Dmmrrstas, 10. Febmmr W LS Fffr. Erst»« Wsxgmblatt
71. Jahrgang. Ar. 106
BEZUGS - PREIS Täglich drei Ausgaben,Sonntags und Montags zwei Ausgaben. Beilagen: Das 1 ethnische Blatt Literaturblatt Für Hochschule u. Jugend. Der Sport Bäder blatt Für die Frau. Bezugspreis in Deutschland monatlich Mark 6.—- Bestellgeld, im Ausland Tnivt, Tarif der am Weltpostverein beteiligten Postanstalten- — Unter Streifband Portozuschlag.—• Einzelpreis L Morgenblatt 15 Pfg.
Morgenblatt 15 Pfg. Abendblatt 10 Pfg. Abendblatt und L Morgenblatt zusammen (Expreß-Ausgabe) 20 Pfg. ANZEIGEN.PREIS Nonpareille-Zeile 80 Pfg. Reklame Mk 6.-— Stellengesuche 40 Pfg. F am ilien-An zeigen Doppelzeile 80 Pfg. Platz- und Datenvorschriftea ohne Verbindlichkeit
'entspreche! Amt Hansa 9160-9175
Postscheckkonto Frankfurt (Main) 4430
Begründet von Leopold Sonne mann.
!A
W
W
W
I
IM
A's
W
KI
J
« W @1
W
M
ML
M
N
SK
UM
M
■ x
WW
6E8CHÄFTSSTEM-EN" Frankfurt am Main, Große Eschen helmer Straße 31-37, Schillerstr. 18-24» Berlin W 9, Potsdamer Straße 13^ Dresden-A., Waisenhausstr. 25. Hamburg, Gr. Bäckerstr. 9. Köln a. Rh. Kaiser-Wilhelm-Ring 10. Leipzig-Leu. Friedrich Ebert-Straße 66. .München, Perusasfr.5.Stuttgart,Poststr.7.WienL Wollzeile 11. Zürich, Weinbergstr. 24, LondonE.C.l.HolbornViaduct House, HolbornViaduct. A.W.C. Frost. New York-Brooklyn, 11 Montagne Terrace Dr.Mattfeld. Rio de Janeiro,Caixa pos* * tal 2401 Dr. Walter Schück. Antrag, tu unverlangt. Einsenduhg.istPüd'porio beizufügen. Bei Störungen durdi höh Gewalt od. Ausstände können Ersatzansprüche nicht berücksichtigt weiden Verlag und Druck: Frankfurte Societ äts - Dru cke re i G.m.b.H
Die Zage m Aravren.
(33 o n unserem Korrespondenten.)
Ii K Jerusalem, im Januar.
Englische und deutsche Pressekorrespondenten meldeten über einen unmittelbar bevorstehenden Krieg zwischen I bn Saud, dem König von Hedschas und Sultan der Wahhabiten, und dem Imam Jahja von Jemen. Ein solcher Krieg zwischen den beiden mächtigsten Fürsten Arabiens um die endgültige Hegemonie aus der Halbinsel ist wohl in Zukunft wahrscheinlich, doch liegen keine Gründe vor, zu vermuten, daß er bereits jetzt ausbrechen werde. Tas Streitobjekt, das den unmittelbaren Anlaß zu einem Konflikte zwischen den beiden Staaten bilden könnte, ist der Pufferstaat von A f s i r, der zwischen Femen und Hodschas liegt. In Assir hat Sajid Mohammed eI Jdrisi es seit dem Jahre 1910 verstanden, sich gegenüber der Türkei mit italienischer Hilfe eine starke Stellung zu erringen. Seine Hauptstadt befand sich in Sabia mit der Hafenstadt von Dschisan. Nach dem Weltkriege stand der Jdrist in freundlichen Beziehungen zu König Hussein von Mekka, toy aber in einem ständigen Kampf mit dem Imam von Jemen verwickelt, dessen Hauptstadt in Sanaa liegt. Im Jahre 192t gelang es dem Jdrist, den wichtigsten Hafen Jemens, H o - d e i d a, zu besetzen. Infolge seiner Freundschaft zu König Hussein geriet aber der Jdrist in einen Gegensatz zu Ibn Sand, der im Jahre 1920 Jbha und das umliegende Gebiet in Nord Asstr besetzte. Der Jdrist starb 1922 und sein Sohn war nicht imstande, das Reich seines Baiers zu erhalten, sondern verlor Hodeida und andere Gebiete im Jahre 1925 an den Imam von Jemen und begab stch vor dessen weiterem An- dringen unter den Schutz von Ibn Saud, während der Imam von Jemen das Gebiet von Asstr, das jetzt wiederum auf Sabia und den Hafen von Dschisan beschränkt ist, gerne als Vasallen seinem Reiche einverleibt hätte.
