Anlegung zahlreicher Stationen zur Sicherung ihrer Nachschubslinie schwächen müssen. Das Ovamboland ist der wafferreichste und daher auch fruchtbarste Teil der ganzen Kolonie. Rinnendes Gewässer, viele Teiche und Wasserstellen sowie reichliche Niederschläge begünstigen Ackerbau und Viehzucht, Laubbäume und Palmen haben bereits die südafrikanischen Dornbüsche verdrängt: leider ist dieses Gelbiet allerdings in dem Maste, wie es schön und fruchtbar ist, !auch ungesund, und das Fieber fordert jährlich unter den Missionaren, die sich hier niedergelassen haben, sowie unter jhen an der Südgrenze stationierten Soldaten seine Opfer.
Rußland.
Die Gesetze in Betreff -er Anden.
* Der „Times" zufolge hat der russische Minister des Inneren pn die Gouverneure der Provinzen und an andere Behörden ein Rundschreiben gerichtet, in dem sie aufgefordert werden, über die Schwierigkeiten zu berichten, auf die man bei Durchführung der auf die I u d e n bezüglichen Gesetze gestoßen wäre. Es jwird zugegeben, daß viele der Gesetze veraltet, einander widersprechend und im Wortlaut ungenau seien. Die Folge davon wäre, daß die Auslegung nicht nur bei verschiedenen Gerichten, sondern manchmal in ein und demselben Gerichtshöfe eine verschiedene sei. Selbst der oberste Appellations- ßerichtshof, ber Senat, habe zu verschiedenen Zeiten diese Gesetze widersprechend ausgclegt. Die Regierung finde es unter diesen Umständen notwendig, eine R e v i s i o n der Gesetze vor» zunehmen und sie zu verbefiern. Der ganze Inhalt des Schriftstückes laufe daraus hinaus, daß die Behandlung der Juden durch die Gouverneure der Provinzen in vielen Fällen eine strengere gewesen sei, als das Gesetz gestattet. In einigen Fällen §habe sich der Senat sogar genötigt gesehen, zu erklären, daß die Gouverneure ungesetzlich vorgegangen seien. Eine solche Erklärung schädige aber die Autorität der Gouverneure.
Afrika.
Unzufriedenheit der Bure« in Transvaal.
* Die Farmer von Waterberg haben unter dem Vorsitz des General Beyers eine Resolution gefaßt, in der sie sich sehr energisch gegen die Heranziehung chinesischer oder anderer ausländischer Arbeitskräfte aussprechen. Sie behaupten, daß der Bestand an eingeborenen Arbeitern, wenn man die Gesetze richtig anwende, vollständig ausrerche. General Beyers erklärte, daß gewiße Leute lediglich deshalb einen Druck auf den Geldmarkt ausübten, um die Regierung zu zwingen, Asiaten zu importieren. — Die in Jo Han» n e s b u r g erscheinende „Daily Mail" veröffentlichte die Sensationsnachricht, daß die illoyalen Holländer eine bewaffnete Revolte und die Errichtung eines unabhängigen Südafrika beabsichtigten. Der Johannesburger Korrespondent des „Standard" bezeichnet diese Nachricht als eine lächerliche und dumme Ente".
Ä. Srttr. Nr. 299.
Konferenz zur internationalen KeKampfnug des Mädchenhandels.
„ Wolff'Z trlegr. Corresp. -Bnreau.l
Berlin, 28. Oft. Die zweite deutsche nationale Konferenz zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels wurde heute unter Vorsitz des Pfarrers Burckhardt in Vertretung des erkrankten ^Vorsitzenden Grafen Keller eröffnet. Anwesend waren Vertreter des Reichskanzlers, des Justizministers, des Kultusministers, des Ministers des Innern, der Städte Berlin und Hamburg und zahlreiche Delegierte. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden referierte Vereinsschatzmeister sMajor W a g e n e r über den Stand der Frage und erstattete den Jahresbericht. Redner legte die Schwierigkeiten !dar, mit denen die 'von England ausgegangene Bewegung 'ipi kämpfen habe. Es sei zu vermuten, daß ein internationaler Ring bestehe, der zur Förderung des Handels erhebliche Summen aufbringe. Der Druck auf die Regierungen habe dazu geführt, daß die französische Regierung einen Kongreß von Regierungsvertretern nach Paris ieinberi.es. Die Teilnahme der Regierung habe die Privat- ckätigkeit des Nationalkomitees wesentlich gesteigert. Redner schildert dann speziell die Tätigkeit des deutschen National- ckomitees, durch das 42 Mädchenhändler entlarvt und 66 "Mädchen gerettet wurden. Für den Zweigverein in Bayern erstattete Unterstaatssekretär von Mayr, für Sachsen Pastor Mätzold, für Elsaß-Lothringen Kanonikus Mül- ‘ler - Simonis Bericht. Bußmann - Buenos- Aires teilte mit, daß das dortige Komitee einen Gesetzent- iitnirf eingebracht habe, nach dem ein entlarvter Mädchenhändler zu 6 Jahren Zuchthaus und Einziehung der gesamten Habe verurteilt werde.
