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Kr. 804. Dritter, Morgrubtatt.

nichts mehr beizufügen.

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Deutsches Reich

hat Ihren Korrespondenten bü in Anwesenheit eines

deutschen Interessen

Anlaß dks Bef

der Frau Lily Braun in England .

dem „V o r w ä r t s" geraten ist, veröffentlicht im „Berl. Tagebl." eine Erklärung, die eine Kritik der deut- scheu Sozialdemokratie enthält. Zwar ist das. was an ihr wahr ist, nicht neu, aber sie ist literarisch interes­sant, weil Shaw sich dabei als ein Mann von Humor und edlem Selbstbewußtsein gibt. Er schreibt:

den könnten.

Unter diesen Umständen werde ich von den deutschen So» zialdemokraten als Ketzer, als Lästerer und als Spießbürger verschrien. DaS tut mir leid, denn meine deutschen Kamera- den sind mir persönlich lieb und ich habe mein bestes getan, sie aufzuklären. Aber ich muß sie an Ferdinand Lassalles Antwort an den Pedanten erinnern: »Sie sind im Nachteil, wenn Sie mit Mir streiten," sagte er, „wenn Sie mich einen Ignoranten nennen, wird Sie jedermann auslachen. Wenn ich Sie einen nenne, so wird mir jeder glauben!" Ich fürchte, meine deutschen Kameraden werden sich in demselben Nachteil befinden, wenn sie unvorsichtig genug sein sollten, Europa zu versichern, ich sei nur ein Spießbürger.

„Doppelt gibt, wer schnell gibt." Alle G e j d s e n» sind behufsWciterbeförderuug an das K a i s e r l i ch ' " ‘ ' - - - e&ei San Fran» ldung wird sei. .

Preis der Anzeigen: -

Die Zeile oder deren Raum 45 4» Abendblatt 60 Rekl. «* 1-50. Platz- und Daten-Vorschriften ohne Verbindlichkeit

Ein Aufruf des aügkmiueu Fraueooereius Sn« Francisco, Cal. m Juli 1906.

Der deutsche Konsul in San Francisco, Her, Bopp, ersucht uns um Veröffentlichung folgenden Auf- rufs:

Telegraphische Dampfemächrichten

der Frankfurter Zeitung.

(Nachdruck ohne Quellenangabe nicht gestattet)

Norddeutscher Lloyd. Angekommen am 25 Juli .Oldenburg* In Aden. .Scharnhorst'* in Neapel.

Angekommen in Lissabon der Messageries Maritimes Dampler .Atiantlque“ von'Südamerika.

Draht-Meldungen des Handelsteils.

Xew York, 25. Juli, 5 Ohr Nachmittags. (Durch Kabel.) Produktenmärkte. In New York und Chicago war Weizen lest auf Kabelberichte, ungünstige Ernteberichte aus Rußland und dem Nordwesten und lebhafte Deckungen. Schluß infolge von Realisationen schwächer. Mais fest auf geringe Vorräte und'kleine Zufuhren sowie schwaches Angebot Schluß schwächer. Kaffee unregelmäßig aber vorwiegend fester auf günstige Kabelberichte und europäische Käufe. Baumwolle nach anfängliches Abschwächung befestigt auf Deckungen und haus.elautende Privatlienchte.

_%ew Orleans, 25 Juli. Scblußkurse. Baumwolle loko lu’/s, per Juli 1088. per Oktober 10.23

Telegraphische Depeschen.

Machdruck, telegraphische ober telephonische Verbreitung ist nur mit deutlicher Quellenangabe ,grtf. Zig." gestattet.)

Privst-Aeprschrn der Frankfurter Zeitung.

0 Wilhelmshöhe, 25. Juli, 9.10 N. Die Kaiserin ist mit der Prinzessin Viktoria Luise und dem Prinzen Joachim um 9 Uhr nach Kiel abzereist.

n Leipzig, 25. Juli, 11.45 N. Der Gastwirtsverrin von Leipzig und Umgegend halte eine von 20v0 Personen besuchte Äolksversa m m t u n g cinbenifen, in der gegen die aus die Wirte abgewalzte Bi er st euer protestiert wurde. Der Refchetags- abgeordnete Schöpslin brachte eine Resolution ein, nach der von Berhandlungen mit den Brauereien abgesehen und der Kamps gegen die Brauereien ausgenommen werden jollie. Die sosortige Auf­nahme des Boykotts wurde aus der Resolution zurück­gezogen und diese sodann angenommen.

Mains: Schillerplatz 3.

Berlin: Leipzigerstrasse 18L Stuttgart: Langestrasse 1. München: Maffeistrasse 18.

Bonden B. C.: 14/18 Queen

Victoria Street

IL-York: 187 World Building, unsere übrigen Agenturen und die Annencen-Bureaux.

Verlag und' Druck der Frank­furter Societäts - Druckerei (Gesellschaft m. b. EL) ,

Ein ähnliches Schreiben ist dem Flottenverein Won Schanghai seitens des Präsidenten des Hauptverbandes Deut­scher Flottenvereme im Ausland, Fürsten zu Salm, zuge­gangen.

