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Samstag, 6 November 1926 15 TTg\

Zweites Morgenblatt

71. Johrgang. Ur. 829

Französischer Ministerrat

Das Verschärfte Regime in Italien Uor dem Ende des Kergarbeiter-

W«brr«funs des Parlaments. - Dir EudgMige (ßüifül^uitg der Todesstrafe. -

gegrunder Italien.

Girterltonstslrationen und Ktaudgerichte.

kDrahtmeldung unjcreL Korrespondenten.)

(Drahtmetdungcn unseres Korrespondenten.)

4t Paris, 5. Noobr. Die Negiernug hat sich in dem

Kammer und

e n n t Dom Präsidenten der Republik fr

der

nächsten Woche.

(Fortsetzung folgt.)

sagt man. Aber man spricht nicht laut davon und nie ohne sich die gewissen Blicke zuzuwcrsen, wie bei. einer schmutzigen Sache. Und der Mann spielt dabei doch eine lächerliche Figur, er ist es ja, der die Frau so übel zugerichtet hat, und nachher

Ich möchte . Kinder haben, ein halbes Dutzend wohl .. ober .ich kann nichts Heiliges daran finden, wenn Frauen einen hohen Leib so vor sich hertragen. Ein bißchen widerlich ist's, widerlich schon bei den.Tieren, aber viel, viel schlimmer bei den Menschen, wenn der Rock vorne.in die Höhe springt und die Frauen hoben grünliche .Gesichter und Ränder unter

und Handelsblatt.

Begründet von Leopold Sonne mann.

Ssrtifel 6 dürfte auch im Ausland lebhaft interessieren. Er besagt wörtlich: Ein Bürger oder Ausländer, welcher auf aus­ländischem Gebiete die in den vorhergehenden Artikeln ge- ...... nannten Verbrechen begeht, wird nach dem vorliegenden Gesetz Sie i n Italien bestraft, auch wenn er im' Ausland schon

(Frankfurter flandelszeitung) Fernsprecher Amt Hansa 9160 - 9175

(Nene Frankfurter Zeitung) Postscheckkonto Frankfurt (Main) 4430

Anschlag auf den Serlin-Marfchanev Zng.

Warschau, 5. Novbr. lEuiopapreß.) Auf den Schnellzug DerlinWarschau wurde bei Zgierz in der Nähe von Lodz ein Attentat versucht. Unbekannte batten auf dem Geleise einen Steinhaufen errichtet, um eine Entgleisung hcrbcizuführen. Der Streckenwärter entdeckte das Hindernis jedoch rechtzeitig, so daß ein Unglück verhütet wurde.

Das japanische Flottenprograrnnr.

..Tokio, 5. Novbr. (Wolff.) Neu ter meldet: Nach noch un= bestätigten Gerüchten hat sich das Kabinett mit einem Flotten­programm einverstanden erklärt, das an die Stelle des bisherigen treten soll. Das neue Programm sieht eine auf fünf Jahre zu ver­teilende Ausgabe von 261 Millionen Yen und den Bau von vier Kreuzern mit 10 000 Tonnen, fünfzehn großen Zerstörern, vier Unterseebooten und vier Hilfsfahrzeugen vor.

Cm erratischer SeekriegsMm

itMer Mitwirkung Deutschlands.

(Draht meld un g unseres Korrespondenten.).

® K London, 5. Novbr. Die britische Admiralüü? beabsichtigt, die Herstellung eines Propagandasilms der S e e s ch l a ch te n b e i Coronel und den Falklandsinseln. Wie verlautet, soll Deutschland aufgcfordert worden sein, bei der Herstellung mitzuwirken und daß die Mitwirkung voraussichtlich geschehen werde. Die Provineial Cinematograph Theatres Limited Co. hat im voraus das Recht zur Aufführung erworben, so daß, wie die Presse beruhigend festslellt, der Erfolg des Unternehmens.gesichert ist. Ferner wird erklärt, daß der Film nicht nur einseitig die englische Leistung verherrlichen, sondern auch den Heroismus der deutschen Flotte zeigen werde.

Obwohl solche Zusage vermutlich loyal eingehalten werden wird und obwohl bekannt' ist, daß England den Admiral Gras S p e e stets als ausgezeichneten Seemann betrachtete, kann man bezweifeln, ob eine Vermehrung der zahlreichen Kriegsfilme, die immer noch für das englische Publikum sehr anziehend sind, wünschenswert ist, zumal unter deutscher Mitwirkung. Solche Filme haben erfahrungsgemäß eine ausgesprochene Propagandatendenz und dienen der Filmindustrie zu erfolgreichen finanziellen Speku­lationen.

