Deutsches Reich.
s Lübeck, 31. Aug. Eine Versammlung von Vertretern des Lübecker Getreidehandels und Vertretern der Landwirth» K berieth vorgestern die Einrichtung einer durch den ker Staat zu begründenden und unter Staatsaufsicht zu stellenden Produktenbörse. Nach dem vorgelegten Entwürfe der „Bestimmungen für die Produktenbörse in Lübeck" soll die Produktenbörse am Mittwoch und am Samstag lebet Woche Vormittags von 11—11% Uhr in den Räumen ber Börse abgehalten werden. Die Produktenbörse wird ein Theil der allgemeinen Börse bilden und somit unter die Aufsicht der Handelskammer und unter die Oberaufsicht der Lüveckischen Landesregierung, des Senates, gestellt werdet. Die Leitung der Börse wird einem besonderen Börsenvorstande übertragen werden, in dem Vertreter der Landwirthschaft Sitz und
JSr. 34» Drittes Mor-rnblstt.
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Draht-Meldungen des Handelstheils.
New-York. 31. August. (W.-B.) Im Laufe der letzten Woche wurden 1,184 170 Dollars Silber in der Hauptsache nach London ausieföhrt
Wiiwhlneton, 31. August (W. B.) Die Staatseinnahmen im Monat August betrugen 45,394,125 Dollars, die Ausgaben 3938300h Dollarn
Telegrafische Depeschen.
. Privat - Depeschen der Frankfurter Zeitung.
h Budapest, 1. Eepibr., 140 V. In dem heute publizirte« offi.iellen Ptoiotoll deS lüngsten Sachsentag» wird die Er. Wartung auegesprochen.daß die nächste« Reichst» g» wählen eine parlamentarische Vertretung der sächsischen politischen Grund» iätze ergeben werden, die auch den Ausgabe« einer vermehrten, vielsritigerrn parlamentarische« Aktivität gerecht z« werde« t» Stande ist.
Motsffs telegraphisches Carresponden;»Surean.
Lemdera. 31. August. Der Dichter Nicolau» Biernackt- Rodoc > ö o t e t« s i ch durch einen Revolverschuß.
Bordeaux 31. August. Die Polizei verhaftete einen Anarchisten, derSchriitstücke bet sich trug, worin die Attentate Cafnio'S, Henry'? und Raoachol'« verherrlicht werden. Der Anarchist setzte seiner Verbastung heftigen Widerstand entgegen und äußerle beim Verhör, et sei gerade im Begriff gewesen. feine Pflicht zu thun.
Charkow, 31. August. D-m ,Charkow»kij« Ws bomofit* üufolfle mutten ouf der Strecke Charkow > Nikolei - Bahn in zwei Fällen Eisenbahnzüge durch Raubeuschwärme z«m Stehe« gebracht.
Avsruf der denisch • fortschrittlichen Faudtags- abgeordaeteu an die Deutschen Döhmevs.
Wolff'S telegr. Corresp.-Burea«^
Prag. 31. Aug. Der vekstärkte Vollzugsausschuß der deutsch-fortschrittliche« Lan dtagSabgeordneten beschloß die Einderusung der Vertrauensmänner der Partetnoch vor denLandtagswahlen und erließ einen Aufruf an die Deutschen in Böhmen. Darin wird vor der kürzlich von den Alldeutschen ausgegebenen Losung gewarnt, daß da? bisher von den Deutschen Böhmens einmüthig gepellte Verlangen nach nationaler Abgrenzung und Selbst- vrrwaltung fallen zu laffen und die czechische Mehrheit deS Landes zu germanifiren sei, da eine Politik, die eine solche Fülle verhängnißvoller Täuschungen enthalte, einem Frevel am eigenen VolkSthume gleichkäme. Der Aufruf weist ferner daraus hin, daß die zeitweilige Obstruktion durch Nothwehr bedingt war. und führt weiter auS. daß die so wochgerufene Kampfesstimmung nicht mißbraucht werden dürfe, um blindlings nebelhaften, in abiebbarer Zeit vollkommen unerreichbaien Zielen noch zujagen. Der Ausschuß über läßt es ruhig der Wählerschaft, ob sie sich derjenigen Partei anschließen wolle, die den Kampf um deS Kampfes willen, ohne Aussicht ouf Anbahnung erträglicher Verhäitnrffe des LanveS. ja ohne Absicht auf deren Herbeifüyrung will oder jener Partei, welche sich in harter und ernster 91, beit dieErhal 1 ung und die Sicherung be§ deutschen Sprachbodens und die den freihertlichen Bedürfnissen der Zeit Rechnung tragenden Fortentwicklung des deutsche« Volkes in geistiger und wirtyschafttrcher Beziehung zur Aufgabe gestellt Hai Der Ausruf betheuert ichließiich das unentwegte Festhalten an den al« richtig erkannten Piinzipien der Partei, namentlich an der unverkürzten Wahrung der geschichtlich und kulturell begründeten Rechte des deutschen Volkes, an deren Vertheidigung gegen czechische Ueber- griffe und staatsrechtliche So„derbrstrebungen, sowie an der Zugehörigkeit Böhmens zum einheitlichen Reichsverbanve.
