Mittwoch, 17. Juli 1935
30 Pfg
Zweimalige Ausgabe
Abendblatt
Nr. 359
79. Jahrgang
Erstes Morgenblatt
Fe«nsprech-Sammel-Nr.‘: Ortsruf 20202 - Fernruf 20301 -Telegramme: Zeitung Frankfurtmain - Postscheck: Frankfurt-M 4430
Linie
auf außereuropäische Länder entfällt. Tic Einfuhr aus
Eine RM.)
der Rückgang auf eine größere Zahl non Warcngruppen. Steigerung der Ausfuhr ist lediglich bei Koks (+1.4 Mill, cingctrctcn.
In der regionalen Gliederung des Außenhandels
zeigt sich, daß der Rückgang der Einfuhr in erster
M Washington, Ende Ium.
Hat Plutarco Elias C a l l e s aufgchört, der „starke Mann" Mexikos zu sein? Stimmt cs, daß Calles, der bisher die feinen Fäden der Regrerungsmaschinerie auch nach seiner Abdankung hinter den Kulissen in der Hand zu behalten nerstaud, nichts weiter mehr ist als ein einfacher Privatbürger? Hierüber zerbricht man sich nicht nur in ganz Mexiko den Kopf, sondern auch überall im Ausland, wo Interessen an den Geschicken Mexikos vorhanden sind. Denn Calles repräsentierte bisher sozusagen den ruhenden Pol; er war der Mann, um den sich alles drehte — so wenigstens behauptete man vielfach in Mexiko. Wenn cs sich darum handelte, dic Stärkc dicses oder jenes Politikers zu ergründen, bekam mau zumeist zu hören: ,,Er steht in einem guten Verhältnis zu Callcs," und damit war in der Tat bisher nahezu alles gesagt. Ter derzeitige Präsident Lazaro C a r d e n a s galt bis vor kurzem als ein zuverlässiger Calles-Anhänger, und. hierin lag bezeichnenderweise bisher seine Stärke. Es wurde behauptet, der „eiserne Mann Mexikos" habe ihm hauptsächlich deshalb zum^Präsi- dentenscssel verhalfen, weil Cardenas nicht allzuviel Freunde besäße und deshalb voraussichtlich ungefährlich und leicht^ zu beeinflussen sei. Diese Annahme muß man nach, den neuesten Ereignissen etwas revidieren. Cardenas hat sich der Kritik des Calles nicht gefügt. Statt dessen zwang er sein Kabinett zur Abdankung und besetzte sämtliche Ministerposten nur mit seinen eigenen Freunden. Was hat dies zu bedeuten?
Das Hecrund die Arbeitcrhinter Cardenas.
Der Streit zwischen Cardenas und Callcs begann vor kurzem mit einer aufsehenerregenden Erklärung des früheren Beherrschers Mexikos. Cardenas mußte sich zur Ucberraschung des Landes den Vorwurf anhörcn, dic Regierung begehe eilte schwere Unterlassungssünde, sie sei nicht hinreichend gegen dic Streiks aufgetreten. „Der Marathonlauf des Radikalismus", der die Arbeiterbewegung kennzeichne, bedeute für das Land eine bedenkliche Gefahr. Ein Vorgänger des derzeitigen Präsidenten, nämlich Ortiz Rubio, sah nach einer ähnlichen Kritik die . Notwendigkeit seines Rücktritts ein, um einem Manne Platz zu machen, der sich besser mit Calles und seiner Auffassung der „Nationalen Revolution" verstünde. Wider Erwarten entpuppte sich indessen Cardenas — der milde und puritanisch-ernste Mann — durchaus nicht als ein Schwächling. Es fiel ihm nicht ein abzudanken. Statt dessen versicherte er sich der Unterstützung des Heere s, und da er infolge feiner arbeiterfrcundlichcn Haltung einen starken Anhang bei bett Gewerkschaften besitzt, fand er auch in den weiten Kreisen der Bevölkerung Zustimmung, während man von Callcs vorläufig nichts Aufrcgcitdes mchr gehört hat.
Streiks gegen ausländisches Kapital.
