Hrfles oeo AkattitfuLier Acituug
Montag, 28. April 1913
Wummer 117 Seite 2
an der Wirksamkeit der
B. 5} raut amt, einer dcr bekanntesten tLhir^
be-
Westdeulscher WitietKandslag
ein
f Halle a. hier 69 Jahre
Tas Fricdmannschc SchwindsuchtSscrum.
R New A»rk, 27. April, 3 N. (Priv.-Lcl.) Dr. Fried- m a n n bercinhartc ntif einer hiesigen Drogenfirma, datz sein Schwindsuchtsserum durch 36 Gesellschaften in ebensoviel Staaten Vertrieben werden soll. Friedmann erhält 125 000 Dollars in bar sowie eine Beteiligung an den Gesellschaften. Er reist in den nächsten Tagen nach Deutschland. Friedmann hat es verabsäumt, die von den Vertretern des Bundessaniiätsdienstes verlangten und bett ihm begonnenen Demonstrationen fortzuführen, sodaß hiesige Fachkreise nach
S., 27. April, 6.50 alt der ordentliche
Montag. 28. Avril:
Kaistrsaal: 10 bis 1 (ittjcnla.).
Museen: Stadel 10 bis 1 (1,«); Stitdt. Galerie. Siebten - Haus 10 bis l hiftor.. 10 bis 3 (50 Pf.): kunstgew.. Scmkcub., Lölker-Mus-tgeschl.): Kochkunst- Mus. 10 biS 1, 2 bis 5 (50 Pf.).
Hochsches Kons.: fünfte Musikauf- sührung. Nm. 7.
Archit.- u. Jnq.-V.: Steinernes Haus. Prof. Luthmer: »Nassauische Burgen", Nm. 8.
Frauenklub: Höchste. 14, Dr. 233. Steitz: »Chicago", Nm. 8.
So,.-dem. Bert.: foitfm. B., Sie» derhasle nt Bockend.. Schütten- bot in Giunh.. Nlainzer Hof in Nödelb., Nm. 8.
Ortskrankenkasse: Gewerkschaft!« Haus, Gen.-Bers., Am. 8.
Be,.-B. Bockenb.: Psalzer Hof.
Schlohstr.32, Direkt. Neutchüfer: »D. ffrankf. Fortbildungsschul- toeiett", Nm. S'A.
Freidenker-Vgg.: kaulm. D.. Dr. I. Schiller: .D. kathvl. Priest« u. unsere Zeit". Nm. S3/«.
N. Heute Nacht starb llitiversitätsprofessor Ge-
wie vor erhebliche Zweifel Kur haben.
Finanzgc- auf die
ner hätten. Man solle sich freihalten von sedem Angriffe gegen die katholische Religion, aber mit aller Entschiedenheit den diese Religion mihbrauchenden Ultramontanismus kämpfen.
m Köln, 27. April. (Priv.-Tel.) Heute fand hier überaus zahlreich besuchter we st deut scher Mittel- st a n d s t a g statt, dem eine Ausschutzsitzung vorausging, an der Vertreter von etwa 300 Korporationen aus Rheinland und
Arahtmeldungen.
Privst-Drpeschen dcr Frankfurter Zritung.
a Luzern, 27. April, 7 N. In der kantonalen Volksabstimmung wurde die I u st i z r e f o r m mit 13 981 gegen 4059 Stimmen angenommen.
W Petersburg, 27. April, 6 N. Der frühere Redakteur der »Nowoje Wremja", Snjassarew, der vor einigen Wochen entlasten worden ist, nachdem eine gerichtliche Untersuchung feine interessierte Leilnahme an Geschäften der Firma Westinghouse festgestellt hatte, die beim Bau städtischer Straßenbahnen durch Bestechungen ungesetzliche Vorteile erlangte, versendet eine ausführliche Darlegung seiner Beziehungen zu den Hauptinhabern des Blattes, den Brüdern S u w o r i n. Snjassarew behauptet Verwandte dieser bei Westinghouse untergebracht zu haben. Er bestätigt die frühere Enthüllung des „Rjctsch", wonach der Chefredakteur Michail S u w o r i n eine Naphthakonzession erlangte und an Nobel weiterverhandelte. Die Beziehungen SnjastarewS zu Wesiing- house seien dem Herausgeber der „Nowoje Wremja" wohlbekannt gewesen. Die Lossagung sei erst erfolgt, als man
Missouri aufzugcben und laufende Policen a u f z u h e - bc n.
Rosario, 27. April. Ein Streik der Straßenbahner ist hier ausgcbiochcn. Die Streikenden fordern einen Arbeitstag von acht Stunden und Vermehrung dcr Zahl d.er Bahnen. Mehrere Straßenbahnwagen würden verbrannt. Der Arbciterverband hat die Unterstützung der Streikenden und den Generalstreik bcschlof- scn. In R o s a r i o ist der Handel unterbunden.
Wilhelmshaven, 27. April. Das Wrack des Torpedobootes „S 178" ist heute früh in Gegenwart einer Gerichtskommiffion geöffnet worden. Bisher wurden sieben Leichen geborgen.
Heimrat Fritz, _
urgen Deutschlands, der am 9. Februar 1888 als Assistent Bergmanns in Sau Remo an Kaiser Friedrich den
ohne Vorwissen SnjastarewS umfassende schäfte eingclcitct hatte, denen dieser
ImnkfurLer Angelegenheiten.
= Frankfurt, 28. April.
