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Die PresbyLermmsche AUian;.
Von Prof. D. Dr. Dr. Kredt, M. d. R. (Marburg).
Gleichzeitig mit dem VMerbirnL und etwas später als die Interparlamentarisch« Union tagte in Budapest eine internationale Versammlung, di« zwar politisch wenig, aber kulturell doch viel bedeutet: die Presbyterianische Allianz (Eastern Section of the World Alliance of Reformed Chur- ches Holding the Presbyterian System). Die Allianz umfaßt die reformierten (calvinisttschen) Kirchen der Welt. Die äußere Geschäftsführung liegt bei den Schotten, die zweifellos die größte reformierte Tradition für sich haben. Der eigentliche Schwerpunkt liegt bei den Amerikanern, bei denen das Federal Council of the Churches of Christ, der größte evangelische Kirchenkörper der Welt, die Reformierten vereinigt, allerdings mit evangelischen Freikirchen anderer Richtung zusammen. In Deutschland spielen die Reformierten keine große Rolle, weil dort der Calvinismus . niemals großen Boden gefunden hat und weil dort die Union mehr und mehr die Spuren verwischt hat. Es gibt in Deutschland noch 28 Landeskirchen und in ihnen sind die reformierten Gemeinden verstreut. Sie haken sich nur zusammengesunden in einer kulturellen Bereinigung, dem Reformierten Bund für Deutschland, der auch die Vertreter auf die Konferenzen der Allianz entsendet.
In Budapest waren vertreten: Schottland, Amerika, Kanada, Neuseeland, Holland, Schweiz, Polen, Litauen, Süd- Slawien, Tschecho-Slowakei, Frankreich, Italien, Oesterreich, Deutschland; außerdem natürlich nahmen Ungarn in großer Anzahl teil. Es fehlte von großen reformierten Gebieten wohl nur Südafrika, sowohl der englische wie der holländische Teil. Verhandelt wurde über die Lage der reformierten Gemeinden in den einzelnen Ländern, für Deutschland auch über die Lage der evangelischen Gemeinden in den abgetretenen Gebieten, ferner über das Verhältnis der Reformierten zu den Römisch- Katholischen und den Griechisch-Orthodoxen. Verhandlungssprachen waren Englisch, Französisch, Deutsch, außerdem natürlich die Sprache des betreffenden Landes. Es war aber auffallend, wie stark die Kenntnis der deutschen Sprache auf der Allianz vertreten war, namentlich bei den verschiedenen Angelsachsen. An sich sollte jede Rede in die vier Sprachen übersetzt werden, sofern es verlangt wurde, es erwies sich aber meist als unnötig. Nur die ungarischen Reden mußten übersetzt werden, wie auch die meisten Reden ins Ungarische übertragen werden mußten.
Den Vorsitz führte der Franzose Merle d'Aubignä mit seltenem Geschick und Takt. Da er alle drei Sprachen fließend sprach, wurden viele äußeren Schwierigkeiten leicht überwunden. Es war immerhin eine Leistung von nicht nur kultureller, sondern auch politischer Bedeutung, daß der Vorsitzende dos Eingangsgebet mehrfach in deutscher Sprache sprach. Die äußere Aufmachung der Verhandlungen konnte uns Deutschen zu denken geben. Es waren sehr zahlreiche Referate vorgesehen und immer der Sachkundigste dafür bestimmt. Kein Referat durfte länger dauern als zehn Minuten in der richtigen Erkenntnis, daß sich bei guter Vorbereitung und scharfer Formulierung in dieser Zeit unendlich viel sagen läßt. Die auf deutschen Kongressen üblichen langen Reden, bei denen ein Teil der Versammlung abwesend ist, kamen nicht in Frage. Allerdings muß man sagen, daß die deutsche wissenschaftliche Gründlichkeit vielfach vermißt wurde. In vielen Fällen hörte man allgemeine Redensarten, die gut klangen, aber wenig Neues besagten.
