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daß er das zurückweisen mußt, h Straßburg, 10. April.
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Weitert Ierzogernng der Indische« IollerhS
Z Konstantinopel, 9. April. Die Frage der dreipr genügen Zollerhöhung, die man nach der A der durch die Großmächte gestellten Bedingungen für de erledigt hielt, wird neuerdings durch den englischen B schafter aufgerollt. Die kleineren Staaten 6j Belgien, Holland und Schweden verlangen nämlich eben' gehört gu werden und Sir NicolaS OCorwr, der fich i Wünsche annimmt, fordert nun, daß auch die kleineren Sta vor der Einführung der dreiprogeutigen Zollerhöhung ihre stimmung gu dem Arrangement zwischen den Großmächten der Pforte erteilen sollen. Die Bereinigten Staat von Amerika, die bei diesem Arrangement ebenfalls n befragt wurden, verlangen, daß ihre separate Zustimmung « geholt werde. Die Angelegenheit wird möglicherweise w Kontroversen und Verzögerungen hervorrufen.
&a5 hat sich zwar noch nicht bestätigt, doch besteht begründete Hoss, vmg aus das Zustandekommen.
Pari-, 10. April. (W. SB.) Aus Casablanca wird :effs des Schrittes des dortigen Konsularkorps beim Gou-
Lonvo», 10. April. (W. B.) Wie der „Times' aus Tanger gemeldet wird, geht der französische Kreuzer ,Lalonde' heute nach Casablanca, in dessen Umgebung beträchtliche Unruhe herrscht. Der französische Gesandte verlangte die Absetzung des Gouverneurs. — In T a n g e r ist gestern der Hauptschuldige von den Mördern des Franzosen Charbonnier verhaftet worden. Der Mann hätte schon viel früher seflgenomMn werden können, aber erst nach der Besetzung UdschdaS sandte der Sultan den strikten Befehl zur Vornahme der Verhaftung. Nach den letzten der „Times' zugegangenen Depeschen erhielt die französische Gesandtschaft ein Antwortschreiben der Sultans auf ihre Forderungen. Der Brief ist unklar gehalten und augenscheinlich nur darauf berechnet, Zeit zu gewinnen; er wird daher auch von der Gesandtschaft als völlig ungenügend angesehen.
Tanger, 10. April. (W. SB.) Die Vereinbarung über die gemeinsame Ausführung und den gemeinsamen Betrieb der drahtlosen Telegravhie kann als gesichert gelten, nachdem der englische Gesandte von seiner Regierung ermächtigt worden ist, der von den Gesandten Deutschlands, Frankreichs und Jtaklens angenommenen Verständigung zuzustimmen.
Kraft der Stimme in der Tiefe und Höhe, als durch feinere künstlerische Fakwren hervorgerufen wurde. Weniger impo- nietend klang die mittlere Stimmenlage, bei der sich die Folgen einer längeren und gewiß recht anstrengend gewesenen Sängerlaufbahn schon leise erkennen ließen. Auch das hörbare Atemgeräusch, das am'empfindlichsten in einer humoristischen Arie von Bach hervortrat, sowie manch harter Tonansatz beeinträchtigten mitunter den Genuß an den Leistungen der Sängerin, die ihrer gangen Veranlagung nach auf der Bühne entschieden Bessere Wirkungen als in einem intimen Kammermusik-Saale erzielen mutz. Das Konzert war gut besucht. Auch Beifall gab'S die Menge, so daß Frl. Olitzka, die von Herrn Steinberg Begleitet wurde, auch Zugaben spenden konnte, so nach der .Frühlingsnacht" den in der Stimmung nicht allzu poetisch erfaßten „Nußbaum" von Schumann.
Aus Hiußtand.
Petersburg, 10. April. (W. SB.) Ein kaiserlicher M» vom 30. März ordnet an, daß die Hinterbliebene! der bei der Unterdrückung von Aufständen Gefallen ei oder von Revolutionären Ermordeten Pensionel erhalten, wie die Hinterbliebenen der vor dem Feinde in de Schlacht Gefallenen.
Berlin, 10. April. Bei dem gestrigen Festmahle des Deutschen Handelstages, dem zahlreiche RegierungS- Vertreter beiwohnten, führte der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Tschirschky aus: Er habe in seiner bisherigen Tätigkeit im AuSlande, namentlich aber in Hamburg einen Einblick in die Bedürfnisse des deutschen Handels erhalten und den Wert schätzen gelernt, den der deutsche Handel neben anderen Zweigen der Volkswirtschaft für das Gedeihen des gesamten deutschen Vaterlandes zu beanspruchen habe. Er werde daher in seiner verantwortungsvollen Stellung bei der Wahrnehmung der SSeziehungen Deutschlands zum Aus- lande jederzeit den Interessen des deutschen Handels besondere Fürsorge angedeihen lassen. Der Staatssekretär brachte ein Hoch auf den deutschen Kaufmann und auf den deutschen
gen Syndikate bet Nahrungsmittelbranche würden sich dem Bäckerstteik überhaupt, nicht anschließen. — In Marseille hat der B ä ck e r st r e i k bereits gestern Abend begonnen. Ter Maire hat den Bäckermeistern 240 Gemeindearbeiter zur Verfügung gestellt, um die Ausständigen teilweise zu ersetzen. Die Bäckereien werden von Schutzleuten und Gendarmen bewacht. Das Marseiller Syndikat der Bäckergehilfen hat die Syndikate der Nachbarstädte telegraphisch aufgefordert, gleichfalls unser* züglich in den Ausstand zu treten.
