Nr. 14. VI. Jahrgang, 192.4.

Frankfurt a. M., 4. Juli

DAS TECHNISCHE MATT

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Benzin.

Von Dr. H. Hofer.

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Abb. 1. Bohrtürme in Californien.

Abb. 2. Raffinerie und Tankanlagen in Vernon U. 8. A.

Fabrikations würde nicht den Bedarf kanischen

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zylindrischc Destillierblase geleitet, welche dann langsam durch direkte Feuerung entweder mit Kohlen oder mit Heizöl erwärmt wird. Je nach dem Benzingehalt des Rohöls, der dessen spezi­fisches Gewicht beeinflußt, beginnt nun der Roh­stoff zu sieden, wobei die leichten benzinhaltigen Bestandteile zuerst verdampfen. Der Dampf ver­läßt die Blase durch eine Rohrleitung und wird dann in einem Condensor nach Hindurchleitung

listen zu befriedigen. Die Produktion muß deshalb vergrößert werden, in­dem man Destillations­benzin mischt, und zwar mit dem Benzin, das beim Craken schwererer Oelfraktionen gewonnen wird, und mit den flüssigen Kohlenwasserstoffen, die man dem Naturgas entzieht. Aus diesen beiden .Quellen zusammen werden ungefähr 30 v. H. des amerikanischen Benzins hergestellt. Ueber 475 Millionen Gallonen Benzin werden jährlich aus Naturgas gewonnen. Weniger zuverlässige Sta­tistiken sind hinsichtlich des Crakens vorhanden, doch, ist es wahrscheinlich, daß 20—25 v. H. des amerikanischen Benzins auf diesem Wege produ­ziert werden.

Der zum Zwecke der Spaltung hochmoleku­larer und hochsiedender Kohlenwasserstoffe in niedrigmolekulare und niedrigsiedende eingeführte sog, Crakprozeß beruht auf einer Spaltung

welchem Zwecke das Rohbenzin in einen großen, bleigefütterten Behälter (Agitator) geleitet wird. Eine geringe Menge Schwefelsäure wird sodann in den Agitator gebracht und Rohbenzin und Säure möglichst innig gemischt, sei es durch Lufteinblasen vom Beden des Behälters her, sei es durch mecha­nisches Rühren oder Gegenströmung, die mit Pum­pen erzeugt wird. Der Zweck dieses Verfahrens ist die Beseitigung unerwünschter Rückstände, wie gewisser Schwefel- und Stickstoffver­bindungen, und die Verbesserung von Farbe und Geruch. Ist die Mischung genügend lange durchgearbeitet, dann muß sie stehen, bis sich die schwere Säureablagerung als Bodensatz gesetzt hat und abgezogen werden kann. Das ' Produkt wird dann nach einer Wasser­durchspülung mit Aetznatron oder Sodalauge behandelt und darauf noch einmal mit Wasser gereinigt.

Dieses gewaschene Produkt wird nun einer zweiten Destillation (Rekti­fikation).unterzogen, bei der das Heiz­medium Dampf oder direkte Flamme ist. Der Dampf wird entweder in Heiz­schlangen durch den Benzinbehälter geführt oder direkt in das Benzin ein­geleitet, so daß das Benzin mit dem Dampf zusammen nachher kondensiert wird. Die Verwendung von Heiz­schlangen vermeidet, daß das Benzin mit den stark erhitzten Wänden des Destillationsapparätes in Berührung kommt, wie es bei direkter Feuerung der Fall ist und einen unerwünschten Crakprozeß begünstigt. Bei dieser Schlußdestillation können etwa ge­wünschte Siedegrenzen des Produktes herausgeschnitten werden und so die handelsüblichen Mar­ken wie Leichtbenzin, Schwerbenzin, Testben­zin usw. erzielt werden. Zum Schluß des ganzen Fabrikationsvorganges parfümieren die Ameri­kaner allgemein das Produkt mit „Doktor". Die Behandlung besteht in der Zuführung eines kleinen Quantums freien Schwefels und einer Durcharbeitung mit Soda und Bleioxyd. Der Zweck ist die endgültige Entfer­nung gewisser Schwefel­verbindungen. Das jetzt vollständig raffinierte Produkt wird „Straight run gasoline" genannt.

