Nummer 87 Sette L_____________
sichtig vorgehe. Frankreich werde die Rolle, di« ihm in Marokko zufalle, mit Erfolg durchführen, aber die zukünftige Entwicklung der Dinge yäng« auch von dem guten Willen Deutschlands ab. Ich habe, so sagt der Redner, kein blindes Vertrauen in die zukünftige Haltung Deutschlands, aber die Deutschen werden sich selbst darüber Rechenschaft ablegen, daß eine Politik der Theatercoups ihnen selbst ebcn- soviele Nachteile bringen muh wie Len übrigen Nationen. Deutschland hat kein Interesse daran, eine drückende Atmosphäre der Unruhe auf der Welt lagern zu sehen. Deutschland wird sich wohl niemals zu einer Politik törichter Aden- teuer hcrgebcn. Die Zukunft, so meint der Redner, gehört überhaupt nicht der Politik der Gewalt, sondern der Politik dcS Rechts und selbst daS neue deutsch-französische Abkommen erkennt den Fortschritt, den die Achtung vor den Rechten Aller gemacht hat, an, indem es die Schiedsgerichtsklausel ein- führt. Dieser deutsch-französische Vertrag eröffnet für alle Mächte eine Aera friedlicher Zusammenarbeit. (Lebhafter Beifall links.)
Die Fortsetzung der Verhandlungen wird aus morgen, Mittwoch, vertagt.
Paris, 6. Febr. (W. SB.) Bankier Baron I. Guenzburg richtete an den Senator JLnouvrier ein offenes Schreiben, in dem er dessen gestrige Behauptungen über seine, Guenzburgs, Unterredungen mit Caillaux in allen Punkten mit der gröhten Entschiedenheit als unrichtig bezeichnet.
Jas neue sächsische WolKsschukgesetz.
e Dresden, 6. Febr. (Priv.-Tel.) Als Motto konnte man den heutigen Verhandlungen der Zweiten Kammer über die Bolksschulresorm voranstcllen: ES bleibt alles beim alten. Obwohl die Hälfte der Kammermitglieder sich zum Wort gemeldet hat, sollen die Verhandlungen schon morgen beendet werden, was sich allerdings nur durch einen Schlußantrag bewirken läßt. Neues vermag man nach den heutigen Verhandlungen trotz der ausgiebigen Erörterungen zum Regierungsentwurf über die Schulresorm eigentlich nicht mehr zu sagen. Nach dem Kultusminister kam zunächst der n a t iona 11 i b era I e Seminardirektor Dr. S ey f«r t zum Wort. Er ist ein anerkannter pädagogischer Fachmann und sprach im Namen seiner Fraktion. Diese lehnt die konfessionslose Schule ab. Ter Redner will der Religion eine be- deutsame Stellung im Unterricht eingeräumt sehen, verlangt aber für di« Lehrer im Ncchmen des christlichen Bekenntnisses Gewissensfreiheit. Auch soll sich der Religionsunter- rickt von jedem Dog,na fernhalten und Rücksicht auf die konfessionelle Minderheit nehmen. Weiter fordert der Redner Unentgeltlichkeit und aus sozialen Gründen auch Einheitlichkeit des Unterrichts, während der Entwurf eine höhere, mittlere und einfache Volksschule beibehalten will. An der Er- richtung eines besonderen U n t e r r i ch t S m i n i st e r i u ui r i@8 ist bemerkenswert, dah in Sachsen das Schulwesen nicht allein dem Kultusministerium, sondern zum Teil auch dem Mi- nisterium des Innern unterstellt ist. D. Ber.) hält der Red, ner fest, doch baut« er am Schluffe seiner langen. Rede eine sBtüdEe zum Kompromiß, indem er betonte, seine Fraktion betracht« den Entwurf als einen guten Ausgangspunkt für die weiteren Verhandlungen und habe den ernsten Willen, alles zu tun, nm das Gesetz nicht scheitern zu lassen.
Die Stellung der Konservativen wird gekennzeich- net durch die Tatsache, dah ihr Fraktionsredner, Geheimrat Opitz, der Regierung wärmsten Tank aussprach für den „meisterhaften" Entwurf und dafür, daß sie den Mut des Widerstandes gefunden habe. Am Schluß seiner langen Rede umwarb der konservativ« Parteiführer noch eifrig die sächsische Lehrerschaft, die allerdings von der Stellung der Konservativen zum Bolksschulgesetz sehr wenig erbaut sein wird. Es toird den Konservativen schwerlich gelingen, die verlorenen Schäf. lein wieder in die reaktionären Hürden zu locken.
Den denkbar schärfsten Gegensatz zu dem konservativen Lob- Md Dankredner bildete der sozialdemokratische Redner, Abg. F l e i sner, der vom Standpunkt seiner Fraktion natürlich in dem Entwurf nicht viel Gutes fand. Für die Fortschrittliche Volkspartei sprach auch ein Schulfachmann, der Seminarobcrlehrer Dr. D i e t e l. Auch er betonte, daß die Mehrheit des sächsischen Volkes nicht hinter dem Entwurf der Regierung, sondern hinter den liberalen Forderungen stehe. Namens seiner Fraktion verlangte Dr. Dietel Unentgeltlichkeit und Einheitlichkeit der Volksschule, Er- teilung des Religionsunterrichts auf Grundlage der „Zwickauer Thesen" und «in Unterrichtsministerium.
Vermischtes.
Neuerungen im Sommerfahrplar» Frankfurt-Bayern.
