s. Seit*. Nr. d7
Abendblatt der frankfurter Irttuug
KnoxundDewet beiWelcome auf: 1 Offizier todt, 4 verwundet, 5 Mann tobt, 38 verwundet.
Obgleich schon vor einigen Tagen gemeldet wurde, daß ein starkes Burenkommando in der Nähe von Komati Port die portugiesijcheGrenze überschritten habe, ist die Nachricht von der Bedrohung der portugiesischen Hafenstadt Lorenzo Marques durch die Buren doch mit einiger Vorsicht aufzunehmen. Möglicherweise handelt es sich gar nicht um Buren, sondern um Irländer und Amerikaner, welche früher aus Seilen der Buren gekämpft haben und nun einen Einfall in portugiesisches Gebiet gemacht haben, um sich dort Lebensmittel zu verschaffen. Der als Anführer der Buren erwähnte Oberst Blake ist ein Irländer, der sich bisher nicht besonders ausgezeichnet hat. Vielleicht wollen die Engländer nur die Ge- legenhest benutzen, sich auch militärisch kn Lorenzo Marques und aus der Eisenbahn bis zur Transvaalgrenze (98 Km.) festzusetzen
(Wolff's telegr. Corresp.-BureauH
London, 6. Febr. (Reuter.) Die vom Kriegsamt veröffentlichten Verlustlisten weisen als englische Verluste in dem am 31. ds. gemeldeten Gefecht zwischen General
fönen den Saal bei Sagebiel, und so verschieden auch die Partei- richtnugeu waren — in bet Diskussion kamen Vertreter der frei» finnigen Bolkkpartei, der sozialdemokratischen und der national- sozialen Partei zum Wort — einhellig und unter stürmt- -schemBeisall wurde schließlich die weiter unten mitgetheilte Resolution angenommen, einscharferProtest gegen die Politik, dir auf Erschwerung der Handelsbeziehungen und Herstellung hoher Getreidezölle dringt. Zieht man ferner die Bilanz des Abends in politischer Beziehung, so ergibt sich zunächst die ebenso erfreuliche wie bemerkenswerthe Thatsache, daß bei zahl- nich»r Betheiligung sowohl von Angehörigen beider frei- finnigen Richtungen wie der Sozialdemokraten in der Debatte, zwar trotz dcS völlig objektiven Themas die Partei- unterschiede zu Tage traten, aber doch so, daß sehr wohl eine sachliche Erbitterung in ruhiger Weise möglich war. Damit entfallen ober wenigstens für die Zeit der Agstativn um die jetzigen innerpolitischen Fragen die Bedenken, die in Hamburg früher die Ab» . Haltung öffentlicher Versammlungen ohne Beschränkung des Ein» ttrittS unzulässig oder schwierig erscheinen ließen. Wir hoffen daher, daß diese erste Versammlung deS »Liberalen Vereine' bei ihm und anderen politischen Vereinen gleicher Richtung nur ein Bei» spirl und eine Aufforderung für Fortsetzung derAgita» >ti o »in dieser Form ist. Kaun sie doch auch nach den rein liberalen Prinzipien, wie sie Herr Dr. Barlh gestern vortrug, nichts Anderes als eine Volksbewegung sein, wenn sie die erforderliche stürmisch fortreißende Gewalt haben soll.
Die gefaßte Resolution lautet:
Die Wirren in China.
Aus den Mittheilungen de» Missionar» Rieke an die rheinische Missiousgeselljchaft geht der.Kreuzztg.' zufolge hervor, welche fabelhaften Gerüchte von den angeblichen Siegen der Chinesen und den großen Niederlagen der Westmächte unter dem Volke verbreitet warm und nicht nur von den Heiden, sondern theilweise auch von den Christen geglaubt wurden. So kam eines Abends eine ganze Anzahl Christen zu Missionar Ricke und jagten: .Missionar, hast Dn schon das Neueste gehört? Heute war ein Manu aus Kanton auf dem Markt, der hat es unS erzählt/ »Was ist denn los?' »Unser General Lam hat.t'sarr schan (d. h. eigenhändig) dm Grasen Waldersee eingefangen; das ist ganz sicher wahr', sagte einer, und ein anderer ergänzte: »Der alte Herr wird jetzt auch denken, wäre ich doch in Deutschland geblieben!' »Weißt Du auch,' fiel schnell ein dritter ein, »warum man den Waldersee zum Anführer aller Truppen der Westmächte gemacht hat? Er hat vor 30 Jahren st’an schan den französischen Kaiser gefangen. Da hat ganz Europa gesagt, den wollen wer nach China senden, um den Kaiser Kwangsü zu saugen. Ja, schlau muß der Gras Waldersee sein, aber unser General Sam ist ihm doch noch über!' und dann lachte die ganze Gesellschaft über die Heldenthat ihres Generals. (Nebenbei bemerkt gibt es nach Wissen des Missionars Rieke keinen General dieses Stameus in China.) Miff. Rieke ließ sie einen Augenblick in ihrem glücklichen Glauben, wies dann aber aus die Hindernisse hin, die sich ihrem Helden jedeusalls in den Weg gestellt haben würden, und bezweifelte lächelnd ein wenig die Wahrheit ihrer Erzählung, worauf denn doch die einsichtsvolleren Chinejeu schließlich auch meinten, ein deutscher Heerführer sei wohl kaum so leicht eiuzufaugen. Da kam weiter ein Mann von Kangpui aus Hongkong zurück (ein Heide) und erzählte mit dem ehrlichsten Gesicht von der Welt, er habe gesehen, wie die europäischen Soldotm lun schün d. h. schlffsladungenweise nach Hongkong zurückgekehrt seien, aber mit abgehaueuen Händen. Die Chinesen seien ja zu edel, um alle Europäer zu tödlen. Man habe sie darum nur kampfunfähig gemacht und dann als warnmdeS Exempel heimgesandt.