ES ist eine alte Ersahnmg. daß abwälzbare Steuer den Konsum nicht nur mit ihrem eigenen Betrag, sondern noch mit einem entsprechenden Zuschlag des Produzenten belasten. Das ist für den, der eine Ahnung vom Geschäslsleden besitzt, ganz selbst­verständlich^ Auf die Ursachen dieser Erscheinung weist die Zuschrift eines ZigareUenfabrikanten an die »Freis. Ztg.' hin; es wird darin angeführt:

1. Die meisten Geschäfte werden durch Agenten gemacht, welche bei Tabak und Zigaretten eine Provision von 5 bis 10 Prozent be­kommen, erhöht sich der Preis um die Steuer, so erhöht sich auch die Provision, denn mit einer Reduktion würden die Agenten sich nicht einverstanden erklären. 2. Der Fabrikant muß auf den erhöhten Preis 3 bis 6 Monate Ziel gewähren, hat also größeren Zins­verlust und muß ein größeres Risiko laufen, miibin iür Delkredere

Werter Herr! Ich bedauere. Sie mit einer Richtigstellung und Erklärung belästigen zu müssen, welche Ihnen geeigneter für die sozialdemokratische Presse al? für die Spalten Ihres Blattes erscheinen wird. Wenn ich aber ersuchen wollte, mich in einer deutschen sozialdemokratischen Zeitung zu erklären, so würde eins von zwei Dingen geschehen: Entweder mein Brief würde unterdrückt werden, weil er Ideen enthält, die moderner sind als die des Jahres 1848, oder er würde falsch überseht werden, weil die in ihm ausgesprochene Meinung einem deutschen Sozialdemokraten unglaublich und unverständlich er­scheinen würde. Würden Sie daher so freundlich sein, mir Ge­legenheit zu geben, dem Berliner Publikum durch Ihr Blatt Mitzuteilcn. daß meine Freundin Frau Lilv Braun mich

Großbritannien.

Import von Lebeusmittelstosfen.

* Loudon, 21. Juli. Wie sehr England auf Lebensmittel ans dem Auslande angewiesen ist, geht ans nachstehendem Verzeichnis der Importe für das Jahr 1905 hervor. England im- portierte:

Lebendes Rindvieh . . . 505,139 Stück

Lebende Schafe .... 183,084 ,

Lebende Schweine . . J 150 „

Fleisch ...... 18,023,429 Zentner Weizen und Mehl . ! . 114,226,590 ,

Anderes Getreide . . . 86,692,628 ,

Es ist bemerkenswert, daß die notwendigen Lebensmittel mit i-dem Jahre in gesteigertem Maße ans den englischen Kolonien bezogen werden. Während der Jahresimport an Weizen und Mehl von 101 Millionen Zentner auf 114 Millionen Zentner stieg, wuchs der koloniale Anteil an diesem Import von 19,500 Zentner ans 43 Millionen Zentner.

Rußland.

Graf Tyschkewitsch für Vie Gleichberechtigung ver Jude«.

• Der Abgeordnete Graf Tyschkewitsch veröffenk» licht in der „Reisch" einen Artikel, in dem er sich, wie wir dem „Herold" entnehmen, folgendermaßen für die Gleich» stellung der Juden mit den übrigen Staatsbürgern ausspricht:

Seit Jahrhunderten leben die Juden in Polen, seit Jahrhunderten besteht zwischen ihnen und der örtlichen Äe» völkerung der Wirtschaftskampf, in welchem einzelne den Grund des Zwiespalts zwischen Russen und Juden sehen wollen. Deflenungeachtet hat Polen nie Judenhetzen gekannt. Ja, es läßt sich noch mehr sagen: In Polen gibt es „Polen jüdischen Glaubens", also Juden, die Polen so sehr als ihr Vaterland betrachteten, daß sie sich in den Freiheitskämpfen ebenso wie die Vertreter der echt polnischen Familien opferten. Womit läßt sich dieses friedliche Zusammenleben von Polen und Juden erklären? Doch nicht etwa dadurch, daß beide seit 70 Jahren in gleicher Weise geknechtet werden? Allein auch zu den Zeiten, wo Polen noch unabhängig war, kam es zu keinen solchen Vorgängen, daß eine Bevölkerungsklasse gegen die andere gehetzt wurde. Man erhebt in der Bjelöstoker Affäre den Vorwurf, daß die jüdischen politischen Organisationen sich verteidigt und zusammengeschloffen haften, aber tun daS nicht auch die christlichen Organisationen in den Ostseeprovinzen oder anderen Teilen des Reiches? Beim Juden erscheint dieses Zusammenschlietzen seiner recht­losen Lage wegen schon eine ungeheuere Dreistigkeit, fast ein Verbrechen. Darin liegt aber auch der Schwerpunkt der Frage. Weil einzelne das selbständige Auftreten der Juden im politischen Kampfe für ein Verbrechen halten, wird zu sol­chen Mitteln, wie Judenhetzen gegriffen. Hierbei gibt es nur einen Ausweg und eine Abhilfe: das ist die bolle G l e i ch- berechtigung der Juden. Die rechtlose Stellung der Juden ist die Quelle aller Erniedrigung und Schande; sie muß daher aufgehoben werden. Nur die volle staatsbürger- liche Gleichberechtigung der, Juden kann der unleidlichen Lage der Dinge ein Ende machen. Diese Gleichberechtigung fordert ebenso das Volksgewiffen wie der öffentliche Nutzen, denn mit der Gleichberechtigung schwindet jenes Ungetüm aus Rußland, welches man die Judenfrage nennt.