Ale ungarische Krisis
Privattelegr. der „Franks. Ztg."
h Budapest, 28. Okt., 1.25 N. Der größte Teil der Presse erwartet vom Verlauf der heutigen Konferenz der liberalen Partei, die wahrscheinlich auch morgen fortgesetzt wird, eine Entscheidung für die weitere Gestaltung der Lage. Die Annahme des Militärprogramm 8 ist wohl gesichert, während für die Ordnung ftm Parlament keine einzige Garantie vorhanden ist. Die für morgen einberufene Sitzung des Abgeordnetenhauses wird, da die Ugron - Fraktion ihr Verlangen "nach der Einberufung zurückgezogen hat, wohl eröffnet, aber sofort geschlossen werden. Für die Unklarheit der Lage ist bezeichnend, daß das Amtsblatt bisher weder die Enthebung des Grafen Khuen noch die Betrauung Tiszas 'publiziert hat.
„Ei Gödhee," säggt se, „alber Knobb, Des kannst de aach net denke, ! Daß der mol ton beim Schdruwwelkobb Mei Mancher dhäte henke. Swad' daß de net mehr lewe dHust, Mit Dir, do hätt ich gern geschmust,- Ich dhu dich nemlich liewe. Weil de so fchee geschriwwe.
Dei Fausd, bei Hamlet sin famos. Die kann mer zehmol lese.
(Zum Deiwel zu, do is des Oos Am Bicherschrank gewesel) Dei Daucher und bei Loreley, Dei Nadhan un bei Walleschdei 11 n sonst bie viele Sache — Des soll e Annrer mache I
Ja, Wolfgang, dhätst de lewe nö. Ich dhät mei Herz der schenke. Des gab e scheene Flidderwoch.
Nor aans gibt mer zu benle: Dei Herz bes war e bissi groß, Do war ber Deiwel brinne los, E schbännig Wechselfiewer — x
Mei Schaa-) is mer doch lieber 1"
b sMagdeburger ©rief.] Man schreibt uns aus Magde- !b u r g v. 22. ds.: Heute wurde hier die von H. B r e n n e r t und !Dr. W. Kleefeld neu bearbeitete komische Oper von Ferdinando Paör (geb. 1771 zu Parma, gest. 1839 in Paris) „Der Herr Kapellmeister" zum erstenmale gegeben. Die Bearbeiter haben das früher mehraktige Werk in einen Akt zusammengezogen «nd den Tert verfeinert. Die heitere Stimmung des Merkchens, das eine auch heute noch verständliche Persiflage auf die Eitelkeiten und Nuhmesbestrcbungen früherer Opernkomponisten bringt, ist trefflich gewahrt. Freilich kommt uns modernen Menschen der Inhalt dieser Oper doch ein wenig allzu harmlos vor. Die Musik Ist von großer Schönheit. Eine ungemein komische D-moli- iRomanze'mit ihrem frischen Ton hatte den stärksten Erfolg. Die Besetzung des Merkchens war angemeffen, die Aufführung unter Herrn G ö l l r i ch s Leitung war vorzüglich. — Auch die Wiederaufnahme von Gounods „Romeo und Julia" hatte einen guten Erfolg. — In den städtischen Konzerten brachte der Leiter des städtischen Orchesters, Herr Krug-Waldsee, sein neuestes Opus, eine vierteilige Sinfonie in C-dur mit starkem Äußeren Erfolge heraus. Es ist ein Epigonenwerk, der Satzordnung 'nach klassisch, dem Inhalt nach programmatisch gehalten. Wertzoll sind nur die beiden Mittelsätze. — In einem Kasino-Konzert
»X Goethebüste, *1 Jeaq.
28. Vktobrr 190%
Abendblatt der Frankfurter Zeitung.
Der Kampf «ms Majorat.
wsset umgesprungen ist.
Arankfurter Angelegenheiten.
— Frankfurt, 28. Oktober.
gelebt; er habe sich viel aus Jagd befunden und keine Gelegenheit gehabt, Geld auszugeben. Einige Alimentenklagen hätten gegen ihn geschwebt. Er selbst, der Zeuge, habe einmal den Vorschlag gemacht, die Gräfin zu entmündigen.
Es werden dann einige Zeugen aus Wroblewo und Umgegend vernommen, welche sich im Allgemeinen über die Schwierigkeiten stnanzieller Natur, die dort sich von Zeit zu Zeit bemerkbar machten, und über die Gerüchte auslaffen, die dort umliefen, als die Entbindung der Gräfin bekannt wurde. Darunter befand sich auch ein Gerichtsvollzieher, der so oft auf's Schloß kam, daß er „Onkel" genannt wurde.
e Leipzig, 28. Okt. (Telegr.) In dem Prozeß der Aktiengesellschaft Friedr. Krupp gegen die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik, Düsseldorf, wurde das Rohrrücklauf- Patent auf Berufung ber Firma Krupp insoweit teilweise vernichtet, als aus Anspruch 1 und 2 ein Anspruch gemacht ist.
K München, 28. Oktober. In der Klagesache der Firma Späth u. Co. gegen die Auskunftei Schimmelpfeng auf Schadenersatz wegen unrichtiger Auskunft (siehe Nr. 297 Abendblatt der „Frankfurter Zeitung") erließ daS Oberlandesgericht heute Beweisbeschluß über alle von beiden Seiten gestellten Beweisanträge bezüglich der Zeugen, Sachverständigen und Akten.
Khamöerlain in Liverpool.
(W o l f f' s telegr. C o r r e s P. - B u r e a u.)