Zu diesem Konflikt zwischen den beiden arabischen Reichen tritt aber ein latenter Wettbewerb zwischen Gro ß ° Britannien und Italien. Beide haben sich um die Gunst des Imam von Femen und um die Möglichkeit kommerzieller Konzessionen in seinem Lande beworben. Italien hat aber den Sieg davongetragen. Der Imam hatte mit den Engländern an der Grenze des britischen Protektorates von Aden, das im Süden an sein Gebiet heranreicht, öfters Konflikte und w-ar während des Weltkrieges ein treuer Verbündeter der Türken gewesen. Dagegen ist es den Engändern in Assir gelungen, Fuß zu fassen und eine wichtige Konzession zu erwerben, in dem die Britisch-Asiatische Petro- l e u m g e s e l l s ch a f t für die Summe von 23 000 englische Pfund, die sie dem Jdrist von Asstr lieh, die Petroleumkon- zession auf den Farasan Inseln, die Dschisan vorgelagert sind, erwarb. So hat der Jdrist seine Waffenausrüstung von England bezogen, das auch mit des Jdrisis Protektor Ibn' Saud in einem Bündnisverhältnis steht, während Italien den Imam von Jemen Waffen und 'Ausrüstung geliefert hat. Die Leiden Großmächte selbst dürften aber nicht daran interessiert fein, daß der kriegerische Konflikt zwischen Ibn Saud und dem Imam von Jemen jetzt schon ausbricht. Auch die arabische Presse beurteilt die Lage in Jnnerarabien nicht alarmierend. So schreibt der gut informierte „Mokattam" in Kairo: „Wenn wir die Lage auf Grund unserer bisherigen Erfahrung betrachten, werden wir erkennen, daß keine Veränderung in dem Verhältnis zwischen Ibn Saud und dem Imam Jahja seit vorigem Jahre eingetreten ist, seit der Zeit, da Ibn Saud feilte Herrschaft im Hedschas angetreten hat. Der Imam Jahja hat die neue "Sage, die im Hedschas geschaffen wurde, aneäannt, indem er seinen Vertreter nach Mekka entsandt .hat, um an der .Jnterirationalen Islamischen Konferenz teilzunehnwn, die über die Leitung der Pilgerschaft nach Hedschas unter dem gegenwärtigen Regime der Wahhabiten beraten sollte. Der jemenitische Gesandte hat nicht,'pur nicht gegen die Herrschaft der Wahhabiten im Hedschas, opponiert, sondern wertvolle Geschenke des Imam an Ibn Saud mitgebracht. Ebenso hat Ibn Saud dem Imam Geschenke gesandt. Der Austausch von Geschenken gilt bei den Arabern als- ein- Zeichen der Freundschaft und des Friedens. Auch die Morte der beiden arabischen Herrscher, die sie der Abordnung geantwortet haben, die im vorigen Sommer Mekka und Sanaa besucht hat (es. bezieht sich dies auf die-von dem Aegypter Ahmed Seki Pascha geführte Delegation, die den Frieden zwischen Ibn Saud und dem Imam festigen wollte) geben Zengins davon, daß ihre Absicht der Friede und nicht der Krieg ist." Dazu sammt noch, daß ein Krieg zwischen den beiden arabischen Staaten den europäischen Mächten den Anlaß geben könnte, sich in die innerarabischen Verhältnisse einzumengen.
△ Elberfeld, 8. Febr. (Priv.-Tel.) Der Wahlkreisvorstand der Deutschen Demokratischer! Partei im Wahlkreis Düsseldorf-Ost sprach der Reichstagsfraktion einstimmig sein Vertrauen aus, dankte für ihre Haltung während der letzten Regierungskrise und billigte insbesondere einmütig das Fernbleiben von bet Regierung des antiliberalen Rechtsblocks.
Die Debatte über die Thronrede. - Die Grklarmrrg iister die Mckstaltrtrrg der ffiy
Schanghai vestimmren Truppe«.
(Draht Meldung unseres Korresvondenten.)
