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Mittwoch, 2. Januar 1924
(Neue Frankfurter Zeitung).
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(Frankfurter Handelszeitung)
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Frankfurter Zeitung
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und die Wahlagitation behindern könnte, denn nur so können unverfälschte Wahlen zustande kommen. Zum zweiten wird durch eine Ergänzungsverordnung endlich ein Rechtsmittel gegen die Entscheidungen der Militärbefehlshaber geschaffen, das namentlich der Presse einen gewissen Schutz geben soll: es soll die Anrufung des Staatsgerichtshofs zum Schutze der Republik zulässig sein, der in der Besetzung von drei Richtern zu entscheiden und seine Entscheidung schriftlich zu begründen hat. Diese Einführung einer Beschwerdeinstanz ist zweifellos eine Verbesserung, aber das Grundübel beseitigt sie nicht, um so weniger als es in der Verordnung ausdrücklich heißt: „Dir Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung." Man bedenke, wie jedes Zeitungsverbot unmittelbar wirkt, welchen gewaltigen Schaden es dem Unternehmer bringt, und wie dieser Schaden sich bei jeder Ausdehnung des Verbots vervielfacht. Bis die Beschwerdeinstanz ihre Entscheidung getroffen hat, kann dieser Schaden unter Umständen fast schon eine Existenzvernichtung bedeuten, und bei kurzfristigen Verboten wird sie überhaupt meist erst nach Beendigung des Verbots getroffen werden. Keinesfalls kann die nachträgliche Entscheidung den angerichtetsn Schaden wieder gutmachen. Es ist hier wie bei dem früheren militärischen Beschwerdeverfahren, wo erst die Strafe angetreten werden mußte und dann erst Beschwerde geführt werden durfte. Eine Lösung, die irgendwie befriedigen könnte, ist der Ausweg dieser Verordnung also auch nicht.
Er gibt nur den Ausweg, endlich den Ausnahmezustand abzubrechen. Er hat schon viel zu lange gedauert, und seine Voraussetzungen bestehen garnicht mehr. Als er verhängt wurde, dachte man an die Möglichkeit von Rechtsputschen nach der Aufgabe des passiven Widerstandes an der Ruhr, man dachte namentlich an die von Bayern drohende Gefahr, gegen die man aber schließlich auf alle militärischen Machtmittel verzichtet hat, nachher sah man kommunistische Gefahren in Sachsen und Thüringen. Aber soweit noch Gefahren bestehen, die man bekämpfen will, bedarf man dazu schon längst nicht mehr des Ausnahmezustandes, und darum darf man ihn auch garnicht mehr aufrecht erhalten, wenn man nicht den Verfassungsartikel 48 selbst verletzen will. Es besteht gar kein Zweifel darüber, daß ein Ausnahmezustand nur eine vorübergehende Erscheinung sein, nur eine kurz bemessene Frist haben darf. Eine längere Ausdehnung macht die Ausnahme zur Regel und führt schließlich zu einem Zustand, der sich von einer Diktatur nur wenig unterscheidet. Die Not des Augenblicks mag vieles entschuldigen, aber die dann kommende Ucberlegung muß wieder normale Zustände herbeiführen, und als der einzige normale Zustand kann immer nur der verfassungsmäßige Rechtszustand sein. Der Ausnahmezustand hat mehr als seine Zeit gehabt . Jetzt ist es die höchste Zeit für seine Aufhebung, für die volle Wiederherstellung der politischen Freiheit und der Pressefreiheit, damit nicht schließlich durch Ausschaltung so vieler Grundrechte das Recht selber zu einer Ausnahme wird. a
Griechenland.
Kabinettskrise.
Paris, 1. Jan. (Wolff.) Ngch einer vom »Petit Journal" wiedcrgegebenen Nachricht hat das griechische Kabinett demissioniert In liberalen Kreisen glaube man, daß Veni- seloz Zaimiz berufen werde, um die Regierung zu bilden. Zaimiz werde VeniseloS zum Außenminister machen und drei oder vier Politikern, die den antiveniselistischen Parteien angehörten, Portefeuilles anbieten.
Die Frage der griechischen Dynastie.
Athen, 2. Jan. (Eurvpapretz.) Die republikanische Partei, die in der Kammer 162 Mitglieder zählt, hat beschlossen, der Kammer, die heute eröffnet wird, eine Motion vorzuschlagen, worin die endgültige Absetzung der Dynastie Glücksburg gefordert wird. Man glaubt, daß di« Demokraten diese Motion unterstützen werden, daß sie sich aber nicht ohne Werteres dazu bereit erklären werden, gleich- zEg die Repub.ik zu proklamieren. In dieser Frage sind sie aber geneigt, die Vorschläge V-niseloS' zu berücksichtigen. Ferner hat die republikanische Partei vorgeschlagen, in Zukunft auch einen eigenen Senat zu bilden, dessen Mitgliederzahl ein Drittel der Mitglieder der Kammer umfassen soll.
