Avimdvkrtt der frankfurter Seitung
Arittwdch, 29. Gktover 1924
Lirb in jeder Beziehung ausgeschoben werden. Alle dahingehenden vorsorglichen Maßnahmen sind in Frankreich getroffen oder werden getroffen werden. Schließlich gilt cs jetzt schon als abgemacht, daß die Nichtintcrvention in die inneren Angelegenheiten di« Regel der Beziehungen zwischen unseren Ländern sein wird.
Die russische Antwort.
Paris, 29. Ott. (Europapreß.) Das Zentralexekutiv- komitee der Union der Sowjetrepubliken Hal <m Herr tot folgendes Telegramm gesandt:
„Das Zentralexekutivkomitee hat mit der größten Genugtuung den Vorschlag der französischen Regierung angenommen, die diplomatischen regelmäßigen Beziehungen zwischen der Union der Sowjetrepubliken und Frankreich durch gegenseitige Entsendung von Botschaftern voll und ganz wieder aufzunehmen und sofort Unterhandlungen zu eröffnen, um die friedlichen Beziehungen zwischen den Völkern der Sowjetunion und Frankreich aufzunehmen. Es drückt sein Vertrauen dazu aus, daß alle Fragen, die im heutigen Telegramm des Ministerpräsidenten der französischen Republik enthalten sind, in voller Uebereinstimmung zwischen den beiden Regierungen und zum größten Vorteil der Sowjetregierung und Frankreich geregelt werden können, da nun einmal der gute Wille sowie der absolute Respekt der gegenseitigen Interessen auf beiden Seiten vorhanden ist."
Das Zentralexekutivkomitee der Sowjetunion legt die größte Bedeutung dem Umstande bei, daß alle Mißverständnisse zwischen der Sowjetunion und Frankreich beseitigt werden und daß zwischen den beiden Ländern ein allgemeines Abkommen abgeschlossen werde, das als feste Gnmdlage für ihre freundschaftlichen Beziehungen gelten kann. Das Komitee läßt sich durch die Bedürfnisse und Sorgen der Sowjetunion leiten, zu einer wirklichen Garantie des allgemeinen Friedens im Interesse des arbeitenden Volkes aller Länder zu gelangen und in Freundschaft mit allen Völkern zu leben. Insbesondere weist das Zentralexekutivkomitee auf den ungeheuren Vorteil hin, der für beide Länder in der Eröffnung enger und dauernder wirtschaftlicher Beziehungen erwachsen wird, wodurch die Entwicklung ihrer produktiven Kräfte und ihres gegenseitigen Handels begünstigt wird.
Gerade wie die französische Regierung ist das Zentralexckutiv- komitce der Ansicht, daß die gegenseitige Nichtintcrvention in dieinneren Angelegen Herten eine nicht unerhebliche Bedingung für die Beziehungen unter allen Staaten im allgemeinen und mit Frankreich im besonderen ist. Es nimmt die friedlichen Erklärungen der französischen Regierung mit Genugtuung entgegen. Indem es Paris als Sitz der Unterhandlungen zwischen der Sowjetunion und Frankreich annimmt, bringt das Zentralexekutivkomitee zur Kenntnis der französischen Regierung, daß es den Rat der Volkskommissäre und das Kommissariat der äußeren Angelegenheiten der Union eingeladen hat, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um ohne Verzögerung Unterhandlungen zu eröffnen, und um diese zu einer friedlichen Lösung der Probleme zu führen, die beide Staaten interessieren. Das Komitee drückt die feste Hoffnung aus, daß die Fragen im Interesse der beiden Länder und des allgemeinen Friedens vollkommen gelöst werden können.
Kalinin, Präsident des Zentralexekutivkomitees, R y k o w, Präsident des Rats der Volkskommissäre, Tschitscherin, Volkskommiffar für äußere Angelegenheiten.
Die französische Presse.
(DrahtMeldung unseres Korrespondenten.)
JLSt Paris, 29. Oktbr. Die gestern erfolgte offizielle Anerkennung der Sowjetregierung durch Frankreich wirv von dem weitaus größten Teil der französischen Press- mit Genugtuung registriert. Selbst die Organe der Rechten haben sich im Großen und Ganzen mit dieser noch vor wenigen Monaten aufs Heftigste bekämpften Initiative des Ministeriums Herriot abgefunden. Wenn man sich auch angesichts der Erfahrungen der anderen Länder hinsichtlich der Gestaltung der künftigen Beziehungen mit Moskau und des Erfolges der angckündigien Vcr- Handlungen über die Regelung der russischen Schulden und der anderen schwebenden Fragen wirtschaftlicher und finanzieller Natur kaum irgendwelchen Illusionen hingibt, so sind doch andererseits die Kommentare frei von jeder Kritik an dem Por- gehcn Herriots. Die russische Note wird als recht vage, jedoch als korrekt und höflich im Ton und in der Form bezeichnet. Wie die Blätter mitteilen, erwartet man an der,hiesigen zuständigen Stelle die Eröffnung der Verhandlungen nicht vor Anfang Januar. Die beiden mit der Führung betrauten Delegationen, die aus je fünf Mitgliedern und etwa 25 Sachverständigen bestehen sollen, werden sranzösischerseits von d e M o n z i e. russischerseits von Rakowsky präsidiert werden. Den Gegenstand der Verhandlungen wird u. n. die Frage der russischen Schulden, die Erneuerung bezw. Modifikation der. früheren Verträge, sowie der Abschluß eines Wirtschafts- und Konsularabkommens bilden. Erst wenn diese Verhandlungen zu einem positiven Ergebnis geführt haben werden, soll von französischer Seite die Wiederaufnahme finanzieller und wirtschaftlicher Beziehungen mit Rußland ins Auge acsaßt werden. Nach dem „Matin" behält sich die französische Regierung u. a. das Recht einer staatlichen Kontrolle über alle ihren Staatsangehörigen in Rußland gegebenenfalls cingeräumtcn Konzessionen vor/da sie die Absicbt habe, einen Teil der daraus fließenden Einnahmen zur Verzinsung und Tilgnng der russische n Schulden heranzuziehcn.
