-kmMa-, L» Farmar tSS?

ito« Prosperität uni) angesichts der Verschuldung unseres ganzen Kontinente an die Vereinigten Staaten nahm bei den Einsichtigen ble Erkenntnis zu, daß die europäischen Völker eine Rotgemeinschaft bilden müssen, daß sie nicht in wirt­schaftlichem Hader und Zwist nebeneinander leben können, wenn sie im internationalen Wettstreit bestehen wollen. Aus dieser Erkenntnis erwuchs das deutsch-belgisch-luxemburgisch- fvanzösische Eisenkartell, an das sich die entsprechenden In­dustrien anderer Länder anschließen können, aus ihr erwuchs daS deutsch-französische Kaliabkommen und manche andere ge- schäftlich« Annäherung; aus ihr heraus erfolgte die Einladung deutscher Andustrieller nach Romsey, die ein Beweis dafür ist, daß auch England trotz seiner es ableitenden Einpire-^meressen dm Anschluß an Europa nicht versäumen möchte. Dies )inb allerdings erst Anfänge. Noch fehlt es an Wichtigstem, z. B. an einem sich auf einem Ausgleich der Jntereffen und innerer Harmonie aufbauenden deutsch-französischen Handelsvertrag, noch reiben sich Deutschland und Polen im gegenseitigen Wirt- schaftskampf. Auf dem Gebiete der rechtlichen Organ:- sation ist da« bisher Erreichte größer. Wir veröffentlichten kürzlich ein« Karte Europas, die zeigte, wie dicht verwoben das Retz der zwischm dm einzelnen europäischen Staaten abgeschlossenen Schieds- und Vergleichsverträge und der aus dem Beitritt zu dem Internationalen Gerichtshof enfftehendm Verpflichtungen bereits heute ist. Neue Leistungen kamen in dieser Hinsicht, zumal durch Bemühungen Deutschlands zu­stande. ES schloß einen Schieds- und Vergleichsvertrag mit Dänemark ab, was chm ermöglicht, mit Stolz zu erklären, daß « Friedensinftrumente dieser Art nunmehr mit allen seinen Nachbarstaaten geschaffen hat. So stellt auch die in diesen Tagen erfolgte Unterzeichnung des zu der Gattung der Rechts- «chkommm gehörmdm Vertrages mit Italien für die deutschen FriedmSbestrebungm einen erfreulichen Jahresabschluß dar.

O

Die Bestrebungen zur Förderung des mropäischm Gemein- fchastSgefühls dienen auch zur Kräftigung des Völker- buudeS. Europa ist in den Weltzusammenhängen gesehm bet größte Gefahrenherd der Erde. Was somit zur inneren Festigung der europäischen Kontinents geschieht, ist zugleich Dimst am Weltftieden und am Bunde der Völker. Insofern kann die (Senser Organisation auf das Jahr 1926 mit Be­friedigung zurückblicken. Daß es nunmehr gelang, die ehe- maligm Gegner des europäischen Krieges im Völkerbund zu gemeinsamer friedlicher Arbeit zu vereinigen, daß der Bund den durch Deutschlands Aufnahme bewirkten Umwandlungs- Prozeß von einer Versailler Institution zu einer dem Ideal der Universalität gerechter werdenden Wesensart ertragen konnte ist ein hoher Triumph des BundeSgedankenS. Aber noch hat die Umwandlungskrise Spuren zurückgelassen. Es ist vom Standvunkt des Bundes zu begrüßen, daß Deutschland in ihn nicht als Opposition eingetreten ist, daß seine Politik vielmehr dahin geht, sich mit den Versailler Mächten im voraus zu ver­ständigen, bevor Fragen, die aus dem Friedensvertrag ent­stehen, vor die zuständigen Bundesorgane gebracht werden. Aber in dem Bestreben der Großmächte, die unter ihnen zu­tage getretenen Meinungsverschiedenheiten zunächst unter sich zu bereinigen, liegt auch eine Gefahr für den Bund, die Gefahr nämlich, daß et, wie im Falle der Reorganisation des Rates und auch einiger wichtiger Beschlüße der im Dezember ab­gehaltenen Ratstagung, vor bereits von den Großmächten ge­troffene Entscheidungen gestellt wird, die im Interesse der allgemeinen Friedenspolitik den übrigen Bundesmitgliedern bann als unabänderlich erscheinen. Unter einem solchen Ver­fahren muß, wenn es nicht taktvoll geübt wird und dem Bunde nicht Raum zu eigener Betätigung läßt, auf die Dauer die Autorität der Bundesorgane und daS Interesse der Mitglieds­staaten leiden. Somit kann die UmwandlungSkrise des Völker­bundes noch nicht als endgültig überwunden gelten, dies um so weniger, als sie der Genfer Organisation auch schwere 3$ er lüfte gebracht hat. Brasilien und Spanien sind aus dem Vöfferbund ausgetreten, da dieser bei der Reorganisation des Rates gewiße ihnen vor mehreren Jahren von einigen Groß­mächten gegebene Versprechen nicht wahrmachen konnte und wollte. Die Aspirationen der beiden Länder auf ständige Ratssitze fanden keine volle Erfüllung. Ihr Austritt bedeutet für den Völkerbund einen schweren Schlag und eine nicht un­beträchtliche Gefahr. Wir Europäer bedauern vor allem, das Ausscheiden Spaniens, da es auch feine Loslösung von hen Bestrebungen zur Festigung des europäischen Friedens zur Folge haben könnte. Aber auch die Absage Brasiliens ist recht bedenklich, hat sie doch dazu beigetragen, den Tendenzen, die auf die Schaffung eines panamerikanischen, mit der Genfer Organisation konkurrierenden Völkerbundes gerichtet sind, in gefährlicher Weise Nahrung zu geben. Daß Spanien und Brasilien ihre im Sommer gefaßten Beschlüsse möglichst bald aufheben, wäre im Interesse des Völkerbundes sehr zu wünschen. *

