Wr. 109. Erstes Morgenblatt. MMMtsttzSa JitkWß.

Sstttpkss, so. April 1901

jjtonnem entspreis:

n VierteIj. in Frankfurt e. Mains bei d.Exp.»M 7.50 bei den Agenturen .A 8.25 bei den Postämtern in Dentechlaiid . . . uü9__

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frankfurter Handels seitung.) ||||^ fene Frankfurter Zeitung.)

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(Gesellschaft m. b. EL)

Teutsches Reich.

* »tattffut* 19. April.

Ei« Entscheidung deS Handels Ministeriums zum WaarenhauSsteuergefetz sagt: »Die Frage, ob der Erlös für gruppeusreie Waareu (dH. solche, die seiner Waarengruppe zngezählt werden) bei der Feststellung des steuerpflichtigen Jahresumsatzes außer Betracht bleiben kann, gehört nicht zu den Gegenständen, über die nach § 6, Abs. 5 zu befinden ist, sondern ist im Steuerveraulagungs» verfahren zum AuStrag zu bringen.' 8 1 sagt:Wer daS stehende Gewerbe des Kleinhandels mit mehr als einer der im §6 unterschiedenen Waareng^uppen betreibt, unterliegt, wenn der Jahresumsatz in diesen Gruppen 400.000 Mk. übersteigt der WaarenhauSfleurr.' Die Mortein diesen Gruppen" find, wie derConfectronair' hervorhebt vom Abgeordnetenhaus hinzugesügt, um klar zu stellen, waS auch die Regierung als ihr« Absicht bezeichneie, daß Umsätze in Waaren, die unter keine der im § 6 unterschiedenen Gruppen fallen, für die Steuer nicht in B e t rach t kommen (Abg.-Haus Stenogr. BerichtS. 4718). Also von einer Fragen die im Veranlaguugsverfahren zum Aus­trag gebracht werden soll, ist gar keine Rede. Die Frage ist vom Gesetz mit drei Worten entschieden, die der Handels- minister aber, obgleich das Gesetz unter seiner Amtsführung zu Stande gekommen ist, nicht zu kennen scheint

T Hamburg, 17. April. Sie nach den Berichten hiesiger Zeitungen wiedergegebene Ausschreitung streikender Arbeiter der LüderS'schen Reismühlen in Moorfleth (Hamburger Land- gebiet) stellt sich jetzt als diel weniger schlimm heraus. Wie mir ton bet Landherrenschast der Marschlaube mitgetheilt wirb, hat ein Streikposten der allen Arbeiter einen der von auswärts Herbei- aezogeuen beim Gange in bie Fabrik am Samstag aufgefordert, bet Arbeit scrnzubleibcn. Als bet Arbeitswillige darauf nicht ein» Bbekam er von hinten einen Fauststoß ins Genick, der ihn nicht

tr. Polizei war sofort zur Stelle, da wegen der Reibereien en Streikbrechern und Ausständigen die Zugänge zu den Mühlen schon seit längerer Z-it beobachtet werden. Weitere Ausdehnung nahm daher der Streik nickt, die Mester sind nicht gezogen worden. Uebrigens thri'ti mir die Fabrtkleitnng mit, daß für sie bet Streik beendigt sei, ba sie die alten Arbeitet in genügende Zahl bitt# neue ersetzt habe.

X Darmstadt, 18. April. In der von uns bereits besprochenen Versammlung seiner Vertrauensmänner hatte Freiherr von Hehl u. A. den sozialdemokratischen Abg. Ulrich persöalich angegriffen. Herr Ulrich hat sich parauf veranlaßt gesehen, an Herrn von Hehl solgenden Brief zu schreiben, den wir im »Offenbacher Abendblatt" veröffentlicht finden:

Offenbach a. M., 18. April 1901. Herr Baron!

Sie haben, wie ich soeben aus dem Berichte der »Wormser Zeitung' über die Bettraueasmännerversammlung der national- liberalen Partei vom 14 b. M. ersehe, über meine peinliche Stellung im öffentlichen Leben in meiner Abwesenheit in so ein­seitiger Weise geurtheilt, daß ich Ihnen meine Verwunderung barüfet auSsprechen und erwarten muß. daß Sie mir Gelege n. hett geben, Ihnen vor dem Forum einer öffentlichen Ver­sammlung Auge in Auge zu antworten.