Die Gastfreundschaft der Ungarn grenzte ans Unglaubliche. Sie begann mit freier Fahrt auf den ungarischen Bahnen und setzte sich in freier Bewirtung während der ganzen Tagung fort. Der Reichs Verweser Horthh, der Ministerpräsident Gras Bethlen der (katholische!) Kultusminister Graf Klebelsberg sahen die Teilnehmer als Gäste bei sich. Es sand auch ein Besuch des „calvinistischen Rom", der Stadt Debreczin, statt. Dort trägt die Universität durchaus reformierten Charakter, und Debreczin ist ein sehr wertvolles Zentrum der calvinistischen Lehre und Kultur.
Neben der eigentlich kirchlichen Bedeutung hatte die Tagung insofern auch eine gewiffe politische Bedeutung, als sie führende Männer aus den verschiedenen Staaten einander näher brachte. Man sah deutlich, daß es bei allem Hader und Streit der Regierungen doch noch Bande gibt, die einzelne Kreise miteinander verbinden. Die Presbyterianische Allianz hat den Weltkrieg überstanden ohne Riß und ohne Reibung. Die gemeinsame Arbeit und die gemeinsame Idee erwiesen sich als stark genug, um die nationalen Gegensätze unsichtbar zu machen. Es konnten selbstverständlich keine Fragen der internationalen Politik verhandelt werden. Es war aber von großem Wert, daß diese kirchlichen Fragen verhandelt werden konnten aus einem Geiste heraus, der eine Einheit auf der Welt darstellt und entschloßen ist, sich durch die äußeren Geschehnisse nicht aus dem Gleise bringen zu lassen. Für uns Deutsche war es erfreulich zu sehen, wie die deutsche Wissenschaft ihr Ansehen auf der Welt noch ungeschmälert genießt. Die Beziehungen sind längst wiederhergestellt und man gesteht offen zu, daß man die Befruchtung durch deutsches Wissen und deutsche Forschung nicht entbehren könne. Gegenüber kirchlichen Konferenzen wie Stockholm, Lausanne und anderen hat die Presbyterianische Allianz allerdings den Vorteil voraus, daß sie religiös durchaus einheitlich ist und daß kein Ausgleich gesucht werden muß zwischen den verschiedenen evangelischen Richtungen. Gerade daher mag es auch kommen, daß die Deputierten aus den verschiedenen Nationen sich leicht gegenseitig verstehen und das Trennende beiseite zu schieben vermögen.
Zweifellos bedeutet die Tagung der Presbyterianischen Allianz in Budapest einen guten Erfolg. Es hat sich gezeigt, daß ein Zusammenarbeiten mit den anderen Nationen durchaus möglich ist, wenn nur auf beiden Seiten der gute Wille besteht — und wenn der nötige Takt vorhanden ist. Was wir dieses Jahr auf der Interparlamentarischen Union gesehen haben, ließ gerade hier eine große Lücke erscheinen. Je öfter aber solche Tagungen wie die Budapester stattfinden, um so mehr wird hier eine internationale Verständigung Platz greifen, di« im Gninde wertvoller ist als jeder geschrieben« Vertrag.
Berlin, 3. Oktbr. (Priv.-Tel.) Aus Anlaß des Ablebens des früheren niederländischen Gesandten, Baron G« v e r s, der 20 Jahre lang die Niederlande in Berlin vertreten hatte und erst vor wenigen Monaten in den Ruhestand getreten war, haben der Reichspräsident, der Reichskanzler, der Außenminister und der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Beileidstelegramme an die Angehörigen des Verstorbenen geschickt.
Deutsche FaNdWrrtschaftS'GesechchrrfL.
Mifchwirtschastsfragcn.
Won unserem Korrespondentin.)
-Qi Magdeburg, 3. Oktober.
Die eine Woche währende Herbst!agung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, die wegen der Theater-Ausstellung diesmal in Magdeburg abgehalten worden war, ist vorüber. Bei sehr starker Beteiligung der Interessenten hat sie einen alle Teile befriedigenden Verlauf genommen. Als Krönung der vielen Veranstaltungen fand dann bei starker Beteiligung die l 07. Hauptversammlung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in der neuen Stadthalle auf dem Ausstellungsgelände in Magdeburg statt.
