in Frankfurt und
(Frankfurter Handelszeitung.)
(Gesellschaft m.b.H.1
HSsgvürrösL vor» AespskL Ss«rre«rarrn.
teren.
Deutsches Reich.
'gehen und eine weise' wir nicht anders erwartet haben, daß diese Idee manziellen Mstungen bat ist .So leichtherzig ist die Mehrheit des
nur
usmeblg über die Wrlich geäußert
In memoriam.
VAfbindlichTr t-, Anzeigen nehmen an: Frankfurt a. M.t Die Exj» Mainz - Schillerplatz 3..
Telegraphische Depeschen.
Vrivat-Aepeschk« der Frankfurter Iritarrg.
Von der Zuckerkommisfiou.
-t- Brüssel, 3. Dezbr., 6.30 N. (Priv.-Tel.) Die Perm«, nente Zucker-kommission hat heute ihre letzte Sitzung' abgehalten mit dem erfreulichen Resullate, daß der Zutritt Rußlands zu der Zuckerkonvention erfolgt ist.• Hiermit erscheint die Fortdauer der Zuckerkonvention, die am 1. Dezember 1908 abläuft, gesichert, vorausgesetzt natürlich,, daß die heute ausgearbeiteten Uebereinkovnuen die Zustimmung der Parlamente finden. Die Bedingungen, unter welchen der Zutritt Rußlands erfolgt, sollen erst in zwei Tagen bekannt gegeben werden. Man erfährt jedoch, daß Rußland zufriedenstellende Garantien gegeben hat hinsichtlich beS Verbots, Zucker nach Oesterreich-Ungarn und Deutsch, land auszuführen. Die Rußland zugebilligte Maximal, gisset für seinen Zuckerexport dürfte etwa eine Million Tonnen betragen. Rußland dürfte auch in eine Herabsetzung seines Einfuhrzolles von 4% Rubel auf 4 Rubel pro Pud eingewilligt haben. ,
Hiernach scheint die in deutschen Kreisen, namentlich bei den hier anwesenden Zuckerinteressenten herrschende pessi. mistische Stimmung nicht gerechtfertigt gewesen zu sein, und glücklicherweise hat die deutsche Regierung dem heute bei der Konferenz anwesenden Delegierten Meh Ihor n bei seine« Anwesenheit in Berlin derartige Instruktionen gegeben, daß das Zustandekommen einer Uebereinkunft möglich wurde. All- gemein wurde die äußerst taktvolle Leitung der Verhandlungen durch den belgischen Generaldirektor der Handels- und Konsularabteilung des Auswärtigen Amtes, Campelle, anerkannt. -
Kleines Feuilleton.
Frankfurt, 3. Dez-sber.
Preis der Anzeigen:
Die Colonelzeile 45 4, Abendblatt 604, BekL-ZkUi 2.—, Farn-Aas. bevorz. Stelle 904, AbdbL Jt 1.20. Flatz-u. Daten-Vorschriften ohn*
Berechnung der Matrikular! haitte er nach wie vor f"
■'er, daß die Rnanzrefarm 1 gelingen werbe.
sätze eines modernen Staates würden nie vernachlässigt wer«
den. (Beifall.)
= Wien, 3. Dez« 9.55 N. (Priv.-Tel.) Die Obmänner der lawischen Parteien, welche gtgen die preußische Polenvorlage protestiert haben, beschlossen einmütig, den An- trag auf Eröffnung der Debatte über die Beantwortung der Interpellation durch den Ministerpräsidenten • nicht zu stellen. Sie erklären, daß sie dabei von der An. chauung ausgingen, ein solcher Antrag sei im Interesse der Sache, die sie auch weiter vertreten wollen, im gegenwärtigen j Festpunkt nicht zweckmäßig. Der Polenklub vertritt die An- icht, daß wegen her Polenvorlage weder die öffentliche Ruhe gestört noch die Grenzen der internationalen Courtoisie jemals.
verlassen werden dürfen. _
versprochen habe und daß er ihm auch fein Bild dediziert habe. Herr Paasche erklärte, daß er im Besitze dieser Briefe und dieses Bildes sei, und versicherte, ähnlich wie Harden, den Kr in Schutz nahm, daß höhere Offiziere über manche Aeriehlunqen doch mehr gewußt hätten «11
Stuttgart: Langestrasse 1.
Bondon 14/18 Queen Victoriastfc ».-York: 167 World Building, unsere übrigen Agenturen und
Erzählung, die die überzeugte Spiritistin ihren Bekannten gern wiederholte, wußte sie auch ihre geschäftlichen Erlebnisse mit dem Namen des Dichters zu verknüpfen. Nach wie vor füMte sie den Schatten des. großen Toten in ihrer Nahe.
