s Sfitc. 17. Januar 1»OT

in

jener Zeit, die

' a Darmstadt, 17. Ian. In einer Versammlung der Na. isiynalliberalen in Rüsselsheim, in der Dr. Osann sein Programm entwickelte, trat in der Diskussion ein Redner der vereinigten Liberalen auf, um mangels eines

itimmer Unfug gelten muß, jemandem lange zurückliegende Vergehen

_ ' " ires Wahlkampf unter allen Umständen

die Anwendung solcher vergifteten Waffen vermeiden. D. Red.»

Aus Hohenzollern. In Hohenzollern, wo zur Zeit die topulöre liberale Kandidatur des Hofbuchdruckereibesitzers

geeigneten Preßorgans in der Oesfentlichkeit gegen die unzu- löngliche, für die Freisinnigen ungünstige Berichterstattung itt der Darmstädter Presse und gegen die persönlichen Ein­würfe Front zu machen, die von gewiffer Seite gegen den Kan- didaten der vereinigten Liberalen, Pfarrer Korell, gerich- iet werden. Das Erscheinen eines freisinnigen Redners in 'einet nationalliberalen Versammlung wurde von Dr. Osann als Friedensstörung auSgelegt. Auch in der Brunnhuber.

genug, daß matt in dieser Wahlbeweguug überhaupt auf derartige persönliche Dinge znrückgegriffen hat. Wie es allgemein als ein schlimmer Unfug gelte ~

vorzuhalten so sollte mau i die Anwendung solche'

weil sie ihre ureigenste Domäne bedroht sehen, richtete, wie der StuttgarterBeobachter" mitteilt, kürzlich in einer Wähler- Versammlung in Inn er in gen der Pfarrherr der Ge. Feinde, Dekan Fecht, an ferne Pfarrkinder die folgenden Schlußworte:Liebe Katholiken, bedenket auch» daß ihr auch

trag über die enorme Opserwilligkest der Sozialdemokraten, gebeten, diesen darin nicht nachzustehen. Herr Rade hat diesen Satz irrtümlich auf sein» Partei bezogen, ihn sich abgeschrieben nnd unter Protest in der national-sozialen hefftschen Landerzeitung veröffent­licht. Durch eine von uns sofort eingesandte Berichtigung in diesem Blatte ist der Sachverhalt lüngst klargestellt worden.' Ganz klarge­pellt ist die Sache keineswegs. Die Begleitworte »ur Listensammlung Müssen jedenfalls eine Form gehabt haben, die äuf einen Wahlaufruf schließen ließ, und der Satz vom Kampfe gegen bk reichsfeindlichen Parteien hat jedenfalls die Bezugnahme auf die Nationaksozialrn sehr Wahrscheinlich gemacht; sonst würde ein Mann wie Proseffor Rade . ihn gewiß nicht .irrtümlich' auf seine Partei bezogen haben.

F Krefeld, 15 Ian. Im Wahlkreise Kempen haben dir Ratto- nalliberaleu beschloffen, die Kandidatur dem LandeSdkonomierat Schm i tz - H ü b s ch, einem katholischen Agrarier, der in rein politi­schen Fragen aber den Rationalliberalen nahcsteht, anzubieten. ES würden sich also in Kempen gegenüberst hen: LandeSrat Fritze« (Zentrum, birh. Abg), Schmitz-Hübsch (national-agrar.), Wilhelm ReimerS (Soz ).

A Dortmund, 17. Ian. Di«Tremonia' teilt mit, daß di» Der» ramnsmänner des Zentrums einstimmig beschloffen, an der .kandidatnr Effert festzuhalten, obgleich bekannt geworden st, daß dieser schon mit fünf Fahren Gefängnis wegen Mefferstecherei ' bestraft worden sei. Entscheidend war, daß Effert seit jener Zeit, die Fahre zurückliegt, einwurfsfrei gelebt hat. (ES ist bedauerlich

Versammlung hätten die vereinigten Liberalen den Frieden gestört. Diese hätten die Parole auSgegeben, in Masten zu erscheinen, um die Versammlung agitatorisch zu ihrem Se auszunutzen, weil er den Kampf innerhalb der Bärget» Parteien nicht wolle, habe er (Osann) geschwiegen. Die Rätionalliberalen hätten bisher nur den Kampf gegen die Sozialdemokratie geführt, während die bereinigten Li. beralen es auf einen Vernichtungskamps gegen die Nationalliberalen abgesehen hätten I ES sei klar, wohin die Reise gehe, und daß auch diesmal die Stichwahlparole für die Sozialdemokratie fallen werde. Für diese Taktik habe Naumann eine Agitation der schlimmsten Sorte und dieFrankfurter Zeitung" den Boden bereitet. In Seiner Gegenrede machte der freisinnige Redner E. L ö s s e r icttstuf aufmerksam, daß die vereinigten Liberalen und na- nemtlich ihrKandidat Pfarr.Korell den Kampf gegen die Sozial- demokratie energischer und wirkungsvoller fuhrt, als die Na- tionalltberalen, deren Versammlungen von den Genoffen meistens gemieden würde». Daß man Pfarrer Korell auf nationalliberaler Seite für einen nationalen Schädling hält, bewiesen die Schlußworte des Versammlungsleiters, tn der Szur Wahl Dr. Osanns aufforderte, der national zuverläf. sei.

