DierMsg» ö. Jsttli 1901

WWKWßWg

«Heue Frenkfarter Zeitang.v

und Handelsblatt

(Frankfurter Handelszeitung.)

Vermischtes.

-r MarSur«. 7. Juli. Wie in der geRtifl« Deriammümg des landwirthschaiMche» flreiSveretaS konstatirt wurde, ist im

Feuilleton

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Berlin: Leipzigerstr. 18&

DelraffL zu seinen friedlichrn Versicherungenbewogen haben, tab denn auch wahrscheinlich nicht in dem Bedürfniß zu suchen, die eigenen Landsleute zu beruhige«; «Serscheinteh« wahrschein­lick, daß die ExpeditionSgerüchtr im Auslande nicht unbekannt geblieben siyd und über dem Kanal ein diplomatisches Echo ge» uuden haben, das Herr DelcaffL zu entkräften für nöthig hielt.

M.-York USW orld Build, unsere ilbr. Agenturen u. die Annoncen-Bureaux.

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Großbritanniell»

Der Streit der liberale« Partei.

o London, 5. Juli. Der häusliche Streb innerhalb der liberalenPartet, der so unverhältnißmäßig viel Staub aufgewirbelt Hatz nähert sich anscheinend schnell seinem Ende. Die liberalen Imperialisten habm bekanntmachen lassen, daß pe der von der Parteileitung einberufenen Versamm­lung. welche nächsten Dienstag im .Reformklub' stattfinden soll, in corpore beiwohnen werden und daß sie jedes billige Ver­trauensvotum für Sir Henry Campbell- Banner man als Führer der liberalm Partei tat Unter­hause zu unterstützen bereit sind. Zwar wollen sie, so theilen ie weiter mit, ihre .unabhängige' Haltung dem Kriege gegen­über nicht ändern,obersie weisen dabei daraus hin,datz .Meinungs- Verschiedenheiten dieserArt keineswegs mit derPartei-Loyalität un- vereinbar seien'. .Herr ALquith und seine Freunde", so schreibt das Jingo-Blatt, welches am lautesten über die vermeint­liche Spaltung innerhalb der liberalen Partei vorzeitig gejubelt hat, nämlich die .Daily Mail", .werden die Ruthe küssen. D,e Partei-Disziplin wird triumphiren, Patrioten und Pro-Buren werden sraternisiren und neuer Wein wird in alte Schläuche ge- gosien werden." Das ist Hohn und Spott, der daraus berechnet ist, den liberalen Imperialisten den Schritt zur Versöhnung recht schwer zu machen oder vielleicht das eine oder andere Mitglied dieser Gruppe von diesem Schritte zurückzuhalten. Mehr an Thatsachen hält sich die.Times", indem sie darauf hinweist, daß die liberalen Imperialisten dem Führer der liberalen Partei erst ein .billiges Vertrauensvotum" bewilligen und dann ihr Recht behaupten wollen, in der Kriegssrage ihre unabhängige Haltung zu bewahren, was der .Times" zu­folge bedeutet, daß sie ,ta Bezug auf die einzige Tagesfrage, welche gegenwärtig das Interesse sowohl des Parlamentes wie der Nation absorbirt, ihm nicht folgen und-ihm nicht vertrauen wollen". Das könne man, memt die .Times" weiter, nicht mehr mit Partei - Loyalität vereinbaren. Campbell - Banuerman habe früher schon ge- wissermaßen auf dem Zaune gesessen, der die eine Abtheilmg seiner Anhänger (die Pro-Buren) von der anderen (den liberalen Imperialisten) tremw. Kürzlich sei er vom Zaune herunter und zwischen die Pro-Buren gefallen. Nächsten Drens- tag werde der Führer der Liberalen «un wieder auf den Zaun hiaausklettern »ad seine frühere Position auf demselben wieder eianehmen wüsten, wenn er ein Ansetaandergehen der beiden Gruppen verhüten wolle.

