Freis der Anzeigen!

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Jengen. Staatsanwalt: dem Verwandten Haus zusammen? - Zeuge Bögele: Ich veranlaßte den <.------Haus zur Aussage einzuholen.

v formen geben könnte, sind zustande gekommen, beson- " 'itert und

^mochten nicht alles unterschreiben, was der vor- stchende Artikel enthalt, wrr geben ihm aber Raum, weil das gepreßte He^ so mancher katholischen Geistlichen sich in ihrer eigenen Presse nicht Luft machen kann. D. Red. $

Die Preußen kommen!

Heitere Erinnerungen eines Hessen-Darmstädters aus dem Kriege 186 6.

R Schwerte i. W , 15. Juli. Heute traten hier die Abge­ordneten von 19 westfälischen Kriegervereinen, die infolge Nichtannahme der Kieler Beschlüsse aus dem Landeskrieger- verbande geschieden sind, zusammen. Auch rheinische Vereine, vor allen die Vereinigung ehemaliger Angehöriger des 16. Armeekorps (56 Vereine mit etwa 5000 Mitgliedern) hatten Vertreter behufs Information entsandt. Es wurde beschlossen, eine Bereinigung unter dem NammVereinigung deutscher militäri­scher Bereint" zu begründm; daS vorgelegte Statut wurde gutgeheißen.

ß Langraierg (Rhein!.), 14 Juli. Die Wirkungen des Brems- erlas ses haben ßch nun auch hier gezeigt. In der gestrigen Stadt» Vervrdnetmsitzung wurde beschlossen, den Bolksschullehrern eine Teuerungszulage von 180 M zu bewilligen, weil die Regierung in Düsseldorf der Erhöhung der Allerszulagen von 180 auf 200 dl die Genehmigung versagt hat. Ebenso verweigerte sie di« Geneh­migung zur Erhöhung der Funktionszulage für Rektoren und Haupt­lehrer.

Bremerhavra. 14. Juli. Der Norddeutsche Lloyd be- abstchtigt, in Zukunft sämtliche Dampfer feiner Linien nach dem La PlalN,Bros ilte n und Cuba mit chinesifchenHeizern und Kohlenzieher« zu besetzen. Die ersten 50 chinestschen Feuerleute trafen heute mit dem LlohdaMpfrr .Gneisenau' aus Ostasteu hier ei»; weitere Transporte werden mit dem .Scharn» , horst' und anderenLlohddampserp, dievon Ostofien heimkehren, folgen. Diese Maßregel ist eine Folge des gestern beendigten Streiks der deut­sche» Seeleute. '

Gerichtszetturrg.

Morvprozetz Ha«. '

t ' IX.

Münster eine Laien- Organisation gewünscht wurde? Ich bin über die Gründe durchaus nicht unterrichtet; A selbst würde für eine solche eintreten, wenn es anerkannte Tatsache ist, daß von den Leitern der Kirche noch nie freiwillig und aus eigenem Antrieb irgend etwas von einiger Bedeutung reformiert worden ist. Das ist eine tn der Geschichte tausendfach erhärtete Tatsache. Die Kirche mußte zu Reformen immer gezwungen werden. Wenn es aus sie ankäme, müßten wir immer noch glauben, daß die Sönne sich um die Erde drehe; Galilei säße, wenn er nicht gestorben

wäre, immer noch im Gefängnis, kein Konzil von Trient'

wäre zustande aelommen. fehle hälfe rA fe

Darüber kann ja der Angeklagte am besten Auskunft geben. Verteidiger: Der h<ü darüber jede Auskunft verweigert. Dors.: Hat Ihnen der Angeklagte Mitteilungen gemacht? Zeuge: Ueber die Tat selbst nicht. Bors.: War der An- geklagte wahrend dieser Zeit kurz nach dem Tode ferner Frau erregt? Zeno«! StA miS Ufer weiter mißfielen. (Beifall

noch stärkerer Stimme. Die Leute, wichen einige Schritte zurück. Nur der Küfer und feine beiden Söhne, ebenso der ungebildete Tüncher rührten sich nicht und blickten den Offizier kalt und trotzig an.

.Hier bin ich dahäm. das is mei' Grund und Boddem, da hat mer käner was zu befehle", antwortete ebenso laut der Küfermeister im besten Rheinhessisch.

Ermutigt durch diese Opposition, begann auch ein hochgewach­senes rotbäckiges Mädchen. das mit zwei Frauen drei große Waschkörbe hingestellt hatte, gleichfalls laut: .Mir könne nicht hemm, mir misse uff die Bleich, mer hawwe Wäsch', Herr Offizier; und die Madam kimmt aach gleich."

