Stär? 1907. MI 8

SriHFa Morgenblatt der Fraukfurlrr J-rmng.

75. SRt.~ SÄlMSr» LV0-.

Sport.

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wird man in

Berichtigung

Vermischtes.

bllchstiatzr 27.

Bockenhei m

traten

I. Ludwig F a b r i c i u s

_ Heidelberg, den 16. Februar 1673."

(Schluß folgt.)

Im 1. Morgenblatt vom 20. d. M. befindet sich eine wonach den Handelskammern die Begutachtung einer schrift über die Gründung einer Genossenschaft für die Werker der Rheinprovinz obliegt. Tie Begutachtung Denkschrift erfolgt aber nicht durch die Handels-, so« durch die Handwerks kammern.

Professor an der Universität Heidelberg Rat des Kurfürsten von der Pfalz.

sehen. . .. _

* Die Münchener Pferderennen, die zuuSchfi 19 ans den 25. März verlegt worden waren, find nun g ioBtn worden, da erneute Schneestürme die Bahn auch für dies«, impraktikabel gemacht haben und das Wetter, abwechselnd ~ Schnee Nachts Kälte, noch anhält. Der Gesamterlösder Gras Halbblut-Auktion Ätrug für 27 Pferde 32,940 X dem wurde der jetzt neunjährige Nickel.Sohn Nicus, der einzige blüter, bei einem Gebot von 2200 dL dem ^rrgener 9t. A, zugeschlagen.

Festkommers Der bürgerlichen Linke«.

Zum Abschluß dieses harten politischen Winters veranstalte­ten die drei Parteien der Linken, die gemeinsam gekämpft hatten, gemeinsam einen Feierabend, nach sauren Wochen ein frohes Fest. Die weiten schönen Räume des Palmengartens waren bis zum letzten Platz besetzt. Wohl an die zweitausend Frauen und Männer waren versammelt. Der Vorsitzende, Chefredakteur List-owsky, begrüßte denfestlichen Dreibund" von Nationalsozialcn, Freisinnigen und Demokraten: In die­sen Märztagen, da wir dem Frühling entgegensehen, feiern Wir ein Fest der Vorbereitung und der Hoffnung. Mag es auch draußen noch rauh und trüb sein, wir ahnen doch die kommende

Jena" im Bild vorgeführt.

Tagesanzeiger für Sonntag, 24. März: Kaiser­saal, 50 Pfg., 834 bis 1. Museen, historisches und Völkermusemn, 10 bis 4; kunstgewerbliches, 10 bis 1, 2 bis 4; Stadel, 11 bis 3, alle unentgeltlich; Senckenberg, geschloffen. Hundeausstellung, Landwirtschaftliche Halle.- Ausstellung e n, Swillerplatz-Entwürfc, ErlangerscherPa- villon, Bockenheimer Anlage, 10 bis 5; Schülerarbeiten: Stä- delsches Kunstinstitut, 9 bis 5, Frauenbildungsverein, Hoch­straße 22, 10 bis 6, Gewerbeschule, Junghofstraße, 11 bis 3, Städtische Fortbildungsschule, Weißfrauenstraße 1, 3% bis 6. ; Städtische obligatorische Fortbildungs­schule, Zoologischer Garten, Entlassungsfeier, Vm. 1134. Oeffentliches Konzert, Taunusanlage, Artillerie- kapelle, 12 bis 1. Pferde. VcrsicherungSgesell- schäft auf Gegenseitigkeit, Langestratze 29, Gene­ralversammlung, Nm. 3. Fußball-Wettspiel, Louisa, Frankfurt gegen Hannover, Nm. 334. Verein Mekor-Chajim, Schützenstraße 2, Nm. 634. Katho­lischer Männerverein, Kompoftellhof, Oberlandes­gerichtsrat Wellstein:Aus der Zcntrumspolitik", Nm. 9.

Aranklmler Angelegenheiten.

= Frankfurt, 24. März.

Eberhardt, der leider verhindert war, seine Zeichnungen sorgfältiger durchzuführen, bei der übrigens Ungünstigen Auf­stellung des Modells und der Pläne, weshalb man ihren Ab- sichten nur mit einiger Mühe folgen kann. Nach wiederholter Prüfung wird man aber erkennen, daß hier die Gliederung des Platzes nach einer stark betonten Mittelachse, die Orien­tierung von der Zeil aus, die feine Anpaffung der Höhen­differenzen (in den einzelnen Brüstungen, Postamenten, Brun­nen usw.) an den durchgehenden Zweck der räumlichen Einheit, die klare Funktion des Wartehäuschens als Abschluß und seine Angliederung an die Haüptwache, sehr glückliche Lösungen be­deuten. Daß es freilich nicht nötig ist, um das Häuschen der Haüptwache konform zu gestalten, in einem wenn auch moder- irisierten Barockstil zu bauen, beweist wiederum Leonhardt, des­sen kühnes Bauwerk, durchaus modern und konstruktiv emp- funden, dennoch durch seine ruhigen Linien sich vortrefflich zu der Hauptwache verhält, und dessen Abschluß der Nordwest­ecke nicht weniger vorteilhaft wirkt wie Eberhardts halbhohe Balustrade. Leider hat Leonhardt nicht auf den für das Cafe reservierten Raum an der Hauptwache Rücksicht genommen, sondern ihn in sein System gezogen, ein Fehler, der vielleicht

Hoch berühmter Herr!