Amerikanische Stimmen.
(Kabeldienstder UnitedPrcß)
Washington, 29. Oktbr. Senator Borah drückte in einem Interview seine Befriedigung über die Anerkennung der Sowjet- rczierung durch Frankreich aus. »Das r / isch- Problem ist überaus schwierig, sagte Borah. Aber ohne freundschaftliche Beziehungen zu Rußland ist die Errichtung des Friedens, die Durchführung der Entwaffnung der Nationen und die Wiederherstellung normaler Verhältnisse unmöglich." Präsident C o o l i d g c, btt ebenfalls über seine Meinung gefragt wurde, weigerte sich, über die durch Frankreich ausgesprochne Anerkennung zu äußern.
Rom, 28. Oktbr. (Wolfs.) In dem Vergwerksgcbict von Süd- Sardinien um Iglesias herum streiken etwa 15000 Bergarbeiter wegen Lohnstreitigkeiten, die durch die Lebensmittelteurung verursacht sind.
Der Wahlaufruf der Deutschiiatlonalen.
(Privattelegramm der „Frankfurter Zeitung".)
ch- Berlin, 28. Oktbr. Ter Wahlaufruf der Deutsch- nationalen Volkspartei, der heute abend erschienen ist, unterscheidet sich in keinem wesentlichen Punkt« von der Hetzepistel, die di« dcutschnational« Fraktion in der vorigen Woche nach der Auflösung bereits herausgegeben hat. Insofern wird also die Hoffnung der Teutschen Volkspartei enttäuscht, die an der ersten Kundgebung der Reichstagsftaktton Anstoß genommen und eine Milderung der Tonart in dem offiziellen Wahlaufruf erwartet hatte.
Der Aufruf selbst wirft zunächst dem Reichspräsidenten vor, daß er, unter Verletzung des demokratischen Prinzips, nach dem 4. Mai die Deutjchnatioualen nicht zur Regierung berufen habe, geht aber sorgfältig um alles, was sich zwischen dem 4. Mai und der Auslösung ereignet hat, herum. Jetzt gilt es, so heißt es weiter, so stark werden, daß wir unseren Eintritt in die Regierung mit dem unserer Stärke und Bedeuiung entsprechenden Einfluß erzwingen. Jetzt naht der große Kamps tag int Reich und in Preußen, der über Schwarzweißrot oder schwarzrotgold en.scheidet. Wir kämpfen für «vchwarzwetgrot!
Zur V e r f a s s u n g s f r a g e heißt es in dem Aufruf, daß die Deurschnationalen die beste Staats form für das deutsche Bott in der „konstitutionellen Erbmonarchie" sehen. Der Volkswille werde zu gegebener Zeit auf gesetzlichem Wege über die Staatsform entscheiden. Als nächstes Ziel sei zu erstreben die Wiederherstellung eines gesunden Föderalismus und die Beseitigung der Alleinherrschaft des Parlaments. Der Versailler Friede mit seiner Versklavung des deutschen Volkes stehe und falle mit öer Lüge von Deutschlands Kriegs- I ch u l d. Sie niederzu'kämpfen sei die Pflicht jeder Reichsregic- rung; diese Frage werde nicht erfüllt, wenn ein Schritt getan und der nächste ängstlich vermieden werde. Sehr scharf wendet sich der Aufruf dann gegen „das pazifistische Gewinsel und das kritiklose Hineindrängen in den Völkerbund".
Vom 29. August wird nichts gesagt. Dagegen liest man: „Die Dawesgc setze sind jetzt bindendes Recht. Ihre Ausführung, die die Notwendigkeit einer Milderung unserer Lasten erweisen wird, verlangt wachsanie, mannhafte Vertretung des deutschen Standpunktes, damit Reich und Volk nicht in wirt- schastlichez Elend versinken und unsere tapferen BRider und Schwestern im besetzten Gebiet endlich wieder die Freiheit erlangen. Wie wir für das ganze Reich und de« deutschen völkischen Geist Bekämpfung der jüdischen Vorherrschaft verlangen, so fordern wir besonders für Preußen, daß der Zustrom der Oftjuden endgültig abgedämmt wird. Deutschland den Deutschen!"
