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Montag. 1. Mai 1933

(80 JPtg.) Morgenblatt

77. Jahrgang Ur. 332 Dreimalige Ausgabe

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Vorbereitungen für den 1. Mai

(Privattelegramm der

2:Z

Arbeiter

Von Johannes Fischer (Stuttgart.)

1:0 1:0

Parchim, der vor kurzem bei der Bluttat auf dem Gute Käselin bei Röbel schwer verletzt wurde und sich zur Zeit in einer Rostocker Klinik befindet.

Im Mai veranstaltet die Stadt Basel ein internationales Beet­hoven-Fest. Es gilt zugleich der Feier des 70. Geburtstags von [>r. Felix Weingartner. Aus Anlaß des Jubiläums gibt die „Allgemeine Musikgesellschaft" in Basel eine Festschrift heraus, m der bekannte Künstler und Schriftsteller das Leben und Schaffen Weingartners darstellen.

den Schultern her sich in dieselbe Stoßrichtung des Spatens warf, mit einem Zutreten das Spatenmeffer so weit in die feste Erde, daß nur noch das Holz zu sehen war und für einen Augen­blick zitternd aus der Erde ragte, als sei cs ihr lebend entwachsen. Mit dem ganzen schnell angewandten Hebegewicht des Körpers hob er die fgst kubischen Brocken heraus und warf sie im Bogen beiseite. Nun fiel die Maffe heftig nieder und schwer genug, daß schon jedes Mal ein kleiner dumpfer Donner zu hören war. So legte er die erste Schicht frei, so drang sein Spaten um drei, vier Schichten tiefer. Sein Atem brandete als der echte tierische Dunst in die kühle Luft des Morgens. Sein Blut schien nun erst zu erwachen. Mit einer beharrlichen Besessenheit entriß er dem Acker vor seinen Füßen ein Stück nach dem anderen.

Dies ist die Erde selbst, die ich zergrabe, sagte er sich in der wogenden Atemlosigkeit. Endlich darf ich die Erde wieder angreisen! 'Wie lange habe ich nicht mehr gewußt, daß ich mit der Erde ringen kann. Ich habe nur manchmal geruht auf ihr, indem ich mich ganz, von der rasenden Stirn bis zu den gehetzten Füßen, auf ihr ausstrecken konnte, so daß eine Minute dieses Ausruhens Monate der rastlosen Dürre wieder auffüllte. Aber wer hätte mich in den langen Jahren daran erinnert, daß ein Mann sich mit der Kraft der Erde, mit diesem unserem natürlichsten Gewicht messen kann? — Ich grabe ein Loch in die Erde, in meine Erde, in unsere gewaltige Erdkugel, in dieses kleine Gestirn. Nein, ich will ein Tal aufreißen, möchte eine Tiefe herausfördern, in die ein HauS zu stellen ist. Ich werde große Löcher graben, in die Bäume zu pflanzen sind. Und bis unter die Wurzeln der großen Bäume werde ich mit dem Spaten Vordringen, um die riesigen Gewächse mit allem unter­irdischen Beiwerk auszuheben Pflanzen sollte ich und bauen, aber auch zerstören. Und mit dem Geruch, den die Erde ausatmet, ver­bindet sie mich mit dem Leben aller ihrer Kreaturen. Den Tieren und dem unbeobachtet Wuchernden werde ich wieder verbunden sein, den unsichtbaren Elementen und den dumpfen Gewalten des Gesteins. Den Wassern werde ich verbunden sein, aus denen die Erde ihre Säfte schöpft, den Wassern, in denen die Kontinente ruhen. Und den Aeckern werde ich wiedergegeben sein, den Bergen, den Flüssen und dem Himmel. Ist nicht dieser Himmel der Wolken und der blau aufbrechenden Nebel erst über d e m Menschen gegen­wärtig, der von der Erde zu ihm hochsehen kann und dessen Augen die ewige Höhe vom Himmel bis zur Erde abzumeffen vermögen? Wie kann ein Mensch leben, wenn er nicht an jedem Tag diese unheimlichen grauen und schwarzen Krumen der Fruchtbarkeit mit der Hand greifen und zerbröckeln, wenn er nicht täglich diesen Dunst des frisch aufgebrochenen Bodens empfangen und sich jeden

Reichsarbeitsminister S e l d t e, der Chef der Heeresleitung Gene­ral v. Hammerstein und Staatssekretär Milch.

