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Nummer 151 Teile 2

Erstes Morgeublatt der Frankfurter Zeitung

Louuerstag, 26. Februar 1931

Enthusiast

engen Beziehungen Mayers zum Kunsthandel, eine diszipli-

Dinge gehören plötzlich einem zweiten Bereich der Sinne an.

ist für sie besonders schmerzlich, da in der letzten Zeit die Preise Wieder im Steigen waren. Die Notierungen für Apfelsinen und Zitronen hatten besonder! in Verbindung mit größeren Aufträgen aus Deutschland angezogen.

Dame: Sie find ein Deutscher. Ah, que votre raisonnement est effrayent

Enthusiast: Pardon, sehen Sie, hier sind viele Fragen der Mode bewußt weggelassen. Aber wenn Sie sich nicht sträuben, kön­nen auch Sie die große Lust einer kleinen Erkenntnis des Alphabets genießen. Das muß ich schon sagen: ich finde hier das pädagogische Einmaleins mit fast brillantem, fast fran­zösischem Geschmack sichtbar gemacht.

Dame: Ja, vielleicht wie aber gefällt Ihnen mein neues Kleid? Es ist eine crdation von Patou.

narische Untersuchung beantragt. Bevor noch das Kultus­ministerium über die Eröffnung einer Untersuchung schlüssig ge­worden war, reichte Prof. Mayer sein Entlaffungsgesuch ein.

Der Fall ist ein Beispiel jener engen Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Kunsthandel, gegen die sich Geheimrat Pinder erst kürzlich in einer AbhandlungUnverkäufliche Wissenschaft" in der Frankfurter Zeitung" gewendet hat.

Gin zweiter Wirbelsturm «der Suditalieu.

Rom, 25. Febr. (United Preß.) Kurz nach der ersten Wirbel-

Kcho« wieder ei« Atteutatsversuch auf de« Präsidenten von Cuba.

Havanna, 25. Febr. (Wolff.) Präsident Machado, auf den, wie gemeldet, vor zwei Tagen ein Bombenattentat versucht wurde, ist soeben einem neuen Anschlag glücklich entronnen. Im Neuen Kapitol versuchte ein junger Mann den Präsidenten, als dieser gerade eine Rede hielt, zu erschießen. Es gelang der Polizei im letzten Augenblick, den jungen Mann mit dem Revolver in bet Hand festzunehmen. Der Vorfall verursachte bei den Anwesenden große Erregung. Der Präsident, der seine Ruhe vollkommen be­wahrt hatte, führte seine Rede jedoch ohne Unterbrechung zu Ende.

Wegen deS Bombenattentates vor zwei Tagen sind 20 Per- f o n e n, die im Verdacht stehen, irgendwie an bet Tat beteiligt zu sein, verhaftet worden.

Knust, Wissenschaft und Kunsthaudel.

Konservator Prof. Dr. August Mayer tritt zurück.

(Privattelegramm betFrankfurter Zeitung'.)

G München, 25. Febr. Der Hauptkonservator bei Staatlichen Gemälbefammlung und Privatbozent an bet Münchener Universität, Prof. Dr. August Mayer, hat seine Entlassung auS bem Staatsdienst genommen.

Gegen Professor Mayer, bet eine sehr ausgedehnte Expertisen­tätigkeit entfaltet, hat, wie einer Erklärung beS Geheimrats Pinber in benMünchener Neuesten Nachrichten' zu entnehmen ist, bet Leiter eines großen auswärtigen deutschen Museums wegen allzu

teils fest gegeben, teils in der Bewegung sich offenbarend, wild studiert. Der Strich des Bleis auf bem flachen Papier sucht diese Beschaffenheit zu erforschen. Sie haben wohl recht: das sind Dinge des Alphabets. Die Grammatik fehlt noch. Und die Syntax oder gar, was Ihnen als Stil vorzuschweben scheint, das find Künste, die nur dem Talent fich schenken, das sich übte. Diese Fibelbilder, die Schleifting eines flachen Streifens, die Austeilung in räumliche Verschlingung führt allmählich zu kom­plexeren Formen, die wie Stadien zu jenem Gebilde leiten, bem menschlichen Körper, das rätselhaft und schön dem Mister willig ist. .Die Schönheit des menschlichen Kör­pers ist unser Thema.' Damit ist gemeint: die Mode hat die Aufgabe, das Schöne in jedem menschlichen Körper sichtbar zu machen. Ta fängt dann die Grammatik an.