Es schien, .als habe der Anblick des Militärs plötzlich eine feind­selige Stimmung bei diesen Leuten ausgelöst. Die beiden Wasch­weiber, gute Katholikinnen, sahen in diesen Preußen verhaßte Ketzer und stellten sich heftig gestikulierend und laut schwatzend vor den Offizier. Die Truppe war zum Stehen gebracht worden und ganz überflüssigerweise kommandierte bet Major .Halt!" Das hübsche Dienstmädchen/ das mit dem Herannaben seiner .Madam' dem Truppenführer zu imponieren gedachte, lächelte freundlich mit dem strammen Flügelmann, der finster die Umherstehenden betrachtete. Rankels Käte, deren berüchtigte Sittenlosigkeit ihr eine Ausnahme­stellung in der Stadt gesichert hatte, versuchte inzwischen ein Ge­spräch mit den bärtigen Landwehrleuten anzuknüpfen, das wahr­scheinlich schon die Präliminarien der Uehergabe an die feindliche Uebermacht enthielt. Da immer mehr Menschen herantraten, geriet der Offizier augenscheinlich in wachsende Erregung. Es war ein bildschöner, hochgewachsener Mann mit braunem Vollbart. Er wollte es gewiß nicht zum Blutvergießen kommen lassen, wozu auch die augenblickliche Situation wenig Veranlassung bot, denn die Leute, alle leichtblütige Rheinbewohner, schienenden feindlichen Ein­fall weniger als eine kriegerische Aktion denn als eine amüsante Abwechslung zu betrachten. So änderte er denn, nachdem fast fünf Minuten vergangen waren, seine bisherige Taktik.

Lmichcn!", redete er jetzt freundlich die Leute an, .geht doch aus dem Wege, macht Platz für meine Soldaten, oder" das andere ging trotzdem er seine Stimme lauter erhob, vor einer an­deren Stimme verloren. Ein Sackträger von hünenhdsler Gestalt nahm sich des fremden Offiziers an und schrie laut: Geht aus­einander, ihr Leit', mir sein friedliche Bürgersleit' und die" indem er auf die Soldaten wies, .könne auch nix davor!" und die Leute zerstreuten sich in der Tat, indem sie sich in kleinen Gruppen entfernten.

Das kurze Intermezzo hatte genügt, um die Beamten des Zoll­amts, der Post und sonstigen staatlich hessischen Aemter auf das kriegerische Ereignis aufmerksam zu machen und Gelegenheit zu geben, alle Gelder in Sicherheit zu bringen. Einmal zum Still- stand gebraM .begannen nun die Soldaten auf Kommando des

)n der Tat: ich begreife, wenn Andersgläubige hohn- achend auf bte Kirche Hinweisen und sagen : das soll also ne wahre Kirche sein die Kirche Jesu Christi, des unendlich ^hgen, die sichHI. Mutter Kirche" nennt und recht ~ lhre Kinder" mit giftigem -Haß verfolgt und elbst im Tode nicht ruhen läßt? Welchem denkenden Men-

<? Karlsruhe, 20. Juli. (Priv.-Tel.) In der Fortsetzung 1 .JeugeNverhörs bekunden wettere Zeugen, daß der Schuh Minuten nach sechs Ubr erfolgt sei. Frau Molitor habe sich an das Gartengitter angelehnt, die Tochter habe um Hilfe, gerufen und später zu einem Zeugen gesagt, der Täter sei ein großer Mann gewesen und, es mässe sich um einen Racheakt gehandelt haben. Zeuge Gärtner Schnabel

Racheakt gehandelt baten. u.a_ hat einen scharfen Schutz gehört, aber nur einen, und ist sodann aus dem oberen Meßmerschen Garten zum Tatort geeilt, von wo die Ermordete nach der Villa Helena gebracht wurde. Nach kurzer Zeit sei auch der Diener Wielandt hinzugekommen, der eine blaue Livree getragen habe. Ter Zeuge gibt an, daß von der Hälfte der sogenannten Lindenstaffel ein Seitenweg durch Gärten führt, der gleichfalls zur Allee hinabgeht, doch sei dieser West nicht der nächste zum Bahnhof.

, 3^ge Rechtsanwalt Wvgelcjft geladen, umauszusagen, ob ein Klrent, der wegen eines Vergebens'im Gefängnis mit Hau zusammengesessen, bei ihm angefragt habe, ob er- die ihm von Hau gemachten Mitteilungen dem Schwurgericht machen könne. Dieser Klient war mit Hau zusammengebracht wor­den, und wurde auch später von der Polizei darüber vernom­men, doch habe er die Mitteilung gemacht, daß er verschiedene Dinge nicht aussagen könne. Zeuge Referendar Läng, der vorgenannte Klient, Ivar wegen Verdachts eines Sitt- lichkeiisvergehens verhaftet und mit Hau zusammengebracht. Er wurde dann freigesprochen. Bors.: Glauben Sie, daß

. .... Verachtung bestraft in einem eigenen Schreiben des Papstes ')t über den Papst, der ,uiten ?), aber über di: je das Feuer des Streites neu ist grenzenlos.

