Mittwoch, 1«. September 192»

Aufwertung von Forderungen, die nicht auf R-alsicherheiten be­ruhen, trägt unverkennbare Zeichen einer Schaffung künstlicher Kaufkraft. Deutschland muß auf dem Weltmarkt mit den besten Mitteln operieren: Qualitätsprinzip, Vertragstreue und gute Währung, d. h. nach der heutigen Weltanschauung gesicherte Goldwährung, die als festen Boden eine mit Ueberschuß abschließende, mindestens aber ausgeglichene Zahlungsbtlanz- braucht. Von allen Kapitalreserven entblößt, können wir diese nur durch produktive Arbeit und sparsame Wirtschaft erreichen

An da? Refera- UrbigS schloß sich ein weiterer theoretisch gründlich fundierter Vortrag von Dr. L. Albert Hahn, Direk­tor der Deutschen Essecien- und Wechselbank in Frankfurt a. M. über die Währungsprobleme. Der Redner ging davon aus, daß der von Ricardo formulierte Grundgedanke der QuantitätStheo- r i e d e s Geldes.Das einzige Mittel, den Wert einer Wäh­rung zu regulieren besteht in der Regulierung der Geldquantität des Landes mittels Ausdehnung und Zusammenziehung der von der Notenbank gewährten Kredite" nun auch die deutsche Theo­rie und Praxis erobert habe nach den Irrfahrten des letzten Jahr­zehnts, die man hätte vertreiben können bei klarer quantitäts­theoretischer Erkenntnis de« inflatorischen Charakters der Geld­zerrüttung. Heute sind wtr nun

der Sorge neuer Wäbrungsverschlechterung enthoben,

weniger durch die Konstruktion der neuen Reichsbank als durch die immer klarere geldtheoretische Einstellung der Reichsbanklei­tung und insbesondere ihres Präsidenten. Gegen die Kredit- rationierung mögen sich die Banken, obwohl es fraglich ist, ob nicht eine einschneidende Diskonterhöhung an ihrer Stelle bester wäre, nicht zu wenden haben, weil die Reichsbank vor allem für die Wirkung des Rationierungssystems die Verantwortung hat. Aber die Banken werden darauf hinzuweisen haben, daß es sich bei dem System der Kreditrattonierung immer nur um eine Ue b er gan gSmaß nähme handeln muß, deren Beseitigung baldmöglichst erfolgen muß und nicht durch eine Diskontherab­setzung im Widerspruch mit den Sätzen des freien Marktes hiqaus- geschoben werden darf.

Weil die Währungspolitik stets auf den Gesamtablauf des volkswirtschaftlichen Geschehens den größten Einfluß hat, wird der Zusammenhang zwischen

Währungspolitik und Konjunkturpolitik

von besonderer Bedeutung, gerade für die Banken, di« am Wohl­ergehen sämtlicher Zweige der Volkswirtschaft, also an der Kon­junktur, am meisten interessiert sind. Dabei muffen wir uns zu­nächst darüber klar, sein, daß unsere nationale Konjunkturpolitik grundsätzlich die Wege der internationalen, insbesondere der eng­lischen und nordanierikanischen Konjunkturpolitik, wird gehen mästen, weil unsere Konjunktur mit unserem Preisniveau durch die Verbindung unserer Währung mit den Währungen der Ver­einigten Staaten und Englands an die dortige Konjunktur gebun­den ist. Deshalb ist es von größter Bedeutung, daß man im Aus­land in weiten Kreisen heute der Ueberzeugung ist, daß die Kon­junkturbewegungen durch eine entsprechende Diskontpolitik bis auf praktisch belanglose Reste aus der Welt geschafft werden können und sollen, um die kapitalistische Wirtschaft als k o n j u n k t u r - lose W i r t s ch a f t zu einem Jdealzustand sortzuentwickeln, der dem Bolschewismus gcgenübcrgestellt wird. Die konjunkturlose Wirtschaft würde Konjunkturgewinn und Konjunkturverlust aus- fchaften und dein Unternehmer einen Verdienst, der über Ver­zinsung seines Kapitals und einen bescheidenen Unternehmergewinn hinausgeht, nur durch besondere organisatorische und technische Maßnahmen zur Herabsetzung der Produktionskosten ermöglichen und ihn so zu einer mehr technischen als kaufmännischen Orientie­rung bringen.

Akuter als die internationale Konjunkturpolitik, deren Ten­denzen in dieser Richtung wirken dürften, ist für uns eine natio­nale Konjunkturpolitik, die die nationale Konjunktur mit der internationalen in Einklang bringen muß. Die deutsche Konjunkturbewegung war nach der Stabilisierung zunächst im November 1923 durch eine Deflation, bann vom Januar bis April 1924 durch eine zu weitgehende Kreditgewäh­rung und darnach vom April bis Mitte 1924 durch einen Preisabbau auf dem Wege der K r e d i t r e st r i k t i o n gekenn­zeichnet. Seit Mitte 1924 und heute noch haben wir eine Äqjn» junkturperiode, in der Erscheinungen der Stabilisier nngs- krise Kapitalmangel, Verlustabschlüste, Zusammenbrüche von Jnflationsunternehmungen und Jnslationskonzernen auf der einen Seite und auf der anderen Seite Sluftriebstenbe iv= zeit geringe Arbeitslosigkeit, steigende Preise nebeneinan­der hergehen. Die Austriebstendenzen, insbesondere die Preis­steigerung, können ihre Ursache nur in der Vermehrung des Geldumlaufs um .rund 2 Milliarden seit Mitte 1924 haben, und alle Berechnungen,' die den heutigen Geldumlauf als niedrig im Vergleich zur Vorkriegszeit bezeichnen, ha.lten wissenschaftlicher Nachprüfung nicht stand. Man sann eher von einem zu Viel als von einem zu Wenig an reichsbankseitigem Entgegenkommen reden. Die Frage, ob der Tendenz zu weiterer Preissteigerung nachgegeben oder das Preisniveau gedrückt werden soll, kann nur durch eine dem Außenstehenden unmögliche, sehr eindringliche Analyse der De v i s e n b e w e g u n g bei der Reichs- bank geklärt werden.