Reichsminister G o e r i n g hielt die Taufrede. Er dankte dem Reichspräsidenten, und fuhr fort: „Du stolzes Flugzeug sollst für deutsche Arbeit und Schaffenskraft, sollst auf Deinen Flügen durch fremdes Land Ehre einlegen für das deutsche Vaterland und die deutsche Nation. Auf Deinen Reisen wirst Du künftig nun den Namen tragen, den jeder Deutsche voll Ehrfurcht und Liebe nennt, der für immer verbunden ist mit der deutschen Geschichte unserer Zeit und mit den großen die Heimat schützenden Taten unseres deutschen Heeres und unserer deutschen Fliegerei.

So taufe ich Dich denn auf den Namen „Generalfeldmarschall v, Hindenburg "

Mit wenigen Worten erwiderte der Reichspräsident. Inzwischen hakten sich das Wachregiment, die Schutzpolizeibereitschaften z. b. V., die SS-Stabswache des Reichskanzlers und die übrigen For­mationen zum Vorbeimarsch ausgestellt. Der Herr Reichspräsident verweilte noch längere Zeit auf dem Rollfeld, um den Flügen der beiden Kunstflieger Übet und Achgelis, die nach dem Vorbeimarsch der Formationen gestartet waren, zuzusehen.

Schweres Kergwrrlrsrrrtgliick.

Siebe« Arbeiter getötet, zwei verletzt.

Essen, 30. April. (Wolff.) Amtlich wird mitgeteilt: Auf der Zeche Matthias Stinnes I, II und V in Karmap ist in der Nacht vom 29. zum 30. April gegen 23.30 Uhr eine Explosion auf der 7. Sohle in der 2. östlichen Abteilung erfolgt, bei der sieben Monn getötet und zwei Mann verletzt wurden. Die Bergung der Verletzten und Verunglückten war um 4 30 Uhr mor­gens beendet. Die Untersuchung der Ursache der Explosion wurde in der Nacht begonnen; die Explosion selbst ist noch nicht geklärt.

Wie der Amtl. Preuß. Pressedienst hierzu mitteilt, wird an der amtlichen Untersuchung Oberbergrat Ebbinghaus vom Grubensicherheitsdienst im preußischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit teiluehmen.

Em Polizei anta verunglückt.

Zwei Tote, vier Schwerverletzte.

Hamburg, 30. April. (Wolff.) Ein Kraftwaren der Alto­naer Polizei, der mit Beamten der politischen Polizei und Angehörigen des Marinesturmes besetzt war, fuhr gestern nach­mittag auf der Chaussee Mona—Pinneberg gegen einen Baum. Als Hilfe aus Pinneberg vorbeikam, war der Fahrer Hauptwachtmeister R o j a h n bereits tot. Der SA-Mann Koks starb kurz darauf. Vier weitere Insassen sind schwer verletzt den Krankenhäusern in Pinneberg und Altona zugeführt worden.

,Frankfurter Zeitung'.)

Vermeidung einer Panik wird darauf hingewiesen, daß es sich bei diesen gewaltigen Explosionen nicht um ein Unglück auf dem Feuerwerksplatz handelt, sondern daß diese außerordentlich lauten Geräuschwirkungen mit allen Licht- und Strahleneffekten den ge­wollten Höhepunkt barstellen."

Den Schmuck, den die Regierung für den morgigen Tag wünscht, trägt ein Teil her Reichshauptstadt schon seit gestern. Geschäfte, Büros und staatliche Gebäude haben schon am Samstag ihre Fahnen gehißt oder die Häuserfronten mit Grün geziert. Die Gegend um das Schloß ist besonders bedacht worden, weil hier morgen vormittag die Kundgebung der Jugend abge- hälten wird. Ein großer Teil der Bevölkerung hat im Laufe des heutigen Tages Wohnungen und Fenster mit Fahnen, Tannen- reisig und grünem Laub dekoriert. Abzeichen, Fähnchen, Ansteck­blumen werden gleichfalls schon seit einigen Tagen auf den Straßen verkauft. Dem Tempelhofer Feld haben die Berliner heute in ganzen Scharen einen Vorbesuch abgestattet.