Der Vergleich mit dem Zaune, beste« sich die .Times be­dient, ist zwar anschaulich, aber nicht ganz zutrestend. Sir Henry Campbell. Baanerma» hat es nicht mit nur zwei Partei­gruppen zu thun, die, bildlich gesprochen, ein Zaun trennt, aus dem et fitzen muß, sondern mit drei Parteigruppen. Er verfügt über eine mittlere Parteigruppe, welche ihm herzlich gern auf ihrer vorderste« Bank den Ehrenplatz deS oisifiellen Führers gönnt, und zu beiden ©eilen hat er dann einerseits dre vielgenannten liberale« Imperialisten und andererseits die­jenige radikale Gruppe, welche die .Times" heute sehr anschau- sich alS die .Oueen's.Hall-Radikalen" bezeichnet. Bekanntltch bliebe« sowohl Campbell-Bannerman wie auch die meisten anbeten ihm gleichgesinnten angesehenen liberalen Parla­mentarier bet Quren's - Hall - Versammlung fern, und John Morley lehnte sogar direkt das Ansinnen ab, auf dieser Versammlung den Vorsitz zu übernehmen. Daß eS auf der Linken des Unterhauses nicht zwei, sondern drei sehr deutlich getrennte Parteigruppen gibt, war schon lange ersichtlich, und heute haben wir eine von Sir Henry Campbell-Bannerman selbst herrührende offiziöse Bestätigung dafür. C a mpbell- B a n n e r m a n hat in einer vor wenigen Zagen in Southamp­ton von ihm gehaltenen Rede einige deutliche Worte gebrmrcht, welche die liberalen Imperialisten sehr erbitterten und die Krisis entsprechend ernster gestalteten. Die liberale« Imperialisten

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haben darauf Comftbell-Bannerman zu verstehen gegeben, daß, wen« et sich auf der Versammlung der liberalen Partei am nächsten Dienstag ähnlicher scharfer Worte gegen sie bediene, eS dann sicher zu einem Bruch mit ihm fommen müsse. Daraus hin hat der liberale Führer nun miilheilen lasten, die Worte .persönliche Eifersucht oder Antipathie, deren er fich bedient habe, hätten sich nicht aus ewe Partetsection a"ein beziehen sollen, sondern auf die b e i b e n Parteisectionen, welche etnanber befehden. Mit der anderen der beiden Parteisectionen meint Campbell-Bannerman natürlich nicht seine eigenen Anhänger, sondern jene vorgeschritterren Radikalen, die aus der OueenS Hall-Versammlung ihre Ansichten frei auS- sprachen. Sie und die liberalen Imperialisten bilden die eigent­lichen feindlichen Gegensätze, und der Groll der Letzteren gegen Sir Henry Campbell-Bannerman beruht namentlich darauf daß die .QueenS Hall-Radikale«" aus ihrer Versammlung haben tagen dürfen, was sie wollten, ohne daß er als offizieller Führer der Partei dagegen etagefchrtttm wäre, während die liberalen

thatkräftigsten und freudigsten Förderer der VoWhoch, schulbewegung in Jena. , „

Das Werk, das sich als em systematisches, Hands und Lehrbuch der neuen Pädagogik gibt und ein Bild sozialer Erziehung in einer von echt sozialem, Geiste durchdrungenen Gesellschaft entrollen will, ist von einem Strom unmittelbarer Lebendigkeit und energi­scher Frische durchflossen, der das Buch , auch für die. verständlich und genießbar macht, die solchen Fragen im Allgemeinen fremd gegenüberstehen. Uebrigens wird man dem Verfasser die Nothwendigkeit wohl zu­gestehen, „Verständniß für Erziehungsfragen in dis breiten Schichten des Volkes hineinzutragen, dafür zu sorgen, daß alle Menschen sich als Erzicher fichlm lernen und imstande sind, zu erziehen, sobald die Nothwendigkeit an sie herantritt, erzieherisch thätig zu sein. Sei das nun der einfache Handwerksmeister, de« Lehrlinge annimmt und ausbildet, sei es der Fabrik­herr oder Werkmeister, der Arbeiter und Arbeiterinnen braucht und einstellt, sei es endlich lliszLausfrau, welche! sich Dienst- oder Kindermädchen hält. eigentlichen pädagogischen Fragen kommen'indessen hieb naturge­mäß nicht in Betracht, sondern bleiben der Erayterung der Fachzeitschriften überlassen, wohl aber dürste es von Interesse sein, die allgemeinere „kulturpädagogH, sche" Tendenz des Verfassers hervorzuheben, der.voM^ Allem dem Geist der Zeit gerecht zu werden ver­sucht, „welcher durchaus positivistisch gerichtet ist, aber doch nichtrnitblotzerWiss.enschaft sich begnügt, sondern von dem Verlangen nach einem neuen geistigen Besitze ergriffen und eifrig bemüht ist, einen solchen z'U-suchen." Damit hebt übrigens der Verfasser die gleiche Thatsache her­vor, die das Ergebniß der Ermittlungen von Pfarre« Dr. P f a n n k u ch S ist (in seiner vor einiger Zeit in der „Franks. Ztg."'besprochenen Schrift: „Was lieft der deutsche Arbeitck?"). Der Deutlichkeit jener kultur- pädagogischen Tendenz hätte, um dies gleich vorweg­zunehmen, eine etwas größere Prägnanz und Kurze der Darstellung keinen Abbruch gethan, zumal der Ver­fasser sein Werk unter den Stern Nietzsches gestellt hat durch „Leitsprüche" aus dem Mund des „Zarathustra"« Dichters. ,

Von diesem Nietzsche aus, der selbst einmal gesagt hat „Erziehung ist alles zu Hoffende" ergibt sich eine interessante Parallele zwischen den bethen Buchern von Natorp und Bergemann. Während Natorp mit einer gewissen Gereiztheit den egozentrischen Standpunkt

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Von Dr. Theodor Poppe (Frankfurt).

