Samstag, t. November 1924,
Abendblatt;
S9. Jahrgang; Nr. 820
Frankfurt, 1. Uovembrr.
Benefchs Außenpolitik.
der die
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Republikaner ■» Demokraten , La Follette ; „Wilder" . . - „Halb und halb^
neuen republikanischen Staates, als Bollwerk der allein möglichen europäischen Befriedungspolitik bewährt hat.,
Gertrud Bäumer, einer der führenden Köpfe der deutschen Demokratie, hat in ihrer gestrigen Rede in Frankfurt den guten Ausdruck gefunden, die Demokratische Partei sei zur Schlüsselstellung der deutschen Politik geworden. So ist es in der Tat. An ihr ist das Zustandekommen jenes verhängnisvollen Bürgerblockes gescheitert, der, beherrscht von deutsch- nationalem Machtwillen, nichts als ein Block der Rechten geworden wäre, der dadurch die ruhige Fortentwicklung und Befestigung unseres neuen republikanischen Staates aufs schwerste erschüttert, die Klassenzerklüftung Mischen proleta-
Herbst.
Von Anton Schnack.
Viele sagen, der Herbst mache sie voll Schwermut; besonder? im November, wenn die Dämmerung schon am ftühen Nachmittag sich über die Erde hinzieht, werden viele von einer unsäglichen Traurigkeit und Verschlafenheit befallen.
Aber ich war, wenn die schweren langen Abende mit ihren Dämmerungs- und Nebelfittichen kamen, immer voll einer guten Heiterkeit gewesen, von einer verspielten Träumerei, voll einer Karen Lebhaftigkeit der Sinne, weil alles sich verborgen gab, versteckt hinter einer blauen gedämpften und leichten Zartheit...
*
Ein verschimmeltes gelbes Licht glüht eine ganze Nacht hinter einem Fenster, über das schräg ein Dach fällt.
Einmal trete ich vor meine Türe. Es ist noch nicht fünf Uhr und schon hängt die Dunkelheit herunter. Ich höre die Glocke schlagen, schwermütig und weither, aber der Turm steht ganz nahe. Aus dem Flußtal steigt unaufhaltsam der Nebel. Schneegänse schreien in der Luft. *
Da werde ich mich hmeinkuschcln in die frühe Dämmerung, nahe am Ofen, in dem die Fichtenscheiter knallen. Wir haben Bohnen geerntet, der Stummel steht vor mir, ich greife hinein und hole mir eine Handvoll; die blauen lege ich zu den blauen, die weißen zu den weißen, die braunen zu den braunen und die gesprenkelten zu den gesprenkelten. Da höre ich den Wind mit großen Zügen gegen die Fenster fahren, und der Regen rauscht ununterbrochen gegen die Scheiben. Bis in die Nacht hinein. Tagelang. Nächtelang.
Nur die Kukuksuhren schlagen.
Sonst ist es Stille. Eine graue schleichende Katze glüht dich tut, mitten auf dem dunklen Flur; ihre Augen sind grün. Da geht ein Stück Geheimnis an dir vorbei, ein Glanz aus einem Märchen. Die Türe, an der du horchst, ist alt. Oeffn« sie nicht, vielleicht tritt ein Licht über die Schwelle, das dich wie ein blutrotes Feuer anglüht und hinter den Spinden verzischt.
In der Luft ist ein Geheimnis. Bald wird der Schnee fallen. Dann geht durch den Gartyt die alte. Gräfin und ein schweigsamer Timer folgt ihr im Abstand mit den großen Doggen, die es friert . . . «
Ach, ich liebe die Nüsse. Wir werden sie in Silber wickeln, daß sie' funkeln am Weihnachtsbaum. A 'f dem Tisch steht ein kleiner Nußknacker, ein Ungeheuer seiner Art, wild und heidnisch, mit rotem Maul und blitzendem Gebiß.
*
Alles wird müde. In den Oefen singt das Feuer. Der Wind ist um das Haus. Horche in der Nacht; der ungeheure ältern, der Atem eines furchtbaren Tieres bläst an das Gemäuer!
Vie amerikanische» Dahlberechaaagea.
(SBOH unser em Korrespondenten.)
B New Park, 14. Oktober.!
