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tragen haben, die uns zum Teil sympathisch, zum Leit zuwider

fprozesseS und desStraf- MajestätSbeleidigungs»

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ichter geworden da wieder ein

Nach welchen Gesetzen daS geht, hat noch kein Gelehrter

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iSkeichSkanzler wieder einmal zu zeigen, daß er nichts anders |ei als fein Höriger, versagte ihm daS Zentrum einen Teil der zur vollständigen Niederschlagung deS Aufstandes in Süd» Westafrika erforderlichen Mittel und fand mit Hilfe der Sozialdemokratie, die arglos und erfreut hinterherlief, dafür auch die Mehrheit des Reichstags.

unsere Freunde in Preußen und die ganze Situation bürgen uns dafür, daß er bald und mit Macht fallen wird, und tote tief er sitzt, das wird die Kraft und der Nachdruck ent» scheiden, mit welchen sich das preußische Volk in der nächsten Zeit hinter die Forderung des Reichstagswahlrechts stellen wird. Das allerdings müssen die Preußen selber machen.

Aber nicht bloß im Reichstage ist es lichter geworden i für unsere Sache, auch sonst leuchtet hie und da wieder ein Stückchen blauer Himmel durch. Vielleicht geht doch die 30jährige Karenzzeit des fortschrittlichen Gedankens allmählich zu Ende.

Konzert findet am 8. Oktober unter Mitwirkung von Frau Gipser-Dresden, statt. Aus Hanau v. 29. dS. wird uns geschrieben: Das fiiefiae Stadttheater, dessen Leitung

fei, unerbittlich sich herabsenkie, verließen die Verehrer Schil» lerS betrübt das Haus.

--- sSkademischeNachrichten.) Man schreibt uns aas Tübingen: Zn der ersten Hälfte des Oktobers werden hier medizinische Ferienkurse abzrhalten von Privatdozent Dr. Merzbacher über Psychiatrie mit Krankcndemonstrationen und von Privatdozent Dr. Schlager über innere Medizin; gleichzeitig findet ein Fort­bildungskurs für Militärärzte statt. Der Privat» dezent Sie. Dr.H. GrrßmanuinKielhat einen Ruf als a.o. Pro- stffor für alttestamentliche Theologie an die Berliner Universität erhalten und angenommen; er tritt au Stelle von Pros. H. Gunkel, der nach Gießen überfiedelte.

= .[Siebte Mitteilungen.^ Man schreibt uns: Neue Teile der.themistokleifchenStadtmauer von Athen sind von Prof. Dr. N o a ck am Dipylon freigelegt worden, die eine vollkommene Bestätigung des bekannten Berichtes des Thuky- . dldes brachten, daß zur Herstellung der Mauer alles erreich­bare Steinmaterial in Eile herangezogen wurde. Es fanden sich in den Mauerresten viele Grabsteine und Skulpturdenkmäler der Perserzeit verbaut. In Wien, wo, wie bekannt, seit einiger Zett die Blattern grassieren, stehen sich die Anhänger und die Gegner der I m p f u n g schroff gegenüber, und an der Spitze der letzteren steht der Wiener Oberbürgermeister Lueger. Unter den Unterzeichnern einer gegen die Impfung gerich­teten Interpellation im niederösterreichischen Landtag befindet sich auch ein bekannter klerikaler Heißsporn P. W. Der fromme Jmpfgegner muß nun, wie ein Arzt in einem Wiener Blatt mitteilt, seit einigen Tagen das Zimmer hüten. Grund seines vorübergehenden Unwohlseins: allzustarkes Aufgehen seiner Impf pusteln. Aus Genua wird berichtet: Der Geo­loge Prof. Joly hat jetzt die wissenschaftliche Untersuchung der beim Bau des Simpiontunnels angebohrten Ge­steinsschichten beendet. Er hat bei dieser Gelegenheit in verschiedenen Bruchstücken bedeutende Spuren von Radium gefunden, die ihn zu dem Schluß veranlaßt haben, daß sich tn dem Gebirgsstock die reichhaltigsten Radiumlager Europas befinden. Er glaubt, daß die beim Bau des Tunnels beobach­tete ungeheure Hitze eine Folge der abnorm starken Radimn- strahlung gewesen ist. Aus Parma wird v. 27. ds. ge­meldet: Gestern wurde hier ein Denkmal des aus Parma ge­bürtigen Afrikaforfchers Vittorio Bottego enthüllt. Bottetzo (geb. den 1. August 1860) war am 4. März 1897 in Südabessinien verräterisch getötet worden. In Tokio erscheint seit kurzem eine FrauenzeitungTie Frau des 20. Jahrhunderts", deren Herausgeberin die sozialistische, auch in Amerika bekannte Schriftstellerin Uta Jmai ist.

[Kleine Theater- und Knnst-Chrontk.f Das Frank­furterHock- Quartett" hat seine Kammermusik- Abende in den kleinen Saal des SaalbaueS verlegt. DaS erste

