Dreimalige Ausgabe

75* Jahrgang. Ur. 410

Erstes ^srgeublatt

Freitag, 8. Juni 1931

t

Das Arbritvlosenproblem iw Genf.

Mark

mit beispielsweise 820 Mark

Gehaltsempfänger

Ein

Monatseinkommen tvürde danach (vorausgesetzt, daß der nach

geben, impressionistisch zu malen.

Man hat im 20. Jahrhundert größere Entfernungen als die zwischen Deutschland und Italien zu überwinden gelernt

durch i« Lei- n. Die tnisse winn

bis 300

„ 700

„ 1000

„ 1500

Vollsitzungen wieder aufnehmen, um vor allem den Vertrag, rtt-t der Evangelischen Landeskirche zu verabschieden. Mit der Bera­tung soll auch das neue Pfarrbesoldungsgesetz verbunden werden. Die dritte Beratung wird am Samstag nächster Woche erfolgen.

H Konstantinopel, im Mai.

Wenn auch in der letzten Zeit das Epizentrum der Kurden­unruhen sich nach dem Irak verschoben hatte, wo der berüch­tigte Kurdenführer Scheikh Mahmud den regulären ira­kischen Truppen und den britischen Luftgeschwadern noch kürz­lich viel zu schassen machte, glimmt so ziemlich überall in dem Kurdengebiet die Revolte. Sowohl im türkisch-persischen, als auch im russisch-persischen Grenzgebiet erfolgen blutige Zu- lammenstöße mit den Kurden. In der Türkei herrscht vorläufig Sckweigen über die Vorgänge im Araratgebiet, dem Schauplatz des letzten größeren Kurdenaufstandes, jedoch ist der Umstand vielsagend, daß dies Gebiet als eine „verbotene Zone" erklärt worden ist, zu der niemand außer den dahin kommandierten Truppen Zutritt hat.

Das Kurdenproblem ist zugestandenermaßen ein Problem don internationaler Bedeutung, das nicht nur die direkt be­teiligten Länder — den Irak und Syrien, Persien, die Türkei und Rußland — nahe angeht, sondern auch die Mächte, die sich in Vorderasien strategische Positionen vorbereiten, also vor allen Dingen England und Frankreich. Einer der unmittel­baren Hauptinteressenten in der Kurdenfrage — die Türkei — hat das Bedürfnis empfunden, die Weltmeinung über den „wahren Charakter der Kurdenbewegung, wie sie seit dem Weltkrieg eingesetzt hat, und über ihre geheimen Triebfedern auszuklären" und hat dies in Form eines „Grünbuchs", das in Angora veröffentlicht wurde, getan. Bei dem bekannten tür­kischen Standpunkten der Kurdenfragc ist es weiter nicht ver­wunderlich, daß die Hauptanstifter der Kurdenunruhen

