es» August 1907. Nr.
Anschlüßen in Limburg fast stets eine Reise auf -en I zu verantworte«. Mit seiner Besoldung kam er nicht 6ä8 mtb deS» toaii» mit Aufenthalt und Zeitverlust verknüpft ist. halb vergriff er fich schließlich an städtischen Geldern. Er hatte auS Verkehrshindernisse find außerordentlich schwerwiegender J verschlossenen KassenbelMerre, die er mit einem Dietrich öffnete, nach
Schon heute kann man beobachten, daß die indu- und »ach 680 Mark gestohlen und wurde deshalb zu zwei Zähren und n Unternehmungen, welche auf dem Westerwalde fort- drei Mouateu Gefängnis verurteilt.
id ne« entstehen, von Industriellen, die am Rhein woh- T m itt-
Westerwaid mit Aufenthalt und Zeitverlust verknüpft ist.
striellen Unter!
während neu eni
rnnader Kassel; die
und jedenfalls «kehr als
um
tz der jetzige Zustan (Heiterkeit) Stadtt
Ersenöahnprojette im Westerwald.
Tante unb zwei Stw Gegen 11 Uhr ritt der
Gerichtszeitang.
Stadtv. Rupp trat
ein. Strcktv. Löns
Halbzerquetschten erfüll- $in stark gebauter Mann
*
Heridal füllte sein Glas, trank auf die Gerechtigkeit und fuhr fort: „Endlich zwei Frauen!"
alle getötet, die Elenden, Geffle, Josefa, Martha.
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durchlest» und auf m Köln, 27.
iadt vor. Man zwinge di VekwchltungSweg zu beschwere» ". Mit der Gal
Krankfurter Angelegenheiten.
--- Frankfurt, 28. Au<
Milde Verzweiflungsausbrüche der Halbzerquetschten erfüllten die Umstehenden mit Grauen. Ein stark gebauter Mann hatte sich etwas herauSgearbeitet, konnte aber nicht weiter und rief den Rettern zu: „Zieht mich heraus, ohne auf die Beine Ächt zu geben. Diese sind ja doch verloren!" Man
stets wiederholt. Ein angeblich fahrt und betrogen wird. Der
„Seit den prähistorischen Zeiten, seit den schwanen Tagen, da die Urtiere zusammen mit Mseren Vorfahren in schmutzigen Höhlen hausten, seit jenen Zeiten wurden zu alles! Epochen in febem Lande zwei Verbrechen als solche erkannte der Mord und der Diebstahl. Aus diesem uralten Instinkt ging nach und nach die Justiz hervor, die Schützen« der @e*.
von Gießen zum Rhein hin erschloss, Herborn • Fehl - Ritzhaus ziehungsweise Marienber ' den; der weitere Ausbau einer'
schoß der Graf Dago v.
vorüber. Ter Hund des Vagabunden sprang wütend Dagös Pferd zwischen die Beine, das Tier machte erschrocken einen Seitensprung und warf seinen Reiter ab; kaum hatte sich der Graf wieder in den Sattel geschwungen, so zog er sein Pistol und tötete den Hund. Da hob Köpinffcheulend vor Wut einen Stern auf und tötete den Grafen, tzr würde sofort vMäftkt.
<Hn Bammfall.
Stadtv. Kirschner stellte eine Anfrage wegen be$i Todesfalls beim Kanalbau auf der Morset- der Landstraße, der sich am 17. August ereignete. Nach seiner Information sei ein Arbeiter infolge der mangelhafte« Abortanlage« in die Senkgrube gefaltet und erstickt. ' .j
Stadtrat Hengsberg er erklärte, der Magistrat hab«; sofort Nachforschungen angestellt und auch von der Staatsanwaltschaft sei eine Untersuchung eingcleitet worden, deren. Ergonts noch nicht vorliege. Nach dem Obduktionsbefund scheine aber soviel sicher, daß der Mann, der bereits früher? einen Herzklappenfehler erlitten hat, von einer Lungen«! lähmung befallen wurde. Er war jedenfalls schon tot, bevor er, und zwar von der Seite, in die Grube fiel. Die Anlage war die ortsübliche. Immerhin bleibt wünschenswert.
er za« nächste«, zwer «uometer entscnitcn Laaenihütte, um Hilse zu holen. Doch diese kant zu spät. Der Unhold hatte unterdessen, nachdem er die einzige Tür der kegelförmigen, ans Reisig ttttb Stroh gebauten Hütte verrammelt hatte, diese a« vier Eike« an gezündet, sodaß ihre vier Anlassen i« der jähen Lohe verbrannten. Dan« zogen die beiden Scheusale eine halbe Stunde weiter zur Hütte eines Bauerti, der in best Prozesse gegen de Vincenzi Belastungszeuge gewesen war. Sie riefen ihn vor die Türe, ttttb als er halb angekleidet erschien, tötete« sie ihn mit mehrere» Schüssen. Darauf schlugen sie sich in das Urwalddickicht der .Macchia*, die in der Nähe Foudis sich vom Meer zu« Gebirge erstreckt.
