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Karl Bröger.
4 210 500. 1000000.
4 200 000.- 4 200 000.
4 200 000.
1000000.- 1565 200. 1200000.
1150 000.- 1116 000.
1156000.
100 000.
Dor die ftanzösischen Wahlen stattfinden und sonstige geistige Wandlungen der übrigen Welt sich auswirken könnten, für Poincarö liegt darin überdies ein Problem persönlicher Machterhaltung. Für Deutschland gilt es, den Bestand des Reiches zu wahren, und keine Lösungen aus sich zu nehmen, die das Leben seines Volkes und seinen inneren Frieden noch mehr bedrohen würden. Und für die anderen kommt es darauf an, ihre individuellen Interessen zu schützen, wenn möglich spätere Katastrophen zu verhüten und ihre eigene Machtstellung nicht zu gefährden. Ist jemand da, -den Franzosen den Herrentitel aus dem europäischen Kontinent streitig zu machen, bevor sie ihn endgültig usurpieren?
In manchen Kreisen der Welt herrscht Zur Zeit ein völlig unbegründeter Optimismus, der sich im deutschen Lande nicht breit machen sollte. In der Tragödie, in deren Mittelpunkt Deutschland und Frankreich stehen, sind die meisten übrigen Länder lediglich Nebenspieler oder Statisten; England und Amerika aber könnten Hauptspieler sein. Da indessen Amerika nach seinem erklärten Willen die Bühne erst nach dem entscheidenden Akt betreten will, so ist die ausschlaggebende Rolle bei England zu suchen. England aber wird vielleicht demnächst eine Labo ur-Regierung haben! Hieraus zieht der Optimismus seine Nahmng. Das ist jedoch eine Verkennung der inneren geistigen Spannung Europas. Man sei sich doch deffen bewußt, daß das Ergebnis der englischen Wahlen keinen Sieg der britischen Arbeiterpartei, sondern eine Niederlage des Hochschutzzöllnerischen Konservatismus bedeutete und daß es sozusagen nur ein parlamentarischer Zufall ist, wenn Labour, das dieses Mal nicht mehr Stimmen erlangte als bei Den Vorwahlen und auch heute noch im Parlament den Konservativen an numerischer Stärke weit unterlegen ist, dazu berufen werden sollte, die Regierung zu bilden. Ob dieser Zufall, dessen Eintreten lediglich der var- teitaktischen Laune der Liberalen und der Konservativen zu danken wäre, Wirklichkeit werden wird, ist ja überdies durchaus ungewiß, wie auch daraus hingewiefen werden muß, daß, wenn die Liberalen den Arbeitern die Regierungsübernahme gestatten sollten, sie dies keineswegs aus irgend welcher labour- freundlichen Gesinnung tun würden, sondern um ihrerseits die Emporkömmlingspartei bei erster Gelegenheit zu stürzen und sich an ihre Stelle zu setzen. Daraus ergibt sich, daß auch Labour den Liberalen Tod und Vernichtung geschworen hat. Also Bruderzwist im Lager der Progressiven, die in der Außenpolitik zwar gemeinsam im Dienst der Vernunft und des friedlichen Ausgleichs stehen, aber durch ihren erbitterten Konkurrenzkampf die Wirksamkeit ihrer Ideen gefährden können. Labour wird jedenfalls, wenn es zur Regierung kommt., — dies „wenn" muß einstweilen immer wieder mit starker Betonung eingeschaltet werden — mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben und wahrscheinlich nicht mit vollen Segeln fahren können. Es wäre, wenigstens in den ersten Monaten des neuen Jahres, also ein Wunder, wenn von England eine starke geistige Kraft zur Ueberwindung der kontinentalen Hemmn.fle ausgehen würde. Doch mit etwas anderem darf man eher rechnen. Es ist immer gewagt, Entscheidungen von Völkern, denen natürlich die inneren Probleme näher gehen als die äußeren, auf die Außenpolitik zu übertragen, aber die letzten Wahlen in England haben doch erneut bestätigt, daß die Mehrheit des englischen Volkes eine Rückkehr zur Ruhe und Ordnung der Welt auf dem Wege des Ausgleichs will. Diese von England ausgedrückte nationale Willensmeinung, verbunden mit der Aussicht, es in Großbritannien