Seine Durchlauchtiqkeit der Kurfürst von der S mein gnädiger Herr, hat mir aufgetragen. Euch, di bis jetzt nicht kenne, der aber bei Seiner Durchlzuch in hoher Gunst steht, zu schreiben und Euch zu frager Ihr geneigt wäret, eine Berufung als Ordinarius i Philosophie an seiner Universität anzunehmen. Die ! düng soll eben so hoch'sein wie sie die übrigen Ordn genießen. Nirgends könntet Ihr einen Fürsten finden wohlgesinnter ist gegen außergewöhnlicheTalente, zu H er auch Euch rechnet. Die größtmögliche Freiheit zu H sophieren wird Euch zugestanden und er ist überzeugt, Ihr dieselbige nicht zur Verwirrung des öffentlichen tesdienstes mißbrauchen werdet. Ich meinerseits erfüll! mit den Auftrag meines hochweisen Fürsten und bitte darum aufs dringlichste, mir sobald als nur möglich zu Worten. Das eine füge ich noch hinzu, daß Ihr, fo Jh. her kommt, hier, ein Leben führen könnt, rote es eines 1 losophen würdig, wenn nicht zum mindesten alles tt| ausfällt, als wir hoffen und erwarten. Hiermit, hochg< ter Herr, lebet wohl. Euer dienstwilliger

Tas kann, soweit es sich um die Beratung des Etats han­delt, stimmen, im übrigen aber heißt es doch die auf das Schlagwort liberal-konservativen Paarung ge taufte Verständigung zwischen der Rechten und der bürgerlichen Anken, verkennen, wenn man glaubt, daß sie in allen ' i Zusammengehen führen werde. DaS wäre

Ass dm Mlslandö-Rrgisttt des Sjglldksgnrts Frankfurt a. M.

®e&ore«e. M«i, 1< E ch i> v k - . Franziska Müh 1 Ziezelg. 7. ® 11 r t 6 ä n f r, fftirbticS Sari (ZBitb) gt. ®onbg. 7 17. Sick er Sbarloite iDSir) Sp-ffarlstr. 14. Süntoer Jo(n>b Knton (Scholl) S sliotze 8. Seiifer-t. Waita Margareta (Scheich> Textoistr 68 ©f l>tenn«r. 6tifabelt) Maria (Ohr) Schwaibacherstr. 57. 18. Ä 0 61. W ihren, Hciinich (Seitz) Egenolsfilr. 5. - Huber, Gita Maria (Frank) bachflr 4g Stiller tfioitir irran z (Wetzel) Thraboldfir. 16. 19 MLj Barbara (Vockenbeimrr) Meiseng 1» 20. S 0 ldberg, Sofie (Brline Herberslr. 5. Borgemann Mai ihn Sarollne (Timer) Theobgldftr. 1L M e 8 g e r, Regine Emilie (Hiineu) Bornheimer Landstr. 70 W e r 8h an $)an8 Reinhold igautr) Texiorstr. 83 Ära «er. Aznei Maria LiklorM (»litzschi Weterftr. 43. 2t Schmidt Sofie Hildegard (Rebhan) Theaig stratze 16. nein $Verb Heinrich (RBiill HnbSl.iirgei-Lllee 20.

Airrgkbstcne Mül, 21. Lüdke, Waller Ludwig. Buchhalter dahier,! Porzendeim. Sitte Wilhelmine zn Mam,. «er«, Friedrich Carl t Mustk-Lehrer mit Opstenländer. Lydia Maria Hilda beide dahier, g» Wilhelm Ärankenvflezer mit Stefert. Sofie, beide dahier. Müllers S«ez -Hdndl-r mit Koch idnna Mario, beide dahier. Weitz Heinrich. W mann mit Pabst, Stier«(ta Mara. beide dahier. Schäfer. Hugo ®t(j Maler und Lackiree, mit Volk. Ea'harina Margareta beide dahier. tz? mann Carl Heinrich «anfmonn da hier mit Eckhardt Anna Caiharigtz xchlitz___Weniger Carl 3°!,rch, Siuckatertr mit W er re r Siisgunu W

beide dahier S ch l e ge t m il ch, Johann Paula?, Medger. mit Schrfitz Knnignude Babetle beide dahier. H - ner, Sian, Wilhelm Carl. Journe mi'Th iede m an n. Elia »ukatine lerteb. «eita b idt ,n Beilin P F) oohann Gewihr'abrik.sqloster,11 Amberg, mit MünchhliIN. Anna W« Voiaibeiteiin dahier. Senneffen Theodor, Fabrikarbeiter ,«<M Aldr « chI Caroline Catharina zu Sennteld. Rühl. Hetnrichi Bäck« H-dderuheirn mit Mütter Margarela dahier. Gutmann. Paul Girrn Cborstingir Lädier mit Otfchadak. Emilie Johanna ChotiSngerin zu Pt Laudenbach. Lea Küfer zu Wiesbaden m i Hofmann. Coihaiina So Stier, Eduaid. flüfer zn Gommersdors, mit Horch. Monika zu Berlrchii S t a h m er. Hetniich stirieiitch. Wag-nbanlechn dahier, mti R 0 4 Walz Christina zu Aitona-Ottensrn. Llnd-r Robert. Packer mit Metzger Rostne beide zu Heilbronn. Martin. Georg Wilhelm Dr. med dahiß Gesell Matilde Malta Gertrud ,0 Stuttgart. S-hflkt Johann üBil Landwirt z» Jittingen. mit V 0 11, Luise zu Kiichardi. Ramig. In Laborant zu Steinbach mit Bühlmaher Jrird. Christiane Köchin dahie Winter, Hermann Oskar, Kutscher, mit Werner, Anna Maria, des Zürich.