ESCUÄF '1' 8 8 TEIL JO Frankfurt, amGrp^e' Escheti heim er Straße 31-37, Schillerstr. 18-24 Berlin W 9. Potsdamer Straße 133 Dresden-A.» Waisenhausstr. 25.Hgm» hur?? Gr. Bäckeistr. 9 Köln a. Rh. Kaiser Wilhelm. Ring 10. Leipzig Grimmaische* Straße 12. München Perusastr 5. Stuttgart,. Poststr. 7 ' Wien I. Wollzeile * 11? Zürich, Wein* bergstraße 2.4. New York, 727 World Building. Rio de Janeiro, Caixapostal 2401 Dr. Walter Sditidr.

Anträgen und unverlangten Eia» seudungen ist 'Rückportobeizufügen Bei Störungen durch höhere Ciewal oder Ausstände können Ersätzen Sprüche nicht berücksichtigt werden

Verlag und Druck Frankfurter Societäts- Druckerei'G? m.b: H

Lcanders Hochier.

Bon Emma Bonn.

(5. Fortsetzung.)

Manchesmai liege ich wach, ich freu' mich ja immer, wenn ich nicht so furchtbar schnell einlchlase, das Dunkel ist dann geheimnisvoll wie ein zugeschiagenes Auch, man liegt da und wartet, und dann kommen die Träume, obwohl man ja hell wach ist, wacher oder doch auf eine andere, tiefere Weise wach als bei Tage; manchesmal also, wenn ich so daliege, da denke ich, was das eigentlich ist, was man so Liebe nennt. Sich für einen Menschen opfern oder diesen Menschen durchaus besitzen wollen? Und was heißt das: einen Menschen be­sitzen?"

Später:

Um das deutsche Eigentum ttt Amerika

k New Dort, 5. Novbr. (Funkspruch.) Nach einer Meldung des Journal of Commerce" aus Washington erklärte Staatssekre­tär M e 11 o n, ei hege die Hoffnung, daß in der kommenden Session des Kongresses eine befriedigende gesetzliche Rege­ln ii g der Rückgabe des während des Krieges in den Vereinig­ten Staaten beschlagnahmten deutschen Privateigentums und der Ansprüche der Mired Claims Commission sich durchsetzen lasse. Mellon äußerte ferner die Absicht, daß möglicherweise der eine »der der andere der am Schluffe der vorhergehenden Session schwebenden. Gesetzeiilwürse in ordnungsmäßiger Weise weiter ent­wickelt werden könne, um zu einer angemessenen Lösung des ganzen Fragenkomplexes zu gelangen. Mellon gab. noch zu ver­stehen, das Schatzamt beabsichtige keinesfalls, einen Gesetzentwurf ijon sich aus vorzulegen, da die Ansichten des Schatzamtes bereits in ausreichendem Alaße in der MillS-Bill zum Ausdruck gelangt ' feien.

Nem, wahrlich, kleine Elisabeth, dessen hat dich noch keiner geziehen, du Spröde, ängstlich deine Seele Hütende! Aber gegen einen Konrad Lcuck warst du nicht gewappnet dieser junge Mensch kämpfte mit neuen, dir fremden Waffen' Er gehörte dem Geschlecht an, das im Krieg herangereift ist und im Krieg das Vorrecht der Jugend verlor, das Leben wie eine unendlich zwischen blumigen Wiesen hinlaufende Dtraße anzusehen. Diese Men'chen hatten erkannt, daß zu beiden Seiten des Weges Felsen stehen, von denen in jedem, Augenblick ein Stein sich lösen und den Wanderer unter sich begraben kann... |

streiks in England.

Die Frieden svevssandlurrgerr m soUem Gsrrge. Wiederaufnahme dee Arbrrt wrUMcherrMch in der nächsten Woche.

(Privattelegramm derFrankfurter Zeitung".)

Loudon, 5. Novbr. 8 N. Offensichtlich steht der Streik der Bergarbeiter vor dem unmittelbaren Ende. Nachdem gestern bei der Konferenz der Bergarbeiterdelegierten aus den Kohlen­bezirken klar geworden war, daß der Widerstand der radikalen Führer gegen die Friedensbereitschaft endgültig zusammengebrochen ist und die überwältigende Mehrheit wünscht, unter allen Umständen zum Frieden zu kommen und auf das D i st r i k t a b k o m m e n mit verlängerter Arbeitszeit sowie eventuell ver- kürztem Stundenlohn einzugehen bereit ist, sind die Friedensverhandlungen in vollem Gange. Der Vermittlungsaus­schuß des Generalrats der britischen Gewerkschaften unter Führung von Thomas und C i t r i n e hat mit Erfolg heute mit Premier­minister Baldwin verhandelt und. die Friedensbedingungen der Negierung einerseits sowie das Einverständnis der Bergarbeiter dazu andererseits soweit einander nahegebracht, daß die Exekutive der Bergarbeiter zu einer Konferenz mit dem Kabinett und dem Kohlenkomitee heute nachmittag ausgefordert wurde, was, wie man annimmt, zur Verständigung führen wird.