— Verkehr im Hauptbahnhof. Vom 1. Rai ab werben täglich 723 Luxus-, D-, Eil- und Personenzuge im hiesigen Hauptbahuhofe verkehren, nämlich 364 ankommende und 359 abgehende Züge. Durchschnittlich läuft also alle zwei Minuten innerhalb 24 Stunden ein Zug ein ober aus. Vor 25 Jahren, als dcr Hauptbahnhof eröffnet wurde, waren es kaum 250 Züge. Der Verkehr hat sich demnach nahezu verdreifacht. Die Vergrößerung der Bahnhofsanlagen um 6 Ein- und Aus- fahrtgleife mit vier Bahnsteigen ist also dringend notwendig.
= Bootshausweihe des Frankfurter Ruderklubs. Der im Jahre 1884 gegründete Frankfurter Ruderklub hat sich uniet;« halb der Gerbermühlc an den Mainwiesen ein neues Heim gebaut, das am Sonntag mit einer Feier geweiht wurde. (Sin festlich geschmückter Dampfer brachte die Gäste mainaufwärts. Nach einem Musikvortrag der Fnfanteriekapelle und Gesang des Schulerschen Männerchors hielt der Ehrenvorsitzende die Festrede, in der er die Entwicklung dcs Klubs schilderte, der nun zum sechsten Male genötigt war, sein Domizil zu wechseln. Dcr Platz, auf dem der nach den Plänen von Architekt Bicr» s a ck gestaltete schöne und praktische Bau steht, ist dem Klub auf 80 Jahre überlassen worden. Namens dcs Regattavereins überbrachte Bernhard Kahn Glückwünsche, für die Rudergesellschaft Germania Stadtverordnctcr Berncckcr. Ferner hatten alle übrigen Frankfurter und auch die Offenbacher Rudergesellschaften Vertreter entsandt. Dem offiziellen Akt folgte am Nachmittag ein Volksfest.
Tagesanzeiger.
* Berlin. Der Ausschuß des Antiultramonta- ten Reichsverbandes erlaßt eine Kundgebung zu den preußischen Landtagswahlen, die sich gegen das Zentrum wendet und davor warnt, irgend welche Wahlbündnisse mit der Zentrumspartei einzuaehen. Eine der ersten staatsbürgerlichen Pflichten sei, di« Aufrechterhaltung unserer nationalen Selbständigkeit und freiheitlichen Kulturentwickelung, die im Zentrum und im Ultramontanismus ihre gefährlichsten Geg-
Roch einige Worte zur Charakteristik der markantesten unter ben Angeklagten. O h m, der feit feiner Kindheit hinkt und gelähmt ist, gilt als ein Mann von außerordentlicher Intelligenz; in dein Dcpotunterschlagungsprozetz fiel er durch hervorragende Nechtskcnntnisfe auf, die er sich in der Untersuchungshaft angeeignet hat. Er hat sieben Kinder. Infolge des Konkurses, der auch über sein Vermögen eröffnet ist, befindet er sich gegenwärtig tu sehr schlechten Vcrmögensver- hältniffeii. Ein für seine Kinder bestimmtes Vermögen von 100 000 bis 150 000 Mark wird vom Konkursverwalter für die Moste reklamiert; cs schwcbt darüber ein Zivilprozeß. Er behauptet, sich persönlich nicht bereichert zu habe». Er ist der einzige Angeklagte, der in Untersuchungshaft fitzt. Hartwig und Hücbzermeycr find gegen Kautionen von 200 000 bezto. 100 000 Mark auf freiem Fuß. Huchzerrneyer, ein sehr angesehener Anwalt, war Vorsitzender dcs Aufsichtsrats bet Niederdeutschen Bank, Laue war der Leiter des Geschäfts in Münster. Hartwig stammt aus Oesterreich, war dann Direktor dcr Handelsschule in Dortmund und ein wegen seiner strengen Ansichten von der Anklagcbehördc oft zitierter Gutachter und Bücherrevisor. Hartwig und Ohm waren die Seel« des ganzen Unternehmens. N old en fungierte als Syndikus der Niederdeutschen Bank und als Direktor verschiedener Tochtergesellschaften, darunter der Frankfurter Gummiwerke A.-G. Seine Stelle als Rechtsanwalt in Elberfeld mußte er aufgeben, weil er wegen Prävarikation (Vertretung tvider- strcitender Interessen) eine Freiheitsstrafe erhielt, die in eine Geldstrafe umgewandelt wurde. Quanz war Direktor der Süiicncr Baut in Lünen, Sa nb mann der Direktor der A.-G. Poetter u. Co., Peuker und von dem Esche waren die Direktoren des Dortmunder Brauhauses. Kohleppel wurde von Hartwig, bei dem er früher angestellt wär, zum Direktor der Alemannia-Brauerei in Jmmiugcn gemacht.
Gin deutscher Weiuöauveröand.
li Mainz, 27. April. Heute wurde hier die für den gesamten Weinbau höchst bedeutsame Gründung eines deutschen Weinbau verbau des vollzogen. Ter neu: Verband umfaßt alle am deutschen Weinbau interessierten Kreise, also auch die seit längerer Zeit fernstchcndcn Wcin- baucrkrcisc dcr Mosel. Die Gründung dcs neuen Vcrban- dcs war nur durch die Auflösung bez bisher bcstchcn- dc» deutschen We i n b a u v e r e i n s möglich. Dies: Auflösung wurde beute Vormittag unter dcm Präsidium des Reichsrats Franz Buhl (Deidesheim) bcbattclos vollzogen. An der Spitze des heute Nachmittag neugegrünbeten Verbandes steht als erster Präsident Rcichsrat B u Ij I, als zweiter Reichstägsäbgeordnctcr Kommerzienrat Dr. Blankcn- h o r n (Müllheim) und als dritter Kommerzienrat C. Wcgeler (Koblenz). Ter langjährige Vizepräsident des Wcinbauvercins Geheimrat E z 6 h wurde zum Ehrenmitglied des neuen Verbandes ernannt. Ebenso wurden die vom Verein früher ernannten Ehrenmitglieder von Schor- lemcr-Licscr, Geheimrat Professor Bcrends (Dahlem) und Professor Müller (Thurgau) als Ehrenmitglieder des neuen Verbandes anerkannt.