zuerst mit einer Labour- und dann mit einer liberalen Regierung zu tun zu haben, wird auf die anderen Völker nicht ohne Eindruck bleiben und bei ihnen vielleicht die geistige Entwicklung beeinflussen. Das anbrechende Jahr wird ein Jahr der Wahlen sein, von Wahlen in Frankreich, Deutschland, und Amerika, wahrscheinlich von Wahlen in Italien und möglicherweise von abermaligen Neuwahlen in England. Der Pendel aber schwingt überall wieder nach links, wenn er auch noch starken Schwankungen ausgesetzt und die Wirkung seiner Bewegung auf die äußere Politik nur recht zögernd sein wird. A. G. Gardiner Beruft sich in der Weihnachtsnummer der Londoner „Nation" auf eine ihm gegenüber von Oberst House vor drei Jahren gemachte Voraussage, baß die Wiederrenesuug der Weltve nunft im Jahre 1925 beginnen werde, weil ein Sieg der Linken bei den französischen Wahlen des kommenden Frühjahrs das ftanzösische Volk in einer verständige-en Haltung zeigen, die amerikanische Präsidentschaftswahl im nächsten November den Zusammenbruch der Reaktion in den Vereinigten Staaten herbeiführen und dann die Machtstellung der fortschrittlichen Richtung in England wesentlich befestigt sein we de. D e mn a ch h ä tt e die W e l t bis zum Beginn der Wiederkehr der Vernunft nochein ganzes Jahr zu warten. Bis zum Beginn! Doch auch so bleibt die Voraussage reichlich optimistisch, denn wer wagt z. B. im vo aus zu erklären, daß ein Sieg der Linken in Frank. eich zugleich eine Abkehr vom Nationalismus bedeuten würde, wenn nicht am eigenen Körper gemachte Erfahrung dem französischen Volke zum Lehrmeister wird? Die Schwingungen des geistigen Pendels pflegen langsam vor
Sei uns gesegnet . . . Trippelt ein Knäblein durch den Schnee. Kleine, feine Spur mißt von der Ferse bis zur Zeh eine Spanne nur.
Wo der zarte Fuß Hintritt, Rose und Lilie blüht. Hinter jedem kurzen Schritt farbig ein Garten glüht.
Rauh zerrt der Silvesterwind an dem blauen Gewand. Aber das wundersame Kind wandelt weiter ins Land.
Wächst und wächst zum jungen Licht, bindet die Sonne ins Haar.
Und das weiche Kindergesicht formt sich stark und klar.
Sei uns gesegnet, Bringer du einer helleren Zeit!
Wachse, Kind! Wir wachsen dir zu. Raum ist weit und breit.
A Wiesbaden, 29. Dezbr. Aus Anlaß der Feiertage durfte eine Anzahl A u s g e w i e s e n e r für 14 Tage nach hier zu.ück- kehren.
Frankreich heißt es die Ernte tbr in gen und zu sichern, be
stich zu gehen und sind oft von physischen Erscheinungen abhängig.
Wer nicht das in weiten Schichten des deutschen Volkes verbreitete himmelschreiende Elend fleht, möchte meinen, es sei bereits in den letzten Wochen in Deutschland eine wesentliche Besserung eingetreten. In der Tat steht, vom Getriebe der Politik aus gesehen, das äußere Bild der Lage von heute im schrofssten Unterschied zu den Zuständen, die im Reiche vor noch ganz kurzer Zeit herrschten. Es ist nicht lange her, da waren viele bei uns geradezu verzweifelt. Die Mark raste in unaufhaltsamen Sprüngen in den Abgrund, der keinen Boden zu haben schien, wurde aber in ihrem wobnsimteen Sturze durch das Tempo der Preissteigerung noch übertroffen. Die Sßerelenbung der Massen und d.e völlige Ungcw^yeil ver Verhältnisse schufen den Boden für Aufruhr und Umsturz. Bürgerkrieg drohte zwischen Bayern und dem Reich, zwischen dem Reich und Sachsen. Ein Staatsstreich von rechts gegen die demokratische Reichsrepublik und die Weimarer Verfassung schien unmittelbar bevorzuflehen. Und manche Hüter der Staatsordnung verzagten. Hierzu kam die schwere Bedrohung des Reichsbestandes im Westen. Die unter dem Einfluß der 'Rechten von der Reichsregierung ins Auge gefaßte Versackungspolitik hätte die besetzten Gebiete, deren treue Bevölkerung so wacker im Ruhrkampf ausgehalten und gerade gestn- nungSfeft den Ansturm