Alles das ist nicht lustig und nicht sehr interessant. Es ging, wie es gehen mußte. In Berlin behauptete sich Lieber­mann, auch er mit schwerem Verlust. Sein Realismus ent­blättert sich und verliert den spontanen Rhythmus. Immer­hin blieb er bei der Stange und bewahrte als Maler gegen das neue Berlin seine Haltung, unterstützt von dem Liberalis­mus seines Kreises, der auf diese milde Art die Opposition gegen die kaiserliche Kultur zu erkennen gab. Wenn eine spätere Kritik sich einmal entschließen sollte, ernster als der Lokalpatriotismus seiner heutigen Landsleute mit ihm um­zugehen und das Werk kritisch zu sieben, wird sie sich an den Boden, auf dem er stand, zu erinnern haben. Derselbe Um­stand entschuldigt die Ungleichheit in den Leistungen Corinths. Als man vor einigen Jahren kurz nach seinem Tode sein umfangreiches Oeuvre ausstellte, ergab sich ein Chaos. Man müßte viel mehr streichen als bei Liebermann, reichlich drei Viertel, aber dann bliebe ein Meister übrig, dem Liebermann nicht nahe kommt, und so, wie er nun einmal genommen werden muß, mit der Routine eines entlaufenen Akademikers, mit Roheiten und Banalitäten, bleibt er immer noch nach Maries unsere bedeutendste Erscheinung und die merkwürdigste. Nichts weniger als Europäer. Dafür hat er zu wenig Ordnung, ist zu eng mit seinem Dämon verbunden, nicht genug Herr seiner selbst. Er war der Malerei auf Gnade und Ungnade ausgeliefert und behielt nichts für sich übrig, wirkte im Leben wie ein verkleideter Germane der Vorzeit und hätte statt des Pinsels die Keule führen können. Da seine Aeußerung sich aufs Malen beschränkte, war der Mangel an Selbstkritik natürlich, aber dieselbe schicksalhafte Ge­bundenheit gab seiner Malerei unbegrenzte Ausdchnung. Keine Gattung versagte sich ihm. Er malte dramatische Be­gebenheiten, Landschaften, Blumen, Bildnisse und war der letzte, der eine Kreuzigung als Erlebnis gestalten konnte. Sein Zeus, seine Aphrodite, sein Orpheus nähern sich der Spelunke, aber gewinnen aus zerfranster Ueberlieferung glaubhafte legendarische Züge. Er bedurfte glücklicher Rausch­zustände und ahnte nicht, welche Höhe er in solchen Momenten taumelnd erklomm, und malte nach der Natur spontan erfaßte Landschaften, Entdeckungen eines begnadeten Auges. Sein Hamburger Hafenbild behauptet sich neben den schönsten Seine-Landschaften der Impressionisten. Die Franzosen rahmen ihre Eigenheit mit heimatlichem Kulturgut, und da­durch wird jedes Wagnis gesichert Der Landschafter Corinth

Müller nahm auch Albert Thomas gegen die englischen Angriffe in Schutz und erklärte, an der Spitze des Internationalen Arbeits­amtes brauche man einen entschlossenen Mann und keinen Lakai

Der Generalsekretär der christlichen Gewerkschaften, Sena­ten?, machte den Vorschlag, zeitlich begrenzte Abkommen für die Herabsetzung der Arbeitszeit abzuschließen. Ein solches Abkommen könne sich auf drei Jabre erstrecken, bis zur Milderung der Krise; es könne auch für bestimmte Industrien, z. B. für die Texlil-Jn- dustrie, auf 40 Stunden in der Woche geschlossen werden.

Die e n g l i s ch e n und a u st r a l i sch e n Arbeitervertreter ver­langten ebenfalls Verkürzung der Arbeitszeit, als Gegengewicht zur fortschreitenden Rationalisierung.

Ter füdaftikanische Arbeitgebrrvertreter Gern will, der im Namen der Ueberseemitglieder der VerwaltungsratK sprach, wandle sich gegen die Befugnis-Ueberschreitungen Mbert Thomas'. Der Ver- woltungSrat müsse selbst die Hauptleitung des Arbeitsamtes wieder in die Hand nehmen. Die Ueberseestaaten, die große Kosten für ihre Teilnahme an der internationalen Arbeiterorganisation aufbrächten, seien zu schwach vertreten. Im Verwaltungsrat besäßen sie unter 24 Mitgliedern nur sechs, obwohl sie 87 Vroz. der Gesamtmitglie­der stellten. Grotesk sei die Vertretung im Arbeitsamt, wo unter 300 ausländischen Beamten nur ganz wenig überseeische beschäftigt würden. Die Organisation dürfte nicht rein europäisch entwickelt werden.

302 Mark an Krisensteuer zu bezahlen haben, ein Kaufmann oder Handwerker mit gleichem Jahreseinkommen dagegen nur rund 130 Mark, also weniger als die Hälfte. Erst der private Bezieher von 20 000 Mark Jahreseinkommen würde an Krisensteuer den obengenannten Betrag des Angestellten zu tragen haben. Wer 1500 Mark Monatsgehalt bezieht, also ein Jahreseinkommen von 18 000 Mark, würde (immer unter Berücksichtigung des steuerfreien Lohnanteils von 1200 Mark) aufs Jahr gerechnet 588 Mark Krisenlohnsteuer zu entrichten haben, an hinzukommender Veranlagtenkrisensteuer außerdem 270 Mark, zusammen also zusätzlich zu seiner bisherigen Ein­kommensteuer noch 858 Mark, während der in gleicher Ein­kommens läge befindliche Gewerbetreibende oder Rentner nur 270 Mark zusätzlich zu leisten hätte.