Nachdem an den Reichspräsidenten ein Glückwunschtelegramm zum 80. Geburtstag abgesandt worden war, berichtete Oekonomierat Wiese über die 33. Wanderversammlung 1927 in Dortmund, die einen Ueberschutz von 120 000 Mark erzielen konnte. Es wurde mitgeteilt, daß die Vorbereitungen für die 34. Wanderausstellung Leipzig 1928 beendet seien. Als Tagungsort der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft für den Oktober 1928 wurde L-eidelberg gewählt.
Oberaintmann F i ck hielt daraus einen Vortrag über „D i c Milchgewtnnung und ihre Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft". Er wies unter anderem darauf hin, daß die Einfuhr von Butter- und Milchwerten dauernd im Steigen begriffen sei, obwohl die deutsche Vorkriegsproduktion an Milch trotz des großen Länderverlustes bereits wieder erreicht, ja sogar zum Teil überschritten wurde. 1927 beträgt der Wert der Jahreserzengung an Milch rund 3-7 Milliarden Mark oder 50 Prozent wehr als die gesamte Erzeugung an Brotgetreide. Die Gründung des Reichs- milchausschusses sei zu begrüßen; er habe bereits außerordentliche Erfolge aufzuweisen. Für Lieferung einwandfreier Milch sowie für verstärkten Milchverbrauch müsse gesorgt werden. Um die Lieferung von Q na l i tä t s m i l eh sicherzustellen, ist vollendete Sauberkeit in den Stallungen und beim Melken notwendig, ferner bedarf es guter Reinigung und tiefer Kühlung der Milch außerhalb des Stalles, zuverlässigen Transports, Ausmerzms kranker Tiere (Eutertuberkuloset und sachgemäßer Fütterung. Redner fordert« eine bessere Milchbelieferung der Stadt durch die Molkereien, die die modernsten Einrichtungen haben müßten. Tie Spannung der Preisgruppierung müsse auf ein Minimum beschränkt werden.
Institutsdirektor Dr. V ü n g e r (Kiel) sprach sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß die Einstellung auf Qualitätsleistnng und Qualitätsware in der deutschen Landwirtschaft nur langsam Eingang gesunden habe. Für die Qualität der Milch dürften nicht die Molkereien, sondern die Viehhalter verantwortlich gemacht werden Der Vertrieb der Milch müsse mehr und mehr als FlafchenmilH erfolacn. Unbedingt notwendig fei eine lückenlos« Ueberwachung der Milchwirtschaft von der Gewinnung bis' zum Vertrieb der Milch Den Melkern müsse Gelegenheit zur genügenden Ausbildung gegeben werden.
Professor Dr. Llchtenberger (Kiel) hielt einen Vortrag über die neuzeitliche Bau- und Maschinentechnik in der Gewinnung, dem Transport und in der Verwertung der Milch und führte u. a. aus, daß auch in der Milchwirtschaft bau- und maschinentechnifche Hilfsmittel im Lause der Jahre unentbehrliche Betriebsmittel geworden sind. Schon am Orte der Gewinnung lind die Milchkammern mit ihren Einrichtungen zur Kühlung der Milch und zum Reinigen der Gerätschaften heute unerläßlich geworben. Für die Beförderung ab Hof bleibt die Milchkanne das beste Gerät, sie hat die Spitze durehgebildeter Entwicklung aber noch nicht erreicht. Bei der Weiterbeförderung der Milch müsse die Ueberschußmilch möglichst auf ländliche Verarbeitungsbetriebe abchaltbar fein, während die für den Stadtverbimuch bestimmte Milch an Stadtmolkereien geliefert werden müsse, uw dort unter möglichster Erhaltung des Rohmilchcharakters behandelt zu werden.
Nach einer lebhaften Aussprache wurde die Hauptversammlung geschlossen. Die in Frage kommende Industrie für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte hatte ihre Produkte in der Stadthalle ausgestellt
Mit einer öffentlichen Versammlung zur Förderung der deutschen Bienenzucht schlossen die Versammlungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft.
Merkstofftasirms Irr Serttrr.
ch Berlin, 30. Septbr. In der Zeit vom 22. Oktober bis 13. November 1927 findet in Berlin eine große Werkstoff- tagung sowie eine Werkstoffschau statt, die nicht nur'für die Fachwelt, sondern auch für die beiteste Allgemeinheit großes Interesse haben wird Sie wird einen vollständigen Ueberblick über das (Semei der Werkstoffprüfung für sämtliche Metalle geben und auch als Ausstellungsstücke eine Anzahl Steuerungen zeigen.
