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Aus dem Inhalt der abgelaufenen Woche*
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französischen
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Abriegelung. Kontingentie-
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ergebnis)
Geplauderte Parolen. Sbg zur Wahlkampagne
Frankreichs handelspolitische Eine Kontroverse für die rungspolitik
Das Zentrum (Leitartikel)
Neuere Betonbereitungsanlagen. Von Dr.-Ing. W. von Meng (Das Technische Blatt)
Polen—Frankreich—Deutschland. Warschauer Meditationen. Von B-Warschau
Sie hetzen ihre Führer... (Zur Psychologie der Wahlversammlungen)
350 Jahre Universität Würzburg. Von Dr. Henny Stahl
Vor einer Dürre? Der voraussichtliche Witterungscharakter des Hochsommers 1932. Von Prof. Dr. Franz Baur
Nach „Schema F". Zum Plan gesetzlicher Arbeitsstreckung
Die Verbilligung des Reiseverkehrs (Leitartikel)
Der Ruf zur Mitte. Frankreich vor den Wahlen. Von Sbg-Paris
Das amerikanische Repräsentantenhaus genehmigte bas JahreS- butzget für die Kriegsmarine in Höhe von 336 Millionen Dollar. Diese Summ« ist um vierzehn Millionen niedriger als die von der Regierung vorgeschlagene.
eirranderstehen — das Drama der geistigen Dialektik und das Schauspiel der mimischen Könige und Lustspielonkel — oh, so wie sie sich Haffen, so lieben sie sich auch — und streben zu einander in ihrer Verliebtheit. Und selbst die marmorblasse Iphigenie geht den Kompromiß ein mit Souffleur und Rampenlicht — und selbst Hölderlins „Empedokles", ja und selbst „Faust" will gern etwas von seinem Geist verlieren für die Wollust in der Mesalliance mit der großen Babel: Theater. Das Theater ist ein Kompromiß von Geist und Fleisch. (Wie wir alle!)
Kahane war der musische Heiratsvermittler zu immer neuen Mesalliancen. Er kuppelte gegen sein dramaturgisches Gesetz die Schönheit des Geistes mit der Schönheit der Leiber. Er ist ein Weiser und ein Faun. Er kennt nicht nur die fertige Erscheinung; die Puppe, die am Draht des Meisters nur Vollendung mimt. Er kennt ihre Geburt, ihr Werden, ihre Laune, ihre Gefahr, ihre Liebe. In seinen Büchern wird's gesagt mit tiefster Psychologie. Seine Typenlehre der Schauspielerin (er kennt das Ateib noch besser als den Mann), seine Bestimmung der Operette als sittliches Weltbild (jawohl!), seine Reden über Talent der Mimen und der Literaten, sein „Heimweh nach der Schmiere" — alles beweist den jeder Sachlichkeit des Alltags trotzenden „Toren" und „Taugenichts" mit der „theatralischen Sendung". Und wenn der eben von Berlin geschiedene Reinhardt der Sensationen und des Kassengeistes verdächtigt wird, so gibt es keinen lebendigeren Beweis für die zartgeistige und tiefe Künstlerschaft des großen Theatrachen als die Tatsache: dreißig Jahre Kahane! — Er, der in Himmel und Hölle sich umtrieb auf den Brettern der Schumannstraße und wohl kaum richtig wußte, wo die Kaff« war... Der Poet unter den Dramaturgen.
Lohnkampf im Kuhrkergkan.