Die neue Vereinigung, die nun eine einige und geschlossene Vertretung aller deutschen Weinbauer repräsentiert, tritt am 7. September in Mainz in dcr Stadthallc mit einem W e i nb a u p a r l a in e n t ldas letzte kam 1903 zu stände) zuni ersten Mal vor die Oesfcntlichkcit. Die Satzungen des Verbandes wurden nach längerer Debatte in gcheimcr Sitzung fcstgelcgt. Auch sanden die hessische Landwirtschafts- kanimer und der Wcinbauvcrein der Provinz Rheinhessen und dcr Bergstraße crfrculicherwcise einen Weg, um sich über die Vertretung im neuen Verband zu einigen. Tie Lanhwirtfchasiskammcr hotte nämlich dagegen Einspruch er- hoben, daß dcr rhcinhcssische Verein aus sich heraus sieben Mitglieder als Vertreter in den Verband senden wollte, da die Genossenschaft ihre zwei Sitze, die sie hätte besetzen können, nicht nominiert und dcr Vcrcin sie kurzer Hand übernommen hatte.
Sport.
Pferderennen.
= Berlin-Gruncwald, 27. April. Preis von Golm. 4200 Mk. 1. K. Hartmanns Billy Scat (93. Streit), 2. Trill, 3. Jessonda. Ferner: Chestnut Hackte; Llanludno, Ingo, The Flammg Tinman. 47:10; 12, 11, 12:10. — Preis von Großenhain. 4000 Mk. 1. Rittmeister v. Einsiedels Eister Phoebe (St. v. Platen), 2. Torquemada und Uamethen. Ferner: Macphearson, Cotton-Tail, Tory Hill II., GätaL 144:10; 37, 43, 32:10. — Künstlerin-Renneri. 6200 Mk. 1. Frhr. v. Reischachs Counteß Dorothy (Shurgold), 2. Jka, 3. Lermoos. Ferner: Delila, Heiligenthal, Carina, Fife honourS, Brangäne. 17:10; 13, 14, 25:10. — Stern-Jagdrennen. 10 000 Mk. 1. H. v. TreSkowS Luchs (St. Graf Strachwitz), 2. Sibel, 3. Jiu Jitsu. Ferner: Five o'Clock, Glenmorgan. 22:10; 14, 18:10. — Arnfried-Rennen. 5000 Mk. 1. H. v. Tepper-Saskis ChameropS (M. Smith), 2. Querulo, 3. Jeune fille. Ferner: Marzipan, Anthemis, Miß Quick. 65:10; 39, 20:10. — Minus-Jagdrcnnen. 5500 Mk. 1. St. Soogs Siebt!) (Bcs.), 2. Pilis, 8. Sieglinde. Ferner: Kljataga, Triumvir, Chcmoinc, Lockmau, Schwärmerin. 70:10; 23, 20, 26:10. — Pitcllius-Handicap. 4200 Mk. 1. v. Brezsas Ostia (Fritsche fr.), 2. Constantin, 3. Frankfurt. Ferner:. Waldtraut, Hildur, Sina. 24:10; 13, 14:10.
— Hamburg, 27. April. Eröffnungs-Rennen. 6000 Mk. 1. E. ZeyllS Hebron (F. SuUorfi, 2. Ninivc, 3. Planet. Ferner: Henry Clay, Saune, Nothklce, Sapperment, Matador, Orchidee, Sorü Sophus, Miesmuschel. 121:10; 27, 17, 17:10. — Wandsbeker Rennen. 9000 Mk. 1. I. Oldes Norton Con lRccS), 2. Savalliäre, 8. Furka. Ferncr:Sandsknecht, Bignonnc, Reklame. 64:10; 19, 14:10. — Frühjahrs-Handicap. 20 000 Mk. 1. F. C. Krügers Eccolo (Rastenberger), 2. Cäm- Dronnc, 3. No. 17. Ferner: Bajazzo, Aschanti, Young Turk, Blood Orange, Joseph I., Boiling Hot, Saint Maximin, Hu- bertus, Hock. Kalif, Dandolo, Labrador, August von Michendorf. 53:10; 18, 26, 50:10. — Verkaufs-Rennen. 4000 Mark. 1. H. Höpvners The ProudPrince <F. Bullock), 2. MoS- lcm, 3. Sittle Lady. 14:10. — Dorn-Rennen. 10 000 Mk. 1. Graf Seidlitz-Sandreczkis Sibylle (I. Lane), 2. Haeckel, 3. Krösus. Ferner: Eau de Cologne, Crinoco, Was ihr wollt, Göttersage. Türkenbund, Melone. 80:10; 23, 29, 15:10. —- Hammonia - Hürdenrennen. 5000 Mk. 1. I. JmicS Marius IV. (Johnson), 2. Sweet flog, 3. Lynch Sato, ferner: Robinstown, Grosvenor Garden-, Priotina. 85:10; 23, 13:10. — Peru-Jagdrennen. 4000 Mk. 1. H. RiegeS TaI» mont (Newey), 2. Bakers Sab, 3. Faultleh. Ferner: Brax- field, Sisnagarvey. 21:10; 13, 20:10.
sp Hamburg, 26. April. Für daS FrühjahrS - Hand,- cap wurden 17 Pferde gesattelt, die ziemlich geschlossen vom Start abgingen. August von Michendorf führte zunächst vor Hubertus und Blood Orange, dann vor HubertuS und Labra- Vor und dehnte seinen Vorsprung allmählich bis auf 5 Sängen aus. Im vorletzten Bogen war daS Leichtgewicht eingeholt und sofort erledigt. Hubertus und Labrador Warnen in Front in die Grade, waren aber in der Distanz geschlagen. Eccolo nahm nun die Spitze und wies zuletzt einen Angriff von Cambronne mit 1 Länge sicher ab. Nr. 17 war zum Schluß mit schönem Vorstoß gekommen und besetzte A .Sänge zurück dcn dritten Platz vor ben im toten Rennen cinkommcndcn Kalis und Blood Orange.