nicht mehr ganz jung war er und schon ein bißchen kahl, ein berühmter Arzt, den man zum kranken Bischof gerufen hatte. Der Arzt hatte nicht mehr viel zu tun; denn der Bischof war schon wieder fast gesund und ließ ihn nur noch nicht fort, und so irrte der Herr aus Wien in der Stadt herum und verirrte sich auch in die Klosterkirche und sah hinter dem Gitter die Gewände^ der Nonnen schimmern and Hörle eine Stimme, in die er sich verliebte. Und von da an, sagt der Papa, hat er es gar nicht mehr so eilig gehabt, nach Wien zurückzufahren, sondern hat noch allerhand Ratschläge für den kranken Bischof gewußt. Und er hat es zuwege gebracht, die Försterstochter, die doch hatte Nonne werden wollen, ihr Noviziat freilich noch nicht angetreten hotte, in der leeren Kirche frei der Orgel ab- zufangen; und was jetzt kommt, sagt der Papa, ist eine Liebesgeschichte wie alle andern auch und Hot ein Interesse nur für die Nächstbeleilig en... Womit der Papa eigentlich seine ganze Kunst Lügen straft, denn er erzählt ja auch nur Liebesgeschichten, lind es stimmt auch nicht ganz: für mich zum Beispiel hat die Fortsetzung schon. Interesse, denn der Herr aus Wien ist mein Großvater gewesen.

. Managua, 5. Novbr. (Wolff.) In den Morgenstunden er­eigne e sich hier ein fünfzig Sekunden währendes Erdbeben, das großen Schaden anrichtete. Mehrere Personen'wutr- r Das Regierungsgebäude und die Kathedralemw> dcn start beschädigt. Auch' iii andern Teilen des Landes wurden Erdstöße wahrgenommen; besonders heftig in der Umgegend.des Buttans Maiaya. In Santiago wurde eine große AnzM Harsser zerstört.-/

.Aber mir macht es Spaß, mir einzubilden, in mir lebe ihre Stimme fort. Die Mama ist entsetzt, daß ich zur Bühne will, und ich selbst fürchte, daß ich für dieses Leben nicht tauge Ich weiß zu viel vom Theater, um nicht auch seine häßlichen Setten zu kennen. Aber je mehr die Mama sich dagegen stemmt, deto mehr versteife ich mich darauf. Versuchen.kann ich's ja. Und der Papa lacht nur und sagt:Laß gut 'sein, Agathe, mag sie sich selbst die Hörner abstoßen. Keiner kann für den andern klug fein und wer weiß . . Erfolg läßt sich nicht Voraussagen!" Und obwohl der Papa wie alle Welt Über die schlechten Zeiten jammert, zahlt er mir die teuren Stunden frei der Saroni. Der Papa ist ia überhaupt freigiebig, wie alle Egoisten. Ich glaube, wirklich genau wie zum Bei­spiel die Mama oder gar knauserig sind nur die Menschen mit gutem Gewissen, die auch streng , gegen sich selbst sein dürfen.

*

Die nächsten Eintragungen handeln nur von dem neuen Studium. Sie nimmt es ernst damit. Auch scheint die Saroni als Mensch auf sie Eindruck gemacht zu haben. Sie wird

(Privattelegramm derFrankfurter Zertchng".) ch. Berlin, 'S. Novbr. Der. Reichstag verhandelt, heuch über > die Anträge des sozialpolitischen Ausschusses zur

ErmexjrsioSeufürssFSs

Der sozialdemokratische Abgeordnete Brey trat, für. sozial- bcnioitmi|d)cn Anträge ein. 'Abg. Srhuttz-Broniberq gab für die Deutschnalionmen eine - Erklärung ab, aus der hervorginä, daß die Mehryeit der Deutschnationa en die Regierungsüörwge uns die dazu gestellten Anträge der Parteien a b l e h n e n .wird- Abg. Andrs (Z-) betonte, daß Lohnsteigerungen notwenoig seren, wenn die Proletarisierung nicht fortschreiten solle; pon der Rationalisierung der Wirtschaft müßten auch die breiten Ärbeiter- massen profitieren Als. dringend erforderlich bezeichnet Andre Sc schleunige Verabschiedung des Arbeitslofenversicherünzsgesrtzes. Dieselbe Forderung stellte der volksparteilich: Abg. Thiel/ Lev im übrigen darauf hinwies, daß die ErwerbSlosenzahr bei 'den An­gestellten im Wachsen begriffen sei, wahrend sie bei den Arbeitern zurückgehe. f . -