«fi»schttetz«»gen. März 22 Metzer. Jakob. Chem ie.- zu Chartotlen mit Her, Sofie Alice dahier. Sauerwetn Heinrich Packer mit $>trt Anna Barbara, beide dahier Wagner, Lndwtg. Schreiner nul Ri Elisabeth Margareta, bilde dahier Dz ialow Ski Jaletzb Juschneitm Bär Beiltz, beide dahier. - Schrader Johann Hein.ich stziiedrich. Re rnck stieick. Sofie beide dahier. Rosenberg S>iediich Caii Kan)man, Rosenthal. Henriette, beide dahier. Paulus. Johann Wilhelm. 6 rnocher mit Ratzbieler Anna Mal«a beide dahier Sani Gnstav Sbs nut P 0 pi>. Stieb beide dahier K0 r n e b 1. Lndwtg «eoig Ernst Htt ©äteiiut mit 6 n cf Wilhelmine Luise beide dahier Arnold Heil Hugo Hans Uhrcn.Coiitralleur, mit Mines. Elisabeth, beide dahier. i

Verstorbene. März 21. Jasper Johann Tape)iier, beth. 40 I. E strotze 22-S eh r i n g. Gnstao. 1 T Witieidd-Allee 62 Kahns ged. Richard 72 I Röde. dergweg 97- Stabt Hermann. Spari affen« Wwr.. 68 I. Sautzstr 16 - Reumann. Slara. lebig 84 3. Röt« weg 62 Schneider. Adam. Fuhrmann Wwr. 60 I. gr. Hasenpsad 1 Böhrer, Johann. Spengler, vcib . 4t 3. Garlenste. 229. Staubt Ebb geb. Heil Wwe.. 86 I. Earteuftr. 229 Günther. Johann Georg ® drehe r. ledig. 31 I , Et ist st r. 30 Hacker Balihaiar. Weitzbinder, Wwr.) Sliststr. 30. 23- O b e r t. Peier, 1 3 Euleng. 14. - Bey. Ernst. Würzbnrgetstr. 4. - Rie8. Catharina geb. Hetzler Wwe, Priv., 48 I. 1

Anblick von der Zeil aus als architektonisch ge. schlosseneS Bild zu faffen und soweit von de» ringsum bewegten Trambahnverkehr zu isolieren, daß er die notige Ruhe in sich erhält und dennoch nicht als ein »Platz tm Platze wirkt. Die Hauptwache bildet dabei den sicheren AnlehnungS- Mnkt, und die Ffrage, wie das Wartehäuschen auszugestalten fei, mutz sich völlig der Hauptsache unterordnen. Als diese Hauptsache ergibt sich eine symmetrische Anlage, mit dem Hm- tergrund des Wartehäuschens, mit stark betonter Achse, die auf die Mitte des Hintergrundes hinführt; sorgfältig ist Die Ein­ordnung des Schillerdenkmals als Zentrum und der nur leichte Abschluß nach rechts, nach Norden hin, in dem System zu be»

Und van der Spyck stellte sich breit und-groß vor die Tür.

Saffet mich, lasset mich!" bat Spinoza und seine arme Stimme erstickte fast wie die eines weinenden Kindes. Er wollte den Maler von der Türe wegdrängen. Aber umsonst zerrte er an ihm, er war ohnmächtig gegen ihn wie ein Knabe.

Beruhigt Euch, geht zu Bette!" mahnte van der Spyck und da Spinoza noch nicht nachgeben wollte, sagte er fest :Ich bleibe hier stehn, bis Ihr zur Besinnung gekommen seid und mir versprecht, die Tollheit zu lassen."

Da riß Spinoza die Schrift in viele kleine Stücke, fast wei­nend vor Schmerz und Bitterkeit.

Der Pöbel hätte ihn wahrhaftig zerrissen.

London, 23. März. Pferderennen zu Li« Pool Hurdle Handicap. 10,000 Mark 1. One Al wen), 2. Alderman, 3. Gamaliel. Fünfzehn liefen 4:1 100-7, 7:2. Champion Chase. 20,0"" " Fortune (Wall), 2. Old Farryhouse, 3. liefen. Wetten: 100:8, 3:1, 100:8.

» Der achte Tag der Ringkampfe im Sch« Theater brachte wiederum fünf spannende schön gebaute Italiener B 0 u ch i 0 n 1 siegte über di leichten Holländer Van Loh in 3 Minuten 12 S Armzug am Boden. Urban Christoph, der Riese", besiegte Lewitzky - Warschau in 3:06 du stürzer mit Eindrücken der Brücke, Der kleine wurde von dem Rheinländer wie eine MauS auf dem hin- und hergejagt. A ch n e r - Bayern wurde von be* Tbomas durch Untergriff von vorn mit Eindr" Brücke in 8:53 auf beide Schultern geworfen. Ter kam oft in gefährliche Situationen, denen er sich Kraftanstrengung entwand. Einem blitzschnellen Hi von Thomas fiel schließlich der Münchener zum Opfer- lebhaft gestaltete sich der Kampf zwischen Van Demsi land und W i n z e r - Hamburg. Oft gerieten sie in " des Gefechts über ben Teppich, einmal sogar über die R in? Logenpromenoir. Nach 16 Minuten 2 Sek.r Dem ein Kopfzug, der Winzer in die Brücke bri , . dem Holländer durchgedrückt wurde. Weber . Rhen siegte endlich über Kornatzkh - Polen in 3:44 durch griff von vorn. Der Ausgang dieses Kampfes war do

Fulda. Zu der neulichen Mitteilung über die Bischoss- Weihe in fyulb.i wirb uns berichtigend m'tgeteilt, daß nicht die Fürstin Itcuburg - B i r st e i n, sondern die Fürstin I i e n b u r g» W ä ch t e r S b a ch au de» Feierlichkeiten der Bsichsfsweihe teilnahm.

