Iahrgkwtz M. 647
i
HeänrüSa ferner liest den Anfang eines Romans
„Are Stunde der AranKfurter Zeitung"
Programm für Donnerstag, 1. SeptSr., abds. 7s/t Ahr
Wir sind uns darüber klar, daß die erste Eignungsprüfung, die sogenannte Testprüfung, ihre großen Mängel hat. Wer die prägen gut beantwortet hat, kann allerdings kein bummer Mensch sein, aber deshalb brauchen alle die, die in der gegebenen kurzen Zeit nicht dazu imstande waren, durchaus noch nrcht unbegabt zu sein. Es ist daher denkbar daß manchem, der zur zweiten Prüfung nicht zugelaffen wurde, Unrecht geschehen ist. Wer von diesen übrigens noch nachträglich um Zulassung zur Aufsatzprüfung bat, dem wurde grundsätzlich seine Bitte erfüllt, und von 30 solchen Nach- Züglern konnten dann noch vier ihre Aufnahme ins Abendgymnasium erwirken.
Diesmal kam er nicht. Er saß vielmehr dicht am Gitter des Käfigs und äugte gelangweilt nach oben. Daher wurde meine Großmutter die Treppen heruntergeschickt, um ihn von außen zu ermuntern. Der Bär blieb in seiner Stellung. Ich schöpfte Verdacht. , Sicher stocherte sie ihn nicht gehörig mit ihrem Sonnenschirm. Ich eilte die Stufen hinunter. Aber da stand die Großmutter mit Hoh! und Hallo! und stieß nach den Kräften ihres Schirmchens den Bären aus dem Abstand der Barriere in das dicke Fell. Ich schämte mich sie kontrolliert zu haben und wurde betreten. Meine Großmutter erkannte meine Verfassung und da sie wohl wußte daß sie es war die sie verschuldet hatte, versuchte sie wieder gut zu machen was sie mir angetan hatte. Sie hat seitdem jedes meiner Worte, ja jeden meiner Blicke, jeden meiner Schritte und jeden meiner Wünsche die ich zu ihr brachte mit einem zarten Ernst ausgenommen den ich nie vergessen werde.
Bei aller meiner Neigung für Frankfurt, bei allen Reizen der Stadt und des Hauses als Schauplatz einer Kindheit, bei aller Eindringlichkeit der Bilder und Erlebnisie, Bei allem Wohlbehagen und aller Geborgenheit, die ich im Bereiche der Großmutter empfand, so wußte ich doch von je in mir, daß ich dort nur zum Besuche ausgenommen war. Ein heimatliches Gefühl habe ich nirgends gehabt, auch nie, weder in diesen noch in späteren Jahren, dieses Gefühl oder die Heimat vermißt, die mir versagt geblieben ist. Die Großmutter aber schien zu meinen daß man eine Heimat haben müsse. Sie beklagte oft in ihren Briefen daß mir dies Gefühl fremd sei. Es war mir aber fremd und unbegreiflich. Dennoch sagte ich damals und später, da es mir in gewissem Sinne ehrlos erschien keine Heimat zu haben, meine Heimat sei Frankfurt. Dann meinte ich aber dieses Frankfurt das ich beim Ueber- fahren der Eisenbahnbrücke vor mich hingebreitet sah, das mich erregte, für das ich zitterte, weil es schön war; und weil es schön war, wählte ich es als Heimat; es durfte diesen Platz in meinem Herzen in diesen Jahren einnehmen; ich hatte es an diesen Platz gesetzt — fast aus Eitelkeit.
Es gab aber noch ein anderes Frankfurt, das zwar auch in tausend Erinnerungen lebt und wiederkehrt, gegen das ich freundlich in meinem Innen: und dankbar bin, das mir aber nicht kraft des Erlebens wie jenes gegenwärtig geblieben ist. Es war das Bereich der Familie meiner Mutter. Ja sogar die Familie meines Vaters, soweit es nicht die Großmutter war, teilte dieses Schicksal. In jenem nämlichen Haus an der schönen Aussicht ging mein Großvater, ging eine sehr kluge und liebevolle Schwester meines Vaters, gingen Vettern und Kusinen, alle mir wohlgesinnt, durch die nämlichen Türen und ich erinnere mich sehr wohl ihres Wesens und ihres Aussehens, ich hatte sie lieb weil sie lieb zu mir waren, aber ich habe sie dennoch nie besessen. Sie waren jenseits der scharfen Grenze deffen was ich erlebte, sie waren niemals in meine Erlebnisse verwoben und so konnte ich sie auch nicht durch mein Leben mit mir tragen.
Englische Dampfer auf dem Jangtsekiang beschossen.