Liverpool, 28. Okt. Bon einer gewaltigen Menschenmenge bei seiner Ankunft stürmisch begrüßt, hielt Chamberlain gestern Abend in einer von etwa 5000 Personen besuchten Versammlung eine Rede, in welcher er wiederum von der Einig, u n g auf dem Gebiete des Handels als der notwendigen Vorbedingung für die Reichseinheit sprach. Chamberlain appellierte namentlich an die arbeitenden Klaffen, indem er sein Wort darauf gab, daß sich durch seine Vorschläge, welche auch der Schiffahrt und Industrie zu gute kommen würden, die Lebensmittelpreise nicht erhöhen würden. Auf das Ausland übergehend meinte Chamberlain, man müsse einen Weg finden, sich mit diesen Ausländern zu einigen, um die Beschränkungen des Handels loS zu werden. Balfours Ziel und da? seine sei, sich die Vollmacht zu solchen Einigungs-Verhandlungen und selbst zur Einführung der vergeltmden Maßnahmen zu sichern. Bleibe England aber bei dem letzten System und überlasse es seinen Kolonien, anderswo Entgegenkommen zu suchen, dann sage er vorher, daß dieses große Reich früher oder später dahinschwinden und nicht einen Heller hinterlassen werde. Er weise darauf hin, daß der Londoner Grafschaftsrat für 41,000 Pfund Straßenbahnmaterial in Deutschland ankaufte. Der Herstellungslohn dieses Materials sei ins Ausland gegangen, während er hätte imLande bleibenkönnen.Chamberlain fuhr fort,die Statistik ergebe, daß weder der Seehandel noch der Schiffbau in England in gleichem Maße zunehme, wie im Auslande: das sei auf die im Auslande gezahlten Prämien und Subventionen zurückzuführen. Er habe vor einiger Zeit eine Reise nach Sansibar gemacht, da sei ihm an der Ostküste von Afrika erzählt worden, der deutsche Handel mache dort große Fortschritte. Er habe zu den Kaufleuten, die er gesehen habe und die meist Engländer waren, gesagt, ob England denn so weit hinter den Deutschen zurück sei, daß sie keine euglischenWaren mehr kaufen könnten, worauf ihm erwidert worden sei, das sei nicht der Fall; die englischen Fabriken hätten vielleicht sogar in einigen Beziehungen Fortschritte gemacht. Der wahre Grund sei der, Deutschland habe ausgezeichnete Dampferlinien mit hohm Subventionen, England nur eine ungenügende Linie mit einer jämmerlichen Subvention. Die deutschen Dampfer brächten deutsche Ware. Der Handel folge der Flagge.
den Nacken," sagt Emerson. Die Briefe, die sie an den gleichaltrigen Kaufmann Nathan richtete, den sie im Februar des Jahres 1845 kennen lernte, sind eher geistvolle Abhandlungen als empfindungsvolle Liebesergüsse; Margaret hatte bas Vorgefühl, daß sie in Nathan einen Menschen antreffen werde, der ihr zeigen würde, „wie die heutige Sonne auf den alten Tempel scheint . Und als das Verhältnis abgebrochen wurde, weil Nathan auf Reisen ging und eine „paffende Partie" machen konnte, da hat sich Margaret nicht die Haare aus Verzweiflung ausgeraust. Sie spricht davon, ihre Erfahrungen literarisch zu verwerten gerade
Bayerischer Landtag.
(Privattelegr. der „Franks. 3tg.")
K München, 28. Okt.
Abgeordnetenkammer.
Etat bes neuenVerkehrsministeriums. Sämtliche Parteien sprechen sich für die sofortige Schaffung des neuen Ministeriums aus, namentlich sehr entschieden die L i b e r a l e n, welche im Finanzausschuß „vorerst" dagegen gestimmt hatten. Nur die Bauernbündler scheinen geteilter Meinung zu sein.
Der Etat und damit das neue Verkehrsministerium wird mithin einstimmig oder nehezu einstimmig angenommen werden.
Abg. Dr. Pichler protestiert heilte unter Zustimmung der Liberalen und Klerikalen gegen die Aeußerung des Abg. Dr. G ae ch (Bb.), daß der neue Verkehrsminister wahrscheinlich der erste und letzte in Bayern sein würde. Der sozialdemokratische Abg. Adolf Müller fragt an, ob es richtig sei, daß für einen General als Verkehrsminister Propaganda gemacht werde. (Bekanntlich ist jedoch Ministerialrat vonFraüendorfer bestimmt alS Minister in Aussicht genommen).
Die Debatte wird morgen fortgesetzt.