Stimme haben sollen. Die Vertreter der Landwirthschast sprachen es als Wunsch der beteiligten und an der Börse zu betheiligenden landwirthschaftlichen Kreise aus, daß die Vertretung der Landwirthschast eine größere als im Entwurf der Ordnungen vorgesehen sei. Die Vertreter des Handelsstandes kamen diesem Wunsche bereitwilligst mit dem Zugeständnisse entgegen, daß volle Parität der Vertretung des HandelS und der Landwirthschaft herbeigeführt und zu diesem Zwecke 8 Vertreter des Handels und 3 Stellvertreter desselben, sowie 3 Vertreter der Landwirthschaft und 3 Stellvertreter derselben in den Vorstand berufen werden sollen, außer einem durch den Senat von Lübeck zu ernennenden Vertreter der Getreidemüverei, wobei der Syndikus Dr. Siewert erklärte, daß bei dieser Zusammensetzung des Vorstandes die Lübecker Produktenbörse die einzige in Deutschland fein werde, die volle Parität der Vertreter beider Berufskreise im Börsenvorstande vorsehe. Von den Vertretern oes Handelsstandes wurde erklärt, daß sie selber größten Werth auf Mitwirkung mecklenburgischer, holsteinischer und oldenburgischer Landwirthe im Börsenvbrstande legten. Von Herrn Weber auf Dunkelsdorf wurde deshalb vorgeschlagen, daß die von dem Senate zu ertheilende Anweisung für die Entsendung der landwirthschaftlichm Vertreter hierauf Rücksicht nehmen möchte. An jedem Börsentage Mittwochs und Samstags sollen unter Hinzuziehung vereidigter Geschäftsvermittler die amtlichen Preisnotirunaen vorgenommen werden. Durch die Handelskammer soll bei dem Senat die Errichtung der Böige beantragt werden.
Der Kampf em Zolltarif und Handelsverträge.
lPrivattelegr. der »Franks. 31g/)
N. Berlin, 31. August, 8 N. Ende September pflegt der Bundesrath seine Thättgkeit wieder aufzunehmen. Es ist vor Kurzem in Form einer sog. Nachricht die Behauptung durch die Blätter gegangen, daß der Bundesrath dm Entwurf eines Zolltarifgesetzes und des Zolltarifs derartig erledigen werde, daß die Vorlage dem Reichstage gleich bei der Wiederaufnahme seiner Session, also am 26. November, zugehen könne. Es ist möglich, daß das eintritt, aber irgendwelche Gewißheit besteht nicht. Man hält es in Bunoesrathsneisen für durchaus nicht unwahrscheinlich, daß die Berathung der Entwürfe im Bundesrath dort noch längere Zeit in Anspruch nehmen dürfe, und das wird umso eher der Fall fein, je mehr Material in Form von Eingabm und Protesten Dem Bundesrath zugehen wird. Es wäre verfehlt, wenn die Petitions- beroegung gegen den neuen Zolltarif sich nur an dm Reichstag und nicht an die erste Instanz, deren Berachung er unterliegt, roenbet
•
* Königsberg i. Pr-, 31. Aug. Da» Vorsteheramt der Kaufmann'chaf t richtet zum Z o 11 t a r t f eine E n« gäbe an d>n Reichskanzler, in der eS heißt: Der Entwurf des Zoll, tarifs verseht Handel und Industrie, die weit sten Kreise deS deut. ichenVolk s geradezu in Best ürzu« g Die einseitigsten agrarischen und hochichuhzSllneriscken Forderungen macht der Eniwurf sich zu eigen. Nahezu alle Zollsätze für landwirthichaftliche Erzeugnisse werden gesteigert. Für Getreide, Mehl, Vieh und Fittich, Schmalz und Speck. Eier. rPu'ter und Käse werden Io außerordentliche Zollerhöhunaen vorgeikblayen, daß der schon bestehende lehr reich» 1 che Zollschutz eine theilwrife geradezu exorbitante Höhe erreichen würde. Eine Reih« bi.hrr zollfreier Ö lfrüchte, Saaten «nd Futterstoffe (Leinsaat, Hanfsaat, Kleesaat, Grassaat. Kleie und Selkuchm) wird zollpflichtig. Die Zollsreiheit von Gänsen und anderem G> flöget wird aufgehoben. Der Geiretdehandel wird durch die Beiettignng des Zollkredits «nd die nacht'Saliche Verzinsung des noch gar nicht fällig atmetbenen Zolles