Jedenfalls muß die Reichsbank hart bleiben.

Höchstwahrscheinlich dürste es schon genügen, wenn ein wesent­liches Bremsen in der Vermehrung der Umlauf 4= mittel erfolgt. Auf diesem Wege allein könnte aber ein Preis­abbau nur dann durchgeführt werden, wenn die Preisbildung nicht gestört werden würde durch außer markt mäßige Mo­mente, wie es insbesondere die Kartelle und die Steuern sind. Unter diesem Gesichtspunkt hat die Preisabbauakiion der Reichsregierung ihre Berechtigung als eine Aktion gegen außer- wirtschaftliche, dem freien Spiel bet Kräfte und den Gesetzen von Angebot und Nachfrage entgegenstehende Preisbildungstendenzen. Ob diese Mion logisch vereinbar ist mit dem Jnkrafisetzen von Schutzzöllen, kann wohl bezweifelt werden. Eine Ermä­ßigung der Zinssätze, die nicht auf Grund monopolistischer Preisabreden, sondern auf Grund wirtschaftlicher Gesetze entstan­den sind, kann jedenfalls nicht das Preisniveau herabsetzen, son­dern nur verhindern, daß gewisse nicht mehr rentable Betriebe vor dem Ausscheiden bewahrt werden. Nur eine Vermehrung des Kapitalangebots kann nützen, und hier hat die Regierungsaktion größte Erfolgsaussicht durch äußerste Sparsamkeit bei den öffent­lichen Körperschaften und Verminderung der Steuer­lasten. Die Tendenzen zur Steigerung der einzelnen Kostenele­mente der Produktion sind aber letzten Endes nichts anderes als ein Kampf der e l n g Inen Klassen um bie Ver­größerung ihre? Anteils am Sozialprodukt, eine Vergrößerung, die aber letzten Endes nur erreicht werden kann durch eine Steigerung des Sozialproduktes Überl)aupt auf dem Wege der Rationalisierung und Organisation der Arbeit.

In der

Diskussion über die WährungSfragen

knüpfte Max Warburg -Hamburg an Versailles an. Man hätte dort auch einen anderen Weg gehen können. Zweimal hätten die finanziellen Sachverständigen gewarnt vor der Unterzeichnung. Nichts habe den Bolschewismus so gefördert wie der Fortbestand des Gedankens derTrading with the Enemy Act". Die eng­lische City teile diese Ausfassung, und auf dem Stockholmer Kon­greß fei die Wegnahme von Privatvermögen im Ausland als Rückstand der Barbarei verdammt worden. Auf die Frage, warum Deutschland nicht früher devalviert habe, müsse einmal klar gesagt werde», daß eine Devalvierung nur möglich ist, wenn der Staat innerpolitisch sich kräftig genug fühl!. Die heutige iiinerpolitische Lage in Frankreich zeige, daß auch dieses Land nicht die genügende innere Kraft aufbringe. Die Schaffung unserer neuen Währung, von der er hoffe, daß man ihr möglichst bald die Gestalt einer reinen Goldwährung geben könne, durfte eben erst dann in Angriff genommen werden, als die Jn- buftrie einsah, daß ihr Vorteil doch nicht in der Inflation liege, als die Staatsbeamten und Arbeiter erkannten, daß es so nicht weiter gehe, als die Landwirtschaft für die Devalvation reif war, kurzum, als dem gesamten Lande die nackte Mrflichkett flar ge­worden war. Für bie Ueberführung in die neuen Verhältnisse sei die Gründung der G o l d d i s k o n t b a n k von besonderer Be­deutung gewesen, denn sie brachte durch Ausnahme von AuSlouds- wechseln eine Entlastung des Geldmarktes zu sehr gefährdetem Zeitpunkte, und sie lieferte für unsere Unterhändler im Ausland während des DaweS-Paktes eine Rückenstärkung. Diesen selbst lasse der Bankierlag mit Recht außerhalb seiner Erörterungen; denn werde bie Erfüllbarkeit des Dawesplans verneint, so lege man uns das als Böswilligkeit aus, und sagen wir, wir können zahlen, dann hält man uns wahrscheinlich für leichtsinnig. Auch hier werden nur die Praxis und die traurige Erfahrung bie Grenzen unserer Leistungsfähigkeit aufzeigen. Auf währungstech­nischem Gebiete habe un8 der DaweS-Paki eine uner­wünschte Zumutung gestellt, indem er, ebenso wie man den Frie­densvertrag mit dein Völkerbundsgedanken zu sehr belastet hatte, mit der Jndexlheorie beschwert ist. England nahm jetzt in Amerika eine Goldanleihe auf ohne Jndersttpulatton. Der Redner hofft, daß «s gelingen werde, das Jndexabkömmen Möglichst bald aus dem Dawesplan zu entfernen, eventuell noch bevor man andere Aenderungen vornimmt. Das scheine ihm ein Gebot bet Währungsgerechtigkeit. Aus das Prinzip unserer Wäh­rung als einer Go ldwährUng möchte Warburg nick: etn- gehen. Erstens feien wir mit Problemen genug gesegnet, zweitens waren mir einfach gezwungen, die Goldwährung anzunehnien, weil wir sonst in den Goldländern keinen Kredit bekommen halten. Ehe grundsätzliche Aenderungen diskutiert werden können, müßte auch die in allen Staaten herrschende Schutzzollpolitik erledigt und die durch sie gezüchtete Treibhausindustrie zusammengebrochen