Petersburg, 23.Juli. Der .Herold' meldet: Di«Kaiserlich« I a ch t ,S t a n d a r t' hat wieder begonnen, sich zur Fahrt in die Scheren vorzubereitrn. — Nach Peterhof sind neue Truppen zur Verstärkung des Schuhes berufen. — Eine Revi­sion der Preßgefetze stcht in nächster Aussicht. — In de, ViblaPobjedonoszews wurde nach den .Birfh. Wedomosti' in der Nacht auf den 20. Juli unter dem Schreibtisch PobjedonoszewS eine geladene Bombe entdeckt. Die ganze Dienerschaft wurde tut» kaffen und der erschreckte Pobjedonoszew legte f i ch z u B e 11.

♦ Berlin Reichskanzler Fürst Bülow 'hat, wie die „Tägl. Rundschau" mitteilt, an die Deutsche Vereini­gung in Schanghai folgendes Schreiben gerichtet:

Berlin, 3. April 1906'. Der Deutschen Vereinigung beehre ich mich den Empfang des gefälligen Schreibens vom 3. Januar d. I. zu bestätigen. Ich habe daraus ersehen, daß anläßlich der jetzigen Unruhen dort die Besorgnis laut geworden ist, die deutschen Interessen in Schanghai föhnten an amtlicher Stelle nicht die ihnen gebührende Berücksich­tigung finden. Es bedarf keiner besonderen Versicherung, daß diese Annahme unzutreffend ist. Ich benutze indes gern diesen Anlaß, um ausdrücklich zu betonen, daß die Reichsregie, rung die Entwicklung des deutschen Handels in China mit l e fe­tz a f t e st e r Aufmerksamkeit verfolgt und sich den nach- drücklichen Schutz von Leben und Eigentum der dortigen Deut­schen stets angelegen sein laffen wird. Schanghai und die anderen deutschen Gemeinden in China können mit Rücksicht auf die hohe Bedeutung der dort vertretenen deutschen Jnter- effen stets darauf rechnen, daß ihnen jeder mögliche Schutz durch die amtlichen deutschen Vertreter und nötigen­falls durch die deutsche Flotte zuteil werden wird.

(668.) BLlMv.

Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen FrauenvereinS, Frau Marie Fehleisen, Präsidentin, Fran Mathilde Esberg, Vize-Präsidentin, Frau Nellie St. Goar, Finanz-Sekretärin. Frau Bertha Schild, Sekretärin, Frau Marie Buck, Schatzmeisterin, Bopp, Kaiserlich Deutscher Konsul,

nmli swler Zei lirng

(EnmWter HMdetaeltung.) Itltö ^JltHbülSÜlott. (Neu« Frankfurter Zeitung.)

Wegrürrdet von Leopolö Sonnerncrrrtt.

An unsere Schwestern in der alten Hetmar!

Durch das überwältigend große Unglück, welches am 18. April den größten Teil unserer herrlichen Stadt zerstört und Tausende von Familien, arm und reich, hoch und niedrig ihres weltlichen Gutes beraubte, sind an unsern Verein, dessen ganzes Wirken von jeher ausschließlich auf die Linderung der Not unserer deutschenArmen, vornehmlich der W i t w e n und Waisen gerichtet war, Aufgaben von ungeahnter Größe herangetreten, die uns nötigen, fremde Hilfe zu unserm Liebeswerke anzurufen. Tas menschliche Mitgefühl, das sich allenthalben über die schwere Heimsuchung gezeigt, die San Francisco so betroffen, läßt uns hoffen, daß dieser Appell einen warmen Widerhall finden wird in den deutschen Frauenherzen, handelt es sich doch um Hilfeleistung für diese- nigen unserer deutschen Schwestern, die schon vor der Kata­strophe „mühselig und beladen" auf die Hilfe ihrer besser situierten Mitmenschen angewiesen waren. Viele unserer Schützlinge: Witwen, von denen manche angewiesen waren, große Familien zu ernähren. Gebrechliche und Erwerbsunfähige haben durch die Katastrophe ihre gänzliche Habe, ihr beschei­denes Heim verloren und sind nicht im stände, sich von dem schweren Schlage aufzurichten ohne helfende Hand. Alte Frauen sind gezwungen, in den Zelten der Notlager für die Obdachlosen zu kampieren, wo sie durch die Unbilden des Wet­ters zu leiden haben, und beim Eintritt der Regenzeit. Krankheit und Elend ausgesetzt wären.