Fußball:

F. 8. V. Frankfurt—München 1860 . . , Eintracht Frankfurt—Sp.-Vgg. Fürth * .

Hockey:

I. G. Sportverein—I. Ch, Ind. Ltd. London 8. C. Frankfurt 1880—T. V. Sachsenh. 1857

Am Vorlage der nationalen Feier,

^raakfurt im Festschmnck.

— Die Vorbereitungen für den Tag der nationalen Arbeit sind fast überall beendigt. Schon am Sonntag waren zahl­reiche Geschäftsgebäude der inneren Stadt und auch viele Häuser in den Wohnvierteln mit schwarz-weiß-rolen Fahnen und Haien- kreuzslaggen geschmückt. Ueberall wehen die Fahnen, grüßt frisches grünes Laub. Vor den Eingängen der Geschäfte wurden kleine Bäumchen aufgestellt; an den Fenstern der Häuser ziehen sich grisne Tannenxirlanden entlang. Am stärksten ist der Eindruck, den die kleinen Seitenstraßen der Stadt bieten. Dort, wo die Straßenflucht nicht sehr breit ist, scheinen sich fast die Fahnen der beiden Häuser­fronten zu berühren.

Die vielen Automobile, die am Sonntag durch die Straßen oher nach auswärts fuhren, zeigten ebenfalls flatternde Fähnchen. $cr Sonntag vermittelte bereits einen Eindruck über den Festschmuck Frankfurts zum Feiertag der nationalen Arbeit am 1. Mai. Sefbst am Sängerfest hatte der Straßenschmuck nicht annähernd die Aus­maße wie jetzt angenommen.

Am Vormittag des Sonntags durchfuhren zahlreiche Last­wagen, die mit SS-Leuten, Mitglieder der SA und der Hitler- Jugend besetzt waren, die Straßen. Als die Lastautos die Zeil passierten, stauten sich trotz des zu dieser Stunde regnerischen Wetters die Menschenmassen auf den Straßen, um die Insassen der fahnengeschmückten und mit vielem Grün verzierten Auto­mobile zu begrüßen. Es mochten wohl weit über hundert Last­wagen sein, die mit singenden und heil-rufenben MamDHeu durch die innere Stadt und auch durch die Wohnviertel fuhren.

Der Berkaus von Fahnen und Flaggenschmuck, von Tannen- grün und kleinen Laubbäumen war durch eine neue Verfügung auch für den Sonntag erlaubt. Von dieser Erlaubnis wurde, namentlich im Stadlinnem rege Gebrauch gemacht. Der Vortag der nationalen Feier verlief in Frankfurt ohne irgendwelche Zwischenfälle.

damit auch militärische Tauglichkeit der Massen der Industrie­arbeiter sich weit besser erwies, als man vorher befürchtet hatte. Man könnte aus jener Zeit hundertfältige Beispiele an» führen für das, was ein sozialdemokratischer Redakteur da­mals in Stuttgart aussprach: „Wir sind aus gehetzten Menschen stolze Staatsbürger geworden." Leider ist es dem Deutschland der Nachkriegszeit nicht gelungen, neue Formen des menschlichen und politischen, des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens zu finden. Schuld und Schicksal sind dabei miteinander verflochten. Jedenfalls traten die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Gegensätzlichkeiten zwischen den Schichten des Volkes wieder schärfer und unversöhnlicher hervor als vor dem Krieg.

Was durch die natürliche Entwicklung auf einen sozialen Ausgleich hin sich nicht einstellen wollte, das scheinen schmerz­hafte Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit fertig zu bringen. Erfahrungen nicht nur unter den Arbeitern, sondern auch in weiten anderen Kreisen des Volkes. Solange es den Trägern anderer Berufe, den Bauern, Handwerkern, selb­ständigen Ai en scheu in Handel, Industrie, freien Berufen einigermaßen gut ging, solange sie in der Lage waren, einiger­maßen eine gesicherte Existenzgrundlage für sich zu erarbeiten, konnten sie sich in die Lage des fluktuierenden, entwurzelten, im Grunde genommen immer ungesicherten Proletariers nur schwer hineindenken. Das ist in den letzten 15 Jahren von Grund auf anders geworden und es sind dadurch hüben und drüben Vorurteile gefallen, die eine volksmäßige Zusammen-

