vwww nw< DledstahL im GisrndlchnschLafmagen.

Mr Frage der Haftpflicht.

Von Geh. Justizrat Urmaich (Köln).

' Der dreizehnte Abschnitt des Bürgerlichen Gesetzbuchs '(§§ 701 ff.) behandelt die Einbringung von Sachen bei Gast­wirten. Der Gesetzgeber gibt darin besonder« Nornien be­züglich der Haftung der Gastwirte für die von den Fremden bei ihm eingebrachten Sachen. Aus allgemeinen Grundsätzen würd« nur folgen, daß der Gastwirt, der ver­tragsmäßig einen Gast zur Beherbergung ausgenommen hat, diesem wegen des Verlustes oder der Beschädigrmg der von ihm eingebvachten Sachen haftet, wenn den Gastwirt ein Verschulden trifft. Der Gast würde zur Begründung seines Schadensersatzanspruchs eine Verletzung der dem Gast­wirt obliegenden Pflichten nachzuweisen haben, diesen Be­weis aber nach Lage der Verhältnisse nur schwer liefern können. Ein solches Ergebnis entspricht jedoch nicht den Be­dürfnissen und Anschauungen des Lebens. Denn wer als Gast ausgenommen wird, rechnet auf sichere Unterkunft. Es ist deshalb Sache des Gastwirts, die erforderlichen Vor­sichtsmaßregeln und Einrichtungen zu treffen, damit der Gast vor Schaden bewahrt wird. Damit ist aber eine strengere Haftung des Gastwirts gegeben.

Die Frage, ob die Schlafwagengesellschaften, die dem Reisenden auf der Eisenbahn Unterkunft und meistens auch Bedienung und die Möglichkeit der Beköstigung ge­währen, als Gastwirte anzusehen sind, ist in Schrifttum und Rechtsprechung bestritten. Sie wird teilweise bejaht, in­dem man sich auf den Standpunkt stellt, daß es sch bei dem Schlafwagenbetrieb um eine Gastwirtschaft handelt, zum anderen Teil wird aber auch di« Ansicht vertreten, daß ein Beförderungsvertrag in Frage stehe, der zwischen dem Reisenden und der Eisenbahnverwaltung zustande kommt. Eine dritte Meinung endlich geht dahin, daß ein solcher Ver­trag zwischen dem Eisenbahnunternehmcr und der Schlaf- wagengesellschast einerseits und dem Reisenden anderseits geschlossen wird.

Für die Annahme, daß die Schlafwagen alsrollende Hotels" zu betrachten sind, wird geltend gemacht, die Schlafwagen böten dem Reisenden einen Ersatz des Hotels. Wenn auch dieser Ersatz tatsächlich mehr oder weniger un- vollkoinmm sei, so sei er doch in r e ch t l i ch e r Hinsicht nicht zu bestreiten. Denn der Umstand, daß die Schlafwagengefell- schast dem Reisenden besondere Abteile mit Betten zur Der- fügung stelle, ihm Toilettenkabinen einräumc, eine Restauration mit Speisen und Getränke halte und Angestellte der Gesell­schaft die Bedienung bildeten, zeige zur Genüge, daß die Ge­sellschaft genau das leiste, was der Hotelier leiste, m. a. W. Fremde zur Beherbergung int Sinne des § 701 ousnehme.

Die Ansicht, daß die Schlastvagengesellschast kein Gast- wirtSyewerbe treibe und es sich um einen Beförderungs­vertrag zwischen dem Reisenden und dem Eisenbahnitnier- nehmer handelt, wird damit begründet, daß die Schlafwagen- gesellschaft für bestimmte Züge das Zugmaterial (Schlaft, und Speisewagen) stelle. Die Beförderung der Wagen erfolge aber durch die Eisenbahnverwaltung. Wenn auch die Gewährung eines Bettes im Schlafwagen eine besondere .Bequemlichkeit für den Reisenden darstelle, so würden doch im übrigen dem Reisenden von der Eisenbahnverwaltung auch in gewöhnlichen Wagen die gleichen Leistungen wie in den Wagen der Gesellschaft gewährt. So wenig der Eisenbahn- unternehmer durch die besondere Bequemlichkeit der Beförde­rung b«5 Reisenden durch einen Schlafwagen zu einem Gast­wirt werde, ebensowenig treffe dies bei der Schlaswagen- gefellschast zu, wenn sie auf Grund eines mit dem Eisenbahn­unternehmer geschlossenen Vertrags ihre Wagen stelle.

Für den Standpunkt, daß der Reisende einen Beforde­rungsvertrag mit dem Eisenbahnunternehmer und der Schlafwagengesellschaft abschließe, wird ausgeführt, die Schlaf­wagengesellschaft entnehme für die Deförderttng ihrer Wagen, die sie selbst stelle, nur die Dampf- oder elektrische Kraft von der Eisenbahnverwaltung. Sie zahle fiir die Schlaf- und Speisewagen, die aus besonderem Anlaß in die Züge ein­gestellt würden, Wagenmiete. Die Bedienung in diesen Wagen werde stellenweise von der Eisenbahnverwaltung übernommen. Die Beförderung des Reisenden erfolge nach den reglemen­tarischen Bestimmungen und den tarifmäßigen Gebühren der Eisenbahnverwaltung gegen Entrichtung einer tarifmäßig festgesetzten Zuschlagsgebühr, die nicht beliebig erhöht, er­mäßigt oder erlassen werden dürfe. Nach einzelnen Verträgen zwischen der Schlafwagengesellschast tmd der Eisenbahnner- waltung habe die letztere sogar für die Ausbesserung der Wagen der Gesellschaft, die Instandhaltung der Räder, Achsen, Wagengestelle und Fenster mit Einschluß des Anstrichs und des Lackierens der Wagenkasten zu sorgen.