Sui dem soeben fertiggestellten bayerischen Sommerfohrplan-Eni- wurf sind folgende wichtig« Neuerungen zu ersehen. D 88 Würzburg «b 9.26 Dm. erhält ob Würzburg wieder Anschluß an den Frankfurter Schnellzug D 160 (Würzburg ab 10.05 Boi., München ab 2.55 Nm.), D 57 München ab 9.00 Dm., Würzburg ob 12.50 Nin„ Hamburg an 10 24 Abdi, (bisher 1217), verliert in der Richtung Elm-Hannover fein zweistündiges Stillager in Würzburg (seither ab 2.10 Nm ) Dadurch ist die Derbindung München-Hamburg um zwei Stunden beschleunigt. Der Karlsbad- Ostendr-Erpreß L 27/158 ist um etwas später gelegt. Er erreicht dadurch in Karlsbad den Anschluß von Dresdeu-KarlSbad D 5 (Karlsbad an 4.80Sm.) und in Eger den Anschluß von Luxuszug l48 Berlin-Leipzig-Sger (ü.02)-Karlkbad. L 27/158 fährt künftig wie folgt: Karlsbad ab 4.52 Nm., Eger 6.07, Nürnberg an 8.20. Die Berlin-Neapel Expreß, Lge L 16 und L 17 fallen aus. Die Nord-Süd-Exprißzügel-2S und L 28 werden verlegt München ab 12.30 Abds., Bozen an 7.20, Aerona 10.25 an. Verona ab 4,50, Bozen 8.00 Dm., München an 2.10 Nm. Die Nord-Süd- Ekpreßzüge werden im Mai und Juni dreimal nach Rom fortgesetzt, Rom an 10 20 Abds.. ab 5.20 Nm. Neu vorgesehen ist eine" Der- bindung Paris-Stuttgart-Wien, Paris ab 9.00 Sm„ München an 11 26 Abds., Wien an 8.00 Dm., Triest an 11 30 Dm., München ab 2.50 Nm., Straßburg an 9.54 Abds. Der München- Frankfurter Nacht-Eilzug 89 (München seither ab 10.15 Bbs.) wird um 10 Minuten später gelegt (10.25), die Ankunftszeit in Franlsurt ist die gleich« (5 53).
3 Wien, 6. Febr. Wien- populärster Volkssänger, Edmund Guschelbauer, genannt „Der alte Drahrer", ist im 73. Lebensjahre gestorben.
Hauptschlager ausmachten. Diese Serien, voran die zwei erstgenannten, hatten einen so großen Erfolg, daß sie allerseits Nachahmung, Konkurrenz und Verböserung mit noch stärkerem Farbenauftrag fanden. Erst als vor wenigen Jahren eine zielbewußte tatkräftige Propaganda gegen diese Schundliteratur einsetzte, erfolgte deren Sturz. Der anfängliche Riesenerfolg verführte aber Eichler dazu, jene Sensationserzählun- gen seines Verlags ins Französische, Niederländische, Dänische, schwedische. Italienische, Spanische, Tschechische, Polnische, Magyarische übersetzen zu lasten und für den Vertrieb dieser fremdsprachlichen Ausgaben Filialen in den betreffenden Ländern zu gründen. Bald verlor er den Ueberblick über diese ausgedehnten Unternehmungen, für die er auch keine paffenden Vertreter gefunden hatte. Die Geschäfte, nun über die teilte Schundliteratur hinaus ausgedehnt, wuchsen ihm über den Kopf, und nach dem unausbleiblichen Zusammenbruch Sines Verlages, den die sieghaft vordringcnde Agitation der nti-Schundliteratur-Bewegung beschleunigte, suchte Eichler jetzt freiwillig den Tod. Knapp sieben Jahre hat Eichler seine verwerfliche Spekulation auf die Lesewut und Abenteuergier, besonders der Jugend, getrieben, aber diese paar Jahre haben ausgereicht, um die allseitig bekannten schlimmen Folgen dieser schlechten Lektüre zu zeitigen. Man braucht also den Vorwurf der Pietätlosigkeit nicht zu fürchten, wenn man einfach konstatiert, daß -er Verstorbene aus bloßer Gier nach Mammon auf die niedersten Instinkte im Menschen spekuliert und sittliche, nicht bloß literarische Verwüstung im deutschen Volke ringe- leitet und «ach Kräften gefördert hatte.
-- »Tas Potocka-Bild.l Zu der in Nr. 34 wiedergegebr- nen Notiz „Die beiden Gräfinnen Potocka" wird uns geschrie- den: Dir Ansicht des Barons N. W. W r a n g e l, dal berühmte Pastellbild stelle die Gräfin Helena Potocka, geb. Fürstin Massalskaja vor, wird wohl noch näher begründet werden müssen. Bisher nahm man an, daß es überhaupt nicht da» Bild einer Gräfin sei, sondern daS eines schönen, jungen römischen Mädchens, welche- Prinz Heinrich durch Jonci malen liefe. So hat die Prinzessin Karl gelegentlich er- zählt. Au, dem Nachlaffe des Prinzen Heinrich erwarb der alte Lopcke das Bild und von ihm kaufte eS Schorn, der Dirck- tot des Kupferstichkabinetts. Wie der Irrtum, eS handle sich um ein Bild der Gräfin Potocka, entstand, ist unaufgeklärt. Möglicherweise ist der Kupferstecher N e Y b e r, der einen Stich davon herausgab, schuld daran.
n ^Mannheimer Chrontk.l Man berichtet uns au, Mannheim: Wie gebannt lauschte am Sonntag daS Publikum de» Hoftheater» den grausigen Vorgängen von PucciniS „Totca", die unter Herrn Lederers Leitung zum ersten Mal bei un6 in Szene ging. Das lag zum Teil gewife an dem nervenaufpeitschenden Stoff, aber es lag doch zum wett größeren Teil an der ganz ausgezeichneten Aufführung, die mu/tkalisch, darstellerisch und szenisch vor den höchsten An- iorderunaen bestand. Frau Hafgren-Waag, die Herren Vogel- . ström und Bahling waren die Vertreter der Hauptrollen, Herr Atbrath zeichnete für die Regie. Ein besondere» Lob verdient
Zweites MorgeuöLatt der
Drahtmeldungen.
/Nachdruck, telegraMIche oder telephonische Verbreitung ist nur mit deuMchm Quellenangabe ,Frkf. Zig." gestattet^
Prümt-Veprschen der Frankfurter Zeitung.