n Leipzig, 10. April. (Priv.-Tel.) Bor dem Reichl geeicht hatte sich der 1861 in Ludikowka in Galizien gl Borene Schriftsteller und ehemalige österreichische DBerleutroej Paul Bartmann, zuletzt in Wien wohnhaft gewess wegen Verbrechen nach § 3 des Spionagegesetzes gu beranttom ten. Den Vorsitz der bereinigten 2. und 3. Strafsenate führt Dr. Treplin. Die Anklage bertritt Oberreichsanwalt D Olshausen. Aus dem Kriegsministerium und dem Große Generalstabe sind mehrere höhere Offiziere als Sachverst« dige erschienen. Der Beschuldigte soll , nach der Anklageschrll Bei Gelegenheit der letzten Kaisermanöber in Schlesien berfudj haben, Zeichnungen bezw. Beschreibungen von Geschütz« Richtborrichtungen, Geschützstellungen, Funkenstationen usw. | erhalten, um sie einem Agenten der frangöfi scheu Regierung auszuliefern. Bartmann ist bi reits wegen Hochverrat borbestrast und zwar am 16. Juni 18fl in Wien zu 5 Jahren Kerker. Am 4. April 1903 wurde I wegen Bedrohung einer Behörde in Oesterreich mit 2% Ja! ten schweren Kerkers bestraft. Der Angeklagte ist der Soh eines Eisenbahnschaffners und hat mit bieler Aussicht at Erfolg seine militärische Laufbahn begonnen. AIs erster Schi ler wurde er bon der Kadettenschule entlassen und macht als Fähnrich die kriegerischen Wirren in Süd-Dalmatien # Jahre 1881—82 mit. Als guter Mathematiker erfand er ext Methode, im Lotto zu gewinnen. Der Erfolg war, daß er ai Grund dieser Methode sein Geld berlor und in die Hände eint Wucherers geriet. Infolge seiner Schulden erfolgte seine En lassuny unter Verlust des Ranges. Nachher hat er sich h müht in der holländischen Kolonialarmee unterzukommen. | sah aber babon ab, weil er bon der Pike auf dienen sollt Dann bewarb er sich in Bulgarien und Rußland um ©te lungen. In Rußland bot man ihm schließlich den Posten eins „Vertrauensmannes" des Generalstabes an, d. h. als Spios Zunächst wurde er Beauftragt, Zeichnungen und Pläne von dl Festung Krakau zu beschaffen. Für den Auftrag hat er Gulden erhalten und nach einem langen Gewissenskampf er sich, wie er an gab, entschlossen, da ihm kein anderer A offen stand, der russischen Regierungzu diene Er habe aber nur Mitteilungen gemacht, die er aus bek Werken über Krakau und anderen Festungen genommen Er habe also die russische Regierung nur irre geführt, ihm später nachgerechnet wurde, hatte er bis zu feiner V teilung in Berlin mindestens 60,000 Gulden für seine S nagebienfte bon ber russischen Regierung bezogen. SBar
Äfteisausschüsse sich selbst als Abgeordnete der Landwirtschaftskammern wählen lassen, oder wenigstens die Wahl anderer, durch eine selbständige Meinung etwa unbequemer Bauernvertreter leicht vereiteln können. Baden hat ebenso wie Hessen die direkte, geheime Wahl für den größten Test der Abgeordneten eingesührt. Nichts destoweniger soll also die badische Organi- stltion vom Zentrumsstandpunkt aus weniger wert sein als die preußische. So treibt man im Zentrumslager Volksaufllärung.
w Frankfurt, 10. April. Die hiesige Ortsgruppe des A r- BeitgeberberBanbS im Schneibergewerbe hielt gestern im Börsensaal eine Mitgliederversammlung ab, um über bi- Aussperrung zu Beraten. Es wurde mitgeteut (bergt das Berliner dl-Telegramm im Zweiten Morgenblatt), daß Verhandlungen zwischen den Zentralborständen der beiden Verbände stattgefunden haben, die voraussichtlich zu dem Ergebnis führen, daß noch in dieser Woche die Arbeit aufgeiT nommen wird. Die Versammlung sprach in einer Resolution die Erwartung aus, ber Friede möge auf einer bauer- haften (Srunblage abgeschlossen werden, damit Streiks und Aussperrungen künftig vermieden werden. Die Verhandlungen find durch den Gehilfenverband angebahnt worden. Der Leitung des Arbeitgeberverbands in München ist mitgeteilt worden, daß ber Gehilfenverbanb bereit sei, die Tarife unter dem Vorbehalt anzunehmen, daß örtliche Differenzen in dieser Woche noch beigelegt werden. Der Arbeitgeberverband hat in seinem Antwortschreiben erklärt: „Der Arbeitgeber- verband ist bereit, die Aussperrung aufzuheben und. ist Damit einverstanden, daß zwischen den Filialen ber Arbeitnehmer und ben Ortsgruppen bie örtlichen Differenzen friedlich und ohne Machtanwendung beigelegt werden. Maßregelungen sollen nicht tiorgenommen werden." — Von der Aussperrung sind, nach der Statistik ber Arbeitgeber in 7 2 Städten 14,583 Gehilfen betroffen worden; die Gehilfen zählen nur 10,000 Ausgesperrte. In Frankfurt sind, nach Mitteilungen der Arbeitgeher 543 Gehilfen ausgesperrt, bet dem Gehilfenverband haben sich jedoch nur 414 Ausgesperrte gemeldet. Eine Versammlung der Ausgesperrten wird morgen zu den Verhandlungen Stellung nehmen, sodaß die Aufnahme der Arbeit Freitag oder Samstag zu erwarten ist. Die Aussperrung hätte dann 14 Tage gedauert.