(Privattolegr. der »Franks. Ztg.')
O London, 6. Febr., 8.48 V, Nach einer Meldung der »Daily Mail' aus P e k i u g erkennt England den Anspruch Rußlands auf die B lon de und Ell io t oder M i ao tao- Jnseln nicht an. Admiral Seymour werde sich durch den Protest des Admiral Alexejew nicht abhalteu lasten, gegen die Insel-Piraten vorzugehen, wen» es nöthig sein sollte. ES würde, so meint der Korrespondent, ein großer Fehler sein, Rußland» Anspruch auf die Miaotaogmppe zuzugebeu, denn wmn Rußland diese Insel» in Hände» hätte und befestigte, wäre die Zukunft Nordchinas damit besiegelt; abgesehen von Rußland sei die Meinung Europas über diesm Punkt einig.
Dem »Standard' wird aus Shanghai gemeldet, daß ein kaiserliches Dekret erschienen ist, welche» mit de»Worte» beginnt: »ImJahre 1898, alSderKaiserReformeninder Regierung einführte, erweckte» gewiße übelwollende Personen Haß zwischen dem Kaiser und der Ä a i s e r i n W i t t w e. Alle» dies ist nun beseitigt. Der Kaiser und die Kaiserin Wittwe erkennen ihre Fehler an, sie find nun entschlosten, einmüthig zn handeln und den sür das Reich beste» Kurs zu verfolgen, statt wie vorher sich kreuzende Wege einzuschlagen.' Darauf folgt eine Liste von Reformen, an deren Spitz: die Erbauung einer Nangtsethal-Eisen- bah» von Shanghai nach Nanking steht. Den chinestscheu Beamten wird eingeschärft, daß das Dekret der kaiserlichen Regierung völlig im Ernst gemeint ist. Nach einem Telegramm der »Morning Post' aus Shanghai wird auch auf eine Aenderung in den Prüfungen gedrungen; die Gouverneure und hohe» Beamte» werde» ersucht, über diese neue Politik ihre Meinungen zu äußern. — Nach einer Meldung dcS »Standard' aus S h a n g h a i behaupten chinefische Blätter in Shanghai, der H o f werde, statt nach Peking zurückzukehreu, fich »ach Tschengtufum Szechuan begeben.
J Brüssel, 6. Februar, 9.5 V. Wie dem »Petit Bleu' aus London gemeldet wird, widersetzt sich E n g l a u d der Eruenn- »ng des B e l gie r S W o u ter S d'Op lin ter zum chinesischen Unterhändler, da England sich in Folge der auf Rußlands Be- treiben an die Belgier ertheilte» Bahn-Konzession H ankau-Canto» verletzt fühle; auch Deutschland verhalte sich jener Ernennung gegenüber reserviri.
(Wolsf'S telegr. Corresp.-Bu^eau.)
London, 6. Februar. Die »Morning Post' meldet aus Peking vom 4. b. M.: Es verlautet, daß die Gesandten sich einigten, dieHinrichtung von vier der 11 fremden- feindlichen Führer zu fordern, deren Namen in erster Linie ausgesührt sind, nämlich Quetsien, Pungmen, Pschao- jchutschiao und Prinz Lien.
London, 6. Februar. Die »Times' meldet aus Peking, 4. Februar: Die chinesische Regierung genehmigte gestern, daß in London die Summen ausbezahlt werden, die de» fälligen Betrag der auf die kaiserlich, ch inesischenNordbahne» sundirten Anleihe von 1898 ausmachen. Nach den Bestimmungen des Anleihevertrages hätte, wenn diese Zahlung hinauSgejchoden wäre, die englisch-chinesische Gesellschaft sich der ganzen Bahnlinie Peking-Schanhaikwan bemächtigen können. Die englische Regierung aber brachte, da sie keine neue Berank- Wörtlichkeit in Nordchina auf sich nehmen wollte, ihre Ansprüche zur Geltung, worauf Zahlung erfolgte. Der Korrespondent der »Times' bemerkt, diese Maßnahme sei bedauerlich, da sie die Engländer der Eisenbahn beraube, die ihnen erlaubt hätten, ihre Stellung in Nordchina zu befestigen.
»Alle Bestrebungen, welche geeignet find, die Erneuerung rwserer Handelsverträge zu erschweren oder unmöglich zu machen, find energisch zu bekämpfen. Unter diesen Bestrebungen ist die Forderung einer Erhöhung d:r Lebensmittelzölle und insbesondere der Brodgetreidezölle weitaus am verwerflichsten. Auch ganz ab. gesehen von handelspolitischen Erwägungen erscheint eine weitere Steigerung der Getreidezölle und die damit verbundene künstliche Vertheuerung des täglichen Brodes als eine schwere und ungerechte Belastung der Arbeiterbevölkerung.
Die Versammlung proteflirt deshalb ans daS nachdrücklichste gegen jede Steigerung der Brodsteuer und erwartet von den verbündeten Regierungen und der Vertretung des deutsche» Volkes daß sie nicht in einseitiger Begünstigung derGroff^ grundbestzer die nationale Arbeit schädigen.'