Niemals ist in einer amerikanischen Wahlkampagne soviel gerechnet worden wie gerade jetzt. Jeder Mensch, der Bleistift und Papier zur Hand hat, sucht unter Benutzung früherer Wahlergebnisse und anderer Faktoren zu ergründen: 1. ob. Präsident Coolidge in der Volksabstimmung wiedergewählt wird, 2. ob — vernein enden falls — er im Repräsentantenhause durchkommen wird, oder 3., ob dieses keinen Beschluß fassen kann, und di« Wahl in den Senat kommt, wo Coolidge gar keine Aussicht hat, wo sich aber wieder neue Fvagen der Wahl- Arithmetik entwickeln können, wie weiter unten ausführlicher dargestellt.
Ueber dem vielen Rechnen vergißt die Wählerschaft ganz, die Meetings zu besuchen und manche Kandidaten sprechen vor bedenklich leeren Zuhörerbänken. Nur La Follette hat großen Zulauf, denn jeder Mensch will den Mann sehen, der „einen Spaten einen Spaten nennt", wie man im Englischen sagt, und der durch seine Kampagne die Politiker beider Parteien in Angst und Schrecken versetzt hat. Der Fortschrittskandidat ist auch die Ursache, warum so viele Bleistifte in Bewegung gesetzt werden, denn wenn er nicht eine so scharfe Kampagne führte, wurde wohl die glatte Wiederwahl des gegenwärtigen Präsidenten überhaupt keinem Zweifel mehr unterliegen.
Was wird aber nun geschehen, wenn La Follette einen großen Erfolg erzielen sollte? Als einen großen Erfolg kann man es bezeichnen, wenn er so viele Staaten erobert/' daß Coolidge keine Mehrheit im „Electoral College" erhält. Das Volk stimmt nämlich nicht direkt für den Präsidenten, sondern für Wahlmänner, deren es in den 48 Staaten der Union 531 gibt. Coolidge muß mehr als die Hälfte davon haben, also mindestens 26 6. Wie wenig infolge der ziemlich ungleichen Verteilung dieser Wahlmänner-Stimmen das Votum
Dies ist unzweifelhaft wieder die Situation des jetzigen Wahlkampfes. Es gilt jetzt wieder, klar zu wählen zwischen rechts und links. Darin hat der deutschnationale Äirfrus durchaus recht. Es gilt, zu wählen zwischen Klassenpolitik und Staatspolitik, , zwischen Politik der Gewalt und Politik, der Befriedung, und man mag ruhig auch mit den Deutsch- nationalen sagen, Mischen Schwarzweißrot und Schwarzrotgold. Die demokratische Reichstagsftaktion hat diese Wahl eindeutig getroffen, der Parteitag der Deutschen Demokratischen Partei wird ihr gewiß Nachfolgen und damit die Grundlage schaffen für einen neuen Aufstieg des demokratischen Gedankens in unserem Volke.
Die Lage in Nordchina.
r, S® u P e i-f u, der ein energischer Mann und wie hier schon öfters festgestellt wurde, ein tüchtiger Stratege ist, hat nach dem vom Geneval Feng Yu-Hsiang in Peking be- gemgenen Staatsstreich nicht viel Zeit verloren. Er hat ein- ge|egen, daß für ihn die Wiedergewinnung der Reichshauptstadt wichtiger als alles andere ist. Deshalb ist das Hauptgewicht der Wu Pei-fu'schen Armeen von der Großen Mauer weggezogen und in die Richtung auf Peking geworfen worden. Zwischen Peking und Tientsin findet zur Zeit der En tschei- dun g s ka mpf zwischen Wu Pei-fu und Feng Yu-Hsiang, dem verräterischen „christlichen General" statt. Verstärkungen Me- nach dem Fall von Shanghai über die Tientsin—Pukow Msenbahn vom Suden herangezogen werden, kommen Wu jP^fu SU Hilft, doch da diese Bahn, wie überhaupt alle Eisenbahnen Chinas, keine starke Belastung verträgt, offenbar nur sehr lngsaim Wu Pei-fu befindet sich zur Zeit augenscheinlich in einer r^ht schwiengen Lage. Die Truppen T schan gT so- Pinif K»taran 6im ™wben von Schanghaikwan die entblößte
? r.-GW-n M-mer durchbrochen und gefährden die Be- Mung die Wu Pei-fu gewissermaßen als Arritzre-Garde in hat. Das wäre an sich nicht schlimm, des Pekinger Handstreichs
sro entschlossen gewesen zu sein, die Linie der Großen Mauer aufzugeben. Seine Absicht war offenbar- erst ne^r9irfmnSrAY-n® du-hsiangs und dann Einnahme einer arXit Tsch'Mg Tso-lin weit hinter der
großen Mauer Doch gelingt es ihm nicht sehr bald, den christlichen General zu besiegen, so wird seine Lage noch miWcher sble na der Bahn von Tientsin nach f^^nden, die nach dem Boxer-Protokoll stets offen muß, so sind überdies internationale Verwicklungen immer mehr zu befürchten.