Refchsmasserstrntzerrbewat.
ch^ Berlin, 30. September. Dec Reichsverkehrsminister hat den Hauptaus schuß des Reichswasserstraßenbeirats im Anschluß an die gemeinsame Tagung mit den Ausschüssen des ReiHSeisenbahnamts und des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats auf den 14. Oktober d I zu einer Sitzung im Sitzungssaal« de? Vorläufigen Reichswirtschaftsrats in Berlin Berufen. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1 Haushaltsentwurf der Reichswasserstraßenverwaltung für das Rechnungsjahr 1928, 2. Kredithilfe für die Binnenschiffahrt, 3. Eichordnung der Binnenschiffe.
Dio MEchafLs- DsrkehrsirSte in Gst und Most.
Kft, Breslau, 28. Septbr. In Ratibor fand gestern unter dem Vorsitz dez Reichstagsabgeordneten Prälat Ulitzka eine Besprechung der Wirtschafts-, Gewertschafts- und Behöcdenverbände Oberschlesiens mit dem Vorsitzenden des Aachen-Rheinkanalvereins Oberbürgermeister Farwick (Aachen) über die gemeinsamen Wirtschafts- und Verkehrsnöte des Wirtschaftsgebietes des Ostens und des Westens statt Die Aussprache ergab, wie eine einstimmig angenommene Entschließung besagt, daß es eine Lebensfrage des gesamten Deutschen Reiches sei, die Grenzgebiete nicht nur politisch und kulturell, sondern auch wirtschaftlich möglichst zu stärken und daß infolge unzureichender und teurer Transportverhältnisse die Schwerindustrie des Ostens di« .Konkurrenz mit den anderen Industriegebieten schon in naher Zukunft nicht mehr bestehen könne. Wenn einmal der Mittellandkanal fertiggestellt sei, dann müsse die östliche Schwerindustrie einer Katastrophe entgegen, treiben, falls nicht gleichzeitig für einen ausreichenden und billigen Güterverkehr im Osten gesorgt würde. In der Entschließung werden weiter die gemeinsamen wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Osten und Westen betont, die die Grenzgebiete zu einer Schicksalsgemeinschaft verbinden und ein gemeinsames Vorgehen zur Erreichung der gleichen Ziele erforderten. Als Ausweg wurde gefordert: tarifarisches Entgegenkommen der
Reichsbahn, berftMle Hilfe des ReichSverkehrSaftuistertmuS und der unverzügliche Ausbau der Wasserstraßen, in Oberschlesten b«9 Klodnitzkanals und der Oderschiffahrt und tat Westen des Aachen- Rheinkanals. Tie Vertreter der Gewerkschaften haben die Mitarbeit an der Förderung der vorbereitenden Arbeiten zugesagt, die sofort in verstärktem Maße ausgenommen werden solle.
Frankfurter Handelsblatt
Wiedergabe und drahtliche Verbreitung der Artikel wtt ♦ und der Pnvatdepeachcn nur mit genauer Quellenangabe «LÄeL Ztg.* gestattet,
Die Zage des Meknvairs.
Koblenz, Ende Septbr. Die Lage des Weinbaus in den Rheinprovinz laßt sich augenblicklich folgendermaßen dafttellen: Durch das schlechte Wetter der letzten Wochen haben sich die Aussichten auf den Herbst fast überall verschlechtert. Im Weinbaugebiet der Rahe kann man noch auf einen guten Drittelherbst rechnen, doch hat die Reblaus hier sich auf bisher unverseuchte Weinberge in verschiedenen Weinbergsgemarkungen ausgedehnt. Im Mittelrheingebiet sind die Weinberge fast überall bereits geschlossen. Hier rechnet man mit einem Drittel- oder halben Herbst. Äer- schiedentlich ist die SchmierlauS aufgetreten, sie hat jedoch nut geringen Schaden angertchtet. Die Trauben sind noch hart. In dem Weinbaugebiet der M o se l, S aa r u nd R u w e r ist das Wachstum her Trauben gut vorangeschritten, doch fehlt wie überall die Sonne, die zu einer guten Reise notwendig ist. Durch das naßkalte Wetter ist das Auftreten der Peronospvra sehr gefördert in erben, ebenso haben der Rote Brenner und die SchmierlauS Schaden angerichket. Im ganzen ist der Traubcnstcmd gut, so daß ntan beim Eintritt günstigerer Witterung mit einem halben Herbst rechnen sann.