8 Aus dem Bo-Uande, 4. Februar. Die Firma A. Donner u. Co^ Genera! Merchants & Manufacturess Agents in Kapstadt, hat ihrem Vertreter in Plauen eine lange Liste von Aufträgen vorläufig wieder rückgängig gemacht. Dabei ist bemerkt worden: »Das ist eine Vorsichtsmaßregel für den Fall, daß die ganze Geschäftslage »ach Stand der augenblicklichen militärischen Verhältnisse so schlecht werden sollte, wie einige Schwarzseher es heute prophezeien. Ich persönlich glaube nicht daran und denke, daß dieser Durchbruch der Buren nur ein letzter verzweifelter Akt ihres Tobeskampses ist. Die Leute müffen bie Hoffnungslosigkeit ihrer Lage ein- sehen und werben sich selbst bald nach Ruhe sehnen.' ; ULtmburg, 6. Febr. Die Handelskammer hat am Montag de» blshertgeu Vorstand, bestehend aus de» Herren Geh. Justizrath Hilf, RetchstagSabgeordneter Cahensly und Louis Hille wiedergewählt. — Der Eingabe der Königs, berget Kaufmannschaft an den Reichstag um Ablehnung deS Antrages Kanitz (Aenderung des 8 6 de» Zollgesetzes) wurde beige, treten. Abg. Cahensly soll für den Antrag Gröber, ans Beran- flaltung einer Erhebung über dieünternehmerkartelle eintreten und im Anschluß daran, de» Erlaß eines Kartellgesetzes befürworten, dessen Grundzüge die .Frankfurter Zeitung' in No. 341 ausgestellt hat.
X Darmstadt,5. Febr. Die CentrumSfraktiouder Zweiten Kammer beantragt, daß die Volksschullehrer in der Berechnung der Dienstzeit den Zivilbeamteu insofern gleich, gestellt werden sollen, daß auch de» früher penfionirte» Volks- schullehrern im Falle ihrer Wiederanstellung die Pe». flonSzeit ebenso angerechnet wird, wie de» übrigen Beamten.
«Straßburg, 5. Febr. Im Landesausschuß begann heute bie e r st e L e s u n g bes Etats. Wieüblich zerfiel die Debatte in einen finanziellen unb einen politischen Theil. Der Schwerpunkt der Ekörterungen lag in der politischen Richtung. Seit dem Tobe bes FiuanzbebatterS Spieß tritt bie Finanzfrage noch mehr al» früher in den Hintergrunb. Unterstaatssekretär v. Sch raut leitete bie Sitzung mit einer übersichtlichen Darlegung der reichsländischen Finanzlage ein, die er als eine günstige bezeichnete. Das Loblied Schrauts auf den guten Stand der relchSländischrn Finanzen klang indeß im Hinblick auf die Thatsache, daß in diesem Jahre zum ersten Male die Matrikularbeiträge die Urberweisungen des Reichs um eine halbe Million überstiegen, wesentlich gedämpfter als früher. Die grauen Oppositions-Äriche in das Schraul'sche Bild zeichnete. Kanonikus W i n t e r e r, der vor allem bie Nothlage des Kleinhandels und der Landwirthschaft ins Feld führte. Bezeichnend war, daß sich bisher kein Redner für tue Bewilligung des Kredits zum Wiederaufbau der H o h- königsburg aussprach, trotzdem die Annahme dieser Position vom reichsländischen Finanzminister warm befürwortet und die Hohkönigsburg-Frage im Laufe der Sitzung wiederholt gestreift wurde. Als auffallend muß bezeichnet werden, daß Niemand außer dem Abg. Götz-Weißenburg die wichtigste Vorlage der Session, die Kapitalrenten-, Lohn- und Besoldungs- steuer erwähnte. Den Höhepunkt der Sitzung bildete eine imposante Demonstration gegen das System der Diktatur» und Ausnahmegesetze, das von D i i s ch als Schmach und von W i n t e r e r als Thorheit gekennzeichnet wurde. Die wuchtigsten Streiche gegm das herrschende Knebelsystem führten die neu gewählten Abgeordneten Notar Götz- Weißenburg und Dr. med. Ricklin-Dommerkirch. Beide sind lyvische Vertreter der jungen Generation. Unter deutscher Herrschaft ausgewachsen, gaben sie ihrer deutschen Gesinnung ungeschminkten Ausdruck. Ihr positives Bekenntniß zu Gunsten des Deulsch- thumS, das sie im Namen der Bevölkerung ablegten, sowie bie offene Absage von Götz an Frankreich stach merklich von bet
Empfinbungs- unb Denkweile bet älteren Generation ab, die sich nur mühsam mit bet veränderten staatsrechtlichen Lage des Landes abfand. Der Beifall, den besonders Ricklin fand, bewies, daß der neue deutsch-nationale Ton doch auch ein Echo bei den Men «meiste. Die Reden der Abgeordneten Götz und Rickkin verdienen alS Zeichen der Zeit jenseits des Rheins die ernsteste Beachtung, umsomehr als dies politische Credo bei der reichs- ländische» Regierung auf keine gmügende Würdigung stieß. Staatssekretär v. Puttkamer, der Vertreter der elsaß-lothringischen Verwaltung, blieb in bet Erwiberung seiner dilatorischen Methode getreu unb betonte, unter Berufung auf Bismarck, bie Schwierigkeiten, bie sich bet Aufhebung bet Ausnahmegesetze praktisch entgegenstellen. Staatssekretär v. Puttkamer ,st bet Alte geblieben und den Erfordetnissen der (Situation nicht gerecht geworden. Früher erklärte et den Diktaturparagraphen für ein unentbehrliches Sicherheitsventil gegenüber ptoiestletischen Umtrieben. Als dies Argument angesichts bet loyalen Haltung bet Bevölker- ung nicht mehr verfing, mufften die gespannten Beziehungen zwischen Deutschland unb Frankreich den Vorwand für bie Fortdauer bet Diktatur abgehen. Auch bamit ist's jetzt nichts mehr, unb Herr v. Puttkamer glaubt bie Meisterschaft bes Stils im Schweigen bekunden zu sollen. Die Diktatur läßt sich eben nicht mehr rechtfertigen. Sie erweist sich je länger desto mehr als eine schreiende Ungerechtigkeit, als ein unverdientes Mißtrauensvotum gegen bie Bevölkerung unb als Haupthemmniß bet Versöhnung der Gegensätze. Sie muß so halb als möglich beseitigt werden. Die heutige Debatte wird zur Klärung der öffentlichen Meinung in Altdeutschland beitragen und die Aufhebung des Systems der Diktatur- und Ausnahme-Gesetze beschleunigen, ©tauben die jetzigen Leiter der reichsländischen Politik ohne Diktatur-Befugniffe nicht auskommen zu können, so werden über kurz oder lang neue Staatsmänner an ihre Stelle treten, im Sinne der reichsländischen Bevölkerung unb entsprechen!) dem Votum des Reichstags unb bes Landesausschusses.