I Direktor ©t es ft er übernommen hat, eröffnete heute die Spielzeit erfolgreich mit Wildenbruchs SchauspielDie Naben st einerin". Darstellung und Inszenierung ließest keinen Wunsch unbefriedigt. Man schreibt uns aus Gie­ßen v. 29. ds.: Direktor H. Steingötter eröffnete heule Abend die neue Spielzeit im neuen Stadttheater mit ShakespearesWintermärchen". Die Inszenierung war glänzend. Herr Weingärtner gab den König von Sizilien, Herr Goll den König von Böhmen, Frl. Aehierberg die Königin Hermione vortrefflich. Eingeleitet wurde der Abend durch eine vom Herrn Steingötter arrangierte PantomimeBom alten zum neuen Haus", die in eine Huldigung an Gießen ausklang. Im neuen Theater wird wöchentlich an vier Wenden gespielt werden, zwei Abende pro Woche sind für Marburg be­stimmt. Aus Würzburg wird uns v. 29. ds. berichtet: Das Stadttheater wurde gestern mit WildenbruchsRä­be n st e i n e r i n" eröffnet. Frl. Grundmann, (Bersäbe), Herr Kjutzel (Bariolme Welser) und Herr Dworkowski (Nun- nenmacher) verhalfen dem Stück zu einem vollen Erfolg. j Aus Nürnberg v. 29. ds. schreibt man uns: Geister» hat i das Intime Theater seine Winterspielzeit eröffnet,und zwar in diesem Jahre wieder unter Leitung seines Begrün»" ders Emil Meßthaler. Die Vorzüge der Meßthalerschen H Direktion: geschickte Auswahl des Personals, peinlich sorg­fältige Einstudierung und trefflichere Inszenierung der Stücke brachten schon dem ersten Abend wieder feine Signa­tur. Henry BernsteinsBaccarat" begegnete lebhaftem Interesse. Die in Frankfurt wohlbekannte Frl. Hedwig Lange gab die weibliche Hauptrolle, den Spieler gab Herr Metztha- ler selbst. Auch Herr Keller-Nebri, der den neu baronisierten Vater des sich aufopfernden Weibes darzustellen hatte, er­wies sich als eine tüchtige Kraft des neuen Ensembles. Wie man uns aus Weimar berichtet, gab es dort am Samstag auf der JnterimSbühne des HoftheaterS im Tivoli einen Goethe-Abend, der durch eine vorzügliche 1 Aufführung derGeschwister" mit Frl. CI. Schneider D als rührender Marianne und W. GahrS als leidenschaft- 1 licher Wilhelm und durch die Vorstellung betSaune b e S Verliebten" auSgefmlt wurde. Das HauS war gänzlich 1 ausverkauft und der Betfall ungewöhnlich. Am Samstag i ist in Nürnberg, wie unS von dort geschrieben wird, der j hervorragende Architekt Theodor Eyrich int Alter von 68 | Jahren gestorben. Besonders aus dem Gebiete des Kirchen- baueS hat sich Eyrich einen Namen gemacht. Professor H Friedrich Hermann, seit 1847 Lehrer für Violine und j Viola am Konservatorium in Leipzig, in weiteren Krei- j fen bekannt durch Herausgabe zahlreicher klassischer Werke für 4 Streichinstrumente, ist, wie man uns mitteilt, 79 Jahre alt» | gestorben. Hermann, der in früheren Jahren als erster: | Violinspieler auch Mitglied des Leipziger Gewandhaus- Orchesters *nm. stammte aus Frankfurt. N

So weit ich übersehe, glauben die meisten von uns, welche die Sache genau verfolgt haben, nicht an die Notwendigkeit und nicht an die Nützlichkeit eines solchen Zentralvereins. So wertvoll ihnen jede organisierte Mitarbeit erscheint, so sehr sie die bedeutenden Kräfte, die innerhalb des Vereins tätig sind, schätzen, fürchten sie doch, daß ein Verein neben oder sozusagen

denen Herrn gehörte, in die Hand. Lächelnd empfing ihn der Großherzog und sagte:

Aber, lieber Herr Professor, wollen Sie nicht wenigstens einen Zylinder ablegen?

Der Professor schleuderte den fremden Hut von sich, griff betroffen nach der Stirn, riß den eigenen Hut herab und stammelte wehmütig:

Königliche Hoheit haben recht. Zwei Hüte sind entschieden zu viel für einen Mann, der den Kopf verlor en hat!"

Den Ihrigen haben Sie nun aber toiebergefunben, lieber Herr Professor, nun behalten Sie ihn immer oben!" rief der Großherzog unb drückte ihm freundlich die Hand.

1 [Mainzer Theaterbrief.I Aus Mainz wirb uns vom 29. ds. gefchrieben:Die List", Schauspiel in zwei Akten von C. Lahm unb K. Dreh er, nach (Staube Ro­land unb HerventLa ruse", erlebte heute im Stadt­theater feine deutsche Uraufführung. Jakob, der Sohn tiroler Bauern, ist in der Stadt Professor, unb hat gegen ben Willen feiner Eltern, deroafachn Bauerleut, e'saubre Stadtfräulein gheirat." Um feine Eltern an die Frau,die eahm glei a Kind mit zwoa Jahr" in den Ehestand mitaebrachi hat, zu gewöhnen, gibt Jakob feine Frau, Rosa, für die Gat­tin seines Freundes Dr. Ralf aus. Da Ralf und Rosa sich nicht befeinden,' finden sie sich gut in ihre Rollen unb die Sache nähme auch einen ganz normalen Verlauf, wenn der alte Bauer kein so scharfes Gehör besäße. Er vernimmt nachts ein Geräusch, holt fein Gewehr unb legt auf Dr. Ralf an, der auf einer Leiter an Rosas Fenster steht:Antwort oder i schiaß!" ruft er Ralf zu, den er für einen Einbrecher hält. Als der Pseudogatte sich zu erkennen gibt, sagt der Alte unter Lachen:Sie hätten net zu fensterln braucha tuans ganz a so, als wenn S' z'haus waarn." Nachdem Jakob, (im 2. Akt) den Charakter seines Freundes und feines süßen WeibeS"' erkannt fiat, jtoingt er sie, die . Rolle, die beide zum Schein spielen sollten, im Ernst fortzüsetzeu: Dr. Ralf mutz mit Rosasofort abreisen". So rächt der Professor seine beleidigte Gattenehre unb überläßt es dem Zuschauer, ob erTie List" als gelungen ober als mißglückt aüffaffen will. DaS etwa 70 Minuten spielende Stück fand in seinem Ge- misch von ernsten und heiteren Elementen ein zustimmendes Publikum, das am Schluffe neben den Damen Richter und Roths sowie den Herren Liebscher, P l e tz und S p r i n- 6 e r auch den einen der Verfasser, Herrn Roland, wiederholt rief. In der darauffolgenden OperFra Diavolo" gestierte Frau Schröder. Kaminzki (Wiesbaden) als Pamella erfolgreich neben Herrn Barron-Berthald, der die Titelrolle sang. Die um die letzte Szene des 6. Aktes in der Nachmittags-Vorstellung gekürzteMaria Stuart" hatte das ausverkaufte Haus m nicht geringe Erregung ver­setzt. Die Zuschauer wollten absolut das ganze Drama sehen. Doch Elisabeth und ihr Hofstaat hatten sich längst zurück- . gezogen. Erst als derEiserne" aum Zeichen, daß alles aus I