während der Dauer der Lagerima ans den Transttlägern unter AnSnahme» recht gestellt. Eine große Anzahl Jndust.ieerzmgN'ffe ist mit einer Erhöhung des Zollschutzes bedacht, für die ein Herechttater Anlaß fehlt. Dm Gipfel feinet Schädlichkeit erreicht der Ent» Wurf durch ben für die vier Haupigetreidearten vorgesehenen Doppeltarif Tie Gefahr ist groß, daß unter diesen Um- ständen die F rtsührung der bisherigen bewäh te« deutschen H mdetsvertragspoiitik überhaupt unmöglich wird. So droht durch den Doppeltarif eine Z it wirthsLofNicher Absperrung, E- schütternug und verheerender Zollkriege hereinzubrechen. Für das Deutsche Reich ist die Fortführung der bisheriaen Handelever» tragSpoliiik eine gebieteriiche Nothwendigkeit. W lthanoel und Weltpolitik stehen in inniger Wechielwirkung. Tie deutsche 3« «fliie hat im Allgemeinen eine so hohe Sinke technischer Voll» kommenheit und Leistungsfähigkeit erreicht, daß sie einer Erhöh nag der Schutzzölle nicht bedarf. Erhöhte Schutzzöll bieten ihr auch nicht mtkernt einen Ausgleich für die gewaltigen Schädigungen durch den gänzlichen oder thetlweisen Verlust der ausländischen Absatzgebiete So schwindet zugleich für die Millio- nm in der Industrie beschästigten Arbeiter die Aussicht, sür die durch die erhöhten Agrarzölle eintretende bedentmde Veriheuerung der Lebensmittel einen Ausgleich durch Steigerung der Arbeit?.
löhne z« erlange«. Auch die deutsche Landwirthschast kann nicht beanspruchm, daß ihre einseitigen Sonderinteresten über das Gemeinwohl gestellt werdm. Die Viehzucht, für kleinere «nd kleinste laudwirihschaftliche Betriebe die lohnmdste Beschäftigung, wird durch die vorge- schlagenen Zoll ätze erheblich veriheuert und erschwert. Hundert» taulenbe von tonnen Futtergerste, Mais, Hülsenfrüchten, Futter» tuchen und Kleie werden alljährlich der ostdeutschen Landwirthschast zur Erhaltung und Ausdehnung der Viehzucht zugeführt. Die Aufzucht und Mästung rnifischer Gänse bildet in Ostpreußen eine große Einnahmequelle landwirthschastl cher Arbeiter. Diese E nnuhmequelle ist gefährdet, wenn jede eingeführte Magergans nut dem enmmen Zolllatz von 70 Pfg. belegt wird. Hinfällig ist die Auffassung. es sei die deutsche Landwirthschast Beim Abschluß der geltenden Hrndelsoerträge zu kurz gekommen. Namentlich die östliche Landwilthschaft hat kein Recht zur Beschwerde. Der große Bortheil, den sie durch die Aushebung deS Identitätsnachweises bei der Getreideausfuhr im Jahre 1894 erhielt, wiegt die damalige Ermäßigung der Getreidezölle mehr als ans. Seitdem kommt, namentlich für daS Getreide unserer Provinz, der Zollschutz voll znm Ausdruck, während vordem trotz höheren GeiretdezollS unter der Herrschaft de» Jdentitätszwanges der Inlandspreis im Durchschnitt nicht einmal um den Betrag des jetzigen Dertragszolls höher war. als der Preis für unverzolltes ausländisches Getreide. DaS Vorsteheramt bittet, festzuhalten am bewährten Alten, den Entwurf de» Zolltarifs und des Zolltarifgesetzes seiner einseitigen agrarischen und Hochstmhzöllnerischen Tendenzen zu entkleiden, und vor allen Dinge« den Doppeltarif für Getreide daraus z« beseitigen. *
A Kassel, 31. Ang. I« der Vorstaudssttzung der Saabs wirthjchastSkammer wurde der Zolltarifentwurf eingehend besprochen und beschlosten, bei den meisten Positionen einen h ö Heren Zoll all in dem Entwürfe vorgesehen zn befürworten. Insbesondere wurden die Minirnalsätze der G e t reibe- zöIle nicht als genügend erachtet und ein energischer Schutz der gärtnertjchen Produktion, die in dem Entwürfe gänzlich leer ans. gegangen sei, verlangt, ebenso eine Erhöhung der Zollsätze Bei einem Theile der thierischen Erzeugnisse.