überraschte Frl. M.Seret ans Amsterdam durch ihren schönen Mezzosopran und die starke Verinnerlichung ihrer Vorträge.
o (Der Opernpreis Sonzogno.] Man schreibt uns aus Mailand, vom 23. ds.: Die Verlagsgesellschaft Sonzogno verleiht alle paar Jahre einen Preis von 50,000 Franken für eine einaktige Oper. Von den eingehenden Werken werden drei zur engeren Wahl gestellt, im Tealro Lirico in Mailand auf gefühlt und das Publikum selbst entscheidet über die Verleihung des Preises. Aus das letzte Ausschreiben waren nicht weniger als 237 Werke eingelaufen. Die Preiskommiffion ist jetzt mit ihrer Arbeit fertig und hat folgende Werke zum engeren Wettbewerb gestellt : „Ter blaue Domino" von Franko da Venezia, Profeffor am Konservatorium in Turin, Text von G. Zuppone-Strani, „La Gabrera" von Gabriel Dupont, Text von Henri Cain, beide in Paris, und „Manuel Menedez" von Lorenz Filiali aus Neapel, Text von Vittorio Bianchi, und Anton Anile, gleichfalls in Neapel. Erst im Jahre 1905 wird das Publikum zu entscheiden haben, welche dieser drei Opern der Preis zufallen soll. Eine lobende Anerkennung erhielten folgende Werke: „Der Verbannte von Joses Fcrrater in Beaver (Pensylvanien), Text von Lucian Croci, „Cristiana" von Emil Roux in Paris. Text von Froge und Coutois, „Die schwarze Perle", Text und Musik von Boccardi in Jntra und schließlich „Oriana" von Edgard Del Valle de P a z, Text von Aruch und Pavolini.
----- (Margaret FullerS Liebesbriefe.] Man schreibt uns aus London: Man hat dem Andenken der ameri- kanischen Schriftstellerin Margaret Fuller keinen Dienst erwiesen, als man ihre Liebesbriefe aus dem Staub der Ver- gessenheit hervorzog und der Oeffentlichkeit übergab, — ein halbes Jahrhundert nach ihrem tragischen Tod in den Wellen. Es war wohl keine erste Liebe, die Margarets Herz höher schlagen machte, als sie diese vierzig oder fünfzig Briefe an ihren Geliebten James Nathan schrieb. Auch eine Jugendliebe war es nicht, denn im Jahr 1845 war Margaret Fuller etwa 36 Jahre alt, also schon über die Jahre erster Schwärmereien hinaus. Daß sie nicht ftüher ihr Herz verlor, mag überraschen; denn wir wissen aus den Aufzeichnungen ihrer Zeitgenoffen, daß Margaret Fuller sich mit fein- gebildeten, überlegenen jungen Männern und Frauen zu umgeben liebte und sehr viel Unterhaltungstaleni entwickelte. Aus Emerson s Beschreibung wissen wir aber auch, daß Margaret Fuller bei der ersten Bekanntschaft einen unangenehmen Eindruck auf die Leute machte, sogar auf diejenigen, die nachher ihre besten Freunde wurden, sodaß sie es nicht im selben Zimmer mit ihr aushalten konnten. C. T. C o g d e n dagegen war von ihrer Unterhaltung so bezaubert, daß er sich nicht von seinem Stuhl rühren Konnte und „fünfzig Ohren" zu besitzen wünschte. Eine nicht unschöne Dame, die fortwährend ihre Schultern beguckt, blinzelt und durch die Nase spricht, muß eine gewaltige geistige Anziehungskraft besitzen, um eine angenehme Gesellschafterin zu sein. „Und Margaret Fuller trug ihre Freunde wie ein mit Diamanten besetztes Halsband nm
spricht davon, ihre Erfahrungen literarisch zu verwerten wie George Sand mit Chopin und Muffet umgefpi .. Und dann reifte sie im Auftrag eines amerikanischen Blattes nach Rom, hat dort die Revolution von 1848 mitgemacht und vermählte sich im Geheimen mit dem zehn Jahre jüngeren Marchese O f s o li, der auf den Stadtmauern Roms kämpfte, während sie im Spital die Verwundeten pflegte. Nach der Einnahme Roms durch die Franzosen, welche Pius IX. wieder auf den päpstlichen Tron fetzten, find Margaret Fuller, ihr Gatte und ihr Söhnlein Angelo an der amerikanischen Küste in einem Schiffbruch ums Leben gekommen. Margaret Fullers Liebesbriefe find bei Fisher Unfein in London erschienen. — G. G. S.
= Rationalliberale und Sozialdemokraten. Der sozialdemokratische Landtagskandidat Hüttmann empfiehlt feinen Parteigenoffen ein Wahlbündnis mit den National- liberalen. Die Antwort auf dieses Anerbieten hat ber national- liberale Landtagskandidat Martell bereits pränumerando in der Versammlung im Rechneisaal erteilt. Er äußerte dort nach einer uns vorliegenden stenographischen Niederschrift: „ES ist schade, daß nicht ein paar Sozialdemokraten hier find, aber ich werde eS hoffentlich in Gegenwart der Herren noch nachhole» sännen. Eine Partei, die erklärt, sie wolle von der ganzen bürge« lichen Gesellschaft nichts wisfen, es sei „eine reaktionäre Masse / - die sich in Dresden auf diesen feindlichen Standpunkt gestellt hat, dieser Partei soll ich mich an den Hals werfen? Das geht meiner persönlichen Ehre zu nahe... Ich will mit der Sozialdemokratie keine Brüderschaft schließen... Ich paktiere lieber mit der Zentrumspartei, als mit den Sozial- demokraten." In diesem Falle haben also die National- liberalen mehr politischen Charakter bewiesen. Die Sozialdemokraten dürfen sich freuen, daß ihnen ihr Landtagskandidat eine derartige Abfuhr eingetragen hat.