Hongkong, 30. Aug. (United Preß.) Nach Berichten aus briti- scheu Quellen sind neuerdings wieder vierbritische Dampfer unterhalb Wuhus vom Südufer aus heftig beschossen worden. Die Dampfer erhielten verschiedene Treffer, doch sind keine Personen zu Schaden gekommen.
Das Hauptproblem sei die Arb ei tS lo se nfra ge. Ein Teil der beschäftigungslosen Kräfte werde durch die projektierten Arbeiten absorbiert, aber ein Ueberschuß an Arbeitslosen bleibe bestehen. Ihn zu beseitigen, sei voraussichtlich das Werk von zwei Jahren. Mit einem deutlichen Muk an die amerikanische Delegation erklärte Dr. Weizmann, daß der Kongreß, auf keinen Fall auseinondergehen dürfe, bevor nicht daS Arbeitslofenproblem gelöst sei. Zum Schluffe wies et energisch die Angriffe gegen die zionistische Beamtenschaft zurück.
Als zweiter Redner zum Bericht der Exekutive sprach Herr Sokolow. Er belegte die These, daß der Zionismus in den verflossenen zwei Jahren einen Sie geslauf zurückgelegt habe. Beweis: die große amerikanische Delegation bei diesem Kongreß. Auch den anderen Ländern gegenüber sparte er nicht an Anerkennung. Die.Tatsache, daß sich aus manchen nichtjüdischen Freunden von früher sich jüdische Zionisten entwickelt hätten, sei ein Zeichen der beginnenden Aussöhnung zwischen der christlichen und jüdischen Welt. Desgleichen feierte Sokolow das Palästina- werk. Die Rede war als rhetorische Lesstung wirksam.
Das Herliner Abendgymnasmm 5&,n Prof. Dr. Peter A. Sttvermarm, Direktor des Berliner Abendghmnasiums.
Köln, 31. Aug. (Priv.-Tel) Könnecke hat sich von seinem Funker Wall getrennt, da dieser angeblich übertriebene finanzielle Forderungen stellte. An seine Stelle engagierte er den Telegraphisten Johannes vom Telegraphenamt Koblenz.
Die Wetterlage attf dem Ozean.
Hamburg, 31. Aug. (Wolff.) Nach einer Mitteilung der Deutschen Seewarte über die Wetterverhältniffe auf dem Atlantischen Ozean liegt das Tiefdruckgebiet noch unverändert zwischen Grönland und Irland und erstreckt einen Ausläufer südwestlich bis zum 45. Breitengrad. Es herrscht auf seiner Ostseite lebhafter Südwestwind mit einer Geschwindigkeit von 25 bis 40 Km. die Stunde, während auf seiner Rückseite starke nordwestliche böige Winde mit Geschwindigkeiten von 50 bis 60 Km. in der Stunde herrschen. Ein weiteres Tiefdruckgebiet befindet sich auf der Westseite von Grön
land, so daß noch nicht mit dem Abfluß des TicfdruO gerechnet werden kann. Auf dem westlichen Teile des Atlantischen Ozeans befindet sich ein Hochdruckgebiet, das langsam nach Osten vorrückt. Sein Kern liegt jetzt auf 43 Grad nördlicher Breite und 45 Grad westlicher Länge. An der amerikanischen Küste herrfchen an der Nordseite dieses Hochdruckgebietes frische Südwestwinde. Ueber dem amerikanischen Kontinent liegen verschiedene neue Tiefdruckauskäufer, so daß auch dort mit schlechtem Wetter zu rechnen ist. Infolge des starken Gegenwindes, der sich fast auf der ganzen Strecke Europa—Amerika findet, dürste ein Flugzeug start noch nicht möglich sein.
: tannn D. Fast gleichzeitig in Amerika, England, Holland, - Deutschland und Rußland hat man feftstellen können, daß : ein von der weiblichen Geschlechtsdrüse neben den Geschlechts- ' zellen, den Eiern, geliefertes Hormon, das Feminin, Oestrin, Menformon, Follikulin oder Thelykinin von den verschiedenen Bearbeitern benannt worden ist, an dem Cholesterin nahestehende, fettartige Substanzen, sogenannte Lipoide, gebunden ist. Weiter aber steht fest, daß diese Lipoide nicht selbst das Hormon darstellen, sondern daß bessert Wirksamkeit einem wasserlöslichen Material anhaftet, das man, ohne dabei etwas von der wirksamen Kraft zu verlieren, aus der fettartigen Grundsubstanz ausziehen kann. Die Menge des die volle Kraft bewahrenden Wirkungsträgers ist aber so gering, selbst bei Verarbeitung zentnerweise gesammelten Ausgangsmaterials, daß es bisher noch nicht möglich war, eine quantitative chemische Analyse zu machen!
