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Frertnrl, 1. Jx&vuat 1901
MMiiMIa Zittzn;
Ar. 38 Erstes Morgenblstt
Irankfwler Zeitung
und Handelsblatt
(Heue Frankfurter Zeitung.)
(Frankfurter Handelszeitung.)
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darüber zu, daß man es nur mit einem Winkelzuge zu thun habe, dessen Zweck der sei, die Regierungsvorlage zu Falle zu bringen. Die vollständige VereinSsreihkit, die Gablet in seinem Entwürfe auch den Kongregationen gewährte, stütze sich lediglich aus die gleichzeitig beantragte Trennung der Kirche vom Staate. Wove man jetzt den Kongregationen dir BereinSsreiheit gewähren, dann würde die Kirche allein große Vortheile genießen, die Kirche nehme bereits eine bevorzugte Stellung ein, da der Staat sie und deren Diener beschütze und besolde. WaS würde geschehen, wenn die Priester durch Industrielle ersetzt würden, die Medaillen gegen Krankheiten und Rosenkränze gegen den Tod verkauften? Die Rechte schrie und tobte, allein Präsident D e s ch a n e l weigerte sich, gegen den Redner einzuschreiten, da dieser nicht die Gewissen verletzen wollte, und Herr Tro«illot fügte ausdrücklich hinzu, er greife nicht diejenigen an die den katholischen Glauben ausüben.
des Großen Weiterbau. Soviel der Held des siebenjährigen Krieges zur Hebung der Kultur in Preußen gethan — er bleibt in der Größe der Absichten und Pläne hinter feinem Großvater zurück; aber er besitzt, wie dieser, einen feinentwickelten Kunstgeschmack und bekundet ihn bei seinen Bauten, deren Ausstattung und seinen Sammlungen. Unter Friedrich Wilhelm 1L beginnt bereits der Niedergang und macht sich, obschon im vergangenen Jahrhundert eine Art Blüthe preußischer Kunst, beschlossen in den Namen Chodowiecki, Franz Krüge!», Menzel, Schado.w, Rauch und Schinkel, stattgefunden, mich noch in der Gegenwart so empfindlich bemerkbar, daß nicht der geringste Grund besteht, sich in Ansehung der künstlerischen Kultur über die Zeit Friedrichs L irgendwie erhaben zu fühlen — im Gegentheil! Die Ausstellung in der Akademie ist nach dieser Seite hin besonders lehrreich und kann jenen gefälligen Leuten nicht genug zum Studium empfohlen werden, die voller Enlphase versichern, niemals hätte die Kunst im Königreich Preußen imponirender dagestanden als unter der Herrschaft Kaiser Wilhelms IL
Zu den Glanzstücken der Ausstellung gehört ein ausgezeichneter Abguß der Bronze-Statue Friedrich I. die zu den ersten Werken gehört, die Schlüter im Auftrage des damaligen Kurfürsten (1697) ausführte und die seit dem Jahre 1801 vor dem Königsberger Schlosse steht, wo sie allerdings kaum zur Geltung kommt. Sie ist des Schöpfers des Großen Kurfürsten in jeder Beziehung würdig. Umso unbegreiflicher erscheint es, daß das schöne von Johann Jacobi gegossene Werk über hundert Jahre in Magazinen herumstehen und sogar einmal von der Gefahr bedroht werden konnte, mit alten Kanonen zusammen emgeschmolzen zu werden. Der erste preußische König ist in der Tracht eines Imperators dargestellt, den seine Garden auf den Schild heben wollen. In schreitender Stellung steht der König auf diesem in reich verzierter Rüstung. Der swlz erhobene Kopf wird von natürlichen Locken umwallt, die schiefe Schulter von einem geschickt drapierten Mar-- tel verdeckt. Der linke Arm ruht auf einem Postament, so daß die schöne Hand zur Geltung kommt. Die Siechte stützt sich mit dem Feldherrnftabe leicht auf den am Boden stehenden Helm. Bei aller Zopfigkeit hat die Erscheinung des kostümirten Königs etwas ungemein Wahres und Lebensfrtsches. In einer den königlichen Schlössern entliehenen Marmorbüste von der Hand
er sich einen geschickten Bildhauer und Architekten aus Italien verschreiben können, irgendeinen der vielen Barockkünstler, die die großen und kleinen europäischen Höfe mit pomphaften Schlössern und Lusthäusern versorgten. Aber er berief einen deutschen Künstler, Andreas Schlüter, der sich bis dahin noch gar nicht hervorgethan, der aber, von dem kunstsinnigen, seine Begabung klar erkennenden König vor immer höhere Aufgaben gestellt, sich so weit entwickeln konnte, daß seine Schöpfungen der Nachwelt als die Höhepunkte der deutschen Barockkunst gelten. Neben Schlüter hat Friedrich noch so namhafte Künstler wie N e r i n g. Eosander v. Göthe, Hu lot, Pesne beschäf- tigt und mit deren und anderer Architekten, Bildhauer, Maler und Kupferstecher Hilfe einen Kulturuntergrund
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Frankreich.
