Kr. »70. Aveirdstlnkk.
Tages-Rmdschail
Forschungen zu sprechen, die sich auf die arasitärer Organismen in
•ofe und Cholera wichtige Aufschlüsse ge-
auf das
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Auch der Beschluß des Parteitages über die Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen ist sehr vernünftig. Er hebt den Hamburger Beschluß auf, stellt eS den „Genoffen" anheim, nach Gutdünken zu verfahren, und gibt, wenn wir ihn richtig verstehen, die Möglichkeit, daß Sozialdemokraten sogleich für oppositionelle Wahlmänner eintreten. An den ozialdemokratischen Parteigenossen liegt es nun, für eine Ausführung des Beschlusses zu sorgen, die eine wirksame Abwehr der reaktionären Bestrebungen ermöglicht. Daß der Parteitag sich entschieden gegen die Zuchthaus - Vorlage wandte, ist selbstverständlich. Aus Allem aber ersieht man, daß die Sozialdemokratie auf einem guten Wege sich befindet, und wenn sie ihn wieder verlassen sollte, wird es sicherlich nicht ihre Schuld sein, sondern derjenigen, die dem Aberglauben huldigen, durch Gewalt und Ausnahmegesetzgebung die sozialdemokratische Partei vemichten zu können.
die Ansicht immer mehr befestigt, das in entzündlichen Ausschwitzungen Exsudat als solches, sondern viel»
öffentliche Leben demokratisiren, also praktisch arbeiten. Schließlich sagte Bernstein, das „Endziel des Sozialismus" sei ihm nichts, die Bewegung Alles, womit er dem Gedanken Ausdruck geben wollte, daß man die Ideen vom Zukunstsstaate u. dgl. hübsch im Kasten behalten und sich energisch der praktisch-politischen Arbeit widmen möge. Da Bernstein zu den Autoritäten unter seinen Parteigenossen gehört, ist es begreiflich, daß seine Ausführungen die größte Beachtung fanden, aber nicht nur das, sie fielen auch vielfach auf fruchtbaren Boden und erzeugten Zustimmung. Freilich fehlte es nicht an Widerspruch. Insbesondere sah sich Parvus veranlaßt, in der „Sächsischen Arbeiterzeitung" eine Erwiderung von Bandwurmlänge loszulassen, die ebenso wüthend, wie verfehlt war.
Nach diesen Affairen durste man in der That auf den diesjährigen sozialdemokratischen Parteitag gespannt fein. Es unterlag keinem Zweifel, daß die Frage der Taktik, also auch die Frage des „Endziels" und Vas damit zusammenhängt, zur Diskuffion gelangen werde. Das geschah denn auch in ausgiebigem Maße, und Diejenigen, welche eine Entwicklung der Sozialdemokratie in dem Sinne erwarten, daß ihr Schwerpunkt immer mehr von der revolutionären auf die reformerssche Seite sich verlegt, sind nicht enttäuscht worden. Wir haben bereits gestern darauf hingewiesen, tote sehr die gemäßigte Richtung zum Durchbruche kam, und daß es nur an unserer unglückseligen inneren Politik liegt, wenn dieser Umschwung nicht noch deutlicher zum Ausdrück gelangte, als es der Fall war. Aber wenn man die Reden Heine's, Pens', Gradnauer's, Fendrich's, Auer's, Bollmar's rc. gehört oder gelesen hat, darf man zufrieden sein. Und der Faden reißt nicht mehr ab. Eben polemisirte wieder der „Vorwärts" gegen Frau Zetkin. Diese und Frl. Dr. Luxemburg haben auf dem Parteitag eine Krastsprache geführt, die aus dem Munde von Frauen ganz besonders widerlich klingt und der Frauenbewegung wahrhastig nichts nützt. In der That, als wir die Artikel Bernstein's lasen, dachten wir nicht: „Da werden Weiber zu Hyänen." Fast kam es doch so. Frau Zetkin nun hat kürzlich dem „Vorwärts" einen Aufsatz gesandt, in dem sie ihm den Ton (!) vorwirft, den er seit einiger Zeit anschlägt, nämlich den ruhigen, ernsten Ton, und das Recht vertheidigt, möglichst oft das Wort „revolutionär" zu gebrauchen. Wenn man die hübsche, kleine Frau einmal gesehen hat, möchte | man es nicht für möglich halten, daß sie eine so — sagen *
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vorhrr bereits vorhanden waren,
Frankfurt, 6. Lctober.