K München 23. März. DerBayiiiche Kurier" fjatte biefet Tage einen schürf ui Artikel gegen die Zustände an hiesigen Hoftheater gebracht Bon der Direktion der königlichen Akadcinie der Tonkunst erhält die Korreipondenz Hoffmann heute nachstehende Erklärung: In der Rr. 80 des »Bayrischen Kuriers' vom 21. März ist die Be- tzaupkmig aufestellt worben, daß Schiilerninen der königl. Akademie der Tonkunst tm Haus« des ersten Direktors, Herrn Keneralmufik- hirektors Mottl, Privatstunden erhalten. Demgegenüber stellen wir fest, daß bis zum heutigen Tag« weder Herr Generalmusikdirektor - Mottl selbst, noch -feine Gemahlin Privatstunden an Schüler oder Schülerinnen der königl. Akademie bet Tonkunst erteilt hat.' Hierzu bemerkt der »Bayrische Kurier'. »Mr hoffen, baff ber Generalmusik­direktor Mottl es nicht bei bieiet Erklärung, bie sich nur auf eine nebensächliche Bemerkung in unterem viertpalngeu langem Artikel be­zieht und über alle anderen vorsichtig schweigt, bewenden läßt, sondern uns Getegcnheit gibt, über diese Dinge im Gerichtssaal weitere Ünterhaltung zu pflegen Wir erwarte» also Klarstellung von Setten der beteiligten Stellen; wenn man bas ober nicht zu tun beliebt, müssen wir halt in einem zweiten Artikel aussührlicher teben.*

rücksichtigen.

Prüft man bie-im Erlangerschen Gartenpavillon ausgestell­ten Entwürfe nach biesen aus ber Natur bes Schiller- platzes sich ergebenbcn Gesichtspunkten, so fällt zunächst auf, daß das Preisgericht sich gar nicht darum gekümmert, sondern ein paar Projekte gekrönt und empfohlen hat, die sich entweder ganz auf die vorgeschriebene Baulichkeit des Warte­häuschens beschränken oder durch, sine großartige Ausmachung desPlatzes im Platze" für sich einnehmen. Es hat aber wenig Zweck, bloße Wartehäuschen neben die Hauptwache zu sehen, mit der sie vielleicht gar nicht harmonieren, während jetzt unbe­dingt die Gelegenheit gekommen ist, das Problem des gan­zen Platzes zu lösen, wenn das dazu nötige Geld bewil­ligt wird; und die zwei berücksichtigten Entwürfe von uin- faffenderer Tendenz find teils technisch undurchführbar, weil sie die Decke der Umleiterstation belasten (M e H s und Haus­mann), teils von so großartigem Anstrich, daß sie gerade wegen ihrer stilvollen und prunkenden Ausbauten sich flicht in den leider gegebenen Raum hineinfügen. Ter an Schönheiten so reiche Entwurf von Senf und Musch ist damit gemeint. Es bleiben nur zwei Projekte übrig, die. den Bedingnissen des Platzes gerecht werden: der künstlerisch wohl am höchsten stehende von Leonhardt» und der mit dem MottoWas zehn Jahren dazu sagen?" (Rr. 27), von der leider verhindert war, seine Zeichnungen

Justum et tenacem propositi vjrum ; Non civium ardör prava iubentium, Non voltus instantis tyranni

Mente quatit solida ....

Jlnb auch die Folter vermochte ihm kein Geständnis zu er­pressen. Er ward aufs härteste gemartert, ber Folterknecht selbst bezeugte es später, als ausgesprengt wurde, die Prozedur .sei nur Schein gewesen dann aber sollte er frei gelassen werden und es wurde nach seinem Bruder geschickt, daß er ihn abhole. Er wohnte nur schräg gegenüber dem Gefängnisse, aber Cornelis war so elend, daß er auch nicht einen Schritt ohne Hilfe zu gehen vermochte. Jan de Witt fand ihn in fei­nem Kerker auf dem Bette liegen; er selbst war von der Ver­wundung noch nicht ganz liergestcllt. Sie reichten sich trau­rig bie Hände, aber ohne Worte der Klage. Doch als sie bas Gesängnis verlassen sollten, hatte bie Menge, bie sich unten am Tore versammelt hatte, eine so bedrohliche Haltung ange­nommen, baß es nicht mehr Tätlich war. So beschossen sie zu warten. Jan be Witt laS feinem Bruder aus bei Bibel vor, aus bem Buche ber Könige. Draußen tobte bet Aufruhr. Die Karosse hatte man sortgeschickt. Die Wache war ohnmäch­tig. Das Volk heulte nach den beiben Vatetlanbsverratern, die den geliebten Prinzen hatten ermorden lassen wollen.Das Blut Jakob be Graeks komme über sie!" schrie man. Endlich

Innren, verrennen, roenn man gmubt, daß sie m anen gößen zu einem Zusammengehen sichren werbe. DaS wäre zu viel verlangt unb würbe den beteiligten Parteien einen .Verzicht auf grundsätzliche Forderungen und Ueberzeugungen zumuten, den sie schon bei bet Generaldebatte über benJStat abgelehnt haben. Es wirb Fragen geben, sowohl ber Taktik imb bet Geschäftsordnung wie bet Gesetzgebung, über bie man sich williger unb leichter verständigen wird, als es früher möglich gewesen wäre. Es wird andere geben, in denen sich bie Rechte unb bie Linke nicht werben verständigen kön­nen, unb bann werben Mehrheitsbildungen eintreten, an denen das Zentrum und die Sozialdemoktatie leilne^hmen. Wer bie Paarung als eine Ehe mit Gcsinnungs- unb Güter­gemeinschaft aüffaßt, sorbert nut bie Kritik unb ben Spott bet Gegners heraus. (Vergleiche ben Leitartikel im gestrigen Abend­blatt. D. Sieb.)' .