Ist die Gärung damit zur Ruhe gekommen? Vielleicht ist der derzeitige Zustand nur eine Kampfpause. Jedenfalls ist von einer Ueberbrückung der Gegensätze vorläufig noch nichts zu bemerken. Im Gegenteil ist die Spannung zwischen Unter- nehmern und Arbeitern in Mexiko zur Zeit größer als je. Seit sechs Monaten — also genau seit dem Regierungsantritt des Präsidenten Cardenas — häufen sich in der Tat allenthalben die Streiks. Besonders schwierige Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitern fanden bei der Haustcca Petroleum Co., einer Untergescllschaft der Standard Oil Co. of New Jersey, statt. Bedenklich waren auch die Verhältnisse eine Zeitlang bei der von englischem Kapital geleiteten Eagle Oil Co. Ferner bestanden ernste Lohndifferenzen bei der Mexico City Trolley Co., der Mcxican Tclephone Co. und der Mcxican Light and Power Co. sowie euch bei der Rafael Paper Co. Jntcressantcrwcise haben sich die Verhältnisse also gerade bei den Niederlassungen größerer ausländischer Gesellschaften am meisten zugcspitzt. Tic Gewerkschaften erhoben in einigen Fällen recht weitgehende
GESCHÄFTSSTELLEN und Generalvertretungen«
Frankfurt a.M., Gr. EschenheimHr Str.81-37, Schillerstraße 18-24 ( Telefun Ortsruf 2020t, Fernruf 2u30l).BerlinW 9, Potsdamer Str. 133 (Tel. B2 Liitzow 8981). Hamburg, Anzeigen: Mönkedamm 7 (Telefon 366634), Vertrieb: Alsterarkaden 9 (Telei. 342528). Hannover, Alte Gelier Heerstraße 27 Tel. 65181. Kclp a. Rh.. Anzeigen: Hohenstaufenriug 74-76 (Tel. 219588) Vertr.: Richmodstraße t (Tel. 215690) und Kaiser Wilhelm Ring 10. München, Anzeigen: 0.9, St. Emmeramstr. 20"(Tel. 48249), Vertr.: Theatinerstr. 8 ’ (Tel. 12198). (Bayern ohne München Augsburg, Bahnhofstr. 4. Tel. 7755.) Stuttgart, Anz.: Kr.onprinz8tr.23 (Tel .23787). Vertr. :MarstalI- bau,Ki>nigstraßc 1 B. Tel. 91o9<>. LeipaigC 1, Anz.: Salomonatr. 18. Tel. 12870, Vertr.: CI, Ialatr.2. Tel. 28926. Paris 8.44, Rue de Lis- bonne, Tel.Läborde 24-ul et la suite. London SW 1, 25, Evelyn Mangione, Carlisle Place, Tel. Victoria 1196. Haag Voorburg, Dx. Blookerstr. 21, Telefon Haag 778798. New York, 174 Fifth Avenue. Tel. Gramercy 3823. Wien 1. Kärntner-Ring 12, Tel U 42-2-49.
Zürich 7, Jupiterstr. 47, Tel. 28883
"Weitere Agenturen an den größeren Orte»
killltsmcndmtg in Meriko?
Die Entthronung von Calles.
(B o n u n s e r c m Korrespondenten.)
Forderungen, so in Agua Dulce und Vera Cruz die Anlage eines Poloscldcs — abgesehen von Fußballplätzen und Schwimmbassins — und dazu noch pro Person tausend Morgen Land sowie drei Monate Ferien. Bei den Verhandlungen über diese und ähnliche Forderungen konnte man sich erklärlicherweise vielfach nicht einigen, und so wurde seit Monaten allenthalben gestreikt. Besonders schwer wurden die von Streiks betroffenen Firmen dadurch geschädigt, daß sie nach den Verfügungen des Arbeitsamtes auch in der Strcikzcit volle Löhne zahlen mußten. Die Standard Oil Co. verlor dadurch 300 000 Pesos und dic Mexikanische Trambahn-Gesellschaft 800 000 Pesos. Bei der Eagle Co. soll cs sich sogar um ‘20 Millionen Pesos handeln. Sclnverlich lassen sich diese Verhältnisse als ermutigend für das Kapital bezeichnen. Ms Callcs dcr heutigen Regierung zum Vorwurf machte, sie vernachlässige den Schutz dcr Investitionen, hatte er also recht konkrete Anhaltspunkte zu seiner Kritik. Schließlich muß auch noch gesagt werden, daß dic Strcikverhältnissc sich trotz dcr wicdcrholtcn Versicherungen Cardenas', cs werde mit dcr Feit besser werden, bisher noch nicht geändert haben. Ten Unternehmern in Mexiko, die bis vor kurzem noch geglaubt hatten, dcr. Zukunft endlich cinnial wieder mit etwas mehr Ruhe cntgegcnschen zu können, wurde cs deshalb erneut schwül zumute.
C a l l c s p r i v a t.