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Man kann nicht gerade sagen, daß der Zusammenschluß ganz leicht vor sich gegangen fei, eS war von allen Seiten viel Geduld unb viel guter Wille von nöten, und wenn wir von der Deutschen VoÜspartei nicht in der öffentlichen Mei­nung so vorgearbeitet hätten unb daS Vertrauen bet anderen Parteien nicht feit langem besäßen, wäre wahrscheinlich die Bombe der Reichstagsauflösung geplatzt, ehe wir uns zu­sammengefunden hätten. So konnte schon im Wahlkampf das planmäßige Zusammengehen der drei Parteien anderen liberalen Gruppen Gelegenheit zum Anschluß und zum Zu- sammenarbeiten geben und die Parteigenossen manchen Wahl­kreises wissen, wie viel sie zum Beispiel der Mitwirkung der süddeutschen Liberalen verdanken.

Mauern, die zwischen unS bestanden, sind gefallen, neue Bande haben sich geschlungen, und, wenn der entschiedene Li­beralismus nun etwas zuversichtlicher in die Zukunft schaut,, so ist es nicht nur, weil ihm die. Gunst deS Augenblicks ein wenig lächelt, sondern weil er weiß, daß er sich unter mancher Selbstentfagung selbst in die Sage versetzt hat, so zu arbeiten, wie eS erforderlich ist, wenn er etwas bedeuten soll.

Niemals wat uns je der Zusammenschluß nötiger als gerade für dieses Jahr.

Die Organisation funktioniert, wie ihr daS auÜtf auf dem Freisinnigen Parteitag freudig bezeugt wurde. Bis jetzt recht gut.

Daß nun sofort alles ganz glatt unb ohne Reibungen der- laufe, kann ein vernünftiger Mensch nicht erwarten. Wir n der Teutschen Volkspartei sinb in einer angenehmen Sage: Konfliktsstoffe zwischen uns unb ben Beiben anderen Parteien waren stets selten unb würben von Iaht zu Jahr seltener, feit Jähren verkehren wir freunbschaftlich mit beiden. Anders Bet ben beiden anderen, die Jahre hindurch in scharfem per­sönlichem und sachlichem Konkurrenzkampf gegeneinander statt» den. Keinem Menschen ist es gegeben, die in dieser Zeit ge­wonnenen Eindrücke unb Anschauungen mit einem Schlag voll- stänbig zu verwischen ober, gar in ihr Gegenteil zu verwandeln. Es ist aller Ehren unb alles Dankes teert, daß der Zusammen­schluß soweit gediehen ist. Zeit unb Zusammenarbeit allein können bte noch verbliebenen Reste des früheren Mißtrauens beseitigen, Verschiedenheiten bes Temperaments, Nuancierung der Auffassungen, toerben stets ihre Wirkung auSüben und so kommt es vor, baß einmal einer einen Seitensprung macht, welcher der allgemeinen Richtung unserer Taktik widerspricht, ober, baß bann bie andern bei der sachlichen Abwehr persönlich beS Guten etwas zu viel tun.

Das muß man nicht tragisch nehmen. Bei gutem Willen ^unb dieser ist allerseits vorhanden 1 kommt man über viel größere Schwierigkeiten weg. Die Organe zur Schlichtung sind äußersten Falls vorhanden, und toaS die Deutsche Volks- Partei an freundschaftlichem Ausgleich leisten kann, wird sie freudig leisten. Hinwegkommen wird man auch,,siber die un­angenehmste aller Erscheinungen, daß hier und da Organe, auf welche der Block selbst ohne Einfluß ist, bewußt oder un- beteüßt an der Störung unseres Friedens arbeiten. Alle diese Trübungen werden übrigens zurücktreten in dem Augenblick, in welchem d^r liberale Block, zu freiheitlicher Arbeit Berufen, mit Erfolg in die praktische Politik eingreift. Ist ein solcher Zeitpunkt in nahe Aussicht zu nehmen? Prophezeien ist ein mißliches Handwerk, aber ich glaube: ja! und möchte gleich Bei fügen: wenn nicht jetzt, dann wahrscheinlich auf sehr lange nicht mehr. Die Sage ist nicht eipfach, aber ziemlich klar. Vom Reichskanzler wollen wir hier nicht lange reden: er steht und Mi mit der Politik des KaltstellenS des Zentrums, die er_am 18. Dezember eingeleitet hat. Man mag von der Ver­träglichkeit und. Anpassungsfähigkeit beider Faktoren noch so viel halten: In die Bruderarme können sich das jetzige Zentrum und der jetzige Kanzler nicht mehr sinken. Und ba- der Kanzler allem Anschein nach derzeit nicht bie Absicht hat, zu resignieren, dürfen wir annehmen, daß er alles daran setzen wird, seine Politik durchzusetzen.