sehen Sie darum diese ganz einfachen Ueberkührungen einfach­ster Flächen in den Raum. Mäschchen! Aber spüren Sie nicht die Beglückung? Aquila bestia est. Der Adler ist ein Tier. DiesesIst' verbindet, wie die Erkenntnisse dieser Schnitte in den Stofs die Fläche durch eine einfache Biegung mit dem Raum verbinden. Es ist dasselbe. Es wird kopuliert. Diese

Der politischen Argumentation steht zunächst die Tatsache entgegen, daß man Deutschland nicht versteht. Ist eS so ver­wunderlich, wenn man in Frankreich sich den Kopf darüber zerbricht, was mit dem Deutschland von heute eigentlich ge­meint ist? Gewiß man kennt hier auch den sturen ChauvmtS- muS, aber wir glauben die eher belächelte Extstenz der Camelots du roi kann nicht genügen, ohne »ettereS die Sturm truppen des Herrn Goebbels zu begreifen. Begreifen wir sie selber? Müssen wir nicht besondere Untersuchungen an- 'teilen, Expeditionen wie in ein unbekanntes Land, um das Phänomen des National-SozialiSmuS zu erforschen?

Man glaube uns, wenn wir hier sagen, daß trotzdem die französische Bemühung, Deutschland zu verstehen, außerordent­lich ist. Im Grunde wird die Pariser Presse erst interessant unb betrugt, wenn sie etwas über Deutschland zu berichten hat. Welche Reportagen, was für Interviews! Heber die Reichs­wehr, über Stahlhelm, über Berlin, mit Seeckt, mit Hitler, mit Brüning und Curtius. Was ist nicht alles übersetzt wor­den, wieviel deutsche Romane laufen nicht in den Feuilletons der Zeitungen. Vorige Woche noch brachte der .TernpS citun langen Exkurs zu Jean Paul (nachdem er voriges Jahr r.och den Septemberwahlen in vielen Fortsetzungen eine Alta des Heinrich v. Kleist publiziert hat), die Zeitschrift .Le Crapouillot' ein SonderheftLes allemands (auf welche Reportagen wir noch zurückkommen werden). All da? ist wich­tig, nicht immer gut, jedoch immer diktiert von einem auf­richtigen Verlangen nach Verständnis. Aber damit ist niemals die politische Arbeit überflüssig geworden. Wahrscheinlich ist sogar das geistigeRappordement' gefährlich, falls man da­mit die politische Realität ersetzen möchte.

Als Folge dieser Ausschreitungen sollen im LandeSkrankenhauS 2 6 schwerverletzte Opfer bei Nationalsozialisten liegen. Die Braunschweiger Polizei hatte zuerst vor bem Hotel, in dem sich Hitler befand, uniformierte Beamte postiert. Als einer dieser uniformierten Beamten aber die von den nationalsozialistischen Sturmtrupps niedergeknüppelten und völlig unbeteiligten Straßen­passanten in Schutz nahm, soll Hitler die Sistierung dieses beamteten Polizisten verlangt haben, diesem Verlangen soll der nationalsozialistische Polizeiminister Dr. Franzen auch sofort entsprochen haben, außerdem soll Dr. Franzen die beamtete Polizei alsdann zurückgezogen haben, damit die natio­nalistischen Sturmtrupps unbehindert auf der Straße weiterwüten konnten. Es fei ein Skandal sondergleichen, daß auf Befehl eines staatenlosen Abenteurers wie Hitler deutsche beamtete Polizei durch einen nationalsozialistischen Polizeiminister in Deutschland zurück­gezogen unb tue Straße den Gewalttätigkeiten eines nationalsozia­listischen Sturmtrupps überantwortet werde. Der Redner fragte ben Reichsminister Dr. Wirth, wie er fich zu biefem unerhörten Fall verhalte. Wenn ber Reichsminister von Braunschweig Rechenschaft fordere, so müsse er Auskunft vom braunschweigischen Gesamt­kabinett verlangen, nicht aber von dem nationalsozialistischen Poli­zeiminister Dr. Franzen, dem gerichtsnotorisch nachgewiesen sei, daß er bereits einmal Amtspersonen belogen habe.

Reichsminister Dr. Wirth erwiderte, daß er lediglich durch die Presse Kenntnis von ben Vorgängen in Braunschweig erhalten habe, die auch et sehr eigenartig finde. Es werde bereits morgen ein Schreiben an die braunschweigische Regierung abgehen, worin um nähere Mitteilung ersucht werde.

Die übrigen Etatrpositionen der Reichsministeriums der Innern Wurden unverändert angenommen.

hier. Dabei wird demonstriert, wie trotz dieses einfachen Re- zeptes dasa ein kleines Sgunbei ist.