N Berlin» 6. Febr., 10 N. MS Nachfolger deS zurück- tretenden Präsidenten deS Statistischen Amts, Geheimrat» van der Borght, wird der Geheime OberregierungSrat Koch aus dem Reichsamt deS Innern bezeichnet.
Die Abgeordneten Dr. v. Campc, Dr. Friedberg und Genoffen haben mit Unterstützung der nationalliberalen Partei zur zweiten Beratung des Etats der AuS- wärtigen Angelegenheiten folgenden Antrag gestellt: „Die Königliche Staatsregierung wird aufgefordert, dem Hause der Abgeordneten tunlichst bald authentische Mitteilung über die mit der Kurie über das neueste Mo'tupropr io, be- treffend das Gerichtsverfahren gegen Geistliche, gepflogenen Verhandlungen zu machen, insbesondere den darauf bezüglichen amtlichen Schriftwechsel vorzulcgen."
f Genf, 6. Febr., 7 N. CharbonneS, der Chef des Departements der öffentlichen Arbeiten, hat dem Staatsrat ein Projekt unterbreitet, wonach er einen Kredit von Frs. 1142 000 verlangt behufs Ankaufs von Terrainparzellen in C a r o u g e und Laney. Erstere sind im Bebauungsplan für die nach dem Rückkauf des Bahnhofes Cornavin geplante Verbindungsbahn Cornavin-Eaux Bive» vorgesehen. Das für die ökonomische Entwicklung des KanwnS wichtige Projekt wurde vom Staatsrat gutgeheißen.
y Paris, 6. Febr., 7.10 N. Die Kammer hat die Generaldebatte über die Flottenvorlage begonnen und die Fortsetzung auf morgen vertagt. Zum Schluß der Sitzung beantragten die Sozialisten eine Herabsetzung der Getreidezölle mit Rücksicht auf die durch die Spekulation in die Höhe getriebenen Brotpreise. Der Handels- Minister lehnte die Herabsetzung ab, sagte aber strenge Maßregeln gegen die Spekulation zu. Der Antrag wurde an eine Kommission verwiesen.
Molff's trlrgraphischrs Corrrfpondenz-Surrsu.
Berlin, 6. Febr. Die Zentrumsfraktion des preußischen Abgeordnetenhauses brachte Anträge ein, die Staatsregierung zu ersuchen, baldmöglichst, jedenfalls noch im Laufe dieser Session, Gesetzentwürfe vorzulegen, wodurch für die Stadtverordnetcnwahlen und die Wahlen der Gemeindeverordneten der Landgemeinden Preußens die allgemeine und geheime Wahl eingeführt werde.
Wien, 6. Febr. Der Kaiser empfing heute Nachmittag in Schönbrunn den Großfürsten Andreas Wladimirowitsch in Audienz. Um 6 Uhr abends fand beim Kaiser 3'i Ehren dcS Großfürsten Tafel statt, an der Erzherzog Franz Ferdinand, die in Wien weilenden Erzherzoginnett, der ruffische Botschafter mit den Herren der Botschaft und der erste Sektionschef im Ministerium des Aeußcrn Frhr. Müller v. Szent-György teilnahmen.
Bern, 6. Febr. Der schweizerische Bundesrat verlangt von den eidgenössischen Aäten für neue Haubitzen, Festungs- und Gebirgsartillerie sowie Infanterie- und Maschinengewehre einen Kredit von 15 769 000 Franken.
Parich 6. Febr. Der Ministerrat ermächtigte den Finanzmmister Klotz und den Minister für öffentliche Ar- beiten Dupuy, der Kammer einen Gesetzentwurf vorzulcgen betreffend die Ausgabe tilgbarer Obligationen zur Bestreitung der vom Staatsschatz für die Staatseisen» bahnen bewilligten Vorschüsse.
Beirut, 6. Febr. (K. G.) JnTripolis (Syrien) begann gestern im Beisein des deutschen Vizekonsuls Dr. Lohtved- Hardegg eine neue Verhandlung in dem Prozesse wegen Ermordung des Deutschen Unger, da der Kassationshof baS erste Urteil nicht bestätigte. Die erste Entscheidung wurde prinzipiell bestätigt. Da jedoch das neue Strafgesetz die Straf- Mündigkeit. mit rückwirkender Kraft auf achtzehn Jahre hin- aufsetzt, wurde die über'den sechzehnjährigen Said verhängte Todesstrafe in vierzehn Jahre Gefängnis umgewandelt. Aus demselben Grunde wurden auch die Freiheitsstrafen zweier anderer Angeklagten herabgesetzt.
Täbris, 6. Febr. (Petersburger Telegraphen-Agent.) Der frühere Gouverneur Zia-e-Dauleh verübte im englischen Konsulat, wohin er geflüchtet war, Selbstmord.
lV Berlin, 6. Febr., 9.32 N. Oberleutnant b. Fetter, der vielgenannte Zeuge aus dem Metternich-Prozeß, hat nach Abschluß des gegen ihn eingelciteten Verfahrens den Ab- ■ schied erhalten. j
h Budapest, 6. Febr., 9 N. Zwischen der Hauptstadt ; Budapest und Vertretern einer französisch-schweizerischen ’ Klteressengruppe sind Verhandlungen wegen Pachtung der Margareteninsel im Zuge, die unter Aufwendung von mehreren Millionen zu einem internationalen Kurort um- 1 gewandelt werden soll. . .
b Laibach, 6; Febr., 8.40 N. Honte erfolgte nm 10 Uhr j 56 Minuten 8 Sekunden eine Nahbeben-Aufzeichnung. Die Herddistanz wird auf 250 Kilometer geschätzt. - /•; i
*
E- Wien, 6. Febr., 8.50 'N. Der Kaiser verlieh dem Ackerbanminister Dr. B r a f in Anerkennung seiner bedeut- f sauren Tätigkeit als Forscher und Lehrer auf dem Gebiet der Nationalökonomie da» Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft.