Ich muß dies umsomehr erwarten, als ich, ba ich genau zu der­selben Zeit in Worms in einer öffentlichen Versammlung sprach, al» Sie in der Vertrouensmännerversammlung redeten, es Unter­lasten habe, den Wünschen zahlreicher Freunde, über Ihre per­sönliche Stellung zur Farge der Zoll- und Handelspolitik, sowie über Ihr« ganze Thätigkeit im öffentlichen Leben mich auszulasten, zu entsprechen, nachdem ich posttiv erfahren, daß weder Sie noch einer Ihrer Anhänger in der Versammlung anwesend gewesen.

Ich wollte mich nicht mit Ihrer persönlichen Thätigkeit im öffentlichen Leben beschäftigen, ohne zu wissen, daß Sie oder einer der Ihrigen die Möglichkeit hatten, mir zu entgegnen.

Sie haben diesen Grundsatz nicht befolgt. Weßhalb, weiß ich dicht, jedenfalls hoffe ich aber, daß Sie, nachdem Sie das nicht ge. thun, mit nunmehr noblesse adlige, Herr Baron Gelegen­heit geben, mich mit Ihnen auf gleichem Boden und unter gleichen Bedingungen auseinander zu setzen.

Hochachtungsvoll

6. Ulrich.

Die Hoffnung des Herrn Ulrich wird kaum in Erfüllung gehen. Herr von Hehl wird sich als Mann von festenPrinzipien, Vie es ihm verbieten, sich mit einem Sozialdemokraten .gemein' zu machen, schwerlich dem angegriffenen Gegner stellen. Man weiß auch, warum.

Frankreich.

Ergebnisse der Volkszählung.

* Die Zusammenstellung der Einwohnerzahl nach der am 24. März stattgehabten Zählung geht überaus langsam von Statten, sodaß die Resultate nicht vor dem 1. Mai dem Handels­ministerium eingereicht werden dürsten. Aber schon aus den bisher bekannt gewordenen Ziffern geht deutlich hervor, daß die

Hoffnungen auf eine erhebliche Vermehrung der französischen Bevölkerung in den letzten fünf Jahren wieder vergebliche ge­wesen find. ES dürste nur eine geringe Erhöhung der Zu­nahme im Vergleiche zu dem bekanntlich in dieser Hinsicht so ungünstigen vorhergegangenem Lustrum eingetreten sein. Die­selben Erscheinungen, wie bei den früheren Zählungen, Abnahme der ländlichen Bevölkerung und Zunahme derer einiger großer und Jndustrie-Städte und -Bezirke, zeigen sich wieder, wenn viel- leicht auch weniger stark ausgeprägt als vordem. In mehreren G r o ß st ä d t e n ist die Bevölkerung ebenfalls zurückgegangen; hier handelt es sich aber nur um eine Verschiebung ans den Zentren nach den Vororten hinaus, wie in Lyon, dessen Be­völkerung von 466,028 Einwohnern int Jahre 1896 auf 453,145 gesunken ist während die umliegenden Gemeinden stark angenommen haben. Bordeaux ist auf seinerZiffer non 1896 stehen geblieben; es zählt 257,471 Seelen, was eine Zunahme von 565 in den letzten fünf Jahren ausmacht. Ueber Marseilleist, da die Zählung wegen der so zahlreichen Ausländer in der Mittelmeerhafenstadt besondere Schwierigkeiten bereitet, noch nichts bekannt. Von anderen größerm Städten zählen (die Ziffern von 1896 in Klammern daneben): Dionen 116 677 (113.219). 8e HLvre 128.679 (119.470), Amiens 90 038 (88,731), Rennes 74 006 (69.765). Orlian* 67 539 (66,215), Le Mans 62,948 (60,075), Rochefort 35,528 (34,892) u. s. w. Die Landbezirke von Pvetot, Roche­fort, Mende u. s. w. haben beträchlliche Einwohnereinbußen er­litten, der erste von nicht weniger als 5881 Seelen, sodaß er das Recht verliert zwei Abgeordnete in das Parlament zu ent­senden. Ueber die Pariser Ziffern verlautet noch nichts; dagegen sind die einigerBvrorle bekannt und weisen beträchtliche Erhöhungen auf, so Saint-Denis mit 59.541 Einwohnern 5109, Leoallois-Perret mit 58 062 Einwohnern 10,498, Bin- eennes mit 27 450 Einwohnern 2886 Aubervilliers mit 31 094 Einwohnern 3811, Saint-Quen mit 35,097 Einwohnern 4582.

Afrika.