Vitamine und weibliches Geschlechtshormon! Bei beiden handelt es sich um vorläufig chemisch nicht zu charakterisierende, undefinierbare Bildungen von gewaltigstem Einfluß auf die gesamten Wachstums- und Stoffumsatzvorgänge im Körper. Ihre Wirksamkeit ist an minimalste Substanzmengen gebunden. Sie läßt sich nicht wie andere Lebensprozcsse auf einen Austausch chemischer Bestandteile zurückführen. Achn- lich wie bei Fermenten besteht ihre Funktion in der Auslösung an ihr Vorhandensein gebundener Vorgänge ohne eigne stoffliche Beteiligung. Ihr wesentliches Kennzeichen ist eine Kräftespeicherung, die an bestimmte Substanzen gebunden ist, wie der Magnetismus an das Eisen, gewisse Lichtstrahlen an bestimmte Salze in den Leuchtfarben. Ein unabsehbares Feld neuer Forschungen!
Krteötcs Leöen.
Von Rudolf G. Binding.
Copyright by Hütten & Loening, Frankfurt a. M„ 1927.
(5. Fortsetzung.)
Wenige Tage schon nach dieser Begebenheit wurde mir der Beweis meiner zweifelnden Verfassung zu teil. Meine Großmutter hatte uns in den Zoologischen Garten mitgenommen. Das Füttern der Fische von der Brücke des Weihers, das Drängen der dicken glitschigen Leiber und das dumm-gierige Schnappen der runden Mäuler um den Brot- brocken war nur das gewohnte Vorspiel. Die große Aufführung fand im Bärenzwinger statt. Dort lockten wir von dem oberen Umgang aus die Bären mit einem durchbohrten, an eine lassoartige Schnur gebundenen harten Brötchen auf den mächtigen Kletterbaum der in der Mitte des Zwingers angebracht war. Das Lasso flog, das Ende mit dem Brötchen wickelte sich oben um die höchste Gabelung des Baumes, der Bär kam.
Alarmbereitschaft m Dessau.
(Privattelegramm der Frankfurter Zeitung.) 8 Dessau, 31. Aug. Die Besatzungen der JunkerSozean- maschinen befinden sich in h ö ch st er A l ar m b er e i t sch ast. Ein Beschluß zum Starten für heute ist zwar noch nicht gefaßt worden, jedoch sind Ueberraschungen nicht ausgeschlossen. Anstelle von Edzard wird der bewährte Rekordflieger Schnäbele den Flug mitmachen. Auch der Platz des Amerikaners Knickerbocker von der Hearstpresse dürste neu besetzt werden. Der Direktor der Flugzeugwerke, Herr Sachsenberg, weilt zur Zeit noch in Warnemünde, sein Rückflug wird jedoch noch für heute erwartet.
Donnerstag, 1. September 1837 15 pfg,
Als Vorbildung für die Obertertia wurde die absolvierte Volksschule, für die Obersekunda die Obersekunda-Reife einer höheren Lehranstalt verlangt. Von den 41 Obersekundanern, unter denen sich 14 Frauen befinden, sind 11 Handlungs- geyilsen, 6 Büroangestellte, 6 Bankbeamte, 4 Lehrer, 3 Techniker, 3 Beamte, 2 selbständige Gewerbetreibende, 2 Fürsorger, 1 Arbeiter, 1 Redakteur, 2 zur Zeit ohne Beruf. In der Obertertia sitzen 61 Herren neben 22 Frauen, und zwar 27 Handlungsgehilfen, 26 Büroangestellte, 12 Arbeiter, 6 Beamte, 3 Krankenpfleger, 3 selbständige Gewerbetreibende, 2 Techniker 2 Bankbeamte, 1 Redakteur, 1 zur Zeit ohne Beruf. Von den 124 Schulern sind 23 verheiratet, 74 sind evangelisch, 17 katho- "sch, 16 israelitisch, 17 konfessionslos. Das Durchschnittsalter in der Obertertia beträgt 25%, das in der Oberselunda 24% >^ahre, der jüngste Schüler steht im 18., der älteste im 51. Lebensjahr.
Erfreulich ist, daß ein Teil der Aufgenommenen im Abend- sihEasium nur Ordnung und Vertiefung der Allgemeinbildung jucyt. Für diese Idealisten stehen also die Berechtigungen und äußeren Vorteile erst in zweiter Linie. Die meisten Schüler erhoffen - allerdings vom Besuch des Abendgymnasiums ein Uftres Fortkommen in ihrem Beruf und damit zugleich wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg. Von den 41 Obersekunbanern erstreben 30, also 73 Prozent, ein nachträgliches akademisches Studium und damit einen Berufswechsel. In der Obertertia, die ja auch durch 5 Studienjahre vom Abitur getrennt ist, sehen
nur 26 Prozent, also 22 von 83 Schülern, ihr Ziel im Hoch- • schulstudium. Ein 35jähriger Setzer, der kürzlich seine Frau . durch Fehlgeburt verloren hat, will Frauenarzt werden, eine ; 22jährige Kontoristin — Staatsanwalt!