« Wien, 6. Febr., 10.45 N. Eugen d'Albert» neue Oper „Die verschenkte Frau" wurde heute von der H o f o p e r in Anwesenheit de» Komponisten aus der Taufe gehoben. Dem Festakt wohnte ein zahlreiche» sehr freundlich gestimmtes Publikum bei, daS den persönlich hier sehr beliebten Komponisten mehrmals vor die Rampe rief. Ob der Er- folg dauern wird, ist eine andere Frage; dem Libretto von Rudolf Lothar, der ein Seitenstück zur „Gezähmten Widerspenstigen" in der Bekehrung eines groben Ehemannes liefern wollte, fehlt die leichte Verständlichkeit, der Musik d'AlbertS die Originalität und dramatische Schlagkraft. Es ist die Arbeit eines feingebildeten Musikers, der aber, schwach an Erfindung, kleine Anleihen nicht verschmäht, von den „Meistersingern" angefangen bis zu den Produkten LehLrscher Muse. Ausstattung und Aufführung waren gut. Frau Gutheil- Schober hatte eine Doppelrolle als Ehefrau und schalkhafte Zwillingsschwester, die den komischen Ehemann durch Eifer- sucht kuriert; sie löste die Aufgabe, soweit ihre Stimmittel das gestatteten, glänzend.
die dekorative Ausstattung, und davon wieder besonders die Plattform der EnaelSburg im fahlen Morgengrauen. — Anstatt deS angekündigten Herrn Weingartner kam Herr Dr. Pfitzner al» Dirigent für die 6. Musikalische Akademie, die unter dem Programmtitel „Romantiker" einen schönen künstlerischen Verlauf nahm. Zwischen der H-moll« Symphonie von Schubert und der Nr. 3 Es»dur von Schumann standen noch MarschnerS Ouvertüre zu „Templer und Jüdin" und Teile aus Pfitzners „Rose vom Liebesgarten", die sich vollwertig in den Rahmen der Romantiker einspanncn ließen. Den vokalen Teil halte Frl. Gärtner aus Straßburg übernommen, die bester in der Neuromantik bestand als in der Ozeanarie, für die wir int Konzertsaal doch außer der stimmlichen Kraftprobe noch künstlerischen Ausgleich und feines Vortragsempfinden verlangen. — Den offiziellen Fasching hat die Stadt mit einem glänzenden Masken- ball in den Gesamträumen des Rosengartens einge- leitet.. Der Nibelungensaal hatte sich aus diesem Anlaß in eine farbenprächtige orientalische Halle umgewandelt, unter deren hochgespannten Bogen sich die hochgespannten Erwar- tungen der fröhlich tanzenden Welt bis in den frühen Morgen hinein erfüllten.
e [tton der Brasilien-Expedition Koch - Erünberg.l Herr Dr. Theodor Koch • Grünberg von der Universität Freiburg i. iß., der bereits in den Jahren 1903 bis 1905 eine erfolgreich durchgeführte Forschungsreise zu den Indianer- stämmen Nordwestbrastliens unternahm, befindet sich seitdem Sommer 1911 wieder in Südamerika. Ende November berichtete er über die bisherigen Ergebnisse folgendes: Seit Mitte Juli 1911 hat die Expedition die Grenzgebiete zwischen Brasilien, Venezuela und Britisch-Guyana, ungefähr zwischen 3" und 5° nördl. Breite und 60° und 61° westl. Länge auf verschiedenen Flußreisen und ausgedehnten Landmärschen nach mehreren Richtungen hin durchzogen. Sie gelangte da- bei über weite Savannen und durch herrliche Gebirgsgegenden nach Ueberschretten der Wafferscheide zwischen Amazonas und Orinoco nördlich bis zum Roraima, dem gewaltigen Sand- steingebitge Guayanas, besten Gipfel (2600 Meter hoch) am 7. Oktober erstiegen wurde. Die Forschuntzsresultate sind bis jetzt: Kartographische Aufnahme der gesamten Reiseroute; ein- gehendes Studium der Sitten, Gebräuche und Sprachen der Jndianerstämme, mehrere hundert Photographien, 49 Phono- gramme indianischer Gesänge, 2000 Meter kinematographi- scheu Materials, eine größere ethnographische Sammlung usw. Die Weiterreise geht den Uraricusra aufwärts, zur Erforschung seines gänzlich unbekannten Oberlaufes und de» benachbarten Ouellgebiete» des Orinoco, da» eine der wichtigsten geographischen Probleme Südamerika» darstellt. In diesen abgeschlossenen Gegenden wohnen zahlreiche In- dtanerstämme, die noch nie mit Weißen in Be- rührung gekommen sind und reiche ethnographische Ausbeute versprechen.
Frankfurter Handelsblatt.
Wiedergabe der mit - bezeichneten Artikel und der Privat-Depeschen eueh deren telegraphische oder telephonische Verbreitung ist nur mit deutlicher QueUenlngabe „Frkf. Ztg.“ gestattet.
• South African Gold Trust. Aue London, vom 5. d. M., berichtet unser m-Korrespondent: .Das Resultat dieser Tochtergesellschaft der Consolidated Gold- fields of South Atrien für 1911 zeigt infolge der Marktlage einen beträchtlichen Rückgang des Geschäftsgewinns auf £ 124133 (£ 244 818).