Unter den Einzelforderungen ist das Verlangen nach „paritätischem Schutz für die Industrie und Landwirtschaft" als Be- kenntnis zur Schutzzollpolitik hervorzuheben. Zum Schluß wird d-r Kampf gegen die Sozialdemokratie als wichtig, stes Ziel proklamiert, „gort mit Covering!" heißt es, „fort mit dem gesamten System, das den Geist von Potsdam unter, drückt. _ Eine Bedingung muß allerdings erfüllt werden, es dürfe im „nationalen Lager" keine Zersplitterung herrschen. Am 7. Dezember könne man sich nur für rechts oder links ent- scheidem Rechts stehe Christentum, Vaterland, gesunde Wirtschaft; links Unglaube, revolutionäre Verwirrung und wirt, schaftlicher Ruin. Links sei schwarzrotgold, rechts schwarzweiß, rot. ...
Der Aufruf kehr« am Schluß zu derselben Beschimpfung der verfassnngSmäßig-rn Rei chsfärben zurück, die er sich schon am Anfang geleistet hat. Das ist die Partei, von der Herr Stresemann glaubt, daß ohne sie in Teutfchland nicht regiert werden könne, und der er deshalb mit seinen Anhängern wochenlang nachgelaufen ist, um sie zur ausschlaggebenden Regierungspartei zu machen.
Die Lenk-Parkei.
Cjh Nürnberg, 27. Oktbr. Kommerzienrat Reis mann der Präsident d-r Nürnberger Handelskammer und führendes Mitglied der N a t i o n a l l i b c r a l e n Partei hat, wie er in der Presse Mitteilen läßt, seinen Austritt aus dieser Partei vollzogen. Der Grund ist in der bekannten Erklärung der NationaWeralen Partei zur Frag« der Gemeinde- wahlen zu suchen, in der die Partei jeden Zweifel über ihre Gcsinnungsgemeinschaft mit den Völkischen beseitigt hat. Dem Beispiel Reismanns dürsten sicherem Vernehmen nach noch andere prominente Mitglieder der Nationalliberalen Partei folgen, die ebenso sehr durch di- Art und Weise, wie Dr. Lent sein angcmaßtes Führeramt aufsaßt, wie durch die fachliche Verbrü- derung der Partei mit den rechtsradikalen Gruppen mißgestimmt sind.
Parteitag der Deukschen vo!ksparlei.
ch. Berlin, 29. Oktbr. (Priv.-Tel.) Der diesjährig- Parteitag der Deutschen Volkspartei ist vorverlcgt worden und findet nunmehr am 13. und 14. November in Dortmund statt. Am 13. November tritt der Zentralvorstand zu einer Sitzung Mammen. Am 14. November sind die eigentlichen Parteisitzmigem in deren Mittelpunkt ein Referat des Außenministers Stresemann stehen wird. Der preußische Landtagsabaeordnete Proß Dr. Leidig wird über die Politik in Preußen sprechen. Die ursprünglich für b«n 2- November geplante Sitzung des Z-ntralvorstand-s findet nicht statt.
Die Kandidatur Dr. Strefemauns.
ch Berlin, 28. Oktbr. (Priv.-Tel.) Der Wahlkreis Potsdam II, in dem bisher Rcichsminister Dr Stresemann als Spitzenkandidat für den Reichstag gewählt war, hat durch seinen Vorstand einstimmig beschlossen, Dr. Stresemann auch für diesen Wahlkampf die Spitzenkandtdaiur des Wahlkreises zu übertragen. Dr. Stresemann hat jedoch, wie die „Zeit" mitteilt, mit Rücksicht darauf, daß er für diesen Wahlkampf dem ganzen Reich zur Verfügung stehen will, die ihm übertragene Spltzenkandidatur abgclehnt, da er nur aus der Reichslifte kandidieren möchte.
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Berlin, 29. Oktbr. (Priv.-Tel.) Tie Sozialdemokrat i ich e Partei Hannovers befaßte sich nach Berliner Blattermeldungcn in einer außerordentlichen Generalversammlung mit der Aufstellung der Kandidaten für die bevorstehenden
Wahlen. Leinert ist auf der Landtagsliste, auf der er im Februar 1921 als Spitzenkandidat stand, gestrichen worden. Man nimmt an, daß Leinert nach den Vorgängen in, Hannover auch für den Provinziallandtag als Spitzenkandidat für Goslar- Zellerfeld nicht ausgestellt wird.
ch. Berlin, 29. Oktbr. (Priv.-Tel.) Reichskanzler Marx kandidiert wiederum auf der Dortmunder Zentrumsliste an erster Stelle.
Die Wiesbadener Demokraten.
v Wiesbaden. 29. LLtbr. (Priv.-Tclh Die Deutschdemokratische Partei, die wegen des Verbotes politischer Versammlungen zwei Jahre hindurch nicht mehr hat tagen können, hielt ihre Hauptversammlung ab. Der Besuch war ungewöhnlich stark, der Verlauf der Debatte so frisch und voller Anregungen, daß man den Eindruck hatte, hier öffnen sich die besten Perspektiven für den Wahlkampf. Nach dem er- üssncnden Referat des Rektors H e l b i g wurde die konsequenteste Vertretung der demokratischen Prinzipien, die jetzt nach dem Ausscheiden der zu Kompromissen nach rechts, allzu sehr geneigten Fraktionsmitglieder flarer ermöglichte Einstellung aus das bestimmte Ziel des Schutzes der Republik als Taktik für den Wahlkampf bezeichnet. Die Wiederherstellung bet Koalition v o n Weimar müsse das Ziel sein. Auch müsse man wünschen, dah Vertreter des besetzten Gebietes an der Spitze der Kand datcn- listen stehen. Die Haltung der Partei erkenne man als richtig an. nur hätte die Fraktion schon früher die klare Entscheidung treffen müssen, als das Anlehmingsbedürfnis der Volkspartel die katastrophale Lage schuf. Nach dem Geschöltsbericht hat mau gute Fortschritte besonders im Rheingau erzielt. Ein. Rückgang der Mitgliederzahl der Partei ist im Bezirk nicht etngetreten. Zu Vorsitzenden wurden gewählt Rektor Helbig, Regie- rungsrat Dr. Müller und Architekt HDencr.