Dame: DaS in Paris selbstverständlich ist, in Deutschland jedoch Stoff für eine Serie von Kursen ergibt. Doch ich werde Sie nicht mehr unterbrochen.

E n t h u s i'a st : Als ob das Helle Wasserblau, bas spielende Silber, das Zinnoberrot dieser slachgelegten Schnittmuster wie eine chinesische Schrift sprechend, zusammen mit dem Weiß unb bem von Lichtern überhuschten Spiegeln nicht einen ganz natür­lichen unb noble Zartheit atmenden Raum ergeben Hütten. Auch Ihnen, verehrte Unbelehrbare, muß et Helles Entzücken entlocken.

Dame: Lassen Sie jetzt die Poesie und instruieren Sie mich.

Enthusiast: Nur wenn Sie willig find sich dieser Poesie zu öffnen. Dann schwimmen wir nämlich nicht im Trocknen, sondern gleiten ohne Lehrreglement in den Zauber dieser Schute. Davon müssen Sie nämlich doch ausgeyen unb nicht von Ihren Wünschen und Idealen nach dem hohen Schnitt einer Pariser Eleganz. Diese Schule verrät deutschen Mädchen eine Art von Geheimnissen. Es ist etwas wie Alchimie der menschlichen Eitelleit, die hier getrieben wird. Bevor man Gold macht, übt man mit einfacheren Elementen. Unb das Allerein­sachte, das es in der Mode gibt, ist jene wunderbare Verände­rung, die von Künstlern gekonnt und von Schülern erstrebt werden muß: die Fläche, in ber jeder Stoff, jedes Tuch sich bietet, in die Plastik, in den Raum um den menschlichen Kör­per herum zu überführen. Da w'.rd durch einfaches Zeichnen der Versuch gemacht, an diesen Vorgang ganz nabe heranzukom­men. Die räumliche Beschaffenheit des menschlichen Körpers,

Für die meisten hier zu Lande hat eine Rede wie sie jetzt der deutsche Außenminister vor dem Reichstag hielt, wenig ge- holsen, die Phantasie für die Aufgaben einer deutsch-fran­zösischen Zusammenarbeit anzuregen. Ebenso glauben jedoch die meisten, es werde durch derartige Reden (hüben und drüben) überhaupt noch praktische Arbeit geleistet. Man ist überzeugt, man müsse endlich ans Realisieren gehen und man ist wohl ebenso davon überzeugt, daß Frankreich es niemals weniger an Initiativen für solche Arbeit fehlen lassen darf. Allgemein sieht man in den Bemühungen Briands, den deutsch-polnischen Konflikt in Genf beizulegen, einen entschei­denden Akt der französischen Außenpolitik gegenüber Deutsch­land. Herr Briand kann sicher sein: hinter seiner Genfer An­strengung hat die große Mehrheit Frankreichs gestanden.

Noch also ist es nicht so weit, daß der französische Sparer sein Geld hinüber nach Deutschland langfristig verleihen wird. Aber es kann durchaus einmal soweit kommen. Die Bereit­schaft eine positive deutsch-französische Poli­tt! zu treiben, macht sich heute in Frankreich sichtbar. Die Genfer Verhandlungen, die Niederlage Dumats in der Kam­mer sind dafür klare Symptome. Gebe Gott, daß binnen kur­zem weitere Materien sichtbar werden, in denen die beiden Länder eine gemeinsame Aufgabe erblicken könnten.

weutauschen, wie sehr dem Stadttheater die Leitung durch eine junge unverbrauchte, energisch mpackende Kraft not täte. e.

Todesopfer gefordert. In der Ortschaft Giorpsa zerstörte eine durch den Wirbelsturm hervorgerufene Flutwelle zweihundert Gebäude, doch konnte man die Einwohner noch rechtzeitig in Sicher­heit Bringen. In vielen Teilen der Provinz Calabrien sind die Flüsse über die Ufer getreten und haben manche Ortschaft von dem Verkehr mit der Außenwelt vollkommen abgescheiitten. Weiter haben an vielen Stellen Landrutsche die Verbindungswege verschüttet und den Apfelsinen- und Zitronenvorräten schweren Schaden zugefügt. Der Verlust, ben die Bauern dadurch erleiden,

tochter zu retten. Während der zuständige Oberregierungsrat und Vorstand der KriminaJabteilune alles tat. die seltsame Ange­legenheit noch mehr zu verwirren, führte der einfache Arbeiter­sekretär die Sache zu einem guten Ende Später hat dann der Justizminister Timin, vielleicht unter Verwertung noch anderer Motive aus seinem Ressort, den ..kriminalistischen Blick'* des Oberregierungsrates in einer Komödie, die diesen Titel führt, zum eigenen und der Mitwelt Spaß porträtähnlich festgehalten Das anspruchslose Stück von ..Hans Brodau, das vor Jahren einmal

ab. Hier ein Brief, die beliebige, aber kennzeichnende Aeußerung eines NaziführerS; er schreibt:

Zu Ihrer Bemerkung betreffend sozialistischer Arbeiter­bewegung Antikapitalismus und wie Sie sich ausdrücken will ich Ihnen mitteilen: Lassen Sie sich doch nicht immer von dem Text unserer öffentlichen Plakate beirren betZweck heiligt die Mit­tel'. Welche Partei lockt nicht ihre Träger? Sind Sie versichert, mein verehrtester Herr Direktor! wenn Ihnen um Ihre Zukunft bange ist (bezüglich Ihres zur Zeit schwankenden Unternehmens), dann sind Sie nirgends besser geborgenals bei unserer NSDAP. Gewiß -- es sind Schlagworte wieNieder mit bem Kapitalismus',Juden' usw., aber selbige sind notwendig . .

Man könnte nun, wenn man an Hitlers Aussprüche über Frankreich, die Juden, die Sozialisierung denkt, an ein Ein- lenken glauben; könnte meinen, der Machtumschwung, die Aussicht, aus der Opposition zur Regierung zu kommen, dämpfe den Radikalismus. Das wäre, sofern man vom ein­zelnen auf die Mehrheit schlösse, ein Irrtum. In Versamm­lungen, Zeitungen, Büchern wird weitergehctzt. In der Ju­den-, der Aoungplansrage gibt es keinerlei Umrehr. Einzig feint Sozialismus; da allerdings scheint ein Rückzug der Verrat des Programm? und der Arbeiterklasse gewiß; was auch der Schichtung dieser Partei entspricht.

(Weitere Artikel folgen.)

Politisierende Jugend.

(Drahtmeldung unseres Korrespondenten.)

G München, 25. Febr. Gegen die Politisierung der Jugend­lichen im schulpflichtigen Alter hat die bayrische Unter­richtsverwaltung in Durchführung ihres Verbolz vom Jahre 1924 die Weisung erlassen, daß gegen Personen, die Schul­pflichtige entgegen cem Verbot politischen Organisationen zu­führen, wegen Störung und Gefährdung ber Erziehungsarbeit der Schule Strafantrag nach Artikel 58a des Polizeistrafgesetzbuches zu stellen ist- Wie bie Ministerialverfügung sagt, handelt es sich in erster Linie um dir politischen Verbände, die, wie bie Jungmannen der Hitlerjugend, der Vortrupp des Reichsbanners und die kommunifttschen Jungpioniere und Rote Jungschar dazu geschritten sind, gesonderte Abteilungen für Jugendliche im schul, pflichtige» Alter einzurichten.

Nationalsozialistische Demonstratio« vor der Kölner Universität.

(Privattelegramm derFrankfurter Zeitung'.)

52 Köln, 25. Febr. Heute vormittag kam eS vor der Kölner Universität und im Dorraum des UniversitätSgebäudeS zu einer nationalsozialistischen Kundgebung, die gegen 1 Uhr mit Polizei­gewalt beendet wurde. Die Kundgebung richtete fich insbesondere gegen einen ZeitungSverkäuser, der dieFrankfurter Zeitung' ver­kaufte. Gleichzeitig gingen die Demonstranten auch gegen sozia­listische Studenten vor, bie Flugblätter gegen ben Nationalsozia­lismus verteilten. Kurz nach 1 Uhr drangen bie Nationalsozialisten in den Vorraum ber Universität ein unb sangen dort national­sozialistische Lieber. Die RufeDeutschlanb erwache' wurden von anderen Studenten mitNieder Hitler' beantwortet. Der Rektor erreichte es aber, daß der Vorraum der Universität ohne Zuhilfe­nahme der Polizei geräumt wurde. Gegen %2 Uhr verstärkten sich die Tumulte vor der Universität, so daß bie Polizei ben Platz von den Denwnstranten räumen mußte.

Schluß der rnropaische« Getreidekonferenz.

(Drahtmeldung unserer Korrespondenten.)

Paris, 25. Febr. Die europäische Getreidekonferenz ist heute mittag zu Ende gegangen. Die Konferenz stellt in ihrer Schluß­resolution fest, daß der G e t r e i d e ü b e r s ch u ß in den Ländern von Mittel- und Osteuropa nur einen schwachen Anteil der Ge- treideeinfuhlbedarfs der übrigen europäischen Länder darstelle. Die Resolution bemerkt ferner, daß die Konferenz gewisse Richt-

Etat des Innenministers im Hanslfaltsansschntz

Abstriche. Aus dem Reiche des Polixeir«i«isters Franzen.