IS K. London, 9. Febr. Die von Baldwin bei der Debatte der Thronrede abgegebene höchst bemerkenswerte Erklärung über die von dem britischen Kabinett in der Frage der T r u p- pensendungen festgelegte Politik machte im Unterhause stärksten Eindruck und, wie der „Manchester Guardian" sich ausbrückt, wurde die Bestimmtheit, mit der der Premierminister dem Unterhaus das Kabinettsprotokoll vorlas, allgemein anerkannt. Da eine solch wichtige Mitteilung bereits den Parteiführern vorher bekannt gegeben wurde, erklärt sich die Zurückhaltung Macdonalds bei feiner Kritik an den Regierungsmaßnahmen unschwer. In einem Leitartikel erklärt der „Manchester Guardian", daß die sorgfältige Vorbereitung der sehr beruhigenden Erklärung klar beweise, daß die englisch en Truppen nicht in Schanghai landen und überhaupt nicht über Honkong hinausfahren werden, ausgenommen im Falle, daß her englische Vertreter in Schanghai die Anwesenheit der Truppen zum Schutze des Lebens der britischen Untertanen als unerläßlich bezeichne. „Der Premierminister", so sagt der „Manchester Guardian", „hat somit ein weites Schlupfloch offen gelassen, durch welches die.Regierung, ohne ihre Prinzipien in der militärischen Verteidigung preisgeben zu müssen, eine tatsächliche Landung der englischen Truppen in Schanghai vermeiden kann. Diese Entscheidung sollte Tschen, wenn er weitere Schwierigkeiten zu vermeiden und nicht neue zu schaffen wünscht, eine gute Gelegenheit geben, von seiner eigenen Versicherung unbehindert zu bleiben, wonach) er kein Abkommen unter Druck unterzeichnen werde." Der „Manchester Guardian" stellt weiter fest, daß dieenglische Politiknun mit deramerikanischeninjederBeziehungparal- lel gehe, und wenn die amerikanischen Marinetruppen auf den Philippinen und die englischen bei Honkong stehen, so seien beide etwa gleichweit von Schanghai entfernt.
Die Entwicklung ist nicht überraschend. Sie bestätigt klar, daß die eigentliche Absicht der Truppensendungen tatsächlich darin bestand, sozusagen die Distanz zwischen Englaird und Chnra zu verringern, und daß es der Regierung darauf ankam, Truppen in der Nähe zu haben, falls es zum Aeußersten kommen sollte und zwar deshalb, weil, wie Baldwin gestern von neuem erklärte, die Räumung Schanghais schon aus technischen Gründen nicht durchführbar sei. Diejenigen, die für den Lärm, mit der die Truppensendungen vorgenommen wurden, verantwortlich sind, haben am meisten dazu beigetragen, daß England sich den Tadel des Auslandes zuzog,, wie auch inzwischen London dies einzusehen gelernt hat. Die Richt- ' Knien des Kabinetts sind keineswegs erst neuesten Datums und beruhen, wie Reuter bestätigt, auf. den formellen persönlichen Verhandlungen zwischen Tschen und O'Malley, die am Montag wieder ausgenommen wurden und zwar zweifellos im Hinblick auf jene, im Kabinettsbeschluß erkennbare englische Absicht. Eine andere Frage, die zweifellos noch schwieriger ist als die militärische, ist .der Gegensatz zwischen den Kantonesen und Tschang Tso-liir, der inzwischen nicht geringer, sondern, wie Tschang Tso-lin neulich erklärte, eher noch größer geworden Ist/ Die englische Regierung beharrt auf der Auffassung, daß sie die Konzessionen, die sie den Kantonesen anbietet, auch den Alachthavern des Nordens machen müsse, während Tschen den Standpunkt vertritt, daß nur die KaNtonesen die wahren Repräsentanten Chinas seien und daß die Vorschläge nur .an sie .zu. richten , feien.
Die DeVolMou iu Portugal. .
Madrid, 9. Febr. (United Preß.) Nach Meldungen, die in Vigo von der portugiesischen Nordgrenze eingetroffen sind, wurden die aufständischen Truppenkontingente, die die Grenzfestung Valenca verließen und südwärts zum Entsatz der in Oporto belagerten Rebellen marschierten, von loyalen Truppen der Garnison von Braga abgefangen, zurückgesch lagen und vollkommen auseinandergetrieben. Die Reste der aufständischen Truppen flüchtete n in voller Auflösung über die internationale Minhobrücke auf spanisches Gebiet, wo sie von der Gendarmerie entwaffnet wurden. Der Bahnverkehr in Portugal ist, wie gemeldet wird, noch immer eingestellt.
Madrid, 9. Febr. (Wolff.) Nachrichten, die um Mitternacht hier eintrafen, bestätigen, daß der portugiesische Kriegsminister gestern um 3 Uhr nachmittags Oporto mit . regierungstreuen Truppen besetzt hat.
Paris, 9. Febr. (Wolfs.) Nach einer Washingtoner Meldung des „New Fork Herold" ist gestern abend im Staatsdepartement die Nachricht eingegangen, daß her amerikanische Gesandte in Portugal die Gesandtschaft in Lissabon verlassen habe.