— Mannheim, 27. April. Waldhof-Jagdrennen. 5000 Mk. 1. I. ü. G. Reimanns Grasmücke (St. Knel), 2. Succurs, 3. Miasma. Ferner: Earl, Tiana, Erato. 1 S., 1% S. 92:10; 35, 25:10. — Preis vom Neckar. 6000 Mk. 1. St. Graf HolckS Saint Sy er r eo I (Bcs.), 2. Jstnboy, 3. Sensible Symons. Ferner: Saint RuleS. 2 L., 20 L. 45:10; 16, 14:10. — Heidelberger Jagdrennen. 4000 Mk. 1. F. SimonS H a b c • (St. Graf Holck), 2. May Royal, 3. Bonnccoste. Ferner: Melilla, Over lhe Matter. Braw Saddic. Handgalopp, 5 9. 44:10; 22, 39:10. — Rosengarten-Flachrennen. 3000 Mk. 1. Dr. G. Pachalys Steps (St. Dcmnich), 2. Miclleux, 3. Sun« batb. Ferner: Courvoisicr Napolson. 4 S., 3 S. 20:10; 12, 13:10. — Preis vom Rhein. 15000 Mk. 1. G. NettcS Kann doll (Herr Todel), 2. Turandot, 3. Sonnenblick. Ferner: Asa, Jelängerjelieber, Juker. Sichtenstem. 1 £5 2. 24:10; 13, 15, 18:10. — Offizier-Hürdenrennen. 3000 Mk. 1. A. v. SansemannS Courvoisicr Napoleon (St. Graf Bethusy-Huck), 2. Coral Wave, 3. Rosales. Ferrier: Wagonette. The Green Hand. */» S., 2 2. 16:10; 14, ^0:10.
— Horst-Emschcr, 27. April. Marc Aurel-Rennen. oOOO Mark. 1. St, Gerekes Mindenkem (Subtoig), 2. Granville, 3. Zinia. Ferner: Belle Affise, Absage, Ger, Donatello. 105:10; 16, 12, 13:10. — April-Hürdenrennen. 2000 Mk. 1. Wepes Ioi (E. Franke), 2. Pantagrnel, 3. Crbnung. 20:10. — Rheinisches Flachrennen. 3000 Mk. 1. S. WhrteS A rd rn g- ton (F. Holoubek), 2. Saint Distaff, 3. Ammon. Ferner: Sittle Ben, Uranus, Polar Star, Daruvar. 81:10; 23 24, 22:10. — April-Sandicap-Jagdreunen. 4000 Mk. 1. H. Sie- mannS Zucht (Kühl), 2. Beaufort III., 3. Spezi. Ferner: Guindale, Rekrut, Cvpris, Hold Up II., ^rmsby GMabre, Guesiurttia, First Flutter, Flibustier. 64:10; 18, 2o, 40:10. — Baumgarten-Jagdrennen. 2000 Mk. 1. H. Krauses F araga
Spur gekommen sei. Es handelt sich nach den Erklärungen Snjaffarcws um die Finanzierung des Feldzugs gegen Kokowzow und dcn Direktor der Kreditkanzlei D a- w y d o io durch den Finanzier Manus und drei Großbanken, die 50 000 oder mehr Rubel an Boris Sutoorin, dcn Redakteur der Abendausgabe dcr „Melscherneje Mrcmja" bezahltcn. Die Affäre droht zu einem großen Skandal auszuwachsen.
Wolfes tolegraphlschrs TorresponLrnr-Burrsn.
Paris, 27. April. Nach einer Meldung aus Nancy wurde dcr Staatsanwaltschasisstcllvertretcr P all lot in Brietz, als er gestern Abend eine Wirtschaft betrat, von zwei Bergleuten namens I u n g e l s und Blaß beschimpft und sodann auf der Straße arg mißhandelt. Erst als auf die Hilferufe Paillots mehrere Perfonen herbeieilten, ergriffen die beiden Bergleute die Flucht. Sie wurden jedoch festgenommen und nach dem Gefängnis gebracht. Ein Blatt behauptet, daß die beiden Bergleute Deutsche seien.
Paris, 27. April. Dem „Echo de Paris" zufolge sei der Kriegsminister mit dem Plan beschäftigt, eine Anzahl von Radfahrer-Abteilungen mit Maschinengewehren aus- zusiatien, da die seit längerer Zeit unternommenen Versuche ein günstiges Resultat geliefert haben.
Paris, 27. April. Wie aus Casablanca gemeldet wird, hat daS dortige Konsulargericht verfügt, daß die strafrechtliche Verfolgung des Schweizer Bürgers M o n 1111 o t, welcher vor vier Monaten in Paris unter dcm Verdacht dcs Waffen- s ch m u g g e l s nach Marokko verhaftet und nach Casablanca gebracht worden war, eingestellt wird.