Possibilismus ist diejenige Taktik, welche sich das Erreichbare zum Ziele setzt. Die deutsche Sozialdemokratie hat viele Jahre hindurch das zunächst Liegende, das erreicht werden kann, gering geschätzt und traumhaften Idealen nachgejagt, sie war eine Partei, die sich vom Possi- büismus schied, wie das Feuer vom Waffer. Das hat sich stark geändert. In der Zeit, die seit der Aushebung des Sozialistengesetzes verstrichen ist, sind gar manche Stimmen innerhalb der sozialdemokratischen Partei laut geworden, die das Schwärmen für die revolutionäre Phrase ebenso überflüssig, wie langweilig fanden und sogar schädlich, da sie die Entwicklung der praktischen Politik hindert; d. h. derjenigen Politik, die sich nicht darin erschöpft, harte Worte für das Bestehende und überschwängliche für das Erhoffte zu finden, sondem nüchtern abwägt, was etwa zur Besserung der Verhältnisse thatsächlich möglich sei, und dann darnach handelt. Manche dieser Stimmen, wie z. B. das Auftreten Vollmars vor einigen Jahren, haben Aufsehen erregt, Widerspruch und Zustimmung unter den Parteigenossen hervorgerufen. Aber nichts hat so viel Staub aufgewirbelt, wie die Aeußerungen Eduard Bernstein's über das „Endziel" der sozialen Bewegung und die Unterstützung, die er von Conrad Schmidt u. A. erfahren hat.
Man wird sich dieser Sache noch erinnern, da ihr Ver- | lauf noch nicht lange her ist. Bernstein hatte in der wissenschaftlichen Revue der Sozialdemokratie eine Artikelserie veröffentlicht, in der er die Grundlagen der marxistischen Theorie einer scharfen, theilweise abfälligen Kritik unterzog. Er führte aus, et könne nicht glauben, daß die bürgerliche Gesellschaft schon vor ihrem Zusammenbruch stehe. Die so ost für eine nahe Zeit prophezeite Katastrophe werde vielleicht gar nie eintreten, und deshalb müsse man alle Reformen betreiben, welche die Lage des Arbeiterstandes heben und das
wir: temperamentvolle Genossin ist. Der „Vorwärts" aber leuchtet ihr gut heim. Da sie ihm Prinzipienlosigkeit vorwirst, antwortet er: „Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß Schönlank der Ansicht ist, unsere theoretische Auffassung im Programm, wonach eine fortgesetzte Verelendung der Masse eintritt, sei unrichtig, Parvus aber dagegen aufs heftigste polemisiren muß, und wenn wir dann, beachten, daß Bebel und Parvus für die Landtagswahl, Schönlank dagegen auftritt, Auer das Agrarprogramm gegen Schönlank und Bebel bekämpft, dann werden wir irre daran, ob es der Genossin Zetkin möglich ist, uns einen Parteigenossen vorzustellen, der ihrer innersten Ueberzeugung nach ganz prinzipiell geblieben >st. Wir fentten keinen, ja wir müssen bedauem, daß selbst Klara Zetkin nicht dazu gehört."
So ist es. Wir sehen also, daß innerhalb der sozialdemokratischen Partei Deutschlands eine Strömung ständig an Kraft gewinnt, die das praktische Mitarbeiten an den politischen, sozialen und wirthschaftlichen Aufgaben unserer Zeit in die erste Linie gestellt wissen will, unbekümmert darum, ob der Arbeiter, der das Mögliche anstrebt, auch darüber hinausgehende Ideale hat oder nicht. Und wir sind der Ansicht, daß diese possibilistische Gruppe die ihr aegm- überstehende mit innerer Nothwendigkeit zurückdrängen wird, so weit, daß sie thatsächlich die Richtung der sozialdemokratischen Politik bestimmt. Der Grund dafür ist leicht einzu- sehen. Eine eigentliche Bourgeois-Herrschaft hat in Deutschland, vor Allem in Preußen, noch nie bestanden. Man war auf dem Wege dazu in den 60er Jahren, und wenn sie zustande gekommen wäre, hätte die Bourgeoisie mit den feudalen Ueberresten aufgeräumt und den liberalen Staat errichtet. Da kam aber das allgemeine Wahlrecht dazwischen. Bismarck wußte, was er that, als er es einführte. Dem, nun hatte die Bourgeoisie gegen zwei Fronten zu kämpfen, gegen den Feudalismus und gegen den neu entstehenden Feind, gegen die damals wirklich revolutionäre Sozialdemokratie. Damit war enbgiltig die Möglichkeit eines bourgeoisen, liberalen Regimes vorüber, denn