Wu pei-fu und die Salzskeuer.
Der Demokratische Parteitag, der für Mitte November in Breslau vorgesehen war, findet mit Rücksicht auf die bsvorstehenüen Wahlen schon heute und morgen in Berlin statt. Die Tagung wird gerade jetzt in besonderem Maße das Interesse der Oeffentlichkeit in Anspruch nehmen. ®ie Organe der öffentlichen Meinung werden ja heute in Deutschland zum größten Teile von den Parteien der Rechten beherrscht. Weite Kreise unserer Bevölkerung haben Übrigens dieser Aenderung gegenüber früheren Verhältnissen bisher mel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Vormals war man gewöhnt, den größten Teil der deutschen Presse als liberal vder demokratisch anzusehen. Die wirtschaftliche Entwicklung m der Kriegs- und Nachkriegszeit Hai dazu geführt, daß eine ganz gewaltige Zahl deutscher Zeitungsunternehmungen ihre Selbständigkeit nicht echalten konnte und teils unmittelbar in bte Hände, teils mittelbar unter den Einfluß kapitalkräftiger Interessenpoliftker geriet. In erster Linie erfaßte die Schwerindustrie unter Führung von Hugenberg und Sünnes die Wichtigkeit umfassender Beherrschung der Presse. Andere starke Wirtschaftsmächte standen nicht zurück. Politisch sind sie alle deutschnational oder volksparteilich eingestellt, und im Geist und Ungeist dieser Parteien arbeitet nun tatsächlich die (stoße Mehrzahl der kleinen und mittleren Provinzzeitungen. Das ist gewiß ein Thema für sich. Wer es ist zugleich auch ein Tatbestand, der sehr wesentlich mit dem Problem der Demokratischen Partei zusammenhängt. Denn diese Partei und alle früheren liberalen wie demokratischen Gruppen übten durch ihre Presse einen weit stärkeren Einfluß aus, als man nach ihrer parlamentarischen Größe hätte annehmen sollen, und ihre parlamentarische Stellung wiederum beruhte zum guten Teil auf diesem publizistischen Einfluß. Davon kann heute nicht mehr die Rede fein, — und hier kommen wir nun auf unseren Ausgangspunkt zurück und wenden uns ' der gegenwärtigen Situation der Deutschen Demokratischen
rischen und bürgerlichen Schichten verbreitert und die Fortführung unserer bisherigen Außenpolitik aufs Weifte gestört hätte. Alles das ist noch einmal vermichen worden, weil die anderen doch nicht den Mut hatten, der seit sechs Jahren emgehaltenen Linie deuffcher Politik eine solche Wendung zu geben, wenn eine der Parteien, welche sich vorwiegend aus bürgerlichen Kreisen zusammensetzt, ihre Mitwirkung dabei versagte. Die Deutsche Demokratische Partei hätte fteilich ihrer ganzen Vergangenheit ins Gesicht schlagen müssen, wenn sie an einem „BürgeMock" teilgenommen hätte. Wie fehr das der Fall ist, das hat in Zeiten besserer Einsicht der jetzt auSgeschiedene Abgeordnete Dr. Schiffer ausgesprochen, indem er auf dem ersten Demokratischen Parteitag im Juli 1919 mit starkem Nachdruck verlangte, man solle endlich aufhören, von „bürgerlichen Parteien'" zu reden; das stehe vor allem zu dem Geist der Deuffchen Demokrattschen Partei m Widerspruch, der es doch auf die Uoberwindung der Klassengegensätze ankomme. Der mit ausgetreten« Professor Gerland hat übrigens auf einem späteren Parteitag das stolze Wort gesprochen: „Unsere Partei darf kein« rein bürgerliche Partei fein," woraus, wie aus dem Schifferschen und manchem anderen Worte sich ergibt, es eigentlich nicht die Demokratische Partei ist, welche ihrem Ausgangspunkt mit der jetzigen Ab-' lehnnng des Bürgerblocks untreu geworden ist Da wir einmal in den Parteitagsprotokollen der Demokratischen Partei geblättert haben, mag hier eine weitere Reminiszenz gestattet sein Wir flnden da das Wort eines so maßvollen liberalen Mannes wie des Hamburger Bürgermeisters Dr. Petersen, der als anerkannter Führer der Deutschen Demokratischen Partei im Winter 1919 proklamiert hat, daß die Parteien der Weimarer Koalition so lange zusammen- halten müssen, „solange wir in Deutschland nicht völlig gesicherte Verhältnisse haben". „So lange," fuhr Petersen fort, "steht im Vordergrund der wirklichen Politik die Sicherung der Demokratie. Es gibt so lange nur Freunde der Demokratie und Feinde der Demokratie."