Während Mexiko die weitere Entwicklung-'der Dinge ab- wartcte, hatte sich dcr frühere Diktator Callcs zunächst nach dcm Ocrtchcu Cuernavaca zurückgezogen. Cuernavaca ist nicht weit von Mexiko City. In wenigen Stunden fährt man im Auto von Mexiko aus — an den glitzernden Seen Rochimilos vorbei dic malerische Bergstraße hinaus, aus der der Motor schnaubend in dcr dünnen Bergluft mit äußerster Anstrengung und weit geöffnetem. Vergaser arbeitet, um dic Höhc zu cr- klimmcn. Von dort oben sieht mau in der Ebene die. kreisrunden Krater erloschener Vulkane; dann wendet sich der Weg dcr westlich gelegenen Bergkette der blauen SicrraS zu, und schon nach einer weiteren Stunde ist man im idyllischen Cuernavaca, so recht einem Platz zum Ausruhen und Abwarten. Unter den roten Ziegeldächern^ träumt verschlafen ein niittclgroßcs mexikanisches Städtclren, das amerikanische Touristen stets aufzusuchcn pflegen. Denn hier entfaltet sich die wilde Schönheit dcr mexikanischen Natur nicht nur besonders malerisch; hier ist auch dcr berühmte Cortez-Palast, in dcm die Fresken Diego Riveras zu bewundern sind. Schließlich — und dies pflegt den amerikanischen Touristen weiblichen Geschlecktes zumeist einen besonderen „thrill" zu geben — kann man hier auch das Landhaus sehen, in dem sich seinerzeit der junge Lindbcrgh mit Anne. Morrow, der. Tochter des damaligen amerikanischen Botschafters, verlebte/ Aber Cuernavaca hat trotz seines idyllischen Anstriches auch einige martialische Züge. Es ist eine Garnisonstadt, in dcr morgens, mittags und abends Trompctensignale erschallen und den Besucher daran erinnern, daß in Mexiko das Militär eine große Rolle spielt. Dies weiß wohl keiner besser als Callcs selbst. Denn als dic Armec dem Präsidenten Cardenas ihre Unterstützung zusagte, hielt cs der bisherige „starke Mann" doch für geratener, sich einen entfernteren Platz zum Aufenthalt auszusuchen. Er ist inzwischen weiter von Mexiko nach seiner Hazienda in Sinalöci gefahren — wo cs wohl noch bcschaulichcr zugeht als in Cuernavaca.
Ueberschneidungen.
Es kommt dcr Regierung Cardenas auch zugute, daß sich ihr neuerdings dic überzeugten Katholiken angeschlosscn zu haben scheinen, die sich bisher der kirchenfcindlichcn Politik der „revolutionären Regierung", so gut cs eben ging, widersetzt hatten. Bei den letzten Kundgebungen in den Straßen der Stadt Mexiko, als dic radikalen Studenten und Gewerkschaftsführer Cardenas ihre Sympathie zum Ausdruck brachten, hörte
Sigriswil'er Tageönch.
Von Friedrich Michael.
Tirfp Aufzeichnungen finden sich in der neuesten Nummer dcr Zeitschrift Nir die 3rcundc des Inseldcrtngs, dem „3 n f c 1 = fchif s". sic enthält u. a. neben Proben uns schon betaiuncn. ncuauigclealen oder zu crwnrtenden Suchern des Berlages auch Lriginatbciträgc aus dem ftrciä seiner Mitarbeiter.
Ende März 1935.
Freunde fahren mich im Wagen von Bern hinauf an den Thuner Tee. Als ich vor zwei Fahren hier war, schrieben wir Juli — so erscheint mir das Panorama jetzt ganz verändert. Tie ^tockhoru- kcttc, dic mir als dunkel drohende Kulisse in Erinnerung blieb, ist jetzt noch weiß von Schnee, dcr in diesem Winter reichlicher als sonst gefallen ist. Auch der Niesen ist noch tief verschneit, und weiß leuchten vor dem blauen Himmel Jungsrau und Blümlisalp.
Hinter Thun führt dic Straße dicht am See entlang, dcr selbst jetzt im Vorfrühling auf mich wieder sehr südländisch wirkt. Bald hinter Oberhofen biegen wir links ab und kommen auf steiler -strafte durch Acscklen hinauf nach Tschingcl. Unter uns, drüben jenseits der tiefen Guntcnbachschlucht, liegt Sigriswil.
Tic Bauernhöfe und Sommerhäuser sind wie bei allen diesen Orten an dcr Berglehne weit verstreut; nur um die Kirche mit dem weithin sichtbaren weißen Turm hat sich eine Gruppe von Häusern enger zusammengefunden. Tas Chalet, in dem ich gastlich aufgenommcn werde, liegt dcm Riesen gerade gegenüber. Es ist ein schönes geräumiges Haus, Holzbau in Schweizer Stil über einem an dem Berghang gebauten Steingcsckoß mit weiß getünchten romanischen Bogen, die dem Ganzen ein würdiges Ansehen geben.