der separatistischen Banden abgewiesen hatte, notgedrungen in die Arme Frankreichs getrieben. So schien an die Stelle des mit französischen Geldern künstlich genährten Separatismus der Verbrecher ein neuer, zu entschuldigender Separatismus der anständigen Leute getreten und unter dem stetig wachsenden französischen Druck der Zusammenhang zwischen dem Reich und dem Rhein in gefährlicher Weise gelockert zu sein. Was aber wäre aus dem bereits aufs schwerste erschütterten Reich geworden, wenn es zu der Trennung gekommen wäre? — Alle diese furchtbaren Gefahren scheinen — ausdrücklich fei „scheinen" gesagt — heute wie ein Spuk, wie eine bange Erinnerung an eine Zeit des Fieberzustandes zurückzuliegen. Die Mark, an d'.e neue Rentenmark verankert, steht schon seit Wochen fest. Die Preise haben ihren tollen Tanz beendigt, ja sie haben sich teilweise sogar, in angenehmer Weife verspürbar, gesenkt. Die Massen ■atmen, soweit sie nicht erwerbslos geworden sind, auf. Die in den erwerbenden Schichten eingetretene Beruhigung deckt die Not, die nicht schreien kann, zu. Von einem Bürgerkrieg zwischen dem Reich und seinen unfügsamen Gliedstaaten ist nur noch wenig die Rede. De Rechtsn-tt-chisten Benehmen ste feit dem Platzen der Hitler-Ludeudorffsch-en Seifenblase in München sehr viel befeyeldener. Und Die Parteien der deutfcyen Demokratie sind sich ihrer Stärke wieder bewußter geworden. Auch am Rhein scheint die Gefahr gebannt. Doch die Frage muß gestellt werden, in wie weit die eingetretene Besserung auf fester Grundlage beruht. Hoffen wir, daß die glücklich erreichte finanzielle Stabilität von Dauer sein werde. Aber gerade sie wird neue Notstände erzeugen, Notstände des Staates und der Wirtschaft und somit des Einzelnen, Notstände, ohne die die endgültige Heilung nicht erreicht werden kann. Auch kann das deutsche Währungsproblem noch nicht gelöst fein, so lange es von anderen ungelösten Finanzproblemen überschattet bleibt. In den Fragen der alltäglichen Dinge sind also die erwerbenden Schichten des deutschen Volkes noch lange nicht am Ende ihrer Sorgen, von der furchtbaren, ungelinderten Not der verelendeten Klassen ganz zu schweigen. Und ähnlich steht ez auch mit den rein politischen Problemen Deutschlands, Der Konflikt zwischen Bayern.und dem Reich ist-noch immer nicht beglichen, wenn er gegenwärtig auch an Schärfe verloren haben mag. Demokratie und Republik sind auch jetzt noch von der Reaktion, die nur auf ihre Stunde lauert, bedroht, obwohl nicht anzunehmen ist, daß das deutsche Volk, wo es doch deutlich sehen sollte, wohin der Kurs in andern Ländern geht, sich in der Stunde der bevorstehenden Wahlen den Elementen der Rechten, die vor allem an seinem Unglück schuld sind, ausliefern werde. Vor allem aber ist die rheinische Wunde, von der der Bestand des Reiches in erster Linie abhängt. noch immer offen geblieben. Die Ruhe, die an Ruhr und Rhein — mit Ausnahme von der Pfalz, in der -die Franzosen auf besondere Intrigen ausgehen — zurzeit eingetreten ist, sieht viel mehr einer Atempause als einer wirklichen Ruhe ähnlich. Sie ist bawif zurückzuführen, daß das Reich sich entschlossen hat, fürs erste die Not der besetzten Gebiete weiter zu finanzieren, wozu es aber auf die Dauer nicht imstande sein wird, wenn es nicht selber abermals in ben Abgrund stürzen will; ferner darauf, daß die Verträge der Industrien mit der M. I. C. U. M.. die indessen im April, bezw. schon im Februar ablaufen und in ihrer gegenwärtigen Form auf längere Dauer untragbar scheinen, das stockende Wirtschaftsleben wieder langsam in Gang bringen; und schließlich Darauf, daß die Reichsregierung gegenwärtig mit Poinoa.6 in Verhandlungen eingetreten ist, die fürs erste sehr geringe Aussichten haben. Die Sturmseite wird also auch im neuen Jahre der Rhein sein.