* Paris, 26. Aug. Die Eisenbahn-Katastroph« bei Eoutras bot tn ihren Einzelheiten erschütternde Auftritte, deren Beschreibung allein nervenerregend wirkt. Das Unglück ist, wie jetzt festgestellt ist, dadurch erfolgt, dich eine Weiche nicht funktionierte, sodaß der Schnellzug Bordeaux- Paris bei dem Bahnhöfe Coutras auf ein Seitengeleise auflief und dort mit einem Güterzuge zusammenprallte. Die drei ersten Wagen der äuffcchrenden Zuges, die Abteile erster, zweiter und dritter Klasse enthielten,, wurden buchstäblich rneinandergedrückt und bildeten nur noch einen unförmigen Haufen von zersplittertem Holz, zerbogenen Eisenplatten, GlcSscherben, aus dem das Wimmern und Stöhnen der Verletzten unheimlich in die dunkle Nacht hinausschallte. Das Unglück wirr nämlich nach elf Uhr abends erfolgt. Es wa- reh auch nicht sofort genügende Rettungsmannschaften zur Stelle, so daß die unter den Trümmern Liegenden nur ganz langsam aus ihrer entsetzlichen Lage befreit werden konnten.
rod kaum auf eine solche Entwicklung hoffen kann. Selbst aber-wenn eine gleiche Entwicklung der Industrie auf beiden Strecken zu erwarten wäre, würde man der Daadener Linie den Vorzug geben müssen, weil hier im Gegensatz zu der anderen Linie eine Industrie in einer stark bevölkerten Gegend geschaffen wird. Sicherlich würde auch bei . dieser Linie den Wünschen der Bewohner von Rennerod leicht Rechnung zu tragen sein, indem man immer noch von Rennerod auS nach Mengerskirchen und Weilburg eine Bahn bauen könnte. Es würde dann von Betzdorf aus eine Verbindung nach Frankfurt einerseits über Fehl-Ritzhausen-Marienberg-Erbach und Westerburg-Limbüng, andererseits über Fehl-Ritzhausen-Ren- nerod-Weillburg-Usingen geschaffen werden. Dem für die Linie Burbach-sstennerod geltend gemachten Argument, daß den Arbeitern aus dem Westerwalde eine bequemere Verbindung zu ihrer Arbeitsstätte geschaffen werden soll, ist entgegenzuhalten, daß der Westerwald seine Arbeiter überhaucht nicht in' fremde Gegenden fuhren, sondern sie hier behalten will und zwar dadurch, daß man Industrie im eigen»! Lande schafft. Erfteulicherweise wird durch das Bahnnetz, welches sich schon jetzt über den Westerwald auÄbreitet, Industrie auf dem Westerwald erschlossen, und eS macht sich bereits ein Rückgang in dem Zuge nach dem Siegerlande bemerkbar. Uebrigens würde auch die Beförderung der Arbeiter in daS Siegerland durch die Linie Daaden-FHl-Ritzhausen besser zu erreichen sein.
Zu bemerken ist endlich noch, daß bei der großen Hebung des Verkehrs sich die Effenbahnbehörden augenscheinlich ernstlich mit dem Gedanken tragen, die Linie Limburg-Altenkirchen zweigleisig auszubauen, ein Umstand, der sich daraus ersahen läßt, daß der Bau eines zweiten Gleises von Limburg bis Staffel schon in die Wege geleitet ist. ES wird sich daher ganz besonders empfehlen, daß die Bahnen, welche jetzt gebaut wer- den, möglichst in Anschluß Und in Zusammenhang Mit dör Hauptlinie gebracht weichen.
A Rom, 23. August. Zwei große Verbreche« kennzeichnen wieder einmal die Wildhe.it mancher S ü d i t a l i e n e r. In der Nähe von Palermo wurden unter einer Brücke verschiedene Kisten gefunden, die, mit Petroleum übergossen und iu Brand gesteckt, einen widerlichen Geruch ans strömte«. Man forschte nach, sand Stücke einer männlichen Leiche unb entdeckte bald auch die Mörder. Eine Haussuchung bei diesen ergab, daß der Getötete, »in Franzose, der als Kupferstecher bet einer Faschmünzerbande arbeitet», von dieser bei einem Streit um die Verkeilung der B?«t« erschlagen worden war. Das zweite Verbreche«, das sich in der Nähe von F ondi (zwischen Terracina unb Gaeta), abspielie, stellt tinm auffallend schreckliche« Akt der Bendetia dar. Ein Hirte namens Viscrpzo De Silvestri, zw-iundzwcmzig Jahre alt. vetliebte sich vor zwei Jahren in die etn Jahr jüngere größte Schönheit do« ffondi, »in Bauernmädchen namenS Triade Di Sarrä Diese zeigte sich zunächst Nicht gänzlich abgeneigt, doch al» ihre Eltern sie vor De Silvestri als einem Manne mit brutalem Charakter warnten, der zudem schon im Gefängnisse gesessen hatte, zog sie sich zurück. Der V-rfchmäbte schwor Rache. Am 20. August vorigen Jahres überfiel er auf freiem Frtbe die „Verräterin" und suchte sie zu entführen. Sie widersetzte sich aber und da» Erscheinen von Leuten rettete sie. Jhr».'Familtr strengteKlage an und am 27. Mai dieses Jahres wurde De VwceirziS zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, vorläufig aber noch auf freiem Fuß belassen. Die Straft «• bitterte den Rachsüchtigen noch mehr, sodaß die schöne Triade sich »inen Revolver verschafft», um gegebenen Falls sich selbst zu schützen. In btt Nacht des 20. August, also ein Jahr nach dem erstm Ueberfall, schlich sich De Vincenzis zusammen mit einem neunzehnjährigen Burschen, der persönlich mit bet Familie der Triade di Sarra feine Feindschaft hatte, sondern nur von Abenteuerlust beseelt wär, an die einsame Hütt», in der Driade mit einer achtzigjährigen Tante unb zwei Kindern, einer Schwester und einem Vetter schlief. Gegen 11 Uhr ritt der achtzehnjährige Bruder Driades heran ititb wurde von zwei Flinte«.