Die Münchner „Allgemeine Zeitung".
C= München, 30. Dezbr. Die 1798 gegründet« „Allgemeine Zeitung" erscheint vom 1. Januar ab wieder als Tageszeitung. Sie stellt ihr« alte, große Tradition seit Jahren in den Dienst des Kampfes gegen die partikularistisch-rechtsradikalen Auswirkungen des hiesigen politischen Denkens und dient so der Erhaltung deS Reichs.
B sBernard Brentano, „Gedichte".! Nach wenigen TÄ- ten ist man im Bann einer anheimelnden Versmupk. Man ho.t — Nieder zu innerster Anteilnahme, noch gar zu Widersptuet) gezwungen — nicht sogleich scharf hin. Man laßt sich umschmeicheln, läßt sich einlullen, läßt sich forttragen. ES tut gut: zu wissen, 4 eS keine Erschütterungen, kein jäheS, widerwilliges Erwache» neben wird. Dissonanzen, kaum erklingend, losen sich in Konsonanzen auf. Der Schmerz mündet nicht in Schreie, sondern in Klagen. Denn diese (vom Urban-Verlag, Freiburg in wohltuen, der Schlichtheit herausgebrachten) „Gedichte" schrieb nn gläubiger Mensch Einer, der verstehen will und daher verzeihen kann. Ei.. geliebter Freund, der langjährige Weggefährte, hat den Dichter Verlässen. Kein Aufbegehren, keine Anklage, kem Trostloswerden. Klage Schmerzlaute, Geständnis, unwandelbare Liebe und dann — als verklingende Kadenz — der Ausgleich:
Das konzerkhaus der Zukunft.
/ Von Bruno Manuel.
/ Der ideale Musikfreund hat im Konzertsaal die Augen geschlossen. Er saugt Beethovens Neunte gleichsam mit der Lpi« bermiä auf: er schlürft die Schumannschen Tonmalereien mit geistigem Gaumen; er läßt das Brausen Lisztscher Walder Lurck) alle Porcn in sich -mgel-eu. Beim Konzert braucht er die Augen nicht. Er will garnicht sehen, tote Blech dirigiert und ob Kiaiber den Stock individuell schwingt. Es ist ihm gleichgültig, was für eine Figur Strauß macht. Konzert ist kemeokularische Angelegenheit Mit geschlossenen Augen spuren, wie ein Dirigent die Instrumente suiammenrafft, ist idealer Kunstgenuß. Den Genießer stören Parkettplatze und Zuhörer, Kronleuchter und Saalwächter.
Bald wird es so weil sein. Das Konzert ohne Konzertsaal marschiert; ohne die Beigaben wider WMen, ohne Parke-t- dänke, Kronleuchter und Saalwächter. Es fallt der Rahmen und die absolute Musik steht auf. Die Musik, die man m Dunkel hört, ohne Mithörer und Nebengeräusche. Ohne ein- aespannt zu fein in das Gefängnis Konzcrtsaal, ohne die Zwangsjacke des Gesellschaftsanzugs, ohne .steife Hemdbrust, ohne Stehkragen und enge Stiesel. Man wird 'n der Haus- joppe dasitzen mit Pantoffeln, und wenn es lobt Wirb, Wtag* man sich eine Wolldecke um die Beine. Man dreht das Licht aus und legt sich eventuell still hm. Und man 61011^4 mch mehr, gefüllt mit Schönheiten, Sehnsüchten und Erlebnissen, sich ernüchtern zu lassen im Gavderobenhandgemenge und Saal- getoiebe. Man läßt sich die Philharmoniker, die Stretch Quartette und Solisten ins Haus kommen. Sie foffra1 ft^ buchstäblich aus der Lust greifen, wenn erst Radio Wunschver- wirklichung ist für den idcab-n Musikfreund. Genieße zu Hause, heißt die Parole von morgen.