Ich wohne nicht im Chalet selbst, sondern im Schürli, der Scheuer also, einem großen Scheunenbau aus dcm Jahre 1780, der 1922 wohnlich umgebaut worden ist. Man hat ihm einen kleinen Raum angehängt, das Truckli (das heißt Schächtelchen; Zündholz- druckli jagt man) — und es ist wirklich nicht mehr als eine kleine Schachtel, aber gut darin zu Hausen.
Der Ausblick von hier oben ist herrlich. Beherrschend ragt der Niesen überm See auf, in dem er sich spiegelt. Er ist mit seinen 2300 Metern gar nicht so ungewöhnlich hoch, verglichen mit der weiteren Nachbarschaft. Aber er wächst so unmittelbar aus dcm Vorgelände hinter Spiez empor, und er hat eine so gleichmäßige Pyra- midcnsorm wie kaum ein anderer, so daß er besonders gewaltig ivirkt. Ferdinand Hodler hat ihn mehrfach gemalt — mich erinnert er sehr an japanische Bilder von Hokusai, den Futschijama darstellend.
Ganz links überm See sieht man vom Sigriswilcr Kirchplatz aus noch den Mönch, von meinem Fenster nur die Jungfrau, aber anschließend die hohe Kette der Grate und Hörner hinüber zu Blümlisalp und Toldenhorn. Die Jungfrau zwar verhüllt sich oft; doch steht bann, nicht minder wuchtig, der scharfe Sulegg-Grat wie ein riesiges weißes Steildach vor den Wolken, zur Rechten flankiert pon den schwarzen Türmen der Lobhörncr.
Tic Bilanz dcs dcutschcn Außenhandels, die int April einen kleinen Einfuhrüberschuß (19 Mill.), int Mai einen geringen Ausfuhrüberschuß (4.4 Mill.) aufwies, war im Juni völlig ausgeglichen. Im Juni 1934 wics sic einen Einfuhrüberschuß von 38 Mill. auf.
Tic Einfuhr
betrug 317.9 Mill. RM. Sic ist wertmäßig um etwas mehr als 4 Prozent gesunken. Mengenmäßig war der Rückgang noch etwas stärker, da der Durchschnittswert der Einfuhr gestiegen ist.
Im einzelnen sind in der Einfuhr des Monats Juni folgende Entwicklungen hervorzuheben: leicht guriiefgegangen ist vor allem die Einfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren, dir Veränderung beträgt gegenüber dem Vormonat 15.2 Mill. RM. (rund 6 Prozent). Rückläufig entwickelte sich auch die Einfithr von Lebensmitteln und Getränken; allerdings beträgt die Veränderung nur 1.3 Mill. RM. (also nicht einmal ganz 2 Prozent). Die Einfuhr von lebenden Tieren und fertigen Waren weist gegenüber Mai eine leichte Steigerung auf.
Tie Entwicklung innerhalb der R o h st o f f g r u p p,e war nicht einheitlich. Rückläufig war die Einfuhr von Wolle (— 7.1 Mill. Rmk.), Oclfrüchten und Oclsaatcn (— 5.6 Mill. Rmk.), Lclkuckcu (— 1.1 Mill. Rmk.), Baumwolle (— 1.2 Mill. Rmk.), Flachs, Hanf, Jute (— 1.2 Mill. Rmk.) und Eisenerzen (— 1.0 Mill. Rmk.). Demgegenüber ist dcr Bezug von Papicrholz (+ 2.5 Mill. Rmk.), Mineralölen (+ 2.5 Mill. Rmk.). Thomasphosphatmehl (+ 1.7 Mill. Rmk.) und Tran (+ 1.2 Mill. Rink.) gestiegen. In der Einfuhr von Lebensmitteln hat vor allem dcr Bezug von Kaffee (— 1.7 Mill. Rmk.) und Butter (— 1.6 Mill. Rmk.) ebgenommen. Tancbcn sind geringere Rückgänge noch bei zahlreichen anderen Lebensmitteln cingctrctcn. Ticscn Abnahmen steht
Die Autzeustaudelsdilan; im Juni ausgeglichen
Einfichrülrerfchnsz im ersten ffnlbjnljr 1935.
Eine Warnung an staatsfeindliche Elemente.
Berlin, 16. Juli. In Ergänzung der gestern abend hcraus- gcgcbcncn Meldung über Zwischenfälle am Kurfürsten- damm anläßlich der Aufführung des schwedischen Filmes „Petterson und Bendel" wird von dcr Staatspolizeistelle Berlin folgendes mitgctcilt:
„Tic verständlichen Demonstrationen gegen das anmaßende Der- halten der Juden haben auch gestern wieder sosort allerhand dunkle Elemente angelmit, dic glauben, bei solchen Gelegenheiten ungestraft ihre staatsfeindlichen Ziele verfolgen und durch Tumulte Staat und Bewegung in Mißkredit bringen zu können.