Rußland.
* Der Streit zwischen England und Rußland über die E l l i o t» und B l o n d e - I n s e l n hat keine Bedeutung, da ersteres sich bald in das Unvermeidliche fügen wird. Die betreffenden Inseln liegen östlich von der durch China an Rußland »pachtweise' abgetretenen Liaotong»Halbinsel (K w a n t a n g), auf der sich auch Port Arthur befindet. Entsprechend dem am 28. März 1898 abgeschlossenen Vertrage, durch welchen Rußland in den Besitz der genannten Halbinsel kam, stellte eine aus chinesischen unb russischen Beamten bestehende Kommission die Grenzen fest unb im März 1899 6er- lünbeten ein russischer und ein chinesischer Kommissar ben Einwohnern bet betreffenden Inseln, baff sie fortan unter russischer Verwaltung stehen würben. So erzählt die »Nowoje Wremja', welche erstaunt darüber ist, baff bie britische Gesandtschaft in Peking davon nicht dem Admiral Seymour mitgetheilt habe, denn sonst würde derselbe wohl nicht versucht haben, in jenen Gewässern bie englische Autorität gegenüber den Seeräubern geltend zu machen.
.........———«WM—»—--
England und Transvaal.
In dem neuesten Hefte der von G. v. Glasenapp begründeten »Reue militärische Blätter' wird die Mittheilung der »Frankfurter Zeitung' über die Lieferung von Geschützen an England durch bie Rheinische Metallwaaren- unb Maschinenfabrik in Düsseldorf besprochen unb bemerkt, bei der jetzigen Art der Kriegführung in Südafrika würden bie deutschen Kanonen wohl kaum Gelegenheit ffnben, »einem Buren das Lebenslicht auszublasen'. Bei England liege der Schwerpunkt im Retablissement seines durch den Krieg arg mitgenommenen Artillerie-Materials unb man wolle babei ein zeitgemäßeres Material an die Stelle des ver- atteten setzen. Das ist nach e» g l i s ch e n Mittheilungen nicht richtig, denn noch in bet vorigen Woche haben Londoner Blätter gemeldet, daßl8inDeutschland ff er gestellte® e- schütze neuesten Modells mit bet ganzen dazu nöthigen Ausstattung in einem Spezialdampfer in Queenstown eingetroffen unb in Hautbowline gelandet worden seien. AlleGeschütze seien für den Dienst in Südafrika bestimmt. Ende dieses Monats sollen die in dem zweiten Kontrakt mit der genannten Gesellschaft von England bestellten Geschütze fertig werden unb man bars neugierig sein zu erfahren, ob auch diese ebenso wie die früheren abgeliefert werben bürfen.
6 Ktvvuar 1901
London, 6. Februar. Renier melbet aus Peking von gestern: Die Gesandten besprachen heute früh mit ben chinesischen Bevollmächtigten die Frage der Bestrafungen. Die Besprechung führte zu keinem befriebtgenben Ergebniß und wurde deshalb von den Gesandten auf Nachmittags vertagt.
Aus de« parlamentarischen Kommissionen.
8i Berlin, 5. Februar.
Die Budgetkommission de» Reichstags ffot, heute den Bericht über de» Nachtragsetat betreffend die Expedition nach China festgestellt, hat fich aber »och nicht einigen könne» über den Wortlaut der Resolution über tag" unerledigt gebliebene PenltonSgeseß. Dr. Müller-'- Sagan bemängelte, daß in der Resolution der falsche Anschein' erweckt werde, als fei eine allgemeine Neuregelung des Ver-, sorgungSwesenS in naher AuSficht. Die Reichsregierung habe keine Erklärung abgegeben, dir zu solcher Hoffnung berechtige. Die ErklärungdeS Reichskanzlers habefich nuraufKriegs- theilnehmer bezogen, während diese Resolution ben Anschein Hervorrufe, als beabsichtige die Reichsregiernng eine Neu-' regelnng de» gesammtenMilttärverforgungs» wesens. Staatssekretär Frhr.v. Thielmann erklärt, daß die Auffaffung deS Abg. Dr. Müller-Sagau durchaus zutr-flend sei. Die Kommisfiou beschloß deshalb, bis zur nächsten Sitzung eine neue Fassung für diese Resolution zu suchen und über die : VerlorgungSvorlage besonders berichten zu taffen.