ES hat auch den Anschein, als ob er dazu auf Unterstützung von oben ich meine nicht ben Himmel (Heiterkeit) zu rechnen hätte, unb als sicher nehme ich an, daß die verbün­deten Regierungen, die wohl auch alle ihre Erfahrungen mit dem Zentrum gemacht haben werden, seine Politik aus Ueber­zeugung mitmachen. .Die Schwierigkeit liegt nur darin, für dieselbe eine sichere Mehrheit im Reichstag zu finden. Das erscheint verhältnismäßig einfach, soweit sie negativer Art, d. h. nur darauf gerichtet ist, daS Zentrum in die von ihm jahrelang eingenommene ausschlaggebende Stellung nicht wie­der einrücken lassen.

Aber damit ist natürlich noch nichts getan: das Reich hat positive Ausgaben zu erfüllen unb da sich daS Zentrum nach menschlichem Ermessen, soweit dieselben unangenehmer Natur sind, seiner bisherigen Mitwirkung dazu entschlagen wird uttb mit einet vernünftigen Politik der Sozialdemokratie heute noch nicht zu rechnen ist, wird diese Aufgabe der kleinen MeK- heit, dem sogenannten Block zufallen. Von der unglückselige^ BezeichnungPaarung" ist man zweckmäßiger Weise wiedxt abgekommen. Konservativ und liberal, die geborenen Gegend sätze, können sich nicht paaren, d. h. zu einer inneren Einheit zusammenfinden, sie würden damit nutzlos gegenseitig ihre Existenzbedingungen aufgeben. .Wegen dieses begreiflichen, unüberbrückbaren Gegensatzes können sie auch taktisch nicht auf Zeit und Ewigkeit zusammengehen.

Aber sie können sich auf kürzere ober längere Zeit zu plan­mäßiger Verfolgung Bestimmter Ziele und zu einheitlicher Be­sorgung gemeinschaftlicher Geschäfte zuscnnMntun, und das haben sie im Reichstag auch bereits getan, und auf diesem Vorgang beruhen für bie nächste Zeit unsere Hoffnungen.

Daß habet sich bet eine Teil dem anderen, etwa zur selbst­losen, lückenlosen Durchsetzung des politischen und wirtschaft­lichen Programms beS anberen zur Verfügung stellen werde, hat keiner vom anderen erwartet.

Im großen und ganzen muß jeder Bei seiner Weltan­schauung unb seinem Programm bleiben ; aber verständigen kann man sich von Fall zu Fall, ja gewisse Richtlinien sind wenigstens für die nächste Zeit jetzt schon gegeben.

Im übrigen wird jeder Teil damit rechnen müssen, daß er bie Erfüllung manchen Wunsches wird vorerst zurückstellen müssen, und eS müßte seltsam zugehen, wenn der eine ober der andere nicht auch hie und ba in bie Lage versetzt würde, zu einet Maßregel feine Zustimmung zu geben, der zuzu- stimmen ihm herzlich widerstrebt.

Wir von der Linken sind jetzt eben auch im Reich in der Stellung angelangt, in der wir uns in Württemberg schon lange befinden, daß wir nicht mehr auf das theoretische Be­kennen unseres politischen Glaubens angewiesen sind, sondern mit die manchmal außerordentlich schtoere Verantwortlichkeit für das Scheitern ober baS Zustandekommen von Vorlagen zu

Dazu sind selbstverständlich, will man nicht baS Schicksal dieser Reformen allen Zufälligkeiten der rein parlamen­tarischen Behandlung aussehen, Vorbesprechungen nötig; haben teir'S ja doch immer den Regierungen zum Vorwurf gemacht, wenn diese ihre Vorlagen ohne jede Fühlung mit der Volksvertretung eingebracht haben.

Daß man bei diesen Vorbesprechungen nun auch die LinkS- liBeralen hört, ist ein Fortschritt, mit dem wir vor Jahresfrist noch nicht rechnen durften. Diese Besprechungen haben aber in den letzten Wochen, soweit sie wegen der damit verknüpften Umständlichkeiten in die Oeffentlichkeit gekommen sind, bei Freund und Feind eine Beachtung gesunden, die mir über ihre innere Bedeutung hinauszugehen scheint. Namentlich meine, den meisten scheint'? ganz unerwartet gekommene, Ein­ladung zu einer solchen Konferenz hat etliche Betrachtungen ausgelüst, die ich mit einigen halb persönlichen Bemerkungen richtig stellen möchte.

ES wäre, ich muß sagen, leider verfehlt, daraus ben Schluß SU ziehen, als ob nun süddeutsches Wesen und demokratischer Sinn der Reichsregierung ihren Stempel aufdrücken würden.

. I ch habe mir nicht eingebildet, daß der Reichskanzler am Ufer der Nordsee die Hände gerungen und gerufen habe: Ich kann und ich kann den Reichskarren nicht mehr weiter ziehen, telegraphieret mir den Payer!"

Ich habe auch nicht an die Möglichkeit gedacht, daß mich der Reichskanzler der schönen Augen der Dolkspartei wegen Berufen haben könnte. Ich war selbstverständlich erweise ein­fach dort in meiner Eigenschaft als Vorsitzender einer Gruppe des Reichstags, die mit zum Block gehört, um unsere Auffas­sung über die schwebenden Fragen zum Ausdruck zu Bringen und zu hören, wie andere Leute sich dazu stellen.

Einige Freude hat mir die verblüffende Entrüstung meiner Segnet Bereitet. Unser toürttembergifcheS ZentrumSorgan hat herausgebracht, daß sich ob dieser Reise nicht bloß unser alter Freund Karl Mayer, sondern auch fein Gegner, der Fürst Bismarck, im Grab herumgedreht haben. Der Herr ReichstagSabgeordnete Südekum, der doch auch wissen könnte, daß der Verkehr mit Fürstlichkeiten nicht ohne, weiteres an­steckend wirkt, prophezeit allen den politischen Tod, welche beim Reichskanzler gefrühstückt haben und erst vor einigen Tagen hat man vom See einen Artikel eingefanbi, dessen Verfasser ohne nähere Kenntnis beS Sachverhalts bie Tatsache feststellt, dcch der Reichskanzlei mich persönlich eingeseift habe.