Son Geralv v. Gerau (Charlottenburg).

Ent dem gewaltigen, an blutigen Schlachten überreichen deutsch­ste nzö fischen Krieg werden dieEpisoden aus dem Feldzug von 1866 nur selten mehr in der Presse erwähnt. Vielleicht leben keine Publi- Kosten mei)!, biß slu§ eigenen (Erlebnissen bet Seferoelt noch dn>Q§ mitzuteilen hätten, was nicht bereits bekannt wäre. Auch ich habe mchts hmzuzusügen, was aus den diplomatischen Vorgängen jener Zeit etwa noch nachzutragen wäre; aber vielleicht weiß ich etwas wichsig ist**8 iU$len' ba§ Ehr humorvoll als historisch

So möchte ich denn hier erzählen, wie einst eS war im IM jenes Kriegsjahres zwei Waschfrauen und ein Dienstmädchen ferner ein Küfermeister mit feinen beiden Söhnen und ein ganz ordinärer Fuhrmann eine ganze Truppe siegreich vordringeiider vreußlschen Soldaten in ihrem Eroberungszuge aufhielten Und das kam so:

Meine großherzoglich hessen-d armstädtische Vater­stadt liegt an der preußischen Grenze und vom damaligen feindlichen Nachbarreich Preußen nur durch ein kleines Flüßchen getrennt. Um diese Stadt geographisch noch schärfer zu kennzeichnen, fei weiter hinzugefügt, daß auf ihren Namen sich viele Reime bilden lassen die mit der weinseligen Trinkfefligkeit ihrer Bewohner, aI8 schwingens gingen, fingen usw. harmonisch übereinstimmen. Preußen hatte dem kleine» Hesse» den Kriea erklärt, ebenso dem Nachbarreiche ^iassau, was aber bie guten Beziehungen der Grenzbewohner bisher nicht im geringsten getrübt hatte. Preußische Bauernweiber brachten wndltche Produkte nach wie vor aus den Martt meiner hessischen Baierstadt, und die Gulden- und Talerwährung wurde von beiden Seiten mit der alten bisher gepflegten Toleranz anerkannt; Handel und Wandel blühten weiter, obgleich die preußische Armee am oberen Mainlaus mit den Bundestruppen hart aneinander geraten war; auch die Bahnzüge fuhren noch wie im tiefsten Frieden oom hessischen in den benachbarten preußischen Bahnhof und vice

Dann aber kam der erste feindselige Akt, der von reußen ausging: Eine hessische Lokomotive sie trug bezeich- mder Weise den NamenDalwigk" fuhr mit einem Personen- 9 noch B.....brück und wurde nicht mehr zurückgelassen.

>a5 LleiM SchMl baUeu^wei GüierzuLlokWMe«, Da» war

Das mußte ich cmnehmen. Meine Verhaftung fand am 13. Juni statt und Montag daraus kenn, ich in eine Zelle zu Hau. Er habe geglaubt, daß man ihn als Zeugen habe be­nutzen wollen. Bors. Hat man Sie als Zeuge angerufen? Zeuge: E§ kam ein Schutzmann mit einem Schriftstück zum Staatsanwalt mit der Aufforderung, mich zu vernehmen,, ob ich Über Hau etwas Wichtiges auszusagen habe. Er habe selbst nichts aussagen wollen und habe diese Meinung erst aufgegeben im Verlauf des Prozesses. Er habe gestern Nacht einen Brief an Frl. Olga Molitor geschrieben und um eine Zusammenkunft unter vier Augen gebeten, da er wichtiges mitzuteilen hätte. Diese Zusammenkunft wurde heute Früh von Herrn Oberleutnant Molitor abgelehnt. Ich sagte, meine Mitteilungen seien für Frl. Olga und für Hau von grotzem In­teresse. Darauf antwortete der Oberleutnant, ein Jntereffe an Hau habe er nicht, worauf ich sagte, das werde ihn reuen, lieber die Sache selbst und was Hau ihm mitgeteilt habe im Gefängnis, werde er nichts aussagen. Vorsitzender:

dem tapferen Herrn Toussaint, dem hessische» Bahnhofs- inspektor,doch zu viel. Erlich sofort telegraphisch einen Personenzug an der zweitnächfle» Station anhalten, umkehren und samt ber preußischen Lokomotive und verschiedenen preußischen Waggons zurück und tiefer ins Innere des Landes fortführen. Bon dieser Stunde an begann die Spannung und zugleich die BerkehrSnnter- brechung. Aber auch dieser flagrante FriedenSbruch vermochte nicht, di: friedlich-nachbarlichen Beziehungen merklich zu trüben. Und außer dem Stillstand beS Bahnverkehrs ließ nichts die kriegerischen Vorgänge innerhalb Deutschlands ahnen. Wer von den hessischen Bewohnern eine Reise im »Feindesland" zu machen hatte, ging hinüber an den preußischen Bahnhof, löste seine Fahrkarte und fuhr nach Herzenslust, wohin er wollte.

