4. AttguN 1S98
die Standesherren
te Gefährdung auch
FraEeich.
Vermischtes.
Petttto«,« Gunsten -er Revifi»» de-DreyfuS-ProzeffeS.
»Der Siecle" veröffmtticht folgende P e t i t i on, die an die Senatoren und Abgeordneten gerichtet werden soll:
.Es gibt eine Affaire Dr - yfus. Das Parlament verkündigt fie, die Presse veröffentlicht sie, die Straß- hallt von den Erörterungen wieder, deren Gegenstand sie ist, und am Famili-nh-rd-, wo man vermeidet, ^davon zu sprechen, beschäftigt fie unausgesetzt dre Gemüther, quält fie die Herzen. Sie ist der Ausgangspunkt einer ungesunden Agitation, die die Geschäfte lähmt, indem fie die
I ■' Nach dem Lunch, den die Gesellschaft dem Kongreß in dem ^ehemaligen Lustschloß des Lütticher Fürstbischofs gab, wurde im benachbarten Park der Kaffee servirt. Eine aus Arbeitern bestehende Musikkapelle musizirte dazu und die Knaben des von der Gesellschaft errichteten Waisenhauses führten gymnastische Spiele auf. Die Rückkehr nach Lüttich erfolgte wiederum zu Waffer. Dort hatten wir noch ein Stündchen Zett und konnten noch, wenn auch nur flüchtig, in kleine Trupps «ertheilt bie aus- I gedehnte und verkchrreiche Sladt in Augenschein nehmen. Male- I risch wirkt das Palais de Justice, in welchem sich in eigenartiger Weise der Uebergang von der Gothik zur Renaissance ausspricht Edle Verhältnisse zeigt das Innere der St. Jakobskirche, das man neuerdings im Ganzen recht glücklich restaurirt hat. Etwas erstaunt war ich, als ich auf ein erst unlängst errichtetes Denkmal Karls des Großen stieß. Am deutschen Konsulat war die Fahne umflort. Im Casi verlangte ich vergeblich nach einer deutschen Zeitung; eine solche hält man nicht, wohl aber eine rumänische; es soll zahlreiche rumänische Studenten in Lüttich geben. Auffallend viele schöne weibliche Gestatten sah ich während dieses eintägigen Aufenthalts im wallonischen Lande. Das Zu- sammenttceffen von dunklen Haaren mit stahlblauen Augen gibt ihnm einen eigenen Reiz. Der Separatzug, der uns nach Brüssel zurückbrachte, war nur spärlich besetzt, da die auslän- bischen Kongreßtheilnehmer, insbesondere die Deutschen, von Lüttich direkt in ihre Heimath zurückkehrten.
Prof. Franz Lenbach über feine Eindrücke in Friedrichsruh.
, . Setfin, 2. Aug. Wie vor einiger Zeit angekündigt war, ist beim Institut für Infektionskrankheiten in Berlin eine Abtheilung für Schutzimpfungen gegen Tollwuth errichtet worden, welche Mrtte Juli d. IS. in Betrieb genommen wurde. Auf
große Schädlichkeit eines eventuelle» ® a r t e nprodukte nachgewiesen
U Alteraatjoualer Schifffahrts-Kongreß.
V. (Schluß.)
I rwd die Maschinenwerkstätten. Die Räume sind durchweg ge- I sund und luftig gehalten und das Ausschen der Arbetter ist keineswegs ungünstig. Das Ausschalten unb Einschalten der Wagen, welche dieKohlen aus dem Schacht holen, geschieht durch junge Mädchen und es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit sie diese viel Kraft beanspruchende Arbeit verrichten. Wohl den ge- waüigsten Eindruck in diesem Riesenwerk, welches annähernd l 0,000 Arbeiter beschäftigt,- erhielt man an den Hochöfen und den hydraulischen Preffen. Leider war die Zahl der Besucher zu groß, als daß der Einzelne eingehende Erklärungen hätte bean- ! spruchen können. Daß aus den Cockenll'schen Werken die erste Lokomotive des Kontinents hervorgegangen ist, dürfte bekannt sein; ebenso ist das Beffemer-Verfahrm auf dem europäischen Festlande hier zuerst angewandt worden. Inwieweit in diesem industriellen Staat für im Betrieb verunglückte oder durch Alter arbeitsunfähig gewordene Arbeiter Sorge getragen wird, habe ich leider nicht genau in Erfahrung bringen können. Die Bro- schüre, welche man an die Gäste »ertheilte, enthält nichts darüber. Wohl aber enthält sie einige andere interessante Mittheilungen.
Den durchschnittlichen Arbettslohn gibt sie mit Fr. 1064 an gegen nur Fr. 611 um 1850. Die Arbeitszeit überschreitet in der Mehrzahl 10 Stunden nicht. Kriegsmaterial liefert das Werk außer für Belgien auch für Holland, Dänemark, Schweden und Brasilien.