Meines Erachtens sprechen überwiegende Gründe gegen die Anwendung des § 701 BGB. auf die Schlafwagengesell­schaften. Denn dem Reisenden kommt es in erster Linie auf di« Beförderung nach einem bestinunten Orte an. Je bequemer er das Reiseziel erreicht, um so angenehmer ist es für ihn. Wenn er im Schlafwagen bequemer reist, so benutzt er diesen als Beförderungsmittel. Weshalb der im Schlaf­wagen reisend« Fahrgast mit seinem in das Abteil mit­genommenen Gepäck bessergestellt werden soll als der Reisende, der in einem gewöhnlichen Wagen fährt und sein Gepäck aus­gegeben hat, fft nicht einzusehen. Letzterer erhält nach der Deutschen Eisenbahnverkehrsordnung nur den Wert oder Minderwert seines abhanden gekommenen oder beschädigten Gepäcks vergütet, während die Schlafwagengesellschaft als Gastwirt" ihm neben dem entstandenen Schaden auch den entgangenen Gewinn ersetzen müßte. Auch das Reichs- versicherungsamt hat sich in seinem Beschluß vom 12. Oktober 1896 auf den hier vertretenen Standpunkt gestellt, indem es hinsichtlich der Schlafwagengesellschaften ausführt, daß der Be-

furt die Teilnehmer des Kongresses zu einem Fest in den Römer eingeladen, zugleich mit der Deutschen Chemischen Gesellschaft, deren Tagung sich an die Tagung der Physiologischen Gesellschaft anschloß. We Professor Winterstein (Rostock) in seiner Antwort auf die Begrüßungsrede des Stadtrates Langer ausführte, ist bfes da» erste Mal, daß am Tagungsort ein offizieller Emv durch den Magistrat der Stadt stattfand. Der Empfang durch bi Stadt FranArrt erinnerte an die glänzende Aufnahme des intet, nationalen Physiologcnkon grosses durch die Stadt Stockholm irr vorigen Jahr.

In der Tatsache des offiziellen Empfanges durch die Stadl bewährt sich der weite Blick der Verwaltung der Stadt Frankfurt di« in der Arbeit des Gelehrten das notwendige Bindeglied siebt d«S zur Dreieinheit: Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft führt

Beethovens Leiden.

Di« neueste These eine? ArzteS.

Dor fast genau fünf Jahren ist hier eine Schrift des Münch­ner Arztes Dr. Waldemar SchweiSheimer über BeechovenS Leiden (Verlag Georg Miller) angezeigt worden, die nicht nur als wertvoller Beitrag zur Biographie des Meister? erschien, son­dern auch in ihren tvm medizinischen Schlüffen ciuleuchtete. SchweiSheimer hat in dieser Untersuchung zwei ursprünglich von einander getrennte!krankheitS«rscheinungen festgcstellt: als Ursache der Ertaubung eine ErkraneungdeSinneren Ohrs tarn als Ursache des Todes einechronifcheMagen- und Darm- krankheit, auf deren Boden später eine Leber-Zirrhose entstanden sei. Für die Entstehung de? Dormkatarrhs glaubt SchweiSheimer einen in der Jugend durchgemachten Typhus an­nehmen zu dürfen. Im ganzen erschien mit diesen Feststellungen eine Klärung der gesamten gesundheitlichen BtldcS nach Möglich­keit erreicht und insbesondere die wiederholt ausgetauchte Mer- nung, daß Beethovens verschiedene Leiden auf eine Geschlechts­krankheit zurückzuführen seien, widerlegt. Desto mehr bean­sprucht ein soeben in derDeutschen Medizinischen Wochenschrift" (Verlag Georg Thieme, Leipzig, Nr. 28) er­schienener AufsatzBeethovens Gehörleiden und letzte Krankheit" von Dr. Leo Jacobs ohn (Berlin) die Aufmerksamkeit der Beethoven-Freunde und der weiteren Oeffentlichkeit.

Jacobfohn, der schon 1910 an gleicher Stelle (Nr. 27) auf den möglicherweise syphilogenen Charakter des Leidens hingewiesen, jedoch ine postthyphvse Entstehung für wahrscheinlicher gehalten hat, geht nach wie vor von einer im Besitz eines Berliner ArzteS be­findlichen Zeichnung von Beethovens Schädel aus, die ein« flächen­hafte Austreibung der recht« SLrnfchlSsengegerrd erkennen läßt.

«bettdbkatt de» Qtamthttter Zettmrg

RMMNt UI CMteS

trieb dieser Gesellschaften sich tn seiner Eigenart und Zweck- besftmmimg im wesentlichen als Eisenbahnbetrieb charakterisiere, der sich in der Weise vollziehe, daß unter Be- imtzung frember Dampfkraft rollendes Material mit Be­dienung in die Züge eingestellt wird. Auch der Kommentar der Reichsgerichtsräte in seiner Anmerkung zu § 701 BGB. hält die Schlafwagengesellschasten nicht für Gastwirte.

