gegenwärtig wegen der Abgabe seiner Majoritäts-Interessen an der Deutschen Vereinsbank in Frankfurt a. M. mit der Firma Martig Sternberg in Amsterdam in Unterhandlungen einge­treten, die gegenwärtig noch In der Schwebe sind. Wenn diese Verhandlungen, bei denen über die Höhe sowie über die Art der Belegung des Kaufpreises eine Einigung bis jetzt noch nicht zu erzielen war zum Abschluß gelangen sollten werden die älteren Bankinteressen des Michael-Konzerns in Deutschland fast ganz abgebaut sein: das Interesse bei der unbedeutenden Rheinlandhunk-A.-G. Kommt als bankmäßige Betätigung des Konzerns nicht in Betracht Diese Entwick­lung entspricht der seit einiger Zeit im Michael-Konzern sichtbar gewordenen allgemeinen Entwicklung, die dahin geht, die Interessen mehr und mehr auf das Gebiet des Hypo« tnekenbankwesens, der Terrain- und der Versicherungsge­schäfte unter Abgabe anderer Vermögensteile des Konterns zu konzentrieren; die zur Michael-Gruppe gehörige Industrie, und Privatbank A.-G. dürfte mehr den Charakter einer Hob dingfirma, als den einer vorwiegend bankgeschäftlichcd Organisation tragen. Vor einiger Zeit wurde nun bekannt, daa die Geschäfte der aus der Grundbank-A.-G. in Berlin 1921 entstandenen Tschechoslowakischer Bank­verein A.-G., deren Kapital Ende 1924 von P.Ä 1 Milliarde auf JLM 1 Million umgestellt wurde, von der Internatio­nalen Handelsbank Komm.-Ges. a. A. in Berlin (früher S. Marx u. Co. Komm.-Ges. a. A.) übernommen wer­den, an welch letzterer der Michaels-Konzern mit 40 pCt kommanditarisch beteiligt ist Der Michaels- Konzern hatte nach dem13. T. bestritten, daä er den Tschechoslo wa kochen Bankverein erworben habe; das Berliner Blatt bemerkt aber hierzu, das) das Dementi des Michaels-Konzerns nur formell richtig sei, weil zwar nicht die Firma I. Michael u. Co., wohl aber eine ihrer ausländischen Tochtergesellschaften den Erwerb der Aktien des Tschechoslowakischen Bankvereins durchs. Führt habe: die Firma I. Michael u. Co. selbst habe die Gat rantie für die sämtlichen Verpflichtungen des Tschechoslowa­kischen Bankvereins übernommen. Danach scheinen sich in der Internationalen Handelsbank in der Tat neue Bankinter­essen des Michael-Konzerns zu entwickeln, deren Bedeutung und Umfang allerdings zunächst nicht zu beurteilen sind.

* Einmonatsfristen nach den Aufwertungsgesetzen, Uns wird geschrieben:Während für Anmeldungen von ge­wissen Hypotheken Fristen bis zum 1. Januar 1928 bzw. 1. April 1926 laufen, enthält das Gesetz über die Ablösung öffentlicher Anleihen Ausschlußfristen, die nicht länger als ein Monat sind. Die Fristen sind so kurz gehalten, daß es undenkbar erscheint, daß die Beteiligten die Tristen wahren können.

Nach § 43 des Anleihe-Ablöse-Gesetzea werden Gemeindet Anleihen, die Altbesitz sind, mit dem fünffachen Betrage ihre! Nennwertes, also bei X 1000 mit JL 5 mal 25 125 ein«

gelöst. Der Einlösungsbetrag ist auf Antrag bei der Lei6tungs< fähigkeit der Gemeinde auf das Zehnfache des Nennwertes tu er« höhen. Antragsberechtigt ist aber nur der Anleiheschuldner odet der Treuhänder. Ein Treuhänder wird aber lediglich bestellt, wenn ein Gläubiger dies innerhalb eines Monats nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes (16. Juli 1925) bei der ober­sten Landosbehörde beantragt. Da der Schuldner kaum den Antrag auf Erhöhung stellen wird, so ist es deshalb Sache der, Gläubiger, den Antrag bis zum 15. August 1925 bei der obersten Landesbehörde einzureichen. Es ist anzunehmen, daß sich In jeder Stadt Schutzvereinigungen zur Wahrung der Rechte des Gläubiger bilden, damit diese Frist gewahrt wird. Der Antrag auf Erhöhung des Einlösungsbetrages auf 25 pCt muß inner­halb vier Monaten nach dem Inkrafttreten dieses Gesetze« vom Anleiheschuldner oder Treuhänder gestellt werden.

Auch bei den Industrie - Obligationen laufen ganl kurze Fristen für den Altbesitz. Nach § 39 des Gesetzes über die Aufwertung von Hypotheken und andern Ansprüchen müssen die Schuldner ihre Gläubiger spätestens bis zum 30. September 19 2 5 durch Bekanntmachung auffordern, ihre Schuldverschreibungen, für die die Vorrechte des Altbesitzes in Anspruch genommen werden, anzumelden. Es ist mit der Auf­forderung durch die Industrie-Gesellschaften bereits In den nächsten Wochen zu rechnen. Der Gläubiger muß dann inner­halb eines Monats seit der Aufforderung durch den Schuldner bei diesem oder der von ihm bestimmten Stelle seine Schuldverschreibung anmelden, damit er seines Genußrechtea nicht verlustig geht. Die erforderlichen Beweismittel sind der Anmeldung beizufügen oder binnen einer weiteren Frist von einem Monat einzureichen.