Gerichtszettung. i
, * Berlin, 2. Aug. Aus abschüssiger Bahn befindet sich der frühere - reutenant donSpangeren, der heute der Berliner Ferienstraftammer aus der Untersuchungshaft vorgeführt \ tourb«. Der Angeklagte ist nach seinem Austritt aus dem Militär schon zwei Mal wegen Betrugs und Urkundenfälschung bestraft
,?tn Anfänge dieses Jahres tauchte er in Berlin auf und hielt sich durch eine fortgesetzte Reihe von Hochstapeleien einige Zett über Wasser. Es werden ihm 1 9 B e t r u g s fäl l -, ebenso vi-le U r tun d-nfälschungen und sieben versuchte Betrugssalle zur Last gelegt. Als Hauptmann z. D.' von Stojecki nahm er bei einer Wemhandlung die Stelle eines Weinreisenden an. Er sandte auch Aufträge ein und erhielt dafür die vereinbarte Provi- Dl- Aufträge erwiesen sich später als erheuchelt und er ließ sich nicht wieder sehen. Er hatte sich inzwischen einen anderen Kamen und den Titel eines „Inspektors einer Bersicherungsgesell- schaft bergelegt, prellte Gasthofsbcsitzer und Kellner und ver- fchwand dann. In Bremen fand er unter dem Namen „O. v. Zet-
Stellung als Reiseinspektor bei einer Versicherungs-Gesellschaft, erhielt 200 Mark Reisevorschuß, sandte Aufträge ein und erhielt darauf noch 400 Mark Reifespesen. Auch diese Aufträge waren gefälscht. Der Angeklagte wandte sich dann wieder nach Berlin, wo er zunächst Aerlagsbuchhändler und Zeitungsverleger prellte. Er nannte sich bald „Egon von der Planitz", bald „Ltttt. Von Benda . Im April ds. Js. erließ ex dann eine Anzeige, daß em Standesherr einen Herrn, am liebsten einen früheren Offizier, unter glänzenden Bedingungen für eine Vertrauensstellung suchte; dann prellte er als angeblicher Vertreter des Grafen v. Schlabern- dorf die Bewerber. Als die Verhaftung erfolgte, war v. Spangeren Schreiber bei einem Berliner Rechtsanwalt-. Dieser hat dem Gerichtshöfe in einer Eingabe nahe gelegt, daß der Angeklagte in's Irrenhaus, nicht in's Zuchthaus gehöre. Der Gerichtshof beschloß, den Angeklagtem auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen, j —----. » kl — --- 1
Erwartungen und Hoffnungen weit übertreffender Weise gestieaen l't und daß di- Bismarlf sche Zoll- und Wirthfchaftspolitik weit entfernt, allein und einseitig der heimischen Produktion nützlich M '""'Zugleich durch Steigerung der Konsumfähigkeit und Kaufkraft den hfimischen Konsumenten den größten Nutzen gebracht hat."
pu ber morgen in derKaiser Wilhelm Gebücht» stattfinbenden Trauerfeierlichkeit wird kein Mitglied ber Familie Bismarck erscheinen. Der Kaiser 2- °.ui °€r Fahrt zur Kirche von einer Schwadron be§ Garbe» Küraffier-Regiments begleitet unb vor ber Kirche erwartet ihn eine Kompagnie be§ zweiten Garde-Regimmts mit Musik unb riahne. Der Reichskanzler, bie Minister, bas biplomattsche Eorps, bie Generalität werben ber Feier beiwohnen. Auch ber Präsident bes Herrenhauses Fürst zu Wied ist zu diesem Zweck eingefroren. Die Feier vollzieht ber Generalsuperintendent Faber, doch wird eine eigentliche Ansprache nicht gehaltm werden — Morgen am Tage ber kirchlichen Feier werben zahlreiche Geschäfte Berlins in den Vormittagsstunden geschlossen.
fürSchutzrmpfunaen gegen Tollwuth errichtet worden, welche Mitte Juli d. Js. in Betrieb genommen wurde. Auf ihr können Personen, .welche von tollen oder der Tollwuth ver- dächilgen Thieren gebissen find, in Behandlung genommen werden. Dre Behandlung, welche, soweit fie ambulatorisch stattfindet, unentgeltlich ist und in leichten Fällen etwa 20, bei schweren Bißverletzungen — z. B. im Gesicht — mindestens 30 Tage in Anspruch nimmt, besteht in Einspritzungen, welche täglich einmal vorgenommen werden und daher die Aufnahme der Verletzten in das genannte Institut in der Regel nicht erforderlich machen. Die Aufnahme ist vielmehr nur bei solchen Personen Wünschenswerth, welche, wie z. B. Kinder ohne Begleitung von Erwachsenen, in Berlin kein geeignetes Unterkommen finden. Im Interesse einer sicheren Wirkung ist eS erforderlich, daß die Behandlung möglichst bald nach der Verletzung beginnen kann. . Verletzte, welche sich der Behandlung unterziehen wollen, sind von der Ortspolizeibchörde der Direktion des Instituts für Infektionskrankheiten schriftlich oder telegraphisch anzumelden und haben sich bei der Direktion unter Vorlegung eines von der Polizeibehörde ihres Wohnorts ausgestellten Zuweisungsattestes zu melden.
Der Tod Bismarcks.
(Privattelegramm der .Frankfurter Zeitung'.)