* Die in D a r e s s a l a m erscheinende »Deutsch - Ost- afrikanische Zeitung' vom 16. März meldet, daß ihr auf brief­lichem Wege aus Sansibar berichtet worden sei, jene gegen die aufständischen Somalis im nördlichen Britisch-Ostafrika entsandte englische Expe­dition habe etwa 14 Tage vorher eine empfindliche Niederlage durch die Somalis erlitten. Die englischen Truppen seien unt<*r dem Verlust einer größerm Menge Todter und Verwundeter von den überlegenen Somalis zurückgeschlagen worden und hätten sich auf Kismajn, die nördlichste Hafenstadt der englischen Kolonie, zurückzieben müssen. 8000 Somalis unter dem Häuptling Abdallah standen dicht vorKtsmaju und drohten auch gegen den Süden des brttischen Schutzgebiets vorzugehen. Der Sultan von Sansibar sei seitens des englischen Krtegsamtes in Folge dessen zur sofortigen Entsendung der ver­fügbaren Sultanstruppen nach Momdassa ansgefordett und sei diesem Verlangen auch nachgekommen. Die gefanbten Hilfs- truppen sollen hauptsächlich zum Schutze Mombaffas gegen eventuelle Angriffe auf jene Stadt von Seiten der Somalis Ver­wendung finden. (Vgl. Zeigt, aus Momdassa im Zweiten Morgenbl. Red.)

Kongreß für innere Medizin.

. * IV.

= Berlin, 18. April.

Die gestrige NachmittagSfitzung war Demonstrationen ge­widmet. Strauß - Berlin demonstrirt ein von einem 29- jährigen Manne stammendes Präparat einer im mittleren und unteren Speiseröhren-Abschnitt sitzenden sackförmigen Speiseröhrenerwesterung ohne anatomische Verengerung, v. I a ck s ch - Prag demonstrirt einen Fall von Knochenhaut­entzündung. Struppler - München demonstrirt einen Fall von Zwerchfellbruch, der mehrfach begutachtet worden ist, ohne daß es gelang, eine richtige Diagnose zu stellen, erst die Röntgographie, die Durchleuchtung, zeigte sie. Einen Parallel-Fall hierzu zeigte Hirsch - Leipzig, v. Hanse­mann bespricht an der Hand dreier Fälle von Lungen­syphilis die anatomischen Befunde bei dieser Krankheit, über deren Eigenthümlichkeit noch recht wenig bekannt ist. Der erste Fall stammt von einer 73jährigen Frau, wo während des LÄens Magenkrebs diagnosticirt worden war wegen der außerordentlichen Magerkeit. Es fanden sich Knoten in der Lunge, grünröthlich, in denen noch deutlich die Struktur syphilttischer Geschwülste zu erkennen war. Tuberkelbacillen waren nicht nachweisbar, auch nicht durch den Thierversuch. Der zweite Fall stammt von einer 81jährigen Frau, die an Rückenmarksschwindsucht gestorben war. Es fanden sich syphi­litische Geschwülste der Niere, der Leber, syphilitische Ge­schwüre des Kehlkopfes ein. Der dritte Fall stammt von einem Manne, bei dem sich auch eine syphilitische Brustfell­

entzündung entwickelte. Alle diese Fälle sind sehr selten, es gibt keinen bakteriologischen Nachweis hierfür. Jäger- Königsberg spricht über die Verbreitung der epidemischen Genickstarre in den letzten 20 Jahren und hebt ihre außer­ordentliche Verbreitung in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika hervor.

V.

Münzer - Prag spricht über die Lehre von der Febris hepatica intermittens (Wechselfieber infolge von Leberkrankheit) nebst Bemerkungen über Harn­stoffbildung. Er zeigt, daß vorderhand bei keiner Leberkrank­heit eine Behinderung der Harnstoffbildung nachweisbar ist, und daß daher die Cholaemie nicht als Ausdruck einer Ver­giftung des Körpers angesehen werden kann. In der Dis­kussion hebt Rosen st ein - Leyden hervor, daß es fast keinen Fall der in Rede stehenden Leberkrankheit (hyper­trophischer Leberwucherung) gäbe ohne Fieber. Diese Fieber- typen seien sehr verschieden, es handle sich hier durchaus nicht immer um Esterung.