Da die Eisenbahnverwaltung nur ben Wert ober Minder­wart des abhanden gekommenen ober beschädigten Gevccks, wenn es aufgegeben ist, ersetzt, und die Uebcrwachung des in­dem Abteil, dem Schlaf- ober Speisewagen untergebrachten Gepäcks dem Reisenden selbst überläßt, so muß der Reisende, um sich vor Schaden zu bewahren, eine Versicherung- schließen. Ein anderer Weg würde zu gleichem Ziele führen, und zwar durch Einrichtung verschließbarer Eisen- bahn-Gepäcknetze, wie sie eine Gesellschaft in Oester­reich einzuführen beabsichtigt. Man ist mit Recht der Ansicht, daß zahlreiche Reisende das 3(6teil oftmals nicht zu verlassen wage», weil sie fürchten, daß ihnen in ihrer Abwesenheit das Gepäck gestohlen werden könnte. Dem könnte abgeholfen werden, würde das Eisenbahn-Gepäcknetz in einem Draht- gitter bestehen, das durch ein besonderes Schloß gehoben und verschlossen werden kann. Den gleichen Schutz kann sich der Reisende übrigens auch selbst verschaffen, indem er das Hand­gepäck mit Kette ober Schloß an das Gepäcknetz anfchließt.

Ausland.

Vesterverchifch-de«tschev Mirtfchaftsr«famme«schi«tz.

<lt Wien, 4. Oktbr. (Priv^-Tel.) Hier fand unter dem Vorsitz des Ministers o. D. Dr. W i e S n e r die gründende Versammlung derDelegation für ben österreichisch-deutschen Wirt- schaftSzufammenschluß" statt. Zahlreiche wirtschaftliche Verbände und Körperschaften waren durch leitende Beamte ver­treten. Zweck der Delegation ist die Förderung des österreichisch- deutschen Wirtschastszufammenschluffes durch geschloffenes Vor­gehen und gemeinsame Arbeit der österreichischen wirtschaftlichen Körperschaften und Verbände.

Bevorstehende Lohuheravsetzrmg in Italien.

Rom, .3. Oktbr. (Wolff.) In einer Sitzung des Direktoriums der FaScistischen Partei teilte T u r a t i mit, daß eine Herab­setzung der Löhne in der italienischen Industrie ins Auge gefaßt werden müsse, um die Produktionskosten der Bewertung des Pfund Sterlings mit 90 Lire anpassen zu können. Musso­lini erklärte, er habe Tuvati beauftragt, der Shndikatsversamm- lung am nächsten Donnerstag die Bestimmungen mitzuteilen, die für weitere Lohnherabsetzungen maßgebend sein sollen. Diese Lahn­herabsetzungen würt-en für die einzelnen Industrien und Pro­vinzen veifchieden sein, jedoch mindestens zehn Prozent betragen.

England «nd Aegypten.

London, 4. Oktbr. (Priv.-Tel.) Wie derDaily Tele­graph" erfährt, beabsichtigt der ägyptische Premierminister S a r - wat Pascha, trotz der Schwierigkeiten, die innerpolitisch infolge des Todes Zaghlul Paschas entstanden sind, innerhalb der nächsten Wochen zu einem neuen Besuch nach London zu reisen. Bekannt­lich waren bei der Staatsvisite König Fuads und Sarwat Pascha? in England die Verhandlungen über die zwischen Aegypten und England schwebenden politischen Fragen mit dem Foreign Office nicht recht in Fluß gekommen, und es war beabsichtigt, daß sie mit den diplomatischen Vertretern Englands in Kairo fortgesetzt werden sollten. Der Tod Zaghlul Paschas ließ für einig« Zeit die Position de? ägyptischen Premierministers unsicher erscheinen.

Ue«e Aufstande in Meelko.

Veracruz, .3. Oktbr. (Wolff.) Reuter. Die hiesige Militär­behörde ordnete die Einstellung be§ Eisenbahnverkehrs bet mexi­kanischen und zwischen-ozeanischen Eisenbahnen nach Mexiko-Stadt an Wie verlautet ist es an mehreren Plätzen zu Aufständen gekommen. Die Bundestruppen sind mit unbekanntem Ziel von hier abgerückt.

Mexiko City, 4. Oktbr. (United Preß.) Die mexikanische Regie­rung niacht in einem Kommunique bekannt, daß am Sonn­tag in der Hauptstadt mit Unterstützung des Militärs eine Erhebung siattfinden sollte, doch gelang es den Behörden, diese im Keime zu ersticken. Der amtliche Bericht sag wörtlich: Von 20 Truppenteilen verließen drei ihre Kasernen mi der Absicht, sich an hochverräterischen Handlungen zu beteiligen doch kehrten später alle bis aus 500 Soldaten wieder in ihre Quar Here zurück.

Zwischenfalle arr der türkisch-persische« Grenze

Konstantinopel, 3. Oktbr. (United Preß.) Nachrichten aus A n- g o r a zufolge werden von der türkisch-persischen Grenze eine Reihe weiterer Grenzzwischenfälle s-» meldet, die, wie es heißt, hauptsächlich von kurdischen Banden unter Führung früherer türkischer Offizier« verurfacht wurden. $i- türkische Regierung wird unverzüglich in Teheran Vorstellungen erheben und um Abhilfe ersuchen.