Nun ruht sie, wenn nicht unmittelbar in seiner Nahe, so- doch in der Umfassungsmauer derselben riesigen Nekropole, tue neben dem wundervollen Monument Bartholom es lein sinnigeres Wahrzeichen besitzt als wenige Schritte davon dar Poetengrab mit der Weide und dem leisen Sterbewunsch:
..Mes chers amis, quand je mourrai, Plantez un saule au eimstiere.
Jaime son leuiUage eplore,
La päleur m’en est douce et cnere, Et son ombre sera legere A la ierre oü .je dormirai.*
standen, nichts zu tun gehabt habe. — Wie die „National- Zig:" hört, wird demnächst eine außerordentliche Äonse- renzdes preußischen Episkopats siattfmden. Man wich, nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß diese Konferenz sich u. a. auch mit den Zwischenfällen beschäftigen wird: die sich in jüngster Zeit an zwei preußischen katholisch-theologischen Fakultäten ereignet haben.
Weirsrnphtschrr Sprrialdieull der ^Frankfurter Jeitung.")
Die Generaldebatte über de« Etat.
Ker Handelsvertrag mit Montenegro. — Etatsüber- fchreitungrn. — Ein selbstgefälliger Junker. — Gothein gegen die Agrar- und Poteupoltttk. — Weniger Rhein- »a»e«, mehr Uhlaud l - Paasche un» »ie Fiuanzuot — Der schlecht unterrichtete Kriegsminister. — Der Schatz- fekretär in Defeustvstellung. — Persönliche Bemerkungen.
E Berlin, 3. Dezbr.
5 Wien, 3. Dezbr., 8 N. (Priv.-Tel.) In Begründung seines DringlichkeitsanträgeS führte Professor Masaryk aus, durch die Abstimmung über den Antrag solle konstatiert werden, ob daS Haus in seiner Majorität klerikal oder antiklerikal sei. Es solle konstatiert werden, daß die Regierung als Ganzes nichts gemein habe mit den Ten- denzen und Plänen, die in den katholisichen Mani - festättonen zum Ausdruck kommen. Er sei überzeugt, daß daS HauS in seiner Mehrheit freiheitlich und Volkstum- lich gesinnt sei.
Unterrichtsminister Marche! führte aus, daß die au dem Katholikentage gegen die Universitäten gerichteten Anwürfe der Begründung entbehren, und verweist auf frühere Ausführungen in dieser Frage dafür, daß die Regierung die Freiheit der Lehre und Forschung als unantast. bares Heiligtum der Schulen in Oesterreich betrachte. Der Minister legt dar, er könne die von den Interpellanten geforderten Garantien" gegen ■ cifc Eroberung der Um- vtrsitäten durch die Klerikalen nicht geben, da.sie schon im StaatSgrundgesetze enthalten seien. Die Grund-
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1 und Handelsblatt. (Neue Frankfurter Zeitung.)
' Ehe heute die Generaldebatte über den Etat — es ist hereits der fünfte Tag — fortgesetzt wurde, hat man einige Heinere Borlagen erledigt. Wir haben einen Handels- und Schiffahrtsvertrag mit Montenegro abgeschlos- fe». einen Meistbegünstigüngsvertraa, und er ist heute in erster und zweiter Lesung genehmigt worden. Der- Handelsverkehr des Deutschen Reichs mit Montenegro ist statistisch nicht nach- . weisbar. Was von deutschen Waren nach dem kleinen Lande mit 160,000 Einwohnern eingeht, wird über den österreichi, " ingeführt, der das eigentliche Tor zu
>( w nid ob es überhaupt eine nennenSiberte
Ausfuhr von Montenegro nach Deutschland
" ~ ' lüfte Einfuhrartikel
Molff's telegraphisches Correfpsude«; - Irrrrsn.