Paris, 27. April. Kardinal Vannutelli hielt, als päpstlicher Legat bei der Hundertjahrfeier dcs katholischen Schriststcllcrs O z a n a m eine Rede, in der er sagte: „Schon Papst Gregor XI. habe das französische Volk dir „auserwählte Nation" genannt. Papst Pius X. führe dieselbe Sprache. Er erblicke in dem katholischen Frankreich die Hoffnung der Kirche, welche den Untergang so vieler hundertjähriger Werke und die Untreue ihrer eigenen Kinder be- trauere.
La (Toruna, 27. April. Im Anschluß an ein Bankett, welches öie hiesigen Konservativen zu Ehren des früheren Ministers L a c i e r v a gestern Abend veranstalteten, kam cs zu feindseligen Kundgebungen der Arbcitergcwerkschaftcn in den Straßen und zu Zusammenstößen. Tie Polizei schritt ein und nahm mehrere Verhaftungen vor.
Peking, 26. April. (K. G.) Tcr V c r.t r a g über die Anleihe von 25 Millionen Pfund Sterling wird abends unterzeichnet.
Washington, 27. April. Ter Generalanwalt Mc. R c y- n o I b t erklärte in einer heute überreichten Eingabe an dcn Obcrstcn Gcrichtshöf, daß die Verschiebung der Frist für die Auflösung der Fusion zwischen der Union und der Southern Pacific bis zum 1, Juli von großer Bedeutung für das öffentlich« Interesse sein könne, weil dadurch möglicher Weif« gewisse langwierige Streitereien unnötig gemacht würden. Ei fei indessen entschieden gegen di« Ausd«hnung über dieses Datum hinaus.
Jefferson City (Missouri), 27. April. Der Staatsgene- ralanwalt Barker beim Obersten Gerichtshof des Staates Missouri hat ein Verfahren gegen 109 Fcucrvcrsichcrungs-Gc- s«llfchast«n anhängig gemacht, darunter befindet sich die Sße- stein Insurance unter der Anklage dcs Verstoßes gegen das Antitrustgesetz, weil sich die Gesillfchaften zusammengctan hat- ten, um sich aus dem Staat Missouri zurückzuziehen. Die gesetzgebende Körperschost des Staates Hatz vor kurzem ein Ge- setz angenommen, durch welches die Versicherungsprämien im Staate Missouri Herabgesetzt werden.. Daraufhin haben die meisten Versicherungsgesellschaften beschlossen, ihren Vitz in
Seite übrigens olle Sympathien sind, die letztere verstänviger- rocife zurückgezogen. Aus rein technischen Gründen ist nämlich ein« Durchführung dieser Forderung in Obcrschlcsien außerordentlich schwierig, wenn nicht unmöglich- An der Lohnerhöhung halt man vorläufig fest, obwohl man sich wohl nicht viel Hossnung machen wird, daß die Gruben, die erst im Vorjahre den Lohn um 7—10 pCt. erhöht haben, wie sie überhaupt, das wird man ihnen zugcsicheu müssen, bei günstigen Konsunkturen bisher di« Arbeiter immer daran partizipieren ließen, nun die Löhne um 15 M. hcraussetzen würden. Tie Verwaltungen lehnen in der Tat auch beide Forderungen entschlossen ab. Sie könnten eine Lohnerhöhung nur dann vornehmen, sagen sic, wenn sie gleichzeitig die Kohlenpreise erhöhen könnten. Tas aber sei bedenklich mit Rücksicht auf di« Konkurrenz, das Ausland und dic ohnehin schon großen, allge- meinen Klagen über zu hohe Kohlenpreise.
Es ist in diesem Zusammenhänge völkerpstzcholoaisch nicht uninteressant, daß trotz sozialer Fürsorge, trotz Lohnzulagcn beim obcrschtesifchcn Bergarbeiter ersahrungsgemäß keine Verfeinerung der Lebensgewohnheiten eintritt, sondern daß er dann in der Stege! dem Hange verfällt, weniger zu arbeiten. In der Tat wird in Obcrschlefien im Verhältnis zu anderen Revieren am meisten gefeiert. Das zeigt die amtliche Statistik, nach der verfahrene Ärbcitsschichtcn auf einen Häuer in Obcrschlcsien kommen (1912): 289, in Dortmund: 315. Dic zwcite Forderung dcr Arbeiter lehnen die Gewerke aus technischen Gründen und deshalb ab, weil ihre Turchsührung eine indirekte Lohnerhöhung bedeuten und die Generalunkostcn für dcn Bctricb erheblich vermehren würde.
Die Führer des Ausstandes haben erklärt, mindestens vier Wochen aushaltcn zu können. Haben sie nicht das Geld, das sic zu haben vorgaben, so dürfte der Ausstand sehr rasch beendet sein. Tenn wenn hie Streikunterstützungen aufhören, hört auch die Lust am Streik auf. Man wird nicht vergessen dürsen: mächtige Bundesgenossen haben die Zechen im Kampfe gegen den Streik. Das sind die Arsiciterwohnhäuscr und die Familie, sowie der Umstand, daß hier ein beträchtlicher Teil der Arbeiter eine Art kleiner Bauer ist, der fein Feld und feinen Garten bebaut, feine Kühe und Schweine und Hühner züchtet. Diese bäuerlichen Bergarbeiter stürzen sich nicht — so gern sie eine Lohnzulage mitnehmen —, wegen Achtstundcnschicht und Lohnerhöhung in «ine ungewisse Zukunst. Sie brauchens nicht. Und was die andern anlangt, die, die in den Familienhäusern wohnen, nun, so ist bekannt, daß diese Arbeiterwohnhäuscr einen Arbeiterstamm schassen, dessen wirtschaftliche Abhängigkeit keine Streikgelüste aufkommen läßt. So liegen die Tinge. Es ist kaum anzunehinen, daß, die Arbeiter mit diesem Ausstande einen nennenswerten Erfolg haben werden.