Das sinb ja natürlich alles unbegrünbete Besorgnisse. Weiter will ich nichts betraten.

Was bei diesen zahlreichen Vorbesprechungen nun heraus­gekommen ist? Wahrscheinlich weiß das heute überhaupt noch niemand. An dem guten Willen des Kanzlers, uns soweit immer möglich gerecht zu werden, glaube ich aus inneren unb äußeren Gründen, im übrigen werden teirS in einigen Wochen sehen, wenn toirS nicht etwa vorher hören. Ich will inich deshalb auch nicht auf Vorrat freuen unb nicht auf Lager drohen. Bis Mitte November können wir noch warten. Ich habe mich besonnen, oB nicht ein unbeteiligter Dritter heute eine Resolution an die Reichstagsfraktion Beantragen solle. Es scheint mir aber, mir kommen dabei nicht auf bie Kosten. Wir in der Fraktion wissen ohnedies, daß unsere feststehenden Grundsätze und unser Programm die Richtschnur unseres Han­delns sein müssen, daß wir bemüht sein müssen, Fortschritte im demokratischen Sinne zu erzielen, und daß wir günstige Gelegenheiten uns nicht entgehen lassen dürfen, wir wissen auch, daß die Fortschritte möglichst groß unb bie Opfer mög­lichst klein fein sollen unb wir wissen, daß es bei allem Ent­gegenkommen schließlich eben doch Grenzen gibt, bie wir nicht überschreiten dürfen. Das alles werden wir ohnedies beher- zigen und wir sind uns auch bewußt, daß wir übers Jahr Ihnen Aug' in Aug' Rechenschaft abzulegen haben über alles, was wir getan und gelassen haben. Wollen Sie uns aber auch noch eine schriftliche Instruktion mit auf ben Weg geben, so wirb uns baS angenehm fein, nur vor einem sollten wir uns heute hüten, daß wir nicht auch einen Lobzettel der Nordd. Ällg. Ztg." abbekommen. Dieser Segen erleichtert unS bie Blockarbeit nicht. Dis jetzt, das kann man sagen, hat auch biefer Block, wenn auch ohne Begeisterung, so doch

gut funktioniert, er fit über einige Steine, dte^hrnW^^W trum listig inS Rad geworfen hat, kaltlächelnd BintoeggefafiSSS

Mit einigen Worten mutz ich noch auf das LandtagSteahltecht zu sprechen kommen. Man kE uns Süddeutschen seitens der konservativen preußischen BtEZ sehr untierblümt zu Gemüte geführt, daß wir darüber ben Mund tu halten haben, weil wir keine Preußen seien!

lich. Tie preußischen Liberalen legen Wert darauf, unseres Anschauung zu kennen, unb selbst wenn sie uns daS Recht mag geben würden, darüber zu teben, so wurden wir es uns ein­fach nehmen.

Es gibt im ganzen Reich keine Krankheit, die so unberjefkl lich verschleppt und vernachlässigt worden ist als das preußisW Dreiklassenwahlrecht, und eben so sehr als Preußen hat untegl dieser Krankheit das Reich gelitten. ES ist ein großer Fortis schritt, daß daS, was bisher immer nur einzelne ohne Erfolgs predigten, nun plötzlich allgemeine Einsicht in Preußen ge." worden ist, daß man nämlich in Preußen nicht hinter fast- allen anderen Staaten mit dem Wahlrecht zurückbleiben bürfti unb daß beide Berliner Volksvertretungen auf bte Dauer siW und bie ganze Politik lahm legen, wenn sie sich nach entgegen»! gesetzten Prinzipien zusammensetz en. Ueber das, was zu tier«| langen ist, kann vor allem bei ben Angehörigen der Staaten,! welche das Reichstagswahlrecht für ihre Vertretungen eilige«! führt haben, kein Zweifel fein. Aber auch in Preußen selbst! zweifelt jetzt darüber niemand mehr, der ernstlich Anspruch auf ! |ett Titel eines Liberalen erhebt.

Richt als die dringlichste Ausgabe erscheint eS allerdings f zur Zeit, darüber zu Beschließen, was geschehen soll, toenn: der Baum nicht auf den ersten Streich fällt.

Noch ist der erste Axthieb eigentlich nicht gefallen, aber:

herausgebracht, aber sicher ist, daß so gewiß die Jugend, namentlich die akademische ein Menschenalter hindurch in den Reihen unserer Gegner war, oder bei Seite stand, so gewiß eben diese Jugend jetzt wieder begonnen hat, für das Ideal des demokratischen ober wenigstens beS liberalen Gedankens auf ben Plan zu treten.

Wenn sie dabei mit einem tüchtigen Tropfen sozialen OeleS gesalbt ist, so darf gerade die Deutsche Volkspartei das doppelt begrüßen.

Das flimmert und schwirrt jetzt mit Neubildungen und Kundgebungen durcheinander, daß niemand mehr ganz zu folgen vermag. Aber es ist doch wieder Leben im Reich und mag Temperament und historische Entwicklung noch so ver­schieden wirken, ein Gedanke zieht sich doch durch alles durch: nicht Rückschritt, nicht Stillstand, vorwärts, vorwärts, baS deutsche Volk Hai die Pflege seiner freiheitlichen Güter so lange hintangesetzt, daß keine Stunde mehr zu verlieren ist.