Zwettes Morgenblatt der Zeitung

Nummer 690 Seite 2

fein. Gegen die englisch-amerikanischen Theorien von einer kon­junkturlosen Wirtschaft habe er große Bedenken. Schon ein Glaube an die Möglichkeit bewußter Milderung der Kon­junktur'müsse sehr vorsichtig ausgenommen werden. Das.Jmprävu", die Ueberraschung, sei nicht auSzuschalten und ohne Fieber wür­den ffinber nicht groß. Für uns in Deutschland bestehe bie be« saubere Gefahr, daß die Beobachter aus allem gleich ein System machen unb daß wir es nachher praktizieren. Wenn wir uns vor Augen halten, was wir in elf Jahren an Schwierigkeiten über­wunden haben, Dürfen wir so optimistisch sein, zu erwarten, daß auch die weiter noch kommenden Schwierigkeiten überwunden werden können.

Herr Max v. Schinckel-Hamburg trat der Meinung War­burgs entgegen, daß die Rentenmark nichts weiter gewesen sei als eine Umetikettierung der inflationistischen Geldschöpfung. Herr v. Schinckel führt die Stabilität der Rentenmark auf ihre Fundie­rung durch Grund und Boden zurück. Auf das Thema Zins und Preise war schon in der Vormittagsdiskussion Herr Leopold Merzbach -Frankfurt a. M. eingegangen. Bei langem Produktionsprozeß könne eine Zinsermäßigung, weil kostenverbilltgend, auch die Warenpreise senken, bei kurzer Erzeu­gungsdauer und hohen Lägern hingegen leide sie verteuernd. Was die Bankzinsen anbelangt, so müßte die Zinsspanne eher noch vergrößert werden, denn außer Kreditzins plus Spesen sei vor allem die Ristkoprämie als Unkosten nicht zu ver­gessen, wenn man den richtigen Debetzins erstrebe. Wenn man die Banken ausfordere, die Zinsen herabzusetzen, so möge man auch die Telephongebühren der Po st nicht vergessen, die den Unkostenstand stark beeinflussen. Im Schlußwort hatte am Vor­mittag Herr Oskar Wassermann noch betont, daß man schwerlich einer Konditionenermäßigung beistimmen könne; Herr Pfeiffer gab seiner Befriedigung über Die annähernd erzielte Uebereinstim­mung mit dem PräsiDenten der Girozentrale Ausdruck.

Zur Währungsfrage wurde die folgende

Entschließung angenommen:.

1. Die in Deutschland wieder hergestellte stabile Währung zu ftärien und vor erneuter Gefährdung jjx schützen, ist das wichtigste gemeinsame Interesse aller Wirtschaftsstellen. Der Bankiertag stimmt deshalb der von der Reichsbank durchgeführ­ten Abwehr der Kredivermehrung zu, so sehr dies« Politik nicht nur Handel und Industrie, sondern in nicht geringe­rem Maße auch Banken und Bankiers in ihrer geschäftlichen Be­tätigung einengt; er vermag namentlich eine Milderung der gegenwärtigen Ataßnahmen nicht zu befürworten, so lange das Preisniveau keine sinkende Tendenz aufweist. Auch hält es der Äankiertag heute nicht für möglich, unter Verzicht auf die Kredit- rationierung die Reichsbank lebitVi) auf den unter normalen Verhältnissen gegebenen Weg der Diskontregulierung vor über­mäßiger Inanspruchnahme zu schützen.

2. Der Bankiertag tritt bett Berichterstattern darin bei, dass der Schutz der Währung sich nicht in Maßnahmen bet Stehlt- und Diskontpolitik erschöpfen darf. Eine übermäßige Verschuldung an das Ausland übt dauernd einen Druck auf unsere Währung aus; die Verminderung dieses Druckes ist das Ziel, jn welchem sich die Maßnahme der staatlichen Gewalten, wie diejenigen der gewerblichen Organisationen und nicht zuletzt die der einzelnen Wirtschaften vereinigen müssen. Eine der inneren Kapitalbildung abträgliche Flnanzgesetzgebung sowie jede

Vernachlässigung bet gebotenen Sparsamkeit in der äffens- lichen wie bet privaten Wirtschaft

stellt sich deshalb auch währungspolitisch als verhängnisvoller Fehler dar. Allen Maßnahmen, die auf Erhöhung der Ausfuhr sowohl von Rohstoffen und von Fettigfabrikaten sowie auf Ver­minderung entbehrlicher Einfuhr gerichtet sind, kommt auch heute noch für bie Währung die gleiche Bedeutung zu, wie in den Zel­ten der beginnenden Stabilisierung. Deshalb sind die in erster Linie in Betracht kommenden Bestrebungen auf

Abbau des inländischen PeisniveauS

auch unser währungspolitischen Gesichtspunkten zu unterstühen, soweit sie sich von Parteltendenzen und -Rücksichten sowie von oer Anwendung ungeeigneter äußerlicher Mittel fernhalten. Eine Rationalisierung der Organisation und der Methode der G ü t e r e r z e u g u n g und bet Güterverteilung wird zum Er­folg dieser Bestrebungen in nicht geringem Maße beitragen.