Die Bereinsgesetz-Lebatle.
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Schlüters erscheint die apollinische Sieghaftigkeit des Ausdruckes im Antlitze des Königs, wie sie die Statue zeigt, zum königlichen Ernst gemildert. Von den aus- gestellten Bildnissen hat nur das den Monarchen im Krönungsornat darstellende von Pesne Bedeutung. Man sieht noch ein Gemälde von Anton v. Werner, das die Krönung zum Vorwurf hat und ein paar Aquarelle von Skarbina, die Krönung und die Stiftung des Schwarzen Adler-Ordens, worin sich beide Künstler mit demselben Mißerfolge bemühen, auf die Art Menzels die Vergangenheit lebendig zu machen. Aus der Zett Friedrichs I. stammen zwei interessante Bildnisse seines Sohnes. Das eine rührt von dem Holländer Antoni Schoonjansher und stellt den später allem theatralischen Wesen so abholden Friedrich Wilhelm I. als feurigen, halbnackten, von einem großen Mantel umwehten, seine Schleuder schwingenden David dar, während R o m a n d o n ihn als Kronprinz in reichem Hofkleide als liebenswürdigen Schwerenöther gemalt hat. Zwei recht achtbare, geschmackvolle Leistungen, die sich neben einem Bildniß deS zweiten preußischen Königs von Pesne nicht übel ausnehmen.
Unter den Bildnissen Friedrichs des Großen inter- essirt neben dem bekannten Jugendbildniß von Antoine Pesne, eine der vorzüglichsten Schöpfungen des Malers, am meisten das künstlerisch allerdings belanglose Porträt, das der König seinem Bankier D, Splittgerber einst verehrte, weil es das einzige authentische Bildniß des alten Fritz und für viele Darstellungen, die den König in späteren Lebensjahren zeigen, benutzt worden ist. Man sieht darauf Friedrich den Großen mit schon gekrümmtem Rücken, den Hut zum Gruße leicht lüftend, den Beschauer mit seinen großen Äugen scharf musternd, vorübergehen. Dann Hatzen hier, außer einer schönen Marmorbüste des Königs«, noch Adolf Menzel's dem Verfall leider schnell entgegeneilende Meisterwerke „Die Tafelrunde in Sanssouci" und das ungleich werthvollere „Flötenconcert" ihren Platz erhalten. Als einzige beachtenswerthe Leistung ist unter den Bildnisien Friedrich Wilhelms II. das von Anton G r a f f zu nennen, das so stark farbig gegen sonstige Bilder des „Lenbach des 18. Jahrhunderts" wirkt, daß man meinen möchte, es sei von einem Restaurator übermalt. Bei Friedrich Wilhelm Ist. begegnet man einem Bildnisse des Königs von Thomas Lawrence, nicht sehr tief in der Charakteristik, aber vornehm als Geschmacksäußerung und Malerei, wie
Maler und Kupferstecher Hilfe einen Kulturuntergrunö geschaffen, der nicht nur eine fast dreißigjährige Vernachlässigung durch den zweiten König aus dem Hause Hohenzollern ertrug, sondern auch noch als sicheres Fundament zu dienen vermochte für Friedrichs
Agrarzölle und Handelsverträge.
E Berlin, 30. Januar.