Ihnen zu helfen, ein neues Heim zu errichten, ihre Sorge zu erleichtern, ihren Kummer um daS Verlorene zu mindern, haben wir uns zur Aufgabe gemacht. Um aber dieses verhält­nismäßig große Mittel erfordernde Liebeswerk zu erfüllen, reichen unter den gegenwärtigen Umständen unsere Kräfte nicht aus, da die pekuniäre Leistungsfähigkeit der Mitglieder, die stets opferfreudig zu unsern regelmäßigen Hilfeleistungen beigesteuert haben, selbst durch die Katastrophe stark gelitten hat. Darum wenden wir uns an unsere warmherzigen deut­schen SHvestern in der lieben alten Heimat mit der dringen­den Bitte, um ihre Beihilfe an unserm Werk der Nächstenliebe. Ihr deutschen Frauen, an deren Hilfbereiischaft noch nie ver­geblich appelliert wurde, wenn es sich Um ein gutes Werk han­delte, öffnet auch diesmal Herz und Hand zu diesem Werke der größten menschlichen Barmherzigkeit I Jedes Geldgeschenk, klein oder groß ist willkommen und wird beste Verwendung fin­den. . Da schnelles Handeln not tut, um es unserm Verein zu ermöglichen, vor Eintritt der Regenszeit bescheidene Wohnungen für unsere Schützlinge zu beschaffen, so gilt hier der Spruch „Doppelt gibt, wer schnell gibt." Alle G ei d s e n- dun g c n sind behufsWeiterbeförderung an das Kaiserlich Deutsche Konsulat in Oakland (bei San Fran­cisco) zu richten Ueber Eingang und Verwendung wird seiner Zeit öffentlich quittiert und Dank abgestattet werden.

Mit deutschem Gruß!

*r--

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ßin Vierteljahr in Frankfurt und Mainz bei der Exp. -M 7.50 bei den Agenturen an 8.25 bei den Postämtern in

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Bussland RbL 4.53 Im Weltpostverein. ... Jt 18i Bonden Siegle, 30 Lime St.; Faris Agence Havas;

Sew-Yozk unsere Agentur 187 World Building.

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daS Auktionsunternehmen, das bei feinem nahezu amtlichen Charakter die zum Verkauf gelangende Ware mit seinem Giro versieht, verpflichtet, dafür zu sorgen, daß es durch die voll- ständigste Kontrolle ausgeschloffen werde, daß der Ballen ,im Innern schlechtere Wolle enthalte, als dies außen deklariert erscheint. Das Auktionsunternehmen mobilisiert vergebens die Agrarpresse zu seinem Schutze, indem es erklären läßt, daß eine solche Kontrolle bereits seit Jahren bestehe. Taffache 'st, daß solche Fälle sich häufig wiederholen, daß demnach die Kon- trolle überhaupt unzulänglich ist."

So äußert sich ein ungarisches Fachblatt, das Organ der- kommerziellen Kreise über die Angelegenheit. Ich habe dem

mißverstanden hat, wenn sie annahm, daß ich mich über die deutsche Sozialdemokratie beklagt habe, daß sie, anarchistisch sei.

Ich beeile mich zu erklären, daß die deutsche Sozialdemo­kratie nicht nur frei von Anarchismus, sondern in der Praxis auch frei von Sozialismus ist. Die deutsche sozialdemokratische Partei ist die konservativste, die respek­tabelste, die moralischste und die bürgerlichste Partei Europas. Ihre Parteivertretung im Reichstag ist keine rohe Partei, der Tat, sondern eine Kanzel, von der herab Männer von respek­tablem Alte- und mit alten Ideen einer verworfenen kapita- listischen L . eindrucksvolle Moralpredigten halten. Ihre An. hänglichkeit an ihren unfehlbaren, allwissenden Propheten Karl Marx und ihr Glaube an fein Buch, die „Bibel der arbeiten­den Klaffen", lassen sie in unserem skeptischen Zeitalter als ein Beispiel einfältigen Glaubens und einfältiger Pietät erschei­nen. Mit Millionen von Stimmen zu ihrer Verfügung, wider­stehen sie den Lockungen des Ehrgeizes und den realen Vortei­len, die ein öffentliches Amt mit sich bringt, und bezeichnen diejenigen, die sich von den Freuden tugendhafter Entrüstung zu den Arbeiten praktischer Verwaltung und zu den Verant- loortlichkeiten eines Amtes wenden, als Abtrünnige und Ver­räter. Diese hochsinnigen Männer als Anarchisten zu bezeich­nen oder sie als Revolutionäre zu fürchten, würde die blin­deste Unwissenheit in bezug auf ihren wahren Charakter und ihre parlamentarische Haltung beweisen. Fast sie allein halten in Europa die Fahne des Ideals (tote Jb,en sich aus- drückt) hoch, und wenn ihre Hingebung an diese abstrakte Auf- gäbe sie unfähig zu irgend etwas anderem macht, so sollte das sicherlich bei denjenigen, die die bestehende Verfassung der deut- scheu Gesellschaft aufrecht erhalten wollen, am allerstärksten zu ihren Gunsten ins Gewicht fallen.