Noch int Wahlkampf des vergangenen Frühjahrs war ein großer Teil jener rechts eingestellten Presse bemüht, von der Demokratischen Partei möglichst wenig zu reden; nach der offensichtlich ausgegebenen Parole, die Demokratie totzusagen und den Reichstagswählern zu suggerieren, daß es verlorene Stimmen fein würden, die man einer derart abgestorbenen Partei zukommen ließe. Ein Teil jener Blätter hat jo nun wohl das Klischee noch nicht ausgewechselt und arbeitet weiter nach der alten Vorschrift. Wer es ist nicht anzunehmen, daß heute noch viele Wähler solche Darstellung ohne weiteres annehmen ■ werden. Denn je wütender gleichzeitig die Reaktionäre über die Demokratische Partei herfallen mit der Anklage, sie allein trage die Schuld an dem Scheitern des Rechtsblocks und der Auflösung des Reichstags, um so nachhaltiger gräbt sich weiten Kreisen des Volkes die Lehre ein, haß auch eine an Zahl kleine Partei von Einfluß und Bedeutung sein kann, wenn sie nur weiß, was sie will, und oit dem festhält, was sie für Recht ersannt hat. Man lernt dlso, daß die Abstimmung für eine solche Partei keineswegs verloren sein muß, und zieht daraus seine Folgerung. Man wird aus solchen Erkenntnissen die weitere Folgerung ziehen, daß, wenn die Macht einer Partei nicht bloß auf ihrem .Umfang, sondern ebensosehr auf ihrem Charakter beruht, nicht jeder Austritt eine Schwächung bedeutet. Das Mschwenken einiger demokratischen Abgeordneten findet deshalb offeu- sichttich sehr wenig Nachahmung, was wohl im vergangenen Frühjahr noch ganz anders gewesen wäre. Im Gegenteil, die demokratischen Organisationen erhalten fast nur. Neu- anmeldungen, und bei uns gehen täglich Mitteilungen von Persönlichkeiten ein, die seit 1919 oder 1920 von der Demokratischen Partei sich abgewandt hatten, und die ihr jetzt wieder Beifall spenden, weil sie sich tapfer als Bollwerk des
heiik^ .Das Abgeordnetenhaus beendigte
deute dre Besprechung der Außenpolitik Beneschs Die Ervos^de«^ -bim ^nächst zu Wort kamen? lehnten aas Expose des Außenministers, desien Politik sie das schärfste Mha" fnn .Der deutsche Nationalsozialist
enthaarn f s '( baS .«roßte Hindernis, das sich der eriei>enS= seien die Hriedonsverträge
welche ausgebaut seien auf der schändlichsten aller Lügen unserer - Luge von der Kriegsschuld Deutschlands.
«.an J= ^^1^611101101^6 Freiheitspartei) erklärte man atü ft Unn Kr, SB e r ru n t e r a II e n Um st ä n d en b e.
11 , n, denn mit ihm hebe eine neue Phase des Völkerrechts an, gekennzeichnet durch den Abbau der übertriebenen politischen
6r ^^aten "ad der Annahme der internatimiaien fnfiÄr St ireräen wmischen daß diese Exekutive auch be- zuglich der na 11 ona le n Minderheiten Anwend u n g 1 tu ° et. Die größte Schwache des Protokolls sei daß es sich auf der Basis der Friedensvetträge aufbaue. Zu den wichtigsten Problemen gehöre entschieden das Minoritätenproblem, bas sich ~'Tns,~tn Beratungssaal des VMerbundes erzwingen £“be,. S° wenig tote ein anderer Staat könne die Tschechoslowakei den gegenwärtigen Stand der Unbefriediglheil von
v ®I-n/ö0^rer? -Lagen.' Benesch habe leider dieser Frage nicht die notige Aufmerksamkeit gewidmet. Er bemühte t*-ttt G"f um die Sicherheit des Staates und gefährde ihn in Prag. Er bekenne sich als Anhänger internationalen Demokratie und dulde, daß in seiner Heimat Ocbanlen dieser Demokratie in den Staub getreten werden.