Rom, 3. Dezbr. In der heutigen Sitzung der Kammer, in welcher der russisch-italientsche Han- delsvertrag zur Beratung siand, hob der Minister des Aeutzern, Tittoni, hervor, daß alle Redner sich mit dem Vertrage einverstanden erklärt hätten und daß die Regierung die Absicht habe, die herzlichsten Beziehungen zu Rußland zu unterhalten. Die Kammer möge gleichsam als Unterpfand dieser herzlichen Beziehungen den Vertrag annehmen. (Bei- fall.) Nachdem hieraus Finanzminister Lacava den Ver- trag von wirtschaftlichen und finanziellen Gesichtspunkten beleuchtet hatte, erfolgte seine Annahme. ■
ist ein Brauch,oder man müßte sagen, ein Mißbrauch, in der Generaldeb atte über den Etat, nachdem bie Hauptredner sämtlicher Fraktionen und kleineren Gruppen -u Worte gekommen sind und nachdem der Reichskanzler und MS Staatssekretäre sich ausgiebig über die Finanzlage und alle Wvebenden Fragen ausführlich geäußert Weg, dann nächst jgol von jeder Fraktion ein Redner zu Worte kommt. , Man i unterschätzt die Pflichttreue und den Ehrgeiz der offiziellen Parteivertreter der ersten Serie, wenn man glaubt, daß sie 6 °den?n, die nach ihnen kommen, noch was Besonderes zu sagen Übrig ließen. In der Hauptsache entstehen Wiederholungen und es ist weder nützlich, noch besonders unterhaltend, wenn man am fünften Tage einer solchen Generaldebatte das, was man schon über den Block und seine Lebensfähigkeit, über ■ Finanzreform, direkte und indirekte Reichssteuern von etwa einem Dutzend Rednern gehört hat, mit ähnlicher Ausfuhr- ’; kichkeit noch einmal zu hören bekommt. Mit der Dauer der Debatte wächst der Zug zur Polemik, und die macht schließ- , . -sich dem, der sie fordert, mehr Spaß als dem, der sie an- hören Muß. So hat offenbar der konservative Herr Kreth aus Ostpreußen, ein Herr mittlerer Jahre, nicht ohne Humor, aber mit noch mehr Selbstgefälligkeit, ein Mordsvergnügen daran, eine gewisse spezifische oftpreußische Schnei- digkeit, aus der der ehemalige Corpsstudent und Reserveoffizier herausklingt, im Kampfe gegen sozialdemokratische und andere Vorredner zu erproben. Da gelingt ja das eine oder das andere ganz hübsch, und es gibt auch den gewünschten Beifall und die noch mehr gewünschte Heiterkeit, aber es ist doch ein unfruchtbares Beginnen und eine Zeitverschwendung. .Etwas sachlich oder politisch Wertvolles kommt dabei nicht zu-
Folgezeit, wieder zu Kräften. Niemand — zumal nachdem Mme. de Muffet zu ihrer in der Provinz verheirateten Tochter gezogen war — verstand so für ihn zu sorgen, wie Adele Colin. AlS eines Tages eine neue Attacke der Krankheit Mus- sets Idyll mit Mme. Allan gefährdete — jener begabten Schauspielerin, die ihn auf der Bühne eigentlich erst zu Ehren gäracht hat — wußte des Dichter? Geliebte kemen anderen Rat, als ihre Bitten mit den seinigen zu vereinen, um dem Kranken die bewährte Pflege von Mlle. Colin zu sichern, auf deren Anwesenheit man bis dahin begreiflicher Weife leinen Wert gelegt hatte. .' -
Ties war nicht der einzige von Muflets Liebeshän- dein, über den Mme. Martellet sehr genau Bescheid wußte. Aber mit bewundernswertem Takt hat sie, außer in vertrauter persönlicher Unterhaltung, nie Einzelheiten ausgeplauderi oder Namen genannt. Auch auf diesem Gebiet wollte sie, mit der gleichen, so entschuldbaren Parteilichkeit, ein Zuviel auf Seiten des Dichters absolut nicht anerkennen, sondern für ein solches allenfalls die vielen Frauen der verschiedensten Stände verantwortlich machen, die sich ihm jederzeit an den Sols geworfen hätte». So heftig den reizbaren Mann die iferfucht habe packen können, so sei er doch, behauptete sie, einem weiblichen Wesen gegenüber nie der Brutalität, ja, nicht einmal eines unfeinen Wortes fähig gewesen.
Jedermann kann sich' danach denken, wie sie zu der leibt- gen Gamiäni- Frage stand, die jüngst wieder in ta „Frankfurter Zeitung" angeschnitten worden ,st: der bloße Name versetzte sie in Empörung, «o geschieht es denn füglich nur Ehre ihres Andenkens, wenn gerade an dreier Stelle noch- mals ausdrücklich festgrstellt wird, daß Muffcts Autorichaft fur das gänzlich unliterarifche Machwerk bisher nicht im geringsten erwiesen ist. Ziemte es sich hier nicht eher, das Beispiel bei Zurückhaltung, bas Mme. Martellet stets gegeben hat, zu befolgen, statt ben Teufel mit Beelzebub auszutreiben, so wäre es ein Leichtes, das widerwärtige PornographenMck einem anderen bekannten Dichter in die Schuhe -zu ichieben. hat lang nach Muffets Tod besten pietätvoll übereifriger Bru- der als den Verfasser genannt, in einem Briefe an — Mme. Martellet, besten Abschrift sie nur Eingeweihten zeigte. Bis ans Ende hatte sie alle diese Papiere stets zur Hand, und selbst wenn sie allein war, pflegte sie darin zu kramen. Es ist ihre Lieblingsbeschäftigung geblieben, seit der dichter am 2. Mai 1857 in jhren Armen verschieden war.