Beschwerdeführer hat bei seiner Vernehmung angegeben, daß die drei Beschuldigten nicht die Täter seien. Er war bereit, im einzelnen, soweit er dazu imstande war, genaue Auskunft darüber zu geben, aus welchem Grunde die drei als Täter nicht in SBetradjt kommen. Diese Frage wurde nicht gestellt, sondern nach dem Namen des Täters gefragt, und damit die Vorschriften ber §§ 177, 188, 189 Str.-Pr.-O. umgangen unb wertlos gemacht. Es liegt keine Majestätsbeleidigung ober Beleibigung ber Bürger, fonbern ein derber Fastnachtsscherz vor. Der Versuch der Strafiammer, den Begriff des Redaktwns-GeheimniffeS enger zu fassen, ist gekünstelt und beruht auf Unkenntnis bet Zeitungsverhältnis s e. Die Zumutung, wegen des unschuldigen Appel den Täter zu denunzieren, ist unverständlich. Eine solche Verpfljch. tung mag für den Verfasser, aber nicht für ben Zeugen Geck liegen. Für ben Zeugen bebeutet die Verletzung ber urnali st enp flicht Ausschluß aus dem Beruf unb tofigleit Redakteur Geck ist allerdings nicht für den jalt des „Schnupftabak" verantwortlich, das RedaktionS- jeimniS ist für ihn aber dadurch begründet, daß er, als gegen Appel von der Staatsanwaltschaft borgegangen wurde und er (Geck) die Angelegenheit in der „Volksstimme" journalistisch zu bearbeiten hatte, von der Person des Täters in der- traulicher Weise Kenntnis erhielt. Diese ist also sein Berufsgeheimnis, das er nicht Preisgeben bars.
£ Hana«, 10. April. In einer gut besuchten Versamm- Jung von Liberalen in Gelnhausen würbe nach einem Vortrag von Prof. Dr. A r e n b t-Frankfurt über alte unb neue Auf- faben beS Liberalismus eine Ortsgruppe Gelnhau» en ber Liberalen Bereinigung bes Wahlkreises Hanau-GelnHausen-Orb gegründet. 98 Herren trafen als Mitglieder bei.
• Mannheim, 8. April. Ueber das Zeugnis- iwangsverfahrcn gegen Redafteur Oskar Geck von er „Mannheimer Bolksstimme" macht dieses Blatt folgende weiteren Mitteilungen:
Irr ßklnch des Königs von JiallkN m AW
Mhe«, 9. April. (W. B.) Der König von I t aB besichtigte in Begleitung des Königs G e o r g, der Prinzeß des Ministers Tlttoni gestern mehrere Museen. Abend- j bei dem Kronprinzen ein Festmahl zu Ehren des König-, Italien und später Empfang statt.
r Athen, 6. April. Die Vorbereitungen zum des übermorgen nachmittag- hier eintreffcnben Kön von Italien sind nahezu beendet. Alle Wetteifers Festlichkeiten möglichst prächtig zu gestalten. König der in wiederholten Konferenzen mit dem Premierm dem Minister des Innern unb dem Oberbürgermeister alle Einzelheiten des Empfangs mitbestimmt hat, durchh berte in ben letzten Tagen mehrfach hesichtigend bie schmückten Straßen, durch welche die Auffahrt vom SBal nach dem Schlosse geschehen wird. Bei den Dekorationen man sich überall bestrebt, ben engen Zusammenschluß (fjenlanbS unb Italiens zu versinnbildlichen. So sind in Mitte des weiten Schloßplatzes auf hohen Masten die italS sche und griechische Königskrone verschlungen gruppiert; ; über werden zwei goldene Sterne abends die Monoann der beiden Könige in elektrischer Beleuchtung aus Die italienischen Fahnen und Königsembleme sind in den a geschmückten Straßen allenthalben angebracht, vielfach griechischen Flaggen durch SBIumenguirlanben vereint. Droschken schmücken sich in ähnlicher Weise, und für die der werden kleine italienische Papierfähnchen viel gekauft, lebhafte und freubige Interesse aller Schichten bes Publi am Besuche steigert sich täglich; man bleibt auch dabei, politische Bedeutung beizumeffen. Seit acht Tagen gen alle Zeitungen in jeder Nummer spaltenlange Le' schreibungen von König Viktor Emanuel und seiner G Helene; , die Shmpathiebezeugungen für das italienische 5$l dervolk nehmen daneben kein Ende. Auch die Studentensch "wird insgesamt an den Festlichkeiten teilnehmen und beim Empfang sich zwischen dem Universitätsgebäude u Stadionstraße aufstellen. Die Hauptsorge ist, daß s Wetter die Feste beeinträchtigen könnte. Seit gestern nämlich ein Landregen eingestellt, der anzudauern droht. '
Bühnenbildern unter der Leitung beS Herrn Westen- dorp (Düsselborf). Die Orangerie wird nach ben Plänen des Herrn Paffenborf zur Aufnahme kunstgewerblicher Objekte eingerichtet. Die SRaume bes großen Kunstausstellungsgebäudes der Flora sind zum Teil umgebaut und durchgängig neu ausgestattet. Der künstlerische Beirat besteht aus den Herren Prof. Olbrich, Pros. Holzel (Stuttgart), Prof, Fehr (Karlsruhe), Prof. Wrba (Berlin), Maler Westendorp und Architekt Paffendorf. Die geschäftlichen Interessen der ausstellenden Künstlerschaft werden durch Dr. R. Reiche bertreten.