Neue Jlot des attbesehten Gebiets.
y Limburg, 29. Oktober.
Die Räumung des Ruhrgebiets hat eine schwere Beunruhigung für die Bevölkerung des Koblenzer Brückenkopfs gebracht, insbesondere in den Städten Ems und Diez. Die französische Militärverwaltung hat ein aus dem Ruhrgebiet zurückgezogenes Infanterieregiment, Nr- 150, nach diesen Städten gebracht und requiriert Unterkunft nicht nur für die Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere, sondern auch für die das Regiment begleitenden Familien. Zwei Bataillone des Regiments mit dem ganzen Stab und der ihm zugeteilten sogenannten Wirtschafts-Kompanie sollen allein in Diez untergebracht werden. Für die Mannschaften und Offiziere wären genügende Kasernenräume vorhanden, da das Reich und die Stadt bereits eigene Gebäude hergestellt hatten und außerdem die ehemalige Kadettenanstalt Oranienftein zur Verfügung steht. Was aber geradezu unlösbare Schwierigkeiten macht, ist die Unterkunft der zahlreichen Familien der Unteroffiziere gerade dieser aus der Gegend von Düsseldorf herbeigeführten Wirtschaftskompanie, die aus technischem, meistens verheiratetem Personal besteht, und die ohne Zweifel zur Auflösung be- stimmt ist, da sie nach der Aufhebung der Ruhrbesetzung überflüssig geworden ist. Es ist ganz unverständlich, wärmn diese Kompanie in dem Koblenzer Brückenkopf Ausenthalt nehmen soll und es ist erst recht unverständlich, warum die Frauen und Kinder ihrer Angehörigen nicht sofort von Düsseldorf aus direkt nach Frankreich zurückgeführt worden sind. Nun aber soll die Stadtbehörde von Diez, wie das schon in Idftein und Schwalbach verlangt wurde, private Wohnungen beschlagnahmen zur Unterbringung dieser französischen Familien, deren Anwesenheit im altbesetzten Gebiet gar keinen erkennbaren Zweck hat. Die einheimisch: Bevölkerung sieht sich aufs Neue den empfindlichsten Entbehrungen und Störungen ausgesetzt, zumal die französische Lokalbehörden sich, bei allem Ausdruck des persönlichen Bedauerns, außerstande erklären, die Befehle der obersten Behörden zu umgehen oder auch nur zu suspendieren.
Man hat den Eindruck, daß die seinerzeit vom General Degoutte erlassenen Anordnungen über die planmäßige Räumung des Ruhrgebiets im Laufe der Ausführung geändert worden sein mögen aus militärischen Erwägungen, die sich erst nach dem ersten Räumungsentschluß wieder vorgedrängt haben. Man hat bekanntlich beschlossen, einen Teil der Besatzung des Ruhrgebiets im altbesetzten Gebiet zu belassen und die dor- ttgen Truppen nach Frankreich zurückzuschicken. Durch diese Dispositionsänderung sind anscheinend Stockungen eingetreten, welche die jetzige Anhäufung von Truppenmaffen zm Folge haben. Es ist dringend zu wünschen, daß die französische Regierung diesen Erscheinungen ihre Aufmerksamkeit widmvt, und einen Zustand der Beunruhigung beseitigt, der mit den politischen Stimmungen des Augenblicks keineswegs harmoniert und den bettoffenen französischen Familien nicht weniger lästig ist als den in ihrer inneren Existenz aufs Neue bedrohten deutschen Familien-
Einschränkungen der politischen Freiheit im besetzten Gebiet.
i Bochum, 28. Oktbr. (Priv.-Tel.) Der BezirKvorstand der Sozialdemokratie für Westfalen gibt eine Entschließung bekannt, in der die sofortige Zurückgabe der Politischen Freiheit der besetzten Gebiete gefordert wird. In dieser Entschließung heißt es: Noch immer bestehen jene Verordnungen der Besatzungs- behörden, welche die Frei heiiderPresse undderPar- feien erheblich einschr Anken. Insbesondere macht der Zwang zur Anmeldung und Einholung von Genehmigungen aller Versammlungen ein wirkliches politisches Leben unmöglich. Am meisten werden von diesen Einschränkungen jene Parteien betroffen, die nur in Versammlungen an die breite Masse der Wählerschast herankommen können, das sind in der Hauptsache die Parteien der Arbeiter. Die Sozialdemokratie als erste Vertreterin der Arbeiter- inicressen hat deshalb auch «m ersten Veranlassung, die Zurück- imhme der bestehende» Verordnungen zu verlangen. Sie erwartet daher bestimmt, daß die Reichsregteruna die notwenigen Erleichterungen Bei den Besatzungsmächten einholt, und erwartet von den Besatzungsmächten, daß diese den besetzten Gebieten die notwendigen politischen Freiheiten zurückgeben
Nummer 811 Seite s
Sie Wirren in Chino.