Usrmarsch a«f Uelling.

Peking, .3. Oktbr. (Wolff.) (Reuter.) Me Truppen bei Provinz Schansi haben ihre Offensiv« fortgesetzt. Die Truppen Tschau- Tso-lins haben sich ungefähr 20 Meilen weit zurückgezog:n, er- ttwien aber Verstärkung. Nach den letzten Meldungen sollen die Pekinger Truppen ben ganzen Bezirk Kalgangeräumt haben unb in der Richtung auf den Rankaupaß abgezogen sein. Es wird behauptet, daß der Zusammenbruch der in Schansi operieren den nördlich«» Streitkräfte so gut wie sicher sei. Angesichts ix- schwierigen Lag« bei Nankau erwartet man Ereignisse von weit­tragender Bedeutung.

Wien, 4. Oktbr. (Priv.-Tel.) Am Sonntag sind im Ge­sa u s e zwei Touristen namens Jara und Gößnitzer, beide Mit­glieder der Atpinistengilde derNaturfreunde", von dem Ausstieg über die Roßkuppenkante abgestürzt. Eine Bergungsexpedition ist «ntcriocgS. Die Tour über die Roßkuppeukante ist eine der schwierigsten im ganzen Gesäuse. Vor einem Jahre haben Münche­ner Touristen die Erstbesteigung durchgeführt.

Um er« Grotz-Srrimgen.

(Don unserem Korrespondenten.)

ff Essen, Ende Septbr. Im Gebiet der bergischen Klern- eiscnindustrie wirb z. Zt. heftig um ben Plan gekämpft, bic fünf Städte Solingen, Ohligs, Walb, Grafrath unb Höhscheib unter Einschluß eines Teiles des Land­kreises Solingen zu einer Stabtgemeinbe zusammenzuschließen. Pläne ähnlicher Art haben, wenigstens für einige der genann­ten Städte, schon vor dem Kriege bestanbeu. Jetzt hat bas preußische Staatsministerium die Angelegenheit ausgenom­men unb den Direktor des Ruhrsiedfungsverbanbes, Dr. Schmibt (Essen), zu einem Gutachten aufgeforbert, bas mit mehreren inzwischen erschienenen Gegengutachten bie Unterlage für die entbrannte Debatte abgtbt. Da sich von ben genannten Städten Ohligs (30000 Einwohner bei 137 000 eines etwaigen Groß-Solingen), heftig gegen bic Vereinigung sträubt, ergibt sich für ben Landtag, ber voraussichtlich Ende be§ Jahres bie Frage beraten soll, bie Frage, ob die Gründe zum Zusammenschluß so zwingend sind, daß et auch gegen ben Willen von Ohligs gemacht trerben muß.

Dr. Schmidt kommt in seinem Gutachten zur Empfeh­lung bes Zusammenschlusses, weil bei ber fortge­schrittenen stabtwirtschastlichen Entwicklung dieses einheitlichen Wirtschaftsgebietes bie bisherige Zersplitterung unrationell sei; er fordert die Vereinigung bald unb lehnt eine Zwischen­lösung ab. Der Kamps um baS Schmibtsche Gutachten macht auf den Außenstehenden ben Eindruck des Kampfes um zwei kommunalpolitischeGrunbanschauungen: auf ber einen Seite die Einstellung auf Planung und systematische Siebelung großer, wirtschaftlich zur Einheit gestempelter Ge­biete mit Sicht auf Jahrzehnte; auf ber anbern Seite das Festhalten am Vorhandenen. Sieblnngs- unb Verkehrspolitik für ben Augenblick unter Berücksichtigung lediglich der lokalen Interessen. Der Streit dieser Meinungen ist im Ruhrge- b i e t burch die Schaffung desSicdclungsverbands längst beenbet. Daß er für das Solinger Gebiet überhaupt noch besteht, erscheint bem Außenstehenden unverständlich, wenn man ben nahezu lückenlosen baulichen Zusammenhang des Fünfstäbtcbezirkes betrachtet unb bie z. T. direkt grotesken Verhältnisse, bie sich durch engsten baulichen Zusammenhang einerseits, durch kommuiralrechtliche Trennung anbererfeitS er­geben.

Mit ben Befürwortern ber Vereinigung wirb man ohne weiteres einig fein können in ber Meinung, daß eine balbige Abänderung ber bestehenden Verhältnisse nottoenbig ist. Eine zweite Frage ist es allerbingS, ob bie vorgeschlagene Lösung bie einzig mögliche unb absolut ibeale ist. Auch tn Den Kreisen ber anbern vier Städte ist bie Stellung zum Projekt Groß- Solingen nicht immer einheitlich. Heb erlös ale Gremien des öffentlichen Lebens, wie etwa bie Handelskammer ober ber Jnbifftriellenverbanb, halten sich bezeichnenberweife <m8 bem Streite heraus. Der Hauptwiberstanb scheint in Ohligs dor­ten Kreisen der Deutschen Volkspartei auszugehen, bie als Industriell u. a. tn einem vergrößerten Gemeinwesen eine stärkere finanzielle Belastung befurchten.