Der Streit zwischen der Londoner Fabian So­ciety und der deutschen sozialdemokratischen Partei ist schon sehr alt. Lange Jahre nach der 1884 erfolgten Gründung der Fabian Society war der einzige englische Sozialist, der von den deutschen Führern als echter Marxist anerkannt wurde, unglück­licherweise auch ein notorischer Halunke, der natürlicherweise den Umstand, daß er so verrufen war, damit erklärte, daß alle anderen englischen Sozialisten Betrüger seien. Da er hierin von Friedrich Engels unterstützt wurde, so nahmen die deut, scheu Führer seine Behauptung mit der gewohnten frommen Leichtgläubigkeit auf. Friedrich Engels war ein höchst lieben?» würdiger und respektabler alter Herr, der so sehr außerhalb der Parteibewegung stand, daß fein Lieblingsscherz die Erzählung der Tatsache war, daß der vorher erwähnte Halunke der ein- zige englische Sozialist außer der Marxschen Familie wäre, der ihn überhaupt von Ansehen kannte. — Später wurde der erwähnte Halunke durch eine tragische Katastrophe entlarvt, welche die Augen einer jeden Partei hätte öffnen müssen, die weniger verknöchert gewesen wäre als die Marxsche Gefolg­schaft; jedoch batte dies keinen nennenswerten Einfluß auf die Verbesserung der Beziehungen zwischen der deutschen Partei und dem englischen Sozialismus. Die sozialdemokratischen Zeitungen schreiben über die Fabian Society noch genau so, wie damals, als sie von der Engelsschen Leibgarde düpiert tour- den. Liebknecht machte zwar einen Versuch, die Sache ins Reine zu bringen, indem er tu einer Versammlung der Fabian Society in London sprach, aber er war ebenfalls verknöchert, um zu begreifen, daß der englische Sozialismus den deutschen. Sozialismus sowohl in ökonomischer und sozialer Theorie, a!8- auch in Parlaments, und Verwaltungspraxis weit feinte^ fis ch gelassen hatte.

WaS mich betrifft, so ist meine einzige Differenz mit den deutschen Sozialdemokraten die, daß ich mit ihren Ueber« zeugungen nicht überein ft int m.e. Ich bin kein Marxist, ich bin kein Darwinist, ich bin kein Materialist, ich bin kein Dogmatiker. Ich leugne mit aller Entschiedenheit däS Bestehen eines KlassenkampfeS zwischen Prole- tariat und Kapitalisten und behaupte im Gegenteil, daß Millionen von Proletariern bereit sind, den Begriff des „Mehrwertes" bis zu ihrem Tode zu verteidigen, weil sie da­von ebenso abhängig sind, wie es die Unternehmer sind. Ich lasse, uräü dxirch das literarische und journalistisch« Genie Marx nicht düpieren, weil ich selbst ein literarisches Genie und ein Journalist bin; und man braucht nicht nebenbei noch ein wirtschaftliches Genie zu fein, um zu sehen, daß Marx auf dem Gebiete abstrakter wirtschaftlicher Theorie ein Halbwisser war, der durch die Fehler die er beging, die Bewegung schä- digte, die er ins Leben gerufen hatte und deffen geborgte „Theorie des Wertes" für den Sozialismus verhängnisvoll geworden wäre, wenn sie nicht höchst glücklicherweise durch die Arbeiten von M e n g e r und der österreichischen Schule in Deutschland, von Walras in der Schweiz und in Fränk- reich und von RuSkin und I e v o n s in England aus dem Felde geschlagen worden wäre. Ich bin ein Sozialist, der darauf abzielt, die politische Macht durch den Sozialismus in genau derselben Weise zu unterwerfen, wie es jetzt durch den Kapitalismus geschieht. Ich habe nichts dagegen, daß So­zialisten öffentliche Aemter annehmen, im Gegenteil, wenn vorgeschlagen würde, Herrn Bebel zum Kaiser, und Herrn Singer zum Kanzler zu machen und sie würden dies aus Prinzip ablehnen, so würde ich ihre Ablehnung ihrer Un- fähigkeit zuschreiben, die in meinen Augen niemals ein Vor­zug sein kann. Und ich halte diese Ansicht mit Bezug auf ge­ringere Aemter fest, die jetzt leicht von Sozialisten besetzt wer»