Am 22. April waren es 25 Jahre, daß ich mit F r i e d r i ch Naumann zusammen auf einem Delegiertentag des Mahl­vereins der Liberalen in Frankfurt über die Frage sprechen durfte, wie man es erreichen könne, dem deutschen Arbeiter in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft die Stellung zu geben, die er braucht, um das Gefühl der Gleichberechtigung und der inneren Bejahung seines Arbeiterdaseins haben zu können und um bewußt und gewollt in die Gemeinschaft von Staat, Volk und Wirtschaft hineinzuwachsen. Wir beide, Friedrich Naumann und ich, kamen von verschiedenen Ausgangspunkten an diese Fragen heran. Für mich war es der Inhalt eines Jahrzehnts der eigenen Lebensführung und der Lebens­erfahrung zwischen dem 14. und 24. Lebensjahr, in denen ich als Arbeiter durch allerlei Führungen und Betätigungen zu einem bewußten Bürger des deutschen Volkes und Staates mich entwickeln durfte, und ich habe an mir selbst erlebt, was ein Mensch auch im Arbeiterstand gewinnt, dem der Blick für diese großen LebcnSgebiete und Lebensgemeinschaften erschlossen wird, und dem die Mitarbeit an ihnen ein Stück seines -Lebensinhaltes geworden ist. Friedrich Naumann kam von der Gesinnungsseite und durch sachlich politische Ue Verlegungen dazu, an dieser Verbindung von Arbeiter "nd "'M?, von Arbeiter und Staat, von Arbeiter und Wirtschaft mitzu­arbeiten, die menschlichen und sachlichen Norauspetzungen ua= ssir zu schaffen. Die erste Rede, die ich von Naumann hörte, galt dem Thema: „Weltmacht und Sozialreform", wo er dar- legte, daß eine machtvolle Staatsbehauptung Deutschlands unmöglich sei, wenn sie nicht auch von den Arbeitern mit- getragen werde, nicht als ein Stück ihres eigenen Lebens­inhaltes mit übernommen werde. Aus dieser Ueberlegung wollte er dem Staate gegenüber Anwalt der Lebensrechte der Arbeiter und bei den Arbeitern Anwalt der Lebensrechte der Nation auch gegenüber den Arbeitern Arbeiter sein. Der Weg, den diejenigen in Deutschland gehen mußten, die sich in Gesinnung und Arbeit mit Naumann verbanden, war bis zum Krieg ein Leidensweg.

Um so höhere Befriedigung durften sie dann bei Kriegs­ausbruch empfinden, als die Massen der deutschen Arbeiter vor aller Welt bewiesen, daß jene Verbundenheit mit Volk und Staat doch viel stärker vorhanden war, als man bis da- hin angenommen hatte, und daß die sozialpolitische Leistung der Jahrzehnte vor dem Krieg sich nationalpolitijch auch in ber Beziehung bezahlt machte, daß die rein körperliche und

Da das I. Morgenblatt vom Dienstag wegen des Feiertages ausfällt erscheint

die nächste Ausgabe der frankfurter Zeitung

am Dienstag als II. Morgenblatt wie üblich. Es wird ausführ­liche Berichte über den

„Tag der nationalen Artzeit"

und die Rede des Reichskanzlers enthalten

Kammermusik von Arasims.

K H Frankfurt, 28. April.

Die Museumsgesellschaft hat auch ihre Kammer­musiken im Zeichen der Säkularfeier von Johannes Brahms zu Ende geführt. Sie hat sich hier wie in den Symphoniekonzerten um eine wirklich würdige Darstellung des Gefeierten in seinen Werken redlich bemüht. Wer darüber Bescheid weiß, wie eng und ehrenvoll die Geschichte dieser Konzertgesellschaft mit der Geschichte des Brahmsischen Schaffens verbunden ist, hatte vielleicht im ganzen wie im einzelnen eine noch schärfere und prägnantere Aus- wahl erwartet, gerade bei der rückschauenden Feier und gerade in den Kammermusiken. Aber es fehlt ja im deutschen Musikleben all­gemein noch zu sehr an einer in solchem Sinne höchst verantwort­lichen Prozrammgebarung, und die Pläne der Vereinsvvrstände werden oft von Zufälligkeiten beeinträchtigt.