„Der letzte Grund aller sozialen Gefahr liegt nicht in der Dissonanz der Besitz-, sondern der B i l d u n g s- gegensätze. Alle soziale Reform muß an diesem Punkte einsetzen." So meinte einmal Gustav Schmal- lerund gab damit einem Gedanken die Wendung ms Allgemeingültige, den Buckle auf Deutschland ge­münzt hatte, als er behauptete, Deutschland bewege sich so schwerfällig auf der Bahn des Fortschritts, Werl hier die Kluft zwischen Gebildeten und Ungebildeten so viel tiefer sei als in irgend einem anderen Land. Die Thatsache selbst darf wohl gänzlich außer Frage stehen. Die Schwerfälligkeit oder die Kluft? Das kommt auf die persönliche Jnteressirtheit an.

Die Arbeit am Ausfüllen dieser Kluft ist nun fett hem letzten Jahrzehnt des verflossenen Jahrhunderts rüstig in Angriff genommen worden. Seit 189b—97 etwa datirt das erste Eintreten einiger deutscher Hoch­schulen, allen voran Jena, München, Berlm, m bte Bewegung, die man ganz allgemein als die „V o 11 s • Hochschulbewegung" bezeichnen kann, wenn man sich gegenwärtig hält, daß sie mit der nordischen Volkshochschulbewegung gar keine Beziehung, wohl aber nnt dem englischen „University-Extension- Mbvement" die nächste Verwandtschaft hat — M da­durch unmittelbar angeregt wurde.

Aber schon vor dem haben die Bestrebungen dieser Bolkshochschulbewegung in Deutschland einen Boden gesunden, und zwar unabhängig von einer Universität hier in Frankfurt im Ausschuß für Volksvor- lesungen, der jetzt noch durch die Ausdehnung seines Arbeitsgebiets und durch seine gleich Anfangs richtig erwogene Organisation eine besondere Stellung m der ganzen Bewegung einnimmt und mmuhen Ver- suchen anderorts als Vorbild gedient hat. Der Jahresbericht des Ausschusses für 1899—1900 darf gegen seine Vorgänger ein besonderes ^nt^esse in Anspruch nehmen, weil er sich zugleich als Rückblick aus di mmmehr seit zehn Jahren fortgesetzten Bemüh­ungen des Ausschusses darstellt. Der Zweck dieser Be- Paß es sich darum handele^,den Mannern mch Fraum,

Deutsches Reich.

* Frankfurt, 8. Juli.

Noch eütntel Ruhland.

Die „M ü n ch e n e r P o st" schreibt:

Der sichere Dr. R u h l a n b hat tn den letzten Tagen 'Nüber zwei Berichtigungen versandt. Eine an Bte hiesigen .Neuesten Nachtächten", bte andere an dte -frank­furter Zeitung" .. Wir haben nun etn paar Tage zugewartet Inder Meinung, daß der ehrenwerthe Herr vrell^ doch die Couraae belaste, auch uns nnt enter Berichtigung zu kommen. Bis jetzt hat er aber diesen MWH nicht gezeigt. Und so sind seine. . . . Ableugnungsversuche entweder nur auf eine von der Bezweiflung erzeugte Unzurechnungs­fähigkeit zurückzuführen oder auf eine unerhörte Dreistigkeit, wie sw selbst bei den fortgeschrittensten agrartichen Fret- beutern nicht leicht zum zweiten Male -u finden fern durfte. Wir beabsichtigen aber keineswegs, den schon genügend Ge­zeichneten Wetter die öffentliche Meinung ungestraft ver­wirren zu lasten und stellen daher fest:

”1. Unsere Mittheilungen von den Bestechungsversuchen des Herrn Ruhland a) bei dem Geschäftsführer der M. Post im S 1894, b) bei einem Gewerkschaftsführer einige Jahre später, sind absolut richtig und durch einwandfreie 8eU2. Die sämmtlichen Berichtigungen des Dr. Ruhland qualifizieren sich entweder als erbärmliche Ausfluchte oder als .... Lügen. . ,

Und wir erwarten, daß der „wlyenschaftltche Agent des Bundes der Landwirthe imb Schützling des Münchener führenden Centrumsorgans, wenn anders er noch einen Fünfen Ehrgefühl besitzt, hieraus die nöthigen Konsequenzen äte^)Q kann die „Münchener Post" lange warten. Wenn Herr Ruhland gerichtlicher Klage überhaupt geneigt wäre, so hätte er solcher Neigung nach dem, was wir ihm schon auf den Kopf gesagt haben, langst frohnen können. Er hat aber wohl sehr triftige Grunde für seine Zurückhaltung.