Wie soll imRadiozeitalter ein. Konzertsaal aussehen? Die Antwort wird zurrst von den Architekten kommen. Amerika, dieser nirverlegene Erdteil, hat schon mrt PrersauSschrsr- ben die Phantasie feinet Baukünstler aufgepe'tscht. Da sitzen fte schon über Pergamente gebeugt mit Zirkeln und Linealen und legen den kommende Konzertsaal aufs Aufriß vaat bei allen ein Turm mmarethaft m die Wolken. Er^nnrd Wohl daS Symbol der kommenden Musikhalle fein. Nus dieser heilig aufslammenden Kerze werden tfunlen fintiern die im Zentrum des Hauses noch Tone waren und irgendwo wieder Töne werden. Es l'inb Stern gertfote ohne Zu- börervarkott Im Radioraum, wo das Orchester Platz wmmt, hängen^ Mikrophone umher. Sie sind das Ohr der Welt, das his/hineinhorcht. In angrenzenden Raumen .werden auf Schaltbrettern Energien erzeugt. Die Etagen werten sich u ’aiu. einer Flucht von Studier-' und Experlmentierzimmern. ^lstafräume und Gesellschaftszimmer sind da für Künstler, die jteeii herkomureu urch ifl tMt tzegchWKS
Frarrlrfurl, 2. Januar.
< Eine Zeitungskorrespondenz hat dieser Tage registriert, daß das Jahr 1923 ein Jubiläumsjahr der Pressesreihe i t in Deutschland gewesen sei. Bis zum Jahre 1848 habe eine unerbittliche Prcfsezensur bestanden, und die damaligen deutschen Regierungen seien in der Lage gewesen, jede freie Meinungsäußerung vorbeugend zu knebeln. Das Jahr 1848 habe die Befreiung von der Zensur gebracht, die durch Artikel 27 der neuen Verfassung in Preußen ausdrücklich aufgehoben wurde. Also wirklich Pressefreiheit in Deutschland seit 75 ■ Jahren? Leider entspricht diese Reminiszenz nicht der tatsächlichen Entwicklung. Zwar wurde die Präventivzensur beseitigt, aber die Hoffnung, daß damit nun die Aera einer vollen Freiheit der Presse angebrochen sei, hat sich nicht erfüllt. Sie erwies sich schon bald nach jenem Anfang als eine Illusion, und heute, wo der Ausnahmezustand auf Grund des Artikels 48 der ReichSverfassung in zunehmendem Maße die Presse bedroht, kann weniger als je von einer Freiheit der Presse gesprochen werden. Wieder sind damit Schranken aufgerichtet worden, die nicht viel weniger ein- sengend wirken wie diejenigen des alten preußischen Preßge- setzes,. über dessen Wirkung eS in der Geschichte der „Frankfurter Zeitung" heißt: „Unter der Herrschaft des preußischen PreßgesetzeS war die Presse auf Gnade und Ungnade der .Polizei überliefert, welche Druckschriften vor und während der Ausgabe mit Beschlag belegen konnte; bei der Natur der Presse konnten nachträgliche Entscheidungen der Gerichte den 'angerichteten Schaden nicht wieder gutmachcn. Die Polizei hat denn auch von ihren Befugnissen gegen mißbeliebige Blätter in willkürlichster Weise Gebrauch gemacht. Gelegentliche Ausnahme-Aktionen, wie die berüchtigten Preßordonnanzen von 1863, welche die Unterdrückung unbequemer Zeitungen .Vorsätzen, hoben überhaupt jedes Recht der Presse auf." ' Klingen diese Erinnerungen aus früherer Zeit nicht wie vom heutigen Tage geschrieben? Was früher in die Willkür der Polizeibehörden gestellt war, das hängt heute vom .Belieben jedes Militärbefehlshabers ab. Sieht er in einem Artikel oder der ganzen Haltung eines Blattes eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ruhe, so kann er die Zeitung verbieten, und je länger sein Verbot reicht, um so mehr ist der Fortbestand des Blattes in Frage gestellt. War es schon ungeheuer gefährlich, einer Zivilbehörde das Beschlag- riahinerecht mit sofortiger Wirkung zu geben, so ist diese Gefahr ins Ungemessene gesteigert durch die Ucbertragung eines nicht begrenzten Derbotsrechts auf eine Militärbehörde, die olles nur aus ihrem besonderen JdeenkreiS beurteilt, die Unterordnungspflicht ganz unwillkürlich zum allgemeinen Maßstab macht und deshalb für das Recht der freien Meinungsäußerung, diese Grundvoraussetzung einer selbständigen und anständigen Presse, garnicht daS richtige Verständnis haben kann. So erklären sich denn auch die vielen Verbote, deren innere Begründung dem Nlchtmilitär zum Teil ganz unverständlich bleibt. Und nur so war es überhaupt denkbar, daß zuletzt sogar ein Verbot wegen einet rein wirtschaftlichen Kritik ausgesprochen werden konnte, die nur unter dem Gesichtspunkt der Alleimpeisheit der Behörden als eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit gedeutet werden konnte, und auch da nur bei der rein militärischen Gehorsamseinstellung. Wenn die Dinge sich so weiter entwickeln, dann kommt wieder das alte preußische Polizeiwort, mit dem alles gerechtfertigt wurde, zur Geltung: „Die ganze Richtung" paßt mir nicht.