Die Kommission setzte bann die Berathung desPostetatS fort Fürst zu Jun- und Kuyphausen wünscht eine Regelung dahin gehend, daß jeder Kreis einen Postbefiellbezirk für fich bilde mit dem ermäßigten Porto eines Ortsbezirks. Staatssekretär v. PodbielSki betonte, das platte Land werde. schon sowieso bei uns anderen Ländern gegenüber unverhälluiß-' mäßig bevorzugt. Im Große» und Ganzen finde auch auf‘ dem platten Lande täglich eine zweimalige Bestellung statt. Das' Defizit beS Telegraphenetats rühre vorzugsweise von bem Ausbau bet Telegraphenlinien nach bem Osten unb überhaupt im platten ’ Lande her. ES fei zu erwägen, ob nicht auch die Zeitangabe auf den Depeschen mit S Pfg. pro Wort in Rechnung zu fetze» sei.! Dr. Arendt wünscht eine Gleichstellung von Straf- unb' Nachporto unb sürlbeibeseine Einführung einet besonderen' Ersatzmarke. Staatssekretär v. PodbielSki befürchtet' Von einer solchen Einrichtung weitete Verkehrserschwerungert.
Nächste Sitzung Mittwoch.
Gerichtszeittmg.
H Frankfurt, 4.Febr. (Strafkammer.) Zu Einern! hefigen Fahrradhändler kam der Trödler Heinrich Schweitzer, um ein Rad zu kaufen. Er verlangte, mit einem Rade eine Probefahrt unternehmen zu dürfe» unb fuhr auf unb davon. Heute erhält et zu einer in Hana» erkannten Zuchthausstrafe ein weiteres Jahr Zuchthaus. — Das Dienstmädchen Sophie S a u b' unb die Paula Fiedler machten auf bem Tanzboden bie Bekannt»! Ichast eine» Schweizers. Dieser erzählte, er habe sich JL 400' gespart unb theilte mit, wo er da» Gelb und de» Schlüssel zu seiner Kammer versteckt halle. Die Fiedler fragte noch ans. wann , er seine Kammer verlasse. In seiner Abwesenheit stahl sie bann! bie ganzen Ersparnisse unb gab der Sand JL 60 davon. Da bie Siebter nicht gefunden werden konnte, so kam heute nut die Sand, zur Aburtheiluug. Sie erhielt 4 Monate Gefängniß.
P Frankfurt, 4. Februar. (Schöffengericht.) Aus bem Bömeplatz trieb sich bet jetzt in Hochheim wohnende Arbeiter Heinrich Steinacker herum. Nachdem et der mehrfachen' Aufforderung eines Schutzmannes, fich zn entfernen, nicht Folge: leistete, wurde et kurzer Hand verhaftet, ohne daß der Schutzmann' ihn vorher nach feinen Personalien befragt hatte. Der Schutzmann erklärte hent^ et habe die Feststellung der Personalien nicht versucht, weil er fich gedacht habe, daß St. doch keine Legiti» matiouspapiere besitze. Ans bem Wege zur Wache hat nun St. । Wiberstaud geleistet. Er wirb hiervon, auf Antrag bes Staatsanwaltes, freigesprochen. Der Schutzmann befanb sich nicht in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes. Dagegen wird wegen > Straßenpolizeiübertretuug auf zwei Tage Haft erkannt. — Der- vielfach bestrafte Taglöhner Johann Erthal beleidigte einen" Schutzmann, indem er ohne jede Veranlassung zu ihm sagte: i »Spitzbuben könnt ihr nicht fangen, ober ehrliche Leute könnt ihr einsperren.' Es wird auf 8 Tage ersannt.
Vermischtes.
r Königstein i. H., 6. Febr. Gestern Nachmittag wurden alS! verdächtig auf den Tagelöhner Anton S ch m i 11 au» Hornau geschossen zu haben, die drei Gebrüder Krauß in Hornau' in ihrer Wohnung verhaftet und in baS UntersuchungsgefSngniß'. eingeliefert.
-n. -Leipzig, 8. Febr. Wegen umfangreicher Wechsel-, fälschungen wurde der wiederholt bestrafte Kaufmann uuds Banspekulant Wilhelm Piltz auf offener Straffe verhaftet» Al» er versuchte, Gift zu sich zu nehmen, entriß ihm der ver»! hastende Beamte noch rechtzeitig ein Fläschchen mit bem tödilichem Inhalt.
h Miederkahnstein, 6. Febr. Der Eisenbahnarbeiter Nuß' ist beim lleberschreite» eines Geleise» von einer Maschine erfaßt unb getflbtet worden.
b Wetzlar, den 8. Febr. Auf der Georgshütte wurde. heule Morgen ein Arbeiter von einem Güterwagen über«' fahre» und getöb tet. Er hinterläßt eine Frau und fieben. Kinder, die zum großen Theil schon erwachsen sind.
bw Hffenöach, 8. Febr. Die Schuhfabrik Katta u. Cie. hatte am 80. Januar 60 Arbeiter entlassen, weil sie am 29. Januar offne Erlaubniß bie Arbeit verlassen hatte», um eine Schuhmacherversammlung zu besuchen, in der bie Einführung bet neunstündigen Arbeitszeit berathen werden sollte. Inder heutigen Verhandlung vor dem Gewerbegericht wurde ein' Vergleich geschlossen, wonach bie Arbeit zu ben alten Be-' bingungen ausgenommen wird unb bie Firma Lohn f Br 3% Tage zahlt. — Das Gewerkschasikkarlell hat bei bet Stadtveroroneien- Versammlung beantragt, baS Ortsstatut über bie W aff l juuti Gewerbegericht dahin abjufinbern, baff bie Haus- industriellen, die Arbeiter beschäftigen, als, Arbeitgeber wählen. Bisher haben sämmtliche HauS» gewerbetreibende als Arbeiter gewählt.
glänzenden Produktion, dar Publikum hörte nicht auf zu applau- btten. Die Künstlerin wiederholte baS Lied unb diesmal ging es offne lebe Störung ab, sämmtliche Strophen wurden in der de- strmmten Reihenfolge gebracht.