fs f Pariser Kunstchronik.f Aus Paris wird uns beliebtet: In der Galerie Georges Petit haben die Pastel- listen ihre Jahresausstellung eröffnet. Vielleicht bleiben die Franzosen stets die Meister dieser Technik, die sie im 18. Jahrhundert bereits so brillant beherrschten. Die Leichtigkeit her Behandlung, die Anmut des Sujets, nach denen das Pastell seiner Natur nach verlangt, liegt ihnen ganz besonders. Stendhal meinte sogar, Frankreich würde in der Kunst nie über das „joli", über das Hübsche, Zierliche hinauskommen. Für die Masse her französischen Künstler mag hies Wort noch immer gelten. Tie Vorliebe fürs Graziöse, Abgerundete, Harmonische schlägt bei der großen Mehrheit in eine entsetzliche Oberflächlichkeit und Süßlichkeit um. Wir finden die Vorzüge und Schattenseiten dieser Naturanlage bei den Pastellisten ungeminbert. Auf ben ersten Blick wirkt ihre Ausstellung überraschenb. Kaum ein Bilb, das nicht ber feinen Technik bie zartesten Wirkungen abgewänne. Das Niveau beS Könnens ist durchweg hoch, aber eS ist leider zu ausgeglichen. Die Persönlichkeiten sind sehr dünn gefäet. BeSnard mit feinen Krauenköpfen, bann Aman • Jean, dessen Hand jedoch sichtlich erlahmt, sind die einzigen überragenden Erscheinungen. Als gewanhte Porttätisten zeigen sich die beiden Karikaturisten Leandre und Abel F a i b r e, wenn der größte Vorzug ihrer Sendungen auch in der absoluten Aehn- lichkeit zu liegen scheint. Ger v ex und Dagnän - Bou- t> er et finden für ihre Bildnisse nicht immer die Wärme, bie ihre Sujets verlangen. Besonbers anziehenbe Stimmungen wußten Billotte und Guirand de Scevola in ihre Landschaften zu legen. Billotte bringt melancholische Nachtbilder, Guirand zeigt den Park von Versailles in einem ganz eigenen, halb visionären Lichte. Gaston Guignar d, einst so gehaltvoll und kräftig in seinen mondbeschienenen Schafherden auf der Haide, verließ die Sicherheit der Ausführung. — In der neuen Galerie Bernheim in der Rue Richepanse hat jetzt Maurice Denis feine neuesten Werke bereinigt Der Künstler steht noch unter den Einwirkungen feiner italienischen Reise. Im vorigen Jahre brachte er viele Anlehnungen an die Primitiven nach Hause, und auch seine neuesten Arbeiten erinnern in der Auffassung, in der seelischen Innigkeit und Einfalt an die alten Italiener. Die malerische Handschrift dagegen ist freier, persönlicher geworden. Der
DSnemark.
* Der Pariser Korrespondent der „Times", der unermüdlich in der Aufspürung gefährlicher Manöver Deutschlands gegen seine Nachbarn und den Frieden der Welt ist, teilt sei- nem Blatte mit, daß er „aus glaubwürdiger Quelle" folgende Nachricht erhalten habe. „Vor einigen Tagen gestattete der Kommandeur während der Anwesenheit einer deutschen Flottendivision auf der Reede von ©tagen in Jütland die Landung bewaffneter Abteilungen, die 24 Stunden lang unter dem Vorwande, unter den deutschen Matrosen, die an Land gegangen waren, Ordnung zu halten, die Stadt pattouillierten. Es ist dies nicht das erste Mal, daß innerhalb ber beiben letzten "ahre berartige Pa. trouillen gelandet wurden." Jedenfalls ist es nicht das erste Mal, daß der genannte Korrespondent sich einen Bären hat aufbinden lassen.
schützen. Der Befehlshaber der Truppen verweigette dies je- doch, worauf der Gouverneur den außerhalb wohnenden Europäern den Rat erteilte, sofort in die Stadt zurückzukehren. — Wie der „Matin" berichtet, hat die Nachricht von der gefahrdrohenden Lage in Casablanca in Tanger große Aufregung hervorgerufen.