* Worms, 17. Son. F« gestrigen Abendblatt war «itgeieilt Joorden, daß, nachdem bk Hehl-Partei für brn Vorabend beS Wahl- ageS ben 24. Januar ftmiliche größeren Säle bet Stadt mit Beschlag belegt hat, bereit keine andere Partei wehr z« Wort kommen kann, auch die Abhaltung einer für gestern angesetzi gewesenen sozial- hemokratischenDersammlnng mit den Landtagiabqeord- peten Dr. David nnd lllrich in letzter Stunde in dem Etablissement Worret unmöglich gemacht worden ist. Herzu bittet uni Herr Kommerzienrat Trumpler, der Vorsitzende bei national- liberalen Verein» in Worml, mit,«teilen, daß die nationall'berale Partei nicht den allergeringsten Einfluß daraus gehabt habe, wa» der Eaalbesitzer bestätigen könne. (Daß die offizielle Vertretung her nationalliberalen Partei in WormS für die Saalverweigerung Verantwortlich zu machen sei, ist in der Notiz auch nicht behauptet Worden, aber daß die Saalverweigerung nationalliberalem Einfluß zuschreiben ist, wird von Herrn Kommetzietai Trumpler schwerlich be­stritten werden können. D. Red.)

* Marburg, 16. Jan. Der Wahlausschuß berNatlo» «alliberalen Partei ersucht nnS um Ausnahme folgender Berichtignngr .ES ist unwahr, daß ein Wahlaufruf her hiesigen Nationalliberalen Partei dem Proseffor Rade in« Hau» geschickt worden und ebenso unwahr, daß in einem solchen die Nationalsozialen direkt oder indirekt al» reichsfeindlich bezeichnet wor- hen wären. Dem Herrn Rade ist vielmehr durch Verseh-n eine» Boten eine gar nicht für ihn bestimmte Liste von augenfällig ver­traulichem Charakter vorgelegt worden, in welcher die Unterzeichner he» nationalliberale« Wahlaufruf» gebeten wurden, Beiträge zum DSablfond« einzutragen. Im Eingang war, anknüpfend an «ine« im Nationalliberalen Verein kürzlich gehaltenen Vor-

"III) --'-'I-ttz

Die Reichstagsumhlbeweguug.

«ws dem Wahlkreise HöchstHomburg.

Die von ber freisinnigen Soll8partet in ben fetzten Tagen in Oberursel, Rödelheim imb Königstein veran­stalteten Versammlungen erstellten sich bet Reihe nach eines großen Besuches und zeigten von neuem, wie fehl bet Kan- oidat Goll eS versteht, baS Interesse bet Wähler für alle politische Fragen hervorzurufen. Heute Abenb spricht Gol tn Homburg im Schützenhof, morgen in Griesheim im Saalbau Rosenau. Zn ersterer Versammlung referiert bet

Abendblatt der xrannmrtrr Irtrung.

Jas Krdöeöen auf Jamaica.

sal. Noch schlimmer war bet Bronb, bei im Jahre 1862 bie Warenlager unb Werften zerstörte Schließlich legte ein Feuer im Jahre 1882 600 Häuser in Asche unb machte 6000 Leute obbachloS. Die häufigen Brände hatten bie eine gute Folge, daß neue und schöne Gebäude entstanden.

Kiamil Uascha und die. englische Bot­schaft in Konstantinopel.

z Konstantinopel 16. Januar. (Priv.-Tel.) Die englische Botschaft setzt die Verhandlungen mit dem Polai» wegen Kiamil Pascha» fort. Gestern lehnk Kiamil dk ihm über» «ittelten Vorschläge al» ungenügend für feine Sicherheit ab. Er wünscht sich in sein Geburtsland C yper« zurückztehen zu dürfen, wa» hier nicht zugestandeu wirb. Dem ehemaligen Großwefir liegt hauptsächlich daran, seinen verbrecherischen Sohn zu retten. Fall» die Engländer nicht bk gewünschten Garantien für Kiamil both empfangen, werben sie ihn auch ohne Zustimmung bet Pforte mit sicherem Geleit nach Cyprtn bringen. Soeben verlautet, daß dk englische Botschaft alle gesorderten Sicherheiten erhkli unb Kiamil morgen hier ankommt.

Die öraunschweigische Israge.

K Braunschweig, 17. Jan., 12.35 N. (Prtv^Tel.) In bet heutigen Sitzung des braunschweigischen Landtage» berichtete Abg. Retemehet namens der staatsrechtlichen Kommission des Landtages über das letzte Schreiben de» RegentschaftSrate» an den Bundesrat. Er schlug einstimmig im Auftrag der Kommission folgende Resolu­tionbor:ES hat der Landesversammlung ferngelegen, durch den Beschluß vom 23. Oktober 1906 Seiner Königlichen Hoheit dem Herzog von Cumberland und zu Braunschweig und Lüne­burg oder einem der Angehörigen seines Hauses Bedingurchen für den Antritt der Regierung des Herzogtum» stellen zu wol- len, sie hat sich vielmehr, weil sie eine endgültige Regelung der RegierungSverhältniffe im Herzogtum für dringend wün- chenSwert hält, lediglich befugt und verpflichtet erachtet, bie Voraussetzungen zu bezeichnen, unter denen ihr der- zeit diese» Ziel zweifellos erreichbar scheint. Wenn vielleicht diese Voraussetzungen nicht erfüllt worden find, erkennt fie ihrerseits an, daß die Verhältnisse, unter denen die fliese«

O Bremen, 17. Ion.. 10 V. Sine Kabelmeldmig bet Firma Finke n Co. in Kingston besagt, daß da» Erdbeben Kingston zerstört habe. Da» Feuer vernichieie den Geschäsi»ieil. Herr E t r i j b o S von der genannten Firma ist tot, die anderen Angestellten de» Geschäft« sind unversehrt.