So tönt eS, und das ist die Melodie, welche dem demo­kratischen Geiste wieder zu feiner Geltung verhelfen mutz, und mir haben gar nichts dagegen, toenn jugendlicher Heber- eifer unS vorwärts drängt: du lieber Gott, teer wie wir zur Zeit sein politisches Brot im Block suchen mutz, mutz auch noch etwas Anregendes für fein Gemüt haben.

Es kommt für uns auch die Frage, in welcher Form und in welchem Verband sich diese Kräfte regen, erst in zweiter Linie, so sehr wir selbstverständlich davon überzeugt sind, daß keine Partei so viele Vorzüge aufzutoeisen hat als bie demokratische.

Wenn nun von allen Seiten lebhaft gearbeitet wird, wenn nun immer ein Licht sich am anderen anzündet, bis eine all­gemeine Helle ersteht, baS andere mutz sich finden, und wir glauben, nvt dem Zusammenschluß der Linken und unserem Mindestprogramm der künftigen Entwicklung eine gute Richt­linie gegeben zu haben.

Schwierigkeiten machen diese Strömungen uns persönlich wenig, umsomehr aber die nationalliberale Partei, die wohl nicht ohne Grmid annehmen wird, daß sich dieselbe zum Teil, auf ihre Kosten entwickele, toenn auch bie neuen Organisa­tionen sich meist aus solchen Elementen rekrutieren, bie bisher dem politischen Leben ganz fern gestanden sinb.

Gerade jetzt ist ein sehr lebhafter Streit über bie Stellung der mächtig anstrebenden jungliberalen Bewegung gegenüber den Nationalliberalen, toenn ich recht verstehe, auch Wer die Stellung der verschiedenen jungliberalen Schattierungen zu­einander selbst.

Er ist selbstverständlich, daß bte Sympathien der demokra­tischen Partei am meisten bei der Richtung sinb, die am weitesten links steht, und es..ist unser gutes Recht, jeder der i beteiligten Gruppen um so mehr EtftlZ zu wünschen, ft näher sie dem demokratischen Programm unb unserer größeren politischen Lebhaftigkeit steht.

Unsere Stellung gegenüber ber nationalliberalen Partei hat sich aber feit letztem Winter gleifalls wesentlich verändert: mancher Stein des Anstoßes ist zwischen uns weg­gefallen, wir sind näher aneinander herangetreten, wir sind in einigen Staaten sehr nahe in ber positiven Arbeit direkt aufeinander angewiesen, unb wir haben Grund in der An­nahme, daß der entschieden liberale Ton, auf welchen fast überall die neuen Strömungen gestimmt sinb, auch seine Rück­wirkung auf bie alte nationalliberale Partei ausüben werde, die allerdings auf, diesem Gebiet viel nachzuholen hat.

So haben wir uns ohne besondere Verabredung still­schweigend durch die ganze Partei hindurch auf den Stand­punkt gestellt, daß wir uns jeder Einmischung in bie partei­politischen Verwicklungen zu enthalten haben, bie als Feind- feligleiien gegen bie Partei gebeutet werden könnte. Steckt tn den jungen Bewegungen bte liberale Kraft, bie wir ihnen Zutrauen, so werben sie auch bie Form zu finden wissen, in ber sie ber Freiheit bie besten Dienste leisten können, sei es innerhalb, sei es außerhalb beS Bestehens ber Organisation.

Aehnlich ist auch unsere Stellung gegenüber ber Schöpfung beSNationalvereins", dessen Stellung wir nicht alle gleich­mäßig bewerten.

Da gilt eS eben abzuwägen, was für bie Sache des Fort- !chritts den größeren Gewinn behaltet, unb wo dieser Fort- chritt nicht klar und bedeutend ist, oder wo bie verlangten Cpfer nach unserer Ueberzeugung nicht gebracht werben können, muß man eben lieber die Sache scheitern lassen..

Wir in Württemberg haben uns im gtoeifelSfaK immer ge­fragt, ob wir sicher seien, daß baS, toaS wir tun, auch zteeisel- . toS bie ehrliche Zustimmung ber großen Mehrheit unserer Parteigenossen finde. Und ich glaube, so werden wir es auch im Reich halten.

Was der Rechten die Zustimmung zu manchem erleichtern wird, was bet Reichskanzler von ihr verlangt, baS Gefühl beS lebhaftesten und wärmsten Dankes für das Viele, was er ihr tu oen letzten Jahren Gutes erwiesen hat» fehlt hei uns.

j. Umgekehrt müssen wir sagen: Der Liberalismus ist seit vielen Jahren so über die Matzen stiefmütterlich behandelt worden, daß er gar nicht mittun kann, wenn ihm nicht wesent­liche Zugeständnisse gemacht werden. Handelt es sich doch bei den meisten Reformen eigentlich nicht Darum, ob sie überhaupt gemacht werden sollen, ob wir z. B. für Deutschland ein freies Vereinsrecht bekommen ober nicht, sondern auch noch darum, wann fic gemacht werden sollen. Allzu groß sind die Opfer also nicht, bie wir von der Regierung unb ber Rechten ver­langen.

Der Reichskanzler ist auch bereit, sie zu bringen: in feier­licher Rede hat er schon im Januar im Reichstag al8 Re­formobjekte bezeichnet: Verein fachnngen und Ersparnisse in der Armee, bas Vereins- und Versammlungsrecht, bie Börfengesetzgebung, dieReformbeSStrafprozefsesundbesStraf- rechts, namentlich beS MajestätSbeleibigungs- Paragraph en unb dazu Fortführung einer kräftigen Sozialpolitik. Dazu sollte inzwischen, nach ber lebhaften Aufmerksamkeit, welche dieser Frage neuerdings von allen Seiten gewidmet wird, auch noch von rechtswegen bie Wahlrechtsreform in Preußen ge­treten fein.