M Berlin, 3. Aug., 8 N. Die in Gestalt eines Erlasfös an den Reichskanzler erfolgte K undgebungdesKaisers aus Anlaß bes Tobes des Fürsten Bismarck wirb von ben Blättern an hervorragenber Stelle ohne erläuternbe Bemerkungen abgebruckt. Nur bie „Neuesten Nach r.", bisher Bismarckffches Organ, knüpfen eine Betrachtung baran, bie insofern interessant ist, weil fie zeigt, baß wenigstens dieses Statt bie fronbirenbe Stellung mit Bismarck's Hinscheiben aufzugeben scheint unb eine starke Abneigung gegen das empfindet, was Verstimmung zwischen bem Monarchen unb bem Verstorbenen Hervorrufen könnte. Das Blatt schreibt nämlich :
.Der kaiserliche Erlaß läßt sowohl durch seinen Inhalt als auch aus einigen Aeußerlichkeiten erkennen, daß er von der Hand bei Kaisers selbst herrührt. Die tiefempfundene Wärme der Sprache di-gerechte hohe Anerkennung, die dem Fürsten Bismarck darin gezollt wird wird i» ganz Deutschland und wo immer es Deutsch« gzbt, das lebhafteste Echo wecken. Möge die Hamit in die Zukunft des Deutschen Reiches gestreute Saat der Verheißung zu tauseud- ältrger Frucht aufgehen! Hochherzigen edlen Sinnes gibt der Kaiser damit den Nörglern von rechts und links, die auch jetzt noch das widerliche Handwerk treiben, Verstimmungsmomente für den Monarchen gegen den Verewigten aufzulefen, das Beispiel und die Lehre, daß, was rrdisch und sterblich an dem Heimgegangenen Schöpfer desD-utschenReiches war, der Vergangenheit angehört und daß au die Unsterblichkeit seiner in die Ewigkeit der Geschichte hoch huraus- strahlenden Verdienste bei Weitem nichts Irdisches heranreichen I kann. Mit dem Gedanken und dem Namen des Teutschen Reiches ist der Name des Fürsten Bismarck so unauflöslich verbunden so ‘""iS verschmolzen, daß alle Versuche zu seiner Verkleinerung doch weiter nichts als mehr oder minder versteckte Angriffe auf Kaiser und Reich ffno. Nur das Leben haßt, der Tod versöhnt! Tas sollten sich auch die Gegner des Fürsten Bismarck gesagt sein lassen, die für ihre s^bst am Grabe nicht erlöschenden Bemühungen nirgend mehr ein Echo finden werden. Fürst Bismarck ist zum ewige» frieden emgegangen, ahcr seine Schöpfung ist das Heiligthum der Nation geblieben, die in nie erlöschender Dankbarkeit und Bewunderung zu ihm aufblickt und an deren Spitze der Kaiser steht?
Die „P 0 st verherrlicht bie B i sm ar ck' s ch e Wir t.h- s ch a f t s pol rt i k in ihrer Wirkung auf bie Lebenshaltung ber breiten Waffe unb schreibt bie Steigerung des Konsums an Brobgetrerbe unb sonstigen Lebensmitteln — bas Fleisch ist nicht babei — an Petroleum, Kohlen, Roheisen, Baumwolle einfach ber Bismarckffchen Schutzzollpolitik zu, um bann zu schließen:
'^^„Zoh^ii roC.tcrn den unwiderleglichen Beweis, daß unter d-r Herrschaft der Brsmarck'sch-n Zoll- und Wirthschaftspolitik d-r Verbrauch iuw somit die Lebenshaltung der großen minder wohlhabende« Waffe unseresLolkes in höchst erfteulicher alle1
(Privattelegramm ber „Frankfurter Zeitung.') Jf Berlin, 3. August, 9 N. Prof. Franz Lenbach, ber von Fnedrichsruh zu kurzem Aufenthalt hier eingetroffen ist, hat sich über bie bort gewonnenen Eindrücke nach bem „Lokalanzeiger" in folgenber Weise ausgesprochen:
-Ms ich am Montag um ein Uhr Mittags ankam, traf ich die Familie und die andern Einwohner des Schlaffes nicht blos, wie natürlich, tm Zustande tiefster Trauer, sondern mehr noch in einer an Rathlosigkeit grenzenden Verwirrung. Die Frauen weinten Fürst Herbert war schwer leidend und lag zurZeit meiner Ankunft noch zu Bett, und selbst Graf Rantzau, der ruhigste und ent- schlosienste Mann tm Hause, sah bleich und abgespannt aus. Die letzten Leidenstage des Dahingeschiedenen haben die Familie furchtbar mitgenommen. Am gefaßtesten er- schien noch Graf Wilhelm, doch überließ er alle Dispo- sitionen seinem älteren Bruder. Ueberdies war es unmöglich irgendwelche Dispositionen zu treffen, welche überhaupt «ine Todtenfeier im großen Style und des großen Todten würdig ge- stattet hätten. Der Altreichskanzler hat selbst bekanntlich nie Sinn für das Dekorative und für große Repräsentation gehabt, und so hat er sich das .Bauernhäusel' im Sachsenwald für feine bescheidenen Bequemlichkeitsansprüche und für den Hausgebrauch hergertchtet. Für den Tod und die Todtenfeier des deutschen NationalhKden war das Haus nicht, aber auch schon gar nicht em» gerichtet. . In allen Zimmern standen und lagen Hunderte von Gegenständen des Gebrauchs herum, Taufende von Briefen und Telegrammen waren auf den Tischen th-lls schon geordnet, theils noch ungefichtet, so daß wirklich nur den intimsten Vertrauenspersonen der Eintritt in die Wohnung gewährt werden konnte. Es war kein Raum, es waren keine Arbeitskräfte da, um irgend ein repräsentatives Arrangement zu ermöglichen und der Arbeitsanlaß häufte sich ungeheuer. Beinahe von allen deutschen Fürtteu- häusern lagen Anfragen wegen Theilnahme der regierenden Herren selbst oder ihrer Abgesandten an der Leichenfeier vor, die unverzüglich und dankend ablehnend beantwortet werden mußten. .Die Vorbereitungen zur Einbalsamirung, welche nur ganz unzulänglich vorgeuommen werden konnten, zur