Dr- KesoldirngsVsrlage

in Hamdirrg angenommen.

(Privattelegramm betFrankfurter Zeitnng".)

P Hamburg, 4. Oktbr. Als erstes der Länder hat Hamburg gestern abend in einer Bürgerschaftssitzung die B e a m t e n b e - soldungsvorlage verabschiedet. Ein besonderer Aus­schuß wurde ermächtigt, die etwa durch das demnächst zu ertoartenbe Reichsbesoldungsgesetz entstehenden Verschiedenheiten noch nach­träglich auszugleichen. Die Annahme der Besoldungsvorlage er­folgte mit 76 gegen 37 Stimmen der Deutschnationalen und Kom- munisten.

Jn der Begründung her Vorlage wies der Finanzsenator Otto Cohn darauf hin, daß die Länder bei Maßnahmen dieser Art in einer schwierigen Situation seien, da sie als finanzielle Kost­gänger des Reiches von dessen Zahlungen in ausschlazgibcndem Maße abhängig seien. Hamburg sei mit den übrigen Ländern der Auffassung, daß den L ä n b c. n vom Reich Re Mittel für die Mehrausgaben zur Verfügung gestellt werden müßten. Die Verhandlungen darüber würden heute in Berlin beginnen. Bevor nicht diese Verhandlungen vor dem Abschluß ständen, könne der Senat eine D e cku n g s v o rla g e für die MehrauSgwe von etwa 20 Millionen nicht machen. Der hamburoische Staatshaushalt für 1926 schließt mit einem Verlust von ca. 20 Millionen ab, und der Debetsaldo für den Haushalt 1927 müsse zunächst mit 13 Mil- lwnen in Ansatz gebracht werden.

Prin^ Wilhelm «nd das Domelo-Knch.

(Privattelegramm derFrankfurter Zeitun g".)

Berlin, 3. Oktbr. Vor dem Amtsgericht Charlottcnburg wurde heute über de» Prozeß des P r i n z e n Wilhelmvon Preußen gegen den Malik-Verlag wegen Abdrucks seines Bildes auf bem Umschlag d es Domela-Vuches ver­handelt, der inzwischen vom Amtsgericht beschlagnahmt worden ist Da? Gericht erkannte auf Einziehung des Umschlages, weil Prim Wilhelm nicht ber Zeitgeschichte angehöre. In Konsequenz der gcg »arischen Auffassung könnte man dazu kommen, auch die Sinmlinr solcher ehemals herrschenden Familien abzubilden. Prinz Wilhelm seien aber auch berechtigte Interessen zuzubilligen, S+ Domcla wegen gemeiner Delikte rechtskräftig verurteilt sei und die Veröffentlichung zu Reklamezwecken erfolgte. Gegen das Urteil hat der Malik-Verlag Berufung eingelegt.

Kerne AnstvanÄsentschädiflnug für Stadtverordnete.

r Mainz, 3. Oktbr. Der Verwaltungsgerichtshof von Hessen bol den Beschluß des Provinzialausschusses auf, der den Beschluß der Stadtverordnetenversamnilung genehmigte, daß den Stadtver­ordneten eine inonatliche Aufwandsentschädigung von 30 Mk. gezahlt werden soll. Danach haben dir Stadtverordneten kein Anrecht auf eine Vergütung.

Uermischte Uachrrchte«.

ch Berlin, 4. Oktbr. (Prw.-TL) Mr Me .Stete Fahne" mit- teilt, hat das Zentralkomitee bet Kommunistischen Spartet bo schlossen, bie Parteiführer, Me sich heute vor dem Reichs­gericht verantworten sollen, aufzufvrdern, vor dem Gericht nicht zu erscheinen,

Berlin, 3. Ott. (Wolff.) Dor einem Hanfe tn der Frankfurter Allee in Berlin-Ost stürzte heute eine Baugrube ein. Drei Per­sonen, die bei dem Einsturz verschüttet worden waren, konnten noch lebend geborgen werden. Ein Mann wat unverletzt, einer trug einen Nervenschock davon, bet dritte erlitt innere Verletzungen. Nähere Einzelheiten über den Unglücksfall sind noch nicht bekannt.

r Mainz, .3. Oktbr. Zwei chemaltg« Fremdenlegionäre, der stellungslose Simon aus Essen und ber Anstreicher Walter aus Köln, hatten fich bot dem französischen Kriegsgericht toeaen Diebstahl unb Hehlerei zu verantworten. Simon brach in dem Be- klcidungsmagazin ber Kaserne hier ein unb stahl viel Schuhe und Wasche, die Sachen verstaute Walter Bet feiner Braut hier. Beide gaben an, in Not gehandelt zu haben. Das Gericht erkannte auf je zwei Jahre Gefängnis mit fünfjährigem Strafauffchub.

Sport.

Das Gordorr Ksnnett-Reirtterr.

Die Berichte der deutschen Teilnehmer.