3. Die Verminderung der Abhängigkeit unserer industriellen Produktion von der Einfuhr ausländischer Rohstoffe unb der qa- dutch bedingten statutarischen B-lastung ist eine der wichtigsten Zukunftslorgen der deutschen Währungspolitik. Alle an bet Ge­sunderhaltung der deutschen Wäbrung tt-teresiierten inländischen lind ausländischen Wirtichastskreise sollten deshalb die auf Wie­dererlangung geeigneten überseeischen Kolo- " ialbesitze? gerichteten Bestrebungen Deutschlands aufs täte kräftigste unterstützen.

4. In bt Beseitigung des EinheitSkurS- Zwanges und der Wiederherstellung des ® e b i f c n t e r m i n- bandel? erblickt her Banki-tMa Maßnahmen, die für hie Zu­kunft wünschenswert beute jedoch nicht dringlich, noch auch unbe­dingt empfehlenswert sind.

SoMdemLkrMfcher Wkeilag.

<3 Heidelberg, 15. Sevtbr. (Priv.-Tel.) In den Mittags- stunden setzte der radikale Flügel erneut mit seiner heftigen Kritik an der Parteileitung ein.

Mäder- Altenburg wandte sich gegen Heilmann, der nicht einmal den Versuch gemacht habe, sieh von den ihm gemachten Vorwürfen in seinen Beziehungen zu den Barmats zu befreien. Der Klassenkampf müsse schärfer betont werden, unb lebhaft ver­tritt er einen Antrag, der den Mitgliedern der Partei jedes private Wirken in den Vorständen und Aufsichtsräten kapitalistischer Unternehmungen verbietet mit Ausnahme in den Betriebsräten; soweit Parteimitglieder als Ver­treter von Staaten und Gemeinden in den genannten Institu­tionen tätig sind, sollen sie evtl. Tantiemen restlos den in Frage kommenden öffentlichen Kassen überweisen. Erregter wird es in der Versammlung, als Müller- Leipzig diesen Antrag leiden­schaftlich erregt weiter unterstützt und Scheldemann und Hell­mann Lahmheit vorwirst in der Klassenkampfidee, die das wesent­lich treibende Moment in der Partei gewesen sei und bleiben müsse. HeilmannS Vorwürfe gegen den radikalen Flügel erwidert er dahin, daß er kurz deutlich zu machen sucht, daß die Loeb- Angelegenheit grundverschieden sei von bet Barmat-Affäre.

Slm Nachmittag entgegnete Hermann Müller aus seiner besonderen Kenntnis der Franksurter Verhältnisse sehr energisch den Angriffen der Radikalen. Er beginnt seine kurze Diskussions­rede zu den Frantfurtern gewandt, die den Antrag einreichten, der Parteivorstand habe Die Fühlung mit der Arbeitermasse ver­loren und in Zukunft sollten nur Parteigenossen in den Vorstand gewählt werden, die noch das Vertrauen der Arbeiter besäßen. Wenn ein solcher Antrag durchgehen könnte, meint Hermann Müller, so läge eS an den dortigen Führern, die die Masse nicht richtig zu leiten und aufzuklären verständen. Die Vorwürfe, füh­rende Parteimitglieder seien an den kapitalistischen Machenschaften der B a r m a t s beteiligt gewesen, erwidert Hermann Müller da­hin, daß er auszeigt, daß die Partei alles getan hat, bie Singe- l.genhett sauber zu Hären unb wandte sich zu den ungerechtserttgten Slnrgiffen, gegen bie, wenn sie auch noch aus eigenen Reihen er­folgten, die Partei energisch vorgehen müßte. Auch Bebel sei einmal in kapitalistische Machenschaften verwickelt gewesen, hätte sich über­zeugend verteidigt und keiner verüble es ihm heute. Auf die Vor­würfe, warum bei der Reichspräsidentenwahl im zweiten Wahl- gang kein eigener Kandidat der Partei aufgestellt worden sei, meint Hernmnn Müller, daß man bann dasselbe getan hätte, waS die Kommunisten taten. Auch habe man sich mit gutem Gewissen für Marx einsetzen können, denn Zentrum und Republik hätten sich bisher, waS ja auch Südamerika zeige, immer gut vertragen. Ab­schließend erwidert Hermann Müller Prof. -Nölting-Frankfurt, daß dieseheilige Unruhe", die er, Nölting, für bie Partei so nötig halte, bei seinen Jungsozialisten zu dem bebauet- lichen, eng theoretischen Streit zwischen bet Hannoveraner Rich­tung und bem HofgeiSmarkreise geführt habe. An Tatsachen müsse sich bie Partei orientieren unb bie Interessen der Arbeiter auf einem Wege vertreten, auf dem man ihnen auch wirklich nützen und helfen könne.

. Mit S e y d e w i h ° Zwickau zog bie Opposition wieder ins Treffen. Marx fei das .Diktat des Zenttumö" gewesen unb in den unerhörten Zuständen innerhalb der Republik sei bie ewige Kom­promiß- unb Bündnlspolitlk nicht mehr die richtige. Damit war bie oft recht heftige Diskussion beenbet.

Die Berichter stattet des Parteivorstanbes, Stel­ling, Bartels und Lubwia verbreiten sich über die vorlie­genden Anträge und bitten im besonderen, den Antrag betreffe der Annahme von Auf sich t S rats sielle n in der Abänderung anzunehmen, daß Parteigenossen, die in den Reichstag, in Land­tag«, in die Provinzial-, Bezirks- und Gemeindevertretungen ge­wählt werden, AufsichtSratsstellen in privatwirtschaftlichen Er- werbsnnternehmen nur bekleiden dürfen, wenn bte Fraktionen, bereit Mitglieber sie sind, dagegen keine Einwendungen erheben. DaS gleiche soll auch für die Annahme solcher Stellen während bet Dauer einer Wahlperiode gelten. Zur Batmat-Angelegen- h ei t fügt Ludwig noch hinzu, daß der Parteivorstand nach Ma­terial zur Klärung der Verhältnisse seiner belasteten Mtglieder bet allen Landesorganisattonen der Partei angefragt, aber keines er­halten habe. Trotzdem feien dann später in bet radikalen Presse die Verleumdungen erfolgt..