(Privattelegramm ber »Frankfurter Zeitung'.)

Uraufführungen.

Augsburg:Der kriminalistische Blick von H. Brodau und A. Ham ik.

Johannes Timm, einer der Führer der bayerischen Sozial­demokratie, Landtagsabgeordneter und zeitweise Justizminister, hatte etwa um 1900 ein komisches Erlebnis mit der Münchner Polizei. Seine Arbeit in der Partei brachte es mit sich, daß er

Sparer zwingen, sich am deutschen Schicksal zu beteiligen, machen eine falsche Rechnung auf. Kann man ihn aber über­zeugen? ,

Da8 ist die Frage. Sicherlich vermögen diejenigen Kreise aus der französischen Finanz und Jndusttie, die von der Jcot- Wendigkeit einer französisch-deutschen Zusammenarbeit durch­drungen sind, es nicht allein, ihre Erkenntnisse der großen Masse des französischen Volkes klarzumachen. Schon allem deshalb, weil sie kaum auf die Hälfte des Landes entwirren könnten, die andere die ackerbautreibende k^cht ftzwlo- gisch völlig außerhalb der durch Industrialisierung bestimm­ten Bereiche. Rein volkswirtschaftliche Ueberlegungen bleiben ihr sremd. Der Bauer, der Reine Handwerker, also der Mann aus' der Provinz, sieht den sogenannten Zwang ökonomiicher Gesetze keineswegs ohne weiteres ein. ,Menn man dem Turch- chnittsfranzosen von ökonomischen Gesetzen spricht, ist sem« erste Bewegung ein Lachen, wie jemand lacht, der sich mcht hereinlegen läßt.' (21. Siegfried.Tablean des partis en France/) Man müßte daher schon eine allgemeinere eine politische Argumentation anwenden, wollte man den Durch- chnittsfranzosen zu einer tätigen Hilfe für Deutschland als welche sich ihm langfristige Kredite darstellen bewegen.

Kind sie guten

Gm politischer Silualiousberichl aus Paris

(Don unserem Korrespondenten.)

: Hinreißend, meine Gnädigste.

F. T. G.

(Wirb fortgesetzt.)

sich eines Falles anzunehmen hatte, bei dem ein Pfälzer Pri- vatierseohn auf Betreiben seines Vaters regelrecht aus München entführt wurde, um ihn vor der Heirat mit einer Schlossers- *

linken auSgearbeitet habe, um den Absatz deS Getreideüber- schusseS aus den genannten Ländern nach den übrigen europäischen Staaten zu ermöglichen, daß aber die Abkommen angesichts bet Verschiebenheit ber Verhältnisse von ben einzelnen Ländern ge­troffen werben müßten.

Wir werden auf die Einzelheiten der Arbell dieser Konferenz noch näher eingehen.

Aussprache über die Maßnahme« Mr UerbiUignttg der laudnrirtfchaftlichr«

Kredite.

Berlin, 25 Febr. (Wolff.) Heute vormittag fand unter bem Vorsitz beS Reichskanzlers Dr. Brüning eine erste eingehende Aussprache mit Vertretern ber landwirtschaftlichen Zentralkredit­institute unb deS ReichSvetbandes ber deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften Raiffeisen statt, um Maßnahmen zur Ver­billigung ber lanbwirtfchaftlichen Kredite auf organisatorischem unb sonstigem Gebiete zu erörtern. An bieser Besprechung nahmen bet preußische Ministerpräsident Dr. Braun, bie Reichsminister Dr. «Spiele und Treviranus, ber ReichSbankpräfibent Dr. Luther, der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen unb Forsten Dr. Steiger sowie bie Staatssekretäre Dr. Geib, Dr. T r e n b e l e n b u r g unb Dr. Schäffer mit Vertretern ber zuständigen Ministerien bes Reichs unb Preußens teil. Die Aus­sprache befaßte sich mit ben gegenwärtigen Zuständen auf bem Gebiete des landwirtschaftlichen Kreditwesens und ergab liebet« einftimmung darüber, daß beschleunigt weitere Erörterungen an­gestellt unb auf ihrer Grunblage bie erforberlichen Maßnahmen getroffen werben sollen.