Abzüglich der Unkosten und Obligationszinsen verbleibt ein Reingewinn von £ 107977 (£ 225811). Die Dividende auf die Vorzugsaktien beträgt £ 30 OVO (wie i. V.) und tranzös. Steuern £ 1556 (£ 1552). Unter Berücksichtigung des Vortrags von £ 99 880 (£ 105 620) sind £ 145477 (£ 325812) verfügbar. Abzuschreiben sind für Wertrückgang der Bestände £ 173122, davon werden £ 108122 aus dem Gewinn des 1 J. gedeckt, während £65 000 der Reserve entnommen werden, die sich dadurch aut £ 210000 reduziert. Die Aktionäre erhalten inkl. der im Juli verteilten V/n sh (2/— i. V.) im Ganzen 3V- sh d. h. £ 87 500 (i. V. 6/— — £ 150000) und £ 88 804 (£ 99880) werden auf neue Rechnung vorgetragen. Die ausgeschattete Dividende wurde also tatsächlich nicht verdient, da zu ihrer Verteilung £ 11000 vom Vortrag und £65 000 von der Reserve herangezogen werden müssen, während dagegen im Vorjahr £ 50OW zur Reduktion des Buchwerts der Aktien produzierender Minengesellscbaft verwendet werden konnten. Die tür den letzteren angesammelte Reserve (£ 150 000), die bisher von dem Bilanzwert der Eft'ektenbestände abgezogen wurde, wird nunmehr dem Reservefonds zu geführt, der sich dadurch auf £ 360 000 erhöht Die Obligationsschuld wurde tun £ 10000 auf £ 110000 reduziert. Die Aktiva setzen sich zusammen aus Effekten und Beteiligungen £ 1438 552 <£ 1303178, dabei ist zu berücksichtigen, daß £ 150000, die bisher als Spezialreserve behandelt und vom Buchwert der Effekten abgezogen wurden, jetzt, wie bereits betont, zur Reserve geschlagen wurden, wodurch natürlich der Bilanzposten der Effekten um £ 150000 erhöht wird), ferner Vorschüsse und Hypotheken £ 18205 (L 40,963), Debitoren £ 44 557 (£ 106183), Reports £ 93676 (£ 153469) und Kassabestand £ 43618 (£35 547).
Wie aus der im Jahresbericht wiedergegebenen Liste des Effektenbestandes hervorgeht, hat die Gesellschaft seit der letzten Veröffentlichung einer Aufstellung (p. Ende 1908) ihre Interessen an Randwerten reduziert, namentlich hat sie von den damals vorhandenen 52 032 Robinson Deep jetzt nur noch 8616; auch scheint sie ihre Russian Mining Shares und Spassky Copper Shares sowie einen Posten Vorspoad Diamond Shares abgeslotaen zu haben, dagegen hat sie sich an den verschiedenen amerikanischen und rhodesischen Gründungen der Goldfields-Gruppe beteiligt.“
Abschlüsse schwedischer Banken. Aus Gothenburg, 4. d. M., wird uns geschrieben: »Die bis jetzt vorliegenden Abschlüsse der schwedischen Banken lassen im allgemeinen ein günstiges Resultat erkennen. Die folgende Tabelle zeigt die Reingewinne der Jahre 1911/09 (in MilL Kr.):
1911 1910 1909
Skaudinaviska Kredit ........... 6.7
Stockholms Ensk. Bank.......... 3.0
A.-B. Stockh. Haoueisb. •••••••••• 3.6
A.-B. Göteborgs Bank—.......... 2.8
Bank A.-B. Södra Lverigs........ 2.1
Skanska Handelsbank....... »>. 1.0
Hydevenska Kredit A.-B. ........ 1.7
tinndsvalls Ensk. B............... j.6
Värmlands Ensk. B............... 2.0
Bank A.-B. Norra -ßverige.•.••••• 2.1
A.-B. Norrlandsbankeu ..... 1.1)
Svenska Emtssions A.-B. ....... 1.2
6.7
6.6 * *)
2.1
■1'2.5
3W
2.7
2.4
2.5 .
2JJ
2.0
14
1.0
15
1.4
15
1.7
14‘)
1-7 *>
1.1
1.2
2.1
0.9
0.9
*) Die Gewinne umfassen auch Peingewinne solcher Banken, die später mit der betr. Batik verschmolzen sind.
, * Thurgauische Hypothekenbank, Frauenfeld. Das Institut weist bei nunmehr Fr. 20 Mill. (i. V. Fr.16 Mill.) Aktienkapital per Ende. 1911 einen Obligationenumlauf von (Fr. 143.02 Mill. (i. V. 133.12 Mill.) aus. Dem stehen gegenüber Fr. 171.77 Mill. (Fr. 161.65 Mill.) Hypothekendarlehen. Der Depositenbestand umfaßte Fr. 1.06 (1.38) Mill., an Verbindlichkeiten waren sonst auszuweisen Fr. 0.88 (1.24) Mill., Tratten und Akzepte für eigene Rechnung Fr. 6.73 (7.01) Mill., Tratten und Akzepte für Rechnung Dritter Fr. 0.84 (2.37) Mill., Bankschulden Fr. 25.86 (25.37) Mül.), Kontokorrentkreditoren, Fr. 13.26 (13.30) Mill. Sparkassengufhaben und Fr. 2.69 (2.44) Mill. „Gesellschaftskonten“. Anderseits waren vorhanden Fr. 1.44 (1.84) Mill. Kassa und Bankguthaben, Fr. 2.27 (3.57) Mill. Wechsel, Fr. 4.96 (4.1ß) Mill. Darlehen auf Obligationen, Fr. 2.14 (2.22) Mill. Valoren, /Fr. 32.27 (28.67) Mill. Debitoren und Fr. 4.82 (4.54) Mill. ;;Gesellschaftskonte.n“, Die Bankgebäude sind mit Fr. 0.56 Mill, (wie i. V.) bilanziert, ein nicht zum eigenen Gebrauch bestimmter Grundbesitz erscheint mit Fr. 0.16 (0,15) Mill. Die ordentliche Reserve enthält Fr. 4.80 (3.95) Mill. Die Dividende für 1911 beträgt bei Fr. 1223 396 (1218 895) Reingewinn bekanntlich wieder 6% pC.t. Ein Geschäftsbericht des Instituts für 1911 liegt uns noch "nicht Vor.
• Stimulierende Abschlußnotizen. Zu den Ausführungen irn Abendblatt vom 5. cl. M. erklären, wie uns der Vorsitzende des Autsichtsrats, Justizrat Heinrich Hahn telegraphiert, die sämtlichen Mitglieder des Aufsichtsrates der VereinigtenFränkischenSchuhfabriken vorm. Max Brust, vorin. B. Berneis in Nürnberg. daß sie allen Veröffentlichungen in der Presse und jedweden Aktien Verkäufen fernstehen.