In der

Abstimmung.

werben alle Anträge des radikalen Flügels von etwa 75 Köpfen, mit denen auch Paul Levi und Rosenfeld stimmten, von der um rund 200 Stimmen stärkeren Majorität ab gelehnt.

Deulsch-mexlkaulsche Beziehungen.

Der französische Kultusminister in Berlin.

Anläßlich der Jahrestages der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Mexiko am 15. September 1925 hat die Mexikanische Gesandtschaft in Berlin durch den Berliner Sender eine Rundfunkrede ver­breiten lassen, der wir folgendes entnehmen:

.Wohl kaum em anderes Land vermag der Industrie und bem Handel ein größeres und fruchtbareres Betätigungsfeld für ihren Unternehmungsgeist zu bieten als Mexiko mit seinen ungeheuren Bodenschätzen. Dank dieser natürlichen Reichtümer nimmt es für die Ausfuhr von Rohstoffen, die es in unerschöpflich scheinender Mannigfaltigkeit und Menge besitzt, eine Sonderstellung ein, zumal da es gerade für den Güteraustausch mit Europa eine ungemein gün­stige geographische Lage hat denn eine Reffe von nur 12 Tagen trennt eS von diesem Kontinent. Angesichts der großen Bedeutung, die die Hebung der Botenschätze für Mexiko besitzt, ist es nicht Überraschend, daß noch heute das Andenken an denjenigen deutschen Gelehrten im mexikanischim Volke lebendig ist der durch feine For­schungsreisen vor mein als einem Jahrhundert die Kunde von die­sem damals nochNeuspaiffen" genannten Lande und von dem natürlichen Reichtum; den es beherbergt, in bet Welt verbreitet hat: Es wat dies bet hetvotragenbe Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt, dessen Wirkens Mexiko mit tiefer Dankbarkeit gedenkt und stets eingedenk bleiben wird.

Im Sinne ihrer industri-ll einge ft eilten Wirt­schaftspolitik mit bem Ziele, bie Nutzbarmachung der natür­lichen Reichtümer des Lanbes in jeder Hinsicht zu fördern, hat die mexikanische Regierung durch eine kürzlich erlassene Verordnung bie Einfuhr von Maschinen und ihren Zubehörteilen, sowie von Werk­zeugen für den industriellen Bedarf für zollfrei erklärt . . . Außer­dem hat das mexikanische Staatssekretariat für Industrie unb Han­del der mexikanffchen Gesandtschaft in Berlin einen Handelsattache beigegeben, der ebenfalls im Dienste bet Vertiefung unb des Aus­baues der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland unb Mexiko tätig ist, um damit bte Intensivierung des mexikanisch- deutschen Warenaustausches zu fördern. Dem gleichen Ziele dient eine ständige Mustetausstellung bet hauptsächlich­ste n R ohstofse und gewerblichen Erzeugnisse, die Mexiko hervvt- bringt (im Gesandtschaftsgebäude in Berlin).

Auch von deutscher Seife ist das wirtschaftliche Interesse für unser Land bereits erfreulich rege unb bat seinen Ausdruck gefun­den in der Gründung deutsch-mexikanischer Handels­kammern, von denen ein» bereits seit längerer Zeit in Nürn­berg besteht, während eine zweite etwa vor einem Jahr hier in Berlin errichtet worden ist. Diese beiden Körperschaften, die mit allen mexikanischen Vertretungen Hand in Hand arbeiten, wirken Seit? mit rührigem Eifer im Dienste der Vertiefung der deutsch- inischen Beziehungen, indem sie durch eingehende Bearbeitung von Anfragen jeder Art die Kenntnis der mexikanischen Verhält­nisse im allgemeinen, sowi» vor allem der mannigfaltigen Möglich­keiten die sie dem deutschen Handel durch die vorhandenen Rohstoffe unb Warenschätze bieten, verbreiten helfen."

Zum Schluß wird der Wunsch des mexikanischen Volkes betont, daß Deutschland in Mexiko wieder den Platz ein­nehmen möge, den es durch seine Kultur und Schaffenskraft einzunehmen berufen ist.

Die Kämpfe in Marokko.

PaiulevL über die französischen Operationen.

I-8t Paris. 15- Septbr. (Priv.-Tel.) Der französische Mi­nisterpräsident Pa in levo ertlätte im Anschluß an den heuti­gen Ministerrat, daß bie französische Regierung mit der Entwick­lung der militärischen Operationen in Marokko durchaus zufrie­den sei. Die vorbereitenden Operationen seien von Erfolg gekrönt gewesen, unb bie französischen Truppen hätten an vielen Punkten die seit April aufgegebenen Stellungen Überschritten. Die fran­zösischen Truppen seien gegenwärtig mit den Vorbereitungen zu einer neuen großen Offensive beschäftigt, und er sei über­zeugt, daß sie noch vor Beginn der Regenzeit, bie eine Krieg- führuim unmöglich mache, ihre Operationen beendigt haben wür­den. Painleve erklärte weiterhin, daß int Gegensatz zu den In­formationen einiger Blätter bet Jahrgang 1924 nach Erfüllung der gesetzlichen Dienstzeit von 18 Monaten, also Ende Oktober, entlassen würde.