Die Not, durch die Deutschland in den verflossenen Jabren gegangen ist, war so furchtbar, daß der Glaube, es sei nun das
Von Heinrich Lilienfein.
Silbernen Schneeflockengewimmels ein- Vorhang verdeckt das neue Jahr. Keines Staatsmanns errechnender Scharfblick und keines Dichters Prophe'engabe vermag das Antlitz zu künden, das hinter dem wirbelnden Schleier sich birgt. Sind ihm Züge neuer, noch ungekannter Schrecken eingegraben? Liegt das techeln der Verheißung um seinen Mund und leuchtet seine Stirne von Frieden? Es bleibt jedem Zuruf stumm, und jede noch so dringende Beschwörung verweht vor seinem wesenlosen, eisigen Schleier...
Der deutsche Mensch ist mißtrauisch geworden. Er hat zu viel gelitten, als daß es anders sein könnte. Seine Seele ist wund von Enttäuschung und Demütigung, und sein Kops wüst von Fieberträumen eines überhitzten Hirns. Dieser arme deutsche Mensch hat in wenigen Jahren so viel erlebt wie Geschlechter vor ihm in Menschenaltern. Alle seine Werlbegrifse in Recht und Wirtschaft, in Haus und Staat find umgestürzt,
«... uns ist gegeben Auf keiner Stätte zu ruhn, Es schwinden und fallen Die leidenden Menschen 8i indlinas von einer Stunde zur andern, Wie Wasser von Klippe Zu Klivpe geworfen. Jahrelang ins Ungewisse hinab"
Stille, Stille zuerst! Man soll in eines scheu Gegenwart so laut und viel nicht reden.
grellen Worte tun ihm weh und verschüchtern ihn noch mehr, beim sie haben ihm alle ihren Sinn verloren. Es ekelt ihn vor -dem dröhnenden Geschrei zünftiger Patrioten und vor den süchtigen Ekstasen der Menschheitsbeglücker; Gift sind ihm die lehrhaften Sittenpredigten von tausend und einem Erzieher und die Elixiere aus den Sudelküchen der Adepten. Warum soll er sich über seine Krankheit täuschen? Er darf getrost wissen, wie ernst cs um ihn steht. Sogar eine Dosts Grausamkeit schadet ihm nichts, denn er ist überfüttert mit Schlaf- und Veruhigungspillen, die ihn über feinen Zustand fortlügen sollten. Es ist nichts mit der Wiederkehr des Alten, und das Neue, Rettende ist nicht des auf den Kops gestellte Alle. Kein Führer, und wäre er der Kräfte aller Welten und UebertoeUcn ein Ausbund, trägt ihn auf Adlersfittichen über den Abgrund seiner Not. Nehmt ihm das Zutrauen zu allein außer sich, dem kranken, deutschen Menschen — eher kann er es in sich, zu sich selber nicht finden. Er muß ganz von vorne wieder anfangen. Die Augen, die er schaudernd vor seinem Jammer und seinem Alleinsein schloß, wird er zaghaft öffnen. Stille, Stille! Die Natur in ihm, die ewig heilsame, läßt ihn an die Natur außer ihm, die ewig gütige und unvergängliche, die erste leise Frage tun. Sie antwortet ihm. Ihre Antwort ist Kraft, die in seine Kraft hinüberzündet. Er hebt sich, reckt sich, dehnt feine Glieder. Spielt es nicht wie gesunder Trotz in seinem Gesicht? Huscht es nicht wie erstes Lächeln über die fahle Farbe der Krankheit? Er will nicht auf die Zukunft raten, nicht um sein Schicksal wissen — er will Zukunft und Schicksal sein und schaffen.