Die Museumsgesellschaft mußte diesmal auf die Mitwirkung des Busch-Quartetts (mit dem Pianisten Serkin) verzichten und sich damit begnügen, das vorgesehene Programm vom Klingler- Quartett unter Mitwirkung von Prof. Georg Schumann be­streiten zu lassen. Wir sagen: „bestreiten", weil dieses andere Ensemble, dessen Qualitäten wir gewiß nicht verkennen, die Vor­tragsfolge: Klavierquartett in c moll, Trio in C dur und Klavier- quiniett in f moll einspringender Weise offenbar nicht so be­herrschen könnt« wie das ursprünglich verpflichtete, das sich aus die besondere Aufgabe schon seit langem einspielen konnte. Klingler und Genossen, nicht minder aber auch Prof. Schumann am Klavier taten sehr vieles, doch sie konnten nach Lage der Umstände nicht alles tun. Selbst nachdem das Uebergewicht des Flügels zurück­genommen und der Gesamtklang dynamisch und farbig so aus­gewogen war, wie es gerade die Kammermusik erfordert, blieben noch manche Wünsche unerfüllt, vor allem in bezug auf technische Feinheiten des Zusammenspiels, Klarheit des strukturellen Ab­laufes, geistige Kraft und sinnlichen Schwung des Vortrages.

Am besten vielleicht gelang den Gästen an diesem Abend das Andante des Trios, dessen zigeunerische Melodik zu schlechtweg reifem Austrag gelangte; auch das gespenstische Scherzm-Presto kam überzeugend heraus. Im Klavierquintett, das zum Groß­artigsten gehört, was Brahms überhaupt geschaffen hat, blieb die Wiedergabe hinter der ideell möglichen Wirkung erheblich zurück. Gleichwohl war die Hörerschaft gepackt und zu starkem Beifall ge­stimmt.

Taufe des Flugzeuges „Geueralfeldmarfchall von Hindenburg".

Berlin, 30. April. (Wolff.) Die Taufe der neuen viermotorigen Junkevviaschine „v 2500" ging bei strahlendem Sonnenschein auf dem im Flaggenschmuck prangenden Tempelhofer Flug­hafen vor sich. Der Andrang des schaulustigen Pnl ik.ims, das den Reichspräsidenten bei dessen Ekschel.. lege "tert zu. jubelte, war ungeheuer. An Feier nahmen u. a. teil: Vizekanz­ler v. Pape n, Reichsweyrminister General v. Blomberg,

Auf der Flucht erschossen.

Rostock, 30. April. (Conti.).Zur Untersuchung eines in seinen Einzelheiten noch nicht ganz aufgeklärten Vorfalles hat uch d-r Oberstaatsanwalt nach Neubuckow begeben. Nach den bi her v - liegenden Darstellungen soll am Samstag nachmittag auf Veran­lassung des Regierungskommissars Hildebrandt wter de Verdacht politischer Umtriebe der Landwirt A n d r e a s v. t o w in Altheide bei Ribnitz von drei SA - L e u t - n d ° als Hilssvolizisten tätig waren, verhaftet worden fern. ~Iuf Transport nach Schwerin soll er bei der Feldmark von Neubuckow einen Fluchtversuch gemacht haben und, als er auf £ e J der Hilfspolizisten nicht stehen blieb, von diesen durch meh Schüsse sofort getötet worden sein. Die -eiche bes schoffenen sei zur Sektion nach Wismar geschafft worden Aer C » tötete ist ein Bruder des Rechtsanwaltes Jürgen v. Flotow aus

Berlin, 30. April. Superlative müssen verwendet und Re­kordzahlen angeführt werden, um die technischen Vorbereitungen für die Maifeier auf dem Tempelhofer Feld zu schildern. Es ist wohl tatsächlich noch nie das Experiment durchzufüh­ren versucht worden, eine Million Menschen auf einen Platz marschieren zu lassen, hier zu sammeln und wieder nach Hause zu befördern.

- Die Million soll sogar die untere ®r e n 3 e sein, die man ' zu erreichen hofft, manch« rechnen mit weiteren Drei - oder . Fünfhunderttausend. Seit die Regierung den Feiertag der nationalen Arbeit beschlossen hat, arbeiten die Handwerker, Be­leuchtungsfachmänner und Elektrofirmen auf dem gewaltigen Platz zwischen Berliner Straße unb- Flughafen.