Weib bleibt allein. Es ist widerwärtig, wie banal die ganzes Geschichte ist. Erst kommen Bitte«, Flehen, dann Drohungen und schließlich der unüberlegte Schutt, das Verbrechen,' Martha Falhun ist eine energische Person, obwohl fte eine Blondine mit blauen Augen ist; an dem Tage, da ihr Ge-f liebtet mit einer anderen Hochzeit feierte, brannte sein HauL von Grund aus ab, und die Brandstifterin war Martha, j
Das sind die vier Verbrechen — überall Blut, das uni
Das sind die vier , WW
Rache schreit. Du kennst jetzt Köping, Geffle, Josefa Misoeitz Martha Fafaun, — Schurken, Spitzbübinnen, Lumpengesindel und Wölfinnen. Und nun höre meine Rede!"
Heridal drapierte sich in seinen Schlafrock, stützte sich miß beiden Händen auf den Tisch und begann mit schneidender Stimme:
folgte ihm aber nicht, sondern hob mit eisernen St^I^ Waggonteile in die Höhe, um ihn herauszuheben, Tat hingen beide Beine nur noch mit Fleischfetzen Körper und mußten fasert amputiert werden. DerÄW Auftritte wiederholten sich mehrfach. Die Zahl bet ' Stelle Getötete« betrug zehn, während bis MonhW f noch zwei andere Personen ihren Verletzungen erlog-W sind mindestens zwanzig Personen außerdem gefahrliEW letzt, die meisten am Kopfe, weil bei dem Zusamm^HW Abteile von oben eingedrückt wurden. Selbstverständlich» außerdem zahlreiche Bein-, Arm- und sonstige Brüche W stellen. Die meisten Toten waren Bahnbeamte, entwedM dienstete des Zuges oder auf Sonntags-Urlaub beftnW Fast alle waren bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Mehr^^ ren wahrscheinlich von den Lampen der Abteile schwW^ brannt. In Gegenwart des Bautemninisters Bart» der sich sofort aus Paris an den Ort der Katastrophe M wurde die Tatsache festgestellt, daß wegen der ErwefteM des Bahnhofes Coutras die mechanischen Weichen
und durch provisorische Handweichen ersetzt toorbän wq Der Weichensteller V a l b o u 8 g u e i, der an der verhängt vollen Stelle feinen Posten versah und natürlich sofort^ Verantwortung gezogen wurde, konnte nachweisen, daß im Laufe des Tages verschiedentlich über das schlechte W tionicren der Weiche beklagt hatte. Die Stellung beä j belS zeigt übrigens unleugbar, daß der Mann die Wez ganz richtig gestellt hatte. Ihm ist auch sofort jede Sch abgebrochen worden. Die AuftäumungSarbeiten gftq ziemlich schnell von statten, so daß der Verkehr schon & Morgengrauen wieder ausgenommen werden konnte,
n Odessa, 20.- Aug. In der von der „Odetzkije Nowo veröffentlichten offiziellen Liste der zur Verbannw verurteilten Personen befindet sich auch ein Herr Dr. Dt troptow. Vor etwa zwei Monaten wurde derselW administrativer Ausweisung verurteilt, nur wollte der Zuf daß zur selben Zeit ein Pestfall auf einem Schiffe f gestellt wurde, und da der genannte Arzt der alleinige Lei der Odessaer Bakteriologischen Station ist, so kam die i ministration in Verlegenheit, da die Ausweisung des ürg gerade in diesem Augenblick schlimme Folgen haben köW So entschloß man sich, den Dr. Diotroptow auf fein Posten zu belassen, doch will man ihn zu der Erklärt zwingen, daß ex an politischen Angelegenheiten nicht tz genommen habe, was er ablehnte. Trotzdem blieb er im An jetzt aber, nachdem die Pest glücklich lokalisiert ist, schickt n den Mann doch in die Verbannung!
nen, — von wo man schneller auf den Westerwald gelange« kann — in Berieb gesetzt werden. Dies wird in Zukunft, wenn die Linien zum Rhein ausgebaut sind, um so mehr der Falt werden.. Wollen die Städte Limburg, Wiesbaden und Frankfurt.einen Anteil haben an der industriellpn EntwiÄung des Westerwaldes, so werden sie dahin streben müssen, schnelle und sachgemäße Linien über den Westerwald zu erhalten. Diese Linien müssen zu gleicher Zeit auch so geführt werde«, Ml, sie zwischen Südoeutschland und dem Jndu- striebezir'k eine direkte Verbindung schaffen und zu gleicher Zeit die stark überlasteten Eisenbahnlinien den Rhein entlang und Frankfart-Gietzen-Betzdorf-Siegen entlasten. Dieser Zweck wird aber durch die Linie Burbach-Ren- nerod nicht erreicht. Die Verfechter dieser Bahnlinie senken sich nicht in Rennerod den Endpunkt der Bahn, sondern haben die Fortführung der Linie von da aus nach Mengerskirchen und eventuell Weilburg im Auge. Von dieser Linie wird nun zn erwarten fein, ganz abgesehen davon, daß sie Limburg gana außer Betracht läßt, daß sie den Verkehr von SüÄeutschland nach dem Jndustriebezirk aufnimmt. Zudem würde die Erweiterung des Bahnhofs Bürbach auch technisch ungeheure Schwierigkeiten bieten und Kosten machen.