Die Redner der Koalitionsparteien sprachen sich natürlich die von Benesch verfolgte Politik aus. J
(Kabeldienstder United Preß.) ©eitorti^SB u ^Dbfr: FatVie£ eingelaufenen Nachrichten hat neuerm Wu Pei-fu den Direktor der Bank von China anae-
Sher ßJZ M f Machen zu rechnen, da ein Abkommen vorsieht, Satz der.Ertrag dieser Steuer an die ausländischen Banken abaefüfirt von^ChlNa Re fremden berichtet, daß der Direktor der Bank mRVÄ'StiS S”*"1 -----
mancher Staaten ins Gewicht fallen kann, geht ans dem Resultat von 1912 hervor, da Roosevelt mit 4126 020 Stimmen 88, Tast mit 3483 922 aber nur 8 Wahlmänner bekam, während der Sozialist, der fast eine Million Stimmen hatte, im „Electoral College" überhaupt leer auSging. Könnte La Follette die fünf Millionen Stimmen, die er zweifellos erhalten wird, auf gewisse Staaten konzenttieren, so würde sicherlich kein Kandidat eine Mehrheit erhalten. Wie die Dinge jetzt stehen, kann sogar die Stimmenzahl, die ihm allenthalben zugestanden wird, nämlich 39, die Wahl blockieren.
Dias Resultat der Wahl, die am 4. November vor sich geht, wird erst am 11. Februar 1925 int Repräsentantenhause formell ermittelt und verkündet. Natürlich weiß man es schon am 5. frühmorgens, aber die amtliche Feststellung erfolgt erst im Februar, und dann erst setzt sich dieMaschinerie in Bewegung, die dem Lande einen neuen Präsidenten geben soll, falls die Volkswahl dies noch- nicht entschieden hat. Dann muß die Wahl des Staatsoberhauptes nämlich durch das Repr äsentantenhaus erfolgen. Aber dieses stimmt nun nach Staaten ab, d. h. jeder der 48 Staaten hat nur eine Stimme. Also New York, das 43 Mitglieder in dieser Körperschaft hat, zählt nicht mehr wie Wyoming mit einem einzigen. Ferner darf das Hans nur unter den drei Kandidaten, die bei der Volkswahl-die höchste : Stimmenzahl erhielten, einen auswählen, und dies muß mit absoluter Mehrheit geschehen. Und ferner: nicht das neue Repräsentantenhaus, das am 4. November gewählt wird, stimmt ab, sondern das alte, .dessen Dasein nur noch bis zum 4. März geht. Also in der Zeit bom' 11. Februar bis zum 4. Marz muß die Wahl erfolgt sein. Die Abordnungen welche in diesem Falle'zur Abstimmung betuftn md, setzen sich wie folgt zusammen:
eigen ®. (Meili: „Jet Haarige Affe".
Uraufführung im Kölner Schauspielhaus am
30. Oktober.
Wir haben die große Affenmode. Tarzan geht zu den Affen. Der poussierltche Affe des Wilhelm Hauff wird in Paris 9 I, bet Amerikaner, erst Seebummler, Schriftsteller, Versicherungsbeamter und endlich Theaterdirektor, Autor von „Anna Christte", des „Karaibischen Mondes" und des „Kaiser Jones , hat die „H aarig en Aff en" unter den Men- schm entdeckt. Sein „Schauspiel alten und neuen Lebens in acht Bildern' — welch ein knirschender, fletsch6nder Ingrimm über diese Welt. Im Heizraum eines Luxus-Dampfers, unbekannt für euch Kulturträger, hat er es gefunden, ein Zwischenglied zwischen Himmel und Erde, mit einer Kohlenseele mit überentwickelten Rücken und Schultermuskeln. Ein Stückchen Maschine, mit Tempo im Leibe, lebt im Staub, Rauch und Oeldunst und hat
Am Morgen ist der Weg, der zum Hof führt, mit Blättern unb Asttoerk bedeckt. Eine kleine Vogelleiche liegt starr unter ihnen.
*
Jetzt, wenn eS früh dunkelt, wird allez einsam. Ich sehe eine alte jytau an "nmi Fenster sitzen, niedergebeugt und wie ein et» ftarnes Bild. Sie ist wie eine Statue der Schwermut.
Das Reh wird aus dem Walde schreiten, das braune schöne Reh, und wird herüberäugen, wo das Vieh in den Ställen dampft und vor vollen Raufen steht und kaut.