I Das ArbsiLslreschaffmtgsprogramm der Reichsbahn.
(Privattelegramm der „Frankfurter Zeitung".)
T Berlin, 9. Febr. Im Zusammenhang mit den Erörterungen im volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags über die Arbeitsbeschaffung wurde auch von einer Seite der Vorwurf erhoben, daß die Reichsbahn die Kredite, die ihr das Reich gewährt habe, nicht in befriedigendem Umfange für die Beschaffung von Arbeit verwendet habe.
Dazu wird von der Reichsbahn-Gesellschaft mitgeteilt:
Die Reichsbahn Hal vom Reich ton Jahre 1926 drei Kredite erhalten:
1. 1 0 y M i l l i o n e n Mark im März 1926 gegen Hingabe von 107 Millionen Mark Vorzugsaktien. Das gesamte Geld ist verausgabt, und zwar 15 Millionen Mark für Oberbau, 3 Mill. Mk. für Brücken, 6 Mill. Mk. für Bahnanlagen, 12 Mill. Mark für größere Bauten, 34 Mill. M. für Zug- und Stoßvor- richtiingen, 5 Mill. Mk. für Verbesserung an Fahrzeugen, 25 Mill. Mark für Beschaffung von Fahrzeugen, zusammen 100 Mill. Mk
2. Kredit von 100 Mill. Mark im Rahmen der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im August 1926. Von diesem Kredit sind der Reichsbahn aus finanziellen Gründen bisher nur übergeben worden 58 Mill. Alk. Der Reichsfinanz- miniftcr hat das Ersuchen an die Reichsbahn gestellt, auf die Bereitstellung der übrigen Mittel vorläufig zu verzichten. Die Reichsbahn führt trotzdem im Interesse der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit das für diesen Kredit in Aussicht genommene Beschaffungs- programul durch. Es sind bisher verausgabt 85 Mill. Mk., die übrigen 15 Millionen Mark werden bis Mitte März ausgegeben feilt. Diese Mittel, die also zu über 40 Prozent aus Geldern der Reichsbahn stammen, finden folgende Verwendung: 30 Mill. Mik. für Gleis umbau, 35 Mill. Mk. für Fahrzeugverbesserung, 15 Mill. Mar? für Bauten, 20 Mill. Mk. für Elektrifizierung der Berliner Stadtbahn, zusammen 100 Millionen Diark.
•3. Ein dritter Kredit wurde vom Reich in Höhe von 54 Millionen Mark zur Fortführung von 16 stillgelegten Bahn- bauten im August 1926 in Aussicht gestellt. Die Verwendung dieser Mittel kann selbstverständlich nur etappenweise erfolgen, da ein Bahnbau nur Schritt für Schritt vorwärts geht. Bis zum 31. März 1927 werden 10 Mill. Mk. verausgabt fein, bis zum 31. März 1928 weitere 30 Mill. Mk. Die Reichsbahn drängt ihre Arbeitsstellen, die Bauten aufs möglichste zu beschleunigen. Falls die Bauten schneller fertiggestellt werden, kommt auch die frühere Bereitstellung von Mitteln in Frage. Die langsamere Verwendung der Mittel hängt mit den ganz besonderen Umständen bei Bahnbauten zusammen.
4. Ueber dieses Arbeitsbeschaffungsprogramm hinaus hat erst kürzlich die Reichsbahn Aufträge für Fahrzeuge in Höhe von 65 Mill. Mk. herausgegeben Für Elektrifizierung und sonstige Bauten wird die Herausgabe von hunderten Millionen crfolg-etr müssen, die geeignet find, den Arbeitsmarkt stark zu belebet:. •
Mo Dispositionen des Reichstags.
(Privattelegramm der „g ranjfurter Zeitun g".)
Berlin, 9. Febr. Der Aelttstenrat des Reichstags beschloß in seiner heutigen Sitzung, die k o m.m unistische Interpellation über die Angelegenheit-ides' Reichsministers des Innern Dr. v. Keudell und das kommunistische Mißtrauensvotum gegen diesen Minister auf die Tagesordnung der Freitagssitzung zu fetzen unter der Voraussetzung, daß der Reichskanzler dann in der Lage st' u werde, die. Interpellation zu beantworten. Am morgigen Donnerstag soll in einer kurzen Sitzung neben dem Rest der heutigen Tagesordnung der kommunistische Antrag über die Amnestie f r a ge n: -jur Beratung gelangen. Von Samstag ab bleibt eä bei der vorgesehen«! kurzen Pa n f c in den Plenarsitzungen bis zum nächsten Mittwoch.