Reichsarbeitsminister Dr. Brauns hielt eine längere Rede über den Stand der Erwerbslosigkeit und die Mittel, ihr zu begegnen. Der Reichsarbeitsminister stellte fest, daß die Zahl der unterstützten Erwerbslosen gegenüber dem 1. März d. I. um 700 6V 'äbge- nommen habe. Bei den männlichen Erwerbslosen betrug die" Äb- nahme 30, bei den weiblichen 32 Prozent. Der Anteil des stveih- lichen Geschlechts an bet Arbeitslosenziffer ist von 1924 mit 10'4 Prozent auf 19,6 Prozent im Jahre 1926 gestiegen. 7

Eine wesentliche Besserung des ArbeitZmarktes ist nicht zu verkennen. .... ...

Die Bemühungen der Regierung zur Arbeitsbeschaffung höben auch einen gewissen Anteil an der Senkung der Arbeiislosenzahl. Bei der Reichsbahn und Reichspost sind Arbeiten im Gasige,.und auch an den Siedlungen.und den Landarbeiterwohnungen wird gearbeitet. Darin liegt schon ein gut Stück des Prod'u.kt'ron's- pro g ram ms, das Abg. Schultz Bromberg verlangte. Die dau­ernde Besserung des ArbeitsMarktes kann nur aus der Wirtschaft heraus erwachsen. Es wirkt beunruhigend, wenn bei der schlechten Lage des Arbeitsmarktes in einzelnen Betrieben noch viel'lieber­arbeit geleistet wird, um Die Einstellung neuer Arbeitskräfte 'zu ersparen. Die Ministerien machen schon bei der Vergebung, von Ar­beiten zur Bedingung, . daß Ueberstunden nicht gemacht"/werden dürfen. Sollte das keinen Erfolg haben, so wird das Mittel 'd'er Gesetzgebung angewandt werden müssen Das gilt auch 'füp, die/be­dauerliche Erscheinung, daß bei bet Rationalisierung meist ältere Angestellte und Arbeiter entlassen werden, daß man nur den 'Rechen- stift, nicht aber das menschliche Gefühl anwendet. Die Arbeitsnäch- weise haben eine gewaltige Arbeit geleistet. Wo ihre Einrichtung in kleineren Gemeinden nicht, genügte, hat die Reichsregietung eingegriffen. Die Arbeitslosenunterstützung in ihrer gegenwärtigen $öl)e, hat im allgemeinen den Willen zur Arbeitsannnahme ' nicht: vermindert. Anders würde es aber fein, wenn man den Kreis 'bet Unterstützten erweitert und die Bezüge so erhöht, daß sie höher fini>. als der Normallohn des Unterstützten. Schon jetzt ist dieser Zustand bei vielen Arbeitslosen erreicht. Bei weiteren Erhöhungen muß man also mit einer gewissen Vorsicht vorgehen. Die Mehrheit des Ausschusses ist bei den alleinstehenden Ledigen über 'die von der. Regierung vorgeschlagene Erhöhung hinausgegangen ' und hat fünfzehn Prozent beschlossen. Ich erkenne an. daß diese Gruppe' der Erwerbslosen bisher besonders schlecht gestellt war. Die Zahl der Ausgesteuerten wird gewaltig überschätzt.. Die Regierung hatte sich bereit erklärt, für die Ausgesteuerten eine.besondere Krfsen- fürforge einzurichten, die ihnen dasselbe gibt wie die Erwexbs? fojeniütfot.ge. Das ist praktisch dasselbe wie eine Verlängerung'siep Bezugsdauer. Grundsätzlich muß die -Regierung aber den größten Wert darauf legen, daß dieBezugsdauernich tu bet fti n

a h r a u s g e d e h n .t wird. -Das ist wichtig auch mit Rücksicht . aus die kommende Gesetzgebung. ...

6 . i j !

wenn das Kindchen da ist und die arme Mutter ist fast dabei gestorben, . bann blüht er sich noch auf als stolzer Vater. Es müßte Klöster geben - für Frauen, die Kinder tragen."