verneur berichtet, daß bei Scbeik des Schauia-Stammes gedroht habe, die Stadt zu plündern. Die Konsuln verlangten deshalb, daß die Trupp-n des Maghzen, welche drei Stunden entfernt lagern, herangezoaen werden, um die Stadt zu schützen. Der Befehlshaber der Truppen verweigette dies je-
ein Hoch auf ben deutschen Kaufmann unb auf ben deutschen Hanbel aus. Der Präsident ber Reichsbank Dr. K o ch führte auS: Die jetzigen schwierigen Gelbverhältniffe seien unzertrennlich von ber großen wirtschaftlichen Kraftentfaltung. Mit einer Aenderung ber Bankverfaffung sei bem nicht abzuhelfen. Der Hanbelsstanb müsse sich in seinen Unternehmungen mäßigen unb größere Barreserven anzusammeln su- chen. Redner schloß mit einem Hoch auf ben Vorstand des deutschen Handelstages. Der stellvertretende Direktor des Kolonialanites Dernburg betonte, daß in ben Kolonien nicht allein die kommerziellen Interessen, sondern auch die Ausbreitung ber deutschen Kultur und deuffcher Ideale maß. gebend fein müsse. Die Ausgabe ber nächsten Zukunft sei es, soviel Rohprodukte zu produzieren, bah Deutschland bei ber internationalen Preisgestaltung das Zünglein ber Wage bilbe. Dazu genügten geringe Quantitäten. Die Rede des Kolonial- direttors klang in ein Hoch auf den deutschen HandelStag auS.
N Berlin, 10. April. 12.5 N. (Priv.-Tel.) D« Gedan- lengang ber kurzen Rede, welche ber Reichsbankpräsident Dr. Koch auf dem Festmahl des Deutschen Handelstages gestern Abend hielt, sei etwas ausführlicher toiebergegeben. Die Reichsbank sei in letzter Zeis wieberholt ber Gegenstand von Angriffen gewesen. Die Angreifer sind in dieser Versammlung nicht zu suchen. ES sind unsere alten bekannten Gegner. Ich erinnere mich noch mit Freude des Tages, wo der Deutsche Handelstag einmütig feine Zustimmung aussprach zu der Einführung der Reichsgoldwährung, ber Bank- derfaffimg unb auch ber Verwaltung ber Reichsbank. (Beifall.) Dessenungeachtet ist bie Bebeutung ber jetzigen Angriffe nicht zu unterschätzen. Wir leben in einer schweren Zeit, in einer Zeit, bie bie Kehrseite ber großen wirtschaftlichen Blüte, der sich Deutschland erfreut, an sich erfährt. Die Reichsbank wird soviel als möglich helfen, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Daß dies durch eine Aenderung der Bankverfassung geschehen kann, ist unmöglich. Es ist die Teuerung deS Geldes und die große wirtschaftliche Entfaltung Deutschlands, bie ben jetzigen Zustanb der Geldknappheit herbeigeführt hat. Auch ber beutsche Handelsstand kann etwas dazu beitragen, um aus diesem Zustand herauszukommen. Er wird sich mäßigen müssen — auch in seinen gesunden Unternehmungen — unb er mutz mehr Barreserve anlegen. Die Reichsbank ist gerne Bereit, ihn barin zu unterstützen Ünb bie Barreserven zu hüten. (Heiterkeit.) Wir haben schon schlimmere Zeiten miteinander durchgemacht. Es ist noch nicht lange her, daß wir zusammen eine schwere wirtschaftliche Krisis erlebt haben, und wir sind auch hier ausgenommen. Jetzt befinden wir uns noch auf dem Höhepunkt ber wirtschaftlichen Konjunktur, bie als Kehrseite eben bie Geldteuerung hervorge- bracht hat. Wenn ihm auch die anderen Erwerbsstände im Deutschen Reiche naheständen, so sei er doch als Präsident der Reichsbank, der Bank ber Banken, ganz besonders mit dem Handelsstand verbunden. Hand in Hand müssen wir versuchen, über die schweren Zeiten hinwegzukommen und ich hoffe, daß dies bald geschehen wird.
DMcheS Reich.
®U badischen Lanvwirtschaftskammerwahle«.
b A«S Baden, 8. April. Die Wahlen zurbadifchen Iandwirtschaftskammer find so ausgefallen, wie pon Anfang an zu befürchten war. Zentrum, Bund der Laud- )oirte und Konservative haben genau wie bei den Wahlen zu «in politischen Körperschaften planmäßig Hand in Hand gearbeitet mit dem Erfolg, daß von den 28 durch direkte, geheime Mahl zu besetzenden Mandaten nicht weniger als 17 den Bauernvereinen, mit anderen Motten dem Zentrum, ferner
Diesen letzteren Ausführungen können wir durchaus beistimmen. Das Mannheimer Landgericht mag die Sache ju- ristifch begründen, wie es will, für die journalistischen Berufspflichten in diesem Falle läßt seine Entscheidung das Verständnis durchaus vermissen. Dem Redakteur ist hier die Preisgabe eines Berufsgeheimnisses zuaemutet worden, und daß er das zurückweisen mußte, war selbstverständlich.
1 Straßburg, 10. April. Ein f ogi alb emo trat i- fches Schiedsgericht unter bem Vorsitz be8 baltischen Abgeordneten Eichhorn billigte einstimmig ben Ausschluß bes früheren Straßburger Parteisekretärs Lubwig Strauß aus ber Partei. Strauß war in ber Reichstags- Wahlbewegung entgegen ber Parteiparole für ben Demokraten Blumenthal eingetreten. — Am letzten Sonntag würbe hier eine Jugendorganisation ber sozialdemokratischen Partei gegrünbet.