---- (Ein »Verein der Erfinder'.) Sonntag Vormittags fanb im Hotel Rabl in Wien eine vom Zuasrevüor Franz Lindner an8 Siebenhirten einberufene Versammlung brr »Er» f inb er' statt, bie von ungefähr 80 Personen besucht war. Das Neue WrenerTagblatt berichtet herüber: Zw-ck bet Versammlung war, eine Organisation bet Erfinder anzubahnen, bie bem Einzelnen bie Realisirung seiner Idee ermöglichen soll. Der Emberufer erörterte die Ziele des zu gründenden Vereins. In ttster Lime handle es fich darum, Mittel herbeizuschaffen; in bem SBerein werden Alle auf ihre Rechnung kommen: die Kapitalisten ° wie der Erfinder. (Beifall.) Es meldete fich sodann eine Reihe von Rednern zum Wort, welche die mißlichen Schicksale ihrer Erfindungen erzählten. Frau Anna Kreipner theilte mit, daß st« Flngerschntzhütchin erfunden habe, bie auch in bet Frauen- tzewerbe-Ausstellung prämiier worben seien. Trotzdem heute starke Nachfrage nach diesem Artikel herrsche, sei sie wegen ihrer Mittellosigkeit nicht im Stande, diese Fingerschutzhütchen herstellen zu lassen. Sie habe auch ein System erfunden, durch welches eS >ermöglicht wirb, aus ben Kistchen bie Cigarren auszusuchen. offne fie mit ben Händen zu berühren. Leidet mangeln ihr die Mittel, um auch diese Erfindung zu tealisiten. Nachdem die Rednerin geendet, meldete fich sofort aus bet Mitte bet Versammlung ein Celluloibfabtikant, der sich unter lebhaftem Beifall bereit erklärte, d«t Frau Kreipner bie Fingerschutzhütchen umsonst h-rzu- flEUe». Mehrere andere Rebnet veriprachm. die ersten Gewinne aus ihren Erfinbungen bem Verein zu widmen. Schließlich wurde ein sechsgliederiges Comite eingesetzt, bas mit den nöthigen Vorarbeiten für bie Vereinsgründung betraut wurde.
iBetttner Musik.) Dian schreibt uns aus Berlin £01» 81. 3anuar: Die ehrgeizigen Pläne des Dirigenten Kurt H d I«l haben die »Dre iß i g'sche Singakademie' aus Dresden aufs Glatteis geführt. Der Verein gehört zu unseren alteffr« toürbtgeu Sfforinstituten, er ist 1807 gegründet. Weber widmet rffm im Jahre 1812 sehr liebevolle Worte. Die Zahl bet Mit- ^lieber ser, allerdings nur langsam, von 7 auf 81 gestiegen, denn »bie Vorliebe für alles Fremde unb beionbers Italienische' lasse es bem größten Theil des Dresdener Publikums unmöglich er- scheinen, »baff ein Deutscher fingen — noch weniger Singunterricht geben könne.' Um so höhet sei bet »rühmliche, ausdauernde, durch keine kleinlichen Rücksichten aufzuhaltende Eifer des Herrn Dreiff,g' anzuschlagen. Sein derzeitiger Nachfolger im Amt •ustkffie aus Weber'S Aufmunterung neue Früchte ziehe». Leider .hat et fich verrechnet; bie Leistungen, bie bet Chor in feinem Bet- ttmtt Concert bot, stauben nicht auf der Höhe der einheimischen !Ansprüche. Der Siimmklang und bie Reinheit bet Intonation '«eßen viel zu wünschen Übrig. Kurt Hösel ist ein Musiker von 'Intelligenz, das zeigte schon bie Zusammenstellung des Pro- .Stamms. Für bie Aufführung von Hermann Goetz' »Nenie' find swit ihm dankbar; aber Beethoven'- »Coriolan'. Ouvertüre .lassen wir uns von ihm nicht umkomponiren' Die Poesie unb bie Innerlichkeit des rührende» (Sefanatff’mas waren vollständig ob»
gestreift. — Oselto B j ö t n s o n wußte als Carmen entschieden mehr zu intereffiren, denn in ihrer ersten Gastrolle als Margarethe; doch fehlte ihr die dämonische Gewalt Übet das Publikum und über ihre Partner nuf bet Scene. Und das Letztere ist doch Vorschrift des Komponisten, gegen bie freilich auch sonst bei bet Vorstellung im »Theater des Westens' viel gesündigt wurde.— Edouard 3t iS le t, bet feinsinnige Pariser Pianist, ter trotz aller nationalen Tugenden unsere deutschen Meister so echt deutsch zu spielen weiß, eröffnete seinen auf fünf Abende vertheilte» CycluS historischer Concerte. Diesmal wat et Franzose. Das Programm, das von den französischen Klavierpatriarchen Couperin und Sterne au aus ging, ließ auch Bach gleichsam in Rameau'schem Lichte erscheinen. Philipp Emanuel verträgt ja diese glatte, graziöse Zier arbeit, bet große Sebastian ober will mit anderem Maße gemessen sein. W. Kl.