Die Gliederungen der Bewegung, insbesondere PO und SA, haben sich sofort dcr Polizei zur Verfügung gestellt, um durch schnellste Wiederherstellung der Ruhe dcr Minierarbcit dieser dunklen Kräfte den Boden zu entziehen. Dcr Zusammenarbeit von Polizei und Gliederungen dcr Bewegung gelang es dann auch tatsächlich in kürzester Zeit, weitere Störungen zu unterbinden.
Es bedarf keines Hinweises, daß Staat und Bewegung auch weiterhin aufs engste Zusammenarbeiten werden, um jede Störung dcr öffentlichen Ruhe nachdrücklichst zu vcrhinden."
man vielfach auch den Ruf: „Nieder mit Calles! Es lebe Christus, der König!" — ein merkwürdiger Beweis dafür, wie radikale und konservative Kreise in Mexiko sich überschneiden und wie seltsam die Allianzen sind, die dabei zustande- komrnen. Indessen darf man wohl die Richtung Cardenas — auch nach den neuesten Vorfällen — kaum als unbedingt „radikal" bezeichnen. Der Präsident hat gerade dic radikalsten seiner Freunde nicht mit in sein Kabinett genommen, sondern sieb verhältnismäßig gemäßigte Minister ausgesucht. Damit will er wohl den Ausbruch des offenen Konfliktes zwischen den beiden Flügeln verhindern, die sich nunmehr deutlich in der revolutionären Partei abheben. Wird ihm dies aber gelingen?, Vielfach hört man heute schon die Meinung, mit dcm Einpar- teisystem sei cs jetzt aus. Wer wird sich in diesem Falle 'auf die Dauer durchsetzen — feie Anhänger dcs Cardenas oder des Callcs? Es ist ja nicht das erstc Mal, daß Callcs sich zurückzog, um dann später wieder erneut aus der Versenkung hervorzutauchcn.
Klutigr Malflnnrnhen in Meriko.
Mexiko Stadt, 15. Juli. (United Preß.) In Villa Hermosa, einer Stadt in der Provinz Tabasco, ereigneten sich heute Mutige Wahlunruhen. Anhänger dcs Kandidaten Canabel übcr- ficlcn eine Gruppe von Studenten,. die zur Unterstützung des gegnerischen Kandidaten nach Villa Hermosa im Flugzeug geeilt waren und schaffen mit einem Maschinengewehr zwei istubenten nieder, die auf der Stelle getötet wurden. Sechs andere wurden verwundet.
Titulescu über die Besprechungen von Sinoio.
Bukarest, 16. Juli. (TNB.) Ter rumänische Außenminister Titulescu hat am Montag abend Siuaia verlassen und sich ins Ausland begeben. Vor feiner Abreise erklärte er Pressevertretern u. a.: „Ich verlasse das Land sehr befriedigt. Tic intcr- nationalc Lage mag verworren sein. Tie Lcsprechuugcn von
Sinaia erlaubten mir, die vollkommene U eb er e inst im - mung unserer Ansichten mit denen unserer südslawischen Verbündeten festzustellen, und da Bcnesch, der über alle Unterredungen, auf dem laufenden gehalten wurde, die gleichen Meinungen ausgedrückt hat, kann ich versichern,daß dieEinheit der Kleinen E n t e n t e mehr gesichert ist denn je."
Ter. Außenminister kam sodann auf angebliche im Ausland verbreitete Gerüchte zu sprechen und versicherte, daß eine Acndc - iung in der Außenpolitik Rumäniens eine Unm öglich- feit sei. Tie Außenpolitik Rumäniens fei gegen niemanden gerichtet. Rumänien wünsche Freundschaft mit allen Staaten ohne Ausnahme. Es sei bereit, sich allen denen zu nähern, dic bereit seien, mit ihren Mitteln zum Schutz seiner Grenzen und der seiner Verbündeten beantragen. Titulescu stellte zum Schluß seiner Ausführungen den Wahlspruch auf: „Rumänien und der Frieden über alles." .
Es ist hcift hier am Südhang, man verbrennt rotbraun von einem Tag zum andern, und die Aepsel auf meinem Tisch, „Schöne von Boskop", noch jetzt ganz glattschalig und saftig, loben den Berg als Obstgelände. Man kann gern glauben, daß cS früher hier einmal Weinbau gab. Jetzt lebt das Land von Milchwirtschaft.