1 Ob viele von den jetzt Aufgenommenen es überhaupt je- l mals bis zum Abitur bringen werden? Wird nicht gar mancher, , der seine Willenskraft oder seine Gesundheit überschätzt hat, schon im ersten Jahr abfallen? Vielen wird auch die Kurz-
: sichtigkeit ihrer Chefs hemmend in den Weg treten. Als man 1 vor mehr als einem Jahrzehnt in Amerika die ersten „Evening High Schools" einridjtete, waren die Arbeitgeber zuerst Gegner der neuen Bildungsstätte. Heute fördern sie sie nach Kräften. Wissen sie doch genau, daß man hundertprozentige Leistung nur von einem durchgebilbeten und intellektuell geschulten Angestellten erwarten darf. Die 17 Abendgymnasier die es z. Zt. allein in New Uork gibt, wurden im letzten Winter von 35 000 Männern und Frauen besucht, die verschiedenen Abenduniversitäten von vielen Hunderten. Und gerade in dieser Hinführung der erwerbstätigen Massen zu ernstem und systematischem Studium liegt vielleicht eine der wesentlichsten Ursachen für den erstaunlichen wirtschaftlichen Aufstieg der Vereinigten Staaten in den letzten Jahren.
In der deutschen Oeffentlichkeit hat der Gedanke des Abendghmnasiums ein vielhundertfaches Echo gefunden. Auch außerhalb Berlins, in Essen, Düsseldorf, Mainz, plant man bereits die Gründung von Abendgymnasien. In Köln sind die Vorbereitungen schon so weit gediehen, daß dort im April nächsten Jahres das erste Abendgymnastum eröffnet wird. In allen diesen Orten beobachtet man naturgemäß den Berliner Versuch mit großem Interesse.
Das Berliner Abendgymnasium wird jedenfalls nichts weniger sein als eine „Presse". Nicht bloßes Examenswissen will es seinen Schülern vermitteln, sondern vor allem wirkliche Bildung im Sinne des Huinboldtschen Ideals, und seine vornehmste Aufgabe wird es darin sehen, die edelsten geistigen und seelischen Kräfte seiner Schüler zu wecken und zur Entfaltung zu bringen und ihnen damit zugleich ein unverlierbares Rüstzeug gegen den seelentötenden Materialismus der Zeit in die Hand zu geben.
Wer die erste Eignungsprüfung bestanden hatte — es waren in jeder Gruppe durchschnittlich 30 Prozent - wurde zur zweiten aufgefordert. Hier mußte jeder Prüfling den Nachweis erbringen, daß er innerhalb einer Stunde einen orthographisch und stilistisch einwandfreien Aufsatz zu schrei- t-en unstande sei Es wurden jedesmal zwei leichte Themen zur Wahl gestellt, z B.: „Die Bedeutung der Presse für die Kultur — „Die Gleichberechtigung der Frau mit dem « — .Schutzzoll oder Weltwirtschaft?" usw. In dieser Prüfung find überraschend gute Arbeiten geliefert worden. , „ ~lc ®t9eBniffe der beiden Prüfungen, die nur die in- tEtuelle Eignung der Bewerber feststellen sollten, waren aus- schtaggebend für die Aufnahme. Es sind insgesamt 124 Per- fonen, also etwa 6 Prozent der Prüflinge, ausgenommen worden, und zwar 83 in die beiden Obertertien und 41 in bte Obersekunda. Denn nur mit diesen drei Klassen wird das Berliner Abendgymnasium eröffnet, da die für das erste Jahr zur Verfügung stehenden Mittel verhAtnismäßig bescheiden
WLamin, Movitamin und Kein Ende!
Von Professor Dr. Max Flesch.