' Das Streben des Völkerbundes muß in der Tat darauf gerichtet fein, möglichst weltumfassend zu werden, Genf muß alles vermeiden, was seine Mitglieder oder außenstehende Staaten zurückstoßen könnte. Mit Recht wirbt es daher um die Sympathie der Vereinigten Staaten. Sein Wer­ben war jedoch auch in dem vergangenen Jahre umsonst. Größte Zugeständniße sind der Washingtoner Regierung in bet Frage des Beitritts zum Weltgerichtshof gemacht worden, aber dem Diktate der von dem amerikanischen Senat formu­lierten Vorbehalte konnten sich die übrigen Mitglieder de? Internationalen Gerichts nicht in jeder Weise willenlos fügen. So ist der von Washington bereits beschlossene Bei­tritt wieder in die Schwebe gekommen, so daß die Vereinigten Staaten äußerlich dem Völkerbünde heute ferner stehen als vor einem Jahre. Ihre innere Annäherung wird von den Friedensleistungen des Bundes abhängen. Bei,aller offiziellen Fernhaltung von der Genfer Institution verfolgt man drü­

FwetteS Morgen»!«« der Nrankftrrter FeMing

ben doch die unter dem BundeSgedanken vor sich gehenden europäischen Friedensbestrebungen mit recht großer Sym­pathie. Eine Torpedierung des Bundes von dieser Seite, etwa durch Schaffung einer panamerikanischen Konkurrenz- Organisation, ist somit nicht zu befürchten. Die Gefahr der Torpedierung könnte von anderer Seite, von Sowjetruß- land, kommen. Die Sowjetrepublik steht in dem Völker­bünde eine ihr wesensfremde, daher eine für sie gefahrdrohende Organisation. Sie fürchtet, daß der zum Weltbünde organi­sierte internationale Kapitalismus nur auf die Stunde warte, in der er sich stark genug fühle, um sie zu erdrücken. Den Russen diese Furcht zu nehmen, sie nach Möglichkeit zur Mit­arbeit heranzuziehen, müßte demgegenüber die wohlverstandene Politik einer weisen Bundesleitung sein. Keinesfalls bars sich Genf dem großen Rußland gegenüber auf das hohe Pferd fetzen. Ob das in den Fragen des Abhaltungsortes der ge­planten Internationalen Abrüstungskonferenz und der Wirt- schaftskonferenz geschah, ob das Bundessekretariat der Mos­kauer Regierung, die sich in agitatorischer Ausnutzung der russisch-schweizerischen Verstimmung weigert, nach der Schweiz zu kommen, genügend großes Entgegenkommen gezeigt hat, sei hier nicht untersucht. Auf jeden Fall hat eS sich bei den vorbereitenden Arbeiten gezeigt, daß daS Fehlen Rußlands auf den beiden Konferenzen ihre sowieso fraglichen Ergeb­nisse in sehr starkem Maße beeinträchtigen wird.