Aufbahrung, lauter Dinge,- die in einem großen Palais, in eine» großen Stadt ruhig, leicht und ohne weitere Aufregung der Familie vor sich gehen, ver- Ursachten hier Umständlichkeiten und empfindliche Störungen. Nicht zum Geringsten wurde die persönliche Aufregung der Familienglieder durch die Depeschen des Kaisers erhöht und den Widerspruch der letztwilligen Anordnungen des Todten mit den Absichten Kaiser Wilhelms. Wenn man sich dieses ergreifende und tieftraurige Bild vor Augen hält, welches das Innere des Schlosses bot, dann wird man es begreiflich und entschuldbar finden, daß Fürst Herbert Bismarck den Befehl gab, das Schloß »ach Außen hin vollständig abzusperren, nm nur einigermaßen Herr der Situation bleiben zu können. Den Hunderten von Deputationen, von Berichterstattern, den Tausenden von Verehrern des Fürsten, die alle gewiß mit den pietätvollsten Absichten nm Einlaß warben, hätte der Eintritt unmöglich gewährt werden können. Zu einer Auswahl fehlte es an Zeit und an allen Einrichtungen. Ich habe Bismarck noch auf dem Sterbelager gesehen. So ergreifend und traurig schon der Anblick warm em Bedürfniß, ihn künstlerisch festzuhalten, habe ich nicht gehabt. Der Todte lag im weißen Nachthemd auf dem Rücken, den Kopf seitwärts geneigt und den Mund ein wenig geöffnet, als sollte er zeden Augenblick aufwächen und sprechen. Die schön- rechte Hand lag. auf dem Schooße leicht vorgestreckt. Bismarck sah durchaus nicht entstellt aus und im warmen Lichte, das durch, die Fenster hereinquoll,. in den Farben der Bilder und der Möbel sah das, Ganze so lebendig aus, daß die Schauer des Gefühls,^ hier sei der Tod eingezogen, doppelt ezschutkernd Wirten. Dieses Gefühl, tou es mich beherrsche mag wvhlder Grund selch baß auch früher fast keiner der großen Todten aufdem Sterbelager gemalt wurde. Um nur ein Beispiel amu- führeu: Das Sterbelager von Rubens war gewiß von Meisterschülern des Meisters umgeben und doch hat ihn keiner gemalt. Solcher Todesschauer ist künstlerisch nicht zu soffen. Bei Bismarck kam noch dazu, daß der Profilanblick das Typische des Kopfes, den breiten SchädÜ nicht zur Geltung kommen ließ und daß das Wesentliche fehlte — die Augen. Die sprechenden blitzenden Augen waren ja für immer geschloffen. Sehr bedauerlich ist es, daß in dieser Verwirrung die Abnahme d e r To d t enmaske, zu welcher Begas seinen Former entsendet hatte, unterblieb. DaS' Gesicht war nicht entstellt .und der Schädel Bismarcks wäre «in Denkmal für alle Zeiten gewesen, wie es ja auch der Schädel und die Todt-nmaske Friedrichs des Großen mit dem wundersam schönen Profil geworden ist. Sehr viel hat auch zur Verwirrung im Schlosse .bet Umstand beigetragen, daß eben gar nicht für eine Begrabnißstätte vorgesorgt war, die jetzt, nach dem Willen des Todten, an einem ungeeigneten Orte in Eile hergerichtet werden muß. Wie stimmüngswahr und historisch zutreffend wäre ein würdiges Mausoleum im Schloßparke von Schönhausen, dem Stammsitz der Bismarcks gewesen! Dort sind dieVorfahren des großen Todten begraben, dort steht die schöne Basilika hinter dem Schloss- in Verbindung mit der Familie des Grundherrn. Die Anhöhe bei der Hirschgrüppe in Friedrichsruh, bei der die Züge der Eisenbahn vorbeirasseln, a.n welcher die Telegraphenstangen Front machen, hat nichts für Stimmung, Andacht unb Stille jenes Wallfahrtsortes der Deutschen, zu bem Bismarcks Grab werben wirb unb der in Schönhausen auch bie Erikmerung an Bismarcks sonstige glückliche Jugend geweckt hätte. Wenn ich nun bald wieder von Fried- richsruh abr-iste, so hatte keinerlei Verstimmung bamtt zu thun. Ich habe meinem Trauerempfinden Genüge geleistet und längeres Verweilen, ohne irgendwie mtthelfen zu können, wäre eher peinlich gewesen?
M »erlitt, 3. August, 8 Uhr Abends. (Telegramm.) Die C entralstelle für Vorbereitung von Handel s fr e r t r ä g e n veröffentlicht den B e r ich t eines e n g - fische n Jnd u ji .it e l l e n, ben bieser nach seinem Besuche ist Deutschland in ber Plenarsitzung seiner heimischen Hanbeks- kammer erstattet hat. Der Berichterstatter hatte von ber tritt? Men Regierung eine Empfehlung an ben Botschafter in Berlin echalten. Er suchte bkfen ans unb erreichte durch ihn weitere persönliche Vorstellungen bei den maßgebenden Stellen, insbe- soikdere der deutschen Regierung, vermittelst deren er Konferenzen mttverschiedenm Persönlichkeiten erlangte. Herr Gastrell, ber spezielle Handelsattache ber englischen Botschaft, ein in allen kommerziellen Fragen gut unterrichteter Mann, besten statistische Arbetten äußerst werthvoll finb, führte ihtt persönlich bei Geheimrath Reicharbt ein, mit bem er eine ca. »/»jtünbige Unterredung hatte. Er machte die Wahrnehmung, Reicharbt ftfr PöotÄionist unb entschlossen', ber einheimischen In. dHirie Zollschutz angebeihen zu lasten. Der Bericht- etstatter cheitte chm mit, baß er nach Berlin ge- kommen fei, um bie Ansichten ber englischen Handelskammern über bie Verzollung englischer Textilwaaren zur Sprache zu bringen. Er erklärte ferner, ber Tarif sei ber Fabrikation nicht genügenb angepaßt und in mancher Hinsicht ganz unverständlich. Zur Jllustrirung der Sachlage legte er ihm ein Schriftstück einer deutschen Zolldchörde über einen einfachen schwarzgefärbten Baumwollstoff vor und sagte, er hätte geraume Zeit ben Taris eingesehen, sei aber nicht im Stande, zu sagen, wohin der Stoff gehören könnte. Er bat Geheimrath Reichardt eindringlich Gesetz angewendet werde! 1 doch ungesäumt Schritte für eine Revision jbe8 Zolltarifs Ä"""r