Hirschberg - Frankfurt a. M. bespricht an der Hand der ausführlichen Darstellung eines Krankheitsfalles die Frage der operativen B e h an d lu n g der hyper- trophisch en Leberschrumpfung. Er erreichte bei einem Patienten, der nach mehrjährigem Leberleiden, das sich fortgesetzt verschlimmert und endlich äußerste Lebensge­fahr bedingt hatte, durch Freilegung des rechten Leberllch- pens und Einstich an der druckempfindlichsten Stelle eine völlige Heilung, die noch heut andauert. Es war kein Eiter, sondern reine Galle, die aus der Fistel ausflotz. Schon nach einigen Tagen schwand das Fieber und alle anderen Krank- hestserscheinungen. Patient nahm rin drei Wochen 14 Pfd. an Gelvicht zu.

v. Lehden spricht über die akute Rückenmarks- entzündung (Myelitis). Er gibt zunächst einen histo­rischen Ueb erblick über die Kenntniß der Krankheit und be­handelt dann die Ursachen der Myelitis. Hier sind zu­nächst die Infektionskrankheiten in Betracht zu ziehen; so ist z. B. die Lähmung bei der Wutkrankheit sicher auf Ein­wanderung der Infektionsträger zu beziehen. Bekannt ist auch das Auftreten von Myelitis nach Influenza; ferner ist sie sicher nach Typhus beobachtet. Diese Fälle gehen theils in Genesung, theils in einen chronischen Zustand über. Als weitere Ursache sind Verletzungen anzusehen. So erwähnt Lehden einen Fall, bei dem die Rückenmarksentzündung nach einer Wirbelverletzung aufgetreten war. Ferner wirken haupt­sächlich der Alkohol, Arsenik und andere Gifte. Diefe Lähm­ungen gehen meist zurück. Endlich kennt man Rückenmarks­entzündung nach Schreck, Aerger. Es sind ferner Fälle von Rückenmarksentzündung nach Tuberkulose und Syphilis festgestellt. Aber auch nach Gonorrhoe sind sichere Fälle von Myelitis beobachtet. Was den Verlauf der Erkrankung be­trifft, so ist das Merkwürdigste das plötzliche schnelle Auf­treten der ersten.Erscheinungen, bisweilen über Nacht, die Myelitis aeutiffima. Ferner sind die subakuten gönnen be­kannt. Das Fortschreiten der Krankheit bedingt dann die Lebensgefahr. Zunächst das Fortschreiten nach oben bedingt Gefahr für das Schluckcentrum, für das Gehirn; doch auch hier kann noch vorher Stillstand eintreten. Ferner bedingt Gefahr das Fortschreiten nach unten, die Blasenlähmungen mst all ihren Folgeerscheinungen. Eine Besserung ist auch hier bei guter Pflege nicht auszuschließen. Die Berichte über Besserung, resp. Heilung der Myelitis sind jetzt gar nicht mehr selten. Redner schließt sein übersichtliches, lehrreiches Refe­rat mit einem kurzen Ueberblick über die zu erwartenden Erfolge. Spezifische Mütel gibt es noch nicht, nur für die im Gefolge der Syphilis austretenden Formen der Krankheit. Wir müssen symptomatisch behandeln, für .Kräftigung des Patienten sorgen und jeder einzelnen Erscheinung unser Augenmerk widmen.

Als Korreferent führt Redlich -Wien vor Allem das anatomische Bild der Rückenmarkentzündung vor. Es entspricht der akuten Poliomyelifis ein Entzündungsvörgang, der haupt­sächlich im Bereich der Centralarterie liegt. Er geht ausführ­lich auf den Streit ein, der sich um die Frage entwickelt hat, ob man denn den Begriff der Entzündung auch auf das Nervensystem anwenden könne. Den Verschiedenheiten der Ursache der Lokalisation, des Verlaufs der Erkrankung wer­den natürlich auch mathematisch Differenzen entsprechen. Es kommen ferner nekrotische Herde vor, auf die begünstigend das Alter, Arterienverkalkung und Achnliches einwirken. Die akuten Infektionskrankheiten bewirken vielleicht durch Bak- tericneinwanderung entzündliche Vorgänge. Die experimentell in das Rückenmark eingebrachten Bakterien verschwinden schon nach 14 Tagen. Meist entwickelt sich die Myelitis erst nach Ablauf der Infektionskrankheit; es kann sich also nicht um eine direkte Bakterieneinwirkung handeln.

v. Stümpell - Erlangen empfiehlt die Lumbal­punktion als diagnostisches Hilfsmittel. Nach seiner Ansicht tritt die akute Rückenmarkskrankheit infolge Staphylokokken- Einwanderung ein; ein solcher Fall stand unter seiner Beob­achtung, der von einer Zellgewebeentzündung am Finger aus- gcgangen war. Ebenso gibt er Beispiele nach Halsentzünd­ungen, Rose, Influenza. Die chronische Form der Myelitis

werde durch die Tuberkulose ober Syphilis geb ildet. Hiernach findet eine ausgedehnte Diskuffion über dieses Thema statt.