O London, 17. Jan., 11.40 V. (Priv.-Tel.) Da» Reniersche Buptzau meldet heute auS ®t Thomas: Den letzten Mel­dungen au» Jamaica zufolge toird bie Zahl der Tuten auf tausend geschätzt. 90,000 Personen find obdachlos. Jedermann wird gewarnt, von Jamaica wegzubleiben. Es ist kein Futter für bie Tiere vorhanden. Eine Hungersnot teht bevor. Geldspenden find nutzlos. Es ist unmög­lich zu sagen, wo jemand aufzufinden ist. Man befürchtet, daß die Zahl der Toten noch anwachsen wird, da Leichen ver­schüttet unter den brennenden Trümmern liegen. Neger plündern in den eingestürzten Häusern. ES spielen sich cheußliche Szenen ab. Ton anderen Teilen Jamaicas liegen keine Nachrichten vor. Der telegraphische Verkehr wird nur mit großen Schwierigkeiten aufrechterhalten.

B Ne» York, 17. Jan., 7 V. (Durch Kabel.) Nachdem am Mon­tag bk Stadt fast zerstört wat, etfolgkn ans Dienstag »bei weitere Erdstöße, an Mittwoch einer. Alle Wasser» röhren find gebrochen, sodaß die Bevölkerung hilflo» gegen die Brände war, welche auch den vom Erdbeben nicht zerstörten Stadt­teil ergriffen. Die Versicherungs-Inspektoren, welche die Ruinen be» ichtigten, glauben, daß die Zahl derTotensich aus 10 0 0 beläuft. ES werden immer noch Verletzte gefunden, welche zum Teil ans den Dock» bet Hamburg-Amerika-Linie, wo ein Rotholpital errichtet wurde,nniergebracht find. Die Irrenanstalt ist zerstört, dk Insassen befinden sich in Freiheit. Der BerwesmtgSgeruch ist ütchkrlich. Ein gewaltiger Orkan ging de« Erdbeben voraus, der die Weißen veranlaßte, auf ihrer Hut zn sein, sodaß diek

lntton vom 23. Oktober zustande gekommen ist, durch die Er­klärung de» Herzogs von Cumberland vom 15. Dezember eine Aenderung erfahren haben, und fie erklärt daher mit der bereits erfolgten Anrufung de» Bundesrats durch den Regentschastsrat sich mit der Hoffnung einverstan» den, daß durch den vom Bundesrat zu fassenden Beschluß der erstrebte Ausgleich erzielt, wenigstens aber Klarheit darüber geschaffen werde, unter welchen Voraussetzungen bie Ueber­nahme der Regierung deS Herzogtums durch ein Mttglied deS herzoglichen Haus« seitens de» Bundesrates für zulässi erachtet werde." In der morgigen Sitzung des Landtages jo- über diese Resolution Beschluß gefaßt werden.

Die erste Nachricht von einem außerordentlichen Vorkomm­nis lief am Dienstag um die Mittagsstunde in Gestalt einer Kabelmeldung auS St. Thoma» tn New g)orl ein. Der Direktor derWestern Union Telegraph Companv" teilte mit, daß jede Verbindung mit Kingston, der Hauptstadt von Jamaica, abgeschnitten sei. Dieser Nachricht Mate nach zwei Stunden die Mitteilung, daß die Verbindung viS auf 5 Meilen von Kingston wiederhergestellt worden fei. Es werde berichtet, daß die Stadt Kingston mit großem Verlust an Menschenleben vollständig zerstört sei. AIS die Beamten der Western Union den Direktor in St. Thomas um Details er­suchten, erhielten sie folgende Antwort rAlle westindischen Stationen, mit Ausnahme von Kingston, sind in Verbin­dung. Kabel nach Jamaica und Colon arbeitet nicht. Wahr­scheinlicher Grund Erdbeben. Augenblicklich unmöglich, fest­zustellen. Von Kabel Landstation, 60 Meilen von Kingston, wurde berichtet, daß alle Mitglieder der Regierung un­verletzt seien. Unsere Landlinien sind unterbrochen." Gleich- zeiüg mit diesem Telegramm lief die Nachricht em, daß das Kabel zwischen Bermuda und Jamaica fett dem vorhergehen, den Abend unterbrochen war. Die ungenauen Nachnwten über den anscheinend schweren Unfall riefen in New Aork größste Bestürzung hervor. Kingston wird, wie bereits be­richtet, im Winter von Tausenden Amerikanern besucht. Man schätzt die Zahl der Touristen in diesem Winter aus 20.000.

- Der Staatsgeologe von Albany konstatierte, daß der Seismograph des Staatsmuseums ein Erdbeben anzeigte. In Albany fei bie Bewegung nur gering gewesen und habe bie Richtung von Osten nach Westen gehabt. Sie habe um 12 Uhr 47 Minuten Nachmittags angefangen und 50 Minuten ge­dauert. Auch in London hat die Nachricht von dem Erdbeben große Bestürzung hervorgerufen, wetl, wie schon erwähnt wurde, sich augenblicklich eine Gesellschaft in King­ston befindet, die sich für den Baumwollbau in Jamaica interessiert und vor einigen Tagen an der Eröffnung der landwirtschaftlichen Konferenz teilnahm. Außer einer Anzahl Parlamentarier und Lords batten sich eine große Zahl von Baumwollinteressenten angeschlossen.