Für die der Reichsversicherungspflicht unter­liegenden Gehaltsempfänger mit monatlich mehr als 300 Mark soll, wie angekündigt worden ist, ein weiteres hinzukommen. Während sie bisher die Beiträge nur für 300 Mark, die höchste Lohnklaffe der Arbeitslosenversicherung, zu entrichten hatten, sollen sie danach künftig, ohne daß ihr Anspruch an die Kasse eine Erhöhung erfährt, mit dem vollen der Versicherungs­pflicht unterliegenden Einkommen, also bis zu 700 Mark Monatsgehalt, zu dem Arbeitnehmeranteil von 3)4 Prozent herangezogen werden, während der Beitrag des Arbeitgebers nnveränoert gelassen wird. Statt der bei einem Monatsgehalt von 700 Mark bisher zu leistenden 9,75 Mark Beitrag würden danach künftig 22,75 Mark zu entrichten sein, aufs Jahr ge­rechnet also 156 Mark mehr. Dazu 1% Prozent Krisensteuer. Das bedeutet in seiner Gesamtbeanspruchung eine außer­ordentliche Härte, wie denn überhaupt die sehr viel schärfere Heranziehung der Angestellteneinkommen gegenüber allen an­deren Einkommen den Kampf erkennen läßt, her sich in den Beratungen der Fertiger der Notverordnung und hinter den Kulissen abgespielt hat. Senkung der Löhne und Gehälter auf der einen, Schonung der Kapitalbildung auf der anderen Seite, zugleich mit besorgtem Blick auf die drohende Gefahr neuer Kapitalflucht. So repräsentiert sich die in der Notverordnung vorgesehene Lastenverteilung in Wirklichkeit als ein weiterer Lohn- und Gehaltsabbau, vorgenommen diesmal von der Regierung im Wege der Besteuerung zu Gunsten der von dem Schicksal der Arbeitslosigkeit schwer betroffenen Opfer der Krise, zugleich zur Schonung und zweifellos sehr notwendigen Schonung der arg darniederliegenden Wirtschaft und ihrer noch vorhandenen Produktionsmöglichkeiten. Und so, aber auch nur so, muß sich das gewaltige Heer der von den neuen steuerlichen Maßnahmen hart Betroffenen mit dieser bitteren Tatsache abfinden: daß es gilt, schwere und schwerste Opfer auf sich zu nehmen, um noch schlimmere Gefahren nach Möglichkeit zu vermeiden.

Das eine und andere an relattv untergeordneten Einzel­heiten dieser vorläufigen Darstellung und Wertung mag sich, wenn erst der Wortlaut der Notverordnung vorliegt, noch verschieben; an dem Gesamtbild wird das aber voraussichtlich wenig ändern.

gewinnt seine Zuverlässigkeit, so scheint es wenigstens, mir aus der Intensität des umfassenden Blicks. Wer den Hasen in der Hamburger Kunsthalle sieht, glaubt, es werde vor bis dahin verborgenen Aspekten der Erde plötzlich der Vorhang weagerissen. Auch hier helfen latente Voraussetzungen mit, müssen mitspielen, sonst wären wir nicht imstande, das Ge­schaffene aufzunehmen; und es sind nicht nur Beziehungen zu einer Optik, die in Frankreich von vielen auf französische Art, hier von einem Deutschen auf seine Art realisiert werden. Auch dem Deutschen steht Kulturgut zur Seite, nur ist es weniger bekannt. Das Autodidaktentum unserer kleinen Land­schafter vor hundert Jahren, der Was mann, Blechen usw. erhält seinen späten Lohn. Wenn man will, kann man bis zu den Aquarellen Dürers zurück. Der Vorhang wird vor einem unbekannten Deuffchland weggezogen. Natürlich hat Corinth selbst nichts vow den stillen Helfern gewußt. Die Ungebunden­heit dieser Hilfe bedingt die erstaunliche Neuheit des Land­schafters, während der Zauber der Impressionisten zeitlich bedingter erscheint. Wendet man sich, wechselt im Nu die Gestalt, und aus dem Nachfolger des lyrischen Dürer wird ein Enkel Grünewalds. Ein sehr verwilderter Enkel. Die Entartung wird manchem schneller aufgehen als die latente Verwandtschaft, aber es fragt sich, ob wir eine nachdrücklicher betonte Verwandtschaft gelten lassen würden. War die Un­ordnung etwa Notwehr? Grünewald sticht nicht schärfer von der Renaissance ab als Corinth von Berlin, Protest gegen die Liquidatton einer Vorstellungswelt. Ein geschlagener Fahnenträger schleppt die zerfetzte Standarte aus dem Ge­tümmel.