r Gleiwitz, 25. April. Die Grubcndircktoren beschlossen in einer Sitzung zu Kattowitz, auf keine der von den Streikenden gestellten Forderungen einzugehen. In ben Gruden besteht nirgends eine Gefahr für die Anlagen, auch ist dcr majdjineüc Betrieb nirgends gestört. Die Nachricht von dem Ersaufen der Eminenzgrube ist erfunden, ebenso ist cs unzu- treffcnd, daß die Karstenzentrumgrube gefährdet erfcbeiitcn. Weder auf der Marthahütte noch auf dcr Baildenhütte, wo der Betrieb wegen Kohlenmangel eingestellt oder eingeschränkt sein soll, hat der Streik bis jetzt einen Einfluß auf die Arbeitsweise gehabt. Dasselbe gilt vom Borstgwerk. Nur der Bahnversand leidet unter dem Ausfall der Förderung. Es wird angenommen, daß sich dec Ausstand höchstens bis zuni nächsten Vorschuß- tag (30. April) hinziehe. Die polnische Berussverciniung, dic die ganze Ausstandsbcwegung inszeniert hat, gibt sich die größte Mühe, die Zahl der Streikenden zu verinehren, hoch sinh ihre Erfolge bei her sehr mangelhaft organisierten Masse hei ober- schlesischen Grubenarbeiter nur gering.,
Obwohl hie Streikenben nur etwa ein Drittel her gesamten Belegschaft ausmachen, ist hoch her obcrschlcsische Kohlenvcr- scmb, her am Dienstag noch 70 722 Waggons betrug, am Mittwoch unb Donnerstag bereits auf 4000 Waggons zurück- geganaen. In biefen Tagen weilte auch Rcgicrungspräsihcnt v. Schwerin aus Oppeln im Streikgebiet, um bie Lage tu prüfen unb mit ben örtlichen Polizeiverwaltungcn zu konferieren.
Au den preußischen Landtagswahlen.
Der konservative Wahlaufruf.
Der geschäfiSführenh« Ausschuß her konservativen Partei veröffentlicht einen Wahlaufruf, bei lediglich zum Ausdruck bringt, baß bie Konservativen jeben Fortschritt verhinbcrn wollen. Mit gewohnter Bescheibenheit ihentifizieren sich bie Konservativen mit Preußen unb stellen bie Wahrung ihres Besihstanbes als ein Interesse Preußens hin. Im übrigen befaßt sich her Aufruf fast nur mit bem Wahlrecht unb bringt bi« fefte Absicht zum Ausbruck, am preußischen Wahlrecht nichts ändern zu lassen. Er nennt das Wahlrecht bewährt, weil es Den Konservativen die Mandate sichert; er spricht im Gegensatz zur Wahrheit von einer Abstufung des Wahlrechts nach Pilicht und Leistungen und behauptet ebenso wahrheitswidrig, daß es dem Mittelstände einen überwiegenden Einfluß gegenüber dem Massenwahlrecht gibt, während längst nachgcwicscn ist, daß der Mittelstand unter dem Dreiklassenwahlrecht am wenigsten Einfluß hat und unter der öffentlichen Abstimmung am allermeisten leidet. Natürlich wollen die Konservativen auch von einer anderen Wahlkreiseinteilung nichts wissen. Ter konservative Wahlaufruf läßtffonach mit unzweifelhafter Teut- lichkeit erkennen, daß bie Konservativen sehe Reform hes Trei- klassenwaHIrechts zurückweisen, weil sie bem konservativen Groß- arunbbesitz bie ausschlaggebenbe Stellung sichern wollen, unb haß sic zu hiesem Behuf« nach wie vor bie große Masse bet preußischen Wähler von jebem politischen Einfluß ausschlicßen wollen. Auf biese Kunbgebung bcs parteipolitischen Eigennutzes wirb bi« Wählerschaft hoffentlich bie richtige Antwort geben.
Luftröhrenschnitt voruahm.
Gabriel von Seidl T.
München, 27. April. Der Architekt Gabriel von Seidl, her Erbauer des Deutschen Museums, ist in Bad Tölz im 65. Lebensjahre gestorben.
(Prof. Dr. ing. Gabriel v. Seidl, der Bruder Emanuel v. Seidls, wat 1848 in Müiichcn geboren und besuchte das Poly- techinkum unb die Hochschule feiner Vaterstadt; sein Lehrer in dcr Baukunst war G. Ncureuthcr. Zunächst maschiiientechnisch tätig, toibmetc sich Seiht erst nach dem Krieg der Architektur. Neben vielen Privathäusern, Villen und Schlöffcrn, die er mit erlesenem Geschmack auszustattcn ivutzte, baute er die Rathäuser zu Jugolstadt unb Worms, die Anna- und di« Nuper- iuskirche in München. Seine letzten größeren Arbeiten waren das Deutsche Museum in München, das Stadthaus in Bremen und das Historische Museum der Pfalz in Speyer. Auch in Frankfurt War Gabriel v. Seidl tätig, u. a. stammen die Fassade des Restaurant Kaiserkeller und der Tempel für das Grab der Frau Rath auf dem Petcrskirchhof von feiner Hand. D. Red.).
Tas Kammermusiksest i» Bonn.