Akk Kampf um Zolltarif uud Handelsverträge.

* Ludwigshafen, 18. April. Die Badische Anilin, und Soda.Fabrik sagt in ihrem eben erschienenen Geschäfts­bericht: »Mit großer Spannung erwartet man in den indn- striellen Kreisen Deutschlands die zukünftige Gestaltung der Handelsverträge, an deren Erneuerung ans eine lange Reihe von Jahren die aus den Export angewiesene deutsche Theer farbenindustrie gleich den anderen Exportindu» strien ein ganz besonderes Interesse hat. Wir selbst nehmen für uns keinen Zollschntz gegen da» Ausland in Anspruch, um so mehr glauben wir nnS berechtigt, auf die thatkräftige Unterstützung der ReichSregierung rechnen zu dürfen, um für die Fabrikate bet chemischen und inbeiondere bet Farbenindustrie im Verkehr' mit den Vertragsstaaten Zollfreihett oder wenigstens noch solche Sätze zu «langen, welche die Entwicklung des Exportes' nicht hemmen. Das läge bei bet großen wirthfchaftlichen Bedeute ung unserer Industrie auch im allgemeinen Interesse, dem' schlecht gedient wäre, wenn diese beherrschende deutsche Industrie! durch die ihr entgegenstehenden Zollsätze dazu getrieben würde, ihre Fortschritte und Erfahrungen in ausländischen Unternehm­ungen zu verwerthen.'

Vermischtes.

D Aranüsurt, 19. April. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Eisenbahn«Direktionen ermächtigt, solchen Druckereien, die nach ihrem Rufe und ihrer Leistungsfähig» leit Gewähr für die vorschristSmäßige Herstellung von Fracht»! brieten bieten, bieBenutzung be8 amtlichen Frachtbrief»! stempelS bei bet Anfertigung von Frachtbriefen für private Rechnung zu gestatten. Hierfür soll eine Gebühr von 1 für je! 1000 stück abgestemp-lte deutsche Frachtbriefe und 2 Jt für je1 1000 Stück abgrstempelte internationale Frachtbriefformular» «hoben werden.

§ Ans dem Saarkohkenrevier, 17. April. Im Schachte! Unter.St. Karl der Grube Kleinroffeln wurden durch hinab»! fallendes Gestein die Bergleute Mathias Tamdle und! Peter Brovitani auf der Stelle getödtet.

? Saarvrücken, 17. April. Die Handelskammer nahm vorgestern die Wahl ihres Vorstandes vor. Zum Vorsitzenden an Stelle des verstorbenen Freiherrn v. Stumm wurde der Glas- hütienbefitzer Loufs V o p e l i u S.Snlzbach gewählt. Als stell»! vertretender Vorsitzender wurde Kommerzienrath R. v.> Doch«' Wallerfangen wiedergewählt, desgleichen Fabrikant E. Böcktna» St. Johann als 2. stellvertretender Vorsitzender.

K München, 19. April. Vor Kurzem ist der ehemalige Redak­teur und Mitbeiheiligte des deuischvölkitchen .Odin' »Ver­lags, Lencer, mit Hinterlassung bedeutender Schulden von hier verschwunden. Das Nachrichtenbureau schreibt, die Schulden seien bereits aus «M 50,000 ausgelaufen. Es habe, sich auch herausgestellt, baß Lencer mit Wechseln operirt habe; u. A. habe er auf den Namen einer adeligen Dame in München Wechsel in bedeutenden Beträgen gefälscht. Ferner werbe ihm! auch die Unterschlagung von Burengeldern in der Höhe von etwa 1000 Mark uachgesagt. Schließlich wird behauptet, er habe im Laufe der Zeit verschiedene Maßregelungen (Vethastungen, Auslieferungen an Oesterreich rc.) von im Vordergründe stehende«^ G-stunungsgenoffen durch Denunziationen an die Polizei her. beigeführt; er habe der Polizei wahrscheinlich öfter fchvn Dienste^ geleistet Ein Steckbrief gegen Lencer ist noch nicht ergangen.

* Kürth, 18. April. Die Gemeindeverwaltung Hai gestern die Baufumme für das neue Stadttheater von 620,000 auf!

705,000 erhöhh nachdem Architekt Fellner-Wien seine Pläne erläutert hatte. Der Rohbau soll, nach dem »Nürnb. Anz.' schon! bis Weihnachten unter Dach fein.