Und sieh, der Vorhang von silbernem Schneeflockengewim- mel ist gefallen! Entschleiert, klar und scharf steht er da, des neue«. Jahres erster winterlicher Tag, bis zur Nüchternheit
Schlimmste überstanden, begreiflich ist. Dem: hätten wir diese Hoffnung nicht, so müßten wir verzweifeln. Doch von dem sicheren Hafen sind wir noch weit entfernt. Es gibt jetzt lichtere Stellen am Himmel, aber schwere, schwerste Erschütterungen werden auch in der Zukunft nicht ausbleiben. Wir Teutschen haben uns daran gewöhnt, ins Ausland zu blicken und dort nach RetiungSmöglichkeiten zu suchen. Das ist bei der Lage, in der sich unser Land befindet, und bei der gesamten Weltlage natürlich. Aber wir müssen in stärkerem Maße erkennen, daß es in erster Linie aus unsere eigene Kraft, unsere- eigene Staatskunst ankommt. Deutschlands auswänige Politik wird heule wie gestern, in dem neuen Jahre, wie in den Jahren nach Versailles, stets die E r sü l l n n g s p o l i t i k fein müssen, mag sie auch von weiter rechts stehenden Leuten anders genannt werden, die sie stüher bekämpft haben, die sie aber heute, wo sie die Vevantwortung tragen, selber treiben, die ErfüllungsPolitik, deren Sinn nicht etwa ist, sklavisch Deutschland in den Dienst der anderen zu stellen, sondern die Freiheit des deutschen Bodens und des deutschen Volkes durch Arbeit zu erkämpfen und diejenigen, die auf der Gegenseite bösen Willens sind, vor aller Welt zu überführen. Diese Politik wird nunmehr bessere Aussichten Baben als früher. Die Gefahr, daß sie zum Scheitern komme, liegt nach wie vor bei Frankreich. Sie lieot aber auch bei uns. Sie liegt bei uns insofern, als unser Wille zu erlahmen und die Kraft unserer staatlichen Maschine zu versagen droht. Nur zu oft haben sich in der Vergangenheit die Freunde des deutschen Schicksals über deutsche Unfähigkeit beklagen müssen. Möge nicht in der Stunde, in der die Bahn frei wird oder die Entscheidung getroffen werden soll, die deutsche Politik der letzten Jahre durch deutsche Unfähigkeit zuschanden kommen.
(MW AeLjchrsbekmchrunW.
Ungerechtfertigter Optimismus. — Keine NeujahrSboischaft PoincarSs. — Die innerpÄitifche Lage.
(Drahtmeldung unseres Korrespondenten.)
ZL K London, 31. Dezbr. Die Neujahrsartikel sind bemüht, nachzuweisen, daß einiger Grund sei, auf bessere Zeiten zu hoffen, doch vermißt man überzeugende Beweise, zumal in dec europäischen Lage Amerikas Beteiligung der einzige Gewinn und selbst dies völlig abhängig ist von Frankreichs zurzeit undurchsichtiger Politik. Jnnerpolitisch bleibt die auf-. munternde Tatsache, daß die erwartete Sturmflut der Arbeitslosigkeit im Winter nicht eintet, sondern bei frei- . genden Lebenshaltungskosten die Tendenz zu leichter Vermin d e r u ng der Ziffern der Arbeitslosen fortbauert.
Die beabsichtigte Neujahrsb otschäft Poincar^s, welche drahtlos und telephonisch in ganz England verbreitet werden sollte, unterbleibt, und zwar schwerlich aus dem von französischer Seite gemeldeten Grunde, daß Poinearri über die englische Veröffentlichung des deutschen Memorandums piguiert sei. Der Ausfall der Botschaft stimmt durchaus überein mit der vorwiegend ablehnenden Haltung des englischen Volkes gegen PoinoarS.
Die Herzenspein vieler Konservativer, welche immer noch hoffen, die Liberalen für- ein Kompromiß zu gewinnen, welches Labour von der Regierung ausschließt, findet in zahlreichen Kundgebungen, besonders der Großindustrie, Ausdruck. Der „Obferver" versucht, dem durch einen kuriosen Artikel zu Hilfe zu kommen, der erklärt, Asquith bringe die Krone in Gefahr, indem er, um sich die Nachfolge nach Maedonald zu sickern, fordere, daß der König Maedonald die Vollmacht zur Auflösung des Parlaments vorenthält. Die Hauptsoroe dieser Kreise ist weniger eine Labour- regierung, sondern die Aussicht, daß nach Labour die Herrschaft ben Liberalen statt den Konservativen zusällt. Der „Daily Herald" überrascht durch die Ankündigung, daß Labour der Staatssubsidie für die neue Luftsahrtgesell- scha ft wid er sp richt.
. . .?
kranken Men- D'-e großen,
Himmel voller Geigen hängt, der wird schwerlich in der Erde festen Grund legen. Aber daran muß der Mensch glauben, daß es schleßl'.ch in dieser Welt der Enttäuschung und der Fehlschläge ein Gelingen gibt, dem es sich lohnt zuzustreben. Es r 'it nur, die rechten Ziele zu schauen und mutig die ganze Kraft dafür einzusetzen. Allen Katastrophen zum Trotz jieyen üoer der Wett Re ewigen Sterne.