Jamaica, das von vielen ffit die schönste Insel der Welt ge­halten wird, hat eine Reibe schwererer Elemeittarkatastrophen durchzumachen gehabt. Die alte Hauptstadt Dort Royal wurde 1692 von einem großen Erdbeben zerstört, dem 3000 Menschenleben zum Opfer fielen Die Stadt erholte sich wie- der, wurde aber im Jahre 1703 durch eine Feuersbrunst ver­nichtet und die Einwohner flüchteten nach Kingston, wo ihnen für ihre verlorenen Häuser als Entschädigung freier Baugrund bewilliat wurde. Die Volksversammlung faßte da­mals den Beschluß, daß feder Sklavenhalter von je 20 seiner Sklaven einen zu dem Bau von Nothütten hergeben müsse. Kingston selbst wurde 1780 zu einem großen Teil durch Feuer zerstört. Sechzig Jahre später traf die Stadt dasselbe Schick-

ficherlich im Jenseit» darnach gefragt werdet, wie ihr am 85. Januar abgestimmt habet!" Conrad Haußmann fragte dann in einer neulich in Hechingen ab- gehaltenen Wählerverfammlung den al» Sprecher auftretenden Religionslehrer Oberlehrer O t t vor etwa 500 Wählern, ob es denn wirklich richttg sei. daß der liebe Gott im Jenseits einst darnach fragen werde:Hast du am 25. Januar 1907 den Katholiken Wallishauser von Hechingen oder den Katholiken Belzer von Sigmaringen gewählt?" Der Herr Religonslehrer war schon nicht mehr so sicher wie sein Amtsbruder Fecht. Er antwortete:Wahrscheinlich (!) wird im Jenseits auch nach der Stimmabgabe bei der Reichstagswahl gefragt werden." Es scheint, so bemertt das genannte Blatt hierzu, also unter den katholischen Gelehrten keine Einigkeit darüber zn bestehen, ob der Herrgott diese verhängnisvolle Frage stellen wird. Aber auch wenn eS sicher wäre, daß der katholische Herrgott (inSbesonderS der von Ochsenhausen) so fragt, dann wird doch gewiß der protestanttsche Herrgott die Reichstag». Wähler in anderem Sinne fragen. Die Sache ist noch unge­klärt; vielleicht gibt e» eine Doktorarbeit! In welche Ver­legenheit wird auch der katholische Fürst Waldburg-Zeil kommen, wenn er bekennen muß, daß er nicht Mathias Erz. berget, sondern einen nicht approbierten Katholiken gewählt hat.

-j- Aus Mecklenburg. Der Wahlkampf ist überall heiß entbrannt. Eine ebenso bemerkenswerte wie erfreuliche Erscheinung ist daS ganz unerwartet sich geltend machendeAuftauchen einet starken liberalen Unterströmung, die auch gerade da zn Tage tritt, wo bislang der Liberalismus kaum noch zu spüren war. Selbst in Kreisen, in denen die Ritterschaft infolge ihrer großen Bkgüternngm eine sehr starke Position hat, regt eS sich in erfreu- lechem Gegensatze zn früheren Wahlkampagnen in Bürger- unb Bauernkreisen, und die liberalen Kandidaten in Orten, wo bisher für fie kein Saal zn haben war, finden nicht nur mit ihren Reden lebhaften Widerhall sondern sogar baS Anerbieten tatkräftiger Wahlhilfe auS Bevölkerungsschichten, welche lange Jahre sich von dem politischen Leben zurückgehalten haben. E» mehren sich die Anzeichen dafür, baß ein frischer Schwung durch bie mittleren Schichten bet Bevölkerung geht, bet ffit die Zukunft dem Liberalis­mus gute Aussichten bietet.

rEp Nürnberg. 17, Januar. Im Wahlkreis Hof haben sowohl berBunb der Landwirte wie da» Zentrum ihre eigenen Kanbidatnren Dr Mammen bezw. Erzberger zurückgezogen. Der Bund ber Lanbwirte empfieblt da» geschloffene Eintreten für ben freisinnigen Kandidaten Dr. Goller, nnb da» Zentrum empfiehlt «ine Patriotische christliche nnb ben bürgerlichen Parteien gegenüber per­sönliche Stimmenabgabe', also ebenfalls da» Eintreten für Dr. Koller, bem danach nur noch ein sozialdemokratischer Kandidat gegenübersteht.

K Au» dem 1. pfälzischen Wahlkreis. DiePfätz Ztg.', da« Organ der ZentruuiSp.irtet der Pfalz, erklärt kategorisch »" der Kan­didatur Buhl, daß da» Z en tr u m gemäß der am 27. Dezember ooSgegebenen Parole:Unter keinen Umständen einen Rational- liber-len' handeln werde Wenn auch Herr Buhl lwtboltfch sei, politisch zähle er zum Block und damit fei er für da« Zentrum ab­getan. Wa» da» Zentrum bei der Stichwahl tue. ki Sache der Zen- trumeleitunq de« Wahlkreise«; ihr werbe gehorcht werden

X Aus Baden, 16. Jan. Wie aus Zentrumskreisen ver­lautet, haben sämtliche katholische Geistliche des Landes Weisung erhalten, amAbenovordemWahl- tage in ihren Pfarreien Versammlungen abzuhalten, um noch einmal allen Katholiken streng ins Gewissen zu reden. Die liberale Phalanx wird gut tun, für diese große Aktion ge­rüstet zu sein, namentlich durch strenge Organisierung der Kleinarbeit am Wahltage.

?Metz, 15. Januar. In Hayingen verfiel eine öffentlich« ZentrumSverfammlung vor dem Eintritt in die Verhandlungen dem Schluß, weil die Erschienenen nicht« vom Zentrum hören wollten. In Saaralben hat sich eine liberale Ver­einigung konstituiert, der sofort 180 Bürger aller Berufe unb Arbeiter beit raten. In Riloingeu tritt ber katholisch« Verein der HütteStiebe* fürCHarle» be Wendel ein.