Nun werden meine Träume samten. Und sie stehen schon auf unb kommen über mich, wenn «z kaum dunkel ist; seltene Träume, "Palme Traume, Träume wie verhuschte veffallene Musik.
Schmerzlich wirb eine Harfe schwingen. Keiner weiß, welcher Finger sie rührt. Und wir (stauben alle, daß es der beinfarbene schmale Finger einer verzauberten Frau ist . . .
bet Nebel schwer und mächtig herein. Und kein Gesicht ist mehr zu erkennen und alle Schritte werden Schritte von Lautlosen. Fester WWntoir die Fenster. Eher riegeln wir die Türen zu. Frühe Nacht ist da. Wäre Mademoiselle zu Haus, so Kang« das Spinett. So bleibt es schweigsam in den Stuben und nur der Kater schnurrt.
Kastanien Pottern in den Gang und ich fühle mich wie ein Knabe. Früh ist es Nacht. Spät ist eS Tag.
Sinter den Fenstern bewegen sich lautlose Schottern
Ein Gesicht ist voll Trauer.
Die Geliebte, die weit Über den Bergen und hinter den Wä-dern wohnt, heißt Ma. Bevor du schlafen gehst, nennst du diesen heiligen Starnen. Und eS ist tote Wärme, die aus dem kalten Dunkel kommt.
So vergeht eine Nacht nach der andern. Mondlos. Sternlos. Bis du emes Morgens deinen Laden öffnest und geblendet zurück- fährst: es ist Schnee...
3» den deutsch-polnischen Handelsverkrags- verhandlungen.
Warschau, SO Oktbr. (Ost-Expreß.) Der Polnische West- LerfLn' feine Gelegenheit zu deutschfeindlicher Agitation versäumt, hat zu den kommenden Verhandlungen über Handelsvertrag Stellung genommen. In buffe die Errichtung von Filialen deutscher Industrie ° werke, Banken und Privaffirmen in Polen zugelassen werden Der Regierung solle ein Protokoll vorgelegt werden, in dem verlangt wird daß der von Deutschland vorgeschlagene Grundsatz der Meistbegünstigung abgelehnt werde. Die Verhand- lungen mußten m Posen geführt und ihre Leitung einer Persönlichkeit anvertraut werden, die aus Westpolen stamme und sowohl die deutschen Wirtschaftsverhältnisse als auch „die deutsche Psyche" genau kenne.
' Krönung ®iC^tUn8' °Ber dne Wahrheit bis zur grausamsten ’ _ Gleichzeitig stellt er dem Theater eine Aufgabe, die heute ' belfer liegt äs« Gustav Hartung. Diese acht
' 6el Tempo und Rhythmus der stampfenden
, Schiffsmaschine und der Kolben des Nazareth-Stahlwerkes; es «n'rJlrT das«, dumpfe G.egroll der Männer , unterhalb der . Siuu§fabinen,_ der Kampf eines Aüfgescheuchten gegen die von
C A*^ne Die Eisenhand dieser lebendigen Regie- 2 dem kühnsten Griff nicht zurück'und bezwingt
' A dank und fernem brutalen Maule er-
Pilartz schuf die überzeugenden Bühnenbilder und mischte tue graue Stumpfheit mit der grellen Pracht des Men f"rge war aus Berlin gekommen und
gab den Yank. Es ist schwer, das rechte Lob zu finden für die ^ucht dieser Kunst, diese Bemeisterung des Muskeltieres und dann die brüllende, Empörung ein^. Wesens, das zum ersten Male das Dieser Riesen-Dank war ein wüstes Kind der. Stahlzett, ein^Fabeltier, das um-sich schlägt-um selber erschlagen, zu werden. Neben ihm, völlig zurücktretend, doch nicht unwesentlich der Long des Herrn Pfund, der Paddy beä $errn K o r t h. .^mmer besser weiß Hartung das ihm ursprüng- lich fremde Ensemble unter feine Absichten zu zwingen. ^>ie kleine Rolle der Mildred spielte Pamela Wedekind eine Socbter Franks, Mnz jung und .zierlich. Hier sind erst Anfänge, aber für, gewisse Tone der Frau im Zwielicht verheißciid.
Das Publikum, durchweg „erste. Kajüte", war erst ganz fremd Aber dann kam es In atemrauBenbe Spannungen und bückte sich unter dem Knall dieser dramatischen Peitsche. S»°n nach den ersten Bildern rief man nach George. Hand in Hand standen H^tunq und George am Schluffe, immer wieder gerufen. Zeugen ' für O 9teiff und das ewige und zeitliche Theater. D-nn das gibt es nun auch in Köln. ycl)cr.