Wenn in den Zolldebatten der letzten Wochen hin und wieder von nichtagrarischen Rednern darauf hiogewiesen worden ist, daß eine wesentliche Erhöhung der landwirth- schaftlichen Zölle den Abschluß neuer Handelsverträge erschweren oder unmöglich machen und unsere wuthichastlichen und politischen Beziehungen zu großen Staaten ungünstig beeinflussen werde, dann ist von agrarischer Seite mit dem plumpen Vorwurf geantwortet worden; die Freihändler riefen das Ausland zu Hilfe oder sie hetzten es aus; kurz sie seien wieder einmal antinational. Man kann sich kaum einen thörichteren Vorwurf denken, zumal ja doch die Agrarier selbst behaupten, daß sie den Abschluß von Handtlsverträgen wünschten. Die Staaten, mit denen Deutschland in großem wirthschaftlichem Austausch steht, brauchen nicht ausgehetzt, auch gar nicht aufmerksam gemacht zu werden. Dort sitzen auch Leute, die mindestens so klug sind wie unsere Agrarier und beobachten längst mißtrauisch das Treiben dieser und die Nachgiebigkeit unserer Regierung gegen dasielbe. Die Erklärung des Grafen Bülow von der wirksamen Erhöhung der land- wirthschaftlichen Zölle hat prompt die Antwort aus den Nachbarreichen hervorgerufen. Die österreichisch-ungarische, dir rusiische Presse, auch die amerikanische werden bedenklich, sehen die Handelsverträge gesährdet und dm Zollkrieg im Hintergründe und darüber hinaus liest man bereits Betrachtungen über politische Entzweiung durch den handelspolitischen Krieg. Das ist nur ein Vorspiel von dem, was noch kommen wird. Aber dieses Vorspiel hat das Gute, gegenüber einer gewissen Resignation, die eingerissen zu sein scheint, darauf aufmerksam zu machen, daß noch lange nicht aller Tage Abend ist und daß t r o tz der Erklärung des Grafen Bülow und trotz der stolzen Mehrheit, auf die die Agrarier im Reichstage Hinweisen, der Kampf um die landwirthschastlichen Zölle — denn es handelt sich, wie stark betont werden muß, nicht nur um die Getreidezölle — noch lange nicht entschieden ist. So lakonisch sich Graf Bülow auch ausgedrückt hat, er wird doch Handelsverträge zu Stande bringen wollen und durch diese Hauptaufgabe wird seine Nachgiebigkeit gegen die Wünsche der Agrarier eingeschränkt. Er kann in die Lage kommen und er wird wahr» • scheinlich in die Lage kommen, den begehrlichen Herren zu sagen, daß mit den von ihnen gewünschten Zollsätzen Handelsverträge nicht zu machen sind. Vielleicht spricht er gerade deshalb so kurz und in allgemeinen Wendungen, weil er die Rückwirkung auf die andern Staaten fürchten muß, die jetzt in den ersten Anzeichen sich be- mnkbar macht. Wir möchten auch dem Glauben entgegentreten, der verbreitet wird, als habe der Reichskanzler sich im Stillen vergewissert, daß Rußland mit 5 Mark oder mit 5.50 Mark Getreidezoll einverstanden fein werde. Wir glauben's nicht und, wie immer wieder gesagt werden muß, um die Getreidezölle allein handelt es sich nicht. Es scheint von gewißer Seite und namentlich durch das Gebühren der Agrarier absichtlich die Vorstellung verbreitet zu werden, als ob in der Hauptsache schon alles fertig sei. Das ist nicht der Fall, auch die aus- ländischen Preßstimmen widersprechen dem und deshalb ist für die Opposition im Reiche noch ausreichend Gelegenheit und Zeit, gegen die Zollerhöhung anzukämpsen. Man braucht die Betrachtungen über politische Entzweiungen großer Staaten infolge von Handelsflreiligkeüen nicht allzu tragisch zu nehmen, aber gerade die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen doch, daß wirthschaflliche und Handelsinteressen die Ur fachen großer Kriege werden. Jedenfalls haben die Konservatioen früher den Zusammenhang witthschastlicher und poiitücher Freundschaft zwischen großen Staaten anerkannt. Deshalb haben sie ja z. Th. für den Handelsvertrag mit Oesterreich gestimmt und bezeichnen das als patriotisches Opfer, weil ihnen damals von fehr hoher Stelle nahegelegt worden ist, daß im Interesse des Dreibunds der Handelsvertrag nothwendig fei.
BeruüWeZ
* tzharkerol, 28. Jan. Kürzlich ist von hier ein Telegramm verbreitet worden, wonach der Streik der Glasmacher beendet fei. Deutsche Firmen, die durch den Streik geschädigt sind, haben sich nach der Richtigkeit der Meldung erkundigt und die Mittheilung erhalte», daß die Lage sich nicht merklich verändert habe; die Wiederaufnahme der Arbeit geschehe nicht nachhaltig und man könne jetzt schon sage», daß es mit den Februar- Lieferungen nicht viel bester stehen werde, als mit denen bei Januar.