Die anderen Zeugnisse liegen auf anderem Niveau und tragen wenig entscheidende Züge zur Bildung des Gesichtes bei. Leo von König setzt sachlich und mit Anstand die deutsche Bildnis-MÄerei fort. Näher bei Liebermann, aber ohne Liebermanns kühle Straffheit, Slevogt. Er möchte Berlin wärmen und gerät ins Flaue Noch einmal ein malender Graphiker. In seinen reizvollen Illustrationen spielt ein dem frühen Menzel verwandtes Barock. Die iffuftrierenhe Zeich­nung hat seit Chodowiecki zu einer bedeutenden, heute noch lebendigen Tradition geffihrt, der einzigen, deren sich Berlin rühmen kann. Rudolf Großmann ist einer der Repräsen­tanten, ein deutscher Dandn mit eigenem Esprit, witziger Literat, Maler von Disttnktion.

Ohne die gebotene Beschränkung wären viele begabte Zeichner zu nennen, vor allem die Humoristen, Nachfolger unseres großen Wilhelm Busch, dessen Knittelverse und Knittelstriche bis heute ihre Frische behalten haben. Den populären „Simplizissunus" redigierte "jahrzehntelang der Instinkt eines guten Europäers. Die meisten Humoristen kommen aus Norddeutschland nach München.

Nachdem uns Kulturen aller möglichen Zonen'-erschlossen wurden, bleibt nur noch übrig, Europa wieder zu finden« Paris war auch für die vielen Bewegungen des 20. Jahr­hunderts, die nicht nur von Franzosen geführt werden, das Zentrum und scheint heute mehr Sammelplatz kosmopolitischer Malermoden als Hauptstadt der französischen Tradition« Auch diese Burg Europas zerfällt und begnügt sich, den Er­oberern den traditionellen Geschmack mitzuteilen. Diese letzte Instanz erfreut sich immer noch eines gewissen Ansehens.

Deutschland hat die moderne Architektur und verwandte Gebiete befruchtet und trägt Wesentliches dazu bei, der Zivili­sation des Ingenieurs die Wege zu ebnen. In der Kunst wurden vor dem Weltkrieg die Pariser Moden mehr oder weniger geduldig mitgemacht. Das koloniale Berlin war für alle Experimente der geeignete Boden, namentlich für solche, die dem Rationalismus des Ingenieurs zusagten, unh kein Geschmack hinderte die Uebertteibung des Imports. Immer gibt es bei uns Outsider. In der Plastik Barlach und Lehm­bruck, zwei Inseln im Meer, von vollkommen verfchiedenec Vegetation, von ganz verschiedenen Wesen bevölkert. Bar­lach, Typ des nordischen Einsiedlers, ein übriggebliebener Gotiken Jede seiner breit in Holz gemeißelten Gestalten wehrt sich unerbittlich gegen die Gegenwart, und ihre Wucht überwindet fast ihren Archaismus. Noch einmal ein Protestler. Wilhelm Lehmbruck, ein Geistes-Verwandter von Maries, begriff Möglichkeiten der Plastik, die seit Gottfried Schadow nie gesucht wurden, und realisierte sie vollkommener, als es je vor ihm gelang. Seine in Paris entstandenen Frauenbüsten, Frauentorsos haben den Wohlklang griechischer Rundung, den Maillol wieder erweckte, gebenedeite Geschlossenheit Maillol bat bei uns viele Ableger gefunden, mehr noch als Rodin, und während Rodin Verwüstungen anrichtete, wirkte Maillol eher einschläfernd und geleitete unsere Bildhauer sanft in ein mehr kunstgewerblich zu wertendes Hesperien, Lehmbruck hat nichts mit dieser Schule zu tun. Er verband das Rund mit einer Gewalt des Ausdrucks, die Maillosi nicht zugänglich ist und deren ein Maillol nicht bedarf. Noch ein­mal, und in einem jungfräulichen Material der Versuch, den Norden zu dem Süden zu bringen.