Frankreich.

Par!<m»en1Sschlttß. — Marokko.

y Paris, 7. Juli. Als der Ministerpräsident Waldeck« Rousseau gestern in der Kammer das Sch 1 ußbekr et verles« hatte, erhoben die Obstruktionist-n auf den beiden äußersten Flügeln des Hauses nochmals ein mörderisches Geheul, weil einige ihrer Interpellationen und damit ein Dutzend KSstig-r Reden unter den Tisch fielen, welche als Schlußdekora­tion von besonderem Effekt gedacht waren. Herr D e s ch a n e 1 aus dem Prästdentensitz suchte den Lärmenden einen-Augenblick lang begreiflich zu machen, daß noch dem Schluß des Parla­ments gar kein Recht mehr bestehe, fortzutagen; dann besann er sich plötzlich über die Nutzlosigkeit seiner staatsrechtlichen Belehr­ung und begnügte sich, auf den groben Klotz der ihm entgegengeheülten Vorwürfe ein groben Keil zu setzen. »Und überdies ists jetzt genug!" tief er zitternd vor Erregung und erklärte Sitzung und Tagung für ge- schloste«. Diese Gereiztheit entsprach vielleicht nicht der Würde des PräfidentenamteS und noch weniger der Toleranz, dieDeschanel bisher denNationalisten und der Rechten gegenüber übte, ober sie erklärt sich aus der Uebermüdung des Hauses, dos seit Monaten unter sietem Aukäwpsen gegen die nSmttchen Lärmmacher und mit Zuhilfenabme fast ununter­brochener Doppelsitzungen eine ernste legislatorische Arbeit zu Stande gebracht hat und den Eindruck dieses Resultats nicht zum Schluß noch durch heftige Debatten kompro- mittirt sehen wollte. Bo« den groß« Gesetzen, die eine dringende Erledigung verlangten, sind außer dem Arbetterverficherungsgejetz zuletzt nur zwei im Rückstand ge- blieben: das vom Senat bereits berathene Gesetz über di« Ar- brsiaregelung und PenfionSverhältniffe der Eisenbahnbediensteten imd der Gesetzentwurf über den Ausbau des Kanals von Mar­seille zur Rhone. Dagegen hoben die Kammern noch in den letzte« Tagen Dutzende von Vorlagen lokaler Bedeutung, bcson- vaS Oktrvigesetze, erledigt, sowie eine umfangreiche Reform der Gemeindeordnung in Algerien und mehrere Vorlagen zur Ter- ataregulirung Neinerer Festuugsstädte. Unter ben letzteren befindet sich auch Dünkirchen, besten Kriegshafen eine be- trächtliche Erweiterung erfahren soll; die Kosten find au 26 Millionen veranschlagt. Aus der Menge der übrige« Arbeiten verdient noch ein Staatsvertrag mit der franzöfische« Kabelgeseüschast zum Ausbau eines unter- seetschen KabelnetzeS zwischen den Kolonie« und dem Mutterland Erwähnung, sowie ein Vertrag mit der. Stadt Avignon, wodurch die Erhaltung deS Schlosses der Päpste, das bisher als Kavalleriekaserne diente, gesichert wird. Aus de« Debattm selbst verdienen nur die Erllärungen deS Herrn D e l- casst über das Verhältniß Frankreichs zu Marokko her- vorgehoben zu werden. Offenbar hatte der Minister des Aeußem

die Gelegenheit zu dieser Aussprache selbst gewünscht und zu hrcm Schauplatz ben Senat gewählt, wo feine Lust zu einer kritischen Debatte bestand. Die Erklärungen zer- irenen die Befürchtungen, die seit Wochen in politischen 'reifen bestanden, wo man von einer neuen französischen Expedition ins marokkanische Grenzgebiet mit großer Bestimmt­heit sprach. Diese Befürchtung«« hatten sich noch zu keiner Interpellation verdichtet, well man in Fragen der auswärtigen Politik hier sehr ängstlich und zurückhaltend ist, selbst im Lager der Opposition, wenn auch nicht in der Presse, so doch im Par­ament, wo die Initiative zu einer öffentlichen Debatte eine per- önliche Verantwortung etnschließt. Die Gründe, die Herr« ' friedlichen Versicherungen bewogen haben,

scheinlich nicht in dem Bedürfniß zu suchen,

die durch die Schwere des Berufs und der Arbeit seit der Schulentlassung feftgehalten und an der Fortent- Wicklung ihrer Anlagen und Fähigkeiten gehindert sind, Zutritt, Verständniß und Freude an Wissen und Kunst zu geben und dadurch eine Pflicht der Gerechtig­keit zu erfüllen, die keinen Unterschied zwischen Geben­den und Empfangenden kennt." .

mühungen ist in den einfachen Worten ausgesprochen.