Ganz anders ist die Sachlage bei dem Bau der Linie Daaden - Fehl - Ritzhausen, wobei zugleich auch noch der Weiterführung der Linie Marienberg nach Erbach gedacht ist. Diese Linie würde den direkten Weg von Süddeutsch, land zum Jndustriebezirk darstellc« und jedenfalls «kehr als die andere Linie den Interessen der Städte Frankfurt, Wiesbaden und Limburg bienen. Sie führt direkt auf Betzdorf zu dem Ausgangspunkt des Jndustriebezirks von Süden her und würde dann der Verkehr aus dem Jndustriebezirk von Betzdorf über Fehl-Ritzhausen-Marienberg-Wefter- burtz-Limburg und Frankfurt nach Süodeutschland gehen können. Für die Entwicklung des WesterwaldeS wurde biete Linie unzweifelhaft auch große Vorteile bringen. Sie führt von Fehl-Ritzhausen bis Daaden durch eine ganze Reihe von reichen Dörfern hindurch, toaS bei der Linie Rennerod-Burbach keineswegs der Fall ist. Auf dem höchsten Teile des Wester- Waldes liegen nur wenig und arme Dörfer. Auch ist durch die Linie Daaden-Fehl-Ritzhausen eine Entwicklung der Industrie und Landwirtschaft in dieser an Bodenschätzen so reichen Gegend zu erwarten, während man bei der Linie Butbach-Renne-
reli#i5ktBeziehungÄergernis zu geben geeignet sind. Abweichend vom Schöffengericht verurteilte di» Straskammer B. zu einer Geldstrafe, weil die von B. feilgebotene Druckschrift geeignet war, in sittlicher Beziehung AergermS zu erregen. V. sei auch in der Lage gewesen, die anstößige» Stellen der Druckschrift zu er« kennen. Gegen fein» Vernrteilüng legte B. Revision beim Kammergericht ein und behauptete, von einem Druckschriftenhändler könne man unmöglich verlangen, daß er alle Druckschriften, die er feilhalte, durchlese. DaS Kammergericht wies jedoch die Revision als ttubegründet zurück und führte u. a. aus, Wenn eilte Person Druck- schritten feilhalten wolle, so müsse sie sich überzeugen, ob die Druckschriften nicht anstößig feien. Ein Truckschriftcnhändler brauche nicht all» Druckschriften durchzulesen, womit er Handel treibe. Hege er aber gegen eine Druckschrift Verdacht, so müsse er auch die Druckschrift ' ms ihren Inhalt prüfen.
m Köln, 27. Aug. (Sei.) Vor dem Kölner Schöffengericht gelangte heute derZeitungskrieg zwischen de« Kölner SchWettte- metzgern und dem Warenhaus Leonhard Tietz, daS aus Berlin bezogene PferdeWurst als Cervelatwurst verkauft hatte, zum gerichtlichen Austrag. Der Rotzonchef jener Firma Otto Miez bestritt, gewußt zu haben, daß die Wurst Pferdefleisch enthalte, Während die vernommenen Sachverständigen erklärten, eS fei unmöglich, Cervelatwurst zu 85 Pfennigen zu verkaufen. Auf den Antrag des StaatSanWaltS erfolgte Freisprechung; daS Gericht erklärte, dem Angeklagten fei nickt nachzuwcifen, daß er bas Bewußtsein gehabt hab», die Wurst sei gefälscht gewesen,
+ greifet» L Sachsen, 26. Aug. Der mit einem Monatsgehalt von 18 Mark beim Stadtrat zu Lengefeld t. E. angestellle achtzehnjährig« Schreiber Emil Oswald Bieber hatte sich dieser Tage Wegen schwere «Diebstahls vor dem hiesigen Landgericht
Man schreibt tinS: Die Handelskammer in Limburg hat beschlossen, für den Bau der Eisenbahnlinie Bürbach.Rennerod einzutreten. Im entgegengesetzten Sinne
haben sich die Handelskammern von Dillenburg und Koblenz, soweit wir unterrichtet sind, ausgesprochen. Diese beiden Han» delskammern sind für den Bau der Konkurrenzlinie D a a- - den - Fehl ° Ritzhausen eingetreten. ES erscheint uns zweifelhaft, ob der Beschluß der Handelskammer Limburg wirklich den Interessen ihres Handelskammerbezirks entspricht. Die Äriwicklung des Eisenbahnnetzes auf dem Westerwalde ist in den letzten Jahren keineswegs günstig für Limburg, Frankfurt unb Wiesbaden gewesen. Bisher hat von Frankfurt und-Wiesbaden aus nur eine Verbindung nach dem Westerwalde über Limburg-Westerburg nach Hachenburg geführt, eine Linie, welche sich über Altenkirchen weiter nach Au (Linie Gießen-Köln) fortsetzt und den Bewohnern des WesterwaldeS zugleich eine verhältnismäßig bequeme Verbindung nach Köln
verschafft. Durch die sogenannte Westerwald - Quer- b a h n ist und wird der Westerwald hingegen in die Richtung fett. Bereits ist die Strecke . en » W est er bur g, be-
: g dem Verkehr übergeben wor- Verbindung von Westerburg nach
Montabaur ist in Angriff genommen. Augenscheinlich wird auch von Marienberg, da dieser kleine Ort sicherlich nicht als Endpunkt einer Bahn gedacht ist, eine weitere Verbindung zum Rhein hergestellt toemn. Diese Bahnlinien werden un- zweifelhaft dazu führen, den Verkehr des Westerwaldes, des Hinterlandes von Limburg, Frankfurt und WieS- l baden zum Rhein hin zu ziehe«, ein Umstand, der für I diese Städte um 'Jo bedauerlicher ist, als sich aus dem Westerwald eine erhebliche wirtschaftliche Enwicklung vorbereitet, von der aber die drei Städte, wie jetzt die BerkehrSverhältniffe liegen, wenig Nutzen haben werden. Nur eine eingleisige Nebenlinie führt zu dem Westerwalde. Diese Linie wird bald nicht mehr in der Lage fein, den Güterverkehr aufzunehmen. Auch der Personenverkehr ist umständlich und zeitraubend, da neben den über Gebühr langsam fahrenden Zügen bei den nngün»
Llavtverordnttett-Bersarrrmluttg.