Erst in zweiter Linie schien sie später ein kleiner Ju- todter [aben zu interestieren, den sie.nach kurzer Ehe er- öffnet hatte und mit dem es ihr nicht recht gegluckt ist. Em Kunde aus den vornehmsten Kreisen,, dem deshalb nicht leicht beizukommen war, blieb ihr eine beträchtliche Summe schuldig. vor dem. Ruin bewahrte die Verzweifelnde nur — ihr toter Dichter. In einer spiritistischen Sitzung, zu der teilnehmende Freunde sie eingeladen hatten,, hörte sie, wie der Geist Mussets durch Klopfen die Anwesenden aufforderte, seiner getreuen Colin durch Einklagen der Schuld ihr Geld zu verschaffen, und wirklich gewann sie den Prozeß. In dieser
» Hamburg, 3. Dezbr. Hier fand eine Versammlung der Mobelinstustriellen Deutschlands statt, die sich mit der Aufstellung einheitlicher ZahlungS- und Lie- ferungsbebingungen im Verkehr nut ber Privatkund- schäft befaßte. Die von Hamburger Interessenten gemachten Vorschläge würben gebilligt. Zur weiteren Propagierung dieser Beschlüsse und zur Vorbereitung einer einzuberufenden Hauptversammlung, die die Verbandsgründung beschließen soll, wurde ein 17gliedriger Agitationsausschußeirigesetztunter dem Vorsitz des Inhabers .. der..hiesigen Möbelfabrik F. W. tz
■ 7.10 N., DieK a m $?.i er, bie heute nur
bie Hälfte bc8 Kriegsbudgets erledigt hat, bchchlok morgen anstatt die Novelle zum Trerrnungsgäsetz wiederaufzu- nehmen, die Budgetdebatte fortzusctzen, damit der Senat noch nächste Woche mit dem BudgeM^M-^^atzt werden kann, — Die Fiskalkommisi i on dch-fW«Aer ncchm deü Äe- gierungsentwurf zur Aufstellung eines' n eil en Katasters für bie Grundsteuer an, erklärte sich aber gegen btc ein- beziehung dieser Frage in das Budgetgesetz.
at Washington, 3. Dez., 2 N. (Durch Kabel.) Von best- unterrichteter Seite wirb mir bestätigt, daß ber japanische Botschafter Aoki um seine Abberufung nachgesucht und bftfe erhalten hat. Seine Demission geschah auf Wunsch aus Tokio. Diese Tatsache ist politisch höchst bedeutsam, da schon lange Gerüchte' gingen, Aoki sei seiner Regierung zu nachgiebig. Die offizielle Publikation erfolgt wahrscheinlich i* etwa vierzehn Tagen.
Vorher hatte noch der Schatzsekretär Frhr v. Stengel < erklärt, daß er über die Steuervorlagen, die im Jammr kommen würden, lediglich deshalb noch nichts sagen könne, weil der Bundesrat noch nichts beschlossen habe. Dem Gedanken, . duxch stärkere Ausprägung von Scheidemünzen einen Münzgewinn zugunsten des Betriebsfonds des Reiches Herdeizuführen, zeigte er sich geneigt. Eine Umgestaltung der Berechnung der Matrikularbeiträge nach der Leistungsfähigkeit für sehr schwierig. Jrn übrigen hofft M unter-Dem Druck der Notwendigkeit
der Kliegs'miii rstsr. Der General ixt versicherte, er selbst wisse von den Dingen, die Paasche erwähnt ' hatte, nichts. Der Kriegsminister fei heute leider durch Arbeiten fern gehalten, werde aber gewiß die nächste Gelegenheit ergreifen, um Herrn Paafche zu antworten.
Der Abg. Satt mann , dessen Rede hauptsächlich gegen die Sozialdemokratie gerichtet war, machte Herrn Paafche unter stürmischer Zustimmung der Rechten den Vorwurf, daß er den Kriegsminister von dem Material, das er in der Tasche zu Säten behaupte, nicht benachrichtigt habe, und spielte bann arauf an, daß Herrn Paasche vielleicht Familienrücksichten zu diesem Vorgehen im Interesse Hardcns bewogen hätten. Er meinte banitt offenbar verwandtschaftliche Beziehungen Paa- sches zu dem Bruder des Herrn Harden. Paasche verbat sich bamt später in persönlicher Bemerkung jede beiartige Belehrung unb ieben Vorwurf. Er teilte mit, er habe bem Kriegs- minfter gestern gesagt, baß er mit besten Ausführungen nicht ganz einvcistanben fei unb heute barauf zurückkommen werbe. Er glaube, daß er damit dem parlamentarischen Anstand genügt habe. Herr Sattmann aber sand, daß diese Mitteilung Paasches an den Kriegsminister doch nicht genügend gewesen sei. Dazu sei sie zu allgemein gewesen. Dieser ganze Zwischenfall rief große Bewegung und Unruhe hervor. Es war schon vorher in Foyergesprächen bekannt geworben, daß ■ Paafche einen. Vorstoß gegen ben Kriegsminister beabsichtigte. Natürlich wird morgen ber Kriegsminister, ber nur nicht schnell genug herbeieilen konnte, sich zu ber Sache äußern müssen.