Daß baS Fragen von ber allergrößten Bedeutung für baS Leben ber Nation unb beten fortschrittliche Entwicklung sinb, baß namentlich auch bie letztgenannte Reform, falls sie mit auf das Programm gesetzt wird, nicht bloß auf Preußen sondern auch auf daS Reich eine lebhafte Einwirkung hervor­bringen mutz, ist jedermann klar und wir wären Toren, wenn wir nicht alles versuchen würden, dieselben jetzt in unserem Sinne zu lösen.

Uns fehlen unsere Freunde im Reichstag umsomehr, als £! aller Voraussicht nach häufig zu spitzen Abstimmungen körn­en wird, und als man annehmen bars, daß daS Amt eines fiolkSparteilichen Reichstagsabgeordneten künftig etwas mehr Anhalt haben wird als seit langem. Gott sei Dank tzeht es ja feit diesem Winter in unserer inneren Politik auch wieder einmal ettoaS drunter und drüber. Nicht bloß im Parlament, Jandern auch im Parteileben, nicht bloß im Reich, son­dern auch in den Einzelstaaten ist wieder etwas los. Vor Dauter Blocks kennt man sich nächstens fast nimmer aus. Uns berührt vor allem, toaS für den Gedanken der libe­ralen Einigung seit unserem letzten Parteitag geschehen Ast. Hier sind Fortschritte zu verzeichnen, auf die ton stolz fein dürfen. Im Oktober vorigen Jahres lud unser damaliger fengerer Ausschuß in Frankfurt die Freisinnige Volkspartei .... unb die Freisinnige Vereinigung zu einer großen Versamm­lung nach Frankfurt ein, zu bet auch Liberale Zutritt haben jfoCten, die keiner Partei angehören. Der Zweck war, ein (engeres Zusammenwirken ber Liberalen herbeizuführen. Diese jsSerfammlung kam zwar nicht zustande, weil die Freistnnig- YLolkSpartei sich von ihr keine Gewähr eines Erfolgs versprach, 'wohl aber, 'was wohl zweckmäßiger war, im November eine vertrauliche Besprechung ber drei Parteien in Frankfurt. Es wurde beschlossen, immer unter voller Wahrung ber y&elbftänbigleit ber einzelnen Parteien auf ein Zufammen- sgehen bei ben bevorstehenden Reichstagswahlen hinzuwirken, -zur Förderung des Zusammenwirkens der Linksliberalen seinen Ausschuß von Vertrauensmännern zu bilden und in Seinem gemeinsamen Aufruf auf die Notwendigkeit beS Zu- [ammengehens aller wirklich liberalen Kreise hinzuwirken. | Dieses Programm wurde auch verwirklicht.

, In dem Wahlkampf, der unerwartet schon einen Monat ^nachher ouSbrach, gingen die Parteien zusammen, der Aus- ischuß hat sich am 14. April in Berlin konstituiert und zu Mingsten erschien der gemeinsame Aufruf.

Daneben haben sich sofort bei Wiederzusammentritt beS Reichstags im Februar die drei linksliberalen Frattionen Desselben zufammengeschloffen: sie beraten gemeinsam und bilden zu bestimmten Zwecken eine Fraktionsgemeinschaft; haben auch einen eigenen Ausschuß. Desgleichen haben sich die Fraktionen her Freisinnigen BolkSpartei unb ber Frei­sinnigen Vereinigung im preußischen Abgeordnetenhaus zu gemeinsamen Sitzungen zusammengetan.

Eine Verpflichtung auf unser Frankfurter Mindestpro. «ramm hat nicht stattgefunden, dagegen haben eine Reihe »oberer liberalen Organisationen dasselbe ihren Bestrebungen zu Grunde gelegt.

So sind bte Formen für ein Zusammengehen der enischie- den Liberalen gegeben unb mit Freude dürfen wir hinzu- Men: Es ist auch der rechte Geist vorhanden, diesen Formen Leben einzuhauchen.

ferne volle Schuldigkeit, könnte sich aber manchmal mehr Zu­rückhaltung auferlegen. Es verdeckte gar häufig den Gesang der Bühne, dessen Worte meist unverständlich blieben. Auch in der szenischen Anordnung war wohl der duftige Ton vollkom- Men getroffen. Die Bilder müßten wärmer und sonniger fein, bte ganze Haltung des Volkes aber mehr Gleichmut unb Natürlichkeit zeigen. Ein langes Leben bürste der empfind- samen Madame Butterly kaum beschiebdn sein. Wilhelm

: Kleefeld.

l®81 ZeppÄwsche» Luftschiff.^ Man schreibt uns duS FrtedrichSha.fen vom 29. bs.: Die am Samstag unternommene, infolge eines kleinen Mißgeschicks leider früh- zeitig wieder abgebrochene Versuchsfahrt des Grafen Zeppelin ergab, wie schon kurz berichtet, ein durchaus gün­stiges Resultat. ES bürste nicht unangebracht fein, dieses noch einmal energisch zu betonen, da, wie man voraussehen konnte, schon kritische Stimmen sich erhoben, die das Aus- geben der Fahrt auf die schlechteren Windverhältnisse zurück- E CztfV 3Wtm Nnnte sogar sagen, daß bie SamStagsfahrt bie b_effgelungene von allen vier bisher unternommenen gewesen i]t unb zwar aus zwei Gründen. Einmal zeigte sich, daß selcht in der ganz unklaren Wetterlage jenes Tages, bei ber gewittrige Böen von 7 bis 9 Metern Geschwindigkeit aus : wechselnden Richtungen kamen, baS Luftschiff seine Stabili- tat tadellos bewahrte und daß eS mit e i n e nt Motor sich nicht nur zu behaupten, sondern Fahrt voraus zu machen 6er» nwchte. Zum andern lieferte sie sozusagen einen klassischen a ?ot§£Jf? ,iie Vorzüge beSstarren" Systems: toaS hatte ras Luftschiff machen wollen, toenn es nur jenen Defekt getoorbe. tien einen Motor gehabt hätte! Jener Schaden, eine kleine ednauBenMerung an ber Kühlvorrichtung, tote jeder Auto- mnwiltit sie kennt, ist übrigens schon toieber behoben unb ant U°"tag werden bie Fahrten fortgesetzt toerben. Man muß bedauern, baß baB Sonntagsprogramm nicht durch. getiiyrt^Mrden könnte, denn eS war, wie man mitteilen darf, f<jer Scherz geplant, ber, ohne große Bedeutung zu en, doch eines gewissen Reizes nicht entbehrt haben k w. r Li hatte nämlich vor, den Geh. Oberregierungsrat ztetealb, der nach Erledigung seiner Mission ins Oberenga- Zuganschluß nach Rorschach hin- iwerMbringen. ES Ware nett gewesen aber bie Lokomoti- ' läffi StePhensonS waren auch nicht sofort unbebingt zuver-