Das letzte Jahrzehnt hat im großen Publikum eine neue Bewertung der Nahrungsmittel gebracht: nicht mehr der Ge- yalt an Kalorien", sondern an „Vitaminen" ist infolge emsiger Bearbeitung btr öffentlichen Meinung ausschlag- gebend geworden. In Amerika hat das angefangen. In der Kriegszeit, während im alten Europa die Gelehrten sich mit der Erfindung von Ersatznährmitteln und Giftgasen ab- muhten, fanoen drüben die Fachleute Zeit, sich um praktische Ernahrungsprobleme zu flimmern. Man wußte ja, daß der Mangel gewisser Bestandteile in der Nahrung zu Gesuud- vcitsschadigungen füllet, daß beispielsweise die Entfernung der, Schalen beim Polieren des Reises oder vielmehr der alleinige Genuß von geschältem Reis die gefürchtete Beri- Beri-5irankheit nach sich zieht. Die Zusammensetzung der Avalen aber ist bekannt: sie bauen sich aus sogenannten . Ballaststoffen auf, die als Nährwerte nicht in Frage kommen. Es mußte also ein bisher der Wägung und dem chemischen Nachweis entgangener Nebenbchandteil fein, dessen Wegfall durch das Schälen die Krankheit, die „Avitaminofe" bewirkt Dieier und ihm analoge vorläufig hypothetische Bestandteile anoersr wichtiger Nahrungsmittel sind die „Vitamine" Nach den Krankheitsgruppen, die man deren Mangel zuschreibt, unterjcyeidet man ein Vitamin A, B, C, D, neuerdings noch etn Vitamin E, dessen Fehlen Unfruchtbarkeit zur Folge haoen soll. Vielleicht wird noch das ganze Alphabet mit Vitaminen besetzt. Einstweilen aber wächst die Flut der Vitamin- arbeiten in allen Kulturländern zu unübersehbarer Fülle.
, Da und dort, auch in dem ant meisten beteiligten Amerika, zeigen sich schüchterne Andeutungen kritischer Prüfung Nicht ohne Ironie hat ein amerikanischer Frauenarzt seine historische Darstellung der Behandlung der Fasergeschwülste, vor dem Vortrag der eigenen Methoden, damit beschlossen, er wolle noch ^rausschicken, daß sich wohl bald jemand finden werde der tzge, "Vitamine sind das beste". Und es ist wahrlich nötig, ^uzss Wasser in den Vitaminwein zu gießen. Die Hausfrau,
Landwirt, der Arzt, sie werden überstürzt mit Anerbie- ^iHm von Nährmitteln, Futtermitteln und Heilmitteln von Mwaltigem Vitamingehalt". Schon geht es noch weiter: 2*.le Salbenfabrik preist ihr Produkt an als durch seinen Vitamingehalt durch die Haut wirksam! Wo ist das Ende»
Die Wissenschaft, vor allem auch die Behandlung der aus Vitaminmangel" erklärten Krankheiten hat unleugbar durch oie Vitaminforschung riesige Fortschritte gemacht. Und trotz- । *«n wissen wir von den SitaauMsn nicht einmal, 0- sie über- 1
Haupt als existierende Stoffe die wirksamen Bestandteile der ungekochten Milch, des Lebertrans, der zahllosen Nährfabrikate sind. Darum tönt es wie eine erlösende Fanfare, wenn jetzt verkündet wird, das „Vitaminrätsel" sei wenigstens für 1 cuJ.er' in der Rachitis der Kinder mangelnde VitaminD, I gelost. Das C hol e st e r i n, eine Substanz, die ihren Namen dem Vorkommen in der Galle verdankt, gewinnt durch Be- . strahlung mit ultraviolettem Licht antirachitische Eigenschaften. Chemische, durch die physikalische Forschung er= : weiterte Feststellungen haben ergeben, daß nicht das Chole- ’ an sondern eine darin in minimaler Quantität s enthaltene Beimengung, Ergosterin genannt, es ist, die bjjch ~™0cr der durch die Bestrahlung erzeugten cmtirachi- tischen Kraft werd. Aber nicht das unveränderte Ergosterin, sondern erst was aus ihm durch die Bestrahlung geworden :st, hat die heilende Wirksamkeit. Nur insofern sind wir weiter, als wir nun wissen, daß jene geringe Beimengung des Cholesterins das „Provitamin" ist, dem unter dem Einfluß der Ultraviolettbestrahlung die Wirksamkeit des „Vita- mms D" zuteil wird — vorausgesetzt, daß dieses letztere als selbständige Substanz existiert, was noch zu beweisen ist.
Das mag ketzerisch klingen. Liest man die Ankündigungen von Nährmitteln, Futterzusätzen, Heil- und Kräftigungs- Mitteln — überall beruht deren angeblicher Wert auf ihrem „Vitamingehalt", Vitaminen, die noch kein Mensch als solche gesehen hat! Gehen wir nochmals zum antirachitischen Vi- lamm zurück: man bie Slftitiicrung des Ergosterins bnrch
das ultraviolette Licht kannte, war die modernste Methode der Rachitisbehandlung geworden, daß man die kranken ftfuder selbst mit gutem Erfolg der Wirkung der ultravioletten Strahlen, sei es im direkten Sonnenlicht, sei es unter der künstlichen Höhensonne, aussetzte. Möchte man nicht denken, daß das Ergosterin gar nicht erst durch die Strahlen chemisch verändert wird, daß es nur durch Speicherung als deren Fr a g e r die antirachitische Wirkung erhält? Freilich ließe sich ,a auch denken, daß die unmittelbare Bestrahlung der Kranken gerade dadurch wirkt, daß die im Körper enthaltenen Ergosterinbeimengungen „aktiviert" werden. Die eine wie die andere Hypothese bedarf des Beweises.