Poflttsch bleiben wir jedoch dem Durchschnittsfranzosen vorläufig noch ein Rätsel. Er selber hat für, die gesamte Außenpolitik nur eine einzige Maxime, die heißt:Sicher­heit'. Er fft in dieser Maxim« gefangen unb begreift nicht, daß der Abschluß des Krieges unter dem TitelVersailles' eine ewige Unsicherheit geschaffen hat, insofern er die Schei­dung zwischen Sieger und Besiegten sakrosanft machen möchte. Man kann sagen, daß diese Tragweite von Versailles auch heute noch dem Durchschnittsfranzoscn nicht klar geworden ist. Er fühlt sich tief im Innersten seines Lebens als n ich t aggressiv und er begreift die Deutschen nicht, deren jede Regung, jeder Wunsch ihn zu bedrohen scheinen. Er hat also, und das ist so wichtig und muß völlig klar erkannt werden, ein gutes Gewissen. Schwerlich kann es deshalb ge­lingen, auf ihn eine moralische Pression auszuüben und ihn zu zwingen abzurüsten. Wir brauchen hier den circulus vitiosus nicht noch einmal zu enthüllen, den diese ganze Abrüstungsdebatte über DeutschlandFrankreich beschreibt. Wichtig im Zusammenhang dieses Aufsatzes bleibt nur die Tatsache, daß der Durchschnittsfranzose für die deut'ch-sran- zösische Politik nur dann eine Aktivität aufbringen wird, wenn noch etwas anderes zum Thema steht als die Abrüstung allein.

B. R. Paris, 23. Februar.

Die Beteiligung ftanzösischer Banken an der Beinen Finanz­operation, durch die der Rcichskasse eine Erleichterung zuteil wurde, ist also unter Dach. Im Grunde kann man noch nicht einmal sagen, es hätte viel Mühe gekostet. Was unter «teeg begonnen war, wurde unter Laval mit Anstand und ohne Zögern erledigt, der Quai d'Orsay war von Anfang an s u r die Transaktton zu haben und die französischen Banken mach­ten mit. Daß sie sich vorher bei ihrem auswärtigen Amt er­kundigt haben, kann niemand erstaunen, der die Vorsicht fran­zösischer Finanzgebarung kennt. . Ä

Die Beteiligung französischer Banken an einem Kredit für Deutschland hat auch im Parlament im Grunde keinen Wider­stand gesunden. Der nationalistische Abg. Dumat, eine Art enfant terrible der Kammer, erntete beinah so etwas wie einen Heiterkeitserfolg, als er durch feine Jnterpellatton zu protestieren gedachte. Und die 511 Stimmen, die sich gegen 11 (kommunistische) Stimmen den Tagesordnungswünschen dtt Regierung anschlossen und damit die Jnterpellatton tatsächlich erledigten, lassen keinen Zweifel, daß die Kammer in ihrer Gesamtheit jede Chance einer vernünftigen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland wahrnehmen will.

Zum erstenmal also seit der panikartigen Flucht franzö­sischen Kapitals aus Deutschland nach den Septemberwahlen rollen die goldenen Boten wieder über den Rhein. Ist es zu­viel gehofft, wenn man sagt, sie sollen anfiinbigen, daß die Franzosen guten Willens sind?

Erbitterung durch. Er hat Schwung in der Rede und im Haß Glut. Gegen ihn kommt der Münchener Machthocker, Rosenberg, Reichspresseches und Chefredakteur des »Völ­kischen Beobachters", trotz seiner Stellung nicht auf. Er ist Balte, ganzHerrenmensch', antisozialistisch. antikirchlich, ja antichristlich; Judenfresser, Propagator des Ostprogramms. Alleswisser, dilettierender Philosoph; insonderheit: Souffleur Hitlers. Neben ihm stehen die andern: Feder, der Parier papst, berüchtigt durch seine Geldschiebung beim Hitlerputsch; Gregor Strasser, Frick, Goering, Buchner, Graf Reventlow und die Hunderte mehr oder minder bekannter Führer.

Das Doppelspiel, wie es Hitler treibt, ist auch hier, bei den Mitkämpfern, üblich. Auch hier Rafft der Widerspruch. Sie wollen Beseitigung derunsittlichen' Immunität, aber decken durch sie ungescheut grobe Vergehen, brutalste Belei­digungen. Noch nie ist die Straffreiheit so gewissenlos und so maßlos mißbraucht worden. Sie rühmen sich ihresFront­geistes'. Jeder Volksführer, Minister und Abgeordnete sollte, so forderte Gregor Strasser, Frontsoldat fein.Prominente" aber der eigenen Partei waren nicht an der Front; weder Goebbels noch Rosenberg, weder Frick noch Graf Reventlow. Sie bringen auf sittliche Neugeburt und fördern bie Ver­rohung ber Sitten; nehmen Mitglieder auf, die gerade in d e r Hinsicht anrückig sind. Sittlichkeitsverbrecher fehlen nicht. Wucher, Erpressung und Raubmord weist ihre Strafliste auf. Sie schwören zum Sozialismus und leugnen ihn gleichzeitig