k Pirmasens, 31. Aug. Ans Einladung des DrzirkS-Gre» miums für Handel und Gewerbe fand gestern Abend eine Ver» ’ammlung der Schuhfabrikanten und Gros fisten des Bezirks Pirmasens zur Stellungnahme zum Zolltarif-Entwurf statt. Die Betheiligung war sehr schwach; von ca. 140 in Betracht kommenden Firmen waren nur 17 vertreten. Die Versammlung trat einstimmig sür die Nothwendigkeit bei Abfchlnffes langfristiger Handelsverträge ein, «nd prot-sttrtegegen ben Handelsverträge unmöglich! machenden Mindesttarif sür Getreide, sowie gegen jede Erhöhung der Lebensmittelzölle. Sie erklärte sich prinzipiell gegen jede« Zoll auf irgend welche von der Jnvnstrie benöihigte Rohmaterialien, insbesondere gegen dievorgesch agenen Zölle auf Quebra cho- Holz und andere Gerbstoffe, weil diese die Produktionskosten der Ledersabrikation und dadurch die Lederpreiie erhöhen müßten. Ferner erhob man Einspruch gegen jede Erhöhung der Leder-Zölle, die angesichts de» sehr bedeutenden «Putschen Leder-ExportS und des dagegen verschwindenden Leder-Amports gänzlich ungirechifertigt und geeignet ist. die deutsche Schuhfabri» kation durch die Verih nernng de» Leder» konkurrenzunfähig auf dem Weltmarkt zu machen. Bezüglich der S ch « Hw aaten* Zölle war die Versammlung getheilter Ansicht. Die eine Hälfte mit 8 Stimmen vertrat den Standpunkt, daß man, bei gletchbleibenden Lederzillen und unter der Voraus- letzung, daß auch das Ausland seine Schutzzölle uns gegenüber nrcht erhöht, auf eine Erhöhung der Schuhzölle verzichte» könne, da höhere Schutzzölle, die mit vertheuertem Leder und mit dem gänzlichen Verlust deS seit Jahrzehnten immer mehr zurück- gehenden Schuhwaaren-Erports be>ahlt werden müßten, für die Schuhfabrikation werthlos lein würde«. Die andere Hälfte der Versammlung mit 9 Stimmen vertrat einen hochschutzzöllnerüche« Standpunkt mit der Forderung, daß für feine Schuhwaaren die Gewichtsgrenze auf 1200 Gramm hinansgesetzt und der Zollsatz von 200 Mark (gegenüber bisher 70 bezw. 65 heute geltenden und im Entwurf mit 120 Mark vorgesehenen Sätzen) gefordert Werde« solle.
Bader und Sommerfrischen.
--- Schweizerisch« Bergbahnen. Im Buchhandel erscheint ei« Werk, das wie kaum em zweites, dem Reisende« al» Begleiter i« der Schweiz zu dienen berufen ist. Es ist dies das vom Polygraphischen Institute, Zürich, soeben herauSgegebeue Doppelheft deS LtefernngSwerteS: ,®ie Industrielle «nd Kommerzielle Schto-iz', das den Schweizerischen Bergbahnen gewidmet ist. Uns ist kern Werk über dieses hochtniereffanke Thema bekannt, da» in der Ausstattung und in der ganzen Anlage in Vergleich mit dieser Publikation gezogen werden könnte. Ein kurzer Hinweis auf die Entwickelung der Bergbahnen steht als Vorwort an der Spitze des Buches. Die verschiedenen Systeme der Zahnradbahnen werden erwihnt, und darauf folgt eine eingehendere Schilderung der Sicherheiisootkehrungkn. Wir ersehen daraus, daß die Behörden mit der größten Schärfe die Bergbahnen überwachen und mancher Leser wird sich ihnen mit völliger Beruhigung anvertrauen, wenn er davon unterrichtet ist. Hieran schließen sich statistische Tabellen mit allen wisfenSwerthen Daten. Nach dieser sachlichen Darstellung folgen die eingehenden Besprechungen folgender 23 llntermhmungen: Vitznau-Rigi; Arth-Rigi; lletliberg; Ror-
schach-Heide«; Laufanne-Onchy; Bürgenstock; Pilatus; Beaten« berg; Salvatore; Berner-Oberland; Lanterbrunnen-Märrenx Schynige Platte; Viip-Zermatt; Brienz-Roihorn; Rheineck-Wals zenhansen; Wengeralp;Stanjerhorn;Dolder; Gornergrat; Jung» franbahn; Stanstad-Engelberg: Reichenbach; Lauianne-SignE Die Schilderungen dieser Bahnen enthalten alles, was der Tourist zu toiffen begehren mag. Sie geben eine durchaus gemeiuverständs liche. technische Srllärung, die GründungSgeschtchie und widme» dem Landschaftlichen einen breiten Raum. Ebenso find die 829! Illustrationen sowohl mit Bezug auf den technischen, als auch de» landschaftlichen Theil ansgewShlt worden und enthalten ein«; Fülle schöner Sujets nach den besten Ausnahmen. Ganz besonders! hervorheben müssen wir das große, doppelseitige Farbenbild deS Panorama» von der Schynigen Platte, eine meisterhafte Leistung des Vierfarbendruck», die alle Farbennuaneen der Wiesen, der Schneeberge und Gletscher in völliger Naturtrrne wiedergiebt.