(Drahtmeldung unseres Korrespondenten.)
ff Esten, 30. April. Der Zechenverband hat die Lohnordnung für den Ruhrbergbau zum 31. Mai gekündigt. Ms Ziel dieser Kündigung betrachtet der Zechenverband — wie erklärt wird — in Abweichung von der bisherigen Hebung nicht die tarifliche Festlegung einer generellen Lohnherabsetzung, sondern eine Auflösung des bestehenden Lohnsystems, die den Schachtanlagen eine gewisse Grenze der Anpassung der Lohnhöhe an ihre besonderen Verhältnisse ermöglichen Solle. Nach Ansicht des Zechenverbandez wird die heutige starre Tarifregelung den verschieden gelagerten Beschästigungsmöglichkeiten auf den einzelnen Schachtanlagen und den Verschiedenheiten der Arbeitsverdienste nicht hinreichend gerecht, so daß eine Auflösung gerade im Interesse der Aufrechterhaltung möglichst zahlreicher Arbeitsstellen dringend geboten erscheine. Durch die Kündigung deS Lohnabkommens zum 31. Mai ergibt sich, daß Lohnordnung und Manteltarif zu dem gleichen Zeitpunkt neu abgeschloffen werden müssen.
„Studentenhilfe“ Von Prof. Dr. Fritz Neumark (Hochschulblatt)
Kurswechsel in der Zuckerpolitik! Antwort an Minister Schiele
Politik der Ungeduld (Leitartikel zum Wahl-
Hastig zieht er sich um. In die Ecke fliegt der harte Kragen, rollt klappernd und humpelnd über den Boden. Die Manschetten knattern wie Kastagnetten, wie er das Hemd herunterriß.
Er stöhnt vor Behagen: Oh, wie gut das tut: einzutauchen in Duft von Kiefern und Pulverdampf der alten grünen Jacke; wie ist ihm jede Falte im Mienenspiel der Juchtenstiefel vertraut und ganz Kamerad. Wie wohl tut das, die Taschen abzuklopfen nach Deckelpseife, Tabaksbeutel, Schwamm-Feuerzeug. Der Flintenriemen über der Schulter: das vertraute Gewicht. Das Glas umgehängt, Handvoll Patronen in die Hosentasche.
Hinaus ins Revier —. Mit Herzklopfen, mit einem erstickenden Gefühl im Hals, sehr viel versäumt zu haben; wie wenn man auf den Bahnhof rennt und eben fährt der Zug hinaus.
Aber das ist nur die Hast der großen Stadt, die noch in ihm steckt. Wie der Fuß emtaucht in de« Sand des Wegs, wr« das Haus
waren, beginnen jetzt, da Tauwetter eingetreten ist und die Weg« verschlammen, immer schwieriger zu werden. Die russischen Streitkräfte in Irkutsk und östlich davon sollen neun Infanterie- und zwei Kavalleriedivisionen stark sein, von denen vier Divisionen kürzlich aus dem eigentlichen Rußland eingetroffen sind. Diese StKreitkräfte besitzen mehr als zweihundert Flug, zeuge, die größtenteils bei Chabarowsk stationiert sind. Di- Streitmacht der westlichen Grenze ist geringer, kann aber mühelos auS dem westlichen Sibirien Verstärkungen erhalten.
Nach Meldungen aus CHarbin zerstörten chinesische Frei» schärler die Strecke der ostchinesichen Eisenbahn 212 film, östlich von Charbin. Dadurch ist der direkte Verkehr zwischen Chardin und Wladiwostok unterbrochen.
verschwindet hinter den Erlenbüschen, wird er ruhiger. Es ändert sich sein Schritt. Der Gang verliert das Städtische, das eilig AuS- wärts-gekehrte. Weiter schwingen die Beine, der Fuß setzt sich gleichmäßig mit der ganzen Sohle auf. Wie still es ist: der Abend sinkt. Wollenbänke steigen weißgerändert in den Himmel auf, und tiefer wird das Blau und fester. In den schrägen Sonnenbalken unter den Dächern des Laubs summen die Mücken. Ihre Schwärme hängen in der Luft mit dünnem, wahnsinnig hohen Mngen wie die winzigen Wassertröpfchen, die aus einem kochenden Kessel sprühen.
Er bleibt stehen. Hängt sich die Pfeife zwischen die Zähne. Fingert nach dem Tabak: Paramaribo-Kanaster; gekräuselte Bänder, spröde knisternd, milde duftend. Der Daumen reibt das metallne Rädchen des Feuerzeugs, Funken springen auf den Feuerschwamm, der ist in Streifen geschnitten und sieht aus wie Hirschleder. Er glimmt, höhlt sich aus zu einem Leinen Halbmond unter blasenden Lippen, wird auf den Tabak gelegt: Mit leichten, küssen- den Atemzügen kommt die Pfeife in Gang. Eine kleine Wolke bläst er und beobachtet, wie die Luft sie auseinanderzieht: Windrichtung.