In den folgenden Werken Lehmbrucks gewinnt der Norden das Uebergewicht, und der Ausdruck drängt die gelassene Fülle zurück, natürliche Reaktion eines Menschen, der seine Zeit miterlebt und für die Gelassenheit keine Verwendung besitzt. Die Gebärde neigt zur Gotik, derselben Gotik, der auch Rodin auf seinen vielverschlungenen Pfaden nachging, der Rodin der Bourgeois de Calais. Lehmbruck abstrahiert energischer. Nichts von impressionistischer Plastik. Die große halbkniende Frauen­gestalt, 1911, in Paris entstanden, ist ein Bau von atem« hemmender Kühnheit. Die von der Kathedrale entblößte Ge­bärde enthüllt ihre Hoheit.

Ob es ihm gelungen wäre, die Kurve seines Anstiegs zu vollenden? Die Heimkehr scheint ihm nicht förderlich gewesen

Als Haupt- und Kernstück des steuerlichen Teils des Brüningschen Sanierungsprogramms bezeichnet -unsere Ber­liner Meldung die durch die- Notverordnung einzuführende „Krisensteuer". Und das mit Recht. Denn sie soll mit einem auf 400 Millionen Niark geschätzten Ertrag weitaus an der Spitze der zu schaffenden neuen Mittel sieben. Diese Krisen­steuer stellt eine weitere zusätzliche Einkommens­belastung dar, aber in ihrem Aufbau wie in ihrer Wir­kung in ganz anderer, ungleich einschneidender Weise, wie das bei den Einkommensteuerzuschlägen der Notverordnung vom Sommer v. Js. der Fall war. Diese Zuschläge sollen nach den bisherigen Verlautbarungen neben der regulären Einkommensteuer bestehen bleiben. Sie werden aber ergänzt durch die Krisensteuer der nichtbeamteten Lohn- und Gehalts­empfänger sowie durch eine Sonderkrisensteuer für die ver­anlagten Einkommen. Man hat es also bei der jetzt zu ver­ordnenden Krisensteuer mit 5toei Arten zusätzlicher Ein- kümmensbelastung zu tun: mit der S 0 ndersteue r, die nur von den privaten Lohn- und Gehaltsempfängern erhoben wird (die Beamten, erfahren statt dessen die neue Gehaltskürzung) und mit der Sondersteuer auf die veranlagten Ein­kommen, die obendrein auch diejenigen Lohn- und Ge­haltsempfänger trifft, auch die Beamten, die mit einem Ge­samtjahreseinkommen von wehr als 16 000 Mark der Ver­anlagung unterliegen.

In die Augen springt vor allem der differenzierte T a r i fa u f b a u. Während die Krisensteuer der Lohn- und Gehaltsempfänger sehr scharf ansteigend gestaffelt ist und bei 3000 Mark Monatseinkommen den Höchstsatz von 5 Prozent erreicht, verläuft die Staffelung bei der Sondevsteuer der Ver­anlagten ungleich weitläufiger und gemächlicher. Sie beginnt mit einem Prozent bei Einkommen bis 8000 Mark, während sie für Löhne imd Gehälter bei einem Einkommen von wenig darüber bereits 3y> Prozent erreicht und endigt mit 4 Pro­zent bei einem Einkommen von über 1 Million Mark.

Zum Vergleich stellen wir die beiden Tarife noch einmal einander gegenüber (die Darstellung in der vorausgegangenen Nummer hatte bei der Veranlagtensteuer die zweitletzte Staf­fel versehentlich fortgelassen):

. 1 Proz.

. 1.5 „

. 3.5 „

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1 45 „

- 0 „

at von x vor besagt •jahrs- ngen

Neben kleineren Vorlagen und Anträgen sollen auch die neuen Siedlungsgesetze zur Beratung gestellt werden, die eine Aende- rung des Landesrentenbankgesetzes und der gesetzlicken Bestim­mungen über das Kreditwesen für die ländliche Siedlung um­fassen.

Der Aeltestenrat wird am Montag die Frage zu entscheiden haben, wann der Landtag zu seiner letzten Tagung vor der Sommerpause zusammentreten soll, um die Vorlage deS Staats­ministeriums über den Volksentscheid zu beraten. Man rechnet damit, daß diese Tagung in der Woche vom 22. bis 27. Juni stattfinden wird.