P. B. Bonn, 27. April, 9.20 N. (Priv.-Tel.) In der B ce t- Hoven Halle fand das Eröffnmigskonzcrt dcs fünf Tage um« fastenden 11. K a ui m cr m u s i kf e fl e s des B e r eins B c c t h o v enha us ffatt. Das Fest, das diesmal je einen BrahmS-, Bach-, Beethoven- unb Reger-Abend bringt, erhielt am ersten Abend die Signatur des Außergewöhnlichen durch Eugen dÄ IB c r 18 Wiedergabe von BcethoveuS großer Fmoll« Sonate, die mit einer von allen int engen Sinn piauistischcn Spezialeffekten losgelösten, rein musikalisch gestaltenden Genialität zu Gehör kam. Außerordentlich schön und klanglich sauber waren auch die Brahms-Vorträge des Klingler- Quartett?, zu dem int 1'moll-Quintett d'A lbert als Klavicrpartner trat und dadurch auch der Wiedergabe dieses Werkes dcn Stempel überragender Größe gab.
Ser Balfanftieg.
(Letzte Meldungen.)
M Rom, 27. April, 8 N. (Priv.-Tcl.). Tic neue Komplikation her albanischen Frage erregte hier in diplomatischen Kreisen lebhafte Bestürzung. Tie Proklamation Essads ist kein schlechter Scherz, sondern sie wird von dcn Konsuln in Albanien bcstätigt. Die Mächte, bie sich Vorbehalten haben, ben albanischen Thron im Einvcrstänbnis mit bem Sultan unter Erhaltung her türkischen Souveränität zu besehen, werben sich nach her hiesigen Stimmung wenig burch bas fait accompli Essabs beeinflussen lassen. Immerhin ist bie Lösung noch mehr erschwert.
Morgen wirb her Schritt her Mä ch t e bei Montenegro erfolgen. Wenn man weiter fragt, schweigt alles, ba man mit einer Politik von her Hand in den Mund noch am besten um bic Gefahr eines Zusammenbruchs herumzukommen hofft.
Salonik, 27. April. (W. B.) Tas Gencralkoinmaubo her b u I g ß r i s ch c n B esatz u n g von Salonik hat bie Weisung erhalten, beit Abmarsch her bulgarischen Infanterie zu sistieren. Jnfolgebessen wirb bas bulgarisch« Post- unb Telegraph«naml sowie bie Filiale bet bulgarischen Rationalbank in Salonik nicht geschlossen. Nur bie bulgarische Artillerie ist von Salonik nach Serres zurückgezogen worben.
Westfalen teilnahmen. In der Sitzung wurde erklärt, daß man den Gang der Verhandlungen über das S u b m i f - fionstoesen im Reichstage als dcn Interessen des Mittcl- ftaubes entsprechend nicht mischen könne. Auf eine Anregung des Stadtverordneten Oestreich (Köln), eine Verbindung der Submisfionsämter mit den Handwerkskammern hcrbeizu- führen, entgegnete her Abgeordnete Trimborn, daß die Submiffionsämtcr neutrale Stellen fein mutzten, da neben dem Handtocr! auch die Industrie beteiligt fei. Es wurde beschlossen, einen S a n d e s a u s s ch u h für Rheinland und Westfalen zu gründen. Tcr Statutcncnttourf wurde einstimmig genehmigt.
Die öffentliche Tagung leitete Geh. Rcgicrungsrat Romberg, der die Förderung des Mittelstandes als die wichtigste Aufgabe für Staat und Gemeinde bezeichnete. Abgeordneter A ft o t kennzeichnete di« Maßnahmen zum Schutze des Detail. Handels und forderte gleiche Besteuerung der Konsumvereine mit. den Detailgefchäften. Stadtverordneter Esser vom Rheinischen Haudwerkerbuud will durch die Vervollkommnung der technischen, kaufmännischen und finanziellen Leistungsfähigkeit einzelner Handwerke den dem Handwerk zuftehenden Einfluß gewinnen. Juftizrat vom Grafen vom Zentral- vcrband deutscher Haus- und Grundbesitzer erklärte sich bereit, sich der Mittelstandsbetoegung anzuschließen. Bürgermeister Eberle trat für eine einheitliche Organisation des Mittelstandes zur Vertretung einheitlicher Wünsche ein.
Interessant war dic Erklärung des Vertreters des Rheim- fchen Handwcrkerbundcs, wonach dieser den bisherigen Haud- toerkerkandidaiemfür die Landtagswahlen der Zentrumspartei, die den sicherMWahlkreis dem Handwerk überlassen wollte, nicht präsenteren könne, weil alle in Betracht kommenden Handwerker durch beruflich« Tätigkeit auher Stande feien, Ctpe KcMbidatur zu übernehmen.
Gerichtszeitttng.
Die Ohmprozefle.
I.
-ny Dortmund, 24. April. Der Zusammenbruch der N i e- derdcutschen Bank in Dortmuno soll seine richterliche Sühne finden durch die am 28. April beginnende mchrmona- tige Verhandlung gegen die persönlich haftenden Gesellschafter Ohm und Saue, sowie 13 andere Persönlichkeiten vor der Dortmunder Strafkammer. Die Niederdeutsche Bank, deren Konzern eine große Anzahl von Instituten und Tochtergesellschaften umfaßt, ist — dar sei hier kurz rekapituliert — auS Der Firma „Westfälische Bankkornmandite Ohm, Hernekamp und Co. hervorgegangen. Sie führt den Namen „Nieder- deutsche Bank, Dortmund" seif 1908 und war als Kommanditgesellschaft auf Aktien mit einem Kapital von 1,10 Millionen Mark gegründet. Im Laufe der Jahre wurde das Aktienkapital auf 12 Millionen Maik erhöht. Am 27. Juli 1910 kam es zum Konkurs. Die Grunde des Zusammenbruchs, die in der Strafkammerverhandlung noch eingehend erörtert werden, sollen darin liegen, daß in der Bank, die sich überschnell zu einer Großbank entwickeln wollte, eine verderbliche Klüngel- toirtjchaft herrschte, daß dort Geschäfte mit den eigenen Leitern, mit den Auffichtsratsmitgliedern gemacht wurden, daß eine gc» toaltfame Errechnung von Gewinnen durch Verkauf felbstge- züchfetcr Uebertoerte erfolgte. Eine der wichtigsten Finanz- Verbindungen des Instituts war die Berliner Handelsgeselt- schaft, dic die Aktien dcr Nicdcrdeutschen Bank au dir Berliner Börse brachte, worüber gegenwärtig zivilrechtliche Rc- grehausprüche eingeklagt sind. Geldmittel flössen der Bank besonders durch Heranziehung von Depositen und durch Einführung der Haussparkassen zu.