— Denkmal für Karl Sänger. Das Denkmal für Karl Sänger ist vollendet und auf dem Frankfurter Friedhof aufgestellt. Nächsten Sonntag Vormittags 10 Uhr werden sich die Mitglieder des Denkmalskomitees und nähere Freunde des Verstorbenen an Sängers Grab zusammenfinden. Eine größere Feier ist nicht beabsichtigt.
— Etn Schütz. Der Polizeibericht meldet: „Gestern Abend gegen 7 Uhr ging die Ehefrau Katharina Jost, die Kaiserstraße 13 wohnt, durch die Mainzergaffe und erhielt, als sie an dem Hause Münzgafse Nr. 3 vorbei kam. einen Schuß in die rechte Kopfseite. Die Verletzte wurde ins Bürgerhospital verbracht. Die Nachforschungen nach dem Täter sind eingeleitet." — Ein Berichterstatter meldet, daß die Frau bald aus dem Hospital entlassen wurde. Heute Mittag wurde der Täter in der Person eine? zwölfjährigen Jungen, namens Wiesner, verhaftet, der sich, mit Pistolenschießen vernügte. Er gestand, gestern Abend die Frau getroffen zu haben.
II.
tli Berlin, 26. Oktober.
Die heutige Verhandlung beginnt mit ber Vernehmung der Hebamme Katharina O s s o w s k a, die des M e i n e i d s und der Beihilfe zur Kirchesuifterfchiebung angekkagt ist. Sie hat in dem Zivilprozeß von 1901 bekundet, daß sie vor der Geburt des Knaben die Gräfin massiert und konstatiert habe, daß diese in anderen Umständen sei. Diese Aussage bezeichnet bie Angeklagte jetzt als wissentlich falsch. Als sie massiert habe, fei der kleine Graf schon 8 Monate alt gewesen. Die Frau Gräfin habe sie eines Tags gebeten ihr zu helfen. Die Hebamme fei gestorben, und sie habe keine Beweise für die Geburt des Sohnes. Da habe ihr die Gräfin leid getan, und sie habe ihr in einem Attest bescheinigt, daß sie in gesegneten Umständen gewesen sei. Der Graf habe es gelesen. Vor Gericht habe sie wieder an den Knaben und an die Fräuleins gedacht und sei aus Angst, daß sie Strafe bekommen werde wegen des falschen Attestes, bei dem geblieben, was im Attest stand. Später habe sie aber Gewissensbisse bekommen. Was sie jetzt gesagt habe, sei die reine Wahrheit, lediglich aus Gewissensbissen habe sie sich zum Widerruf ihrer ersten Aussage bestimmen lassen. Dabei bleibt sie auch auf die Fragen der Verteidiger, die dahin zielen, ob sie nicht auf eine Belohnung vorn Grafen Hector gerechnet habe. Staatsanw. Dr. M Ü l l e r: Was dachten Sie selbst über die Herkunft des Kindes. — A n g e k l.: Hab' ich gedacht, Gräfin fei das Großmutter von das Kind. (Heiterkeit)). Es wird noch zur Sprache gebracht, daß die Angell. O s s o w s k a vor Jahren schon einmal in einem Falle auf die Bitten einer Frau ein Kind untergeschoben habe. Sie gibt dies ohne weiteres zu und will aus Mitleid mit der armen Frau gehandelt haben, die ihr geklagt, daß ihr Mann höchst unglücklich über die Kinderlosigkeit ihrer Ehe sei.
'Justizrat W r o n f e r betont die Wahrscheinlichkeit, daß die Angeklagte auf eine hohe Belohnung vom Grafen Hector Kwilecki hoffe. Zum Beweise überreicht er dem Gerichtshof einige von der Hand der Offowska geschriebene Zettel, die die Angeklagte auS dem Untersuchungsgefängnis einer zurEntlaffung gekommenen Mitgefangenen als Instruktion für an ihre Familienglieder zu richtende Briefe mitgegeben hatte. Darin vertröstet sie u. a. ihre Angehörigen, sie werde höchstens V/g Jahre Gefängnis bekommen, die Untersuchungshaft aber abgerechnet toerben,, ber Propst in ihrem Heimatorte möge ein Gnadengesuch für sie einreichen, und bet „Herr" werde sich schon erkenntlich zeigen.
x jDic Polar - Expedition deS Baron Toll.] Man schreibt uns: Der Kommandant des Expeditionsschiffes „Gar ja", Leutnant Matt hi essen, der im Februar aus St. Petersburg über Irkutsk und Jakutsk zur Lena- Mündung abreifte, ist in der vorigen Woche von dort wieder nach St. Petersburg zurückgekehrt. Er war von der Akademie der Wissenschaften beauftragt worden, die Abtakelung der „Sarja" vorzunehmen, die in der Dickson- Bucht liegt und bei ihrem Tiefgänge nicht in die Lena-Mündung einlaufen kann. Leutnant Matthieffen hat seinen Auftrag ausgefuhrt und die Maschinen, die Takelage und die Ausrüstung des Schiffes der Kompanie Gromow übergeben. Ueber den Verbleib des Baron Toll und seiner Begleiter, des Astronomen S e e b e r g und zweier Jakuten, hat Leutnant Matthieffen nichts erfahren können. Auch über das Schicksal des im Frühling aus St. Petersburg nach Neu« Sibirien abgereisten Leutnants K o l t s ch a k, der die Spuren Baron Tolls finden und ihm Hilfe bringen sollte, fehlen Nachrichten. Er befindet sich jedenfalls auf den Neusibiri« scheu Inseln und wird vermutlich nach einigen Wochen. ,sobald das Eis stark genug ist, von dort nach der Lena-Mw« düng zurückkehren, so daß wir wohl bald Nachrichten von ihm bekommen werden.