Tic Wiesen am Hang werden gedüngt — keine leichte Arbeit. In Bütten muß der Bauer den Dung auf dcm Rücken bergan tragen. Man hilft sich seit alters mit einfachstem Mittel: um eine Scheibe auf der Höhe läuft ein Seil, am einen Ende wird es um den Mann gelegt, der mit der Last bergauf steigen soll, mit dem anderen Ende läuft der ledige den Hang hinunter. Erdscheibe und Erdseil nennen sic cs. Und so kann cs geschehen, daß man einen Bauern mit schwerer Hucke den Berg hinauslausen sicht, überrascht von dem lächerlich unwahrscheinlichen Anblick — bis man den anderen, hcrabkommcnden entdeckt und sich das Rätsel löst.
Aus vielen Häusern sehe ich Töpfe, Pfannen und kleine Kübel mit Blumen stehen. Es sind, so sagt man mir, die Flühblümeli, eine Primelart, dic an den Steil hängen des Rothorn über Sigriswil wächst. Ich frage einen Mann nach dem Sinn dieses seltsamen Tackplatzes. Sie wachsen in dcr Natur hoch oben, sagt er, sic wollen für sich sein; im Garten würden sic auch leicht zerstoßen, zertreten, und sie sind schwer von den Flühen.zu holen. Ob nicht irgendein Glaube damit verbunden sei, frage ich weiter, vielleicht daß die Blume das Haus schütze. Lachend verneint er's und fügt hinzu: „'s isch nich wie in England!" Hält er mich für einen Engländer? Oder hat er einmal etwas von englischem Brauch, etwa vom Mistelzweig, gehört? Tatsächlich erfahre ich später, daß der Mann viele Jahre lang als Konditor in England gelebt hat — und so spricht aus seiner Antwort der Stolz dcs freien Schweizers, der sich auch frei weiß vom Aberglauben, wie er ihn im Jnselreich kennengelernt haben mag.
Gern verweile ich an einem der lebenden Brunnen, die man hier findet. Aus dem Stamm einer hohen Pappel fließt durch das Eisen- rohr Wasser. Man hat dcm Baum in jungen Jahren das Rohr der gefaxten Quelle durch das auSzebohrte Mark bis zur Höhe dcs Auslaufrohres gchührt und ihn neu cingepslanzt. Und dcr Baum ist um dcn Brunnen weiter gewachsen. Nur die Pappel, sagt man, duldet ohne Schaden diesen gewaltsamen Eingriff.
Ter März vcrabschicdct sich mit einem melodramatischen Wettersturz. Anfangs sind die Gipfel unter einem hohen diesigen Himmel noch alle sichtbar. Langsam aber hüllen sich die Spitzen ein. Dcr See liegt bleifarben stumpf. Regenschauer treiben tat auf. Plötzlich ist alles verhüllt — nicht einmal die nächsten Häuser sind mehr zu sehen. Daun hellt es sich roiebtt auf, und das ist ein unvergleichliches Schauspiel: wie der See erglänzt, die Häuser drüben in Spiez, bann der Niesen langsam aus dem Tunst wächst, zunächst nur bie weißen Schncefelber der Lawincnzüge, die noch tief herunterreichen, bann baS ganze dunkle Massiv. Der Gipfel bleibt verhüllt — und noch ehe man's niedergeschrieben, fällt ein neuer Wolkenvorhang über dic große Szene. Nachts bricht ein wüstes Schneetreiben herein, mit Donner un,d Blitz, und am, Moxgcn ist alles weiß: eine handhohe Schneedecke!
auf ber anberen Seite eine Steigerung der Einfuhr von Kartoffeln ■;+ 3.3 Mill. Rmk.) gegenüber. Tic geringe Steigerung ber Fertigwaren Anfuhr ergibt sich aus einer Zunahme des Bc- ciigs von Tcxtilfcrtigwaren (+ 0.8 Mill. Rmk.) und von Eiscn- erzeugnisscn (+ 0.8 Mill. Rmk.)
Die Ausfuhr
betrug im Juni 318,0 Mill. RM., hat also gegenüber dem Mai um rund G Prozent abgenomm c n. ES wird in dem amtlichen Bericht darauf verwiesen, daß auch in'ben vorangegangenen Jahren von Mai zu Juni dic Ausfuhr in der Regel zurückgcgangen ist. Tcr Rückgang verteilt sich auf alle Warengruppcn mit Ausnahme ber Gruppe Lebensmittel und Getränke, bie eine geringe Steigerung aufweist.