So gehen die Dinge nicht weiter. Die Presse darf und wird sich nicht fortgesetzt in ihren wichtigsten Rechten beschränken lassen, und auch die sonstigen auf Grund des Ausnahmezustandes durchgeführten politischen und persönlichen Beschränkungen können nicht länger bestehen bleiben, wenn nicht jedes Gefühl der Rechtssicherheit verloren gehen soll. Zum Teil hat das die Negierung auch eingesehen; aber statt daraus die richtigen Folgerungen zu ziehen, will sie es bei einigen Milderungspflästerchen bewenden lassen. Einmal auf politischem Gebiet für Wahlzeiten. In Thüringen und vielleicht auch in Sachsen finden demnächst Wahlen statt, für die unter dem Ausnahmezustand eine freie Wahlbewegung unmöglich ist. Hier sollen, wie angekündigt wird, „gewisse Einschränkungen der persönlichen Freiheit aufgehoben werden, welche eine geordnete Durchführung der Wahlen und die Freiheit der Agitation beeinträchtigen könnten." Es ist nicht klar, wie wett man dabei gehen will. Man sollte doch als selbstverständlich tmnehmen, daß alles beseitigt werden müßte, was die Wahlen
erstickte völlig im unterirdischen Käfig- Unsere Lauer-Koitlar fügte sich in stummer Ergriffenheit in WdenZ Tragik. Solche Aidg war noch nie da. Rhadames-Gläser schläft inzwischen seine Indisposition aus. Kein wüster Lärm. Gepflegtestes Theater. Diskretion Ehrensache. Dbd.
Entführung von Missionaren durch chinesische Räuberbanden.
Paris, 31. Dezbr. (Wolff.) Nach einer HavaSmelduna aus Hankau sollen Missionare der lutherischen Bruderschaft in Tsao-Janz in der Provinz Hu-Peh von Banditen gefangengenommen worden fein, Herr und Frau Hofs sind als verletzt, Frau Kilon als gefangen gemeldet. Es verlautet auch, daß drei Missionare von dem berüchtigten Banditenführer Lao-Jang-Jen getötet worden seien.
Parist 1. Jan. (Erpreß-Korrespondenz.) Nach einer Ägen- turmeldung haben die Vereinigten Staaten einen Protest an die chinesische Regierung gerichtet wegen der Entführung amerikanischer Missionar« durch chinesische Räuberbanden in Tjao » Bang. Die chinesische Regierung wurde aufgefordert, sofort Maßnahmen zur Befreiung der Missionare zu ergreifen und die in der fraglichen Gegend befindlichen anderen Amerikaner zu schützen.
Die japanische Kabinettskrise.
Paris, 2. Jan. (Wolff.) Nach einer vom »Echo de Paris" wiedergegebenen Agenturmeldung aus Tokio ist der Vorsitzende des Geheimen KronrateL Vicomte Kyury vom Prinzregenten beauftragt worden, ein neues Kabinett zu bilden. Er hat den Auftrag angenommen.
Nach einer Meldung aus Tokio findet die Hochzeit des Prinzregenten, die wegen der politischen Krise aufgeschoben wurde, endgültig am 27. Januar statt.
Die Neuorientierung in England.
London, 2. Jan. (Wolff.) Die konservative Partei von London hat Baldwin in einem Briefe eingeladen, gemeins am mit den Liberal e n Front gegen eine etwaige Regierung ber Arbeiterpartei zu machen. Dieser Brief hat in politischen Kreisen großes Aufsehen her- vorgerufen. ES ist wahrscheinlich, daß rm Kabincttsrat vom Donnerstag darüber beraten werden wird. Es ist darauf hinzuweifen, daß eine Koalition zwischen Konservativen und Liberalen zu dem gleichen Zwecke auch von den Zeitungen, die der sog. Rothermere- und der Beaverbuookpresse angehören, befürwortet wird. Eine Schwierigkeit besteht allerdings darin, daß Asquith wiederholt erklärt hat, jeder Allianz mit den Konservativen unter allen Umständen abgeneigt zu sein. Da- gegen glaubt man, daß Lloyd George nunmehr, nachdem die erste Initiative von den Konservativen ansgegangrn ist, einer Koalition weniger Schwierigkeiten entgegensetzen werde.
