Nr. 1. VI. Jahrgang, 19X4. Frankfurt a. M., 4. Januar

DAS TECHNISCHE BLATT

ILLUSTRIERTE BEILAGE DER FRANKFURTER 2EEITEJNO

Der Kreisel im Dienste von Schiffahrt, Luftfahrt u. Bergbau

Von Felix Linke, Berlin.

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Abb. 1. Mutterkompaß des Kreiselkompasses,

Abb. 3. Selbststeurer.

Kreiselkompaß für unbemannte Boote.

Schwierigkeiten, deren Ueberwindung der deut­schen Technik im Weltkriege manche Ueberlegen- heit verschaffte und die im wesentlichen ritit dem Namen Dr. Anschütz-Kämpfes verknüpft sind.

Der moderne Kreiselkompaß besteht aus einem Dreifach - Kreiselsystem, das allen An­stürmen der Praxis gewachsen ist. Ein Mutter­kompaß überträgt seine Angaben elektrisch auf beliebig viele Tochterkompasse, die man überall

tischen Kompaß schon allgemeiner worden, weil es feststand, daß es keiner ausländischen Bemühung ge­lingen konnte, in absehbarer Zeit selbständig den Aufbau von Kreisel- . kompaßapparaten zu erzielen, aber die anderen Anwendungen des Kreisels sind bis heute fast unbe­kannt geblieben. Grund dafür ist die ungeheure wissenschaftliche Schwierigkeit des Kreiselproblems.

Alle den Kreisel verwendenden Vorrichtungen benutzen seine Eigen­schaft der Achsensteifigkeit, d. h. der Beharrung in der einmal eingenommenen freien Achsenlage, solange der Kreisel schnell rotiert. Drückt man die freie Achse nach einer Seite, so weicht der Kreisel wohl aus, aber nicht in der Druck­richtung, sondern in einer dazu senk­rechten. Es ist nach der Poggendorf- schen Erklärung nicht schwer einzu­sehen, daß es so sein muß; hier aber würde die Auseinandersetzung zu langwierig sein; man findet sie in guten Physikbüchern dargestellt.

Die Achsensteifigkeit benutzte Schlick schon 1908 zur Stabi­lisierung großer Schiffe. Er be­wies die Möglichkeit, aber wirt­schaftlich erwies sich die Sache nicht. Der Kreisel oder richtiger das Kreiselsystem (man benutzt zweck­mäßig mehrere) ist zu schwer (10 bis

Im Kriegslärm ist manche Großtat deutscher wissenschaftlicher Technik kaum bemerkt worden. In vielen Fällen war daran schuld, daß diese Er­findungen gerade für die Kriegführung von aus­schlaggebender Bedeutung gewesen sind, ihre inter­nationale Bedeutung also erst jetzt wieder ent­falten können. Hierzu gehört auch der Kreisel. Zwar ist seine Anwendung für einen nicht magne-

aufstellen kann, wo man sie für zweckmäßig er­achtet. Das ist bereits seit längerem bekannt. Die Tochterkompasse dienen nun dazu, Selbststeuer­apparate zu betätigen, die für die Schiffahrt von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind. Die Auf­gabe eines guten Rudergängers ist, Kurs­abweichungen rechtzeitig zu erkennen, damit sie sofort korrigiert werden können. Geschieht das nicht, so fährt das Schiff Zickzack, und das bedeutet längere Fahrt und dementsprechend Mehrver­brauch an Kohle. Gelingt es, diesen Zickzackkurs, der von allen Schiffen gefahren wird, zu verringern, so bedeutet das Erhöhung der Leistung und Ver­billigung des Betriebes.