Wald und Pfeifenrauch paffen gut zusammen.
_ Hinter ihm rücken die Bäume zusammen; mit dem Haus km Rücken, mit dem Zwielicht, das die Welt unkörperlich macht, erwacht die seltsame Spannung: Jagd.
Einsam ist er in dem Wald, den er selbst gepflanzt hat, einsam geht er auf dem Weg, den er sich selbst gebaut hat, den Waldrand entlang, gedeckt aber mit Blickpunkten auf Aecker und Wiesen. Lautlos geht er, zieht er dahin wie eine Wolle, und Leine 8wue Wölkchen zieht er hinter sich. Die geriffelten Gummisohlen tasten mit jedem Schritt das Polster der Kiefernadeln ab, ehe sie sirh mit ganzer Fläche aufsetzen- Vorsichtig schieben die Fußspitzen trockne Zweige zur Seite, ohne daß das Auge sie sieht. Zwischen den struppigen Kronen der Kiefern wippt sein Kopf: sein Wald wächst über ihn hinaus. Seine jungen Bäume sehen auf ihn herab; sie messen ihm die Jahre seines Lebens. Jagd ist sehr geheimnis. voll. Der Jäger ist sich selbst entrückt, er geht auf in der Natur, er ist überall, wo feine Sinn« hinreichen, sein« Augen und Ohren sind überall: er ist in dem Abcndnebel, der über der Wiese liegt, «r ist im Rauschen des Waldes. Er will sich unsichtbar machen, und unsichtbar wird er. So wie er die Gestalt des Wildes in der Landschaft sucht, wie er sie schon erblickt mit innerem Auge, zaubert er: er zieht das Wild an, er bezaubert es. Der Geist deS Jägers kämpft mit den Geistern der Tiere. Nur der Jäger erlebt sein Wild, der Jagdläufer sieht nichts.
So steigt der wippende Kopf wandernd tat Zickzack über den Kamm dos Hügels. Dahinter liegt der Wildocker, und wie Hau den Kopf über die Deckung erhebt, hat er das seltsame Gefühl, schon sichtbar zu sein, während er selbst Noch nicht steht- Nämlich Mütze und Stirn sind sichtbar. Jetzt steht er regungslos, läßt dir Augen langsam über den Acker wandern. Hell leuchten die gelben Kerzen der Lupinen, hell di« Keinen Haufen von Feld» ztn»
Auf die Jagd gehen.
Von Heinrich Hauser.
tg Genf, 30. April. In einer einstündigen Sitzung hat die außerordentliche Völkerbundsversammlung heute mittag einen langen Bericht des Neunzehner-Ausschusses über die Lage in Schanghai seit dem 11. März und den vorgelegten Entschlie- ßungsent urf mit Stimmenthaltung Japans angenommen. Der in Schanghai ausgearbeitete Waffenstillstandsvertragsentwurf soll am 2. Mai, also am Montag, unter- zeichnet werden, und der japanische Vertreter Nagaoka machte bei 'kreier Mitteilung keine Andeutung darauf, daß diese Unterzeichnung durch das vorgestern begangene Attentat — über welches der Bersammlungspräsident Hymans das Bedauern und die Mißbilligung der Völkerbunds»ersammlung aussprach, wofür Nagaoka im Namen der japanischen Regierung und „von ganz Japan" dankte« eine Verzögerung erfahren solle.