ein großer Theil des Bürgerthums, erschreckt von dem Anstürme der Arbeiterbataillone, warf sich gerne den Feudalen in die Arme. Da stehen wir heute noch. Worauf es also jetzt ankommt, das ist nicht Mittel und Wege ausfindig zu machen, wie man eine Utopie, den Zukunftsstaat, verwirklichen könne, sondern das durchzuführen, was die liberale Bourgeoisie nicht mehr ganz fertig brachte — die Demokratisirung des Staates. Was darauf folgen soll, das wird sich schon finden, wissen kann es ja doch Niemand. Und das sieht man eben auch in der Sozialdemokratie immer mehr ein. Was nützen denn dem Arbeiter die schönsten Sonntagsideen, was nützt ihm wohl, sich auszumalen, wie wenig zu arbeiten und wie viel zu verzehren er hätte, wenn — ja wenn eben das, „wenn" nicht wäre? Hat er nicht dringendere Ausgaben?' Ist es für ihn nicht werthvoller, seine ganze Kraft auf die Erringung eines freien Koalitionsrechtes zu setzen und auf das Viele andere, das er so nothwendig braucht und doch nicht hat, statt sich in unfruchtbaren Erörterungen über das „Entziel" zu ergehen und vagen Hoffnungen nachzuhängen? Aus solchen Erwägungm heraus, die ja bereits in der Sozialdemokratie angestellt werden, wird die gemäßigte Richtung die Kraft ziehen, das Phrasengeklingel der Parvus und Parva wirkungslos zu machen; sie wird es mit innerer Nothwendigkeit.
Das Münchener sozialdemokratische Blatt hat einen g e. Heimen Erlaß des bayerischen Kriegsministers veröffentlicht, der in Bayern ein größeres Aufsehen erregt und dieses auch verdient. Der Erlaß wendet sich gegen die Vertretung persönlicher Interessen von Offizieren und Militärbeamten in der Presse oder durch Mitglieder der Kammer der Abgeordneten, soweit diese von Offizieren und Beamten unmittelbar angeregt sei. Dieses Verfahren" stehe mit den allerhöchsten Vorschriften, nach denen die Anbringung aller Bitten, Gesuche uito Beschwerden ausschließlich aus den Dienstweg verwiesen ist, in Widerspruch und müsse die ernstesteMißbilligung des Kriegsministeriums finden. Die Betretung solcher Nebenwege sei mit der Standeswürde der Offiziere unvereinbar, welche von der festen Ueberzeugung getragen sein sollten, daß ihre persönlichen Interessen nirgend eine wohlwollendere Förderung und ' thatkräftigere Unterstützung finden, als bei dm militärischen
Die Berliner Oberbürgermeister-Vakanz und die sogenannte Wahlkapitulation fangen an, eine Angelegenheit von allgemeinerer Bedeutung für die städtische Selbstverwaltung zu werden, Nachdem der bisherige Ober- Mrgmneifter Zelle erklärt hatte, nicht länger als bis zum 30. weptember im Amte zu bleiben, war vor mehr als 3 Monaten an seiner Stelle der zweite Bürgermeister Kirschner von den Stadtverordneten erwählt worden. Bis zur Stunde ist seine Bestätigung noch nicht eingetroffen. Da es sich um einen Mann handelt, der sowohl in seiner gegenwärtigen Stellung wie bereits früher im Kommunaldienst der Stadt Breslau anstandslos bestätigt wordm ist, so kann es nicht Wunder nehmen, daß man einen konkretenAnlaß für die Verzögerung sucht. Die „Breslauer Zeitung" hat berichtet, es sei Herrn Kirschner die Bedingung gestellt wordm, die Erklärung abzugeben, daß er niemals in eine Ehrung der Märzgefallenen willigen werde. Die Gefahr, daß Herr Kirschner sich nach einer solchen demokratischen Pietäts- Pflicht besonders reißen werde, ist zwar durchaus nicht naheliegend. Hat doch sogar der Beschluß der Berliner Stadtver- .orbueten, den gefallenen Freiheitskämpfern einen Denkstein zu errichten, nicht einmal die Zustimmung des Magisttats gefunden. Aber schon die bescheidme Fürsorge einer Umfriedigung des Begräbnißplatzes mit einem Gitter, wie sie selbst der fügsame Magistrat beschlossen hat, stößt auf Schwierigketten, weil für ein solches „Bauwerk" die baupolizeiliche Genehmigung erforderlich und bisher nicht ertheilt worden ist. Schon haben konservative Blätter darauf aufmerksam gemacht, daß die Baupolizei hierbei keineswegs blos Rücksichten auf die Sicherheit des Gebäudes, sondem auch