--- (Darmstädter Landestheater.^ Rudolf Borchardts „Verkündigung" (dramatisches Gedicht, Buchausgabe bei Ernst Rowohlt, Berlin) kam am Hessischen LandeZth-ar-r Da rst- stadt zur reichsdeutschen Uraufführung. Der biblische Stoff ist au» dem Mythischen ganz inS Weite und Allgemeine der Menschlichst, hinübergedeutet, etwa in dem Sinne: Reifwerdung einer weiblichen Seele für Leben und Schicksalserfüllung. Das ist an sich gewiß nicht unerlaubt; Borchardts Versagen liegt aber bann, daß er weder die Beziehung zur Mythe noch die Absonderung von ihr sauber gegeben Hot ES kommt eine ausgewucherte Paraphrase zustande, die nach keiner Seite hin auf sicherem Boden steht; sehr
--- ^Jahrbuch für Kimstsammler-I Die diesjährige Publikation bringt ein besonderes vielfältiges Materiial und dürfte auch den Nichtfachmann interessieren (Herausgeber Adolf Donath, Frankfurter Verlags-Anstalt, A.-G.). Max I. Friedländer wendet sich in einem Artikel „Ueber die Zukunft der deutschen Museen" gegen die allzu lockere Ordnung der meisten kleineren Museen, die ganz auf die individuelle Einstellung ihrer Leiter gestellt sind, sodaß bei der Beschränkung der Mittel und bei dem Betätigungsdrang des modischen Kunsthistorikers manches kultur- und kunstgeschichtlich Bedeutsame gegen nur Mtuell-Jnteressierendrs getauscht wird. Dieser Gefahr müsse durch strengere Verantwortlichkeit der Leiter, durch Spezialisierung und feste Zielsetzung begegnet werden. In Adolph Donaths jährlich wicderkehrcndem Bericht über das abgelaufene Jähr treten ebenfalls evident die Schattenseiten unserer Geldentwertung auf dem Kunstmarkt hervor. In den meisten Versteigerungen vom Ende 1922 sind trotz scheinbarer Hochkonjunktur wirkliche Substanzverluste der Goldmarkwährung gegenüber zu verzeichnen. Populäre Belehrung bieten die Artikel von Bruno Schröder „Wie Antiken ergänzt werden", von Ernst von Basser mann-Jordan .Dom Sammeln alter Uhren" und von G. A. E. Bogeng „Ueber Buchkunstsammlungen". Den Bestand der keramischen Sammlungen in Schweden teilt Emst Zimmermann in einer ausführlichen Arbeit mit. Heinrich Kohl- hausen bringt eine Beschreibung nebst Abbildungen und Be- lttmmungshypothesen der meist noch nicht identifizierten, mittelalterlichen Bildwerke deS Hamburgischen Museums für Kunst und Gewerbe, Walter H. Dammann eine Studie mit Reproduktionen über „Eines Hohen Rats Silberschah" von großer Genauigkeit. Eine sehr lebendige und reizvolle Arbeit bietet Ludwig S ch n orr v. Carolsfeld. dem eS gelungen ist, die Kupftv- stichvorbilder für die Meißener-GroteSkengefSßs von I. G. Kirchner aufzufinden. Hermann Vossens Arbeit über Francesco Fortts basso liefert zum ersten Mal eine Uebersicht über daS gesamte, reizvolle Oeuvre dieses venezianischen MalerS dcS Rokoko. Han» W. Singer bringt einen kleinen Artikel über drei Rötelzeichnuvger'. von MozeS Terborgh in Dresden. S. Sch.
müssen. Groß und imposant sind ine Entwürfe junger ante, litauischer Architekten, die aus der New Dorber Colum- bia-Universität hervorgegangen sind. Da sieht man Radioräume, wo daS Drama ocr Zukunft sich ab spielen wird, mit regelrechten Windmaschinen und Kesselpauken für den Don- ner. Nichts ist aufs Auge, alles auf das Gehör gestellt, das von allen Punkten der Ende gleichzeitig lauschen wird. Dir Schauspieler, die im Radio-Theater agieren, werden ihre Rollen nicht mehr auswendig lernen, und der mimische Fundus ihres Spiels hat emsgewirtschaftet. ES kommt nicht mehr auf Geste, es kommt nur noch auf Sprache an. Das Schauspieler- geschlecht von morgen wird eine unerhörte Modulationsgabe nötig haben. Der gute Anzug wird abgelöst werden von der guten Stimme. Der Nadiopalast wird die Musikakademie beherbergen und die Schauspielerschule. Aber während der Sendezeit wird alles mäuschenstill fein müssen. Alle Türen zu den Radioräumen sind dick gepo.stert; die Mikrophone sind gleichsam die Spione, denen kein Geheimnis heilig ist: sie ver- Breiten Drama, Vortrag und Konzert, sie würden auch nicht den Mund Hallen, wenn jemand aus Versehen den Stuhl um« wirft- sich laut räuspert, etwas heftig das Blatt umwendet.
Das KonzerthauS der Zukunft wird Musik verbreiten ohne Nebengeräusche, und der Hörer, der sie auS bem Aethcr bezieht, mag faktisch glauben, eine Bezugsquelle in höheren Sphären zu besitzen.