Nähe desselben beobachten, wüsten sie die Arbeit sofort Anstelle», den Ort in sämmtlichen Zugänge« durch Latkenkreuzie kennzeichnen und dem Abtheilungssteiger oder beste« Stellvertreter Meldung mache». Außer der Wetterführung regelt die Verordnung, die unter Aufhebung einer Reih- bisheriger beigpolizeilicher Vor- ichrifien am 1. I a n u a r 1902 in Ata ft tritt, die Unschädlichmachung deS Kohlenstaubes, di, Schießarbeit »nd die Beleuchtung.
iDutSvurg. 28. Jan. Der Gesammtverkehr im hiesigen Hasen hat im verflostenen Jahre sich von 4,130,399 t im Jahre 1899 aus 4,745.8611 (mehr 615 465 t) vermehrt von denen 2 000 887 (1.817.900) t auf die Zufuhr und 2.744,977 (2,312.499) t auf die Abiuhr entfalle». Den stärksten Prozentsatz bildet natürlich der Kohleuverkehr, der sich allein in Steinkohlen auf 2,676.5281 gegen 2,206,3341 de» Vorjahres beziffert. Die Kvhlen-Anfubr ouf bet Eisenbabn betrug Über de» städtischen Hafenbahnhof 2.710.656 t gegen 2,350,729 t (gleich m. 359,9271) des Jahres 1899. Die zu Schiff abgefahrene» Kohlen betrogen inSaefommi 2,680,187 t gegen 2.243,082 t (gleich m. 437,105 t) im Jahre 1899 und Vertheilen sich auf die Strecken nach Duisburg bis Köln ausfchl. 13.254 (1899 11,072) t. Köln 7014 (1648) t KSln ausfchl. bis Koblenz 11.352 (17,235) t, Koblenz 5354 (4155) t. Koblenz ausfchl. bi» Mainz ausfchl. 66,780 (62,589) t, Main, 96 351 (87,869) t. nach den Mainhäfen bis Frankfurt ausfchl. 225 450 (155,552) t, noch Frankfurt 263.697 (242 682) t, nach Mainz ausfchl. bis Mannheim auSichl. 118,652 (99.796) t, na1> Mannheim 878,060 (763,793) t nach Mannheim oberhalb ($4,765 '479,922) t na» Duisburg bis Emmerich 8473 (3150) t, Mch Holland 202,759 (167,841) t (hiervon nach den Ostieehäfen 975 t gegen 56701 im Jahre 1899) und nach Belgien 128,226 (146,278) t. Der Gesammtverkehr in Eisenerzen betrug 711,798 gegen 685,715 t im Jahre 1899. in Roh- und Brucheiien 151.407 (70.445) t ». f. w. Die Zahl ter im Jahre 1900 in de» hiesigen Hase» eingelaufenen beladeueu Schiffe betrug 4547 gegen 4245 deS IahtrS 1899 (mehr 802), die der unbeladenen 6689 gegen 5272 (m. 1367). A» Flößen liefen ein im Jahre 1900:184 Stück aleich 110,829 t gegen 127 mit 112.101 t(m. 7 Stück mit weniger 1272 t). Abgefahren aus dem Hafen sind beladene Schiffe im Jahre 1900 6946 gegen 5173 in 1899 (m. 1778), uubeladene 4417 gegen 4257 (m. 160). Hiervon betrug bet direkte Seeverkehr: a) angebracht 14,3341 Güter (1899 24,909 t) in 48 Dampf-und 21 Segelschiffen und b) abgefahren 6661 (1899 15,086) t Güter Ulld Kohlen in 62 Dampf» und 1 Segelschiff.
urtheilung der Herrscher dabei ergeben. Allerdings gelangt man dabei zu Ergebnissen, die jedem ehrlichen Byzantinerherzen heftige Beklemmungen verursachen müssen, aber auch auf den sachlichen Beurtheiler keineswegs erhebend wirken.
