Erstes Morgerrblatt der Frankfurter Zettimg

DsuuerStag, 19. Mai 1927

ec.

aufsetze, glaube ich zu fliegen.

Heinrich Hauser.

der der

Die Frage der UölKerrechtsverletzangen im Weltkrieg

Der Bericht des Vorsitzenden des Untersuchungsausschußes Dr. Kell an das Plenum.

, Im übrigen nahm der Ausschuß für die besetzten Gebiete ein­stimmig einen A n t r a g an, wonach die bisherige Unter­stützung der Saar- und Elsaß-Gänger ungekürzt fortgeführt und keine Aenderung darin eintreten solle, ohne daß vorher ein Einvernehmen mit dem Ausschuß für die besetzten Ge­biete herbeigeführt sei. Eine Entschließung des Reichskabinetts in dieser Frage steht kurz bevor.

Dienstdauervorschriften, und zwar wird eine Verkürzung Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden gefordert.

Die Grsrrsforrds für Osten und Westen.

(Privattelegramm derFrankfurter Z e i t u n g*.)

Barlin, 18. Mai. De« Reichstagsausschuß für Ost fragen behandelte heute die Grenzfonds. In längerer Aus­sprache, in deren Verlauf ein kommunistischer Antrag, neben den 25 Millionen Mark für das Ostprogramm weitere 25 Millionen Mark mit der speziellen Festlegung der Verteilung für die Ost­gebiete als NotstandJäktion aus Reichsmitteln zu bewilligen, ab- gelehnt wurde, kam zum Ausdruck, daß den Ostgebieten unbe­dingt geholfen werden müsse. Von allen Parteien mit Aus­nahme der Kommunisten wurde eine Entschließung des Zentrums angenommen, worin der Ost-Ausschuß einmütig feiner Enttäu­schung darüber Ausdruck gebt, daß sein ursprünglicher Antrag, 25 Millionen Reichsmark für den unter den Folgen der Grenz­ziehung besonders schwer leidenden Osten zu bewilligen, nicht An- imhme gefunden hat. Nunmehr spreche er einmütig die feste Er­wartung aus, daß der im Etat 1927 ausgeworfene Betrag von 25 Millionen Mark für wirtschaftlich und kulturell besonders bedrohte Grenzgebiete, nachdem 10 Millionen Reichs­mark für die Länder Bayern, Baden und Sachsen abgezweigt worden seien, entsprechend der Entstehungsgeschichte des Fonds und in gerechter Würdigung der besonderen Notlage des Ostens nur für die östlichen Grenzgebiete einschließlich Schleswigs be­stimmt werde.

Außerdem brachte der Ausschuß eine bereits Im Februar an­genommene Entschließung in Erinnerung, worin die Reichsrezieruug ersucht "wurde, doch vor der Bewilligung der im Etat 1927 ausgeworfenen Mittel im Benehmen mit der preußischen Regierung ein zusammenhängendes Pro­gramm dem Reichstag vorzulegen, aus dem ersichtlich ist, wie die wirtschaftliche und kulturelle Sicherung und Stützung der gefährdeten Ostmark (Grenzprovinzen Ostpreußen, Pommern, Grenzmark Niederschlesten, Oberschlesien) in den kommenden Jähren beabsichtigt wird.

Gleichzeitig tagte der Reichstagsausschuß für die besetzten Gebiete, der sich ebenfalls mit dem 25 Millionen- Fonds für die Grenzgebiete beschäftigte. Auch diesem Ausschuß lag eine Entschließung deS Zentrums vor, die aber im Gegensatz zu dem im Ostausschuß aufgestellten Verlangen forderte, daß der 25 Millionen-Fonds unter entsprechender Berücksichtigung des Westens paritätisch verteilt werde. Aueh diese Zentrums- entschließung wurde angenommen. Staatssekretär Schmid vom Neichsministerium für die besetzten Gebiete teilte im Zusammen­hang damit mit, daß sich das Ministerium dafür einsetzen werde, daß dem Westen ein angemessener Betrag zufalle. Bisher seien noch keine endgültigen Entschließungen über die Verteilung des Fonds getroffen.

Arbeit zu verrichten, als mitgeschlepptes, nutzloses Gewicht zu sein, das den Piloten nur im Steigen hemmt.

Wir fliegen und kreisen über der Stadt. Böen haben sich aufgemacht,und da wir niedrig fliegen, nur 100 Meter über den Dächern, spüren wir das Heben und Senken, die harten Stöße, als führe man im Auto über große Steine hinweg. Wir kreisen um den Dom, wir kreisen um die mittleren Turm­spitzen, die hohen Türme sind noch 60 Meter höher als wir. Das ist etwas unheimlich. Wir sind so nahe, daß man jede Verwitterung der Steine erkennen kann, daß man die Aten- schen auf den Straßen durchaus nicht etwa wie Ameisen stehen sieht, sondern mindestens wie Stteichhölzer, daß die riesige Wölbung des Bahnhofs wie eine ungeheure Schildkröte ganz nahe bei uns ist.