Varis, 1. Jan. (Expreß-Korrespondenz.) Der „Sou" meldet aus Athen, daß ein internationales Konsortium unter Vorsitz von Basil Zaharow der griechischen Regierung angeboten habe, das „Achilleion" auf Korfu zu kaufen, um dort ein Kasino zu errichten. ________________________
Mexiko.
Das Petroleumgebiet in Händen der Revolutionäre.
Hamburgs 31. Dezbr. (Wolff.) Wie dem mexikanischen Generalkonsulat au8 Veracruz gemeldet wird, ist der Hafen von Tuxpan feit dem 22. Dezember im Besitz der Aufständischen, zu denen die Besatzung von 1000 Mann mit ihrem Führer Diaz übeigegangen ist, sodaß jetzt das ganze Petroleumgebiet in den Händen der neuen Regierung fei. Damit sei den Aufständischen die Hauptquelle der Regierung?, ein fünfte gesichert. Die Revolutionsregieruna hat am 28. Dezember ein Dekret erlassen, das bestimme, daß alle Abgaben für die Ausfuhr von Petroleum an die Revolutionsregierung in Veracruz su entrichten seien. Die nach dem genannten Tage nach Mexiko-Stadt ab- geführten Zahlungen würden nicht anerkannt.
Hierzu erinnert das Generalkonsulat daran, daß La Huerta als mexikanischer Finanzminister im Juni in New Uork mit dem Vertreter der Banken, Lamond, ein Abkommen getroffen hat, wonach die Einkünfte ans den genannten Abgaben fortlaufend zur Tilgung der Zinsen der mexikanischen Schuld in New Dock zu deponieren sind.
Bedingungen der Aufständischen für die Waffenniederlegung.
New Kork, 2. Jan. (Wolff.) Nach einer Meldung aus Mexiko haben die aufständischen Generäle Maycoit, Sanchez und Est rad a eine Botschaft veröffentlicht, in der sie sich zur Riede r l eg u n g der Waffen unter folgenden Bedingungen bereit erklären: 1. Absetzung des Präsidenten Obregon, 2. Aufhebung des Mandats der Abgeordneten und Senatoren im gegenwärtigen Parlament, 3. Aufhebung her Beschlüsse, die vom Obersten mexikanischen Gerichtshof gefaßt worden sind, 4. Ernennung der Generäle Mayeott, Sanchez und Estrada zu Militärgouver- neuren, 5. Ernennung einer provisorischen Regierung durch diese Generäle nach her Besetzung her Hauptstadt durch hie Aufständischen, worauf sofort Neuwahlen veranstaltet würden.
Die amerikanischen Waffenlieferungen.
Paris, 2. Jan. (Wolff.) Havas berichtet aus Washington, die Gegner her Regierungspolitik werden am Donnerstag im Repräsentantenhaus verlangen, daß her Kongreß eine Untersuchung über ben Verkauf von Kriegsmaterial an die mexkanische Regierung einleite.
ReMNsbettüHkrmgeu.
poincate an die Amerikaner.
I, 8t Paris, 2. Jan. (Pviv.-Tel.) Herr Poinccrre har m der „New Dork Tribune" eine NeujahrSbotfchaft an das amerikanische Volk gerichtet, in bei es heißt, während des vergangenen Jahres habe Frankreich sehr ernste Anstrengungen machen müssen, um seine Rechte zu wahren. Diese Aktion toerbe auch jetzt noch fortgesetzt. Wenn Frankreich anders gehandelt haben würde, dann würde es die Früchte des Sieges, den Amerika habe mit erringen helfen, aufs Spiel gesetzt haben, und das französische Volk wäre um die Reparationen gekommen, die ihm zur Wiedergutmachung hex angerid^-eten Schäden grlchuld-et iDCtben» Herr Pomcare sei glücklich, konstatieren zu können, daß e in Teil dtt Amerikaner anerkenne, daß Frankreich zu seiner Aktion durch die gebieterischen Notwendigkeiten gezwungen gewesen fet. Jetzt, da Frankreich die Garantien besitze, biie notwendig seren, um die Reparationszahlungen sicherzustellsn, verlange es nichts anderes als an der wirtschaftlichen Miederanprrchtung durch praktische Mittel und konziliante Maßnahmen rnrtzu- arbeiten. Frankreich begrüße es deshalb, daß amerikanische Staatsbürger von großem Ansehen unterwegs feien, _ um an der Prüfung und Lösung der großen europäischen Probleme mitzuwirken. Ihr Rat werde auf besondere Wertschätzung rechnen dürfen und, vorausgesetzt, daß oer Friedensvertrag respektiert werde, werde man Fvankmch jeher ver- nünftigen Anregung geöffnet finden.