Manchesmal denke ich, ich habe vielleicht Großmutter Leanders Stimme geerbt und kann zur Bühne. Ich höre so gerne Großmutters Geschichte, so wie der Papa sie erzählt. (Vieles davon hat er ja in seinem RomanMaria Pasaurel" verwer et.) Die Großmama war eine Försterstochter aus dem Mährischen und frei den Ursulinerinnen in Brünn. Die Klosterfrauen halben sie in der Musik ausbilden lassen, und die Großmama war glücklich, wenn .sie frei der Messe das Solo singen durfte. Sie woll- e sogar Nonne werden, nur um im K'ol-er bleiben zu können. Denn daheim mußte sie in der Wirtschaft tüchtig zugreisen und batte nur den Abend, wenn sie todmüde und stumpf vom WeikAn war, frei für ihre Kunst Und dazu ein elendes uraltes Instrument, ein Klavier mit gelbgeroorberien-'men . an Stelle der Maßen gewaltig Eingenben Orgel. So. wollt' sie also für immer im Kloster bleiben. Ringsum war es schon bekannt geworden, daß bei den Ursulinerinnen zur. Vesper eine Nonne oder eine Schüle­rin herrlich singe, aus den Dörfern strömten die Leute herbei, um sie zu hören. Und einmal kam ein Herr aus Wien,

Er muß Arbeit haben ... Sie stecken die Köpfe zusammen und schmieden aus kurze Zeit einträchtig Pläne. Rüh­rend zu sehen, wie Elisabeth sich müht, einen Ausweg zu finden, wie die im Traum Befangene zur Wirklichkeit hist - strefrt wie der Taucher zur Oberfläche. Und dann, als.sip gerade zu dem ersten Kuß und dem ersten scheuen Du sich haft erweichen lassen, hält er am nächsten Tage die Verabredung vorm Haufe der Saroni nicht ein. Sie wartet, eine ViertzP- stunde, eine halbe; ein feiner Regen fällt. Mit schweren Glie­dern, mit kalten Füßen und schwerem, kaltem Herzen macht 1 sie sich auf den Heimweg. Auch am folgenden Tage bleibt er aus. Eine Woche vergeht ohne Nachricht von ihm. Eli­sabeth steht auf, setzt sich an den Frühstückstisch, geht zur Stunde, fingt ihre Tonleitern, trifft Bekannte; abends 'be­gleitet sie den.Vater ins "Heater; sie tanzt sogar. Die Mutteft findet sie blaß. Die Saroni ist unzufrieden mit ihr. 'Sie geht herum und lächelt. Sie schreibt: JBenn ich mich nicht zum Lächeln zwinge, müßte ich meinen. Und er ist es nicht wert, daß ich um ihn weine. Töftcht war es zu glauben, er fei anders als alle Männer, von denen' ich . ja weiß, daß sie Betrüger sind..."'

aus der Novelle entspringenden Prozesse kommen vor ein hauptsächlich aus Milizoffizieren bestehendes Standgericht; diesem wird auch die Fortführung der bereits schwebenden Prozesse (Zaniboni, Gibson) übertragen.

Vor dem Bologneser Attentat war bekanntlich die Ein­richtung eines Strafsenats aus hohen Berufsrichtern für diese politischen Verbrechen geplant, die Novelle gibt der.Regierung die schärfsten Mittel zur absoluten Unterdrückung jeder Hppo^ sition, so daß alle privaten Gewalttaten künftig allerdings überflüssig werden.

Da die Parteiredne.r heute noch nicht alle zu Wort.gekvm- men sind, sind Beschlüsse erst' morgen zu erwarten. Es. wirb sich darum handeln, die Regierungsvorlage und die Anträge der Regierungsparteien wieder herzustellen, da heute im Sozialpolitischen Ausschich.. biet m der Regierung voptzc- ichlagene K r i f e n rf.org e für feie Ausgest ou.eat- ten abgelehnt worden ist, womit jegliche Begrenzung bet Unterftühungsdauer fortfiele. Da die Deutschnationalen feie sich im Ausschuß der Stimme enthielten, in ihrer Mehrheit alle Anträge ablehnen werden, wird auch der sozialdemokratische Antrag über die unbeschränkte Unterstützungsdauer ' seife Mehrheit finden. Es ist anzunehmen, daß es morgen zu einer Verständigung zwischen den Regierungsparteien und der Sozialdemokratie kommt. /'/