# Wern, 17. April. Dem bei Brienz oberhalb des Brienzer- iees reizend gelegenen Dörslein Schwanden, welches vori einigen Jahren durch die Lammbach-lleberschwemmung heimge»! sucht wurde, droht eine neue Katastrophe. Die im Gebiet bet Schwandenfluh vorgenommenen Messungen ließen schon feit einiget Zeit Böses ahnen. In den letzttn Tagen zeigten sich Berg»! risse und den Bewohnern des etwa 300 Seelen zählenden Dorfes Schwanden wurde angezeigt, daß sie sich ans Alles gefaßt machen müssen. Als letzten Samstag starke Regengüsse sich ein stellten, wurde zur rechtzeitigen Alarmirung eine Wache ausgestellt. Früh um 2 Uhr gaben Hornsignale den geängstigten Leuten das schauerliche Signal, daß sie auf der Hut sein müßten. Man hatte noch auf einige Felsenbänder unterhalb der Schwandeufluh Vertrauen gesetzt; doch biete, auf lockerem Lehm»! hoben ruhend, stürzten zusammen, worauf ein sehr bebeutenber Bergbruch in den Schwanbenbach uieberging, diesen selbst stauend. Ohne den vorhandenen gewaltigen Schutzbamm hätten die abg-stürzteu Massen bereits sutchtdaren Schaben angerichtet. Doch reichen bie Schuttmassin bereits bis zur Dammhöhe, unb es steht zu befürchten, baß infolge deS wieder eingetretenen Regens neue 'ehr gefährliche Abstürze erfolgen werden, die den Damm zerreißen und llnterfchwanden verichütlen würden. Das von einer Familie Schild bewohnte Hans hat bereits geräumt werden müssen, die anderen meist ärmlichen Häuserbefitzer find keinen Augenblick sicher, von ihren Heimstätten si eben zu müssen.

Feuilleton.

Bon Tschifu nach Hongkong.

pBon unserem Spezialkorrespondenten.)

E An Bord derHainan", 1. März.

teewterige 6brat|f»eg. Der SampletOatian. Der stdtrilche Blileab. äflas man ans einem Frnchtdampler lernt Dl« Soineien nU ettfaln*. Im Hasen von Hon«k»nq. D-rzendnng von Schieß.

pnloer.)

Meine Hoffnung, nach Ankunst in Tschifu*) leicht nach Shanghai zu gelangen, sollte sich bald als eine durchails trügerische herausstellen. Das Eis im Hasen wurde allerdings durch einen SturmFrüh- lmgssturm" nannten ihn die Europäer in Tschifu ausgebrochen und weggetrieben, aber es erschien kein Dampfer, der mich nach Shanghai hätte führen können. Die alten Dampfer der Jebsenlinie waren den an sie gestellten erhöhten Anforderungen offenbar nicht ge­wachsen gewesen, was nicht wundernehmen kann, wenn man bedenkt, daß sie nach ihrer schweren schiffzerstören­den Arbeit aus der Barre bei Taku sicherlich recht nöthig hatten, ins Dock zu gehen. Die Jebsenlinie hatte die Winterarbeit für ihre Dampfer so vertheilt, daß zwei davon den Postdienst Shanghai-Tsingtau-Tschifu, zwei den Dienst Shanghai-Tschifu-Shanghaikwan versehen sollten. Nun brach aber zunächst dieApmrade" nieder, dann wurde dieKniersberg" reparaturbedürftig, und so lastete der ganze Dienst auf den beiden andern Dampfern. Endlich kam dieMathilde" vom Norden herunter und die Reisenden bereiteten sich vor, an Bord zu gehen. Vielleicht wäre dies auch gelungen, wenn dieMathilde", vermuthlich um unbequeme Manöver zu vermeiden, nicht gar so weit da draußen geankert hätte. Dazu kam noch ein neuer Sturm, vor dem alle Dampfer sich unter den sogenanntenBluff", einen den Hafen von Tschifu nach Nordosten schützenden Fels, flüchteten, während dieMathilde" in dsr Ferne auf den erregten Wogen tanzte und auf ihre Passagiere zu warten schien. Sampans fuhren aber nicht wegen des Sturmes und fliegen hatten wir nicht gelernt. Ein freundlichst von der Firma A n z C o. zur Verfügung gestelltes Ruderboot nahm den Kampf gegen die Wellen auf. Nach kurzer Zeit aber waren unsere chinesischen Ruderer trotz der schneidenden Kälte von Schweiß über- strömt und erlahmten sichtlich, während Woge nach Woge über unser Gepäck und uns selbst spülte. Der

' HS-Lrmq. M" P. U. ApM.