In dem vergangenen Jahre ist auch viel von der Schaffung eines asiatischen Völkerbundes, eines asiatischen Völkerbundes unter der Führung Rußlands, die Rede gewesen. Das aber sind fürs erste nur Hirngespinste. Für die Errichtung eines solchen Blocks fehlt zunächst noch jede politisch« Grund­lage. Doch hat es Rußland im Jahre 1926 zweifellos weiter verstanden, seine asiatische Stellung in starkem Maße zu be­festigen. Seine Politik war dabei sowohl defensiver wie auch offensiver Natur. Einen defensiven Charakter hatte sie bei dem Abschluß von Neutralitätsverträgen mit der Türkei und Afghanistan, die durch die Schaffung eines ähnlichen Vertragsinstruments mit Persien, das bereits einen nach dem Muster der Sowjetverträge gehaltenen Neutralitätsvertrag mit der Türkei besitzt, eine sinnvolle Ergänzung finden sollen. DaS Hauptstreben der russischen Politik geht bei diesen Verträgen wie auch bei ben Vertragsverhanblungen mit den baltischen Ranbstaaten bahin, bem Völkerbund die Waffe der Artikel 16 und 17 seiner Satzung nach Möglichkeit stumpf zu machen. Offensiv war Sowjetrußlands Asienpolitik in China. Sie konnte hier offensiv sein, weil sich ihr dazu durch das Vor­bringen ber im Bunde mit ben Sowjets stehenden kantone­sischen Bewegung eine willkommene Gelegenheit bot. Kanton hat England zum Zielobjett seiner nationalen Erhebung ge­macht. Die moralischen Siege, die es erringt, bedeuten eine Erschütterung ber Machtstellung ber kapitalistischen West- mächte in bem ungeheuer großen Laube ber Mitte. Der Kampf Asiens um Unabhängigkeit von bem Westen hat allen Ernstes begonnen. Werben sich bie astatischen Völker bafür bann Ruß- lcmb ausliefern? Das ist sehr unwahrscheinlich, sehr unwahr­scheinlich zumal im Falle Chinas, wo man auch in jung- chinesischen Kreisen sehr wohl weiß, baß bie Politik der Sowjetrepublik genau so Imperialistisch geblieben ist wie einst biejenige bes Zarenreiches. Das Schicksal ber Aeußeren Mongolei unb das Verhalten ber Bolschewisten in der Nord- mandschurei stnd Warnungen, die das chinesische Volk sicher­lich nicht übersehen wird. Dennoch: der Kampf Asiens gegen den Westen ist zu Sowjetrußlands Frommen.

Der Riß, der den Osten von dem Westen trennt, ist im Jahre 1926 tiefer geworden. Er geht auf der Landkarte mitten durch die Länder, bie sich zwischen Rußland unb Deutschland befinden. In solcher Lage hat bie deutsche Regierung im Frühjahr mit ber Sowjetrepublik ein V er- tragSinftrument abgeschlossen, bas mehr sein soll als ein Neutralitätsvertrag, bas die Grundlage für ein freund­schaftliches Verhältnis unter den beiden Völkern bilden will. In diesem Sinne war der Vertragsabschluß zu begrüßen. Deutschlands Initiative von Locarno und sein Beitritt zum Völkerbund sind von den Russen vielfach dahin mißdeutet worden, daß das Reich sich dem angeblich antirussischen Block der Westmächte anschließen wolle. Diese Befürchtung sollte' und konnte den Russen durch den Berliner Vertrag genommen werden. Mit ihm hat die deutsche Politik nur etwas getan, was zu dem Aufgabenkreis des Völkerbundes gehört, sie hat e i n Mittel zur Beruhigung geschaffen. Aber dem deutsch- russischen Vertrag, wie vielfach geschah, den großen Namen zu geben, er bilde eine Brücke zwischen Ost und West, er mache Deutschland zum Mittler zwischen Sowjetrußland und den im Völkerbund organisierten Staaten, wäre gründlich ver­fehlt. Der Vertrag kann für uns nur den Zweck haben, Deutschland von W i r r e n fernzuhalten, die etwa jenseits unserer Ostgrenzen ausbrechen könnten. Mit diesem Zweckziel war er fiir das Reich sogar von drin­gendster Notwendigkeit, denn an Gefahrenherden fehlt es in dem Länderstreifen, der zwischen Deutschland und Rußland liegt, wahrlich nicht. Man denke nut daran, daß wegen Wilna der Form nach noch immer Kriegszustand zwischen Litauen unb Polen besteht, also ein Zustand, der eigentlich nur auf die Gelegenheit wartet, um wieder zur akuten Kriegsgefahr zu werden; man denke daran, daß wegen Bessarabien ein ganz ähnliches Verhältnis zwischen Rußland und Rumänien herrscht; man denke an die bisher unüberbrückten Gegensätze zwischen der Sowjettepublik und Polen und an bie Tatsache, baß bie? letztere Sanb erst kürzlich eine deutlich gegen Ruß­land ( und Deutschland) gerichtete Militärallianz mit Ru­mänien abgeschlossen hat. Man denke überhaupt an ble Un­sicherheit ber Sage, bie immer noch für alle die Länder be­steht, die einstmals zum Zarenreich gehört haben; man denke an Memel unb Danzig unb daran, daß auch nach Locarno

noch nicht ein politischer und wirtschastUcher Ausgleich zwischen Deutschland und Polen stattgefunden hat.

Auf diesem unsicheren Boden eine Brücke schlagen zu wollen, wäre für ben Brückenbauer höchst bedrohlich. Unsere poli­tisch« Pflicht lautet anders. Sie fordert, daß wir uns selber an die Beseitigung ober Neutralisierung berjenigen Gefahren­herde machen, die in unserem eigenen Interessenbereich liegen unb im übrigen bie Aufmerksamkeit der Welt unb des Völker­bundes darauf richten, baß es an ben russischen Westgrenzen bringenb< Friedensarbeit zu verrichten gibt Für uns wird es vor allem Pflicht sein, danach zu trachten, baß wir zu einem friedlichen Zusammenleben mit Polen kommen, um in einer gebesserten Atmosphäre später mit ihm in Ruhe über diejenigen Grenzfragen sprechen zu können, die in ihrem gegenwärtigen Zustand für die betroffenen Gebiete unmögliche Lagen schaffen. Für die übrige Welt aber gilt es einzusehen, paß man vor ber Vorderfront eines Gebäudes nicht die Hintere Seite vernachlässigen bars, daß alles zum Einsturz komimn kann, wenn ein Teil des Hauses dem Verfall überlassen bleibt.