BEZ. tu 8 . P 1$ E 1 8 Täglich drei Ausgaben. Sonntags und Montags zwei Ausgaben beilagen Das Technische ßlati Literaturblatt 'Für Hochschule u. lugend. *er Sport Bäderblatt. Pür die brau. Bezugspreis In Deutschland monatlich N.ark 6. ausschließlich Bestellgeld m Aus land .tach dem sarii de» am Welt po verein beteiligten Pos au st alten Unter Streifband Ponozuschlag. Einzelpreis I Norgeublau 15 Pfg IL Morgenblatt 15 Piß. Abendblatt 10 Pfg. Abendblatt und >. Mvrgenblat» zusam neu (Expreß Ausgabe) 20 Pfg A % L E I G E N 1* K E 1 S Nonpareille Zelle SO Mg. i< ek la me Mk 6.- Stellengesuche V) Pfg, Familien Anzeigen Doppelzeile 80 Pfg. Platz- und Datenvurschrifr-o ohne Verbindlichkeit

o Rom, 5. Novbr. Der erste Teil der Maßnahmen zum . Schutz des fascistischen Regimes liegt nunmehr vor. Sie bezwecken, jede oppositionelle Tätigkeit unmöglich zu machen. Aktivs Tätigkeit gegen das Regime wird mit Verschickung in einen Zwangswohnsitz bedroht. Alle antifascislifchcn Organisationen, Vereine und Ver­bände werden aufgelöst, das Verbot aller antifascistifchen Ver­öffentlichungen wird auf unbestimmte Zeit verlängert. Bei jedem Legionskommando wird ein politisches U n t e r s u chu n g s a m t eingerichtet, die politische Auswanderung wird erschwert, indem alle Auslandspässe baldigst verfallen und auf Leute, welche auf Schleichwegen Italien verlassen wollen, geschossen werden muß.

Keirr Keamtenftretk irr

(Drahtmeldung unseres Korrespondenten.)

Ät Wien, 5. Novbr. 11 N. Nach wochenlangen Bemühungen --sind die bereits unter der Regierung Ramek begonnenen Ver­handlungen wegen der Ge ha lt sa n s pr.ü ch e d e r B u n d es- a n g/e stellten heute von Dr. Seipel zum Abschluß gebracht und barnif. der angedrohte Ausstand aller öffentlichen Angestellten, ausschließlich jener der Eisenbahnen, vermieden worden. Allerdings- bereinigt das getroffene Abkommen die Gegensätze in der Gehaltsfrage zwischen ber Regierung und der Beamtenschaft nur für den Augenblick, und das Angebot der Regierung wurde nur mit dem Zusätze angenommen: .daß sie zu gegebener Zeit ihre Ansprüche neuerlich geltend machen werden". Entscheidend für das augenblickliche Nachgefren fei die Rücksicht auf die von der Regie­rung geltend gemachte Lage der Staatsfinanzen ge­wesen und insbesondere der Hinweis darauf, daß wegen der mit dem Vülkerbundsrat getroffenen Abmachungen eine Ueüerschreitung des Budgets ausgeschlossen sei. Den wesentlichsten Streitpunkt bildete die Besoldung der mittleren Veamtenkategorien. Nach dem Ausgleich werden sämtliche Gehälter um 12% Prozent erhöht, das Mindestgehalt beträgt aber 162% Schilling.

. ?' Novbr. (Priv.-Tel.) Die französische Be-

satzungsbehorde hat nach einer offiziellen Mitteilung die Anfor­derung von 31 neuen Wohnungen in Neustadt für französische Unterosfizicrfami.ica auf den durch die Presse unter- stutzien Einspruch des Neustadter Bürgermeisteramtes heute Zu­rückgezogen.

Die Verhandlungen zwischen den Bergarbeitern und der Regierung sind noch im Gange. Die Vergarbeiterdelcgiertcn sind währenddessen bereits versammelt, um den Fricdensbcdingungen noch heute nacht ihre endgüliige Zustimmung, zu geben. Presse spricht von der restlosen Ausnahme der Arbeit in

ßrfear zer, reffen von Ungeduld. Diesen Ausdruck gebraucht Elssabeth einmal, ich glaube schon nach der zweiten Pegea- nung. Er fuhr sie höhnisch an, weil sie sich von längst üfer-

SfonfentiDiien fesseln lasse, er warf ihr mangelnde Entschlußkraft vor, er behauptete, es fehle ihr der Sinn für das Wesentliche.

Ganze Dialoge gibt Elisabeth in ihrem Tagebuch wieder. Daraus zu . schließen, hätten die beiden jungen Atenschen siicht viel anderes getan als sich gestritten. In allem und jedoch dachten fre verschieden und doch konnten-sie voneinander'nicht lassen. Vielleicht auch war ihr Ziel weniger auseinander- streoend als der Weg, das Ziel zu erreichen; und eben" weil sie letzten Endes dasielbe wollten, stritten sie so erbittert um das Wie und Wann. Dazwischen freilich hört man von einem scheuen Wort, der Zärtlichkeit, es geht wie ein seufzmdes Ausatmen durch diese Blätter, wie ein Hauch der Schnfuchp. des schmachtenden Erwachens ... Man lernt den jungen Lcuck als einen durchaus anständigen und ehrlich vevliehten Atenschen kennen. Er will Elisabeth zur Frau, nichts inniaev. An dem Segen von Staat und Kirche ist ihm wenig gelegen doch lehnt er ihn nicht ab. Ihm ist das eine Frage ohfe Wichtigkeit. Ganz andere Sorgen bedrängen ihn. Er ist ohne Stellung, ohne Mittel. Voll Bitterkeit fragt er Elisa­beth gleich zu^Ansang, ob sie glaube, er könnte es sich leisten, am hellichten Tag mit iHv durch, die Straßen zu ziehen, wenn er nicht ohne Arbeit wäre?