zu thun, und versicherte, baß es bie in englischen Jnteressen- tenkreism herrschende Mißsttmmung beschwichtigen werde, wmn er mit einer diesbezüglichen Zusage dorthin zurückkehren Knute. Geheimrath R e ich ard t entgegnete, er müsse einge- stehen, daß der Tarif nicht mehr dm Zeitverhälttfiffen entspreche, sei jedoch mit ben Details nicht recht vertraut, unb wies ihn an Hkrr«, Geheimrath (!) Bueck, den Generalsekretär des Centralver- bandes deutscher Industrieller. Der Herr Referent hatte eine Unterredung mit letsierem, der ebenfalls beit' Standpunkt vertrat, , man- müsse die nationale JnduM schützen Der Berichterstatter setzte ihm auseinander, daß ein solcher Schick noch nicht einen aufreizenden Zollsatz von 50 ober 100 Prozent auf billige Sorten englischer Gewebe indizire. Ein Satz von 5 ober 10 Prozent sei rationeller " und verleihe doch genügenden Schutz en Anbettacht besten, baß ähnliche AMel beutscher Provmienz in großen Posten von betttschen Jnbustriellm in Englanb abgesetzt würben unb sich gegen englische Produkte behaupten könnten. Herr Geheimrach (!) Bueck gab zu, baß ber Tarif veraltet sei, utib versprach, bie Angelegenheit im Auge zu behalten. Referent legte ihm bringenb ans Herz, baß bie Sache unverzügliche Aufmerksamkeit erheische, konnte jeboch eine bestimmte daraus zielende Zusage nicht erlangen. Schließlich wurde er durch den englischen Generalkonsul Herrn Dr. Vosberg-Rekow vorgestellt. Er wies diesem gegenüber damuf hin daß es Pflicht jedes Engländers und jedes Deutschen sei, für gute Beziehungen zwischen England und Deuffchland Sorge ju tragen und daß man in allen politischen und wirthschaMchen Dingen Hand in Hand gehen könne.; Schfießlich bemerkte der Berichterstatter, man habe ja nun wenigstens dasEingeständniß, daß der^deutsche .Taris, nicht mehr zeitgemäß sei und kaum im Einklang stünde mtt der Stellung eines Landes wie Deutschland, als einer so hoch entwickelten und in erster Reihe der Zivilisation stehenden Natton. Man muffe also dafür agitiren, daß die Revision des Tarifs so bald wse möglich in Angriff genommen würde. In diesem Bericht erscheint uns eines vor Allem auffällig u nd in höchstem Grade b emerkenswerth: der Minffttrialdirektor im auswärtigen 2lmte schickt einen Ausländer, der ihn zum Zwecke einer handelsMitischen Unterredung auffucht, zum Geschäftsführer des-Centtalverbandes deutscher Industrieller! Daß der Fremde diese Stelle in Folge dessen für eine amtliche ober mindestens offiziöse ansieht, folgt schon aus ber Anwendung des Gehettnrathstitels für Herrn Bueck. Erst der englische Gmeral- konsul muß feinen Landsmann daraus aufmerksam machen, baß eS für bie hanbejspolitische Arbeit noch anbere Stellen gibt als den Centtalverbanb! Da man nicht annehmen kann! daß bet deutsche Handelstag ober auch bie deutsche Centtalstelle für Vor- ^reihnig von Handelsverttägen bem auswärtigen Amte gänzlich . <«1annt find, drängt sich, vorausgesetzt, daß dieser «igtische
den Thatsachen entspricht, die Vermuthung auf, daß die
; M Brüffel, 2. August. .>
Am SoMabend war der Kongreß bereits offiziell geschloffen worden. Hie Mehrzahl der Gäste reifte aber noch nicht ab, da für Sonntag Abend efn Empfang beim König unb für Montag ein Ausflug nach Lüttich unb Serattm angesetzt war. Der Empfang tm königlichen Palais ist sehr glänzenb verlaufen; L e 0 p 0 l b 11. unterhielt sich mit ben Deutschen, Engländern und Holländern in ihrer Muttersprache. Große Heiterkett erregte e§ bei ben deutschen Herren, als ber König, welcher bie Reihen seiner Gäste bmchwanberte unb hier unb bort einen an« redete, sich gerade einen Keinen dicken Kongreßbummler aussuchte, um sich bei ihm nach ganz speziellen Fragen ber Kanalanlagen in Deutschland zu erkundigen. Prinz Albert, der Ehrenpräsident des Kongresses, hat sich während des ganzen Verlaufes nicht einmal um denselben bekümmert und blieb auch diesem Empfange bei Hof fern. Die Ursache dieses seltsamen Verhaltens ist eine Meinungsverschiedenheit mit dem König.
Der Ausflug nach S e r a i n g und Lüttich war von dem herrlichsten Sommerwetter begünstigt. Neben der Besichtigung der Maaskatmlisation, bie ben deutschen Fachleuten übrigens nicht eben Neues lehren konnte, war em Besuch der großartigen Cockerillffchen Werke das Ziel der Reise. Die Gesellschaft, der dieses llnternehmm gehört, hatte uns eingelaben und tyjr waren ben ganzen Tag über ihre Gäste. Zwei Dampfer führten uns aus ber Maas in einer Stunde,von Lüttich nach Seraing. An Borb würben belegte Brode unb Wein servirt. Die Fahrt gewährt landschaMch schöne Blicke unb von ber Betriebsamkeit und Blüthe ber belgischen Industrie erhält man'auf ihr einen recht bedeutenden Eindruck. Fabrik liegt neben Fabrik, Hochofen neben Hochofen.