Steuermann erklärte, umdrehen zu müssen, und nun waren wir ganz den Wogen ausgeliefert, die unser Boot mit der Breitseite gegen die Kaimauern trieben, daß alle Kräfte nöthig waren, um uns vor dem Zer­schelltwerden an den Quadern zu schützen. Die Chinesen schienen ganz den Kopf verloren zu haben, denn sie halfen nur noch durch wüstes Schreien. Endlich erreich­ten wir einen einigermaßen geschützten Punkt und ich war für meine Person recht zufrieden, als ich wieder festen Boden unter den Füßen haste. Einem englischen und einem japanischen Boote ging es einigermaßen besser als uns, da es ihnen überhaupt nicht gelang, gegen die Wellen aus dem Sicherheitshafen hinaus­zukommen.

An Komik fehlte es übrigens auch bei diesem Ver­suche, dieMathilde" zu erreichen, nicht. In unserm Boote hatte ein uns vollständig unbekannter Engländer Platz genommen. Als wir unterwegs waren, fragte ihn der Steuermann, wohin er eigentlich fahren wolle.

Nach derFungschun."

Na, mit diesem Boot kommen Sie niemals dahin," war die wenig tröslliche Antwort, die dem Erstaunten einWell i never" entlockte. Die Erkenntniß, sich bei Sturm einem falschen Boote anvertraut zu haben, ist aber auch wirklich unangenehm. Jedenfalls gereichte es dem Engländer nachttäglich zur Beruhigung, daß wir ebensowenig wie er ans Ziel unserer Wünsche ge­langten. Meine Besorgniß, Shanghai nicht rechtzeittg erreichen zu können, wurde aber am nächsten Tage durch Kapitän Claussen von dem DampferHainan" be- hobm. Dieser freundliche Herr erbot sich, mich auf sei­nem Dampfer direkt -mit nach Hongkong zu nehmen, wo ich einige Tage vor derKiautschou" eintreffen werde, und ich kann wohl sagen, daß mir auf diese Weise Gelegenheit zu einer höchst interessanten Reise und zu einer sonst ausgeschlossenen gründlichen Besichtigung Hongkong geboten wurde. DieHainan" fft ein Fracht­dampfer, der 1400 Tonnen laden kann und 10% bis 11 Knoten läuft. Das Schis gehört derDeutsch- ostasiattschen Handelsgesellschaft" und fährt gewöhnlich zwischen Tschifu und Wladiwostok. Neunzig Meilen Eis hatte es von Wladiwostok bei seiner letzten Reise durchfahren müssen, bei einer Käüe von37 Grad Celsius, und jetzt war es, da die Schraube durch die Arbeit im Eise stark gelitten hatte, auf der Rückreise nach den Docks in Hongkong begriffen. Die Bemannung be­stand, einschließlich der Offiziere, aus fünf Europäern und etwa 25 Chinesen. Außerdem hatten wir, da der Kapstän ein großer Sportsman ist, der die Reisen im herrlichen Sibirien", wie er es nennt, zur Jagd aus­nützt, nicht wenig« als vierzehn Jagdhunde an Bord

und einenBärhund", genanntJohann Mott".- Janott" wird dieses höchst merkwürdige Thier, das demnächst seinen Einzug in den Hamburger Zoologi­schen ©arten halten wird, von den Russen genannt, und das soll übersetztBärhund" heißen. Die Gestalt ist die eines kleinen Bären, der mit prächtigem Kra­gen gezierte Kopf der eines Fuchses, die Haarfarbe die eines Dachses und das Benehmen das eines Hundes. Der Kapitän behauptete, daß der Bärhund zahm sei, was diesen allerdings keineswegs abhielt, mir in die Waden zu fahren. Es beruhigte mich, festzustellen, daß er dies nur deshalb that, weil ich Khaki trug, denn das mag er nicht". Auf einer früheren Reise hatte dieHainau" einen Orang-Utang und einen Tibet- Bären mit, beides Passagiere, von denen Erstaunliches erzählt wurde. Die große Zahl der Jagdhunde erklärte sich übrigens aus zwei in Sibirien stattgehabtcn erfreu­lichen Familien-Ereignisscn. Heute find die jungen 'Hunde bereits in Hongkong vertheilt, und sie werden diese Stadt vielleicht in den Ruf bringen, die einzige Stadt des Ostens zu sein, die echte Jagdhunde besitzt.