Ich werfe Flugblätter. Ich muß sagen, daß ich es durch­aus mit Eile und mit Energie betreibe, denn fliegt ein Bün­del hinter in die Steuerung, dann kann alles mögliche passieren. Man reißt also die Bündel auf, quetscht 100 oder 200 in der Hand zusammen und wirft mit aller Kraft nach unten, daß die Steuerung nicht getroffen werden kann. Ich arbeite so intensiv, daß ich lieber gar nicht auf die Straßen sehe, ich werfe nach dem Nicken des Piloten, der bester be­urteilen kann, wie der Wind die losen Blätter treiben wird. Uebrigens ist es nicht nett von dem Piloten, daß er so lange ausgerechnet über einem Friedhof freist. Lustwellen steigen ans dem Rhein, hart und bibrierenb wie ein lang- gespanntes Seil, das man schüttelt. Und der Wind pfeift in der Karosserie, reißt mir Flugblätter aus beit Bündeln unb treibt sie hinten in bie Steuerung. Ich halte fest mit Händen und Füßen, was festzuhalten ist, die Zettel umflattern mich wie Krähen, denen man die Nester ausgenommen hat, gefähr­lich, lästig, aber es geschieht nichts.

Die Sonne geht unter, Regenwände stehen übet dem Rhein nach Düsteldorf; wir landen glatt.

Eine leichte Betäubung, Dröhnen der Motore liegt wie Watte auf dem Trommelfell, das Gleichgewicht ist immer noch nicht ganz zur Erde zurückgekehrt. Wenn ich eine gelbe Brille

Das Regierimgsjirdilairm König Alfons XIII

Madrid, 18. Mai. (Wolff.) Aus Anlaß heS 2 5. JahreS- tageä bet Krönung Alfons XIII. fand gestern in der Kapelle des königlichen Palais ein Gottesdienst statt, an dem die königliche Familie, die Regierung und zahlreiche andere hervor­ragende Persönlichkeiten teilnahmen. Am Nachmittag wurde im Thronsaal ein allgemeiner Empfang für das diplomatische Korps, Abordnungen der Armee und Marine, das Personal der Mini­sterien und anderer staatlichen Behörden sowie für Korporationen aller Art veranstaltet. Der Nuntius überreichte dem König ein Handschreiben des Papstes, in dem dieser seine herzlichen Glück­wünsche aussprach.

Keilrgmtg der griechische» Regierungskrise.

Athen, 18. Mai. (Europapreß.) Nach längeren Verhandlungen ist es gelungen, die seit etwa Biene^n Tagen latente Krise im griechischen Kabinett zu beheben. Minister P o l i t i s wird als griechischer Gesandter nach Paris gehen, die nament­liche Liste der wiedereinzustellenden Offiziere wird einer neuerlichen Revision durch den Kriegsminister unterzogen werden und die Neu­besetzung der vakanten Präfektenposten durch Kandidaten aller der Regierung angehörenden Parteien vorgenommen. Ministerpräsident Z a i m i s erklärte, daß sämtliche Differenzen, die seit einigen Wochen innerhalb der Regierung bestanden hätten, end­gültig behoben feien.

Dir Lage iu Chi»».

Schanghai, 18. Mai. (Wolff.) Mehrere Kreuzer der Flotte Tschang Tuug-ffchangs beschießen die von de» chinesischen Südtruppen besetzten Forts von W u s u u g an de« Jangtse­mündung, die das Feuer erwidern. Ms die Beschießung begann flüchteten fünf Zerstörer der Südpartei eilig flußaufwärts.

Hankau, 18. Mai. (Wolff.) Die L a g e ist hier gespannter geworden, da weitere Truppenabteilungen aus verschiedenen Rich­tungen nach der Stadt marschieren. Diejenigen Chinesen,.bie über die nötigen Geldmittel verfügen, i,erlassen die Stadt. Diese wird von den Truppen der zwei gegnerijchen Parteien bedroht, die von Westen und Süden herannahen und 96 bzw. 24 Kilometer ent­fernt sind.

Falschmeldung?

(Privattelegramm derFrankfurter Zeitung*.)

Berlin, 18. Mai. Zu der Meldung, daß das in dem Gebäude der Arcos in London gesuchte Dokument angeblich einen englisch-französischen Aufmarschplan gegen Deutschland unb Rußland darstelle, wird von den hiesigen zuständigen Stellen erklärt, daß ihnen von einem derartigen Plan nicht das Geringstebekannt sei. Wan hält die Existenz eines solchen Planes aber auch für sehr unwahrscheinlich. Da der Ursprung des Gerüchts ziemlich deutlich ist, war die Meldung ohnehin von vornherein verdächtig.

Die Arbeitszeit der irsr Gisendahn.

(Privattelegramm der ..Frankfurter Zeitung'.)

H- Berlin, 18. Mai. Bei der Reichsbahnhauptverwaltung finden am Dienstag nächster Woche Verhandlungen mit den Vertretern der Eisenbahnergewerkschaften über bie Neurege-

Grn guter Republikaner.

kP riv at t e I e g r a m m der ..Frankfurter Zeitung'.)

H- Berlin, 18. Mai. Der Reichsverkehrs mini st er Dr. Koch, ber der Deutschnationalen Partei angehört und bei der gestrigen Schlußabstimmung über das Nepublikschuh- gesetz gefehlt hat, legt Wert darauf festzustellen, daß er durch wichtige Besprechungen fest gehalten worden sei, so daß er bie Abstimmung versäumte.