Die Etablissements der C 0 ck e r 11 loschen Gesellschaft bilden eine Stadt für sich. Die Entfernungen find so bedeutend, daß Eisenbahnzüge auf dem Gebiet verkchrm. Die Eigenthümlichkeit des Unternehmens besteht in seiner Msettigkett. Aus demselben Terrain werden die Kohlen an's Licht befördert, das Eisen gegoffen und Maschinen aller Art gebaut. Wir besichtigten die Bergwecke/Vie Hochösim, die Msengießettim, die Sttchlfabnkm
(Wosff's telegraphisches Corresp.-Bureau^
Hamburg, 3. Aug. Die ^Hamburger Nachrichten' öer- I öffentlichen nachstehendes DankeS-Telegramm aus Friedrichsruh:
„Di-zahllosen A-uß-rnng-n von ti-ffkmEchmerz und warmem Empfinden, welche bem unauslöschlichen Andenken meines großen Vaters gelten, nehmen einen so überwältigenden Umfang an daß es unmöglich erscheint, den Leidtragendm für ihre Trene bis über den Tod hinaus im Einzelnen zu danken. Aus allen 5 W-lttheil-n hallt der Kummer, der die Familie an dem Sarge niederbeugt in rührender Theilnahme wieder, und es thut mtt weh, nicht jede Kundgebung b-autworten zu können. Ich Bitte die deutschen Zeitungen, dr-seu Worten Aufnahme zu gewähren, und danke im Namen der nächsten Angehörigen von ganzem Herzen Allere, bie durch Trost-swort- und Blum-nsp-nd-n von nie gewef-n-r Pracht der Trauer, welche unser Land erfüllt, Ausdruck gegeben haben. H. Bismarck.
Berti«, 3. August. Der .Reichsanz-ig-r' meldet: Anläßlich der ?raucrser-r für den Fürsten Bismarck in der Kaiser Wilhelm- G-dächtnißkirche bleibt di- Reichsbank morgen Vormittaa qe- s ch l 0 s f en. — Der .Nordd. Allg. Zig.' zufolge t-legraphttte Prinz Heinrich von Fusan an den Kaiser und sprach seine tiefe Erschütterung über das Hinscheiden des Fürsten Bismarck aus. — -rie A e l t - st e n derKaufmannschafi vonBerli« haben an dem Sarge des Fürsten Bismarck einen Kranz niederlegen lafsen. Das Kollegium wird art der in der Kaiser Wilh-lm- Gebächtintzkrrche am 4. ds. Vormittags 10 Uhr stattfindenden Trauerfeier durch eine Deputation von drei Mitgliedern betheÜigt
Hamburg, 3. Aug. Der „Hamb. Correfp.' schreibt: Der ®e‘ bat, um Hamburgs tiefe Trauer um das Hinscheiden von Deutschlands großem Kanzler und Hamburgs Ehrenbürger, des Fürsten Otto von Bismarck, Ausdruck zu geben, nachstehende ~,e * ® ® “ u n 9 getroffen: Samstag den 6. ds., Vormittags 11 fihr- .O"det unter Theilnahme des Senats und der Bürgerschaft ein feierlicher Gottesdienst in der großen St. Michael-Kirche statt. Nach Beendigung des Trauergottesdi-nstes wird von 12—1 Uhr
" Kirchthürmen in Stadt unb Gebiet Trauergeläute aus- g-fuhrt. Die öffentlichen Gebäude und Schiffe im Hafen setzen an bem Tage bis nach Beendigung des Trauergeläuts bie Flaggen balbffod. -i.re Börse bleibt an dem Tage geschlossen.
8- August. Der Staatsminister Dr. v. Riedel ist HM) Berlin zur Theilnahme an den Trftuerf-ierlichk-tten für den Fürsten Bismarck in bet Kaiser Wtthelm-Kedächtnißkirche
Die genannte Zeitung schreibt aber ferner: „Die Thatsache, daß diese Korrespondenz, die allen deutschen Zettungsredaktionen zu- geschickt sein mag, von den kapttalmanchesterlichen Organen unbesehen ausgenommen ist, zeigt, zu welchen (?) Gunsten der Artikel abgefaßt ist und im Centtalverband der Grundbesitzervereme kann man httraus lernen, an welchem Punkte der Hebel einzu- setzen ist." Es ist zu bedauern, daß die Redaktion der „Han- nover'schen Grundbesitzerzeitung" nicht die Zettüngen genannt hat, welche die Korrespondenz abgedruckt haben, die n u r für die „Frankfurter Zeitung" geschrieben war. Wenn sie dies nicht noch nachträglich thut, dann rnüffen wir annehmen, daß sie absichtlich chre Leser irre führen und bei ihnen den Glauben erwecken wolltt, daß es sich bei dieser Korrespondenzüm eine heimlich angezettelte Verschwörung handelt, um denWaareichäusern zu Höfe zu kommen. Auch die „Deutsche Hausbesitzer-Zeitung" stellt sich aus denselbm Standpunkt; fie schreibt nämlich: „Hauswirths- hetze niedrigster Art involvirt ein Artikel, der vor kurzer Zett 6t verschiedenen großen Tageszeitungen erschien, und der wieder einmal so recht zeigt, welche exponttte Stellung der Hausbesitzer im öffenttichen Leben einnimmt, wie schamlos man gegen ihn Hetzen und treiben darf und wie kein Mtttel zu schlecht ist, um es nicht gegen ihn auszuspielen." Und nun kommt unser Artikel, dem die Absicht zugeschriebm wird, in die Thätigkeit der Haus- j besitzervereine einen Kett zu tteiben. Die Anfiihrung von Thatsachen, auf die wir uns ganz allein beschränkt haben, wird also als eine „schamlose Hausbesitzerhetze niedrigster Art" bezeichnet; das kann nur an ben