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Das Jahr 1926 hat gute Friedensarbeit geleistet, für die kommenden Jahre bleibt aber noch viel Arbeit übrig, im Westen wie auch im Osten. Die Jahre sind Schritte ber Geschichte. Die Geschichte will aus der Epoche heraus, in der d e Kriege anerkannte Mittel ber Politik waren. Das alte Seitalter lf aber noch nicht überwunden. So ist weiter Aufmerksamkeit nach allen Richtungen von dringender Notwendigkeit für alle, die ben Frieden wollen.

Gin neuer Grrent-Zng.

60 Konstantinopel, 26. Dezbr. Mit ber geplanten Ein­führung eines täglichen E x p r e ß z u g es von C a l a i s über Konstantinopel nach Angora einerseits unb nach Aleppo unb eventuell weiter nach Aegypten andererseits, dürfte baS eigentlich nie zur Ruhe gekommene Projekt einer Brücke überdenBosporus oder eines Tunnels unter ihn, ber Europa unb Asien verbinden würde, wieder aufleben. Der erwähnte Zug wird fahrplanmäßig eine, direkte Verlänge­rung deS sogenannten Simplon-Expresses sein und vom 15. Mai an eingesührt werden. Die Anregung dazu wurde aus dem letzten Eisenbahnkongreß in Baden-Baden ge­geben Die Internationale Schlafwagengesellschatt hatte sich daraufhin mit den Eifenbahngesellschaften und Regierungen der in Betracht kommenden Länder in Verbindung gesetzt und fiat soeben bie einschlägigen Fragen mit der Anatolischen Eisenbahngesellschaft und der türkischen Regierung geordnet. Die ausbedungenen Paß- und Zollerleichterungen werden nur für diesen speziellen Zug in Betracht kommen. Für eine aufenthaltslose Verbindung zwischen Sirkedu (bem ©tambuler Bahnhof) und Haidar Pascha wird vorläufig von ber Schias­wagengesellschaft mittels einer Dampffähre gesorgt werden. Eine Dervolllommnung dieser Verbindung im eingangs er­wähnten Sinne wird, wie von zuständiger Seite erklärt wurde, von den Ansprüchen des Verkehrs und ben Bedingungen ber Kapitalbeschaffung abhängen.

Frrrrr»lielle Krise iit Aidinrierr.

dt Wien, 30. Dezbr. (Priv.-Tel.) Nach Berichten aus Tirana hat sich die finanzielle Krise in Albanien derart verschärft, daß die Beamten nur mehr Bons Statt, Geld als Ge­halt bekommen. Obwohl die Regierung die Prahlten und die Gemeinden beauftragt fiat, diese Schmie durch die Staatskassen zu vergüten, sträuben sich namentlich die G-meinden dagegen. Unter der Beamtenschaft Albaniens herrscht infolgedessen große Empörung gegen die Regierung. Es verlantet, daß Uchmed,3ogu mit Rom über eine bedeutende finanzielle Hilfe in ?yorm einer Anleihe verhandele.

Griechenland.

dt Wien, 31. Dezbr. (Priv.-Tel.) Gegenüber den, fort­dauernden Gerüchten über neue umstürzlerische Pläne in Griechen­land haben sich die Parieiobmännerkonferenz und der Ministerrat mit dieser Angelegenheit beschäftigt sowie auch mit der Meldung über ein aufgefundener Statut einer angeblichen Muitarttga. Aus Grund der Mitteilungen der Parteiobmänner und der Behörden war der Ministerrat in ber Sage festzustellen, daß alle Ge r u ch t e unbegründet sind. Das erwähnte Schriftstück stamme au3 der Zeit vor der Bildung der jetzigen Regierung. Die Stellung d« Regierung, so wird amtlich versichert, sei fester denn je. Es sind Beschlüsse gefaßt worden über die Bildung eines Militär- rate8 der sich mit bet Wiedereinstellung bet Offiziere sowie ber Reform unb Säuberung der HeereskadreS befassen soll.

Mauen.

K-wno, 31. Dezbr. (Wolff) An bet gestrigen ersten Sitzung deS litauischen Sejm nach der Umwälzung nahmen auch Abgeord­nete der Bolkssozialistiswen und Sozialdemok^tischen Partei teil. Ein von den volkssozialisrlscheu Abgeordneten gestellter Antrag, die neue Regierung möge eint programmatische Erklärung abgeben, wurde mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt, nachdem die erste Abstimmung Stimmengleichheit (32:32) ergab. Der Sejm beschäftigte sich wieder mit der Fortsetzung der Budgetberatung und nahm den Etat deS Innenministeriums, bei dessen Beratung eS zu S ä r m f 3 c n e n kam, mit den Stimmen deS Rechtsblocks gegen bie Stimmen bet Linken unb Polen an. Die memellandisch-deutsche Fraktion übte Stimmenthaltung, ble jüdische Fraktion stimmte überhaupt nicht mit

Berlin, 31. Dezbr. (Wolff.) Das deutsch-tschechische Kohten- abkommen ist bis zum 30. Juni 1927 unter den gleichen Be­dingungen verlängert worden.