----------------------------- ' 's
Tagung der Schopenhauer-Gesellschaft.
, . Weimar, 26. Bis 27. Oftbr. '
-ri.drsE" ^,°Emar stattflndende zehnte Tagung der von Paul ^1,11^ u 1911 begründeten Sch o p e n h.a u er- llschaft^wurde nut einer Reihe offizieller Ansprachen 5s?^.iiet.. . Das Thüringische.Staatsministerium ließ durch den Mlnisterial-Direttor Wuttig, die Stadt Weimar durch ihren Zurserme'ster Kloß her zahlreich erschienenen Versamnilung ihre Gruße entbieten. • • •
?enmeiPln Vortrag hielt der Leiter der Dresdener Volksboch- chule Dr. Franz Mockrauer über Schopenhauers Be- 6Jrr1*’v Gegenwart. Nach einem Hinweis auf die Zerrissenheit der Zeit, in die Schopenhauers Wirken fiel kennzeichnete er dessen Philosophie, die, ausgehend vom Empiris- mus und anknüpfend an den 9taturalismus einer späteren Epoche, bte deutsche Mystik des Meisters Eckhaff und die uralt* Weisheit
: “f." ats di«, ihm „zu fressen" zu gehen, dem
® das 25 Knoten pro Stunde über den Ozean rast
®™‘Mer "dank", ist es. Das weiße MllionärS- puppchen Mildred Douglas haut ihm ein „Untier!" an die dumpfe ®tlrm ... f tam. in den Herzraum, suchte nach sozialem Kitzel zur Betäubung der mit fünfzig Kleidern drapierten Langeweile, stieß auf den Kerl mit dem gerade zum Schlage erhobenen Kohlen- gesth n""' ,as hätt sie'n großen haarigen Affen aus'm Zoo
0|y n,Un an ist Jank besessen unter seinen Kameraden. Nicht Liebe, Haß erweckt ihn — zum ersten Male. Er sucht nach der feinen Mildred; Rache, peffönliche Rache, um ihr zu sagen, ins Gesicht zu spucken, was er ist: „Stahl bün ich un Dampf und R-mch und alles, wat da iS." „Affe, haariger Affe", schreit es hinter ihm her. Er kommt ins Gefängnis, bann ins Büro bet Internationalen Industrie-Arbeiter-Vereinigung. O nein, nicht
Ju,n9 JttoorBmcr -Erkentnis seiner sozialen Klaffenlage", nicht als Agitator unter ben Heizeffolleaen! Er will betn alten Douglas, dem König ber Nazareth-Stahlwerke samt seinem Töch- ter^en an ben Hals: sein Stahl soll in bie Luft fliegen, bet Stahl von ber ganzen Welt soll in bie Lust fliegen!
Man wirft ihn als Unternehmer-Spitzel hinaus. Unb Dank, ber Affenmensch, ber bte Welt nicht mehr veffteht, geht zu seinem Bruder, dem Menschenaffen. „Haarige Affen alle beib'." Der aber knackt ihm im Zoo-KLfig die Rippen zu Tode
Es gibt im heißen Atem Vieser hasst „ hingesagten acht Bilder keinen Aufschrei der ewigen Gerechtigkeit, keine Äiislage, kttnen Hochflang der Befreiung. Dank, beinahe Alleinfigur, ist vollkommen asozial; er will keinen „Heilsarmee-Sozi-Stuß". Diese nackt konsequente Zeugung von Goffenschmutz unb Arbeitssklaverci 'st spezifisch amerikanisch und von O'Neill nicht mit einem einzigen Wort geadelt Der deutsche Dramatiker, ethisch wie er ist1 hätte den armen Yank in irgend einer Aff von Schönheit sterben' lassen nachdem er vergeblich nach den ewigen Menschenreebten gelangt' Denn er hat sich in den Bezirken des Glaubens unb "ber Erlösung eingerichtet, unb keiner hätte gewagt, biefe Masse Affentragödie mit einer Umarmung be§ Gorilla zu beenden. Ein neuer Dramen- typus, von Amerikas Tempo erschaffen, kündet sich an, Naturalismus, in Eis gekühlt, im Arbeitszwang verhärtet, ohne Ausblick. So war es, so ist ez im alten unb im neuen Leben, wo Stahl und Kohle herrschen: ber Mensch wird Tier, wirb Asse. Ein amerikanischer Woyzeck in letzter rettungsloser Verzweiflung. Wenn es dann ben Hörer graust und gruselt, ist man im Lande des Dramatikers Eugen G. O'Neill.