Man ist von der Geschichtsstunde her gewohnt, den ersten preußischen König für den unberühmten Sohn eines berühmten Vaters, für einen politisch unbedeutenden, eitlen und verschwenderischen Herrscher zu halten. Indessen haben diese Eigenschaften Friedrich l. nicht gehindert, mehr für die Hebung der Kultur in Preußen zu thun, als irgend ein anderes Mitglied seines Hauses. Daß es gewissermaßen aus persönlichen Motiven geschah und daß er, um möglichst schnell zum Ziele zu gelangen, sich die französische Kultur zum Muster nahm, vermindert seine Verdienste nicht im Geringsten; denn ein Theil seiner Schöpftmgen hat sich bis in die Gegenwart hinein werthvoll und lebendig erhalten, und besonders Berlin kann ihm nicht genug dankbar sein; denn der 1. preußische König hat ihm sein wichtigstes künstlerisches Bauwerk — das alte Königsschloß — und fein schönstes Denkmal — das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, — hinterlassen und auch fönst einen großen Zug in die Anlage der Stadt gebracht, dec von seinen Nachfolgern leider nicht immer respektirt worden ist. Und das kann von Friedrich I. nicht genug gerühmt werden: Er war nicht nur kunstsinnig, er war auch kunswerständig; er brachte nicht nur Kultur, er besaß auch selbst solche. Wie leicht hätte
* Varis, 30. In». Die Debatte über das neue Vereins» gesetz hat noch nichts von ihrem leidenschaftlichen Charakter eingebüßt, da die Mitglieder der Opposition unausgesetzt bemüht sind, die Einzeldebatle durch Gegenprojekte und Amendements, deren Zahl zur Stunde bereits sechzig Übersteigt, zu verwirren und zu verschleppen. Nach dem Abb( Gayraud, der die von dem Berichterstatter Trouillot so arg zugerichtete Moral der Jesuiten zu vertheidigen suchte uno dem Abbk Lemire, der Worte der Versöhnung vernehmen ließ, schlug ge^rn der Bonarpatist Cuneo d'Orna^o wieder einen viel ferm Ton an, allein ohne Erfolg, da fern Gegenprojekt mit 4<K gegen 21 Stimmen verworfen wurde. Alle diese Ab» mmigen boten nut geringes Interesse, da man wußte, daß mimte Opposition sich anläßlich des Grgenprojekts P u e ch in würde. Abg. Puech, der als Radikaler im 3. Pariser ndistement gewählt worden war, ist seit dem Siege der ionalisten in den letzten Pariser Gemeindewahlen ins natio- nalistrjche Lager übergkgangtn und thut sich da durch den Ueber- eifer des Bekehrten hervor. Abg. Puech hatte den yeschicklen Schachzug auSgehcckt, das von dem ehenialigen Konseilspräsi- benten und radikalen Abg. Rene Gablet im Jahre 1895 aus» ueü.ii-.ide uni 1858 von den Sozialisten mifgetiommene Vereinsgesetz als Grgenrntwurf einzubringen, in btitt die vollständige Vereinsfreiheit auch für die Kongregationen gewährt, für diese aber eine Uederwachung durch den Staat vorgefchrieben wird. Berichterstatter Trouillot machte nur einen Svrimg auf die Tribüne, um bet Majorität das Manöver der Opposition zu zeigen. Der Umstand allein, baß alle Klerikalen und Monarchisten für dieses Gegenprojekt seien, laste keinen Zweifel
.unreelle Handel' verkauft ihn für gutes deutsches Produkt. So die Klage. Und wie ist es in Wirklichkeit? Von den drei ersten Monaten bet neuen Hopfenkampogne — »eitere Angaben liegen noch nicht vor — kamen im September 1900 sechs Doppelcentner aus Rußland, im Oktober war die Ziffer nahezu die gleiche. Im November wurden 4810 D.-Cir. im Ganzen eingeführt, wovon 4802 D.-Cir. aus Oesterreich kamen. In den Rest von 8 D.-Cir. theilen sich Belaien und Rußland. Ich glaube, auf Rußland traf nur 1 D.-Clr. Also das ist die Schädigung dmch den rustischen Handelsvertrag l Der klerikale Abgeordnete Landgerichtsrath Söldner .forderte' in einer Versammlung in der Hollerbau jüngst unter bem Beifall von 600 Bauern die Erhöhung des HopfenzrEeS auf 70 oder 100 Mark. Nun betrug in den drei ersten Monaten der gegenwärtigen Hopfenknmpagne (September, Oktober und November) die Gesammteinfubr 12,438 D.-Ctr., davon 12,326 D.-Ctr. aus Oesterreich. Im gleichen Zeitraum deS Vorjahres betrug die Gefammteinfuhr 19.284 D.-Ctr. Die Ausfuhr betrug 41,540 D.-Ctr. gegen 38,124 D.-Ctr. im Vorjahr. Also ist die Einfuhr um 33 pCt. gesunken, die Ausfuhr um 27 H pCt. gestiegen. ES ist die Ausfuhr um 29,102 D.-Cir. größer gewesen als die Einfuhr, unb bet Einfuhr von 12,438 D.-Ctr. steht eine Gesamnitproduktion in Deutschland von 198.695 D.-Ctr. gegenüber. Alle die vorangeführten gegen eine Zoll- schutznolhwendigkeit sprechenden Ziffern werden noch verstärkt durch die Thatsache, daß in den offiziellen Fachblättern der bayerischen Hopfenproduzenten fortgesetzt ausgerechnet wird, daß die Ernte den Bedarf nicht erreiche und die Produzenten daher zurückhaltend in der Abgabe fein sollten. Da könnte also ohne Einfuhr der Bedarf gar nicht nebelst werden. Daß die deutschen Produzenten auf bte Ausfuhr verzichten sollten, wird kaum Jemand behaupten wolle», und ein zerstörter Ausfuhrhandel könnte nicht im Handumdrehen wieder lebendig gemacht werden. Wäre das glücklich erreicht, sollten die Hopfenproduzenten bös dreinschauen.