Zwei Punkte der Organisation des Ausschusses find wesentlich und können allererst einen Erfolg verbürgen : strenge Neutualität gegen jegliche politische und religi­öse Tendenzen und dann Heranziehung der orgam- sirten Arbeiterschaft zur Mitwirkung bei der Organi­sation und Beaufsichtigung der Veranstaltungen; der organisirten Arbeiterschaft: Denn wie anders soll die Bildungsarbeit an ihre richtige Adreste kommens Freilich bekommt dadurch für manche Gelehrte, die sich vielleicht gern in den Dienst dieser Kulturaufgabe stel­len würden, der Ausschuß ohneweiters das Odmm emer sozialdemokratischen Richtung — der Begriff des Ge- lehrten müßte doch wohl außer jeder Beziehung zum rothen Tuch stehen —, außerdem aber tstes Vielen peinlich, wenn z. B. bei ihren wissenschaftlicheil Vor- trägen in den Gewerkschaften auch heute noch immer ein beaufsichtigender Schutzmann sitzt, dem so aller­dings auch etwas zu Gute kommt, das für ihn niemals überflüssig ist. In der Plenarversammlung des Aus- schusies für Volksvorlesungen find heute 36 Gewerk­schaften und Vereine vertreten, die auch keineswegs alle zur Fahne der „Genossen" gehören. Jndmn also auf dise Weise eine Berührung nut den Arbeiterkreisen gleich von vornherein hergeftellt wurde, blieb dem Ausschuß die Entmutigung der Leipziger Hochschul- bewegung erspart, die einen Rückgang von 47 pCt. an der Theilnahme ihrer Veranstaltungen im Laufe eines Jahres erfahren mußte, ehe sie in organisatorische Fühlung mit den betreffenden Kreisen trat.

Wie sich in ben zehn ersten Jahren fernes Bestehens der Ausschuß entfaltet hat, zeigt ein filier Ueberblrck über seine Unternehmungen. Zuerst wurden unentgelt- lidje, dreistündige Vorlesungsreihen eingerichtet, die sich allmählich zu meist einstimmigen Vorträgen an drei Stellen der Stadt entwickelt haben — nicht ganz zu ihrem Vortheil; bann wurde die Oefftumg der Mu­seen zu einer ben beteiligten Klassen gelegenen Zeit erstrebt, ferner wurden VoÜsvorstellungen m bte Wege geleitet, bie noch immer Gegenstand bet brennendsten -Drage sind, espmrden ©melborträge* ben Gewerck-

Deutschland . . . Jfft — O—t-rrsinh (Wien auch J5tg.-Bur.WdUz. 6) KrllA9 Ungarn.....KrJ2.62

Schweis Fr. 13.80 Belgien Fr. 13.02 StaUen Fr. IMS Wcnand...... fl. 12» BaMdande .. RbL4._6S ImW eltpostverein ,418.—; Bonden Siegle,aOLimeSL; Paris Agenco Havas; «Tew-York uns, Agentur 149 World Building.

Hrrren angestrengte Pro; men. Der Prozeß war bei den Parteien Zett znm Studium verscyteoener I geben sich 6tf

bürden veranstalteten Untersuchungen über das Eebayren Seuche zu «n der Anstalten vom „Guten Hirten" zu gewähren. Der Jn-> Bolksabstiminung bet Impfzwang vor halt dieser Untersuchungen wurde in der heutigen Verhand- schafft; seitdem lasten die Elter« die Tmm hnrnefüfirt. Die Keimen bestätigen, daß die Arbeit tn impfen. _. .