Ueber das Gordon Benncttrennen der Lüste, das im September von Detroit in den Vereinigten Staaten <ms erfolgte, vermißte man bisher nähere Angaben darüber, wie sich die deutschen Ballone neben ihrer internationalen Konkurrenz gehalten haben. Jetzt liegen bic ersten schriftlichen Mitteilungen der deutschen Teilneh­mer vor, die besagen, daß sie sehr benachteiligt waren. An dem Wettbewerb haben drei deutsche Ballon«,Munster", Führer Eimer« machcr-Münster, .Ernst Brandenburg", Führer Dr. Halben-Ber. Irrt undBarmen", Führer Kaulcn-Elberfeld, teilgcnommcn, bei dem der erste unb zweite Preis amerikanischen, der dritte Preis aber mit einer nur um 25 Kilometer geringeren Entfernung bem deutschen BallonBarmen" zusiel. Vor allem ist festzustellen, daß bet BallonErnst Brandenburg" nicht wegen eines Ventildefekts vorzeitig landen mußte, sondern wegen eines Gewitters. Die beiden anderen deutschen Teilnehmer logten gegenüber ihren Konkurrenten stark benachteiligt durch ihre soliden, aber schweren Ballone aus Baum­wollstoff mit dazwischenliegender Gummilage. Die Amerikaner gingen dagegen mit ganz leichten Scidenstoffballonen ins Rennen, deren Anschaffungswert 30000 Mark ist. Die deutschen Ballone kosten rund 10 000 Mark. Durch den großen Gewichtsunterschied waren die amerikanischen Führer in der Lage, etwa 60 bis 70 Sack Ballast mitzunehmen, während beispielsweise bieBarmen" nur noch 36 Sack tragen konnte, also schon von vorneherein auf eine kürzere Fahrt eingestellt war, als die Amerikaner. Die amerikani­schen Führer waren aktive Offiziere, die heutschen Fabrikanten, Aerzte und Redakteure. Es wird für die Zukunft zu erwägen sein, ob für dies« internationale Wettfahrt nicht eine Trennung zwi­schen außerberuflichen und beruflichen Führern vorzu­nehmen wäre. Wie die deutschen Teilnehmer weiter berichten, waren die Vorbereitungen für die Wettfahrt ungenügend. Die Landkarten waren schlecht, die Startmannschaften nicht eingespielt. Für dieBarmen" hatte man sich eine Startmannschaft au8 deutsch-amerikanischen Turnern und Austauschstudenten zusammen, lesen müssen. Die Füllanlagen waren so wenig auf die Konkurrenz eingerichtet, daß bie FWzeit volle zwölf Stunden in Anivr nahm! Außerdem fei das Gas fr» schlecht gewesen, daß die Barmen", die, mit deutschem Ga? gefüllt, 45 bis 50 Sack Dallaü trägt, nur mit 36 Sack fahren mußte. Der von derBarmen" ge­wonnene Preis ist 3500 Mark, dazu kamen noch 1000 stllark eine' deutschen Gummiindustricllen. Nach ben WcttbewerbSbedinouimcn wird nun das nächste Wettfliegen wieder in Amerika stattfinden müssen. fb.

-* .I I I I l.ll.l

WetteiMcMe vom 4. OMoäsr.

(Von der Wottord!enstobtollang de« Unlv.-Inet. fllr Meteorologie und Geophysik.)

An der Rückseite des rasch ostwärts abziehenden Tiefdruck­gebietes ist ganz Mitteleuropa von kalten Luftmassen überflutet worden. Durch nächtliche Ausstrahlung unterstützt sind vielfach die Temperaturen in die Nähe des Gefrierpunktes , mrückge- gangan. Der hohe Luftdruck, der über Mitteleuropa _ sich ausge­bildet hat. hält sich zunächst. Es wird also die weitere Witte­rung vorläufig mit ziemlichen Tempera turschwankungen zwischen Tag- und Nachtstunden erhalten bleiben.

Vorhersage für Frankfurt tu M.. West- und Ost­deutschland. Nach Frühnebel heiter, trocken, tagsüber mild, Temperaturen vielfach nachts in der Nähe des Gefrierpunktes, schwache Luftbewegung.

Wetterbeobachtungen von S Uhr vormittag-».

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+ 5

+ 10

+ 6

14

4- 700 = Luftdruck in Vieeresiiöhe. Nieder­schlagsmenge in mm. seit gestern 19.00 Uhr.

Frankfurt a. M.. Feldberg 1.1.... Wassersuppe ...

Normaliultt. gestern + 11.9

Maximum

gestern

+ 16.5

+ 10.2

Minimum

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+ 1.5

4* 0.8 - 0.5

Tagcsinittel gestern + 10.3 4- 5.2 + 4.2

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NiedersehL iS Uhr (letzte 24 Standes)

Wasserstand. 4. Oktober trüb

Vieretb --cm

Schweinfurt 16510 em Vv ürzbnrg 17818 cm Lohr Main 20512 cm Miltenberg 189-15 cm Aschaffenburg279 9 cm Gr.Stemheim 254-11 cm