— (Akademische Nachrichte«.] Man schreibt uns aus Bafel vom 27. dS.: Heute habilitierte sich an der Universität Dr. Phil. E. F. S t ü ck e l b e r g als Privatdozent für Geschichte. — In Baden-Baden ist am 24. ds. der emeritierte o. Profeffor des römischen Rechts der Universität Leiprtg Dr. Mols Schmidt gestorh'
= Meine Mitteilungen.] In den Schlußbetrachtungen über das Heidelberger Musikfest im gestrigen Abend- blatt der „Frankfurter Zeitung" muß es in der 10. Zeile der 2.Spalte natürlich nicht das „unveränderliche", sondern das „veränderliche" Orchester-Podium heißen. - Ein Leser in Hof und einer in Hamburg machen daraus aufmerksam, daß die dem Roman „Aus einer kleinen Garnison" entnommene Anekdote von den „schlauen Einjährigen" bereits in einer älteren Num- mer der Fliegenden Blätter vorkommt.— Aus Göttingen wird uns geschrieben: Auf dem geophysikalischen Institut wurde am Sonntag, abends gegen 11 Uhr. starkes Po lar l ich t beob- achtet. Farbige Bogen und Strahlen bildeten sich allerdings nicht aus, aber der gewöhnliche im Herbst und Frühjahr ring? am Horizont bemerkbare Polarlichtstreifen war von einer solchen Helligkeit, daß der Erdboden wie von Mondschein erleuchtet schien. Im Spektroskop zeigte sich der für das Polarlicht charakteristische gelbgrüne Streifen mit großer Intensität. - Man berichtet uns auS B o n n: Der Plan, mit dem Main z e r E n f e m b l e regelmäßige Operngastfpiele in diesem Winter hier zu veran- stallen ist an der Höhe der Kosten gescheitert. Infolgedessen hat die städtische Verwaltung mit der Stadt Düsseldorf verein- bart daß von Mitte November ab die Düsseldorfer Operntruppe hier eine Anzahl von Gastspielen geben wird. — Wie man uns ans Karlsruhe berichtet, fang Herr Konzert- sänger Händel in einem dieser Tage stattgehabten Krrchen- Konzert zwei Baß-Soli mit gutem Gelingen. —In Göppingen bet sich, tote uns von dort gemeldet wird, eine Ortsgruppe des Württembergifchen Goethebundes gebilbet. Es haben sich bereits 112 Mitglieder angemeldet. 1. Vorsitzender ist Redakteur Jllig, 2. Vorsitzender Medizinalrat Dr. En g el- tjin. — Aus Brüssel schreibt man uns: Der Rücktritt deS Kommandanten de Gerlache von der, gemeinsam mit Dr. , Charcot angetretenen Südpolexpedition wird hier viel besprochen. Persönliche Zwistigkeiten scheinen die Ur- fache zu sein. Der Austritt erfolgte in Pernamkmco. — Man berichtet uns aus Treviso vom 26. ds.: In dem jetzt von vielen Herbstfiischlern besuchten Treviso wurde im Theater Sociale gestern zum erstenmal Wagners „Götterdä mm er» nng' gegeben, dirigiert von Mugnone. Das zahlreich erschienene Publikum zeigte großes Jntereffe, aber auch stellenweise Ermüd- ung. — Aus Perm wird uns gemeldet: Am Ufer eine? Baches beim Dorfe Staro-Garewaja im Kreise Perm am Westabhange des Ural haben Bauern abermals Telle des Skeletts eines unge- wöhnlich großen Mammuts gefmtben. Den Kopf, bie Kinn- backen, die beiden Stoßzähne, mehrere Rippen und andere Knochen hat das Museum in Perm erworben, deffen Konservator Ostrou- moto sich an den Ort begab, wo das Skelett gesunden wurde.
Vermischtes»
m floht, 28. Oktober. In der verflossenen Nacht brach in der Gießerei und Maschinenfabrik von Eulenberg, Moenting u. Co. in Mülheim a. Rh. Großfener aus, das die gesamte Fabrik einäscherte. Zahlreiche wertvolle Modelle sind ein Raub der Flammen geworden.
hs Wiesbaden, 28. Okt. Das Patentamt hat den Antrag auf Löschung des Warenzeichens „Kochbrunnen" abgelehnt. Es ist also nur noch den Teilhabern an Wasser der bekannten Wiesbadener Quelle dieses Namens gestattet, das Wort für Mineralwasser im Handel zu gebrauchen.
d Mannheim, 28. Oki. In der Schwetzingerstraße verübte, heute früh der Fabrikarbeiter Adam Kamberger aus Emmendingen auf seine frühere Geliebte, die Fabrikarbeiterin Marie' Metz, einen Mordversuch. Er gab auf das Mädchen, dem er aufgelauert hatte, drei Schüsse ab, von denen zwei in den Kopf, einer in den Rücken drang. Die Verletzte wurde in die Wohnung ihrer Eltern gebracht, der Täter verhaftet. Das Motiv ist verschmähte Liebe.
m Wamberg, 27. Okt. Das Gerücht, der ehemalige Hauslehrer D i p p o l d habe im Zuchthause Ebrach einen Selbstmordversuch verübt, bewahrheitet sich nicht. Dippold soll sich vielmehr mit seiner Lage abgefunden haben. Er ist zur Zeit in feiner Zell« mit Strumpfwirkerei beschäftigt.