. Dies» Zustand , hätte wahrscheinlich während deS ganzen Krieges keine Unterbrechung erfahren, wenn nicht in den letzten Junitagen an einem Mittwoch Nachmittag ein preußischer Mas o r an der Spitze von achtzig Landwehrleuten ganz plötzlich als .Eroberer" meine Vaterstadt im Sturm eingenommen hätte. Er halte schon die Brücke passiert, ohne sonderliches Aufsehen zu er­regen, und näherte sich der ersten Straße des Städtchens als der auf einem freien Platz an der Allee an einem riesigen Faß arbeitende Weifler zu seinem maßlosen Erstaunen die Kriegsmacht anmar-

3» demselben Augenblick schrieen einige Buben: .Die Preiße komme, die Preiße komme", unb rannten durch die Gassen Im Nu hatten sich etwa zwei Dutzend Menschen auf die Straße begeben und blickten nun mehr verwundert als erschreckt auf die berankom- menbe Truppenmacht.

.Nach Hause, ihr Leute; auseinanber!', schift der an ber Spitze marschierende Offizier unb hob seinen Degen hoch. Es war zwei Tage nach dem unglückseligen Ereignis in Trautmau, wo Burger aus ben Fenstern kochendes Wasser auf die einziehendm Preußm gegossen halten, und so mochte der Offizier gleiches Unheil von ben preußenseindlichen Einwohnern befürchten. Unb doch waren bie berbeieilenben Leute friedliche, freilich neugierige Zuschauer, bie ben großen historischen Augenblick nicht versäumen wollten in dem bie ©tobt .erobert* rourbe. Außer einigen jungen Burschen, alten Jiseibern, einem Tüncher, ber seinen Kübel hinstellte, die Pfeife respektlos im Munde behaltend, bem bereits erwähnten Küfermeister und einer übelbeleumundeten Frauensperson, welche einen prüfenden, ^r durchaus nicht feindseligen Blick über bie vorüberziehende preußische HeereSmacht gleiten ließ, waren nur noch wenige Men- schm auf dem .Kriegsschauplatz" erschienen. In diesem Augenblick kam ein Leiterwagen, dessen Lenker feine Pferde rücksichtslos gegen die heranziehende Trr, pe fahren ließ. Dabei knallte der Fuhr- manij laut mit der Peitsche, was der Offizier wahrscheinlich als eine grobe Provokation empfand.

-NM HM! M.Leute jitSi auseinander!", schrie er mit

Führers und drei anderer Offiziere, die bisher bei der Mannschaft gestanden halten, kleine Detachements von drei, vier und sechs Mann zu bilden unb mit auf bem Arm ruhendem, vorgehaltenem Gewehr in bie Straßen vorzudringen. Diese kriegerisch aussehenbe Maßnahme erschreckte bie Leute, bie jetzt schleunigst von bannen gingen. Damit schien aber auch der Kulminationspunkt ber kriegerischen Talen erreicht, denn, als nach weiteren zwanzig ober dreißig Minuten die patrouillierenden Soldaten, alles ältere Land­wehrleute, auf dem Marktplatze wieder zusammentrafen, schienen sich Militär unb Bürger stillschweigend zu einem friedlichen Ueber- einkommen verständigt zu haben.

Inzwischen hatte der erschrockene Bürgermeister zum Kreisrat, dem Polizerkommissar unb zu den Stadlräten geschickt, und diese Spitzen der Beamten und Bürgerschaft begegneten, sämtlich in Gala, i« demselben Augenblick dem seindlichen Heerführer und dessen Stab, als et gerade die auS verschiedenen Straßen zurück- kehrendeu Mannschaften zu einem Carree formieren ließ. Bei dieser Begegnung, der die von allen Seiten zusammenströmenbe Bürgerschaft mit ungeheuerer Spannung entgegensah. siegte die 'Feinheit ber Sitten über die Rauheit des Krieges. Der Bürger­meister, der Herr Kreisrat und der Polizeikommissar griffen unter höflicher Verbeugung nach ihren Hüten resp. AmtZmühen, während der Herr Kommandeur mit einem verbindlichen Lächeln unb höflich salutierend zwei Schritte vortrat. Die Herren schienen sich sehr schnell verständigt zu haben, obgleich die fast eine Viertelstunde währende Unterhaltung den Zuschauern eine kleine Ewigkeit dünken mochte, welchen Zeitraum bie Leute wahrnahmen, sich mit der feind­lichen Soldateska anzufreundcn.