Rücksichten auf die Sicherheit des Staates und der Gesellschaft zu nehmen habe, die selbstoerständkich durch ein solches Unternehmen bedroht erscheinen. Wird der Gemeindebeschluß mangels baupolizeilicher Genehmigung nicht ausgeführt, so wird selbstverständlich die ganze Angelegenheit nochmals der Beschlußfassung der Gemeindekollegien unterbreitet. Da es zu den obersten Amtspflichten eines jeden Beamten gehört, über die Dinge, in denen er mitzubeschließen hat, nach freiem und gewissenhaftem Ermessen zu urtheilen, so würde es eine arge Verletzung der Amtspflicht enthalten, wenn ein Beamter im Voraus bindende Erklärungen darüber abgäbe. Nun glaubt die Berliner „Volkszeittmg" nach Informationen „an der zlsständigsten Stelle" mit aller Ensschiedenheit betonen zu können: „daß an Herrn Kirschner niemals ein Ansinnen gestellt worden ist, das seine Haltung gegenüber dm Märzgefallenen mit der Bestätigung oder Nichtbestättgung in Zusammenhang bringt." Das wollm wir gern glauben. Denn nach § 833 des Strafgesetzbuches macht sich Jeder, der einem Beamtm Geschenke oder andere Vortheile verspricht, um ihn zu einer Handlung, die eine Verletzung einer Amis- oder Dienstpflicht mthält, zu bestimmen, eines Vergehens schuldig, das mit Gefängniß und eventuell auch mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft wird. Ein Geheimrath oder Unterstaatssekretär oder Minister, der einem Kommunalbeamten verspricht, seine Beförderung zu befürworten, wmn er sich der freien Entschließung in einer Dienstsache begibt und sich im Voraus bindet, ist ganz ebenso zu behandeln, wie wenn er einem Landrichter verspräche, ihm zum Avancement in eine Präsidentenstelle zu verhelfen, so- fem er ihm bindend zusage, in einer Prozeßsache in dem und dem Sinne zu enffcheiden. Daß man, wenn man die Sache schachen will, sie nicht in so plumper Art macht, die Haltung gegenüber den Märzgefallenm mit der Bestätigung tn einen direkten „Zusammenhang" zu bringen, das hat man auch ohne die „Volkszeitung" gewußt. Im Interesse der bürgerlichen Selbstverwaltung läge es aber, wmn jeder Kommunalbeamte in ähnlicher Lage, an den auch nur in verttaulichen Pourparlers derarttge unverfängliche oder verfängliche Anftagen gestellt werden, stets ertoiberte, er sei bereit zu antworten, wenn die Frage schriftlich an ihn gestellt würde. Wir sind überzeugt, daß dies ein zweifellos sicheres Mittel wäre, den Fragesteller zum Schweig« und die kommunale Selbstständigkeit zum Siege zu bringen.
Mo Viertel?, in Frankfurt «.Mainz bei d.Exp. «X 7.50 beiden Agenturen .«8.25 bei den Pestämtem int Deutschland, Oesterreich (in Wien auch Zeitungsbureau Wollz.6) M 0 Schweiz.... Fr. 12.70 SXiM.....Fr. 12.80
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26. Park Place.
zurückzuführen fei und daß der Satz „omnis cellula e cellula* („nur aus der Zelle entsteht die Zelle") auch für die Pathologie seine Giltigkeit bewähre. Die Untersuchungen über die Lebenserscheinungm der Zellen sind auch insofern von Wichtigkeit, als sie uns den Schlüssel bieten zur Erforschung jener geheimnißdollen Vorgänge, auf denen die „Erblichkeit" bezw. „Vererbung" beruht. Die Vererbung von erworbenen Eigenschaften bezw. Krankheitszuständen wird vom Redner im vollsten Umfange anerkannt, zugleich aber hervorgehoben, daß bei vielen Krankheiten, wo man früher von „Krankheitsvererbung" gesprochen hat, die direkte llebertragung eines lebenden Krankheitserregers vom mütterlichen bezw. väter- llchen auf den kindlichen Organismus zugestanden werden muß. Die Vererbung des Aussatzes (Lepra) gibt hierfür einen unzweideutigen Beleg. Ta wo die Uebertragung der Krankheit durch einen lebenden Krankheitserreger (Mikroben) nicht nachgewiesen werden kann, werden wir annehmen müsien, daß in den Zellen des mütterlichen bezw. väterlichen Organismus die Tendenz vorhanden ist, gewisse diesen Zellen (bezw. den Organen, die sich»us jenen Zellen zufammenfetzen) eigenthümliche Eigenschaften auf die nachfolgenden Generationen zu übertragen.