Die Stabt Mülhausen hat mit Beginn des Schuljahres eine Elementarschule für geistig zurückge. bliebene Kinder, speziell auch für Kurzsichtige unb Schwerhörige eröffnet. — Die Industriellen von G e b w e i. ler setzen vom 1. Mai ab bie tägliche Arbeitszeit auf zehn Stunben herab. Eine genaue Arbeitsordnung soll noch ausgearbeitet werden.
TO. April 1900. Mr.
Paris, 10. April. (SB. SB.) Im Ministerium des Innern trägt man gegenüber den Streikdrohungen der Arbeiter der Nahrungsmittelbranche große Ruhe zur Schau. Man erklärt, daß im schlimmsten Falle nur einige hundett Bäckergehilfen in den Ausstand treten werden. Die Regierung habe Vorsorge getroffen, daß die Bevölkerung in keiner Weise durch diesen Ausstand zu leiden habe. Die übri-
nicht Redakteur des „Schnupftabak". ES sei staatsbürgerliche Pflicht, ben Täter zur Bestrafung zu bringen. Die Pflicht ist in diesem Falle stärker als die bestrittene Pflicht der Wahrung deS Redaktions-Geheimnisses. Ter Zeuge Geck kenne den Tater und habe die Pflicht gehabt, als der angeblich unschuldige Appel verhasttt wurde, diesen durch Bezeich- nuhg deS Schuldigen zu befreien.
In der von Dr. Frank im Auftrage GeckS gegen die Entscheidung deS Landgerichts Mannheim eingelegte Beschwerde an das OoerlandeSgericht wird aus- geführt: ®ie Vorschrift deS § 188 ©tr^Pr.M. ist verletzt. Der
g-
?= ^Akademische Nachrichten.! Der 4. internationale Mathematiker-Kongreß, zu dessen Sitz Rom gewählt ist, soll dort in der Zeit vom 6. bis zum 11. April 1908 abgehalten werden. — Als Lektor für englische und französische Sprache an der Technischen Hochschule in Karlsruhe wurde Dr. S. G. Simpson Berufen. — Aus eine 25jährige Tätigkeit als Ordinatten an der Universität Halle können mit Beginn des Sommersemesters die Geh. Regier- ungsräte, Zoologe Dr. Hermann Grenacher, und Mathematiker Dr. JacoB BoIHard zurückBlicken. — Der o. Professor an ber Universität Münster Dr. Franz Renz hat einen Ruf in gleicher Eigenschaft in bie katholisch-theologische Fakultät in Breslau an Stelle von Prof. A. Krawutzcky er. halten unb angenommen. — Der Vorstand ber Universitätsklinik für Ohrenkranke im Wiener Allgemeinen Krankenhause, a. o. Prof. Hoftat Dr--A. Politzer tritt mit Schluß beS heurigen Studienjahres in ben Ruhestand. — Als Privat- bozent für Geographie unb Ethnographie hat sich Dr. H. I. Wehr li am Polytechnikum in Zürich habilitiert.
— f Frankfurter ®tabttljeater.] Die Intendanz des Schauspiels teilt mit: Bei ber morgen Donnerstag um 548 Uhr angesetzten Vorstellung von „Husarenfieber" werben zum ersten Male bie ermäßigten Kaffenpreise in Kraft treten.
— fSfeine Mitteilungen.^ Die Zeitschrift Hohe Warte veröffentlicht einen Protest, der von ben namhaftesten Architekten gegen baS Preisgericht ber FriedenS- pala ft-K onkurrenz im Haag erhoben wirb. Der Surt) wirb zum Vorwurf gemacht, daß sie bie von der Carnegie- iiftung erlassenen Preisgerichtsbestimmungen nicht beachtet unb Entwürfe preisgekrönt habe, bie nach diesen Beftimmun- gen von ber Preisbewerbung hätten ausgeschlossen bleiben müssen. Das mit bem ersten Preis ausgezeichnete Projekt bes französischen Architekten Cordonnier scheint ben Stein des Anstoßes zu bilden. — Man schreibt uns aus Mainz
v. 9. bS.: Frl. Grete Meyer vom Frankfurter Opernhav gastierte heute im Stadttheater als Boccaccio in dl gleichnamigen Suppeschen Operette. Die charmante Seiftui ber Künstlerin gewann ihr im Flug bie Gunst des Publikum Herr Trauimann (Lamberttuccio), zu dessen Benefiz di Vorstellung stattfand, bot ebenso wie die übrigen Mitwirkq ben recht Beifallswürdiges. — Aus Köln wird uns unted 9. ds. berichtet: Im Opernhaus gastierten heute zul zweiten Male bie Kammersängerin Sigrid Arnoldfon ul Herr John Coaies vom Coventgardeniheater in London 1 ber in Deutschland wenig gegebenen Gounodschen Op< „Romeo und Julia". Der Genuß des Stimmenglanzt der Gäste mußte leider mit ber störenden Zweisprachigkeit H lauft werden, da jene wie auch unser Opernmitglied Whitehf sich ber französischen Sprache bebienten. — Aus St ob I e Ä wird uns geschrieben: Das 6. (letzte) Abonnement! Konzert des Musik-Instituts war ein Schumann-Abe^ Außer der Ouvetture zu „Manfred" und bem 3. Teil » „Faust-Szenen" brachte bas Programm noch mehrere kl« nere Kompositionen Schumanns. Das Orchester, ber bewäW Chor unb bie Solisten boten vollwertige Leistungen. Besondeß Serbiens machten sich um bie