Die neue Entschließung der Versammlung ist ungemein lang und in einem sehr verickelten Kanzleistil gehalten, doch enthält sie für Japan eine ganze Reihe von recht scharfen Feststellungen; die abgeänderte Bestimmung egen Ansehung eines letzten Datums für den endgültigen Rückzug der japanischen Truppen in die inte» nationale Konzession, d. h. dorthin, wo sie vor dem Konfliktsbeginn standen, gibt der einzusetzenden Gemischten Kommission Prak- tisch genau die gleichen Befugnisse. Die Hauptsache bleibt natürlich, daß die Entschließung und der Schanghaier Vertrag auch loyal durchgeführt werden, was sowohl vom chinesischen Vertreter Den wie auch vom Vorsitzenden nachdrücklich unterstrichen wurde.
Die Sitzung wurde mit Dankesworten des Präsidenten H y - man3 an die Vertreter der interessierten Mächte in Schanghai und an die Mitglieder des Neunzehnerausschusses, sowie des englischen Außenministers Sir John Simon an den Vorsitzenden geschloffen und die Versammlung „bis auf weiteres" vertagt. Ein erster Bericht des Untersuchungsausschusses Lytton wird in den nächsten Tagen in Gens erartet.
Was geht ttt der Mandschurei vor?
London, 29. April. (Wolff.) „Times" meldet aus Schanghai: Die Gegner der neuen mandschurischen Regierung scheinen den östlichen Teil der chinesischen Ostbahn auf der Seite von Jmienpo und auch den Abschnitt westlich der Hinganberge völlig in der Hand zu haben. Es ist bemerkenswert, daß zwischen dem russischen Gebiet und diesen beiden Abschnitten der Eisenbahn e:n ununterbrochener Verkehr herrscht. Die Operationen der chinesischen Truppenabteilungen mit dem üblichen schweren Trans- Portmaterial, die im Winter auf den zugefrorenen Wegen leicht
Staatssekretär Schaeffer tritt zurück.
kBrlvattelegramm der .Frankfurter SfiUng*.)
0 Berlin, 30. April. Obwohl noch vor wenigen Tagen von zuständiger Stelle dSs Reichssinanzministeriums erklärt orden war, daß die Mitteilungen über einen bevorstehenden Rücktritt des Staatssekretärs im Reichsfinanzministerium, Dr. Schaeffer, unzutreffend seien, wird heute bekannt — und nicht mehr be- striten —, daß Staatssekretär Dr. Schaeffer morgen einen Er- holungsurlaub antrete, von dem er nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren werde. Die formelle Entscheidung über Schaef- fers Rücktrittsgesuch dürfte heute vormittag gefallen sein anläßlich eines Emckfangs des Reichsfinanzministers Dietrich durch den Reichspräsidenten.
Der jetzt aus dem Amt scheidende Staatssekretär war hn Dezember 1930 nach dem Rücktritt des Staatssekretär Dr. Po Pitz (als Dr. Hilfetding aus dem Finanzministerium ausschied) auf seinen Posten berufen worden. In politischen Kreisen wird damit gerechnet, daß die bisherigen Ministerialdirektoren von Krosigk und Zarden zu Staatssekretären ernannt werden, wobei von Krosigk die Etats-fragen und Serben die Steuerfragen zu verwalten hätte. Ein« Wiederbesetzung der dann freiwerdenden Mimste- rialdirektorposten würde in diesem Fall« wohl unterbleiben.
Der Uölkerbimd ;um fernöstlichen Konflikt. *
Marr begnügt sich mit einer Entschließung»
(Drahtmeldung unseres Korrespondenten.)
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am Tor des Paradieses. Da saß er dreißig Jahre als ein mythologisches Gebilde in Reinhardts sämtlichen Vorzimmern von »Schall und Rauch" bis Deutsches Theater, Kammer-
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Aer Dramaturg.
Von Bernhard Trcbold.