Diese Feststellung ist sehr interessant, denn Koch hätte als Minister natürlich mit Ja gestimmt. Wie mögen sich die deutschnationalen Wähler über einen Minister freuen, der so großes Gewicht darauf legt, als guter Republikaner zu er­scheinen!

nach der Stadt Köln, in der Hoffnung, daß sie niemals Kime, in ber Hoffnung, daß dieser Flug ewig dauern könnte.

Da aber war schon Köln. Es lag in einem tollen Licht aus Dunst und Sonne, aus blinkendem Wasser und aus Schiefer­dächern. Wir streiften feinen Rand und freisten über dem Flug­platz. Da geschah etwas sehr Merkwürdiges, etwas, was ich keineswegs sofort begriff. Es begann damit, baß die Erde uns entgegenkam, sehr schnell, unb baß sie sich plötzlich wieder von uns abwandte, daß etwas wie eine breite weiche Hand, nein, zwei Hände da waren, von denen die eine mich von unten trug, die zweite mich aber sanft und fest hineinstauchte in meinen Sitz, und dann vollführten plötzlich Häuser eine ganz unwirkliche Bewegung, und ich sah h e r a u f zu diesen Häusern.

Das hatte weiter nichts zu bedeuten, der Pilot hatte nur ein Looping gedreht, ich begriff es, wie gesagt, erst h ist ier- h c r. Dann aber begriff ich besser, die Erde stieg wie ein Lift und begann zu kreiseln; wir standen nach wie vor fest in der Luft, aber bie Flügel hingen senkrecht nach unten unb ich hatte bas unsichere Geftihl, auf dem Bauch liegend aus einem Bodenfenster zu sehen. Gleichzeitig verschoben sich die Gewichte. Man empfand bas Gewicht des Motors plötzlich als eine Last, die ganz unkonttollierbar, imausbclanciert zu tragen war, etwa so, wie wenn ein überladenes Boot zu kentern droht.

Plötzlich aber warf sich die Steuerung gegen die Gewichte, wie die Schultern eines Lastträgers stemmte die Maschine, drehte sie um, wagrecht.

Wir landeten. Traurig der Moment, wo uns die Erde wieder faßt, wenn die Schwanzfläche sich rückwärts senkt unb ber Stahlsporn wie ein Schlittschuh heftig schurrend eine Furche durch die Grasnarbe reißt.

Eine nach dem anderen kam vom Himmel herab, mir war's, «ckS wären's Engel.

Und während sie noch über die Erde rollten, stand neben jedem schon ein grüner Polizist, der sagte: «Bitte, Ihren Führerschein." Die Erde ist allein schon schwer. Aber in diefcm Augenblick verdoppelten sechs grüne Polizisten ihr Gewicht.

Köln, 16. Mai, 6.30 p. ra.

seines vollausgewachsenen Kollegen.

Uerrmschte Nachrichten.

Ans Mett rrnd Leven.

Der Metterrvart ans dem KSrrtis.

Die Hochtouristen, die im Hochsommer die sehr lohnende Tour auf den Säntiz unternehmen, der Wetterwarte, bie wie eine phan­tastische Burg den Gipfel bekrönt, entgegen, und nach Bewältigung des langen, schließlich steil ansteigenden Firnfeldes die Herrlich­keiten begrüßen, die der ^beneidenswerte" Wetterwart tagtäglich genießen kann, ahnen nicht, in welcher furchtbaren Einsamkeit das Leben dieseshöchsten" Beamten im Winter dahingeht. diesen Tagen ist, tote dieNeue Zürcher Zeitung" berichtet, ber vielgeprüfte Wetterwart auf Stiern ins Tal abgefahren, um sich von den Entbehrungen der langen Wintermonate ein paar Wochen unter Menschen zu erholen. Der Wetterwart be­richtete über einen außerordentlich strengen und beschwer­lichen Berg Winter. Wochenlang vom gewaltigsten Schnee- sturm, der bei großer Kälte wütete, umbraust, völlig eingeschneit, mußte er sich einen Tunnel durch den Schnee graben, um zu den im Freien stehenden Apparaten des Observatoriums zu gelangen. Während fünf Wochen war der Berggipfel vom dichtesten Gewölle umlagert, sodag bei der g-ringen Lichtzusuhr das Leben wie in der Nacht dahinschlich. Wenn die Stürme die Telephon- und Tele­graphenleitungen zerrissen hatten, saß er ohnejebe Verbindung mit der Welt. Bei den großen Gefahren des Schneetreibens wagte sich der Säntisträger, dessen Ankunft jeweils ein großes Ereignis bedeutet, auch nicht mehr hindurch. Während der Ostertage er­blickte der Wetterwart durch das Fernrohr zwei Touristen, chwarze Punkte, im tiefen Schnee, die den Versuch machten inrchznkommen, aber als sie die große Lebensgefahr, in der sie schwebten, erkannt hatten, wieder den Rückweg antraten. Monate­lang nährte sich der Wetterwart nur von Konserven. Seine Arbeit und die Einsamkeit teilte er mit seiner Frau. Und die einzige Annehmlichkeit für ihn war, wenn er zuweilen, von atmosphärischen Störungen unbelästigt, am Radio einen Gruß aus der Welt unter dem Nebel empfing. Wd.