Sfc Paris, 31. Dezbr. (Priv.-Tel.) Um das Budget bet Pariser Stadtverwaltung ins Gleichgewicht zu bringen, Ist der Preis für Wasser von 1.29 Francs auf 1.52 Francs pro Kubikmeter und der für E l e k t r i z i t ä t von 1.32 auf 1.78 Francs pro Kilowattstunde erhöht worden. Der Gaspreis bleibt hingegen unverändert. __

Mmmner 3 Sekte 8

Nachwuchs.

An bie Redaktion berFrankfurter Zeitung":

Wohin man horchen mag: überall tönt bie Klage, cs gebe keinen Nachwuchs mehr. De, Vereinsvorstanb jammert, baß bie jungen Leute wegbleiben, in Hanbwerker- kreifen weist man daraus hin, baß niemanb mehr etwas Itteien wolle, Inhaber von Ehrenämtern raufen sich ben grauen Bart, weil sie von Sorge gequält werben, wer ihnen bie Last abnehme. Große Sänger unb Schauspieler behaupten, es gebe keine guten Schulen ber Kunst mehr, Theaterdirektoeen unb Verleger suchen bekanntlich mit ber Laterne nach neuen Talenten; die jungen Männer meinen, bas Mädchen von heute fei nicht mehr so heiratswürdig wie vermutlich früher, und die jungen Damen seufzen über bie Selbstsucht unb Nichtsnutzig­keit ber Jünglinge womit das Register aller Beschwerden bei weitem noch nicht geschlossen ist.

Lassen wir alle pathetischen Klagen unberücksichtigt, wie sie bem in ber Kulturgeschichte einigermaßen Bewanderten ver­traut sind jedes Geschlecht fand bas kommende minder­wertig und verging in Sorge, wie alles sein würde, wenn die unvergleichlichen Alten die Augen geschlossen hätten; gehen wir auf bie Seufzer junger Mädchen unb auf bie Ueber» legungen ber Junggesellen nicht weiter ein: es bleibt ein großes Stück Wahrheit. Man hat da unb dort Grund, um den Nachwuchs bange zu sein. Ob bie Mitgliedschaft einer Kegel- gesellschaft zurückgeht ober ber StammtischZum besoffenen Uhu" aus- unb abstirbt, ist nicht weiter wichtig. Die Kunst sogar, als ein weites Felb für sich, mag diesmal ausgeschaltet bleiben. Beschränken wir uns auf das Allgemeine in Gesell­schaft, Politik, Wirtschaft unb öffentlicher Wohlfahrt.

Der Krieg und die Erschütterungen der Nachkriegszeit haben eine breite Kluft quer durch alle Gebiete des Lebens gerissen. Päter unb Söhne gehören oft genug verschiedenen Welten an. Doch dürfte diese Trennung, nur für ausgeprägte Persönlichkeiten gültig, nicht immer unb überall als stich­haltiger Grund angeführt werden, wo es sich um eine Er­scheinung breitester Schichten handelt. Für den mangelnden Nachwuchs im Handwerk sprechen viele Tatsachen, nicht nur Verlotterung der Jugend unb ihr Sinn für unbeschwertes (also meint man: leichtes) Leben. Ein Instinkt für die Aus­sichtslosigkeit vieler Bentfe mag mitwirken, vielfach wird der Grund einfach der verpaßte Anschluß sein. Ein Sechzehn­jähriger fand etwa im Jahre 1919 weder die Mittel noch die Führung er mußte eben verdienen. Manche Eltern wollen es heute nicht wahrhaben, daß sie in der Not der Juflations- jahre dem Spekulationsgeist ihrer Kinder zum mindesten nicht entgegengetreten sind, weil sie froh waren, wenn ihr Spröß­ling, auf ber phantastischen Höhe ber Zeit stehend, einen Dollar ober ein Stück Speck zu erwerben verstand.