Der französische Ministerpräsident hat im Namen bet Regie­rung dem Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Marokko, Marschall P eia in, ein Glückwunschtelegramm ge­schickt, in bem er den siegreichen Truppen den Dank der französi­schen Nation aussprichi.

Der französische Vormarsch.

Fez, 15. Septbr. (Wolff.) Hapas Heute vormittag haben die französischen Trupven im Abschnitt von Taunat iljren Vormarsch nach Westen sortgefctzt und bie Posten unb bas Dorf MoSraua genommen. Zwei aus je zwei Brigaden zusammengesetzte Kolon­nen, bie nebeneinander marschierten, haben bie Anhöhe 657 und ein 7 Kilometer östlich von Wed Sahela gelegenes Dors erreicht. Der Feind ist in Unordnung nach Norden geflüchtet. Die französischen Verluste sind leicht. Die Großkampsflugzeuge haben S) t b a ne bombardiert unb dabei festgestellt, daß Vibane stark mit Schützen­gräben befestigt ist. Es werden zahlreiche Unterwerfungen ge­meldet.

Marschall L h a u t e y ist heute in Casablanca ein- getroffen.

Von der spanischen Front.

Paris, 15. Septbr. (Wolff.) HavaS meldet aus Madrid: ZeitungSmelbungen aus Melilla besagen, daß in der Nacht Boni 11. auf den 12. September der auf dem Djebel Malmusi ver­schanzte Feind über Calabonita die spanischen Stellungen zu er­reichen und die Bemannung eines spanischen Geschützes zu über­raschen versuchte. Die Wachmannschaft benachrichtigte das Lager, woraus eine Eingeborenenabteilung und eine Kompanie der Frem­denlegion den Angreifer zurücktrieben und etwa 30 Mann gefangen nahmen. Der Feind verlor außerdem 30 Tote. In Morro N u e b o hat man begonnen, nach Wasser zu graben, das man in etwa 25 Meter Tiefe zu finden hofft. Man erklärt, daß unter den feindlichen Gefallenen sich Bier europäische Kommunisten befinden sollen. Bei der Beschießung des Feindes durch das Seeflugzeug­geschwader wurde unter den Bent Uriaghei auch der Slaib Ächemsrl, der Ratgeber Abd cl Krttns, getötet.

Haoas meldet aus Fez: Im Verlaufe der Nacht sei ein Auto­mobil, in .bem sich zwei Europäer, darunter ein französischer Kriegsberichterstatter befand, 50 Kilometer Bon Fez angegris - f e n worden. Der Berichterstatter sei durch einen Gewehrschuß am Fuß Berletzt worden und habe Nach Fez zurückkehren müssen. Auep bie übrigen Insassen des Automobils seien Bericht worden.

Ein russisch-polnisches Techtelmechtel?

t Warschau, 15. Septbr. (Priv.-Tel.) Der dreitägige Aufent­halt Tschitscherins in Warschau erweckt hier allerhand Hoff­nungen auf eine Annäherung Rußlands an Polen, die sich dann auch wirtschaftlich auswirken könne. In nichtdeutschen diplomatischen Kreisen glaubt man, daß Tschitscherin in der Dai seinen Aufenthalt benutzen werde, um mit Polen zu kokettieren unb so in letzter Minute auf Deutschland einen Druck auSzuüben, um es von dem Eintritt in den Völkerbund ab-

-ch Berlin, 15. Septbr. (Priv.-Tel.) Der französische Kultusminister be Monzi« hat heute vormittag dem preu­ßischen Kultusminister Dr. Becker einen Besuch gemacht und eine etwa einstündige Unterredung mit ihm gehabt, bei Der die Schwierigkeiten für die internationale Zusammenarbeit der Gelehrten erörtert wurde. An einem anschließenden Früh­stück nahmen der preußische Ministerpräsident Braun, der französische Botschafter de Margerir, die Staatssekretäre Schubert, Zweigert und Lammers, der frühere preußische Kultusminister Dr. Schmitt-Ott, namhafte Vertreter, der Wissenschaft und Kunst, Exzellenz v. Harnack, Geheimrat Wiegand, Geheimrat Prof, von Falke und die Prozessoren Einstein, Bruns und Scheel teil. Herr de Monzie befand sich in Begleitung eines Herrn der französischen Botschaft und der Professoren Bmnot, Dekan der Sorbonne, und HeSnard,

Minister Dr. Becker

hieß Herr» be Monzie willkommen. Mit ©enugtuuna begrüße er ben Besuch des französischen UnterrichtsministtrS, da » einen weiteren Schritt dahin bedeute, «uf eine kulturell« Ver­ständigung ber europäischen Völker, insbesondere der ftan- zösischen und deutschen Gelehrten hmMwirftn. Die Wissenschaft f» ihren: Wesen nach international, aber der M-nich. der sie erzeugt, gehöre dem nationalen Boden an, in dem er wurzele. Er könne sich ohne Schädigung auch seiner genügen Arbeit von den Beziehungen seines Volles nicht lösen. Daraus wurden sich Schwierigkeiten für die internationale Zusammenarbeit der Gelegen ergeben, wenn ihre Völler in flonffflt gerieten. Tiefe Situation habe der Weltkrieg geschaffen,je W» eine Station fe«, desto schwerer trüge sie an ihrer Niederlage. Deutschland stehe noch unter dem Alpdruck der Besa tz u n g. Sw erzeugeH^uEngen. fu die das französische Volk gewiß volles Verständnis besitzen werde. Für die wissenschaftlichen Organisationen komme außerdem in Be­tracht, daß die Zusammenarbeit der Gelehrten in Associationen und auf Kongressen ohne deutsche Schuld nach dem Kttege nicht wied oder nur vereinzelt ausgenommen worden sei. Nachdem Kriege sei sogar eine Boykottbewegung gegen Deutschland eingeleitet worden. Noch im laufenden Jahre seien bte bedauerlichen Beschlüsse des Conseil de Recherche gefaßt worden, deren Wirkung in ber deutschen Gelehrtenwelt sehr stark gewesen sei. Um so freudiger begrüße er die vorurteilSfrele Initiative die Herr be Monzie ergriffen habe. Er heiße ihn als Vorlamp^r.ber gei­stigen Verständigung zwischen Deutschland unb Frankreich will­

kommen.