General Feng Yu-Hsiang ermordet?
Paris, 29. Oktbr. (WM.) Der „New York Hcrald" meldet aus Schanghai, daß ba3 Gerücht umlaufe, Feng Tu- h s i a n g, der sogenannte christliche General, sei ermordet worden. Eine Bestätigung dieses Gerüchtes fei bisher nicht möglich gewesen, da jede Verbindung mit Peking fehle.
Aus Tientsin wird dem »New York Herald gcmelbet, General Feng Yu-Hsian g fei von Bekim abmarfchiert, um auf die Armee des Generals Wu P e i - ^u zu stoßen,, bet fein Hauptquartier vorübergehend in Tientsin gehabt habe. Die Schlacht werde etwa in der Mitte zwischen Tientsin und Peking statt, laben. General Fengs Haltung gegenüber Tschang Tso-lin sei nicht bekannt.
London 29. Oktbr. (Europapreß.) Privatmeldungen aus Tientsin zufolge ist die Peking-Hankau-Eisenbahn abgeschnitten und der Verkehr zwischen dem Norden und Süden nach beiden Richtungen unterbrochen worden. In T i e n t f i n sind mehrere Trup- penzügc eingetroffen und ermatten dort die Befehle Wu Pei-sus. Die Truppen dieses Generals sind in der Hauptsache in Uang- tsun vrschanzt, diejenigen des Generals Feng in L a n g f a n g. General Feng hat Peking verlassen, um- die Operationen gegen Wu Pei-fu einzuleiten . Wie es heißt, soll er vom Präsidenten Tsao Kun begleitet sein, um damit seine Aktion zu legalisieren. Der englifche Konsul und ein amerikanischer General sind bei Wu Pei-fu vorstellig geworben, weil Truppen innerhalb der Siebenmeilenzone von Tientsin stationieren, was einem früher abgeschlossenen Protokoll zufolge nicht gestattet ist.
Schanghai, 29. Lttbr. (Wolff.) Eine Proklamatioi' des Max' schalls T ch i Hsi-yung teilt mit, daß die Militärgouverneure von Kiangsu, Anhui, Tschekiang und Fukien sowie die ganze ebinesssche Flotte beschlossen hätten, W u Pei-fu zu unterstützen. Die Proklamation klagt Feng Y u - h s i a n g des Verrats an.
London, 28. Oktbr. (Wolfs.) Reuter meldet aus Peking, daß die Truppen Tschang Tso-lins, die gegen Wu Pei-fu kämpfen, auf die Eisenbahn um Schanghaikwan Geschützfeuer eröffneten. Die schwere Attillerie der Tschiliarmee habe das Feuer erwidert.
Handelsverkragsverhandlungen.
Berlin, 29. Oktbr. (Priv.-Tel.) Die Ha »d ÄS vertra g z v er- handlungen, die Deutschland mit verschiedenen Mächten führt, kommen in diesen Tagen lebhafter in Gang. Wegen des deutsch- spanischen Handelsvertrages, der stark umstritten ist infolge des Widerspruchs der Winzer, soll heute nach der Angabe rechtsstehender Blätter eine Kabinettssitzung stattfinden. Die deutsch- französischen Handelsvertragsverhandlungen beginnen wieder am 5. November. Der „Tag" will wissen, daß nach ter Rückkehr des englischen Botschafters Lord d'Abernon nach Berlin auch die Besprechungen über den deutsch-englischen Handelsvertrag wieder ausgenommen worden seien und günstige gortjtfjritte machten. Ob dies richtig ist, vermögen wir im Augenblick nicht nachzuprüfen.
J1 fascio.
° Rom, 28. Oktbr. (Priv.-Tel.) Am heutigen Jahrestag« des Marsches auf Rom fand di« Vereidigung der Miliz auf den König statt, wobei Mussolini in Mailand eine Rede hielt, welche beweist, daß er nicht an Rücktritt denkt. Der Duee setzte nämlich die faseistischen Legionen - Verabredung auf den 28- Oktober 1925 an demselben Ort an und bekräftigte, daß eine Umkehr ausgeschlossen sei. Die Rebe schloß mit einer Apologie auf den Fascio, der inmitten der durch seine Feinde hervorgerufenen Schwierigketten Großes geleistet habe.
Rom, 28. Oktbr- (Wolff.) Anläßlich des Jahk-siagcS des Marsches auf Rom hielt der Ausschuß für Verfassung s- reform unter dem Vorsitz des Senators Gentilo, des ehe- nmligen Untcrrichtsministers, seine erste Sitzung ab- Gentilo teilte eine Botschaft Mussolinis mit, in der betont wird, daß man die Verfassung nicht gewaltsam ändern solle, sondern vervollständigen und erneuern, da sie schon 76 Jahre alt fei. Ec bittet den Ausschuß, sich bei seinen Arbeiten nicht zu scheuen, sei es in Abänderungen, sei es in der Beibehaltung d«r gegenwärlioen Verfassungsbestimmungen.
Kleine AuslandsnachrWeu.
(Telegramme unserer Korrespondenten.)