Aber damit sind wir nicht ant Ende. Die Vitaminforschung verbindet sich nahe mit einem anderen, auf ähnlicher Grund- ^ffhenden Problem. Gewisse drüsenartige Organe liefern ttjre Absonderung, statt wie etwa Schweiß- und Speichcl- drusen auf freie Körperflächen, als „innere Absonderung" unmittelbar in die Blutbahn. Man nennt diese die gesamte Organentwicklung und das Körperwachstum beherrschenden, der inneren Absonderung entstammenden Substanzen „Hormone . Es hat sich darüber eine nicht minder umfang- ; reidje Literatur gebildet wie über die Vitamine. Und bei < einem der wichtigsten, wenn nicht dem wichtigsten der Hör- - nwas stoßen wir auf eine auffällige Parallele mit dem Vi- :
r. Wir dachten niemals daran, ins Wendgymnasium alle, die sich melden, aufzunehmen, wie es zum Beispiel in den amerikanischen „Evening High Schools" der Fall ist. Von Anfang an waren wir entschlossen, nur Begabte zuzulassen. Die Auslese sand auf Grund zweier Eignungsprüfungen statt. Zu würben insgesamt 2036 Personen zugelaffen, und zwar 1661 Manner und 375 Frauen, die aus fast allen Berufz- fchlchten hertamen. Die Prüfungen, für die die Bewerber nach Alter und Vorbildung in 39 Gruppen eingeteilt wurden, dauerten 2% Monate. In der ersten Eignungsprüfung waren zwei Fragebogen zu beantworten. Der eine enthielt z B 75 leichte Fragen, zu deren Beantwortung 20 Minuten zur Verfügung standen. Der Anschaulichkeit halber mögen einige Dieser Fragen hier wiedergegeben werden:
1. Länge verhält sich zu Meter genau so wie Gewicht zu — Zentimeter - Maß - Wage - Kürz« - Pfund? (Das richtige Wort war zu unterstreichen.)
2. Fünf Männer streichen einen Zaun in vier Tagen. Wieviel Manner streichen ihn fchon in einem halben Tag?
lci$er als Paul; Max ist ärmer als Kurt; Ernst ist armer als Max. Wer hat am meisten Geld? Ernst—Kurt—Paul— «MÄiU 8* » 1« 3* »•««
_ 5' Die Ansichten die über eine Person verbreitet sind, nennt WÄib“ ,6r'Cn 23crt - ir?m Ruf - ihr Schick- Alle 75 Aufgaben hat kein Prüfling in bei vorgeschrie- henen knappen Zeit gelost, aber bis in die 60er sind viele gekommen. '
DeEland^k^i^ in “ unb damit zugleich in bedeutende? toirtfS^^ Staates, der Stadt und h„ c.iEtschaftlicher Verbände das erste Abend- Männe" bKiiet «usschlZK JS
UniXÄÄ3X5Ä M. W,t B-r-f Die neue Bildungsanstalt, deren Lehrplan sich unmittelbar L -w«6i. bÄB Ä
S ni8'. dl« zum Studium auf allen Hochschulen Be- Unterrichtsfächer sind: Teutsch, Geschichte E^- MOenAUk, Physik, Chemie, Biologie, Englisch als erst« Fremdsprache, in der untersten Klasse beginnend unb als S'n LHi?» Ssi?ä $?c7en, riayre ab. Unterrichtet wird an den ersten fünf EftP« 19 bis 22 Uhr. In diesen drei Zeitstundm ^den.vi . U, rnchtsstunden erteilt, so paß auf jede Klasse zwanzig Wochenstunden entfallen. Abgesehen von einer Se ZL?^r von 10 Mark, ist der Unteniit unen$eItW Winhpft r+n au$ die Lehrbücher kostenlos gestellt Das
SSir hatten im besten Falle mit ein paar hundert gr-n- Snn39OOO8^net Daßsich aber bEsim ersten MEt $erTiJr00m^n^er rnb Hr°uen um die Aufnahme in das 4bendgymnasium bewerben würden, darauf ist niemand von uns gefaßt gewesen. 1 1,1
galt es bisher als außergewöhnlich, daß lasten Menschen studieren. Wer einmal die Schule tiei> lasten hatte und in das Erwerbsleben eingetreten war für den war es so gut wie ausgeschlossen, in späteren Jahren au^neBmS^K6^ regelrechten Bildungsgang wieder k war aucy Nicht erwünscht. Sollte doch B tbung , und damit zugleich Führerschaft im großen und bestimmten, Kaste Vorbehalten bleiben. $ demokratischer Volksstaat geheimteVSm^n'^’n^rbCr- bur^ unübersteigbare Mauern r,.™ s m r» allmählich eine terrassenförmige Gruppie- di^^V^iisgemeinfchaft zu bilden Beginnt, in der jedem 0&3rJBc-n scui bie Stufenleiter von unten burkFürv’Lemporzusteigen ist es weder wünschenswert noch ' ba6 die geistigen, politischen und wirtschaft- bestimmten Schicht des Volkes entnommen Uegt ia gerade die Werbekraft des demo- kiailsch^n T.vbval§, daß jede Begabung, jede Kraft b^r Ge- J2S nutzbar gemacht werden kann, daß^für den Führer- statt einer kleinen in Inzucht und Routine erstarrten Küste dw frische, unerschöpfliche Vorn des sich ewig verjüngenden Volksganzen zur Verfügung steht.