Es sind zwei sehr verschiedene Weltanschauungen, ob man glaubt: Gott hat die Welt geschaffen!, ober oB man urteilt: Die Welt ist beS Teufels. Immer aufs neue werden uns diese beiden Weltanschauungen zur Wahl gestellt. Ich rate, bei der ersten zu bleiben. Dann mag uns diese Welt mit ihrer Unruhe und ihrem Streit, ihrer Not und ihrer Schuld oft genug feindlich und trostlos anmuten: wir werden dieser Eindrücke und damit der Welt selber immer wieder Herr im Glauben an den Sieg „des guten Prinzips über das böse". Es kommt doch schließlich darauf an, welche Macht das letzte Wort behält! Nicht daß wir schon am Ziele sind, ist die Hauptsache, sondern daß wir ein Ziel haben und dem Ziele näher kommen. Dies Näherkommen, dies Werden und Wachsen ist unser bestes irdisches Glück.
Was aber das neue Jahr 1924 anlangt, so haben wir alle Ursache, unsere Frage, ob es uns aufwärts oder abwärts führen wird, zu beantworten mit einem fröhlichen: Aufwärts natürlich! Denn wir liegen so tief darnieder, wir sind allmählich so heruntergekommen, daß es eigentlich noch mehr abwärts nicht geht. Dagegen sind doch Anzeichen da, Sym- piome, wie wenn die Menschen einmal wollten zur Vemunst kommen. Jenseits der Grenzen und bei uns. Die beachten, hegen und selber dazu tun, daß aus leisen Anfängen etwas Beständiges herauskomme, das ist die Kunst. „In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne" — dabei bleibt es auch für unser deutsches Volk. Kein Poinoar6 dort, keine Armut hier kann uns an unserer inneren Erneuerung hindern. Hemmen, ja, das können uns Menschen und Zustände, die von außen kommen. Aber ein gesundes, redliches, fleißiges, einiges Volk ist nicht totzukriegen. Wir müssen nur wach sein und wissen, wo die Quellen unserer Kraft fließen, und uns rühren. „Gut fein, gut sein! ist viel getan, Erobern ist nur wenig" singt der alte Matthias Claudius. Es gibt ein Erobern durch Gutfein, mögen es die Skeptiker noch so sehr leugnen, auch in der Weltgeschichte. Die Welt will so erobert sein, sie wartet daraus. Alle Eroberungen und Siege, die dawider sprechen, sind Schein- siege. Probieren wir es einmal, wir Deutschen, auf diese Weise, und gehen wir so in das neue Jahr: was gilfs, wir kommen vovan, nicht abwärts, svndem aufwärts!
Seine einzigen verläßlichen Freunde heißen Not und Verzweiflung; götterlos haust er mit ihnen unter lauter Trümmern. . . Lohnt es sich überhaupt, hinter der eisig-winterlichen Wand nach dem Schicksal zu raten und zu rätseln? Ist es nicht Weisheit genug, zu wissen:
Mrlschafkszahlen.
(Alles in Millionen) Amtlicher Berliner Tollarbricfkurs vom 31. Tezember 1 Goldmark — 1 Nentclinmrk....................
Golvanleihekurs in Berlin ......................
bo. in Frankfurt n. M...............
Dollarschatzanweisnngökurs in Berlin..............
GoldumrechnnngSknrs für Neichsöeuern, Zölle und Eisen- bnhntarife, 1 Goldmark gleich ................
Großhandelsindex Ser Frankfurter Zeitung am 13. De;.
do. des Statistischen Keichsamts am 27. Dezbr.
NeichslebenShaltungSiudex vom 24. Dezember........
Teuerungszahl f. Frankfurt a. M. am 24.12. ohne Bekleid.
do. mit Bekleid.
Fernbrieiporto (10 Rentenpfennig) ----- ............
MresWnSe.