* Warnung. Aus Zürich. 4. d. M„ wird uns geschrieben: „An schweizerische Adressen ist kürzlich aus Chicago ein Zirkular gekommen, das seinem Inhalte nach auffallende Aehnlichkeit mit der famosen Bauderschen „Gründung“ der Gemeinnütiigen Gesellschaft für Kapitalsanlage hat. Es werden nämlich Aktien der Fiduciary Securities Company incorporiert unter den Gesetzen des Staates Delaware U. S. A., mit einer 8proz. Vorzugsdivr- dende mit dem Rechte auf einen weiteren Dividendenanteil mit den Stammaktionären von höchstens 4 pCt., zum Parikurse, in Lots zu mindestens 5 Aktien ä 10 Dollars, zum Ankäufe angeboten, und zwar werden auf Wunsch auch Raten bewilligt; in diesem Falle sind Frs. 52 gleich, in den folgenden fünf Monaten je Frs. 41.60 zu bezahlen- Es wird berichtet, dah die genannte Gesellschaft die Fiduciary Company von Illinois übernommen habe, und diese habe in den fünf Jahren ihres Bestehens nie weniger als 20 pCt. getragen. Als Kaufpreis für die Aktien der letzteren Gesellschaft, die an Aktien und Reserven ein Kapital von Frs. 520000 batte, werden Frs- 520 000 in Stammaktien der neuen Gesellschaft gezahlt (1), die neu aus- gegebenen Prioritätsaktien stellen ein Nominalkapital von Frs. 1.04 Mill, dar; ihre Dividenden werden monatlich, von dem Monat ab gezahlt, in dem die Einzahlung der Aktien erfolgt ist. Dem Zirkular liegt ein zweites bei. das dem Leser die Kunst lehren soll, sein Kapital womöglich jährlich zu verdoppeln. Beide Schriftstücke, auf amerikanische Art au {gemacht, sind in französischer Sprache verfaßt. Es ist wohl am Platze, vor einem derartigen plumpen Angriff auf die Taschen des leichtgläubigen Publikums eindringlich zu warnen.“
• Der Zwangsakkord ohne Konkurs. Der Zcn- tralverband der Loderhändler Deutschlands bittet uns um Aufnahme folgender Aufforderung: Trotz vielfacher Wünsche und Anregungen fehlt noch Immer ein Gesetz über den Zwangeakkord ohne Konkurs, das die durch die Konkurseröffnung in den meisten Fällen eintretende Werts- verwüstung zu mindern geeignet wäre. Nach den vorliegenden Anzeichen sind die Aussichten für die Schaffung eines solchen Gesetzes gegenwärtig keine ungünstigen. Ls soll daher an den maßgebenden Stellen möglichst, umfangreiches und überzeugendes Material dafür beigebracht werden, welche wirtschaftlichen Vorteile ein solches Gesetz, insbesondere für den Handelsstand, haben würde. Der Zentralverband der Lederhändler Deutschlands hat zur Beschaffung von Material seinen Mitgliedern und einer Anzahl sonstiger Firmen seiner und verwandter Branchen ein Zirkular und einen Fragebogen zur Beantwortung zugesandt und erbietet sich, denjenigen, die sich für diese Frage interessieren, gleichfalls ein Zirkular und einen Fragebogen einzusenden.
Reform der russischen Aktienecsetzgebung. Am 9. Januar hat nach der ,,Pelersb. Hdlsztg. im russischen Ministerium eine Konferenz stattgefunden, auf der Entwurf der Reform der Aktiengeaetzgebung der endgültigen Beratung unterzogen wurde. Art. 14 des Entwurfs betreffend die Zulaaung von außenstehenden Personen zu den Aktiengesellschaften wurde in der Fassung angenommen, daß zwecks Entscheidung dieser Frage zwei Generalversammlungen einberufen werden. Ferner wurde der Artikel ausgeschaltet, welcher die zivilrechtliche Haltung der Gründer gegenüber den einzelnen Aktionären für Verluste, die die Gesellschaften oder die einzelnen1 Aktionäre zu tragen haben, festsetzte. Inbetrefl des Artikels, der die gemeinsame Haftung der Gründer im Laufe von fünf Jahren für Verluste, die entstanden sind, infolge von ungenauen oder falschen Angaben In den Prospekten und Bekanntmachungen verlangt, wird es für notwendig, gehalten, die von den Gründern zu fordernden Erklärungen näher zu bestimmen. Der Artikel, der die Haftbarkeit von Personen, die bei den Gesellschaften Einlagen gemacht haben, oder von Personen und Institutionen, die die Subskription vollzogen haben, vorschraM Ustimmt jetzt, daß solche Haft-
^luiVvid, <• Äi)12
* Export von Textilwaren nach China. Man schreibt uns: „Außer den gegenwärtigen politischen Umwälzungen in China machen sich zur Zoff ir diesem Lande auch Bestrebungen geltend, die die deutsche Industrie nicht unbeachtet lassen darf, wenn sie nicht das Nachsehen hab6n will. Die chinesische Bevölkerung :st gegenwärtig teilweise im Begriff zu europäischer Kleidung überzugehen. Infolgedessen arbeiten englische und amerikanische Finnen zur Zeit eifrig daran, Reisende mit geeigneten Mustern in Kleidungsstücken und Stoffen, Handschuh-, Strumpf- und Modewaren usw. auszurüsten, die Anfang kommenden Sommers in China eintreffen sollen. Bei unserer Exportwelt macht sich diese Bewegung nur sehr schwach geltend, abgesehen von einigen großen Häusern in Hamburg. Wenn auch England einen Teil der für China bestimmten Muster von deutschen Fabrikanten anfertigen läßt, uns später vielleicht auch die ersten Aufträge an unsere Industrie überschreibt, dürfte es doch später diese Artikel selbst fabrizieren. Als Beispiel hierfür sei nur an Australien erinnert, wohin bis vor wenigen Jahren ein blühender Exporthandel betrieben werden konnte, der aber jetzt infolge des englischen Eindringens fast ganz unterbunden worden ist. Die deutsche Industrie sollte daher die Entwicklung Chinas nicht aus dem Auge verlieren, da sich ihr dort vielleicht ein lohnendes Absatzgebiet eröffnet. Natürlich dürfen die Im Handel mit solchen Ländern erforderlichen Sicherheitsmaßregeln nicht versäumt werden.“
* Metallpreise. Die Firma Vivian Younger u. Bonds in London hat auch in diesem Jahre ihre bekannte Tabelle erscheinen lassen, in der sie die Preisbewegung für Kupfer, Zinn. Blei, Silber und Eisen für die letzten 20 Jahre graphisch zur Darstellung bringt.