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ledigsten Geburtstag feiert, ist der Lyriker unter den der romantische Traumwandler zwischen Ku- Rendantenschreibtischen, der wollüstigste Liebhaber ggta«, bet ewig tumbe reine Tor in einer Märchenwelt, weggemogelt wird und nur das Phantasiereich «tchendorffschen Taugenichts übrig bleibt — der durch wandert, die gemalt sind; der die Welt und den Him- sSI bie Hölle durchfliegt — auf einem Bürostuhl im iven Theater an der Schumannstraße. Es ist Arthur , her nun sechzig Jahre alt wird int Schicksalsjahr, Z-Natt, sein Herr und Gott, von Berlin abgeht. Arthur ilre Paladin, der Vermittler der Dämonen, der Topft k2rSmtD&cn- der Genießer aller Augenfreuden, Beschwich- ^ »hmen, Tröster der Dichter — der Gute, der Stille, g. , Poet unter den Dramaturgen.
Akußerlich besehen hat sich am Fundament der Reichs- ■mmg wenig geändert. Ihre wahre Existenzgrundlage, das wi wir oft genug nachgewiesen, war ja seit langem nicht »zappe und mühsam zusammengehaltene Parlamentsmehr- | sondern die Notwendigkeit der Selbstbehauptung eines tzinstruktiven parteipolitischen Elementen bedrohten Staa- ffDie Rcichspolitik hatte zahlreiche Stützen: die solide «Amsmeinung, die tolerierende SPD, den Reichspräfirm unb die Reichswehr, aber nicht zuletzt auch die Preu- Mlition, die den Sozialdemokraten das Tolerieren leich- imachte. Im Mittelpunkt stand und steht der Reichs- rifibent, ber der oberste Führer der Reichswehr und der ftnzeichner aller Maßnahmen auf Grund des Artikels 48 iSie Wiederwahl Hindenburgs war darum ein konsoli- knbe8 Element. Das persönlich« Verhältnis zwischen Herrn 8 Hindenburg und Dr. Brüning ist, soviel wir wissen, un-
Es wird, nun schon zum zweiten Male bei wichtigen •Wen, behauptet, daß di« Tätigkeit des Staatssekretärs I Reichspräsidenten, des Herrn Meißner, Wirkungen er- fc die dem Kanzler nicht erwünscht sein können. Was in fc Beziehung gesagt wird, mag stark übertrieben sein. Es hudj keinen Sinn, bei allem, was ein anderer Mensch tut, I einem nicht gerade angenehm ist, an eine Intrige ilenlen. Die Ströme der Politik sind vielverzweigt. Der •JiftTöm muß sich durchsetzen — der Reichskanzler be- ■mt bie Richtung ber Politik, sagt die Verfassung — aber WMt sich von selbst, daß auch andere Strömungen vor-
sind. Oft wird es sich um einen Mangel an Takt han- M>dem sich daraus im Umkreis der Regierung Schwierig- 801 ergeben. Mit Takt haben wir uns bisher noch nicht über
füttert. Die Existenz abweichender Meinungen ist aber gewiß an sich kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Wenn man sagt, die nicht ganz selbstverständlich« Veröffentlichung des in seinem Wortlaut ebenfalls nicht ganz selbstverständlichen Hindenburg- briefs an Herrn Groener (betreffend die Prüfung ber Legalität gewisser Organisationen) oder auch die Bedenken, die von General von Schleicher gegen dar Verbot der SA geltend gemacht worden sein sollen, seien Stücke einer hinterlistigen Intrige gegen die Regierung des Kanzlers, so ist das wohl eine nicht ohne weiteres beweiskräftige Interpretation der fett langem bekannten Tatsache, daß über alles, was mit dem Nationalsozialismus zu tun hat, sehr verschiedene Auffassungen möglich, ja selbstverständlich sind. ES hat bürgerliche Intrigen gegen den derzeitigen Kanzler gegeben — gewisse Leute, darunter vielleicht auch der Staatssekretär des Reichspräsidenten, hatten Herrn Dr. Brüning schon vor längerer Zeit sozusagen „abgeschrieben" unb bereits Ersatzpläne ausgearbeitet — aber es sieht nicht danach auS, als ob Herr Dr. Brüning über Intrigen stürzen werde. Wenn er einmal geht, so werden ganz andere Mnge den Ausschlag geben als irgendein lächerliches Komplott.