Was nun die Reise auf einem Fracht- d a m P f e r anbelangt, so kann ich Jedein, der Inter­esse an der See und an dem Thierleben der See nimmt, nur dazu rathen, solche Dampfer den luxuriösen Hotel­dampfern der großen Linien vorzirziehen. Man steht mit dem Kapitän auf der Brücke und wird über Alles belehrt. Man lernt begreifen, wie der Kapitän mit Sstomversetzungen zu rechnen hat, lernt die ganze Küste und ihre Leuchtthürme, dieFelsen",Steine" und Strömungen kennen, wird darauf aufmerksam gemacht, wie man aus der Gestalt der Djunken auf die Gegend schließen kann, in der man sich befindet. Man lernt, wie der Chinese der verschiedenen Gegenden Fischfang betreibt und wie er segelt. Man schärst den Blick für den kleinsten am fernen Horizont erscheinenden Punkt und wird in der Handhabung der nautischen Instru­mente unterrichtet. Ferner hat man Gelegenheit, See- gethier zu beobachten, das dem geräuschvollen großen Dampfer vorsichtig auS dem Wege geht. So sahen wir zwei grosr Walfische, den letzten dieser Meerriesen in der Höhe von Shantung-Promontorium. Auch auf die Thatsache, daß die Möven ein Schiff selbst auf fünf­tägiger Seereise Begleiten, wurde ich durch die Fahrt von Tschifu nach Hongkong aufmerksam. Einer der Möven fehlten zwei Federn im rechten Flügel, und die so gekennzeichnete begleitete uns gesteülich auf dieser ganzen Reise.

Warum fliegen denn heute die Möven so sief," fragte ich den Kapstän,ist das ein Anzeichen von kommendem Sturm?*

Nein," antwortete er,das zeigt nur, was Sie sehen können, nämlich, daß wir hohen Seegang bei starkem Winde haben. Die Möve nutzt, um besser gegen den Wind zu fliegen, die Wellenthäler aus, in denen sie durch den Wellenschlag geschützt ist. Aber ich will Ihnen ein Anzeichen für noch stärkeren Wind sagen.- Die Schiffer von F u t s ch a u sind nicht ausgelaufen. Da sie zu ihrer Fahrt hierher einen ganzen Tag ge­brauchen und nur bei ganz bösem Wetter an Land Biet-5 Bert, müssen sie gestern schon einen Sturm vorausge-? sehen haben."

Wie können denn die Leute das?"

Das weiß man nicht, man weiß nur, daß sie sich5 niemals irren. Der Chinese ist üBerhaupt ein v o r-i züglicherSeefahrer. Wir bringenwar Segel­fahrten zu Stande, die eine chinesische Djunke überholen kömten, aber diese Fahrten sind nur für Wettfahrten! bestimmt. Unsere gewöhnlichen Segelboote werden da-! gegen von jeder chinesischen Djunke west geschlagen. ! Wir könnten viel von den Leuten lernen, wenn toir' nicht zu eingebildet wären."

Bei gutem Winde legen diese seetüchtigen Booteä die wie Nußschalen auf dm Wellen schwimmen, in der! That bis zu elf Knoten in der Stunde zurück, also mehr,j als manches Kanonenboot. Der Chinese hatte übrigens! auch diesesmal mit seiner Sturm-Prophezeiung Recht gehabt. Immer stärker setzte der Wind aus Nordost ein und verhalf unsererHainan" zu einer beschleunigten Fahrt nach dem Süden, wenn auch mit einigen unsanf­ten Püffen und mit Schaukeln.

Wenn wir gegen dm Wind anfollten," meinte einer der Offiziere,dann würden wir erst das Tanzen kriegen!"

Wahrhaftig, die Schiffe, die uns von Südm begeg-! ncten, hattendas Tanzen gekriegt". Sie machten' Sprünge, als wenn sie vor Uebermuth sich nicht zu halten wüßten. Der nächste Tag war ruhiger, und es tauchten wieder Djunkm auf. Dann heißt es langsam, fahren, dm diese Djunkm haben die merkwürdige An-, gewohnheit, dicht vor dem Bug eines Dampfers bot-! überzusegeln. Je dichter, desto bester, denn wmn es ge-' fingt, die Fahrt des Dampfers dicht vor dem Bug zu kreuzen, so bedeutet dies für die Djunke eine gün­stige Woche mit ergiebigem Fischfang. Kommt ein: Dampfer in eine solche ausfahrende nach vielen Hun- dertm zählende Fischerflotte, so gebraucht der Kapitän,^ um mit einem amerikanischen Bischof an Bord der Kniersberg" zu reden,rather strong language". Das nützt zwar nichts, gibt aber doch dem erregten Ge­müthe Beruhigung. Ein englischer Kapitän wollte einst! ein Exempel statuiren und sich nicht nur auf inestarke