Das ganze Feld — es ist einen Kilometer lang und etwa fünf­hundert Meter breit — zerfällt .in zwei ungleiche Teile: der grö­ßere ift für den Aufmarsch der Betriebszellen und übrigen Or­ganisationen hergerichtet, der kleinere erhielt eine Tribüne von größten Ausmaßen: In große Felder mit einem Fassungsvermögen für je 60 000 Menschen, abgeteilt durch niedrige Schranken, ist der Platz für die demonstrierenden Massen eingeteilt. Rund hundert- dreitzig Fahnenmasten von zwölf Meter Höhe stehen, in Gruppen , 3U drei geordnet, rings um das Gelände. Ueber alle anderen wer­den jene Fahnen hinausragen, die hinter den Tribünen aufgezo­gen werden. Ihre Gittermasten sind zweiunddreißig Meter hoch.

Man hat ausgerechnet, daß 3500 Quadratmeter Fahnen­tuch verarbeitet worden sind. In der Mitte der Tribüne werden hinter der Musikkapelle die R e i ch s r e g i e r u n g, die Diplo­maten und die Presse Plätze haben, hinter ihnen sollen sich einige tausend Fahnenträger postieren und zu beiden Seiten schließen sich die Publikumsplätze an. Der Erlös aus dem Kartenverkauf für diese rund dreizehntausend Sitze und zahllose Stehplätze vor ihnen wird benötigt, um die 240 000 Mark Kosten zu decken, die der Stadt Berlin für die ganze Anlage ent­stehen. Von einer kleinen Rednerkanzel aus spricht der Reichs­kanzler, dessen Worte etwa h u n d e r t L a u t s p r e ch e r ans dem ganzen' Tempelhofer Feld verbreiten. Zweierlei Arten von Schein­werfern beleuchten das Gelände, die Menschen und die Fahnen. Auf vier Türmen sind M a s ch i n e n s ch e i n w e r f e r von größ­ter Leuchtkraft montiert, während einige hundert kleinere von ein­fachen Masten herab ihr Licht entsenden.

Von dem die Kundgebung abschließenden Feuerwerk ver­spricht man sich so gewaltige Wirkung, daß der städtische Nach­richtendienst folgende Notiz zur Beruhigung verbreitet:

’ ’ „Ten Höhepunkt des Riesenfeuerwerks am Abend des Tages der "nationalen Arbeit auf dem Tempelhofer Feld bildet eine Blitz- und Tonnerfront von ganz gewaltigen Ausmaßen. Em enorme-.- Trommelfeuer wird den Ausbruch eines Vulkans darstellen. Zur

Abend, vom Widerstand der Erde ermüdet, dem Frieden derselben Erde anvertrauen darf?

Gegen alle Arbeiter der Erde: die Bauern, die Schiffer, die Jäger, die Maurer, die Hirten — gegen sie alle hegte er in diesen Minuten seines heftigen Rausches ein Gefühl des Neides, ja er hatte, indem er so die Erde aushob und in energischem Eifer die Grube tiefer und weiter vollendete, die Vorstellung, selbst alle diese Berufe in einem auszuüben.

Schon war er bis zu der Lehmschicht hinabgedrungen und in eine Tiefe, die die halbe Höhe seines Körpers betrug, tief genug also, um die Last der Steine hineinzuwerfen. Mit zwar etwas ver­langsamten und schweren Bewegungen, aber noch mit derselben Inbrunst, mit der er den Spaten geführt hatte, warf er nun die schweren behauenen Steine, einen nach dem anderen, so daß sie hart auseinanderknallten, in die Grube. Bei dieser Arbeit war der Schweiß nicht mehr zurückzuhalten. Das wunderbare Licht des Morgens war mittlerweile über die Höhe der ringsum benach­barten Häusergiebel gedrungen und warf auf Acker, Garten, Ge­büsch, weiße Blütenbäume und Mensch seine neue Wärme. Viele Fenster in den Häusern waren längst geöffnet worden. Rufe und Geräusche drangen in die Gärten. Die abgeschiedene Ruhe dieser künstlichen, Oasen war schon längst überdeckt vom Schwall des städtischen Lebens. Ter Mann jedoch war auf nichts anderes als auf feine Arbeit bedacht.