geschildert als eine fette alte Frau mit einem Glasauge böige, eines Bühnenunfalls mit einem Bärtchen auf der Oberlippe und seltsam geformten, großen Ohrläppchen, die sich nach vorne wölben, als wölbten sie sich dem Ton entgegen Sie pflegte aus einem niederen, breiten Stuhl neben dem Flügel zu sitzen, ein formloser Hausen, und eine bucklige, kleine Dame, so mager wie die Saroni feit war, begleitete.

.Die Saroni war streng, aufrichtig und skeptisch. Es war nicht leicht, es ihr recht zu machen, und sie hatte ein feines E-esuhl auch für verborgene Mängel. Elisabeth berichtet von ihr daß sie gleich zu Anfang die Befürchtung ausgesprochen hat, es fehle Elisabeth das echte Bühnentemperarssent, das Un­bedenkliche, Maßlose, das Rücksichtslose. Sie sagte:Man hört es Ihrer Stimme an. Sie leben im Traum und"nicht m der Wirklichkeit." Freilich fügte sie hinzu:Dielln.cht, daß Lae noch einmal wach werden. Inzwischen heißt es arbeiten."

Und gearbeitet hat das Kind. Wir lesen da von Schwell- toncn _unb dem schwierigen Uebergang von der Brust- zur Mittelstimme, von der Atemtechnik und einer rebellischen Zunge, die sich an der Wurzel nicht flach genug legen will. ilW handle es sich um eine Heiligsprechung, wird es eingetra­gen, als die Saroni eines Tages bemerkt:Sie haben in der Stimme das- schwebend Traurige des Volksliedes." Elisabeth weint fast, sie kann nicht einschlafen an diesem Abend vor lauter Glück. Und auf Tage hinaus vergißt sie ihre Bedenlen und sieht sich schon als gefeierte Primadonna.

Und dann kommen wir zu dem Tage, an dem ans dem Haufe der Saroni tretend Elisabeth auf dem jenseitigen Trottoir den jungen Menschen erkannte, der ihr schon ein paar­mal gefolgt war. Der junge Mann kommt auf sie zu, quer über oie Straße, er lüftet den Hut und nennt seinen Namen: Konrad Leuck.

. Sie verzeichnet jedes Wort, das zwischen ihnen gewechselt wird, mit inbrünstiger Treue. Und dann schreibt sie mit der alten urewigen Naivität der Verliebten:Warum ich das alles so genau aufschreibe? Vielleicht um mich vor mich selbst zu r eilfertigen, denn ich gehöre ja nicht gerade zu jenen die jedem Frechdachs auf der Straße Rede und Antwort stehen."

» Innsbruck, 5 Novbr. (Priv.-Tel.) Trotz behördlicher In­tervention haben die F a s c i st e n die Thr oUia-D r uck e r e l in Bozen noch nicht freigegeben

Pxkms de Rioseer Kdee Rsepignarr.

Madrid, 5. Novbr. (United Preß.) Ministerpräsident P r i m o de Rivera veröffentlicht heute eine beruhigende Erklärung zu dem Komp ott von Perpignan, indem er erklärt, daß dieser Putsch- vernich. ein ifo.ierter Ausbruch unzufriedener Elemente sei, dem nicht die geringste Bedeutung beigemeffen werden dürfe und der vollständig unterdrückt sei. Im einzelnen bestätigte der Minister-- prätldent, daß Vie Ausrührer aus spani'chen, italienischen und viel:e.icht, auch einigen französischen Anarchisten bestanden hätten, die mit Revolvern und Handgranaten versucht hätten, die Grenze zu überschreiten und sich im Innern Spaniens mit ihren G:- |innung?gcnoffcn zu einem Aufstand zu verbinden. Die Mit- Verschwörer in Spanien selbst seien der Regierung noch nicht bekannt, dürsten aber in Kürze gefaßt werden. Di: Regie­rung stehe überall fest und habe vollgültige Beweise dafür, daß'sie das Vertrauen des Landes genießt.