An dem Rückgang ber Ausfuhr waren Fertigwaren mit 14,3 Mill. RM. beteiligt. Abgenommcn hat in'dieser Gruppe vor allem die Ausfuhr von Tcxtilscrtigwarcn (—1,1 Mill. RM.), chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen (—3.0 Mill. RM.), elektrotechnischen Erzeugnissen (—1.6 Mill. RM.),. Glas und Glaswaren (—1.3 Mill. RM.) sowie Maschinen (—1.2 Mill. RM.). Eine nennenswerte Steigerung war lediglich bei Wasserfahrzeugen (+2.3 Mill. RM.) zu verzeichnen. Tie Ausfuhr von Roh- st offen war um 4.9 Mill. RM. geringer als im Vormonat. Abgenommen hat hier in erster Linie bie Ausfuhr von schwefel- saurem Ammoniak (—1.1 Mill. RM.). Im übrigen verteilt sich
der Aufführung dcs „Kätchen" bejaht. Mit einem dichterischen Gedanken. Indem er die Neigung der Deutschen zum Freilichttheater aus dcr Sehnsucht nach dem Sommer und dcr Sonne erklärte, aus dcr Lust, dcn Glanz des Sommers nach langem Winter unter freiem Himmel im Spiel zu feiern, in der erwachten Natur, bicem wahren deutschen „Naiionaltheater", in dem das Wort der Lichtung frei und weit erklinge, ja, das Wort der Tichtting! Weichert hat es geftütet wie einen Schatz. TaS sei ihm besonders hoch an- gercchnet. Wenn et zuguterletzt den weiten Schloßraum wie ein Märchenbuch aufblättert und vor den Augen der Zuschauer das feierliche Bild des kaiserlichen Einzuges entstehen läßt, mit weißen langgezogeneu Baldachinen, güldenen und silbernen Rüstungen, bunten Kränzen aus Fenstern und Toren, Lichtcrglauz, Lanzen, Volk, so krönt die Wucht der Szene nicht dcr schwungvolle Zug an sich, nicht die triumphierende Musik, sondern das stille hcfngc deutliche Wort Wetters vom Strahl, vor dein die ganze festliche Szenerie wieder undeutlich wird, ins <ruinbolisckc zurücksiukt und so ihren wahren Wert findet. Tas Wort siegt. ~et Mensch.
D i e Ausführung.
Sic war durch die schr begabte Musik von Leo Lpicß in eine träumerische Unwirklichkeit gerückt, verband bie LZcncn, leitete bie Akte ein, barg jcdock hier und da die Gefahr dc- Opernhaften. Weise Kürzungen müssen abhclsen. Tic Praxis w'.rb bas von selbst ergeben. Tas Kätchen von Angela ^alloker war bas zierlichste Kätchen, das bet Berichterstatter bisher aut den Bühnen gesehen. Glicht so somnambul-schwärmerisch wie -rang van Epk in ihrer Glanzzeit, dafür blumcnhafter, frischer, mit jenem Hauch beS „Mädchens aus ber Fremde", bet die Figur schon beim ersten Austritt aus bet Wirklichkeit hebt. Als ba_- Tchloß brannte, das Feuerhorn erregend brüllte, Kätchen durch Oualm ins Verderben geschickt wurde, ihre stimme stehend erklang und ein Engel sich weiß silbern hinter den teeren Fenstern I des hohen Baues zeigte, da rollte manche Träne, weil bas schöne | geschützt würbe. Turch Gottes Hand. Kleistens keusche männliche Seele atmet in diesem Kätchen,. baS ein Märchenkatser gezeugt hat, in einer Sommernacht, küssend zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit. Ein Traum ward ba geboren. Paul Wagners Liettcr Boni Strahl stand als ritterlicher Held gegen dieses Traumbild. Er hatte seine dosten Szenen am Anfang und am Tchluß. In dem genialischen Auftakt der Tichtung sand Walter Kottenkamp erregende Töne von einer Kraft, als steuere bet Konflikt auf eine Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Grafen hin. Tie Hcxc, dic dem armen Schneewittchen nachstellt, Else Petersens Kunigunde, wat mehr böse als hexisck. "Walter Werner stiefelte als Knecht Gottschalk wunderbar mit kurzen Beinchen herum, und Walter Süßengtith mimte einen humorig-großzügigen Kaiser, den sich manches Kätchen im Zu- schauertaum zum Vater gewünscht hätte. So fand bas bunte Spiel in ein paar tausend gerührten Herzen großen Widerhall. Leise bebten von Beifall in den hohen Nischen der Ruine die steinernen Figuren, diese Zeugen romantischcr Vergangenheit.
M. G
Sie ist da! Dr. R a i n c r - S ch l ö f s c r, der Rcichsdramatuig und Vettreter des leider kranken Laubinger, hat das in einer über iet Rahmen solcher Reden wett hinaus gehenden Aniprache vor
3Tiinlilurkr3eihimt
(Frankfurter Handelszeitun?) I und Handelsblatt (SeaeFrtuikfnrter Zeitung
Begründet von Leopold Sonnemann
ZU denHleichsfestfpielen in Heidelberg 1935
Tic Massenszene und das Wort.