Dann wird die erste Lesung des Reichshaushalts- p la n s mit dem Finanzausgleich beginnen. Die Verhandlungen werden eingeleitet durch die Etat rede des neuen Reichsfinanzministers Dr. Köhler.
Repttftiik und Meichsmehe.
# Göttingen, 8. Febr. In einer großen öffentlichen Versammlung der Demokratischen Pattei sprach gestern Reichstags abgeordneter Dr. Haas über die Republik und die Regierung. Wenn die Deutschnationalen meinten, in der Gegenwart die Republik als notwendiges Uebel anerkannen zu müssen, gleichzeitig aber für die zukünftige, Monarchie agitieren zu dürfen, so müsse man einem derartigen Streben, das nur halbe und unaufrichtige Charaktere Züchte, schärfsten Widerstand entgegensetzen. Bei dem Streit um die Reichswehr handele es sich nicht um die Frage: Pazifismus ober Nicht-Pazifismus, sondern darum, ob die Reichswehr politisch und militärisch genügend für den Schutz der Republik gefestigt ist. Zum Neichswehrminister G e ß l e r hat die Deutsche Demokratische Partei nicht mehr das Vertrauen, daß er heute noch die Stärke besitzt. wirklich republikanisch in der Reichswehr zu wirken. Das System der Zeitfreiwilligen in der Reichswehr war nicht nur politisch gefährlich, sondern auch militärisch dumm, weil es gerade die Gegner der Republik mit den Waffen ausbildete und die Schlagkraft der Reichswehr für die Republik in ungeheurem Umfang schwächte.
Dis dsrchch-PBÜttschs Spemmmg.
(P r iv a 11 ele g r am m der „Frankfurter Zeitung".)'
Hf Beuchen (Oberschles.), 9. Febr. Die Berliner Meldung über eine ernstliche Gefährdung der Handelsvertragsverhand- lungen mit Deutschland hat in ostoberschlesischen Industrie- kreisen niederschmetternd gewirkt. Gerade im Hinblick darauf, daß der beabsichtigte Beitritt Polens zum internationalen Stahlkarfell erst dann für die oberschlesische Industrie Vorteile hat, wenn ein Handelsvertrag mit Deutschland abgeschlossen ist, glaubte man, daß man von polnischer Seite alles daran setzen würde, zu einem baldigen Abschluß eines Handelsvertrags zu kommen. Der rigorosen Politik des Woiwoden Dr. Grazhnski, der die Ausweisungen deutscher Reichsangehöriger kaum ohne Wissen der Zentralregierung ausgesprochen hat, wird ausschließlich die Ursache der Krise in den Verhandlungen zugeschrieben.
Die- Au s g e w ie s e n e n, vier höhere fScanrten dee Schlesischen Kleinbahn-Aktiengesellschaft in Kattowitz, haben gestern Oberschlesten verlassen müssen. Infolge der gereizten Spannung in den hiesigen Kreisen wird jede Hoffnung auf den Abschluß eines Handelsvertrages mit Deutschland in diesem Jahre aufgegeben. Viel bemerkt wird, daß auch die sozialdemokratische .Presse in Deutschland eine . den Polen weniger freundliche Haltung entnimmt, was seit dem Uebersall aus den Führer der deutschen Sozialisten in Polnisch-Ober- schlesien Kowoll zu verzeichnen ist. ,
Warschau, 9. Febr. (Wolfs.) Gelegentlich der gestrigen Aussprache im polnischen Landtage über den Haushalt des ‘.fianbeß» und Jndustrieministeriums kam Handelsminister K w i a t k°o w s k i auf die Frage des Abschlusses eines deutsch-polnischen Handelsvertrages zu sprechen. Der Minister gab der Meinung Ausdruck, daß der Zollkrieg die polnische Produktion nicht erschüttert hätte. Polen nehme keinen Handelsvertrag an, bei dem nicht der Grundsatz des Gleichgewichts der Zugeständnisse und die polnischen grundsätzlichen Forderungen berücksichtigt werden. Wir sind bereit, so fuhr der Minister fort, jederzeit den Zollkrieg zu beendigen. Niemals aber werden wir uns zu einer .Waffenstr ecküng verstehen.
Zusammenstoß non Zug und Auto.
Zieht Reisende des Zuges verletzt.
(Privattelegramm der „Frankfurter Zeitung'.))