m l Münchener Musik«) Man schreibt »ns ans München v. 4. ds.: Die musikalische Akademie führte mit starkem äußer» Erfolg zum ersten Mal des Münchener Hoskapellmeistets Röhr weltliches Oratorium »Ekkehard' ans, das Werk eines gut belesenen Eklektikers, der Wagnet's Technik unb Ausbrucksweise für ben epischen Stil in Anspruch nimmt, ohne in Bezug auf Selbstfländigleit bet Erfindung die Sphäre der Liedertafelmusik verlassen zu können. Nur durch bie nicht gewöhnliche Instrumentation erhebt fich »Ekkehard' über das Niveau der »Kapell- meistetmufit*. Der Orchester-Routinier Röhr steht Alles mit ben Augen des Theatralikers an, mit dem sichern Blick für den äußeren Effekt, den bet Durchschnitls-Concertbesucher alleweil für Kunst hält. So schlägt daS lyrische Empfinden in gespreizte Sentimentalität um, der Hochdruck der dramatischen Svannung, den gewisse Scenen wie die »Hunnenschlacht', »Hadwigs Uebtrwältigung durch Ekkehard' rechtfertigten, löst sich in Orchesterlärm aus, während das Tonmalerische sich beflissen an gleiche Situationen der »Vorempfinder' klammert. Im Mittelpunkt der sehr gelungenen Aufführung unter der Leitung des Komponisten ftano bie groß und klangschön gesungene .Hadwig' des Frl Moreno. — Die H o f o p e r gedenkt ihrer Verpflichtung, von Zeit zu Zeit etwas Neues zn bringen, dadurch zu genügen, das sie altmobndje Opern hiesiger Mufikprofessoren und auswärtiger Dilettanten bereitwilligst aufführt. In die letztere Kategorie gehört das mehr als harmlose einaktige Singspiel »Jery und Bätritz'(nach Eoeth:) von Frau Jngeborg v. B ro nsar t, das am Sonntag mit sehr geringem Erfolg in Scene ging.
e fMnsikfcst in Duisburg.) 'Man berichtet uns auS Duisburg vom 3. Februar: Der Duisburger Gesangverein veranstaltete gestern und heute unter Leitung seines Dirigenten, des hiesigen flädlischen Musikdirektors Walther Josephson, und unter Mitwirkung *8 Mülheimer und IKuffrorter Gesangvereins, sowie bet Duisburger Liedertafel und Duisburger Lehrer-Vereintgung anläßlich der Einweihung seiner neuen, ani freiwilligen Beiträge» aufgebrachten Concertorgel in der hiesigen Tonhalle ein zweitägiges Mnsikfest. Während der gestrige Tag nur ganz Haifisch gehalten war und ben drei große» Meistern Bach (F-dur«$occata für Orgel), Händel (Halleluja aus dem »Messias' unb die sogenannte kleine »Cäcilien- Ode'l und Beethoven (IX. Sinfonie mit bem Schlußchor Über
Schillers Obe »An die Freude') gehörst, brachte der heutige Abend nur Nummern moderner Meister. (Wagner, Anton Dvorak, Hugo Wolf, Peter Cornelius, Liszt, Alexis (Suilmant und Richard Strauß). Als Solisten wirkten an beiden Abenden mit Fräulein Meta Geyer-Berltn (Sopran), Frau Iduna Walter- Choinanus-Mauuffttm (Alt). Herr Hemrich Zeller-Weimar (Tenor), Herr Dr. Felix Krous-Wien (Baß), Prof. H. W.Frauke. Köln (Orgel) unb Musikdirettor Dr. Steinltzer-Mülheim a. b. Mufft (Klavier und Cembalo). Der Chor zählte 313, bas Orchester 77 Miiwirkende. Sämmtliche Darbietungen wurden von dem beinahe 1800 Personen zählenden Auditorium mit größtem Beifall ausgenommen. Die neu.' Concertorgel, deren Preks 28,000 JL beträgt und die 3 Manuale, 1 Pedal und 50 Register aufweist, ist ein Werk bet Hoforgelbauanstalt Wil ff. Sauet in Fran.'furt a.' O. unb reiht fich denen im »Gurzenich'-lloln unb in der Tonhalle- Düsseldorf fflnfichtlich der Größe ebenbürtig an, während sie diese in technischer Hinsicht übertrifft.
— (Recitation moderner Dichtungen) Der kleine Saal des Frankfurter Saalbaues war gestern so dicht gefüllt, wie bei wenig andern dieswinterlichen Veranstaltungen. Herr Marcell Salzer ans Wie» gab mit Unterstützung von Art. Irene T r i e s ch einen »Modernen Abend'. Herr Salzer, em vielgereister Mann, war den Frankfurtern bisher ein Fremder. Die Aufnahme, die er heute gefunden, wird ihn zum Wiederkommen erwuthtgen. Seine Stimme ist nicht gerade klangvoll, »och besonders klar. Aber sie ist trefflich durchgebildet, sehr ausdehnungsfähig unb wird so vorzüglich beherrscht, baff sich doch alle Wirkungen aus ihr heransholkn lassen, lind dieser Wirkungen waren sehr viele: In bem Gedicht »Die Musik kommt' von Liliencron verblüffte bie Klangmalerei, daß An- unb Abschwellen der vorbeiziehenden Militärmufik, in »Bruder Liederlich' derselben Dichters strömte es von llebermuth und Kraft, in bem Gedicht von Holz kam der groteske Humor vollauf zur Geltung; wie hingetuscht waren bie zierlichen Verse Bierbaum's. Zeigte sich Herr Salzer hier als ein virtuoser Interpret moderner Lyrik, als Künstler, bem keine Nuance entglitt und der doch immer ben Ton beä Ganzen bewahrte, so bewies et in bet Humoreske von Hermann Bahr, baff et auch elegant zu plaudern versteht. Mit Frl. Trief ch gemeinsam trug der Wiener Rezttatot den Dialog »Weihnachtseinkänfe' von A. Schnitzler vor und wußte hier, wo nut ab und zu ein vorschnelle- Wort bie Situation erhellt, durch beziehungsvoll! Andeutungen zu feffeln. — Frl. Driesch, von einem erwartungsvollen Publikum schon bei ihrem Erscheinen mit stürmischem Willkomm bedacht, sprach zunächst Richard Dehmel's »Die Magd' mit unvergleichlichem Aufgeh» in die Stimmung des Gedichts, bann mit edler Einfachheit »Die Wallfahrt nach Kevlaat' und »Wtt weiß wo' von Liliencron. Peter Alienberg'S »SchweigeM» Runde' erwuchs butch ihre Kunst zu einem von schweren GeWstnnifsen umzitterie» Menschenschicksal. bas jsden Höret Tiefste- ahnen liefe. Wie immer gab Frl. Ttiesch wenig Kunst, »boch eine ganze Seele*, ck.