Natürlich die Summe, um die es sich dichte, und die Snze Konstruktion des Kredites ist für dieses tätlich ringende eutfchland ein Tropfen, der kaum kühlt. Langsristig müssen die Gelder sein. Das wissen alle, selbst die Bcuck von Frank­reich. Hat sie nicht in ihrem Jahresbericht zugegeben, es läge im eigenen Interesse Frankreichs, das viele Gold auf längere Dauer zu verleihen?Mr sind namentlich davon überzeugt, daß es jetzt notwendig ist, die langfristigen Darlehen an das Ausland zu erleichtern, welche ebenso wie vor dem Kriege die normale Absatzmöglichkeit für den französischen Kapitalüberschuß darstellen " Aber damit ist es nicht getan. Immer wieder sollte man sich klarmachen, wie die Gelder, die hier in Frage kommen, die Gelder deS kleinen französischen Sparers sind. Die Banken samt dem führenden Noteninstitut müssen auch mit ihren vernünftigsten Ueberlegungen ohnmächtig bleiben, wenn sie nicht ihre Klien­ten eben den kleinen französischen Kapitalisten, den Sparer, den Rentner davon überzeugen können, daß er sein Geld sicher anlegt, wenn er es langfristig etwa Deutschland anver­traut. Das französische Geld läuft nicht nach den Gesetzen des möglichst großen Gewinns' durch die Welt, eS läuft dahin, wo es am sichersten liegt. DaS heißt mit dürren Worten, «8 läuft nach politischen Erwägungen. Ahnt man, wie eminent französisch die Maxime deS Herrn Briand war, als er fein Europa-Projekt ausbreitete:Poiitique dabord?"

Man sollte sich den Franzosen nicht vorstellen als einen wohlgenährten Mann, ber bie Hand auf ben Geldbeutel legt und mißmutig auf die armen Leute ringsum niederschaut. Das 25crt von Herriot: ,Mir wollen nicht unser Wohlergehen auf dem dauernden Unglück der Nachbarn aufbauen*, hat den Beifall der ganzen Kammer gehabt. 2Benn der keine französische Sparer mißttauisch ist, so hat er eine Menge Gründe. Erstlich hat er fein Vermögen sauer verdient, durch Arbeit und Bedürfnislosigkeit. Der Concierge, der ein Leben lang sich abschuftet, um schließlich das Häuschen in der Pro­vinz kaufen zu können, ist immer noch typisch für den Einsatz, mit dem allein man in Frankreich aus dem Kampf umS Dasein zur Rentnerruhe gelangen kann. Der Hammer wird nut der Angel vertauscht, das ist alles. Das Geld ist für den kleinen Mann durchaus konkret; wenn nicht der Sparstrumpf, so doch ein Stück Land, ein Haus. Reichtum ist Besitz schlechthin, nicht jene dämonisch treibende Kraft, die sich um ihrer selbst willen vermehrt. Der Vorgang des langsamen, mühevollen Sparens ist wahrscheinlich von dem Geldverdienen etwa durch Betei­ligung mittels Mien, also ber Teilnahme am Dynamismus bes Kapitals völlig getrennt; zwischen Sparen und Ge­winnen tun sich psychologische Abgründe auf. Das ist der erste Grund, warum der französische Rentner zögert, fein Geld im Ausland anzulegen: Er fürchtet das Abstrakte des Ver­fahrens überhaupt, er wittert Spekuatton dahinter, Abenteuer.

Zum zweiten ist die Erfahrung mit den russischen Vor­kriegsanleihen noch nicht verwunden. Damals schien das eigene Interesse mit patriotischer Pflicht zusammenzugehcn. Reihenweise standen die Seinen französischen Sparer vor den Schaltern ber Banken, um sich einzuzeichnen. Damals hat er fich ein Herz genommen und sich an einer großen Gewinn­chance, bie ihm das Ausland zu bieten schien, beteiligt. Mit dem Resultat, daß er alles bis auf den letzten Centime ver­loren hat.