In der ersten Sitzung «ach den Ferien wurde eine w» zahl von Magistratsvorla g e« ohne Debatte an di Ausschüsse verwiese«, darunter die Wasserversorgung dp Eckenheim und Preungesheim, die Erweiterung der städtisch^ Telephonzentrale mit einem Aufwand von Mk. 10,000 un ine Asphaltierung der Zeil.
Für die Unterhaltung der gepflasterten Straßen Ober rads wurden auf Antrag Bindewald M. 2100 naä bewilligt.
Bei der Gasversorgung der Gemeinde Bergen-Enkheft trat Stadttz. Beiz energisch dafür ein, daß endlich auch de Stadtteil Niederrad Gas exhalte. Es liege eine vez tragliche Verpflichtung der Stadl Niederrader noch, sich auf dem Vc.
Stadtrat Hengsberger bat um Geduld.
Versorgung Niederrods hänge eine ganze Reihe von Fragen zusammen. Soviel aber sei ficket, daß der jetzige Zustand jetzt die längste Zeit gedauert habe. (Heiterkeit.) Stadtv. Beiz erklärt diese Auskunft für gÄrzlich unbefriedigeM Stadtv. Gräf fragte, to»rin denn eigentlich die Schwierig keilen'der NieoerrWer Gasftage bestehen. Stadtrat H engS. berget: Niemand wird wohl glauben, daß der Magistrat gegen Niederrad einen böse« Willen hat. Bei Seckbach, gen, Enkheim liegen eben die Verhältnisse anders. BeiM nächstjährigen Etat kann ja die Frage von neuem behandelt Weisen. Nach weiteren Bemerkungen des Stadtv. Hütt- manu beantragte Stadtv. Belz, die Nisderräder Gasftage int Tiefbauausschuß zu behandeln. Stadtv. Wedel urrterstühte diesen Antrag. Im Ausschuß werde der Magistrat' wohl nähere Auskunft geben. Der Antrag Belz • SBebef wurde angenommen.
Stadtv. Sittig begrüßte die Erbauung der Ostends Mittelschule und besonders die Einrichtung eines Phh'4 sikzirnmers in der Souchayschule. Der Fortschritt, der un naturwissenschaftlichen Unterricht durch die Einrichtung des Phystkzimmers ermöglicht Werde, sollte auf alle Mitte-, schulen urio erst recht auf die Volksschulen übertragen wer«, de«. Mit den allereinfacksten Mitteln lasse sich viel erreichens wenn sie in einem bescksideren Staunt bereinigt »erben.
Im Ratskeller soll die Küche renoviert werden. Di« Koste«, betrage« M. 3800. Stadtv. Werner verlangte, daß der Pächtex eineh Beitrag zahle. Säadiv. Zielowski 6e«- zeichnete die Stimme ^üs zn hock. ” '1
Plattrnbeloa üttS einfachen Änftriu .... -----
holdt erklärte, auf seine Veranlassung fei bä beste Lack- anstrich vorgeschlagen worden. Die Summe sei nicht zu hoch. Die Vorlage ging an den HochbauausfchUß.
Der Neuregelung der MagifiratSgehälteZ hat die Regierung ihre Zustimmung erteilt. Die Pensionierung eines Lehrers der Frankensteinerschule würde sofort genehmigt.
und ferne Angelegenheit war schon von vornherein erledigt. „Bo^üglich," rief Weitem fröhlich.
Der anbere Mann, bet zweite Angeklagte, hieß Jakob Geffle; er war Taglöhner, 40 Jahre alt unb vermietete seine Arme, seinen Rücken für kärglichen Lohn; er war eine Bestie, ein Arbeitstier von verblüffenbSr Kraft.
Dieser Lump hafte eine Frau unb fünf Kinder. Das alles wimmelte in einem Loch bei Vorstabt unb lebte, man wußte nicht, wie, warum unb wovon.
Es fehlte an Arbeit, sie hatten Hunger, noch mehr als gewöhnlich, — richtigen, schrecklichen Hunger. Anstatt bie Seinen — btefe Banditenbrut — unb seine Frau ruhig sterben zu sichen unb nachher eraebungsvoll selbst zu sterben, empörte sich Jakob Geffle gegen bas Elenb unb bie bestehende Ordnung, bie Gesetze unb tie Gesellschaft. Er stahl Brot bei einem Bäcker, .kletterte über bie Rauet unb erbrach zwei Türen. Von ber Menge verfolgt unb gehetzt, war er tn Wut geraten und hatte blindlings zugcschlagen, drei Bürger verletzt, einen Soldaten verwundet, — Resultat der Galgen.
„Das glaube ich," tief Weitem entzückt.
. Der Richter war recht ärgerlich. Seine alten Gewohnheiten gingen in bie Brüche, wenn er Wettem nicht mehr zu jeber Stunbe sah.; bann würbe fein Freund auch^. nicht wie ^^Mhnlich im Gerichtssaale sein, um sich an seinen Worten zu weihen, feine Beredsamkeit zu bewundern und feinen jnei- ' sterhaften Betrachtungen zuzujubeln. Er verlieh fdmem Schmerz heftige Worte, doch Wettern erklärte. „Ich bin noch «mehr zu beklagen als Du." Er bedauefte ja auch, daß er diese außergewöhnliche Sitzung nicht mitmachen konnte, in ber stch. Heribal gewiß wieher einmal erhaben zeigen würbe, Sitzung, in ber vier verschieberiartige Herzen gequält gepeinigt, vor Verzweiflung jammern und schreien wür- . wo vier seclenvolle Körper vor bei scharlachroten Robe ;besS Richters geblendet unb betäubt unter dem Sausen bes Tiwkswinbes das Haupt neigen mußten. Bier auf einen Mhlag, vier auf einmal — er konnt, sich an eine solche ®e- nicht erinnern; Heridal jedenfalls auch nicht; es war die würdige Krönung etner glanzvollen Laufbahn.