Salpetervorräte in Deutschland. Nach der Ha 1 bj ah restt ber sicht der Delegation der vereinigten Salpeterproduzenten in Charlottenburg stiegen die Chilesalpeter« lager itt Deutschland. Böhmen und MUhren in derZeit von Ende Juni bie Ende Januar von 11660 auf 61 535 t. itn Vorjahre, von 22170 auf 89 959 t. vor zwei Jahren ton 18146 aut 102 427 t. Auffällig ist, daß die Lager in Damtie und an der Weichsel sieh lutn ersten Ma e seit vielen Jahren bedeutend erhöhten, nämlich von 281 auf 10 399 t (i. V. von 20 auf 497 t); in Stettin und an der Oder stiegen sie von 3825 auf 10500 t (von 6360 auf 14862 t). im Elbe Inland ohne Homburg diesmal tiur von 4832 auf 36476 t (von 18450 nut 71000 t), Im Rheinland von 86»« **f 4201 t (von 2350 auf 8800 t).
barkeit nur möglich sei, wenn der Beweis erbracht werde, könne, daß diesen Personen' oder Institutionen eventuell« betrügerische Manipulationen nicht Verborgen sein konnten. Art. 17 über die Haftbarkeit der Gründer, Verwaitüng«nit-' glieder und der Revisionskommission für Verluste, di« diese verschuldet haben, lautet dahifa, daß Forderungen für solche Verluste an die genannten Personen auf Grund von Beschlüssen der Majorität der Generalversammlung oder der Minorität, wenn die Zahl der diesen gehörigen Aktien zum mindesten 1/ie des Grundkapitals beträgt, anhängig gemacht werden können. Die vom Entwurf vorgesehene Einschränkung, wonach jeder einzelne Aktionär nicht mehr als ein Drittel der Stimmen auf der Generalversammlung vertreten dürfe (jede Aktie gibt das Recht auf eine Stimme) wurde abgelehht. Die Bestimmung, wonach die Revisionskommission aus mindestens drei Mitgliedern besteht und zu ihrem Bestände auch Vertreter der Minderheit zu gehören haben, wurde angenommen. Art. 20 wurde dahin abgeändert, daß die Verwaltungsmitglieder im Laufe von drei Jahren, die Gründer im Laufe von fünf Jahren für Verluste gemeinsam haftbar sind. Unverändert bleiben die Artikel über die Liquidierung von Aktiengesellschaften und ihre Fusionierung • mit anderen Gesellschaften.
* Akt.-Ges. laiuchbammer, Riesa. Auf Grund des Beschlusses der neulichen Generalversammlung, das Grundkapital um M 2V» Mill, aut Jt, 10 Mill, zu erhöhen, werden nunmehr die n e u e n A k t i e n . die an die Dresdner Bank zu 150 pCt. begeben wurden, den alten Aktionären bis 21. d. Mts. derart Angeboten, daß auf je „Ä 3000 alte Aktien Jk 1000 neue zu 155 pCt. entfallen. Auf die neuen Aktien, die für das laufende Geschäftsjahr zur Hälfte am Erträgnis teilnehmen. sind 25 pCt. und das Agio sofort und restliche 75 pCt. am 1. AorU d. J. einzuzahlen. Der Erlös der neuen Aktien dient zur Beschaffung der Mittel tür Erbauung eines neuen Blechwalzwerks, der Erweiterung des Mart in Werks und einiger weiterer Neubauten. Die Dividende betrug in den letzten 4 Jahren ie 10 pCt.
* Aus der Kali-Industrie. Aus Halle a. 8., 5. d. M., wird uns geschrieben: „Der Bezirksausschuß in Merseburg bleibt auf seinem Standpunkte, mit Rücksicht auf die Verunreinigung der Flußläufe neueKonzessionen zur Anlage von Chlor- kaliumfabriken nicht zu erteilen. In seiner letzten Sitzung hat er der Gewerkschaft Eva und der B e r g b a u- gesellschaft Steuden, G. m. b. H., Berlin, die eine Chlorkalium-Fabrik erbauen 'und die Abwässer in die Saale ableiten wollen, die Genehmigung versagt.“
* Bank lür Grundbesitz in Dresden in Liqn^ Dresden. Aus Dresden, 5. d. M., wird uns geschrieben: .Der Verwaltunxsbericbt über das am 31. Dezember beendete Geschäftsjahr gibt Kenntnis von dem Verkaufe eines Dresdner Hausgrundstückes und dem nachträglichen Eingang einer früher abgeschriebenen Hypothek von Jf 10000. Inzwischen ist am 24. Oktober der gesamte Grundbesitz der Gesellschaft gemäß Generalversammlungsbeschluß zum Preise von Mark 980000 an die Dresdner Immobilien-Verkehrs- b a n k Übergebungen und die Gesellschaft in Liquidation getreten. Die Auflassung ist aber erst im neuen Jahre erfolgt, ebenso die Bezahlung des Kaufpreises, weshalb die Bilanz noch <Jl> 932000 (bezw. abzüglich darauf lastender Hypotheken noch
682 797) Grundstücke verzeichnet (Ende 1910 an Grundstücken Jt 640 245 und an Areal JC. 331 497). Die Debitoren einschl. Jl. 541 007 Bankguthaben, betragen JL 581 480 LX 419 768), Kassa, Wechsel und Effekten 59 483 VjK, 207 776), dem nur wenige <X41 609 Kreditoren gegenüber stehen, sodali sich der Liquidationssaldo per 31. Dezember auf 1232153 stellt."