---- WLrnberg, 28. Okt. Hier hat sich ein 13jährige« Realschüler erschossen, weil er trotz großen Fleißes auf der Schule nicht mittam.
J* Ans Hktaß-Aothkiugen, 27. Okt. Es wird uns geschrieben: Der Verlag des vielgenannten militärischen Zeitbildes „AuS einer kleinen Garnison" zeigt an, daß nächster Tage ein Neudruck des Buches zur Versendung gelangt. Eine Beschlagnahme des Buches oder gar ein Verbot des Verkaufes lasse sich nach den eingeholten Gutachten hervorragender Juristen absolut nicht rechtfertigen, geschweige denn aufrechterhalten. Auch in Straßburg sei die Beschlagnahme am 23. Oktober wieder aufgehoben worden. Der Verfasser Leutnant Bilse erklärte, den Wahrheitsbeweis für die von ihm behaupteten Vorgänge antreten zu wollen; gegenwärtig tagt in Forbach die militärische Unter- fucbunQSfonitniffwn.
v. K. Sydney, 17. Sept. In Rockhampton ist am 14. b. einer der angesehensten deutschen KolonistenQueens« lands. Wilhelm Boldemann, im Alter von 82 Jahrengestorben. Boldemann, der im Jahre 1853 von Deutschland nach Sydney ausgewandert war, hatte sich ein Jahrzehnt später in Rockhampton niedergelassen, wo er sich industriellen Unternehmungen zuwendete. Unter anderem gründete er dort die erste Brauerei, sowie eine Kerzen- und Seifenfabrik.
Die angeklagte Gräfin bestreiket alles, waS die Zeugin gesagt hat. Sie sei von dieser schon vor der Geburt des Knaben massiert worden, und die Offowska habe ihr sreiwMg das Attest überbracht.
Der Angeklagte Graf Kwilecki bestreitet, daß er bei der Heberbringung des Attestes durch die Offowska zugegen gewesen fei. Als "die Offowska vom Termin in Posen zurückgekehrt sei, habe sie sich bei ihm, der im Bette gelegen, melden und ihm Mitteilung machen wollen, er habe ihr aber erklärt, er wolle von ihr absolut nichts wiffen. Von Kinderunterschieben fei bei ihm keine Rede, er weise solchen Verdacht weit von sich. Seine Frau fei ordnungsmäßig niedergekommen, der Knabe fei ein ehelich geborener Sohn und er fei stolz auf ihn. Als ihm seine Fran von Berlin telegraphiert, daß sie glücklich entbunden worden fei, sei er sofort mit dem nächsten Zuge nach Berlin geeilt und seine Freude habe keine Grenzen gekannt. — Der Vorsitzende hält dem Angeklagten nochmals alle Verdachtsmomente vor. Der Angeklagte sucht sie zu widerlegen. AIS er von dem Frühstück zu feiner Frau gekommen, fei er angeheitert gewesen und habe sich nicht weiter darum bekümmert, ob seine Frau oder das Kind von Dr. Rosinski untersucht wurde. Da feine Frau ihm gesagt, sie befinde sich Wohl, so habe er sich dabei beruhigt. Präs.: Es wird doch als auffallend bezeichnet, daß, während Sie früher mit Ihrer Gattin nicht gut gelebt haben, Sie nun plötzlich in Montreux den Besuch Ihrer Gattin erhielten und daS Zusammensein dort diese glückliche Folge hatte? Sie sollen Ihrer Gattin doch Jahre lang die Erfüllung ehelicher Pflichten verweigert und sich Jahre lang von ihr fern gehalten haben? — An gekl.: O, das war mal so und mal so. Fortgesetzt schlecht haben tobt uns nicht gestanden, es ist unwahr, daß wir Jahre lang nicht miteinander verkehrt haben. Meine Frau ist etwas heftig und da ist es manchmal zu kleinen harmlosen Zänkereien gekommen. — Präs.: Na, Ihre Frau soll Sie oftmals in Gegenwart der Dienerschaft mit Schimpfworten wie „Schweinehund", „Lumpensack" rc. reguliert haben, sie soll auch direkt gesagt haben, sie ekle sich vor Ihnen. — angelt: Ach, daS war nicht so schlimm gemeint. — Justizrat Wronker: Hat die Gräfin die Schimpfworte nicht aus Anlaß von Eifersuchts- fzenen benutzt? — Ängekl.: Ja, es handelte sich um Liebesgeschichten, wenn sie so fchimpfte, es handelte sich um Verhältniffe mit anderen Frauen? — Präs.: Hatten Sie denn solche Verhältniffe ? — Angell.: Warum soll ich lein Verhältnis haben? (Heiterkeit). Der Angeklagte erkennt an, daß er stets mit Geld- fargen zu kämpfen gehabt und in Schulden geraten sei. Die Herrschaft in einem ordnungsmäßigen Zustande zu erhalten, habe große Summen verschlungen, und außerdem sei er von allerlei Mißgeschick verfolgt worden. Er habe aber verschiedene Quellen gehabt, die er in Anspruch nehmen konnte, so habe er beispielsweise viel Holz schlagen lassen und daraus viele Tausende erzielt. So schlimm, wie es in der Anklage behauptet werde, sei es aber mit seiner Schuldenlast nicht gewesen, er schätze sie auf insgesamt 200,000 JÜ
Hierauf erfolgt die Vernehmung der Angell. Bronislafea C h w i a 11 o to § f a. Sie soll diejenige gewesen sein, die am Tage vor der angeblichen Entbindung mitt der Knosla zusammen das Kind erst aus Krakau geholt haben soll. Sie ist beschuldigt, bei Gelegenheit des Zivilprozesses in Posen einen Meineid geleistet zu haben. Sie erklärt sich für nichtschuldig. Infolge eines Unfalls leide sie an großer Gedächtnisschwäche. Sie stellt in Abrede, daß sie in Posen etwas Falsches beschworen habe. Sie habe nie bemerkt, daß die Gräfin ihren Körper künstlich verändert habe, sie habe ihren Zustand stets für echt gehalten. Auf eine weitere Reihe von Fragen der medizinischen Sachverständigen erklärt sie stereotyp: sie könne sich auf nichts erinnern. Sie wisse nur, daß die Gräfin geboren habe und daß die bei solchen Gelegenheiten übliche Unruhe im Hause geherrscht habe.