= t Wiesbaden» Mit der wachsenden Ausdehnung beti Stadt beginnt man auch den Waldgegenden im Westen mehr! Beachtung ,n schenken. Dazu gehört die gärtnerische AnSgestalt»! ung des WalkmühliHaies, die, wie schon früher in der .Franks.! Zig.' berichtet wurde, von der Stadt bald in Angriff genommen werden soll. AIS zeitgemäße Bereicherung unserer Knrmittel darf! daher daS in derselben Gegend von Stadtrattz Thon kürzlich erbaute Pensions-Etablissement .Waldeck' genannt werden. Man tritt an» dem modern und behaglich eingerichtete» Kurhaus direkt in die weitausgedehnieu Laub- und Nadelholzs Waldungen mit schattigen Promenade» und Ruheplätzen. Ftdk ErholmtgSbedürftige überhaupt und zur Nachkur im Anschluß a» den Gebrauch der Wiesbadener Quellen insbesondere wird bauest .Waldeck' gute Dienste leisten können. ES bietet alle Annehm»' lWeiten der Stadtnähe, ist dabei aber dem lärmende« Getriebe gänzlich entrückt, zwei Bedingungen» die fich auch in Wiesbaden sonst nicht unter allen llmsiänden vereinigen lasten.
— (Saison * Beginn im Winter • Kurorte Gries > M'i einer Reihe von Reuernngen tritt am 1. September der Kurort Gries in Südtirol in die Saison 1901—1902. Die Gast«! werden in bett Hauptverkehrs - Adern elektrisches Licht, hn gelammten Kur-Rayon ein modernes Besprengungssystem, am Fuße des immergrünen Guntschna ein allen Anforderungen der Hygiene! entsprechendes Sanatorium, dann ein Etabliffement für Master»' Kuren und Elektroiherapie vorfinden. Das Frühjahr 1902 wird! dem Karotte endlich auch die so lange ersehnte Verbindung mit! der Nachbarstadt Bozen durch Erbauung einer elektrische« Straßenbahn bringen, wodurch Gries enger an diese Fremdem' Centrale gegliedert werden wird.
---- BLden-Freqnenz. (Nach den uns vorligende» Kurliste« und Angaben der Dtrektionen.) flif fingen 20,100, Sylt 13 604 Soden (Taunus) 2860, Brückenau 2400, Levrc» 2755, Langenichwalbach 5322, Nauheim 18,149. Kreuznach 9237. Neuenahr 12,660, Harzbura 24,788 (darunter 16,165 Paffanten).
Vermischtes.
□ Köln, 30.Ang. Auch im Monat Juli ist dieBevvkfern ungSztffer unserer Stadt zurückgegangen. Während die Abnahme im Juni nur 73 betrug, sank die Zahl im Juli um! 312. 332 Personen find mehr ab- al8 zngezogen; dadurch, batz die Zahl der Gebn'tm die der Sterbefälle um 20 überstieg — ebenfalls eine feit Jahrzehnten nicht dagewesene geringe Zahl —2 ermäßigt fib da» Minn» auf 312.
* Ans Hhüringe«, 30. Aug. Im Bezirk bet Eisanbahn- direktion Erfurt kommen vom 1. October ab 248 verschiedene Sonntagsfahrkarten in Wegfall wodurch die Ausflugsorte des Thüringer Waldes schwer gen schädigt werden, die von ben Städten Erfurt, Gotha, Weimars Jena,Meiningen,Arnstadt n. L w. stark besucht wurden Wenige« gut fitnirte Leute werdm in Zukunft die Zahl der Ausflüge seh« eintchränken wüsten.
O Darmstadt, 31. August. Die Bürgermeisterei hat an das Ministerium wegen Aufhebung der Sonn tagsfahra karte« durch die prmßiich - hessische Eiienbahngemeiuschaft eine eingehend« motivirie Beschwer beschrift abgehen lasten, mit dem Ersuchen, an maßgebender Stelle dafür einzutretm, daß bet gefaßte Beschluß nicht zur Ausführung komme.