yn seiner Erwiderung wies

Kultusminister de Monzie

auf die Schwierigkeiten hin, die bis auf die letzten Monate bie Wiederherstellung des Kontakts zwischen den deutschen uns französischen Gelehrten, Gesellschaften unb Persönlichkeiten htnaus- gezögert hätten. Er erinnerte an seine Versuche, eine vor­läufige Regelung zu finden, die geeignet war-, neue Mög­lichkeiten zu einer aufrichtigen Zusammenarbeit zu schaffen. Er freue sich, daß er durch die Broschüre von Professor Karo die Einwände kennen gelernt habe, die einer Annäherungsaktion ,m Wege stünden. Er zeigte durch eine Reihe von Beilpielen, daß die französische Regierung sich lange vor dem Kongreß vom 2. De- zember v. I. bemüht habe, den Beziehungen zwischen Gelehrten und Universitäten möglichste Objektivität zu sichern. Der fran­zösische Minister wies besonders auf die Notwendigkeit ber Seil- n ah me Dent sch la n ds an der bevorstehenden Einweihung des Irstitut International de la Confdderation des Intellectuelles hin, zu der fein heutiger Besuch in Berlin die Brücke schlagen soll. Die Zusammenarbeit auf kulturellem Gebiet müsse bestehen in dem Austausch von führenden Köpfen der Wissen­schaft, in dem Austausch studentischer Jugend und in wechselseitiger Beteiligung der Veranstaltungen von Kunst und Kunstgewerbe.

Um eine persönliche Aeußerung gebeten, ergriff Prof. Bruno! das Wort. Man könne zwar den Universitäten und den wissen­schaftlichen Körperschaften ihre Haltung nicht vorschreiben, man dürfe auch nicht gleich Massenwirkungen erstreben, vielmehr solle man an die Kreise appellieren, in denen der Ged inte an eine wissenschaftliche Zusammenarbeit lebendig geblieben sei. Die Mehr­zahl der französischen Gelehrten verbeuge sich vor bem. was bte deutsche Wissenschaft zum Fortschritt ber Geister beigetragen habe und vor den Vorzügen der deutschen Rasse, bie durch ihre Methode unb durch ihren Fleiß auf geistigem Gebiet Großes geleistet habe. Niemals habe er selber vergessen, was er Männern wie Dietz, Tobler, Suchez, Meper-Lübke allen Meistern der Wissenschaft der romanischen Sprache verdanke. Eine solche geistige Schuld müsse jeder ehrlich Denkende anerkennen. Es würde für die Mensch­heit ein Unglück bedeuten, wenn die beiden größten Kulturvölker nebeneinander arbeiten wollten, ohne sich um eine gegenseitige Ergänzung zu bemühen. Außer der Annäherung von Personen gebe es aber auch eine Annäherung durch Dinge, die möglich unb notwendig sei: den Austausch von Büchern, welche die Dalutaverhältniffe unzugänglich gemacht hätten und bie boch bie Grundlage für eine gegenseitige geistige Durchdringung bildeten. Als eines der ersten Werke der Jntellektuellen-Zusammenarheit nannte er die Schaffung einer gemeinsamen Bibliothek, feiner eine fortlaufende Berichterstattung in den Hauptkultur- spiachen über alle wissenschaftlichen Fortschritte und Entdeckungen. Auf solche Weise würde, erklärte der Dekan zum Schluß, ein Werk des guten Willens wieder ausgenommen werden zum gemeinsamen Fortschritt und zur gemeinsamen Achtung.

Herr de Monzie verläßt Berlin heute abend wieder. Jn der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen wird der Besuch des sranzösffchen Ministers, der erste Besuch eines französischen Ministers feit dem Kriege, wenn er auch'vor­wiegend kulturpolitischen Interessen galt, einen Markstein bilden.

Sie WchsschMesetzMlM.

Besprechungen der Länderregierungen.

51 Leipzig, 15. Septbr. (Priv.-Tel.) Am Dienstag sind bie Vertreter der Länderregierungen in der Univer­sität in Leipzig zusammengetreten, um in zweitägiger Be­sprechung zu dem R e i ch s s ch u l g e s e tz e n t w u r f Stel­lung zu nehmen. Wir amtlich dazu bemerkt wird, handelt es sich um sogenannte unverbindliche Vorbesprechungen. Ange­sichts dieses Charakters der Konferenz taucht doch die Frage auf, warum diese Besprechung unter Ausschluß der Lehrer­schaft vor sich geht, die doch an dem zukünftigen Wesen der Schule stark interessiert ist. Dann ist auch die Eile verdäch­tig, mit der die rechtsgerichtete Reichsregierung einen solch komplizierten Stoff, wie ihn die Reform des Schulwesens där- stellt, erledigen will. Die Verhandlungen sind streng ver­traulich. Wie man hört, haben auch nicht alle Länder Dele­gierte entsandt. Von Sachsen sind die Ministerialräte Dr. Weinhold und Dr. Wolf erschienen. Der erste Tag der Be­sprechung hat jedenfalls schon ergeben, daß über den Schul­gesetzentwurf kein volles Einverständnis herrscht. Die Vertreter mehrerer großer Länder haben entsprechend der bisherigen Stellungnahme ihrer Regierungen sich gegen eine baldige Aenderung der bestehenden. Volksschulgesehgebung im Sinne des Entwurfs des Reichsministeriums ausgesprochen.