FranMsche Kuftschiffahrtskorrtroüe in Polen.

Warschau, 3. Juni. (Europapreß.) Der französische Suff» schiffahrtsinspektor, General Herbault, ist heute in Warschau eingetroffen, wo er bis zum 11. ds. Mts. bleiben und die polni­schen Fliegerabteilungen besichtigen wird.

Kurden und Armenier

Gin türkisches Grünknch.

(Von unserem Korrespondenten.)

Vergiftung durch Klausauresteine

(Drahtmeldung unserer Korrespvndent-em.)

SS Sein, 4. Juni. In dem Dorfe Wahn sind eine Anzahl Schulknaben und eine Arbeiterfrau unter merk­würdigen Vergiftungserscheinungen erkrankt. Die Untersuchung im Krankenhaus ergab, daß es sich um Vergiftung durch Einatmen von Blausäuredämpfen handelte, die durch Blausäuresteine, die auf dem früheren Schießplatz auf der Wahner Heide zerstreut liegen, herrühren. Die Steine entwickeln heftige Dämpfe, sobald sie mit Feuer in Berührung kommen. Ein Schuljunge hatte ein kleines Feuer angezündet unb einen Blau­säurestein hineingeworfen; er und seine Gefährten wurden nach kurzer Zeit bewußtlos.

In diesem Zusammenhang muß daran erinnert werden, daß vor etwa zwei Jahren etwa 20 000 Kilo Blausäure st eine, die aus den Beständen des Weltkrieges stammten, in eine große Be- tongrube versenkt wurden, um damit jeder Gefahr Einhalt zu ge­bieten. Es scheint aber, daß diese Betongrube noch nicht die not­wendige Sicherheit bietet. Es wäre immerhin möglich, daß bei einem Waldbrand auch die Betongrube in Mitleidenschaft gezogen wird, so daß die Blausäure ihre tödlichen Dämpfe entwickeln könnte. Bereits früher ist auf diese. Gefahr wiederholt hingewiesen worden.

Pom Preußische« ßo«dtog.

(Privattelegramm der „Frankfurter Zeitung".)

Die Krisensteuer der Notverordnung

Eine vorluusige Betrachtung.

1 Proz.

1.5 „

2 „

2.5 „

3 ,,

3.5 „

4 „

Jahres- Veranlag-

Einkommen tensteuer

bis 8000 Mark „ 20 000 „

„ 100 000 „

„ 250 000 „

„ 500 000 „

„1 000 000 „

darüber . . .

Monats- Krisen- Einkommen lohnsteuer

Der deutsche Afitrag zur Kunst Kuropas.

Von I. Meier-Graefe.

VI.*)

Das neue Gesicht.

groß wie möglich.

Kein Wunder, daß hart neben dieser Romantik ein plat­ter Naturalismus wucherte. Je weiter sich Böcklin in die Gefilde der Seligen verlor, desto nüchterner gebärdete sich der Norden Menzels. Um der verdorbenen Atmosphäre Mün­chens zu entgehen, zog Leibl aufs Land und hatte bald gar keine Atmosphäre um sich, ergab sich einem zeitlosen Handwerk, dessen kleinliches Gefüge nur geringe Reste von dem Genossen Courbets übrig ließ. So ging es fast allen. Bei Trübner ver­breiterte sich der Strich, nur nicht die Anschauung, und der Anspruch sank auf ein Minimum. Je mehr die Kunst abnahm, desto rühriger die Beschäfttgung mit ihr. Die Nachftage nach Bildern gar nach Qualitäten. Deutschland erhielt Lieb­haber. D io den Bedarf nicht im Inland decken konnte, führte m Paris vortreffliche Bilder ManetS und seiner 7 *y V- > 198, 221, 263, 323 und 366.

s/lf r

Maren es französische Flieger?

Wrivattelegramm der ,Fran kfu rt er Zeitu n g".)