•V. Heidelberg, 9. Febr. Aus Eppelheim wird berichtet, daß heute früh, um 7.20 Uhr das Lastauto der Baufirma Jakob Müller in Eppelheim am . Bahnübergang von dem aus S ch w e tz i n g e n kommenden Personenzug überfahren und zettrümmett wurdet Das Auto ging sofort in Flammen auf. Von den drei Insassen erlitt der Chauffeur schwere Arm- und Kopfverletzungen, während der Schwiegersohn des Autobesttzers so schwer verletzt wurde, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Zu bemerken: ist, daß die Wegkreuzung, wo das Unglück geschah, k e i ne S ch r a n k e hat, denn diese wurde vor einem halben Jahre abgeschafft. Eisenbahn- amtlich wird noch zu dein Unfall mitgeteilt, daß der Ausstoß des Autos, zwischen der Lokomotive und dem ersten besetzten Personenwagen vierter Klasse erfolgte. Außer den Verletzten im Kraftwagen würden 'noch acht Reisende des Zuges leichter durch Fuß-,. Beinoder Armquetschungen verletzt. Sämtliche Verletzte wurden mit Sanitätsautos zur Heidelberger Klinik gebracht. Der Materialschaden am Zuge ist unbedeutend. D.ie Untersuchung ist eingeleitet und.muß noch klären, wem die Schuld an diesem schweren Unfall zuzuschreiben ist.
Anstzfttch «etter Unricherr ttt MMelamertka?
Managua (Nicaragua), 9. Febr. (United Preß.) Wie hier verlautet, droht Guatemala die diplomatischen Beziehungen zu Niearagua abzubrechen. Der Gesandte von Guatemala, Jose Esteban Sanchez, hat Managua in größter Eile verlassen. Nach von. der Grenze von Honduras kommenden Meldungen wird dort jeden Augenblick der Ausbruch einer Revolution erwartet.
Programm sirr Donnerstag, bett 10.
von Ernst
Edison.
(Er wird 80 Jahre.)
Von John Hewett, Schenectadh, N. U.
Die meisten großen Gelehrten haben eine klassische Erziehung genossen und sind gut geschulte Mathematiker. E d i - so ns Mutter war Leyrerin und ihr Einfluß auf den Sohn stark und andauernd, aber der ganze reguläre Schulunterricht, den er genossen hat, bestand in drei Monaten Gemeindeschule in Port Huron. Er war nie ein Mathematiker, und mit seiner ursprünglichen Philosophie argumentierte er: „Ich kann immer ein paar Mathematiker anstellen, aber sie können mich nicht anstellen." Der Mathematiker absorbiert, der Erfinder erzeugt. Und wenn wir diese zwei großen Gaben, den mathematischen Geist und die schöpferische Kraft, in einem Gehirn bereinigt vor uns haben, so haben wir das, was der Welt als großen Gelehrten oder Philosophen anzuerkennen gefällt. Auch hier wieder ist Edison einzigartig — er ist ein großer wissenschaftlicher Erfinder ohne die Hilfe der Mathematik. Das zwingt ihn, eigene Methoden anzuwenden, und diese sind so zeugungskräftig, daß es zu seinen liebsten Mußebeschästigungen gehört, sich mit Dingen zu beschäftigen, die seine klassisch gerichteten Kollegen als unausführbar hingestellt haben.
Er experimentierte, bevor er lesen konnte, und verdiente Geld, während er arbeitete unb sich selber erzog. Als er sechs Jahre alt war, sah er eine Gans auf ihren Eiern, sitzen und beobachtete das Ergebnis. Bald danach war er verschwunden, und nach einer längeren Suche sand man ihn in der Scheune, aus einem Nest eigener Konstruktion sitzend, das mit Gänse- unb Hühnereiern gefüllt war! Eines seiner anbern Experimente, ein paar Jahre später, als er etwa zehn Jahre alt war. verrät zweifellos die wissenschaftliche Wißbegierde: er ^«nlafite einen Jungen, große Mengen von Seidlitzpulver jsdoppelkohlensaures Natron) zu schlucken in der festen Ueberzeugung, daß das dabei erzeugte Gas es diesem möglich macken würde zu fliegen. Der Erfolg war durchschlagend.'