Wer letzthin entscheidend ist eine erobere Tatsache. Der Krieg und mehr noch die Geldentwertung nahm der älteren Generation ihr gesamtes Vermögen, zerstörte Versicherungs- unb Pensionsmöglichkeiten. Die Alten waren und sind ge- zwungen, in ihren Berufen auszuharren, ja selbst aus bem verdienten Ruhestand ins Erwerbsleben zurückzukehren. Unb wer das nicht mußte, ber bitbete es sich, burch ber andern Bei­spiel angeregt, wenigstens ein. Unb so sehen _ wir heute die öffentliche und wirtschaftliche Macht mehr denn je in den Hän­den von Männern, die unter anderen Umständen sich längst auf ihr Altenteil zurückgezogen hatten oder auf ihn ver­wiesen worden wären. Nichts im menschlichen Leben ist an heimlicher Trauer dem Mtwerden vergleichbar. Als während des Krieges alle Kräfte gebraucht wurden, als in ber In­flation keiner zu bem ersehnten otium cum dignitate kam, da machten bie Sechzigjährigen ans ber Not eine Tugend unb niemand ist wohl unter ben Jüngern, der das nicht an­erkennen wollte. Aber diese Tugend beginnt eine Not zu werden für die Dreißig- und Vierzigjährigen. Wohl jammern die Alten um ben Nachwuchs wen aber lassen sie benn ernst­haft mittun? Sie sind so sehr davon überzeugt, daß mit ihrem Ausscheiden alles zusammenbreche, weil sie nicht begreifen, daß so manches auch gut getan werden kann, wenn es auf andere Welse getan wird.Die jungen Leute halten sich ja offensichtlich fern!" heißt es natürlich halten sie sich fern, weil sie keine Lust haben, ihre Zeit zu opfern für Aufgaben, die bann doch ohne ihren Einfluß entschieden werden.

Es besteht Gefahr, daß eine Generation, just das Ge­schlecht der Frontkämpfer zurückdrängt unb in vielen Fällen geradezu übersprungen wird. Denn schon kann man sehen, daß die Jugend aus bem späteren Jahrzehnt, nämlich bie heute Zwanzigjährigen, wieder in ganz anderer Weise sich durchsehen wird. Unb dann klafft vielleicht wirttich bie Lück« auf zwischen dem Gestern unb Morgen, bau reißt die Ueberlieferung tatsächlich, und die Sorge um den Nachwuchs, die fieute vielfach nur das Schlagwort derer ist, die sich gar nicht ernsthaft darum bemühen, wird dann wahrhaftig eine ernste und kaum mehr zu regelnde Angelegenheit.

Dr. E. R

Uon der dentschen Marine.

* Berlin, 31. Dezbr. (Priv.-Tel.) Anstelle desnachselner letzten Auslandsreise kürzlich außer Dienst gestellten Linienschiffes Hannover" wird Anfang Januar das ebenfalls zur alten Deutsch- land-lÄaffe gehörende LinienschiffSchlesien" in Dienst gestellt werden, nachdem es gründlich überholt und ver­bessert worden ist. Im März wird dann auf der Wilhelmshavener Werst der im Rahmen der Vorschriften des Versailler Vertrages gebaute 6000 Tonnen große KreuzerB" vom Stapel laufen, dessen Name noch nicht feftsteht.

Gs ist ein Unglück geschehen.

Eine kleine Groteske.

Don Kurt Schwitters.

D« Herr Friedrich Meier war zum Hausbesuch ringe« laden, mußte lange fahren unb kam ziemlich erschöpft an. Die Dame des Hauses bot chm gleich einen bequemen Sessel an und ging hinaus, ihm eine kleine Erfrischung zu holen. Müde Keß sich Meier in den Sessel fallen, unb da kam es ihm gleich etwas merkwürdig vor. Er fiel weich wie auf ein schlecht gestopftes Kissen. Da kam auch schon die Gnädige mit der Erfrischung zurück unb fragte nebenbei:Wissen Sie nicht, wo mein Kind geblieben ist, Herr Meier?"

Sofort kam Meier eine böse Ahnung, aber ohne aufzw stehen, verneinte er die Frage. Sollte er sich wohl aus Ver­sehen auf das arme Kindlein gesetzt haben, welches er noch nicht einmal kannte?

ES ist hier im Zimmer gewesen," sagte die Gnädige, auf Ihrem Sessel hat eS eben noch gesessen "

Meier erschrak heftig, denn eS wäre ihm außerordentlich vrinlich gewesen, wenn er daS arme Kindlein etwa totgesessen haben sollte. Darum sagte et, um abzulenken, das Kindlein wäre voraussichtlich hinausgelausen, und trank nervös 'eine Erfrischung aus. Die Gnädige stöberte alle Ecken durch und rief dauernd:Berta, Berta!" Aber es kam keine Berta, leider! Herrn Meier war es nun auch, als ob es sich unter ihm langsam bewegte, und vor Angst setzte et sich benn auch fester auf bie betreffenbe Seite.

WaS sollte er schließlich auch anders tun? Unb was sollte et schließlich auch mit suchen helfen, er kannte ja bas Kinb nicht einmal. Außerbem gehörte Meier zu den Menschen, die sowieso nie etwas finden können, unb zuletzt war es ihm gewiß, daß er, so leib es ihm auch tat, sich auf bas betreffende Kind draufgefetzt hatte. Die Gnädige aber meinte auch, er wäre sicher von ber langen Reise erschöpft, er möchte nur in Ruhe sitzen bleiben, sie würbe ihr Kind schon finben. Jedoch hat Meier in der Zeit eine unbeschreibliche Angst auSgestan­den, benn er hatte ein sehr schlechtes Gewissen, ohne baß er eS gewagt hätte, zu seiner Entlastung alles zu gestehen. Denn wer sagt einer Mutter auch gleich so etwas. Also bitt er sitzen unb betete innerlich, baß boch bie Gnädige endlich das Zimmer verlassen möge, damit er sich endlich von dem Sach­verhalt überzeugen unb gegebenenfalls bie Reste bes Kinbes beseitigen könnte. Endlich, endlich ging sie hinaus und tief