Berlin, 4. Juni. Eingehend wird nachgcprüft, ob es sich bei der Ueberfliegung deutschen Gebietes an der friesischen Küste tat­sächlich um französische Flugzeuge gehandelt hat. Möglich wäre eine Verwechslung mit holländischen. Die Kokarden der beiden Länder haben ja die gleiche Farbe, wenn auch in anderer Zu­sammenstellung. Die Beobachtungen der Marinestellen und die von Privaten, sprechen alle von französischen Fliegern. Die Marine- leitunz hat über alle Beobachtungen schriftliche Zeugenaus­sagen eingefordert, die den zuständigen deutschen Stellen weiter­geleitet werden. Die Annahme, daß die Flieger von einem offi­ziellen Besuch in Dänemark zurückkehrten, ist deshalb wenig wahr­scheinlich, weil in solchen Fällen, bei denen mit der Möglichkeit eine« UeberfliegenS deutschen Gebietes gerechnet werden muß, vor­her eine Anmeldung eines solchen Fluges bei den deutschen Be­hörden zu erfolgen pflegt, was bisher aber nicht geschehen ist.

Die direkte Ueberfliegung deutscher Küstenbefestigungen, noch dazu in geringster Höhe, bedeutet einen der schwersten Verstöße, die auf dem Gebiete der Grenzverletzungen durch fremde Flugzeuge in der letzten Zeit vorgekommen sind.

Auf der Fuhrt uuch Chequers.

Cuxhaven, 4. Juni. (Wolff.) Der Hapag-Tamvfer „Ham­burg", mit dem Reichskanzler und Reichsminrster an Bord, ist um 11.30 Uhr von Cuxhaven in See gegangen.

Zettungsuerbot.

Wegen Beleidigung Dr. Friedensburgs.

(D Kassel, 3. Juni. Der Oberpräsident der Provinz Hessen- Nassau bat heute abend das nationalsozialistische Partei­organ „Hessische Volksmacht" mit sofortiger Wirkung wegen Beleidigung und Verleumdung des Regierungspräsidenten Dr. FriedenSburg auf die Tauer von vier; Wochen verboten. Außer­dem hat der Regierungspräsident Strafantrag gegen den ver­antwortlichen Schriftleiter des Blattes gestellt.

Purlumeulsuuflusuug iu Ungar« am 16. Juni.

Budapest, 3. Juni. (Europapreß.) .Az Est" mAdet, daß in einer vertraulichen Besprechung, an der auch Ministerpräsident Graf Bethlen teilnahm, beschlossen wurde, daS Parlament am lb. Ium aufzulösen und die Neuwahlen für die Woche vom 27. Juni bi. 5. Juli auszuschreiben.

GESCHÄFTSSTELLE!! und Generalvertretungen Frankfurt a. M., Große Eschenheimef Str.31-37, Schiller:;tr.l8-24. Berlin W% Potsd. Str. 133 (TeL B 2 Lützow 3981), Hamburg, Gr. B ackerst r.9, Köln a-Rtu* Kln.-Junkersdorf, Vogelsangerweg 36 u. Kaiser-W ilhelmring 10, Hannover, Podbielskistraße 31. München, Pe» rusäst raße 5 und Emeranstraße 20 Stuttgart, Poststraße 7, Leipzig W 33, Goetzstr. 2, 1. Wien I, Wollzeile 1t, Zürich, Bahnhof st r. 78, Paris 8,44, Rue de Lisbonne, London S. W. 1,25, Eve« lyn Mansions, Carlisle Place, Haag« Voorburg, Dr. Blookerstr.21, Brüssel, 47, Rue Montagne aux Herbes Pota» geres, New York,164 Fifth Avenue, — Anfragen u. unverL Einsendungen ist Rückporto beizufügen.

Verlag und Druck: Frankfurter Societäts - Druckerei G. m. b. H.

1 Genf, 4. Juni. (Europapreß.) In der allgemeinen Aussprache der Internationalen A rb e i t s k o n f e r e n z über die ArbeitSlosiokeir kamen am Donnerstag hauptsächlich Arbeitervertre- ter zu Wort.