Eine Reihe von Ohmprozesscn, Vorläufer des jetzt begin« den Hauptprozcsses, haben bereits staftgefundcii. So wurde Ohm wegen Vergehens gegen das Depotgesctz, Untreue und Urkundenfälschung am 21. November 1911 zu acht Monaten Gefängnis und 2100 Mk. Geldstrafe verurteilt. Von dieser Strafe bat Ohm durch Unterbrechung dcr seit Juli 1910 über ihn verfügten Untersuchungshaft fünf Monate Gefängnis verbüßt. Dcr auf dcn 23. November 1911 angefetzt gewesene zweite Ohmprozeß wurde vertagt. In der lebten Woche haben endlich drei kleinere Vorprozcssc ftattgefunben, über dic be- richtet wurde. In einem war auch Ohm angeklagt, doch wurde er unter Ucbernahrnc dcr Kosten der Verteidigung auf die Staatskasse freigesprochen.
In dem am Montag beginnenden Hauptprozessc sind ange« klagt: 1. der Bankdircktor Julius Ohm, 2. der frühere Bankdirektor Robert Laue, 3. der Rcchisanlvalt Juftizrat E. H u ch z e r in c y e r zu Gelsenkirchen, 4. der Architekt uno frühere Stadtrat Maiweg, 5. der QberlandeSgerichtsrat a. D. Gch. Justizrat Im Wall c-Münficr, 6. der Rentier uns frühere Bankier Anton P ü 11 m a n n, 7. der Bücherrevisor S. H a r t w i g, 8. der Direktor Dr. N o l d e n zu Berlin-Schöneberg, 9. der Bankdirektor Quanz zu Lünen, 10. der frühere Prokurist Benner, 11. der Direktor Sandmann, 12. 6er Braumeister Wilhelm Peuker, 13. der Kaufmann von dem Esche, 14. der Direktor Wilhelm K o h l e p p c l, 15. der Direktor Georg Blanck zu Düsseldorf. Tie Hauptangeklagten toerben B e r t e i b i g t: Ohm von RcchtSanwalt Frank I.-DorL mund, Huchzermcycr von Rechtsanwalt Dteilach l-Esscn, Laue Bon Rechtsanwall Nutz, Maiwcg von Justizrat Nicmeycr-Effcn, Hartwig Bon Rechtsanwalt Wcsthaus-Düsscldorf. Als Sa®« verständig« werden fungieren: Die Büchersachver>i«u- digen Schourp-Essen und Siegfried-Frankfurt, dcr Konkursverwalter der Niederdeutschen Bank Haack-Dortmund, Bankdirektor Pape-Dortmund und Bankier Dr. Loeb-Berlin. Tie Leitung der Verhandlung liegt in den Händen des Landgerichtsdirektors Wanjura, die Nnklagebehördc wird durch dic «taatsautoälte Fuhrmann und Windhorst vcrtrctcn.
Dic Hauptanklagepunkte betreffen Uebcrgrün» düngen, Bilanzverschleierungen, Schiebungen bei Erhöhung des Aktienkapitals, namentlich bei der Niederdeutschen Bank selbst, ferner unrichtige Angaben in Prospekten bei der Einführung der Aktien an der Berliner Börse durch die Berliner Handelsgesellschaft und schließlich Untreue, begangen durch uns berechtigte Verteilung Bon Dividenden und durch unberechtigte Annahme Bon Tantiemen durch Vorstand und Aufsichtsrat. Tie Anklagcbehördc behauptet, datz bei fast sämtlichen Uutergcsellschaften des Konzerns fogenannte lieber» gründungen durch zu hohe Bewertung dir cingrbrachtcn gewerblichen Anlagen und Grundstücke erfolgt sind. Eine bc- fonbere Rolle spielt die Uebcrroertung Bon Patenten. Es sollen Patente zu Ijunberttaufenb Mark unb int Falle der Tochtergesellschaft Nonaera, Aktiengesellschaft für luftlos elastische Fahrzcughcreifung in Düsseldorf, sogar für mehr als eine Million Mark eingebracht fein, die nach der Anklage geringwertig oder fast wertlos sind. Bei fast fämtlichen Gründungen werden dcn Angeklagten falsche Angaben hinsichtlich der Ein^ zahlung dcs bar zu zahlenden Teiles dcr Aktien Borgetoorfcn. Es wird gerügt, datz der Vorstand dem Rcgisterrichtcr die Erklärung abgegeben hat, datz dieser Teil des Aktienkapitals haar in der Hand des Vorstandes sei, während es sich in Wirklichkeit lediglich um Umbuchungen bei der Niederdeutschen Bank handelte. Hinsichtlich der Gründung der zehn Tochtergesellschaften steht die Anklage auf dem Standpunkt, datz ihre Gründung nur zum Zwecke dcr Beschaffung von Barmitteln, damit die Nicderdcutfche Bank auf sie ziehen konnte, und ferner zur Verschönerung der Bilanz erfolgt ist. Ferner wird fast allen Angeklagten BilanzBcr- schleierung Bcrgcroorfen.