-Aus der Schwelg 6. Juli. Man schreibt «nSi,Ein bf« »eichmudes Stückchen leistete fich de, Gemetndemth v. E«,g e U berg. Hatte da ein junger Künstler einig« klein« Kopte« itt Elfenbein nach bet 83 en US von Medici, der vom Kapitol und dem Apollo, sowie einige Werke deS bedeutendsten modern« KlriaplastikerS Gur sch »er in Wien in seinem Schaaf«^, anSaestellt. ES scheint, daß mehrere alte Weiber darob in solch« hypersittliche Entrüstung gerietheu und einigr Herre« dS Ge- metaderatheS damtt so anznstecken wnßten, daß diese die FiMche« alS -unzüchtige, bei der Schuljugend Aergerniß erregende" Bild« erklärtem und die sofortige Entfernung derselbe« unterAndrohung der Konfiskation und 150 Fr. Baße anordneten. Die Stataett« wurden darauf entfernt. Im tterikalen .Uaterw-ckduer" erschim daraus eine Korrespondenz, in der«» heißt: .Nicht ohnemm» rüflung hat hiesige Bevölkerung auch wahraeuommen, daß ei- fremder Fötzel fick erlaubt hat, Tu seinem Schau­fenster an öffentlicher Straße unzüchtige Bilder (FigurM) a«N znstellen. ES ist dies allgemriu mißMigt Worte«, er dieselben wenigstens thrilweise auS dem Fenster entfernt«. Billig, und recht wäre e» gewesen, wen« ihm diese wüsten,nackten Flgm-e« einfach vo« der Polini b-fchlaanahmt worden wäre». Plump Mw lücherlich war di- Ausrede und Entschuldigung diest»Bild«Mta läuferS, er habe im Batttan ta Rom auch nackte Bilder gesehen und eS hätt« fich Niemand darob geärgert; al» ob «8 nicht ein Un­terschied wäre, wenn ta einer geschlossenen Kunstsammlung gegen eine« EtattittSpreiS Bilder, von Künstlern angefer« t i g t, vorgezeigt würde», oder ta einem Schaufenster an öffent­licher Straße jchnmtzim, das Schamgefühl verletzende Bilder zur Schau und zum Mckauf auSzustellen. Hoffentlich wird der Bilderverkäufer selbst znr Einstcht komm« oder fie­lt if 8 gekommen sein, daß er sich und seinnu^ ®e- Ichäst mit solcher Schundvaare keine Ehre eimegt. Die .Ausrede" bezieht fich auf eine nonische Antwort der Fra« deS BilderverkäuferS und fie wttd vom Schreiber zur plump« und lächerlichen gestempelt, tetmit fi- ihm Stoff gebe zu der geist­reichen Bemerkung, daß die im Vatikan ausgestellten Bilder etwas anderes feien, als die .schmutzig»" Bilderetaer Benn» vom Kapitol. Eigenthümlich reimt fich auf dies« Korrespimd«, ei« Satz der Abonnements-Einladung ta der gleichen Nummer; er lautet: .Was schließlich di- ethisch« Seite nnsereS Beruf«» anbelangt, so betrachten wir eS al» erste Pflicht, die Lese, so ost als möglich von taten tei« materielle» Interesse» htawegzusühren in idealere Bra reiche, um fie daran zu erianern, daß eS sür uns auf Erden noch Wichtigere» zu thu» gebe; als einzig und allrta nach irdische» Gütern zu jagru." Die Schönheit scheint daS Blatt nicht zu bat idealen Bereichen zu rechnen. „

» Hlew B-rü. 6. Juli. 3» NewOrleanSist gestern, tote der. Herold" meldet, der früher« amerikanisch« Gesandt« ta Ar- gentinien, I. R. G. Pitttn, 60 Jahre alt, gestorben. Ferner wird au» Denver, 6oL der Tod eines hervorragenden Rabbiners, de» Dr. Meud«, de Solla gemeldet, der «ta 1 Alter von 83 Jahren erreicht hat. -

schäften vermittelt, wobei, wie sich auch in ben statisti­schen Erhebungen anderer Städte zeigt, vor Allem die Metall- und Holzarbeiter durch rühm­liches Interesse hervorragten und noch Berborragen, dann wurden Volksconcerte unserer größeren musi­kalischen Korporationen angeregt und vermittelt — die sogenannten Volksunterhaltungsabende gehen von der Gesellschaft für ethische. Kultur aus. Im Laus der weiteren Entwicklung veranstaltete man acht- bis zehn­stündige, honorirte Lehrkurse, wie sie von der eigent­lichen „Universitäts - Ausdehnung" haupffachlich ge­pflegt toerben. Dann aber trat auch der von Bernhard Scholz geplante Volkschor ins Leben, der sich in der kurzen Zeit seines Bestehens schon so blühend und fruchtversprechend entwickelt hat, daß die von dem Ber­liner Philosophen Stumpf ursprünglich gehegten Zweifel an der Möglichkeit eines solchen.Unternehmens wohl zerschmelzen werden. Schließlich wurde im Sommer 1899 der „Verband der Rhein - Mmmschen Vereine und Ausschüsse für Volksvorlesungen und ver­wandte Bestrebungen" — ein schwerfälliger Name — gegründet, dem jetzt mit dem Vorort Frankfurt <-3 Orte angehören. So hat sich im Verlauf von zehn Jahren ein immer weiteres und reicheres Arbeitsfeld erschlossen, und mit schönem Idealismus halt der Ausschuß, einverstanden mit allen Bildungsbestreb­ungen der Gegenwart, seine Augen gerichtet auf das „letzte soziale Ziel auf geistigem Gebiete": auf eine „einheitliche Dolkskultur". „Quel mal y a-t-il ä rever de grands pröjets, pour se donner du courage et de la föi ?" sagt der Idealist Zola.