Aufführung als Solisten: A Tenorist I. Tijssen (Frankfurt), ber Baritonist Gaus! (Wiesbaden) unb Frl. Hermann (Straßburg). Prof. KeS ko tete baS Ganze mit bewährter Meisterschaft. — Der Frankfttz ter Tenorist H. Hormann wirkte kürzlich in ben DraioriiH vereinen zu Heilbronn unb Düsseldorf in Händ« „Saul" und Mendelssohns „Elias" erfolgreich mit. — Al Bayreuth wird uns berichtet, daß das allen Festspiel« suchern und insbesondere den Künstlern wohlbekannte CaP Sammet („Musenh eim") demnächst eingehen wird,« eS vom bayerischen Staate angekauft wurde, ber baselbst W<q nungen unb Bureaus für bie Gendarmerie einrichten wiklD Die Stadt Preß bürg hat, wie man uns mitteilt, für W Kölner Blumenspiele sechs Preise tm Werte vck 500 Kronen für Gedichte in ungarischer, deutscher ober eiE romanischen Sprache gestiftet. — Man berichtet uns auS BeH Die Gemeinde Siampa in Graubünden hat gestattet, dck auf bem zur Gemeinde gehörigen Friedhof von Maloja M Segantini-Denkmal des Mailänder Bildhauers W stolfi ausgestellt werde. Dieses Denkmal hatte wegen ei« nackten Frauenfigur in gewissen Kreisen Anstoß erregt, M ran sich aber, wie man sieht, die Gemeindeväter von Star« nicht kehren. — Wie uns aus London geschrieben WÄ starb dort am 6. ds der Talmudist und Arabist Dr. Ad» Neubauer. Er war 1831 in Ungarn geboren.
E den erklärten Vertretern des Bundes ber Landwitte zugefallen find. Unter den Inhabern der übrigen 9 Mandate besinnen sich höchstens 6, die im parteipolitischen Sinn — und auch das noch mit gewissen Vorbehalten — als gemäßigt-liberal gelten können. Das ergibt also für wirtschaftspolitische Fragen, die das Interesse auch der nichtlanbwittschaftlichen Be- pölkerungsgebiete des badischen Salates und des deutschen Reiches überhaupt angehen, eine sichere reaktionäre Mehrheit pon 22 gegen 6. Nun kommen freilich zu den 28 direkt gewählten Abgeordneten noch 4, die von der Regierung für die staatliche Domänen- und Forstverwaltung entsandt werden, 3 von der Landwirtschaftskammer selbst durch Zuwahl zu berufende Mitglieder und 10 Vertreter der verschiedenen landwittschaft- Uchen Spezialorganisationen, insgesamt also 17. Selbst wenn man annehmen wollte, daß nie Regierung sich stark genug fühle, hierbei dem extremen Agrariertum und dem Kleri- kalismus keinerlei Konzessionen mehr zu machen, so bleibt unter Berücksichtigung der herbei mitspielenden persönlichen und taktischen Verhältnisse dcch immer sehr wenig Aussicht, die reaktiv- roäre Mehrheit in entscheidenden Momenten zu brechen. Es hat gar keinen Zweck, diese unerfreulidje Tatsache im mindesten zu verschleiern ober zu beschönigen. Soweit die Landwirtschaftskammer eine berufsständische und technische Organisation ist und sich den Aufgaben der wirtschaftlichen und kulturellen Förderung des Bauernstandes widmet, kann man ihrer Arbeit den besten Erfolg wünschen, einerlei welcher politischen Richtung die Abgeordneten angehören, die diese Arbeit verrichten. Wo aber die Landwirtschaftskammer in das Getttebe des allgemeinen Staatsor^aniSmus gesetz- und verordnunasmäßig eingrei- fen kann und zweifellos sehr bald einzugreifen bemüht sein wird, da ist ihren Tendenzen gegenüber äußerste Beachtsamkeit geboten. Das Zentrum hat es wieder einmal verstanden, die omch die Bevölkerung gehende statt oppositionelle Strömung § entfesseln und für seine Sonderzweae dienstbar zu machen, er G'.gnersefte hat es teilweise an Geschicklichkeit und Ei fchiedenheit des SViderstandes gefehlt. D e von der Regierung ressattierenden landwittschaftlichen Bezittsvereine haben zum Bespiel geglaubt, Bauernvereins» (b. h. Zenttums»)Kandidaten aus bem Sattel heben zu können, indem sie selbst Zenttums- ftute als Geaenkanbibaten aufstellten. Das Zentrum hat aber feine Gefolgschaft viel zu gut in ber Hand, als daß sie durch solche Manöver irre zu machen gewesen wäre. Obendrein hat sich die Zentrumspresse manches Stück dreister Irreführung geleistet. Sie hat so s y st e m a t i s ch das Eintreten für Schiffahttsabgaben als eme ber nächsten Aufgaben ber Landwirtschaftskarner gepredigt, daß einzelnen gegenteiligen Aeußerungen, wenn sie auch mit dem Schein auftraten. Den Patteistandpunkt wiederzuaeben, fein Wett beizumessen ist. Ein Zentrumsblatt hat es sogar fettiggebracht, seinen Lesern zu «zählen, die Zentrumsabgeordneten hätten in der 1. und 2. Badischen Kammer gegen den Entwurf eines Landwitt- schastskammergesetzes gestimmt, weil dieses auf weniger freiheitlichen Grundlagen ausgebaut sei als die Landwirtschaftskammern in — Preußen. Dabei tragen die preußischen Land- wirtschastskammern mit ihrem inbireften, öffentlichen Wahlsystem bei ber bärtigen bäuerlichen Bevölkerung Den Spottnamen „Lanbratskammern", weil bie Sanbräte mit Hilfe ber