Gin Meltreisender auf Unterschriften.

Dieser Tage erschien in Brüssel, wie uns unser dortiger U-Korrespondent schreibt, ein Herr Fritz Hauptmann, ge­bürtig aus Südtirol, der sämtliche belgischen Minister um ihre .Unterschriften ersuchte unb sie von ihnen auch erhielt. Fritz .Haupt­mann erzählte einem Journalisten feine Laufbahn und seine Ab- ichten. Ein Jahr vor dem Krieg verließ er achtzehnjährig sein Heimatland und fuhr als Matrose kreuz und quer durch die Weit. In einem Museum überkam ihn plötzlich der Gedanke, selbst eine Sammlung besonderer Art anzulegen, die ihm Überdies ein inter­essantes freies Leben ermöglichen sollte. Hauptmann hatte sich ent­schlossen, ein Album mit den Unterschriften sämtlicher berühmten Zeitgenossen anzulegen. Nach dem Krieg durchstreifte er fünf Jahre lang die Welt und hatte schon die Schriftzüge der hervor­ragenden Asiaten, Europäer und Amerikaner eingesammelt, da fällt er in die Hände eines tripolitanischen Araberftammes, der ihn Ttr einen italienischen Spion nimmt und ihn umbringen will. Zu guter Letzt rettet ihn eine vorbeiziehende türkische Karawane, aber teilt Album ist verloren. Unverdrossen fängt er seine Arbeit von neuem an; den er hofft, am Ende ein Museum ober einen reichen Amerikaner zu finden, der ihm das Buch für viel Geld Mause und ihm so die Möglichkeit zum Beginn philosophischer Studien eröffne. Vielleicht will er auch feine Abenteuer schreiben, wer weiß. Bis jetzt hat er Süd- und Osteuropa, Kleinasien, Indien und den Fernen Osten aufnotieren lassen. Tie feindlichen Generale Chinas und die Weisen Indiens haben ihre Schriftzüge neben die des Reichspräsidenten Hindenburg unb Prof. Einsteins gesetzt; von Belgien aus wendet er sich nach Frankreich unb hofft dort ans reiche Ausbeute. In einem Jahr will et sein Werk vollbracht haben. Auf bie Frage, wovon er denn lebe und reife, antwortete er, er habe immer unter den Menschen, bie er aussnchte, genügend gesunden, die ihm Untersttitznng zukommen ließen. Die Tiroler sind lustig...

lang berArbeitszeit statt. Die Forderungen ber Eisen, bahnergewerkschasten zielen auf eine Verkürzung '

Wir starten, heute zum zweiten Mal. Ich habe in bett Gurten, in ber Jacke, unterm Sitz und unter dm Füßen dicke Bündel von Flugblättern liegen; bie soll ich ab werfen über ber Stabt. Es ist viel schöner mitzufliegen unb dabei eine

jemals werden. Eine Auseinandersetzung zwischen Reich und Preußen würde vielleicht überhaupt nicht nötig sein, wenn in ab­sehbarer Zeit damit zu rechnen wäre, daß die staatsrechtliche Halb­heit im Verhältnis zwischen Reich und Ländern, die die Weimarer Verfassung geschaffen hat, sich in der Richtung auf den natio­nalen Einheitsstaat weiterentwickeln würde, denn in diesem Falle würde ja das gesamte Staatseigentum Preußens nut Aufgehen Preußens in diesen Einheitsstaat in das Eigentum des Reiches bzw. der weiteren Kommunalverbände, aus denen es be­stehen würde, übergehen. Aber wenn auch der jetzige Zustand der Halbheit auf die Dauer nicht bestehen bleibe« sann, und wenn eine Rückentwicklung im Sinne des früheren Föderalismus allein schon deslmlb ausgeschlossen erscheint, weil die erste Voraussetzung dafür die Wiederherstellung der Steuerhoheit der Länder und damit die Auslösung der Reichsfinanzverwaltung sein müßte, eine Mas^ nähme, die ernstlich nicht mehr in Betracht kommen kann, w ist doch andererseits nicht zu beurteilen, wann Der im Gang befindliche Entwicklungsprozeß zum Einheitsstaat zum Ziele führen wird; ja cs besteht auch keine hundertprozentige Sicherheit, ob das überhaupt einmal der Fall sei« wird. Nur in diesem Falle aber könnte Preußen auf seine Forderungen und aus die gesamte, im Vorstehenden aus- einandergelegtc Auseinandersetzung zwischen ihm und bem Reich verzichten unb die auch von ihm bedauerten Meinuugsverfchiedeu- heiten, die sich daraus ergeben, vermeiden.