Aenßerlich besehen, so sagten wir, hat sich wenig geändert. Fürs erste, so sollte man meinen, ist die parlamentarische Stellung des Kanlers sogar fester geworden. Das Zentrum hat sich in den Länderwahlen vorzüglich gehalten, was sicherlich auch als ein Vertrauensbeweis dieser Wähler für Dr. Brüning gebeutet werden kann. Der rechte Flügel der Reichstagsmehrheit, von dem bisher alle Komplikationen ernster Art ausgingen, wird sich eher fester als weniger fest mit dem Kanzler verbunden fühlen, denn all diese Parteien haben bei den Preußenwahlen fürchterlich verloren. Die Wirtschaftspartei wird gewiß künftig keine Bedingungen mehr zu stellen wagen. Das ist zunächst für Dr. Brüning eine beruhigende Feststellung, aber er ist viel zu klug unb zu anständig, um nicht zu fühlen, daß hinter diesem Teil seiner Reichstagsmehrheit keine demokratisch« Autorität mehr steckt. Höchstwahrscheinlich sind auch einige Minister, bie aus dieser Richtung stammen, zu klug und zu anständig, um sich nicht für ihre eigene Person das gleiche zu sagen. Jedenfalls ist Dr. Brüning weiter als je von seinem langjährigen Ziel entfernt, ein« starke, maßvoll konservative bürgerliche Gruppe rechts vom Zentrum als Partner oder Gegenspieler zu haben. Prälat Kaas hat vor den Wahlen erklärt: Wenn es neben einem starken Zentrum nicht auch ein wenigstens noch widerstandsfähiges Bürgertum gebe, so werde das deutsche Volk diesen Wahlgang sehr bald bereuen. Mit anderen Worten: bie Schwächung des rechten Flügels der Reichstagsmehrheit ist ein harter Schlag für das Zentrum. Es ist nötig, dies ganz offen auszusprechen, sonst wird bie Politik des Zentrums in den nächsten Wochen schwer zu verstehen sein.
Was Prälat Kaas sagte, entspricht ungefähr dem gleichen Gedankengang, mit dem Dr. Brüning vor zwei Jahren seine Arbeit begann: er baute auf einen starken rechten Regierungsflügel (damals sollten es Westarp-Treviranus schaffen!) und zwar deshalb, weil die allgemeine Tendenz dem Zusammengehen mit ber Sozialdemokratie entgegen ging. Die Rechnung des Kanzlers war falsch, der rechte Flügel blieb schwach, während die SPD sich damals gut behauptete — heute aber zeigt sich (wenigstens in Preußen), daß vom rechten Flügel fast nichts mehr übrig blieb, während die Sozialdemokratie rund ein Drittel ihrer Mandatsstärke verlor. Die Opposition übertreibt deshalb mit keinem Wort, wenn sie sagt: das erste Hauptziel sei erreicht, die „schwarz-rote Koalition" sei in Preußen zu Fall gebracht. Wir denken jetzt nicht an die Frage eines Geschäftsministeriums, das ja auch im besten Fall nur eine Uebergangserscheinung wäre, sondern wir reden von der tatsächlichen politischen Lage: von der Unmöglichkeit, daß Zentrum und SPD in Preußen eine Mehrheit im neuen Landtag bekommen können, — es sei denn mit Hilfe ber Kommunisten, auf die das Zentrum schwerlich Wert legt. Es wird sich also fragen, ob für Preußen eine Lösung zustande kommt, die nicht verhindert, daß die SPD ihre P ol i- tik im Reichstag fortfetzt — und dahinter wiederum (Fortsetzung des Artikels auf Seite 2.)
BK Berlin, 30. April.