tage. Dieser konservative Herr wA natürlich Blockvolitik in ien bescheidenen Bülowschen Grenzen betreiben, aber bann böte et es auch unterlassen, gegen bie Parteien der Sinken, ruf die der Block doch —' — :n — —n-
kff Berlin, 3. Dezbr., 9 N. (Priv.-Tel.) Die Idee, die Polenvorlage mit ihrem Enteignungsrecht in schnellem TMpo noch vor Weihnachten durch beide Häuser des preu-
ober wenigstens burch bas Abgeordneten-
zu bringen, hat offenbar bei ber Regierpna bestauben. Es scheint Leute gegeben zu hahpn, bie glaubten, daß man in - nationaler Hast dieses schwerwiegende Gesetz erledigen würde. Zu, diesem Zweck ist ber Landtag früher als gewöhnlich berufen worben, obwohl man ihm außer bem Polengefetz nichts von Bedeutung vorlegen konnte. Es zeigt sich aber bereits, was ***•■ '■* r nicht ausfüht-;
Hauses nicht, daß sie "über das Enteignungsrecht in wenigen Tagen hinwegkäme. Die Bedenken dagegen meh- ’ ten sich, unb es werben in bet Presse auch Stimmen aus bem twrenhause laut, bie grundsätzlichen Widerspruch erheben.
as aus bieser Vorlage werden wirb, läßt sich zur Zeit nicht voraussagen ; bas eine - aber steht1 schon fest: das Abgeorbne- tenhaus wirb vor Weihnachten nicht mit ihr fertig. In bet heutigen Sitzung ber Kommission des Abgeordnetenhauses ist ; die Regierung auf den Wunsch der Konservativen eingegangen.
bie Organisation ber Ansiedlungskommisswn zu änbern, und zwar im Gesetz. Das kostet immerhin Zeit, und wenn auch die Kommission morgen bie erste Lesung beenbigen sollte, so muß sie boch bis zur zweiten eine längere Pause machen, unb man kann heute schon absehen, daß noch Monate vergehen werben, ehe bie letzte Entscheidung im Herrenhause fällt. Dort ■ wird cs sich fragen, wie weit angesehene Mitglieder, bie aus verfassungsrechtlichen Bebenken Gegner bet Vorlage sinb, öffentlich ben Mut ihrer Meinung haben werden. Dem Abgeordnetenhaus^ wird es unter diesen Umständen bald an Be-
Adele Colin, die Haushälterin Müsset».
Bon Dr. Moritz Werner (Paris).
ES tysr ein stilles, bescheidenes Dasein, dem diese Zeilen ein eben so bescheidenes Denkmal setzen sollen. Still und bescheiden war auch das Leichenbegäng. . '»iS, mit dem ihm dir letzte Ehre erwiesen ward. Von der Madeleine, in der eine stille Messe gelesen wurde, bewegte sich ft!er kleine Zug über die Boulevards nacb dem Pere Lachaise. -Ein Kontrast, wie er nur in Paris möglich ist: in der sonnenhellen Pracht des frischen Novembermorgens dieser Trauerkon- - dukt, an dein in Marlcoaches ganze Frachten von Fremden mit Kodak und Bädeker, in Automobilen und zu Fuß die mehr oder weniger geputzten Leute der verschiedenen Pariser „Welten" vorübereilten. Nicht einer unter Hunderten besaß genug Reugier und — Zeit, dem Totenwagen und dem anspruchslos geschmückten Sarg einen aufmerksameren Blick zu widmen, und er hätte doch auf einer der Kranzschleifen den Namen eines kängst verewigten Dichters lesen können.
Alfred de M u ffets einstige Haushälterin war es, bie man zu Grabe trug. Mme. Martellet, die als Mlle. Adele Colin den Sänger der „Nuits" während ftines letz, ten Dezenniums betreute, hat ihren Herrn ziemlich genau um . ein halbes Jahrhundert überlebt. Der schweren Bürde ihrer 92 Jahre ist sie (tote schon kurz gemeldet) dieser Tage erlegen, - nachdem sie so lange dem Tode, wie es schien, nur getrotzt • hatte, um als Hüterin von Mussets Andenken und als Mehre- • rin seines Ruhmes in ihrer Weise zu wirken.