K München, 30. Jan. Es wurde an dieser Stelle bereits eine Reihe von Beispielen angeführt, in bene» provinzielle Bleuer» auSschüffe und Steuerbehörden die sogenannte Waarenhaus» steuer in geradezu unglaublicher Weise anwendeten. Ganz unbedeutende Geschäfte, die ihre» Inhaber bisher in ärmlicher Weise genährt haben, wurde» in einer Weile veranlagt, daß die Existenz- fähigkeit in Frage gestellt wurde. Ein besonders iniereffanier Fall wird mir ans einer oberbayerischen Provinzstadt mlf getheilt Dort hat ein Kaufmann — für antisemitische Freunde der Waaren Haus- steuer sei hinzugefügt: ein Christ — einen durchschnittlichen Jahresumsatz von JL. 175,000. Im Jahre 1898 schloß er ohne llederschuß, 1899 mit einem solchen von JL 9000 ab. Er wurde nun nach der WaarenhauSsteuer unter Hinzurechnung der Betriebsanlage mit 1% Prozent deS GeschäftSumsotzeS besteuert. DaS macht mit den auch nach dieser Anlage berechneten Gemeinde-, Kreis- und Distriktsumlagen JL 6000 Steuer ans. ES sind allo zwei Drittel seines Einkommens von 1899; 1898 Halle er eine solche Summe vollständig aus dem BetriebSvermöaen bestreiten müssen, da er nicht so Viel iNS Berdiencn brachte. Aus erfolgte Berufung, in der der Kaufmann darauf hinioies, daß ihn eine solche Besteuerung zum Bankerott führen müsse, wurde feine Besteuerung auf insgesammt JL 2000 herabgesetzt. Unb nun kommt das Beste. Der Man» ist jetzt auch noch bankerott geworden, der beste Beweis, daß et nicht für «<6000, auch nicht für .JL 2000 steuerfähig war. Das Steueretsvrde:n>ß kommt nun zur Konkursmasse, und die Steuer müffen also jetzt die Gläubiger des Kaufmanns tragen. Man sieht aas diesem Beispiel, toie unsinnig die Umsatzsteuer wirken sonn, wie sehr die Waarenhanssteuer in der Praxis mißbraucht wird und wie wahr die Worte de» Finanz- minister» waren, der bei Berathung der Steuerreform im Ausschuß der ReichSräthe anerkannt hat, daß man durch Anwendung einer Steuer, hie vernichtend aus ein Gfichäft wirken würde, gegen dis Prinzip der von ter Reich^ewerLeordnung garontirten Gewerbe, sreiheit verstoße. Wir haben die reichsgewerbeordnungswidrige Steuer aber doch erhalten. Eine Besteuerung, wie die vorstehend geschilderte, bedeutet unter alle» Umständen eine Erdrosselung. Schutz des Mittelstandes l
Q Aus dem Lbecbergamtshezirk Dortmund, 2'7. Ja». Das königliche Ober der gamt in Dortmund hat eine neue Bergpo lizeiverordn nngbetreffenddieBewetterung der Steinkohlenbergwerke und die Sicheruna derselben gegen Schlagwetter und Kohlenstaubexplosionen erlassen. In der Verordnung wird bestimmt, daß alle zur Gewinnung, Förderung und Fahrung dienenden Grubenbaue so zu bewettern sind, daß Ansammlungen schädlicher Gase jeder Art unb zu hohe Wärme thu», lichst vermiede» werde». Auf jeden unterirdisch beschäftigten Arbeiter solle» mindestens 3 Kubikmeter der zuzusührenden Wetter, mengen in der Minute entfallen. Für einzelne Bauabtheilungen kann eine Ermäßigung auf 2 Kubikmeter gestattet werden. Wird die Beschaffenheit der Wetter durch Entwickelung schädlicher Gase in bedenklicher Weise verschlechtert oder tritt eine erhebliche Störung in der Wetter Versorgung ein, so find die Arbeiter unverzüglich anS den betroffenen Bauen, nach Lage des Falles auch anS den benachbarte» Bauen oder ans der ganzen Grube zu entfernen. Die Wiederbelegung darf erst auf ausdrückliche Anordnung de» Betriebsführers erfolgen, nachdem die Sicherheit der Betriebe durch vorherige ilntersuchung festgestellt ist. Sofern Arbeiter eine Ansammlung schädlicher Gase vor ihrem Arbeitzeit oder in der
Deutsches Reich.