h Budapest, 21. Juli. Die unter dieser Ueberschrift im 4. Morgenblatt vom 14. ds. in der „Frankfurter Zeitung" enthaltene Korrespondenz hat in den beteiligten kaufmännischen Kreisen nachhaltiges Aufsehen erregt und die Agrarkreise setzen nun alle Hebel in Bewegung, um die Wirkung, welche durch diesen Stich in ein Wespennest verursacht wurde, nach Mög­lichkeit abzuschwächen. Mich hat bei Abfassung meiner Korre­spondenz nur die Absicht geleitet, eine in einem Ausschüsse des ungarischen Reichstages vorgebrachte Tatsache mitzuteilen. Ich habe mit keinem einzigen Worte einen Kommentar gegeben, sondern nur festgestellt, daß der Präsident einer der grüßten Handelskammern von Ungarn, der Debreziner Reichßtagsab- qeordnete und Vizepräsident des Kaufmännischen Lündesver- Handes Dr. Koloman Szabü auf Grund der ihm aus in­teressierten kaufmännischen Kreisen zugekommenen Beschwerden den wahrnehmbaren Rückgang des ausländischen Besuches der ungarischen Wollauktionen zur Sprache brachte und die Ne­gierung um eine wirksamere Kontrolle- bei diesen Auktionen er­suchte. Handelsminister Franz Kössuth hat, wie<dies in, der „Frankfurter Zeitung" konstatiert wurde, zugegeben, dich auch er von solchen Mißbrauchen Kenntnis habe. Ich hatte nicht die Absicht, die Angelegenheit der ungarischen Wollauk- tteilen derzeit eingehender zu besprechen, muß jedoch wegen einer diesbezüglich vom „Ung. Korr.-Bureau" ausgegebenen Mitteilung, welche in objektiver Weise auch von der „Frank­furter Zeitung" veröffentlicht wurde, auf die Sache zurückkow- geroiffe Entstellungen etwas niedriger zu hängen. Dasselbe „Ung. Kon.-Bureau", das jetzt eine Art Dementi veröffentlicht, hat über die tatsächlich erfolgte Besprechung der Angelegenheit im Finanzausschuß des Abgeordnetenhauses ebenso wie die Budapester oder Wiener Presse kein Ster­benswörtchen gebracht. Es soll dies, wie man mir sagt, aus patriottschen Gründen geschehen fein, um der Reputation des ungarischen Wollhandels im Auslande nicht zu schaden. Das „Ung. Korr.-Bureau" gibt gnädig zu, daß Abg. Szabü im Finanzausschuß die erwähnten Beschwerden vorbrachte, fügt dem aber sogleich entstellend hinzu, diese hätten sich als unbegründet erwiesen. Diese Bemerkung ist zumindest un­richtig, denn abgesehen davon, daß dies im Finanzausschuß gar nicht geschehen kann, widerspricht dem schon die Tatsache, daß Minister Kossuth die vorgebrachten Beschwerden als ihm bekannt bezeichnete und eine schärfere Kontrolle für die Zukunft in Aussicht stellte. In der Korrespondenz der „Frank­furter Zeitung" war die von allen ungarischen Wollhändlern bestätigte Wahrheit konstatiert, daß die Teilnahme des Aus­landes an den ungarischen Wollauktionen abgenommen habe, jedoch der letzten Wollauktion (Übet welche telegraphisch berich­tet worden ist, und zwar auf Grund der amtlich ausgegebenen Mitteilungen, welche gleichfalls den wenig lebhaften Besuch aus dem Ausland feststellten) war mit keinem Worte gedacht, weil diese ja dem Abg. Szabü nur die Gelegenheit, nicht aber ■ den alleinigen Anlaß zur Vorbringung seiner Beschwerden bot. Die aufdringlichen Bemerkungen des „Ung. Korr.-Bureau" bezüglich des Minderverkaufes am letzten Wollmarkt gehören nur zur Mache des Dementis, ändern jedoch an den vom Abg. Szabü vorgebrachten Beschwerden nichts. Die erwähnte Mit­teilung des „Ung. Korr.-Bureau" hat Ihren Korrespondenten veranlaßt, heute den Abg. Szabü in Anwesenheit eines Kollegen im Abgeordnetenhause auftusuchen. Abg. Szabü hat in konzilianter Weise zugegeben, daß er die von der „Frank­futter Zeitung" veröffentlichten Beschwerden wirklich vor­brachte, wenn er auch nur die Absicht hatte, daß dieselben nur zur Kenntnis der kompetenten Kreise, nicht aber auch zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gelangen. Was er gesagt habe, darauf sei er von interessierten Kreisen aufmerksam gemacht worden und seine Bemerkungen sollten dem Schutze der soliden ungarischen Kaufmannschaft gelten. Wie sehr die Angaben der „Frankfurter Zeitung" den Taffachen entsprochen haben, be­weisen die Ausführungen der heute erschienenen Nummer des angesehenen kommerziellen Fachorgans: „Magnar-Kereskedök- lapja" („Ungarffche Handeiszeitung"), in welchen es unter Hinweis auf die allein von der „Frankfutter Zeitung" aufge­griffene Angelegenheit heißt:

„Dieses Inzidenzfalles gedachten die heimischen Blätter mit keinem Worte, augenscheinlich darum, weil ber über die be­treffende Sitzung des Finanzausschusses ausgegebene offiziöse Bericht denselben einfach verschwiegen hat. Dagegen wurden die Ausführungen Koloman Szabos von der „Frankfurter Zeitung" gebracht, infolgedessen man sich jetzt bei uns beeut, die ganze Sache als einen gegen die ungarische Landwirtschaft gerichteten österreichischen Angriff hinzustellen. Diese einschnei­denden Interessen des ungarischen Wollhandels fassest wir jedoch durch keinerlei patriotische Phrase verdunkeln und verwahren uns dagegen, daß die Sicherung des Monopols eines Prtval- Unternehmers auf patriotisches Gebiet hinubergespteli werde. Die Frage steht klar so: Ist es wahr, daß es aus den Budapester Wollauktionen, und zwar oft, vottomrnt, daß die Sacke ver- schiedene Wolle, z. B. gewaschene und Sandwolle gemilcht ent- halten, so daß die äußere Schicht aus besserer Qualttatrils die innere besteht? Nach dem Zeugnis zahlreicher Wolchandler gebärt dieser Fall nicht gerade zu den Seltenheiten. NachBe- fprechung der Gefahren eines solchen Vorgehens heißt es 'ff dem Artikel weiter: „Wo geschieht eigentlich der Fehler? Uvet- fellos dadurch, daß der Produzent Wolle betriebener OuaUtat zusammengepackt zur Auktion sendet, IMS — da nutzt kein Win. den und Drehen; wir rufen diesbezüglich das ganze ungarisch: landwirtschaftliche Publikum zur Zeugenschaft an —je mancher Produzent ohne Gewissensbisse zu empfinden tut. Sur Ware

Kaiser Wilhelm in Katesund.

Aalesund, 25. Juli. (W. SB.) Nach seiner Ankunft Hierselbst Wurde der K <• i f e r, dem die Bevölkerung einen enthusiasti­schen Empfang bereitete, durch den Bürgermeister, die Stadt- behörden, den Pfarrer und den deutschen Konsul begrüßt. Der Vorsitzende des Stadtrates hielt eine Ansprache, in der er der unauslöschlichen Dankbarkeit der Stadt für die hochherzige Hilfe, die der Kaiser der durch Brandunglück vor 2% Jahren so schwer geschädigten Bevölkerung in so reichem Matze zuteil werden ließ, Ausdruck gab und mit einem begei- । tert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser schloß. Der Kai­er dankte für den ihm bereiteten Empfang und für die reundliche Ansprache. Es sei ihm Herzensbedürfnis auszu- prechen, wie lieb ihm Norwegen sei, an dessen gastlichen Ge- taben er alljährlich Ruhe und Erholung von der Last der Arbeit ände. Schon bei seinem Besuche vor zwei Jahren habe er >en Eindruck gewonnen, daß die Bevölkerung Aalesunds in festem Gottvertrauen und froher Zuversicht in die Zukunft sich in angestrengter Arbeit und mit Anspannung aller Kräfte an Den Wiederaufbau der Stadt machen werde. Hierin habe er sich nicht getauscht, denn in der kurzen Frist von zwei Jahren fei die Stadt aus der Asche neu erstanden. In Norwegen suhle er sich als Gast des Königs Haakon, welchem die Be- völkerung Aalesunds vor kurzem ihre Huldigungen hätte dar» bringen können und der es an väterlicher Fürsorge für die Stadt niemals fehlen laffen werde. Der Kaiser Motz mit einem dreifachen Hurra auf König Haakon. — Alsdann wurde eine Rundfahrt durch die neuen Teile der Stadt unternommen nach einstündigem Aufenthalt die Reise nach dem G«i- ranger.Fjord fortgesetzt.

Bernhard Shaw nnd die deutsche Sozialdemokratie.

Ä Berlin, 25. Juli. 9 N1. (Priv.-Tel.) Bernhard l a w, ber englische Sozialist und Schriftsteller, der aus isuchs der deutschen Journalisten und namentlich ly Braun in England in eine Polemik mit

einen entsprechend höheren Betrag rechnen. 3. Daß dre Arbeit bei Banderolierens an sich schon Unkosten macht, scheint niemand in Betracht zu ziehen und doch ist auch dies nicht so unbedeutend. So muß der Einsender dieser Rechtfertigung bei kleinen Tabakpakelchen, deren 40 bis 50 auf 1 Kilogramm gehen, für da» Verschneiden der Banderolbogen und da» Umkleben der Päckchen mindestens 6 bis 8 Pfg. für daS Kilogramm an Arbeitslohn rechne».

Aehnlich wie in der Zigarettcnindustri« liegen die Verhältnisse auch in anderen Erwerbszweigen; insbesondere ist immer mit einem durch die Steuer verursachten größeren Kapitalsbedarf zu rechnen.