I-8t Paris, 29. Oktbr. (Priv.-Tel.) Die französische Regierung hat den neu zu besetzenden Gesandtenposten in Angora dem Abgeordneten Franklin Bouillon angeboten. Dieser, der augenblicklich in Sübfrankreich weilt, hat sich Bedenkzeit bis zu seiner Rückkehr nach Paris erbeten.
I-8t Paris, 29. Ottbr.(Priv.-Tel.) In der Repara- tionskommission ist es gestern zu einem peinlichen Zwischenfall gekommen. Auf Grund eines Gerichtsurtells erschien ein Gerichtsvollzieher im Hotel Astoria, um dort ba5 Gehalt eines höheren Beamten der Kommission zu pfänden. Dieser, dessen Name und Nationalität von den Blättern nicht genannt wird, der aber einen hohen Posten bekleiden muß, da seine monatlichen Bezüge sich auf nicht weniger als 10 000 FrcS. belaufen, wurde auf Grund eines Beschlusses des Gencralsekre- tariatS mit sofortiger Wirkung entlassen weigerte sich aber, die Entlassung anzunehmen. Nach einem heftigen Wortwechsel, der in Tätlichkeiten auszuarten drohte, mußte Polizei zu Hilfe gerufen werben, die den Beamten mit Gewalt aus dem Hotel Astoria entfernen mußte.
(Meldungen der Nachrichten-Agenturen.)
London, 29. Oktbr. (Europapreß.) Die Arbeitslosigkeit in England ist in der letzten Woche von neuem gefallen, iwmlich um 6201, nachdem sie in der Vorwoche sich um 5275 vermindert hatte. Gegenwärtig beträgt die Zahl der Arbeitslosen noch 1 204 000.
Reval, 27. Oktbr. (Ostexpreß.) In mehreren Kreisen des östlichen Estland sind Wölfe aufgetreten und haben bereit? in einigen Bauerngemeinden durch Viehraub größeren Schaben ar-g-ttchtei. Die Treibjagden, welche sogleich organisiert wurden, sind bisher erfwg.'os geblieben.
mit einem widerwärtigen, abstoßend häßlichen Emporkömmling verheiratet, der dann im Seebad von dem Jugendfreund und Geliebten unter Wasser erwürgt wird, bildet die stofflich- Handlung zu dem Versuch, das Problem der Selbstbestimmung aus dem eigenen Ich heraus dramatisch zu gestalten. Aber trotz aller expressionistismen Ausmachung zeigt sich überall die Unfähigkeit des Verfassers, über öde Theatermache hinauszukommen und zu feiner Erfindunasarrnut, Oberflächlichkeit in der Logik, Seichtheit im Dialog gesellt sich noch die technische Unzulänglichkeit int Bau des Theaterstückes, die mit» leib erregend besonders im zweiten und dritten Akt offenbar wirb. Ueber diesen Eindruck konnte auch ein« relativ gute Darstellung nicht hinweghelfen. K- L.
Halle.
Nach den zahlreichen Versuchen, Webers „Euryanihc" für die Bühne zu retten, mutet eine Neueinrichtung von Erich Band, die im Stabttheater zu Halle aufgcführi würbe zwar nicht als enbgültige Lösung, wohl aber als wettvoller Beitrag an Band versuchte, die Vorgänge durch Umstellung und Auslassung von Szenen äußerlich straffer und innerlich motivierter zu verknüpfen. In Richtung eines strengen operndramatischen Aufbaus kann kaum mehr geschehen. Am entscheidendsten Punk e des Textes, wo cS um Eurvanthes wirkliche Schuld geht, ist indes die Motivierung nicht so restlos geglückt, daß sich der Hörer zu innerer Teilnahme um jeden Preis gezwungen suhlt. Wohl aber ist cs Band gelungen, das Leitmotiv der ganzen Oper — Schuld durch Zweifel an Liebestreu-, Entsühnung durch Glauben an Liebcskraft, bewährt in schwerer Prüfung — in Klarheit herauS- zuheben. Musikalisch hielt sich der Bearbeiter pietätvoll an das Original. Nur ein kleines Rezitativ, das an der Stelle, wo es steht, wirklich wichtig erscheint und di- Situation aufhellt, ist als eigene Zutat zu verzeichnen. Band verhalf seiner Searbatung zu einem starken Erfolg und bewies von neuem, welche Dirigenten- und Rcgisseurbegabuilg in ihm steckt. p- KL
Gotha.
cyn Gotha, dessen Hoftheater unter Herzog Ernst II. eine «eitlanq sich eines hohen Rufes erfreute, ist eine für das Bühnen- wesen bedeutsame B ü h n enku nst-A u sstellu n g mitGcgen- ftänben und Erinnerungsstücken des Thcaterwesens eröffnet worden Sie zeigt die verschiedenen Phasen des Theaterwesens von der Zeit der Meininger bis in unsere Tage. Eine große Zahl von Handzeichnungen des Herzogs zeigt, mit welcher historischen Treue er selbst die geringsten Kleinigkeiten berücksichtigte. So ist z. B. das Schwert des Brutus ausgestellt, welch letzteres auf Veranlassung des Herzogs in Paris nach einem Original angefertigt wurde, dos in einer Sammlung Napoleons des Ersten enthalten war. Photographien und andere Bilder zeigen die Großen unter den Meininger Künstlern und die großartigen Dekorationsstücke des dortigen Hoftheaters. Aus anderen Stücken sieht man. welchen Einfluß die Meininger auf bas Bühnenleben ihrer Zeit gehabt! haben bis im 20. Jahrhundert die Abkehr von ihnen eintrat. Dieser
Wandel ist z. D dadurch deutlich gemacht, daß man die Inszenierung desselben Stuckes in den verschiedenen Zeiten vorführt.