Die preußische Regierung glaubt für sich in Anspruch nehmen zu können, daß sie in den schwierigsten Zeiten und unter der ver­schiedensten Zusammensetzung beider Regierungen d c in R eiche stets treu zur Seite gestanden ha!. und daß Preu­ßen die stärkste Stütze des Reiches war und bleiben wird. Wenn schon für alle Länder der Grundsatz maßgebend sein muß, letzten Endes^das Reich über alles zu stellen, so gilt das besonders für das Land, das für sich allein mehr als bie Hälfte des ganzen Reiches darstellt. Im Sinne dieses Grundsatzes hat die preußische Regierung sogar in Fällen, wo eine einseitige Vertretung rein preußischer Interessen vielleicht eine andere Stellung hätte geboten erscheinen lassen, das Reich unterstützt. Aber eine derartige Hal­tung ist auf die Dauer nur durchführbar, wenn sie auf Gegen­seitigkeit beruht. In dieser Hinsicht ist nach. Ansicht ber preußischen Regierung in der Vergangenheit vom Reich nicht immer mit der Großzügigkeit vorgegangen worden, mit der allein Fragen der vorstehend erörterten Art zu lösen sind, und die nach ihrer ganzen Haltung bie preußische Regierung zu erwarten berechtigt war.

Die Genfer MirL^chnfLstngnng.

(Drahtmeldung der »Frankfurter Zeitung'.)

tg Genf, 18. Mai. Wie es ganz natürlich ist, sind einzelne Vertreter der sozialdemokratischen Gruppe und der Sotojetdelegation bei der Wirtschaftskonferenz schon flüher miteinander in Fühlung getreten, und gestern kam es, wie wir vernehmen, durch Vermittlung einer außerhalb der Delega­tionen stehenden Persönlichkeit zu einer Zusammenkunft mehrerer Führer und Vertreter der beiden Gruppen. Die Aus­sprache hattet jedoch rein persönlichen Charakter. Für bie sozial­demokratische Delegiertengruppe besteht, wie man uns sagt, ein Beschluß zu recht, keine offiziellen Verhandlungen irgendwelcher Art mit der Sotojetdelegation zu suchen.

Nach zwei strengen Arbeitstagen können die meisten Delegierten der Wirtschaftskonferenz heute etwas ausruheu, da während des ganzn Tages nur der Unterausschuß für die Ka r t e l l f ra g e n der Jndustriekommifflon und ein Redaktionskomitee der Handelsdelegation Sitzungen abhalten. Man rechnet damit, daß in der Kartellfrage noch heute eine Einigung zu­stande kommt und morgen die Vollsitzung der Jndustriekommis- sion stattfinden kann, ebenso wie die Vollsitzung ber Handelskom- mission, in der nur noch die Rückwirkung hoher Zölle auf die Kriegsschuldenzahlung zu formulieren ist. Hierzu vernimmt man, daß die Franzosen nicht meljr. recht mit­machen wollen. Am Freitag wird dann der AuSgleichSauS- schuß (der Konserenzpräsident, die Vizepräsidenten sowie die KommiffionSvorsitzenden unb Berichterstatter) die Entschließungen miteinander in Uebereinstimmung zu bringen haben, woraus am Samstag die Konferenz wieder mit ihren Plenarsitzungen beginnen dürfte, für die man drei Tage in Aussicht nimmt, so daß die Konferenz am nächsten Dienstag wird zu Ende gehen können.

Dsr UoLizsihund.

ö Vcünchen, 11. Maß

lieber die Führerfähigkeit ber Hunde hat -der Bah- rifdjc Landesverband für Polizei- und Schutzhundevereine jüngst bei München Versuche angestellt, an denen sich .zahlreiche Hundesührcr aus allen Teilen des Reiches beteiligtem Das Ergebnis hat ge­zeigt, daß die Erwartungen, die auf die polizeiliche Ermittlung^- tatigkeit der Hunde gefetzt werben, nicht allzu hoch gefpanpt Werben dürfen. Keiner der Hunde hat die geforderten Fähigkeiten bewiesen. Es gelang weder baS Äusarbeitcn einer vier-, noch weniger bas Ausarbeiten einet etwa 14 Stunden alten Spur. Der beste Erfolg würbe erzielt bei den Versuchen mit Anzeigen von Witterungsübereinstimmungen. Hier erhielten acht Männer, die mit Nummern versehen waren, neue Waschklain- mern, die seit Wochen in einem Säckchen verschlossen traten, so daß sie mit keines Menschen Hano in Berührung kamen. Jeder Mim schrieb seine Nummer auf die Klammer, die er bann in die Tasche steckte Nach einer bestimmten Frist marschierten die acht Männet los und legten die Klammern in kurzen Abständen nieder. Jeder Hund hatte Witterung an einem der Männer zu nehmen und sollte bann die von diesem ausgelegte Klammer bringen. Der Schäfer­hundIto von Zickelstein", Berlin, schaffte zweimal die richtige Klammer herbei.

Kchnlpolixei Amerika.