Nicht durch gelehrte Freundschaften und durch Verkehr mit hervorragenden Geistern gewann er seinen Kontakt mit der Arbeit und den Gedanken anderer, sondern durch alles verschlingendes Lesen unb burch den Kamps mit der rauhen Wirklichkeit. Er verkaufte Zeitungen im Eisenbahnzuge, nicht weil er zu armen Leuten gehörte, sondern weil es ihn in die Lage versetzte, Apparate, Materialien, Bücher, Zeitschriften
unb Zeitungen zu kaufen, nm seine Studien zu fördern. Seine Art zu lesen unterschied sich von der anderer wie Tag unb Nacht. Er hatte als Knabe Zutritt zu einer Bibliothek, er warf sich auf eine ganze Abteilung unb las Buch um Buch, unbekümmert um den Inhalt. Selbst von dem Knaben Edison hieß es, er könne „das Herz aus einem Buche herausrcißen". Er las ungeheure Mengen und behielt alles, was nützlich war. Man erzählt von ihm, daß er nie von einer Tatsache las ober hörte, ohne bcS: Bedürfnis zu haben, sie am Experiment zu prüfen — das echt wissenschaftliche Verhalten dem Leben gegenüber.
An Stelle des ■ großen und kostbaren Lehrmittelapparates, den manche das Vorrecht haben für ihre Schulung zu benützen, war Edisons Apparat, von ihm selbst angefertigt. Er suchte die Stadt nach Flaschen ab, gab sein Erspartes dafür aus, sie mit Chemikalien (zu füllen, unb etikettierte sie — zweihunbert verschiedene Flaschen — samt und sonders mit „Gift", unbekümmert um ihren Inhalt, um andere davon abzuhalfen, sie anzurühren. Sein erstes Laboratorium war im Keller seiner Mutter, und er hatte alle feine Ueberredungskunst aufzubieten für die Erlaubnis, sich dort aufzuhalten. Sein zweites Labv- ratorium. mar ein außer Dienst gesetzter Eisenbahnwagen für Raucher — außer Dienst gesetzt, weil nicht ventiliert — in dem Zuge) in dem er Zeitungen verkaufte. Hier passierte ihm eines der Mißgeschicke seines jungen Lebens: er verschüttete Phosphor, weil der Zug schleuderte, unb setzte ben Zug in Flammen. -Er wurde mit seinen Habseligkeiten an irgendeiner Haltestelle hipausbefördert unb bekam bei bieser Gelegenheit Von bem Zugführer, eine so furchtbare Ohrfeige, baß sein Gehör dauernd ernst geschädigt wurde. Er hat diese Verletzung stets von der philosophischen Seite genommen. — Das alles geschah, als Edison noch ein Junge war.
-K
Während Edison Zeitungsjunge war, fing er an, sich für die ' Elektrizität zu interessieren. Er war mit dem Eisenbahntelegraphen vertraut. Batterien waren kostspielig, unb jo versuchte er, .mit Reibungselektrizität das Telegraphm- shstem zu betreiben, das er aus Ofenrohrdraht, Flaschenisolatoren, mit Lappen isoliertem Magnetdraht unb dergleichen zusammengebaut hatte. Er hatte keine Reibungselektrisiermaschine, unb: so benutzte er bie Hauskatze. Die Haupt- schwierigkeit war, daß die Katze sich gegen das heftige Reiben wehrte und schneller laufen konnte als Edison.
Nachdem Edison seine Heimat verlassen hatte, verbrachte er viele arbeitsreiche Jahre im mittleren Westen als Telegraphist. Er reifte von Ort zu Ort, wo erÄrbeit finden konnte,
i unb währenb der ganzen Zeit hörte er niemals auf zu experimentieren, wo er nur bie Gelegenheit bazu fanb:
So oft Edison Gelb verbiente, gab er alles auf Untersuchungen und Experimente aus, ausgenommen das, was er für seinen Lebensunterhalt brauchte. Sein erster großer Triumph als Erfinder war seine Erfindung des Börsen- telegraphen, bie ihm 40000 Dollar brachte. Er hatte bie Absicht, zwischen 3000 unb 5000 zu fordern, bat ■ gber General Liffert um ein Angebot. „Als mir 40 000 vorgeschla- gen wurden," sagt Edison, „brachte mich das einer Ohnmacht so nahe wie nur jemals. Ich fürchtete, er würde, mein Herz schlagen hören." Dieses Geld setzte Edison endgültig in bie Sage, seine Laufbahn als Erfinder anzutreten; viel davon gab er auf seine jetzt berühmten Erfindungen aus,, die automatische Zweifach- und Vier f a ch tel e g r a p h ie. Iah Gould zahlte für feinen Jnteressenanteil an dem Vierfachtele- graphen 30 000 Dollar. Das Geld ging wieder auf Versuche hin unb namentlich auf bie Entwicklung von Erfindungen in Verbindung mit dem Telephon, dem Motorschreiber unb bem Mikrophon. Für seine Arbeit am Telephon bekam er. sein jetzt berühmtes „Telephongelb". Er bekam 100 000 Dollar für feinen Kohlentransmitter, unb zwar gab er ihn auf bas Angebot hin unter der Bedingung, daß ihm nicht alles auf einmal gezahlt würde, sondern siebzehn Jahre lang (d. h. während der Patentdauer) 6000 Dollar jährlich. Er wußte, er würde das ganze Geld für Versuche verbrauchen, wenn er es auf einmal bekäme, und wollte das verhindern.