Die Versorgung der deutschen Optanten.

net

ftöftt, 15. ©efitbr. (Bolfy Die ..Deutsche Allg meine Zeitun« Hl un« w l 1

wg Zürich, 15. Septbr. (Priv.-Tel.) Jn Sarnen starb Stände- ________ ,

rat Dr. Adalbert Wirz, eines der hervorragendsten Mitglieder ber Sevtcmbw katholischen konservativen Fraktion in der Bundesversammlung. worden.

zuhalten.

Die deutsch-französischen Hanoelsvertragsverhandlungen.

Paris, 15. Septbr. (Priv.-Tel.) Der Ches der deutschen Hanbelsvertragsdelegation, Staatssekretär Trendelenburg, ist heute früh hier e i n ge t r o f f c n. Er ist nur von zwei Sach­verständigen Begleitet. Staatssekretär Trendelenburg hat heute nachmittag eine Zusammenkunft mit dem französischen Handelsminister C h a u m e t gehabt. Von französischer zuständiger Seite wird dazu erflärt, daß diese Unterredung, bie zwei ©tun- ben gedauert habe, einen durchaus herzlichen Charakter gehabt habe. Diese Unterredung sei der Frage des einzuschlagenben Weges bei den weiteren Verhandlungen gewidmet gewesen. Morgen nach­mittag um 3 Uhr findet eine neue Zusammenkunft zwischen Staatssekretär Trendelenburg unb Handelsminister Chanmet statt

Aus dem Hultschiner Ländchen.

w Prag, 15. Septbr. (Priv.-Tel.) Jn 8 u b ger 81 al, in bem von Deutschland an bie Tschechoslowakei abgetretenen Hult- schiner Länbchen ist wie bereits kurz gemeldet, bie Gemeindever­tretung aufgelöst worben. In ber amtlichen Verlautbarung wirb dies so begründet: SubgerStal hat 3250 Einwohner, davon 2790 Tschechen unb 454 Teutsche. Da die tschechischen Gemeindevertreter Ufte, Mandate zurückgegeben haben, hat die bevollmächtigte Kom­mission des Ratiborer Gebietes die Auflösung der ®cmetnbe-23er- tretung ungeordnet. Bürgermeister war der Deutsche Ludwig £1)0mann, der wegen Bergehenss gegen bas Gesetz zum Schuhe der Republik bestraft worden ist.

Demgegenüber fei bemerkt, daß in SubgerStal bie angeblich nur 454 Köpfe zählenden Deutschen bei der Gemeinbewahl 1495 Stim­men abgegeben haben unb die Tschechen nur etwas über 200. Dieses Verhältnis soll nun durch die Ernennung eines tschechischen RegierungSkommiffärs zugunsten ber zugewanderten unb hinver­setzten Elemente verschoben werben.

H- Berlin, 15. Septbr. (Priv.-Tel.) Der Ostausschuß des Preußischen Landlages setzte heute die Aussprache über bte Optantenversorgung fort. In längeren Ausführungen gaben Ministerialdirektor Soers und Oberregierungsrat Roeck . vom Ministerium beS Innern eine ausführliche Darstellung. Zwei Gesichtspunkte seien maßgebend: Arbeitsvermittlung unb enbgül« tige Unterbringung. Die Rechtsgrundlage für alle Maßnahmen war die Verordnung ber Reichsregierung über bie Auflösung ber Flüchtlingslager. Gemeinden, bie sich zur Uebernahme von Optan­ten verpflichten, erhalten finanzielle Unterstützung durch den Staat. Für baS Flüchtlingslager in Schneidemühl sind im ganzen 686 000 Mark vom preußischen Staat gegeben worden Das Reich hat au Preußen 65 Millionen Mark für Kriegsschäden usw überwiesen Davon entfallen für bie Versorgung von Optan­ten und Flüchtlinge 5 Millionen Mark. Nach der Dritten ©teuer- Notverordnung ist die Flüchtlingsfürsorge allein Sa ch e b e r 8 ä tu b e r Von ben Regierungsvertretern wurde im einzelnen nachge­wiesen, wie die Regierung bie Mittel an bie einzelnen Provinzen an die Grenzmark, an Ostpreußen und an Pommern für Ovtan- tenwohuungen verteilt hat. Die Unterbringung ber 2500 im Laaer von Schneidemühl befindlichen Optanten sei bamit gesichert ®

Nach längerer Aussprache wurde ein Antrag angenommen, ber bie Regierung aufforbert, unverzüglich alle Vorberei­tungen zur Ansiedlung der am 1. November zu erwarten­den Optanten zu treffen, bie selbständige Landwirt/ sind; die Siedlungen sollen bk Große kbftänbtqer Ackernahrunaen fiaben Die preußische Regierung soll bei ber Reichsregierüng "bÄin vo?-' tettifl werden, baß sie zur Beseitigung ber' Optantennot L zur Unterbringung unb Einführung ber Optanten in das MrtUafts- leben 8lc 111)8m111eI in rcidjem Maße zur Verfügung stM, da bte Ausweisung der Optanten eine Folge des Friebensver. träges von Versailles ist, also zu Lasten des Reiches gehe

Leitung ist von bet Beiatzungsbchörbe von/^20 ab auf drei Monate tm besetzten Gebiet verboten