Auf Grund deS Wirkens des Nationalen Sicherheitsrates wird jetzt in Amerika, wie wir demManchester Guardian" entnehmen, eine Schulpolizei gebildet, bereit Ausgabe es ist, Schulkinder, die in verkehrsreichen Stadtteilen aus bet Schule kommen, in ihre schützende Obhut zu nehmen. Dieser Gedanke ist bereits von Sielen amerikanischen Städten aufgegriffen worden unb breitet sich immer mehr aus. Aeltere Schüler werden von ihren Mitschülern dazu atisersehen, alsPolizeibeamte" tätig zu fein. Nach genügendem Unterricht in bet Verkehrsregelung werben bann diese älteren Schüler von bett betreffenden Behörden offiziell anerkannt. Die jugendlichen Schutzleute im wörtlichsten Sinne des Begriffes tra­gen Uniformmühe und Abzeichen und sind sehr stolz auf ihre Ver­antwortung. Wenn die Kinder aus der Schule kommen, formieren sie sich zu einer Doppelreihe und dürfen die Hauptstraßen nur an näher bezeichneten Stellen kreuzen. Dort tut der Kinderschutzmam seine Pflicht. Mit einer Signalkelle gibt er die ZeichenFahri oberHalt". Dem Zeichen des Schulschutznmnus hat der amerika­nische Autofahrer zu gehorchen gelernt, genau so wie dem Zeichen

=fe. Berlin, 18. Mai. (Priv.-Tel.) Der ehemalige kominumstychr Landtagsabgeordnete Max Dörr, ber zu bret Mouaten Gefängnis verurteilt worben ist, hat den zuständigen Bezirksbürgermeifter.ge­beten, bis zur Revision seines Prozesses von jeÄien Obliegenheiten als unbesoldeter Stadtrat bcS Bezirksamtes ent« bunden zu werden.

.V. Halle, 18. Mai. (Priv.-Tel.) Auf ber Strecke Ruhland- Lauchhammer wurde heute früh am schrankenlosen Sahnübergang das Lastauto eines GemüsehäitdletZ aus Großenhain vor Zuge erfaßt und vollständig zertrümmert. Von den vtet Insassen waten drei sofort toi.

X Koblenz, 16. Mai. (Priv.-Tel.) Gestern nachmittag wutt- in der Nähe des Katthäuser HofeS ein dort bedienstetes.junge» At ä d ch e n von zwei französischen Soldaten überfall»!. Auf die Hilferufe des Mädchens wurden durch herbeieileM Deutsche die Soldaten verscheucht. Nach den Tätern wird geforscht.

« München, 16. Mai. (Priv.-Tel.) Geh. Rat Dr. Karl v. Rasp, der frühere langjährige Leiter bet Bayerischen VersicherungSdam, ist 78 Iahte alt, an einem schweren Zuckerleiden in Nymphenbukg gestorben. Rasp war ursprünglich als Kommunalbeanitet w> Dienst ber Stadt München, ging bann in den Staatsdienst über um leitete lange das Statistifche Büro. Er hat das Bayerische tistische Jahrbuch begründet. 1898 wurde er an ber BayensoM Hypotheken- und Wechselbank Direktor ber Versichetungsabteilmig- die später zu einem eigenen Institut ausgebaut wurde und detm Generaldirektor er dann bis 1923 wat. Et hat mannigfache mmeiu schaftliche Arbeiten, besonders Kommentare zu den deutschen sichetungSgesetzen verfaßt und den Deutschen Verein für BerM- rungSwtssenfchaft geleitet. ,

dt Wien. 16. Mai. (Priv.-Tel.) Der frühere Bibliothekar«« ber Wiener Universität, Universitätsbibliothekar Pros. Wolhan, eilt geschätzter Germanist, dessen Forschungen bei"!' betS auch der Literatur feiner sudetendeuifchen Heimat galten, v> im 67. Lebensjahr gestorben.

h Budapest, 16. Mai. (Priv.-Tel.) Die por einigen Tag« gemeldeten Unter schleife bei F le i f dj li c f er u it fl.c für die hiesigen Universitätskliniken ziehe nimmer weitete- Krciie ES wurde eintoanbfret festgestellt, daß auch bei allen übrigen ferungen für die Universität große Unterschleife vorgekommeu stu. Außer den bisher erfolgten sechs Verhaftungen sind heute aum der erste Direktor des Uu iv ersit ät s-WirtschastSrateS Bela und EM und der Oberrechnungsrat Theodor Ftischseld fe ft ge nomine worden. Die Unterrichtsverwaltung wird zur Untersuchung f Affäre einen RegierungÄommissär entsenden, da noch weitere W reiche Verhaftungen von Lieferanten und Beamten bevorstehen.

London, 18. Mai. (Wolff.) Währ«d einer von ber Um»' hängigen Arbeiterpartei in Glasgow einberufenen VerfammW» stürzte plötzlich ein Teil des Fußbodens des Saales ein. ZwanM Personen wurden verletzt.

New York, 18. Alai. (Wolff.) Nach einer Meldung bet W ciateb Preß wurde der Deutsch-Amerikaner Paul Fürsten wegc° Erschießung seiner Geliebten durch den elektrischen Stu?

(Drahtbericht b er ,

=£ Berlin, 18. Adai. In der heutigen Reichstagssitzung er­stattete der Abg. Minister a. D. Dr. Bell als Vorsitzender des 20. (Untersuchungs-) Ausschusses an das Plenum den Bericht über die Ergebnisse des 3. Unterausschussses zu der Frage der Völkerrcchtsverletzungen im Weltkrieg. Bell führte aus:

Der Bericht erstreckte sich auf die Tätigkeit des dritten Unter- aitsschusfes des ant 20. August 1919 von der Nationalversamm­lung eingesetzten und seitdem vom Reichstag bestätigten sogenann­tengroßen parlamentarisch enUntersuchungs- a ns schuss es". Ter dritte Unterausschuß hatte zu prüfen:

Ob in der militärischen unb wirtschaft­lichen Kriegsführung Maßnahmen angeordnet ober gcbulbct worden sind, die Vorschriften beS Völker­rechts" verletzt haben oder über die militärische unb wirtschaftliche Notwendigkeit hinaus grausam und hart touren."