Hanau 304-10 cm

Frankfurt 250-r 20 cm

Kostheim 230 - 20 cm

Kostheim Schieusen-

Unterpegel 428 -22 em

Fahrtiete alteben 1.280 um Mainz Rh. 263-21 cm

Bingen 35:?-18 cm

Caub 423 -27 cm

Koblenz 419-23 cu

Köln 484 - 24 cm

Mann heim..62-21 cm

Maxau 60515 um

Kehl 894-11 cm

Hümngen 270- i cm

Jagstteld 150-r 3 ein

wie sic gut auf dem Boden der Syphilis entstehen könne. Der Archivar derGesellschaft der Musikfreunde" in Wien hat bekundet, baß es sich entweder um eine Originalzeichnung oder aber um die Kopie eines solchen Originals handle. SchweiSheimer hat die 5k« weiskraft dieser, auch auf einer Photographie des Abgussez rott Beethovens Schädel sichtbaren Knochenauftreibuug angezweifelt, indem er die Erscheinung als Abgußfehler deutete. Neumann hat btt Auffassung vertreten (Wiener Medizinische Wochenschrift 1927, Nr. 31), daß es sich um ein« Krwchendeformität nach Art der Pagetschen Störung handle. Anderseits hat der Beethoven- Forscher Theodor v. F r i m m e l, der schon 1911 eine syphilitische Erkrankung Beethovens öffentlich behauptet hat, Jacobsohn neuer­dings Mitteilungen 91. W. Thayers zugänglich gemacht, ht denen dieser Autor der grundlegenden Beethoven-Biographie, der noch mit vielen nahen Bekannten des Meisters in persönlicher Berührung gestanden, vonveneral disease" spricht und bic Frage aufwirst, ob nicht die Taubheit Beethovens und dessen schlechte Gesundheit eine gemeinsame Ursache gehabt hätten. Jacobsohn sieht nach Kenntnisnahme dieses Materials seine frühere Mut­maßung hinsichtlich einer geschlechtlichen Erkrankung als wesentlich verstärkt an und baut sie zu einer These auS, weiterhin gestützt auf eine ihm bekannt gewordene Aufzeichnung von Beet­hovens eigener Hand, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine venerische Erkrankung de? Meisters Hinweise, doch auf Wunsch des Besitzers leider nicht bekannt gegeben werden dürft, sowie auf die Notiz Wegelers:Ursachen zur Wassersucht waren leider außerdem hinreichend zu finden." Gegenüber Schweis- Heimer, der zwei ursprünglicki getrennte Erkrankungen des OhrS bzw. des Magens und Darms zu erkennen glaubte, gegenüber Fritz Kahn, der Erbsyphilis annahm, und R. L o e w e, bet Beethovens Leberleiden ohne ausreichendes Deweismaterial alko- holistisch begründen wollte, schließlich gegenüber Romain Rolland, der lediglich psychologische Einwendungen erhob, hält es Jacobsohn nunmehr für erwiesen, daß Beethoven eine venerische Infektion durch gemacht habe. Zugleich hält er cs für sehr wahrscheinlich, daß der von Thayermit bemerkens- wertem medizinischen Scharfsinn" in Betracht gezogene gemeinsame Ursprung der Taubheit und ber Todeskrankheit in dieser als wahr nntcrfteCten Infektion zu suchen sei.

Es muß zunächst dem Kreis der engeren Beethoven-Forschung sowie natürlich auch der ärztlichen Kritik überlassen bleiben, zu Facobsohns Ausführungen Stellung zu nehmen. Eine klare Be­wertung wird erst möglich sein, wenn jenes bisher der Oefsent- lichkeit entzogene Autograph ans Tageslicht gelangt. Wir möchten diesen Bericht nicht schließen, ohne ben Besitzer dieser Handschrift im Interesse ber Beethoven-Forschung zu deren Freigabe auftu» fordern. Mr wiederholn, was hier ht dieser Angelegenheit schon

vor fünf Jahren zu lesen stand: Beethoven hat cs nickst nötig, sich von der Nachwelt solcher 2Irtschonend" behandeln zu lassen.

^LiebermmmS Hindenburg-Bildnis.) Der Verlag Piper in München, der feit einigen Jahren mit seinenPiper- Drucken" die Kunst ber farbigen Reproduktion von Gemälden mit hoher Meisterschaft pflegt, bringt soeben eine große farbige Wieder­gabe des Bildnisses von Hindenburg auf ben 'Markt, das Ntex Si Obermann in diesem Jahre gemalt hat. Man kennt das Bild schon au8 Zeitschriften (das »Illustrierte Blatt" brachte bie erste Schwarzweiß-Wicdergabe): ein Kniestück, in welchem der sitzende Körper bie Fläche bis gegen den oberen Rand hin stillt, eine Darstellung des würdevollen bürgerlichen Magistraten im schwarzen Rock, ohne eine Spur jener etwas aufdringlichen Mar- tialität, welche die zahlreichen Gencralsbildcr bes Reichspräsi­denten für ein feineres Auge unerträglich macht. Wer zuhause einem Porträt Hindenburgs einen Platz einräumen will, der greife nach diesem ausgezeichneten Blatte, das zugleich ein Zeugnis für Liebermanns reife Kunst ist. Der Meister hält hier seine Höhe.

_ eh.