Aber selbst wenn die russische Enttäuschung nicht an ihm nagte, der kleine französische Sparer hat noch ganz andere Hemmungen zu überwinden, ehe er sich dazu entschließen wird, Deutschland auf lange Frist sein Geld anzuvertrauen. Nicht etwa, weil er ein Ressentiment gegen den Feind von gestern nicht los werden könnte; wahrscheinlich gibt es keine unzutreffendere Charakterisierung für den Franzosen als ihn Erbfeind' zu nennen. Aber der Beine Sparer fürchtet Deutschland, weil ereS nicht versteht. Nichts erscheint ihm unbekannter, dem Wesen nach unbegreiflicher als dieser , Nachbar. In sein ruhiges, einfaches Dasein können Abenteuer ' nur von einer einzigen Seite her einbrechen: von jenseits des ' Rheins. Aus welchem Grund sollte er bem gefährlichen Frern- . ben fein Geld anvertrauen? Sozusagen, um sich loszukaufen? Diejenigen, bie glauben, man könnte ben Beinen französischen

0 Berlin, 25. Febr. In der Abendsitzung der HauShattSauS- schusses der Reichstages wurde der Etat des Reichsministeriums des Innern wetterberaten. Angenommen wurde eine Entschließung des Abg. O. Dr. Schreiber (Z.), den Fonds zur Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs in der Höhe von 800000 Mk. so zu ver­teilen, daß 400 000 Mk. für die Bekämpfung ber Tuberkulose, der Geschlechtskrankheiten usw. und die anderen 400 000 Mk. allein für die Woholmißbrauch-Bekämpfung ausgeworfen werden. Auf Antrag deS Abg. Dr. G e r e k e (Landvolk) wurde ber gesamte Beitrag des Reiches für bie Deutsche Hochschule für Politik gestrichen. Ein Antrag auf Streichung ber Etats- Position des ReichSkunstwartS wurde abgelehnt. Angenommen würbe eine Entschließung beS Abg. D. Dr. Schreiber (Z.), auf bie AuS- wanderungSbewegung so einzuwirken, daß sie nach einheitlichen Ge­sichtspunkten geregelt wird und daß für die AuSwanderer- f ü r f o r g e im Ausland dem Reichstag Richtlinien vorgelegt wer­ben. Von bem Fonds zur Unterhaltung und Durchführung ber Technischen Rothilfe' wurden 100 000 Rink, gestrichen. Sie sollen nach einem angenommenen sozialdemokratischen Anträge zur einen Hälfte der Studentischen Wirtschaftshilfe, zur anderen der deutschen Kunst zugutekommen. Im weiteren Verlauf der Sitzung brachte Abg. S o l l m a n n (Soz.) die

Vorfälle in Braunschweig

zur Sprache. Dort haben nach Pressenachrichten nattonalsoziaklstische Sturmtrupps angeblich Polizeidienste verrichtet und habet jeden nie» bergeknüppelt, bet nach ihrer Meinung auf bet Straße nicht schnell genug an bem Lokal votüberging, in bem sich Hitler befanb. Die Sturmtrupps sollen auch in Privatwohnungen eingedrungen fein, Fensterscheiben zerschlagen unb Gewalttätigkeiten begangen haben.

in einem Münchner Saale von erwerbslosen Schauspielern gespielt wurde, soll den liebenswürdigen Reiz dokumentarischer UnmitteL barkeit besessen haben. Seine Uraufführung auf einer größeren Bühne wäre daher von Interesse gewesen: doch nur dann, wenn man dem Stück seine Eigenart beließ. Statt dessen wurde es von Anton Hamik ..theatergemäß bearbeitet, d. h. zur Posse' - , . ..

verzerrt Verlor die Komödie hierdurch schon Stil und Ziel- > stutnlkatastiophe hat eine zweite ben Sudteil Italiens, besonders strebigkeit, so tat die Aufführung im Augsburger Stadttheater die.Provinz Calabrien, heimgesucht. Nach Meldungen aui ein übriges, beides vollends aeszu tilgen. Man hatte ganz über-1« . . .. , « w l( r if r.;.r,r - t

sehen, daß nur ein zeitgemäßes Kostüm und ein sorgfältig ge- Reggio hat daS neue Unwetter, soweit disyer seMeyt, tuns zeichnete« Milieu die richtige Eins eUunz zu diesen um 1900 s ie- , lenden Vorgängen hätte geben können: schlimmer als das: der *7 Oberregierunesrat wurde ein würdiger Kunstakademieprofessor Hier * E S<tzbart der Arbeiterwkretär aber als ein rabiat gewordener Schneidermeister avs den Fliegenden Blättern gegeben. Hätte nicht die Persönlichkeit des anwesenden Autors den richtigen Sinn der Komödie verbürgt ee hätten grotesike Mißverständnisse entstehen können. So wurde der Abend noch durch die herz­lichen Sympathien, die das Publikum Johannes Timm entgegen­brachte. gerettet. Dies sollte aber, eine Woche vor der Neu­besetzung des Augsburger Intendantenpostens, nicht darüber hin-