Sie muß sehr schön gewesen sein, die Großmama, nur wurde . ------ .. ----- ------------- . sie später unförmig dick, und ihre Stimme hat nicht lange ge­

ben Augen und müssen sich erbrechen ... Gesegneten Leibes) s hatten . . . dazu reichte vielleicht die Schulung bei den n" ' *- Klosterfrauen doch nicht aus. Sie wurde dick und faul und

übtemicht, aber ihren Mann und ihren Buben (der Papa ist wie ich ihr einziges Kind gewesen) hat sie vergöttert, und wenn der Papa heute von ihr spricht, dann ist seine Stimme noch ganz warm und voll Sonne. Mit einundvierzio ist die Großmutter gestorben.

45 Paris, 5. Novbr. Die Negiernug hat sich in dem ° Rom, 5. Novbr. Die faScistische Sirasgesetznovelle ist heutigen Minislerrat das Datum für Einberufung vom nunmehr vom Ministerrat genehmigt und wird heule verössent- Kammer und Senat vom Präsidenten der Republik fre-! licht. Mit dem Tode bestraft werden Ansch'äge amen den ftalrg«. lassen Die beiden Häuser werden also ihre Arbeit! König, den Regenten, die Königin, den Kronprinzen und den " " *-*"1 .Steffi-T

I wie Begünstigung der rzremdherrschaft, Verrat von Staats- l geheimnissen, bewaffneter Aufruhr, Erregung des Bürger- I Kriegs. Die heimliche Ncugründung verbotener Vereine \ unter veränderter Form wird mit Gefängnis bis zu zehn ! Jahren bestraft, ebenso jede Propaganda der betreffenden ! politischen Ideen. Italiener, welche im Ausland faUche, übertriebene oder tendenziöse Nachrichten zum Schaden -des Prestiges oder des Kredits Italiens verbreiten, werden mit Gefängnis bis zu fünszehn Jahren bestraft, auch -wird bcf Ab­wesenheit der Verurteilten aus G Ü t e r k o n f i s ka t i o n und Verlust der Staatsangehörigkeit erkannt.

am 12. November beginnen. .... ... _________________

fugung stehende Zeit wird sehr kurz sein und sich auf vier oder höchstens fünf Wochen beschränken muffen, da die Vorbereitun­gen für die Senatswahlcn, welche am 9. Januar stattfinden, eine Unterbrechung gebieten. Die Regierung erwartet für diesen kurzen Zeitraum eine Verabschiedung d.-s Budgets in beiden Häusern, obwohl die Budgetdebatte bisher gewöhn­lich mehrere Monate in Anspruch genommen hat. Eine An­wendung der dringlichen Geschäftsordnung, für die Poincarft. eine unbestreitbare Neigung hass kommt schon aus dem Grunde nicht in Frage, als die ft Geschäftsordnung sofort bei Ein­bringung eines Gesetzes beantragt werden muß: Das Budget- gesetz ist jedoch auf dem üblichen Wege schon seit geraumer Zeit deponiert werden. Außerdem wird Poincarü seine Vor­liebe für abgekürzte parlamentarische Methoden kaum soweit treifren, daß er sie aus einen so beratungs bedürftigen Gegen ! stand wie das Budget anwendet.

- Die Regierung geben.t während der Parlamentszeit mit i her Anwendung,der Vertrauensfrage nicht zu sparen. S/.s... ..........

toirb sie auch ans d:e so stark befehdete Justizreform an-1 deswegen abaeurtcilt worden ist wenden. Allerdings hat der Justizministcr der Opposition Alle aus fer Nonelle ent-nr!^ gegen seine Pläne insofern Rechnung getragen, als er heute' Novelle enttarnn

vier Verordnungen hat genehmigen lassen, die bis zu einem gewissen Grade den Wünschen der Kritiker der Reform ent­sprechen. So wird u. a. die Zuständigkeit ter Friedens- 8erichte sowohl zivilrechtlich wie auch sttafrechtlich er­weitert. Ferner hat sich der Innenminister ermächtigen lassen, verschiedene Ergänzungswahlen für den 28. November sowie den 5. und 12. Dezember zur Wahl von im ganzen sechs Ab­geordneten anzufttzen.

Schließlich hat Br land in seiner Eigenschaft als Außenminister die Politik entwickelt, welche er angesichts der Zwischenfälle in Ventimiglia und Tripolitanien einzuschlagen gedenkt. Diese Politik wurde enstimmig genehmigt. 'Diese Einstimmigkeit wird stark unterstrichen, um die verschiedentlich laut gewordenen Vermutungen zu zerstreuen, daß innerhalb des Kabinetts über die aegenüber Italien einzuschlagende Politik Meinungsverschiedenheiten herrschten.