>8 Düsseldorf. 22. Juli. Der Vorstand des Zcntralverbandes der hiesigen katholischen Männervereintgungen hat die Gründung eines Vereins zur Bekämpfung der öffentlichen Nnsrtt» l i ch k e i t uach dem Vorbilde in Köln beschlossen.

cf Marburg, 24. Juli. Tie hiesigen Brauereien beschlofleu, eine Erhöhung des Bierpreises nicht vorzunehmen.

»Coburg, 24 Juli. Vom B ierkrie g s j ch anp la tz ist zu verzeichnen, daß die dem Gaitwirleverein nicht angehörenden Wirte von einer Erh öhung deSLiterpreises Abstand nehmen wollen. Sie werden für die Folge den ortsüblichen 10 Pfg.» Preis für »/, Liter-Glas weiter fordern (der eine Berühmtheit Coburgs ist) und sich dadurch mit dem wahrlich bescheidenen Nutzen von 4 „fl­am Hektoliter begnügen. Von einer Erhöhung befürchten viel« die Vernichtung ihrer Existenz.

Metz. DerBezirkspräsident von Lothringen erließ eine Polizeiverordming, wonach alle öffentlichen Ankündi» gungern-oder Anpreisungen von Heilbehandlung von Kranken ohne persönliche Untersuchung (sog. Fernbehandlung), sowie alle Ankündigung von Gegenständen, Mitteln, Borrichtungen oder Mtthoden, die zur Verhütung, Heilung oder Linderung von Menschen- oder Tierkrankheiten bestimmt sind, verboten wird. EbensoLs verboten werden alle Ankündigungen, sowie der Verkauf von Mtteln, die auf geschlechtliche Dinge Bezug haben. Dstse Verordnung ist auf Anregung des hiesigen Aerzteverems erlassen. Da hier zu Lande unzählige sog. französische Patentmedizinen ver» wendet und angekündigt werden, so dürste das Verbot ziemlich ein­schneidend wirken und an Uebertretung desselben wird eS sicherlich nicht fehlen.

Oesterreich-Nngarn.

Die ungarischen Wollauktionen.

Die Wirren in Wußland.

Petersburg, 25. Juli. Die „Petersburger Telegraphen- Agentur" ist in der Lage, folgende Mitteilungen über die Gründe zu machen, die zu dem Entschlüsse führten, die Reichsduma auf zu lösen: Vom ersten Tage ihres Bestehens an hat die Duma alle Grenzen des Gesetzes über- »ritten. In der Antwortadresse auf die Thronrede verlangte ie eine Abänderung der Grundgesetze durch die Forderung ier Abschaffung des Reichsrates und der Schaffung eines ver- antwortlichen Kabinetts. Durch ihr auf die Expropriation des Landbesitzes gegründetes Agrarprogramm hat sie unerfüllbare Hoffnungen erregt und die schon geringe Achtung vor fremdem Eigentum verringert. In ihren Reden haben die Mitglieder der Duma beständig die Regierung diskreditiert, indem sie diese sogar der Veranstaltung von Judenhetzen und Unruhen beschuldigten. Indem die Duma Delegierte nach B j e l o st o k entsandte, hat sie offen danach gestrebt, sich die Macht der Exekutive anzumaßen. Vierzehn Abgeordnete haben sich an das Volk gewandt und es zu Unruhen aufgeforbert. Dieser Schritt hat keine Mißbilligung in der Reichsduma her- vorgerufen. In den letzten Tagen ihres Bestehens hat die Duma dann erklärt, daß die Regierung ungesetzlich handle, in­dem sie der Bevölkerung die Natur des von der Duma vorge­legten Agrargesetzentwuffes auseinandersetzte. Die Duma hat bann den Beschluß gefaßt, sich mit einer 'Erklärung an das Volk zu wenden, in der sie dieses überredete, der Regierung in dieser Angelegenheit keinen Glauben zu schenken und die Lö­sung der Frage durch die Duma abzuwarten. Schließlich ha- ben^mehrere Abgeordnete Agitationsreisen in das Innere Ruß­lands unternommen, und ihr Erscheinen hat eine Wiederzu­nahme von Unruhen, Judenhetzen und Ausständen zur Folg­gehabt. Alle diese Gründe haben zu dem Cnffchluß geführt, die Duma aufzulösen. (Diese offiziöse Auslassung dürfte ebensowenig wie das kaiserliche Manifest geeignet fein, vor dem Lande das gewalttätige Vorgehen der Regierung zu rechffersi- gen. D. Red.)

Moskau, 25. Juli. (PcterSb. Telegr.-Ag.) Eine Kon­ferenz von Angehörigen derextremenParteieu sprach sich gegen den Streik aus. — In Moskau wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Es verlautet, die revolutionäre Organisation fei völlig vernichtet. Die Führer ber Organisation im Heere sind verhaftet. Die Werkstätte, in bet bie Bomben hergestellt würben, ist entdeckt.