Nicht nur von sehnsüchtigen Dichterträumen, werden ähnliche Hoffnungen genährt, sondern auch die"Denk- arbeit der Wissenschaft nimmt sich ihrer mehr und mehr an, die Wissenschaft, der als fernes Ziel vor Augen steht „Vergemeinschaftung und damit Versittlichung des ganzen Lebens eines Volks" — wie sich Paul N a t o r p in seiner 1899 erschienen „Sozialpädagogik" ausdrückt. Von Natorp's Grundsatz, vom Grundsatz der modernen Erziehungslehre „Der Mensch wird zum Menschen allein durch menschliche Gemeinschaft" geht ai«h ein Buch über soziale Pädagogik aus, das Buch von Paul Bergemann,*) dem neben Prof. Rein

♦) Paul Bergmann, .Soziale Pädagogik auf er- fabrungswiffenschastlicher Grundlage und mit Hilfe der in­duktiven Methode als universalistische oder Kulkurpadagogik hugeftettt,'* @era Kar. P* SIS '

Vorwand und Deckmantel der Mildthätigkeit hat sich die An­stalt ein Personal von 47,000 Arbeiterinnen verschafft, bte fast nur Reingewinn erzielen, denn die schlechte Nahrung kostet nicht viel und Lohn bekommen sie nickst. So ist eS begreiflich, daß der „Gute Hirte" in sechzig Jahren 210 Güter kaufen und darauf so wette Bauten errichten rannte, daß darin 47,000 Arbeiterinnen und 7000 Nonnen. das sind 54,000 Personen Unterkunft finden. Emc ganze Graß- stadt! Der Anwalt schloß mit folgenden Sätzen: „Bischof Turinaz hat gesagt, angesichts dieser. trmmgen ^Thatsachen und der unglücklichen Mädchen habe sem Herz geblutet, afiCT was es ihn auch gekostet habe, er habe seme Pflicht gethan, als Ehrenmann und als Bischof. Man begreift, daß fettu, Pflicht ihm schwer fiel, aber er hat sie effullt. Sie mich, meine Herren Richter, werden ebenso tapfer JhrePfluhI thun. Jeder von Ihnen wird sich sagen: Dre Pflicht war« zu leicht rmd beinahe ohne Verdienst, wenn fie nicht 8tw weilen beschwerlich und schmerzlich wäre. Und vor den Thäte« fachen, die hier bewiesen wurden, werden Sie sich fagenü Ich bin ein Ehrenmann und bin Richter, und welches, muß — ------ . i meine Gefühle fein mögen, ich werde nur der Gerechttgkett!

Jmperialiflm sofott, »achbem sie ihre gezeutheilige Memuvg ^lgen und dem Rechte zum Siege verhelfenl" Das Urtheih geäußett batten, vo» Campbell-Bannerman eme Korrevm er- t.-t ^och nicht gesprochen.

hielte«. Campbell-Bamteraw» steht aber de» „Queens-Hall- --------------

Rabikalen", bere« Versammlungen sogar ei« Morley mewet, keineswegs näher als ben liberalen JmperiaNfle», deren Ansichtm in Bezug auf benKrieg er zu korrigireu versucht. Die-Queens- Hall-Radikale»" find, wie wir schon erwähnte«, bte Vertreler

einer demokratischen VoUspattei, welche von dem Liberalismus | A^a^^euta^O fier hisse» «io« vorzüalich« Er» te ta eineS Campbell-Bannerman nicht viel mehr ermattet als vom gj “ en Kartoffeln zu erwarten. Wetz« strht gertager. Di« liberate» JmpettaliSmuS deS Heim Asquith. I Sommersrüchte stehen ebenfalls gut. Di« Heuernte war zu»

-- ----—— Theil gut, zum Theil befttedigeub. ZÄ .