Der Ausschuß sah seine Ausgaben nicht darin, einzelne Be­schwerden nachzuprüfen, oder dem Auslande einedeutsche Gegen­liste" zu überreichen, vielmehr die Maßnahmen der Regierungen und militärischen Kommandostellen der kriegführenden Mächte daraufhin zu prüfen, wieweit der Wille, die völkerrechtlichen Bestimungen einzuhalten und Zuwiderhandlungen abzustellcn, bet den kriegführenden Mächten vorhanden war. Tas auslän­dische Material dafür lag nur lückenhaft vor. Der Ausschuß hofft, daß die früher feindlichen Regierungen durch seine Anregung zur Woiterbearbeitung der aufgeworfenen Fragen ver­anlaßt werden. Es wäre erwünscht, wenn die oft von Deutsch­land angeregte

internationale Prüfung

der von sämtlichen kriegführenden Parteien vorgebrachten Beschwer­den über Verletzungen des Völkerrechts in nicht zu ferner Zeit zu­stande käme. Die einleitende Untersuchung über die Maßnahmen, welche bie verschiedenen Regierungen, auch die deutsche, getroffen Haden, um bie Kenntnis ber Haager Landkriegsord­nung bei ihren Völkern durchzusetzen, ergab, daß man sich im all­gemeinen mit dem wörtlichen Abdruck der LandkriegSordnung be­gnügt hat, ohne im Unterricht der Offizere und Mannschaften viel Zeit auf das Thema zu verwenden. Die Verletzung der belgischen Neutralität durch den deutschen Einmarsch 1914 hat ber 3. Unterausschuß, weil ihm baS tatsächliche Mate­rial vom 1. Unterausschuß noch nicht bargeboten ist, bis jetzt nicht abschließenb behandelt. Im Laufe dieses Jahres wird die Frage zur Erledigung kommen. Hinsichtlich des

belgischen Volkskrieges

kam der Ausschuß zu dem Ergebnis, daß die militärischen Hand­lungen ber belgischen Bevölkerung gegen das deutsche Heer weder den Haager Vorschriften über den organisierten noch über den unorganisierten Volkskrieg ganz entsprochen haben.

Ob bie Deportation belgischer Arbeiter im Jahre 1916 unb 1917 (ca. 70 000) grundsätzlich völkerrechtswidrig war ober nicht, läßt die Mehrheit des Ausschusses unent­schieden, die Minderheit bejaht die Völker- re chtswidrigkeit. Mißstände in der Ausführung und Un- znträglichkeiten im Anfang bes AufenthalktS bet Deportierten in Deutschland sind einstimmig festgestellt. Der Unterseeboot­krieg ist als Repressalie gegen die völkerrechtswidrige englische Blockade für völkerrechtlich zulässig erklärt. Dies gilt auch vom uneingeschränkten U-Bootkrieg. Das Recht zu

Angriffen ans der Lust

auf alles, was als Kraftquelle der feindlichen Kriegführung gelten

Zerstörungsmaßnahmen

bei den deutschen Rückzügen 1917 und 1918

erfolgten, toie eidliche Bekundungen ergaben, aus rein mili­tärischen Erwägungen. Ob bie militärische Notwendig­keit in jedem Einzelfall tatsächlich vorlag, konnte nicht mehr ge­prüft werden, die Zerstörungen beim Rückzug auf die Hindenburg- stellung beschränkten sich auf eine Zone unmittelbar vor der neuen Linie. Beim Rückzug ans Belgien unb Nordsramreich 1918 wurden Bergwerke unter Tag nur so lange zerstört, als mit einem Fortgang beS Krieges bis 1919 gerechnet wurde; bann nur noch über Tag unb mit der Annäherung an ben Waffenstillstanb in immer ge­ringerem Ausmaß.

Am Schluß seiner Ausführungen erklärte Bell:Ich glaube der Hoffnung Ausdruck geben zu sollen, daß das Werk des Ausschusses, der von dem Bestreben strenger Sachlichkeit geleitet war, dazu bei­tragen werde, der zukünftigen Geschichtsforschung die Fest­stellung der historischen Wahrheit über Völkerrechts- Verletzungen im Weltkriege zu ermöglichen, möge cs vor allem aber ber Gemeinschaftsarbeit der Kulturnationen gelingen, aus den Er­fahrungen des Weltkrieges die zeitgemäße Neubildung des Völkerrechts auf ber Grundlage der Gerechtigkeit unb ber Humanität zu verwirklichen."

Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall.

Die Dispositionen des Landtags.

(Privattelegramm der ..Frankfurter Zeitung'.)