KemWr/1'L+ins ^^.Erstchn'ng, die sich immer wieder neu oaß Führerschaft ohne di« Trias harter intellek- test?lo'e^ ^u?0i, gründlicher Allgemeinbildung und vorur- tciLlo.en, wissenschaftlichen Denkens selbst Bei starker 5Be= Istbeu dnlbes sind Unvollkommenes BleiBt. Die eigentlichen Pflanzstätten dieser Trias sind stets unsere höheren Schulen und Umveftitäten gewesen, und soviel Gutes im Be= ^WAn und Volkshochschulen stiften mögen,
-6 t “P9 & D uchtigen zu Führern des Volkes kommen ä^ltCrrJtnikt1 Drage. Das dürsten wohl die Erfahrungen des letz.en Jahrzehnts Bewiesen haben
es uns daher ernst mit der Verwirklichung des demo- tX°rkn ?ir der Tat dem Tüchtigen freie SÄ"!Eb auch die Begabung der wirtschaftlich "lEdlaj echten für die Führerschaft entbinden, dann ^tingi es nicht, daß, zumal in den größeren Städten, begabte Kinder unvermögender Eltern die Möglichkeit zum Besuch höherer Schulen und Hochschulen erhalten, bann brauchen wir Bor astem höhere Lehranstalten und Universitäten für Männer und ö-rauen, die bereits im Berufsleben stehen, dann brauchen mit einem Wort Abendgymiiasien und Abenduniversitäten. Das Berliner Abendgymnasium stellt den ersten Schritt auf vielem Wege dar. Daß es der rechte ist, hewcist die große Ä! b"rn r^eldungen Dieser Andrang zeigt, wie rege in unserem Volk der Wunsch nach systematischer Bildung ist, wie In* s! 1 rb<1? Streben nach auswärts herrscht. Denn wenn JJn^ mMrr^rtrA^3 Abendgynmaflums, da niemand wirtschaftlichen Gründen am Aufstieg gehindert werden unentgeltlich ist, so gehört doch eine nicht gewöhnliche Willenskraft dazu Abend fiir Abend nach acht- bis neun- stunbiger Berufsarbeit noch drei Stunden lang in der Schul- ftuve hart zu arbeiten, und das auf Jahre hinaus.
IrauksiirlerZeilMa
Fernsprecher Amt Hansa 9160 - 9175 I Hub (Neue Frankfurter Zeitung) JF
Begründet von Leopold Sonnemann. Postscheckkonto Frankfurt (Main! 4430
Der ZiomsteMongreß.
(DrahtmeldunslinseresSonderberichterstatterS.)!
Kr Basel, 31. Aug. Zu Beginn der heutigen Vormittagssitzung erstattete Rechtsanwalt G r o n e m a n n für das Kou- greßgericht den Bericht über die Kongreßwahlen, wobei er u. a. feststellte, daß die Wahlbeteiligung sich gehoben hab«. Entgegen verschiedentlich aufgetauchten Behauptungen habe Amerika keine Sonderwünsche gehegt. Die Erklärungen des Redners trugen zur Hauptsache internen Charakter.