Abgesehen von dem Selbsterlebten, hat sie vor mid nach des Dichters Heimgang gar mancherlei, was tmt betraf, gesammelt Und daS Wesentlichste davon in einem Bande „Souvenirs in» times* erscheinen kaffen. Seit vor einigen Monaten die ' Schutzfrist für Muffels literarisches Eigentum verstrichen war, lWte die Greisin in einer steten Sorge, von der sie die Vor.
• fthung nun befreit hat: sie fürchtete unbefugte ^Peroffent- , lichungen aus den Notizen, die sie noch vom Druck zuruckgehal. . ten, aber manchem ihrer Besucher allzu vertrauensvoll mit.
geteilt hatte. Denn wer sich über Muffet schriftlich oder ' i mündlich bei ihr Rats erholte, fand immer bereitwillige Auskunft: noch vor Jahresfrist hat sie einem jungen Autor, der den Dichter zum Gegenstand einer ärztlichen Dissertation .machte, wertvolles Material geliefert.
Etwas Rührendes hatte eS, bie alte Dame in ihrem ein- - fachen, fast ärmlichen Heim zu sehen, das ste doch nicht mit bem prunkvollsten Salyn vertauscht hätte. Demi tu diesem spärlich erhellten Zimmer — sie hat es feit langer Zeit nur
unb das Ouellenschutzgesetz. Der freisinnige Wah l - rechts antrag soll erst nach Neujahr brankommen, weil man glaubt, baß bis dahin die Regierung zu einem Entschluß gelangt sein wirb. Man nimmt daher an, baß das Abgeordnetenhaus schon in ber nächsten Woche in die Weihnachtsferien i gehen, wirb. — Die Gerüchte, daß ber Kommandeur des : Gardekorps, Generalleutnant v. Kes sei, aus Gründen, die.
mit dem Moltke-Har d e np t o ze ß zufammenhänaen : sollten, feinen Abschied eingereicht habe, werden jetzt, für unbegründet erklärt, unb es wird auseinanbergesetzt, daß ber General mit ber Angelegenheit ber in diesem Prozeß genannten
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bie ber Block boch angewiesen ist, rebeluftig zu polemi- t. Er hatte es dabei besonders auf Herrn Bass er- nann abgesehen, weil dieser die Schärfe, mit bpr gegen den - äderst a. D. Gaedke gerichtlich vorgegangen wird, bedauert und es auch getadelt hat, daß in dem Hochverratsprozeß gegen Liebknecht der Staatsanwalt Zuchthaus beantragt hat. Gegen sie Sozialdemokratie hat dieser Herr viel zu sagen, auch manches Richtige,! aber nichts Neues. Er greift auf die ältesten Geschichten zurück.
Herr Gotheinhat ihn bann nicht übel al5 Detailreifen- ben in politischen Attikeln charakterisiert unb sich übet bie parlamentarische Menfurfreubigkeit bes alten Körpsstubenten lustig gemacht. Herr Gothein sprach bann über die Fin äMl a cje, erklätte sich bereit, bei ber Reform ber Branntweinsteuer in eine langsame ratenweise Beseitigung ber Liebesgabe zu willigen, entwickelte überhaupt das Programm, das sein Parteifreund Schrader gestern entwickelt hatte. Er scheut vor Bewilligungen in Heer unb Marine nicht zurück, glaubt aber, baß bie politische internationale Sage, bie große militärische Machtstellung Deut s ch/a n b s
doch bie Frage nahelege, ob wir nicht mit einem Stillstand ber Rüstungen vor, ' ‘ ' """
Sparsamkeit üben sollen, bie unseren fi
zugute kommen würbe. Er bebauert, baß ber Reichskanzler bie Blockpolitik mit bei Polenvorlage belastet hat uno mit bem Sprachenparagraphen des Veremsgefetzes, bebauert auch bie Wirkung, bie biete ganze Polenpolitik auf unsere Schätzung im Auslanbe ausübt, unb wünscht natürlich, baß ber 'Reichskanzler der Linien nicht nur Worte unb Blumen spenbe, sondern auch tatsächliches, Entgegenkommen, sei es auch nur schrittweise, iit ber preußischen Wahlrechtsfrage beweise.