Als eben die Dämmerung dieses denkwürdigen Tages sich über Stabt unb Land herabzusenken begann, zogen die feindlichen Truppen, vom Janhagel des Städtchens von allen Seilen umgeben wieder in preußisches Gebiet zurück, nicht ohne daß zuvor die städtischen und staatlichen Behörden sich unter vielen Komplimenten und Händedrücken von den preußischen Offizieren verabschiedet hatten, wobei die liebe Straßenjugend spontane Hurrahs ertönen ließ. So waren wir ben» .erobert", ohne daß es zum Kampf ge- kommen wäre, wie in Traulenau. Vorsichtshalber brachten aber doch viele Bürger noch in selbiger Nacht alle beweglichen Wert- gegenstände in der feit undenklichen Zeiten üblichen Weise in Sicherheit.

Kurz vor Mitternacht wurden die Bürger, soweit sie überhaupt schliefe», durch de» schweren Schritt durchmarfchierender Sol baten unb bas dumpfe Rollen schwerer Geschütze aus dem Schlaf auf- geschreckt. Rauhe Männerkehlen fangen dazu: .Ich hab' mich er­geben mit Herz unb mit Hand...." Rur die beherztesten Ein­wohner wagten sich ans Fenster, um die ungeheure Heeresmacht, soweit es die schwarze, von keiner Laterne erhellte Dunkelheit zuließ, vorbeimarjchitzm.ru sehen. Volle zwei Stunden dauerte biejer

Vermischtes?

Bom Schwarzwald. In einigen Gebirgsgegenden Süd- deutschlands hat es vor kurzem Schee und Frost gegeben, auch in. einigen Schwarzwaldgegenden. Darüber hat die Frankfurter Zeitung" kurz berichtet. Unter Hinweis auf diese Notizen ersucht uns nunmehr Herr Dr. Krone als leitender Badearzt des Badhotels Teinach zu unserem aufrichtigen Vergnügen unter Berufung auf§ 11 des Preß, ges etzeS", daßim Württembergischen Schwarzwald, speziell in Teinach, seit Wochen schönes, sommerlich warmes Weit,er herrscht ein Wetter, das den Kur­gästen den andauernden Aufenthalt im Freien erlaubt". ES freut uns ungemein, sowohl im Interesse der Kurgäste, wie namentlich des Bad-Hotels Teinach, daß dort der Himmel mehr Einsehen hat. Im Interesse der übrigen Sommerfrischen und Sommerfrischler aber möchten wir darum bitten, das himm- lische Ressort für Wetterangelegenheiten aufzufordern und Mar mit Rücksicht auf die größere Wirksamkeit ebenfalls unter Zuhilfenahme des Berichtigungsparagraphen, die irreführende Verschiebung der Jahreszeiten, die es sich hat zu schulden kam- men lassen, schleunigst zu redressieren, damit auch über andere Orte als Teinach die Sonne ihr freundliches Antlitz strahlen läßt. Vielleicht wird Herr Dr. Krone von jener Stelle aus gleichzeitig auch über die Bedeutung und Anwendbarkeit des .Paragraph Jl" aufgeklärt.

V Aus ttiiterfranren, 18. Juli. Veber die Ursache» zu« Selbst, morde des 32jShrfte«WeinhSndlerSRudolfWektzie» in Kitzingeu schrcibt die .Kitz. Ztg.', daß 109 Unterschlagungen im Betrage von 12,348 di festgesteSt wurden, bie von feinen Reisen bei ber Firma Lotz herrühren. Sei» früherer Chef Lotz verlangte, baß er seine Schuld unterschristlich eingestehen unb auch seiner Brant unb fernem Schwiegervater offenbare» solle. Ersteres tat Weltzien, letzteres nicht; in einem Briefe schrieb et: .Es bleibt mit nur noch der letzte Weg." Weltzien stammt aus Malchin (Mecklenburg). .

e Landau (Pfalz), 20. Juli. Der SanitäAunteroffizier Taeffner des 18. Infanterieregiments erschoß sich, weil ihm sein Urlaubsgesuch abgeschlagen wurde.

« A»8 Lothringen, 20. Juli. Der Italiener Monti er- stach in dem Jndustrieort »Ig ringen seinen Landsmann Baldazzi, als er diesen in ehebrecherischem Umgang mit seiner Frau uberaschte.