Reichskanzler war nicht lange von Berlin ab» bei seiner Rückkehr aus Genf findet er eine Situation vor. Die scharf« Kritik, die während ■Ff1 Tage verschiedentlich von rechts her gegen bie Ent- hr Dinge in Genf laut wurde, braucht man dabei Lbod)einzuschätzen, doch spielt die Außenpolitik WLLungsprogramrn Brünings eine viel zu große Rolle. ■RJ1Unaebulb in weiten Kreisen ist viel zu sehr gewachsen, “jxj auch in dieser Beziehung ein verstärktes Murren nationalen Opposition" selbstverständlich wäre. Hätte Hu hMitfdie Politik — unb vor allem die angelsächsische 11 iiftievische Politik — nicht die Ausgabe gestellt, außer KemarationSfrage in diesem Jahr auch die Abrüstungsfrage 8?« ffriff zu nehmen, so wäre wahrscheinlich weniger Grund ^^politischem Mißvergnügen, denn das eine Problem ist Kihatten des anderen geraten. Beide zusammen werden gr,,"„r Zeit durch den separaten Schatten ber französischen Sm «gedeckt. Die Genfer Berichte der „Frankfurter Zei- E«Vben nachdrücklich hervorgehoben, daß es verfehlt wäre, E&jbetige Ergebnis der Genfer Verhandlungen in ber Ab- B allzu gering zu achten. Leider wird dieses ruhige BfricHige Urteil nicht allenthalben geteilt. ES gilt heute als Emanier, wenn Genfer Korrespondenten in ihren Berichten Egertreter Deutschlands abkanzeln, als wären sie komplette Ej-tm - umso gescheiter kommen sich bann solche Sorte» Ententen vor.
Fjtat wird am besten die Rückkehr des Kanzlers abwarten, jfc man hat bisher in unterrichteten Berliner Kreisen keinen Egj, anzunehmen, die Eindrücke des Kanzlers in bezug auf [fünfte, bie wir als bie im Augenblick entscheidenden an- E, feien besonders ungünstig — vielleicht eher umgekehrt. Ehinbert aber nicht, daß die Opposition die Gelegenheit für Enmen hält, dem Kanzler gerade auch unter dem Gesichts- E ber Außenpolitik energisch zu Leibe zu rücken. Wir hätten Mperschiedentlich während der Brüning-Jahre die Außen- Htif ganz anders vorstellen können. Was wir aber auszu- En haben, das ist gerade die indirekte Wirkung des akti- Ktien und nationalistischen Drängens, das von den Geg- E ber Regierung ausging. Diese Leute haben wirklich Em Grund, dem Kanzler Vorwürfe zu machen, denn wenn Eäch ihrem Wunsch gegangen wäre, so wäre bie Reichs- jtong in sehr viel größere Verlegenheit geraten.
vereinigte. Ein bärtiger Papa der Musen, ein Oheim aller spielenden Kusins unb Kusinen der großen streitsüchtigen Familie. Die linke (die musische) Hand des gewaltigen Thea- trarchen — denn die rechte Hand war ber geschäftskundige Bruder Edmund Reinhardt. Kahane war der musische Adjutant und ber tollste Genießer des Unternehmens.
Mit ihm, durch ihn und über ihn hinweg wurde das Repertoire besprochen — dieses so schwer verlästerte Repertoire der Reinhardt-Bühnen. Man sagt: es hatte keine Linie! Stimmt nicht. Solange der Naturalismus noch im Nachhall Ibsens lebendig produzierte, solange bie Neuromantik Poesie lieferte, entftanb ein typisch Reinhardtsches Repertoire: ein fröhlich heiteres Mimenspiel, das fein Element aus Shakespeares komischer Romantik zog; aus bem Zarten, Verspielten, Sensiblen, Märchenhaften und heimlich Pathetischen. Das war eine deutliche Richtung des Gefühls. Das Poetische galt auf dieser Bühne von Lenz unb Büchner bis Maeterlinck, bis Hamsun unb Hofmannsthal.