Thatsachen selbst liegen unb wenn bie I Hausbesitzervereinspresse bie Thatsachen nicht wegschaffen sann, bann hat fie eben bas bitterste Urtheil über biejenigen, bie diese Thatsachen geschaffen haben und immer wieder schaffen, selbst gefällt unb wir können uns jeher weiteren Schlußfolgerung enthalten. Wmn die „Deutsche Hausbesitzerzeitung" ebenfalls behauptet, daß unser Artikel in verschiedenen großen Zeitungen er» I schienen sei, so wollen wir ihr die Beweislast dafür nicht auf- erlegen, denn nach den Erfahmngen, bie wir mit bttsem Blatte tote mit manchem anberen Hausbesitzerblatte schon gemacht haben, nehmen wtt an, baß sie unseren Artikel überhaupt nicht gelesen, fonbern lediglich ber „Hannoverschen Grundbesitzer-Zeitung" entnommen hat mit der Behauptung, daß der Artikel vielleicht allen Zeitungen zugesandt und von den „kchitalmanchester- lichm' abgebruckt sei. Die Hausbesitzervereinspresse blüht so im Verborgenen, baß sie von der öffentlichen Meinung nicht sehr beachtet wirb. Die Rnrichtigkeitm, bie sie den Hausbesitzern aufbinbet, finden bann natürlich keine Widerlegung unb werben schließlich kritiklos geglaubt. Wenn der Verbandstag der Hansbesitzervereine ein gutes Werk thun wollte, bann sollte er erst einmal eine bessere Presse schaffen. Freilich, es ist schwer, eine gute, Presse zu schaffen, wenn sie Dinge vertteten soll, bie sich überhaupt vom Sianbpuntte bes gesunben Menschenverstanbes ans nicht vertreten kaffen. Schon im Jahre 1892 erließ bet Bund ber Berliner Hansbescher- mn-r ung-pinb-m Agitation, die di- Geschäft- lähmt, vereine ein Preisausschreiben; es sollte in einer vorurtheilsfreien sSfeä imJ“nbe f“et
unb unparteiischen Untersuchung bargelegt werben, baß bie ' D.eDr-ufuz-M°,» .0 - *
Realsteuern vom Grunb und Boden unb von ben Gebäuden nicht gerechtfertigt seien. Zu Schiedsrichiem waren bestellt Professor Detnburg, Dr. von Kaufmann unb ber Berliner Stabtsynbikus Weise, ber sich damals eben erst als einen fanatischen Anhänger ber Miethssteuer erklärt hatte. Die Preis- schrifttn sollten bis zum 1. Juli 1-893 eingeliefert fein. Das Preisgericht ist aber niemals in bie Lage gekommen, ein Urtheil zu fällen, beim es ist feine Preisschrift eingelaufen, weil Niemand im Staube war, ohne ber Wissenfchastlichkeit ins Gesicht zu schlagen, bas zu beweisen, was ber Bund ber Berliner Hausbesitzer wünschte. Ebensowenig kann man von ber gegenwärtigen Hausbesitzerpresse verlangen, baß sie in wissenschaftlicher ober auch nur ben Thatsachen entsprechender Weise vorgehe. Es ist im klebrigen zu bebauern, daß die meisten Zeitungen der Jnteressenwirthschaft ber Hausagrarier, bie bedenklichen Umfang annimmt, so wenig Aufmerksamkeit widmen.
All-, Arbeiter, Künstler, Kaufleute, Industrielle, bie nicht den geringsten Hintergedanken des Tadels gegenüber von Chefs der Armee hegen, die unser volles Verttauen besitzen, die im Stillen an der Vorbereitung künftiger Revanchen arbeiten, alle ohne Unterschied der Parteien und Religionen unterzeichnen die vorliegend- Petition für Revision eines ungesetzlichen Urtheils, für die Rückkehr zurB-obächtung des Gesetzes, der Bürgschaft der Eintracht und des Friedens.
Es lebe Frankreich!
Für diese Petition sollen so viel Unterschriften wie möglich gesammelt werden.
I - DitDreyfus-Affair- ist überall, nur nicht da, wo sie sein sollte: im Justizpalaste.
Man hat mtt Recht gesagt: Das muß aufhören. „Das'kann nur durch das Gesetz aufhören.
Das Gesetz ist die äußerste Zuflucht, die Stimme, vor der sich Alles verneigt, das Recht, die Gerechtigkeit, die Stärke und die Sicherheit eines freien Volkes.
■' A^^fA-de, die Herr Cavaignac, Kriegsminister, kürzlich nn Abgeordnetenhaus- gehalten hatte, konnte man glauben, daß der Spruch, der Dreyfus verurtheilte, gesetzlich gefällt worden war. Seit dieser Rede ist der Zweifel nicht mehr gestattet.
- ,' ?Emange hat in,der That vor dem Schwurgerichtshofe unter Eid ausgesagt, daß er nur von dem „bordereau“ Kenntniß gehabt hat.
Hrrr. Cavaignac hat sich nun, um den Schuldbeweis zu erbringen, ausschließlich auf geheime Aktenstücke gestützt, die weder dem Vertheidiger noch dem Angeklagten bekannt waren; er hat nicht einmal -ine Andeutung auf das „bordereau* gemacht, das doch die M'ge offizielle Grundlage der Anklage gewesen ist: geheime Aktenstücke haben bie Verurtheiluug herbeigeführt.
®“|fu3t ist also ungesetzlich verurtheilt worden ; allein ungesetzlich behütet auch u n g e r - ch t, denn wer kaun behaupten, > baß d-r-Angeklagte nicht die Falschheit der Aktenstück- erwiesen- j hatt-, mit denen man ihn heute belastet?