Ein Selbststeurer ist gerade von tüchtigen Rudergängern für unmöglich gehalten worden, weil das Stenern großes Geschick und konzentrierte Aufmerksamkeit erfordert. Die Aufgabe, einen solchen herzustellen, ist aber von Dr. Anschütz- Kämpfe gelöst worden. Der Apparat sieht grund­sätzlich wie unsere schematische zweite Abbildung aus. An der Minutenrose des Kreiseltochter­kompasses A sitzt bei 1 eine Kontaktkugel, die in einen Schlitz zwischen zwei Kontakthalbringen 2 und 3 ragt. Sobald sich durch geringe Kurs- . änderung die Kugel an den Halbring 2 oder 3 legt, wird durch Relaisstrom der Motor 4 rechts oder links herum in Gang gesetzt. Er dreht, gleichgültig, ob die Verbindung mit dem Ruder­handrad eingekuppelt ist oder nicht, über die Kegelräder 5 und 6, ü!,er das Differentialgetriebe 7, 8, 9, 10 das große Zahnrad 11, auf dem die Kontakt­halbringe 2 und 3 sitzen, so lange, bis die Kugel

unverändert in Gang bleibenden Gegendrehein­richtung der Kontakthalbringe wird durch Kette E und Rad 14 auch das Ruderhandrad F gedreht, und zwar nach Steuerbord bei Backbord-Gieren und umgekehrt. Der Ruderwinkel 1 ist, da jetzt ge­schlossener Zahnradeingriff vomMotor einerseits bis zum Handrad, andererseits bis zu den Kontakthalb­ringen besteht, stets proportional zum Gierwinkel: der Ruderwinkel wird dabei am Ruderlagezeiger C angezeigt durch Eingriff der Räder und Wellen 15, 16, 17. Mit dem äußersten Gierwinkel ist auch der größte Ruderwinkel erreicht. Ge­horcht nun das Schiff dem Ruder, schwait also zurück, so legt sich Kugel 1 an den anderen Halbring, Motor 4 läuft umgekehrt und dreht sowohl das Handrad wie das Halb­ringsystem zurück. Und wenn das Ruder wieder mittschiffs liegt, hat auch der Ringschlitz die Anfangslage im Schiff erreicht, das also auf dem Ausgangskurs wieder angelangt ist Durch Bemessen der Schlitzbreite hat man in der Hand, wieviel freies Spiel im Kurse man ohne Ruderleger, zulassen will.

Will man einen neuen Kurs ein­stellen, so dreht man- das Stellrad D um den an ihm ablesbaren Kurs­änderungswinkel rechts herum bei Steuerborddrehung. Dadurch wird über die Räder 18, 19, 20 und das Differentialgetriebe 8, 9, 10 der Kontaktring 12 um den entgegen­gesetzt gleichen Winkel im Maßstab der Minutenrose gedreht, also nach Backbord bei Steuerbord - Kurs­änderung. Diese Drehung addiert sich durch das Differentialgetriebe zu einer etwa durch den Motor 4 ver­anlaßten, ohne daß beide Drehungen sich stören, so daß der Selbststeurer

Abb. 2. Selbststeurer.

15 v. H. des Schiffsgewichtes) und beansprucht die Schiffsverbände unzulässig. Brennan und Scherl stabilisierten ihre Einschienen­wagen mit dem Kreisel, und auch von Flugzeug­stabilisierungen war die Rede. Aber nicht die dabei auftauchenden technisch-wissenschaftlichen Pro­bleme verursachen die Schwierigkeiten. Erst der Kreisel als untrüglicher Weiser für das Schiff, das Unterseeboot, das unbemannte ferngelenkte Boot, für den Selbststeurer usw, brachte die ungeheuren

wieder frei im Schlitz schwebt Der Kontaktring wird also immer genau um den Gierwinkel gegen­gedreht (in der für die Minutenrose gültigen Ver­größerung), nämlich nach Backbord beim Gieren nach Steuerbord und umgekehrt. Dadurch ist der Selbststeuer in jedem Augenblick einschaltbar, in dem das Ruder mittschiffs liegt.

Wird der Selbststeurer eingekuppelt, indem der Schalthebel B eingedreht wird, so nimmt die Motor­achse nunmehr auch das Rad 13 mit. Außer der

nunmehr den neuen Kurs einhält. Man arbeitet also am Stellrade D wie ohne Selbststeurer am Ruderhandrad, nur stellt man jetzt lediglich den neuen Kurs ein und überläßt das Einsteuern dem Automaten. Allerdings empfiehlt sich dies Ver­fahren bei größeren Kursänderungen nicht, weil dann der Automat zu starke Kurs-Pendelun^en veranlaßt; vielmehr zerlegt man zweckmäßig "größere Kursänderungswinkel in Teile. Um zu ermöglichen, daß der Selbststeurer auch Stütz-