Ms sich die Zeit gegen das »Poetische" wandte, als der Expressionismus nur noch den Schrei dulden wollte, da wehrte sich das zarte Trommelfell des Dramaturgen, der vor aller Tendenz doch Kunst wollte — und sich gelegentlich der krassen Wahrheit verschloß, daß die Bühne nicht nur dem „schönen Schein" zu dienen hatte, sondern dem furchtbaren Leben des Augenblicks. Daß die Bühne nicht nur Podium, sondern auch Kanzel ist. Aber das Theater Reinhardts sah feine Mission nicht im Experiment, sondern in der Vollendung. Es war von jenem Maß und jener Sophrosyne, die einem wahren „Staatstheater" ansteht. Es hat nicht mehr „Literatur" propagiert, als Literatur vorhanden war. Reinhardt, ber die Bühnen der Welt rein optisch revolutionierte, blieb literarisch ein Romantiker. Vom Standpunkt des Zeitanspruchs blieb er zurück; vom Standpunkt der Kunst blieb er der treueste Künstler seiner Zeit. Sein Adlatus hieß Kahane — auch er ein Künstler — ber Poet unter ben Dramaturgen.
Er schrieb in ruhigem, feinem, witzigem Stil ein paar Erzählungen unb Essahbücher. Die letzteren werben als wichtige Dokumente zur größten Theaterepoche Berlins (unb Deutschlands) ihren Wert behalten. Soeben erschien die Sammlung: „Theater. Aus dem Tagebuch des Theatermannes" (Wegweiser-Verlag, Berlin). Weiß Gott: Kahane ist Theatermann wie kaum ein zweiter. Er, der feine und lyrische Sprachkoster, er, der innigste Leser der stillsten Bücher, er schreibt: „Das Theater hat nämlich rm Grunde mit dem Drama nicht das ...indeste zu tun." Ach, er übertreibt. Er hat Angst vor seiner übertriebenen Liebe nach bet anderen Seite. So sehr st« auS-
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Mas findet Brüning vor?
Genf — Preußen — Keich.
■ ramaturgen gab es nie und wird es nie mehr ig und doktrinär kamen sie aus Lessings Schule Gesetzbücher für die anarchischen Komödianten. *eu bearbeiteten sie geweihte Klassiker; wie zogen sie blaue und rote Striche in heilige . eifervoll kämpften sie mit der bürokratischen (obere Moral! Ach, es waren zwiefach gespaltene Blut schrie nach ber Sinnlichkeit ber Flitter- rmer Kopf mußte bas besonnenste Haupt am bleiben. Ach, sie bienten zween Herren: ber : Direktor — bie burchaus nicht immer einig ein war faustisch, und mitten in der Walpurgis- öt „ber Doktor noch im Leib". Man nannte sie anten — bis sie durch ein Geschlecht von lungslosen Hornbrillenträgern abgelöst wurden, US Revue und Cabaret stammte und die die fr eleganten Schau über bie Philologentreue tt war neu geworden, sinnlicher, optischer, geist- Ulaturg ward ein geschäftlicher Agent zwischen und Personal. Ein behender Bursche. Ein sanft uuf mit heimlichen Stacheln. Ein junger Mann, usiikern Angst hatte und neue Dichter aus dem mrn gebären sollte. Ein Tausendsassa unb alles wgenichts.
®e hatte wenig von jenen unb nichts von ®eber klassischer Doktrinär noch ein Betriebs - uicht elegant, noch war er fix unb energisch ?leTt geboren. Er trägt einen Rabbinerbart. Er ^lich lange unb schwarze Zigarre, bie niemals nrnnet sanft. Er ist immer verklärt. Er ist seit lyrischer Trabant; das zarte Gegenspiel zu ttttet Bestimmtheft — ein sanfter Höllenhund
spiele, Komödie, Kurfürstendamm unb Großes Schauspiel-
^use^Dramaturg, den ich hier meine und ber am 2. Mai Haus. Es war immer bas gleiche kleine muffelige Eähimmer an ber Schumannstraße, bas sämtliche Antichambern in sich
76. Ichrgmtg Ar. 323—324 (e«Tis )
Dreimalige Ausgabe
Mai 1932
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Begründet von Leopold Sonnemnnn ist Rückporto beixrfügen.
Femsoredi-Sameiel'Nr.: Ortsruf 2 02 02, Fernruf 20301 - Telegtsmm». Zeitung Franldurtmata - Postscheck:Frankfnrt-M 4430 Sotietäti™Drndeerd