Es ist also Sache der Gläubiger, sich die Beweismittel rechtzeitig zu beschaffen, damit er diese kurzen Fristen ein­halten kann. Die Fristen sind so unbegründet kurz gehalten, daß mancher aus seinem Sommerurlaub zurückkehren wird', der erst Kenntnis von den Fristen bekommt, wenn sie bereits abgelaufen sind. Es kann deshalb nicht genügend darauf auf­merksam gemacht werden, die Beweismittel für den Anspruch rechtzeitig zu besorgen."

* Konjunkturforschung in England. Uns wird ge­schrieben :Die. an dieser Stelle besprochene Gründung des Institutes für Konjunkturforschung in Berlin gibt den An­laß, die analogen Zwecke zu erörtern, welche im März d. J. zur Konstituierung des ..Industrial Institute in London geführt haben. Das englische Institut ist vor­läufig eine Vereinigung privater Natur, welcher allerdings die hervorragendsten Wirtschaftsführer angehören. Neben! Sir Josiah Stamp, einem der Autoren des Daweskomitees, gehören dem Gründungsausschusse u. a. folgende Persönlich­keiten an: Mr. Willey, Präsident des Verbandes der britischen! Industrie, Mr. Ball, Generaldirektor der Lloyds Bank Ltd., Dr. Leaf, Präsident der Westminster Bank, Mr. Cramp, Ge­neralsekretär der Eisenbahner. Das Institut hat sich satzungs­mäßig die Aufgabe gestellt, das Problem der industriellen! Entwicklung zu untersuchen, mit dem nächsten Ziele, daraus die Mittel zu finden,um die Regelmäßigkeit in der Beschäf« tigung der Arbeitskraft zu sichern. Im April trat die Veri einigung mit ihrer ersten Publikation an die Oeffentlichkeit; sie beweist, daß das Problem der Arbeitslosigkeit der großen! Frage der Konjunkturschwankungen trade 'des untergeordnet wurde, deren Erforschung in erster Linie gepflegt werden soll. Interessant sind die Ausfüh* rungen des Instituts, welche sich auf das Verhältnis der Be­völkerungszunahme zur Zahl der Arbeitslosen beziehen: schätzungsweise beträgt der natürliche Zuwachs am Arbeits­markte in England derzeit nicht weniger als 180 000 Personeri pro Jahr. Das Institut erklärt seine statistischen Arbeiten, welche das gesamte Gebiet der Produktion und des Kon­sumes umfassen sollen, nur als Vorbereitungen zur spStereri zentralen Verwertung und Ergänzung in einem zu schaf­fenden wissenschaftlichenClearing House, welches somit dem eben gegründeten Berliner Institut entsprechen würde. Die Idee einesCensus der Produktion" wird von Sir Josiah Stamp schon seit Jahren eifrigst vertreten. Man erhofft in England von Produktionsstatistiken, wie sie Stamp und das Industrieinstitut vorsehen, die Möglich­keit, Konjunkturschwankungen rechtzeitig zu erkennen und die erforderlichen Umstellungen zeitgerecht vorzunehmem

* Dio Böhrenausschreibung der Stadt New Tork­ln Ergänzung unserer Funkmeldungen über den Eingang nied­rigerer deutscher Offerten als die ausländischer Konkurrenz, wird uns vonUnited Preß weiter gemeldet, daß die Abgeherin des billigsten Angebots die Gelsenkirchener Bergwerks­und Hütten- A.-G. ist, die für das Gesamtobjekt von 9000 t Qußeisenröhren und andere Materialien Doll. 409 041 verlangte. Nach den Angaben von Mr. Bowe, dem Leiter der Einkäufe- zentrale der Stadt New York, ist dieser Preis um Doll. 36 000 niedriger als der Durchschnitt der amerikanischen Angebote. Io Allgemeinen wurde in deutschen Offerten Doll. 48.55, in den französischen Doll. 48.81 pro Tonne gefordert, während die Ange­bote amerikanischer Firmen sich auf Doll. 1 bis 4 pro Tonne höher stellten. Bowe glaubt, daß die amerikanischen Fabrikanten im Hinblick ans die deutsche Konkurrenz ihre Preise vom letzten Jahr, wo überhaupt keine Auslandsofferten eingegangen waren und sich die amerikanischen Preise auf einer abnormen Hone bewegten, wesentlich herabgesetzt haben. Man erwartet, daß der Zuschlag in den nächsten Tagen erfolgen wird. Wie verlaute i stemmen sich amerikanische Firmen gegen einen Zuschlag an d.e Gelsenkirchener Gesellschaft, weil durch die Vergebung des An­trags an das Ausland eine Schwächung des einheimischen Marktes, der gerade in der letzten Zeit eine Besserung gezeigt hatte, befürchten sei. ,

* L. Weil & Reinhardt A.-G., Mannheim. hatten im Abendblatt vom 29. April d. J. eine Informati veröffentlicht, wonach die Gesellschaft die Auflösung ihre Frankfurter Niederlassung beabsichtige. Dieser Meldung y von der Gesellschaft ein Dementi entgegengesetzt w<^' / Sie erweist sich aber, wie sich nunmehr ergibt, als zutre.ren < denn, wie uns bekannt wird, wurde von der Stinnes-ta^" A.-G. In Mülheim, die maßgebenden Einfluß auf die L. * * u. Reinhardt A.-dl. besitzt, beschlossen, die Fili a len de, totaleren in Erankfurt a, M., Nürnberg und StutP