PirmastuS, 23. März. Nachdem Fabkikant L e I n e n w e v e r die Annahme einer Laudiogskaudidatur abgelehnt hak, wurde in einer Versammlung deS Ausfchuffis der n a t.i 0 nall 1 bet alen Partei Lehrer Simon von hier als Laudlagstandidat ausgestellt.

nützten bas Dunkel zwischen den Bäumen bet Allee zu eiliger St Doch Jan be Witt raffte sich trotz der schweren Ver- unq auf unb erreichte fein Haus. Unter ber Pflege zweier Wundärzte genas er. Jakob van bei Graes würbe ein- gezogen unb schuldig befunden, bann enthauptet. Dieses Ur­teil entfachte oie Wut bes Volkes noch mehr. Hetzrebirer ganz öffentlich auf unb in Plakaten rourbe Jan de Witt von Luzifer selbst in bie Hölle zitiert. Sein Ende war nahe. Indessen hatte man seinen Bruder Cornelis, Bürger­meister von Tortrecht unb roährenb bes Krieges Abmiral, unter i chweren Bezichtigungen ins Gefängnis gebracht. Et sollte ' etge fein Schiff verlassen haben, nachdem er sich während «s Gesechtes unter Deck verborgen gehalten, unb bann ein Attentat gegen ben Prinzen von Oranien geplant- haben. Nichts war bacon Wahrheit. Cornelis de Witt hatte aus der Kommandobrücke mitten im Feuer gestanden, nur auf höheren Befehl fein Schiff verlassen und roar an einem Attentatsplan ganz unbeteiligt. Man glaubte seiner Verteidigung nicht. Ihn seinen Bruder zu retten, verzichtete Jan be Witt nun auf ben nicht mehr zu hütenden Posten, bies sollte ber Preis sein. Aber Cornelis warb nicht sreigegeben, fonbern weiteren Ver­hören ausgesetzt und enblich zur Folter bestimmt. Er war in all bet Zeit gefaßt unb ruhig. Ein Exemplar bes Horaz wat jein Trost unb oftmals zitierte er sein

M.

So hatte Spinoza seinen mächtigsten Beschützer verloren, aber noch mehr: war nicht auch Jan be Witt ein Märtyrer sei­ner Jbeen, bet staatlichen roie Abtian Koetbagh ber religiösen ? Wo roar nun feine stolze Hoffnung, ein Erlöset bet Menschheit zu werben, vor so viel Iahten phantastisch in ihm erweckt? Abrian Koetbagh war im Sttafhaus gestorben, Jan be Witt verblutete unter ben Hänben bes Pöbels. Eine unsägliche Traurigkeit überkam ihn. Vergeblich suchte ihn van ber Spyck aufruheitetn, unb kamen Freunde, es roar seltener jetzt so'berührte das Gespräch alsbald wieder die traurigen Zeitereignisse. Holland roar hart bedrängt. _ Es fehlte der große rechtliche Mann, der ohne Eigennutz die Geschäfte des Staates führte, es fehlte Jan be Witt. Sein Name roar ein Cnclysion in allen Herzen. Die Zukunft war unsicher. Da fanb Spinoza bie einzige Beruhigung in der Vollendung seines zweiten großen Werkes, das erEthica" betitelte. Seine Gedanken gaben ihm"Trost. Denn alles roar biet Einheit, alle Wittsal gelöst. Das Wort aus ber ersten Epistel Johannis, bas er seinem theologisch-politischen Traktate als Motto voiangesetzt hatte:Daran er!cnn#n wir, baß mit in Gott bleiben unb Et in uns, baß Et uns von seinem Geist gegeben bat," dieses Wort beherrschte auch hier seine Aussühtungen. Gott unb bie Natur waren nut eines, Kraft unb Stoff nut Attribute dieses großen Einen. Alles roar in Gott, aber auch Er in allem. Wie einen mächtigen Palast führte er dieses Lehigebäube auf nach S architektonischen Regeln: et mar zu feinet geometrischen

ibe zurückgekehrt, in ber er einst des Cartesius Philosophie dargestellt hatte, nut sein Verstand sprach hier, das Herz, so beredt in seinem theologisch-politischen Traktat, schien zu fchroeigen. Es war eine erzwungene Ruhe, aber doch Ruhe unb sie sänftigte allmählich alle Hestigkeit, wehrte bem Ansturm der Gefühle wie eine starke Feste einem feindlichen Heer. Sai neben schliff er noch immer seine Linsen und Gläser.

Ganz unerwartet traf da ein Brief aus Heidelberg ein, der ben Wortlaut hatte:

Sliesckikietzungc». März 16 Wild, Hriniich, Former mit S h b * Matilde Selbe dohicr. BerreShelm, Jakob Christian, mit Kretz Ml deid: basier. v. Bülte. Rudolf. Babn-iliSeittr mit Beller. ?tnna,. dahier. Schulz, Heinrich, Polizeimerker zu Lome mit H 0 f mann. ! dahier. Huth, Wilhelm. Schreiner mit Lehna. Maria, beide dahiß

Auswärtige Familreu-Rachrrchtru.

©ebneteit. Ein Sohn: Dr. Eugen Hegeler (Savp). Gelseukirch« Sine Tochter: Arnold Simons,, (Crone), Pauliuenho) b. Mülheim a. 9 Bürgermeister Meiling (Stepraih). Jüchen.

Serlöst. Fridl Reifer mit Tixl.-Ing. Cito Holz, KapfenbergI Hansen. Helene Dach mit Arnold ffrtfche, Düsseldorf.

ivermiihlt. CScrleSret Rud. Schneider mit Elia geb. Töbing. Uelze Carl W arn st 0 rif mit Jeuni geb. Stegemanu, EbUingen. Eugen 4 lünder mit Linny geb. Hnlberscheidt, Wermelskirchen. - Wilh. S t u r Sl mit Helene geb. Symonds, Paris -New Hork.

öerftarben. Prof. Dr. Ottomar Rofenbach, Berlin. Georg Be 40 I. Cöihcn t. A. Karl Westphal. KStzfchenbroda. Heinrich St Itng, Oberst a. ® 67 I.. Münster t. W. Wendel Zimmer, R« .11 I-, Köln. Johannes ter Meer, 76 3» M.-Gladbach. Reg.-Rat s Lader Wagner, München.

Blüte und hoffen auf die spätere Frucht. (Lebhafter Beifall.)