E. W. R. Nürnberg.
Die Stabt hat bisher nur ein städtisches Theater unterhalten, den am Ring gelegenen Seringschen Millionenbau. Dort würbe unterschiedslos all-S in einem Riesenraum gespielt: Wagner- Oper und Mozart, klassisches Schauspiel und modernes Sprech, stück! Es ist klar, baß auf die Dauer ein solcher Zustand nicht zu halten war. Di« Stadt Nürnberg hatte nun das seltene Glück, ihr altes Theater am Lorenzerplatz wenigstens im Rohbau noch zu besitzen, obwohl dieses vor 20 Jahren geschlossene Schauspielhaus inzwischen den merkwürdigsten, mit den Musen in gar keiner Beziehung mehr stehenden Zwecken gedient hatte. Nunmehr ist dieses alte Haus wieder seiner ur- sprünglichen Vesttmmung zurückgegeben, dank der kulturellen Initiative des Nürnberger Stadtrates und des Generalintendanten Dr. Mau rach. Mit einer Ausführung von Schillers „Don Carlos" wurde vor kurzem das neue „Alte Stadt- thcatcr" eing-w-iht. Mt einem Kostenaufwand von etwas über 300 000 Goldmark ist hier eine Bühne geschaffen, di« tech- isch auf das Beste aus gestattet ist, «in Schauspielhaus mit einer idealen Akustik für Sprechstimme und kleine Orchesterbesetzung Es ist nicht zuviel gesagt: Dieses wiedcrhergestellte Theater ist dir schönst« Bühn« in Nürnberg trotz einiger technischer Mängel, die jedoch nach und nach behoben werben können. Für das kulturelle Leben Nürnberg bedeutet dieses neue Schauspielhaus ein« große Möglichkeit, an der ez bisher stets -gemangelt hat. Endlich wird «S auch in Nürnberg möglich, das Drama unserer Zeit aufzuführen in einem dazu wie geschaffenen Raum. Der Anschluß, den die Theaterstadt Nürnberg bis jetzt an das moderne dramatische Schaffen hatte, War löse und zufällig. DaS kann und wird nun anders werden, Was für di- Stadt Nürnberg und für das zeitgenössische Drama einen Fortschritt darstellt. Arbeitet der Intendant Dr. Manrach Im Sinn« seines ersten vorliegenden Schauspiel-Programms, dann ist es sicher möglich, die beiden städtischen Bühnen über Wasser zu halten, Oper und -'chanspiel gleichermaßen zu Pflegen und den noch nicht sehr stark entwickelten Sinn der Nürnberger für gutes künstlerisches h-ater zu heben. bg.
Mainz.
Fast alle, die sich mühten, ein modernes Lustspiel zu schaffen, gerieten unbewußt ins Bereich des Schwankhasten und liehen ihre eigentliche Ausgabe unerfüllt. Auch Hellmuth Ungers dramatischer Neuling „Der verliebte B e i f u", der gestern abend am Mainzer Stadttheater seine Uraufführung erlebte (nachdem sich bereits zahlreiche Bühnen das Stück für die laufende oder die kommend« Spielzeit gesichert haben), ist der Gefahr nicht entgangen, die Grenzen zwischen
- Lustspiel und Schwank zu überschreiten. Aber trotzdem
rechjftrttgt sein innerer Gehalt und der fein humoristische
Grundton, auf den er abgestimmt ist, die Bezeichnung als Lustspiel im Lefsingschen Sinn Unger ist ein alter Theaterpraktik-r von sicherem Bühneninstinkt, der sich auf die Psyche des Publikums gut versteht. Mit kundiger Hand hat er die Handlung, die im bunten Milieu einer chinesischen Stadt spielt, aufgebaut und gesteigert. Den hübschen Stoff, den Unger einer ernsten Novelle entlehnt und in «ine heitere Form gegossen hat, bietet reiche Möglichkeiten zu allerlei wirksamen Konflikten und Situationen, deren Gestaltung dem Verfasser recht gut gelungen ist. Wohl wird im „Verliebten Beifu" nicht letzte Weisheit verkündigt, und cs werden keine ernsten und erschütternden Probleme aufgerollt, ’llr.ger appeltert auch weder an das Zwerchfell noch an die Tränendrüsen seines Publikums, aber er versteht es, eine behagliche, heiter« Stimmung zu verbreiten und angenehm zu unterhalten. Das genügt freilich noch nicht, um sein Lustspiel zu einer Dichtung zu stempeln. Mit der Aufführung, die dem Werk zuteil wurde, konnte der Autor zuftieden sein. D-r Oberspi-lleitcr Paul Peters hatte sich mit voller Hingabe für das Stück eingesetzt Wilhelm § ul er schuf dafür farbenfrohe Bilder, und die Darstellung stand, mit geringen Ausnahmen, auf beachtlicher Höhe. Besonders gut sand sich fiarlrobert Schäfer mit der Figur des Titelhelden, 'des zappeligen Naturburschen Beifu ab, obschon seine Leistung die letzte Rundung vermissen ließ. Von größter Einprägsamkeit war die Gestalt des