K Aus Bayern, 30. Jan. Es ist an dieser Stelle schon einmal darauf hingewiesen worden, daß die daher i- sch'en Agrarier eine fieberhafte Versammlungsthätiakeit entfalten, um die Bauern für hohe Gelreibezölle heiß zu machen. Diese Agitation wirb anhaltend nnb eifrig fortgesetzt. Jüngst würbe nun in einer nieberbayerischen Bauernversammlung auch des Hopfenzolles gedacht. Die bayerischen Hopsen- Produzenten seien durch die letzten Handelsverträge empfindlich geschädigt worden. Das erinnert an eine große Debatte im bayerischen Landtag, in bem ein klerikaler Parteiführer unb Hopfenproduzent sich beklagte, wie sehr die bayerischen Hopfenproduzenten durch den Handelsvertrag mit Rußland geschädigt worden sei. Der russische Hopfen komme billiger nach Deutschland als der deutsche nach Rußland, Deutschland werde mit russischem Hopfen überschwemmt, und der
Wreutzifche Nulkuv.
Eine Kronjubiläums-Betrachtung.
Von Haus Rosenhagen (Berlin).
In dem trotz seiner Banfälligkeit immer noch vornehm aussehenden Berliner Akademie-Gebäude ist am 18. Januar, dem Jubeltage der preußischen Königskrone, auf Befehl des Kaisers eine Ausstellung von Bildnissen und historischen Darstellungen der preußischen Könige eröffnet worden, die, wie ihr kunstgelehrter Urheber Professor Dr. Paul S e i d e I im Vorwort zu dem dafür ausgegebenen Kataloge sagt, für Diejenigen veranstaltet worden ist, „die es freut in diesen Tagen der Rückblicke auf die zweihundertjährige Geschichte des Königreichs Preußen ihre Augen auf den Bildnissen unserer Könige ruhen zu lassen und sich in das Gedächtniß zurückzurufen, welche Bedeutung sie für die Entwicklung und Erziehung unseres deutschen Volkes zu seiner heutigen Größe haben". Mit diesen Worten soll offenbar den Versuchen vorgebeugt werden, der Ausstellung eine andere als eine patriotische Bedeutung unterzulegen; aber so gut die Absicht des Conservators der königlichen Kunstsammlungen auch ist — man müßte schon ohne alle Gcschmacksorgane geboren fein, wenn man es in dieser Ausstellung fertig bekäme, an herrlichen Kunstwerken und kunstlosen Plattheiten mit den gleichen Gefühlen Vorüberzugehen und sich gar keine Gedanken über das Verhältniß dieser Dinge zu ihren Besitzern oder Bestellern zu machen. Denn Kunstwerke sind stets auch Kultnrwerke, die einen bestimmten Werth haben und allerlei Schlüsse auf Menschen und Zeiten gestatten. Was könnte die vaterländischen Gefühle mehr stärken, als daß man sich auf Grund dieser Ausstellung klarzumachen sucht, was die Hohenzollern im Laufe von zwei Jahrhunderten zur Hebung der Kultur in Preußen gethan ! Es wäre zum Mindesten sehr einseitig, wollte man die erwähnte „Entwicklung unb Erziehung" nur im politischen Smne nehmen. Das Unternehmen, die einzelnen Hohenzollernfürsten auf ihre Bedeutung als Kulturbringer zu betrachten, ist au-b schon darum nicht überflüssig, weil sich einige neue und ziemlich, lehrreiche Gesichtspunkte für die Be-
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sondern nur die, bk ihn ousbeuten unb davon leben. Roch schärfer wieS Camille P e l l e k a n den Entwurf PvechS zurück, der ohne die Trennung der Kirche vom Staate für die Republikaner nur eine Fopperei wäre. Unter allgemeiner Spannung ergriff dec Ministerpräsident Waldeck-Rousseau das Wort; er sagte:
»Der entscheidende Grund, au8 bem ich die republikanisch« Mehrheit bitte, den Gegenentwurf Puech abzulehnen, ist der, daß von allen Mitteln, die Genehmigung eines Gesetzes zu vereitel», das sicherst« das ist, ei« Gesetz vorzufchlayen, das weder auf der einen noch ouf der anderen Seite der Kammer genehmigt werden kann. I» seinem Entwürfe wollte Herr Gablet keinenUnterschied zwischen der juridischen Stellung der religiösen Kongrega» t tonen und der der bürgerliche» Vereine machen. Herr Puech stellt diese beide Arien von Vereinen auf das gleiche Niveau. So gelangt man dazu, den Kongregationen das Maximum von Freiheit unb den Zivilvereinen das Minimum m gewähren. Wenn wir da» annähme«, so würden Sie daS Gesetz gewiß unzureichend finde». Wenn man in bet Debatte über de» Entwurf Gablet die jetzige Regierungsvorlage als Amendement beantragt hätte, dann würde« alle Gegner der Regierung dafür gestimmt haben. Unter solche« Umständen frag« ich die Kammer, ob sie ein BeretnSgeietz aus» arbeiten will. Wir werden die Artikel erörtern. In dem Entwurfs deS Herrn Goblkt gibt eS Bestimmungen, die in den KommisfionS« entwurf ausgenommen worden find. Heute wünschen Biele nur die Grnehmiaung des Gesetzentwurfs, weil sie das Fallen der Regiere nnasvorlage herbeisühre» wollen/
DaS war klar unb deutlich. Der Antrag Puech wurde mit 302 gegen 235 Stimmen abgelehnt. Für die Regierung stimmten diesmal auch mehrere fortschrittliche Abgeordnete, wie Bar- thon, Dorian, Christophle und Rouvier. die sonst nicht zur ministeriellen Mehrheit zählen. Die Niederlage der Opposition ist also eine sehr bedeutsame.
SttMtoum des Senats.
E Paris, 30. Jan. Der Senat feiert heute den 25. Jahrestag seines Bestandes, da die ersten Senalorenwahlen am 30. Januar 1876 vorgenommen wurden, nachdem die National» Versammlung die 75 Senatoren ans Lebenszeit ernannt hatte. Von den 300 Mitgliedern des Senats von 1876 find nur noch 17 Mitglieder des Oberhauses am Leben: die unabsetzbare« Senatoren Herzog von Rudiffret» PaSquier, Luro, Hervkde Saisy, Gouin, Strenger, Moguln, Denormandie, Cozot, General Billot und Mallon unb bie von den Departements ernannten:, Freycinet, Mazeau, de Laremty, Poriqnel, Emile Labiche> Huguet unb Grivort.
Rumänien.
* Unter bem Titel: »Rumänien imJahre 190 (J von G. Beuger, kgl. russischer Generalkonsul in Stuttgart" ist soeben im Verlage von I. Eugelhorn in Stuttgart eia 304 Groß»Octav Seiten umfassendes reich ausgeflalteles Werk erschienen, das eine eingehende Darstellung der administrativer^ ‘ wirthschaftlichen unb finanziellen Verhältnisse, sowie eine Schilderung bet jetzigen Entwicklung Rumäniens enthält. Gelungene Porträts des Königs und der Königin sowie 26 Abbildungen im Text schmücken das Buch. Der Herr Versasset hat schon vor 13 Jahren ein Werk über Rumänien veröffentlicht unb vor Kurzem unter bem Titel: »Rumänien, ein Land der Zukunft ein Buch erscheinen lasten, als besten zweite Auf- laae die vorliegende Arbeit anzusehen ist. Als der besondere Zweck des VerfasterS dieses Buches, da? audj: in englischer Sprache erschienen ist, kann wohl der Wunsch bezeichnet werden, bie europäischen Kapitalisten davon zu überzeugen, daß es für sie selbst wie für bie Rumänen nützlich wäre, die reichen natürlichen Quellen des Londes zu entwickeln. Der Herr Verfasser findet zwar nicht alles schön in Rumänien, aber et sucht doch manche Fehlet, bie von den Rumänen begangen worben sind, zu entschuldigen. Unerguickliche Erscheinungen, wie daS Anwachsen des rumänischen Chauvinismus und die harte, ungerechte Behandlung der Juden in Rumänien finden nicht die nothwendige Würdigung, während diese Verhällniste doch für die Beurtheilung der Zustände des Landes augenblicklich viel wichtiger sind, als manche nebensächliche Dinge, denen eine eingehende Darstellung zu Theil wird. Man kann daher das Werk des Herrn Beuger, wie reichhaltig es auch sonst ist, nicht als eine vollständige unb durchaus zuverlässige Schilderung bet Verhältniße Rumäniens ansehen und bement- sprecheub ist auch bas in bem Werke enthaltene Material mit einiger Vorsicht zu gebrauchen.