Reie^- uns Landtagsabgeordneter Oe {et bezeichnete die Fraktionsgemeinschaft der drei freiheitlichen Grup- Pen in den Parlamenten als eine gute Grundlage für weitere ?ortschritte der Lusammenfchlußidee, die kommen werden, wenn ie Zeit reif ist. In den gemeinsamen FraktionSfitzungen sieht es fo aus, als sei Die Einigung seit Jahren da, und nie- mand kann sich mehr denken, daß andere Zustände möglich waren. Tamit ist für die Zukunft viel erreicht. Tas Schlag- wort von derkonservativ-lcheralen Paarung" erweckt leicht falsche Borstellungen. Bei dem Zusammenwirken der Natio­nalen Mehrheit, zu der wir durch des Geschicke? Macht gegen­wärtig gehören, handelt es sich keineswegs um einen intimen Vorgang, sondern um eine Einigung von Fall zu Fall, Wir sind bestrebt, die Fragen der Majestätsbeleidigung, der Börsen­reform, der Ersparnisse im Heerwesen, des Koalitionsrechts, des Vereins- und Versammlungsrechts den Frauen muß endlich die Möglichkeit gegeben werden, ihre Zukunftssorderun- gen zu vertreten in freiheitlichem Sinn zu lösen. Tie Abweichung deS Kurses nach links ist keine Laune des Reichskanzlers und auch keine Gunstbezeugüng, sie ist eine zwingende Notwendigkeit für die Regierung. Diese ist ange­wiesen aus die M'tarbeit der entschiedenen Linken, wenn sie eine Mehrheit ohne das Zentrum bilden will. Wir sind nicht das fünfte Rad am Wagen, sondern die ausschlaggebende Par­tei und erheben auf Grund dieser Stellung unsere Forderun­gen und stellen unsere Bedingungen. Nur wenn die Regierung den Forderungen des Volkes Rechnung trägt, wird sic unsere Unterstützung haben und verdienen. Können wir aber nicht mit gutem Gewissen mittun, dann machen wir die Tür von draußen zu und machen nicht mehr mit. Diese Versicherung können wir den Wählern geben und auch dem Reichskanzler. Alles, was wir tun und erstreben, was wir denken und sinnen, j gilt dem deutschen Volk, dem deutschen Vaterland. Der dieSncr schloß unter stürmischem Beifall mit den Worten, die Albert Träger für das Fest gedichtet hatte:

Dem Vaterland den Siegeskranz Ihm gelten unsere Mühen, Nur in der Freiheit Sonnenglanz Kann Macht und Glück ihm blühen.* - .

Der zweite Redner war Landtagsabgeordneter Funck. In seiner oft von Beifall unterbrochenen Rede erinnerte er an di- bliblischen Si)mbole der Auferstehung, die in diesen Tagen besonders lebendig sind. Die Jahre politischer Miß­stimmung haben für das deutsche Bürgertum reichlich lange gedauert. Es ist wahrlich an der Zeit, daß die Zeit des Er­wachens, des Auferstehens kommt! Das Frankfurter Bürger­tum hat zu aller Zeit verstanden, Fühlung zu halten mit dem großen deutschen Vaterland, schon in der Zeit der Vorbereitung deS Einheitsgedankens, der dann seine herrliche Auferstehung feierte. In den schweren Tagen nach 1866, als der Kaiser- dom in Flammen aufging, am Abend, bevor

der neue Herr die Stadt betrat, damals» als die alte Verfaffung der neuen Ordnung der

Dinge Platz machte, da lag lähmend auf der Bürgerschaft die wehmütige Ueberzeugung, daß es für alle Zeit vorüber sei mit Frankfurts Größe und Macht. Wenn wir heute die un­geahnte Blüte unserer Stadt schauen, wem verdanken wir diese Auferstehung? Nicht nur dem Anschluß an ein großes Ganzes,. nein, mehr noch der Kraft und der Tätigkeit ihrer Bürgerschaft, Nach einem Hinweis auf das Frankfur­ter Mindestprogramm, diesen Markstein in der poli­tischen Entwicklung, schloß ber Redner mit einem H o ch auf die schöne gute Stadt Frankfurt. (Stürmischer BeifallZ

Seiner Beckmann sprach namens der Nationalsozialen als dritter im Bunde. Er erinnerte an die politisch- Hoch­flut zu Anfang des Jahres und begrüßte die erfreuliche Tat­sache, daß sie anhaltend und nachhaltig fortwirkt. Das Deutsche Reich ist keine konservative Schöpfung, cs ist entstan­den aus dem liberalen Gedanken. (Beifall.) Dieser liberale Gedanke verlangt, daß alle Kräfte, die unser Volk birgt, herausgehoben werden, daß freie Bahn wird für jedes Talent. Mit einem Hoch auf den geeinten entschiedenen Liberalismus schloß der Redner unter anhaltendem Beifall.

Den Damentoast brachte Justizrat Dr. Fritz Meyer aus. In Ernst und Scherz fand er den rechten Ton. Stürmische Heiterkeit wechselte mit lebhaften Beifallskundgebungen. Zum Schluß wies der Redner darauf hin, daß der deutsche Liberalismus ohne die Frau nicht bestehen könne. Sein Hoch galt der Frau als dem Hort der freiheitlichen Zukunft.

In einer mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede dankte Fran Ines Wetzel namens der grauen. Sie er­hob ihr Glas zu Ehren der Männer der freiheitlichen Presse.

Den ernsten und heiteren Reden eS wurden noch fchristliche und telegraphische Grüße von Leopold Sonnemann, Dr. Heinrich Rößler, Georg Wedel, Th. Cnrti, Dr. Helene Stöcker und dem Beichstagsabgeordneten Dr. Mngdan bekannt gegeben folgten künstlerische Darbietungen. Diedialek­tische" Gewandtheit von Frl. Lydia Stolhc fand den glei­chen Beifall, wie die prächtigen Lieder, die Grete Meyer und Erich Wirk, die beliebten Operettenkünstler spendeten. Arthur Hellmer fügte sich mit heiteren Gedichten glücklich in den Rahmen des Fests und Fräulein Lilly Mayer­hof e r zeigte Takt unir seltene Feinheit am Klavier. Die Palmengartenkapelle spielte muntere Weisen und begleitete die prächtigen Lieder, die Albert Träger-Berlin, der un­ermüdliche Freiheitspoet, ferner Paul Haag, Adolf Staltze und Jakob The0bald beigesteuert^ hatten. So blieben die Festteilnehmer in gemütlicher Unterhaltung bis zur späten Nachtstunde beisammen.