Kieme MMeUimgeir.
Berlin, 3. Oktbr. (Priv.-Tel.) Der zur Zeit in Berlin weilende türkische Mnister der öffentlichen Arbeiten Veh id sch Bei stattete heute der Reichsbahn feinen Besuch ab. Nach einem Empfang beim Generaldirektor Dorpmüller am Freitag nahm der Minister heute Gelegenheit, deutsche Bahnhofseinrichtungen kennen zu lernen. In Begleitung des Staatssekretärs Kumbier besuchte er die Bahnhöfe Küstrin, Reppen und Frankfurt a. d. Oder.
Kirlach bei Bruchsal, 3. Oktbr. (Wolff.) Gestern nachmittag kam es zwischen dem hiesigen Einwohner Simon Haag und seinem Sohn Joseph zu einem Streit, in dessen Verlauf der Sohn den Vater mit einem Tranchiermesser e r stach. Der Vater war ’ofort tot.
Paris, 3. Oktbr. (Priv.-Tel.) Der K ongreß de? weltlichen republikanischen Jugendverbandes Frankreichs ist gestern durch einen Festakt im Pantheon abgeschlossen worden, nachdem eine Delegation Kränze am Grabe Victor Hugos, Jean Jaurtzs und Zolas, der der erste Ehrenpräsident des Verbandes war, niedergelegt hatte. In bet Sitzung sprachch der greise Ferdinand Buisson, der die engere Fühlungnahme der republikanischen Jugend mit der proletarischen Jugendbewegung forderte, sowie der Unterrichtsminister H e 11 i o t, der seine Pläne zu Verwirklichung der Einheitsschule darlegte.
Paris, 4. Oktbr. (Wolff.) Nach einer Meldung des „Petit Parisien" aus Nizza ist in Trinite-Victor ein neuer Wald - brand ausgebrochen. Erst spät in der Nacht konnte mit Hilfe der Feuerwehr von Nixe sowie Alpenjäger- und Jnsanterieabtei- lungen der Brand gelöscht werden. Etwa zwanzig Hektar Wald- bestand sind niedergebrannt.
wg Zürich, 3. Oktbr. (Priv.-Tel.) Der Schweizerische Bundesrat erläßt an die Bundesversammlung eine Botschaft, zur Speisung des eidgenössischen Jnvalidenfonds 500 000 Franken dem Ertrag der Militärpflichtersatzsteuer zu entnehmen.
wg Zürich, 3. Oktbr. (Priv -Tel.) Der Kanton Graubünden veranschlagt die durch die H och wa s s e rka ta- strophe in Graubünden verursachten Schäden auf 5 Millionen Franken.
Kowno, 2. Oktbr. (Ost-Expreß.) Im Laufe des Oktobers wird in Kowno ein B e s u ch L o u ch e u r S erwartet, der sich mit den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnissen Litauens bekannt machen will.
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rrau
Schmerzerfüllt die traurige Mitteilung von dem plötzlichen Hinscheiden unserer unvergeßlichen Mutier, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter
Marie Schuster geb, Schlesinger.
Die Beerdigung lindes statt: Mittwoch, den 5, Oktober 1927, vormittags 11'/, Uhr, vom Portale des israelitischen Friedhofes aus.
geb. Rapp in fast vollendetem 91. Lebensjahre. Frankfurt a. M., Unterlindau 47, London. Rom, Amsterdam, Hamburg, den 3. Oktober 1927.
Die tieitrauernd Hinterbliebenen: i. d. N.
* Die neue Mustersatzung der Sparkassen.
Von Dr. J. Hoffmann (Berlin).
Die kürzlich erschienene Mustersatzung für die Sparkassen regelt vor allem die umstrittene Abgrenzung des Geschäftskreises. Ihre Darstellung durch den Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes dürfte deshalb weithin Interesse finden. D. Red.