Der nationalliberale Abg. Paafche fanb biese Rebe nicht blockfreunblich genug, polemisierte aber bann seinerseits recht kräftig gegen bie Angriffe, bie jüngst ber preußische Finanzminister m seiner Bekämpfung birckter Reichssteuern gegen bie Nationalliberalen gerichtet hatte, unb Blieb -bei ber Empfehlung einer Wehrsteuer unb einer Reichsvermögensstcuer, die schließlich von ben Wohlhabenden noch einer Erhöhung ber Matrikularbeiträge vorgezogen werben würbe. Den weiteren Ausbau ber Erbschaftssteuer will er für ben Fall ber Not vorbehalten. In biesen finanzpolitischen Ausführungen eignete ei sich auch ben Vorschlag an, burch eine stärkere Ausprägung von Scheibemünzen 180 Millionen für bqß Reich zu verdienen. (£r tadelte weiter, daß der Staatsanwalt im Prozeß Moltke-Harb en ein neues Verfahren eingeschlagen hat, unb fanb, daß der Kriegsminister die Grasen Lynar und Hohenaudoch zu sehr in Schutz ge_- npmm.en habe. Per Kriegsminister sei am Freitag wohl noch nicht unterrichtet gewesen von dem, was 24 Stunden vor-
— r$et Kaiser als Maler von Ansichtspostkarten.1 Wir lesen in der sächsischen Korrespondenz: „Die Königin. Witwe von Sachsen hat in Gemeinschaft mit ^er Prinzessin Mathilde von Sachsen sich entschlossen, zum Besten der Fürsorge für Lungenkranke eine. Serie von zunächst sechs farbigen Postkarten durch die Buchhandlung von Rammler u. Jonas in Dresden in den Handel bringen zu lassen, die nach eigenen, von der Hand der fürstlichen Damen herruhrenden Gemälden hergestellt werden. Ihrem Beispiel sind alsbald mehrere künstlerisch tätige Fürstlichkeiten -insofern gefolgt, als sie auch ihrerseits die Mappen zur Reproduktion einer 9i-eu)e | ihrer Kunstschöpiungen öffneten. Wie Dresdner ^laücc melden, hat sich auf Ansuchen der Königin nunmehr auch Kaiser Wilhelm II. bereitgefunden, m gleicher Weise das Lieüeswcrk zu fördern. Die kleinen Matter werden zum ersten Mal der Welt des Kaisers vielumstrittenes Verhältnis zur Kunst und besonders zur Auftastung der Farbe in der Malerei nicht durch Worte, sondern. auch durch bis eigene schöpferische Leistung darlegen." (Dre Welt wird d.e schöpferischen Leistungen des Kaisers ohne Voreingenommen- hott auf ihren Wert zu prüfen haben. D. Red.)
= ^Bildende Kunst in Berlin. | Aus Berlin wird uns geschrieben: Von einer neuen Ausstellung ist zu berichten, die zugleich eine neue Phase im künstlerischen Leben Berlins verwirklicht. Sicherlich macht man sich keiner Uebertreibung schuldig, wenn man das feststellt: die kgl. A k a d e m' eder Künste war lange genug eine mit Recht bestürmte,^besetz, bete Festung, um nun freudig als fruchtbarer Kunstboden erkannt zu werden, da sie selbst die Mauern schieln li-L unb die Stürmer willkommen heißt. In aller Stille Hai sich
i "bie Wandlung vollzogen; ein in den bildenden Künsten hoher- * stehendes Gentflecht als das offizielle Berlin pon ge,lern und 'vorgestern ist in-die Würden der Akademie hmeingewachftn.
en Postämtern in XCUlMld .......319.-
ezreicU (Wien auch Ztg^
reis ........ Fr.13.80
einmal berlaffen, als man sie zur Einweihung des Muffet- Denkmals vor dem Theätre Fran^ais abholte — lebte sie umgeben von Erinnerungen an den über alles geliebten Dichter. An den Wänden hingen Bilder von ihm; das Mahagoniholz der Möbel, mit einem buntgewirkten Stoff bezogen, den er selbst einst ausgewählt hatte, war für sie der Inbegriff eines Luxus geblieben, den sich der Dichter erst 1850 leisten konnte, „als to i r „Carmosine" geschrieben haften", wie Mme. Martellet mit naivem Stolz zu sagen pflegte. Muffet hatte -ihr nämlich, durch eine Verletzung im Gebrauch der rechten Hand behindert, dieses Meisterwerk seiner Spätzeit in die Feder diktiert, für das ihm ein befreundeter Verleger die damals unerhörte Summe von 5000 Francs gab. Noch immer benutzte •bie einstige Sekretärin „fein“ Tintenfaß; denn bis zuletzt schrieb sie viel unb gern, schlicht aber korrekt, ohne jebe literarische Prätension. Bei ihren Aufzeichnungen kam e3 ihr nicht , barauf an, burchguS Neues oder Eigenes zu sagen: sie muß- 1 -ten sich nur auf „ihn" beziehen.