Wucherers Futschü, die Karl Burg verkörpert«, und di« des trockenen Gelehrten Li Pai, die in Paul Joachim Schneider einen würdigen Vertreter fand- Di« Aufnahme war warm und herzlich. — Das Schauspiel „Alexander" von Gerhard Halm — «in Sohn des bekannten Münchener Radierers — hatte bei seiner Uraufführung am Siadtiheaier einen großen und ehrlich erstrittenen Erfolg, der auch den Autor auf die Bühne rief. Im Mittelpunkt der Dichtung steht die Gestalt Alexanders des Großen, die aber aus ihrer historischen Gebundenheit ins Bereich des rein Menschlichen gerückt ist. Im Wesen des makedonischen Königs klafft ein tiefer Zwiespalt- Zwei Seelen wohnen in ihm und ringen miteinander um die Oberhand- Und dieselben Gegensätze, die sich in Alexander vereinigt finden, leben getrennt in Klitus, dem getreuen, un.igennützigen Freunde, und in Spita- menes, dem aalglatten, selbstsüchtigen Perser. Das durch diese Parallele gegebene Kampfmotiv aber ist das dramatische Agens für die folgerichtig und mit gutem Geschick aufgebaute und entwickelte Handlung. Psychologisch gut geschaut ist namentlich di- Gestalt des Haupthelden, während die Charickterzeichnung des Spitamenes Inkonsequenzen verrät. Er ist nicht der im Grunde ehrliche reine Sklavenmensch, als den ihn Halm in seinen Regiebemerkungen aufgefaßt sehen will, sondern eine etwas seltsam anmutenbe Mischung von Intrigantentum und Geschäftstüchtigkeit. Der Dichter bat ihm, ohne es zu wollen und trotzdem er den Darstell-r ausdrücklich vor di-s-r Auffassung warnt, ein Stück von dem hergebrachten Theaterbösewicht mitgegeben. M- übrigen Figuren des Schauspiels stehen schaff Umrissen, klar und lebendig da. Die Svrach- be? Dramas ist voller Bildkraft. Holms ..Alexander" bedeutet jedenfalls eine starte Talentprobe. Es ist das Werk eines
Dichters der zwar noch tief in der Entwicklung steckt, der aber einen sicheren Bühneninstinkt hat und dabei selbständig genug ist, um eigene SB ege zu gehn Die von Ob-rspielleiter Peterß mit größter L-orgfalt inszenierte Aufführung zeichnete sich durch flottes Tempo und gutes Gesamtspiel aus und War, vor allen Dingen mich in der Anordnung der Massenszenen, von starker Einprägsam- keit und Lebendigkeit. Mit voller Hingabe widmeten sich 8 ° u " l e als Alexander, Schäfer als Klitus, Malän als Utnb Lindt als erster Makedonier ihren k-ineswegs p-'rUnb ilerS Bühnenbilder boten einen recht eindrucksvollen Rahmen für die buntbewegten ©jenen.
Hans Ludw. Linkenbach.
LWn=efDe L'Jsle Adam erzählte endli» NA"-- Arbeiter der nach der Mühsal d-S Lebens ?.5?dies kam. Gott empfing ihn und, um ihn zu fÖ"n 'wotteUnbCtc Cr bem Strmen' daß er ihm ein neues Leben
b«iier fth Gott mit bestürmter Miene an und sagte ganz einfach: „Ach mein! Muß das fein?"
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rnr Ein A"nwer fragte VillierS: „Sie haben doch Richard Wagnex Mr gut gekannt; war er in der Konversation angenehm?" äur Antwort tna " Konversation angenehm?" gab VillierS
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bOT»ner»a^e eln~ Cafts. die Augen zum Himmel erhoben, / mCS "ar sich hin. Ein Bekannter, der vorberging legte seine Hand auf die Schulter des Grafen: . ' Wt der Unselige, „he, VillierS, immer . . ." Und mit
»Ahf s n«rrcrLinc ^inrale beschreibend, symbolisierte der Dnmm- f 9»Ur tliVtne8, ^dankens, der sich in den Wolken verliert. „„ fast ihn mit fernem und ein wenig erschrecktem Blick nb « er mit dunkler Stimme, „und Sie,
iF j?; • And sein Finger, dieselbe Spiralengeste beschreibend,
streckte sich mehr und m^hr dem Boden entgegen. J. K. re. = /^vater-Rimdfchau.j Aus Paris wird gemeldete Einer der bekanntesten Schauspieler der lange der Eomedie Fran- ?atfe angehoffe, de Max, ein Rumäne von Gebuff, ist im Wer von 55 Jahren gestorben.
, = lM/td-mische Nachrichten.^ Prof. Dr. Walter K ü ck- ler m Wien hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der romanischen Philologie an der Universität Marburg als Nachfolger von Prof. E. R. CurttuS abgelehnt — Der Genfer gtaatSDct ernannte Georges Saufer-Hall' Prof, an der Universität Neuenburg, zum o. Prof, bet Zibil-Grsetzgebung v"d des Handelsrechts an der juristischen und staatswisscnschast- ltchen Fakultät der Unveffität Genf.