Mei« dachte:Auch dieser Schreck noch!", denn wie leicht könnte hie Gnädige baS Kind auf bem Vorplatz gefunben haben. Vielleicht saß sie jetzt schon mit ihrem Jammer in der Stube. Mei« wagte es nicht, ben Gedanken zu Ende zu denken. In seiner Angst suchte « nach seinem Revolver im Koffer, aber ber war nicht zu finben. Meier wollte sich unver­züglich bas Leben nehmen, beim « wagte es boch nicht, der hingen Mutter als Mörder ihr« Tochter unter bie Augen zu treten. Ob« möchten Sie etwa so dastehen? Ich jedenfalls nicht.

Meier suchte noch einmal in dem Kleide nach dem Kinde, aber es war nicht drin. Jetzt war sein Entschluß reif, unb Mei« kramte ben ganzen Koffer um unb um, aber ben Revol­ver sanb er nicht. Wie hätte er ihn ab« auch finben können, war boch nie ein Revolver im Koffer drin gewesen! Da nahm Mei« kurz entschlossen einen Bindfaden aus seiner hinteren Hosentasche und band ihn mit ein« Schlinge um

draußen weiter:Berta, Berta!" Sie können sich die Situation wohl vorstellen. Da w«den die Minuten zu Stunden.

Jetzt hätte Meier wohl sich überzeugen können, was eigentlich passiert war, aber « getraute sich immer noch nicht. Er fürchtete, eine schlimme Wahrheit erfahren zu müssen, und wagte es nicht aus Furcht vor sich selbst. Denkm Sie, welch eine Nervenerfchütterung hätte das verursachen müssen, wenn er plötzlich erfahren hätte, daß er ein Kind platt gesessen hatte! Er traute es sich nicht zu, nach der ermüdenden Fahrt solche innere Anstrengung zu haben. Er fürchtete, die ganze Wahr­heit könne fein inneres Gleichgewicht gewaltig erschüttern.

Schließlich, als das Berta-Rufen kein Ende nehmen wollte, stand « doch auf, sah unter sich, und Sie können sich den Schreck beS alten Herrn nicht vorstellen, da lag auf dem Stuhle ein Mädchen, ganz schlapp und dirett krauSgesessen. In seiner Angst reißt Meier das Kind hoch. Da nähert sich die Mutter mit ihrem Berta-Gerufe schon wieder d« Zimmer- tür. In fein« Todesangst drückt Meter da? Kindlein an sich und rennt damit in gross« Hast in seine Kammer, indem er die Tür hinter sich verriegelt.

Draußen auf bem Vorplatz ruft die Gnädige weit«: Berta, Berta!" Mei« zündet Licht an, um ben ganzen Schaben zu besehen. Draußen hört das Rusen auf. Sollte sich die Mutter darein gesunden haben, daß ihr Kind doch nun einmal nicht zu finden war? Und denken Sie, wie Meier s ine Beute betrachtet, da hat « offenbar das Kind selbst auf dem Vorplatz verloren, aus dem Kleide fallen lassen, benn « hielt nur noch das leere Kleid in ber Hand. Es war ein neues, weißes, krausgesessenes Spitzenkleid.

bas Herz zum Halse hinaus. Diese Blamage! Nun hatte er die Schlinge am Halse, ohne sich jedoch damit auMngen zu können, weil b« Binbfaden da schon zu Ende war. Er war zur kurz. Draußen blieb eS unheimlich still.

Mei« wollte sich jetzt aus bem Fenster hinunterstürzen. Ab« da war ein großer Düngerhaufen gerade unter bem einen Fenster, unb das andere wollte nicht auf. Unb auf den weichen Düngerhaufen zu stürzen hätte im besten Falle nur einen mora­lischen Erfolg haben können. Meier ab« wollte sich nun aus alle Fälle abtöten. Da riß « in fein« Angst das ganze Bett­tuch in lange dünne Streifen, drehte sich einen Strick daraus, um sich damit aufzuhängen; da klopft es ganz leise an die Tür.

Mei« sagt keinen Ton. Es klopft nocheimnal. Mei« zieht sich Schuhe und Strümpfe aus, um leise sein zu können, unb besteigt seinen Tisch, ganz leise, ganz vorsichtig. Es klopft zum brüten Male. Mei« hängt sich unt« die Lampe. Unb denken Sie das Pech, ba muß denn boch d« Tisch toacteln unb umkippen, und mit einem großen Krach gegen bie Tür fliegen. Von dem plötzlichen Ruck ab« reißt die Hängelampe Io8 unb zerkracht in Scherben Mei« ab« fällt unglücklich« Weise in einen Kristall schrank, b« umschlägt unb bie Uhr von der Wand reifst.