Noch lieber aber sprach sie über ihr HerzenSthema, und bis in ihre letzten Tage konnte sie dann stundenlang die Unterhaltung ohne eine Spur der Müdigkeit führen. Blick und Stimme schienen sich int Gegenteil dabei mehr und mehp zu beleben, und man mußte Über das Gedächtnis staunen, mit dem die Neunzigjährige, nicht ohne ab und zu einen Muffotschcn BerS einzuflechten, die Erzählung fortspann. Immer hörte man ihr mit Interesse zu, mochte sie das wiederholen, was ihr Buch bereits enthielt, oder mehr abseits Liegendes neu hinzufügen. So sprach sie gelegentlich auch von Heine: eine alte Freundin, bie persönlich mit ihm bekannt war, hatte ihr man- •ches von seinen Werken zu lesen gegeben. Schon vorher aber ’toar ihr ber deutsche Dichter sympathisch geworden, weil „Monsieur de Müsset" ihn gern mochte. Sie war der Meinung, daß auch der scharfzüngige blagneur auS dem Rheinland sicher viel besser gewesen sei als fein Ruf — gerade wie , ihr Herr.
Als ihre Hauptaufgabe. betrachtete sie es nämlich, Mus. f e ts Namen gegen die mannigfachen Anklagen zu verteidigen, die sich an ihn geheftet haben Mag sie darin immerhin zu weit gegangen sein, wer hätte ihr deshalb zürnen wollen, da sie eS aus innigster Ueberzeugung tat, und ohne irgend jemanden damit zu schaden? Sie bestritt z. B. ent- schieden, daß Muffet Alkoholiker gewesen fei. In der Tat ist es wohl möglich, daß er seine verhängnisvolle Neigung zum Trinken, an der im übrigen kaum zu zweifeln ist, daheim .unter dem Auge dieser treuen Wärterin bem visiern konnte.
Hatte sie sich seiner doch zuerst als Krankenpflegerin an- genommen, im Fahre 1847, als sie, ganz zufällig unb vorübergehend von MuffetS Mutter mit Arbeiten im Haushalt besänftigt, den damals Siebenunddreitzigjährigen in einer schweren Krisis sah. Resolut versuchte sie mit den Hausmitteln unb; ders voWiümUchen Diät ihres Juradorfes, was den Aerzten trotz unaufhörlicher Aderlässe nicht gelingen wollte, i und da sie den Dichter offenbar auch psychisch richtig zu be-j bandeln wußte, hals sie ihm Munals, wie noch oft oenuh in ber
scheu Hafen Cattaro ein« diesem Berglande ist, .ui- ,
: Ausfuhr von Montenegro nach Deutschland gibt, ist sehr zwei- L jelhaft. Der wertvollste Einfuhrartikel fei bis jetzt „Die luftige Witwe", bemerkte der Abg. Storz. Der Witz ist nicht übel unb würbe viel belacht. Es liegt etwas Operettenhaftes in ber politischen Existenz bes kleinen Staates. Wer einmal Bei gutem Wetter - Cetinje besucht hat, wirb es empfunben haben. Unb baß wir mit bies'ern Miniaturstaate einen Mcist- begunstiaungsvertrag abgeschlossen haben, kann allenfalls ein- nias in der Zukunft, wenn das Ländchen sich hebt und feinen Hafen Antivari ausbaut und eine Bahn anlegt, von Nutzen werden. Der neue Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Herr v, Schoen, hat sich die Beratung dieses Handelsvertrags zu seinem Debüt gewählt. Das war bescheiden. Er batte auch darüber nichts zu sagen, was nicht in der etwa 20 Hstmckzeilen umfassenden Begründung zu dem Vertrage schon - steht. Es klingt fast komisch, wenn er diesen Vertrag als einen
Beweis dafür gelten lassen will, daß die Regierung bestrebt fei, ben Kreis der Handelsbeziehungen Deutschlands mit dem Auslande zu erweitern und zu pflegen. Wenn's uns nur auch mit den Vereinigten Staaten unb mit Kanada so gelänge. Jedenfalls hat Herr v. Schoen bei der Gelegenheit bewiesen, daß er überhaupt reden kann und daß er über ein Organ verfügt, bas man versteht. Es sind bann noch einige^ Rechnunasvor- »lagen kurz erledigt worden, unb bei ber Uebersicht ber Reichsausgaben unb -Einnahmen von 1906 hat ber Abg. Nos k e von der Sozialdemokratie hervorgehoben, was man bei jeder dieser Uebersichten bemerken kann, daß die tatsächlichen Abweichungen vom Etat und namentlich die Ueberschreitungen des Etats in einzelnen Ressorts sehr bedeutend sind unb sich zuweilen auf Summen belaufen,, durch bie das ganze Etatsbild —'ändert wird. Es scheint Ressorts zu geben, für die ein - sicherer Anschlag überhaupt nicht möglich ist. Mit diesen ;en beschäftigt sich dann später die Rechnungskommiffion bet wird jedesmal nachgewiesen, daß es nicht anders