Hypothekenbank In Basel. Das Institut sieht sich veranlaßt, füi 1911 seine Dividende von 7 auf 6% pCt. herabzusetzen bei einem Reingewinn von Frs. 545 855 (Frs. 566 044): ihre Aktivzinsen erhöhten sich auf Frl 3.27 (3.14) Mill., ihre Passiv zinsen auf Frs. 2.63 (2.48) Mill. Von den Frs. 71.61 (69.16) Mill. Hypotheken lauteten dl 28.77 gleich Frs. 35.51 Mill, auf deutsche Währung. Bei Frs. 7 Mill. Aktienkapital und Frs. 1.41 Mill. Reserven schuldete die Bank bei Jahresschluß an Obligationen Frs. 53.98 (50.47) Mill, und an Spareinlagen Frs. 9.83 (10.07) Mill. . '
Moritz Marx Böiiue Akt.-Ges., Bruchsal. Die itn Vorjahre mit Jt 570 000 Aktienkapital neugegründeto Gesellschaft, welche die Malzfabnkation betreibt, schloß für 1910)11 nach jK 15000 Abschreibungen ui t einem Verlust von jR. 12 911 ab. An Reserven ist das Gründlings- und Rückstellungskonto mit dt 17 901 vorhanden. Die Hypotbekenschulden betrugen vfc 94000, die Kreditoren nicht weniger als Jt 741 595. Das Immobilienkonto ist mit dt 606 000 bewertet. Die Vorräte betragen Jt 149 681, die Debitoren X 295 794.
Rheinische Spiegelglasfabrlk Eckamp bei Ratingen. Im Jahre 1911 kam der Absatz an Spiegelglas im Inlands dem des Vorjahres etwa gleich, dagegen trat auf dem Auslandsmärkte eine Verminderung der Nachfrage und im Zusammenhang damit ein Rückgang der Preise ein. Die Inbetriebnahme der Neuanlagen habe durch verspätete Ablieferung und Aufstellung von Maschinen eine gröbere Verzögerung erlitten. Die Verwaltung hofft auch für, das laufende Geschäftsjahr ein befriedigendes Ergebnis in Aussicht stellen zu können. Der Abschluß weist einschließlich Mark 248 631 (i. V. dt 129 609) Vortrag, nach Abzug von dl 97 704 (i. V. dt 132 015 einschließlich Kosten der Kapitalerhöhung) für Verwaltungskosten und Steuern sowie von dl 336 555 {dl 351276) für Abschreibungen einen Reingewinn von dt 1072 558 {M 1 036 696) auf, der wie folgt verwendet Werden soll: M 720 000 (dt 639 000) auf dl 4 Mill. (i. V." Mark 3 550 000 durchschnittlich dividendenberechtigtes) Aktienkapital als eine Dividende von 18 pCt. (wie i. V.), und dl 249 806 (dl 248 631) Vortrag.
Mechanische Weberei am Mühlbach, Augsburg-Pfersee. Dem Geschäftsbericht ist noch zu entnehmen, dal» die Gesellschaft im Interesse der Liquidität eine 4)4proz. Obligationenanleihe von X 500 000 und eine Hypothek auf die Arbeiterh&user mit dl 150 000 auf genommen hat. Der Warenversand stieg in 1911 auf dl 3.67 Mill. (i. V. dl 3.42 Mill.). Es ergab sich ein Warenbruttoertrag von dl 1 094 816 (dl 1087 747 i. V.) und bei dl 37 866 (dt 32 961) Abschreibungen, deren prozentuale Festsetzung und Verteilung nicht erkennbar ist, ein Reingewinn von dl 121 721 (dl 183 451). " Die Dividende sinkt bekanntlich um 4 pCt. auf 12 pCt.; dabei müssen dl 8678 der Dividendenreserve entnommen werden. Die Bilanz verzeichnet nunmehr Reserven mit dl 0.62 Mill, (i. V. dl 0.63 Mill.). Die dl 1.74 Mill, (dl 1.73 Mill.) Immobilien und Einrichtungen sowie dl 0.19 Mill, (wie i. V.) Arbeiterhäuser sind mit di 0.64 Mill. (M 0.49 Mill.) belastet, ihnen steht ein Amortisationskonto von dl 0.90 Mill. (M 0.87 Mill.) gegenüber. Kreditoren hatten dt 0.31 Mill, (dl 1.07 Mill.), zu fordern — der Rückgang ist auf die eingangs erwähnten Transaktionen zurückzuführen —, bei Debitoren standen Mark 1,06 Mill, (dl 1.07 Mill.) aus. In Vorräten waren dt 1.37 Mill. (dl 1.49 Mill.), in Kassa und Wechseln dl 19 887 (dl 20 046) vorhanden. Die Anfang November zu konstatierende, noch heute fortdauernde sehr starke Nachfrage habe die Vorräte inzwischen schnell reduziert, doch klagt die Gesellschaft noch über die Preisverhältnisse. Die Verhältnisse lägen noch immer nicht so, daü die Verwaltung allzu vertrauensselig in die Zukunft blicken könne.
Gewerbebank Aalen E. G. tu. I». H. Nach dem Bericht ergibt sich für 1911 ein Reingewinn von dl 20 610 (i. V. dl 23 319), aus dem wieder 5Vs pCt. Dividende verteilt werden, bei einem Gesamtbetrag von dl 283 161 (dL 280319) Geschäftsanteilen. Die Debitoren betragen dt. 1.18 (1.11) Mill. Die Zahl der Mitglieder ist um 2 auf 325 zurückgegangen, deren Haftsumme JL 290 500 beträgt.