--Du wüst nicht wie sonst an Deinem gewöhnlichen Platze sitzen, unb ich glaube, meine Ener- Me wirb darunter leiben. Ich bin kokett Dir gegenüber, ich suche sorgsaltig nach neuen Worten unb Phrasen, benn ich tö) werbe verstanden. Dann entzückt mich auch Deine H-röhIrchkeit, wenn ich ein Tobesurteil ausgesprochen habe — ach, Du weift nicht, was Du verlierst !"
4, -Doch doch," versetzte ber Arzt, „ich kann die Größe her llnqnnehmlichkeit wühl ermessen, doch ich darf meine Hllfe emer jo machtiM Persönlichkeit nicht entziehen; UM so we- Niger, als die Erben mich reichlich bezahlen werden. Aber, teurer Kamemb, milbere doch mein Bedauern. Da Du doch . gewrjj ermaßen nur für mich sprichst, ft erweise mir dieses ^^^U Mal bie Mr« und zeige Dein Genie für mich ganz ”7™/ ;'teJL fm häuslichen Kreise. Probieren wir wie im Leider werde ich ja
. WO« m.11 Lu. w L K
'sandten Risaal Bei ysrgetragcnm Darstellung hat bie Verwaltung ld-r Dörfer im Ramm des Sultans zur Folge gehabt, daß unirr Aufrechtkrhallmg aller bisherige« ume Abgaben z. B.
auf Diehbeftand, Pflugliere, Holzfällen, Weiderecht und tzeldfrüchte ■gelegt und daß nicht nur die zum landwirtschaftlichen, sondem auch 'hie zu Wshnungszweckcn dienenden, von den Bauer« aus eigenen Mitteln errichlcten Gebäulichkeitm als ausschließliches. Eigentum des Sultans erklärt wurden. Außerdem wurde«' die Dorfbe- Ivohner ang-wirsen, für die Rückkehr der gusgewandeiten schollen- i angehörigen Verwandte« zu sorgen, widrigenfalls auch sie auSge- wiesen würben. Außerdem wurde mit ber Anfiebekung von Türke« aus anderen Teilen dkS Reiches in bie Dörfer, bie von 60,000 bis 7.0,000 Griechen bewohnt sind, bereits begonnen. Bei Gelegmheit dieser Beschwerde wird hier auch bie Abberufung des Mali von Janina Seifullah Pascha wieder gefordert, der seit l»/s Jahren EpiruS verwaltet unb als fanatischer Griechenstind gilt. Derselbe hat sich nach hiesiger Auffassung das Ziel gesetzt, das griechische Element in EviruS zu beseitigen oder zu unterdrückm und es durch Türken oder Albanesen zu ersetzen; durch zahllose tyrannische Eingriffe gegen Private unb Kleriker habe er dir Lage der Griechen zu einer unerträglichen unb rechtlosen gestaltet unb eine Gärung geschaffen, bie bemnächst zu Abwehshanblungw ber Griechen führen wüfft. | '
Venezuela.
Der Reirte'schen Agentur wurde durch das veuezokauische Konsulat in London mitgeteilt, daß die Regierung von Venezuela in Puerto Cabello ein schwimmende SDock unb Sckifftreparatur- Werkstätten errichtete trab nunmehr bereit ist, dort Schiffereparaturetz :L vorzunehme«. Die Länge des schwimmenden Docks beträgt 300 Fttst. ES ist 80 Fuß breit und hat eine Liese von IS Fuß. Zum Zwecke der Reparatur lleinerer Schiffe kann dieses Lock in zwei Teile geteilt
# Kassel, in August. Die diesjährige Hauptversammlung des .SparkasseuverbandeS für dir Provinz Hrffru» Nassau und das Fürstentum Waldeck" wird unter dem Vorsitze deS EtadtrotS B 0 »d i ck r r - Kassel cm 19. und 20. September b. Js. in Gersfeld i. b. Rhön obgehalten werbe». Au» der TogeSvrbnung ist hervorznhebe«: Die Entwickelung brr Sparkasse« bc» Verbandes, Ressrent Assessor R e «f ch - W:e?d»ben, Dirrk- tionSnritglied der Nassauisch«« LarldeSbank; der EeschSftsvcrkehr bei Gewährung von Hypotheken, Reftreut Eparkassen-Dirrktor Wichmann - Eschwege; Maßnahmen ,nr Förderung drr Spartätigkeit, Referent Stadtrat Bordickrr-Kass«; bk Berziusuug ber Epareinlagcu, Referent Sparkassen- Aeudant Huck«-Kassel; dir Höh« und Brrbnchnuä br» RrsrrvrfoubS berSparkasse«, Rescrrnte»Bürgermeister Gärtner«Rintrl» »utz Sparkaffen-Renbant Sommer- Biebrich a. Rhein.
A Montabaur, 26. Aua. Am 2. September feier« in Montabaur lste ehemaligen Schüler beS KatserWilhelmSGymnasiumS ein Stubie«. Erinnern «gSfe st. Von 760 Abiturieutm und zirka 2500 früheren Schülern der Anstalt haben Piel« ihr Erschein«« in Aussicht gestellt.