*
Edison gab sein ganzes Geld für Versuche aus und ein Teil davon verschaffte uns den P h o n o g r a pH e n, die Erfindung, die seinen Namen in der ganzen Welt berühmt machte. Entgegen dem allgemeinen Glauben verdankte der Phonograph seine Anfänge nicht einem Zufall, sondern er war das Ergebnis reiner Ueberlegung, die von Versuchen mit einem automatischen Telegraphen ihren Ausgang nahm, der Punkte und Striche in einen Papierstreifen einprägte. Edison be=' obachtete, daß ein musikalischer Ton entstand, wenn der Sttei- fen unter der Spitze entlang lief. In einem historischen Notiz- buche findet sich eine von 1877 datierte Bemerkung: „Soeben Versuch an einer Membran mit Prägespitze, die gegen sehr rasch bewegtes paraffiniertes Papier gehalten wird. Die Schwingung wird sauber eingedrückt, ohne Zweifel werde ich imstande fein, die menschliche Stimme aufzuspeichern und nach Belieben später zu reproduzieren."
♦
Einige von Edisons größten Arbeiten überschnitten einander. Während er noch am Phonographen arbeitete, studierte
er das reizvollste Problem der damaligen Zeit, das elektro s ch e L i ch t. Im Jahre 1809 hatte Sir Humphrey D a v y in der Royal Jnstttution einen intensiven Lichtbogen zwischen Kohlenstäben gezeigt mit einer Batterie von 2000 Zellen als Energiequelle. Im Jahre 1835 warf Faraday elektrisches Licht aus dem Voltabogen von den Leuchtfeuern von South Foreland hinüber nach Dover. Von 1850 an entwickelte sich die Bogenlampe unb bie Dynamomaschine mit rapider Geschwindigkeit, und 1878 war die Bogenlampenindusttie Wirklichkeit geworben.
Im Anfang bieser neuen Beleuchtungsära beruhte der modns operandi auf dem Verbrauche von irgenb etwas (gewöhnlich Kohle) in einer ber Lust zugänglichen Lampe. Jede Lampe, die die Welt bisher gesehen hatte, war so. Edison fing feine Versuche mit Lampen derselben Art an und angeblich hat er den Flammenbogeu bereits 1875 vorweggenommen. Bei der Beschäftigung mit dem Beleuchtungsproblem kam er zu der Ueberzeugung, daß die Beleuchtung von Häusern unb geschlossenen Räumen das gegebene Feld für das künstliche Licht sei und daß ein kaufmännisch erfolgreiches System alles das bieten müsse, was ein Gasbelmchtungsshstem bietet, und daß ein erfolgreiches elektrisches Licht für diesen Zweck eine Lampe sein müsse, bie ihr Licht beim Glühen gäbe. Nach zahllosen Versuchen in den verschiedensten Richtungen kam Edison zu der Entscheidung: bie Lösung des Problems. ber Unterteilung des elektrischen Lichtes oder vielmehr bei Unterteilung bes elektrischen Stromkreises liegt in ber Erzeugung einer Glühlampe von großem Widerstände mit kleiner strahlender Oberfläche. Die Arbeit, die er nun zu leisten hatte, um die Aufgabe zu lösen, beanspruchte Jahre, und man könnte sie vollständig nur in etlichen Bänden beschreiben. Um ein geeignetes Material für den Faden zu finden,. verkohlte er über 6000 verschiedene Formen vegetabilischer Herkunft, und er hatte 40 000 Dollar ausgegeben, ehe er einen Faden erzielte, der 40 Stunden brannte. Edison schloß seinen Faden in eine hermetisch geschlossene Glasglocke ein, so daß er sein Vakuum ausrechterhalten konnte, unb es wird alle, bie etwas von ber Herstellung ber modernen elektrischen Lampen unb der vielen Formen von Elekttonenröhren und Ventile« wissen, interessieren, daß schon Edison den Wert eines hole« Vakuums erkannte unb ben Vorteil, den man aus ber Erhitzung des Fadens zog, während die Glaskugel ausgepumpt wurde. In biesem frühen Stadium sammelte er durch baS Experiment auch reichliche Erfahrungen über die Wirkung der zurückbleibenden Gase.
Die Forschungsarbeit, die Edison leistete, als er dieses ganze Beleuchtungssystem entwickelte, umschloß eine Fülle von