W. v. TD. Die Jahre sind willkürliche Einschnitte in die Geschichte. Dennoch tragen sie oft ihren bestimmten Charakter. ;in Jahr, das geschichtlich in sich.abgeschlossen war, war das verlangens. Es war das Jahr des Ruhrkampfes, der Anfang Januar 1923 begann und dessen Bilanz nun gezogen würden muß. Das ganz: deutsche Leben stand unter dem Einfluß des Kampfes an Rhein und Ruhr. Wird er deshalb auch das deutsche Schicksal endgültig bestimmen? Wird dre Zeitenwende, an der wir uns deutlich befinden, sm '"tetsfö-mb die Wende in noch schwereres Ungemach bedeuten, ovt fct das deutsche Volk den tiefsten Stand seines nationalen iknglAs bereits erreicht? Das ist die bange Frage, die uns Äm heutigen Jahreswechsel bewegt.
, Kufwarls ober abwärts?
M Die Frage an dass neneJahr.
r Von Pros. D. Martin Nade.
'' Auf ein schwarzes Weihnächte^ waren wir gefaßt, ein recht schwarzes. Und cm weißes kam., Nicht nur deckte der Schnee von oben alle unsere Dunkelheit.. Auch die Stimmung in den Gemütern schlug um. Trotz Franzosennot und Beamtenabbau. EL to.it da etwas, was den Mut zum Dasein belebte. War es d'.e Renienmark — das bißch«» Festigkeit in unserm Geldverkehr, das die Leute wieder Boden unter den Füßen fühlen liess? Ode« was sonst?
Genug, man rechnet wieder, denkt, spart, hofft und wogt. Der gefu-'.de Mensch bedarf so wenig zum Atmen. Nur Luft, Luft! Und so wird das neue Jahr, ausgesprochen oder nicht, mit tausend Hoffnungen begrüßt werden — wie wenn wir schon über dem Berg waren!
Aber des ist nun eben die Frage. Wie geht die Reise? Aufwärts oder abwärts?
Die d'e Sicherheit einer naiven Zuversicht, daß es unter allen Umstünden ein Jahr des Fortschritts sein wird, ist verloren. Es tut nicht not, dcß uns die Moralisten von heute immer wieder sagen, dies fei ein Irrtum der einstigen Aufklärung und des Liberalismus gewesen, zu meinen, die Welt, die Menschheit bewege sich automatisch ohne Unterlaß besseren .Zeiten zu. Ein zehnjähriger Krieg, wie wir ihn nun erlebt haben, mit all dem Zusammenbruch und Untergang wertvoller Güter, macht uns wohl hellsichtig dafür, daß der Gang des Menschengeschlechts so glatt und einfach nicht ist. Wir können nicht mehr selbstzufrieden auf den Taten der Vergangenheit auSruhrn und preisen, „wie wir's bann zuletzt so herrlich weit» gebracht". Gerade die Lobredner der Vergangenheit haben den Glauben an den stetigen Fortschritt der Kultur am gründlichsten verloren. Die aber dem Neuen leben, werden durch die Gewalt ungeheurer Hemmungen reichlich daran erinnert, daß keine herrliche Zukunft unverdient dem Träger in den Schoß fällt. Nein, erarbeitet will es sein und erstritten, durch unerhörte Wandlungen und Katastrophen hindurch.
Dennoch wäre es das Törichtste, wenn man über der Erfahrung der Hindernisse den Glauben an den Fortschritt zum Guten wegwerfen wollte. Ohre Optimismus bringt man kein -'Geschäft in die Höhe. Ohne Optimismus bringen wir unser jL ra-W-rb, untern. Staat nicht wieder aus die Beine. Das jMttebienst des Pessimismus besteht darin, daß er uns die Wirk- -lichttit^eigt, wie sie sst. Mit ihren tiefen Schalten. Wem der
Verlorene Kriege ziehen schwerste außenpolitische Gefah- Hren^-ach sich. Der Nuhrkampf wer für uns Deutsche ein verlorner K.ieg. Zum zweiten Mal ist Deutschland von Fram- tei'A’i geschlagen worden, zum zweiten Mal hat es den Kampf ' bis' zur äußersten Erschöpfung geführt. Im Weltkrieg kämpften wir, bis unsere militärische Kraft gebrochen, zerbrochen mar st Dieses Mal wurden wir zur Kapitulation gezwungen, well ims das wirtschaftliche Chaos bedrohte. Es liegt auf der H-mdtt daß auch in diesem zweiten deutsch-französischen Krieg von der,-facher Seite schwere Fehler begangen worben sind, zunächst »er Fehler, daß den Franzosen — im buchstäblichen Sinne qes Wortes — billige, sehr wohl vermeidbare Anlässe zu de- vlon ihnen feit langem gewünschten Besetzung des Ruhr- vebietes geboten wurden, und so dann vor allem der Fehler einer unzureichenden, unbedachten politischen Kriegführung:
”'*>e Widerstand hätte von äußerster außenpolitischer Affinität begleitet sein müssen, um Deutschland so bald wie möalich /zu neuen Verhandlungen, sei es mit Frankreich allein ober überhaupt mit den Alliierten, zu führen; seine Ausgaben hätten wach Möglichkeit eingeschränkt und durch neue Reichs- einsünste'. gedeckt werden sollen, und cs wäre wichtig gewesen, ihn von- vorneherein auf das für Frankreich politisch Wetent- licke zu -beschränken und nicht denFranzosen ohne entscheidendes Kampfziel die Möglichkeit zu geben, gerade das wert' voll-'e deutsche Menfchenmrterial zu verjagen und so ihre Macht 'm ben bedrohten Reichsteilen noch mehr zu befestigen. Die obigen Fehler feien genannt, nicht um Schuldige zu suchen, sondern weil wir aus der Erkenntnis des Fehlerhaften lernen können. Im ganzen aber braucht sich das deutsche Bo« des Ruhrkampfes trotz feines verhängnisvollen Ausganges und trotz der schweren Gefahren, in die es von ihm geMrzt wurde, nicht zu- schämen. Denn es hat mit ihm getan, was jedes ehrliebende demokratische Volk in gleicher Lage getan bitte: cs bat sich mit den Waffen, die ihm zur Verfügung standen, mit.den Waffen des Rech's und des Friedens gegen ' frembe Vergewaltigung verteidigt, obwohl es der Schwächere war. IW so ist in der furchtbaren Bilanz dieses verlorenen Krieges auch e i n A k t i v p o st e n zu finden: unsere Achtung bo; uns 'selber und die Achtung, die in der Welt vor Drntsch- '-XW besteht, hat nicht gelt'ten, ja, unser im Weltkrieg aufs schwerste geschädigtes Ansehen ist bei den übrigen Völkern viche'-cht w eder gewachsen, weil vielfach das Recht auf der Wt'chen Seite gesehen wurde. Dies letztere fei mit vorflch- Cf.et Einschränkung festgestellt. Denn es ist wahr, daß die -TeW Deutschlands, auch jenseits der Ozeane, noch immer Dlreich find, und daß ihr Haß durch unsern Widerstand gegen F nflreich neu entfacht und ^steigert wurde; es ist auch w ahr, d'b unter den Vernünftigeren, die heute bereit sind, die fran- zöflche Regierung wegen ihrer Gewaltpolitik zu tadeln, viele in Deutschland dennoch ben. widerspenstigen Schuldner, also dm' gleichermaßen.Schuldigen oder vielmehr den ursächlich Schädigen seben. Aber es ist andererseits auch eine Tatsache, d-ß'das Licht der Wahrheit, das allerdings auch auf Deutschlands Bilde Schatten läßt, jetzt mit stä kerem Glanze scheint.
Ueber der Pforte des neuen Z-ahres hängt allen sichtbar das Sch'ld: Verhandlungen. Es mag fein, daß das Schild Mischt und daß, obwohl Deutschlands Lage nach baldigster polsift cher Regelung förmlich schreit, der Welt infolge der un= genügenden Klärung . der Geister abermals ein Jahr des Schwebezustandes bevorfteht. Es mag ab« auch sein, daß die versuchtem neuen Anknüpfungen, so die bereits schwersten französischen Hindernissen ausge'etzten Besprechungen des deutschen Stetre'erS um Paris mit PoincarS und die geplanten Arbeiten der-SachverstächdigenauZfchüsse berReparat'onskommission,Ueber- gangserfcheinun^m zu eterS Besserem oder vielleicht wirkliche Anfänge sind. Doch^gewiß ist jedenfalls, daß auch in dem neuen "d'e Mühlen feig, am und überaus' bedächtig mahlen werden. Ist man sich Steifer klar, mit welchen verschiedenen Einstellungen d'e in Frage kommenden Länder an die zu erörternden Probleme Herangehen und daß der Geist noch immer iftcht wahrnehmbar ist, der imsmude wäre, alle Hemmungen im kräftigen Zuge zu überwunden, -d-mn wird man gegen Ent-
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