. Welche Gewissensbisse, wenn die llnges-tzlichkeit zu einem Justtt- irrthum geführt hätte, zu furchtbaren Oualen, die ein Unschuldig: erduldet! Ohne ab-r im Voraus ein Urtheil über die Unschuld oder die Schuld Dreyfus' zu fällen, muß daS ungesetzliche und demnach uUgiltige Urtheil die R e v i s i 0 n des Prozesses nach sich ziehen. Herr Cavaignac sagte uns mit berechtigtem Stolze
| dag es uns fteistände, unsere Angelegenheit bei uns zu erledig« und daß sich nichts der Aufhebung der Geheimverhandlung widersetzte: die Revision muß daher am helllichten Tage vorgenommen werden. Das ist das Heilmittel gegen die jetzige Agitation. Wähler aller Glaubensbekenntnifse und aller Parteien, Offiziere, deren R-chüichkeit und Ehrlichkeit über allen Zweifel "°L°ben sind, die aber ihren Codex nicht so genau kannten, tote ihre Militärischen Pflichten, Offiziere, bie doch schließlich nur Menschen und demnach fehlbar find, haben einen franiöfischen Offizier außer- W gtschllchen Bürgschaften verurtheilt. Ein so gefälltes Urtheil ist nach dem Gesetze nichtig.
Nach dem schlagenden Beweise dieser Ungesetzlichkeit durch ben Kriegsminister selbst haben unsere Vertreter bei ben öffentlichen Gewalten die Regierung nicht zur Achtung vor bem Gesetze angehalten.
Die Minister, bie Senatoren, bie Abgeorbneten finb unsere Vertreter; unb bie Verfassung hat uns durch das P e t i t i 0 n s r e ch t dl-Vollmacht - eingeräumt, sie zur Erfüllung ihrer Pflicht .anzuhalten, falls fie diese vergäßen. Die Pflicht in dem vorliegenden Falle ist die Befolgung des Gesetzes.
, Wähler, verlangen wir durch bie vorliegende Petition, daß das
7.'. - ' "■ . . . - - 11^111^ ytotflfiivlatt Jranltftirttr Leitung.
Nuu.chresennaEStemdpuukt können wtt, de? Ceuttalverbanb-s beuffcher Inbusttieller als'bttHiu '
«a<b unseren Erfahrungen aus ben Großsttwten nicht theilen, maßgebliche hinstellen will ' UCln
Die genannte Zeckmg schreibt aber ferner: „DieTbatiock,- hn6 ' Berlin, 2. Aug. Landtagsabg-ordneter Weder ru : S u sen ist im Alter von 77 Jahren gestorben. 4 . v Ersurt, L. Aug. Die .FrankfurterZeitung" brachte kürzlich einen Artikel, m dem dre große Schädlichkeit eines iventu-llen S chutzz olles auf G a r t e n p r 0 d u k t e nachgewies« wurde, Mit derselben Sache beschäftigt sich heute bie S /fchbune* mtb kommt rm Weienttichen zum gleichen Eraebniß Mit besonderer Rfickficht aus die Arbeiterschaft schrettt sie dann am Hchlufse: .Der deutsch-Arbeiter hat die Pflicht, gegen dtt Gartenbauprodckkte zu Protestiren. Tenn bie klar, baß, wenn ein Zoll überhaupt etwas ? em h°hrr sein muß. Unb ein hoher ?.?h^äoll aus Blumen u. s. w. ist gleichbebeutenb mit bem voll- staubigen Verzichtleisten ber Arbeiterschaft auf biese Probukte Die Blumen haben aber bereits ebenso gut wie Früh-Gemüfe unb ovfs-hört, Luxusartikel zu sein, fi- sind bereits Bebarfsarttkl geworben. Unb deshalb fort mit einem Zoll aus die Garteichauprodukte, ber lebiglich bie ärmeren Bevölkeruugs- klassen treffen würbe.' .. a
n 3u3' ?ie Tanzsaalbesitzer d«s:Regierun^- ^usseldors haben sungst eine gemeinschaftliche Sitzunq ab. gehaltm und eine Petition an den Regierungspräsidenten Frecherm gesandt, in welcher um Aufhebung der bestehenden Beschränkungen der Tänzln st barkeiteu gebeten wurde. Der Regierungspräsident hat dieses Gesuch kurzweg abg-lichnt. Run- mehr wollen die Saalbefitzer nochmals zusammeutteten, um eventuell weitere Schritte zu thun.
I . Württemberg, 2. Augi>'>.. Eine Korrespondenz
des „NeuenAIbboten" glaubtfesfftellenzukönnen,baß bieMchr- zahl ber Stairdesherren bas Ortsvorstehergesetz auch ! tTk. der abgeschwächten Fassung ber zweiten Kammer ablehnen werbe. Die Mehrheit ber Ersten Kammer soll bie Regelung der Ortsvorsteherfrage bis nach Einführung bes bürgerlichen Gesetzbuches hinausschieben wollen. — Das wäre so etwas für
I dm extremen Radikalismus, wenn die Erste Kammer außer der I Steuerreform und der Verfassungsrevision auch noch dem ohnehin schon zu. sehr-verwässerten Ortsvorstehergesetz Schwierigkeiten be- reiten mürbe! Für sounklug haltm t ' ~ ■ 1
einstweilen noch nicht, smtemalm sie burch .... uuu.
be§ brüten Reformentwurfs ihre eigene gesetzgeberische Position noch stärker mlßttebitirm würben. Die Kombination bes „Reum Älbboten" ist nach unseren Jnformationm auch zunächst nicht in thatsächlichen Verhältnissen begründet.