Die Nengestaltung ves Schillerplatzes.

Einen Platz, der mit unveränderlichen Häusermassen um­geben ist und auf dem sich der stärkste Verkehr der Stadt zu- fammenfinbet, auf befriedigende Weise künstlerisch um­zuformen, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Es erscheint güt, sich die Bedingungen a priori klarzulegen. Die Hauptwache bildet für den vom Roßmarkt Kommenden den natürlichen Ab­schluß, ein köstliches und unentbehrliches Bauwerk; der Platz hinter ihr kommt also nur für andere Standpunkte in Betracht, und von diesen ist die Ansicht von der Zeil aus von über­wiegender Wichtigkeit, weil man nur von hier aus den vollen Ueberblick über den Schillerplatz gewinnt. Als Aufgabe für den Architekten erwächst nun, die eigentliche Platzinsel für den

Das kam fo plötzlich. Er konnte es kaum für w tcn. . Jo. war denn bas möglich? Tränen brachen b-n Augen hervor, ber Brief zitterte i' feiner Hank solche Ehre berufen! Der arme jüdische Ärillenfchleif ber Pivillonsgracht! Es war wie bie Erfüllung eines "ergossene-- Traumes. Unb so groß roar seine Er feine Freubc, baß er sie mitteilen mußte. Eilenb far van ber Spyck hinunter, ber eben fein kleinstes Kinb o' Schoß hatte unb mit dem Löffel fütterte.

Meister," rief er,leset, leset I Man beruft m Professor nach Heibelberg! Der Kurfürst von be selbst.... leset nur!"

Van ber Spyck übergab das Kind seiner Frau, da« er den Brief. Aber der guteKammerfärber" der Luk« ward trotz feiner Kenntnis des Italienischen nicht W ben Worten.Ihr müßt es mir schon übersehen." je unb Spinoza übersetzte ihm ben Brief Wort für WoE

Ah, großartig!" unterbrach ihn der Maler mH Tann sagte er bestimmt:Ihr nehmet jedenfalls on.|

drangen sie ein. Jan de Mitt stand auf von bem offenen Buch unb fragte nach ihrem Begehr. Die Leute waren so lafenb, baß sie bie Brüder gleich hier im Kerker ermorden wollten, aber die Pedanten unter ihnen wehrten es, denn sie müßten auf demselben Platze gerichtet werden, wo Jakob be Graef fein Leben gelassen. So zerrte man sie bie Treppe hinunter. Cor­nelis, ber nicht zu geben vermochte, warb roie ein Hunb hinab geworfen unb unten Dann weiter fortgefchleppt. Es ging zur Richtstatt. Aber bas Volk roar toll roie in Satyriasis. Es konnte ben Blutdurst nicht bezwingen unb Cornelis be Witt sank unter ben Mißhandlungen des Pöbels. Man johlte um feinen Leichnam, man tanzte auf ihm. Jan de Witt hörte es uhb wußte, baß es seines Brubers Enbe roar.Lebe wohl!" hatten fre einanber gesagt, als sie getrennt würben. Er wußte, es galt auch feinen Tob. Seinen schwarzen Mantel roie einen Schilb vor feinem Antlitz, empfing er bie löblichen Streiche. Auch er sank. Aber bas Volk lechzte nach noch größerer Woll- lüft. Die Gier ber Sinne war unersättlich. Man schleppte sie bennoch zur Richtstatt, man hing sie, Rücken gegen Rücke«, an ben Galgenbaum, mit ben Füßen nach oben, man riß ihnen bie Kleiber vorn Leibe, riß Fieffchstücke mit ben Nägeln aus ben Leichnamen, schnitt ihnen bie Finger von ben Hänben unb verkaufte sie als Anbenken; bie Roheit wieherte über bie ge­meinsten Verstümmelungen, blutig unb zerfetzt hingen bie Leich­name unb ber Himmel war stumm, sah gleichgültig auf diese tolle Wut, bie ohne Enbe sich stets aufs neue erhitzte unb neue Greuel ersann. Es waren etliche, bie von bem Fleische aßen.

Die Nachricht verbreitete sich in kürzester Zeit durch bie ganze Stabt, sie brang auch in Spinozas einsame Philosophen- stube. Sein Hauswirt brachte ft3 ihm, bas Gesicht voller Schrecken. Spinoza erwiberte nichts. Sein ganzes Wesen roar roie plötzlich zu Eis erstarrt, bann faßte er sich unb schien ruhig. Der Maler ging roiebei. Es roar schon spät am Abenb. Lange saß Spinoza unb blickte nur vor sich hin. Dann griff er zur Feber unb schrieb eine furchtbare Anklage nieber. Gegen Mit­ternacht hatte er bas Schriftstück deutlich ins Reine geschrieben und wollte es nun an der Stelle, wo bie Ermordung [tätige- funden, plakatieren. Aber van der Spyck war noch wach unb trat ihm entgegen. Er fragte ihn, was er wolle. Spinoza zeigte bie Schrift unb wollte gehen.

Ihr feib wahnwitzig !" lief bet Maler unb hielt ihn an. Wenn man erfährt, baß Ihr biefe Worte aufgesetzt habt, wirb man Euch ebenso zerreißen. Ihr dürft nicht. Tolle Be­stien treiben ihr Wesen."

Lasset mich!" beharrte Spinoza,diese letzten der Barba­ren müssen gcbranbmarki werden. Es ist die schändlichste Tat, die je geschehn."