Die gegen bie ZeugniSzwangshaft-Verfügung beS Unter- fuchungSrichterS Haas eingelegte Beschwerde hatte betont, Der § 188 der Strafprozeßordnung bestimme, daß die Voruntersuchung nicht weiter auSzudehnen fei, als erforderlich erscheint, um eine Entscheidung darüber zu ermöglichen, ob baS Hauptverfahren gegen ben Angefchuldigten zu eröffnen, ober derselbe außer Verfolgung zu setzen ist. Dazu sagt baS Landgericht ttt feiner Abweisungsbegründung: Es ist richtig, daß nur bie drei Personen Appel, Lintz und Diettich angeklagt find, und daß ber Zeuge Geck, die auf dieselben bezüglichen Fragen beantwortet hat Der Untersuchungsrichter vraucht sich jedoch mit diesen Aussagen nicht zuftieden zu geben unb hat baS Recht, diese Angaben nachzuprüfen und weitere Fragen gu stellen. Die Erforschung deS Grundes der Wiffenschast GeckS, warum die Angeklagten nicht die Täter find, ist durch den Zweck der Voruntersuchung geboten unb am leichtesten zu erreichen, wenn der Zeuge auSfagt, toaS er über bie Person deS wirklichen Täters weiß. Die Anwendung - -■ --- - - - " :ffen des Richters gestellt. ES liege Geheimnis vor, denn Geck fei
Künstler liebt noch immer ben dekorativen Zug und findet sehr garte Farben. Die besten der ausgestellten Gemälde sind übrigens schon einige Jahre alt, wie die große „Nativite" und „Lasset die Kindlein zu mir kommen!" In den neuesten Werken, meist Porträt- undd Aktstudien, einzelne Landschaften und Interieurs, besticht die feine gufammenftimmung der Töne. — Vor DeniS hatte der provencalische Autodidakt S e y f- faub eine Separatausstellung veranstaltet. Sehffaud, der nie eine Schule besuchte, ist ein urwüchsiges Talent. Vor mehreren Jahren madbte er durch die elementare Wucht seiner Auffassung und seines Stiles großes Aufsehen. Aber er verliert von seiner Kraft und Eigenart, je mehr er sich Die technische Sicherheit erwirbt.
ck [Sie Gondel« von Venedig.l Aus Venedig wird geschrieben: WaS wird die Lagunenstadt ohne ihve Gondeln fein? Diese bange Frage erhebt sich, wenn man die ständige Zunahme anderer moderner Fahrzeuge beobachtet, die den Canale grande erfüllen. Die Gondel ist Venedigs Symbol gewesen durch die Jahrhunderte des Ruhmes hin bis in die Zeiten bei Verfalls, unb die wunderliche Form ihrer lang- fchnäbeligen Schlankheit gehöxt für uns notwendig gu dem Bilde der Lagunenstadt. Nachdem sie im 15. Jahrhundert auf einen Befehl des Togen hin ihre fchwarge düstere Gestalt erhalten hatte, brachte sie einen melancholischen Unterton in die heitere Pracht der Feste, läßt sie das Venedig der Verschwörungen und geheimen Morde in der Erinnerung an klingen und als letztes Symbol der einstigen majestätisch ernsten Würde zieht sie ihre schattenhafte Spur in den silbrig schimmernden Wassern dahin. Nun verdrängen aber die Motorboote den Gebrauch der Gondeln und die reichen Venezianer legen sich lieber ein Benzin- oder Petrolciimboot zu, das sie viel schneller zum Ziele bringt als baS altertümliche Schiff ihrer Vorfahren. Für die Gondoliett, die einst beS Tasso Stanzen fangen, ist eine schwere Zeit angebrochen, und vielleicht wer. den bald nur noch wenige von ihnen übrig sein, um bem poetisch schwärmenden Fremdling eine historische Sensation zu bereiten, während prustend, zischend unb pfeifend die Motorboote zwischen den ruhig niederblickenden Palästen unb Kirchen hin unb hersausen.
— anff artet Konzerte, jf Frl. Rosa Olitzka, die be-
kannte Altistin, veranstaltete gestern einen /Lieder- Abend, für den sie ein ebenso umfangreiches wie mannigfaltiges Programm aufgestellt hatte. Neben alt-italienischen und fron» zosischen Gesängen kamen auch LiSzt mit seiner bedeutsamen Loreley-Komposition und eine Reihe deutscher Lieder zu Gehör. Die Wiedergabe von LiSztS „Loreley" sagte uns verhält- niSmäßig am meisten zu, weil diese Komposition am ehesten den überwiegend dramatischen BortragSstil der Künstlerin ber« trägt Auch Wagners „Träume" unb „Im Herbst" von R. Franz übten in der Ausführung gleichfalls großen Eindruck auS, wenn dieser auch mehr durch die noch immer erstaunliche