Präsident Dr. Weizmann machie sodann programmatische Bemerkungen zu dem gedruckt vorliegenden Bericht der Exe- k u t i v e. Was die politische Situation' betreffe, so fei eine stetig vorwärtsschreitende Entwicklung zu erwarten. Von der Exekutive sei in den letzten Jahren vor allem Gewicht aus Beziehungen zu den Organen gelegt worden, die mit und um den Völkerbund sich gebildet haben. Die palästinensische Regierung habe sich in mancher Hinsicht aktiviert. Verhandlungen mit ihr seien zu führen: über die StaatslLndereien. derentwegen man sich freilich keinen übertriebenen Hoffnungen hingeben dürfe; über Steuersta- gen „(gegen Ungerechtigkeiten in der Abschätzung müsse Abhilfe geschaffen werden); über die Arbeitergesetzgebung im Interesse einer größeren Beteiligung jüdischer Kräfte an öffentlichen Arbeiten; über das Sanitätswegen. Auch wies Dr. Weizmann auf die Notwendigkeit einer Regelung des palästinensischen Steuerwesens in bezug auf industrielle Entwicklung hin. Es bestehe Aussicht, für zukunftsreiche Industrien Schutzzölle zu erhalten. Zur
finanziellen finge
übergehend äußerte der Redner, daß in den letztm Jahren die faktischen Einnahmen stets überschätzt worden seien. Das Defizit sprang im Jahre 1927 auf 151 000 Pfund. Es müsse für das kommende Jahr von dem Kongreß ermöglicht werden, dieses Defizit bis auf 55 Prozent zu tilgen. Die kommenden Jahreseinnahmen werden auf 450 000 Pfund geschätzt; von ihnen sind aber ver- chiedene von der Exekutive eingegangene Verpflichtungen (An- agen usw.) sowie 70 000 Pfund zur Tilgung des Defizits abzuschreiben. Es bleibt die verhältnismäßig kleine Summe von 225 000 Pfund. Hiervon wären 70 000 Pfund zur Behebung der Arbeitslosennot vorzusehen. Strikteste Oekonomie ist also erforderlich. Es schweben Verhandlungen über eine langfristige Anleihe, für die Voraussetzung ist, daß die Arbeit in Palästina auf solider Grundlage ruht. Dr. Weizmann erklärte ferner, daß die Landwirtschaft von der Krise verhältnismäßig wenig betroffen sei. Der verbleibende Rest des Budgets müsse vorwiegend zur Konsolidierung der bestehenden landwirtschaftlichen Betriebe verwandt werden. Die Exekutive habe es inzwischen als ihre Hauptarbeit angesehen, für die Ableitung des städtischen Prole- tariats aufs Land zu sorgen. In diesem Zusammenhang teilte der Redner mit, daß die kanadischen Zionisten eine Million Dollar für Bodenkäufe zugesagt hätten.
B E Z VC S ■ PREIS Täglich drei Ausgaben, Sonntags und Montags zwei Ausgaben. Beilagen: Das Technische Blatt Literaturblatt Für Hochschule u. Jugend. Der Sport Bäderblatt Für die Frau. Wirtschafts- hefte.Bezugsprels LDeutschLmonatL JK. 6.- ausschl. Bestellg.» i. Anst n. dem Tarif d. a. Weltpostverein beleih Postanstalt - Unter Streifbd. PortozusdiL Einzelpreis. Expreßausgabe: Abendblatt und L Morgenblatt zus. 20 Pfg. Allgem. Ausgabe: L Morgenblatt 15, II. Morgenolatt 15, Abendblatt 10 Pfe. AN ZEIGEN.PREIS Nonp.-Zeile 85 Pfg. Reklame J&6.50 Steilenges. 40 Pfg. Fam.-Anz. Doppel, teile 85 Pfg. Platz- uDatenvorschriften ohne Verbindlichkeit
—--
Störungen d. höh.Gewalt od. Ausstand berecht nicht zu Ersatzansprüchen.
GESCPÄETSSTEI2LEÄ ii. Generalvcrtreieing’eni Frankfurt a.M.,Gr. Eschenheimer Str. 31-37, Schillerstr. 18-24. Berlin W 9, Potsd. Str. 133. Homburg, Gr.Bäcko str.9. Köln a.Rh. Kaiser-Wilhelm-Ring 10 u. Mauritius Steinweg 12. München, Perusastr.5 u.O,9,Emeranstr.20. StutF* gart.Poststr.7. Mannow,Leise witjstr. 53a. Leipzig-Leu., Friedr.-Ebert-Str. 66. Wien I, Wollzeile 11. Zürich, Weinbergstr. 24. London E.C1, Hot- born Viaduct House, Mailand, Via A. Manzoni 23. Brüssel, Rue Montagne aux Herbes Potagdres 47. Arnhem, (Holland), Utrechtsdiestraat 51. Rio de Janeiro, Caixa-postal 2401, New York Brooklyn,! 1 MontagueTerrace^ Anfragen und unverlangten Einsendungen ist Rückporto beizufugen,
Verlag und Druck: Frankfurter Societäte-Druckerei G.m.b.H
Studienreise russischer Bauingenieure nach Deutschland.
Moskau, 30- Aug. (Wolff.) 16 Söwjetbauingenieure sind nach Deutschland abgereist, um die neuesten Errungenschaften der T « ch - n i k und des Bauwesens in Deutschland rennen zu lernen.