17. Iatmttr 1*07. Ak. tx.

beim ersten Anzeichen der Erdstöße in» Freie liefet, währ, Neger größtenteils in den Häuser» blieben.

Washington, 16. San. Da» Marine depar t e erhielt aus Gnantanamo ans Kuba durch drahtlose Telei die Nachricht, daß Admiral 8v lln S an Bord des Torpedo .Whipple" nach Kingston fuhr, um dort die tätigen U» stützungen anzubieten. Die SchlachtschiffeMffouri" und ditma" folgten. Die ProviantschiffeSeltic" undGlacier"' zurAtlantischen Flotte stießen und voll mit Vorräten versehen wo erhielten Befehl, sofort nach Kingston weiter zu fahren, ihre Ladung unter die Notleidenden verteilt werden soll.

Gerichtszeitung.

n Leipzig, 17. Jan., 10 V. In bem Prozeß Dr. | man gegen Mehring, bet heute beginnen sollte, ton zunächst ein längerer Schriftsatz be» Verteidigers be» Bett ten verlesen, in welchem dieser den Vorsitzenden ablehnt, bem Antrag be» Beklagten» Bebel und Singer als Zeugen k zuladen, nicht entsprochen worden ist, während dem kläg, scheu Anträge gemäß Polizeirat Henning-Berli» al» Ze, vorgeladen wurde. In diesem Vorgänge erblickt die Bert digung eine Bevorzugung des Klägers, welche bezüglich | Widerklage nicht unbeachtlich sei, in der es sich um den B tourf gegen Mehring handelt, daß dieser am 21. Januar 1( (bem WahlrechtSdemonstrationS-Tage) feige zurückgebliH sti. Der Vorsitzende vertagte die Verhandlung mit j Begründung, daß die zuständige Kammer des Landgerichts über die Ablehnung des Vorsitzenden noch nicht fchlüffis i macht habe.

e Magdeburg 17. Jan. (Priv.-Tel.) Da» Schwurgericht h urierlte Proviuziolsteuerstkretär Lülbereeister wegen jähre la» Unterschlagungen von Erbfchafisgelbern in Höhe » (£ 65 000 zu 5 Fahren Gefängnis unb 5 Jahren Ehrverlust.

EE Landau (Pfalz). Die hiesige Strafkammer verurtei den Winzer Ludwig Gieß von Diedesfeld, der feinem S) turwein ein übermäßiges Quantum Tresterbrühe z fetzte, Ku 100 Mk. Geldstrafe. Der Lehrer Jakob Zöll° von Diedesfeld hat seine 1906er Kreszenz stark gewassei sodaß sie gelegentlich einer vorgenommenen Kellerkontrs beanstandet werden mutzte. Da Zöller den auf diese ®e hergestellten Wein auch in den Handel brachte, wurde ihm tx gleichen Gericht eine Geldstrafe von 150 Mk. auferlegt.

nt Nürnberg 12 Fan. Ire Biwak in Allersdorf kam der Soll Fra n k de» 19. Ins.-Reg. bem Befehle feine» Korporalfchasfsführe 'inen KaffeefaS zu tragen, nicht nach. Später, a!» ber Korpou fchaftsführer äußerte, Frank brauche ben Sack nicht, müffe aber ein Beilpickel tragen, sagte Frank:Ra also, wa» kreischen Sie btnn so Da« Kriegsgericht verurteilte jetzt ben inzwischen zur Rest, übergetretenen Frank wegen erschwerten llngehorfau nnb AcktungSverletzuna zu 2 Monaten unb 10 Tagen Gefängnis

d Mannheim, 15. Fan. Einen guten Griff tat tn I Nacht vom 29. zum 30. Oktober v. I. bie Heidelberger Polig als sie auf dem dortigen Hauptbahnhof einen jungen Mai festnahm, nachdem er ein Fahrrad nach Landau aufgegebi hatte. Sie glaubte einen Radmarder erwischt zu habe entdeckte aber bei der körperlichen Durchsuchung des Berdächi gen Briefe, aus denen hervorging, daß der Adressat in be selben Nacht in Sinsheim eine Brandstiftung begeh» sollte. Eine telephonische Anfrage in Sinsheim ergab in b Tat, daß dort einige Stunden vorher das Atelier be» Phot graphen Landes unb eine angrenzende Scheune niebergebrani waren. Der Verhaftete war der Sohn des Photographi Jakob Schneider au» Sinsheim, der sein Geschäft i Landes verkauft hatte und bei diesem Provisionsweise beschä iigi wurde. Schneider Jen. fanb, daß er durch den mit Land abgeschlossenen Kaufvertrag, der u. a. auch eine sehr unang nehme Konkurrenzklausel aufwie», sich selbst geschädigt Heck unb beschloß, sich des Vertrag» durch Brandstiftung zu en ledigen. Er Hatte, obwohl das Atelier nicht mehr fein Eigei tum war, di"Versicherungsprämie weiter bezahlt unb mei dadurch einen rechtlichen Anspruch auf die VersicherungSsum von DA. 6500 zu haben. Er selbst scheute sich, ben Brand legen. Er erinnerte sich seines Sohne» Josef, den er vor ein Jahre au» dem Hause gejagt hatte, weil er beim Aktu epi men durchgefallen war. Josef, der sich als Ausläufer ei Bäckermeisters in Frankfurt durchs Leben schlug, ton durch Vermittelung der Stiefmutter in's Vertrauen gezo, und in Zusammenkünften und durch Briefe der Plan Brandstiftung erörtert. Josef war durch die versöhnliche H tung seines Vaters und durch baS Versprechen, er eiche 500 Mark von ber Versicherungssumme, rasch gewonnen. $ Verabredung gemäß fuhr er am 29. Oktober v. IS. von Fra ürt mit einem Rad, da» er unmittelbar vorher einem Schi nachermeister Winter gestohlen hatte, nach Sinsheim un teckte bas Atelier, bie nahe Scheune unb ben Speicher bt Wohnhauses in Brand. Sein Vater hatte Spiritus und Holj wolle bereit gestellt. In Heidelberg wurde et bann unter be bereits erwähnten Umständen verhaftet. Angesicht» der vei räterischen Briefe war Leugnen unmöglich. Heute ftanbe Josef Schneider, fein Vater Jakob Schneider und seine @tie| mutier unter ber Anklage ber Brandstiftung unb bet Anstistim unb Beihilfe vor bem Schwurgericht. Josef Schneider tourt i iu 1 Jahr 8 Monaten Gefängnis, Jakob Schneider unter Au» Muß milbernber Umstände zu 8 Jahren Zuchthau mb 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Frau Schneider tourt reigesprochen. , w