Es folgt bann die Vernehmung der letzten Angeklagten, der 78jährigen Dienerin Josepha K n o s k a. Sie ist ebenso wie ihre Tochter der Beihilfe zur Kinbesunterfchiebung und der Begünstigung angeklagt. Im Gegensatz zu ihrer Tochter erklärt sie, daß sie'sich der Vorgänge noch gut entsinnen könne. Bei ihrer ersten Vernehmung hat sie erklärt, daß sie bei der Geburt des Kindes zugegen gewesen wäre, später hat sie dies eingeschränkt und angegeben, daß sie Augenzeugin nicht gewesen sei. Zwei Tage vor dem 27. Januar sei sie mit ihrer Tochter nach Berlin gereift und habe im Hause Kaiserin Augustastraße 74 die Vorbereitungen für bie Ankunft der Gräfin getroffen. Die Gräfin sei am folgenden Tage eingetroffen. Der Angeklagten und ihrer Tochter fei ein Zimmer im vierten Stock angewiesen worden, und hier habe sie sich zumeist aufgehalten, da die Gräfin, die die Hebamme mitgebracht hatte, ihrer nicht bedurfte. In der Nacht zum 27. Januar fei sie heruntergerufen worden und habe den Auftrag erhalten, Kamillentee zu kochen. Die Hebamme habe den Tee in Empfang genommen und ber Gräfin hineingetragen. Gegen 6 Uhr sei die Hebamme in bie Küche gekommen, habe bort mehrere Wäschestücke und andere Gegenstände niedergelegt und ihr die Mitteilung gemacht: „Soeben ist ein Knabe geboren worden." Sie, die Angeklagte, habe das Zimmer, in welchem die Gräfin tag, während ber ganzen Nacht nicht betreten. Daß am Vorabend eine fremde Dame angekommen sei, habe fw nicht bemerkt, von ihrem Zimmer auS auch nicht bemerken können. Auf die Frage des Präsidenten, ob die Gräfin ihr nicht die Gründe angegeben habe, weshalb sie ihre Niederkunft in Berlin abhalten wollte, erwidert die Angeklagte, daß sie einmal in Wroblewo die Gräfin darnach gefragt und die Antwort erhalten habe: „Aber Knoska, bist Tu dumm, in Berlin hat man doch eine ganz andere Pflege wie hier!" Die Angeklagte wird von der Mitangeklagten O s s o w s k a unterbrochen, welche anfspringt und in erregtem Tone ausbricht: „Ich muß mich sehr Wundern, daß eine so alte Person noch so fürchterlich lügen kann, sie sagt kein wahres Wort. — Die Angeklagte Knoska erklärt lächelnd, daß sie nicht lüge.
Hiermit ist die Vernehmung der Knoska beendet und es wird zur Zeugenvernehmung übergegangen. Sanitätsrat Dr. Kubc-Kotschin berichtet über feine bei der letzten Entbindung der Gräfin gemachten Erfahrungen. Die Art der Entbindung fei nicht derartig gewesen, daß die Gräfin Besorgniffe bei einer späteren Entbindung hätte haben müffen. Die Gräfin sei eine sehr resolute, tapfere Frau, die sich auch in jenem Falle vorher nicht habe untersuchen lassen; er sei vielmehr erst zu ber Entbindung selbst hinzugezogen worden.
Amtsgerichtsrat Dr. Großmann bekundet auS seinen Erfahrungen in Wronke über die finanziellen Schwierigkeiten, in denen sich der Gras s. Z. befunden. Diese seien weniger auf fchlechte Erträgnisse der Herrschaft Wroblewo zurückzuführen, als ans fchlechte Wirtschaft des gräflichen Paares., Ein der Gräfin bekannter Rechtsanwalt habe ihm einmal gesagt: wenn man der Gräfin heute 20,000 •* gebe, dann gehe sie morgen nach Pans und komme ohne Geld wieder. Der Graf habe fehr bescheiden