A ^ndwigshaken, 31. Aug. Der in der Kaiser Wilhelmstraße wohnhafte Mktzgermeister Daniel Welker Hai fich heute Nachmittag den Hals durchschnitte«. Der Tod trat sofort ein. Welker befand fich anscheinend in guten Verhältniste« und ist ei« erklärlich r Sund für bie That nicht zu finden.
-h- Hlentoied, 30. Aug. Gestern Abend wurde am Casbachsj Tunnel ein Radfahrer Namens Stieldorf auS Eipel, der für feine Mutier einen Arzt in L nz holen wollte, von drei Italiener« ermordet. Die Italiener hatten auf dem Bahnhof jkandalirt und waren, all Polizei kam, geflohen. Sie hatten fich an dem Tunnel versteckt, glaubtet in dem Radfahrer einen Verfolger nutz überfielen ihn. Einer der Mörder wurde sogleich verhaftet, die beiden andern flohen rheinauswärts. (Vgl. unsere Mittheilung aus Bingerbrück in Nr. 241III Mgbl. Red.)
O Aus der Schweiz, 30 August. Eine scheußliche Mordthat ist, tote telegraphisch bereits kurz berichtet, von dem Fuhrmann Meinrad Füchsli in Einsiedel« (Kanton Schwyz), dem bekannten WallfahrtS- und Gnadenort, begangen worden. Füchsli, ein 43jähriger veth'iratheter Mann, unterhielt seit einigen Jahre« mit einem um 20 Jahre jüngeren Mädchen ei« LtebeSverhältniß, das nicht ohne Folgen geblj^, ben war. Die Geliebte und ihr Kind wurden aber dem Füchzlj lästig, und er beschloß, fich ihrer zn entledigen. Er ließ fqne
Feuilleton.
(Diese belletristrische Abtheilung des KeuillttonS «scheint jede« Sonntag und Mittwoch.)
Erlebnisse einer Hausfrau.
Von M. Romane! (Frankfurt).
Die Tbeegesellichast war in vollem Gange. Seit fünf Uhr saß»« Die Damen beisammen. Sie tranken viele Taste« Thee und aßen eine Menge Süßigkeiten dazu. Der Tisch war reich gedeckt mit Blumen und Torten, bie unaufhörlich von Hand zu Hand man Denen, d. h. nut Die £ o r t e n. Die Blumen blieben an ihrem Platz.
Kuchen- und Konfekiflücke verschwanden zusehends von den Tellern, denn sie erfreuen fich großer Beliebtheit bei den Damen- tbetS Ader die größte AnztedungSkrajt dieser Zufammenkünlte bildet doch die Gelegenheit, sich auszusprechen. Frauen haben das Bedürfniß, sich auSzufprechen, und zwar ohne daß die Männer zugegen find. Wann könnte daS bester geschehen, als wenn man am gemüthlichen Theetisch den süßen Trank schlürft «nd behaglich ein Konsebstück nach dem andern nascht?
Inzwischen wird auch ein Stich an der feinen Stickerei gemacht, die man jedesmal mit bringt and die von gebet Dame betrachtet und unbedingt bewundert wird. Man fördert fie freilich nicht nennenswerth, denn die Unterhaltung ist io interessant, daß Die Arbeit immer wieder in den Schoß sinkt. Und nun gar. wenn es sich um den Mittelpunkt aller Housfrauennnterhaltung. um Die Dienstbotentroge, handelt. Wie fich Die Ge- nrüiher erbitzen, das Auge aufblitzt. Die Zungen sich überstürzen! Erne überbietet Die andere an Redegewandtheit und Hörer und
Da« sechszehnjähnge Bärbel war ein rechter Nichtsnutz. Statt frisch und fröhlich an die Arbeit zu gehen, wandelte fie «it einer Leichenbittermiene umher. Wenn Frau Wiebel ihr zeigte, wie ein Ding gemacht werden sollte und es ihr eigenhändig Vorarbeiten Hove fie ihr Taschentuch heraus und schnob
nete fie fast verlegen. Es schüchterte fie ein, daß fie kleine unbedeutende Frau all' diesen gewiegten Rednerinnen und erfahrenen Hausfrauen gegenüber nichts von Dienstbotendrangsal zu sagen wußte. Sicherlich machte sie eS verkehrt, wenn Alles so glatt ging, und man würde fie für sehr unroistenD halten.
-WaS? Gn keine Verdrießlichkeiten mit ben Mädchen in Ihrem doch verhältnißmäßig großen Hausstand mtt Kindern «nd jungen Leuten?* tief Frau Jasti, rath Holzen ungläubig.
-Ich kann nicht klagen,' lautete Die Erwiderung. Frau Wiebel wagte kaum aufzusehen.