Im Sparkassenwesen regeln die Satzungen im Rahmen der bestehenden gesetzlichen und ministeriellen Bestimmungen Organisation und Geschäftsbetrieb. Bei der Aufstellung der Satzung ist die einzelne Sparkasse bzw. ihr Gewährsverband durchaus selbständig und nur an die Genehmigung der Aufsichtsbehörde gebunden. Um die anfängliche Buntscheckigkeit der Satzungen zu beseitigen und möglichste Einheitlichkeit in der Sparkassengeschäftsführung zu erreichen, machte sich schon frühzeitig das Bestreben , geltend, ..Mustersatzungen“ auizustellen, denen sich nach und nach die einzelnen Sparkassensatzungen anzugleichen hätten. Bleibt an sich die Annahme der Mustersatzung in das Belieben jeder einzelnen Kasse gestellt, so hat doch die Tatsache, daß Abänderungen im Rahmen der von der obersten Aufsichtsbehörde gutgeheißenen Mustersatzung ohne wehere Schwierigkeiten die Billigung der Genehmigungsbehörde erlangten, praktisch zu der erstrebten Vereinheitlichung im Sparkassenverkehr geführt. Waren es anfangs Satzungen einzelner größerer Sparkassen, die von der Aufsichtsbehörde als Mustersatzung empfohlen wurden, so übernahmen später die provinziellen Sparkassenverbände die Aufstellung derartiger Normen für ihren Bezirk. Der Deutsche. Sparkassenverband brachte seine erste Mustersatzung, im Jahre 19,22 gleichsam als Ersatz des damals projektierten, aber nicht zustandegekommenen Sparkassengesetzes heraus. Fünf Jahre später, im Juli 1927, erfolgte die Bekanntgabe der neuen Mustersatzung für die Sparkassen, die vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband aufgestellt und vom Preußischen Innenministerium gutgeheißen war. Sie gilt formell nur für Preußen, kann aber, darüber hinaus angesichts der weitgehenden Uebereinstimmung der Satzungen der anderen Länder als typisch für die deutschen Sparkassenverhältnisse überhaupt angesehen werden. Die schon seit Jahren fällige und dringliche Neufassung der Mustersatzung erfolgte erst Mitte 1927, weil erst jetzt die Konsolidierung der Sparkassenverhältnisse, vor allem der Anlagepolitik, die Voraussetzungen für eine auf die Dauer berechnete endgültige Neuregelung schuf. Inhaltlich bringt die neue Satzung in ihren wesentlichen Punkten keinen weiteren Ausbau des Sparkassengeschäfts gegenüber dem bisherigen, d. h. seit 1924 geltenden Zustand, vielmehr ausschließlich eine genauere Fassung der einzelnen Bestimmungen und eine schärfere Herausarbeitung der Sparkassenaufgaben für die Gegenwart, also gewissermaßen eine klarere Abgrenzung.
L 0ertlich begrenzter Wirkungskreis.
Mit einer bisher nicht bekannten Eindeutigkeit legt die Satzung ™ Beschränkung des Tätigkeitskreises der Sparkasse auf den Ortsbereich fest Die einleitenden Worte der Satzung: „Die für die Gemeinde errichtete Sparkasse“ können nur den Sinn haben, den Geschäftskreis dem Ortsbezirk der Gemeinde gleich- zusetzen. So ist auch die Errichtung von Zweigstellen (Nebenstellen mit Ein- und Auszahlungsverkehr) und Annahmestellen (Nebenstellen mit bloßem Einzahlungsverkehr) an sich nur innerhalb, des, Gewährverbandes zulässig. Außerhalb des Ortsbereichs ist sie an die Genehmigung des Regierungspräsidenten (nach Anhörung des zuständigen Sparkassenverbandes) gebunden und wird nur in besonders gelagerten Ausnahmefällen gestattet. Die gleiche Einschränkung erstreckt sich auf die Orte, an denen bereits, öffentliche Sparkassen bestehen. Einlagen kann die Kasse theoretisch auch aus anderen Bezirken hereinnehmen ; praktisch steht dem jedoch die notwendig Rücksichtnahme auf die Interessengebiete der anderen in der gleichen Organisation vereinten Sparkasse entgegen. Das kurzfristige Kreditgeschäft wird schon in der Präambel des § 1 ausdrücklich auf die Befriedigung der örtlichen Kreditbedürfnisse abgestellt. Lediglich im Real- kredit ist, ebenso wie in der Vorkriegszeit, die Möglichkeit einer Beleihung auswärtiger Grundstücke offen gelassen; aber auch hier ist der Kreis des regionalen Geschäftsbezirks durch namentliche Anführung der zugelassenen Gemeinden fest umgrenzt. Die gleiche Regelung gilt für den Kreditverkohr mit Genossenschaften. Im Kommunalkredit ist in analoger Anwendung der Rahmen der Provinz gewählt, innerhalb dessen die Darlehnsgewährung an öffentliche Körperschaften erlaubt ist.