Berlin, 18. Mai. Der Aeltcstenrat des preußischen Landtags beschloß, die Pf i n gft f e r ie n bis zum 19. Juni auszudehnen. Am 20. Juni will daSHaus bann bis 3um 2. Juli noch Plenar­sitzungen abhalten. Nach Erledigung ber zweiten Beratung der Landgemeindeorbnung soll am 28- Juni bie Städteorbnung unb die Landgemeindeordnung noch zur dritten Be­ratung gestellt werden. Außerdem sollen noch von größeren Ge­setzen die Entwürfe über baS Unterelbegebiet und über das neue Polizeibeamtengesetz verabschiedet werden. Die großen Ferien sollen bis zum 11. Oktober dauern.

Zur geplanten Erhöhung der Postgebühren.

(Privattelegramm ber »Frankfurter Zeitung".!

Berlin, 18. Mai. Die Vcrkehrskom Mission der Industrie -und Handelskammer hat in ihrer gestrigen Sitzung die Vorlage der Postverwaltung wegen Erhöhung der Portosätze einer eingehenden Beratung unterzogen, wobei einmütig die Auffassung zum Ausdruck tarn, daß die Erhöhung der Ge­bühren in dem geplanten Umfange eine sehr schwere Bela­stung dafftelle unb von weiten Kreisen ber Wirtschaft als u n - erträglich empfunden werden müsse. Es sei deshalb dem V-^- waltuiigsrat ber Reichspost eine scharfe Durchprüfung bes Vor­anschlages dahin zu empfehlen, ob nicht eine wesentliche Ersparnis an Ausgaben und eine günstigere Veranschlagung bet Einnahmen möglich fei, um die Erhöhung der Gebühren, wenn nicht ganz zu vermeiden, so doch auf ein erträgliches Maß herabzumindeni. Am diese Weise müsse erreicht werden, daß mit einer Erhöhung von durchschnittlich 20 Prozent auszukommen fei, was als Höchst­maß von ber Wirtschaft allenfalls getragen werben könne.

Im einzelnen sprach sich die Kommission für möglichste Erhaltung des 10 Pfennig-BriesportoS und für unbedingte Schonung der dem Werbeverkehr dienenden Sendungen (Druck­sachen, Warenproben) aus. Im Telegramm verkehr wurde im Fernverkehr statt Erhöhung ber Wortgebühr bie Einführung einer Grundgebühr empfohlen. Die Konnnission widerriet ferner die zu starke Belastung des Postscheckverkehrs, dessen Unterbilanz eher durch Erhöhung ber Stammeinlage auSzu- gleichen sei, und außerdem den Wegfall der Päckchen, die durch Erhöhung der kleinen Beträge erkaufte Ermäßigung der Past- anweifungSgebühr für höhere Beträge und empfahl im Paket- Verkehr zwecks Ausgleichs von Erhöhungen die Einschaltung einer fünften Zone.

Frankfurter Zeitung'.)

kann, ist festgestellt. Angriffe aus Londoner Arsenale, Docks usw., die Kriegsmaterial enthielten, waren bemnach berechtigt. Die Londoner City wurde, obgleich sich Arsenale in ihr ober in unmittelbarer Nähe befanden, nur an Sonntagen oder nachts, d. b- wenn sie menschenleer war, beschossen, von Paris wurden auch Stadtteile ohne militärische Anlagen ober Vorräte nach mehrfacher Androhung als Repressalie gegen die Beschießung offener mili­tärisch bedeutungsloser deutscher Orte ohne ttgendwelche mili- tärischen Vorräte, so lange ans der Lust beschossen, bis der Zweck der Repressalie erfüllt war. Der deutsche Gaskrieg entsprach, abgesehen von der Verwendung der Grün- und Gelbkreuzgranaten, dem Völkerrecht. Diese wurden erst verwendet, nachdem das franzö­sische Heer mit völkerrechtswidrigen Gaskampsmitteln vorange- gangcit war.

Die Gefangenenbehandlimg entsprach an der Front bei keinem Heer ganz den Forderungen des Völkerrechts.

In den Lagern in Deutschland entsprach die Behandlung dem deutschen Militärrecht, die Verpflegung den durch die englische Blockade verschlechterten Verhältnissen. Die viel besprochenen M i ß- handlungen im Sennelager haben sich als unwahr erwiesen. Die Fleckfieberepidemie wurde, sobald sie erkannt war, mit aller Hingebung des Sanitätspersonals bekämpft. Im Wirt­schaftskrieg standen sich kontinentale Auffassung, die das Privateigentum unb die privaten Rechte für unantastbar hält, und englisches common law mit seiner radikaleren Kriegsauffassung, die daß Privateigentum und die privaten Rechte vom militärischen Zugriff nicht auSnimmt, gegenüber. Der Ausschuß hält bie allge­meine Durchsetzung der kontinentalen Auf­fassung für eine Aufgabe ber Weiterbilbung des Völkerrechtes.

In der

Behandlung der Hospitalschiffe

ist von Heiden Seiten in einzelnen Fällen gegen das Völkerrecht verstoßen. Nachdem Flaggenmißbrauch bei Deutschlands Geg­nern erwiesen mar, durfte Deutschland Sperrzonen einführen. Eine Fahrstraße für wirkliche Hospitalschisfe wurde freigelassen. Im Mittelmeer begleiteten spanische Offiziere die Hospitalschisfe der Entente, worin Deutschland eine hinreichende Bürgschaft gegen Flaggenmißbrauch erblickte.

Die