Weiterhin kommt Virchow auf die interessanten Erscheinungen oet „Heterotopie" zu sprechen — jener Abnormität, wobei Fragmente von Geweben oder Organen an Stellen sich entwickeln, wo sie unter normalen Verhältnissen nicht vorkommen. In diesem Falle ,st die den Zellen anhaftende Prolification (Vermehrung der Zellen) zur Erklärung jener Erscheinungen heranzuziehen. Es ist zweifellos, daß jene „Heterotopie" die Grundlage bildet für das Auftreten und die Entstehung gewisser Geschwülste, andererseits wäre es aber durchaus unwissenschaftlich, wenn man alle Geschwülste des menschlichen Körpers aus jene Erscheinung der Heterotopie zurückführen wollte. Zum Schluß kommt Virchow auf jene neueren Forschungen zu sprechen, die sich auf die Einwanderung Parasitärer Organismen in den menschlichen KörpK beziehen. Neben Trichinen und Bandwurm und jenen niedrigsten thierischen Organismen (Plasmodien), die als Krankheitserreger der Malaria (Sumpffieber) eine wichtige .ttoUe spielen, sind es vor Allem jene einfachsten pflanzlichen Orga- msmen, die man unter dem Kollektivbegriff der „Bakterien" (Bazillen, Kokken u. bergt.) zusammenfaßt, die als Krankheitserreger eine hochbedeutsame Rolle spielen. Speziell auf diesem Ge- °'«e sind die Forschungen Robert Koch's, insofern sie üb« das Wesen der Tuberkulose und Cholera wichtige Aufschlüsse geboten haben, von epochemachender Bedeutung. Weiterhin ver- m-eltet sich Virchow über den Begriff der „Infektion" — eine Azerchnung, die er selbst zuerst in die Wissenschaft eingeführt hat. Es ist von größter Wichtigkeit, zwischen den Bakterien selbst und den Veränderungen, die sie in den Geweben beziehungsweife Organen Hervorrufen, streng zu unterscheiden. Ein großer Theil der Erscheinungen, die man bei Infektionskrankheiten beobachtet, beruht nicht sowohl auf dem direkten Einfluß 6er krankheitserregenden Spaltpilze als vielmehr auf
Aeuilleion.
Rudolph Virchow's Vortrag in London.
X London, 3. Oktober.
Es ist ein schöner Gebrauch der Londoner wissenschaftlichen Institute, daß sie das Andenken derjenigen ihrer verstorbenen Mitglieder, die sich außerordentliche Verdienste erworben haben, durch besondere Vorträge, deren Inhalt zu dem Wirken des Dahingeschiedenen meist in enger Beziehung steht, bei den Zeitgenossen wach zu erhalten suchen. Der ehrenvollen Aufforderung, die zweite Huxleh-Vorlesung vor den Studenten des Charing-Croß-Hospitals und der damit verbundenen medizinischen Schule zu halten, hat RudolphVirchow heute entsprochen, indem er in geistvoller Weise den Einfluß der biologischen Forschung auf die medizinischen Anschauungen und die Fortschritte der Heilkunde erörterte. Im Hinblick ouf den zu erwartenden starken Besuch war die Halle der St. Martins Town Hall zu Charing - Croß für jene Vorlesung einge- räumt worden und diese geräumige Lokalität bot kaum genügenden Platz für die große Menge der Studenten und Aerzte, die der Name unsKes großen Gelehrten zum Besuche der Vorlesung veranlaßt hatte. Unter den Anwesenden bemerkten wir die hervorragendsten medizinischen Kapazitäten Englands, wie: Sir W. Mc. Cormack, Sir Henry Thompson, Sir James Paget, Sir John Banks und diele Andere; auch die nichtärztliche Gelehrtenwelt Englands war durch eine Anzahl hervorragender Männer ver- fteten.
. Durch Lord Bister eingeführt, begann Virchow seinen durchweg m englischer Sprache gehaltenen Vortrag mit dem Ausdruck des DankeS für die ihm erwiesene Ehre und entwarf sodann ein Bild von dem Stande der biologischen Forschung zu jener Zeit, wo John Huxley ferne Studien im Charing-Croß-Hoipitalund bet mit demselben verbundenen medizinischen Schule zuerst begann — ein Zeitpunkt, der mit der Beendigung von Virchow's akademischen Studien zeitlich zusammenfiel. Von einer „Biologie" als Wissenschaft konnte damals noch keine Rede sein; vielmehr war die Medizin zu Beginn des 4. Jahrzehnts unseres Jahrhunderts bis zu gewrffem Grade noch in den Anschauungen des Paracelsus, der alle Lebenserscheinungen mit dem Schlagwort „Vitalismus" bezw. „principiam energeticum“ erklären zu können glaubte, befangen. Zwei englische Gelehrte, nämlich Francis Glisson und der berühmte Hunter, haben gegen die Beherrschung b« Wissenschaft durch Paracelsus zuerst Einsprache erhoben. Glisson wies darauf hin, daß bas „Energieprinzip" in der Materie selbst zu suchen fei und nicht von außen in dieselbe hinein- aetragen fein könne; Hunter zeigte den Unterschied zwischen „lcben- ver" und „nicht-lebender Materie", konnte aber von ben traditio-
Kleines Feuilleton
StautfMrt, 6. Oktober.