Optimismus des Handelssekretärs Hoover.
London, 2. Fan. (Wolff.) Der New Yorker Berichterstatter der .Times" schreibt, in der Neujahrsbotschast des Hlmdelssekve- tarS Hoover herrsche ein optimistischer Ton vor. Nach der Ansicht Hoovers sind die wirtschaftlichen Aussichten für Amerika gut; die Weltlage sei hoffnungsvoll und zwar infolge der Einleitung von Verhandlungen für hie Regelung des deutschen Problems, das Hoover die größte wirtschaftliche Bedrohung her Welt nennt. Hoover erklärt weiter, die Stabilisierung des französischen Franken und eine große Verminderung in den europäischen Rüstungen seien unbedingt eDorbe dm guw qen für die Wohlfahrt der Welt. Der deutsche Zus-nnmenbruch hab« in geringerem Maße sehen anderen Teil her Welt beruhn, ■ her noch nicht den vollen Stoß her Ruhrbesetzung gespürt habe, aber hie finanzielle Stärke und Stabilität her westlichen Halbkugel und die Aussicht auf eine baldige Konferenz über die französisch-deutschen Beziehungen schaffe eine hoffnungsvolle Grundlage, auf her das neue Jahr aufbauen könne, ^n bet Erklärung des Handelssekretärs Hoover heißt es nach einer Washingtoner Meldung des „New York Herold" poch, im Jahre 1923 hätten hie Vereinigten Staaten ben höchsten Probuktionsstand sei dem Kriege aufzuweisen gehabt. Die Beschäftigung sei restlos gewesen, die Reallöhne hoch. unb die Kapitalansammlung habe sich vermehrt. Der Wohnungsbau habe Fortschritte gemacht unb bas Eisenbahnwesen habe die stärksten Verbesserungen feit dem Kriege erfahren. Das Ganze fei Hand in Hand gegangen mit einem bemerkenswerten Nachlassen her Spekulation und bet gefährlichen Kreditüberfpannung. Amerika habe niemals in her Geschichte einen so hohen LebenSstandarb unb einen so hohen Grad kommerzieller unb industrieller Tätigkeit erlebt, wie jetzt. Die wirtschaftlichen AuSsich t e n für Amerika seien glänzend, unb die Lage in her Welt fei hoffnungsvoll, allerdings nur auf Grund der Aussichten, die die auf- genommenen Verhandlungen über ein? Regelung derbeuiscyen Frage böten. Selbst wenn diese letztere Regelung zustande komme, so gebe e8 noch genügend andere wichtige Probleme im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der internationalen Handelsbeziehungen aufgrund des Wiedereintritts von deutscher Kohle unb deutschem Stahl in ben Wettbewerb auf den Weltmärkten unb im Zusammenhang mit her etwaigen Rückkehr von Kapitalien nach Europa, die nach ben Vereinigten Staaten aus geführt worden seien. . j
Zuversicht der englischen Presse.
London, 1. Jan. (Wofff.) Die Neujahrsbetrachtungen 6er englischen Press« sind fast durchweg zuversichtlich gestimmt. Die unmittelbar bevorstehende Aussicht einer Regrffrung der Arbeiterpartei nimmt darin den Hauptplatz ein. ,
„Daily Telegraph" schreibt, die Aussicht auf eine sozialistische Regierung innerhalb weniger Wochen sei b;S größte E r e l g- n i s in der britischen Politik feit Menschengedenken.
Die radikate „Daily News" schreibt, die sorgfältig genährte Panik wegen der Aussichten auf eine Arbeiterregierung werde bald im Lichte der Wirklichkeit zerstört werden. Der kommende Regierungswechsel verspreche Gutes für daS britische Volk. Bezugnehmend auf die Anwesenheit einer Anzahl hervorragender britischer Geschäftsleute in Rußland, die versuchen, mit der Sowjetregierung größere Transaktionen zustandezubringen a-s die, die bisher abgeschlossen wurden, fährt das Batt fort, eine oer eisten Ausgaben her nächsten britischen Regierung werde fein, offiziell das neue Rußland anzuerkennen. Nur durch die . Anerkennung könne her Handel zwischen den beiden Nationen in erheblichem Maße wiederhergestellt werden. Auch in Der größere Frage bet Wiederherstellung Europas sei die Aussicht besser als je Jett der Ruhrinvasion. Beide fortschrittlichen Parteien in Englano seien verpflichtet zu einem einzigen Aktionsverfahren, durch das es möglich sei, das politische unb wirtschaftliche Leben in' Mittleuropa wiederherzustellen. und es könne ms sicher angenommen werden, daß gegenüber Frankreich und der Welt der britffche Standpunkt nachdrücklich vertreten
gehalten hätte Vor den Versen Rilkes, den Gebilden des mittel- jährigen Goethe, an die man zu denken gezwungen wird, halten die liedhaften Gebilde Vernarb Brentanos nicht stand. Der singenden Süße fehlt das Hintergründige, das Abgrundtiefe, baS Orphi- fche. Das Wohlige steigert sich nicht bis zum Erschauern. Das Reizvolle wird nicht Fülle. — Dennoch: Die Gabe eines spezifischen Lyrikers, eines unverkennbaren Dichters, eines Liednahen, an die man — immer noch ein fernes Klingen vernehmend — lange und gerne zurückdenkt. Hans Franck.