* Mailand, 19. Juli. In einem von Nonnen geleiteteien hiesigen Kinderasyl wurden von mit der Aufsicht be. trauten Persönlichkeiten scheußliche Verbrechen an den Kindern verübt. Nach derVoss. Ztg."'sind mehrere Kinder an einer häßlichen Krankheit erkrankt. Die Vor­steherin und mehrere Angestellte sind flüchtig, die Vizevor- fteherin wurde verhaftet. Gegen mehrere Personen wurden

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(Frankfurter Handelszeitung.) IjUtt(Neue Frankfurter Zeitung.)

hittflfns iJBegvctn&H vor» Lespotö Korrrrernarrn.

bie Entwicklungslehre ist heute noch eine fit sehen von ben ungezählten Reformen innerer Mittelalter der Erledigung harren vergeblich. Von polt» tifdjen Fragen fei ganz geschwiegen: Reben ber Türkei hätte in Witz Europa, das ist sicher zu sagen,,einzig unb allein ber Kirchenstaat kein Volksparlament, wenn er nicht glückseliger, weise vom Sturm des Volkswillens längst weggefeqt worden wäre. Daß dies so wäre> ergibt sich aus bem Jahr 1848, als in Rom ein Parlament entstehen sollte und aus ben Anschauungen- die damals offiziell von der römischen Kurie geoffenbart wurden.

; ^ein, Rom wirb nie.reformieren, nie wrroärtS schreiten, nie zu eneMchenl Wettbewerb anstacheln. Weil aber em, Schell, em Murri u. a. mit Energie auf bie Rot- senbigfeit des Fortschritts Hinweisen, bie Trägheit in kajhö- uschen Kreisen geißeln, bas WortInferiorität" immer wie-

°ls Ansporn zu eifriaeter Tätigkeit ben zurückgebliebenen Römlingen vor Augen halten hager ber Haß I

. . llud so steckt im tiefsten Grunde hinter, ber ganzen Hän- del« von heute bte br ennenbe Frage ber Jnferro- ritat derbeutsLen u »k ° Ner KathoNken. Di- Münsteraner wollten bie deutschen Katholiken von einem Stück gröbster Inferiorität erretten: bem ohne jebes Verhör ver- urtetlenben, vor bet ganzen Welt branbmarkenben, rücksichts­losen, lieblosen, engheyigen, im Dunkeln vehmqerichtartig vorgehenben^nbex; Schell, Muth u. a. wollten ben Katholi-

i« Publikum, der bom Vorsitzenden gerügt wird.) Der Än- gettagte hatte zu mir Verttauen gefaßt. Ich werde nichts aussagen, was er mir anvertraute. Er sprach oft tn außer- gewohnncher Erregung und befand sich in großer Depression. , ,orsrtzende r: Hat er über die Motive seiner Reise Mit­teilungen gemacht? Zeuge: Darüber verweigere ich die Auskunft. Vorsitzender: Haben Sie dem Angeklagten mitgeteilt, daß Sie der Ansicht seien. Sie seien mit ihm zu- jammengesperrt, um ihn auszuhorchen? Zeuge: Das war unsere beiderseitige Meinung. Zeugin Olga Mo- 11 t o r, die vorgerufen wird, übergibt einen Brief des Zeugen Läng. Der Vorsitzende verliest den Brief, in dem, tote schon mitgeteilt, um eine Unterredung gebeten wird. Der Zeuge erklärt Wetter, daß er schon einem Krimi­nalbeamten mitgeteilt habe, daß er vor Gericht nichts aussagen werde. Ich hätte auch mit Frl. Molitor nur unter ganz be- stimmten Voraussetzungen gesprochen. Vorsitzender: Was sind das für Voraussetzungen?' > Zeuge: Darüber gebe keine Auskunft. Verteidiger: Wie find Sie mit dem Hau bekannt geworden?> Zeuge: Es ergab sich bald etn reger Gedankenaustausch über Religion und Politik, wie auch über die Tat vom juristtfchen Standpüntt aus. Etwa- weiteres sage ich nicht. Der Staatsanwalt habe mit dem Tod der Frau Hau operiett, daß es fast ans Unmoralische grenze. So äußerte sich mir gegenüber Hau. Verteidig er: Hatte Ihnen Hau verboten, etwas zu sagen? Zeuge: Das hat er nicht direkt ausgesprochen. Verteidiger: Sann beantrage ich das ZeugniSzwangSver- fahren gegen den Z ~

Waren Sie gestern mit dem Zeuge: Rein. ~ Zeugen Läng, die Genehmigung c Ich habe dann noch diese Nacht die ganze Angelegenhi Verteidiger mitgeteilt. Der Angeklagte gibt auf Befragen des Vorsitzenden nicht die Ermäch­tigung zur Aussage des Zeugen Läng.