* Weilburg, 26. Aug. In dem Bericht über bk Einweihung bet Serzog Adolf-DenkmalS hieß eS, daß dir Preußischen «Hörden von der Anwesenheit der Luxemburger nicht die geringste Notiz genommen hätt««. Diese Angabe beruht, wie uns zur Klarstellung gelchrkben wird, ans einem Irrtum. Auf Wunsch der Großherzogin-Mutter vonLuxemburg War die vom Denkmalkomiiee beabsichtigte Einladung an die höheren preußischen staälliche« Behörde« unterblieben, da sie bk Enthüllung des Denkmals «lehr als eine familiäre Eriunerungsftkr angesehen wissen Wollk, die ihr von bet Stadt Weilburg geboten Würde, unb bie sich in engerem Rahmen vollziehen sollte. Diesem Wunsche mußte natürlich Rechnung getragen Werden, sonst wäre« bk höheren staatichen Behörden eingeladen Worden und erschienen. Dagegen haben die zivilen ttttb militärischen lokalen Be- börbcn von ber Anwesenheit bei luxemburgischen Herrschaften Wohl Kotiz genommen; der Lanbrat War zum Empfang auf dem Bahnhof anwesend und nahm nebst dem Kommandeur der Unteioffizierschül« am Empfang aus dem Schloß und an der Festtafel teil; ber Landrat War übrigen? auch Mltglich bc8 Denkmalkomitee's, Wenn bie Teil, «ahme auch bieser Behörde» sich nicht ganz in der sonstigen offiziellen Form bewegte, so geschah dkS ebenfalls auf Wunsch der Großherzogin.
dMannheim, 27. Aug. Der Rechtskonsulent Richard Lipp Wurde wegen Unterschlagung von 19,000 Mark verhaftet. Das Geld War das Vermögen von Lipps Schwiegermutter, das Lipp anltgtn sollte. Er bezahlt« feiner Schwiegermutter regelmäßig di« Sinkst, brauchte aber ba8 Kapital für sich auf.
Rutzlaud.
Aufhebung Des Kriegshafens vo« Libau.
i * Wie russische Blätter melde«, hat dir Regkerung beschlossen im Kriegshafen von Libau, dessen Bau unter Alexander HL begonnen würde und der ungezählte Millionen Rubel verschlungen hat, a u f z u h e b e«. Die auf den Hasen fes gesetzten Hoffnungen haben sich in keiner Weise verwirklicht unb als < Handelstadt ist Libau zmückgegangen. Die Bevölkerung ist daher W mit dem Beschlusse der Regienmg sehr, zufrieden, zumal die
Meutereien i« der Marine gerade in letzter Zeit ver Stadt sehr geschadet haben.
Efc Kaukasische Zustände.
-y X Einen interessanten Beitrag zur Sittenverwilderung im Kaukasus bietet ein neuerlicher Tagesbefehl deö Obersten Neugebauer, der die Stellung eines militärischen Chefs der Transkaukasischen Bahnen einnimmi. Das kuriose Schriftstück lautet: „Während der ersten Hälfte dieses Jahres sind 30 Angestellte der Transkaukasischen Bahn«» eines gewaltsamen Todes gestorben. Darunter befanden stch zehn ältere Beamte verschiedener Dienstgrade und 90 jüngere. Obgleich die gewöhnliche Erklärung für derartige empörende Üebeltaten fast allgemein dahin lautet, daß der Tod dieser oder jener Persönlichkeit infolge einer Verurteilung seitens der verschiedenen revolutionären Kampforganifationen erfolgt - sei, so liegen dennoch gewichtige Verdachtsgründe vor, daß die Mehrzahl dieser Verbrechen begangen wurden, um beseh t e Dienststellen frei zu in ach e n. Damit nun ocrartige schändliche Handlungen ihren Urhebern keinen Nutzen bringen, habe ich es für nötig befunden, sämtliche Stellungen im Bahndienste oder in der Verwaltung, welche ? durch den gewaltsamen Tod ihrer Inhaber frei werden, fortan nicht mehr durch Anwärter aus den Reihen der Angestellten der Transkaukasischen Dahn, sondern durch solche zu ersetzen, welche auS dem europäischen Rußland hierher versetzt werden sollen, wenn derartige Lucken auSzUfüllen sind. In Zukunft wöge man sich also danach richten.^
„Bavo!" rief Wettern.
Der Richter verneigte sich und fuhr fort?
„Was den Barbaren verbrecherisch erschien, erscheint aut den Menschen von heute ungeheuerlich, noch heute heißt es Auge um Auge, Zahn um Zahn; wer tatet, soll wieder ge tötet werden! Ja, sie haben alle getötet, die Elenden, oi da vor Euch stehen. Köving, Geffle, Josefa, Martha. Ja ich weiß, jetzt beugen sie dal Haupt, stammeln erschrocken uni weinen heuchlerische Tränen; doch auch d«r Wolf ist, wem er in bet Falle sitzt, niedergeschlagen, traurig und gebändigt Doch laßt diesen Wolf los, und Ihr werdet sehen! Nein kein Mitleid mit dem, der kein Mitleid gehabt. Köping — wißt Ihr, wer dieser Köping ist, dieser Bettler, der eins Mann tatet, einen vornehmen Herrn, einen Grafen umbringt um ein räudiges Tier zu retten? > Er ist das Symbol, 06 Verkörperung, die Synthese der Unzufriedenheit dieser Welt der Empörer, des Lebens, die ihre kleinen, nur a^usehr vet dienten ^chme^en zum Range bet edlen Verzweiflung et heben wollen, die sich mit her Leidenschaft entschuldigen läM er ist der unendlich Kleine, im Kampfe mit dem unenblta Großen, der auf das Licht eifersüchtige Schatten, bet ewsi drohende Nichtstuer, der überall im, Hinterhalt liegt, um aus alles lauert, was sich auch je ereignen mag. Hier habe? wir de« Haß der Niederung gegen die Höhen bet MenschheÄ
aber wenn ich die Lider schließe, werde ich die menschlichen Grimassen heraufbeschwören. Ich kenne sie so genau, daß ich sie mir vorstellen kann, und Deine Worte werden mich in das Reich des Traumes entfahren."