Jmmer-Wicdcrkchrcndcs hat die Gefahr ber Erschlaffung. Jugendlicher Impuls kann dic Gefahr verhüten, neue Gciickucr im Spiel können dawidcrwirken. Viel wichtiger aber ist e-->, die tiefere Ausgabe bet Freilichtspiele zu erkennen. Es kommt nicht von ungefähr, daß sie an so vielen Orten im Städten, in -Landschaften auftauchen und die Sommerzcit für sich cinnchmcn, als gehörten sie dazu. Es ist eben nicht mehr ihre Aufgabe, wie früher, da sie noch spärlich auftraten, die Kundigen, die ■ihcaterhafeit zu einer sommerlichen Sensation zu locken. Nein, wir leben auf einer breiteren Grundlage. Tie Freilichttheater haben einer zu betteten wie zu ernsten Dingen gleich bereiten, gutgläubigen Volksmenge geistiges Spiel unter freiem Himmel zu reichen. Liebe muß dabei sein, Ritterlichkeit, Anstand, Teufelei und — mindestens ein glanzvoller Maffcnaiiszug. Tas ist nun einmal so. Wie in Richard Wagners „Meistersingern" die feinsten und intimsten Szenen schließlich naturnotwcndig zur Festwiese führen, wird bei jedem Freilichtspiel ein Bild erwartet, da der Raum, mit rcierh+cm Gepränge ausgcstattet, nun seine Bestimmung dcr Weite erfüllt, Zuschauer und Tatitellcr zu einem Gemcinschaftscrlcbnis edler Art zusammenzufchließen. Es gilt aber eines zu wahren: das Wort! Mit allen Mitteln! Unter allen Umständen! In ihm flammt bet Geist des Dichters aus dcr Scheide und sicht für das Göttliche wider die Tämoncn. Tes Wortes Klinge muß in allen Szenen blitzen, durch jeden Wirrwarr leuchten, mutz jeglichem Getümmel die Weihe geben, damit keine Pantomime daraus werde, die das Auge mit schnell verrauschendem schimmer füllt, keine Revue, welche dic Würde des Werkes vernichtet. Hier iit die Ausgabe des Regiffeurs, jenes feinen Ordners der theatralischen Tinge, der schöpferisch abznwägcn hat. Er hat cs in den Maiscnfzcnen am schwersten. Sic sind seine Lust und sein schmerz. Er arbeitet mit einer Menge, die er nicht kennt, bereit Gesichter er nicht formen kann, er arbeitet mit Farben, Musik und Pferdebeinen. Ja, das Pferd! Es ist ein besonderes Problem geworden. Es gehört zur Historie im Freilichttheater. Es ist selbst ein Stück edler Natur in seiner Schweigsamkeit und Schönheit. Es bat sogar eine dramaturgische Aufgabe. Aber sie muß kurz sein. Richard Weichert hat das in seiner volkstümlich-schönen Inszenierung des „Kätchen" im Heidelberger Schlotzhof erkannt. Tie Reiter itieben nur so heran und verschwinden, kaum daß man sie gesehen. Und doch: der kleinste Statist dient der Dichtung, wenn er sie ernst nimmt, besser als dcr schnellste Renner.
yETCGSPREIS ftr sweimalige Ausgabe und Reichs ansgabe /einmal tüglich, vereinigt Abendblatt, I. und jj. Mergenblatt) in Deutschland monatlich
»nzügl. ortsüblich.Trtgerlohn. Postereis: RM6.—einschliell. Zeitnngsgeböhr ■. luiöglich Bestellgeld. Im Ausland nach dem y»rif der am Weltpostverein beteiligten fostanatalten. Unter Streifband Portuzu- ythlag. Einzelpreis: zweimalige Ausgabe i ^.bend- und Erstes Morgenblatt (vereinigt): gO Pfennig. II. Morgenblatt IS Pfennig. Mon- fag-Morgenblatt 20 Pfennig. Reichsausgabe: Uglich 20 Pfennig. Sonntags 25 Pfennig, yeiblltter:Technik und Betrieb, Reiseblatt Pis Frau, Für Hochschule und Jagend, gpertblatt • Wirtschaftshefte • Börsen- und
Wirtschafukalender
ANZEIGEN . PREIS \t. Preisliste Nr. 8. Millim.-Zeile 36 Pfg. Rubrik. 1t. Sondertarif Nachlaßstaffel C. Plata end Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit
Störungen d. höhere Gewalt berechtigen nicht xn Ersatzansprüchen
Anfragen and unverlangten Einsendungen ist Rückporto beizufilgen
Verlag und Druck: Frankfurter SoeiaMlB* Druckerei G. m. b. H.