[iutamtdielc".] Einmal im Jahr nur kommt es. Alm 29. September, dem St. Michaelstag, versetzt es die ganze Stadt in Erregung, diese sonderbar unbayrische Stadt: das schwä­bische Augsburg. Wie es sich für einen richtigen Schutzengel gehört, führt cs da§ ganze Jahr über ein unsichtbares Dasein. An diesem strahlenden Herbsttag aber zeigt es um so eindeutiger, wie treu c? diese Stadt und ihre großen und kleinen Bewohner vor allem Bösen bewahrt. Besonders die Kleinen! Dichtgedrängt erfüllen sie das Herz der Stadt, ben Ludwigsplatz, zu Füßen des Hallschen mächtigen RathauSbaueS unb des eigentümlichen Stadt- turmeS, mit unruhvoller Erwartung, haben das Gitter beS Augustusbrii nnens erklettert und sich sogar auf den antikisch- nackten Leibern der vier Flußgötter postiert, um ja das große Ereignis recht genau verfolgen zu können. Alle Spannung konzen­triert sich auf das einzige kleine Fensterchen da oben, am mächtigen Unterbau des P erlach. Im Stadtturm wohnt es unb von ihm hat es seinen schwäbischen Namen: dasTuramichele". Schlag 12 Uhr öffnet sich da? Fenster unb es erscheint. Jetzt hebt bie Turmuhr zum Glockenscküag aus und nun hallt der alte Platz wider von dem taktmäßigcn Ruf all der großen und kleinen Kinder". "Denn bic Augsburger müssen es ihm zwölf Mal be­stätigen, daß es dem schwarzen zappelnden Teufel zu seinen Füßen zwölf Mal die Lanze in den Rachen stößt, bis er sich nickst mehr rührt und nun für das ganze Jahr, unter dem Fuß des treuen Erzengels gebändigt, wieder im Turm verschwindet! Noch ein Aufleuchten der goldenen Flügel und das Spiel ist beendet.

= fChronik der Künste.) Frankfurt: AuS dcr Slc- vogt-Ausstellung des Kun st Vereins (Junghofftr, S; erwarb die Stadt Wiesbaden nachträglich das Oclgcmäldc.Bildnis Max Liebermann" aus dem Jschrc 1901. Nach Frankfurt selbst wurde nicht eine* der auSgeASten Gemälde verkauft.

jAkavemische Nachrichten.) Auf den Lehrstuhl für Tier- hhgiene der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität M ü n- ch e n wurde Dr. E r n st, Direktor des vctcrinärhygienischcn In­stituts in Schleisheim, berufen. Dr. Wasther G o l h a n an ber Technischen Hochschule Charlottenburg ist zum Honorarprofessor in der philosophischen Fakultät der Universität Berlin ernannt worden und erhielt einen Lehrauftrag für Paläobotanck. Der Honorarprofessor in der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg Präsident des Hanseatischen Oberlan­desgerichts Prof. Dr. Max M i 11 e I ft e i n ist im 67. Lebensjahr« verschieden. Dieser Tage beging der ord. Prof, der Verstcherungs- Wissenschaft . an der Berliner Handelshochschule, Dr. Alfred Manes seinen 50. Geburtstag. Der aus Frankfurt a. M. stam­mende Gelehrte, der zu den anerkannten Führern ber deutschen Verstcherungswtsscnschast gehört, ist durch zahlreiche literarische unb organisatorische Arbeiten aus allen Gebieten der Pesflcherungs» Wissenschaft bekannt geworden.

D-LHermarsst.

Dänische Literatur. Katalog 1 von A. K Utsch in Gh arl ottenburg 5. Ca. 600 Nummern. Dieser erste Katalog enthält eine Reihe von Almanachen mit einer Einleitung über die Entwicklung der Almanache und Taschenbücher von Rümann. ferner außer deutscher Literatur (mit etwas dünnem Bestand) kleinere Reihen französischer, englischer, italienischer Literatur u, tu Zum Schluß ist ein Horae-Manuskript und der Kerversche Horae-Druck auf Pergament (1505). ferner ein Adels- brief Josefs II. und ein deutsches Manuskript des 15. Jahrhunderts mit den Glossen zu den Paulinischen Briefen anfgeführt.

Folklore, Kinderbücher. Katalog 598 von Theodor Ackermann in München. Ca» 1300 Nummern. Allgemeine y oUzsknnde. Volks- und Heldensage, Märchen, Volksbücher. Volks­lied, Kalender, Sprichwörter. Mundarten usw. Der zweite Teil ent­hält ca. 100 alte Kinderbücher und illustrierte Bücher des 19. Jahr­hunderts. darunter eine größere Reihe PoccL Von besonderem Interesse ist ein bisher unbekanntes Skizzenbuch von 10 Blatt mit Zeichnungen und Versen von Heinrich Ho ffmaan, dem Ver­fasser des Struwelpeter: die Geschichte vom ..Faßbuben, die Ge­schichte einer langen Nase, dieZwerge mit den Versen:Jeder­mann / Staunt sie an / Wenn er so was sehen kann / Hab die Lieb / Auch und gieb / Ihnen einen guten Zwieb / Ack! u. a. mehr.

Le bouquini ste gantois. Katalog 142 von G. de Tayern ier. Gent. Ca. 650 französische. Hämische, deutsche Bücher aus allen Gebieten. Hermann Herrigel.

Im Laufe des Monats Oktober gelangen bei der Auktionsfirma Heß n. Kuhn« Neue Mainzer Straße 39L eine größere Anzahl von F rankofurtensien zur Versteigerung. Es befinden sich darunter erstklassige Frankfurter Kupferstiche, teils gerahmt teils un gerahmt, koloriert und schwarz, eine Anzahl kompletter Serien von stieben. Lithographien. Photographien, auch Frank lurter Bürger. Medaillen und Münzen. Die Versteigerung dürfte weit über Frankfurts Grenzen hinaus von größtem Interesse eeir