, = [»erlittet Theater.) Sardou's „P amela" habett wir nun gestern imLessingtheater kennen gelernt. Es ging der neuesten Historie Sardou's hier ähnlich, wie in Wien. Neu- mann-Hofer bürste zwar nach bem vierten Akt viermal hervortreten unb für den Autor danken, das geschah aber mit verblüffen, der Schnelligkeit. Die Komödie hat also auf das Publikum nicht gewirkt. Man sagt, es sei eben die schwächste Arbeit Sardou's. Ich weiß nicht, tote man derlei abwägen will. Mir scheint sie nicht viel schwächer und nicht stärker, als die anderen Historie« Sardou's. Nur find dte Kniffligkeiten abgebraucht; sie überrasche« mcht mehr. Geschichtliche Vorgänge, die in ein Geheimniß ge. taucht find, werden dte dichterische Phantasie immer lebhaft an- re9*n- Auer tote es Sardott anfängt, kommt man nicht weit. Er
nicht, sondern treibt ein verschmitztes Spiel. An die Scrlbe sche Jntrtguenkomödie erinnert seine Pamela, an die kurz- fichttge Geschichtserklärung von den winzigen Ursachen und de« gewichtigen Folgen. Nur daß der alternde Sardon fahrlässiger und gröber spinnt, als Scribe es that. In der Anekdotenhistorie Sardon s stehen Barras unb Pamela, eine dünnblütige Ber- toanbte der Theaterheldin Madame Sans - ®ene, einander
• .Mensur gegenüber. Pamela, eine „Frivolitäten- Händlerin, will den Dauphin retten und entführen. Sie hatte das kranke Kind Ludwigs XVII. im Gefängniß 9‘Wn, und Erbarmen zog in ihre Seele ein. Barras durchschaut bte Absichten bet Royalisten. Er bulbet sie aber zu egoistische« Zwecken. Er wirb inbeffen von Pamela übertölpelt. Das mache« ' "5?^Frauenschultent unb Fraueulist. Nicht für Barras, sonber« j „für bte Freiheit" wird ber kleine Dauphin entführt. So lautet Sardous Bekenntniß. Vom boshaften Kleinkram von Stichel««
ber Einwirkung ihrer giftigen Stoffwechselprodukte. Auch wäre es durchaus voreilig und beim gegenwärtigen Stand unsere, Kenntnisse völlig ungerechtfertigt, wollte man schon jetzt behaupten,- daß alle Infektionskrankheiten auf die Einwirkung jener toinziae« Krankheitserreger zurückzuführen sind. Ueber die Heilserumther<toi- und die Wirksamkeit der Antitoxine ist ein abschließendes Urtheil zur Zelt noch nicht möglich. Der Einfluß, den die bakteriologische« Forschungen auf die Entwicklung der Chirurgie ausgeübt habe« und die Einführung der antiseptischen Wundbehandlung wird vom Redner als ein gewaltiger Fortschritt bezeichnet; Lord Lister, dem wir diesen Triumph der modernen Heilkunde vorwiegend verdanken, ist einer ber größten Wohlthäter beS Menschen, geschlechts.
Den von lebhaftem, stellenweise nicht enbenwollendem Beifall begleitete» Vortrag beschloß Virchow mit der an die englische« Studenten der Medizin gerichteten Mahnung, „kühle Ueberlegung. scharfe eingehende Beobachtung und ein kritisches Urtheil" als die» lenigen Eigenschaften zu schätzen, bte für den Mediziner unb Naturforscher von allerhöchster Bedeutung sind.