IL Die Passivgeschälte.
Auch in der neuen Mustersatzung wird das Spargeschäft als der selbstverständliche Hauptgeschäftszweig mit ganz besonderer Ausführlichkeit, vornehmlich in seinen technischen Teilen, behandelt, im Gegensatz zu den übrigen Einlagearten und den Anlagegrundsätzen, wo man sich auf die Aufzählung der wichtigeren Bestimmungen beschränkt. Eine Begrenzung der Einlagenhöhe nach oben kennt die Mustersatzung nicht mehr, nach unten ist die Eine-Mark-Grenze geblieben. Eine Definition der Spareinlagen wird indirekt dadurch gegeben, daß Spareinlagen nur auf Sparbücher eingezahlt werden dürfen (§ 14). Die Rückzahlungsbestimmungen, nach denen Beträge bis zu JIM. 300 jederzeit, bis IIIM. 1000 mit einmonatiger und über JIM. 1000 mit dreimonatiger Kündigung abgehoben werden können, haben wohl mehr formal juristische Bedeutung. In normalen Zeiten werden die Sparkassen die Rückzahlung anstandslos in der vom Kunden gewünschten Höhe vornehmen.
Als Depositen- Giro- und Kontokorrenteinlagen werden Einlagen bezeichnet, über die Sparbücher nicht ausgestellt werden und über die andererseits durch Scheck- und Giroüberweisung verfügt werden kann. Durch die .Mustersatzung ist die Pflege des Depositen-, Giro- und Kontokorrentverkehrs allen Sparkassen gestattet: aus diesem Grunde wird der diese Geschäftszweige besonders hervorhebende Firmenzusatz „u n d Girokasse“ in Zukunft als überflüssig abgelehnt. Ausdrücklich weist die Aufsichtsbehörde in diesem Zusammenhang auf einen Beschluß des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes hin, bei diesem Geschäftszweig keinerlei Druck zur Errichtung von Konten bei der Sparkasse gegenüber Geschäftsleuten zu üben, die mit dem Gewährverband in Geschäftsbeziehungen stehen. Die früher in den Ministerialerlassen festgelegten Grenzen dieses Teils der Fremdkapitalien in Prozenten der Spareinlagen sind weggefallen, somit ist das gesamte Einlagegeschäft frei von schematischen Beschränkungen. Ueber dieses reguläre Einlagengeschäft hinaus ist die Hereinnahme von Geldern, soweit sie bei Banken ausgenommen werden, an Vorstandsbeschlüsso. in allen anderen Fällen an die Genehmigung der Aufsichtsbehörde gebunden.
Die eigenen Mittel der Sparkasse, die Rücklagen, werden aus den TJeberschüssen bis zur Höbe von 8—10 pCt. der Einlagen gebildet: dazu tritt ein Kursrücklagefonds bis zur Höhe von 5 pCt. des Einlagenbestandes.
HI. Die Aktivgeschäfte.
Von ausschlaggebender Wichtigkeit auch für die OeffentlicÜ- keit sind die Bestimmungen über die Anlagepolitik der Sparkassen. Gerade auf diesem Gebiet sind darum besonders klare und genaue Fassungen gewählt worden. Grundlegend ist dabei die Tatsache, daß die Satzung eine namentliche Aufführung aller
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