Nr. 2. VI. Jahrgang, 191,4.
Frankfurt a. M., 18. Januar
DAS TECHNISCHE BLATT
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Dampfturbinen.
Bei den ersten Kraftmaschinen, die der Mensch baute, Wind- und Wasserrädern, wurde die Energie an einer rotierenden Welle abgenommen. Als die Dampfmaschine erfunden wurde, war es kein geringer Teil der zu lösenden Aufgabe, die hin- und hergehende Kolbenbeyvegung durch Gestänge-Uebertragung -in Drehbewegung umzuwandeln, deren Vorteile man damals schon
Von Dipl. - Jng. M. Blänsdorf.
ein gleicher Druck des Strahles auf die Schaufeln, der diese vor sich herschiebt, das Rad also in Drehung versetzt. Der austretende Strahl enthält unter Umständen noch genügend Energie, sodaß man ihn in feststehenden Schaufeln in seine erste Richtung zurücklenkt, um ihn auf ein zweites Rad oder auf einen zweiten Schaufelkranz desselben Rades wirken zu lassen.
schwindigkeitsausnützung ist hier eine neue Kraftwirkung hinzugetreten, die des Rückstoßes des nach hinten austretenden Strahles. Der Druckunterschied vor und hinter der Schaufelreihe ist nicht sehr groß, es ist daher jeweils eine größere Anzahl aufeinander folgender Schaufelkränze erforderlich, zwischen denen der Dampf in feststehendem Schaufeln immer wieder in seine alte
Abb. 1. 27000 PS-Turbine mit unmittelbar gekuppeltem Generator (1922).
erkannt hatte. Man mußte aber den Umweg über die Gestänge in Kauf nehmen, da noch keine Möglichkeit bestand, die Energie des Dampfes unmittelbar auszunützen. Es leuchtet ein, daß es eine beträchtliche Vereinfachung bedeutete, als es gelang, in der Turbine ohne irgend welche Zwischenglieder unmittelbar die Drehung zu erzeugen, auf welche die Antriebe fast aller kraftverbrauchenden Maschinen angewiesen waren. Der ganze Mechanismus der Gestänge-Uebertragung iiel weg, dadurch würde Energie gespart, die vorher zur Ueberwindung der Reibung aufzuwenden war; hin- und hergehende Massen, deren immer wiederholte Beschleunigung und Verzögerung Unruhe in den Gang der Maschine brachte, besitzt die Turbine nicht. Nicht zu unterschätzen ist auch der große Fortschritt in ästhetischer Beziehung, den die Turbine in ihrer gedrungenen Form, bei vornehmer Einfachheit darstellt.
Man unterscheidet Aktions- oder Gleichdruckturbinen und Reaktions- oder Ueberdruckturbinen und legt dieser Benennung die Wirkungsweise des Dampfes in den Schaufelrädern zugrunde. Während bei der Kolbenmaschine der Dampf nur durch seine Ausdehnung bei dem Bestreben, seinen Druck zu vermindern, d. h, sich auszudehnen, Arbeit leistet, wird bei der Aktionsturbine die Druckenergie in Geschwindigkeitsenergie umgesetzt, indem man den Dampf durch besonders geformte Düsen treten läßt, deren Querschnitt sich zunächst rasch verengt, um sich allmählich wieder zu erweitern. Der so erzeugte Dampfstrahl trifft mit einer Geschwindigkeit von 1000 und mehr Metern in der Sekunde (entsprechend dem Druckunterschied vor und hinter der Düse) schräg von der Seite auf "die Schaufeln, die am Rande eines Rades befestigt sind. Die Form der Schaufeln (Abb. 2) zwingt den Dampfstrahl zu einer gekrümmten Bahn, auf deren Verlauf er in angenähert rechtem Winkel zur Eintrittsrichtung das Rad auf der andern Seite verläßt. Dem ablenkenden Schaufeldruck auf den Dampfstrahl entspricht
Der Abstand der einzelnen Schaufeln ist überall gleich, sodaß der Strahl beim Durchtritt keine Behinderung erfährt. Gibt man jedoch dem Schaufelkanal eine Form ähnlich der der Düse, so wird auch hier ein Teil des Druckes in Geschwindigkeit umgesetzt, der Druck hinter der Schaufelreihe ist niedriger, .man hat eine Ueberdruck - oder Reaktionsbeschaufelung. Zur Ge-
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Abb, 2. Beschaufelung im Niederdruckteü.
Richtung zurückgebracht wird. Diese Kränze können auf einer gemeinsamen Trommel sitzen, oder es kann auch jeder auf einem gesonderten Rad angebracht sein. Der abnehmende Druck bedingt eine Volumenvergrößerung des durch die Schaufeln tretenden Dampfes, daher eine ständige Zunahme der Schaufelgröße in den folgenden Kränzen.
Die erste brauchbare Turbina wurde von des. . Schweden Äc Lävai im Jahre 1883 konstruiert. Sie arbeitete nach dem Aktionsprinzip. Ein Jahr später baute der Engländer Parsons seine Reaktionsturbine. Diese ersten Turbinen hatten sehr hohe Dreh-Zahlen, die sie zum praktischen Gebrauch noch wenig geeignet machten. Höhere Leistungen konnten erst erzielt werden, als es Parsons gelungen war, die Drehzahl herabzusetzen. Eine lange Zeit war jedoch noch erforderlich, bis zu Anfang dieses Jahrhunderts die konstruktiven Schwierigkeiten überwunden waren, sodaß die Turbine als zuverlässige Kraftmaschine" immer allgemeiner in Aufnahme kam. Abb. 3 zeigt die damalige Form einer Parsöns-Turbine, die mit einem Generator zur Erzeugung elektrischer Energie unmittelbar gekuppelt ist. Ein bedeutender Fortschritt im Turbinenbau war es, als man das Aktions- und Reaktionssystem vereinigte. Man setzt in diesen „kombinierten Turbinen"’ (Abb. 4) einen Teil des Druckes in Geschwindigkeit um, um sie in einem Aktionsrad zu verwerten, während man die weitere Ausnützung des Druckes im Reaktionsteil vor sich gehen läßt. Damit wurde erreicht, daß der geringere Druckunterschied vor und hinter den Eintrittsdüsen eine geringere Dampf- und damit Radumfangsgeschwindigkeit zur Folge hat, und gleichzeitig, daß das geringere Druckgefälle im Reaktionsteil eine bedeutend kleinere Anzahl von Schaufelkränzen nötig macht. In Abb. 5 rechts sind die beiden Kränze des Aktionsrades, links anschließend die wächst kleineren, dann immer größer werdenden Schaufelkränze des Reaktionsteifes zu ec-