Ihr macht sie nicht ungeschehn. Ich lasse Euch nicht fort."

zu ändern ist.

Wie werden sich nun die maßgebenden Kreise entschei­den? Wäre es nicht vorteilhaft, wenn vor jedem endgültigen Beschluß, der über das Wohl und Wehe des Schillerplatzes be­stimmt, der Oeffentlichkeit Gelegenheit geboten würde, allerseits Stellung zu nehmen? Fachgenossen und Laien es gilt eine Sache von prinzipieller Wichtigkeit, und es ist Pflicht eines jeden, der etwas Gutes vorzuschlagen hat, sich zu äußern. Dr. Paul gerb. Schmidt.

= Aus den Kunstialous. Im K u n st v t r t i n, Junahosslrake 8, wurde eint Serie von Holzschnitten des in Paris lebenden Karl Jozsa neu aitSgeflellt. Tie Sammlung Zorn'icher Radierungen ist nur noch kurze Zeit zu befichtigen. Schneiders Kunsisalou nm Rokmaikt hat in die Kollektion Kaspar Ritter einen Pastell-Studien» köpf deS Künstlers eingereiht. Ferner gelangten ein Frauenporlrät^ von Gustav Courbet. eine neue Serie Radierungen von Fritz Boehle un-b Aquarelle von Annette Persel zur Ausstellung. Der Kunstsalou Goldschmidt. Kaisersträße l, bringt folgende Neuheiten: zwei Land'chasten von Wilhelm Trübner (1871 11.1899), einen Frauenkopf von Hans Thoma (1861), ferner Landschaften von Claude Monet, Alfred Sisley, Edmund Steppe? und A. Rau.

= Vom Tage. Die Großherzogin von Olden­burg nebst Kindern traf am Samstag nachmittag hier ein unb reifte alsbald über Basel nach Spezia in Italien weiter. -- Zum Direktor des Statistischen Amts wird vom Magistrat Dr. phil. August Busch, zur Zeit Direktor des Statistischen Amts in Elberfeld, vorgeschlagen. Das städtische Völker- musenm ist wegen des bevorstehenden Umzugs vom 2. April ab bis auf weiteres geschlossen.Der Jahresbericht des Vereins für Geographie für 1905/06 ist im siebzigsten Jahrgang erschienen. Er enthält das Wesentliche der Vorträge unb eine Abhandlung von Dr. Karl Knoch über die Niederschlagsverhältnisse der Atlasländer. Der Verein zählrt rund 700 Mitglieder. Ein Schaubudenbesitzer, der zur Messe hier weilt, namens Philipp Leitmann, wurde Samstag nachmittag in der Moltkeallee von einem töd­lichem Schlaganfall betroffen. Im Kincinat 0- graphen-Theater Hotel du Nord, große Gallusstraß- 17, wird bis Sonntag abend die Explosion auf dem Dampfer

Aer HlsenöaHnunfair öer Merlin.

As Berlin, 23. März. (Priv.-Tel.) Ueber den Eisen- Lah n u n f a l l, der sich heute früh 434 Uhr auf dem Rangier- bahnhof Carow der Strecke Berlin-Bernau ereignet Hat, be­richten hiesige Blätter noch folgendes: Ein Wustes Durchem- ander von Trümmern und Pferdekadavern bezeichnet die Un. olucksstelle, die ungefähr in der Mitte zwischen Karow und Blankenburg liegt, in der Nähe von Bude 12, die Wärter- -bude und Stellwerk für den großen Güterwagenbahnhof m Karow und die Station Blankenburg ist. Der Bahnkörper überbrückt dort etwa 20 Meter von der Bude entfernt, einen Graben, der in die Pauke fließt. Ter lange mit Kartoffeln, Hplg und Pferden beladene Güterzug mit der großen Mafcbine mutzte in Karow halten, um einen Perfonenzug vor­beizulassen. Er fubr auf ein Nebengeleise, rannte aber den Prellbock der dort etwa zwanzig Schritt vor dem Graben ent­fernt steht, über den Hausen. Wahrscheinlich war das Brems- zeichen nicht früh genug gegeben worden und die Last des gan­zen Zuges druckte mit solcher Wucht auf die Maschine, daß es im letzten Augenblick kein Halten mehr gab. Die vollständig zertrümmerte Maschine stürzte mit dem Tender in den Gra­ben und bohrte sich zum Teil in das Erdreich ein. Auf sie' türmten sich die Trümmer des Packwagens, in dem sich der Zugführer befand, und die drei nächstfolgenden Wagen mit vierzig Pferden. Auch der Packwagen und die Pferde- wagen wurden vollständig zerschmettert. Dennoch kam der Zugführer, der in dem Packwagen saß, mit dem Leben da­von. Holz- und Eisentrümmer verletzten ihn aber erheb­lich an Kops und Armen. Er konnte jedoch, nachdem er seinen Rotverband erhalten hatte, mit dem nächsten Zuge nach Ber­lin und von dort nach Angermünde fahren. Hier ist auch das übrige Zugpersonal beheimatet. Der Lokomotivführer FI e , f ch- m a n n und der Heizer wurden von den Trümmern der Maschine, die 21 Meter tief die Böschung hinabstürzte, zer­quetscht und dann von dem ausströmenden Dampf und hei- tzem Water verbrüht. Ihre Leichen sind bis zur Unkennt­lichkeit verstümmelt. Die Fleischmaffen wurden im Laufe des Vormittags geborgen und auf einen Wagen des von Berlin herangeholten Rettungszuges niedergelegt. Die Leiche des Hei- zers liegt zum Teil sichtbar unter einem Berge von Trüm­mern und Pferdekadavern, an deren Beseitigung mit aller Kraft gearbeitet wird.

Berlin, 23. März. Amtlich. Die B c t r 1 e s st ö r u n g auf dem Rangierbahnhofe Karow ist beseitigt; der zweigleisige Betrieb wurde heute Abend 8 Uhr wieder aus­genommen. -