-- (Die diskrete MXba.J Mit Verdis „Wda" versuchte man am 1. Januar das neue Jahr zu grüßen. In gemessenen Abständen strömte das Publikum ins Frankfurter Opernhaus. Herr Rhadames-Gläser hatte Per Exttaanschiag feine nach Möglichkeit erste Indisposition pro 1924 verkündigen lassen. Herr Jacger gab die Absicht kund, mit Entschiedenheit für ihn «inzuipringm. Aus Koburg war für die abwesende Amneris ein E,stütz willig herzugeeilt. Es konnte also immerhin loSgehen. Trotz der Kalte brannte die Ungeduld des Auditoriums aus den Genuß. Vorläufig hing her eiserne Vorhang noch unten. Dies war um 6 30 Uhr Um 6.40 verlassen die Musiker unstimmig ben Orchesterraum. Man vermutet die erste Tarifverhandlun.q des jungen Jahres, aber ba tritt (6.45) her abenbfüöenbe Regisseur, Herr Wa.tenber.q, durch das eiserne Sonderpförtchen unb verkündigt: er wolle mchi hoch (nämlich her Vorhang). Eine kleine Viertelstunde bitte! -,uns bann hoffe man ... unbsow-iter. Ez folgt dankbarer Apprau--- Nach zirka zehn Minuten verheißen Hammerschläge hinter der Szene daß olles fieberhaft am Wecke sei (6.55). Ein Bravo wirb von her Galerie geklatscht. Eine kokette Aufmunterung für den Vorhang. Nach weiteren dreißig Minuten (7-25) regen sich die oberen Ränge erneut; doch diesmal Im Protest, dem sich eiNteliie Proletarier im Parkett spontan anschließen Der Eiserne bleibt ungerührt. Endlich erscheint nach „seiner" Viertelstunde (<.4O) Herr Wartenberg zum andern Male und wünscht ben Anwesenden ein herzliches Prosit Neujahr! In spätestens sieben Minuten (Dieben! die magische Zahl!) komme es zur Entscheidung. Es fthle nur noch her ehemals königliche Oberbaurat zur Begutachtung heg Schadens unb feiner Reparationskommission. Dann aber nut Gott. Denn et sei gefährlich für be.be Teile, so ein Eiserner. („Denn bieser Königliche, wenn e: M,wirb eine Welt im Stur-e mit sich reißen." Schiller.) Ez verichwinbet Wartenberg und laßt weiter warten; während her Vorhang tote ein eisernes Gesetz di« heitere Kunst vorn ernsten Leben scheidet Man wird auf weitere zehn Minuten vertröstet. Publikus protestiert ein bißchen, wallet ein bißchen mtb siedet ein bißchen; zeigt dabei aber eme m an- deren Gegenden Europas unmögliche Disziplin, Weiß Gm.: Deutschland kann warten. Um 8.15 wird endgültig erklärt: Es ginge nicht; er wolle nicht; und man bebaure .. Man eilt ohn« Pgnik zur Garderobe; tritt kein Kind tot; freut sich auf htm Heimweg des gelungenen Opernabends. — Die Aufführung stand unter dem Zeichen edler Einfalt und stiller Große. Es wurde mit vornehmster Zurückhaltung gesungen. Kapellmeister Martin be-- geitctc mit ungehörter Diskretion. Noch nie hat Robert vom Scheidt [ein Pianissimo derart hingehaucht, Amneris Stimme
Der Himmel wilsts, was soll denn ich nicht totsten?
Denkst du, ein Streiter, zög ich gegen ihn?
Ich hör'S am Knirschen, daß die Räder rollen ' Sei füll, hall aus! Ein neuer Tag erschien. -M.i
Ich will ihn gut in meine Kräfte betten und weiter, tote bisher, mich selber retten.
Mich selber! Man ist ganz wach. Tut sich lauschend bi$ ins Innerste auf. Hofft. Prüft. Mißt. An Vorbildlichem. An Mdersätzllchem. Und gerät nicht: in Enttäuschung, aber: m Mrsere Abgrenzung hinchr als man beim Beginn für möglich