Da haben sie von aussen die Tür aufgebrochen, und nun war ja nichts mehr zu leugnen. Meier erhebt sich aus den Trümmern des Kristallschrankes unb gesteht gleich ber Gnäbigen:Ich habe ja Ihr Kind z e r q u e t s ch t, ich habe ja Ihr armes Kind plattgesessen. Verzeihen Sie einem Un­glücklichen, gnädige Frau!" Mitten in der Stube lag als stummer Zeuge das Kleid des unglücklichen zerquetschten Kindes. Tische, Stühle, Hängelampe, Uhr, Kristallschrank waren kaputt. Das Bettuch war zum Seil verflochten, das Meier wie eine Krawatte trug. Es war in der Tat eine pein­liche Situation.

Sie können es sich vorstellen, welchen Eindruck das auf bie Gnädige machen mußte. Und sie verstand Meier nicht. Sie stand mit einem Mädchen im Unterrock in ber Türöffnung unb sagte zu bem Kinde:Geh schön, Berta, unb hol bem Onkel etwas Trinkwasser, er ist scheinbar ohnmächtig ge­worden." Da rutscht Mei« auf ben Knien zu b« Gnädigen heran unb bittet:Verzeihen Gnädige einem Unglücklichen, daß er aus Persehen Ihr Kind totgequetscht hat!" Die Gnädige aber flößt ihm lediglich etwas Natron ein, bann sagt sie gütig:Erholen Sie sich nur, ich begreife Sie nicht recht."

.......... ...Ja, habe ich mich denn nicht etwa vorhin auf Ihre feinen Hals, nm sich glatt daran aufzuhängen. Mei« Köpfte Berta gesetzt?" fragt Meier überrascht.

Soviel ich wüßte, nein, sag mal Berta, hat d« Onkel sich! auf Dich gesetzt?"

Berta verneinte, und da wurde es Meier klar, « hatte da­leere Kleid für Berta gehalten, unb so sagte « erleichtert^ Ich hatte tatsächlich schon gefürchtet, daß ich die Kleine Platte gesessen hätte, unb war ganz erstaunt, wie das Kind wieder voll und rund geworden war." Da erklärte bie Gnädige, ihre Kleine wäre nämlich schw«hörig unb habe das Gerufe nicht gehört. Sie hätte sich gerade umziehen wollen, als Mei« hereingekommen wäre, und da hätte sie so im Unterrock, rote sie war, nicht bleiben mögen und märe fortgelaufen, ohne das Kleid mitzunehmen, und nun endlich, endlich habe sie das Kind gefunden.

In bem Moment bemerkte bie Gnädige das Kleid ihr« Tocht« in Meiers Zimmer liegen unb fragte höchst verwun­dert:Me ist benn daS Kleid hterherkommen?" Mei« wußte keine Antwott darauf zu sagen. Da wurde die Gnädig« sogar rin wenig ausfallend, indem sie sagte:Wie kommen Sie benn dazu, das Kleid mein« Tochter mit in Ihr Zimm« nehmen? DaS ist unsittlich, wissen Sie das?"

Meter sah schüchtern zur Erde, da fuhr bie Gnädige forte Was hoben Sie denn überhaupt für eine entsetzliche Schweinerei 61« in Ihrem Zimm« gemacht? Ist das etwa bei Ihnen zu Hause so Mode? Meinen Sie, meine guten Bett­laken wäre gestohlen? Was haben Sie sich dabei eigentlich ge­dacht? Glauben Sie, ich würbe mir das von Ihnen gefallen lassen? Haben Sie eigentlich keinen Verstand bei sich? Glauben @ie etwa, mein gut« Mann hätte seine Knochen gestohlen, daß « für Ihre Zerstörungswut baS schwere Geld verdienen soll? Wie steht bas bloß hi« aus? Ich glaube, Sie hoben Ihre fünf Sinne nicht beisammen. Werden Sie nur nicht zu dreist hier! Unb wer «setzt mir mein gutes Kristall? Warum reißen Sie eigentlich meine schöne Lampe herunter? Das ist denn doch ein bißchen stark! Habe ich Sie eingeladen, damit Sie mir meine ganze Aussteuer kaputt schlagen? Ich möchte bloß mal wissen, was Sie sich dabei gedacht haben. Wozu zum Beispiel werfen Sie den schönen ovalen Tisch um? So etwas ist ntir doch in meinem ganzen Leben noch nicht passiert. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich mich auf der Stelle auf­hängen. Aber da find Sie ja zu feige dazu. Ich habe in meinem Leben noch nicht solch eine Frechheit erlebt. Sie sind ja b« reinste Halsumdreher, ein Kleiderräuber sind Sie. Ich werbe eS b« Polizei mitteilen, ich lasse Sie steckbrieflich ver­folgen, ins Gefängnis werde ich Sie noch bringen mit Ihrer frechen Schnauze. Sie! Pftii, vor solchen Menschen spucke ich aus."

Darauf ging bie Gnädige hinaus.

Berta ging gehorsam mit.