Hierauf wird die Verhandlung auf vier Uhr vertagt.

Haftbefehle erlassen. Wie der Erzbischof feststellte, legten die Nonnen sich fälschlich den Titel und das Gewand von Ordens­schwestern Bet Unter dem Verdachte, sich an den Kindern der- gangen zu haben, wurde in Turin ein angeblicher Priester verhaftet.

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Die katholische Kirche von heute.

Bon einem katholischen Geistlich«»

Südbeutschlands.*)

toM ein Katholik Anlaß hatte, mit tiefster Be- seine Kirche unb besonders auf ihre Führer in

fcr und sich wehmütig ber ersten Zeiten bes erinnern, so war es ber Fall während ber

k ein ©front giftigen Hasses, heimtückischer De- zrakterloser Vertrauensbrüche, ungehemmter Rück- kurz, orbinärster Gesinnung wälzt sich über bie Bistümer hin unb dieser Strom hat feine Quelle am Sitze des Papstes. Vielleicht ist es manchem Les« : perFrankfurter Zeitung" erwünscht, bte Gedanken eines ka- Wolischen ^Geistlichen über diese traurigen Ereignisse zu lesen;

christ und Vexeiusplärre. mch Rom und wurden in derCor- sspondcnza Romana", die ent Laienbruder redigiert (ganz die teignete Persönlichkeit zu einem so ernsten Schritt) veröffent- absckreckenben Beispiel wurden auch bie Namen eigefügt. Nachdem diese Heldentaten verrichtet waren, be- rnn die Hetze gegen Schell aufs neue: dieselbeCorrispon- enza Romana" ist ausersehen, Schell bloßzustellen. Das eifere muß abgeroartef werben.

i . Was an tiefen Vorkommnissen vor allem auffällt, ist her tiefe Ha ß, der aus diesen Veröffentlichungen einem ent- gegenlobert. Es ist ja ein alter, schon im Mittelalter erprob­ter Satz: homo homini lupus, eacerdos sacerdoti lupior, monachus monacho lupissimus bie Tatsache besteht, daß nirgends weniger Liebe unb Nachsicht besteht als tn klerikalen Kreisen. Aber schließlich hätte Rom sich hoch mgen können, feine Gehässigkeiten würden der katholischen Kirche tn Deutschland nicht nulten. sondern fAnn>r Wfehon

Asmus auf allgemein wiffenschastlichem, belletristischem usw. Gebiet heben '' dafür werden sie nach echter Jnquisifions- mamer in regelrechter Jagd verfolgt und verleumdet; unb wenn heute noch die Schetterhaufen angängig wären, nun, man weiß das schon. Gemütvolle Menschen waren ja die In­quisitoren Dop. jeher.

e3KitteIaIter hie Neuzeit! Darum dreht sich Die Frage. , Soll das Mittelalter mit seiner engherzigen Borniertheit, feiner Verfolgungssucht, seiner klerikalen An­maßung, seiner Faulheit regieren und soll unsere Inferiorität Wetter dauern oder sollen die Katholiken, ohne ihrer Kirche untreu zu werden, endlich einmal das Mittelalter endgültig verlassen und neuzeitliche, fortschrittliche Menschen werden baS ist m. E. ber innere psychologische Kern ber heutigen Bewegung.

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Deutsches Reich.

Derren in Münster noch zu Schell in irgend einer anderen Be­ziehung steht als jeder beliebige denkende Mensch.

i Vergegenwärtigen wir uns kurz die Situation. Prosessor i® ch e l I war gestorben, und mgn hoffte, die Streitigkeiten, ane sich um ihn, unb feint, sich so gut rote ganz im Geleise bes katholischen Dogmas beroegenben Ideen erhoben hatten, wür­den sich nach und nach legen. Wer allerdings ben richtigen Mtramontanen kannte, der feine Gottes- und Nächstenliebe von »eher durch Haß jedes Andersdenkenden offenbarte Zeuge fmb die Scheiterhaufen unb Jnquisitionsaefängnisse, ber sonnte zweifeln. Unh richtig: bte Feindseligkeiten gegen ben Toten gingen weiter. Der Weihbtschof Knecht rief bei Seinem Hochschulkurs in Freiburg un Oktober 1906 ßffentlich aus:Gott sei dem Schell gnäbig!" Ueberall rourbe vor dem angeblich so gefährlichen Manne gewarnt und schließlich schrieb ein ehemaliger Freund, , jetzt Feind Schells, Prof. Kommet in Wien, ein eigenes von Verdächtigungen strotzendes, selbst bie tstfon «schells herabsehendes Buch, ein Pamphlet, wie Prof.

h r h a r b t in Straßburg es mit Recht elende Schmähschrift, weit entfernt, mit Bi su werden, wurde in einem eigenen Schrei feierlichst belobt. Die Entrüstung, nich offenbar getäuscht wurde (von den Jesv igewisfenlosen Intriganten, welch, «nfachien, war und ist grenzenlo..