»Fabelhaft! Unglaublich! Wie ist das möglich ?' tiefen verschiedene Stimmen, und Frau Direktor Weife setzte prophetisch hinzu: »Warten Sie nur. Ihre Zeit kommt noch. An der Mädchennoth gebt Niemand ungestraft vorüber; daS sage ich Ihne«. Wir wollen uns wieder sprechen!'
»Sie mögen recht haben. * versetzte Frau Wiebel, und fie gedachte beklommen der nahen Hochzett ihres Hausmädchens, und daß der Ersatz, den fie gewählt hatte, ein junges Ding von noch nicht siebzehn Jahren war. Was konnte ihr da nicht bevorstehen ? Und die lerdvollea Worte ihrer Schwägerin, die mit beständigem Mädchenwechsel zu kämpsen hatte, fielen ihr ein: .Ich freue mich deshalb auf Den Himmel, wett es dort keine Dienstboten gibt'
Die Uhr ging auf acht. Die Dame« trennten fich, nachdem daS umständliche Abschieduehmeu an bet Thür überstanden war. Frau Wiebel kam etwas gedrückt nach Hause. Das Gehörte lag ihr in de« Gliedern.
Ihr Gatte lachte herzlich, als fie ihm ihre Erkebniste erzählte.
»So, sol Also die andern Damen mit all ihren Klagen waren guter Dinge während mein kleines Frauchen, das mit seinem Personal in Frieden lebt, wie eine Trauerweide einher- geht? Ist daS nicht zum Lachen?'
Und Frau Wirbel sand das auch. Sie athmete erleichtert aus und lachte mtt.
»ES kann aber anders kommen," meinte fie dann bedenklich.
»Natürlich wird eS auch anders komme«,' bestätigte der Gatte »Wir find keine Engel und die Mäderchm auch nicht. Dann halten mit eben die böte Zett aus, wie wir die gute ertragen haben."
Frau Wiebel nirfte. Freilich, daS war der richtige Standpunkt.
Und eS kam wirklich anders.
Sprecher sind in solchem Maße angeregt, daß die Stickerei Den nntubiuen Händen enttällt.
O $)ienfiootenfiage. Du Frage allerFragen! Wie viel St mb dast du schon aufgeroubdt I Wie zahlt öS find Die Klagen, du bet Diesem Thema zum Himmel steigen I Wie betrübend erichewt Die Unzulänglichkeit Der Dtenstbotenklaffel
Frau Dr Wiedel schwieg zu Den lebhaften Erörterungen. Sie stichelte an ihrem Kinderkteidchen und lächelle stell vor sich hi»-
»Run, meine gute Frau Dokterche«, warum sage« Sie nichts? Wollen Sie uns Ihre Mäbchennöthe oor enthaltet ?' fragte Frau Geheimrath Besser, «ta neugieriger Blick traf bie noch jugendliche Frau. _
-3d) habe wirklich nichts m bericht«. Stan Rath/ entott" andauernd die Naie. mu Mitleid iu erregen. Frau Wiebel
verdroß das. Doch that fie, als merke fie eS nicht. Darauf begann Bärbel regelrecht zu heulen, bis Frau Wiebel ärgerlich sagte t ,91a, was da zu flennen ist, begreife ich nicht. Am Ende werde ich doch noch angeben dürfen, wie eine Sache gemacht werden soll!'
Worauf Bärbel nur stärker heulte und Frau Wiebel entrüstet daS Zimmer verließ.
Dabei gab es Arbett im Hause, wie nie zuvor. Bärbel kam nicht vom Fleck, und die Hälfte der ihr zukommenden Thätigkett fi:l auf Frau Wiebel. Sie nahm fie ja willig auf sich in der Hoffnung, Bärbel werde sich Mühe geben, sich einleben. ja, eines Tages lobte fie Bärbel sogar und sagte: »Heute ist es schon flmker gegangen, Bärbel. Ich hoffe, mit der Zett wird es immer bester.' Woraus die prompte Antwort kam:
»Ich wollt' auch sagen, daß ich in vierzehn lagen geh! Es ist mir zu viel Arbeit!'
Man wird es verstehen, daß Wirbels das Bärbel nicht ungern ziehen ließen, zumal die Köchin Bertha mittheilte, Bärbel, das fteche Ding, sei mit Bedacht faul, nm baldmöglichst sortzukommen. Sie liebe die Arbeit nicht. Unter so beroanMen Umständen war es schwer begreiflich, warum Bärbel ben Dienst überhaupt angenommen hatte. Doch sanden es Wiedels nicht werth, sich darüber ben Kopf zu zerbrechen. Nur bie leidige Suche nach einem Ersatz, wenn die nicht wäre! Sie mußte aber begonnen werden. Also vorwärts, an Die Gewehre, d. h. an Die Büreaux, gleich an drei oder vier, .denn man muß sich mehrere Wege öffnen", sagte der umsichtige Dr. Wiebel, nnd stehe, als wolle der Himmel die Familie begünstigen, so erschien schon am nächsten Tage ein sehr anständig gekleidetes, sehr hübsches Mädchen.