Ter deuffche Gewerkschaftsführer Hermann Müller be­zeichnete die Vorschläge des AmteS: Internationaler Arbeitsnach­weis, Verbesserung des DanderungSwesens, Arbeitslosenversicherung und öffentliche Arbeiten als ungenügend. Diese Mittel würden schon seit Jahren in allen von der Arbeitslosigkeit betroffenen Ländern angewandt, ohne zu durchschlagenden Erfolgen geführt zu haben. Man dürfe nicht, wie der Bericht Thomas es tue, zu viel Diplo­matie treiben, sondern müsse dem liebel an di« Wurzel gehen. Ta die Arbeitslosigkeit im kapitalistischen System eine Dauererscheinung sei, müsse sie durch eine dauernde Verkürzung der Ar- h e i t s z e i t ausgeglichen werden. Man müsse die allgemeine Her­absetzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche und die Kauffrasffteigerung der Rcallöhne durch Preissenkungen herbeisüb- renl Die Unternehmen betrieben heute eine selbstmörderische Polittk, indckn sie eine Politik der Lohnsenkung anstatt der Preissenkung verfolgten. Kartelle und Truste hätten sich als ein Hindernis für die Preissenkung erwiesen und nicht wie man früher in sozial­demokratischen Kreisen gehofft habe, als ein regulierendes Mittel im Wirtschaftsleben. Wenn eS nicht gelinge, die Krise zu mildern, sei das ein Beweis gegen die Eristenzberechttgung des kapitalistischen Systems und werde zum Bürgerkrieg und zur Anarchie führen.

TAglkb drei Ausgaben, Sonntags and .— .

Montags zwei Ausgaben Beilagen: . »M jfl

Das ledmisdie Blatt Literatnrblan. HMI

Fär Hoch schale und Jagend. Sport- ( - -

MßFrankstrrlerZeüuna

KäIÄS; (Tr.akfurterHA-delMeitu.g) | Und ÄaNdklsblatt (Se.eFrankfurterZeLtuug)

. Beyrtndet Ton Leopold Sönnern tun

Störungen d. höh. Gewalt od. Aasstand Femsprech-Sameel-Nr.: Ortimrf 2 0202. Fernruf 20301 - Telegramm»- Zeitung Frankhirtmain - Postscheck: Frankfurt-M 4430

berechtigen nicht zu Ersatzansprüchen. . .. - ____ __ .... -

früherer Ankündigung freizulaffcnde lohnsteuerfreie Betrag

Berlin, 4. Juni. Der Landtag wird am Montag seine mm 1200 Mark berücksichtigt wird) aufs Jahr gerechnet rund

Ein paar Jahre nach 187k) ändert sich das Gesicht der Genossen ein. Unter, ihrem Einfluß hat man sich daran be- deutschen Kunst. Landschaften, schlichte Bildnisse, stille Har­monien enffprachen nicht dem neuen Repräsentationsbedarf. und bte sachte Entwicklung einer lediglich auf Ausdruck der Form angelegten Malerei ging für Leute, deren Nerven der Erfolg spannte, zu langsam. Man brauchte lautere Akzente, wünschte den Unterschied zwischen dem verschlafenen Deutsch­land der Dichter und Denker und dem Machtbewußtsein des neuen Reiches bildlich verkörpert und die nationale Gesinnung stärker betont. Da den Gebildeten mit allzu ungesuchten Inter­pretationen dieser Wünsche nicht genügend gedient war, griff man zu einer fabulierenden Mystik, die dem meta­physisch angehauchten Gemüt zu denken gab und doch genügend durchsichtige Kraftsymbole erlaubte. Der Fall Böcklin. der Fall Klinger, der Fall Thoma, hundert andere Fälle, nicht nur in der bildenden Kunst. DaS Gemeinsame: Verkennung der Art und Grenzen der Gattung und der eigenen Kraft. Man kann sich kosmisch gebärden und ein schlechter Europäer sein. Genügt die Musik nicht für alle Einfälle einer zügellosen Persönlichkeit, wird ein Gesamt-Kunstwerk geschaffen, und der Mensch wird Uebermensch. Wie Wagner sein Musik-Drama, so, nur mit geringerem Können, malt Böcklin Farben-Dramen. Der Im­perialismus in der Kunst. Böcklins Phantasien wirkten um so sicherer, als sie anfangs vom Bürger abgelehnt wurden und eine geistig orientierte Minorität sammelten. Seine Bil­der machen in München Schule, während der Kreis Leibls schnell zerfällt. Es kommt zu den alten Trugschlüssen aus der Zeit der Klassizisten und Romantiker, nur ohne Archäologie und mit maßloser Prätention. Man malt Adam und Eva so