== (Akademische Rachrichtea.) AuS Hetbelberg wirb mrs geschrieben: Dem Privatdozenten der Chirurgie unb Assistenzarzt für bie klinische Ambulanz bet hiesige» Chirurgische» Klinik Dr. Georg Matwebel, sowie dem Privatdoze»teu bet Psychiatrie unb Assistenzarzt an bet Jrteullintk Dr. Nißl
wurde bet Charakter als o. o. Professor verliehen. — I» Berlin beging am Sonntag, wie bie Völkische Zeitung mittffeilt, ein verdienstvoller Pädagoge, Professor Dr. O. H. S i m o n, das goldene Doktor-Jubiläum. Er wat vor 80 Jahren unter bem zweiten Rektorat von Twesten burch den damalige» Dekan bet phikoso-, pH sichen Fakultät, ben Meteorologen Dove promovirt worden. — Man schreibt uns aus Z ü t i ch: Der Professor für Maschinenbau' am eidgenössischen Polytechnikum A. Stodolahat einen an ihn. ergangenen Ruf an bas Polytechnikum in Karlsruhe abgelehnt. — Aus Karlsbad wird uns vom 4. ds. geschrieben: Heute starb hier Hofrath Dr. Gallus Ritter v. Hochberger, der älteste Arzt Oesterreichs. Dr. v. Hrchbetaer wurde in dem kleinen deutschböhmischen Dorfe Floehau bei San, am 15. Oktober 1808 geboten, stand somit im 98. Lebensjahre. Er übte hier die ärztliche Praxis seit 1830, also seit länger als 70 Jahren aus.
---- («leine Mittheilungen.) Wie uns miig-iheilt wird, ist die Urkun de zu dem von Dürer gemalten Heller' schen Altarbild e, bie Herr Direktor Dr. W. Schmidt-München in bet »Franks. Ztg.' vom 1. b. veröffentlicht hat, in ben Besitz bet Buchffanblung Joseph Baer u. Co. in Frankfurt a. M. übet- gegangen unb in ihrem Ausstellungssaal ausgestellt. — Der ursprünglich auf ben 11. d. festgesetzte dritte Kammer» musik-Abenb des Frankfurter StteichquarteitS wurde ans ben 8.März verschoben. — Man schreibt uns auS Gießen:^ Der Theaterveteiu bot feinen Mitglieder» als 6. Vor» stellung dieses Winters Echegath's ,G a l e o 11 o*. Als Ernesto ■ zeichnete sich Herr Löhr vom Darmstädter Hoftheater durchs richtige Auffassung und maßvolles, natürliches Spiel aus, Ftl.> Schölermann vom hiesigen Stadttheater gab als Julia eine! lobenswerthe Leistung, die auch neben dem vortrefflichen Spiels des Gastes voll bestehen konnte und reichen Beisall fanb. —■ Aus München wird »ns berichtet: Ans Anlaß bet' Prinztegente»»Feier veranstaltet bie Hysbühne einen Cyklus sämmtlicher Schiller - Dramen unter Mitwirkung des Ehrenmitgliedes der Bühne Frau Clara Ziegler — Wie »ns mitgetffeilt wird, brachte der Barmet »Ouartett- Verein' am 4. ds. in der Stadthalle unter Leitung des Musikdirektors Hugo S teinbruch und unter solistischerMitwirkung von Frl. Martha Münch-Stettin, sowie bet Herren Hormon»- Frankfurt o. M. unb Otto Freytag-Stuttgart C. Ad. Lorenz' neues großes Chorwerk »DieJuugfrauvon Orleans' zur ersten Aufführung im Wupperihal. Das Oratorium fand die beifälligste Aufnahme. — Ma» schreibt uns an8 der Schweiz: Der Direktor Poncet des Genfer Stadt- theater-, das vor nicht langer Zeit der Schauplatz arger Lärmszenen war, hatte bem ihm unbequemen Theaterkritiker der »Suisse* an jenen stürmischen Tagen bas Recht beS freien Eintritts entzogen. Der »Seufer Preßvereiu' suchte nun jetzt die Angelegenhett zwischen Direktor und Kritiker zu regeln, fand affet bei ersterem ein derartiges Entgegenkommen, daß" sämmtliche GenferTageSblätter einmüthig beschloffen, jede' Berichterstattung über die Aufführungen im Stadttheater i ein, «stellen.
v.