Sie war so hübsch, daß WiebelS erstaunte«. Sie hatte außerordentlich seine Züge, mandel jörmig geschnittene Braunaugen, die sanft und etwas melancholisch unter ben langen Wimpern hervorblickten, einen kleinen Mund, eine schlanke Gestalt und viel Anstand im Benehmen.
Frau Wiebel war entzückt von dieser anziehenden Erscheinung. Herr Wiebel auch. Aber er zwirbelte an seinem röthlichen Schnurrbart, zog bie Augenbrauen hoch unb hielt eS doch für angezeigt, einige- Mißtrauen an den Tag zu legen.
Die schöne Emmi wurde also ins Kreuzverhör genommen. Sie ging aber so rein unb lautet daraus hervor, wie ein weiß gewaschener Engel, so daß alles Mißtrauen versagte. Dazu gestand fie ihrersetts. wie große Lust fie habe, zu Doktors zu ziehen.
Darüber waren diese ein wenig erstaunt
„Sie kennen uns ja gar nicht."
,3«, aber es gefällt mir hier so gut unb ich möchte Bleiben.' Natürlich war es Doktors nicht unanaenebm, daß Emmi
gern kommen wollte. Nur bedenken, ein wenig überlegen wollt« man; das erforderte am Ende Der Anstand. Denn: »Wie können Sie doch nicht einfach auf Ihre schönen Augen hin nehmen!' scherzte der Doktor, worauf ihn Emmi sanft unb unbefangen unb ohne Errötben anblickte.
Sie war damit einverstanden, daß fie fich in drei Stunden Antwort holen sollte. Ihre recht guten Zeugniffe nahm fie mit
.Die kommt nicht wieder', prophezeite der Doktor. Allein er irite sich. Die schöne Emmi kam wieder. Punkt ein Uhr zog fie die Schelle, stellte fich mit ihren seelenvollen Äugen und dem wehmüthigen Mund vor Doktors hin und erwartete bescheiden ihr Urthell.
Natürlich hatten die drei Stunden Bedenkzett weder wesentliche Gedanken zu Tage gefördert, noch waren in so kurzer Erkundigungen eingezogen worben. Denn Emmi tarn von auswärts. Immerhin war eS ein gutes Zeugniß, daß fie wieder- kam, während sie bei Frau Hirsch in der Jägerstraße auf der Stelle eintreten konnte, unb zwar für 25 Mark monatlich. Was mären bagegen bie armseligen 18 Mark bei Wiebels? Und doch wollte fie kommen. .Es gefällt mir jo', »Überholte fie. Kurz, der erbrückenden Menge guter Anzeichen gegenüber zerflossen alle Zweifel in Nichts. Emmi empfing daS Miethgelb und die Weisung, übermorgen einzutreten.
Man frohlockte, Bärbel auf so gute Manier loszuwerden und freute fich auf den günstigen Wechsel, Der sich so über Erwarte» rasch vollziehen konnte.
Am Montag Nachmsttag, pünktlich um 4 Uhr, tote verabredet, zog die schöne Emmi mit ihrem Bündelchen unb beit seelenvollen Augen ein. Ihr Koffer fei noch daheim, bemerkte fie.
Bärbel, die feit einer Stunde feinen Finger mehr rührte, stand ebenso lange in Hut und Jacke in der Küche unb wartete auf ihren Vater zur Abholung.
Frau Wiebe! hieß fie Emmi nach oben führen unb ihr ba5 hübsche, freundliche Mädchenzimmer zeigen.
.Wie nnvorfichttg,' fiel ihr gleich hinterher ein. .Man schickt nicht ein unbrauchbares, abgehendes Mädchen mit dem neuen fort. Da gibfs Gerede.' Aber die Dummheit war nicht ungeschehen zu machen. Auch verschwand Bärbel schon nach einer Stunde ohne Sang und Klang.
Frau Wiebel unterwies nun Emmi in ben neuen Obliegenheiten, unb Diese zeigte sich ebenso anstellig als wie von schnellem Berstänbniß.
Am nächst« Tage war W ä f ch e, recht großem wie gewöhnlich. Doch ging dieser Tag sonst stets ruhig und glatt vorüber, da er genau geregelt war: Die Kinder unb bie großen Junge« gingen zur Schule, her Doktor miss Sflmm. bie Köchin begatt