Vermischtes. j

---- Frankfurt. 17. Jan. Am 1. Februar wird bie zwksihrtt^flckki doch und Zwingenberg gelegene HaltestelleH ähnlet u' bt Main-Reckar-Bahn bem Verkehr übergeben. Vorläufig halten fech Züge Franksturi-Heibelberg und ebensoviel iu umgekehrter Richtnn dort an.

# Mainz, 16. Jan. Ein junget Kaufmann aus Wie» baden, ber hier bedeutende Postschwinbeleien tierübti wurde verhaftet. Er hatte eS verstanden, sich von ber Pos ! tötete wertvollen Inhalts, bie für hiesige Kaufleute bestimm waren, auShändigen zu lassen. Den Inhalt bet Pakete hfl bet Dchwinbler teil» verkauft, teil» auf bem Pfandhause bat etzt. -

foniekonzert beS Herrn Weingartner und am S. ber von Herrn Busoni veranstalteten Novitäten- ab en de kennenlernten. Johan Wagenaar vertont Rembranbt» GemäldeSaul und David". Der in Wahn- finnSnacht brütende König Saul wird durch David» Harfe erheitert und erhellt: er gewinnt neuen Mut, neue Kraft. St» mit bem letzten Harfenschlag auch seine Seele entschwebt, Glaubt Wagenaar mit solchen Fingerübungen ber Harfe Irre zu heilen? Will er mit bem Getöse ber Blechbläser, die die Stürzen der Instrumente nach oben drehen müssen, die Not­wendigkeit ber Zwangsjacke motivieren? O, bittere Ironie! Absolut genommen, könnten einzelne Klänge Gefallen er- wecken, »bet übet da» Ganze muß man lächeln. Auch Paul Ettel schädigt feinen kleinen sinfonischen Satz durch die .Unterlegung oe» Schillerschen GedichtsPompeji und H e r I u l a n u m". Wir sind nicht mefjr so naiv, einen Pau. lentottbel als Vulkanausbruch hinzunehmen, selbst wenn sich ein paar störrische Posaunengänge damit paaren. Da« über­mütige Volkstreiben aber, da» in üppiger Instrumentation sich vor unserem Ohr entfaltet unb das ber Tonsetzer in etwas kühner Verquickung von Mobernem unb Antikem auSmalt, strahlt aus feiner Arbeit klangvoll unb erfreulich wider. Mehr al» eine Entschuldigung ist wohl in Hugo KaunS Fan­tastestück für Violine und Orchester der Untertitel aufzufaffen: <® 8 to a r einmal". Ich fürchte, man wird ben Xitel bald auf feine Arbeit antoenben, betreibst bie virtuose glänzende Wiedergabe durch Herrn M. Preß keine Existenzberechtigung geben konnte. Wie viel sympathischer wirkten diesen program- matischen Versuchen gegenüber die Stücke absoluter Musik: zwei Satze einer Sinfonie von Hermann Behr, von dem Streben nach gesunder Natürlichkeit getragen, und die graziös dahinschwebende Lustspiel-Ouverture von Busoni! W. KL

o tHumoristischeS aus der Wahlzeit, j Man berichtet uns aus «traßburg: In dieser Zeit bet Wahlkämpfe sin- bet bet Wahlhumor freiwilliger ober unfreiwilliger ist dabei einerlei ein doppelt dankbares Publikunk. Dies­mal liefert das Diehenhofer ZentrumSblatt den Stoss. In feinem Inseratenteil findet sich folgende Ankündigung:

«rotze Wahlfahrt

zum Hk. Antonius, dem großen Einsiedler^ Gauwies

Donnerstag, den 17. Januar 1907. Hochamt und Festpredigt 10 Uhr. Kath. Pfarramt.

Wahl saht ten dürften bie letzte Neuheit im dunklen Lothringen darstellen. Dem heiligen Antonius aber sollte strengste Objektivität ans Herz gelegt werden. Der BezirkSrat hat erst neulich wieder seine Ansicht über geistliche Wahlbeein­flussung verwaltungsgerichtlich in der Kassierung eines kleri- kalen Wahlmanbates zum Ausdruck gebracht. Uebrigens wer­den di« Anforderungen, die in neuerer Zeit an die Heiligen ge- pellt werden, mit jedem Tage größer.