Um Uank sind ein paar Gestalten, bie feine völlige Einsamkeit belichten, denn die Maffe ber Heizer ist nur Chor. Der alte Pabdh träumt vom alten Segelschiff, Song von ber Arbeiter- föberation. Alles „Bockmist" für ©ant Und bie kleine Mildreb, mit dem Fäulnisgernch. In biefer Welt steht bet haarige Affe unb < monologisiert in seinem fürchterlichen „Slang", ben Frank Wash- ] hurn Freund und Else von Hollander in ein Gemisch i von hamburgisch und berlinisch geschickt übertragen haben. O'Neill i
wg Zürich, 31 Oktbr. (Priv.-Tel.) Der schweizerische Bundesrat hielt eine außerordentliche geheime Sitzung ab, um einen telegraphischen Bericht aus Berlin über bie Verband- lungen zwischen der deutschen und der schweizerischen Delegation
m i nrf,f brbe frankUn gen entgegenzunehmeii. Der Bundesrat setzte^ wettere Instruktionen für bie schweizerische ®ele0atwn fest und übermittelte sie dem schweizerischen G-sanbten Rufenacht. Die Verhandlungen zwischen Berlin und Bern in biefer Frage dauern länger wegen auftaudjenber Schwierigkeiten, mit denen man im Bundeshaus nicht gerechnet hatte. I
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M Ausstellung zeigt, baß die Aussichten einer Partei, terS,*rmhnm?b' "Mute Mehrheit, zu erhalten, herzlich gegebenenfalls gar nicht wunder^ i^n hätte 4' ™ 3 herankame, ohne daß eine Wahl stattgesun' ?^er, Wird die amerikanische Nation 5^xE^??^en sein? Wahrscheinlich nicht, denn während über einen Präsidenten abftimmt, sucht h/r^L -» Vizepräsidenten, ber, falls kein Präsident "ufomastsch vorruckt, zu wählen. Der Senat stimmt nicht über drei, sondern nur über zwei Kandidaten aß> — nmnlich über die, welch« bei der Volksabstiinmuna die meisten Stimmen erhalten haben — auch stimmt ec nicht nach ^u°ten s°ndern jeher Senator hat sein eigenes Votum wie sonst auch. Nur ist es notwendig, daß eine absolute Mehrheit
%-nb °" diesem Erfordernis kann schließlich auch
^uhl im Senat scheitern. Es werden zwar 51 Mitglieder' als Republikaner gegen 43 Demokraten aufgeführt, aber unter ^en^ersteren sind «ine Reihe Foffschffttliche, die jedenfalls nicht
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yegrunoet von eeposb Lennemann, fflr auswärts: Aad Hzssa 9173 Verlag und Druck der Frankfurter Societäts-Druckerei G. m, b. H,
___ ______________ Poitsohekzonto Frankfurt (Main) 4430.
Die vikkakur und die Opposition.
kDrahtrneldung unseres Korrespondenten.)
J Stoibrib, 31. Oktbr. Der General Berenguer und der Oberstleutnant Saravia wurden verhaftet und sofort zu sechs und vier Monaten Festung verurteilt, weil sie letzten Montag an einem Bankett zu Ehren des UniversitätsProfessors Sainz Rodriguez teilnahmen, wo oppositionelle, politische Reden gehalten wurden. (General Berenguer' war Oberbefehlshaber ber spanischen Truppen in Marokko. Er er- litt vor zwei Jahren bie schwere Niederlage bei Melilla unb war bestiegen vor eine kriegsgerichtliche Untersuchung gestellt worben Die Reb.)
Der $aU Aechenbach.
« München, 31. Oktbr. (Priv.-Tel.) Die sozialdemokratische Landtagsfraktion hat sich bei Behand- luffll der Amnestieftage auch mit dem F a l l F ech e n b a ch be- chaftigt. Es wurde beschlossen, an das Justizministeffum die Bitte zu. richten, es möchte Aufschluß über bie Stellungnahme >es Ministeriums im Fall« Fechenbach erteilt werden, im besonderen darüber, ob in nächster Zeit im Hinblick auf die nun
mehr endgulttg geklärten Rechtsverhältnisse eine Begnadigung in Bettacht komme.
Die deutsch schweizerischen Mrtschaftsverhandlungen.