K 2Svch nicht genug! Einige Laien in Münster, treffliche, ^beneugungStreue Männer, verfassen eine in den nobelsten Äusdnicken gehaltene Bittschrift an den Papst um Aufhebung pder doch Milderung des Index der verbotenen Bücher. Und sie beantragen die Gründung eines Laienoereins, der in bem ihm zustehenben Maße Anregungen zu Rest Weder Bittschrift noch Verein sind zustande ders da alles in ber katholischen Kirche eingeschüch niebergebrüdt. ist durch eine von Jesuiten unb ähnlich Gen- smnten organisiertes Despotenregiment. Daher erklärt es sich, daß niemand recht heraus wollte, daß z. B. Prof. v. Hertlmg, der ja auch sonst bie Vorsicht für eine hohe Tugend hält, wie­der zurücktraf. D,e ganze Angelegenheit war also verunglückt, und wenn in Rom nicht Rücksichtslosigkeit und Herzlosigkeit Trumpf waren, hätte man annehmen können, es fei genug r jött Hföifjcifölg unb man brauche Aum Schaben nieht aum hoch ben Spott zp fügen. Wer so gedacht hätte, kennt Rom mb.dft Jesuiten nicht. Durch Vertrauensbruch kamen Bitt-

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- Weinstrasee 14, TSQneen Vlctortiu 167 Warid BuHdt

schm könnte man eine solche Schluß Aber baß diese Ereignisse auch inne Schaden bringen würden, hätten sich die römischen Sßeifen sagen können. Glauben sie, mit solch groben unb unanständi­gen Genwaltmitteln bie verschieb enen, nun einmal vorhande­nen Anschauunaen versöhnen zu können? Dann würden fk sich schwer täuschen. Nur noch weit« und unausfüllbar« wird die Kluft, bte jetzt schon gähnt.

Tiefe Abneigung auch gegen die Laien innerhalb der katholischen Kirche spricht aus den römffchen Glanzleistungen. Die Laien haben nichts, der höhere Klerus alles ju sagen, die ersteren haben einfach zu gehorchen und alles in Geduld anzu- nehmen, was immer ihnen von oben geboten wird. Dich ganz mittelalterliche Anschauung wird von Rom streng sestgehalten. Leute, die d« Jetztzeit näher gekommen find, fragen sich erstaunt, was denn eigentlich Furchtbares an der Bitte wegen des Index, ja was auch an ein« Organisation von Laien sei, heute im 20. Jahrhundert? Warum sollten kirchen- treue Männer, die ja jederzeit von ber traurigen Institution des Index betroffen werben können, sich nicht in anständiger Weise üb« diese Institution äußern dürfen? Die Frage ist für jeben nicht voreingenommenen Menschen ohne weiteres be- antwottet, für benhöheren" Klerus in Rom unb anderswo leider nicht. Man kann ben katholischen Laien nur ben Rat geben, bie gesetzlich gegebene Möglichkeit einet Organisation weiter zu verfolgen unb sich durch bie Vorkommnisse der letzten Wochen nicht abschrecken zu lassen. Vor nichts hat Rom unb ber höhere Klerus mehr Angst, als vor Organisation. Den» sobalb Organisationen geschaffen wären, könnten diest alles beherffchenben Klique ber Orben, besonders ber Jefi bie wirksamste Konkurrenz machen. Die Jesuiten sinb nur des­halb stark, weil sie gut organisiert find. Damit andere nicht auch stark werben, muß ber Organisationsgebauke im Keime erstickt werben.

Als einziger Punkt, ber auf ben ersten Blick eigentümlich berühren könnte, wäre bie Heimlichtuerei bet Münster­aner zu nennen, benn alles andere ist unantastbar und nur klerikale Anmaßung und Hochmut kann Laien das Organisa­tionsrecht absprechen. .Das heimliche Vorgehen hatte aber ge­nügenden Grund. Einmal wäre- die deutsche Zentrumspresse ganz oder zum größten Teil in gehässig« Weise gegen bie Unternehmer vorgegangen. Ein sübbeutsches Zentrumsblatt «Bärte, eine San ------'

sinniges Vorgehen". Man kann sich denken, was biese geist­reichen Blätter gesagt hätten, falls ber Plan öffentlich bar­gelegt worben wäre. Diesekatholische" Presse hat sich, soweit ich sie überschauen kann, nicht mit einem Motte für bte Berechtigung einet Organisation ausgesprochen, und wäre es auch nur bebingungSweife.