„Gern,", versetzte Hetidal geschmeichelt.
Aach dem Abendessen plauderten sie in dieser Weise in dem geschloffenen Zimmer, in dem ein großes Feuer flammte und der Dampf der reiche» Gerichte, der entkorkten Flaschen, einen feinen Duft von Wohlbehagen und Heiterkeit ausströmte. Der Anfang des Rausches machte sich bei dem Arzt und dem Richter bemerkbar, und die Röte der guten Verdauung lag auf ihren Wangen. Sie hatten von dem französischen Wein fgetrunken, der ihnen so gut schmeckte und ihrer Natur zufolge ühlten sie sich danach noch bösartiger aufgelegt als sonst.
Der Richter leerte sein Glas, erhob stch und nahm die feierliche, unerschütterliche, tragisch düstere Phystognomie der großen Gerichtstage an. Zuefft erklärte er die einzelnen Verbrechen :
Der erste Angeklagte hieß Oskar Köping, 20 Jahre alt, ohne bestimmten Beruf, vielleicht, wie man später sehen würde, Gaukler oder Seiltänzer. Sein Verbrechen war ungeheuerlich.
Dieser Köping durchzog die Landstraßen mit einem Hunde, einem schmutzigen Tier, das er in Kunststücken unterrichtet hatte, bei deren Vorführung die Passanten stehen blieben und Almofen spendeten. Auf ein Wort, eine Bewegung seines Herrn machte der Hund schön, stellte sich tot, sprang über etnen Stock, fang ,auf den beiden Hinterfüßen und bellte taftmäßig mit diabolischer Stimme. Er konnte noch andere Kunststücke, konnte Karten unterscheiden, sah aber affe schmutzig und häßlich aus. (Eine seltsame Zuneigung verband Mevsch und Tier; man mochte selbst behaupten, dieser 20jährige Gaukler hätt« diesen 15jährigen Pudel von Kindheit an erzogen und sie hätten sich sozusagen stets gekannt, ständen allein auf der Welt unb wären beständig zusammen — das alles mochte man ins Feld fahren, die Beziehungen zwischen diesem jungen Mann und diesem Men Hunde blieben trotzdem unentschuldbar und bildeten eine Demütigung für unsere unsterbliche Seele.
Köping und sein Hund zogen neulich, eines Sonntags, übs» die Landstraße- einem unbekannten Ziel« zu. Plötzlich Dago v. Söderhaun mit feinem Jaqdgefolge Hund des Vagabunden sprang wütend die Beine, das Tier machte erfchrock«
Mr ferne Rolle gezeigt, nie hatte er sein RichteiMt freudiger ausgeübt, nie war er der Strafe sicherer gewesen.
Trotzdem wurde dieses Glück durch einen Schatten ver- büffert. Sechs Tage vor der Sitzung teilte ihm Wettern mit, er wäre in eine ferne Stabt berufen zu einer hohen Persön- ^Mt< dje schwer erkrankt war.
„Ein Sack mit Talern fällt mir da in den Schoß," sagte
„und ich kann nicht Nein sagen — ich werde ein bis zwei Wochen fern bleiben, je nachdem der Fall sich in die Länge zieht, aber jedenfalls nur eine, denn ich werde mein Möglichstes tun, um die Geschichte kurz zu machen — ich fühle mich jä nur bei mir oder bei Dir wohl."
Ei fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, als wenn er andeuten wollte, daß diese Unglücklichen einen ganz besonders leckere Sveise für ihn wären. Zwei Frauen, und dazu zwei junge ünd hübsche!
Wettern riß di« Äuge» weit auf, blinzelte, schnalzte mit den Lippeü und spitzte die Ohren noch schärfer als zuvor.
Heridal fuhr sört:
Zoftpha Misse«, 25 Jähte alt, Magd in einet Her- berg» vor den Toten bet Stadt, eine Nichtstuerin, von ihrer Kindheit an verderbt und verloren, eine Herumtreiberin und dem Bösen ergeben. Eines Abends begegneten ihr vier liebenswürdige reiche Bürgerssöhne auf der Landstraße; sie hatten gut gespeist und waren vergnügt. Sie geruhten, sie anzüfarechen, ihr zu folgen und freundliche Worte an sie zu richten. Zum ersten Male in ihrem Leben wird die Elende wütend, weigert sich, stößt die fangen Leute zurück; sie werden dringen- ber, sie Sache spitzt sich zu, cI kommt zu einer Prügele», und plötzlich bekommt einer der fangen Leute einen Messerstich in die Brust. Die Sache ist Hat."
„Macht drei/ kreischte der Arzt entzückt.
.Letzter Fall," fahr der Richter fort; „Martha Falhun, 18 Jahre aß, Arbeiterin, — eine Liebesgeschichte — die ewige Liebesgeschichte, die siff " ’* ' ’ ’
unschuldiges Mädchen- das 1 . ... ....
Geliebte verläßt sie, will sich anderweitig verheiraten, unb das
n. Berlin Der ZritschriftsnhSndler V. halt« in Berlin am 13. Povemfer 1906 bk Zeitschrift .Sekt" feilg-lot-n. Nach 8 56 (12) ber Gcwrrbeorbm'n, find vom Ankauf unb Feilbieten im Nmher- ziehen solche Druckichriftkn ausqeschlosser, Welch« in ßttlicher ober »iS zu geben geeignet sind. Ab- urteilte bk Strafkammer B. zu einer