Durch die Schläge einer Turmuhr wurde er plötzlich an die Stunde erinnert. Sofort stapfte er in den von Erde und Lehm beschwerten Stiefeln vom Acker. Eine Siertelftunbe später befand er sich schon auf dem hastenden Weg ins Büro. Noch vibrierte in chm die frühe, ungewohnte Anstrengung, und das erregende Er­eignis war längst noch nicht verklungen. Aber es war, als er sein Büro betrat, schon so weit von ihm abgerückt, daß er sich nur aus der Ferne noch schmerzlich zu erinnern vermochte, yür weitere Gefühle blieb ihm nun keine Zeit mehr, blieb ihm kein Raum. Denn: Er folgte dem unerbittlichen Gesetz, das die andere Ar­beit, das seine Arbeit beherrscht. Dem Gesetz, das ihn jahrein, jahraus ins Fabrikzimmer, an den Schreibtisch, übers Papier, in die Straße, aus den Asphalt, in die Stadt verweist. Jenem Gesetz, das diejenigen, die seinen transzendenten Kurven in die kärgste All­täglichkeit folgen, am Ende sticht minder und nicht weniger natürlich beglückt als die Erde diejenigen, die ihr dienen. Es wurde ihm an diesem Tag sogar gewiß, daß diejenigen, die in bet aufrichtigen und vernünftigen Entsagung an der naiven Lust des kreatürlichen Daseins ihr Gesetz erfüllen, am Ende die doppelte Beglückung ern­ten: Von der Erde, die sie kennen und die sie heimlich um so hef­tiger lieben, werden sie belohnt — und vom Gesetz. R. S.

Aas Gesetz.

Noch eingehüllt in die Lautlosigkeit, mit der sich Nacht für SW im Dunkel die abenteuerliche Begegnung der Träume vollzieht noch behangen von den Fetzen der verworrenen Bilder und getröstet von der Mattigkeit, die jeden Schritt in die ungewöhnlich frühe Morge stunde segnet, - so ging er an lenem Tag zu einer 3« , al J»ebe im Hause selbst noch in der Umgebung irgendein lautes mufur- liches Geräusch zu vernehmen war, in den Garten. Er nahm einen Spaten und betrat das kleine Stück Land, das jetzt noch, mitten in den festlichen Erfüllungen des schönen Frühjahrs, unbearbeitet geblieben war, brach und wüst wie seit den Verheerungen de- Herbstes. Dieses Geviert Erde, nicht größer als der riußboden eines Zimmers, sollte aufgegraben, sollte von einem tuten bo ) aufgerissen werden, in das hinein er einen Haufen schwerer, un­verwendbarer Pflastersteine packen wollte. Er wußte sich keinen anderen Rat, um die Steine so unterzubringen, daß sie ihm teder- zeit erreichbar seien. Eine Arbeit, von der ihn bislang eine - bet einem immer nur im Büro und der Erde fern lebenden Menschen zu verständliche, aber doch höchst geheimnisvolle Scheu ferngehalten hatte, zu der ihm jedoch ganz unerwartet dieser frühe Tag die Lust ober vielmehr ben schlafwanblerischen Mut gab.

Faghaft setzte er ben breiten scharfen Stahl auf bie erbige, vom Regen,' von Kälte unb Sonne erhärtete Masse. Zaghaft nur wie mit bet Kraft -eines fremden Beines stieß der rechte yufe baä Werkzeug in ben Boben. Unb die ersten Spaten voll Erde fielen ebne starkes Gewicht, so daß sie beim Aufprall nur leise polterten, neben die Fläche, bie für bas Loch ausgehoben werben sollte. Allmählich erst, mit bem Rhythmus bes angestrengten Körpers, mit der Wärme bie nach ben ersten langsamen Bewegungen schon ben Körper hinaufbrang unb heiß ins Gesicht schoß, mit bem unver- toanbten Blick auf die graue Masse zu seinen yüfeen erhielt er, indem er sich zugleich an die wenigen Male erinnerte, da er als Knabe zu seinem unbändigen Uebermut in ben Gärten der Nach­barn hatte graben dütsen, das Gefühl, daß diese seine Tätigkeit nicht in einem Zwischenbereich, zwischen den Träumen der Nächte und den Unwirklichkeiten des Tages erfolge, daß sie nicht gleichsam eine verbotene Arbeit sei, sondern daß sie wirklich und mit schönem Recht geschehe. Mit der größeren Sicherheit kam ihm die größere Kraft Im gleichmäßigen, schweren Takt schwangen seine Hände das Holz, setzten sie ben Spaten fest auf unb preßte fein Fuß, indem bei ganze Mann wie in einem einzigen Mechanismus von