zu feiner „hämatologischen Theorie", einer nur wenig veränderten Form der alten humoralpathologischen Anschauungen, auf ber Bahn der „genetischen Untersuchung" (Untersuchung, die Hj) auf dte Entstehung der Naturobjekte und Naturerscheinungen erstreckt) — eine Bahn, die in Deutschland der Dichterfürst Goethe betreten hatte und auf der die deutschen Embryologen : Wolf, Meckel, Döllinger, K. E. von Bär u. A. Hervorragendes ge- leistet haben, wurde von Glisson, Hunter und insbesondere von Darwin rüstig weiter gearbeitet und hier war es auch, wo die Huxlev'schen Untersuchungen einsetzten. Es ist Huxleh's unsterb- Ilches Verdienst, zuerst darauf hingewiesen zu haben, daß hinsichtlich der Struktur und Organisation zwischen bem Menschen unb ben ntcortgften thierischen Organismen kein prinzipieller Unterschied besteht, wodurch es denn sofort verständlich wird daß durch die auf bte niedrigsten thierischen und pflanzlichen Organismen sich beziehenden Forschungen die Erkenntniß der Lebenserscheinungen bet den hochorganisirten Lebewesen wesentlich gefordert werden muß. Allerdings wurden die Fortschritte auf biologischem Gebiete durch bte Annahme jener geheimnißvollen „Lebenskraft", auf die man alle unerklärlichen Erscheinungen zurückführen zu müssen glaubte, sowie durch die Theorie von der „Einheit des Lebens" anfangs noch gehemmt und erst als man zu erkennen ansing, daß alle höher organifirten Wesen als Komplexe jener einfachsten Organismen, die man als „Zellen" bezeichnet, aufzufassen sind, war es möglich, über das Zustandekommen der Lebenserscheinungen Aufschluffe zu erhalten.
Als Grundlage aller unserer heutigen und zukünftigen Forschungen müssen folgende Sätze gelten: 1) Der Körper des Menschen und der höheren Lhtere ist nicht ein Einzelorganismus, sondern etn sozialer Organismus, eine Zusammengruppirung von einer großen Anzahl einfacher Organismen. 2) Jeder lebende Organismus, jedes Organ und,Gewebe besteht aus Setten. 3) Die Zellen selbst bestehen aus chemischen Substanzen, denen an unb für sich keine Lebenselgenschaften zukommen. Ter Lehre von ben Zellen als einfachsten Elementen unb Bausteinen des menschlichen Organismus Geltung zu verschaffen—bas ist, wie Virchow in bescheidenster Weise barlegt feine(Virchows) Wichtigste Lebensaufgabe gewesen, unb eS waren nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten, die ihm bei diesen Bestrebungen entgegentraten. Zunächst wurde der wissen- schastliche Fortschritt behindert durch die von Schwann behauptete „fiele Sei len bildung", eine Behauptung, die im Grunde genommen em Wiederaufleben der alten Lehre von der „Urzeugung" (generatio aeguivoca) bedeutete. Ferner waren es gewisse pathologische Ericheinungen im menschlichen Körper, wie z. B. die „plastischen Exsudate", die nicht ohne Weiteres mit den soeben erwähnten Sätzen in Einklang zu bringen waren. Durch seine bei Hornhautentzündung unb Hornhautwunden angestellten Unter, suchungen sowie durch andere Beobachtungen wurde bei Virchow
1X1 - - -a| Pas Austreten von Zellen
Vorgesetzten. Wenn in einzelnen dem Ministerium bekannt' gewordenen Fällen eine unmittelbare Inanspruchnahme nicht
I erfolgt sein sollte, so scheine doch durch den öffentlichen Verkehr ! die allgemeine Aufmerksamkeit auf die bestehenden Wünsche ge- ! lenst und letztere hierdurch der Presse und der Volksvertretung zugänglich geworden zu sein. Werde von den Angehörigen der Armee vermieden, persönliche Verhältnisse und Wünsche in der Oeffentlichkeit und vor unberufenenZeugen zu besprechen, so würden die Fälle seltener werden, daß Fernstehende sich zu einer Hilfe» leistung bemüßigt finden, die weder das allgemeine Ansehen des Standes zu heben, noch die Interessen des Einzelnen zu fördern geeignet sei. Das Kriegsministerium erwartet, daß die Korn» mandostellen und Behörden belehrend auf Offiziere u. s. w. einwirken, damit solche Vorkommnisse nach Möglichkett hintangehalten werden. — Der bayerische Kriegsminister nimmt hier die Haltung eines patriarchalischen Arbeitgebers ä la Stumm an, der verlangt, daß „seine" Angestellte sich in ihrm Angelegen- heiten nur an ihn wenden sollen. Dabei ist doch ein Unterschied vorhanden. Die Offiziere und Militärbeamte stehen im Dienste des Vaterlandes und im Solde der Nation, die schon deshalb ein lebhaftes Inter effe daran hat, Wünsche und Beschwerde« lernten zu lernen. Nun verbietet der Minister nicht nur de« Verkehr mit berfff Presse, sondern auch — mtt dem Landtag und da wird dieser denn doch nicht umhin können, sich mit dem kriegsministeriellen Eingriff in seine Rechte zu befaffe« und dem Kriegsminister den Gehalt zu sperren, wenn er de» Erlaß nicht zurückzieht. Die Offiziere und Militärbeamte habe« ebenso ein Interesse daran, die Landtagsmitglieder über ihr, Verhältnisse zu insormiren, wie umgekehrt der Landtag daran/ interessirt ist, diese Verhältnisse möglichst genau zu kenn«. Wenn sich der Kriegsminister nun zwischen die Armee und dir Nation zu stellen sucht, wird ihm hoffentlich recht laut und deutlich ein „Hinweg!" zugerusen werden. Uebrigens zeigt auch dieser unerfreuliche Zwischenfall, daß die Armee sich immer mehr als Staat im Staate fühlt. Früher war es in Bayern anders, da fühlten sich die Offiziere als Bürger, während man heute ihr „Klassenbewußtsein" durch allerlei Mittel und Mittelchen z» schärf« sucht.