^Frankfurter Konzerte.? Auch bei feinem zweiten Chopin - Abend hatte Herr v. KoczalSki reiche Gelegen-

Beit, die Vorzüge feiner Kunst in da» rechte Licht zu setzen. Da» Presto in der B-moll-®onate kam mit sauberster Akkura­tesse zu Gehör, der vorhergehende Trauermarsch wurde mit gutem Empfinden gespielt. Weniger sagte unS die etwa» trockene Wiedergabe de» ^ie-äur-Jmpromptu zu, so trefflich auch eiimelne», z. SB. die Läuse im letzten Abschnitt gelangen. Der Gesamteindruck Blieb somit ungefähr der gleiche wie am ersten Abend: außerordentliche rnustkaftsche Sicherheit, aber wenig eigene Physiognomie. Uebrigen» wat bet Saal be» Hoch'schen Konservatorium» besser als neulich beim ersten Auftreten de» Künstlers besetzt. Zu gleicher Zeit führte sich tcir Dr. Hoffmann mit einem Liederabend ein.

« Sänger imponierte un» mehr durch die robuste Kraft ferne» Basse» al» durch eigentliche» Können. Offenbar hat der Konzertgeber vor der Zeit feine Gesangsstudie« abge» brochen, sonst würde et doch auf eine sorgsamere Schattierung de» Ton» und auf einen weniger harten Tonansatz sehen, der bei bewegteren Siebern am meisten störte. Der Vortrag Schubert' scher Siebet schien un» auch in bet Auffassung verfehlt zu sein. Ungleich günstiger lagen ihm ältere Volks­lieder, wenngleich auch hierbei wirkliche Kunstsänger hinsichtlich bet Charakterisierung der einzelnen Strophen im allgemeinen mehr zu bieten vermögen. Recht musikalisch begleitete sich S Hoffmann selbst am Flügel. Nachzutragen ist noch da»

ert be» Tenoristen Heinrich Hormann, da» Tag» zuvor in der Loge-Karl stattfand. Weniger durch den Reiz der schon etwa» verblühten Stimme, al» durch geschmackvollen Vortrag vermochte ber Sänger, ber außer der Arte au»Cost fan tutte" ein überaus reichhaltige» Programm an Liedern absol­vierte, den lebhaften Beifall seiner zahlreichen Zuhörer zu entfachen. Unterstützt wurde er durch die Sopranistin Frl. Kettling, die unter anderem Jngebotg» Klage von M. Bruch recht ansprechend fang, sowie durch ben als Solist und Begleiter mitwirkenoen bewährten Pianisten Herrn Eckel.r.

-- (Akademische Nachrichten.! Der cu o. Professor ber alten Geschichte Tr. Max S. Strack in Gießen hat, wie un» geschrieben wirb, einen Ruf al» OtbinartuS an bie Uni­versität Erlangen erhalten. Au» Dresden meldet man un»; Der Direktor ber Königlichen öffentlichen Bibliothek, Geh. Hoftat Prof. Dr. Franz Schnorr v. Carolsfeld tritt in ben Ruhestanb. Nachfolger wirb bet Staatsarchivar im HauptstaatSatchiv, Oberregierungsrat Dr. Hubert Er- misch. Man berichtet uns au» Jena: Tie Privatdozenten in oer medizinischen Fakultät Dr. @. Giese (gerichtliche Medizin) und Dr. F. Bommel (Innere Medizin) find zu a. o. Professoren ernannt worden. Auf eine 25jährige Tätigkeit als akademischer Lehrer kann dieser tage Prof. Dr. Paul Etrübing, Ordinarius der inneren Medizin und Direktor der medizinischen Poliklinik in Greifswald, zu­rückblicken. Der Baudirektor der Stadt Wien, Oberbau- rat F. Berger, wurde in Anerkennung seiner Verdienste um ote technischen Wissenschaften überhaupt, wie insbesondere um ben Stand der Techniker von der Wiener Technischen Hoch, schule zum Dr. techn. hon. causa ernannt. In Kar IN- rufie starb am 14. ds. der Skat SSiruro #nbj

und Westph. Schinken, Engi. Roastbeaf, Rindzunge, Lungen­braten, KalbSfticandeau, Astr. Caviar, Gansleberpastete, Trüffelpastete, Franz, und Walliser Salat, Diverse Fische tn Gelee, Sardinen, Cafö, Gebäck, Weichgekochte Eier, Äugel« hupf, Mineralwasser. Das Dejeuner wurde auf einem neuen Silberservice speziell für deutsch Kronprinzen, wel­ches ich vorher beschaffen mußte, serviert. A

Hochachtungsvoll

Johann Gra s.*

Also, tote gesagt, 160 Kronen waren eine unverschämte Änderung für ein Frühstück, welches zu Ehren und zum Wohlsein deS deutschen Kronprinzen auf Station Wesely laut hoftnarschMamtlicher Bestellung serviert wurde. Sollten die verruchten Nörgler wieder einmal Recht behalten? Jeden- falls ruft das Schreiben des Wirts die Traiteure des ent­rüsteten Europa zur Begutachtung auf, ob einer bie Legion von Leckerbissen einschließlich Silberservice zu einem bil- tigeren Preise geliefert hätte, auch wenn nur ein Teil davon genossen worden wäre. Trotzdem wird ber Herr Hof- Marschall zu Potsdam noch nicht ben Entrüstungsharnisch ab­legen, einfach deswegen, weil ber unkundige Johann Graf die Frugalität der Hohenzollern unterschätzt hat. Ja, weil der biedere Jan in Berliner Appetit fragen nicht recht befahren war, telephonierte er in seines Herzens Angst nach Serlin unb fragte, was bei KaiserS zum ersten Frühstück ylleS aufgetafelt würde. Da standen dem armen Schlucker die Haare zu Berge, als er sie aufzählen hörte, die gewaltigen silbernen Platten mit den warmen und kalten Speisen unb Getränken, die nicht nur den Majestäten, sondern auch den Kindern serviert werden. DaS schrieb sich ber Jan Graf hinter die Ohren und komponierte genau so ein Mtnu, wie es in Berlin und Potsdam gebräuchlich ist, und glaubte damit eine Ehrenpflicht zu erfüllen, wenn er seinem Gaste das Leben in Wesely ebenso angenehm zu machen versuchte, wie eS in Berlin unb Potsdam an der Tagesordnung ist. Aber, tote ge­sagt ein unverschämter Kunde ist der Jan Graf doch. Hätte er nicht ahnen können, bah ber Kronprinz in Wesely nut Kaffee, Hörnchen und weiche Eier genießen würde?"