Die hier beschriebene

Unter den Derivaten des Erdöls, wie es heute in der Hauptsache in den Vereinigten Staaten, Mexiko, Britisch - Barma, Rußland, Persien. Borneo. Rumänien und Polen gewonnen wird, nimmt Benzin die beherrschende Stellung ein. Bekanntlich war dies nicht immer so. Vor dem Aufschwung der Automobilindustrie hatte Benzin nur einen geringen kommerziellen Wert, und das Leuchtöl nahm damals die Stellung ein, die sich Benzin im Verlaufe von zwanzig Jahren errungen hat. Zur Entthronung des Petroleums hat aller­dings auch die zunehmende Elektrifi­zierung der Beleuchtung in den Kul­turstaaten beigetragen. Deutschland ist hierfür ein gutes Beispiel. Im Jahre 1913 entfielen noch 58 v H. der deutschen Gesamteinfuhr an Erd­ölderivaten auf Leuchtöl, während dieser Prozentsatz im Jahre 1922 nur noch 25 v. H. betrug. Dagegen war im Jahre 1913 Benzin an der Gesamt­einfuhr mit 19 v. H. beteiligt, wäh­rend im Jahre 1922 dieser Anteil 27

durch ein System wassergekühlter Röhren (De­phlegmator) verdichtet. Mit der zunehmenden Temperaturerhöhung in der Blase wird das Rohöl in steigendem Maße entbenziniert, bis alles Ma­terial, das zur Benzinfabrikation geeignet ist, herausdestilliert und in einem Sammelbecken auf­gefangen ist. Das Destillat des zurückbleibenden höhersiedenden Materials wird je nach Siede­grenze sukzessive in ein Sammelbecken für LeuchtÖl- und Gasölfraktionen abgeleitet.

Das so gewonnene Rohbenzin ist ein unge­reinigtes Material mit sehr weiten Siedegrenzen und daher für den Konsum noch nicht verwend­bar. Es muß zunächst „raffiniert“ werden, zu

v. H. erreichte.

Eine richtige Vorstellung von der ungeheuren Entwicklung der Benzin­fabrikation gewinnt man aber erst an Hand der amerikanischen Produk­tionszahlen. Amerika, das im Jahre 1923 74 v. H. der Rohöl-Weltförde­rung produzierte, hält auch hinsicht­lich der Benzingewinnung den Welt­rekord; Im Jahre 1914 wurden dort 1195 Millionen Gallonen Benzin (1 Gallone Benzin — etwa 2.8 kg) hergestellt, im Jahre 1923 dagegen 7560 Millionen Gallonen. Die Pro­duktion hat sich also in neun Jahren nahezu versiebenfacht. Diese gewaltige Menge ist bedingt durch einen Verbrauch, der sich auf etwa 16 Millionen re­gistrierter Motorfahr­zeuge stützt. Deutschland mit 213 000 Fahrzeugen hat dagegen noch viel nachzüholen, selbst wenn man berücksichtigt, daß Amerika ungefähr dop­pelt soviel Einwohner zählt wie Deutschland. Jeder siebente Amerika­ner ist heute Autobe­sitzer, während Deutsch­land sich auf 280 Ein­wohner nur ein Fahrzeug leisten kann.

Man wird verstehen, daß in einem Land, des­sen Benzinbedarf vor­wiegend importiert wer­den muß, amerikanisches Benzin eine große Rolle spielt. Ist doch der ame­rikanische Benzinexport im Jahre 1923 mengen­mäßig größer gewesen als die Rohölproduktion Polens und Rumäniens zusammen. An der Roh­benzineinfuhr nach Deutschland war Amerika im Jahre 1923 mit 69 v. H., an der Leichtbenzineinfuhr mit 53 v. H. be­teiligt. In diesem Jahr verspricht diese Beteili­gung noch größer zu werden. Der deutsche Auto­mobilfahrer dürfte ein Interesse daran haben zu erfahren, wie der größte Teil des von ihm ver brauchten Benzins entsteht. Es soll daher kurz auf die in Amerika üblichen Fabrikationsmetho­den eingegangen werden.

Die Hauptmenge des amerikanischen Benzins wird im gewöhnlichen direkten Destillations- bezw. Raffinationsprazzß gewonnen. Die erste Destillation geht auf die Herstellung von Rob­be n z i n aus. Das Rohöl wird in eine große