I • der Schweiz, 6. Juli. Aul Ntedeebipp (Kamte» teWtaj. SffiÄ'SÄÄK Der Prozeß gegen die Schwestern vom „Gute» Hirten . Jahrzehnten nicht mehr beobachtet wordr» ist. Bereits ^st»b

* Nancy, 5. Juli. Wie dem „Temps" gemeldet wttd, gg Pkrsoaen, zumeist Kinder unier lO Jahren, von der Srankrait hat der von Frl. L e c o ä n e t gegen die Anstalt zum „Guten ,tgtjffen worden. Vier Persone» find ihr bereit» er^en. Dte Hirten" angestrengte Prozeß heute seinen 3°rtgcmg genom- Behörde» 'reffen dte uwsaffendsten Maßo^men. D«i A«^e ta»

~ - lertagt worden, um dem Gericht wie l Ortschaft thätig. Mtt Rücksicht auf die Fremdenimmtat«

Studium verschiedener von den Be- aefen ba die Berner Behörden, tote man sieht, großeMühe, BW । » - unterdrücken. Lettar toutbe int floaten Bern tmrch wnmg der Impfzwang vor etwa ftefito Jahre» aogi»

- " Kinder nur ga», frist»

halt dieser Untersuchungen wurde m der heurigen «erqmu» I lung vorgeführt. Die Zeugen bestätigen, daß bte Arbett tn {m)D- den Anstalten außerordentlich lange dauert und besonders beschwerlich und schädlich für bte Augen ist. Sie bezeugen ferner, daß die Nahrung schlecht und nngenugend ist. Es fehlte an den nöthigsten Mitteln der Remstchkett. Em Mäd­chen, das zwanzig Jahre in der Anstalt war, erzählt. -Wir I hatten nicht einmal das Nothwendigste für die Bedurfinffe der Reinlichkeit des Körpers, denn wtt hatten nicht einmal Seife und znm Waschbecken mußten wir uns des Nachttopfs bedienen." Der Speck, der servirt wurde, war schlecht und es waren Würmer darauf. Eine andere Zeugin erzählte: „Es war nicht selten, daß man tat Esten GenmseabfAle, Fetzen Küchenwäfche und Kohlenstücke sand Daher wärmt Magenkrankhetten und Blutarmuih tn oer Anstatt sehr häu­fig/Ein junges Mädchen, Frl. Hartmann, bte ben Namen Solange trug, starb an ber Schwindsucht und bekam nicht -die geringste Pflege; sie mutzte sogar noch am Tage vor thram 'Tode arbeiten und als sie bat, man möge sie zu Bette gehen lassen, wurde ihr dies verweigert mit dem Bedeuten, erst müsse die Arbeit fertig werden. Andere starben unter ähn­lichen Verhältnisten an der nämlichen Krankheit. Wer sich beklagte, wurde bestraft; bie Strafe bestand meist darm. daß die Mädchen eine Stunde lang mit ausgebretteten Armen knieen und zum Schluß den Bodtn kästen mußten. Em Mädchen, das vergeblich seine Freiheit verlange, wurde ver­rückt und mußte in ein Irrenhaus gebracht werden. Eine ßeuain sagte, sie habe neun Tage lang um den Tod gebetet, um von dem elenden Leben erlöst zu werdem Die einzige Erholung bestand darin, daß man nach dem Mtttag- effen drei Viertelstunden lang in einem kleinen Hof zwischen hohen Mauern unter scharfer Ueberwachung sich ergehen konnte. Namentlich wurde veichtadert, daß dte Dtadchen em- ander klagten ober sich sonst verständigten. Der Polizeikom- mtstär, der eine der Untersuchungen leitete, erzählt: „Was bie Entdeckung der Heimath oder des Wohnortes der Zög­linge so schwierig macht, das ist der Umstand, daß sie Ein­ander, mit höchst seltenen Ausnahmen, nur bei tarmn Vor­namen kennen, der ihnen beim Eintritt in bte Anstatt ge­geben wird. Wenn also auch eines der Mädchen dte Met- heit gewinnt, so hat bie Anstalt nicht zu beforaen, baß es bie Verwandten seiner Leidensgenosten benachrichtiE- Eine Einmischung der Verwandten wird nicht zugelaffen; bie Zöglinge können Vater, Mutter, Bruder oder Schwester nur durch rin Gttter und im Beisein einer Nonne sehen; Briese werden aufgefangen und konfisztri; der staatliche ArbettS- insvektor wird getauscht oder voreingenommen u. f- w.

Der Anwalt der Frl. Lecoanet, Maitre Prevost, schließt aus allen diesen Zeugnissen ,datz bte Anstatt ein wahres Bagno, ein Zuchthaus mit Zwangsarbeit ist. Dann dantte er dem Bischof Surinas, ber zuerst den Muth hatte, sich gegen bie in ber Anstalt begangenen Verbrechen, wie er es nannte, zu erheben. Dann erinnerte er daran, wie durch btefe Arbett die Nonnen sich bereichern. Unter dem