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Die vier Mächte England, Fransteich, Italien und Rußland haben gestern der Pforte das längst angekündigte Ultimatum wegen der Zurückziehung der türkisch en Truppe» von der Insel Kreta überreich« lassen und wenn der Sulla» vernünftig ist, wird er der Forderung in dem ihm bewilligt« Zeitraume nachkommen. In dem Ultimatum wird, wie schon vor einigen Tagen in einem unserer Konstantinopeler Privattelegramme gemeldet wurde, dem Sultan die Versicherung ertheilt, daß die Mächte die Gavantie für die Sicherheit des Lebens und Eigenthums der Muhamedaner auf Kreta übernehmen, in Folge dessen für Abdul Hamid jeder Vorwand fortfällt, noch länger türkische Garnisonen in einigen Hafen-Städten Kretas zu erhallen. Es heißt, daß er nun die Belassung wmigstens einer türkischen Garnison verlangt, als Zeichen seiner Oberhoheit. Dagegen wäre am Ende nichts einzuw«den, wenn diese Garnison so stein wäre wie diejenige auf Chios und wmn sie ' nicht in einem der Hauptorte der Insel sich befände. Sonst würde man bald wieder von Reibereien hören, wie sie z.B. viele Jahre in Belgrad vorkamen, bis die dortige türkische Gamison ganz zurückgezog« wurde. Wenn der Sultan der Forderung! der vier Mächte nicht nachkomm« sollte, werden Zwangsmaß^ regeln, nicht gegen den Sultan oder seine Regierung bireft,; sondern gegen die türkischen Behörden und Truppen auf Kreta an- gewendet werden. Man wird die türkischen Beamt« absetz« unb die türkischen Garnison« durch Blokirung auszuhungern suchen. Sehr lange können letztere nicht Widerstand leisten, da die Mächte in ben letzten Wochen ihre Streitkräfte so verstärtt haben, daß sie für alle Fälle hinreichen dürsten. Ein interessantes Bild dürste sich in den nächsten Tag« Demjenigen, der Sinn für die Ironie der Weltgeschichte hat, darbieten: von dem Südufer der Krim eilt ber Zar, unter Vermeidung bes kürzest« Weges, durch Deutschland nach Kopenhagen, um dort der Bestattung seiner Großmutter beizuwohnen, deren Tod die Herrscherfamilie« zweier europäischer Großmächte in tiefste Trauer versetzt hat. Noch ehe er aber Livadia verließ, hat der Zar seine Zustimmung zur Ueberreichung des Ultimatums an den Sultan gegeben. A« demselben Tage, an welchem die Trauernden das Grab in der Kirche von Roeskilde umsteh«, wird der deutsche Kais« in Venedig seine Seefahrt nach dem Goldenen Horn antret«, wo» bei er in die Nähe jener Insel gelangen wird, welche dem Sultan zu erhalten er bemüht gewesen ist. Abdul Hamid aber wird d« ihm befreundeten deutschen Kaiser an demselben Tage zu empfangen haben, bis zu dem er seinen enbgiltigen Entschluß mit Bezug auf bas Ultimatum ber vier Mächte gefaßt hab« muß. Fast hat es ben Anschein, als ob bie Reihenfolge oder das Zu- sammensteffen dieser Ereignisse kein ganz zufälliges ist, sonder« daß eine geschickte Hand den Szenenwechsel anordnet. Ma« kann daher mit einer gewissen Spannung dem Ende des Sst'ickes «tgegmseh«.
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