-- (Das Programm tn der Musik.s Aus Berlin Wird uns geschrieben: Unsere Komponisten glauben ihrer sinfonischen Musik ben Anstrich einer besonderen Durchgeisti. St zu geben, wenn fie ihr ein programmatisches

telchen umhängen. Sie halten das fürmodern" unbbe- deutend und dünken sich Herrscher über alle nachbarlichen Kunstreiche, wenn sie aus der Welt der Töne in bie Gebiete >er Dicht- und Bildkunst einbrechen. In Wahrheit sind sie Meist nur Freibeuter, die auf unrecht Gut Jagd machen. Die Nachbarkunst mit ihrer eigenen zu einer inneren seelischen Beziehung zu bringen, ist ihnen nicht gegeben. Ost haben sie es noch nicht einmal zu der Erkenntnis ber Notwendigkeit, diese Beziehungen herzustellen, gebracht So wirkt denn ihr Werk dadurch doppelt schal und nichtssagend. Die Anmaßung aber, die aus der Ueberhebung spricht, setzt den Komponisten__

fälschlich Tondichter genannt leicht ber Lächerlichkeit aus.

MWaJSgfe SÄW-M wir im 6. Sin-

Röntgenologe Dr. R. S tegmann.Aus Pari» wird uid mitgeteilt daß der Archäologe Loui» Emile B u r n o u f, ftühtt Direktor der ftanzöfischen Schule von Athen und Letter da ftanzöfischen Ausgrabungen in Griechenland, im Atter toi 85 Jahren gestorben ist,

--- [Kleine Mitteilungen.! Un» wird berichtet: Ein ans tikeS steinerne» Büchergestell zur Ausnahme vmi Rollen eingerichtet, ist von E. Breccia, dem Leiter des Mch seurn» von Alexandrien, aufgefunben worden. Da e» naq einer Aufschrift zehn Rollen eine» Schriftstellers DioSkm ride» beherbergt hat. so liegt die Vermutung nahe, daß ei» Rest der Einrichtung ber berühmten alexandrinischen Bibtt» thek vorliegt Die Mette Frankfurter flammet! mufik-Matitt'Le der Herren Post, Ratzka, Schmidt uflj Schlemüller findet nächsten Sonntag im Saale des Hochsch« Konservatorium» unter Mitwirkung von Frl. SchwekowsR (Sopran) und Frau M. Schmidt (Klavier) statt Maß schreibt un» v. 16. ds. au» Mainz: HaydnsSchöpfung^ gelangte heute mit Frl. A. Vidron-Koln (Sopran), den He» ren P. Reimers (Tenor), A. v. Ewehk (Baß), beide von Berlin, nnd Prof. F. W. Fr«ike-Köln (Orgel) unter Prof. K Volbachs Leitung ttn sechsten VereinS-Konzert derLief bertafel" zu einer sehr guten Wiedergabe Wie un» aus Nürnberg geschrieben wird, ist der PrÄ feffor an der dortigen kgl. Kunstgewerbcschule Bildhauer Hein­rich S ch w a b e in ben Ruhestand getreten. Schwabe ist beson­ders ein Meister ber Kleintechnik. Schon in jungen Jahren machten ihn seineAmoretten" bekannt, die in vielen taufen« ben von Stück im In- unb Auslande Verbreitung gesunden haben. Bon seinen größeren Werken sind die bekanntesten bei mit künstlerischen Reliefs geschmückte Brunnen vor dem SuD# toigSbahnhofe in Nürnberg, der zur Erinnerung an bie 183$ erfolgte Eröffnung dieser ersten Bahn Deutschlands errichtet worden ist, und ber Kaiser Wilhelm-Brunnen in Erlangen. --In bie Jury ber Mraphischen Ausstellung be» Deutschen Künstlerbundes tm Deutschen Buchgewerbe museum in Leipzig find folgende Herren gewählt: & Bantzer - Dresden, P. BehrenS - Düsseldorf, Carlos Gretha Stuttgart, Ludwig v. Hofmann -Weimar, Max Klin­ger - Leipzig, Walter Seiftitoto - Berlin, Franz Stuck- München und HanS v. Bolkmann«Karlsruhe. Dft Eröffnung ber Ausstellung wirb in den ersten Tagen bet Februar stattfinden. In Wien ist der Pianist und MM sikpädagoge Professor HanS Schmitt, 71 Jahre alt, gestor­ben. Professor Schmitt verfaßte auch viele methodische unj technische Studienwerke, die viel benutzt werden. Wie un# berichtet wird, starb in Neapel ber Maler Geremia LV Scattno, 67 Jahre alt, einer ber berühmtestenPomp« janer". Von seinen Arbeiten stnb bekanntEin JahrhunbeW fest in Pompeji, (Musäe de 1'OpLra Paris), Pompejanis« Szenen und Hof au» Pompeji (fllationalmufeum to> Neapel) usw.