* . EDie Heide« 3W«bcr.] Die Neue Freie Presse er» InS,e^sttu3rTodes Friedrichs von Baben an 'alier^G v eiSen Jahren erschien ein

, ® B m na s i a 11 e I) r e r, den ber Großherzog zum Pro»

ipersönl^en^D^"'^ Karlsruher Schlosse, um ben üblichen "chen Dank abzustatten. In feiner Ausreauna und n/i?enm Zylinder auf dem flotf WSÄfF Wartezimmer auf einem Stuhl liegen» «ven zwetten Hut, der einem anderen zur Audienz beschie»

DaS war der Hochmut vor dem Fall.

Der Reichskanzler und die verbündeten Regierungen hatten «in besseres Gefühl dafür, wie sehr durch diesen Beschluß dem nationalen Empfinden ber Bevölkerung wie dem gefunden Menschenverstand ins Gesicht geschlagen wurde sie griffen zu, ehe ber Fehler wieder gut gemacht toerben konnte unb lösten ben Reichstag auf: sie benutzten den Fehler, um das Zentrumsjoch abzuschütteln, unb es mutz ihnen ernst gewesen fein. Bis jetzt haben auch die zärtlichsten AussöhnungSver- suche nicht mehr geholfen.

Ueber ben Wahlkampf wollen wir uns nicht unterhalten, toir haben ihn ja alle selbst kämpfenb miterlebt. Von unseren Mrfolgen ist nicht viel Aufhebens zu machen, so ruhmreich auch Die Wiedereroberung Frankfurts war, im ganzen haben wir die Zahl unserer Mandate nur um eines steigern können.

Die Diäten haben für dieses Mal bie Auffindung von . Kandidaten noch nicht erleichtert, im Gegenteil war dieselbe so schwer als je. UnS speziell in Württemberg traf die Auflösung des Reichstags mitten in den Landtagswahlen grin, ftl denen unser Verhältnis zu bet Sozialdemokratie wie zu -enNationalliberalen ein ganz anderes war. Die Dadurch erfor. berlich gewordene Verschiebung ber Kampfstellung stellte starke Zumutungen' an unsere Parteigenossen unb Anhänger unb $at vielfach bie Freudigkeit des Kampfes gelahmt. In einer Reihe von Kreisen hat sich bte Volkspartei kräftiger Unterstützung seitens ber Nationalliberalen zu erfreuen ge­habt, in anderen haben wir oaS wieder vergolten.

Fast unverständlich war die Haltung der Sozial­demokratie gegen uns. In sinnlosem Hatz bie einen, in beklagenswertem, kurzsichtigem Komplott mit bem Zentrum die anderen, haben sie fast überall alles daran gesetzt, unsere besten Leute zu teer fen, unbekümmert, ob auch das Mandat ben Konservativen oder dem Zentrum zufalle, bie doch ihre geschworenen Feinde sinb.

Wenn unser Haußmann nicht einem namenlosen Zen- trumSkanbibaten geopfert würbe, waren daran nur die ge­radezu unerhörten Anstrengungen unserer Parteigenossen im Wahlkreis und die überlegene Einsicht unb baS größere An­standsgefühl eines Teiles ber sozialdemokratischen Wähler deS Bezirks schuld.

. Mit Schmerzen gedenken wir auch hier deS Mannes, den wir vor wenigen Tagen verloren haben, unb ber ber Führer ti>ctr in biefem Kampf.

1 Wer kann unseren verdienten Freunden Ouidde unb Blumenthal Verständnis für bie sozialdemokratischen Bestrebungen abstreiten? Wer kann leugnen, datz sie stets nicht bloß gerecht, sondern auch nachbarlich dieser Bewegung gegenübergestanden sind?

Und doch fiel Ouidde durch sozialdemokratische Schuld zu Gunsten eines reaktionären BauernbündlerS und Blumen­thals Mandat fiel dem jubelnden Zentrum in ben Schoß. Wir können, nachdem man sich über diese Taten auf dem sozialdemokratischen Parteitag in den letzten Wochen in aller [form geschämt hat, uns weiterer Kritik enthalten. Aber Mancher von uns wird in ber Erkenntnis sozialdemokratischen Wesens diesen Winter weiter gekommen fein als vorher in Kahren. Auf welches Niveau hat in edlem Wettbewerb mit ben Anhängern des Zentrums die Sozialdemokratie diesen Winter den Wahlkampf heruntergebrückt! Unb noch haben sie sich nicht allseitig wieder gefaßt.Je ruppiger die Gegner find, um so anständiger wird bie Sozialdemokratie," hat vor 'einigen Tagen ein sozialdemokratischer Führer auf bem Par­teitag erklärt. Wir wollen hoffen, daß baS-für bie Zukunft wahr wirb.